REISEN I1V WER REGENTSCHAFT I). MORITZ WAGNER. NEBST EINEM NATURHlSTORlSCiIEN ANHANG UND EINEM KU PF ERAT LAS. zweiter band. LEIPZIG, VERLAG VON LEOPOLD VOSS, H|lt;iIIIÄNI>LKU l>. K. ACAMKMIK IJ. VV1SSKNSIIIAFTKN ZU ST. l'KTKRttlll'RC ALGIER J836, 1837 und 1838 VON Inhalt. llie Völker der Regentschaft Algier I. Die Araber............. IL Die Kaf.ylen............ III. Die Mauren . . ......... IV. Die Türken und Kuruglis....... V. Die Juden............. VI. Die Neger............ VII. Die Mosabiten.......... . Seite 1 3 54 71 88 93 106 110 (üeMcliiclitliche Bemerkungen über die Regentschaft Algier. I. Nordafrika von den ältesten Zeiten bis Xta Landung der Tur- II. Von der Begründung der türkischen Herrschaft in Algier bis zur Uebergabe Algiers an die Franzosen im .labre iSiO 141 III. Algler unter der Herrschaft Frankreichs. — Marschall Bonnnont. — Expeditionen nach Beiida, Bona umlOran. — Juliusrevolution. — Abreise Bonrnionfs. — Ankunft des Marschalls Clauzel.— Maassregeln der innern Verwaltung.— Expedition nach Medeah. — Kampf und Blutbad in Beiida. — Verträge mit Tunis. — Abberufung ClauzelV — Ankunft des Generals Berthezene. — Zweite Expedition nach Medeah. — Gefechte in den Umgebungen Algiers. — El-IIadschi-Mahiddin-el-Sghir-ben-Mubarek's Krnennung zum ken in Ali-i 119 Aga zahlreichsten sind, Khaili in Algier und Tunis; die Tua-rik und Tibbo in einigen Gegenden des Südens von Trifft* Iis und der übrigen Berberei sind vermuthlich auch Kabylen. Ihre Sprache nennt man bei Budschia KbaTlia, im Inneru der Provinz Constantine Schau iah, an der Tafiia. und au der Ostgränze von Marokko Schilha, im übrigen Marokko Amazirgh. Ganz gewiss gehören alle diese verschiedeneu Dialekte einer Stammsprache an, welche mit der arabischen keinerlei Gemeinschaft hat. Die Kbaili in Algier und die Amazirgh in Marokko verstehen einander, während dem Araber beide Idiome völlig fremd sind. Die Frage, woher wohl dieses zahlreiche, unzugängliche, noch so wenig bekannte Volk, welches ein ungeheures Gebiet bewohnt, und in so naher Nachbarschaft von dem lüiidergie-rigeii Buropa eine mehr als tausendjährige Freiheit zu behaupten wusste, stammen mag, ist noch nicht genügend gelöst worden, und wer weiss, ob sie bei der Barbarei und Abgeschlossenheit der Kabylen je gelöst werden kann. Die meisten Geschichtsforscher und Geographen halten sie für die Abkömmlinge der alten Numidier, andere, die wohl von einigen blonden Stämmen im Innern gehört haben, für die Nachkommen der Vandalen. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass die heutigen Kabylen aus einem Gemische der verschiedenen Völker entsprungen sind, welche nach einander in Nordafrika sich niedergelassen hatten, erst die Herrscher spielten, dann von neuen kriegerischen Eindringlingen besiegt, in den Bergeu „das Haus der Freiheit, das ihuen Gott gegründet" fanden. Es ist das Blut der Numidier, Vandalen, Punier, welches, im Atlas ein Asyl gegen Unterdrückung suchend, sich kreuzte und ein neues Volk gebar. Iu der Regentschaft Algier sind sie gewöhnlich kleiner Statur, und stehen deu kräftig schönen Gestalten der Beduinen in jeder Hinsicht nach; unter den Amazirghs von Marokko soll es dagegen hochgewachsene, muskulöse Stämme geben. Zwischen Budschia und Bona sind die Kabylen schwarzhaarig, von schmiizgelher Gesichtsfarbe; auf dem Berg Auras aber wohnen ganz hellblonde Stämme mit roth und weissem Teint, so dass Bruce, welcher im vorigen Jahrhundert die Kette des Auras bereiste, über ihren Anblick ganz betroffen war, und Landsleute aus Altenglaud in fremder, schmuziger Tracht zu sehen wähnte. Die Aurasbewohner sind, obwohl sie die gleiche Sprache mit den übrigen Kabylen reden, vermuthlich Vandalen.*) Die unter ihnen herrschende Tradition, dass sie von Christen abstammten — was sie mehr zu freuen als zu ärgern schien, wie Bruce bemerkt — spricht stark dafür. Seit Brucc's Reise war der Renegat Baudouin wohl der einzige Europäer, der den Auras besucht hat. Er erzählte mir nach seiner Rückkehr aus dem Innern viel von den interessanten Stämmen jenes Gehirgs, bei denen er gastfreundliche Aufnahme gefunden. Der zahlreichste jener blonden Stämme heisst Niardy. Sie schee-ren ihren Kopf nicht, wie die übrigen Kabylen, sondern tragen lange Haare. Das Plateau des Auras ist eine der fruchtbarsten Gegenden von Numidien, und seine Bewohner sind sämmtlich Ackerbauer, ein friedlicher Menschenschlag, auch in manchen Handwerken wohl erfahren. Sic tatuiren auf ihre Stirnen ein griechisches Kreuz oberhalb der beiden Augen. Derselbe Gebrauch existirt auch bei andern Kabylcnstämmcn, welche nicht die blonde Hautfarbe auszeichnet, wird aber nur von den Weibern geübt. Unter den Eingeborenen herrscht ö) Die Vermischung eines grossen Theils des Vandalenvolks mit den Eingeborenen Afrikas noeb vor «lern Tode Valentian's bestätigt auch Procopius (de hello Vand. 1. I, c. 5.) folgende Sage hierüber: Vor vielen, vielen Jahren sey ein kriegerisches, blondes Volk aus dem Norden gekommen, und habe ganz Afrika unterworfen und geplündert. Diejenigen Eingeborenen aber, welche das Kreuz sich auf die Stirne malten, entgingen ihrer Wüth, später habe sich derselbe Gebrauch unter einigen Stämmen als ein altes Herkommen lort-geerbt. Offenbar bezieht sich diese Sage auf den Einfall der Vandalen, welche im fünften Jahrhundert n. Chr. das Christen-tlnim bis in die entlegensten Wildnisse Nordafrika's verbreiteten. Die blonden Aurasbewohner wohnen leider von den französischen Niederlassungen zu weit entfernt, als dass man sichere und umständliche Nachrichten über sie einziehen und einen directen Verkehr mit ihnen einleiten könnte. Interessent wären besonders Nachforschungen über ihre Sprache, denn wenn diese Stämme wirklich Nachkommen der Vandalen sind, wie Bruce und Peyssonel vermuthen, so ist es wahrscheinlich, dass in ihrem Idiom sich noch einige Spuren der germanischen Sprache finden. Merkwürdig ist übrigens, dass schon Proco-pius von einem hellfarbigen, blondhaarigen Völkerstamm Erwähnung macht, der, zwar nicht auf dem ihm wohlbekannten Auras, wohl aber tief im Innern Numidiens in einer Wüstenei wohne**). Dass die Aurasstämme übrigens Vandalcnabkömm-linge seyn können, ist sehr möglich, trotz der Versicherung des Procopius, dass die ganze Vandalcnhevölkerung durch das Be-lisar'sche Heer vernichtet worden und dass Kaiser Justinianus im Jahre 539 die letzten Reste, sogar die Weiber fortschleppen liess. Wie schwer, ja wie unmöglich aber die Ausrot- °) Die Erwähnung findet «ich imProc. de bell. Vand. lib. II. cap. 13. ovx ujOfifQ ot MavQovaioi jutlttvoxQOot, cdht levxol ii Uav %«■ aä-ju«t«, xul tag Y.öuuq Ittv&ot. tung eines ganzen Volks, das fast ein ganzes Jahrhundert lang die Herrschaft in Numidieu behauptet hatte, in einem dünnbevölkerten Lande war, wo die Natur ihnen so viele Zu-fluchtstätten bot, ist einleuchtend, und selbst Procopius gesteht, wie bereits erwähnt, an einer andern Stelle zu, dass so manche Vandalen sich unter ihre barbarischen Nachbarn vermengt haben mögen. Von den Kabylen, welche in Algier als Tagelöhner arbeiten, bemerkt Wilhelm Schimpcr, ihre Gesichter und Gestalten seyeu ihm wie das getreue Bild eines Würtembergers vorgekommen. Wie richtig diese Bemerkung gewesen, überzeugte ich mich später in Beghaia, wo, nach dem Leberfall der Amrauahs, ein deutscher Tagelöhner und ein Kabyle, beide verwundet und entkleidet auf dem Bett lagen. Der Deutsche war eiu ehemaliger Soldat der Fremdenlegion, dem die Hitze und die Bivouacs die Haut so gebräunt hatten, dass er von dem Kabylen gar nicht zu unterscheiden war. Die herberischen Tagelöhner in Algier sehen aus wie sonnverbrannte süddeutsche Bauern, die sich ein paar Jahre lang nicht gewaschen haben. Nur das lebhaft schwarze, stechende Auge von sehr wildem Ausdruck passt nicht zu der übrigen ziemlich gemeinen, plumpen Physiognomie. Auch den Arabern bei Algier ist die merkwürdige Aehnlichkeit des sonnverbrannten deutschen Soldaten der Fremdenlegion mit den Kabylen aufgefallen und sie nennen jene „die Kabylen Frankreichs", Bei den Bergbewohnern von Bona und Stora gewahrt mau diese auffallenden germanischen Physiognomien nicht mehr. Dort gleichen sie mehr Südeuropäern, uud ein in Bona ansässiger Italiener meinte, wenn man ihnen statt des Stricks und der Wollkapuze eine zuckerhutförmige Mütze aufsetzte, sähen sie den Calabrcsen zum Verwechseln ähnlich. Aus dem Typus, der Schädelbildung, den Traditionen und Sitten der Kabyleji lassen sich gleich viele Gründe für die Meinung anführen, dass dieses weitverbreitete Gebirgsvolk aus sehr heterogenen Urelementen besteht. Selbst Vermischung mit Arabern lässt sich auf einzelnen Punkten des Landes, namentlich in der Provinz Constantine, wie bereits erwähnt, ziemlich sicher nachweisen. Den Uebergang von den Arabern zu den Kabylen scheinen namentlich die Stämme zu bilden, welche das Idiom Schauiah sprechen, nämlich die Amrauah, die Araktas und die Ulid-Abd-el-Nur. Die Kabylen wurden schon von Shaw und andern Reisenden der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als ein sehr wildes, tapferes und freiheitsliebendes Volk geschildert. Aber die in neuester Zeit so oft wiederholte Behauptung, dass die Kabylen von jeher völlig unabhängig gewesen, ist grundfalsch oder kann höchstens nur für einige wenige Stämme gelten, welche die unzugänglichsten Gebirgsgegenden bewohnten. Dass Numidien nach der Besiegung Jugurtha's so gut als völlig unterjocht war, davon zeugen noch jetzt die zahlreichen und bedeutenden Reste der römischen Städte, Zwischenlager, Festungen, die durch das ganze Land bis in die entlegensten Wildnisse zerstreut sind. Man findet im Süden von Budschia, wo jetzt die unabhängigsten Stämme wohnen, die Ruinen von Sava, Horrea, Musulubium. Lambasa auf dem Aurasgebirge tief im Innern war eine Stadt von mehr als drei Stunden im Umfange. Diese zahlreichen Städte und festen Plätze waren durch sehr schöne Fahrstrassen verbunden und es bedarf nicht einmal der Unterstützung der vielen Angaben in den Schriften der alten Geographen zum Beweise, dass die Provincia Airica der Römer ein blühender, civilisirter Staat gewesen — die Reste der alten Bauwerke zeugen genugsam hiefür. Diese alte Blüthc der Römerschaft aber beweist wiederum, dass die Barbaronstämme damals den Eroberern entweder völlig unterworfen oder unschädlich gemacht waren, du im andern Fall das rasche Gedeihen uud die lauge Blütlie der römischen Colonie nicht möglich gewesen wäre. Zwar berufen sich Verfechte* der Ansicht von der Unmöglichkeit* die Eingeborenen zu händigen, auf eine Stelle des Procopius, wo gesagt ist - man habe Yon Karthugo nach Julia Caesarea (Scherschel) nur zur See reisen können, weil der Landweg von den Barbarenstümmen unsicher gemacht worden. Aber Procopius spricht in dieser Stelle von der Zeit der Herrschaft der oströmischen Kaiser in Nordafrika, welches Jiistiniauus durch seinen Feldherrn Beiisar wieder erobert hatte. Diese zweite Jtiimerschaft war weder so blühend, noch so solid wie die erste, denn die alten Städte waren grösstentheils zerstört worden, die besiegten Vandalen hatten die Numidier der Gebirge verstärkt, und aus dieser Vermischung sind wohl die heutigen Kabylen hervorgegangen. Die Kabylen und die Mauren, welche in ihrer Nachbarschaft gleichfalls schon seit alten Zeiten das Land bewohnten, winden im siebenten Jahrhundert von den aus Aegypten angerückten Meeren der Araber unterworfen. Dass diese Unterwerfung wirklich statthatte, beweist wohl auch die Bekehrung der Kabylen zum Islam, denn es ist zu unwahrscheinlich, dass ein Volk von so wildem Sehl.ige, das seinen alten Sitten so sehr zugethan, so eifersüchtig auf seine Freiheit, so abhold den Fremden ist, den Glauben eines ihm fremden, in anderer Zunge redenden Volks anders, als durch das Schwert gezwungen, angenommen habe. Diese Abhängigkeit mochte aber wohl aufgehört haben, als die Kabylen durch die Anerkennung des Korans mit den Siegern in gleiche Hechte traten. In der That sah man bald darauf Kabylen mit in den maurisch-arabischen Heeren fechten, wel- che zu Anfang des achten Jahrhunderts in Spanien einfielen, Nachdem die Türken sich im sechzehnten Jahrhundert der Herrschaft Algiers bemächtigt hatten, theilte auch ein grosser Theil der Kabylen das Schicksal der Araber, welche unter das Tiirkenjoch sich beugen uud dem Pascha oder l)ey Tribut bezahlen miissten^ Dieses unterthiinige Verhältniss dauerte bis zum Sturz der Deyherrschaft im Jahre 1830, wo dann im Innern eine Rcaction gegen die Türken eintrat, und die Eingeborenen ihre Tyrannen theils niedermetzelten, theils verjagten. Es waren also keineswegs alle Kabylen von den Türken unabhängig, was in neuester Zeit so viele oherfläch-liehe Reisende und Journalisten, von denen der Eine dem Andern nacherzählte, behaupten. Die Beni-Salah, Musa'ia, Sum-mata, Beni-Dschad, Amrauah, Bcni-Menasser, Ulid-Abd-el-Xur, sowie auch die blonden Kabylen des Auras, bezahlten den Türken Tribut, der aber geringer war, als der Tribut der Araber. Sogar der mächtige Stamm der Flissa auf dem Dsiiiurschuragebirge entrichtete an die Türken einen kleinen Tribut, der freilich für jede Gurbi nur einige Kupfermünzen betrug. Derselbe Stamm stellte auch zur Verfügung der Türken seinen Kriegercontiiigent, der im Jahre 1830 sich vor der Einnahme Algiers tapfer gegen die Franzosen schlug. Eigentlich unabhängig von den Türken waren nur die zahlreichen Stumme an der Tafna, ein grosser Theil der Küstenbewohner zwischen Dellys und Stora, dann sämmtliche Stämme, deren Wohnsitze sich einige Stunden südlich von Budschia an bis zum Biban zwischen den Elüssen Suinniam und Uad -Adschebhi erstrecken. Die mächtigsten dieser unabhängigen St ümmc waren die Zuaua und die Beut-Abbes, welche zusammen gegen 10,000 Krieger stellen können, Die Kabylenstämine sind in Grarubas oder Districte, letztere in Daschkhras oder Dörfer gctheilt. Selten bestehen diese Daschkrahs aus mehr als dreissig Gurbis (Stroh-hütten), deren jede eine Familie bewohnt. Einige Stämme haben auch grössere Dörfer mit Häusern von Stein, ja manche sogar Städte, wie die Flissa und die Beni - Abbes. Die Stämme stehen unter der Herrschaft von Kaids, die aber Uber ihre unbändigen Untergebenen im Grunde nur eine geringe Macht üben. Die Justizpflege wird von den Thalebs (Gelehrten) verwaltet. Die grösste Verehrung aber gemessen auch bei den Kabylen die Mrahats, Dieser Orden von Heiligen ist offenbar durch den Contact der Araber und mit der Annahme des Islam bei den Kabylen eingeführt worden, denn die Benennung ist bei beiden Völkern die gleiche. Es lässt sich von den berberischen Marabuts dasselbe, wie von deu arabischen sagen, nur sind sie noch fanatischer, noch unduldsamer gegen Andersgläubige, und ihr Einfluss auf die Kabvlen ist noch mächtiger. Bei dem Angriffe der Flissa gegen Beiida sah man einen uralten Marabut mit eisgrauem Bart, der so schwächlich war, dass zwei Kabylen ihn auf beiden Seiten stützen inusstcu, vor der Fronte der Kämpfer auf einem Esel sitzend. Er predigte im furchtbarsten Musketenfener unter wilden Gcsticulationen zu den Kriegern, und entfernte sich erst, nachdem eine französische Kartätsche seinem Esel den Kopf weggerissen hatte. Die Marabuts der Kabylen lernen ausser ihrer Volkssprache auch die arabische, da sie ihren mohamedanischen Landsleuten den Koran erklären müssen. Die Kabylen sind Ackerbauer, haben feste Wohnplätze, leben sehr frugal und besitzen lange nicht den Heerdenreichtbum der Araber. Sie sind dagegen etwas industriöser als letztere, in manchen Handwerken wohl erfahren, verstehen Waffen zu schmieden, Schiesspulver zu bereiten, falsche Müuzen zu prägen, Häuser von Stein zu bauen — Künste, welche den Beduinen fremd sind. Ihre Kleidung ist immer schmuzig, zerlumpt, über alle Vorstellung armselig. Sie hüllen um den Korper eine Art Wolltunica, Kandura genannt, welche dem Haikh oder arabischen Unterkleid entspricht; ihre Beine sind nackt, um die Füsse befestigen sie ein Stück Schafhaut zum Schutz gegen die scharfen Steine. Sie scheeren ihr Haupt, baben wenig Bart, sind meist unter mittlerer Grösse, mager, aber knochenfest. In ihren Zügen entdeckt man keine Spur von dem edlen Schnitt, der den Gesichtern der Mauren und Beduinen eigen. Wildheit, Hass, Mordlust blitzt aus ihren Augen von grosser Beweglichkeit. Ihre Sprache ist noch lärmender als die arabische, und sie zeigen dabei Zähne, so weiss wie die des Schakals. Da die Kabylen ein sehr armes Volk sind, da auch unter ihnen, wie unter allen Mohamcda-nern, das Vergraben des Geldes Sitte ist, wodurch viele Söhne um das väterliche Vermögen kommen, so ist ein grosser Theil der jungen Kabylen genöthigt, in den Städten einige Jahre als Tagelöhner zu arbeiten, bis sie etwa hundert Bu-dschus verdient haben, womit sie ein Weib nehmen und ein Gewehr kaufen können. In Algier und in dessen Umgebung sind immer gegen viertausend solcher Kabylen als Tagelöhner beschäftigt. Sie schlafen dort unter freiem Himmel, leben von Wasser und ungesäuertem Brot, und sparen und kargen, bis sie ungefähr die erwähnte Summe beisammen haben, worauf sie in ihre Berge wiederkehren, um dort frei und unabhängig zu leben. Sie sind sehr genügsam. Ihr Haikh, den sie, oft aus hundert morschen Lumpen zusammengeflickt, von ihrem Giossvater geerbt haben, reicht für ihr ganzes Leben hin. Ein Weib, eine Hütte, eine Flinte, ein Vatagan, einige Ziegen, ein Maulthier und ein Hund, mehr bedarf der Ka- bylc nicht, um in seiner Art glücklich zu leben. Er bringt seine Tage in ein förmiger Weise zu. Mit dein Morgenanbruch betet er, arbeitet dann einige Stunden auf seinen» Acker, kost mit seinem Weib, das eben so schmuzig und wild ist wie er, streckt sich dann träge in den Sonnenschein und schaut — vielleicht gedankenleer, denn der Kabyle hat nicht die Poesie der Araber — auf das Meer und die Ebene unter ihm herab; oft spielt er auch auf einer hölzernen Pfeife eintönige, langweilige Melodien. Dies sind nach den Aussagen der zurückgekommenen französischen und deutschen Deserteurs, die in elender Knechtschaft einige Jahre bei ihnen zugebracht, die Tagesbeschäftigungen und Freuden des Kabylen. Da er keine weitern Genüsse kennt, hat er auch wenig Wünsche. Die, welche ausser den angeführten Gegenständen etwa noch ein Häuschen von Stein und ein Pferd besitzen, werden für die Glücklichsten unter den Sterblichen gehalten. In dieses monotone Leben bringt nur der Krieg hau-fige, aber wenig beneidenswerthe Episoden. Die Kabylen führen nicht nur Krieg gegen die „Kuinmis" — die Gelegenheit ist selten, da die Franzosen nicht oft in ihre Berge kommen — sondern auch fast beständigen Krieg unter sich, Stamm gegen Stamm, Dorf gegen Dorf, Hütte gegen Hütte. Kein Volk der Welt lebt in grösserer Freiheit, keines auch in wilderer Anarchie, als diese Atlasbewohner. Die zurückgekehrten Renegaten erzählten mir, dass oft die Bewohner eines und desselben Daschkhra wegen eines verübten Ehebruchs oder Diebstahls auf das Wütheudste über einander hergefallen; die nächsten Blutsverwandten vergossen ihr Blut, der Bruder mordete den Bruder, bis die Marabuts kamen und Frieden stifteten. Der Krieg, den die Franzosen seit 1830 mit kurzer Un- terbrechung gegen die Eingeborenen führten, brachte sie viel seltener mit den Kabylen, als mit den Arabern in Berührung. Der Grund ist ganz einfach. Die Araber sind fast alle beritten, und können gegen die schwerfälligen Colonnen der Franzosen, die verhültnissmüssig nur sehr wenig Cava-lerie haben, ohne grosse Gefahr manoeuvriren, da ihnen der Rückzug immer frei bleibt, und die französischen Reiter sie selten oder nie einholen. Die Kabylen aber streiten fast alle zu Fuss; sie besitzen nur sehr wenig Pferde, die ihnen auf ihren Bergen ohnehin von geringein Nutzen sind. Uebrigens sind die berberischen Pferde von der besten Race des Landes uud die Cavalerie der Kabylen ist, obwohl wegen ihrer geringen Zahl nicht sehr furchtbar, doch sehr gewandt und tapfer in der Schlacht. Ein anderer Grund des kampflustigem Sinnes der Araber ist ihre uustätere Lebensart. Da ihre Wohnungen, die Zelte, und ihre Habe, die Heerden, leicht beweglich sind, so scheuen sie den Krieg wenig, da sie fast allenthalben Weiden uud Wasser linden. Die Kabylen aber haben Hütten und Häuschen, die der Feind zerstören kann, und ihre Habe besteht in der Ernte von ihren Feldern, die nicht so leicht transportabel ist. Sie haben demnach den Krieg mehr zu fürchten, und sind bei ihrer ruhigem Beschäftigung weniger geneigt, ihn aufzusuchen, als die Araber bei ihrem ä na täten Vagabundengeiste. Naht man sich dagegen ihren Wohnsitzen, so schlagen sie sich um so tapferer. So oft die französischen Truppen mit den Kabylen zu thun hatten, war der Kampf länger und blutiger, der Sieg bestrittener. Dieses Volk liebt seine Heimath sehr, und duldet selbst seine Glaubensbrüder arabischen oder maurischen Blutes nicht gern in allzunaher Nachbarschaft. Gastfreundschaft ist den Kabylen fremd, Misstrauen ein hervorstechender Zug ihres Moritz Wagner's Algier. II. • Charakters; die unabhängigen. Stämme bewachten ihre Freiheit immer sehr eifersüchtig, und selbst zu den Zeiten der Deyherrschaft empfingen sie Türken oder Araber— wer immer ihren Wohnsitzen zu nahe kam — mit Flintenschüssen. Lebrigens hat man seit 1830 doch auch ziemlich zahlreiche Beispiele gehabt, dass die Kabylen in den Kampf zogen, wenn uuch ihre Wohnplätze nicht bedroht waren. Ben-Zamun grill' mit seinen Kabylen, während der ersten Expedition des Marschalls Clauzel, Beiida an, welches von seinem Stamm dreissig Stunden entfernt liegt. Es waren gleichfalls Kabylen des Stammes Mezzaia bei Budschia jene Streitermas-sen, welche im September 1837 die befestigten Posten der Franzosen auf den Höhen von Medschez-Ammar angriffen. Kabylen halfen auch hauptsächlich bei der Verteidigung von Constantine in den Jahren 1836 und 1837 mit. Hier war es nicht ihre bedrohte Freiheit, sondern der Fanatismus, der die Atlasbewohner in den Kampf trieb, und ihre Heimaths-liebe so überwog, dass sie Monate lang von ihren geliebten Gurbis, von Weib und Kind entfernt blieben, und oft nicht mehr wiederkehrten. Die Taktik der berberischen Krieger ist von der arabischen Kriegs weise insofern verschieden, als sie weit mehr auf die Vortheile des Terrains Rücksicht nehmen, welche der berittene Araber, auf sein flüchtiges Pferd vertrauend, nicht immer in dem gleichen Grad beachtet. Die Kabylen kämpfen daher am liebsten in den Bergen, wo sie als geübte Kletterer, bei der Behendigkeit und der Abhärtimg ihrer Glieder, über den französischen Soldaten grossen Vortheil haben. Wenn sie in der Ebene sich in den Kampf einlassen, so geschieht dies nur an solchen Stelleu, wo sie ein bedecktes Terrain hinter sich haben, und beim Rückzug in die Büsche kriechen können. Auf Hinterhalte mnss man in diesem Kriege beständig gefasst scyn, denn die Kabylen benutzen sehr gewandt jeden Vortheil des Terrains; in jeder bedeckten Schlucht, hinter jedem Bergabhang lauern ihre Krieger, um auf die ersten Franzosen, die sich zeigen, zu feuern, und dann tiefer in die Gebüsche oder auf die höheren Berge sich zurückzuziehen. Zuweilen versammeln sie sich auch in grosser Zahl, um irgend einen der schwächsten Punkte der französischen Posten anzugreifen. Gewöhnlich werden diese Angriffe bei feierlicher Gelegenheit, wie am Feste des Beiram oder des Haid- el-Kebir, verabredet. Einzelne Emissarien, fast immer Marabuts, durchwandern die Stammgebiete, um überall den „heiligen Krieg" zu predigen, und den Tag zu verkünden, an welchem der Angriff beginnen und die letzte Stunde der „Itummi" schlagen werde. Jeder Stamm stellt dann sein Contingent. Diese Krieger sind sämmtlich Freiwillige, die fanatischsten und tapfersten Individuen der Gegend, kein Wunder also, wenn ihre Angriffe oft sehr tapfer und verzweifelt sind. Die Blockhäuser bei Budschia wurden oft sehr lieiss bedrängt, und ihre Besatzungen waren trotz des Kanonenfeuers der Forts öfters nahe daran, zu erliegen. Zwischen der französischen Cavalerie und den Kabylen kam es oft zu sehr mörderischen Kämpfen, wo der Säbel mit dem Yatagan sich kreuzte, und die Kabylen nicht immer den Kürzern zogen. Zu diesen kriegerischen Unternehmungen sind die Kabylen fast immer von ihren Weibern begleitet, welche weit mehr Freiheit gemessen und mehr Macht auf ihre Männer üben, als die Araberinnen. Jene wilden Weiber lagern sich in geringer Entfernung von dem Kampfplatz, und gleich den Weibern der alten Teutonen ermuntern sie die Streiter durch 5 * Geberden und Geschrei, preisen die Starken und die Tapfern und schmähen die Fliehenden. Während der Belagerung von Constantine im Octobcr 1837 sah man eine Menge von Ka-hylinnen hei dem Lager Achmet Boys ausserhalb der Stadt stehen, und als im Juni desselben Jahres der Ohrist Schauenburg mit einem Corps von 2000 Monn in die Ebene der Is-ser gegen die Amrauahs zog, da waren, während Fussvolk und Reiter der Kabylen den Franzosen keck zu Leibe gingen, und aus allen Büschen das Musketenfeuer krachte, die Gipfel aller Hügel und Felsen umher mit Kabylinnen bedeckt, welche im flatternden Schmuzgewand, mit aufgelösten Ilaaren, leibhaftigen Hexen gleichend, ihr gellendes Geschrei aus-stiessen. Ich habe gebildete Franzosen gekannt, welche für das Leben der Kabylen, das sie freilich nie selbst mit angesehen, sondern nur schildern gehört, sich euthusiasmirten, ihre wilde Freiheit, ihre unbekümmerte Existenz ohne Bedürfnisse und ohne Sorgen beneidenswerth fanden. Dieselben Franzosen hätten dann auch die Hyäne glücklich preisen müssen, die ebenfalls in Löchern wohnt und keinen Herrn über sich erkennt, die auch mit dem Weibchen kost, dem Männchen die Zähne weist und völlig sorgenfrei in den Tag hinein lebt. Einige riethen, man solle unter den Kabylen, statt unter den Arabern, Bundesgenossen suchen. Aber dergleichen Politiker haben ohne Zweifel den Charakter der Kabylen ganz vergessen. Die Kabylen haben sich nicht nur bei jeder Gelegenheit als fanatische Barbaren gezeigt, die jeden nahen freundschaftlichen Verkehr mit den Franzosen stolz abwiesen, sie haben überdies Beispiele einer Treulosigkeit gegeben, welche die Fides punica beschämte. Der Leser erinnert sich wohl mich des im ersten Band erwähnten verräterischen Meuchel- mortis, der an dem Oberrommandanten von Budschia, Salo-mon de Musis, veriiht wurde. Weniger bekannt geworden sind die Verbrechet», die sich öfters während meines Aufenthalts in Algier zugetragen. Bin Pflanzer meiner Bekanntschaft, der mit einer jungen Spanierin aus Minore« verheira-thet war, besass in der Umgegend Algiers unweit Kuba ein Landgütchen, und beschäftigte ausser einigen europäischen Tagelöhnern auch diei Kabylen, deren Anhänglichkeit er durch freundliche Behandlung zu gewiunen hoffte. Er schenkte ihnen zuletzt so viel Vertrauen, dass er sie mit im Mause schlafen Hess, was die Türken nie gethan. In einer Nacht kam die junge Ehefrau bleich nach den» Lager Kuba geflohen. Die Kabylen hatten ihren Mann an ihrer Seite im Schlafe eiwürgt, hatten ihre Kinder, ihre Verwandten, ihre deutschen Tagelöhner eben so meuchlings gemordet, und sie selbst entging nur dem Tode, weil einer der Kabylen sie leidenschaftlich liebte. Sie cntriss sich seinen widrigen Zudringlichkeiten durch einen Sprung durch's Fenster. Man fand acht Leichname im Hause; die Kabylen entkamen, nachdem sie alles Geld mit sich genommen, in die Berge. Herr Rozet, Capitän des Generalstabs, welcher die berberischen Tagelöhner elftere in ihren Fonduks besuchte, mit ihnen plauderte nnd ihnen auch wohl Geld gab, damit sie ihm recht viel vor» ihrem Land und Volk erzählten, machte ihnen im Scherz den Vorschlag, sie auf iIii-*' Berge zu hegleiten. Sie sahen sich mit ironischem Lächeln au, und schwiegen. „Mein Leben wäre bei e»ich wohl in Gefahr 1" fragte hierauf der Officier. — „Ihr selbst würdet mir vielleicht den Kopf abschneidend" — „Ah!" — riefen sie mit einem seltsamen Ausdruck, und sagten weiter kein Wort. Ein Arzt fragte einst einen dieser Tagelöhner, welcher von den barm herzigen Schwestern im Algierer Civilhospital auf das Herzlichste verpflegt worden, und dasselbe geheilt verliess — ^würdest du diesen Frauen ein Leid anthun, wenn du sie auf deinen Bergen trafst 4" — Der Kab)le antwortete höhnisch „Ich würde ihnen nicht den Kopf abschneiden, aber____" — Der Doctor Murseillan, ein junger, französischer Militairarzt von hübscher Figur, hatte für den Umgang mit den Arabern grosse Vorliebe, ging öfters mit ihren Scheikhs in das Innere und hatte sich nie über sie zu beklagen. Als er nach Stora versetzt wurde, glaubte er es dort eben so machen" zu können. Fr kannte zu seinem Unglück nicht den Charakterunterschied zwischen den Arabern und Kabylen, folgte einem Scheikh der letzteren, der ihn zu sich einlud, und wurde Tags darauf zwei Stunden von Stora als verstümmelte Leiche gefunden. Die unwürdigsten Schandlichkciteu schienen an seinem Körper verübt worden zu seyn. Dies ist das Volk, von welchem Herr Pellissier, Verfasser der Annales algerietmes, sagt, es verdiene seine Freiheit vollkommen, und eine Verschmelzung mit ihm sey für die europäischen Ansiedler räthlich. Eine Verschmelzung mit den Kabylen! — Und welche Eigenschaften bieten uns diese Wilden zum Tausch? — „Ihre starken Leidenschaften" — antwortet Pellissier— „und ihren feurigen Glauben." An starken Leidenschaften aber, die nur in Mcl/cleien, Anarchie und Krieg bei den Kabylen sich bewähren, fehlt es in Europa noch keineswegs. Wir hatten in Spanien noch ganz kürzlich eine Probe, was noch heutiges Tages die Exaltation der rothen Mützen und braunen Kapuzen vermag. Vor einem Glauben aber, der den Mord heiligt, der Blutschande, Kaub und die widrigsten Ausschweifungen tolerirt, bewahre der Himmel alle ungläubigen Europäer! III. I>ie Mauren. D ie ältesten Einwohner des westlichen Theils der Berberei waren die Maurusier oder Mauren. Ihr Ursprung- verliert sich in dir Nacht der Jahrhunderte und die Angaben oder vielmehr die llvpothesen der alten Schriftsteller hierüber lauten sehr abweichend. Sallust erzählt in seinem Jugurthini-schen Krieg, dass, als Hercules in Hispanien umgekommen und sein aus vielerlei Volkerschaften zusammengesetztes Heer auseinandergelaufen, die darunter befindlichen Meiler, Perser und Armenier nach Afrika gesegelt seyen und (hu Landstrich eingenommen hätten, der zunächst dem Meere gelegen. Die Meder und Armenier hätten sich mit dem eingebornen Volk der Libyer, einem rohen Menschenschlug, der wie das Vieh von Wildfleisch und von den Kräutern des Feldes lebte, vermischt und ihren Namen allmälig in Mauren statt Meder verdorben. Procopius, der viel später schrieb und dessen Angaben weniger Werth haben, giebt ihnen einen viel neueren Ursprung und sagt, dass sie aus Phiinicieu gekommen, aus mehreren Stämmen, Jebusiterti, Gergesitern u. s .w. bestanden und nachdem sie aus ihrem Land vertrieben worden, in Afrika mit bewaffneter Hand sich festgesiedelt hätten. Andere Schriftsteller glauben, > dass sie arabischen Ursprungs und Abkömmlinge von jenen Arabern seycu, welche einige tausend Jahre vor Mohamed Aegypten überschwemmten; und es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass damals einige Schwärme weiter nach Westen zogen und in dem Lande, welches die Römer in der Folge Mauritanien nannten, sich niederliessen, wie das viele Jahrhunderte später Ann den mobamcdauiscben Arabern geschah. Die Leichtigkeit, mit welcher beide Völker, die Araber und die Mauren, im siebenten Jahrhundert sich wieder vermischten oder wenigstens vereinigten, und gemeinschaftlich das Reich in Spanien gründeten, die Gleichheit der Sprachen beider Völker, während die von den Arabern besiegten und zur Annahme des Islam gezwungenen Kabylen ihre eigene Sprache beibehielten, die Uebcreinstimmung verschiedener Gebräuche, wie die Beschneidung, welche hei den Mauren schon vor der Ankunft der Araber im siebenten Jahrhundert eingeführt war, spricht ziemlich für eine gemeinschaftliche Abstammung. Auch Leo Africanus erwähnt in seiner Descriptio Africae eine arabische Emigration nach Afrika, welche Malek Afriki einige Jahrhunderte nach Josua führte. Zudem machen mehrere der alten Schriftsteller, namentlich Strabo, auf die Aehulichkeit der Sitten zwischen den alten Bewohnern Afrikas und den Arabern aufmerksam. Strabo sagt ausdrücklich, dass die Getuler, welche mit den Libyern, Sallust zufolge, die Auto-chthonen Afrikas waren, ganz wie die arabischen Nomaden lebten. Die heutigen Mauren machen in der Regentschaft Algier etwa den zehnten Theil der Gesammtbevölkerung aus und ihre Zahl verringert sich seit 1830 immer mehr, theils durch zahlreiche Auswanderung nach den übrigen Barbareskcnstaaten aus religiösen oder ökonomischen Rücksichten, theils in Folge der Zerstörung mehrerer Städte und der übrigen Drangsale des Kriegs, wodurch viele Mauren zur Flucht ins Innere bewogen wurden, wo sie sich unter den Araherstämmen verloren und deren Lebensweise annahmen. Von allen eingeborenen Völkerschaften der Berberei haben die Mauren, welche schon von alten Zeiten her die Städte und namentlich die Seehäfen bewohnten, die mildesten Sitten und die meisten Kenntnisse. Wenige Länder der Erde besitzen einen schönern Menschenschlag. Die Mauren sind wohlgebaut, nicht so hohen Wuchses wie die Araber, doch meistens über mittlerer Grösse; sie sind etwas zur Fettigkeit geneigt und magere Individuen giebt es sehr wenige. Die Gesichtszüge der Mauren sind schön uud edel, aber weniger energisch, als die der Araber; der Teint ist bei den Kindern rein weiss und rosenroth. Schon Shaw bemerkt, dass man in Europa selten so hübsch gefärbte Gesichtchen sehe. Bei den Männern verliert sich der rothe Anflug der Wangen, ihr Teint ist entweder ganz weiss oder spielt etwas ins Oliven farbige. Die Haare, welche sie sich, gleich den Arabern, schecren und von denen nur auf dem Wirbel ein Büschel stehen bleibt, sind schwarz, eben so die Augen. Die Physiognomien scheinen dem, der den Charakter dieses Volks noch nicht kennen gelernt, auf Milde und Melancholie hinzudeuten, und niemand würde ahnen, dass dieser Menschenschlag mit dem sanften Blick und dem ruhigen Wesen auch seine Contingente zu den Seeräuberflotten, welche vor einem Jahrhundert der Schrecken des mittelländischen Meeres waren, geliefert habe. Die maurischen Weiber, welche sich nie den Sonnenstrahlen aussetzen, sondern den ganzen Tag zu Hause in der kühlen, schattigen Galerie der Säuleuhalle zubringen, oder, wenn sie zuweilen ausgehen, das Gesicht mit Musselintüchcrn umhüllen, behalten den wunder- schönen Teint gewöhnlich bis in ihr Alter. Auch die Gesichtszüge dieser Frauen sind ungemein schön; die Stirne ist sehe weiss, die leichtgebogene Nase edel geformt, Mund, Zähne, Kinn vollkommen, uud der feurige Glanz der Augen beschämt die Männer, deren Blick mehr sanft und matt, als feurig ist. Uebrigeus beschränkten sich meine Beobachtungen auf eine verhältnissmässig unbedeutende Zahl maurischer Frauen, die ich auf den Terrassen der Häuser oder bei den Jagdpartien, in den maurischen Gärten oder auch bei Hochzeiten unverschleiert belauschte. Von diesen schonen Frauen nehme ich die zahlreichen öffentlichen Dirnen aus, deren von früher Jugend auf getriebenes Handwerk die hübschesten Gesichter zerstört. Diese Dirnen gehen von maurischer Schönheit keineswegs einen sehr hohen Begriff, doch selbst unter ihnen sieht man einzelne prachtvolle Gestalten, die auch durch das häufig getriebene Laster noch nicht alle Reize verloren haben. Die Kleidung der Mauren gleicht der bekannten türkischen Tracht, nicht der reformirten, sondern der alten, glänzenden Türkentracht mit dem bunten Turban, der eleganten, mit Schnüren und Goldstickereien verzierten farbeupruukenden Weste, den weiten faltenreichen Pantalons, welche nur bis zu den Knicen gehen und der bunten Leibbinde. Die Individuen, welche die Wallfahrt nach Mekka gemacht haben, tragen grüne Turbane, und die Auszeichnung der Kadis, ihrer Kodschas (Secrctaire), der Marabuts und Thalebs ist ein eigentümlich geformter, weisser, bauschiger, in viele kleine Falten gelegter Turban. Bis zum fünfzehnten Jahr tragen die jungen Mauren blos rothe Mützchen über dem Haarbüschel; der übrige Theil ihres Kopfes tritt dann nackt hervor. Viele setzen erst mit ihrer Verheiratung den Turban auf. Alle Mauren haben auch weisse oder schwarze Bernusse, wie die Araber, aber von weit feinerem, leichterm Stoff und eleganterer Form. Sie ziehen diese nur bei schlechter Witterung an, tragen sie aber beständig mit sich und werfen sie gewöhnlich blos über die Schultern oder über den Arm. Fs wird sogar bei den Vornehmem für unanständig gehalten, ohne den Ber-nuss auszugehen. Der Bernuss ist ein ungemein malerisches Kleidungsstück und kommt der Toga der alten Börner nahe. Bei den armen Mauren ist der Schnitt der Kleidung derselbe, nur tragen sie, statt feinen Tuches und goldgestickter Seide, grobe Stoffe, auch wohl Lumpen. Die Waden sind immer enthlösst; an deu Füssen tragen sie eine Art von Pantoffeln. Die maurischen Frauen tragen auf der Strasse vom Kopf bis zu den Füssen weisse Kleider. Lange Pantalons von Musselin oder Leinwand gehen bis zu den Füssen herab; ein Haikh bedeckt den übrigen Körper; um das Gesicht binden sie sich weisse Tücher, durch deren Lücken nur die schwarzen Augen hervorfuukeln. Ganz verschieden ist die Tracht der Maurinneu im Innern ihrer Häuser. Dort putzen sie sich buntfarbig und prächtig und tragen gewöhnlich den eigenthüm-lichen, thurmartigen Kopfschmuck von geflochtenem Silber, Sarin ah genannt, der aber nicht so hoch ist wie bei den Türkinnen. Cm den Leib haben sie eine Art Jacke von Seide mit kurzen Aermeln und reicher Stickerei; dann folgt ein breiter Gürtel vom kostbarsten Stoff, endlich tragen sie weite Beinkleider, gewöhnlieh von weisser Farbe, die bis au die Kniee reichen und die Waden nackt lassen. Ihre Füsse bedecken nur llalbpantolfeli: von ugenthümlicher Form und ziemlich grober Arbeit, deren Obertheil gleichwohl von grünem oder rothem Sammet, und mit Goldstickereien überladen ist. Die ganze Haustracht der Mauriuuen ist äusserst prächtig und dem Auge gefällig. Was ich bereits im ersten Bande von Leben und Sitten der maurischen Bewohner der Stadt Algier gesagt, gilt auch für die übrige maurische Bevölkerung des Landes. Die religiösen Gebräuche, die öffentlichen wie die Familienfeste, das gesellige Leben, die Beschäftigungen u. s. w. sind dieselben in allen Städten. Das erste, was dem Fremden an diesem Volke auffällt, ist seine phlegmatische Ruhe. Ein grosser Theil der Mauren treibt Kramhandel; diese sieht man den ganzen Tag mit gekreuzten Beinen vor ihren Boutiken sitzen, regungslos, Kaffee schlürfend oder den Tabaksqualm aus ihrer roththü-nerneu Pfeife in die Luit blasend, oder häufig auch ohne Pfeife und ohne Kaifeetasse blos stumm, ernst, scheinbar in tiefem Sinnen verloren vor sich hinstarrend. Es giebt maurische Handwerker aller Art: Schreiner, Drechsler, Ehrmacher, Schneider, Goldsticker, Waffenschmiede und besonders viele Schuster, Diese arbeiten aber mit unerträglicher Langsamkeit, legen ihre Werkzeuge oft bei Seite, um wieder ein Tässcheu Kaffee zu sich zu nehmen, betrachten dann eine Zeit laug ihre Arbeit, ehe sie wieder Hand anlegen, und schreiten zu allen ihren Verrichtungen in langsam abgemessener Bewegung. Des Kaffeehauslebens habe ich bei der Beschreibung der Stadt Algier bereits Erwähnung gethan. Auch da sitzen die Maureu mit gekreuzten Beinen, ohne sich zu rühren, und lauscheu dem monotonen Geklinge einer tragen Musik. Ob die Mauren auch so gedankenleer als wortkarg sind, wäre schwer zu sagen. Ich sah deren manchmal mit verschränkten Armen auf der Terrasse ihrer Häuser oder hinter der Brustwehr des Hafendammes stehen und dem schäumenden Wogenkriege zuschauen, wenn der Mistral von Nordwesten sauste. Die bleichen, ernsten bärtigen Gestalten waren da sehr grossartig, sie hätten (ür mächtige Magier gelten können, auf deren Gebot diese Rebellion des Meeres entstünde; oder wenn sie an den Sommcrahendou vor dem Thore Huh-a-Zun in Gruppen beisammen sassen, imposant und würdevoll, und wenn einer von ihnen das Wort nahm, dem alle aufmerksam lauschten, da hatte man das Bild eines Römersenats im Turban, uud wer nicht arabisch verstanden, würde nimmermehr geglaubt haben, dass unter diesen feierlichen Männern ganz einfach nur von dem Iloruviehmarkt des folgenden Tages oder von der Henne des Nachbarn, die gestern ein Ei mehr als gewöhnlich gelegt, die Rede sey, dass diese imposante Versammlung, wo mau Ideale von Kriegshelden, Senatoren und Aposteln zu schauen wähnte, ganz einfach aus Meierhofsbesitzern, Käsekrämern, Schulmeistern, Hufschmieden u. s. w, bestehe. Nirgends täuscht die Physiognomik mehr. Ich wollte lange nicht glauben, dass diese edlen Figuren, diese schwermüthig träumenden Mienen blos in nichtigem, dumpfem Hinbrüten versunken seyen; ich dachte lange, es sey der Schmerz über die gebeugte Grösse ihres einst kriegsmächtigen Volks, der den bleichen Zügen den melancholisch schönen Ausdruck leihe, oder es sey nur ihr Leib, der hier träumend sitze und ihr Geist wandle indessen auf den Ruinen von Granada und singe stumme Elegien über dein Grabe der Abencerrageu oder er halte heimliche Zwiesprache mit den Schatten ihrer erwürgten Ahnen und sinne nach über die Art, sie am furchtbarsten zu rächen. Die Europäer in Algier aber, die seit Jahren in nächster Nachbarschaft von den Mauren wohnen, täglich mit ihnen verkehren und alle Gelegenheit hatten, sie nüchtern zu beobachten, wollen diesem Volke durchaus alle poetischen Gedanken oder energischen Plane absprechen und versichern, dass sie in ihren Krambuden nur an das Kaffeehaus und im Kaffeehause nur an die Krambuden oder noch öfter an die Kuskususchüssel und die liebe Frau dalieim oder am allerliebsten an gar nichts denken, wobei sie aber immer jene falsche Gedankenlarve, die bleiche, ernste, sinnende Miene bewahrten. Es hält freilich bei einem so wenig mitteilsamen Volk» etwas schwer, hinter alle Ressourcen seines Geistes zu kommen, aber in soweit ich die Mauren in der Folge während eines zweijährigen Aufenthaltes unter ihnen kennen gelernt, miiss ich die Meinung der übrigen Europäer über ihre geistigen Fähigkeiten theilen. Ich habe ausser ihren Gesichtern uud Kleidern gar wenig Poetisches an ihnen wahrgenommen, und die Ruhe, der melancholische Ausdruck des Gesichts deutet wohl wirklich mehr auf Phlegma und Stumpfheit, als auf Resignation und Nachdenken. Bei den sanften Sitten der Mauren lässt es sich mit ihnen sehr angenehm verkehren und die Franzosen haben an ihnen durchaus kein Ilinderniss gegen das Umsichgreifen ihrer Occupatio!!. Die Mauren sind zwar fanatisch, aber ihr Fanatismus ist nicht gefährlich, weil diese Menschen zu friedlich sind und sehr arg gedrückt werden müssten, um an bewaffneten Widerstand zu denken. In den ersten Jahren der Anwesenheit der Franzosen sah jenes Volk seine Moscheen zerstören und die Gräber seiner Väter aufwühlen, ohne zu wagen, gegen den strengen Herzog von Rovigo seinen Unmuth anders als durch finstere Mienen zu erkennen zu geben. In der Folge söhnte sich ein Theil sogar mit den Siegern aus und ziemlich viele Mauren stehen jetzt im Dienst der französischen Regierung als Dolmetscher, Polizeiagenten, Gensdar-men u. S. w. Andere, die es nicht ertragen konnten, mit Christen beisammen zu wohnen, wanderten nach Tunis, Tanger, dem Orient aus oder zogen sich in die südlichsten Gegenden der 7. bis zum 28. Juni fielen auf der ganzen Linie nur Tiralleurgefechte vor. Am 28. überfiel eine feindliche Colonne ein Bataillon des 4ten leichten Infanterieregiments und tödtete ihm l.r>ö Mann. Die Nachlässigkeit des Bataillonschefs war an diesem Verlust allein Schuld. Die Soldaten waren auf seinen Befehl beschäftigt, ihre Waffen zu reinigen, hatten ihre Flinten zerlegt und konnten demnach keinen Widerstand leisten. Am 29. rückte endlich die Armee vor und besetzte die Gipfel uud Abhänge des Budschareaberges, welcher die Stadt Algier und die sie umgebenden Forts allenthalben do-minirt. Der Widerstand der Feinde war ziemlich matt, obwohl sie einen tüchtigem uud muthigern Führer als bisher an ihrer Spitze hatten. Der Dey hatte sich nämlich nach dem misslungeuen Angriff vom 24. Juni von der gänzlichen Unfähigkeit seines Eidams überzeugt und an seiner Stelle Mustapha-Bu-Mesrag, Bey von Tittcri, einen tapfern Türken zum Oberbefehlshaber der Algierer Armee ernannt. Die Arbeiten zur Eröffnung der Laufgräben dauerten bis zum 3. Juli, an welchem Tage auch Admiral Duperre mit seiner Flotte auf der Rhede von Algier erschien. Am 4. feuerten die französischen Batterien auf einmal gegen das Kaiserfort und dieKasbah, die beiden bedeutendsten Werke der Stadt» Dietürki-geben Batterien orwiedorteu das Feuer vier Stunden lang mit grosser Energie. Dann aber, als die Mehrzahl ihrer Geschütze zertrümmert und die Werke und Mauern von Kugeln durchlöchert waren, wurde das Feuer allmälig schwächer und schwieg gegen Mittag ganz. Das Kaiserfurt wurde geräumt und sein Pulvermagazin auf Befehl des Deys angezündet. Die Explosion zerstörte alle innern Gewölbe und Wiiude. Einige französische Compagnien drangen durch die Löcher der Mauern in das Kaiserfort ein und nahmen es in Besitz. Drei türkische Geschütze waren unversehrt geblieben; mit diesen nebst zwei Feldgeschützen, die in das Fort gebracht wurden, feuerten die Franzosen auf das tief unten am Seeufer stehende Fort Bab-a-Zun, dessen Batterien auch bald zum Schweigen gebracht waren. Die französische Flotte eröffnete ebenfalls ein gut unterhaltenes Feuer gegen die Werke der Stadt nach der Ilafenseitc ; dasselbe blieb aber völlig wirkungslos, da die Entfernung zu gross war. Im Innern der Stadt herrschte nach dem Falle des Kaiserforts die grösste Bestürzung. Die Bewohner, welche eine Erstürmung der Stadt in Begleitung aller gewöhnlichen Unordnungen und Greuel eines solchen Ereignisses fürchteten, drängten sich in Masse nach der Kashah und verlangten mit grossem Geschrei, dass der Dey capitulire. Dieser sandte seinen Maka-tadschi zum General Bourmont mit dem Vorschlag, die Kriegskosten bezahlen und sonstige Genugthuung geben zu wollen. Als der französische General hierauf nicht einging, erbot sich der Makatadschi, ein verrätherischer Schurke, wie fast alle Grossen dieses Raubstaates, seinen Gebieter aus dem Wege tu schaffen. Er sagte, man könne dann mit dem neuen Dey, zu welcher Würde er den Khasnadschi zu erheben wünschte, zu sehr vortheilhafteu Bedingungen unterhandeln. Der französische General aber, der beauftragt war, die türkische Herrschaft ganz zu stürzen, wies diese Vorschläge zurück, deren Annahme ohnehin unverträglich mit der Ehre Frankreichs gewesen wäre. Hussein-Dey schickte hierauf als Unterhändler die Mauren Achmed-Buderbah und Hamdan-bcn-Othman-Khodscha, zwei gewandte, listige Männer, welche sich längere Zeit in Europa aufgehalten hatten und französisch mit vieler Leichtigkeit sprachen, zum General Bourmont. Nach zweistündiger Unterhandlung kam eine Capitulation zu Stande, dem zufolge die Kasbah, sämmtliche Forts und die Thore der Stadt den französischen Truppen übergeben werden sollten. Dem Dey wurde gestattet, mit seiner Familie und seinem Privat-vermögen sich frei zu begeben, wohin er Lust habe; eine Escorte sollte für seine Sicherheit wachen. Die gleichen Vortheile wurden der türkischen Miliz zugesichert. Eben so verpflichtete sich der General Bourmont auf seine Ehre, die Religion, die persönliche Freiheit, Eigenthum, Handel und Industrie der Einwohner zu respectiren. Diese Capitulation nahm Hussein-Dey an. Es kam dieser Act einer Abdankung von seiner Seite gleich. Am 5. Juli 1830 zogen die Franzosen als Sieger in Algier ein und ihre Fahne, die bald ihre Farbe wechseln sollte, wehte auf der Kasbah und dem Kaiserfort. III Algier unter der Herrschaft Frajikreichs. Marschall Bourmont. — Expeditionen nach Beiida, Bona and Oran.— Juliusrevoliitioii. — Ahreise Bnurmonfs. — Ankunft des Marschalls Clauzel. — Maassre nicht mehr Stand halten. Der Häuptling der Wüste floh, verfolgt und gehetzt von den Abd-el-Kader'schcn Reitern, mit wenigen Getreuen nach seiner sandigen Heimath zurück und kehrte seitdem nicht wieder. Sein Gcpäcke und seine Frauen fielen in die Hände des Siegers. Abd-el-Kader behandelte die Frauen mit Anstand und schickte sie grossmüthig seinem besiegten Gegner zurück. Der Empfang des Emirs in Medeah war eben so enthusiastisch, wie zu Miliana. üeberall entrichtete man ihm freudig den Tribut, weil man hoffte, dass er Friede und Ordnung herstellen werde. Moha-med-el-Barkani wurde zum Rey von Miliana ernannt. Nach der Besiegung Mussas erhob sich kein Gegner mehr gegen den Marabut der Haschern. Alle Städte und Stämme der Provinzen Oran uud Titeri, deren Gebiet er berührt hatte, gaben ihm den Titel Sultan; die entfernteren Stämme schickten Gesandte an ihn mit Gescheuken. Er hatte seitdem leichtes Spiel; denn die gefährlichste Prüfung für ihn war jene Zeit, wo der religiöse Fanatismus der Araber, aufweichen seine Macht von Anfang an gegründet war, sich gegen ihn zu kehren drohte, wo seine Rivalen ihn als einen Freund der Ungläubigen verschriee* und im Namen des Propheten und des Korans die Fanatiker zum Abfall und zu seiner Vertilgung aufforderten. Damals bewährte sich die Geistesgrösse Abd-el-Kader's. Ein weniger entschlossener Häuptling hätte sich beeilt, den Frieden mit den Franzosen zu brechen und aufs Neue den I) seh ad zu predigen, um den Fanatisinus wieder für sich zu gewinnen uud den Sturm zu beschwören, der einen weniger energischen, weniger schlauen Fürsten unfehlbar ins Verderben gerissen hätte. Aber Abd-el-Kader besass in hohem Grade jenes starke Selbstvertrauen, das immer eine Beigabe des Genies ist. Das Geschrei blinder Fanatiker brachte ihn nicht aus der Fassung, er bot dieser gefährlichsten aller Krisen, die er von der Erhebung seiner Macht an erfahren, muthvoll die Stirne und überwand alle Gefahren nach einander mit einem Glück, das bei einem so religiösen und für jede Grösse so empfänglichen Volke, den mächtigsten Eindruck nicht verfehlen konnte. Die Araber sahen in den Erfolgen des Emirs den Finger Gottes und gedachten der Prophezeihung des Derwisches von Mekka. Wohl mochte er aber auch damals den einflussreichsten Marabuts und Sebeikhs insgeheim erzählen, dass sein Friede mit den Christen nur falsches Spiel sey und dass er, wenn alle Stämme sich angeschlossen, seine Waffen gegen die eingedrungenen Fremdlinge kehren werde, dass er von Allah berufen sey, den Islam in Afrika zu retten, und ein grosses arabisches Reich wiederherzustellen. Wie er im Innern muthige Entschlossenheit zeigte, so fein und gewandt benahm er sich gegen die Franzosen. Abd-el-Kader bediente sich bei seinem Verkehr mit dem Grafen Drouet d'Erlon des Juden Bcn-Duruud, eines ungemein pfiffigen Unterhändlers, welcher das Französische mit Leichtigkeit sprach und die Art, die Franzosen zu behandeln, meisterlich verstand. Dieser Intrigant wusste sich in das Vertrauen des alten Gouverneurs dergestalt einzuschleichen, dass dieser ihn sogar au seine Tafel zog und im Wagen an seiner Seite sitzen liess. Ben - Durand suchte den General d'Erlon zu überreden, Abd-el-Kader arbeite im Innern nur, die directe Herrschaft Frankreichs über die Stämme vorzubereiten , die Angelegenheiten der Araber auf europäischem Fusse zu ordnen und der Civilisation den Weg zu bahnen. Der altersschwache Gouverneur liess sich bereden, und weit entfernt, seine Drohungen gegen Abd-el-Kader zu erfüllen, liess er ihn vielmehr durch eiuen Officier des Gcucralstabs zu seinen Erfolgen beglückwünschen und schickte ihm sogar Geschenke, welche der Emir annahm wie einen Tribut. Mit den Gewehren, welche man dem Emir schickte, schuf dieser eine kleine, gut bewaffnete Armee, deren Kern einige tausend Infanteristen bildeten, die nach dem französischen Exercitium durch Renegaten eingeübt wurden. Wahrend der schwache Drouet d'Erlon die Gefahren übersah, welche die Vereinigung der Stämme unter Einem Sceptcr für die Herrschaft Frankreichs hatte, sah man in Oran einen energischen General nur bemüht, die mächtigeren Häuptlinge von der Suche des Emirs loszureissen. Trezel, welcher Desmichels im Commando ersetzte, trat mit einem einflussreichen Scheikh der Duairs in Verkehr und beredete diesen Stamm und die Zmelas, welche zunächst bei Oran wohnten, den Emir zu verlassen. Abd-el-Kader, von diesen Vorgängen unterrichtet, schickte einen seiner Agas mit Truppen ab, um die Duairs und Zmelas zu nöthigen, ihre Zelte abzubrechen und iu's Innere sich zurückzuziehen. Jene Stämme sandten nun in aller Eile Abgeordnete an den französischen General und baten um seinen Schutz gegen die Verfolgungen Abd-el-Kader's. Trezel, ein entschlossener Manu, brach am lü. Juni mit allen seinen verfügbaren Truppen von Oran auf, und rückte zwei Stunden in südlicher Richtung vor, um das Gebiet der beiden Stämme zu decken. Der Aga des Emirs zog sich bei Annäherung der Franzosen zurück und General Trezel rückte nun bis in die Ebene Tlelat vor. Zwischen den Duairs und Zmelas und dem General wrurde ein förmlicher Vertrag geschlossen, demzufolge diese Stämme ganz in den Dienst Frankreichs übertraten. Trezel schrieb an Abdel-Kader einen drohenden Brief, worin er forderte, dass der Emir auf das von ihm angesprochene Recht der Souverainetät über die Duairs und Zmelas verzieht. Der arabische Häuptling antwortete, seine Religion verbiete ihm, Muselmänner unter französischer Herrschaft zu lassen, und er werde die rebellischen Stämme bis unter die Mauern Orans verfolgen. Zugleich verlangte er, dass man ihm seinen Ukil in Oran gegen den französischen Consul in Mascara zurückschicke. Dies kam einer Kriegserklärung gleich. Der hitzige Trezel, der nur für wenige Tage Lebensmittel hatte, rückte nach den Ufern des Sig vor, wo Abd-el-Kader mit seinen Truppen lagerte, und an alle Gläubigen zum bevorstehenden Kampf gegen die Christen Aufrufe ergehen liess. Im Wald von Muley - Ismael, einem niedern Gehölze, auf halbem Wrege zwischen Oran und Mascara, kam es zum ersten Gefecht. Auf beiden Seiten stritt man mit grosser Erbitterung und die Tirailleurs schlugen sich von Busch zu Busch. Die Franzosen vertrieben endlich die Araber aus dem Gehölze, erlitten aber beträchtlichen Verlust. Obrist Oudinot, der die französische Cavalerie befehligte, fiel und seine Leiche wurde nur mit Mühe dem Feinde entrissen. Auch der Anführer der arabischen Reiterei, ein Khalifa, wurde getödtet. An den Ufern des Sig machte das kleine französische Heer Halt. General Trezel, den der Transport seiner Verwundeten in grosse Verlegenheit setzte, entschloss sich endlich zum Rückzug nach Arzew. Als seine ermüdeten Truppen die Ufer des Flüsschens Makta erreichten, wurden sie von der ganzen Streitmacht Abd-el-Kader's, welcher eine Armee von beinahe zwanzigtausend Reitern zusammengerafft hatte, aufs W'üthendste angegriffen. In die französischen Colonneu riss bald eine verderbliche Unordnung ein. Mehrere Compaguien, welche sich der Hügel zur Seite des Weges bemächtigen sollten, wurden von den Arabern zurückgedrängt. Ein panischer Schrecken kam zuerst in die Reihen der Fremdenlegion. Von dieser waren zwei Bataillone gegenwärtig. Das Eine, ganz aus Italienern bestehend, soll, wie die Olliciere aller übrigen Corps behaupten, sich sehr feige benommen uud mit dem Geschrei: rette sich, wer kann! auf die übrigen Corps sich gestürzt und die Unordnung dadurch furchtbar gesteigert haben. Das zweite Bataillon der Fremdenlegion bestand zur Hälfte aus Polen; die übrige Hallte war ans Individuen der verschiedensten Nationen, Deutschen, Holländern, Spaniern, bunt zusammengewürfelt. Diese Soldaten fochten zwar brav, aber der Uebelstand war, dass sie von französischen Ofhciereu befehligt waren,'von deren Sprache sie nur die Commandn-worte begriffen. Hielt es schon schwer sich mit diesen Leuten auf dem Exercierplatzo zu verständigen, so war es vollends unmöglich, sie inmitten eines unheilvollen Rückzuges, wo sie umschwärmt uud verfolgt vou einem sechsfach überlegenen Feinde waren, au ihre Kriegerpflicht zu mahnen, sie zum Widerstand uud einem ehrenvollen Tode zu begeistern. Die Reden der Olliciere der Legion in fremden Tönen fanden taube Ohren, mau hörte von den Soldaten nur Ausrufe des JVluthes oder des Schreckens, Kriegsgesänge oder Gebete in allen Zungen. Die Wagen, auf welchen die Verwundeten lagen, blieben in den Sümpfen der Makta stecken. Ihre Führer, vom Feinde nahe bedroht, schnitten die Stränge ah, jagten feige mit den Pferden davon und üherliessen ihre unglücklichen Kameraden dem Yatagan der Beduinen, Nur ein einziger Wagen mit zwanzig Verwundeten wurde gerettet. Der Sergeant, der die Führer desselben commandirte, drolite jeden niederzuschiessen, der seine blessirten Kameraden im Stiche lassen würde. Trotz des Kugelhagels der Feinde wurde dieser Wagen glücklich aus dem Sumpfe gebracht. Die Verwirrung hatte inzwischen das ganze kleine Heer, Olliciere wie Soldaten, ergriffen. Auf kein Commando wurde mehr gehört; das Geheule der Araber und die Scbreckensrufe der Verfolgten übertäubten die Stimmen der Anführer, mildem Trieb der Sclbsterhaltimg folgend liefen Compngnicn und Bataillone untereiiiandorgonieiigt auf der Strasse von Arzew fort. Schreiher dieses hörte über diese Niederlage an der Makta die Schilderungen vieler Augenzeugen. Darunter waren Männer, welche, wie der Commandant Saint-Fargenu, die grössten Schlachten der Kaiserzeit, bei Lützen, Dresden, Leipzig, mitgemacht hatten. Alle diese Olliciere stimmten darin trbereio, dass jene grossen Waffentage, bei allem Pulverdampf und Geschützdonner, doch lange nicht so crass und gehaudervoll gewesen, wie die Kriegsscene an der Makta. Die Verwundeten wussten, dass ein Feind hinter ihnen sey, der keinen Pardon gab. Sie liefen mit fliessenden Wunden, so lange es ihnen möglich war, und wenn sie vor Schwäche nicht mehr weiter konnten, flehten sie ihre Kameraden an, ihnen den Tod zu geben, um nicht unter den Misshandlungen der Barbaren zu verscheiden. Einige stimmten die Marseillaise an, die alter einem Tudtengesang ähnlicher, als einem Triuniphlied klang; andere nahmen Abschied von der Sonne. In einer so fürchterlichen Lage verdankte das Heer seine Rettung nur der Hingebung eines Hüulleins entschlossener Männer, welchen die nahe Todesgefahr nicht wie den Uebri-gen den Kopf verrückt hatte und die freiwillig den Nachtrah bildeten, dem Feinde beständig die Stirne bietend. Vor allem waren es die berittenen Chasseurs d'Afrüpie, welche, obwTohl am Ende auf etwa vierzig kampffähiger Männer reducirt, gegen die hitzigsten Feinde anspreugteu und die Verfolgung hemmten. Sie hatten an ihrem Capitän Bernard einen heroischen Führer. Etwa vierzig bis fünfzig Officiere und Soldaten der übrigen Corps gesellten sich freiwillig zu ihnen: ohne diese Hand voll Tapfer«; wäre es wohl, nach dem Geständnisse aller Augenzeugen, um den ganzen Heerhaufen geschehen gewesen. Endlich erreichten die Franzosen Arzew, wo sie ganz beschämt über die uugewohnte Niederlage, die erste, welche sie in Afrika erlitten, sich wieder sammelten. Ihr Verlust betrug zwar nicht über 500 Mann, aber ungeheuer war der moralische Eindruck, den dieses Ereigniss im Lande machte. Der Glaube an die Unbesiegbarkeit der Franzosen war unter den Eingehornen vernichtet. Alle Stämme wandten sich dem jungen Emir zu, welcher das erbeutete Gepäcke, eine Kanone und fünfhundert Köpfe als Trophäen aufzuweisen hatte. Der unglückliche Trezel, welcher persönlich Beweise von grosser Taperkeit, aber auch von ziemlicher Unfähigkeit gegeben, wurde seines Coinmandos entsetzt. Der öffentliche Unwille wandte sich aber in Frankreich mit grösserem Recht wider den Gouverneur von Algier, dessen Schwäche und Nachgiebigkeit den Emir Abd-el-Kader so mächtig gemacht uud die Niederlage an der Makta herbeigerufen hatte. Drouet d'Erlon wurde durch den Marschall Clauzel ersetzt, dessen Ernennung unter den europäischen Ansiedlern in Algier keine geringe Freude verursachte, da er seit Jahren als der eifrigste Verth cid iger der afrikanischen Niederlassung bekannt war. Am Tage der Ankunft des Marschalls Clauzel in Algier, den 10. August 1R35, brach dort die Cholera aus, uud wüthete einen Monat lang mit furchtbarster Heftigkeit. Die Sterblichkeit war grösser unter den Eingehornen, als unter den Europäern; doch starben in der französischen Armee gegen 1600 Mann. Die grossen kriegerischen Operationen, die der Marschall im Kopie trog, wurden dadurch für einen Augenblick gelähmt. Inzwischen wurden von Toulon nach Oran Kriegsmaterial und Truppen eingeschifft, denn die französische Regierung wünschte so schnell als möglich den Übeln Eindruck zu verwischen, welchen die Niederlage an der Makta in Frankreich und in Afrika hervorgebracht hatte. Am 26. November 1835 setzte sich eine 11,000 Mann starke E\poditionsarmee von Oran gegen Mascara in Marsch. Marschall Clauzel hatte das Ohercommando; unter ihm dienten die Generale Oudinot, Perregaux und d'A Hanges. Frankreichs ritterlicher Thronerbe begleitete diesen Feldzug. Abd-el-Kader setzte der trefflich eingeübten kleinen Armee, welche mit Allem wohl verscheu war, weit weniger Widerstand entgegen, als man gedacht hatte. Die Expedition von Mascara war eine der gelungensten Waffenthaten der Franzosen. Marschall Clauzel manoeuvrirte mit grösster Geschicklichkeit; selbst seine vielen persönlichen Gegner in der Armee waren entzückt davon. Der ganze Marsch durch die Ebene des Sig, wo der Marschall den Feind glauben machte, er schlage den Weg nach Mostagancm ein, zeigte eine Reihe von wunderschönen Manoeuvres, die eben so sehr das Talent des Anlührers als die Gewandtheit der Truppen bewies. In jeder Hinsicht war dieser Feldzug für die jüngeren Armeeofficierc eine treffliche Schule, was selbst Pellissier, der eifrigste Gegner des Marschalls Clauzel, zugesteht. Am Sig und Ilabrah leisteten die Araber einigen Widerstand. Ziemlich hartnäckig wehrten sie sich besonders hinter den Grabtempeln der Marabuts aus der Familie Sidi-Embarek. Sie wurden aber aus allen Stellungen gedrängt und wollten es nirgends zu einem Kampfe mit der blanken Waffe kommen lassen. Abdel-Kader führte damals zum erstenmal Kanonen ins Gefecht, die aber aus so weiter Ferne schössen, dass sie wenig schadeten. Der Herzog von Orleans commandirte damals keine Brigade, begab sieh aber als Freiwilliger nach allen Punkten, wo das Feuer am hitzigsten war, und erhielt selbst eine leichte Schusswunde am Schenkel. Im Bivouac mischte er sich unter die Soldaten, knüpfte Gespräche niit ihnen au und ergötzte sich an ihrem Geplauder am Feuer heim Zischen der Bratpfanne. Wer die Beweglichkeit, den Erlindungsgeist und den Humor des französischen Soldaten nicht kennt, dem wird es schwer, sich von der Originalität der Bivouacscenen und des Feldlebens in Afrika einen Begriff zu machen. Am 6. December zog der Vortrab der französischen Armee in Mascara ein. Die sümmtliche muselmünnische Bevölkerung hatte die Stadt verlassen; nur die Juden waren zurückgeblieben. An diesen Unglücklichen verübten die Banden Abd-el-Kader's, welche aller Disciplin ledig, Mascara \or dem Einzüge der Franzosen plünderten, die rohesten Grauel. Die jüdischen Weiber wurden geschändet, die Männer misshandelt und als der aus Zuaven bestehende Vortrab der Franzosen vor der Stadt erschien, hörten diese Scenen nicht auf, denn als die beutegierigen Soldaten nichts von den gehofften Schätzen fanden, Hessen sie den Aerger getäuschter Erwartung gleichfalls au den armen Juden aus und es fielen schändliche Gewalttätigkeiten vor, welche die Olliciere nicht zu hindern vermochten. Die Ankunft des Generalstabes setzte den ersten Unordnungen ein Ziel. Marschall Clauzel und der Herzog von Orleans nahmen Besitz vom Palast Abd-el-Kader's, während die Armee ausserhalb der Stadt bivouakirte. Dem Türken Ibrahim, ehemaligem Commandanten von Mosta-ganem, wurde der Antrag gemacht, mit den Duairs und Zmelas und einigen türkischen Söldlingen in Mascara zu bleiben. Dieser Häuptling1 sah aber voraus, dass er ohne den Bei-Itlfid französischer Truppen sich im Innern nicht werde behaupten können. Er lehnte daher das Anerbieten ah und wollte lieber mit der Armee zurückkehren. Marschall Clauzel entschloss sich nun, Mascara zu räumen und zu zerstören. Um diesen auffallenden Entschluss zu rechtfertigen, schilderte er Mascara in seinem officiellcn Bericht als eine unbedeutende Position, welche nicht werth sey, dass man dort ein ßeylik gründe. Diese Behauptung war aber grundfalsch und gewiss sprach der Marschall damals nicht aus innerer Ueberzeugung. Mascara ist im Gegentheil, wie die einsichtsvollsten Olliciere erkannt haben, der allerwichtigste Punkt in der Provinz Oran. Wer mit einer Besatzung, welche hinreichend stark ist, um Streifzüge zu unternehmen, Mascara occupirt hält, der beherrscht auch die beiden grössten und fruchtbarsten Weidegefilde der Provinz, die Ebenen Egghres und Ceirat im Süden und Norden der Stadt. Die zahlreichen dort wohnenden Stämme würden sich nicht leicht entschlicsscn, diese Wohnsitze zu verlassen, wo ihre ergiebigsten Felder stehen und ihre Heerden das ganze Jahr hindurch grüne Weide finden. Sie würden sich zwar anfangs zurückziehen , dann aber mit dem Gebieter von Mascara Unterhandlungen anknüpfen und am Ende immer dem sich unterwerfen, der ihre Ebenen am nächsten bedroht. Ueberdies ging Abd-el-Kader's Grösse von Mascara aus. Dort lag der Kern seiner Macht; die übrigen Stämme fielen ihm später nur zu, weil er unter allen Häuptlingen der Stärkste war. Bei Mascara wohnen die Haschern, der Stamm, unter welchem seine Familie seit Jahrhunderten lebte und ihren Marabuteinlluss übte. Die Ghetna von Sidi-Mahiddin, Kaschruh, der Kirchhof von Abd-el-Kader's Ahnen, heilig verehrte Orte, welche die Wallfahrer allcnthal-Moritz Wagner's Algier II. 15 ben herbeiziehen, liegen in Muscara's Umgegend. Fielen diese Punkte in die Hände der Christen, so wäre es um den religiösen Einfluss des jungen Marabuts schnell geschehen. Männer, welche die Zustände der Provinz Oran weit gründlicher kennen lernten als der Marschall Clauzel, besonders jene französischen Olliciere, welche wie der Capitäu Daumas und der Ohrist Mauzion längere Zeit in Mascara zubrachten, erkannten die hohe Wichtigkeit dieses Punktes vollkommen, während Clauzel sie ans unverzeihlicher Oberflächlichkeit oder aus andern unbekannten Motiven ableugnete. Am 9. December trat die französische Armee ihren Rückzug an. Mascara sollte den Flammen übergeben werden. Aber die steinernen Häuser wollten nicht Feuer fangen und ein Regenguss löschte die wenigen Flammen aus, welche sich an einigen Punkten erhoben. Nur die Stadtthore und der Palast Abd-el-Kader's wurden zerstört. Die übrigen Gebäude sind, obwohl durch die einquartierten Soldaten stark beschädigt, von ihren früheren Bewohnern wieder in Besitz genommen worden, sobald die Franzosen abgezogen waren. Nach der Einnahme von Mascara war der Emir fast allein i in Kaschruh, bei den Gräbern seiner Altvordern geblieben. Alle Stämme, sogar die Haschern hatten ihn verlassen, in der Meinung, dass die Franzqscn in Mascara bleiben würden. Ihren Rückzug hielten die Araber für ein Zeichen der Furcht und Schwäche, und Abd-el-Kader, welchen die erlittene Schlappe keineswegs niedergeschlagen hatte, gelangte bald wieder zur alten Macht, wozu ihm besonders die Expedition des Marschalls Clauzel gegen Tlemsan vortrefflich zu Statten kam. Dieser Zug wurde auf die dringenden Aufforderungen der im Me-schuar von Tlemsan belagerten Türken und Kuruglis unter- iiuiniiien. Seit fast eiuem Jahre waren diese tapfern Männer dort eingeschlossen, und der alte Mustapha-ben-Ismacl, des Emirs unversöhnlichster Feind, feuerte die äusserst bedrängte Besatzung zum beharrlichen Widerstande an. Die Angad wollten den Meschuar entsetzen, aber Abd-el-Kader eilte den Belagerern zu Hülfe, und nüthigte die Angad zum Rückzüge nach ihren öden Steppen. Am 8. Januar 1836 brach der Marschall Clauzel mit einem kleinen Heere von 7500 Mann nach Tlemsan auf. Er kam dort an ohne Kampf, und die befreite Besatzung, an ihrer Spitze der ehrwürdige Mu-stapha- ben-lsmael, eilte ihm mit Jubel entgegen. Die majestätische Gestalt Mustapha's, sein energischer Charakter, welcher in seiner Haltung und in seinen Zügen sich vollkommen ausspricht, machten einen für ihn äusserst vortheilhaften Eindruck. Der Marschall Clauzel ernannte ihn zum Kaid der Duairs und Zmelas. Seitdem hat der greise Häuptling den Franzosen treu und tapfer gedient, wurde aber auch reichlichst dafür belohnt, und bekleidet gegenwärtig den Grad eines Marechal de Camp , mit einem, seinem Range angemessenen Gehalte. Die maurische Bevölkerung Tlemsans war von Abd-el-Kader zur Auswanderung gezwungen worden. Bei einem Streifzuge, welchen die Franzosen in der Umgegend unternahmen, wurde der grösste Theil der Einwohner nach einem unbedeutenden Reiterscharmützel, in welchem der Comman-dant Yussuf sich ganz besonders hervorthat, nach Tlemsan zurückgebracht. Abd-el-Kader hatte seit dem Schlage, welchen er durch die Expedition von Mascara erlitten, kaum etwa tausend Reiter in seinen Diensten. Als aber der Marschall einen Zug von Tlemsan nach der Tafna unternahm, ergriffen die sehr mächtigen und zahlreichen Kabylen an den 15 • Ufern dieses Flusses, ein äusserst kriegerischer, fanatischer Menschenschlag, die Partei des Emirs. Ihre Stämme lebten unter einander in häufiger Fehde; ihre Scheikhs, worunter Buhamedi der einflussrcichste war, hegten Neid und Eifersucht gegen einander. Sie nahmen daher den ihnen fremden Abd-el-Kader gern als ihren Anführer auf, um den gemeinschaftlichen Feind zu bekämpfen. Der Plan des Marschalls, bis zur Mündung der Tafna vorzurücken, scheiterte an der ungestümen Tapferkeit der Kabylen. Auf beiden Seiten war der Verlust gross. Der greise Mustaphu hatte sich an der Spitze der Kuruglis von Tlemsan wie ein Löwe geschlagen. Aber auch die Reiterei Abd-el-Kader's hielt sich gut. Ihren jungen Anführer sah man auf seinem schwarzen Wüstenrosse öfters durch das Kampfgetümmel fliegen, seine Leute zum Kampfe ermunternd. Das französische Heer zog sich nach Tlemsan zurück. Die Absicht des Marschalls Clauzel war, als er diesen Zug unternahm, wohl nur, den Meschuar zu entsetzen. Aber die wunderschöne Lage Tlemsans in einer der gesegnetsten Gegenden der ganzen Berberei, wo der Boden eine Ueppig-keit der Vegetation zeigt, die von keinem andern Punkte der Regentschaft übertroffen wird, machten auf den Marschall und die übrigen Oberofficiere einen solchen Eindruck, dass beschlossen wurde, in Tlemsan eine französische Besatzung zurückzulassen. Ein Bataillon unter dein Commando des Capi-täns Cavaiguac nahm Besitz vom Meschuar. Die Armee verliess Tlemsan am 7. Februar und kehrte auf einem andern Wege nach Oran zurück, unter beständigen Gefechten mit den Truppen Abd-el-Kader's, die ihnen auf der Ferse folgten. Auch diese zweite Expedition des Marschalls Clauzel hatte das gehoffte Resultat nicht erreicht. Die Garnison von Tlemsan, zu schwach, um Streifzüge zu unternehmen, wurde hlokirt, und litt bald Mangel an Lebensmitteln. Abd-el-Kader kehrte mächtiger als je nach seiner Hauptstadt Mascara zurück. Kr hatte neue Verbündete gewonnen: die Kabylen an der Tafna, deren Scheikh Buhamedi allenthalben für Abd-el-Kader werben liess, und die Angad, deren Abgesandte durch den hochfahrenden Empfang beim Marschall Clauzel sich beleidigt fühlten, und die nun dem Emir sich gleichfalls unterwarfen. Eine bedeutende Anzahl Kabylen nahm Dienste in der regulairen Infanterie des Emirs. Als dieser mit so mächtigen Bundesgenossen wieder in Mascara erschien, flehten ihn alle Stämme, welche nach der Einnahme dieser Stadt von ihm abgefallen waren oder sich wankelmüthig gezeigt hatten, um Vergeben und Vergessen des Vergangenen an. Abdel-Kader gewährte ihnen grossmüthig volle Verzeihung, und liess, was ganz unerhört war, nicht einen einzigen Kopf abschlagen, obwohl die Haschern selbst ihn gebeten hatten, er möge die Schuldigsten unter ihnen hinrichten lassen. Marschall Clauzel verliess bald darauf die Provinz Oran, und verfügte sich nach Paris, um in der Deputirtcnkammer bei der Discussion über die Algierer Angelegenheiten gegenwärtig zu seyn. In seiner Abwesenheit führten auf seinen Befehl die Generale Perregaux und d'Arlanges verschiedene Operationen in der Provinz Oran aus, die aber eben so erfolglos blieben, wie die Expeditionen nach Mascara und Tlemsan. IJcberhaupt wurde unter keiner Verwaltung mehr unnützes Pulver verschossen, als unter der des Marschalls Clauzel. Es schien, als halle dieser Heerführer Afrika für ein blosses Ucbungslager für die französischen Truppen, oder vielleicht unternahm er die verschiedenen Züge nur, um sich desto sicherer auf seinem Posten zu behaupten, da er die franzö- sische Nation kannte, und wusste, dass ihn nichts populärer machen könne, als Bulletins von Eroberungen und Siegen, wenn auch mit einem solchen System der Zustand der Regentschaft nur verschlimmert wurde, und die Colonisation gar nichts dabei gewann. General Ferregaux operirte an den Ufern der Flüsse Schelif und Habrah, während der General d'Arlanges eine Expedition zur See nach der Mündung der Tafna commandirte, wo ein Lager erbaut wurde. Bei einer Recognoscirung, welch«; dieser General in der Richtung von Tlemsan machte, erlitt seine Colonne ziemlich beträchtlichen Verlust, und konnte nur mit vieler Mühe das Lager wieder erreichen. Umringt von 8- bis 10,000 Kabylen, welche Buhamedi anführte, war die Colonne der Franzosen, die nicht über 1800 Streiter zählte, nahe daran, zu erliegen. Die Kabylen an der Tafna fochten mit eben so grosser Wutb, als die Stämme bei Budschia, drangen öfters bis an die Mündung der Kanonen vor, und ihre Yatagans kreuzten sich mit den Säbeln der Chasseurs. lieber 300 Todte Hessen die Franzosen auf dem Kampfplatze zurück; ihr Lager wurde umzingelt, uud in aller Eile liess General d'Arlanges Barken nach Oran abgehen, um dorthin die kritische Lage seines Corps zu melden, Als die Nachricht von der Schlappe an der Tafna nach Frankreich kam, wurde dort beschlossen, den General Bugeaud mit Verstärkungen nach Oran zu schicken. Derselbe landete am 6. Juni 1836 mit drei Regimentern an der Mündung der Tafna, befreite die eingeschlossene Besatzung des Lagers und brach von dort nach Tlemsan auf. Das im Meschuar dieser Stadt zurückgelassene Bataillon hatte unter dem Commando des unermüdlichen Cavaignac sich tapfer gegen alle Angriffe der Araber behauptet und war von den Kuru- glis eifrigst unterstützt worden, obwohl der Marschall Clauzel der braven, unglücklichen Bevölkerung eine für sie unerschwingliche Coutributiou aufgebürdet hatte. Die Colonne des Generals Bugeaud führte 350 Karneole mit sich, welche mit Proviant für die Garnison des Meschuar beladen waren. Am 6. Juli griff'Abd-el-Kader, welcher in der letzten Zeit zu Xedruma, einer kleinen Stadt an der marokkanischen Gränze,sein Hauptquartier aufgeschlagen, und einige tausend Amazirghs — so beuten in Marokko die Kabylen — unter seiner Fahne versammelt hatte, die Marschcolonne der Franzosen in einem engen Thale an, welches das Flüsschen Sikak ü) durchströmt. Die arabische Beiterei stürzte sich auf den Nachtrab, während Abd-el-Kader an der Spitze seiner Infanterie in der Flanke angriff. Durch ein geschicktes Manoeuvre wusste General Bugeaud einen Theil dieser Infanterie abzuschneiden. Sie war von einigen Reiterhaufen gedeckt, welche auf einen kräftigen Angriff der französischen Cavalerie das Schlachtfeld räumten uud die Infanterie ihrem Schicksale übcrliessen. Diese war schnell über den Haufen geworfen, stob in allen Richtungen aus einander und suchte sich über die Felsen und in die Büsche zu retten. Auf dem Kampfplätze blieben 200 Leichname und über 000 Flinten zurück; 130 Gefangene und 0 Fahnen waren die im afrikanischen Kriege sehr seltenen Siegestrophäen. Abd-el-Kader, welcher in eigener Person *) So wurde dieses Gewässer in dem officiellen Bulletin des Moniten!' genannt, der freilich, was geographische Namen anbelangt, die schlecbteste Autorität ist. Die Kabylen nennen das Fliisscben bei seinen Quellen, welche einen präcbtigen Wasserfall bilden, Lorat. Bei den Arabern in der Ebene von Tlemsan fübrt es den Namen Sei'sil, nacb seiner Vereinigung mit dem Isser nimmt es den Namen Sekak an, welchen die Franzosen in Sikak verdarben. unter den vordersten Reihen stand, und selbst seine Flinte öfters abdrückte, war nahe daran, erschossen zu werden. Ein Pferd wurde ihm unter dem Leihe getödtet; er stürzte und entging dem Tode nur, weil er Kleider trug wie ein gemeiner Araber, und keine besondere Aufmerksamkeit auf sich zog. Am 12. Juli verliess Bugeaud Tlemsan, das er vernro-viantirt hatte, und kehrte nach Oran zurück, ohne dass der Emir die französische Colonne im Mindesten zu beunruhigen wagte. Es war dies wohl das sprechendste Gestiindniss des ungewöhnlichen Verlustes, den er au der Sikak erlitten. Uebri-gens brachte dieser Sieg den Franzosen eben so wenig Früchte, als ihre Züge gegen Mascara und Tlemsan. Nicht ein einziger Stamm war für die französische Sache gewonnen, und das begeisterte Vertrauen, welches Abd-el-Kader den Arabern und Kabylen einzuflossen gewusst, war nicht im Mindesten erschüttert worden. Während dieser kriegerischen Vorgänge in den westlichen Theilen des Landes, herrschte in den Provinzen Constantine und Algier ziemliche Ruhe. Nur der Räuberstninm der Hadschuten machte fortwährend Einfälle in das Gebiet auf dem rechten Ufer der Chiffa, und konnte nicht zur Ruhe gebracht werden. General Rapatel überschritt mit einer kleinen Colonne den Engpass Teniah - el - Musaiah, und setzte in Medeah den vom Marschall Clauzel ernanuten Bey ein. Dieser konnte sich aber dort nicht halten; drei Tage nach dem Abzüge der Franzosen ward er von den Anhängern Abd-el-Kader's festgenommen und dem Emir gebunden ausgeliefert. Achmet Bey hielt sich fortwährend ruhig in seiner Hauptstadt Constantine. Mit Ausnahme der Stämme in der Umgebung von Bona gehorchte ihm Alles in der Provinz, wo seine Grausamkeit die Araber mit Schrecken lähmte, aber ihm nir- gends Anhänger gewann. Zwischen ihm und Ahd-el-Kader herrschte gutes Einvernehmen, da sie beide den „Glaubensfeind" bekämpften. flehrigens leisteten sie sich gegenseitig keinerlei Unterstützung. Beide hegten wohl heimliche Eifersucht und Natioualhass, da Achmet von Vaterseite Türke war und das türkische System fortsetzte, während der arabische Emir die Reste der türkischen Macht überall niederzureissen strebte. Beide kämpften gegen die Eranzosen mit all' ihrer Macht, und reizten den religiösen Fanatismus der Eingeborenen auf, behielten sich aber vor, nach dem Abzüge der Franzosen mit einander um die Herrschaft Algiers zu streiten. Die stärkste Stütze fand Achmet Bey an den Kabylen, welche südlich von Budschia zwischen den Flüssen Uad-Adschehbi und Summam wohnen. Diese Gebirgsstäinmc waren frei von Abgaben und liehen dem Bey den Beistand ihrer Waffen nur gegen die Christen. Vor allen zeichneten sich die Mezzaia bei Budschia durch ihren wüthenden Fanatismus aus. Sie griffen diese Stadt oft und einigemale mit der grössten Entschlossenheit an, obwohl die Kanonen, und besonders die Handgranaten der Franzosen, furchtbare Verheerungen unter ihnen anrichteten. Die festen Blockhäuser Salem und Kliffa bei Budschia wurden einmal zur Nachtzeit von 4000 Kabylen angegriffen, und standen nahe daran, zu erliegen, weil die Besatzung der Stadt zu schwach war, einen Ausfall zu wagen, und nur durch ihr Kanonenfeuer die bedrängten Vertheidiger der Blockhäuser unterstützen konnte. Dennoch wurden die Kabylen zurückgeschlagen und entfernten sich nach ungeheurem Verluste. Als die Gebirgsbewohner ihre Angriffe erfolglos sahen, entwarfen sie einen verrätherischen Plan gegen den französischen Com-mandanten von Budschia, Salomon de Musis, welcher dort im Jahre 1836 den Oberbefehl führte. Der Scheikh Amisian, Oberhaupt des Stammes Ulad- Abd-el-Dschebar, schickte Abgeordnete an jenen Officier, um über die Bedingungen der Unterwerfung seines Stammes mit ihm zu unterhandeln. Der Commandant ergriff diese Gelegenheit, mit den wildeu Atlas-stämmeu endlich einmal einen friedlichen Verkehr anzuknüpfen, sehr bereitwillig, und achtete nicht der Warnungen der wenigen Individuen seiner Umgebung , welche den treulosen Charakter der Kabylen kannten. Am 4. August kam Amisian, vou etwa zwanzig Reitern begleitet, zu der verabredeten Zusammenkunft, welche, ungefähr zweihundert Schritte von den äusseren Schanzen entfernt, in der j\ähe des Seeufers statthatte. Oer französische Commandant näherte sich mit seinem Dragoman Tahoni dem Häuptlinge, während der Hauptmann Blang'mi mit der Compagnie frauebe in geringer Entfernung Wache hielt. Amisian begrüsste den Comman-dauteu mit vielen höflichen Worten und freundlichem Händedruck. Plötzlich umgaben aber die Reiter den Comniandan-ten, uud streckten ihn und seineu Dolmetscher durch eine Flintensalve todt nieder. Die Compagnie fr an che eilte vor, konnte aber den Mord ihres unglücklichen Commandanten weder hindern, noch rächen. Die Mörder waren auf ihren flüchtigen Rossen schnell ausser Schussweite, und schlugen in der Ferne ein abscheuliches Gelächter auf, mit höhnischen, verächtlichen Geberden begleitet. Amisian, der verrätherische Scheikh, lebt seitdem in hohem Ansehen unter den Kabylen. Sein Verbrechen blieb ungestraft, und noch keine französische Armee hat es gewagt, in die Gegenden südlich von Budschia vorzudringen. Nach einem ungewöhnlich langen Aufenthalte in Paris kam der Marschall Clauzel am 28. August 1836 wieder nach Algier zurück. Er hatte vor seiner Abreise von der Haupt- Stadt seiner Regierung einen Eroberungsplan vorgelegt, demzufolge alle Städte des Innern der Regentschaft, alle strategischen Punkte von den französischen Truppen occupirt, und die Verbindungen zwischen diesen verschiedenen Posten durch mobile Colonneu unterhalten werden sollten. Durch ein solches System hätte man den Emir von Mascara und den Bey von Constantine verhindert, Magazine und Pulverfabriken anzulegen, und beiden Häuptlingen wäre die Möglichkeit genommen worden, grössere Truppenmassen zu concentriren, da ihnen hiefür durchaus ein bevölkerter Punkt nothwendig war. Es war so ziemlich derselbe Plan, welchen auch Pellissier und Cavaignac vorgeschlagen haben, und der mit dem Bugeaud-schen Systeme in der Hauptsache gleichfalls übereinstimmt. Zur Ausführung eines solchen Eroberungsplanes wäre aber eine Armee von 80- bis 100,000 Mann und ein jährliches Budget von 60 Millionen nothwendig. Zu so ungeheuren Opfern zeigten sich aber weder die Minister, noch die Kammern geneigt. Marschall Clauzel war unvorsichtig genug, sogleich sein Project ins Werk zu setzen, obgleich man ihm die Mittel dazu verweigerte, und ein Scheitern desselben daher mit Bestimmtheit vorauszusehen war. Die neuen, kriegerischen Operationen wurden in der östlichen Provinz begonnen, welche man bisher ziemlich vernachlässigt hatte, obwohl ihre Eroberung leichter war, und ungleich grössere Vortheile versprach, als die der westlichen Landestheile. Am 7. November marschirte die gegen Constantine bestimmte Expeditionsarmee von Bona ab. Marschall Clauzel führte den Oberbefehl. Der Escadronschef Yussuf, welcher zum Bey von Constantine ernannt worden, und Achmet ersetzen sollte, commandirte die Spahis und die arabischen Verbündeten , welche aber statt der Tausende, die mau sich ver- sprochen, nur eine geringe Macht von einigen hundert Reitern bildeten. Die Gevvaltthätigkeiten Yussuf's hatten viele Stämme der Umgegend von Bona bewogen, von den Franzosen abzufallen, und sich wieder zur Partei Achmet -Bcy's zu schlagen. General Rigny befehligte den Vortrab, und nahm am 10. November Besitz von den Ruinen Culnma's, während das llauptcorps langsam nachrückte. Der Herzog von Nemours befand sich als Freiwilliger an der Seite des Marschalls Clauzel, und theilte rühmlich die Strapazen und Gefahren der Armee, deren ganze Stärke nicht über7000Manu betrug. Auf dem ganzen Zuge bis zur Stadt Constantine sticss das Heer auf keinen anderen Widerstand, als den des Bodens und des Unwetters. Der Regen fiel in Strömen und hatte die Wege bodenlos gemacht; die wenigen Bivouacfeuer in der holzarmen Gegend erloschen, die Wagen, welche die Lebensmittel trugen, blieben im Kothe stecken und mussten im Stiche gelassen werden. Im trostlosesten Zustande kam die Armee vor Constantine an. Witt die armen Soldaten zu leiden hatten, mag der Umstand beweisen, dass täglich Selbstmorde vorfielen. Manche Soldaten, von Müdigkeit und Entbehrungen erschöpft, legten sich auf den Boden nieder, weigerten sich hartnäckig, der Colonne zu folgen, und sahen mit verzweiflungsvotler Ruhe dem Tode durch den Yatagan der Beduinen entgegen. Allgemein glaubte man in der Armee, Constantine werde sich eben so wenig vertheidigen, als Mascara und Tlemsan. Als man die Stadt vom Plateau El-Mansurah aus gewahr wurde, suchte sich jeder dieser hungrigen Krieger mit den Augen schon das Häuschen aus, wo er sich einquartieren wollte, und freute sich, nach den acht nassen und grimmig kalten Nächten auf den Bergen, endlich ein- mal im Trockenen schlafen zu können. Plötzlich aber wurde eine rothe Faha« auf dem Thore Bah-el-Kantara aufgepflanzt, und die Batterien der Kasbah eröffneten ihr Feuer gegen das Plateau. Marschall Clauzel versuchte nun, die Stadt mit stürmender Hand zu nehmen. Der erste Angriff fand auf der Körner brücke unter den Augen des Heerführers selbst statt, während zwei Brigaden den Fluss Rummel überschritten und Constantine von der Ostseite angriffen, wo die Stadt durch einen natürlichen Frddumm mit dem ihr gegenüber liegenden Berge Cudiat-Ati verbunden, und am verwundbarsten ist. Beide Angiffe scheiterten trotz der heroischen Tapferkeit der Anführer und der Truppen, weil es an Belagerungsgeschütz gänzlich fehlte. Man hatte nur Sechspfünder, welche gegen die Mauern und die starken , eisenbeschlageneu Thore nichts ausrichteten. Die Unmöglichkeit des Gelingens einsehend, entschloss sich der Marschall zum Rückzüge, und führte denselben, obwohl vom Feinde hitzig verfolgt und gedrängt, durch meisterhafte Manoeuvres mit einem verhältnissmässig unbedeutenden Verluste aus. Die retirirende Armee zeigte übrigens das kläglichste Bild. Mehrere Tage lang nährten sich die vom Kampfe, Marsche uud Unwetter auf s Aeusserste erschöpften Krieger nur von rohem, in Wasser gekochtem Getreide; glücklich noch schätzten sich jene, welche das Fleisch eines todten Pferdes eroberten, um das sie sich oft mit den Schakals und den Aasgeiern streiten mussten. In einem trostlosen Zustande erreichte das kleine Heer Ghelma wieder, wo man die Kranken, und zu ihrem Schutze einige Compagnien unter dem Commando des Ohristcn Duvivier zurückliess. Die übrigen Corps setzten ihren Marsch nach Bona fort; fast die Hälfte der Armee bezog dort die Spitäler, und Wechsellieber und Ruhr würgten mehr hin, als die Kugeln der Beduinen. Marschall Clauzel wurde bald darauf zur Verantwortung nach Paris beschieden. Am 12. Februar 1837 brachte der Moni-teur die Ordonnanz seiner Absetzung. In Algier bedauerte ihn, mit Ausnahme des kleinen Häufleins der an seine Person uttachirten Miinner und der Speculanten, die unter ihm lucrative Geschäfte gemacht hatten, Niemand. Von den glänzenden Yerheissungen, welche er heim Antritte seiner Verwaltung in hochtrabenden Proclamationen ausposaunen liess, war keine in Erfüllung gegangen. „In drei Monaten" — hatte er zu den Leuten seiner Umgebung gesagt — „soll es keine Hadschuten mehr geben." Aber dieser Stamm war im Gegenteil zahlreicher und frecher als je, durch Raubgesindel verstärkt worden, und machte unaufhörliche Einfälle in die nächste Umgegend der Stadt. Abd-el-Kiider, von welchem Herr Clauzel in seinen officiellcn Berichten sagte, er sey aufs Aeusserste heruntergekommen, und habe sich nach der Wüste zurückgezogen, um dort seine Niederlage und Schande zu verbergen u. s. w., war nie zuvor mächtiger gewesen, hielt die französischen Besatzungen von Tlemsan und des Lagers an der Tafna hlokirt, und liess seine Reiterhaufen bis vor die Thore Orans streifen. Auch die Colonisation war durch den Marschall nicht vorwärts gekommen. Unaufhörlich beschäftigt mit kriegerischen Projecten, hatte er weder Zeit noch Willen, für die Bodencultur etwas mehr zu thun, als durch schöne Phrasen ihr eine glückliche Zukunft zu prophezeien. Er selbst war Besitzer bedeutender Ländereien , die er aber nicht anbauen liess, sondern an Andere um theures Geld ver-miethete, und dadurch den Einwanderern den Erwerb von Grundbesitz noch erschwerte. Ueberhaupt warf man ihm in Algier ziemlich allgemein unersättliche Habsucht und schmu-zigen Geiz vor. Man erzählte sich nur von seinen Erpressun- gen und pots de vin\ nie soll auch unter den dortigen Mi-litairbcamten, den Intendanten, Agens couiptables u. s.w., die Corruption so schamlos gewesen seyn, als unter der Clauzel-sehen Verwaltung. Wohl mochte ein guter Theil der Anklagen gegen den Marschall übertrieben, manche auch wohl rein erfunden seyn. Gewiss nur ist, dass man in Algier damals fest an alle diese Behauptungen glaubte. Einem gefallenen Machthaber fehlt es nie an übler Nachrede. Die verhaltene Leidenschaftlichkeit, der Hass der Gegner macht sich Luft, wahrend selbstverschuldetes Unglück fast immer auch Desertion der Freunde, seihst der aufrichtigen Anhänger, nach sich zieht. Daher erhob sich in Afrika nicht eine Stimme zur Vertheidigung des Marschalls Clauzel. Nie war auch zuvor die Lage der Colouie trostloser gewesen, als nach dem unglücklichen Ausgange seines Zuges gegen Constantine. Algier unter der Herrschaft Frankreichs. Ernennung des Generallieutenants Damremont zum Gouverneur von Algier. — Wiedereinsetzung des tiurenu arabe unter der Dire-ction des Capitiins Pellissier, — Expedition gegen Beiida und die Kabylen. — Ueberfall von Beghaia. — Züge gegen die Beni-Fsser und Dellys. — Gefecht am Buduau. - Ankunft des Generals Bugeaud in Oran, — Märsche nacb Tlemsan und an die Tafna. — Zusammenkunft zwischen dem General Bugeaud und dem Emir Abd-el-Kader. — Friedensscbhiss mit Abd-el-Kader. — Unter-nebmungen des Generals Duvivier in Ghelma. — Ankunft des Generals Damremont im Lager Medschez -Ammar- — Unterhandlungen mit Achmet-Bey. — Die zweite Expedition gegn Constantine, Erstürmung der Stadt und Tod des Generals Damremont. Der Nachfolger des Marschalls Clauzel war Generallien-tcnant, Graf Denys von Damremont, dessen Name in Algier bereits ehrenvoll bekannt war. Er hatte im Jahre 1830 eine Brigade unter Bourmont commandirt, und an allen Gefechten gegen die Türken und Araber bis zur Uebergabe Algiers Theil genommen. Das Commando der ersten Expedition gegen Bona war ihm anvertraut wrorden. Er hatte sich dieser Stadt ohne Schwertstreich bemächtigt, gewann während seines kurzen Aufenthalts dort die Liebe und Anhänglichkeit der Bevölkerung durch sein leutseliges Benehmen, durch seine Gerechtigkeit und die strenge Mannszucht, die er unter seinen Trappen aufrechtzuhaltcn wusste. Als bald darauf die Stadt von den Arabern mit grosser Wuth und Unerschrockcu-heit angegriffen wurde, vertheidigte Damremont sie tapfer und brachte dem Feinde bedeutende Verluste bei. Auf die Nachricht vom Ausbruche der Juliusrevolution rief Bourmont die Brigade Damremont's von Bona zurück. Bald nachher reiste der General nach Frankreich, und führte seit jener Zeit in Afrika kein Commando mehr. Damremont kam am 3. April 1837 in Algier an. Eine seiner ersten Verwaltungsmaassregeln war die Wiedereinsetzung des Bureau arabe, welches eine weit grössere Ausdehnung und Macht, als früher, erhielt, und mit allen arabischen Stammhäuptlingen des Innern, die mit den Franzosen in Communication zu treten wünschten, direct correspon-dlrte. Die Leitung dieses Bureau erhielt Herr Pellissier, Capitän vom Generalstabe, mit dem Titel „Directcur de» affaires arabes." Dieser geistvolle Officier, von edelstem Charakter, war unter den europäischen Ansiedlern wenig beliebt , weil er die Hechte der Eingeborenen immer beharrlich in Schutz nahm, uud für die Araber eine Vorliebe zeigte, die bei ihm wirklich eine Schwäche war. Seine Lieblingsidee war immer, eine Vermischung — Fusion, wie cr's nannte — zwischen den Arabern uud Franzosen zu Stande zu bringen. Die Schwierigkeiten, welche sich einer solchen Fusion entgegenstellten, schienen ihm nicht unübersteiglich, weil er den Charakter der Araber immer nur von seiner besten Seite auf-fasste, und als er später durch langen Verkehr jenes Volk richtig erkennen lernte, und im Stillen sich überzeugen mochte, wie unmöglich es sey, die wilde, schweifende, freiheitslie-Moritz Wagner's Algier. II. 10 bende, fanatische Nation an eine andere Lebensart zu gewöhnen, [linderte ihn die Hartnäckigkeit seines Charakters, uud wohl auch Eigenliebe, die Illusion einzugestehen, die er sich früher von den Arabern gemacht hatte. Was Herrn Pellissier in den Augen des neuen Gouverneurs besonders empfahl) war, dass derselbe wider den Marschall Clauzel heftige Opposition gemacht, und im pariser „National^ eine Reihe vou Artikeln voll bitterer Anklagen gegen ihn geschrieben hatte, die selbst die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich zogen. General Damremont, welcher ein ganz anderes System, als sein Vor? gänger, zu befolgen beabsichtigte, bediente sich gern eines so eifrigen Gegners des Clauzel'scheu Systems, uud schenkte dem Capitün Pellissier sein ganzes Vertrauen. Wenige Wochen nach der Ankunft des Generals Damremont brach Abd-el-Kader von Mascara mit einem kleinen Heere auf, um die ihm noch nicht unterworfenen Stämme zu besuchen. Er näherte sich der Stadt Scherschol und dem Kabylenslamme der Beni-Menasser, mit der Aufforderung, ihm den Aschür als ihrem Oberherrn zu entrichten. Die Bevölkerung von Scherschel unterwarf sich; die Beni-Menasser aber verweigerten die Abgabe, uud versprachen ihm blos ihre Freundschaft, die Unterstützung ihrer Waffen gegen die Franzosen, wollten aber nichts von Unterwerfung hören. Da die Beni-Meuasser ein gebirgiges Territorium bewohnen, und sehr streitbar und mächtig sind, so begnügt); sich Abd-el-Kader hiermit, und mar-sebirte von dort nach der Provinz Titeri, wo er am 22. April in Medeah seinen Einzug hielt. Seine Emissaire stiegeu allenthalben vom Atlasgebirge herab, predigten den Krieg gegen die Christen, und munterten die Stämme der Metidscha zur Empörung gegen die Franzosen auf. Die Stadt Beiida, ob- wohl nur drei Stunden von den französischen Vorposten entfernt, und die Beni-Khalil, dereo Duars unter den Kanonen des Laireis Buffarik stehen, schickten heimlich Gesandte au den Emir, und zahlten den verlangten Tribut: so sehr impo-nirte Abd-el-Kader sogar den mit den Franzosen verbündeten Stämmen. Auf die Nachricht von diesen Vorgängen versammelte General Damremont ein Truppencorps von 6000 Mann zu Buffarik, um Beiida zu besetzen und die Stämme der Metidscha durch diese Gegendemonstration wider die Umtriebe Abd-el-Kader's einzuschüchtern. Am 28. April machte der Gouverneur blos mit einigen Regimentern eine Recognosci-rung nach dem Gebirge und suchte die Hadschuten und die Bcni-Salah, die zu den Waffen gegriffen hatten, durch Unterhandlung zur Ruhe zu briugen. Hinter den Ringmauern Neu-Belidas erwarteten jene Stämme die Franzosen, und schienen zum Widerstande entschlossen. General Damremont unterhandelte mit ihnen durch den Hakhem von Beiida, und schickte den Capitäu Pellissier mit einem Dragoman ah, um mit ihnen sich zu verständigen. Die französischen Parlamen-taire wurden aber mit Flintenschüssen empfangen, und entgingen dem Tode mit genauer Noth. Am Tage darauf mar-schirte der Gouverneur mit 0000 Mann gegen Beiida. Zwei Brigaden umgingen die Stadt und machten den Kabylen die Vertheidigung derselben unmöglich. General Damremont zog mit seinem Stabe in Beiida ein, dessen Bewohner grösstenteils die Flucht ergriffen hatten. Auf dem Gebirge leisteten die Beni-Salah einigen Widerstand, wurden aber von den Zuaven von Gipfel zu Gipfel gejagt, und einige ihrer Duars in Brand gesteckt. Das Project, Beiida zu besetzen, liess der Gouverneur aber wieder fallen, da das Geniecorps es für 16 • eine Unmöglichkeit erklärte, die Stadt ohne Zerstörung eines Theiles ihrer wunderschönen Orangengärten befestigen zu können. Einige Wochen nach dem Zuge gegen die Beni-Salah machte ein anderer Kabylenstamm einen Raubzug im Osten der Metidscha. Die Amrauah, ein halb aus Kabylen, hallt aus Arabern bestehender Stamm, überGelen das schöne Landgut Reghaia, ßesitzthum des Herrn Mercicr, die bedeutendste europäische Pflanzung der algierer Umgegend. Die zahlreiche Heerde jenes eifrigen Colonisten wurde gerauht und einige seiner Knechte ermordet. Auf diese Nachricht hin liess der Gouverneur den Obristcn Schauenburg mit den Chas-seurs und Spahis nebst einiger Infanterie gegen die Bcni-Isscr marschiren. Dieser Stamm war zwar bei dem Raube nicht selbst thätig gewesen , hatte aber den Reitern der Amrauah den Durchzug durch ihr Gebiet gestattet, und da letztere, die wahren Schuldigen, zu entfernt wohnten, wollte man sich dafür an dem näher gelegenen Stamme Isser rächen. Während Obrist Schauenburg in östlicher Richtung anzog und die erschrockene arabische Bevölkerung vor sich her in der Richtung des Flusses Isser scheuchte, sollte General Perregaux mit zwei Bataillonen an der Mündung dieses Flusses landen und den Arabern die Flucht versperren. Im Augenblicke aber, als die Bataillone sich einschifften, brach ein Orkan aus, und die Landung musste unterbleiben. Obrist Schauenburg war mit seiner Colonne ganz allein auf dem Kampfplatze gelassen worden. Er hielt sich brav und tödtete einige huu-dert Feinde, musste sich aber vor der Uebermacht zurückziehen. Ben-Zamun war mit den Kabylen des Dschurschu-ragebirges dem Stamme Isser zu Hülfe geeilt. Auch die Ca-valerie der Amrauah nahm Theil am Gefechte, und schlug tlie Aribcn, welche für die Franzosen lochten, in die Flucht. Um die Gebirgsbewohner einzuschüchtern, wurden am linken Ufer des Flüsschens Buduäu einige Schanzen errichtet und Truppen dort zurückgelassen. Die Kabylen warcu dadurch jede Stunde mit einem Ueberfalle bedroht, und entschlossen sich daher, die Franzosen aus dieser für die Gebirgsbewohner so gefährlichen Position zu vertreiben. Am 25. Mai 1837 wurde das kleine Lager der Franzosen, das nur von etwa 1000 Mann und zwei Feldkanonen vertheidigt war, von 5000 Kabylen angegriffen. Der Kampf war einer der erbittertsten und hartnäckigsten, die in Afrika geliefert wurden. Das arabische Dörfchen Buduäu, welches die Franzosen gleichfalls besetzt hatten, wurde von den Kabylen genommen, von den Franzosen aber dann wieder mit dem Bajonet erstürmt. Der Feind verliess erst gegen Abend das Schlachtfeld, und lud seine Todten und Verwundeten wie gewöhnlich auf Pferde und Maulthiere, musste aber doch über hundert Leichen zurücklassen, wTeil er sie nicht alle fortschaffen konnte. Die Franzosen ergriffen nun ihrerseits die Offensive, drangen unter dem Commando des Generals Perregaux in den Uthan der Beni-Isser ein und wandten sich gegen Dellys. Die Isser unterwarfen sich hierauf, wenigstens scheinbar, und versprachen, den Raub zu ersetzen. Herr Mercier hat aber von einer Entschädigung nie etwas zu sehen bekommen, als ein paar ausgehungerte Ochsen für seine Hunderte vou fetten Kühen und Schafen, und selbst diese magern Ochsen sollen, wie man in Algier erzählte, keineswegs von den Beni - Isser ausgeliefert, sondern durch Anweisung auf die geheimen Fonds gekauft worden seyn. Dennoch liess der General Damremont, dem beharrliche Energie gegen die Räuberstämm<> fehlte, damals in den Monitcur alger ien einrücken, die Entschädigung sei von den Isser versprochenermassen geleistet worden. Während dieser Ereignisse in der Provinz Algier hatte General Bugeaud in Oran das Commando einer Armee von 9000 Mann übernommen, um gegen Abd-el-Kader zu Felde zu ziehen oder den Emir durch Entwickeln!)g einer so impo-santcu Streitmacht einem Friedensschlüsse geneigt zu stimmen. Da es damals die Schlappe von Constantine zu rächen galt, wünschte man mit dem Emir möglichst schnell fertig zu werden , um dann alle Streitkräfte gegen den Bey von Constantine verwenden zu können. Am 15. Mai marschirte die Armee mit Lebensmitteln auf vierzig Tage versehen nach Tlemsan ab, dessen ausgehungerte Besatzung mit frischem Proviant versorgt Avurde. Von Tlemsan brach General Bugeaud an die Tafna auf. Die feindliche Armee war nirgends zu sehen und nur einzelne Reiter wechselten manchmal Flintenschüsse mit den arabischen Alliirten der Franzosen, den Duairs und Zmelas, wTelche der ehrwürdige Mustapha-ben-Ismael befehligte, dieser Todfeind Abd-el-Kader's, den es mehr als den Kriegslustigsten der jungen französischen Officiere nach dem Kampfe verlangte. Inzwischen hielt sich der Emir in ziemlicher Entfernung, um nicht durch voreilige Feindseligkeiten den Gang der Fricdensunterhandlungen zu stören. Diese Unterhandlungen waren gleich nach Beendigung der Expedition von Mascara angeknüpft worden, hatten aber zu keinem Resultat geführt, da man beiderseits die Forderungen zu hoch stellte. Bugeaud nahm die Unterhandlungen wieder auf und bediente sich hiezu des Juden ßen-Durand, welcher, wie bereits erwähnt, der Geschäftsmann und Vertraute des Emirs war und sich eben so sehr den französischen Generalen nothwendig zu machen suchte. Da es aber nach vielem Hin- und llcrschreiben zu keinem Abschluss kommen wollte, wühlte Bugeaud, der dem habsüchtigen Juden misstraute, einen andern Unterhändler in der Person des Mauren Sidi-Hamadi-ben-Scal. Der Stein des Anstosses war zuerst der Besitz der Provinz Titeri, welchen Abd-el-Kader in Anspruch nahm, während die französische Regierung ihm den Schelif als östliche Gränze seiner Herrschaft bestimmt hatte. General Bugeaud, welchem eigenmächtiges Handeln zur Gewohnheit geworden, gab dem Emir in dieser Forderung nach. In den Verhal-tungshefehlen, welche Bugeaud vom Kriegsminister empfangen, war auch ausdrücklich bemerkt, dass Abd-ei-Kader sich zu einem jährlichen Tribut verstehen müsse. Dies verweigerte letzterer eben so hartnäckig und Herr Bugeaud nahm es abermals auf sich, die ausdrücklichen Vorschriften seiner Regierung unbeachtet zu lassen und dem Emir nachzugeben. Es Ia dieselbe theilweise unter dem Zelte nieder. Bei meinem leidenden Zustand und in Ermangelung mehrerer ofticieller Documente, die erst seitdem zu meiner Kenntniss gekommen sind, konnte icb damals keine ausführliche Beschreibung des interessanten Zuges liefern. Dies bestimmt mich daher zu gegenwärtigem umständlichen Bericht, mit welchem ich die geschichtlichen Bemerkungen über die Regentschaft Algier schliesse. Die Verwaltung des Marschalls Vale.e gehört der allerneuesten Zeit an und kann, da sie noch nicht beendigt ist, einer Beurtheilung nicht füglich unterliegen. •°) Die Beschreibung der Scenen vor dem Aufbruch der Armee und nach der Einnahme Constantines ist fast ganz meinein Tagebuch entnommen. 1. mission zu Medschez-Ammar an. Dieses ueuerrichtete Lager war 27 Lieues von Bona entfernt und hatte seinen Namen von der arabischen Benennung des üppig bewaldeten Thaies, welches der Fluss Seybuss durchströmt. Die dortige Gebirgsgegend ist etwas einförmig, aber schone Gruppen von Tamarisken, Korkeichen, Cy pressen, Mastixbäumen und Zwergpalmen schmücken die Bergabhänge und die Ufer eines einsamen Gewässers. Sämmtiiche Gewächse haben fremdartige, bizarre Formen und düster grünes, meist unbewegliches Laub, welches der wilden Landschaft einen eigenthümlich melancholischen Anstrich leiht. Von allen Seiten umgeben das Thal die Ketten des Atlas, welche auf der Süd- und Westseite am höchsten sind. Im Süden des Kessels ragt der Kas-el-Akbah empor, ein seltsam gestalteter Berg in Kegelform, halb bewachsen, mit kahlem Felshaupt. Das ganze Thal mag etwa zwei Stunden im Umfang haben. Die kleinere Hälfte dieses Raumes nahm damals das Lager des französischen Heeres ein. Wer das Thal Medschez-Ammar in früheren Zeiten gesehen, der möchte es jetzt kaum wieder erkennen, so verändert hatte sich dort Alles seit der sechswöcheutlichen Anwesenheit der französischen Soldaten. Die Buschwilduiss war bedeutend gelichtet und in der Mitte ein grosser Raum vom Gesträuche völlig frei gemacht, in welchem hölzerne Barraken, weisse schmucke Zelte und grüne Laubgebäude sich erhoben. Letztere sahen ganz besonders zierlich aus. Dach, Wände und Säulen waren von Zweigen des Pistaciastrauchs gebaut, die, obwohl seit Wochen schon abgehauen, ihre frischgrüne Farbe behalten hatten. Mehrere dieser luftigen Biättcrhäuser standen mit einander durch Gänge, die eine Reihe grüner Arkaden bildeten, in Verbindung; es waren dies die Speise- t siile der Officiere. Nirgends habe icb mehr die Rührigkeit und Handfertigkeit der französischen Soldaten bewundert. Mit diesen Kunstbauten konnten sie sich nur in ihren Feierstunden beschäftigen und deren waren wenige, denn sie mussten auch die Heerstrasse nach dem Ras-el-Akbah bauen, das Lager mit Erdschauzen umgehen und Forts auf den Bergen errichten; alles dies in der Hitze einer afrikanischen Septembersonnc und beständig geneckt von umberschleicheuden Feinden! Die Wildniss von Medschez-Ammar hatte das Ansehen eines englischen Farks gewonnen mit Garteuhäusern, Lauben und Alleen. Der Herzog von Nemours traf einigt; Stunden nach uns ein und hielt Revue über die Expeditinnsarmee. 9000 Manu delilirten vor ihm, worunter Truppen aller Waffengattungen. Die neuangekommenen Liuien- und buchten Infauterieregi-menter contrastirten mit den älteren auffallend. Jene hatten noch ein frisches, blühendes, rothwangiges Aussehen, während die Soldaten des 47sten und 63sten Linien-, des 17tcn und 2ten leichten Infanterieregiments, welche seit Jahren schon die Strapazen des Feldlebens in Afrika gekostet hatten, mager uud dunkel gefärbt, fast wie die Kabylen waren. Aber die Stärke des Heeres bestand eben in diesen abgehärteten Regimentern, von denen nur die eisenfesten Individuen vier (»der fünf Jahre der Sonnenhitze, der Entbehrungen, der Wechsellieber uud der Uugezieferqual überleben konnten. Nachdem die französischen In läuter ieregimentcr unter Trompetenschall vor dem Herzog und seinem Gefolge vorübergezogen waren, folgten die eigentlichen Corps der afrikanischen Armee, welche nicht abgelöst werden, wie die Liuieuregiinenter. Zuerst die Zuaven, eines der tapfersten Corps, welches besonders in den Gebirgskriegen unermessliche Dienste geleistet hat. Die Zuaven sind Infanteristen und tragen Uniform im türkischen Schnitt, weite rothe Hosen, die bis an die Knie reichen, Kamaschen von Leder, Jacken uud Westen von dunkelblauem Tuch mit rothen Schnüren verziert, keine Halsbinde, Den Kopf scheeren sie bis zum Haarbüschel am Wirbel und bedecken ihn mit einem Turban. Zwei Drittheile der Zuaven sind französische Freiwillige, ein Drittheil besteht aus Eingeborenen der verschiedensten Völker, aus Kabylen, Arabern, Türken, Mauren und Negern. Die Eingeborenen bilden eigene Compagnicn und tragen grüne, die Franzosen rothe Turbane. Als leichtes Plünklercorps sind die Zuaven unübertrefflich. Seit fünf Jahren waren sie bei allen bedeutenden Expeditionen und immer die Allervor-dersten im Kampfe, machten die beste Heute, wo es zu rauben gab, empfingen aber auch überall die ersten Flintenschüsse. Die sogenannten Bataillons iFAfrit/ue bestehen sünmit-lich aus Individuen, welche wegen Disziplinarvergehen oder Verkauf ihrer Effecten zu mctirmonatlicher Gefängnissstrafe verurtheilt worden. Alle Militairgefünguissc Frankreichs werden nach Afrika ausgeleert und die französischen Regimenter auf solche Art von allen schlechten Subjecten gesäubert. Die Soldaten dieser leichten afrikanischen Infanterie leisten fast eben so treuliche Dienste, wie die Zuaven. Es sind liederliche Gesellen in der Garnison, Jiber auch beherzte Männer, wo es Todesverachtung zu zeigen gilt. Die Generale Clauzel und Duvivier, welche hinreichend bewiesen haben, dass sie den Krieg in Afrika zu führen verstehen, verwendeten" zu jedem kühnen Unternehmen, vou dessen Gelingen viel abhing, die „afrikanischen Bataillone" vorzugsweise. Die Tirailleiirs (PAfrtgue waren damals ein neues aus Freiwilligen errichtetes Corps, welches bei dieser Expedition seine ersten Lorbeeren zu gewinnen hoffte. Die Fremdenlegion war ebenfalls wieder neu organisirt worden und bestand grösstentheils aus Soldaten der frühern Legion, die von Spanien zurückgekommen waren. Es gab aber auch viele deutsche Deserteurs oder sonstige Abenteurer darunter, welche der schlechteste Geist beseelte. Eine gute Anzahl Soldaten dieses Corps flüchtete sich, Krankheit vorschützend, in die llospitiiler, um den Feldzng nicht mitmachen zu müssen. Sehr schön sind die berittenen Chasscurs itAfriane^ welche ein Costüme in polnischem Schnitt, kurze himmelblaue Faltenrücke und weite rothe Hosen tragen, Sie führen Flinten und halbgekrümmte Säbel und reiten arabische Pferde. Den Truppenzug schlössen die berittenen Spahis und die arabischen Hülfsgpuossen, welche die gewöhnliche Landestracht tragen und eine rothe Fahne mit dem Halbmond haben. Ihre Officiere, grösstentheils Franzosen, sind türkisch gekleidet. Der Obergeneral dieser Armee, Graf Dcnys von Damremont, war ein Mann sehr kräftigen Wuchses in den fünfziger Jahren. In seiner ziemlich gemeinen Physiognomie liess sich gar kein auffallender Zug entdecken. Seine Figur War schwerfällig, sein Benehmen ruhig und kalt. Uebrigens war er im Umgang nicht unangenehm, mild, verbindlich, nie leidenschaftlich. Als General traute man ihm viele Kenntnisse, gesunden Blick, kaltblütigen Muth, aber keineswegs ein bedeutendes Kriegertalent, als Privatmann einen vollkommen redlichen Charakter zu. Vor dem Aufbruche der Armee wurde der Herzog von Nemours noch als französischer Prinz behandelt uud alle seinem Rang gebührende Ehren ihm erwiesen. Am 1. October trat er als Brigadegenerul in Dienst und hatte dann nur noch seine drei Adjutanten um sich. Der Herzog ist ein schöner junger Mann, schlanken Wuchses und feiner Gestalt. Er hat blonde Ilaare, blaue Augen, eine Adlernase, keinen Bart. Der Schnitt seines Gesichts ist sehr edel, seine Haltung voll prinzlichen Auslands. Immer sah ich ihn ruhig, nachdenkend und eiusylbig. General Perregaux, Chef des Geueralstabes und Damremont's Busenfreund, war ein Manu in den Vierziger Jahren. Er trug starken Schnurr- und Knebelbart, war mager, hatte feurige, immer bewegliche schwarze Augen und sehr ausdrucksvolle, edle Züge, Er war die Seele dieser Armee. Der Operationsplan soll fast ganz sein Werk gewesen seyn. Auf seinen Schultern lastete überdies die Oberleitung der ganzen Militärverwaltung; er hatte für Alles zu wachen und zu sorgen, war verantwortlich für Alles gemacht. So lange er im Lager Medschez-Ammar verweilte, waren seine Nächte schlaflos und sein Adjutant versicherte mich, dass die Ilaare des Generals in einer Woche grau geworden. Die sämmtlichcn zur Expedition nach Constantine bestimmten Corps bildeten eine Masse von etwa 16,000 Streitern. Davon lagen aber mehr als 4000 Mann in den Hospitälern krank. In einem von Marseille angekommenen Regiment war die Cholera ausgebrochen; dasselbe musste unter Quarantaino gestellt werden und konnte an dem Feldzuge keinen Theil nehmen. Obwohl einige der Zwischenlager auf dem Wege von Bona nach Medschez-Ammar geräumt worden, absorbirten die übrigen, deren Occupation unumgänglich nothwendig war, doch eine beträchtliche Truppenzahl und es blieben daher zur Expedition nicht viel über 8000 Mann übrig. Trotz der Absonderung des 12ten Regiments spukte die Cho- lera doch auch schon unter den übrigen Corps und zwei Monate später brach sie in aller Furchtbarkeit aus. Die meisten Kranken litten vor dem Aufbruch der Armee an Fieber uud Dysenterie. Die Holzbarraken der Lager Medschez-Ammar, Ghelma, Ilammam-Berda, Drean konnten ihre wachsende Zahl nicht mehr fassen. Täglich nahmen die Wägen der Convois als Rückfracht Leidende mit und Bonas Hospitäler selbst waren so überfüllt, dass man die Kranken auf die Dampfschiffe bringen und nach Algier oder Frankreich trans-portiren musste. Viele starben auf der Ueberlahrt. So manche Olliciere meiner Bekanntschaft, die in Fülle der Gesundheit in Bona mich verlassen hatten, sah ich im Lager als wahre Jammerbilder wieder. Bleich und abgezehrt, mit gelähmten Gliedern, hörten sie aus der Krankenbarrake das kriegerische Getöse, das an den baldigen Aufbruch mahnte. Wenn die Trommeln wirbelten und die Kanonen ihren Freudendonner durch die Wildnisse des Atlas jauchzten, kam Gluth wieder in ihre matten Augen. Sie hatten seit einem Jahre sich nach diesem Feldzuge gesehnt, hatten Ungemach und Langeweile des Lagcrlebens willig getragen und Ersatz dafür auf der Bresche von Constantine gehofft. Jetzt lagen sie auf dem Siechbette mit gebrochener Kraft, ihre Augen stierten den Fortziehenden nach, ihre Ohren spitzten sich beim Klang der Marschtrompete. Besonderes Mitleid flüsste mir ein junger Officier des Geniecorps, der Lieutenant Damas ein. Er war ein edler, heldenkräftiger Jüngling, voll Liebenswürdigkeit im Umgang und von einer Begeisterung für den Waffenstand, wie ich sie selbst unter den Franzosen nicht häufig gefunden habe. Am Tage des Aufbruchs der Armee kleidete Damas sich in seine volle Uniform, den Degen an der Seite, stellte sich vor sein Zelt, weidete sein Auge an den vorüber- 2m ziehen Jen Regimentern, die in aller Kampflust und in französischem Leichtsinn zu ernster That auszogen, ohne über die Zukunft den geringsten trüben Gedanken aufkommen zu lassen. Als sein eigenes Corps kam, wurde das bleiche Gesicht des kranken Jünglings noch bleicher, aber auch verklärt und schön, er blickte wehmüthig-freundlich seine Soldaten an und erwiedertc jeden Händedruck der Ofliciere, war aber keines Wortes mächtig. Adieu Damas! Nous te reverrons ä Constantine/ riefen tröstend seine Freunde und Damas nickte traurig mit dem Kopfe. Aber jene, wie dieser verrechneten sich mit dem Wiedersehen. Die Compagnie, in welcher der junge Oflicier gestanden, war mit beim Sturme der Rresche und die dort aufkrachende Pulvermasse zermalmte fast sämmt-licho Ofliciere. Dem armen Damas aber brach, als er seine Fahne auf den Höhen des Ras-el-Akbah verschwinden sah, das junge Heldeuherz uud die Kanonenschüsse, welche am 15. October in Medschez-Ammar die Eroberung von Constantine leierten, waren zugleich die Trauersalven seines Leichenbegängnisses. Die Lagersceneu in Medschez-Ammar boten mir noch immer Interesse, obwohl ich lange auf den Vorposten der Metidscha mich aufgehalten hatte und seit fast einem Jahr täglicher Augenzeuge des afrikanischen Feldlebens gewesen war. Hier war die Truppenzabl bedeutend stärker, als in den Lagern der Algierer Umgebungen; eine ganze Karavane von Scheukwirtheu und Krämern war der Armee gefolgt und hatte zu Medschez-Ammar ein Dörfchen gebaut, aus Kaifeehäusern, Marketeuderhütten und Krambuden bestehend, voll zechender, spielender oder auch nur flanirender Soldaten und Ofliciere. Nie sah ich dieselben Individuen lange an einem Fleck verweilen. Im französischen Soldaten steckt, wenn er nicht auf «lern Exercier- oder Arbeitsplätze ist, eine unbeschreibliche Unruhe. Stundenlang vor einer Flasche YY^ein, an demselben Tisch und den nämlichen Gesichtern gegenüber zu sitzen, wäre ihm eine Qual. In den (aufinen ist beständiger Ab- und Zulauf von Gästen. Im Freien lodern Feuer und zischen Bratpfannen. Die Einen suchen Krabben in den Sümpfen oder Schildkröten auf den Wiesen , die Andern scbic-ssen Feldhühner und wilde Schweine und wieder Andere Sueben ("actus fei gen oder graben die YY urzel der Zwergpalme aus, während ihre Kameraden am Feuer die erbeuteten rohen Gerichte zum Abendschmause zubereiten. Dabei wird munter geschwatzt, zuweilen ein Liedchen gesungen und lustige Einfälle würzen die frugale Küche. Kriegserinnerungen bildeten den gewöhnlichen Stoff des Bivouacgesprächs. Achmet Bey lagerte bis zum 28. September mit seiner Armee auf den Höhen des Ras-el-Akbah. Drei Tage vor unserer Ankunft hatte er einen verzweifelten Angriff auf die Aussenposteu des Lagers gemacht. Es waren meistens Kabylen, die mit grösster Entschlossenheit zum Sturme vorrückten. Die Ursache dieses Angriffes war der Mangel an Lebensmitteln, der im Lager des Beys herrschte. Seine Hauptmacht bestand aus Kabylen, namentlich ans den Contingenten der fanatischen Stämme in der Umgegend von Budschia. Diese hatten schon zu Anfang des Monats August unter den Fahnen des Beys sich eingefunden, denn Achmet erwartete damals die Franzosen. Ihr Zögern war ihm unbegreiflich, da die Regenzeit sich näherte, wo die schweren Geschütze bis Constantine zu bringen kaum möglich war. So sehr aber auch die fanatischen Kabylen sich nach dem Kampfe mit den Ungläubigen sehnten, so war «hieb ihre Sehnsucht nach der Heimkehr nicht minder gross, denn wie alle Gebirgsbewohner hängen jene Wilden mit aller Liebe an dem Ort, wo sie zuerst den Himmel gesehen; sie lieben auch Vater, Weib und Kind, ihre Hütte und ihr Ackerfeld; und ihr glühender Fanatismus reicht nicht bin, sie eine allzulange Trennung ertragen zu lassen. Als daher fast zwei Monate verstrichen waren und die Franzosen noch immer unbeweglich in ihrem Lager blieben, drangen die Kabylen, die das Heimweh quälte, in den Bey, sie in den Kampf zu führen, denn vor ihrer Abreise wollten sie wenigstens noch ein Zeugniss ihres Glaubenseifers ablegen. Am 23. September wurden die Vorposten des französischen Lagers mit Sonnenaufgang von 3- bis 4000 zerlumpten Barbaren unter wüthen-dem Geschrei überfallen. Der Angriff geschah so plötzlich und mit solcher Entschlossenheit, dass, wenn die Kabylen sich nicht durch ihr Geheule verratben hätten, eine ziemliche Zahl der französischen Soldaten, welche meist ohne WallVti in der Umgebung des Lagers zerstreut und mit dem Fällen von Bäumen oder der Schildkrötenjagd beschäftigt waren, in grosse Gefahr gerathen wäre. Noch zu rechter Zeit brachten die Signale auf den Bergen den Allarm ins Lager und die anrückenden Feinde wurden von einem rollenden Musketenfeuer tapfer empfangen. Die Augenzeugen beschrieben uns spätem Ankömmlingen jene Karapfscene mit so lebendigen Farben, dass es uns alle nicht wenig schmerzte, das interessante Schauspiel versäumt zu haben. Sehr malerisch soll besonders der Kampf auf den westlichen Bergen sich ausgenommen haben. Dort stand ein kleiner befestigter Späherposten, dessen die Kabylen sich leicht bemächtigen zu können glaubten. Die Schanze wurde von Feinden dicht umringt. Die Angreifenden rückten festen Schrittes vor, suchten aber hinter dem Dickicht Schutz gegen die Kugeln, die vom un- tern Lager hinauf und von der Schanze oben herunter pfiffen. Sie erwiederten die Fusillade tüchtig und aus allen Büschen sprühte das Musketenfeuer, da wo auch kein Feind sichtbar wurde. Nach einem dreistündigen Kampfe zogen sich die Kabylen, das Nutzlose ihres Angriffes einsehend, zurück und trugen ihre Todten auf ihren Schultern fort. Doch sahen wir noch einige Tage später, als wir den Herzog von Ne-monrs zu einem Ausflüge nach Hammam-Meskhutin begleiteten, in den Abgründen unbeerdigte Leichname liegen. Die französische Armee machte damals keinen Ausfall, weil hinter den Kabylen 3- bis 4000 Mann reguläre Truppen Achmet's standen und General Damremont jeden ernstlichen Kampf vor dem Beginn der Operationen zu vermeiden suchte. Ein grosser Theil der Kabylen verliess bald darauf das Lager Achmet's und kehrte nach Hause zurück. Der Bey selbst räumte am 28. September seine Stellung auf dem lias-el-Akbah und kehrte nach Constantine zurück. Am 29. September soupirte ich beim Obristen Lamoriciere, dem berühmten Commandanten der Zuaven. Das Zelt dieses Oberofliciers stand am rechten Ufer des Flusses Scy-buss, auf den äussersten Vorposten. Es waren dort keine Schanzen angelegt und da dem Feinde ein Ueberfall von jener Seite leicht geworden wäre, wurde ein Drittheil des Zuavenregiments in den Hinterhalt unter die Büsche gelegt. Die Araber schienen dies zu merken und blieben aus. Obrist Lamoriciere kannte seine Soldaten und schlief in seinem offenen Zelte den ruhigsten Schlaf. Dieser tapfere junge Oflicier ist eine so ausgezeichnete Erscheinung, dass auch das kürzeste Beisammensein mit ihm einen Eindruck hinterlässt, der sich nie verwischt. Lamoriciere ist aus der Vcndee gebürtig, der Sohn eines Landedelmanns in der Umgegend von Nantes. Mit früber Neigung zum Militairstande trat er in die polytechnische Schule ein und war einer der begabtesten Zöglinge. Als Lieutenant des Genie in der afrikanischen Armee angestellt fiel sein bedeutendes kriegerisches Talent, sein energischer Charakter und seine seltene Hednergabe bald so sehr seinen Vorgesetzten auf, dass er von seiner gelehrten, spe-ciellen Waffengattung, in welcher es sich mehr um Bauplan als um kriegerische Thateu handelt und in der die Beförderung weniger schnell geht, weil die Gelegenheit, sich hervor-zuthun, viel seltener sich bietet, in die Infanterie versetzt wurde und in dieser rasch alle Stufen durchlief. Er sfcudirte die Kriegführung in Afrika mit grossem Erfolg und war eben so tüchtig im Entwerfen eines Operationsplanes, als in gewandter, nachdrucksvoller Ausführung desselben. Als einer der wenigen französischen Ofliciere, welche die arabische Sprache erlernteu, wurde er zum Chef des unter dem General Avizard errichteten Bureau arabe ernannt. Er stand diesem Amt thiitig und tüchtig vor, aber seinem feurigen Geiste sagten die Bureaugeschäfte in die Länge nicht zu, er sehnte sich nach Thaten, nach dem Getümmel des Gefechts. Zum Commando des leichten Infanteriecorps der Zuaven berufen, fühlte er sich dort ganz au seinem Platze. Er stand immer auf den äussersten Vorposten und befehligte bei den kleineren Expeditionen gewöhnlich die Avantgarde. Ueberau manoeu-vrirte er mit ungemeinem Talent und Glück. Wo es Operationen auszuführen gab, welche Kühnheit und Geistesgegenwart erforderten, fand man keinen bessern Oflicier, als den Obri-sten Lamoriciere. Rastlos auf die Ausbildung seines Corps bedacht, schuf er durch seine Zuaven das anerkannt beste Regiment >ler französisch-afrikanischen Armee. Er hatte, wie Napoleon, bei der Behandlung französischer Soldaten jenen trefflichen Tuet, der äusserst selten ist und angeboren sein muss. Bald war er vertraulich mit ihnen als Kriegs-camerad, bald imponirend als Anführer, seine Freundlichkeit vergab nie seiner Würde etwas, seine Barschheit verletzte nie. Dabei war er stets gerecht und bereit, jeden Klagenden zu hören. Seine Soldaten liebten ihn mit unaussprechlicher Begeisterung, und ich glaube es war nicht Einer unter ihnen, der bei Mangel und Noth nicht sein letztes Commisshrot mit seinem Obristen getheilt, im Kampfe nicht seinen letzten Blutstropfen für ihn verspritzt hätte. Seine edlen Eigenschaften: ritterlicher Sinn und feuriger Muth, begeisterte Liebe für sein Vaterland und den Ruhm, ein natürliches einnehmendes Wesen, Offenheit und die gewinnendste Liebenswürdigkeit im Umgang, an der man schnell erkennt, dass sie vom Herzen fliesst — all' diese schönen Gaben gewannen dem Obristen zahlreiche Freunde und machten, dass er trotz seines in gegenwärtiger Zeit fast beispiellos raschen Avancements selbst unter den älteren Officiercn, denen er vorgezogen wurde, verhältuissmässig wenig Feinde fand. Lamoriciere war damals 28 Jahre alt. Er ist von untersetzter, sehr kräftiger Gestalt, mehr klein, als gross. Selten ist mir eine so einnehmende Physiognomie vorgekommen; eine prächtige, freie, kühne I lernsstirne von dunkelschwarzen, unordentlichen und doch schönen Haaren umflattert, grosse feurige Augen sehr kühnen Ausdrucks und freundlich durchdringend, die Nase wunderschön, schwarzer Schnurr- und Knebelbart, der ganze Schnitt des Gesichts ungemein edel, der Hauptzug: Energie und kriegerische Kühnheit, gewöhnlich gemildert und verklärt durch den Ausdruck herzlichen Wesens im Gespräche. Die Haltung des Obristen ist militai-risch-gebietend. Zu Pferde ist Lamoriciere sehr imposant. Mokitz Wagner's Algier. II. 18 Man erkennt an seiner Gestalt schnell, dass er ein begünstigtes Glückskind ist. Bis jetzt ist ihm in der Thal Alles gelungen und in den vielen Gefechten, wo er stets unter den Vordersten im Feuer war, ist er nie verwundet worden. Bs war ein heiteres Muhl, vou Krieg und Beduinen wurde viel geplaudert und die Vorenipfmdnng der Feldstra-pazen, der nassen Bivouacs uud der Kothmärsche machte uns diese letzten Stunden behaglichen Beisammenseins unter'm warmen Zelt, bei der Flasche provencalischen Weins so lieh, dass wir verweilten bis in die tiefe Nacht. Lamoriciere war wunderbar gesprächig. Er besitzt eine seltene Redemacht. Glänzende Gedanken, rasche witzige Einfälle, lebhafter Vorfrag und wohltönendes Organ reissen die Gesellschaft bin und kommen ihm auch trefflich zu Statten bei Gegenständen, welche ihm eigentlich fremd sind oder die er nur oberflächlich kennt und über die er gleichwohl immer ein gutes Wort anzubringen weiss. Lamoriciere schien mir über die übrigen Gäste eine entschiedene Ueherlegenheit zu behaupten, sogar über meinen Freund Uerhrugger, dem sonst doch keine geringe Zungenfertigkeit zu Gebote steht. Wir sprachen viel über die bevorstehende Expedition. „Wenn's regnet unterwegs — meinte einer der Ofliciere — so ist keine Hoffnung die Belagerungsgeschütze bis Contantiue zu bringen." — „Es wird nicht regnen" antwortete Lamoriciere sehr rasch und entschieden. „Aber — bemerkte icb — selbst angenommen, man bringt die Vierundzwauzigpfünder glücklich an Ort und Stelle, so ist ein Erfolg, nach der Beschreibung, die mir die Begleiter des ersten Zuges von der starken Lage Constan-tinos gaben, doch noch nicht so ausgemacht. Wenn Achmcl die schwache Seite der Stadt auf Kudiat-Ati mit Schanzen und Gräben umgeben hat, so braucht man mehr als eine Woche, die Werke zu zerstören, und wir haben nur geringe Transportmittel, Proviant und Munition können uns ausgehen, ehe die Bresche praktikabel ist; und dann fragt es sich noch, ob ein erster Sturm gelingen wird« Sie kennen die hartnäckige Verteidigung der Türken hinter Mauer und Graben. Denken Sie an St. Jean d'Acre, das nicht einmal so fest ist, als Constantine. Erinnern Sie sich, welchen Widerstand die russischen Heere vor Braila, Varna, Silistria fanden, wo nirgends der erste Sturm gelang und die Belagerer Monate lang vor den Mauern liegen mussten." „Ich kenne den russisch -türkischen krieg — erwiederte Lamoriciere. Ich habe ihn sorgfältig studirt und als Ingenieur kann ich wohl beurtheileii, was unsere Kriegskunst vor der russischen bei Belagerungen voraus hat. Seyen Sie überzeugt — Constantine fällt vor dem achten Tag. Es wäre nur eine Möglichkeit des Misslingeus. Ich will lhuen sagen, wie Achmet Operiren müsste, um Constantine zu retten — (ich vertraue Ihnen dies, fügte er lachend bei, da Sie es dem Bey doch nicht wiedersagen). Greift der Feind uns in der Avantgarde oder in der Flanke au, so wird er geschlageu. Wenn aber der Bey auf unsere Nachhut sich wirft und den Convoi, am ersten Marschtage nur mit zweihundert Heitern, am zweiten mit zweitausend, am dritten mit seiner ganzen Macht angreift, dann würde eine verderbliche Verwirrung einreissen uud wir kämen in einem Zustand vor Constantine an, der an der Einnahme sehr zweifeln liesse." Ich machte dem Obristen noch einige Einwendungen. Lamoriciere bot mir eine Wette von zwanzig Flaschen Champagner gegen zwei an, dass Constantine fallen werde; ich schlug ein und verlor und war vor Constantine mächtig froh, dass ich verloren. Unter den Güsten befand sich auch Capitäu Levaillant, Sohn des berühmten afrikanischen Reisenden, ein merkwürdiger Mann. Er galt für den persönlich kühnsten und tapfersten Krieger und Jäger der Armee, und dies will viel sagen in einem Heere, wo die kampflustigsten und abenteuerlichsten Jünglinge Frankreichs unter den Wallen stehen. Mit seiner Doppelflinte durchstreifte dieser Oflicier Jahre lang die ßuschwilduisse der Algierer Umgebung und tödtete dort die erste Hyäne. Er wagte sich bis zu den Hadschuten, auf seine gute Landeskenntniss, seine Schussfertigkeit und grosse körperliche Stärke vertrauend; auch ist ihm nie ein Unfall widerfahren. Kaum in Medschez-Ammar angekommen besuchte er die „verfluchten Quellen" ganz allein, zur Zeit als Achmet's Armee dort in der Nähe lagerte. Er begegnete unterwegs einigen bewaffneten Arabern, die aber den kühneu Jäger nicht anzugreifen wagten. Als der Herzog von Nemours denselben Ort besuchte, mussten ihn drei Regimenter escortiren. Erst lange nach Mitternacht vcrliessen wir Lamorieicre's Zelt, um nach unserm Lagerplatz jenseits des Seybuss zurückzukehren. Der Obrist begleitete uns eine Strecke weit. Bin betrunkener Zuavc näherte sich ihm und sagte, dass Feinde in der Nähe seyen. Lamoriciere rief mit barschem Tone, er solle seinen Rausch ausschlafen. Allenthalben ertönte das. f/ul vive ? der im Hinterhalt lauernden Zuaven. Einige süssen an Feuern in Gruppen umher. Die Eingeborenen musiciiten oder erzählten sich Mährchen; die Franzosen kochten und plauderten. Dazwischen lagen wieder Gruppen von Schlafenden; — alle in sorglosester Ruhe da, wo der Tod so nahe drohte. Tags darauf erschien ein Deserteur von Achmet's Armee im französischen Lager. Er trug eine grobe Uniform im türkischen Schnitt und gehörte den Zuauas oder regulären Infanteristen des Beys an, welche Benennung die Franzosen in „Zuaven" verdorben haben. Seiner Aussage nach herrschte unter den Truppen Achmet's Miss vergnügen; sie hatten Mangel an Lebensmitteln und waren sehr elend. Der Angriff am 23. September hatte ihnen einige Hundert Tode gekostet und die Mehrzahl der Kabylen war, des Krieges müde, in ihre Berge heimgekehrt. Jener Deserteur nahm Dienste unter den französischen Zuaven. Er war spanischer Renegat, hatte sich lange in Marokko aufgehalten, dort die arabische Sprache fast wie eiu Eingeborener erlernt und nach langem Yagabondiren war er von Stamm zu Stamm wandernd nach Constantine gekommen, wo der Kriegerstand der einzige Erwerb für ihn blieb. Die Franzosen hielten ihn anfangs für einen Spion und hatten ein wachsames Auge auf ihn. Ich sah ihn aber auf dem Marsche, wie während der Belagerung alle Gefahren und Leiden der Armee theileu und so viel ich später erfahren, war er auch mit unter denen, welche die Bresche von Constantine erstiegen. Unter den Oberofficieren, welche ich zu Medschez-Ammar kennen lernte, war Obrist Combes der bedeutendste. Er schien ein angehender Fünfziger, war von stattlicher Figur, übrigens nicht besonders imponirend beim ersten Anblick. Sein Wort fesselt aber auf der Stelle. Er hatte ein herrliches, krafttönen des Organ, und was er sagte war durchdacht und lloss ihm aus innigster Seele und war wie diese edel und gross. Combes war lange nicht so blendend wie Lamoriciere, aber sein mild-klarer Geist machte einen noch wohlthuendern Eindruck. Die Begeisterung war geläutert bei ihm durch die Reihe der Jahre, übrigens so schön, so lebendig und that- kräftig noch, als bei irgend einem der Jüngern Krieger. Er liebte sein Vaterland mit seltener Hingebung und mit einer Reinheit, wie sie vielleicht keiner der übrigen Franzosen besass. Schon seit 1830 war Combes Obrist und bei den Befürdeinngen oft übergangen worden wegen angeblich republikanischer Gesinnung. Dies machte ihn aber nicht bitter, er diente mit gleichem Eifer, gleicher Liebe unter der dreifarbigen Fahne fort, buhlte nie um die Gunst seiner Chefs, liess ihnen, wenn ein Manoeuvre gelang, das er augerathen und zu dessen Gelingen er das Wesentlichste beigetragen hatte, Ehre und Vortheil unbestritten und ohne JYlissgunst. Combes war ein Bewunderer der Grossthaten und der Organisationsmacht Roms, er studirte alle Werke über die alten Niederlassungen in Numidien und vereinigte selbst mit der Einfachheit und dem ächten Heldensinn jener classischen Welteroherer den ganzen Reichthum der neuern Bildung. Seine Soldaten liebte er väterlich, immer war er ein gerechter Richter, immer bedacht, ihr hartes Loos in Afrika zu lindern. Ich habe nie unter Soldaten einen einstimmigem und tiefem Schmerz bemerkt, als au dem Tage, wo das 47ste Regiment die Hülle seines im Siege verschiedenen Obristen zu Grabe geleitete. Ein merkwürdiger Mann uuter den Oberofficieren war General Trezel, dessen persönliche Bekanntschaft ich schon früher in Bona gemacht hatte und dessen Wiederschen in dem Getümmel des mit jedem Tage bewegtem Lagers mir nicht wenig Freude machte. Ich hatte vom General Trezel, von seiner Brävonr vor Budschia, seiner gegen Abd-el-Kader bewiesenen Energie so viel gehört, noch ehe ich nach Bona gekommen war, uud dachte mir ihn als einen kräftigen Veteranen von recht martialischem Aussehen und etwas rauhen Manieren. Ich fand dagegen einen Mann von auffallend kleinem Wuchs uud scheinbar schwächlichem Körper, mit feiner, fast weiblicher Stimme und mildem Wesen. Immer la£ im Gespräche auf seinem Gesicht ein gutmüthiger, wohlwollender Zug. Er war auch wirklich gut gegen alle Leute, mit denen er zu thuu hatte; die Soldaten hatten an ihm eine Stütze um! aul sein Wort liess sich sicher hauen. Aber gegen den Feind war Trezel ein eiserner Kämpler und am Tage der Schlacht gewann seine zwerghafte Figur, seine sonst so mildtönende Stimme die grimmige Haltung und die Schreckenstöne des Löwen. Alle Militairs, die ihn an der Makta gesehen, sprechen mit Bewunderung von seiner gewaltigen Energie, seinem ungemeinen persönlichen Muth bei einer freilich äusserst unglücklichen Gelegenheit. Trezel ist mit Narben bedeckt, die zum Theil schon von den Schlachten der Kajaerzeil herrühren. Bei Waterloo verlor er ein Auge, vor Budschia wurde er in den Schenkel verwundet und bei der ersten Expedition gegen Constantine hatte er einen Flintenschuss in die Kehle bekommen. Das Talent eines Überanführers soll dem General Trezel, nach dem Urtheil der competeutesten Männer der Armee, gänzlich abgehen, als Corpsführer dagegen gilt er für durchaus tüchtig. Von Eingeborenen war nicht der zwanzigste Theil derer gekommen, welche ihr Erscheinen für den beginnenden Zug angekündigt hatten. Die zwanzig oder dreissig Scheikhs, welche dem Obristen Duvivier in Ghelma heilig versprochen hatten mit dem Coutingent ihrer Stämme sich einzufinden, um zu Achmet's Sturz mitzuwirken., blieben sämintlich aus. Die WCnigen, die mau zu Medschez-Ammar sah, waren abgesetzte Häuptlinge, die wieder in ihre frühere Gewalt eingesetzt zu werden hofften, oder Abenteurer, die nichts zu ver- liereu hatten und auf Beute oder auf sonst irgend einen Vortheil rechneten. Stammcontingente hatten nur die Beui-Ur-schin und die Kharcsas geschickt Ich sah unter andern Ben-Zecri, den ehemaligen Kaid der Ariben, welcher aufs freundlichste mir entgegenkam und der guten Mahlzeit sich erinnerte, die er mit mir hei Herrn Suchet zu Rassota eingenommen hatte. Ein anderer Flüchtling von Constantine war Hadschi Soliman, Schwager Achmet Bey's und ehemaliger Khalifa der Provinz. Er war von kleiner, muskulöser Gestalt, hatte aber das ausgezeichnetste, männlich-schönste Gesicht, das mir je unter den Türken vorgekommen ist. Alle Europäer fanden in seinen Zügen entschiedene Aehnlichkeit mit denen des Löwen, wozu der prächtige, weit herablallende, graue Bart, der ihn zierte wie den Thierkönig die Mähne, nicht wenig beitrug. Hadschi Soliman hatte früher als Khalifa Macht und Einfluss in der Provinz Constantine genossen. Dies erregte den Argwohn seines Schwagers, der ihn zu tödten beschloss. Soliman, zeitig gewarnt, floh nach Tunis mit Zurücklassung seiner ganzen Habe. Als die Franzosen den ersten Zug gegen Achmet vorbereiteten, kam Soliman nach Buna, bot seine Dienste an uud erhielt den Sold eines Hauptmanns. Mau glaubte damals allgemein, General Damremont beabsichtige ihn, nach Achmet's Sturz, zum Bey der Provinz einzusetzen und vielleicht wäre dies auch geschehen ohne den Tod des Generals. Die Eingeborenen erwiesen dem alten Türken bereits die äussere Huldigung als ihrem künftigen Oberhaupt, Das Lagergewühl nahm mit jedem Tage zu. Ungeheuere Transporte von Proviant und Munition trafen von Bona ein, aber die erforderliche Zahl Lastthiere war doch nicht vorhanden und zwischen dem General Damremont und den Intendanten kam es deshalb zu heftigem Zwist. Jener klagte die Militärverwaltung der Nachlässigkeit und Unredlichkeit an und vielleicht nicht ohne Grund, wenn gleich die Schuld weniger an den Intendanten, als an ihren Untergebenen liegen mochte. In den Kaifeehäusern ging es inzwischen lebhaft zu. Unter den täglichen Ankömmlingen erschienen immer merkwürdigere Gestalten. Marabuts und Scheikhs kamen auf Besuch, allem Anschein nach nur um zu spioniren. Am Tage drängten sich alle Uniformen und Völkertrachten bunt durcheinander; bei Nacht fand sich jeder bei seinem be sondern Corps ein. Von fremden Oflicieren, welche als Freiwillige der Armee sich anschlössen, waren ein englischer Obrist (Sir Grenville Temple), zwei Däucn, ein Oesterreicher, ein Sachse und ein Baier anwesend, ausser dem öfters genannten neapolitanischen Schweizeroflicicr, meinem Zeitgenossen. Auch eine ziemliche Zahl von Speculanten und Händlern aller Art hatte sich eingefunden, welche Tabak und Getränke an die Armee verkauften und dagegen die von den Soldaten bei der Erstürmung von Constantine geplünderten Kostbarkeiten einzukaufen beabsichtigten. Eine Masse von Maltesern war vou Bona gekommen, welche als Maul-thier- und Eseltreiber oder als Bediente sicli verdingten. Es was das trägste und diebischste Gesindel, das man finden kontote. Wir hatten bis Medschez-Ammar bereits viermal unsere Bedienten fortgejagt und andere genommen, die nicht besser waren. Allen übrigen fremden Begleitern der Armee ging es nicht besser. Am 29. September kamen endlich die letzten Cavalerieabtheilungen, sainmt dem grossen Convoi von Bona an. Tags darauf wurde gerastet und allenthalben traf man die letzten Vorbereitungen zum endlichen Aufbruch der Expeditionsarmee. II. Aui7>rucli der Armee. — Der Bivouac auf dem Ras-cl-Akbah. — Lagerscenen der Franzosen und Araber. — Ankunft vor Constantine. — Der Anblick der belagerten Stadt. — Uebergang "über den Rummel. — Reitergefechte. — Beginn des Bombardements. — Ausfälle der Besatzung. — Errichtung der Breschebatterien; — Fehlschlagen der Unterhandlungen. — Tod Damremont's. — Erstürmung der Stadt Constantine. Am 1. Ortober wirbelten lange vor Sonnenaufgang die Trommeln und die Marschtrompete blies lustig schmetternde Töne. Der Vorfrab setzte sich bei trübem Wetter in Bewegung; ihm folgte der Rest der Armee ziemlich schwerfällig, denn ausser ihren schweren Tornistern mussten die armen Soldaten auch Brennholz für mehrere Tage auf dem Rücken schleppen. Ein ungeheures Getümmel wogte durch das wilde Buschthal nach dem Ras -el-Akbah hinauf, dessen Felsenhaupt in eine Wolke gehüllt war, welche bald in einen starken Regenguss sich auflöste. Die Armee zählte 8600 Krieger und war in vier Brigaden getheilt. Die erste stand unter dem Commando des Herzogs von Nemours; unter ihm diente der treffliche Obrist Lamoriciere mit seinen Zuaven. General Trezel comm.ui-dirte die zweite. Beide Brigaden zusammen standen unter den unmittelbaren Befehlen des Generals Damremont. Ihnen Ailgte der ungeheure Convoi, der die Armee wie ein Alp drückte und eine ganze Brigade unter dem General Rulhiercs zur Bewachung erforderte. Ohrist Combes befehligte die vierte Brigade, welche die Nachhut bildete. Auf der Höhe des Gebirgsweges machten die beiden er. sten Brigaden Halt und bezogen den Bivouac an derselben Stelle, wo wenige Tage zuvor Achmet Bey mit seiner Ca-valeric gelagert war. Man fand Stroh in Menge. Die Soldaten nahmen ihr Holz von den Ranzen herab; bald bedeckten lodernde Feuer den Berg, die Bratpfannen zischten und die französische Kochkunst bereitete ein für die damaligen Umstände noch ziemlich leckeres Mahl auf der Stelle, wo einige Tage zuvor der Kuskusu von Achmet's Arabern geraucht hatte. Eine halbe Viertelstunde östlich von unserm Bivouac erhoben sich auf dem Abhänge des Gebirgs die unter dem Namen „Anunah" im Lande bekannten schönen Ruinen, welche, als der Nebel sich zertheilte, recht gespenstig vom hohen Bergrücken hcrunterschauten. Drüben war Alles unheimlich still im Circus, im Amphitheater der alten Rümerstadt, wo vor zweitausend Jahren die Schaulustigen sich drängten. Dagegen hatte der öde Fass des Ras-el-Akbah durch unsere Anwesenheit ein gar buntes Leben gewonnen. Französische Soldaten, türkische und arabische Spahis, berberische Zuaven, Neger, Malteser bewegten sich innerhalb des Bivouac-raumes, Feuer schürend, kochend, essend, plaudernd; einige führten Pferde und Esel zum Tränken, andere schlugen ein Zelt auf. Ich hatte mit dem Cnpitän Muralt ein kleines Zelt von bunter Leinwand, kaum gross genug, dass wir darin ausgestreckt liegen konnten, und «loch beneideten uns Tausende darum, denn es gab nicht vierzig Personen in der ganzen Armee, die glücklich genug waren, unter einem so dürftigen Leinwandhäuschen schlafen zu können, Während wir von unserm Gefolge, von Maltesern, Pferden und Eseln unigeben, unsere Reissuppe behaglich verzehrten, gesellten sich französische Officiere, Aerzte, Maler unserer Bekanntschaft zu uns, plauderten einige Minuten und gingen weiter, andere Bekannte zu hegrüssen. Mehrere Officiere, wie die Capitäne Lcvaillant und Magagnos, der Doctor Trubelle etc. waren eifrige Entomologen. So oft sie ein unbekanntes In-sect erhascht hatten, brachten sie es mir und seihst vor Constantine, im Augenblick des heftigsten Bombenfeuer», kam der Adjutant des Generals Perregaux zu mir gelaufen und zeigte mir in seinem Tschako zwei angespicsste Schmetterlinge, die er erhascht hatte, im Augenblick als er der Brigade Trezel einen wichtigen Befehl brachte. Als wir unser Souper verzehrt hatten, wanderten wir auch durch das Lager, Freunde und Bekannte aufsuchend. Wir fanden zwei Mitglieder der wissenschaftlichen Commission emsig mit Ilöhenmessungen beschäftigt, andere Neugierige standen, ihren Operationen zuschauend, um sie her. Mehrere Waghälsc hatten einen Ausflug nach den Ruinen von Anünah unternommen. Ich bestieg mit Herrn von Muralt den Gipfel des Ras-el-Ahbah. Als ich über die Vorposten hinausging, sagte ein Wache stehender Soldat zu mir: „Ich rathe Ihnen, mein Herr, sich des Abends nicht in meine Nähe zu wagen. Sie sehen geschworen aus wie ein Beduine." Ich liess mir dies gesagt seyu und hütete mich in der Dunkelheit vom Zelt mich zu entfernen, lieber meine Kleidung trug ich nämlich damals einen arabischen ßernuss, welchen das häufige Bivouakiren bereits so sehr abgenutzt hatte, dass er völlig aussah wie der gewöhnliche Mantel der Beduinen; zugleich war mein Gesicht so souuverbranut, dass Mancher mich wohl in allem Ernst für einen Araber gehalten haben mag. Vom Gipfel des Ras-el-Akbah hatten wir eine Weite Aussicht. Im Südwesten beherrschte unser Auge den ganzen Gebirgszug bis in die Nähe von Constantine. Der Anblick hatte aber gar nichts Erfreuliches — eine düstere Bergwüstc, aber keine Oasen und nirgends eine lebende Seele. Gern wandten wir uns wieder auf die entgegengesetzte Seite, auf das bewegliche, sich immer neu metumorphosirende Lager-geinälde. Doch wollte auch dieses uns die ernsten Gedanken nicht aus dem Sinne scheuchen; wie störender Spuk standen daneben einerseits die finstern Ruinen ohne Namen und auf der andern Seite die deutlich sichtbaren Dampfwolken der verfluchten Quellen, Die Wälder von Pistaciasträuchen, Tamarisken, wilden Oliven- und Brustbeerbäumen, welche um Medschez-Amfflar alle Bergabhänge und Schluchten mit ihrem wechselnden Grün zieren, verschwinden auf dem Ras-el-Akbah gänzlich und statt deren beginnt eine Gegend von der traurigsten Nacktheit, ohne Baum und Busch, welche bis Constantine fortdauert. Am 2. October lagerten wir bei dem Marabut von Sidi-Tamtam, wo arabische Gräber stehen. Die 3te und 4te Brigade blieben immer einen halben Tagmarsch hinter uns und beschützten den grossen Convoi, der mit seiner Masse von Wagen und Maulthieren eine Strecke von zwei Lieues bedeckte. Ich gedachte beständig der Aeusscrung Lamori-cierc's, dass das Gelingen der Expedition sehr .zweifelhaft Würde, sobald Achmet den Nachtrab überfiele. In der That wäre die Truppenzahl nicht hinreichend gewesen, einen Cou-voi von solcher Länge zu beschützen und der schwächste Angriff der Araber würde die furchtbarste Verwirrung unter die Bagage gebracht haben. Glücklicherweise hatte aber Achmet den Plan einer Schlacht völlig aufgegeben und wollte seinen Widerstaud ganz in und um seine Hauptstadt concentriren. Einzelne beobachtende Cavalerieposten sahen wir oft vor uns auf den nackten Höhen, aber immer verschwanden dieselben, wenn unsere Avantgarde sich näherte. Am 3. October bivouakirte die Armee au dein Bache Meies, der weiter nördlich Bu-Mesrug heisst. Sein herrliches Wasser labte die Soldaten. Ueberhaupt hatten wir nie fühlbaren Wassermangel. In diesem Lande fehlen die grossen schiffbaren Ströme, aber an Quellen und kleinen Gewässern ist desto grösserer Leberiluss. Man trifft deren von Stunde zu Stuude und ihr Lauf ist gewöhnlich nordöstlich. Nur in der heissen Jahreszeit, vom Julius bis September vertrocknen viele dieser Bächlein-, in den übrigen Monaten darf man hoffen, fast allenthalben in der Berberei Wasser zu linden. Das Land, welches wir seit Medschez-Ammar durchzogen, war von der verzweifeltsten Einförmigkeit. Mehrere Laud-schaftszeichner begleiteten die Armee, und ich konnte auf ihren Gesichtern den Schrecken der Täuschung lesen, bis sie endlich nach sechs Marschtagen durch Constautines gross-arlig wilde Lage getröstet wurden, Die Vegetation ist in hohem Grade armselig; nur ganz niedriges Gras bekleidet stellenweise den Boden, welcher im Allgemeinen völlig nackt ist. Hie und da gewahrte man einige Büsche der weissen Daphnc (Daphne gnidium)^ den schönen hohen Blumenstengel der Scilla maritima; am Fusse der Berge zerstreut wuchs eine blaue Iris, auch eine bekannte Alpenblume, die „Herbstzeitlose"; an den Bächen stand der Oleanderstrauch — dies war die kahle Octoborllora dieser traurig-monotonen Bergwüste. Nirgends eiu grüner Busch, nirgends ein Singvogel, der dieser starren Einsamkeit seine Poesien weihte. Mit einigen Tausend plaudernden und lachenden Franzosen hat man zwar auch in der Wüste keine Langeweile. Für einen isolirten Reisenden «aber muss ein Zug durch diese Atlasöde eine bange, drückende Empfindung seyn. Das Thierreich war wo möglich noch annseliger, als die Pflanzenwelt. Kein Insect summte auf den sparsamen Blumen. Nur der grosse, weissköpfige Aasgeier (Vullur leucocephalus) war unser immerwährender, treuer Begleiter. In Schaarcn von Tausenden schwebten diese gefiederten Riesen über uns. Man konnte diese Leichenwitterer, welche den Armcezügen folgen, wie die Haifische den Schiffen, nicht ohne heimliches GrAueo hei rächten. Während der Nachtstille hörten wir aus ziemlich weiter Eutferming das Gebrüll der Löwen, welche nur die hohen Lagerfeuer abhielten, unter nnsern Pferden und Maulthieren sich ihren Frass zu wählen. Die kahlen Hochebenen der Provinz Constantine sind die wahre Heimat!» dieses Rauhthieres. Hier theilt der Löwe mit dem Beduinen die Herrschaft der Wilduiss. Jener ist der unbeschränkte Herrscher während der Nächte und erscheint da regelmässig vor den arabischen Duars, seinen Tribut — ein Stück der Heerde fordernd. Da in diesen Einöden keine Gasellen leben, so siud die arabischen Yiehheerden die einzige Jagdbeute dieser grossen Raubthiere. Unser Marsch bis Constantine dauerte beinahe sechs Tage. Letztere Stadt ist von Medschez-Ainniar 23 Lieues und von Bona 45 Lieues entferut. Ich unterlasse die Beschreibung jedes einzelnen Bivouacs. Stets wurde in der Nähe eines Baches oder einer Quelle campirt und den Bivouac taufte man immer nach der Benennung des Gewässers oder des Stammgebietes oder nach dem Namen eines Marabutgrabes, deren es in diesem Laude allenthalben giebt. Immer war die An- kiinft der Armee an der Stelle ihres Nachtquartiers ein anziehendes Schauspiel. Sobald das Carre geschlossen war, mnsstc man die flinke Thätigkeit der französischen Soldaten bewundern. Die einen liefen, Wasser zu holen oder in der völlig holzarmen Gegend dürre Distelstengel zu sammeln; andere zündeten Feuer au und bereiteten die Küche. In wenigen Minuten wirbelten Tausende von Lagerfeuern an der kurz vorher so einsamen Stelle; hier wurden Lieder gesungen, dort gekocht, geplaudert und gelacht. Die ßivouacred-ner, gewöhnlich Pariser Freiwillige oder Gascogner, versammeln da immer ihr Auditorium um sich, politisirend und ihre Meinung kund gebend über die kommenden Ereignisse. Die ehrlichen, etwas plumpen Becrutcn aus der Bretagne und der Vondee hören den Schwatzern mit Andacht zu und für ihre bornirte Köpfe sind die „(tlagues^ des Parisers Orakelsprüche. Die französische Armee hat nach den verschiedenen Provinzen auch Soldaten vom verschiedensten Schlage. Ist die Reissuppe und der harte Zwieback verzehrt, so sucht der französische Soldat auf einer möglichst bequemen Stelle sich zu betten. Einmal sah ich sogar, dass ein Individuum der Bataillons d'Afrique ein arabisches Grab Öffnete, das Todtengerippe herauswarf und sich an dessen Stelle zur Nachtruhe hineinlegte. Andere blieben, ihren Kaffee kochend und plaudernd, die halbe Nacht am Feuer sitzen. Ganz verschieden sind die Bivouacsitten der Araber. Sobald die Spa-his, welche immer den äussersten Vortrab bilden, die Ruhestätte erreicht haben, werden ihre Pferde in zwei Reihen mit den Füssen an hölzerne Keile gebunden. Die arabischen Rosse sind äusserst sanfte Thiere; sie ertragen die scharfe Sporenspitze und die Fussfessel mit grosser Geduld, senken aber das feingeformte Haupt traurig^ lassen die Mähne, wie die Thräncn weiden ihre Aeste, fast den Boden berühren und scheinen ihren grausamen Herrn mit einem Vorwurf anzublicken. Sie dulden übrigens still und nie sah ich ein arabisches Pferd sich losrcissen. Sind diese edlen Thiere versorgt, haben sie ihre Gersle und ihr frisches Wasser erhalten — bei aller Grausamkeit ihrer Herren denken diese doch immer zuerst an ihre Bosse — so vereinigen sich alle Araber zum Gebet. Das Antlitz gegen Osten gewendet, werfen sie sich mit dem Haupt zur Erde, richten sich auf und beugen sich wieder, gerade wie ein Mensch in epileptischen Zuckungen. Einer der Ihrigen murmelt die Gebetformel. Zuweilen fällt der Strahl der Abendsonne auf die bärtigen Pilgergestalten; ihre betenden Gruppen haben dann oft wirklich ein heiliges Ansehn. Sobald der Araber diese fromme Pflicht erfüllt hat, wird er lustig und ausgelassen. Der Kuskusu wird gewärmt, die Pfeife dampft. Dann beginnen die jüngeren von den Spahis ihre Spiele; die älteren schauen mit gekreuzten Beinen im Halbkreise sitzend zu; die Pferde bilden den Hintergrund und sind die Zuschauer auf der entgegengesetzten Seite. Da werden dann förmliche Theaterstücke aufgeführt. Liebschaften, Jagden, Kämpfe, all die Scenen, welche die Beduinen in der Wildniss erleben, stellen sie mit Heden und Pantomineu dar. In solchen Momenten werden die Araber, dieses sonst so ernste, würdevolle Volk, ganz zu Kindern. Sie lachen, schäkern und schreien, dass sie oft ihre französichen Cameraden im Schlafe stören. Sind sie dieser Lustigkeit am Ende satt, so setzen sie sich alle dicht zusammen in eine grosse Hunde, stellen in ihre Mitte eine papierne Laterne und einer von ihnen stimmt seinen Gurgelgesang an mit der Begleitung einer rohen Cither; die übrigen lauschen wie Bildsäulen stumm. So bleiben sie bei-Moritz Wagker's Algier II. 19 summen bis tief in die Dunkelheit hinein. Oft lange nach Mitternacht, wenn die meisten Feuer der französischen Soldaten schon erloschen waren, sab ich die Araber noch unter dem sternensprühenden Himmel sitzen und dem Liede des Troubadours horchen, der ihnen von den Liebesfrenden der Duars erzählte. Gegen 4 Fhr Morgens wurde die Ilcveille geblasen. Die Musik der Regimenter spielte in den sanftesten Weisen ein gar liebliches Stückchen. Aber die Existenz des armen Soldaten ist immer nur ein glänzendes Elend. Mit dem klingenden Tönespiel wollte man ihn trösten für den Nebel und den eiskalten Morgenthau, der seine Glieder erstarrte. Sobald die Tageshelle den Weg unterscheiden liess, begann die Avantgarde ihren Marsch. Alle Corps reihten sich in Ordnung an. Die polnischen Röcke der Chasseurs, das türkische Costume der Zuaven, die wallenden rothen oder weissen arabischen Bernusse der Spahis, die grauen, plumpen Capotes der Linienregimenter bewegten sich hinter und neben einander, ohne sich zu vermengen. Die grossen Kanonen und der unermesslich lange Convoi rollten schwerfällig hinten nach; zuletzt kamen die 3te und 4te Brigade, welche sich erst am 5. October mit der übrigen Armee vereinigten. Oft ritt ich an einem so schönen, sonnenhellen Morgen auf die nächste Anhöhe, um das interessante Schauspiel des langen, malerischen Armeezuges zu geniessen. Am 5. October erblickten wir endlich von dem Gipfel einer Anhöhe, welche die Ruine eines schönen römischen Monuments krönt, das Ziel unsers Feldzugs — Constantine — die Stadt, welche ihre heutige Berühmtheit grösstentheils der Schlappe eines französischen Marschalls verdankt. „Constantine! Constantine!*' riefen die Soldaten, und schlu- gen freudig ihn; Warfen klirrend zusammen. Ich glaube dieser Name machte auf die afrikanische Armee fast denselben Effect, Avie der Ruf „Moskau" einst auf die grosse Armee Napoleon's. Nach fünf Tagemarschen durch eine trostlose Oede, wo man nirgends eine lebende Seele sah, that der Anblick einer so bedeutenden Stadt unbeschreiblich wohl. Die Lage der alten Residenz des Jugurtha und Massinissa, im Hintergrund eines Thaies auf einen Ricsenfelsen wie ein Condorhorst gebaut, bat etwas ungemein Imposantes, obwohl wir von unserer Stelle nur den kleinsten Theil der Stadt erblickten. Sehr deutlich gewahrte man den Marabut Sidi-Mahruk auf dem Berge El Mansurab und die einzelnen Gebäude auf Cudiat-Ati. Das römische Denkmal auf dem Hügel, WO die beiden ersten Brigaden einige Stunden verweilten, bis der Nachtrah näher rückte, führt unter den Eingeborenen den Namen „Rommah." Es ist etwa 30 Fuss hoch und hat einige Aehnüchkeit mit dem Denkmal auf der „Place des hmocens^ zu Paris. Die Masse von schönen Quadersteinen, welche am Fusse des Monuments liegen nnd ganz gewiss Stücke desselben waren, beweisen, dass dieses Denkmal von bedeutender Grösse gewesen. Am Abend des 5. October begannen die ersten Feindseligkeiten. Bisher hatten wir ausser einigen entfernten Späherposten keinen Araber gesehen. Die Hütten und das Stroh sämmtlicher arabischer Dörfer vom Ras-ei-Akbah bis Constantine standen in lichten Flammen und nur mit Mühe gelang es den Chasseurs, einige Fourage zu retten. Dies war eben kein Zeichen einer friedlichen Gesinnung und um so auffallender, als die Bewohner derselben Duars während der Expedition des Marschalls Clauzel ruhig in ihren Hütten geblieben waren und ihre Heerden vor den Augen der Armee 19* ii litten weiden lassen. Als die Brigaden von dem Hügel des Monuments sich nach dem Thale des Flusses Rummel gegen Constantine langsam hiiiabbewegtcn, begannen einige Hundert arabische Reiter auf der linken Flanke den Angriff. Sie tiraillirten aber nur aus sehr weiter Entfernung und binderten den schwerfälligen Marsch des Convois keinen Augenblick. Eine kleine Stunde vor Constantine wurde der Bivouac aufgeschlagen. Es war bereits Abenddämmerung, als die Truppen ihr Lagercarre formirten. Mm diese Zeit waren alle Gipfel der Hügelkette jenseits des Rummel von arabischen Reiterhaufen gekrönt. Die Zahl der Feinde mehrte sich mit jeder Minute. Wir alle glaubten damals, der Bey werde einen nächtlichen verzweifelten Augrill wagen, aber wie immer fielen während der Nacht nur einzelne Schüsse auf den Vorposten; diesmal freilich noch in grösserer Zahl als bisher und öfters glaubten wir, man schlage sich in der Dunkelheit. Es war aber nur Vorsicht: die wachestehenden Soldaten drückten bei dem geringsten Geräusche los. Am 6. October schlugen wir endlich das Lager dicht vor Constantine auf. Langsam näherte sich die Avantgarde dem Platean El Mansurah. Der Herzog von Nemours mit seinen drei Ordonnanzofficieien, worunter der Prinz von der Moskwa, ritt immer au der Spitze seiner Brigade. Er com-maudirte diese in aller Wirklichkeit. Der Gouverneur war von einem viel zahlreichem Gefolge begleitet und vermied während des Marsches so viel als möglich jede andere Berührung mit dem Herzoge, als in der Sache des Dienstes. Der junge Prinz hatte damals ein sehr leidendes Aussehen. Sein schönes feines Gesicht war bleich wie Papier. Er trog immer eine doppelte weisse Flanellbiude um den Unterleib und schien gegen körperliches Unwohiseyn zu kämpfen; vor Constantine besserte sich aber seine Gesundheit vollkommen. Die Bagage der Armee, die Ambulance und die Arrieregarde lagerten sieh in einer kleinen Ebene am Fusse des Berges ansurah. Das Gefolge des Generals Damremont logirte sich bei dem Marabut Sidi-Mahruk in einem kleinen baufälligen Hause eiu. Das Zelt des Herzogs von Nemours befand sich in einem mit Mauern umgebenen Grasgarten, wo auch der alte Hadschi-Soliman, Ben-Zecri uud die übrigen Constantiner Flüchtling«;, welche jetzt anfingen eine etwas bedeutendere Holle zu spielen, zugelassen wurden. Die \\ it-terung war au diesem Tage noch bis gegen Abend günstig und die Stimmung der Armee die treulichste. Der furchtbarste Feind ist in diesem Lande der Hegen, welcher gewöhnlich in ungeheurer Menge fällt uud immer mehrere Tage dauert. Vom Bas-el-Akbah an bis Constantine hallen wir den reinsten Himmel gehabt. Bei Tage war die Sonne drückend heiss, die Abende und Nächte waren kühl, die Morgenstunden dagegen sehr empfindlich kalt, etwa wie in Deutschland die Novembernächte. Man sah den Hauch des Muudes und selbst durch die Decken fühlten wir starken Frost. Die armen Soldaten, welche gar keinen Schutz gegen die Kälte der Gcbirgsnächte hatten, waren genöthigt, sich dicht an einander zu legen und so theilten sie sich gegenseitig einige Wärme mit. Meine nordische Haut war gegen die afrikanische Luft empfindlicher, als die der Franzosen. Meine Haut schälte sich vom Gesicht und meine Lippen schwollen stark auf. Am zweiten Marschtage hatte ich einen leichten Fieberanfall. Der wackere Herr Guyon, Stabsarzt der Armee, und andere Militairärztc besuchten mich sogleich; ich nahm China und mein Unwohlsein verschwand. Während die Avantgarde auf dem Plateau El-Mansurah ihre Stellung nahm, wurde die linke Flanke des Convois abermals von den Arabern beunruhigt. Einige tausend weisse Gestalten auf flinken Rossen tummelten sich am linken Ufer des Flusses Rummel, sprengten im Galopp vor, feuerten ihre langen Gewehre ab und flogen dann wieder im schnellsten Rennen davon. Indessen gelangte nicht eine einzige ihrer Kugeln in die Reihen des Convois, sondern fielen vor ihnen oder pfiffen darüber weg. Selbst die lange Linie französischer Tirailleurs, welche man ihnen entgegen stellte, hatte nach zweistündigem Gewehrfeuer, so viel ich erfahren konnte, keinen einzigen Todten. Es lag in diesem geräuschvollen Angriff der Araber durchaus kein rechter Ernst. Sie feuerten aus einer allzuweiten Entfernung und Tausende ihrer Kugeln flogen in die leere Luft. Mau warf einige Granat-kugclu gegen sie, welche mitten unter ihnen zerplatzten. Eine Freude war es dann zu sehen, wie all jene furchtbaren Ritter, mit Entsetzen aus einander stiebend, davonliefen. Ich ritt damals bei dem Couvoi und überschaute sehr deutlich dieses seltsame Seheingefecht. Der Tross der Armee, welcher neben mir theils zu Fusse, theils auf Pferden, Maulthieren oder Eseln zog, zeigte nicht die mindeste Furcht vor den Kugeln, die über unsern Köpfen sausten und selbst die berittenen Marketenderinnen, ächte Amazonen, mit langen Haaren und sonnverbrannten Gesichtern, zum Theil sehr elegant gekleidet, brachen in laute Bravos aus, so oft eine gut gezielte Granate mitten unter den Feinden platzte. Es herrschte unter diesem Trossgesindel lustiger Muth, und französische Witzworte fielen weit treffender, als arabische Kugeln. Die französischen Tirailleurs verbrannten nach ihrer schlimmen Gewohnheit, wie immer, zu viel Pulver uud ihre Kugeln aus eben so grosser Entfernuug konnten natürlicher- Weise eben so wenig Erfolg haben. Der Kampf war daher eine blosse Fanfarnnadc, aber ein ungemein unterhaltendes Schauspiel war das wilde Getümmel der gespenstigen Reiter, welche mit den langen, flatternden, weissen Gewändern im wüthendsten Rennen und in einer heillosen Unordnung auf uud ah galoppirtcn. Der General Damremont, der Herzog von Nemours und die meisten übrigen Generale waren inzwischen am üusser-sten Ende des^Plateau EI Mausurah versammelt, um von dort aus die blos durch einen tiefen Abgrund von ihnen geschiedene Stadt zn recognoscireu. Ich verliess den Convoi uud ritt fast allein über das Plateau, um wieder zu dem Generalstab zu stossen. Da EI Mausurah einen ziemlich starken Abbang vou Südwesten nach Nordosten hat, so erblickt man die Stadt erst am Ende der Hochebene, wo diese senkrecht abgeschnitten durch eine schauerliche Tiefe von dem Steinberge Constantines geschieden ist. Ein kleiner natürlicher Erdaufwurf von kaum acht Fuss Höhe diente dort den Zuschauern als Brustwehr gegen die von der Stadt herüber pfeifenden Kugeln. Ich sah den Generalstab daselbst gelagert unter dem Schutz einer Compagnie des 17ten leichten Infanterieregiments. Da ich wegen jener Brustwehr die Stadt nicht gewahr wurde, stieg ich vom Pferde und fragte Herrn Adrian Berbrugger, der mir entgegenkam, wo denn die Stadt sey i Dort! er-wiederte Berbrugger, an jener Stelle, wo der Capitän Muralt steht, werden Sie Constantine sehen. Muralt stand nur zwölf Schritte von mir mit halbem Leibe über den Erddamin wegschauend. Ich gesellte mich zu ihm und erblickte nun plötzlich die seltsame Stadt unter mir, von deren wilder uud eigentümlicher Lage man sich schwer einen Begriff machen kann. Die Stelle war zum Beschauen äusserst günstig; mau übersah ganz Constantine und das Auge konnte sogar dem Laufe einzelner Strassen folgen. Conslantincs graue Häusermasse auf dem Plateau eines hohen, senkrecht abgeschnittenen Felsens gebettet, erhebt sich von Norden nach Süden als schwaches Amphitheater. Seine Lage ist höher, aber bei weitein nicht so steil, als die Lage Algiers. Beide Städte haben ohngefähr dieselbe Grösse, gleichen sich jedoch hinsichtlich des äussern Anblicks nicht im Geringsten. Die Gebäude Coustantincs sind zwar auch in maurischem Style mit Innern Höfen und Galerien; statt der schönen Terrassen Algiers aber bedecken dieselben nordische Ziegeldächer, welche in diesen Regionen des Südens dem Auge wehe thun. Die Häuser haben durchaus eine finstergraue Todten färbe, wie der Felsen, der sie trägt. Nur die Moscheenth'ürine sind glänzendweiss und ragen recht geisterhaft aus der düstem Steinmasse, Spukgestalleu gleichend, welche, im Leichentuch eingehüllt, mitten unter Gräbern aufrecht stehen. Zu diesem Todtengemälde stimmt ganz der Cypressenbaum, der unbeweglich stille Grabwächter, dessen dunkelgrüne Pyramide mitten unter den Häusern sichtbar ist. Am südwestlichen \\m\e der Stadt krönt den höchsten Punkt des Felsens die Kasbah, ein weitläuftigcs, altertümliches Gebäude, Avelches Spuren seines römischen Ursprungs trägt. Kaum hatte man von der Stadt aus unsere Ankunft auf FI Mausurah bemerkt, als ein wütheiides Kriegsgeschrei von allen Bastionen ertönte und uns die Nähe grimmiger Gegner auf dem anscheinenden Felsenkirchhof ankündigte. Die Weiber waren auf die Dächer ihrer Häuser gestiegen und erhoben jenes unheimliche gellend-trillernde Geheule, welches sie bei jedem heftigen GemiUhsaifcct der Lust wie der Trauer ausstossen und das man im Hochzeitsaale so gut, wie beim Leichenbegängnisse hört. Diesmal sollte es nur ihren Hass gegen uns ausdrücken uud die Vertheidiger anfeuern. Vom Reflex des abendlichen Rimmels bestrahlt, waren diese weiss verhüllten Weihergestalten recht graulich anzuschauen; sie kamen mir vor wie jene wahnsinnige Sachsin Ulrika, als sie auf dem Thurme des untergehenden Schlosses ihres normannischen Unterdrückers in der Scene des Feuers und des Schlachtgewühles den wilden Hymnus ihrer Rache sang. Ueber den Thoren Bab-el-Uad und Bah-el-Dscheddid flatterten trotzig zwei rothe Fahnen von ungeheurer Grösse. Dieselben feindlichen Banner hatten aueh ein Jahr zuvor zur Zeit der ClauzePschen Expedition auf demselben flecke geweht. Ueberhaupt fanden die Begleiter jenes ersten Zuges den Anblick der Stadt gar nicht verändert. Sogar die römische Brücke bei dem Thore Bab-el-Kantara, von der man gesagt hatte, dass Achmct Bey sie habe zerstören lassen, lag unversehrt unter uns, und die Augenzeugen jenes Angriffs, der unter ClauzePs Commando hier versucht worden, erinnerten sich lebhaft der damaligen Kampfsccncn wieder. Alle arabische Dörfer der weiten Umgegend standen, von ihren eigenen Bewohnern angezündet, in lichten Flammen, während zugleich von den Thurmspitzen der Moscheen Cnnstantines sehr vernehmbar die Stimme des betenden Priesters den Namen „Mohammed" nach dem vom Brande gerötheten Wolkengebirge hinaufrief, welches am Abend des (J. Octobers bereits den Horizont überzog und die kommenden Regentage verkündete. Wer in mohammedanischen Städten gelebt hat, kennt den wunderlichen Eindruck, den die monoton -dumpfen, aber weit hallenden Töne des zum Gebet mahnenden Messuin vom Minaret herab in der Abenddämmerung machen. Wenn ich in Algier von der Terrasse meines Hauses dem Neigen des Tages zuschauete und aus dem Sinnen aufgeschreckt wurde durch jenen ernsten Ruf des Messuin, dachte ich oft, ich höre das Grablied der Sonne. Hier aber klang der Ruf eher wie die Stimme des Geisterbeschwörers, welcher die Unstern Mächte zum Beistaud uud zur Rache ruft. In tiefem Schweigen standen die Gruppen der Generale und der Officiere ihres Gefolges am Rande des Abgrundes versammelt. Aller Augen waren wie durch Magnetkraft der gespenstigen Stadt zugewendet. „Das ist die Residenz des Teufels!" unterbrach plötzlich der erstaunte Ausruf des Fürsten von der Moskwa die Stille der übrigen. Einen kleinen Schauer bewirkten diese Worte auf Alle, welche sie hörten. Bei mehr als Einem war es eine Vorahnung des Todes. Ich glaube, dass alle Augenzeugen jenes ersten Anblicks der alten numi-dischen Felsenstadt den furchtbar feierlichen Moment nie vergessen werden. In dieser halb träumerischen Betrachtung störte uns das Sausen der Kugeln. Alle Batterien der Stadt, welche auf der Kasbah und bei den Thoren Bab-el-Dscheddid und Babel-Kantara standen, eröffneten gegen das Plateau ein heftiges Feuer. Eine der ersten Kanonenkugeln flog zwischen dein General Damremont und dem Herzog von Nemours, den kleineu leeren Luftraum durchschneidend, gerade mitten durch. Wenige Minuten darauf schlug eine Bombe kaum dreissig Schritte hinter beiden in die Erde uud zersprang mit grossem Getöse, ohne irgend Jemand zu verletzen. Der alte General Valee, Commandant der Artillerie, betrachtete die Stadt mit bedenklicher Miene und ich hörte ihn sagen: „Ich erstaune über den Muth des Marschalls Clauzel, der eine solche Stadt mit Sechspfündern anzugreifen wagte. Wahrhaftig wir habcu all unserer Mittel nöthig, um hier etwas auszulichten." Für diejenigen Zuschauer, welchen nicht die militairischc Pflicht zu bleiben gebot, war das Verweilen an dieser Stelle, wo ausser den groben Ceschützkugeln zahllose Wallflintcnkugeln herüberpfiffen, keineswegs sehr behaglich. Ich sah mich nach dem General Damremont um. Er stand nicht, wie wir übrigen, hinter dem Erddamm, wo wir wenigstens bis an die Brust gedeckt waren, sondern auf dieser Erhöhung selbst, seine ganze corpulentc Gestalt den feindlichen Schützen als Zielscheibe bloss stellend. Mit dem Fernrohr in der Hand blickte er lange nachdenkend auf die Stadt hinab, mit äus-serstcr Ruhe. Er verlor hier eine kostbare Zeit. Das Wetter war noch günstig nnd der Boden trocken. Bei rascheren entschlosseneren Maassregeln hatte man noch an diesem Tage auf El Mausurah einige Batterien auffuhren und die andere Hälfte der Geschütze auf den Berg Cudiat-Ati hinüberführen können. Der Feind machte um diese Zeit einen schwachen Ausfall. Einige hundert Mann kamen von der Seite der Römerbrücke, wurden aber von einigen Pelotons des 2ten leichten Infanterieregiments und der Zuaven mit leichter Mühe zurückgeworfen. Am Abend desselben Tages überschritten die dritte und vierte Brigade den Rummel und bemächtigten sich der Anhöhe Cudiat-Ati im Augenblick, als ein heftiger Regen fiel, welcher fünf Tage fast ohne Aufhören fortdauerte. Der Uebcrgang war sehr schwierig. Das Bett des Rummel war mit grossen Steinen augefüllt und der Abhang des Berges Sehr steil und schlüpferig. Zwei feindliche Batterien bestrichen den Fluss und tödteten einige Leute, worunter ein Adjutant des Generallieutenants Fleury war, welchen eine Kanonenkugel in zwei Stücke zerriss. Die Generale Rulhieres und Fleury, ihren Soldaten ein Beispiel guten Muthes gebend, ritten voran auf dein äusserst schwierigen Weg, während,der Wind ihnen den Hegen ins Gesicht trieb. Zwei Bataillone stellten sich mitten unter den Gräbern auf, welche Cudiat-Ati bedecken. Am 7. October machte die Besatzung einen ziemlich mu-thigeu Ausfall. Auf der Seite von El Mausurah zogen sie sich bald zurück. Dagegen tiraillirten auf Cudiat Ati 7- Iiis 800 Mann, an deren Spitze man Türken und Kuruglis in prächtiger Kleidung sah, lange und hartnäckig mit der Fremdenlegion uud dem 3ten Bataillon d'Afriquc. Erst als die Franzosen mit dem Bajonnet dem Feind zu Leihe gingen, Hob dieser. Seinen Rückzug schützte das Musketenfeuer des Platzes. Zu gleicher Zeit kamen von den Bergen östlich und nördlich von Cudiat-Ati, wo die Araber lagerten, über dreitausend Reiter herabgestiegen, um die beiden Brigaden im Rücken und in der Flanke anzugreifen. Ich überschaute diese wunderschöne Kriegssccne sehr deutlich vom Berge El Mausurah aus, wo ich beim Generalstah des Gouverneurs zurückgeblieben war. Mit fürchterlichem Geschrei sprengten jene barbarischen Ritter gegen die französischen Linien an. Alle Bergabhänge und Thiiler hinter Cudiat-Ati waren von einer Masse weisser langbärtiger Gestalten auf grauen Pferden bedeckt. Weniger erfahrene Truppen als die afrikanischen Corps hätte die Menge uud das Geschrei der Barharen gewiss eingeschüchtert, aber diese an den Araberkrieg gewöhnten Soldaten wissen längst, was solche drohende Demonstrationen zu bedeuten haben. Die Chasscurs d'AI'rique Hessen die Kühnsten jener Reiter bis auf halbe Flintenschussweite nahe kommen, dann machten zwei Escadrons eine wü-thejide Charge auf die Araber. Diese erwarteten den Zu-sainmenstoss nicht, sondern ergriffen aufs schleunigste die Flucht. Einige wurden eingeholt und im Handgemenge getödtet. Dagegen zahlten einige der hitzigsten Verfolger ihre Kühnheit mit dem Lehen; denn hei den Arabern gehört die Flucht mit zu den Mannen vres und demorulisirt nie. Immer ist der Fliehende bereit, augenblicklich wieder umzukehren und auf seinen Gegner loszustürzen, wenn er diesen mit Vor-Iheil bekämpfen kann. Unter den getüdteten Chasseurs befand sich ein junger Fourrier von guter Familie, dessen Tod von seinen Cameraden sehr beklagt wurde. Cudiat-Ati war durch den Keitcrangriff übrigens frei geworden. Jene heulenden Unholde hatten sich wieder auf die höheren Borge hinter dem colossalen Auuaeduct, einem der Monumente der alten Cirta zurückgezogen. Constantine war von etwa 6- bis 7000 Bewaffneten verteidigt. Dahinter befanden sich gegen 3000 Kabylen, ein rohes, zerlumptes Gesindel von Fanatikern, welche durch die Predigten ihrer Marabuts, deren mehrere im Solde des Beys standen, erhitzt, von den Bergen fferabg^stiegen waren, um an dem Kampfe gegen die Ungläubigen Theil zu nehmen. Sie brachten ihre langen Flinten uud tatagane von verschiedenen Formen mit und wurden als Schützen auf den Bastionen und äussersten Häusern verwendet, wo sie ganz gute Dienste leisteten, denn sie haben ein scharfes Auge und eine sichere Hand. Dagegen konnte mau sie zum Dienste in den Batterien nicht gebrauchen. Die Kanoniere waren grösstentheils vertriebene oder geflüchtete Türken und Kuruglis aus Algier und einige französische Deserteurs oder Gefangene, worunter die Mehrzahl von der Fremdenlegion. Ein Deutscher, Wendelin Schlosser aus Erfurt, war Artillerieofficier des Beys; ein anderer Hcnegat, Send aus Dresden, war ihm als Waffenschmied von wesentlichem Nutzen. Die Zahl der bewaffneten Kuruglis und Türken mochte etwa 2000 betragen; sie waren die besten, streitbarsten Truppen des Feindes, kämpften mit Ordnung und Gewandtheit und standen bei den Ausfällen immer an der Spitze, Die maurische Bevölkerung hatte eigentlich nur aus Verzweiflung zu den Waffen gegriffen und man konnte sich im Kampfe wenig auf sie verlassen. Oberbefehlshaber der Stadt war Ben-Aissa, der Khalifa Achmet's, auf welchen dieser seit Jahren sein volles Vertrauen setzte. Ben-Aissa stammte von den Kabylen, war aber in Charakter und Sitten ganz zum Türken geworden, denn seit vielen Jahren schon lebte er in Constantine. Sein Name war der Schrecken des Landes. Unerhörte Grausamkeiten liess er bei seinen Rhazia verüben; die Araber zitterten vor ihm, dagegen hatte er viel Einfluss auf die Kabylen, die er schonte und oft gegen aufrührerische Araberstämme zu benutzen wusste. Uebrigens galt Ben-Aissa nicht für einen persönlich tapfern Mann. Unter ihm stand aber der Kaid-el-Dar (Kaid des Palastes), gleichfalls ein Kabyle vou grossem Muth, der die Besatzung rastlos anfeuerte und die Verteidigung eigentlich geleitet haben soll. Achmet Bey war trotz der prahlerischen Proclamationen, welche er seit einem Jahre an alle Stämme schickte, feig genug, ausserhalb der Stadt zu bleiben, denn er war von ihrer Unüberwindlichkeit keineswegs so fest überzeugt, wie er es in seinen Briefen glauben machte. Er hatte etwa 3000 arabische Reiter und 12- bis 1500 Fussgänger mit sich und hielt sich Östlich von der Stadt bei einem grossen Landhause, auf welchem seine Fahne wehte. Einige tausend Reiter lagerten auf den Berggipfeln um Cudiat-Ati. Ein anderes arabisches Lager befand sich nicht weit vou El Mausurah. Wie stark die Zahl dieser Feinde ausserhalb der Stadt gewesen seyn mag, lässt sich schwer bestimmen. Ich glaube, wenn ich diese ganze Streiterinasse auf 8000 Mann schätze, so ist das eher zu viel, als zu wenig. Unter den Reitern bestand die Mehrzahl aus Beduinen der Sahara, geführt von Bu-Asis-hen-(liiuah, Achmet's Oheim von mütterlicher Seite. Die Fussgänger waren fast sämmtlich Kabylen. Den ganzen Tag des 8. Octobers fielen Regengüsse mit Sturm und Donner. Dennoch arbeiteten die Artilleristen und das Gcniecorps thätig an der Errichtung der Batterien auf El Mansurah, welche aber nicht beendigt wurden, so dass das auf diesen Tag angekündigte Bombardement noch unterblieb. Schauerlich war die Nacht des 8. auf den 9ten. Die Armee schlief in einer eisigen Nässe und im Koth bis an die Kniee. Kein Feuer brannte, keine Bedeckung schützte vor den Strömen der Wolken. Zu den furchtbaren Leiden gesellten sich noch alle Schrecken des Krieges; die Batterien der Stadt setzten ihr Feuer fort, und einzelne verwegene Feinde schlichen sich mitten in unsere Linien. Kaum war der Morgen angebrochen, so erblickte man die Constantiner Tirailleurs auf allen Seiten. Die im Regenwasser gebadeten Gewehre versagten das Feuer, und die armen Soldaten mussten immer lange wieder putzen und reiben, bis der Schuss losging. Diese Franzosen zeigten aber unbeugsamen Muth; sie gingen durch den Koth watend den Feinden mit dem Ba-jonnet so herzhaft zu Leibe, dass diese schnell wieder durch ihre Schlupfwinkel der Stadt zu flohen. Die französischen Batterien begannen endlich am 9. October um 7 Uhr Morgens ihr Feuer vom Plateau El Mansurah. Sie waren bestimmt, die feindlichen Batterien zum Schweigen zu bringen, deren Geschütze zu demontiren und die Stadt in Schrecken Zl» setzen. General Damremont glaubte, die Bewohner würden noch an diesem Tage zu capituliren verlangen. Gewiss dachte er nicht an einen ernstlichen Angriff von El Mansurah aus, denn schon bei der frühem Expedition hatte man sich überzeugt, dass von dieser Seite der Sturm unmöglich sey. Gegen 11 Uhr schwiegen die feindlichen Geschütze der Kasbah uud dos Thores el-Kantara; die meisten Kanonen der Con-stantiner waren demontirt uud nur von Bab-el-Dscheddid aus antworteten einige Stücke bis gegen Abend. Unsere Mörser schienen in der Nahe des letztem ziemliche Verwüstungen anzurichten» Man zielte auch auf den Palast des Beys und das Wohnhaus Beu-Aissa's. Gegen Abend stellten die Franzosen mehrere Versuche mit Congreve'schen Raketen an. In schräger Richtung flogen diese Geschosse mit prasselndem Gezische, eine Flammenhelle von sich speiend, in die Mitte der Stadt, blieben aber ohiie die geringste Wirkung. Es ist beinahe keine Möglichkeit, eine maurisch gebaute Stadt, wie Constantine, in Brand zu stecken, wo die Geschosse so wenig züudbarem Stoff begegnen. Der General Damremont hatte sich in den Constantinern verrechnet; es erschien kein Parlamentär. Der Fanatismus giebt den Völkern dieses Landes zwar nicht Energie der That, wohl aber die Kraft des Duldens. Wenn auch die halbe Stadt in Trümmern zerfallen wäre, sie hätten dies mit dumpfem Glcichmuth ertragen, ohne an eine Capitulation zu denken. Wenn indessen das Bombardement von El Mansurah den Fall der Stadt um keinen Augenblick beschleunigte, so «rhob dasselbe doch etwas die moralische Kraft der Soldaten, namentlich der armen Kranken, deren Zustand in dem nassen Kothlager so kläglich als nur möglich war. Der Anblick der Fieberauibulance war der erschütterndste. Einige hundert Kranke lagen da, theils auf Wägen eng zusammengepresst, r theils auf der Erde, über welche man Decken gebreitet hafte. Aber die unaufhörlichen Regengüsse hatten das ganze Terrain unter Wasser gesetzt. Die Wolldecken waren durch und durch feucht und eine eisige Frostniissc lagerte sich auf dem Körper des Leidenden. Die armen Aerzte, im Koth bis an die Kniee stehend, spendeten vergeblich den Patienten ihre Pflege. Sie hatten wohl Arzneien, aber nicht Wolldecken genug. Im Fieber oder im Todesdelirium phantasi-rend, waren die Gedanken aller Soldaten in Frankreich. Jeder nannte sein Dorf oder Städtchen, rief Taufnamen, die wohl seinen Verwandten angehörten, und seufzte fort und schrie, bis man ihn am Morgen als erstarrten Leichnam aus dem Kothe zog. Mit jeder anbrechenden Tageshelle mussten die bestürzten Aerzte neue Verschiedene sehen, deren Zustand unter trockenem Dache wenig Besorgnisse eingeflösst hätte. Unter solchen Umständen gebot die furchtbarste Notwendigkeit, mit der Errichtung der Breschebatterien zu eilen. Die Krankheiten nahmen zu, die Lebensmittel gingen auf die Neige und die Fourrage für die Pferde war am 10. schon Völlig aulgezehrt. Am 9. October um 7 Uhr Abends führte man einen Theil der zu den Breschebattcrieii bestimmten Geschütze vom Plateau des Mausurah nach Cudiat-Ati hinüber. Wer das ungeheuer schwierige Terrain nicht kennt, mag sich schwer einen Begriff machen, welche Anstrengungen es kostete, diese schwerste Arbeit der Belagerung auszuführen. Die Vierund-zwanzigplüuder nmssten einen steilen Abhang von mehr als 500 Fuss hinabgeführt, dann über einen reissenden, mit grossen Steinen angefüllten Fluss gebracht und dann wieder auf einen hohen steilen Berg hinaufgebracht werden und, all dies sollte bei dunkler Nacht, unter strömendem Regen ge-Moritz Wagnbr's Algier. II. 20 .JIM) scheh.cn, welcher tlie Erde tief durchweicht und die Bergab-hänge so schliijiferig gemacht hatte, dass selbst ein geübter Kletterer nicht hinaufsteigen kennte ohne öfteres Straucheln. Oer sächsische Artillerieofficier Bernhard, welcher als Amateur die Armee begleitete, hielt es, nach Besichtigung des Terrains, für rein unmöglich, die schweren Geschütze auf Cudiat-Ati zu bringen. Dennoch gelang diese Arbeit. An manche Kanone mussten 30 bis 40 der stärksten Zugpferde gespannt werden und eine Compagnie Soldaten zog und schob an jedem Stück mit. Das Schwierigste war der Uebergang Uber den Rummel. Dort arbeiteten die Soldaten um Mitternacht mehrere Stunden lang, im Wasser stehend bis an die Brust, um die schwersten Steine aus dem Flussbett zu tragen. Man hatte die Nacht zu dieser Arbeit gewählt, um dem Feuer der Belagerten nicht ausgesetzt zu seyn. Mit Anbruch des Morgens standen noch zwei Munitiouswägen im Wasser gegen die Hindernisse kämpfend. Das Kanonen- und Musketenfeuer begann wieder aus der Stadt, hinderte aber die französischen Soldaten nicht, auch diese letzten Wägen nach Cudiat-Ati hinaufzubringen. Als sämmtliche grobe Geschütze glücklich auf dem Berge angelangt waren, erstaunte jedermann, selbst diejenigen, welche die Arbeit vollbracht hatten. Wir gedachten des Zuges der Armee Bonaparte's über die Alpen. Als wir die abgehärteten Soldaten des 47sten Regiments, welchem man den glücklichen Transport der Geschütze hauptsächlich verdankte, oben von Wasser triefend, mit Koth bedeckt zum Kampfe gegen die feindlichen Tirailleurs mit grosser Kaltblütigkeit sich anschicken sahen (diese tapfern Männer hatten seit 24 Stunden last nichts gegessen), wurden wir alle, besonders die fremden Officiere, von höchster Bewunderung erfüllt. Am Ilten begannen die in Batterien aufgestellten Feuerschlünde ihre Kugeln gegen die Mauer zwischen den Thoren Bab-el-Uad und Bab-el-Dscheddid zu schleudern. Dort befindet sich der einzige schmale Punkt, wo es möglich ist, eine Bresche zu öffnen, denn die tiefe Schlucht, welche Constantine sonst überall umgieht, endigt dort; der Felsen bildet dann keine senkrechte Mauer mehr und eine hohe Erdzunge stellt eine natürliche Verbindung mit dem Berge Cudiat-Ati her. Ohne diesen einzigen verwundbaren Fleck wäro Constantine ein zweites Gibraltar; eine Stadt, welcho man wohl mit Bomben zerstören, aber nimmermehr mit Sturm erobern könnte. Der Gouverneur, der Prinz und der General Perregaux, Chef des Generalstabes, dessen thätiger Eifer alle Arbeiter belebte, ritten, um die Fortschritte der ßreschebatterien zu besichtigen, täglich von El Mansurah nach Cudiat-Ati hinüber. Die Verbindung dieser beiden Positionen war niemals unterbrochen, aber der Ucbergang über den Rummel hatte stets einige Gefahr, da von der einen Seite das Feuer der Belagerten den FIuss bestrich und auf den Hügeln der andern Seite zahlreiche Reiterhorden lauerten, die wie Raubvögel bereit waren, auf ihre Beute herabzustossen, sobald irgend ein einzelner Unbesonnener es wagte, den Fluss in der Nahe ihrer Stellung zu überschreiten. Ein Soldat, welcher, um Holz zu holen, sich von den Vorposten einige Schritte entfernte, wurde von jenen Reitern überfallen, und ehe man Zeit hatte, ein Gewehr auf sie loszudrücken, waren sie mit dem abgehauenen Kopfe des Soldaten davon gejagt. Die beim Landhause Achmet Bey's versammelten arabischen Reiter und Kabylen zu Fuss blieben ziemlich unthätig auf dem Flecke stehen und benahmen sich mehr wie Zuschauer des Kampfes. 20* Einigemal näherten sich die Kabylen den französischen Tirailleurs bis auf halbe Schussweite, doch waren ihre Angriffe nicht mit Energie geführt. Die Ordnung fehlt zu sehr diesen Horden im freien Felde, als dass sie gegen reguläre Truppen das Mindeste ausrichten könnten. Als sie den geringen Erfolur ihres Tirailleurfeuers bemerkten, stellten sie dasselbe ein und beschränkten sich in den letzten Tagen ganz aufs Beobachten. Es waren auch ziemlich viele Kabylen weiber im Lager Achmet's. Gleich den Frauen der alten Cimbrer und Teutonen ermunterten sie die Krieger durch ihr Geschrei, riefen Beifall den Tapfern und schmähten die Feiglinge. Einen ziemlich entschlossenen Ausfall machte Constantines Besatzung am 10. October. Türken und Kabylen schlichen sich durch die Hohlwege und die Furchen des Terrains bis nahe an die Batterien. General Damremont, der eben anwesend war, Hess die Fremdenlegion und ein Bataillon von Afrika mit gefälltem Bajonnet angreifen und warf sich seihst mit auf den Feind. Viele Tirailleurkugeln wurden auf seine durch einen Federhut ausgezeichnete Gestalt abgefeuert; keine verletzte ihn. Der Feind wurde mit Verlust in die Stadt zurückgedrängt. Der Kaid-el-Dar, welcher diese Ausfall-colonne commandirte, wurde verwundet. Am Morgen des 12. Octobers war die Bresche schon so breit, dass zehn Mann neben einander Sturm laufen konnten. Am frühen Morgen war der Gouverneur mit seinem Gefolge auf Cudiat-Ati, die Fortschritte der Bresche zu beobachten. Gegen 8 Uhr wurde das Feuer auf seinen Befehl eingestellt, da man einen Parlamentair aus der Stadt zurückerwartete, welcher dorthin mit der Aufforderung zur Uebergabe gesandt worden war. Um Blutvergiessen zu vermeiden, wollte der menschlich gesinnte General Damremont noch diesen letzten Versuch machen. Der Parlamentair war ein junger Araber vom Bataillon der Zuaven, welcher zu dieser Mission, die den Meisten höchst gefährlich schien, sich freiwillig- erboten hatte. Als derselbe das weisse Tuch schwingend der Mauer sich näherte, stellten die Constantiner ihr Feuer ein und warfen ihm einen Strick zu, mit welchem sie ihn hinaufzogen. Sie behielten ihn so lange in der Stadt zurück, bis sie die Bresche mit Wollsäcken wieder ausgefüllt hatten. Endlich kam derselbe mit folgender mündlichen Antwort: „Es giebt in Constantine viel Kriegs- und Mundvorrath. Wenn es den Franzosen daran fehlt, wollen wir ihnen davon schicken. Was eine Capitulation ist, wissen wir nicht. Unsere Stadt und unsere Häuser werden wir aufs äusserste verteidigen; sie werden nicht in eure Macht fallen, so lange noch ein Verteidiger lebt." General Damremont, nachdem er diese Antwort gehört, sagte: „Es sind tapfere Männer. Wohlan! Der Kampf wird nur um so ruhmvoller für uns seyn." Gegen 10 Uhr fing der Kanonendonner wieder an. Die Vierundzwanzigplünder und Mörser feuerten erstaunlich rasch und fegten die Bresche bald von den aufgehäuften Wolljacken, Das Echo von Berg zu Berg fortrollend musste den Schall bis in die Wüste tragen. Der General Damremont ging, nachdem er die neueste Batterie besichtigt hatte, unvorsichtig weit gegen den Abhang des Berges Cudiat-Ati nach der Stadtseite vor, um mit dem Fernrohr von der Wirkung des Feuers sich zu überzeugen. Alle die Bomben und Wallflin-tenkugeln, die er um sich pfeifen und bersten hörte, hielten ihn nicht von seiner verwegenen Promenade zurück. General Raibieres machte ihn auf die gefährliche Stelle aufmerksam. Ccst egal! antwortete Damre'mont kalt. Er bezahlte; aber diese beharrliche Verachtung' des Tudes. Eine vierpfüu-dige Kanonenkugel warf ihn leblos zur Erde; er hatte kaum Zeit noch, mit dem Seufzer „man Dieu!" seine unerschrockene Kriegerseele Gott zu empfehlen. Schmerzvoll beugte sich der tapfere General Perregaux über den Leichnam seines Feldherrn und Busenfreundes und wurde in demselben Augenblick durch eine Flinlenkugel an der Stirne tüdtlich verwundet. General Bulhieres erhielt einen Streifschuss an die linke Wange und sein Bock wurde von mehrereu Kugeln durchlöchert. Der Herzog von Nemours befand sich auf derselben gefährlichen Stelle, wo die Kugeln unaufhörlich sausten. Seine Adjutanten wollten ihn halb mit Gewalt entfernen; er verweigerte es mit Unwillen und blieb mit den Uehrigeu, bis man die Leiche Damrenioufs hinweggetragen hatte. Dieser junge Prinz zeigte während der ganzen Expedition einen ausserordentlichen Muth. Ich sah ihn im furchtbarsten Feuer an Punkten, wo die Bombenkugeln jede Minute ein paarmal in die Erde einschlugen. Wir Andern hielten es für keine Schande, uns auf den Boden zuweilen glatt niederzuwerfen, damit heim Springen die Stücke über uns wegflögen. Der Prinz aber verachtete unser kluges Marioeuvre und ging im Kugelregen umher mit einer kaltblütigen Todesverachtung, welcher jeder Augenzeuge Bewunderung zollen musste. Nach dem Tode des Obergenerals wurde ein Kriegsrath zusammenberufen und das Commando der Armee dem Gcuc-lallieutenant der Artillerie, Valee, einem Veteranen der Kaiserzeit, als dem ältesten Genoral übergeben. Unter den Truppen ward jenes traurige Ereigniss kaum eine Stunde lang besprochen und war dann fast wieder vergessen. Der General Damremont und der Soldat der afrikanischen Armee kannten sich noch zu wenig, als dass der Verlust dieses sn Mau ues, der zum erstenmal in seinem Leben eine kriegerische Operation von Bedeutung' commandirte, tiefen Eindruck machen konnte; die Armee war überhaupt bei den vielen erschöpfenden Leiden für dergleichen Emotionen abgestumpft. Unter den Of fixieren gab es viele Anhänger des Marschalls Clauzel, welche auf dessen Nachfolger nicht gut zu sprechen waren; sie konnten zwar eine flüchtige Rührung nicht unterdrücken über Damremont's schönen Kriegertod , sprachen aber später mit Gleichgültigkeit und geringschätzender Kälte von ihm. Gewiss hatte sein Tod wenig Einfluss. Der Sturm wäre unter ihm nicht früher unternommen worden, hätte aber ganz gewiss denselben Erfolg gehabt. Eine neue Batterie war am 12. Mittags beendigt worden; sie stand der Stadt näher als die andern uud konnte daher viel richtiger zielen. Sie eröffnete ihr Feuer mit grossem Erfolg und nun donnerten alle vereinigten Geschütze um die VV'ette fort, so dass selbst den kranken Kriegern einen Augenblick das Herz lachen musste. Die ganze Armee wusste, dass am folgenden Tage gestürmt werden sollte, uud diese Nachricht erhob ihren Muth nicht wenig. Es war aber auch wirklich die höchste Zeit. Die Truppen hatten in ihrem Kothlager während fünf Regennächten furchtbar gelitten, die armen Pferde und Maulthieru bekamen seit dem 10. kein Gersteukorn mehr und der wUthende Hunger machte, dass sie oft einander die Schweife und die Mähnen abfrassen. Es fielen deren mit jedem Tage einige Hunderte und über ihre Cadaver, welche die Luft verpesteten, flogen Schaaren von schreienden Aasgeiern. Zu den vielen Leiden gesellte sich noch der gänzliche Holzmangel. Die Soldaten fanden am Ende nicht einmal ein paar trockene Disteln mehr, ihre Suppe zu kochen. Dieser Bivouac zeigte ein Jammergemälde über alle Beschreibung, namentlich während der trostlos langen Nächte; kein Feuer brannte, und durch das kalte Heulen des Windes, durch das ewige Regengeplätscher wurden nur die Seufzer der Kranken und das hungerige Wiehern der Pferde gehört. Der Zustand der Armee hatte einen bedenklichen Charakter. Zum grossen Glück heiterte sich der Himmel am 12. October etwas auf und mit ihm der Muth der Armee. Wie unglaublich gross der Einfluss der Witterung auf die Stimmung der Seele ist, erfährt man erst in solcher Lage. Die Nacht auf den 13. war mondhell und die Vierundzwanzigpfünder blieben die ganze Nacht thätig. Am andern Morgen ging die Sonne an einem völlig unbewölkten Horizont auf und die zum Angriff berufenen Corps jauchzten dem Augenblick des Sturms entgegen. Ohristlieuteuant Lamoriciere commandirte die erste zum Sturme berufene Colonne, welche aus 300 Zuaven, zwei Eli-tecompagnien des 2teu leichten Infanterieregiments und 40 Sapeurs bestand. Die zweite Colonne unter dem Oberbefehl des tapfern Obristen Combes bestand aus Detaschements der Sapeurs, des 47sten Linicnreginients, der Fremdenlegion uud des 2ten und 3ten Bataillons d'Afriuue. Die dritte Colonne wurde durch Detaschements gebildet, welche aus den vier Brigaden in gleicher Zahl durch das Loos bestimmt waren; Obrist Corbin befehligte dieselbe. Die Zuaven hatten sich in einer Art Laufgrabeu der Bresche auf etwa hundert und fünfzig Schritte genähert und lagen dort einen ganzen Tag und eine Nacht, das Sturmsignal erwartend. Der Herzog von Nemours war zum Commandanteu der Belagerung ernannt worden. Er befand sich an der Seite Lamoriciere's. Um 7 Uhr Morgens flüsterte der Herzog dem Obristen endlich die Worte zu: „Quatui vous voudrex, Coloncl!" Lamoriciere t schwang den Säbel und mit kräftiger Stimme rufend: „« moi mes Zouavcs!" rannte er die Bresche hinauf. Kurz zuvor war das eigentliche Sturmsignal durch das Abfeuern von acht Kanonen zu gleicher Zeit geschehen. Die Kugeln bewirkten bei der Bresche eine grosse Staubwolke, welche die Belagerten verhindern sollte, auf die ersten Stürmenden zu zielen. Mit dem Kanonensignale schmetterte die Musik der Fremdenlegion zu gleicher Zeit den Sturmmarscb; alle andern Regi-mentsmusiken und Tambours fielen mit ein. Bei diesem vereinigten Geräusche der Kanonen, Trommeln und Trompeten folgten die Zuaven und die übrigen Corps der ersten Colonne dem Obristen im eiligsten Laufe. In diesem Augenblick erhohen alle auf den Bergen umher gelagerten Araber und Kabylen ein so furchtbares Geschrei, dass sie alle Trommeln und Trompeten übertäubten. Dieser einzige, langdauernde, zerreissende Schrei von fünftausend Barbarenkehlen hatte im Beginnen einen kriegerisch wilden Klang, endigte aber, aus Erschöpfung, gellend und wehklagend, wie die zerreissenden Saiten einer Titanenharfe. Es war der Sterbelaut der „Stadt des Teufels." Eine Stunde später herrschte Todtenstille wieder und die Franzosen waren Meister von Constantine. Auf der Bresche angekommen fanden die Angreifer zu ihrem Erstaunen nirgends einen eigentlichen Eingang. Ein Labyrinth von Trümmern, halbverschütteten Häusern, scheinbaren Wegen liess sie nicht erkennen, ob sie bereits festen Fuss in der Stadt gefasst hätten, und niemand wusste zu ra-then, welche Richtung man zunächst einschlagen solle, während von allen Seiten Kugeln pfiffen und die Nahe der Feinde inmitten der Trümmer verriethen. Die unsichtbaren Schützen zielten, wie dies überhaupt gewöhnlich in diesem Kriege geschieht, vorzugsweise auf die Officiere. Daher ergab sich iiuch ein so grosses Missverliiiltniss unter den Getoasteten, von welchen tlie Officiere fast ein Viertheil ausmachten. Endlich entdeckten die Zuaven den Eingang in eine der starkver-schunzten Batterien. Ohne eincu Schuss zu thun, warfen sie sich mit dem Bajonnct auf die Kanoniere, welche hei ihren Stücken festen Fasses die Angreifer erwarteten und ohne an Flucht zu denken bis auf den letzten Mann nach der verzweifeltsten Gegenwehr unter den Bajonnetstichen verbluteten. Von dort drangen die Zuaven in ein grosses Magazin ein uud kamen zur zweiten Batterie, deren türkische Kanoniere aber nicht denselben Widerstand leisteten, sondern, nachdem sie ihre Gewehre abgeschossen hatten, grösstentheils durch verborgene Ausgänge entflohen. Um von dort über die Trümmer in die Strassen zu gelangen, mussten Leitern herbeigebracht werden. Die ersten Truppen aber, die in die eigentliche Stadt eindrangen, wurden durch eine volle Salve empfangen. Mau schritt über die Leichen und bahnte sich mit dem Bajonnet den Weg; der Feind zog sich kämpfend, und fliehend von Ilaus zu Haus. Plötzlich stürzte ein von Kugeln stark zerrissenes Gebäude zusammen und begrub in seinem Falle mehrere Soldaten und Ofliciere, worunter der Commandant Serigny vom 2ten leichten Regiment. Dieser unglückliche Oberofiicier lag bis an die Brust uuter den Trümmern, die ihm die Extremitäten zerschmettert hatten. Er schrie uud heulte nach Hülfe, die ihm niemand gewähren konnte, bis ihn die Last vollends erdrückte. Wenige Augenblicke später fiel eine weit grässlichere Scenc vor. Die Stürmenden glaubten sich plötzlich in eine Hölle versetzt. Der Athem entging ihnen, die Sinne schwanden, Kleider und Ilaare fingen Feuer, Flammen und Dampf umhüllte sie, vor ihren Augen wurde es Nacht. Es war die Explosion einer r grossen Pulvermasse, welche wahrscheinlich durch einen Flin-tenschuss oder sonstigen Zufall Feuer gefasst hatte. Die französischen Soldaten des Genie hatten Pulversiickc mitgenommen, um etwaige Hindernisse zu sprengen; auch diese wurden entzündet und vermehrten die Katastrophe. Ueber vierzig Soldaten und Officiere wurden zermalmt und verbrannt. Sie hatten einen fürchterlichen Tod; die meisten erlitten ihn schweigend, denn Gluth und Dampf liessen sie nicht einmal das letzte Röcheln ausstossen. Andere überlebten die Explosion einige Augenblicke, hatten aber eine entsetzliche Agonie, tappten erblindet nach ihren verbrannten Kleidern und Gliedern und schrieen in Tönen, die, wie mir Augenzeugen dieser Scene versicherten, nichts Menschenähnliches mehr hatten. Wieder andere waren mit mehr oder minder starken Brandwunden davon gekommen; vielen war die Haut vom Körper geschunden, einige hatten die Sehkraft ganz verloren. An mehreren Stellen hatte die Erde sich geöffnet, Ruinen von Mauern waren vollends eingestürzt — eine schreckliche Pause folgte dem Ausbruch dieses Kraters, Die Constantiner benutzten diesen Augenblick des Zauderns, der Verwirrung, Ueber die noch glühenden und dampfenden Trümmer sah man zerlumpte Kabylen, gleichfalls von Pulver geschwärzt, mit dem Yatagan in der Faust springen, um Alles, was inmitten der Scene der Zerstörung und des Todeskampfes noch athmetc und wimmerte, vollends niederzumachen. Mehrere der versenkten Franzosen erhoben sich aus dem Schutt, um noch das wenige Leben, was in ihnen geblieben, theuer zu verkaufen. Manche jener Wilden, die den Kampf mit den Halbtodten scheuten, liessen ihre WTuth lieber an den Leichen aus, bohrten den Yatagan in die tapfern Herzen, die nicht mehr schlugen, rissen den Todten Glieder vom Leibe uud rannte» damit, an ihre Yatagane sie spicssend, triumphirend nach der inncrn Stadt, um durch den Anblick dieser Trophäen die schon halb entmutigten Verteidiger zu neuem Widerstande anzuspornen. In diesem kritischen Augenblick kam die zweite Sturm-colonne, geführt vom Obristen Combes, auf dem Kampfplatz an. Die Soldaten des 47sten Regiments und die Fremdenlegion unterstützten die Zuaven, welche arg gelitten hatten, und Obrist Comhes übernahm das Commando, da Lamoriciere vom Pulver verbrannt war und das Augenlicht für einige Zeit verloren hatte. Die Feinde hatten sich hinter eine Art von Barricade zurückgezogen, welche aus Trümmern und Cada-vern sich von selbst gebildet hatte. Von da sprühten sie ein mörderisches Flintenfeuer auf die Franzosen. Combes befahl einer Compagnie seines Regiments diese Schranke mit stürmender Hand zu nehmen, das Ehrenkreuz dem Ersten, der sie überschreiten würde, versprechend. Die Compagnie rannte im Sturmschritt vor, der Lieutenant sprang über die Barricade, stürzte aber im Augenblick nieder unter einer allgemeinen Salve. Dieser Officier war übrigens nicht getroffen, sondern über die Trümmer strauchelnd gefallen. Dagegen wurden die, welche hinter ihm standen, getödtet oder verwundet, darunter der Capitän der Compagnie. Fast in demselben Augenblick wurde auch Obrist Combes durch zwei Kugeln tödtlich verwundet. Er entfernte sich langsam und ruhig, ohne fremden Beistand, Yom Kampfplatz und kehrte zur Breschebatterie zurück, wo er dem General Valee und dem Herzog von Nemours Bericht erstattete von der Lage der Dinge in der Stadt. Mit ruhigster F assung fügte er dann hinzu, dass er sich tödtlich verwundet fühle. Weder in seiner Haltung und Miene, noch in seinen ruhigen Worten hätte man einen Sterbenden vermuthet. Er zog sich in sein Zelt zurück, wo er einige Tage später mit derselben Ruhe den Geist aufgab. Es lag in diesem Mann der ganze Seelenadel der alten Helden vou Griechenland und Rom. Nachdem Combes und Lamoriciere ausser Stand waren, das Commando fortzuführen, begannen die Soldaten den Stra-ssenkrieg auf eigne Faust. Man schlug sich von Haus zu Haus. Endlich erreichten die Zuaven das Wohngebäude Ben-Aissa's, wo der Widerstand concentrirt war. Man schlug sich in den Galerien und im Hofe des Hauses; die meisten (lohen durch Auswege, die den Angreifern verborgen waren. Mehrere Kabylen aber wehrten sich aufs äusserstc und starben mit den Waffen in der Hand. Auch eine Negerin lag unter den Leichen; sie war durch einen Flintenschuss getödtet worden und hatte noch den Yatagan und eine Pistole in der Hand. Ben-Aissa selbst war nach der Kasbah geflohen; der Kaid-el-Dar aber fiel, ritterlich fechtend, auf der Strasse. In Ben-Aissa's Hause erbeuteten die Soldaten ziemlich viel Gold und Kostbarkeiten. Um den Muth der Vertheidiger anzuspornen, hatte dieser Befehlshaber in den letzten Tagen unter alle Einwohner Geld austheilen lassen. Durch die Einnahme des Centrums der Vertheidigung war die Widerstandskraft der Constantiner gebrochen. General Rulhiercs übernahm das Commando der Truppen, Eben war derselbe im Begriffe seine Soldaten gegen die am äusserten Ende der Stadt gelegene Kasbah zu führen, als ein Maure mit einem Stück Papier in der Hand ihm entgegen kam. Es war eine Bittschrift der Bewohner Con-stantines, welche ihn flehten die Stadt zu schonen, und die Schuld der hartnäckigen Vertheidigung auf die Kabylen schoben. General Vale'e, dem das Schreiben mitgetheilt wurde, bewilligte die Bitte. Der Widerstand hörte auf. Nur einige Kabylen feuerten auf die ersten Soldaten, welche in die Kasbah eindrangen, ihre Flinten ab, ehe sie über die Felsen hinabflüchteten. Um 9 Uhr Morgens wehte die dreifarbige Fahne statt der rotheu auf allen Hauptpunkten der Stadt Constantine. in. Der Anblick «1er Bresche. — Scenen nach der Erstürmung. — Unser Einzug in Constantine. — Plünderung der Stadt. '— Die zurückgebliebene Bevölkerung. — Anblick der Kasbah und der mit Leicben bedeckten Felsen. — Eine verunglückte Frau. — Der Palast Achinet Bey's. — Die schöne Aischa. — Das Wohngebäude Ben-Aissa's. — Der Renegat Send. — Schatzgräber. — Lamoriciere. — Combes. — Duvivier. — Das Hospital. — Ankunft des Prinzen Joinville. — Damremont's Todtenfeier. — Abreise von Constantine. — T on Cudiat-Ati aus hatten wir Zuschauer die drei Sturm-colonnen die Bresche ersteigen sehen. Sie verschwanden in der Stadt und wir harrten in der grössten Aufregung, denn diese Stunde entschied vielleicht über unser aller Leben. Niemand dachte an einen zweiten Rückzug. Es war nur eine Stimme in der Armee: Constantine sey unser oder wir sterben alle an seinem Felsen! Als um 9 Uhr endlich die Tricolorfahne auf der Kasbah flatterte, da jauchzten wir und umarmten uns und ich erkannte damals zum erstenmal die Gewalt des Sieggefühles. Die draussen versammelten Araber und Kabylen, welche von den Gipfeln der Berge der Erstürmung Constantines zugesehen hatten, zogen sich in aller Stille zurück, als sie die rothe Fahne verschwunden sahen. Alle Neugierigen der Armee strömten jetzt herbei, das In- iiere dieser finstern numidischen Felsenstadt zu schauen, die in Jahresfrist der Schauplatz zweier Katastrophen gewesen und deren Besitz so viel Blut gekostet hatte. Am Fusse der Bresche begegnete ich dem Capitiin Le-vaillant. Fr war ohne Wunde davon gekommen, obwohl einer der vordersten Stürmenden. Mit eigener Hand hatte dieser Officier mehrere Kabylen getödtet. Sein Gesicht war von Rauch geschwärzt, seine Uniform mit Staub bedeckt und durchlöchert. Ich schüttelte ihm aufs herzlichste die Hand. „Lebt Obrist Lamoriciere?" fragte ich. „Fr lebt — antwortete Levaillant i— ihm ist aber, als habe ihn der Teufel ein bischen in seine Heimath spazieren geführt. Er ist halb verbrannt und hat das Augenlicht verloren. Gehen Sie zu ihm; denn er hat schon nach Ihnen und Ihrem Champagner gefragt." — „Und Ihre Zuaven?" „Sind zur Hälfte todt oder verwundet. Was davon noch lebt, freut sich und sieht sich nach Beute um." „Die Coustantincr? Wie haben die sich geschlagen?" — „Wie eingefleischte Satane; aber ich habe nicht Zeit zu schwatzen, muss fort in mein Zelt, mich von Blut und Koth zu reinigen." Er eilte fort; ich näherte mich der Mauer. Die Bresche hatte eine Breite von ungefähr 30 Fuss. Man musste, um hinauf zu gelangen, zuvor eine Erhöhung von Erde und Sand erklimmen. Eine Menge Wollsäcke, Steine u. s. w. lagen neben der gebrochenen Mauer zerstreut. Hinter der Bresche erblickte man Häusertrümmer, welche durch die Gewalt der Explosion geborsten waren. Die todten, verbrannten, zerrissenen Körper von Afrikanern uud französischen Soldaten lagen hier so dicht beisammen, dass es nicht möglich war, anders als auf Leichnamen tretend in die Stadt zu kommen. Nie sah ich eine grausenvollere Scene als diese Bresche. Die meisten Leichname waren verstümmelt, häufig ohne Kopf oder die Gesichter vom Pulver so völlig schwarz gehrannt, dass man die weissen Europäer und die halbgehräunten Kabylen von den Negerleichen nicht unterscheiden konnte. In den Strassen der Stadt hingegen waren die Körper weniger entstellt. Manche Gruppen von Todten hatten vielmehr etwas Imposantes. Hier war Auge gegen Auge gestritten worden, und der gefallene Franzose ruhte versöhnt au der Brust des Kabylen. In den bleichen Gesi< fiter n der französischen Krieger lag eine heroische Hube; sie schienen zu schlafen, während die blutigen Türken- und Ka-bylenleichen die verzerrtesten Grimassen schnitten. Nie vergesse ich die Figur eines alten Kurngli oder Türken mit langem weissen Barte, den ich an der Ecke eines Hauses gelehnt aufrecht sitzen sah, Augen und Mund weit offen, die linke Faust gegen den Himmel erhohen, während die rechte noch eine Pistole umklammert hielt. Es hatte diese Gestalt etwas fürchterlich Unheimliches. Ich glaubte anfangs, der Greis lebe noch und schreie nach Hülfe. Erst als ich mich ihm näherte, sah icb die starre grimmige Leiche. Des Fanatismus Haserei grinzte aus diesen gefallenen Muselmännern und in ihren Mienen lag neben dem zuckendem Todessrhmcr/ ein Ausdruck wilden Triumphs, die Löst befriedigter Hache, denn auch so viele sterbende Christen stiessen an ihrer Seite den Letzten Seufzer aus. Diese Gruppen todter Kämpfer erinnerten mich an die bekannte Sage der Geisterschlacht. Aus den stieren Augen blickte so viel Gespensterleben und man konnte im Emst fürchten, die Leichen würden gleich den Hunnen um Mitternacht sich erheben und über der Blutstätte das Würgen erneuern. Als ich über die Trümmer, aus denen noch viel Rauch Moritz Wagnbr's Algier. ii. 21 und ein pestilenzialischer Gestank, qualmte, in die Stadt eintrat, kamen mir Hauten von Plünderern entgegen, die mit allerhand Beute, wie Teppichen, Bernussen, Waffen, Lebensmitteln, sogar arabischen Büchern beladen waren und diese Sachen gleich an die Olliciere oder Civilpersonen, welche der Armee gefolgt waren, y.u verkaufen suchten. Am Eingang der ersten Strasse stand ein Kaffeehaus, wo noch grosse Töpfe mit Kaffee am Heerde standen. Die maurischen Gaste waren geliehen und an ihrer Stelle tranken rothhosige Grenadiere mit französischem Austande und unter köstlichen Scherzen den ganzen Vorrath aus. Eine ziemlich lange Reihe vou jüdischen und maurischen Buden war bereits rein ausgeplündert. Am geschäftigsten sah ich tlie Soldaten der Fremdenlegion, die aber beim Sturme nicht unter den Vordersten gewesen. Der Bevölkerung geschah vom Augenblick an, wo der Kampf aufgehört hatte, nicht das mindeste Leid. Zitternd standen die Cuustantiuer, ein stattlicher, schöngebauter Menschenschlag, und sahen der Plünderung ihres Eigentumes zu, ohne die geringste Einsprache dagegen zu wagen. Die Juden küssten demüthig den Soldaten die Hand, worüber diese sich nicht wenig belustigten. Die Ofliciere Hessen im Allgemeinen die Plünderung geschehen, ohne dieselbe förmlich zu gestatten. Auch hei den disciplinirtesten Truppen würde es schwer seyn, nach so vielen ausgestandenen Leideu und Gefahren dergleichen Scenen in einer mit Sturm eroberten Stadt zu hindern. Gleichwohl bemerkte ich einen Oflicier, der sein Möglichstes that, das Eigentum der unglücklichen Constan ■ tiner gegen die Raubgierde der Soldaten zu schützen. Es war der Lieutenant Chardon vom Genie, ein tapferer junger Oflicier vom edelsten Herzen. Au einer der Strassenecken sassen zwei blinde Mauren, welche, vielleicht nicht recht wissend, was vorgehe, oder wenigstens sich unwissend stellend, ihre Hände ausstreckten und um Brot baten. In ihren sanften, schönen Gesichtern sprach eine unendlich bittende Miene. „Es ist zu arg" rief lachend ein Soldat, „die Schurken verlangen von uns gar noch zu essen." — „Die armen Teufel! — sagte mitleidig jener edle Officier — sie haben wohl Niemand mehr, der ihnen Brot geben kann, als uns," und er eilte zu seinen Soldaten, um von diesen ein Stück Zwieback für die blinden Feinde zu erbetteln. Nachdem meine erste Neugierde gesättigt war, ritt ich nach unserm Lager auf El Mausurah zurück, wo auch Muralt bald ankam und mir behülflich war, unser kleines Zelt abzubrechen und unsere Esel zu beladen. Muralt war voll Begeisterung über das Geschehene und freute sich, dass der blutlose Ausgang des Feldzugs an der Tafna ihn nicht abgeschreckt hatte, der französischen Armee nach Constantine zu folgen. Er brachte fast den ganzen Tag auf Cudiat-Ati zu, den täglichen Kriegsscencn zuschauend. Noch ehe Constantine ganz in den Händen der Franzosen war, trat Muralt in die Stadt ein und erbeutete eine der rotben Fahnen auf der Mauer, welche er bei seinem spätem Aufenthalt in Paris der Königin der Franzosen zum Andenken des merkwürdigen Tages überreichte. Wir zogen mit unsern Pferden und Lastthieren nach Cudiat-Ati hinauf, konnten aber an diesem Tage noch nicht in die Stadt kommen, denn man hatte erst spät Abends die verrammelten Thore geöffnet und jetzt war der enge Zugang gesperrt von einziehenden Truppen und Lastthieren. Wir übernachteten daher noch einmal unter freiem Himmel am Thore. Die Nacht war wieder dunkel und trübe. Es fiel einiger liegen und die armen Verwundeten und Kranken, die 21 * auf Wagen gepackt vor dein "Thore lagen und noch kein trocknes Unterkommen gefunden hatten, stöhnten und wiiu-inerten die ganze Nacht hindurch. Von Müdigkeit überwältigt schlummerte ich fest und erwachte hlos einmal vor Mitternacht. Ein Pferd hatte sich losgerissen uud Verwirrung unter die um uns bivouakireuden Truppen und Last-thiere gebracht. Rauhe Flüche betrunkener Soldaten, gellendes Schimpfen und Schreien vou Marketenderinnen, wahrer Megären, welche ihre Weinfässer und ihren Käsekram gefährdet glaubten, Schmerzenstüue von Verwundeten, Röcheln von Sterbenden, dazu das hussliche, peinliche Iiiingergeschrei der Maulthiere und Esel, all dies bildete zusammen ein entsetzliches Concert, und wenn die grimmigen Leichen wirklich erwacht wäreii uud sich gerauft uud zerlleischt hätten unter dem Unstern \\ olkeuhimmel, mau hätte keine wilderen und unheimlicheren Töne gehört. Mein Freund Muralt wachte fast die ganze Nacht uud spendete Hülfe, wo er kennte. Er klagte über die Fühllossigkeit der französischen Soldaten, die um ihre verwundeten Gefährten sich gar nicht kümmerten, nur nach Heute suchten und mit geraubten Pferden gleichgültig über Leichen uud Verwundete wegritten trotz des Schinerzenschreis, den die Unglücklichen ausstiessen. Mit Anbruch des Tages rückten wir in die Stadt ein und bemächtigten uns ohne Umstände eines Hauses, dessen Bewohuer mit Ausnahme einer alten Frau geflohen waren. Obwohl dieses Haus einen ganzen Tag laug geplündert worden, fanden wir dm h noch Yorräthc im Ueberlluss. Unsere Pferde und Esel brachten wir in dem wohlgefüllteu Gersten-magazine unter, wo die armen ausgehungerten Thiere sich dermasseu gütlich thateu, dass ihnen last der Magen platzte und wir das Futter aus ihrem Stalle räumen mussten, damit sie sich nicht zu Tode frässen. Mehrere Zimmer waren «licht angefüllt mit Mehlsäcken, Ungeheuern Buttertöpfen, gesalzenem Fleisch, Honig und besonders schönen Südfrüchten, worunter die herrlichsten Granatäpfel, so gross und süss, wie wir sie nirgends gegessen hatten. Man denke sich, wie wir und unsere Malteser, nachdem wir vierzehn Tage lang aufs kärgste gelebt hatten, nun kochten und schmausten. Wir hatten in der That volle Zeit dazu, denn der liegen fiel wieder in Strömen uud die Strassen waren von Schmilz und Gestank so angefüllt, dass sie zum Lustwandeln gar wenig einluden. Unsere Malteser hatten, obwohl sie fertig arabisch sprachen, einige Mühe, mit der alten Maurin sich zu verständigen. Sie war anfangs über unsere Einquartierung sehr bestürzt. Wir suchten sie möglichst zu beruhigen und gaben ihr von den Producteu unserer Kochkunst, namentlich von dem Kaffee, der unser Figenthum war und den sie mit be-sonderm Vergnügen trank. So oft wir ihr etwas dergleichen brachten, überhäufte sie uns mit Segenswünschen, und einem alten Verwandten, der sie öfters besuchte und nach unserer Abreise ganz zu sich nahm, rühmte sie die .Menschlichkeit der Christen. Der Verwandte, der uns anfangs ein recht verhärteter Fanatiker schien, mochte auch allmählig für die eingedrungenen ("bristen milder gestimmt werden, denn er brachte uns eines Tages sehr gute maurische Kuchen und wir schenkten ihm dagegen von den Ueberllusse unsers Häuschens. Das Zimmer zu ebener Erde überliessen wir der alten Bewohnerin und nahmen unser Quartier im obern Stock, wo sich vortreffliche Matratzen und Teppiche vorfanden. Bald gesellte sich ein anderer Gast zu uns, der Cuirassierrittmei-ster Houssel, Irläuder von Geburt, aber in österreichischen Diensten, Ein mit Allem so reichlich versehenes Quartier, wie das uusrige, hatten Wenige gefunden. Daher nahmen wir den neuen Gast herzlich gern auf und dieser segnete sein Glück, dass er endlich wieder einmal auf bequemen Lager schlafen konnte. Bald zog unser Häuschen noch weitere Besucher an. Der sächsische Lieutenant Bernhard theilte unser Mahl und das maurische Gemach verwandelte sich in ein deutsches Plauderstübchen. Gar oft aber störten uns die wilden Plünderer, welche das verrammelte Hausthor einbrachen und durch die Ofliciersuniform meiner Freunde, durch drohende Worte sich kaum zurückhalten liessen, das Beste, was sich im Hause vorfand, und unser eigenes Besitzthum fortzuschleppen. Eines Tages war Muralt ausgegangen, während ich die Küche besorgte. Da brachen zwei Soldaten der Bataillons d'Afrique ins Haus ein und wollten trotz des Widerstands der Malteser unser eigenes Sattelzeug fortschleppen. Ich hielt ihnen zwei Pistolen vor uud drohte sie nieder-zuschlössen; dies wirkte uud sie entfernten sich schimpfend und Huchem!. Am Tage nach unserm Einzüge besuchten wir die Kasbah. Unterwegs bemerkten wir die zurückgebliebene Bevölkerung vor den Thören ihrer Häuser sitzen und so ruhig mit einander plaudern, als sey nichts vorgefallen. Die Plünderung dauerte drei Tage fort, doch Wurden die Soldaten allmählig etwas schüchterner, verschonten die bewohnten Häuser uud plünderten nur die verlassenen. Die Juden, ein unterdrückter, misshandclter Menschenschlag, halfen den Soldaten treulich, und da sie die Lncalitäten am besten kannten und wussten, wo gute Beute zu linden war, stahlen sie in der Hegel das Beste und rächten sich damit an ihren bisherigen Tyrannen. Die Kasbah oder Citadellc ist römischen Ursprungs. Da hier die stärksten Batterien des Feindes sicli befanden, War sie mehrere Tage die besondere Zielscheibe der französischen Bomben. Furchtbar hatten diese Geschosse gehaust, aber die soliden römischen Mauern widerstanden, und obwohl von vielen Kugeln durchlöchert, stürzten sie nirgends zusammen, Jenseits der Kasbah gähnt ein Felsenschlund von NM) Fuss Tiefe. Die Felsen sind fast senkrecht und nur au sehr wenigen Stellen sind Pfade für geübte Kletterer gangbar. Ein grosser Theil der unglücklichen Bevölkerung hatte sich hier zu retten versucht. Vielen gelang es, au Stricken sich hinabzulassen. Die Stricke zerrissen aber durch das Gewichl der Menge und ein grosser Theil kam nur todt oder mit gebrochenen Gliedern unten an. An allen Kippen des Felsens klebte Blut und Hirn; auf dem vorspringenden Gesteine lagen zerschmetterte Leichen. Die File gestattete den Unglücklichen nicht, die gangbaren Pfade aufzusuchen. Man drängte sich in wilder Hast, denn hinter den Füchtlingen tobte der Feind, wer einmal diesen gefährlichen Weg eingeschlagen, konnte nicht mehr inne halten, nicht mehr umkehren; der Strom der übrigen Flüchtlinge wälzte ihn mit fort. Die Verwirrung ward durch «las Flintenfeuer des 17lcn leichten Jn-lauterieregimeuls \ergrössert, welches auf dem enlgegenge-set/.ien Felsen, hoch über dem rechten Ufer des Rummel stand und auf das flüchtige Volk feuerte. Es war das herz-/.erreissendste Schauspiel — ein Sturz von blutenden menschlichen Köppern neben dem Falle des Rummol. Ueber fünfhundert Menschen zerschmetterten sich in diesen Abgründen. Diejenigen, welche die Ebene glücklich erreichten, sahen ihre Verwandten und Freunde, die sie oben wohlbehalten zurückgelassen hatten, als Leichen oder Krüppel unten wieder. Trotz des unerbittlichen Feuer« der französischen Infanterie trugen die Constantiner die Leichen der Ihrigen fort. Dagegen lagen auf den Auswüchsen des Felsens noch viele Todte halb schwebend in der Luit. Auf einein dieser Vorsprünge des Gesteines lag auch noch eine lebende Frau, die ein Bein zerbrochen hatte, mit einem vierjährigen Kinde, das unverletzt gehliehen war. Muralt und ich machten alle möglichen Versuche, der Verunglückten zu Hülfe zu kommen, aber der steil abgeschnittene Fels vereitelte alP unsere Bemühungen. Mein Freund, der ein Manu von edlem, mitleidigem Herzen und dessen Theilnahme für fremdes Unglück durch die eigenen Leiden nicht abgestumpft war, forderte die französischen Soldaten auf, den Versuch zu wagen und versprach dem, der zu den beiden Verunglückten hinabkletteru würde, eine Celdbelohnung. Jetzt fanden sich sogleich einige Waghälse ein, und einem Zuaven, der arabisch sprach, gelang es, die gefährliche Stelle zu erreichen. Die Maurin weigerte sich, irgend eine Hülfe von Christen anzunehmen und erklärte, dass sie mit ihrem Kinde an dieser Stelle sterben wolle. Sie bat nur um einen Krug Wasser, den mau ihr auch an einem Stricke hinablioss; sie gab davon zuerst ihrem Kinde, trank dann selbst und schleuderte den Krug in den Abgrund. Was aus der Unglücklichen geworden, weiss ich nicht. Als wrir andern Tages die Kasbah wieder besuchten, war sie samint ihrem Kinde verschwunden. Bemerkens-werth ist, dass an derselben Stelle, wo so viele Constantiner Flüchtlinge verunglückten, seit vielen Jahrhunderten die Verbrocher, besonders die ungetreuen Weiber, einer alten Sitte zufolge in die Tiefe gestürzt werden. Dieser alte Brauch existirte schon zur Zeit der Vaudalenherrschaft. *) ") Victoris Yiterbiensis lüstoria de persecutione Vandalorum lib. II. Einer unserer ersten Gänge in der Stadt galt, dem Palast Achmet Bey's, welchen ich im ersten Theile ausführlich beschrieben. Der Herzog von Nemours und der General Valec hatten davon Besitz genommen; das französische Hauptquartier war dort etablirt. Merkwürdig war der Lüwenzvvin-ger, wo ein Dutzend dieser majestätischen Thiere au der Kette lagen. Ihr Wärter war Wendelin Schlosser, ein deutscher Renegat aus Erfurt. Jn einem Seitengemache des Palastes befand sich trer Harem des Bey's, welches gegen 80 Frauen enthielt. Darunter war aber nur eine wahrhaft schöne Gestalt, die in den Zeitungen vielfach erwähnte Ai'scha. Sie stammt, wenn die Erinnerungen aus ihrer frühesten Kindheit sie nicht täuschten, von christlichen Eltern und war von Corsaren nach Tunis gebracht worden. Die schöne Aischa hatte gleichwohl ein vollkommen orientalisches Aussehen, schwarze Maare, zartrosigen Teint, griechische Nase und eine Haltung so majestätisch edel, dass sie seihst ohne die grössere Pracht ihrer Kleidung unter den übrigen Weibern gleich beim ersten Anblick aufliel. Diese Haremskönigin gewöhnte sich am schnellsten an ihre? veränderte Lage und empfing die neuen Palastbewohner würdevoll, wie edle Gäste. Ihnen zu Ehren veranstaltete sie einen Ball, an welchem der ganze Harem Theil nahm. Eteint L.mipenscheinc wurde in einer grossen Marmorhalle von allen Weibern ein grotesker Tanz ausgeführt, dem der ganze Generalstab zusah. Uebrigens behandelte man diese Frauen mit Anstand. Ein cinzigesmal drang ein unbescheidener ülficier in ihre Gemächer ein, weniger lüstern vielleicht nach den Reizen dieser Frauen, als muh ihren kostbaren Ringen und Armspangen. Mit fliegenden Haaren kam aber eine der Flauen zum Herzog gelaufen und erzählte dessen Dragoman den Vorfall. Der Prinz ertkeilte sogleich Befehl, den Oflicier ans dein Palaste zu weisen. Ben-Aissa's Wohngebäude hielt in keiner Weise einen Vergleich mit dem Be\ palast aus. Es war lange nicht so gross und ohne alle Pracht. Dagegen fand man dort ziemlich viel haares Geld und Schmuck. Ein Zuave hatte über 10,000 Budschus erheutet und nun schmeckte dem reich gewordenen Soldaten natürlich der Musketendienst nicht mehr. Er war Eingeborener; mau gab ihm seine Entlassung und er verheirathete sich in Constantine. Ich traf im Haust! Ben-Aissa's meine Collegen der wissenschaftlichen Cominission, welche dort einlogirt waren. Sie hatten aber kein so gutes Unterkommen gefunden wie ich und Muralt in unserm bescheidenen, aber mit Proviant reich gefällten Häuschen. Einige dieser Herren machten sehr unzufriedene, trübselige Gesichier, namentlich der Doctor Laporte, welcher den Zug begleitet hatte, um die Thermalquellen von Hammani-Meskliii-tin chemisch zu untersuchen. Er hatte aber die Gelegenheit der Heise nach Haiuniam-Meskhutin versäumt; sein mit den leeren Flaschen bepacktes Maulthier war gefallen und hatte die Flaschen zerbrochen. Ueberdies quälte den armen Mann das Fieber und er war des übelsten Humors. Mein Freund Berbruggen war beschäftigt, den Soldaten die erbeuteten Bücher für die Bibliothek von Algier, deren Conservator er ist, abzukaufen. Es befanden sich darunter manche werthvollc Mauuscripte, namentlich eine „( lesetzsammluug der Kadis" und eine „Geschichte der Stadt Constantine." Aber die Mehrzahl derselben ging auf der Rückreise von Constantine nach Bona verloren. Die Soldaten des Fuhrwesens, um dergleichen wissenschaltliche Schätze wenig bekümmert, warfen mehrere der Bücherkästen vom Wagen hinab und liessen sie auf dem Wege liegen. Wahrscheinlich kamen dieselben dann wieder in die Hände der Araber, bei deren Marabuts sie auch wohl besser aufgehoben waren, als in den Sälen der Algierer Bibliothek. Ich mag diesem wissenschaftlichen Raub nicht das Wort reden, so viel Gründe man auch unter den damaligen Umstanden zu seiner Rechtfertigung anführen kann. Derselbe erinnert zu sehr an eine noch nicht lange verflossene Kriegsepochc, wo diese vandalische Sitte, die unser Schiller mit seinem vernichtenden Hohne strafte, französische Müde war. Die Bücher sind in der Regentschaft Algier nur sehr sparsam vorhanden und für die Bewohner daher wahre Schütze. Selteni besitzt eine maurische oder arabische Familie mehr als Ein Buch. Oft ist dieses das Gemeingut und Famiiieuheiligthum einer ganzen Verwandtschaft. Mit jenen vier- oder fünfhundert Büchern, die man nach Algier führte, um sie in den staubigen Sälen einer Stadtbibliothek zu begraben, raubte man eben so viel maurischen Familien die Belehrung und die Freude der Leetüre. Es hiess, Ben-Aissa habe in seinem Hause viel Geld vergraben und vermauert. Natürlich wünschte jeder von uns eines solchen Schatzes von schimmernden Suitanis habhaft zu werden. Wie aber in dem weitläuftigen Gebäude die kleine Stelle finden, Wo der reiche Hakhem seine Münzen verborgen! Ganz unverhofft kam eines Tages ein Mann, der uns darüber Rath und Auskunft geben konnte. Muralt sah mitten unter den zechenden Soldaten der Fremdenlegion einen bleichen Manu mit langem blonden Barte, in maurischer Tracht, welcher deutsch mit den Soldaten sprach; und hätte er auch durch die Sprache seine Abkunft nicht verrathen, er würde es durch sein Trinken gethan haben, denn er nahm bei den Cantiniers . WISSENSCHAFTEN ZU ST. 1'KTEnSBURIi. Vorrede, Die naturwissenschaftlichen Forschungen in der Ber-herei sind bis zum Jahre J763, wo Desfontaines seine interessante Reise unternahm, ganz unbedeutend gewesen. Von den Schriftstellern der Alten machen nur Strabo, Plinius und Sallust einige karge Bemerkungen über die grossen Thiere Numidiens und mischen dabei manche labelhafte Sagen mit ein. Die ersten Beobachtungen, die einigen Anhalt bieten, machte der britische Doctor Shaw, welcher zu Anfang des 18ten Jahrhunderts die so lange unzugänglich gewesenen Regentschaften Algier und Tunis bereiste. Shaw war aber Ar-chäolog und Geograph, kein Naturforscher. Seine Bemerkungen über Pflanzen und Thiere sind kurz und sehr dürftig. Nur den Säugethieren schenkte er ziemliche Aufmerksamkeit und zählt deren in seiner Reisebeschreibung 17 Arten auf, mit den Benennungen der Fingebornen. Von Vögeln giebt er vier sehr groteske Abbildungen, worunter der Hu-baary {Otis houbara), von welcher sein Werk wohl die erste Be-schreihung mittlieilt. Fünfzig Jahre später schickte von diesem seltenen Vogel der Botaniker Desfontaines mehrere Bälge nach Paris, welche dort noch heute im naturhistorischen Museum aufbewahrt stehen. Vierzig Jahre nach Shaw bereiste der unerschrockene Bruce die Regentschaft Algier und drang bis zum Berge Auras (maus Aurasitis) vor. Er machte aber wenig oder keine naturwissenschaftlichen Beobachtungen. Gleichwohl verdankt man seiner damaligen Reise die Entdeckung eines interessanten Säugethiers, des Canis Zerda, der in den Steppen /.wischen den südlichen Abhängen des Atlasgebirgs und der Sahara vorkommt; und später auch in Nubien, Abyssi-nien u. s. w. aulgefunden wurde. Der Botaniker Poiret trat seine Reise kurz vor Desfontaines an, scheint aber nicht tief ins Innere eingedrungen zu seyn und grösstentheils nur in La Calle und Bona sich aufgehalten zu haben. Er publicirte einen Katalog von Pflanzen der Berberei, der nicht viel über 000 Arten enthält, und ein Verzeichnis« von Zoophyten, Mollusken, Amphibien und einigen Vögeln; unter den Mollusken scheinen ihm seltsamerweise gerade die neuen Arten entgangen zu seyn. Desfontaines trat seine denkwürdige Reise im Jahre 1783 au. Er botanisirte zwei Jahre in Tunis und Algier und drang in ersterem Land sehr tief ins Innere ein; in der Regentschaft Algier aber scheint Tlemsan der südlichste Punkt gewesen zu seyn, den er besucht hat. Erst im Jahre 1798 erschien seine berühmte Flora Allantica, welche die Beschreibung seiner gesummten botanischen Sammelheute, aus etwa 2000 Pflanzenarten bestehend, enthielt. Eine kleine Denkschrift vou ihm über einige Vögelarten enthielten die Memoiren de Cdeademie des Sciences vom Jahre 1787. Die übrige zoologische Ausbeute Desfontaines1 scheint sehr karg gewesen zu seyn, wenigstens wurde nichts darüber ]tublicirt. Seit Desfontaines' Heise bis zur Landung der Franzosen im Jahre 1830 hat kein wissenschaftlicher Beobachter mehr über Algier geschrieben. Im Jahre 1831 reiste Wilhelm Schimpcr dorthin, hatte aber viel Missgeschick, konnte nur die nächste 1,'mgehiiiig der Stadl Algier ausheilten, und wurde endlich so krank, dass er zur Rückkehr sich cntschliesscn musste. Seine Sammlung, von der ihm ein grosser Theil gestohlen worden, enthielt wenig neue Pflanzen und meines Wissens keine neuen Thierarteu. Französische Aerzte und Militairs haben auf allen Punkten der Regentschaft seit der Niederlassung der Franzosen viel und eifrig gesammelt. Mit Pflanzen beschäftigten sich vorzüglich die Stabsärzte Rous-sel, Maris und Mounurd; Ersterer, sowie der Capitün Rossel, auch mit geologischen Studien. Letzterer war auch der Entdecker einer interessanten Säugethierart, welche nach ihm von Duvernoy benannt Worden (Macroscef/de.v Hoxel/). Vögel wurden namentlich vom Commandautou Levaillant, einem Sohne des berühmten afrikanischen Reisenden, und vom Capitän Magagnos gesammelt. Stabsarzt Guyon schickte viele Amphibien nach Paris. Die Land- uud Süsswassermollusken wurden vou Rozet und Dupotet fast vollständig gesammelt und von Michaud und Terver beschrieben. Am zahlreichsten waren jedoch in Algerien die eutoinologischen oder vielmehr koleopterologisclieu Sammler, worunter ich namentlich die Herren Levaillant, Saint-Fargcau, Magagnos, Trubelle, Ge-rard, Roussel, anführe. Uebrigeus ist selbst seit 1830 kein grösseres naturwissenschaftliches Werk über Algier erschienen und das Wenige, wits über einzelne Sammlungen geschrieben worden, findet sieb in gelehrten Journalen uud Denkschriften zerstreut. Das sehr dringend gewordene Bedürfnis», über das von den Franzosen erst theilweise occupirte Land endlich einmal ein umfassendes wissenschaftliches Werk zu erhalten, vermochte die französische Regierung im Jahre 1839 eine CommLssifm scicnfifit/HC nach Algier zu senden, um alle theils schon gemachten, theils noch zu machenden gelehrten Beobachtungen über das Land in einem Werke zusammenzustellen. Der Präsident dieser Commission ist Bory St. Vincent; der grösste Theil der Mitglieder ist aus dem Corps der Militairürzte und Genien fliciere in Algier genommen und die Wahl mancher derselben, namentlich jener, Welchen die naturwissenschaftlichen Forschungen übertragen worden, war, wenn man Pri-vatberichteu hierüber glauben darf, nicht eben glücklich. Ueberdies trat diese Commission in einem sehr ungünstigen Augenblicke zusammen, hei Wiederausbruch des Kriegs, wo mehr Unsicherheit herrschte als je und so manche Punkte jetzt nicht mehr zugänglich sind, welche ich noch bereisen konnte. Fs ist daher ziemlich zweifelhaft, oh die ernannte Commission ihre Aufgabe lösen und den gehegten Erwartungen auch nur theilweise wird entsprechen können. Indem ich hier diesen Beitrag zur Fauna der Berberei, dessen Herausgabe mir nur die edle Unterstützung meiner gelehrten Mitarbeiter möglich gemacht, der Publicität übergebe, fühle ich wohl das Unzureichende und Lückenhafte einer solchen Arbeit. Es werden aber bei dem ungünstigen Zustande jenes Landes noch viele Jahre vergehen, che man etwas Vollständiges hierüber zu schreiben im Stande seyn wird. Die Franzosen haben erst den kleinem Theil des Landes besetzt und gerade die interessantesten Gegenden, wie die Kelten des Auras und Dschurschura, die Steppen des Kobla u. s. w., sind dem Forscher unzugänglich. Indem ich alle Punkte, welche bis im Sommer 1838 in der Gewalt der Franzosen waren, besuchte und, die Friedonszeit benutzend, auch einen Ausflug nach Maskara, der Hauptstadt Abd-el-Kader's unternahm, wo ich gleichfalls, freilich nur sehr kurze Zeit sammelte, glaube ich, unter den damaligen Umständen das Mögliche gethan zu haben. Von meinen Sammlungen habe ich den grössten Theil an mehrere öffentliche und Privatsammlungen Deutschlands blos gegen Erstattung meiner Auslagen abgelassen. Die meisten Insectenarten Liherschickte ich dem zoologischen Museum in Berlin. Dem neuerrichteten Museum in Algier machte ich vor meiner Ahreise ein Geschenk an Insecten und Mollusken und hatte die Fremde, damit den ersten Grund zu einer dortigen zoologischen Sammlung zu legen, welche seitdem hoffentlich durch die Geschenke anderer Sammler Zuwachs erhalten hat. Ein beträchtlicher Theil meiner afrikanischen Ausbeute befindet sich in der Sammlung der Universität Erlangen. Icb habe meinen Bruder Professor Dr. Rudolph Wugner gebeten, die Redaction des dritten Bandes zu übernehmen. Es ist wohl sehr begreiflich, dass seihst an den von mir ausgebeuteten Punkten der Regentschaft Algier viele Thierarten mir entgehen mussten, da mein Aufenthalt fast allenthalben verhältnissmässig ziemlich kurz war und in verschiedene Jahreszeiten fiel, da ferner in der östlichen Provinz damals der Krieg wüthete und Züge in Begleitung einer Armee zum Sammelu nichts weniger als günstig sind. Iu Betracht der vielen widerwärtigen Conjuncturen, die auch jetzt noch fortdauern, hoffe ich, das gelehrte Publicum werde diesen ersten Versuch einer umfassendem Arbeit über die Fauna der Regentschaft Algier, welcher wenigstens über den allgemeinen Charakter der dortigen Thierwelt eine Uebersicht giebt, mit nachsichtiger Güte aufnehmen. Augsburg, im Mai 1840. Dr. Moritz Wagner. Zur Einleitung in die Fauna von Algier.*) die geographische Verbreitung der organischen Körper auf der Erdoberfläche mit Hecht als eiuer der interessantesten Abschnitte der dcscriptiven Naturgeschichte zu betrachten ist, so muss jeder Beitrag hierzu willkommen seyn. Die Botaniker haben dieses anziehende Feld seit Jahren mit °) Als ich das Material zu einem zoologischen Anhang für meines Bruders Reise ordnete, kam mir die Ueberzeugung, dass diese Arbeit nur dann von einigem Werlhe seyn würde, wenn Männer mit glücklicheren Hülfsmitteln ausgestattet und mit s]>eciellen Studien einzelner Abschnitte des Thierreichs beschäftigt, die Hand bieten wollten, den vorliegenden StolF zu bearbeiten. Ich bin so glücklich gewesen, eine Anzahl sachkundiger Männer hierfür zu gewinnen. Ich gedachte als Einleitung eine allgemeine uebersicht der Fauna des Mittelrncerbeckens hinzuzufügen, erkannte aber bald, dass hierzu die Zeit noch nicht sey. Abgesehen, dass manebe Länder, wie Kleinasien, die afrikanischen Küsten zwischen Aegypten und Algier, in Europa selbst die Türkei und Spanien, uns fast noch unbekannt sind', sehen wir in diesem Augenblicke drei Wrerke erscheinen, die, wenn sie vollendet sind, Wohl die Grundpfeiler einer zoologischen Geographie des Mittelmeerbeckens bilden werden, ich meine hier das Werk von Demidoff mit den Beiträgen von Nordmann über die Fauna der Krimm, die Fauna Halten von Bonaparte und das Werk über die Canarischen Inseln von Barker Webb und Berthelot. Das erste der genannten Werke beschäftigt sich mit der Fauna des Ostens, das letztere mit der des Westens dieser Provinz, während die Fauna italica sich über das Centruin derselben verbreitet. Erfolg bebaut; sie haben sich in Spccialtloren, wie in allgemeinen TJebersichten, versucht. Ihre Arbeiten können den Zoologen zum Muster dienen. Wir haben hier ein Fragment zu einer der interessantesten Provinzen, in botanischer wie zoologischer Hinsicht, zurFauna des Mittelmeerbeckens liefern wollen, das, wie unvollkommen es auch seyn möge, eine wesentliche Lücke in der geographischen Zoologie eines bisher kaum bekannten Landstrichs ausfüllen hilft. Die Fauna von Algier bietet theils wegen ihrer Verwandtschaft mit Spanien, theils wegeu ihrer Abgeschlossenheit nach Süden, durch die Ketten des Atlas und der grossen Wüste, ein besonderes Interesse dar und bezeugt durch ihre innige Verwandtschaft mit der südeuropäischen, dass das Becken des Mittelmeers, welches die Küsten dreier Weltthcile umspühlt, nur einem grossen Binnensee gleicht, der in seinen Gewässern wie in seiner Landumsäumung, eine Thierwelt von gleicher Physiognomie aufzuweisen hat, in welcher nur hie uud da tropische oder nördliche Thierarten, wie einsame Flüchtlinge auftreten. Die miftelmeerische Fauna bildet eine Provinz der grossen Fauna Europas, sie berührt die Tropeiifiiuna von Afrika im Süden, die Fauna Mitteleuropas im Nordosten. Obwohl die Physiognomie der mediterraneischen Fauna etwas ganz Eiirenfhüinliches hat, so lässt sich der Charakter derselben doch nur im Ganzen, nicht in einzelnen Thierarten erkennen und es verhält sieh hier gerade, wie in der niitleliueerischeu Flora. Wie jedoch hier die südliche Grenze des Weinstocks diesseits des (Bleichers uud die nördliche der Palmen, dann der Bau des Maises, dieses Florengebiet ziemlich scharf umgrenzen, so habe ich ein Thier gefunden, welches zwar, wie die Palmen, eigentlich ein Tropenllüchtling ist, aber doch im ganzen Gebiete dieser Fauna sieb findet und namentlich seine nördliche Grenze scharf bezeichnet. Es ist dies der Skorpion in seinen verschiedenen Arten und Varietäten. Der Skorpion giebt hier einen um so interessanteren Anhaltspunkt, als dieses Thier, hier ursprünglich heimisch, durch seine geringe Locomotionslahigkeit seinen Geburtsort nie überschreiten konnte und durch den Abscheu, den er den Menschen einllösst, nicht geeignet war, wie so viele andere Thiere, weiter verpflanzt zu werden. Eine künstliche Verführung durch Handel und Wandel ist rein zufällig und nur unter gleicher klimatischer Beschaffenheit von Dauer. *) Wo der Skorpion vorkommt, den Landstrich rechne ich zur mittclmeerischen Fauna, die sich im Westen und Süden leichter und einfacher umgrenzen lässt, als im Norden und Osten. Der Skorpion bezeichnet auch hier die natürlichen Grenzen; er findet sich in Taurien, in der Krimm, am Fuss des Kaukasus, wie in Spanien, in Algier, Marokko und auf den canarischen Inseln. Die kleinste Art Skorpion (Soor-pto germanlcus) erscheint schon im südlichen Tyrol, eine andere Art im südlichen Ungarn (Scorplo bamiaticus). Das letztere Vorkommen ist besonders interessant, weil hier die mittelmeerische Fauna in die cenfraleuropäische übergeht und keine Gcbirgsscheide, wie in den Alpen, eine scharfe Grenze bezeichnet. Dieser geographischen Verbreitung des Wenig beweglichen, an den Boden gebundenen Skorpions geht jedoch selbst die geographische Verbreitung der Vögel parallel, derjenigen Thiercl asse, welche mit der freiesten Ortsbc- ") Barker Webb und Berthelot sprechen von einem aus Amerika mit Schiffen auf den kanarischen Inseln eingewanderten Skorpion, der sich aber nur in der Umgegend des Hafens von Orotava iindet. ■ wegung begabt ist. Wie der Aasvogel und die ächten Ge\ er von den Gebirgen Ungarns, der Krimm, dem Kaukasus an auf allen Berg- und Hügelketten, welche das Becken des schwarzen und Mittelmeeres umsäumen, vorkommen, so ist die Fauna der gesellschaftlich lebenden grossen Sumpf- und Wasservö-gel, wo nur sonst das Terrain günstig ist, sich ähnlich; der Flamingo lebt in Schaareu am Don und der Wolga, auf den Seen um Cagliari und an den Küsten der Berboroi; die Pe-lekaue, braunen Ibise, die Brachschwulben (Gtarcola), /eigen sich au der Donau in Ungarn in eben solchen Massen, wie am kaspischen Meere und, wTie nach den vorliegenden Sendungen zu urthcilen ist, in Algerien. Üben so ist, gleich dem Skorpion, der Bienenfresser {Merops apian(cr) ein recht charakteristischer Vogel für die mittelmeerische Fauna, der durch seine Häuligkeit in Ungarn ebenfalls den Charakter dieses Landes, als eines Gliedes der genannten Fauna, bezeichnen hilft. Das Gebiet der mifielmeorischon Fauna zerfallt in mehrere Unterprovinzen, die nach den bisher bekannten Thatsa-chen noch nicht sicher festzustellen sind. Wahrscheinlich werden sich in der Folge drei grössere Unterprovinzen scharf charakterisireu lassen. Diese lassen sich vielleicht am bestimmtesten durch die verschiedenen Arten der Skorpione uud die Gattungen der Amphibien umgrenzen. Die Amphihien-F; in 11 it des Mittelmeers ist überhaupt eine sehr charakteristische. Hat mau die Alpen überschritten, so begegnet man zugleich mit den Skorpionen den grösseren Eidechsenarten Südeuropas, den Geckos, der gehörnten Viper (Vip. ammodytes), etwas südlicher kommen dann die Eidechsen mit verkümmerten Füssen (Scincus, Seps)- Die nordöstliche Unterprovinz beginnt mit Istrien, Dal-maticn und Ungarn, umfasst die Türkei und die Küsten des schwarzen Meers. Für sie ist die grosse Blindschleiche (Pseitdopns) charakteristisch; Dalmatien uud Griechenland sind die westlichen Grenzen dieser Amphibien-Gattung. In der südöstlichen Unterprovinz, in Aegypten, beginnen indische Formen, wie die ägyptische Brillenschlange, die VVcichschildkröte ( Trinmjx). In der westlichen Unterprovinz, wozu ich auch Madeira und die canarischen Inseln rechne, und wo das südlich«; Spanien und die Berberei die Ilauptländer bilden, erscheint das Chamäleon als typisehe Form, das östlich bis Sicilien geht, uud wie in Aegypten ostindische Formen auftreten, so hier westindische, — die Amphishänen (TrogonopAis), welche in der Berberei, wie im südlichen Spanien vorkommen. Diese Abteilungen lassen sich auch noch anderweitig rliiirukterisiren; so umschreibt der so eigentümliche Adler, Aquila Bonelli, in seiner geographischen Verbreitung genau die Grenzen der letztgenannten Unterprovinz; er findet sich als Standvogel vom südlichen Frankreich und von Sardinien an und ist in Spanien, wie in der Berberei häufig. Die Genettkatze findet sich eben so im südlichen Frankreich, in Spinnen, in Afrika. Die nordöstliche Unterprovinz verliert sich unmerklich nach Sibirien zu; eigenthümliche Nager, wie der Blindmoll {Spala.v) und der Ziesel (Spermophihts) zeigen sich zuerst in Ungarn an den westlichen Grenzen und gehen bis Sibirien, während an den östlichen Grenzen kolossale, der tropischen Fauna von Asien angehörige Thiere, wie der Tiger, sich zeigen, gerade wie rein afrikanische Formen, wie die Gattung Macroseclides, in der Berberei zugleich mit den kolossalen Fleischfressern, dem Löwen, der Hyäne u. s. w. an ftreten. Zunächst ist allerdings das recht genaue Studium der Länder;, welche im Centrum des Mittelmeers liegen und in denen gleichsam die typischen Formen für die ganze Provinz hausen, von grösstem Interesse. Sardinien, Italien, Sicilien, auch Dalmatien, sind hier, wrie die zugänglichsten, so die interessantesten Punkte, deren Floren wir durch Bertoloni, Tenore, Gussoue, Moris und Andere mehr, so genau kennen. Die schätzharen Beiträge von Bonaparte, Gene, Savi, Michahelles, Küster und Andern, für die Wirbelthiere, die trefflichen Arbeiten von Philippi für die Weich thiere, sind immer nur Anfänge. Das wichtigste Moment für alle diese Untersuchungen wird immer die Aufgabe bleiben, jede Species durch alle Grenzen ihrer Variation zu verfolgen und auf diesem rein tatsächlichen Gebiete fürs erste alle hypothetischen Annahmen auszuschliessen, wozu solche Bezeichnungen, wie: „klimatische Varietät" nur zu leicht und unbemerkt verleiten. Möchten diese wenigen, in der Eile und aus dem Gedächtnisse niedergeschriebenen Zeilen kein ungünstiges Vorurteil gegen den Sinn erwecken, mit dem die Rcdaction der nachfolgenden Bogen unternommen wurde. Das Material zu den folgenden Arbeiten ist jetzt vielfach zerstreut; ein Theil ist dem Museum in Erlangen einverleibt worden. Ich hätte gewünscht, noch manche anatomische und zoologische Bemerkungen einschalten zu können, aber im Augenblicke, wo ich meinen bisherigen Wohnort verlassen muss, finde ich die nö-thige Ruhe nicht, welche zu solchen Arbeiten erforderlich ist. Erlangen, am 10. September 1840. Rudolph Wagner. Inhalt. Seite Beitrag« zur Kenntniss def algierschen Säugetbiere von Prof. Dr. Andreas Wagner in München.......... I Billige Bemerkungen über die kleineren von Dr. M. Wagner in Algier gesammelten Säugetbiere von Hermann Nathusius in Hundishiirg..................38 Bemerkungen über das Vorkommen und die Lebensweise der in der Regentschaft Algier beobachteten Säugetbiere von Dr. Moritz Wagner................41 Bemerkungen über den anatomischen Bau \on MucrosceUdes Rozeti vom Prof. Dr. Rudolph Wagner in Göttingen ..... 72 Bemerkungen über die Verbreitung und Lebensweise der Vögel der Berberei, von Dr. Moritz Wagner........78 Bemerkungen über die in der Regentschaft Algier gesammelten Amphibien von Dr. H. Schlegel in Leyden......100 Ueber die Insccten von Algier mit besondrer Berücksichtigung ihrer geographischen Verbreitung von Dr. W, F. Ericlison in Berlin...................140 Ueber die Schmetterlinge der Regentschaft Algier, mit besonderer Berücksichtigung ihrer geographischen Verbreitung von Dr. Moritz Wagnet...............195 Arachniden und Myriapoden aus der Regentschaft Algier, bearbeitet vom Forstrath Koch in Regensburg.......211 xvin Seite Ueber die geographische Verbreitung der europäischen Land- und Süsswassermollusken, mit besonderer Berücksichtigung der in der Regentschaft Algier gesammelten Arten, von Prof. E. A. Rossniässler in Tharandt...........226 Nachträgliche Bemerkungen über die Landmollusken Algeriens von Dr. Moritz Wagner....... ..... 262 Beiträge zur Anatomie der Ilelieinen, mit besondrer Berücksichtigung der nordafrikanischen und südeuropäischen Arten von Dr. Michael Erdl in München........... 269 Ueber die Asselartigen Thiere {Onisanla Lnlr.) der Regentschaft Algier vom Akademiker Dr. Brandt in St. Petersburg . , 276 Ueber die in der Regentschaft Algier vom Herrn Dr. Wagner beobachteten Myriapoden. Von Dr. Brandt......282 Anhang, Ueber die physischen Eigenthiimlichkeiten der Völkerschaften in Algerien. VonDr,M.Wagner und Dr. R. Wagner 293 1t ei träge znr Kenntniss der algiersclien Sängethiere. Vom Professor Dr. Andreas Wagner in München. w enngleich die Anzahl der algierscheu Säugetbiere, von denen im Nachfolgenden detaillirte Erörterungen gegeben werden, nicht sehr beträchtlich ist, wenn ich unter ihnen selbst keine neue Art bezeichnen kann, ja wenn ich sogar mich genöthigt sehe, einige als neu aufgestellte Arten auf altbekannte zurückzuführen, so habe ich doch an dem mir zur Disposition zugekommenen Material, wie ich hoffe, einige nicht unwichtige Beiträge, theils zur Kcnntniss der Säugetbiere dieses Theiles von Nordafrika selbst, theils zur Kennt-niss der Fauna der um's Mittelmeer herumliegenden Länder entnehmen können. Und um von dem letzteren Funkte zuerst zu sprechen, jeder auf die nöthigen Belegstücke gegründete Beitrag zur genaueren Bekauutwcrdung mit der Fauna der mittelmeerischeu Küstenländer und Inseln muss willkommen seyn. Denn noch ist in dieser Beziehung viel zu thnn; nicht etwa blos für Afrika und Asien, sondern zum grossen Theil auch für Europa. Von den europäischen Ländern, deren Gestade von den VVeilen des mittelländischen Meeres bespült werden, kann Moritz Wagnkr's Algier. III. ■ man nur von uVr mittlem Gruppe derselben sagen, dass ihre Saugethier-Fauna mit ziemlicher Vollständigkeit erforscht ist. Von Frankreich ist dies zur Genüge bekannt. Sardinien ist den übrigen Staaten seit geraumer Zeit mit gutem Beispiel vorangegangen; Cetti's Naturgeschichte dieser Insel ist hier rühmlichst zu erwähnen, mit den schätzbaren Beiträgen , die durch la Marmora, Gene' und Küster zugefügt worden sind. Ueber die Wirbelthier-Fauna von ganz Italien erstreckt sich die ausgezeichnet!; Iconogrnfia della fauna italica des Prinzen von Musignano, obgleich nicht zu leugnen seyn wird, dass sie in der nördlichen Hälfte, für die Savi bereits Wichtiges geleistet hat, mehr als in der südlichen orientirt ist. Von grösserer Bedeutung für die Kenntniss der geographischen Verbreitung der Säugetbiere müsste eine recht vollständige Aufzählung derselben von Sicilien seyn. Wenden wir uns von Italien aus Ost-oder westwärts den übrigen südeuropäischeu Küstenländern zu, so finden wir wenig Befriedigendes für unsern Zweck. Von den Säugetliieren Portugals und Spaniens ist uurWeniges und zufällig bekannt geworden; man kann ohne Uehertreibung sagen, dass keine Provinz Amerikas in dieser Beziehung so unbekannt geblieben ist als die iberische Halbinsel. Etwas mehr wissen wir von Griechenland; leider hat die französische Expedition, der unter Bory's Leitung die Erforschung der naturhistorischen Verhältnisse dieses Landes übertragen war, billigen Anforderungen nicht hinreichend entsprochen. Für Kleinasien und Syrien ist noch ein weiter Baum zur Thätigkeit dem Zoologen offen gelassen. Gehen wir von hier aus nach Afrika hinüber, so ist für Aegypten zuerst die französische Expedition, während der Occupation dieses Landes durch Bonaparte, mit rühmlichem Erfolge in die Fusstajifeu vou Hasseluuist und Forskai getreten, und ihre Forschungen sind für die Nilliinder im weiteren Umfange von Rüppell und Ehrenberg im grossartigen Massstabe fortgeführt worden. Auch Schubert'« Reise durch Unterägypten, das peträisebe Arabien und Palästina hat die Kenntniss der Säugethier-Fauna dieser Länder erweitert. Algier fängt seit der französischen Besitznahme an, sich uns immer weiter aufzuschliescn. Das Bedeutendste für seine zoologischen Verhältnisse ist bisher durch unsern Freund, den Verfasser dieser Reise, geleistet worden. Ihn ersetzt jetzt dort eine französische Expedition unter Bory's Direction, uud wir wollen ihr daselbst bessere Erfolge als in Griechenland wünschen. Weiter westlich folgt Fez und Marokko, der unbekannteste Theil der afrikanischen Nordküste, in dieser Beziehung dem gegenüberliegenden Theile der südeuropäischen Westgränzc, der iberischen Halbinsel, auf eine für diese nicht sehr erfreuliche Weise entsprechend. So ist denn für die genaue Kenntniss der Fauna des mittlem Theils der nordafrikanischen Küstenländer ein schätzbarer Anfang gemacht worden; es sind nicht mehr vage unsichere Angaben, wie sie uns Shaw und Höst hinterlassen haben, sondern es liegt eine gute Anzahl scharfer Bestimmungen vor, wie sie der gegenwärtige Stand der Wissenschaft erheischt. Gleichwohl wird es noch eine gute Reihe von Jahren dauern, bis die Thierwelt Algiers und der benachbarten Raubstaaten so vollständig als die von Italien erforscht seyn wird, wobei wir freilich nicht vergessen wollen der grossen Schwierigkeiten und Gefahren, die sich dem Naturforscher in Nordafrika durch die feindselige Gesinnung der Bewohner entgegenstellen. Eine vollständige Aufzählung der algierschen Säugetbiere kann daher noch nicht vorgenommen 1* werden; selbst die Betrachtung der geographischen Verbreitung der dort vorkommenden Arten aus dieser Classe kann nicht anders als lückenhaft bleiben, da uns sogar für Europa so viele Anbaltepunkte abgehen. Die nachfolgende Verglei-chung der algierschen Säugetbiere mit denen des übrigen Afrikas und der ums Mittelmecr herumliegenden europäischen und asiatischen Länder und der mittclmeerisehen Inseln kann deshalb nur ein Versuch seyn, der sich zunächst auf einzelne Haupttypen aus den verschiedenen Ordnungen der Lundsäu-gethiere beschränken muss. Es wird sich von vorn herein erwarten lassen, dass Algier, im unmittelbaren Zusammenhange mit dem übrigen Afrika, und doch auch wieder in der Nähe der südeuropäischen Küstenländer mit verwandten klimatischen Verhältnissen, eine Säugethier - Fauna aufzuweisen habe, die weniger eigentümlich local, als überhaupt wie eine Vermengung afrikanischer und europäischer Formen erscheinen wird, wobei, der Natur der Sache nach, die letzteren in der Minorität bleiben werden. Die Ordnung der Affen scheint daselbst nicht zahlreich vertreten zu seyn; am häufigsten wird der Ilundsaffe (Inuus ecaudatus) erwähnt und eben diese Art ist es, welche einzig und allein unter allen Vierhändern auch noch der europäischen Fauna angehört, indem einzelne Individuen auf den Felsen von Gibraltar hausen. Die Fledermäuse weisen weit mehr auf Europa als auf das übrige Afrika hin , wenigstens nach den bis jetzt vorliegenden Angaben. Vespcrtilio murinus und auritus, zwei ganz gemeine Arten bei uns, von denen die letztere bis 60° nördl. Breite reicht und noch im Kaukasus sich findet, sind auch von der afrikanischen Nordküste bekannt. Vespertilio margi- natus ist aus Tripoli, Nubien, dem peträischen Arabien und Sardinien eingesammelt worden. Vespertilio Schreibersii ist aus dem Bannte, dem Kirchenstaate uud Algier, V. al-bulimbatus von letzterem Punkte, Orau und Sardinien, Khi-nolupbus imiliiist.itus vom südlichen England bis ins nördliche Afrika bekannt. Als eigentümlich ist blos V. isabellioua aus Tripoli bezeichnet. Dass man nicht mehr übereinstimmende Arten Fledermäuse aus Nordafrika und den Nilländern kennt, mag wohl nur in der geringen Bekanntschaft mit jenem Landstriche seinen Grund linden. Von den zwei Arten Insectivoreu, die mir aus Algier bekannt siud , verknüpft die eine die nordafrikanische Fauna mit der europäischen, die andere mit der südafrikanischen. Der Sorex etruscus, das kleinste aller Säugetbiere, dessen Nord-gränze Toscana ausmacht, ist nun auch in Algier gefunden. Noch merkwürdiger ist aber das Vorkommen eines Macro-scelides, einer Gattung, die zuerst am Vorgebirge der guten Hoffnung entdeckt, von da durch Smith bis zum Wendekreise dos Steinbocks verfolgt wurde, und nun auf einmal, und zwar in einer eigenthümlichen Art, an der Nordgränze Afrikas uus-gemittclt worden ist. Ob diese Art losgerissen von aller Verbindung mit ihren südlichen Verwandten hier auftritt, oder ob sie sich ihnen durch das Innen' des ungeheuren CoiltillCllts, sey es in identischen oder speeifisch verschiedenen Formen, - anschliesst, ist späteren Zeiten zur Entscheidung anheimzu-stellen, doch scheint Letzteres nicht sehr wahrscheinlich, da mau an keinem Punkte der Ost- oder Westküste innerhalb der tropischen Hegion diese Gattung wahrgenommen hat. Bemerklicher als die unscheiiilichen Fledermäuse und Insectivoreu haben sich die Fleischfresser gemacht uud sind daher auch zahlreicher aufgeführt. Löwe uud Leopard siud über den ganzen Welttheil verbreitet und gehen bekanntlich noch nach Asien über. Auch der Karakal ist eine der Ka-tzenarten, die über den ganzen Welttheil verbreitet ist. Unser Freund hat ihn von Algier, Rüppell und Schubert von Aegypten mitgebrächt, nicht minder ist er vom Senegal uud dem Cap bekannt. Dasselbe gilt für die Felis caligata, die an den beiden letztgenannten Punkten, wie iu der Berberei, gefunden worden ist. Eine noch weitere Verbreitung kommt zweien Hundearten, dem Schakal und dem Fuchse zu, indem sie in den drei Coutinenten der alten Welt, dieser selbst noch in der neuen, einheimisch sind. Der Schakal zeigt sich in Europa zuerst auf einigen dalmatinischen Inseln, breitet sich durch Griechenland weiter aus, erstreckt sich von den kaukasischen Provinzen bis nach Indien hinab, geht aus Arabien nach Aegypten und den Nilländern über, und ist aus Tripoli, Algier und vom Senegal bekannt, in mancherlei Racen, die unter sich durch Uebergänge so innig verbunden sind, dass speci-lische Scheidungen nicht möglich werden; nur der capische Schakal ( Canis mesomelas) möchte sich als gesonderte Art behaupten. Der Fuchs des Atlas, den Herr Dr. M. Wagner einsandte, entfernt sich von tinserm einheimischen Fuchse weit weniger, als dies mit dem italienischen Canis melanogastcr oder dem ägyptischen Canis niloticus der Fall ist; au eine specifischc Sonderung ist daher uicht zu denken. Dass es noch awderc Hundearten, als die eben genannten, in diesem Theile Nordafrikas giebt, dafür sprechen mehrere Angaben, die zur Erkennung der Species freilich nicht hinlänglich dc-terminirt sind. Die gestreifte Hyäne reicht durch ganz Nordafrika bis nach Asien hinein; unter den eingegangenen Sendungen ist besonders der Schädel eines jungen Thieres merkwürdig, der noch mit den zur Zeit nicht genügend beschriebenen Milchzahn eu versehen ist. Von weiter Verbreitung ist auch die Genette (Viverra Genetta), die sich nicht blos vou Algier bis zum (Jap, vom Senegal bis zum Nil findet, sondern über Spanien bis ins südliche Frankreich eindringt, neuerdings sogar bei Erzerum entdeckt worden ist. Beschränkter ist dagegen das Vorkommen der Pharaonsratte, indem diese wenigstens nicht über Afrika hinausgeht. Die algiersche weicht nur höchst wenig von der ägyptischen ah, weniger als die Kalfern-Maugustc (llerpestes cafler), die durch ihren grünlichen Farbenton viel merklicher sich absondert. Weder der Tortel, noch die Zorille, die von Noblen an bis zum Cap vorkommen , scheinen längs der afrikanischen Nordküste heimisch zu seyn. An Nagern sind mir nur drei Arten zu Gesicht gekommen, davon bat Algier zwei (den Meriones robustus und Di-pus aegyptius) mit Aegypten gemein, was auf zahlreichere IJcbereiiistimnmng beider Faunen, als es bisher ermittelt ist, schliesscn lasst, dagegen erscheint die dritte Art, Mus bar-barus, als der sogenannten Berberei eigentümlich; keine von diesen drei Species geht nach Europa über. Dafür wird das Stachelschwein als Bewohner des südlichen Europas wie Nordafrikas angegeben, und ein Exemplar hat Schubert aus Palastina mitgebracht. Ein gestreiftes Eichhörnchen (Sciurus ge-tulus) ist blos als Bewohner der Berberei aufgeführt; dasselbe gilt für Fr. Cuvier's Alactaga (Dipus) arundiuis. In Bezug auf die Ilufthiere unterscheidet sich die afrikanische Säugethier - Fauna nördlich der Sahara sehr auffallend von der südlich derselben. Vom Cap an bis zur grossen Wüste und auf der Ostseite noch weit hinein in den mittlem Nillündern finden sich die grossen Arten der Hufthiere, wie Zebra, Elephant, Nashorn, Flusspferd, Warzenschwein, Giraffe , Antilope strepsiceros, Oreotragus 11. a. Allen diesen setzt die wasserleere grosse Wüste ein Hinderniss zur weitern Wanderung bis in die Raubstaaten entgegen. Aus der zahlreichen Gattung der Antilopen scheinen nicht besonders viel Arten in der Küstenstrecke nordwärts vom Atlas sich einzustellen. Am bekanntesten unter ihnen ist die Antilope Dorcas, redunca und Dama, die in dem ganzen nördlichen Afrika umherschweifen, und von welcher letzteren die am Senegal lebende Abänderung (A. Nanguer) ohne ausreichenden Grund von der marokkanischen (A.Mhorr) getrennt worden ist. Au Hirschen scheint Nordafrika besonders arm zu seyn; der Damhirsch kommt hier, wie in Südeuropa, wild vor. Auch unser Wildschwein scheint hier noch einheimisch zu seyn. Höst erzählt, dass in Marokko die Sauen zum Zeitvertreib gejagt werden, oder auch, um den Kopf an die Christen zu verkaufen. Ehrenberg bemerkt, dass um Rosette und Damiette dieselben nicht selten seyen. Diese mögen wohl noch zu unserer europäischen Art gehören, die übrigens schon von Kordolan an durch das übrige südliche Afrika von dem Warzenschwein ersetzt wird. Unter den Wildschafen kommt wohl durchs ganze nördliche Afrika eine eigentümliche Art (Ovis Tragelaphus) vor, verschieden vou ihren südcuropüischen und asiatischen Verwandten, Ein Exemplar dieser Art, ein versprengter Flüchtling, wurde von der französischen Expedition in Aegypten an den Thoren von Cairo erlegt; Rüppell hat sie später in den Gebirgen von Kordofan aufgefunden. Aus Mauritamien ist sie schon im Jahre 1561 durch Cujus beschrieben worden; eine vollständige Kenntniss dieser Art und ihrer Verbreitung geht aber noch immer ab. Nach dieser kurzen und fragmentarischen Betrachtung der geographischen Verhältnisse der nordafrikaüischen Säugetbiere gehe ich jetzt zur detaillirten Beschreibung derjenigen algierschen Arten über, welche nicht genügend gekannt sind (»der Berichtigungen erheischen, wobei ich am ausführlichsten bei der Gattung Macroscelides verweilen werde, da ich über dieselbe im Allgemeinen, wie bei der besondern nordafrikanischen Art manches Neue sagen kann, und eine vollständige Charakteristik daher am rechten Orte seyn wird. I. Macroscelides Rozcü Duverft. Es ist nun gerade ein Jahrzehend verflossen, seitdem die Gattung der Rohrrüssler (Macroscelides) bekannt geworden ist, und jetzt, nach so kurzer Zeitfrist, werden bereits acht verschiedene Arten aufgeführt. Smith, Ts. Geoflroy und Lich-tenstein haben kurz nach einander die Gattung unter den Namen Macroscelides, Eumeres und Rhinomys publicirt, von welchen der erstere, als der zuerst gegebene, beibehalten Morden ist. Die Rohrrüssler bähen die nächste Verwandtschaft mit den Spitzmäusen, von denen sie sich jedoch gleich uud sehr auffallend durch die viel längern Hinterbeine uud vor Allem durch den cylindrischen Rüssel unterscheiden, in welch letzterer Beziehung sie am nächsten der neuen Gattung Snlenodon kommen. Im Schädel- und Zahnbaue entfernen sie sich aber merklich von den Spitzmäusen, und schliessen sich viel näher an die Tupajas an, die, gleich ihnen, eine mehr tägliche Lebensweise, als alle andere Insectivoren führen, auch wie sie, als die beiden einzigen Ausnahmen in dieser Abteilung der Raubtiere, einen Blinddarm aufzuweisen haben. Der verlängerten Hinterbeine wegen ist man geneigt gewesen , die Rohrrüssler als Repräsentanten der Springmäuse unter den Iusectivoren anzusehen, dies jedoch mit weniger Recht, als es in Bezug auf die Gerbillen (Meriones) gilt. Die Springmäuse bekommen ihr seltsames Ansehen durch gleichmässige Verkürzung der vorderen und Verlängerung der hintern GHedmasseu. Bei den Robrrüsslern ist datrearen die vordere Extremität so wenig verkürzt, dass im Gegenteil der Vorderarm eher lang zu nennen ist. Die hintern Gliedmassen der Springmäuse haben ferner die Eigentümlichkeit aufzuweisen — und dies gilt für die fünf- wie dreizehigeu Arten — dass die drei Mittelzehen nur an einem einzigen Mittelfussknochen eingelenkt sind, während bei den Robrrüsslern für die fünf Zehen auch fünf Mittelfussknochen sich einstellen. Endlich breitet sich der Schwanz bei jenen am Ende in eine zweizeilig behaarte pfeilförmige Spitze aus, während er bei diesen durchgängig kurz und gleichförmig behaart ist und das Ende nur ein schmales Pinselchen bildet. In all den genannten Stücken kommen aber die Rohrrüssler mit den Gerbillen üherein; bei diesen sind die verlängerten Mittelfussknochen ebenfalls getrennt und fünffach, obgleich merklich kürzer als hei jenen, die Vorderbeine im gewöhnlichen Verhältnisse zu den hintern, und der Schwanz wie bei Macroscelides. Die grössere Eebereinstimumng mit den Gerhillen als Springmäusen spricht sich denn auch gleich in der Bewegungsweise der Rohrrüssler aus, indem sie nicht, wie letztere, springen, sondern, gleich den ersteren, auf allen Vieren laufen. Die verschiedenen Arten von Rohrrüsslcrn haben in Forin und Färbung eine sehr auffüllende Übereinstimmung, auch hierin wie die Tupajns sich verhaltend, so dass ihre Unterscheidung nicht geringen Schwierigkeiten unterliegt. Als gemeinsame Gattungsmerkmale sind folgende hervorzuheben. Der Kopf ist ziemlich gross, und die Schnauze springt als ein rohrförmiger, dünner Rüssel, an dessen vorderem Ende die Nasenlöcher liegen, weit über die Vorderzähne hinaus. Die Augen siud verhältnissmässig gross und beurkunden ein keineswegs lichtscheues Thier. Auch die Ohren, deren äussere Muscheln so vielen hisectivorcn fehlen, sind stark entwickelt und ragen frei aus den Ilaaren und über dem Scheitel hervor; dabei steht auf einer Querfalte der Innenwand nicht weit über der Basis ein kleines Läppchen. Die Bartsch uurren sind von ziemlicher Länge. Der Leib ist kurz und untersetzt, durch die reichliche Behaarung ziemlich dick erscheinend. Die Beine sind lang und dünn; die grössere Länge der hintern entsteht nicht blos durch die Verlängerung des Schienbeins, sondern hauptsächlich durch den sehr gestreckten Mittelfuss, der zwar minder lang als bei Springmäusen und bei Springhaien, aber doch länger als bei den Uerbilleu und zugleich schlanker als bei diesen ist. Bei den übrigen Insecti-vnren kommt eine solche Streckung des Mittelfusses ohnedies nicht mehr vor, und die Rohrrüssler sind deshalb durch dieses Merkmal sehr bestimmt charakterisirt. Die Zehen an den Vorder- wie Hinterlassen sind sehr kurz und schwach; dasselbe gilt von den gebogenen, seitlich stark zusammengedrückten und spitzen Krallen, wodurch hinlänglich angezeigt ist, dass diese Thiere nicht zum Wühlen unterirdischer Wohuuu-gen bestimmt, höchstens, wie Spitzmäuse, die gleich schwa- che Zehen und Kralle» haben, zum Scharren im weichen Boden nothdürftig befähigt sind. An den Vorderfüssen ist der Daumen die kürzeste Zehe, nächstdem die äusserste, über welche die drei mittleren nicht sonderlich vorragen. Au den Jliuterfüssen ist der Daumen nicht blos eben falls die kürzeste Zehe, sondern auch von den andern weit abgerückt. Der Schwanz ist bei allen Arten laug, im Umfange ziemlich abgerundet, gegen die Spitze sich allmälig verdünnend , geschuppt und durchgängig mit kurzen Ilaaren besetzt, die am Ende einen kleinen Pinsel bilden *). Kopf und Kampf sind mit einem langhaarigen, weichen und dichten Pelz besetzt; die Obren haben, mit Ausnahme der untern Hälfte der Seitenränder, nur einen dünnen Haar- °) Am Schwänze des Macroscelides Rozeti habe ich eine merkwürdige Eigenthiimlichkcit aufgefunden, von der ich nicht weiss, ob sie dieser Art ausschliesslich zukommt, oder, was mir wahrscheinlicher ist, ein gemeinsames Merkmal der ganzen Gattung ist. Der Schwanz gedachter Art fängt nämlich ungefähr in der Entfernung eines Zolls yovOt After beträchtlich anzuschwellen an, und diese Anschwellung hält y. Zoll an und ist von Haaren fast enthlösst; hinter ihr zeigt der Schwanz wieder seine gewöhnliche Form. Dieses sonderbare Verhalten erregte in mir die Vermuthung, dass an dieser Stelle eine ähnliche Bildung, wie bei dem Wiichuchol vorkommen möchte, was denn auch clurch die Oeffniing der Schwanzhaut aufs vollkommenste bestätigt wurde. Ks findet sicli nämlich an gedachter Stelle, zwischen der Unterseite der Schwanzhaut und der Wirbelsäule in einer Entfernung von 1" vorn After, eine Driisenmasse von fast 5 Linien Länge, welche, wie beim Wiichuchol, aus einzelnen kleinen ilaschenförmigen Drüsen besteht, von denen jede mit einer deutlichen Mundötfnung versehen ist, und die ihren Inhalt durch feine Löcher der Schwanzhaut ebenfalls, wie beim Wiiclmchol, nach aussen ergiessen können. Diese Schwanzdrüse ist es also, von welcher der Insondere Gertich, der von den nordafrikanischen Rohrrusstern erwähnt wird, herzuleiten ist. Leider waren meine beiden Exemplare von M. typicus und rupeatria in einem solchen zerweichten Znstande, dass an ihnen keine Untersuchung auf die Schwanzdrüse vorgenommen werden konnte. H anfing. Die Fiisse sind unten nackt und warzig; auf der Ober- und Aussenseite mit ganz kurzen angedrückten Härchen bis zu den Krallen bedeckt. Das Knochengerüste, das bereits Duvcrnoy *) vom Macroscelides Rozeti beschrieben und abgebildet, Lichteusfein0fl) in einer bildlichen Darstellung vom Macroscelides tvpicus anschaulich gemacht hat, und das mir aus eigner Vergleichung der Skelete von M. rupestris und Rozeti, sowie eines Schädels von M. tvpicus bekannt ist, gehört zu den regulären Formen und zeigt, mit Ausnahme der Configuration des Schädels, eine grosse Febereinstimmung unter den verschiedenen Arten, wovon Nachstehendes als das Hauptsächlichste hervorzuheben ist. Der Schädel kommt in seiner Totalform am nächsten dem der Tupajas, indem er eben so lang gestreckt, an der Scheitellinie stark erweitert, mit einem starken Jochbogen, der bekanntlich den Spitzmäusen fehlt, versehen ist und einen schmalen langen Schnauzentheil trägt. Er unterscheidet sich von den Tupajas jedoch schon gleich dadurch, dass das Jochhein von keiner Oeffnuug durchbrochen und dass es so wenig als das Stirnbein einen hintern Fortsatz abschickt, welche beide durch ihr Zusammentreffen die Augenhöhle von den Schläfengruben abgräuzen, wodurch die Tupajas vor allen andern Insectivoren ausgezeichnet sind. Auch sind die Stirnbeine an ihren Augeuhöhlenrändern stark eingezogen, so dass hierdurch das Schädeldach viel schmäler als bei jenen zuläuft. Der Schnauzentheil ist vierseitig und verschmälert sich nur wenig nach vorn, wo er fast gerade abgestutzt ist. Seine obere •) Mum. de Strasb. I. livr. 2. tab. 2. •°) Darstell, neuer Saugetb. tab. 28. Wand bilden die langen, fast durchgängig gleiclibreiten und nur am hintern Ende etwas erweiterten Nasenbeine; die Sei-tenwande fallen steil und ohne merkliche Wölbung ab. Besonders ausgezeichnet sind die Itohrriisslcr durch die mehrfache zierliche Durchbrechung des knöchernen Gaumens, woran man allein, auch abgesehen von allen andern charakteristischen Merkmalen, die Gattung erkeunen würde. Duver-noy hat hierauf nicht aufmerksam gemacht, und keine der vorhandenen Schädelabbildungen giebt sie mit Genauigkeit an. Der knöcherne Gaumen nämlich ist von fünf Paar Luchem durchbrochen, wovon vier reihenweise hinter einander liegen. Das vorderste Paar (die foramina incisiva) sind schmal; das hinter ihnen liegende zweite ist etwas breit oval; das dritte ist am längsten gezogen, aber schmal; das vierte, nur durch eine dünne Knochenbrücke von dem dritten Paar getrennt, ist wieder breit oval und liegt bereits im horizontalen Theile des Gaumenbeins» Neben diesem vierten Paare findet sich jederseits (also ein fünftes Paar) abermals ein breit ovales Loch, nur durch ein dünnes Stäbchen von jenem geschieden und das zugleich in die Augenhöhle führt. Sonst ist vom Schädel noch zu bemerken, dass eine schwache llinterhauptsleiste vorhanden ist, von deren Mitte auch eine kurze Scheitelleiste abgeht, die aber bald aufhört und jederseits blos in einer markirten Linie über die Scheitelbeine hinweg gegen die Schläfengrube sich fortzieht. Die Ilinteihaiiptsschuppe ist sehr gewölbt; das llinterhaiiptsloch etwas schief vorwärts gewendet. Die Paukenknochen sind sehr gross, ohne doch zusammenzustossen, und die Gehör-Öffnung ist wTeit; der Schuppentheil des Schläfenbeines0), so •) Smith macht bei M. typicus auf den Umstand aufmerksam, dass Wie die anstossenden Scheitelbeine sind stark gewölbt. Die untern Flügelfortsätze des Keilbeins sind vollständig und bilden jederseits zwischen ihren beiden Blättern eine weite Grube. Das untere Augenhöhleuloch liegt näher am Augenhöhleiiran-de als bei den Tupajas; ein oberes, das bei diesen vorkommt, fehlt. Die Gelonkgrube für den Unterkiefer ist flach. Der Unterkiefer hat einen schmalen aber ziemlich hohen aufsteigenden Ast; Gelenk.* und Kronenfortsatz sind fast von gleicher Höhe; der Winkel springt hakenförmig hervor; der horizontale Ast, ist ausgeschweift. Die Wirbelsäule besteht bei M. Rozeti wie bei M. rupestris aus 7 Hals-, 13 Rücken-, 7 Lenden-uud 3 Krcuzbein-wirbeln. Am Schwänze des ersteren zählt Duvernoy 26, ich nur 25 Wirbel; am M. rupestris finde ich ihrer 28. Die Halswirbel sind schmal und breit; ihre Stachelfort-siitze nehmen nach hinten au Länge bedeutend ab. An den Rückenwirbeln wachsen sie allmälig nach hinten, sind rückwärts gerichtet, die letzten 2—3 mehr senkrecht und die beiden hintersten stossen bei M. rupestris (vielleicht nur zufällig) zusammen. Die Stachelfortsätze, sowie die Querfortsätze der Lendenwirbel wachsen noch mehr an und siud vorwärts gekehrt. Die 3 Stachelfortsätze des Kreuzbeins sind bei M. rupestris ganz getrennt; bei Duvernoy's und dem einen unserer Exemplare von M. Rozeti am obern Ende durch eine Leiste verbunden. Die 3 ersten Scbwauzwirbel siud am Schläfenbeine, sowohl in dessen Schuppen- als Felsentheile, die beiden Tafeln so weit von einander weichen, dass dadurch eine grosse Höhlung entsteht, die beide zusammen an Grösse der Hirnhöhle nicht nachstehen würden. An meinem Exemplare von M. typicus ist leider das Hinterhaupt zertrümmert, aber die linke grosse Knochenblase des Schläfenbeins hat sich glücklich erhalten. Iii noch mit Stachelfortsätzen und breiten Querfortsätzen versehen, die den darauffolgenden abgehen; auch sind die beiden letzten von jenen noch mit besondern untern Fortsätzen besetzt. Rippen sind 13 Paare vorhanden, worunter 8 ächte. Duvernoy ist der Meinung, dass die beideu hintersten Rippenpaare frei wären; sie sind jedoch, wie dies unser Skelet von M. Rozeti und rupestris deutlich erweist, durch Knorpelfortsätze untereinander und mit den folgenden Rippen verbunden. Am Brustheine von M. Rozeti zählt Duvernoy 7 Stücke, während seine Abbildung nur 6 sehen lässt; an dem einen unserer Exemplare sind 6, an dem anderen blos noch 5 zu unterscheiden, und mehr sind es eigentlich auch bei M. rupestris nicht, da das sechste nicht deutlich vom vorhergehen? den gesondert ist. Das erste Stück ist lang und stabförmig, nur am A'orderende zur Aufnahme der Schlüsselheine und des ersten Rippeiipaares erweitert. Das zweite Stück wird nach hinten viel breiter, und diese Breite behalten die folgenden bis zu dem letzten, das langgestreckt ist, bei M. Rozeti sich gabelförmig in zwei Fortsätze spaltet, von denen jeder ein Haches Knorpelblättchen trägt, während bei M. rupestris ein einziges grosses Knorpelblatt das hintere Ende ausmacht. Durch die Breite dieses Brustbeins ist der Rohrrüssler von den Spitzmäusen und Tupajas verschieden. Die vordem Gliedmassen sind mit einem breiten Schul-tcrblatte in Verbindung, das demnach weit mehr mit dem der Tupajas und Igel, als mit dem der Spitzmäuse übereinkommt. Es hat eine dreiseitige Form mit breiter Basis (zumal bei M. rupestris), und eine sehr hohe Gräthe, die in der Mittellinie verläuft. Duvernoy sagt von ihr, dass sie sich plötzlich weit vor der Gelenkfläche endige, so dass es eigentlich kein Akro- mion gebe. Diese Angabe ist jedoch irrig, und, wie seine Abbildung erweist, dadurch entstanden, dass au seinem Ske-lete das ganze \ orderende der Schultergräthe abgebrochen ist. Diese endet nämlich wirklich in ein sehr langes, aber dünnes Akromion, an welches sich das grifielförmige Schlüsselbein einlenkt; ausserderdem schickt es noch einen langen Fortsatz, von dem Duvernoy auch nichts augieht, nach unten ab. Der Hakenl'ortsatz (proccssus coracoideus) ist kurz und verbindet sich nicht mit dem Schlüsselheine, wie es jener Gelehrte behauptet, sondern bleibt von diesem ganz getrennt. Die Knochen der Gliodmassou sind lange nicht so stark und kräftig, wie bei den Gerbillen, sondern gestreckter und feiner. Das Obeninnbeiu ist kurz, gerade, seitlich stark zusammengedrückt, mit scharl vorspringender vorderer Leiste; der innere Knorren des unteren Kopfes ist durchbohrt. Der Vorderarm ist lang , wird aber hauptsächlich nur durch die Speiche gebildet, indem das hinter ihr liegende Ellcnbogen-bein, das hinten einen starken Knorren abgiebt, bald mit selbiger verschmilzt, während bei den Spitzmäusen zwar beide Knochen im unteren Drittthcil sich auch aufeinander legen, jedoch so, dass eine Furche immer noch beide abgränzt. Die Mittelhandknochen siud völlig gesondert; der erste (für den Daumen) nur hnlb so lang als der zweite; der dritte und vierte am längsten. Die Phalangen sind kürzer als die Mittelhand, wie gewöhnlich dreireihig, mit Ausnahme des nur zweigliederigen Daumens; die letzten Glieder aufgerichtet, so dass es scheint, als ob vorn wie hinten die Krallen eiuiger-niassen einziehbar Maren. Das Becken hat lange, schmale, parallel mit einander Verlaufende Hüftbeine. Duvernoy fand die Schambeine nicht, vereinigt; sie stossen aber wirklich (bei M. Rozeti, rupestris Moritz Wagner's Algier. TH. 2 und nach Lichtenstein's Angabe auch bei M. typicus) in einer ziemlich hohen Symphyse fest zusammen, so dass durch diese Versch Ii essung des Beckens die Rohrrüssler von den Spitzmäusen sich entfernen, dagegen abermals mit den Tupajas übereinstimmen. Das ovale Loch ist lang, aber schmal. Das Oberschenkelbein steht in vcrhältnissmiissigcr Länge zum Oberarmhein, und ist gleich diesem von schlanker Torrn. Vom grossen l'indreher läuft im ersten Drittel der Aussen* seite eine fJügelartigc Erweiterung herab. Die Kniescheibe ist länglich. Das Schienbein ist lang und fein gebaut; im oberen Viertel lehr schmal von beiden Seiten zusammengedrückt, so dass es hier ganz blattartig ist und durch einen Schilden Vorsprung stark über den langem untern röhrenförmigen Theil vorragt. Das dünne Wadenbein ist bald unterhalb des oberen Drittels mit dem Schienhein verschmolzen, nachdem es von diesem oberhalb der Vereinigungsstelle weit entfernt war. In dieser Beziehung verhält sich der Unterschenkel wie der der Spitzmäuse, während bei den Tupajas Schienbein und Wadenbein vollständig {getrennt sind. Fuss-wurzel und Mittelfuss sind beide sehr verlängert, aber schmal; der Mittelfassknochen der Daumenzehe ist nur ungefähr halb so lang als die andern , die an Grösse nicht sehr dilferiren. Die Phalangen der Zehen verhalten sich wie die der vordem Extremitäten. Das Gebiss wird auf sehr verschiedene Weise gedeutet. Im Ganzen sind 40 Zähne vorhanden , wovon 20 auf jede Kinnlade kommen; hierüber sind alle Angaben einig, desto grösser ist aber ihre Dillerenz in Bezug auf die Ver-theilung an die einzelnen Zahnsorten. Smith*), der uns zu- •) Zool. journ. IV. j>. 435. erst mit der neuen Gattung bekannt machte, zählt defatos primores-f-, laniarii n-Trij niolares - Lichtenstein0) führt an: prim. "§^ig-j mol. spur.-—-, molar, genuin, Diese letztere Angabe hat neuerdings Smith**) ebenfalls re- cijiirt. Is. Geoffroy0**) will von Schneidezähnen gar nichts wissen; er zählt Eckzähne \\\ , falsche Backenzähne 44") 5 5 ächte Backenzähne »Ir-rT» Wieder anders deutet Duvernoy f), und zwar nach den beiden ihm bekannten Arten verschieden; seinem M. Typus (M. rupestris Smith) giebt er: prim. % , submolares abnormales -r-^y-, submolares normales 2 2 ..5 5 " -ffr-Q , nfolares genuin i 0'■»»•. Am M. Rozeti führt er auf: .8 0 0 2 2 prim. ,■ suhmol. ahnormal. -suhm. norm, -^rjp molar. genuin. «*j . Wir wollen zuerst diese verschiedenen Angaben an dem Gebisse von M. Rozeti, rupestris und typicus, von denen mir Exemplare vorliegen, sorgfältig prüfen, ehe wir eine Zahnformel aufstellen. Ueber die Zahl der Schneidezähne des Oberkiefers kann an solchen Schädeln, wo sich die Natu des Zwischenkiefers erhalten hat, kein Zweifel bestehen: es sind ihrer drei jederseits, also sechs im Gänzen. Geoffroy's Behauptung, dass Spitzmäuse und Rohrrüssler keine Schneidezähne hätten, ist ein blosses Paradoxon, das sich auf eine sehr schlagende Weise dadurch als unhaltbar darthuu lässt, dass wir ihm den grossen Zwischenkiefer des Macroscelides deutlich vorzeigen können. Anders ist es freilich mit den unteren Vorderzähnen, da diese in keinem hesondern Knochen, wie die oberen, sitzen, •) Abhandl. der Berl. Akad. d. Wissensch. 1832. S. 359. *°) Illustr. of the Zoolog, of South Afric. Nr. 6. •••) Ann. des sc. nat. 1829. p. 165. +) A. a. O. auch in der Form den zunächst hinter ihnen stehenden so ähnlich und von diesen durch keine weite Lücke geschieden sind. Dass jederseits wenigstens zwei untere Schneidezähne Vorkommen*, geht daraus klar hervor, dass sie zwischen die oberen Vorderzähne eingreifen. Ein dritter hinter ihnen fügt sich aber bereits hinter dem dritten ohern Schneidezahne ein, und es ist deshalb zweifelhaft, oh man ihn noch den Vorderzähnen oder den darauf folgenden Lückenzähnen zuzählen will. Ich reihe ihn den Schneidezähnen an, weil er in Form und Richtung mir diesen etwas näher als den darauf folgenden Lückonzühnen zu kommen scheint, und hierdurch die Zahlen für die Vorderzähne in beiden Kinnladen in Uobereiustimmung gebracht werdeu. Es sind diese Vorderzähne durchgängig klein. Im Oberkiefer ist der vorderste Zahn durch eine ansehnliche Lücke von dem gleichnamigen der andern Seite getrennt; er ist länglich, aussen gewölbt, immer flach mit stumpfer abgerundeter Schneide. Der darauf folgende zweite Vorderzahn ist kürzer und der dritte wieder etwas länger, obgleich dem vordersten an Grösse nicht völlig gleichkommend. Die Vorderzähne des Unterkiefers, besonders die vier mittlem haben breitere Schneiden als die ohern und sind mehr vorwärts geneigt. Der hinterste ist der kleinst«1 *). *) Duvernoy giebt an, rlass der vorderste Schneidezahn des Unterkiefers von dem gleichnamigen der andern Seite bei M. rupestris (den er M. typus nennt) kaum merklieh, bei M. Rozeti dagegen sehr weit entfernt stehe. Ich finde jedoch nach Ansicht dreier Schädel des letzteren und eines des enteren, daas" der erwähnte Zwischenraum bei M. rupestris eher grösser als beiM. Rozeti ist, möchte aber als erheblichere Differenz zwischen beiden Arten nur die hervorheben, dass bei dem letzteren die unteren Schneidezähne alle gesondert stellen, während bei M. rupestris und typicus der zweite diefit an den ersten sidi anlegt. Dom zunächst auf die Schneidezähne folgenden Zahn kann man beiden Robrrüsslern so wenig als bei den meisten andern fasectivoren die Bed, Mitling eines Eckzahnes zugestehen. Es hat in dieser fjnterabtliotfuiig der Rauhthiere überhaupt nur der Borsteuigel (Centetes) einzig uud allein ächte Eckzähne, nach Form und Uebereinnudorgrcifung aufzuwei-seu. Bei dem Maulwürfe, dem sie gewöhnlich ebenfalls noch zugesprochen werden, darf man dem zunächst auf die Schneidezähne folgenden Zahn, trotz der Formähnlichkeit, den Namen eines Eckzahnes nicht zuerkennen, da er zweiwurzelig ist, und der untere nicht vor, sondern hinter dem angeblichen ohern Eckzahne eingreift; beide daher das nicht sind, wrofür sie ausgegeben werden. Man begreift am füglichsten unter dem Namen der Lückenzähne hui den Insectivoren alle diejenigen Zähne, welche zwischen den Schneide- und ächten Backenzähnen stehen und unter denen sich kein achter Eckzahn (mit der einzigen Ausnahme des Borstenigels) findet. Es entspringt hierbei jedoch abermals eine grosse Schwierigkeit, die ächten Backenzähne von den Lücken- oder falschen Backenzahnen scharf ahzugrün-zen, indem diese letzteren allmälig in jene übergehen, so dass es, wie die vorhin aufgeführten Angaben bezeugen, streitig ist, wo mau die Liickeiizähne aufhören lassen und die ächten Backenzähne zu zählen anlangen soll. Dass im Oberkiefer die ersten zwei Zähne, welche auf die Schneidezähne folgen, als Lückenzähne" anzusehen sind, ergiobt ihre, von der der hintern ächten Backenzähne ganz abweichende Beschaffenheit. Es siud kleine, zweiwurzclige Zähne mit schneidender Krone; der erste einspitzig, der zweite hinten noch mit einer kleinen zweiten Spitze. Der dritte Zahn ist bei M. Rozeti noch ein deutlicher Lücken- zahn, indem er zwar grösser und stärker als sein Vorgänger, sonst aber an Form ihm ähnlich ist. Bei M. typicus verstärkt er sich mehr nach innen uud wird dadurch dem (.olgenden oder vierten BackAizahne mehr ähnlich. Dieser vierte Zahn ist nun, wie bei Spitzmäusen, Tupajas, Wiichuchol und andern Tnsectivorcn eine wahre Ueber-gangsbildung von Lücken - zu ächten Backenzähnen. Bei M. Rozeti ist er den ersteren dadurch noch mehr ähnlich, dass er wrie seine Vorgänger auf der Ausscnseite eine grössere Spitze hat, die auf ihrer hintern Schneide noch eine kleinere trägt; dagegen bekommt er bereits einen starken iiinern An-salz, der durch eine tiefe Grube von der Aussenseite getrennt ist; sein Umfang ist übrigens rundlich dreiseitig, noch nicht vierseitig. Diese Form erlangt gedachter Zahn aber sehr deutlich bei M. typicus und etwas minder bei M. rupestris, weshalb, sowie seiner dicht an die folgenden angerückten Lage wegen, ich ihn für den ersten ächten Backenzahn gelten lasse. Die drei dahinter liegenden Backenzähne des Oberkiefers ergehen sich nunmehr von seihst als ächte Backenzähne. Die zwei nächsten sind vierseitig und bestehen aus zwei äussern lungern und zwei iiinern niedrigem Zacken, die durch eine tiefe Grube von einander geschieden sind. Der letzte Zahn ist der kleinste und dreiseitig, weil ihm die hintere Zacke der Innenseite fehlt. Im Unterkiefer folgen auf die drei Schneidezähne jederseits zunächst zwei sehr kleine schneidende LückenzÜhne; beide siud bei M. Rozeti entschieden einwurzelig, bei M. rupestris giebt Duvernoy den letzten für zweiwurzelig aus, was ich bezweifeln möchte. Die beiden darauf folgenden Zähne nehmen an Grösse zu, haben einen mittleren grossen Zacken, mit ei- uem kleineren vorn und einem etwas stärkereu Ansatz hinten. Hierauf folgen die letzten drei Zähne, die von ihrem Vorgänger weit mehr, als dies in der Oberkinnlade der Fall ist, verschieden sind, und die ich daher allein als ächte untere Backenzähne ausehe. Sie sind, wie durchgekeuds hei den Insectivoren, aus zwei dreiseitigen, hinter einander liegenden Prismen zusammengesetzt, von denen das hintere Paar minder entwickelt, und der letzte Zahn überhaupt sehr verkümmert ist. Unsere Zahuformel wird demnach lauten: Schneidezähne -g-, Lückenzähne -j~T' UCu*c Backenzähne tyyvä Nach diesen allgemeinen Betrachtungen Uber die Verhältnisse des äusseren Baues, des Knochengerüstes und des Zabu-systems gehen wir jetzt zur speciellcn Beschreibung des Macroscelides Rozeti über. Wir können uns hierbei kurz fassen, da nur diejenigen Punkte hauptsächlich hervorzuheben sind, durch welche er sich als besondere Art kund giebt. Die spe-cifischeii Differenzen sind aber zunächst von der Form und Grösse des Rüssels und der Ohren, der Stellung der Augen und Daumenzehe, der Färbung des Pelzes und der Beschaffenheit des knöchernen Schädels hergenommen, daher auch diese Theile vorzugsweise in Betracht zu ziehen sind. Der Rüssel von Macroscelides Rozeti ist dick, walzig, gleich breit und mit kurzen Härchen besetzt; nur das Vorderende ist ganz nackt. Die grossen Augen liegen näher au der Ohr- als an der Rüsselwurzel. Die Ohren sind sehr hoch und breit, von ovaler Form, doch ist der hintere Rand oberhalb seiner Mille etwas ausgeschnitten. Der vordere (innere) Rand ist in seiner untern Hälfte etwas eingeschlagen, und von BemeE Basis verläuft auf der Innenseite des Ohrs eine Querfalte, von der in der vordem Hälfte ein breites viersei- tiges Läppchen i'rei in die Ohrhöhlc hervorragt. An der Basis des äussern Ohrrandes zieht sich eine knorpelige mit längern llaurwimpern besetzte Leiste schief nach innen, uud von ihr gehen nach dem andern Rande zwei Ojiorfalten ab, vou denen die obere sich mit derjenigen verbindet, welche das vorhin erwähnte Läppchen trägt. Von jener Leiste zieht sich noch eine Fulte aufwärts gegen den Ausschnitt des hinteren Randes, und ist ebenfalls mit langen Haaren besetzt. Solche längere Ilaare linden sich auch noch am unteren Theile des hintereu Randes, sowie am Umschlage des vorderen. Ausserdem hat das Ohr auf der inneru, wie auf der äussern Seite noch einen dünnen Ilaarunllug, doch ist die hintere Hälfte der Aussen- und die untere der Innenseite fast ganz nackt. — Die Schnurrhaarc sind sehr lang, linden sich aber nur zwischen Auge und Rüssel. Der Leih ist untersetzt uud, wie der Kopf, von langen Haaren reichlich bekleidet. Die Beine sind dünn und schlank, auf der Oberseite bis zu den Kralleu herab behaart; die Sohlen der Füsse nackt. An den Vorderfüssen sitzt gleich unter der Handwurzel, und zwar gegen die Aussenseite der Sohlenflächc ein lauger horniger Ballen; ein kleinerer au der Wurzel des kurzen und sehr zurückgedrängten Daumens. Ein grosser Ballen aus kleinen runden Warzen bestehend, findet sich au der Wurzel der vier Zehen, deren Unterseite ebenfalls warzig und am Ende mit zwei grösseren Warzen besetzt ist. An den Sohlen der Iliuterfüsse ist der ganze Lauf zuerst geschuppt, dann gekörnt; an der Wurzel der vier äussern Zehen sitzt eine grosse dreitheilige Warzenmasse; die Sohlen der Zehen siud wie an den Vorderfüsscn beschaffen. Die hintere Daumenzehe ist sehr weit von den übrigen abgerückt. Der Schwanz ist so lang als der übrige Körper, im Umfange rundlich (nur an trocknen und verschrumpften Exemplaren ist er vierkantig), an der Wurzel dünner, schwillt hierauf noch vor der Mitte etwas an (und dies ist die Stelle, wo innerlich der vorhin erwähnte Drüsenapparat liegt), und läuft dann, allmälig wieder etwas dünner werdend, in eine stumpfe Spitze aus. Er ist durchgängig geschuppt und mit kurzen eudwiirts gerichteten Ilaaren besetzt, die gegen das Ende länger werden und dort einen dünnen kurzen Pinsel bilden. Die Farbe der Haare ist auf der ganzen Oberseite des Körpers bis tief in die Seiten herab, so wie auf der Aussen-seite der Beine bis gegen die Mitte der Schienen und Vorderarme, an der Wurzel schieferschwarz mit licht fahlbraunen Spitzen, welche dem Pelze aussen seine Grundfarbe geben. Diese licht fahlbraune Färbung ist jedoch nicht rein und einförmig, sondern weil längs der Oberseite des Kopfs, des Kückens und der Schenkel die meisten Ilaare eine kurze schwärzliche Spitze ansetzen, auch einzelne ganz schwarze Haare ihnen untermengt sind, so erscheint die bräunliche llauptfarhe auf diesen Theilen schwarz gesprenkelt. Die untere Mundhälftc, sowie überhaupt die ganze Unterseite des Körpers und die Innenseite der Schienen und A orderarmc ist rein weiss, was von der braunen Farbe der Oberseite scharf abschneidet. Die Härchen der Oberseite der schwärzlichen Füsse und der Haaranflug des schwarzen Bussels sind schmuzig weisslich; die nackte Haut der Ohren ist schwarzbraun und ihr Ilaarbesatz gclblichweiss. Die Krallen sind dunkelbraun, auf der Oberseite am dunkelsten. Die Schwauz-haut ist schwärzlich, und ihre Behaarung auf der ohern Seite bräunlich mit schwarzen Spitzen, auf der untern Seite schmuzig- gelblich. Die ßartsehnurren sind ineistentheils schwarz. Die Länge unserer grössten Exemplare ist für den Körper (in gerader Linie) ungefähr 4"; der Schwanz ist nur ein weniges länger. Duvernoy giebt beide Dimensionen auf 4" 8'" au. Nachfolgende Maasse habe ich vou einem frisch im Weingeiste aufbewahrten Exemplare genommen. Länge des Körpers in gerader Linie . . . 3" 11"' „ „ ,, nach der Krümmung , . 4 2 4 3 „ „ Kopfes nebst dem Rüssel . . . 1 9 Vorsprung des Rüssels über die Schneidezähne 0 (i Breite des Rüssels an der Wurzel .... 0 17, Abstand der Rüsselwurzel von den Augen . . 0 9 0 Höhe des Ohrs am äussern Rande .... 0 11 % Breite, grüsste, desselben im natürlichen Zu- 0 ?*f± Querdurchmesser des Auges...... 0 Länge der Hand bis zur Krallenspitze . . . 0 6 1 2V, Dasselbe Exemplar, zum Skelet verarbeitet, hat folgende Ausmaasse des Knochengerüstes geliefert, wobei ich die des M. rupestris zur Vergleichung beifüge. M. M. Rozeti. rupestris. Länge des Schädels......1" 3'" |" ä'/V" Breite zwischen den Cehürößhungeii 0 6 0 6?/3 „ « „ Scheitelbeinen .0 7 0 7 Höhe des Schädels......0 7'/,. 0 7'/3 Länge der Wirbelsäule ohne Schwanz 2 (i 3 1 M. M. Rozeti. rnpestrift. Lunge der Schwanzwirbel reihe . 4" 5'" 4" 9l/2;" 0 IiV3 Breite, obere, des Hüftbeins . , . o iy3. o IV« Länge des Schulterblatts . , . . 0 8 0 8'/2 . 0 5>/2 0 5V, Länge des Schlüsselheins . . . . 5 4V2 0 b% • 0 7>/2 o . 0 ll'/2 0 U*|, . 0 10 0 10 „ der Hand...... 0 ü 0 63/4 „ des Oberschenkelbeins . , . 0 10'/» i -7* • 1 3V, 1 6 . 1 2% l 47; . 0 7 0 8 „ der längsten Zehe , . , . 0 8»/i 0 4Va Zum Schlüsse wird es noch nöthig, den nordafrikani-schen Rohrrüssler mit den südafrikanischen zu vergleichen iiui seine specilisdien Eigeiilhünilichkeiten ausfindig zu ma-chen. Siuilh hat uns mit .r> Arten aus Südafrika bekannt gemacht, die er M. typicus, rupestris, Intuli, bracbyrhynrhiis und Edward ii nennt; beide erstere besitzt aucli die königl. Sammlung zu München. Diese 5 Arten sind bestimmt von unserem M. Bozeti verschieden. Bei M. typicus (Rhinnmvs Jaculus Lieht.) nämlich siud die Ohren vcrhältnissmässig kurz (nur 7—8"' lang) und fast so breit als hoch, das Auge in der Mitte zwischen Ohr und Rüsselwurzel; der knöcherne Schädel kurz und durch seine Anschwellung am Hinterhaupfe von allen andern Arten auffallend unterschieden. — Der M. rupestris Smith (M, Typus von Is. Geoffroy und Duvernoy) kommt in der Schädelform sehr mit unscrm M. Rozeti übereilt; allein er ist doch hei jenem etwas schmächtiger und im Schuauzentheil länger und feiner; den Hauptunterschied von diesem giebt aber gleich der grosse rothe Fleck hinter den Ohren und die geringe Abrückung der hintern Daumenzehe zu erkennen. — M. In tu Ii entfernt sich specifisch von unserer Art durch letzteres Merkmal, sowie durch die nach oben stark verschmälerten Ohren und lichtere Färbung; auch ist der Schädel am Hinterhaupte merklich breiter. — M. bra-chyrhynclius unterscheidet sich sogleich durch den kurzen Rüssel und die stark ins Rothe fallende Färbung. — M. Edwardii, der nur nach einem einzigen Exemplare charak-terisirt ist und dessen specilische Verschiedenheit vom M. rupestris noch weiterer Prüfung bedarf, ist durch die schmalen Ohren mit rothem Wurzeltleck, und die graue Färbung der Seiten mit M. Rozeti nicht zusammenzustellen. Noch hat Ogilby °) neuerdings die Diagnosen von 2 südafrikanischen Arten puhlicirt, die er M. Alexandri und mela-notis nennt. Da er jede Vergleichung mit bekannten Arten unterlassen hat, so bleiheu die seluigeu zur Zeit problematisch; die erstcre könnte sogar mit M. rupestris zusammenfallen. Für unsern Zweck genügt die Bemerkung, dass vou keiner der beiden Ogilhy'schen Arten die Beschreibung auf unsern nordafrikanischen Rohrrüssler passt. Als Schlussresultat geht demnach hervor, dass M. Rozeti eine von allen andern Species verschiedene, selbstständige Art ausmacht. *) Annale of uat. bist. II. p. I4ti. IT. Herpestes Pli.araonis Geoffr. (Herpestes pumidicas Fr. Cuv.) Fr. Cuvier ist der Meinung, dass die algiersche Malignste von der ächten ägyptischen Pharaonsratte specifisch verschieden seyn möchte. Eine sorgfältige Vergleichung jedoch zweier algierscher, von Herrn Dr. M. Wagner aus Algier mitgebrachten Exemplare mit der Pharaonsratte, welche Herr Hofrath von Schubert aus Aegypten zurückbrachte, hat mich, wie ich es auch schon an einem andern Orte •) ausgesprochen hübe, überzeugt, dass in der äussern Beschaffenheit, wie im Schädelbaue keine andere Differenz obwalte, als dass bei den algierschen Thieren die Farbe der Wollhaare mehr ins Rostrothe, hei dem ägyptischen mehr ins Rostgelbe falle; ein Unterschied, der so geringfügig ist, dass auf ihn eine specilische Trennung nicht gebaut werden kann. Weit mehr unterscheidet sich von beiden der Herpestes caffer durch seineu grünlichen Farbenschimmer. III. Viverra Genetta Linn. (Genetta afra Fr. Cuv.) Die afrikanischen Genetten sind neuerdings auf sehr Verschiedene Weise in Arten gesondert worden. Fr. Cuvier ist der Ansicht, dass die Genetten vom Cap, Senegal und der Berberei drei besondere Arten ausmachen. Is. Geoffroy unterscheidet überdies unter ihnen noch eine Genetta pardina vom Senegal und Gray eine Viverra maculata. Rüppell dagegen ist der Meinung, dass diese angeblichen 5 Arten, denen er noch die Genetteu der Nilländer zufügt, weiter nichts #) Münchner gel. Anzeig. 1839. S. 423. als klimatische Abänderungen einer und derselben Speeles seyen, wie dies deutlich die gegenseitigen Farbenüber-giinge und die Identität des Schädelbaues bewiese. Auch macht er bei den Abbildungen der drei Cuvier'sehen Arten darauf aufmerksam, dass die Illumination nicht getreu sey, indem bei allen die Flecken in der Mitte einen bräunlichen Anflug haben sollten, der je nach den verschiedenen Localitäteu an Ausdehnung und Intensität zunehme, so dass daraus nach und nach die Genetta pardiua entstünde, deren Farbenschattirung namentlich in Ahyssiniori vorkomme, und ferner die Viverra maculata, wenn die Flecken eckig werden. Ich bin mit dieser Ansicht Ilüppell's vollkommen einverstanden, mit der einzigen Ausnahme, dass ich die Viverra senc-galensis Fr. Cuv. für eine von den übrigen afrikanischen Genetten wirklich verschiedene Art halte. Fr. Cuvier will die capische Genette von der berberischen dadurch unterscheiden, dass bei gleicherKßr^erfärbung die Längsstreifen auf dem Oberhalse der ersteren mehr unterbrochen seyen, die Zahl der Längsreihen von Flecken an den Seiten auf 6, bei der berberischen nur auf 5, ferner der Schwanzringe bei jener auf 10, bei dieser blos auf 8 sich belaufe. Gegen diese Unterscheidung habe ich indess zu bemerken, dass ich bei einem capiseben Exemplare unserer Sammlung auch nicht mehr als 4 Fleckenreihen und 8 Schwanzringe zähle, so dass diese an Zahl eben BÖ*veränderlich als an Form und zum Theil auch an Färbung sind und eben deshalb keinen Haltpunkt für speeifische Sonderlingen abgehen können. Vergleiche ich nun die beiden algierschen Exemplare, die mir von Herrn Dr. M. Wagner's Sendungen zur Ansicht gekommen, mit den capischeu, so linde ich in der Zahl der Stimuli/ringe und Flockonrcihen keine Abweichung; in der Färbung nehme ich nur die leichte Differenz wahr, dass der Grundton mehr ins Gelbliche fällt, der weisse Fleck unter den Augen minder markirt uud die Flecken grösstentheils voll, d. h. nur selten und spärlich mit röthlich gelben Haaren untermischt sind. IV. Canis Vnlncs Linn. Var. atlantica. Dass ein Fuchs auf dem algierschen Territorium vorkommt, ist schon in den Blättern des Institut mitgetheilt worden ; es sind mir jedoch aus selbigen seine Beziehungen zu unserem gewöhnlichen Fucl is nicht klar geworden. Um so erfreulicher war es mir daher, von Herrn Dr. M. Wagner ein vollkommen gut erhaltenes Exemplar dieses Thieres zur eignen Ansicht erlangt zu haben, waran ich ersehe, dass der Fuchs vom Atlas von unserm deutschen nicht specilisch verschieden, sondern eine leichte Farbenabänderung ist, wie sie mitunter auch bei uns vorkommt. Die bekannte Färbung unserer gewöhnlichen Füchse ist an dem Fuchs des Atlas sehr lichte geworden; das Rothe ist verhlasst, so dass der gelbe Ton vorherrscht und die Farbe nur fahlgelb ist; ein Streit' zwischen Auge uud Schnurren, der auch um die Augengegend herum sich zieht, ist allein rostroth. Die ganze Unterseite des Körpers, die Lippen und die Innenseite der Beine ist weiss, doch haben die meisten Ilaare unterhalb der Mitte einen schwarzen Ring. Die Vorderläufe haben einen schwarzen, bis zu den Zehen herabreichenden Längsstreif. Der Schwanz ist von noch blasserer Grundfarbe als der Rumpf, jedoch mit mehr schwarzen Haa- reu untermengt; sein Ende ist gelblichweiss. Die Aussen-seite der Ohren ist schwarzbraun. Die Lange des Körpers beträgt 18 Zoll, des Schwanzes 14 Zoll. Der fahlgelbe Fuchs des Atlas mit. weissem Unterleibe giebt ein interessantes Factum für die geographische Verbreitung des gemeinen Fuchses ab, insofern mau wohl hätte erwarten dürfen, dass der fuchsrothe und schwarzbäuchige Canis niloticiis der Nilländer sich weiter westlich fort in den nordafrikanischen Küstenländern einstellen würde, um so mehr, da schon im südlichen Italien unser Fuchs durch eine (wenngleich gewöhnlich nur im Winter) schwarzbäuchige Ilace, unter dem Namen Canis melauogaster bekannt, ersetzt wird. Es bildet jedoch der Fuchs des Atlas keine vereinzelte Ausnahme unter den Füchsen, die sich in den um das mittelländische Meer herum liegenden Ländern linden, als der dalmatinische Fuchsö) mit ihm die nächste Verwandtschaft hat. ") Die Uiiiversitätssammlung zu Erlangen besitzt ein Exemplar dieses Fuchses von Zara. Kr kommt mit dem unseligen überein, doch fällt die Farbe an den Seiten, statt ins Fahlröthliche, mehr ins Fahlgelbliche. Die Aussenseite der Heine ist iahlrothlich, die Füsse ebenfalls, doch ist ihre Vorderseite vom Fussgelenke an und noch etwas über das Handgelenk hinaus bis zu den Zehenspitzen herab schwarz. Die ganze Unterseite des Körpers, die Lippen und die ln^ nenseite der Ober- und Unterschenkelj sowie der Anne (letztere mit Ausnahme eines fahlrotnen Längsstreifs) ist weiss, mit sehr vereinzelt stellenden schwarzen Haaren, Der Schwanz hat eine weisse Fnd-spitze. Die Ohren sind auf der Aussenseite scltwarz. Die Länge des Korpers betrügt fast 2', des S chwanzes 1' 4". — Aus dieser Beschreibung geht hervor, dass der dalmatinische Fuchs so wenig als der vom Atlas von unserem deutschen Fuchse Specifisch getrennt werden könne. **%» -fräi «rü* -jHH>ii • ^»«^Ihv»^ "P*!^ ||| tfjgf V. Mus barbarus Linn, Diese von Linne zuerst beschriebene Art ist in neuern Zeiten" so selten gefunden worden, dass noch Desmarcst ungewiss blieb, zu welcher der vielen Gattungen, die in neuerer Zeit aus dem Linne'schen Genus Mus errichtet wurden, der Mus barbarus zu rechnen sey. Die Ungewissbeit musste noch dadurch gesteigert werden, dass man sich gewöhnlich blos an die Gmeliirsche Diagnose hielt, in welcher den Vor-derfiissen nur 3 Zehen zugesprochen werden. Erst Bennett0) bat nach 2 lebenden und einem todten Exemplare dieser Art ihre richtige Stellung im Systeme angewiesen. Zur nachfolgenden Beschreibung des eben so schönen als seltenen Thicres hat mir ein von Herrn Dr. M. Wagner in Weingeist mitgebrachtes Exemplar gedient, das nun in-der zoologischen Sammlung zu München ausgestopft aufgestellt ist. Das Ansehen ist ganz mausartig; die Schnurren sind von massiger Länge; die mittelgrossen Ohren sind innen uud aussen dünne behaart. An den Vorderfüssen fallen zuerst nur 3 ziemlich grosse Zehen in die Augen; sieht man aber genauer zu, so findet man jederseits der Zchenwurzel das Rudiment der äussern und inuern Zehe. Auch an den Hinterfüssen sind die 3 mittlem Zehen viel länger als die sehr kurzen seitlichen, die nicht weiter als bis zur Wurzel der langen Zehen vorragen, obgleich sie deutlich wahrnehmbar und merklich länger als die beiden vordem seitlichen Zehen sind. - Die mittlere unter den langen Zehen (die 3te vom Daumen an) ist an den Vorder- wie Hinterfüssen etwas •) Tlie gardens and menagerie of tlie zoolog. society delineated. I. p. 29. Mohitz Wagner's Algier, HF. 3 länger als ihre zunächst liegende seitliche. Die Krallen sind dünne und spitzig. Der Schwanz ist lang, frisch rundlich, und läuft allmälig in eine dünne Spitze aus; er ist geschuppt und durchgängig mit kurzen rauhen Haaren besetzt. Die Farbe der ganzen Ober- und Aussenseite des Kopfs, Rumpfes und der Beine ist gelblichbrauu oder rüthlich lehmgelb zu nennen, auf dem Kopfe schwarz gesprenkelt. Auf dem Scheitel beginnt ein schwarzer Lüngsstrcif, der längs des Rückgrathes bis zur Schwanzwurzel sich fortzieht; jederseits desselben bis tief iu die Seiten herab, verlaufen 5 andere schwarze, etwas gebogene Längshinden, deren Mitte gewöhnlich wieder die rosthräunliche Grundfarbe durchblicken lässt. Die Unterseite des Kopfes und Leibes ist rein weiss. Die Behaarung der Ohren ist gelhröthlich; die schwarzen Schnurren haben ineist weissliche Spitzen. Der Schwanz ist oben mit schwärzlichen, seitwärts mit lehmfarbigen Härchen besetzt. Die Krallen sind dunkelbraun. Der knöcherne Schädel hat ein convexos, an den Nasenbeinen ziemlich gekrümmtes Dach; die Stirnbeine sind gegen das vordere Ende stark eingezogen. Sonst zeigt der Schädel hinsichtlich der Zahl und Form der Backenzähne , sowie des untern Augenliühlenloclies die charakteristischen Merkmale der Gattung Mus in dem engeren Sinne der neuern Zoologen, und M. barbarus ist daher mit M. Musculus zusammenzustellen. Die Grösse giebt Linne geringer als die der Hausmaus an; Bennett bezeichnet sie als das Mittel zwischen dieser und der gemeinen Ratte. Unser Exemplar ist grösser als das Linne'sche, aber kleiner als das Bennett'sche; aus dem wenig abgenutzten Zustande der Backenzähne möchte es sich vielleicht schliessen lassen, dass dasselbe noch etwas an Grösse zugenommen haben würde. DieMaasse habe ich vou ihm im frischen Zustande abgenommen. Länge des Körpers in gerader Linie .... 3" 3"' „ „ „ nach der Krümmung, fast . 4 0 „ des Schwanzes......... 4 6 „ der Ohren........... 0 7 Breite, grösste, derselben........ 0 5l/2 Länge vom Hacken bis zur Krallenspitze ... 1 0 „ der 3ten Zehe am Vorderfuss .... 0 2l(2 „ „ „ „ am Hinterfuss .... 0 4 TL Meriones robustus Cretxschm, Der Meriones robustus, wie ihn Cretzschmar beschrieben hat, ist bisher nur aus Kordofau gewesen. Obgleich nun seine Angaben in einigen Stücken, namentlich in etlichen Maassabnahmen, nicht ganz mit den mir vorliegenden Exemplaren aus Algier übereinstimmen, so mag die Ursache wohl darin hauptsächlich zu suchen seyn, dass Cretzschmar seine Beschreibung blos nach Bälgen, wo bekanntlich Maassabnah-men meist nur einen approximativen Werth haben, entwerfen konnte, während ich zu gleichem Zwecke irische Exemplare in Branntwein zu verwenden im Stande war. Die Gestalt des algierschen M. robustus ist, wie schon sein Name besagt, robust. Die Schnurren sind lang, das Auge ist näher gegen die Ohren als gegen die Nasenlöcher gerückt, und dabei ziemlich gross. Die Ohren ragen stark über den Kopf hervor, sind oval, nicht sonderlich breit und nackt. Die Vorderfüsse sind gleich den hintern fünfzehig, doch ist ihr Daumen nur ein kurzer Stummel mit breitem flachen 3* Nagel; die übrigen Vorderzehen sind auch ziemlich kurz, die mittelste ein wenig länger als die ihr zur Seite stehenden. Die nackte Sohle des Vorderfusses ist mit kleinen Warzen besetzt; ausserdem linden sich noch zwei grössere Ballen an der Handwurzel, ferner kleinere am zweiten und fünften Finger, und ein gemeinsamer an der Wurzel des dritten und vierten Fingers. An den Hinterfüssen, die wie die vordem auf der Vorderseite bis zu den Krallen mit kurzen Haaren besetzt sind, ist auch die Sohle dünn behaart, doch bleibt ein schmaler Lüugsstreif gegen den äussern Band des Mittelfusses, sowie die Unterseite der Zehen ganz nackt. Sehr kleine Ballen finden sich an jeder Zehenwurzel; für die dritte und vierte giebt es einen gemeinsamen. Alle Zehen liegen geschlossen aneinander an. Die innere Zehe ist etwas kürzer als die fünfte; die &we«* und vierte sind merklich länger, und die Mittelzehe ist noch länger. Die Nägel aller Zehen , mit Ausnahme des Vorderdaumens, sind schwach, stark zusammengedrückt, hohl, etwas gekrümmt und zugespitzt. Der Schwanz ist dick und verschmälert sich etwas gegen sein Ende; er ist allenthalben dünn behaart und diese Haare werden auf der Oberseite gegen die Schwauzspitze hin länger. Die Färbung ist anf allen obern und äussern Theilen bis tief an die Seiten herab rostig fahlbraun, was an den Seiten lichter wird. Die einzelnen Haare sind an der untern Hälfte graulich schwarz, oben mit ockerbraunem Ringe, dem jedoch aul dem Rücken häufig eine schwarze Spitze nachfolgt, weshalb auch hier die Farbe am dunkelsten ist. Der Unterkiefer, nebst der ganzen Unterseite des Körpers, sowie die Vorder- und Hinterlasse sind gelblich weiss. Der Schwanz ist lichte gelbbräunlich, unten etwas heller; die langen] Haare aber, welche die Oberseite der Schwanzspitze einnehmen, siud schwarz. Die Krallen sind licht gelblich; von den Schnurren, welche Cretzschmar sämmtlich als weiss angicbt, siud die untern kürzern weiss, die ohern lungern schwärzlich. Von nachstehenden Maassangaben rührt No. f. von mir, No. II. von Cretzschmar her. I. 11. Länge des Körpers in gerader Linie . . 5" 9'"-- „ „ „ nach der Krümmung .61 66 ,, „ Schwanzes....... 5 3 5 6 Von der Nase bis ihm vordem Augenwinkel 0 1072 0 9 Vom letzteren bis zum Ohr......0 Ö'/j, 0 5 Länge des Ohrs......... 0 7 0 5 Breite desselben.........0 5 — — Länge des Hinterfusses vom Hacken bis zur mittlem Krallenspitze.......I 4'/2-- Fr. Cuvier sieht den Dipus pyramiduni. Geoffr. für identisch mit unserem Meriones robustus an, worin ich ihm beistimme, obgleich er die Unterseite des Schwanzes von jenem als weiss angiebt, was bei diesem nicht der Fall ist,^ mit dem er sonst in Grösse, Färbung und namentlich auch in der Form des knöchernen Schädels übereinkommt. Vom cupischen Meriones Schlegelii, mit dem unser M. robustus die nächste Aehnlichkeif, hat, unterscheidet ihn schon hinlänglich die Schädelform, seihst wenn man auf die übrigen Differenzen keine Bücksicht nehmen wollte. i: in ige Bemcrkiuigen über die kleineren v«n Dr. Tl. Wagner in Algier gesammelten Säuge thiere. Von Hermann Nathusius in Hundismirg. Minioptcrus Schreibersii Natierer. Vespertilio Schreibersii Naüercr; Kühl, Annalen d. Wetter. Ge-sellsch. 1819. IV. 185. no. 7. --Ursinii, llonapartc, Icon. d. fauna üalica. 1837. XXL 106. mü Abb. ßliniopterus Schreibersii, Keyserling und Blasius, 1839. in Wiegmanns Archiv. V. 323. Diese höchst ausgezeichnete Art wurde zuerst von Schreibers im Jahre 1809 in den Columbazer Höhlen des Banats entdeckt und vor Kurzem von Honaparte im Kirchenstaate aufgefunden; aus Algier erhielt ich zwei weibliche und ein männliches Exemplar, deren Identität mit der ungarischen Art Graf Keyserling und Blasius durch Vergleichung mit Originalexemplaren von Natterer dargethan haben. Demnach scheint diese Art iin Süden weit verbreitet zu seyn. Die von Bonaparte unterschiedene Gattung Miniopterus, welche bis jetzt allein durch vorliegende Art gebildet wird, ist durch Bildung des Schädels, Zahl der Zähne und relative Länge der Fingerglieder Sehr ausgezeichnet; sie ist in der gründlichen Arbeit vou Keyserling und Blasius zuerst in ihrem Yerhältniss zu den andern Gattungen der europäischen Fledermäuse auseinander gesetzt, auf. welche hier nur zu verweisen ist, um so mehr als den Verfassern bei Entwerfung der citirten Beschreibung die 3 Exemplare vou Algier vorgelegen haben. Vesperugo murginntus Cretiachmar. Vcsperlilio albolimbatus Küster, hü 1835. 75. Vesperugo albolimbatus Keyserling und Blasius. Wieym. Arch. V. 320. Ein aus Algier und einige aus Oran erhaltene Exemplare haben gleichfalls zur Entwerfung der Beschreibung in der neuesten Monographie gedient. Die im 93. Heft des Schreber'schen Werkes Tab. 55 A. unter dem Namen V. marginatus Michahelles gelieferte Abbildung gehört aber nicht zu dieser ihr nahe verwandten Art, sondern ist Vespertilio Kuhiii Natterer,welche damals nicht hinlänglich erkannt war, als Michahelles die Exemplare in Italien sammelte, und für eine neue Art hielt. Sorex Araneus Schreber. Ein Exemplar aus Oran, welches ganz den europäischen Exemplaren gleich ist. Sorex etruscus Savi. , Ein in Algier gefangenes Exemplar, den Originalexempla- reu Savi's aus Pisa durchaus gleich; — es scheint deshalb, dass diese Art, das kleinste aller Säugetbiere, weiter verbreitet ist, als bisher anzunehmen war, wo man sie nur in Italien gefunden hatte; dass aber Sorex suaveolens Poll, nicht dazu gehört, wie Rathke vermuthet hatte, darauf habe ich schon in Wiegmann's Archiv (III. 2. 153.) aufmerksam gemacht. Sorex pygmacus Pallas, Zwei Exemplare aus Oran. Es war mir überraschend, dass diese Art so weit verbreitet ist, indem sie bis jetzt nur ausser den Pallas'schen Fundorten im nordöstlichen Deutschland aufgefunden war; über die Identität dieser afrikanischen Exemplare mit den norddeutschen ist jedoch kein Zweifel. Mus Musculus Linne, In zwei nicht ausgewachsenen Exemplaren. MUli Bemerkungen über da» Vorkommen und die Iiebeiiswei.se der in der Regentschaft Algier beobachteten Säuget liiere* Von Dr. Moritz Wagner. In einem so ungastlichen Lande, wie die Regentschaft Algier, wo jeder Ausflug, der den Reisenden ein paar Meilen von den französischen Posten entfernt, überall, auch zur Zeit des Friedens, mit augenscheinlicher Lebensgefahr verbunden ist, wo der bei weitem grösste und interessanteste Theil des Landes ■— die innern Gegenden, welche über dreis-sig Stunden südlich von der Seeküste beginnen — den Europäern ganz verschlossen, ganz unbekannt gehliehen, wo die tief im Innern wohnenden Stämme wenjg oder keinen Verkehr mit den von den Franzosen besetzten Hafenstädten unterhielten , in einem solchen dem Forscher äusserst ungünstigen Land, war es mir unmöglich, eine Fauna zu sammeln oder zu beobachten, die irgend auf Vollständigkeit Anspruch machen könnte. Der gegenwärtige Versuch gilt daher blos von dem Lande, so weit es in der Gewalt der Franzosen ist, und einigen andern zum Gebiet Abd - ei - Kader's gehörigen Punkten, wo ich mich während des Friedens an der Tafna einige Zeit unter dem Schutz des Emirs aufhielt. Der südlichste Punkt, den ich besuchte, liegt unter dem 35° 28' nördlicher Breite. Nur in wenigen Gegenden entfernte ich mich über 2.r> Stunden von der Seeküste. Welche Thierarten in den innersten Gebirgen, in den Steppen zwischen dem letzten Abhang des Atlas und der Sahara, wo für Thier- und Pflanzenwelt der eigentlich afrikanische Charakter wohl erst beginnen mag, vorkommen, darüber ist uns sehr wenig Zuverlässiges bekannt. Wohl hat man darüber einige Angaben vou unwissenden Renegaten, die ihr Schicksal ins Innere verschlug, gesammelt; ihre Aussagen aber lauten zu widersprechend, schmecken zu sehr nach Lüge und Uebertreibung, als dass man darauf irgend eine feste Ansicht hauen könnte. Auch auf die Erzählungen der Araber und andern Eingehornen über die Thiere, welche im Kobla uud in der Sahara leben, ist im Grund wenig zu vertrauen. Bei ihnen ist nicht sowohl Windbeutelei und frei willige Uebertreibung die Ursache der unrichtigen Nachrichten, als vielmehr ihre lebhafte, für alles Wunderbare eingenommene Phantasie, die sie eines einfachen Nacherzählens, einer treuen Beschreibung des Gesehenen ganz unfähig macht. Schon der wackere Burkhardt, dieser wahrheitstreue, schlichte, allen auf vagem Gerede beruhenden Nachrichten, abholde Reisebeschreiher, klagt in seinem Werk über Nuhien, wie wenig die Erzählungen der dortigen Eingehornen über Thiere, Ruinen u. s. w. Glauben verdienten, da sie bei ihrer völligen BegrihSslosigkcit die einfachsten Gegenstände unklar übertrieben uud falsch beschrieben. So sagten sie bei dem Rhinoceros, es sey ein Thier so gross, wie eine Kuh und habe ein Horn mitten auf der Stirn. Andere Reisende wurden dadurch irre geführt und glaubten, es sey das Einhorn, welches in Nubicn noch leben müsse. Auch die Araber des Südens der Provinz Oran erzählten mir in Mascara auf meine Prägen die verwunderlichsten Dinge über die Thiere, welche in dem weiten Saud-ocean der Sahara irren sollen. Sie beschriehen mir einmal in Gegenwart des Consuls Daumas, ohne sich durch unser ungläubiges Lächeln im Mindesten irre machen zu lassen, folgendes abenteuerliche Thier. „In der Sahara," sagten sie, „existirt ein Thier, das so gross ist, wie der „„Esel der Wüste"" (Zebra); es hat lange weisse Mähnen und aufgeschlitzte Nasenlöcher. Statt der vier Beine hat es nur ein einziges, das aus der Mitte des Bauches herausgeht." — „Nun," bemerkten wir, „dann ist dieses Thier wohl leicht zu fangen, da es mit einem Beine unmöglich schnell laufen, sondern nur hüpfen kann." — „ Bewahre," antworteten die Beduinen, „das Thier läuft im Gegentheil so schnell, dass ein Heiter es im vollsten Rennen nicht einholen kann." — Die Araber nannten dieses wunderliche Thier „Lachad - Sakh" und machten uns noch eine lange Beschreibung, wie mau desselben habhaft werde. Selbst die ein klein wenig aufgeklärteren und gebildeteren Bewohner der Berberei, die Mauren in den Städten, tischen dem wissbegierigen europäischen Reisenden ähnliche Fabeln auf uud sprechen dabei mit so ernstem Gesicht, dass man nicht anders annehmen kann, als sie selbst wenigstens seyen von dem Glauben an die wirkliche Existenz jener barocken Wunder innigst durchdrungen. Der Maure Sidi-Ilam-dam - ben-Othman - Khodscha, der sich doch in Europa längere Zeit umgesehen und einer der civilisirtesten Afrikaner ist, erzählt in seiner Brochnre bei Gelegenheit seiner Reise ins Innere der Provinz Constantine, es gebe im Land Zah (Grimzstrich der Wüste) ein giftiges Reptil, eine Art Schlau- ge, welche Feuer speie und vom Boden auf, wie ein Pfeil, gegen seine Feinde springe. Wenn dieses furchtbare Thier über de» dicken eisernen Steighügel eines Beduinen krieche, so lasse es au demselben eine unvertilgbare Spur zurück! Auch Biskris in Algier (Bewohner der Stadt Biskara) erzählten uns oft von den ungeheuren Schlangen und furchtbar giftigen Thieren in ihrer Heimath. Als aber der Stabsarzt Guyon durch viele Geschenke endlich einen solchen Biskri vermochte, uns von den furchtbarsten Thieren seiner Gegend einige todte Exemplare nach Algier zu bringen, erhielten wrir gar nichts Ausserordentliches, sondern nur die gewöhnliche gehörnte Otter (Vipera cerastes), welche auch in Aegypten vorkommt, uud eine Scorpionart (Androctonus Aeueas), welche die au der Küste vorkommenden Arten an Grösse wenig übertrifft. Auch die alten Geographen Roms und Griechenlands bringen über die numidische Thierwelt gar viele fabelhafte Kunden. So sagt Strabo, es gebe iu einem Flusse Maurusiens Blutegel von sieben Ellen Lange mit durchlöcherten Kiemen, durch welche sie athincteu*). Römische Schriftsteller, welche Numidieu aus eigener Erfahrung kannten, wie Sallust und Procopius, erzählen freilich nichts vou dergleichen Nachrichten, uud die kurze Beschreibung des Ersteren von der Natur des Landes ist vollkommen richtig. So manche Thierarten, welche damals vorgekommen seyn mögen, wie die Ele-phanten, die Bären u, s. w., sind jetzt verschwunden. Andere, namentlich die reisseuden Thiere, vor allem die Löwen, deren Numidieu eine so ausserordentliche Zahl für die römischen Kampfspiele lieferte, haben sich bedeutend vermindert. •) Strabo tib. XVII. Ueber die verschwundenen Thiere folgen einige Bemerkungen am Schlüsse. Ich zähle hier erst sämmtliche Säugetbiere auf, die ich in Algier beobachtet habe und die unter den Arten meiner Sammlung nicht mit aufgeführt waren. Von Affen habe ich nur eine einzige Art wahrgenommen, den Tnuut gylvanus, der statt des Schwanzes einen Ilaut-zipfel hat. Dieselbe Art soll sich auch in der Gegend von Gibraltar angesiedelt haben, doch bestätigen dies die neuesten Reisenden, welche Gibraltar besuchten, nicht. Posidonius sagt, dass, als er von Gades nach Italien schiffte, und der libyschen Küste nahe gekommen, er einen an das Meer reichenden Wald voll Affen gesehen habe, theils auf den Bäumen, theils auf der Erde. Einige hatten Junge und gaben ihnen die Brust: er habe lachen müssen, als er einige mit grossen Brüsten sah, andere mit Kahlköpfen und Brüchen oder mit andern dergleichen Fehlern u. s. w. Wenn diese, wegen ihrer seltsamen Details, gar nicht wahrscheinlich klingende Erzählung richtig ist, so muss es ehemals in Nordafrika bei weitem mehr Affen gegeben haben, als heutiges Tags, denn jetzt fahren fast jede Woche Dampfschiffe der Küste entlang nach Bona und Oran, ohne je dergleichen Af-lenbevölkerungen wahrzunehmen. Nur auf einem Felsen Westlich von Budschia siebt man zuweilen einzelne Affen dem Damplboot neugierig nachschauen. Vor fünf Jahren soll auch dort wirklich noch eine kleine Affcncolonie von einem Dutzend Individuen existirt haben. Die Franzosen machten aber ein paar Mal Jagdpartieu dorthin und seitdem sind die behaarten Felsbewohner fast ganz verschwunden. In der Umgegend von Algier, Bona, Oran, Mostaganein, Arzew, giebt es keine Alfen. Zuweilen aber bringen die Kabylen solche Thiere lebendig aus dem Innern zum Verkauf. Aber, ob- Wühl sich viele Liebhaber für diese Tbiere fanden, die ver-hältnissmässig thciier bezahlt werden (in Algier bezahlt man für das Stück gewöhnlich zwanzig Franken), so kamen doch nur selten Alfen auf den Markt. Bei der Geldgierde der Eiu-gehorueu ist dies ein ziemlich sicherer Beweis, dass deren auch in den inneren Gegenden nicht viele vorhanden sind. Zuverlässig erfuhr ich, dass ausser bei Budschia, auch zwischen Constantine uud den Ruinen von Signs Alfen gesehen wurden, aber immer nur einzelne. Etwas zahlreicher sollen sie nördlich vou Setif, au den felsigen Ufern des Suinmam, vorkommen, wo es auch noch ziemlich ansehnliche Waldungen giebt. In der westlichen Provinz Oran traf ich keine Spur von Affen. Von dem ilundsgeschlecht giebt es in Algerien mehrere Schakalarten. Sie sind in grosser Zahl über das ganze Land verbreitet und kommen des Nachts, ihr weinerliches Geheule ausstossend, bis dicht an die Städte. Selbst in den Umgehungen von Algier, wo so viel gejagt wird, schiesst man sie im Mondschein aus den Fenstern der Landhäuser. Sie fressen hauptsächlich Aas. Vom Canis Cerda, welchen Bruce in Algerien entdeckte, sah ich nur einmal ein einziges lebendes Exemplar auf dem Markt von Algier. Es kam aus Gherdeia , einer Oase der Beni-Mzab, in der Sahara gelegen, und wurde von einem Engländer zu einem hohen Preis gekauft. Hyaena striata ist in ganz Algerien zu Hause, wiewohl viel weniger häufig, als frühere Reisende berichteten. Ich schoss während eines achtmonatlichen Aufenthalts in den Umgebungen der Stadt Algier dort nur ein einziges ziemlich junges Individuum in den dichten Buschgegenden au den Ufern der Aratscb. Nur fünf weitere Exemplare wurden meines Wissens während dieser Zeit in der dortigen Gegend geschossen. Man niuss jetzt ziemlich weit über Algier hinausgehen, um ByBnon zu treffen. Nur wenn manchmal Kälte eintritt und die Atlasberge überschneit sind, treibt sie der Hunger zuweilen des Nachts in die Nähe der Stadt und einmal ereiguete es sich, dass eine grosse, schöne, weibliche Hyäne bei dem Thore Bab-el-Uad von der Schildwache ge-schosseu wurde. In den Provinzen Oran und Constantine traf ich die Hyäne häufiger, als bei Algier. Im Lager Ghelma zogen die Soldaten mehrere lebende Hyänen auf. Zu Arzew wurden mir zwei schöne junge lebende Hyänen zu sehr billigem Preis ungeboten. Zwischen Arzew und Mosta-ganem, wo ungeheure dicht verwachsene Buschwaldungen den Boden bedecken, soll sie am häufigsten seyn. Bei Oran kommt sie weit seltener vor, da dort viel gejagt wird. Commandant Saint-Fargeau hatte sie früher zwischen Oran und dem Löwengebirg öfters geschossen. Die Hyäne Hiebt vor dem Menschen, stürzt sich aber auf die stärksten Hunde. Die Jagd dieses Thieres ist weniger gefährlich und interessant, als ich mir vorgestellt hatte. Als ich bei dem Posten Maison Carree, drei Stunden östlich von Algier, die erste Hyäne sah, fiel sie gleich auf den eisten Schuss eines meiner Begleiter und gab kein Lebenszeichen mehr; sie war durch das Ange getroffen. Jeder Schuss in den Kopf tödtet sie in der Regel gleich auf der Stelle, Im Monat Mai brachte ich an den Ufern der Aratsch, auf dem letzten Abhang des Sahel eine Nacht auf dem Anstand zu. Die dort ausgestellte Leiche eines Pferdes lockte eine Menge Schakals herbei, die Während des Frasses heulten und sich bissen. Sie ergriffen die Flucht bei Annäherung einer grossen Hyäne, welche aber, vielleicht weil sie auch die lauernden Jäger witterte, lange nicht an den Fruss, der im Mondschein lag, gehen wollte, sondern an einem Knochen kaute, der in einiger Entfernung davon lag. Endlich lockte sie aber doch ihr Appetit in die Falle und wir tödteteu sie auf den ersten Schuss. Sie war fast von der Grösse eines Kalbs, wog 72 Pfund und wir konnten sie nur mit vieler Mühe nach der Stadt bringen. Ich balgte sie etwa zwölf Stunden nach ihrem Tod ab. Sie gab bereits einen sehr hässliehen Geruch von sich und ging sehr schnell in Verwesung über. Von dem Balg fielen, ungeachtet ich ihn augenblicklich in Alaunwasser brachte, eine Menge Haare aus. Die w iderliche Ausdünstung dieses Thiers war so stark, dass es noch ein paar Wochen laug in meinem Zimmer darnach roch, trotz des täglichen Räucherns. Die Araber nennen die Hyäne Dheb ah und fürchten sie nicht sehr. Auch den Heerden ist sie nicht sehr gefährlich, da sie sich meistens mit Aas begnügt. So oft die Araber eine Hyäne todten, vergraben sie schnell den Kopf, weil sie fürchten, dass man sie damit behexen könne* Felis Leo. Zu den Zeiten der Römerherrschaft war Numidieu von einer grossen Zahl Löwen bewohnt. Diese Colonie lieferte fast allein alle zu den Kampfspielen des schaulustigen Roms nÖthigen Löwen, Plinius schreibt, Syl-la habe einmal 100 numidischc Löwen mit gewaltigen Mähnen zugleich in die Arena geliefert. Pompejus brachte deren später 000, worunter 315 Männchen, und Cäsar stellte 400 zur Schau aus. *) Vielleicht war eben diese Leidenschaft der Römer für Thierkämpfe schon damals Schuld au der grossen Verminderung der Löwen. In noch grösserer Zahl mögen sie vernichtet werden seyn, als die Bewohner dieses e) Plinius Uh. VIII. Can. 16. Landes in den Besitz des Feuergewehrs kamen. Der hm tische Reisende Shaw bemerkt schon zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, dass man Mühe halten würde, in Numidien auch nur den fünfzigsten Theil der Löwen aufzutreiben, welche die Römer ausführten, *) Seit 1830 haben sich diese prächtigen Raubthiere in einigen Gegenden noch mehr vermindert, denn überall, wo die Franzosen militärische Niederlassungen gründeten, durchstreiften eine Menge kühner Jäger das Land. Der Ruhm, einen Löwen zu erlegen, hatte für viele Militairs weit mehr Reiz, als ein Sieg über Beduinen. Bei Oran und Bona wurden grossartige Jagden angestellt. In den Umgebungen der letztern Stadt ging Commandant Yussuf manchmal mit einigen hundert seiner Spahis zur Löwenhetze hinaus. Da die Häute gut bezahlt wurden, dachten auch die Beduinen im Innern mehr als früher auf die Verfolgung dieses Raubthiers, welches sie früher nur des Vergnügens wegen gejagt hatten oder weil es unter ihren Ileerden öfters Verheerungen anrichtete. So ist der Löwe in Algerien jetzt mehr und mehr in die einsamem Wildnisse des Landes zurückgedrängt. Bei der Stadt Algier giebt es in einem Umkreis von 30 Stunden keine Löwen mehr. Die Schaarcn von Waidniäuncrn, die dort jeden Tag zum Jagen hinausziehen, müssen auf die interessanteste Seite der numi-dischen Jagd, die einzige, mit der wahre Gefahr verbunden ist, ganz verzichten. Bei Bona findet man in den öden Buschgegenden zwischen den Ufern des Mafragg und der Niederlassung der Korallenfischer La Calle noch einige Löwen. Zur Zeit meines Aufenthalts in Bona vom Juni bis December 1837 gingen fast jede Woche Jagdpartien dorthin ab, aber •) Shaw. I. p. 316. Moritz Wagner's Algier. III. m sie kamen in der Kegel mit leeren Hunden zurück, ohne einen Löwen gesehen zu haben. Man rechnete, dass unter sechs Ausflügen in das Land jenseits des Mafragg kaum einer glücklich ausfiel. Ich selbst wTar nennmal im Stammgebiet der Merdess, wo der ergiebigste Jagdgrund ist, hall dort mit Eber, Schakals und Hyänen tüdten, aber nur ein einzigesmal wurden Löwen erlegt. Es waren ein Männchen und Weibchen, beide sehr schöne Thiere. Der Löwe schien alt und phlegmatisch, er machte kaum einen Versuch zu fliehen, zerfleischte aber das Pferd eines verfolgenden Oi'ficiers, wurde von diesem in den Kopf geschossen und blieb auf dem Platz, starb aber erst auf den siebenten Scliuss nach furchtbarer Agonie, wobei er sterbend noch mit Schweif und Klauen um sich hieb, die Mähne sträubte und nach langem dumpfen Röcheln erst verschied. Die Löwin war jünger, aber doch fast ausgewachsen, sie floh scheu und rasch, ohne Miene zum Widerstand zu machen. Wir hatten aber gegen hundert Beduinen vom Stamm der Merdess mit uns, welche sie auf flüchtigen Pferden durch Dick und Dünn verfolgten und endlich einschlössen. Als wir Europäer ihr nahe kamen war sie bereits erlegt. Die besten Hunde waren zaghaft und wagten nicht, den gewaltigen Katzen zu Leib zu gehen. Unter allen Theilen Algeriens ist der Löwe wohl im Innern der Provinz Constantine am wenigsten selten. Ich hörte sie brüllen fast jede Nacht vom Lager Uhelma aus und als ich in dortiger Umgegend einst in einem arabischen Duar übernachtete, kam ein Löwe ganz nahe an das Zelt, in dem ich schlief. Er brüllte nicht, sondern stöhnte nur dumpf, in einem Ton, wie ich ihn nie zuvor gehört hatte. Die Araber schienen eben nicht sehr erschrocken. Der Scheikh ging hinaus und schoss ein Pistol ab; andern Tags merkte mau aber doch, dass der Löwe ein Schal' mitgenommen hatte. Im Palast des Bey Achmed zu Constantine fänden wir ein Dutzend Löwen an der Kette, worunter ganz junge sowohl, als alte, wunderschöne Thiere. Ihr Wärter war ein deutscher Renegat Wendelin Schlosser aus Erlurl, welcher früher in der Fremdenlegion diente. Seiner Aussage nach stammten die meisten dieser Löwen aus dem Süden der Provinz. In den westlichen Provinzen Algeriens scheint er etwas seltener vorzukommen. Bei Oran erlegten in den ersten Jahren der Occupation die französischen Officiere öfters Löwen bei einem isolirten Berg, östlich von dieser Stadt, welcher auch den Namen „Löwenberg" führt. Jetzt scheint er aber von dort verschwunden und sich tiefer in die Buschwildnisse südlich von Arzew, welche kein Jäger betritt, zurückgezogen zu haben. Die Bewohner von Mascara und Araber aus dem Stamm der Garrabas erzählten mir, dass der Wald von Muley-Ismael zwischen den Ebenen Ceirat und Tlelat in ihrer Provinz der Liehlingsaufenthalt der Löwen sey. Ich durchzog diesen Wald, freilich in starker Begleitung , einmal bei Tage und einmal bei Nacht, ohne einen Löwen zu sehen oder zu hören. Der Löwe liebt zu seinem Aufenthalt Ebenen, Thäler oder Hügelland, wo es Buschwerk giebt; auch in ganz wüsten, baumlosen Steppen findet man ihn, nie aber in hohen Gebirgen. Daher ist er auch in dem meist gebirgigen Marokko weit seltener, als in der Regentschaft Algier. In Tunis soll er früher häufig gewesen seyn, ist aber durch die dort dichter als sonstwo beisammen wohnenden Araber fast ausgerottet worden. Unter allen Staaten der Berberei ist Tripolis, nach den Aussagen der Beduinen , das an Löwen bei weitem ergiebigste Land. Auch durch die Sahara sollen diese Raub- 4* r>2 tliiere gehen. Feberall, wo es Beduinen giebt, siedelt der Löwe sich an, da er weiss, dass es ihm in ihrer Nähe an Frass nie fehlt. Aus den Heerden der Araber holt er sich auch da, wo es an andcrni Wild nicht fehlt, sein Futter am häufigsten. Bei der ungeheuren Zahl ihres Viehs wird es den Beduinen schwer, dem Löwen diese gewöhnliche Beute streitig zu machen. Auf der Weide zerstreuen sich die Heerden über einen ziemlich weiten Raum, wo der Löwe leicht ein isolirtes Stück fortschleppt. Bei Nacht siud die Heerden zwar innerhalb des Duars und von vielen Hunden bewacht, dennoch wagen sich auch dorthin die Löwen, wenn der Hunger sie treibt. Man verscheucht sie durch Schüsse oder Feuer, aber selten werden sie erlegt. Nächst dem Vieh der Beduinen ist das Fleisch des Ebers die Hauptnahrung des Löwen. Eber giebt es in grosser Zahl, da die Eingehornen sie nicht vertilgen. Shaw erzählt, der Löwe werde manchmal von dem Eber im Kampfe getödtet und mau habe Öfters beider Leichen neben einander gefunden. Aber sicherlich war dies nur eines jener vielen Märchen, welches die Araber dem britischen Doctor, wie andern Reisenden auftischten, das aber durchaus grundlos ist. Die Eber der Berberei sind viel furchtsamer, weniger stark und, wenn sie angeschossen sind, auch viel weniger keck und wild als die nordischen. Selten werden Hunde auf der Eber-jagd verletzt, nie hörte ich von einem verwundeten Jäger. Die numidischen Löwen hingegen sind seit den Römerzeiten durch ihre Stärke und Furchtbarkeit berühmt und seitdem keineswegs entartet. Auf einer Jagdpartie, die einst Commandant Yussul bei Bona veranstaltete, wurden mehrere Spahis zerrissen, andere verwundet und kein Löwe erlegt. Die gewöhnliche Zeit, wo die Löwin Junge gebärt, ist der Hochsommer. Die meisten jungen Löwen sollen , mich der Versicherung der Araber, am Zahnen sterben. Ihre Erziehung ist sehr schwierig und fast alle jungen Individuen, Welche von Liebhabern gekauft und im Hause gehalten wurden, starben trotz der sorgfältigsten Fliege. Die Löwen verbergen ihre Jungen gewöhnlich in Höhlen, welche zu entdecken die Araber sich alle Mühe geben. Es hält dies schwer, denn jene Raubthiere suchen zu ihrem Schlupfwinkel durchaus nur eiusame Gegenden aus und machen oft sehr weite Züge, um ihre Beute zu holen. Entdecken die Araber eine solche Höhle, so nehmen sie die Jungen zur Dämmeruugs-zeit, wo die Alten auf ihren Raubzügen streifen, lebendig und lauern im Hinterhalt auf die Rückkehr der Alten. Manchmal nehmen solche Versuche aber ein furchtbares Ende. Der Dragoman der Garnison von Arzew und der dort ansässige Bäcker Chasfere erzählten mir folgenden Vorfall, dessen strenge Wahrheit mir mehrere Ofliciere der Besatzung bestätigten. Zwei Araber vom Stamme der Garrabas kamen nach Arzew mit jungen Hyänen und verkauften dieselben an den Bäcker Chasfere. Sie fragten auch, was man wohl für junge lebendige Löwen zahle, worauf der Dragoman') ihnen ein ziemlich ansehnliches Gebot schlug, wenn sie ihm solche Thiere brächten. Die Araber gingen fort und kehrten nicht wieder. Einige Zeit darauf kam ein Scheikh der Garrabas nach Arzew und äusserte, dass zwei Männer seines Duars verschwunden; man sey sehr in Sorge, was aus ihnen geworden. Der Dragoman erzählte ihm was er wusste. Dar- °) Dieser Dragoman war ausser seinem Dienst bei der Garnison, Verwalter eines dem Herrn Pellissier in Algier gebörigen Hauses. Man nannte ihn, so viel ich mich entsinne, Luigi. auf ging der Scheikh mit einer grossen Zahl bewaffneter Männer seines Stammes nach dem östlichen Abhang des „Löwenbergs" und fand dort iu einer der Höhlen zwei blutige Bernusse und zwei Flinten, welche nicht losgedrückt waren. Wahrscheinlich waren jene beiden Araber selbst von den Löwen, deren Jungen sie fangen wollten, überrascht worden, ohne ihrer Flinten sich bedienen zu können. Die Fingebornen erzählen viele Fälle ähnlicher Art und überhaupt wäre es zu verwundern, wenn bei einem Volke, das mitten unter den wilden Thieren seine Wohnsitze aufschlägt und beständig die Einöde durchzieht, sich nicht häufiges Unglück zutragen würde. Die beste Art, den Löwen zu entgehen , ist in die dichtesten Büsche sich zu flüchten, denn das meist dornige , leicht verletzende Gesträuche hält das grosse Raubthier vom Verfolgen ab — so erzählen wenigstens die Araber. Im Ganzen ist der Löwe phlegmatischer, als die übrigen Katzen, und dieses Phlegma hat man Irüher oft für Grossmuth ausgelegt. Unter einigen Stämmen geht die Sage, der Löwe greife nie Weiber an, wenn diese ihm gewisse Worte zuriefen. Es fehlt aber nicht an Beispielen, dass er auch Weiber angegriffen uud verzehrt hat. Dass er vou Hunger getrieben grosse Keckheit zeigt, ist ausser Zweifel. Während der Expedition nach Tlemsan, kam ein Löwe bei Nacht mitten unter die französischen Bivouacs und erwürgte das Pferd des Herrn Desfontaines, Beamten der Armee. Die Araber erzählen, dass ein hungeriger Löwe, der auf der Lauer sitze, wenn er keine isolirte Beute ertappe, sich nicht scheue, auf eine grosse Karavane loszustürzen. Gewöhnlich falle er dann den letzten Reiter des Zuges an. Eine sichere That-sache, die mir von sehr glaubwürdigen Personen verbürgt worden, ist, dass die meisten arabischen Pferde, besonders die Hengste, den Löwen auf eine Entfernung von etwa hundert Schritten wittern und dann scheu werden, sich bäumen und nicht vorwärts wollen. Flieht der Löwe hingegen , so treibt der verfolgende Jäger sein Pferd ohne Mühe hinter ihm her. Die schönsten Löwen, die ich in Algerien sah, waren jene, welche dem Exbey von Constantine gehörten. Ihr Wärter, der Renegat Wendelin Schlosser aus Erfurt, hatte sie ziemlich gezähmt. In Bona kaufte man zur Zeit meines Aufenthalts sehr junge Löwen ziemlich billig: fünfzig bis sechzig Franken war der gewöhnliche Preis. Löwenhäute von alten Individuen aber waren vcrhältnissmässig theuer, da sich immer viele Liebhaher dazu fanden. Felis Pardus. Der Panther ist in Algerien etwas seltener als der Löwe. Man findet ihn mehr in den westlichen Gegenden, als in den östlichen. Auch in Tunis, Marokko und Tripolis kommt er vor, aber nirgends häufig. In der Umgegend von Algier wird er noch zuweilen bei Reghaia geschossen. Er lieht hohe, nicht zu dichte Buschgegenden. Ich sah prächtige Exemplare dieses schönen Raubthiers, viel grösser als in den Menagerien Europas, wo sie gewöhnlich von Asien oder dem Cap der guten Hoffnung stammen. Der Panther ist weniger kühn und gefährlich, als der Löwe, doch richtet auch er unter den Hernien der Araber grossen Schaden an, hält sich aber mehr an Schafe und Kälber, wählend der Löwe eben so gerne gegen Pferde und Ochsen geht. Wenn der Panther aber dem Löwen an Stärke und Furchtbarkeit weit nachsteht, so ist er dagegen viel scbnell-füssiger und schwerer zu jagen. Auch die Abart Felis Leo-pardus kommt in der Regentschaft Algier vor. Dagegen kam mir nie jene Katze zu Gesicht, welcher Shaw den arabischen Namen Faadh giebt und die, nach ihm, ein Ba- stard von Löwe und Leopard seyn soll. Einen ganz jungen Leoparden kaufte ich lebendig auf dem Algierer Markt. Er starb nach wenigen Wochen und ich brachte nur den Balg mit nach Europa. Zu den Rdmcrzeiten scheint der Panther in Numidien und Mauritanien sehr gemein gewesen zu seyn. Der Aedil Scaurus schickte, wie Plinius erzählt, 150 Panther nach Rom, später schickte Pompejus 410 und Kaiser Augustus 420 Panther dorthin. Ilystrix cristata lebt auf dem Küstenlande der Berberei, soll aber nirgends über dreissig Stunden tief ins Innere gehen. Das Stachelschwein liebt nur buschige Gegenden und findet sich nicht in kahlen Steppenlündern. Es ist sehr furchtsam, bewohnt einsame Gegenden und verlässt am Tage selten seine Büsche. Im freien Feld läuft es nicht so schnell, als ein Mensch, wird also eingeholt und mit Knittcln todt geschlagen. Sonderbar ist, dass auch unter den Arabern, ja sogar unter einigen europäischen Jägern der Glaube gleich wie bei den Römern herrscht, das Stachelschwein schleudere seine Stacheln gegen seine Verfolger, wie Pfeile aus, doch nicht auf mehr als zehn Schritte. Ich habe auf der Jagd öfters Stachelschweine getödtet, die, von den Hunden eingeholt, sich gegen diese, ihr Stachelgewand schüttelnd, stellten uud sie in respektvoller Ferne hielten. Nie aber sah ich, dass sie Stacheln ausschleuderten, wohl aber lagen deren immer einzeln auf dem Boden, welche durch das zornige Schütteln und Klappern ausgefallen waren. Das Stachelschwein sali, obwohl der Löwe sich vor ihm scheut, doch zuweilen vou dem Schakal im Schlaf überrascht und verzehrt werden. In der That fand ich öfters die Ueberreste dieser Thiere in einsamen Gegenden, wahrscheinlich in ähnlicher Weise umgekommen. Das Fleisch des Stachelschweins wird von den Eingehornen gegossen und schmeckt angenehm. Man kauft dieses Thier sehr billig auf ilem Markt zu Algier, wohin es die Araber lebend, an den Sinterpfoten es weiterschleppend) bringen. Ich fand das Stachelschwein um Bona, Algier, Mostaganem, Arzew, Oran. Sns scrqfa. In der ganzen Berberei, so weit es Buschwaldungen giebt, trifft man Wildschweine in grosser Zahl. Die Araber jagen sie nur zuweilen zum Vergnügen und lassen die erlegten Thiere dann den Schakals uud Hyänen zum Frass, da der Koran ihnen den Gcnuss des Schwei u-ileisches versagt, weshalb sie auch den grössten Ekel gegen dasselbe aflectiren. Die berberischen Eber wachsen zu einer bedeutenden Grösse heran und wiegen manchmal bis 120 Pfund. Sie siud, wenn sie angeschossen werden, weniger gefährlich, als die Eber in den Wäldern Europas. Ihr Fleisch ist viel zarter und schmackhafter. Bei Algier fängt ihre Zahl an, etwas abzunehmen, da die dortigen Colonisten und Militairs täglich Wildschweinjagdeu anstellen. Sie sind dort bereits in die dichten Buschgegenden von Staueli, an den Ufern der Aratsch und Ilamiss und nach dein Cap Mati-fu zurückgedrängt. Auf offenem Terrain jagt man sie manchmal zu Pferde und holt sie ziemlich leicht ein, da sie bald müde werden. Bei Bona und Oran erlegt eine tüchtige Jagdgesellschaft mit guten Hunden an einem ergiebigen Tag oft 20 bis 30 Eber. Antilope Dörens. Dieses über die ganze Berberei verbreitete schöne, schmucke Thier soll in den südlichen Steppengegenden truppweise vorkommen. Am Küstenstrich ist die Antilope einzeln und selten, auch sehr schwer zu schiessen wegen ihrer Scheu und Flüchtigkeit. Europäische Jäger lässt sie fast nie auf Schussweite nahe kommen und nur den schleichenden, leichtlÜssigen Arabern gelingt dies bisweilen. In der Ebene Egghres bei Mascara, wo ich sie weniger selten, als sonst wo traf, wird sie zu Pferde gejagt. Ich fand sie ausserdem bei Oran, Arzew, Mostaganem; in der Provinz Constantine ist sie sehr selten. Sonst sind mir keine weitem Antilopenarten zu Gesicht gekommen. Ich will nun einige Bemerkungen über die vom Herrn Prof, Andh. Wagner beschriebenen und erwähnten Säuge-thiere beifügen. Macroscelides Hoxeii wurde im Jahre 1834 von Hrn. Rozet, Capitän des Generalstabs, in de« Umgebungen von Oran entdeckt und von Duvernoy in Aen Annales dVtistoire naturelle de Strassbourg zuerst beschrieben. Später theilte Herr Duvernoy in einer Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften auch über die Lebensart dieses interessanten Thiers einige Notizen mit, die er von mir erhielt. Ich fand den Rohrrüssler gleichfalls hei Oran; auch bei Arzew und Tlemsam wurde derselbe aufgefunden, scheint sich aber weiter nicht verbreitet zu haben. Bei Mostaganem und Mascara, WO ich andere kleine Säugetbiere in ziemlicher Zahl fing, ist vom Rohrrüssler keine Spur mehr zu finden. M. Rozeti hält sich nur auf steinigen Bergen auf; bei Oran kommt er nur auf dem Felsen von Santa-Cruz vor, nie in der Ebene. Er gräbt keine Löcher, sondern wählt zu seinen Schlupfwinkeln natürliche Löcher, Felsritzen, am liebsten hält er sich unter losgetrennten, grossen Felsblöcken auf, die man umwälzen muss, um ibu hervorzutreiben. Die Felsen bei Oran sind mit ziemlich sparsamen Pilanzenbüscheln bewachsen, worunter die Zwergpalme (Chainaerops humilis) dominirt. Im Schatten dieser Pflanze sitzt der Rohrrüssler, der die grosse Souuenhitze scheut, am Tage lauernd auf die um ihn schwirrenden In* secten, die er mit einigen Sätzen zu erhaschen sucht. Sonst geht er aber stets auf vier Passen in gleichmässigem Schritt. Die langen Hinterbeine dienen ihm nur, seine Beute springend zu erhaschen (»der seine Verfolger zu erspähen. Bei seinem äusserst feinen Gehör vernimmt er das geringste Geräusch schon von fern, erhebt sich dann auf seine Hinterfüsse uud blickt lauernd um sich. Kommt das Geräusch näher, so flieht er sehr hurtig in seine Schlüpfwinkel. Die Jagd dieser Thierart ist äussert mühsam. Ich bestieg die Felsen bei Oran in Begleitung einiger Soldaten der liataillons d"1 dfrique, welche im Fang dieser Thierchen grosse Febung hatten. So oft der Kohrrüssler durch das Umwälzen der Felsstücke ge-nötbigt wurde, seinen Schlupfwinkel zu verlassen und keine andere Ritze in der Nähe fand, floh er in das dichteste Laub der Zwergpalme, wo er umstellt und gefangen wurde. Vier Mann, die auf das Eifrigste einen vollen Tag lang dem Macroscelides nachspürten, fingen höchstens drei Individuen; er gehört demnach zu den seltensten Thieren, selbst auf seiner so beschränkten Localität. Sein Lieblingsfutter sind Insecten, die keine harte Schale haben , am liebsten ungeflügelte Orthopteren, Larven oder auch Schnecken. Du es ihm nicht möglich ist, die harte Schale der Delix lactea zu zerbrechen, so erhascht er diese Schnecke im Kriechen, verfolgt sie mit seiner seltsam verlängerten Schnauze in das Innere des Gehäuses und reisst gewöhnlich ein Stück von dem Thiere ah, ehe sich dasselbe in das Innere seines Gehäuses zurückgezogen. Ich hatte zwölf lebendige Thierchen zu zwei oder drei beisammen in verschiedenen Gefässen. Sie frassen am liebsten junge Heuschrecken, Raupen, Schnecken; Käfer Hessen sie liegen, wahrscheinlich wegen der harten Schale. Brod und Zucker, womit Rozot sie ernährt haben will, rührten sie nicht an. Der Rohrrüssler ist ein äusserst friedliches Thier; er beisst nie um sich, selbst wenn man ihn quält; in diesem Fall giebt er einen sehr leisen kläglichen Ton von sich. Auch unter einander vertrugen sich diese Thiere in der Gefangenschaft auf das Beste, während die ihnen nahe verwandten Spitzmäuse sogleich mit einander in Kampf geriethen. Die Gelasse, in denen die lebenden Thiere aufbewahrt wurden, erfüllte ein sehr scharfer, oigenthümlicher Geruch, der vou der Schwanzdrüse der Rohrrüssler kam. Dieselben Soldaten , die mir beim Fang des Macroscelides Rozeti behilflich waren und von denen auch Herr Rozet die ersten Exemplare erhalten, hatten das Thier auch bei Arzew, wo es häufiger als hei Oran vorkommt, und in den Umgebungen von Tlemsan aufgefunden. Die günstigste Zeit, dieses Thicrcheus habhaft zu werden, ist Frühjahr und Herbst. Während der Regenzeit im Winter verkriecht es sich ganz in Beine Felslöcher und die Sonnenhitze scheut es ebenfalls, SO dass es in den heisseu Monaten nur in den Früh- und Abendstunden hinter den Zwergpaluisträucheu lauernd gesehen wird. Die Eingehornen nennen den Macroscelides Rozeti „Dhohba-el-haluf," d. h. Schweinsratte. Di/ms acgyptius. In den Umgebungen von Oran, Arzew, Mostaganem lebt dieses Thier sehr häufig in trockenen Ebenen. Es baut sich Löcher in der Erie und kommt, so lange die Regenzeit dauert, nicht zum Vorschein. Im Sommer hingegen werden die Springmäuse häufig von den Beduinen lebendig nach Oran zum Verkauf gebracht. Viele Europäer halten deren zum Vergnügen lebendig in Behältern und nähren sie mit Waizcnkörnern. Sie scheinen des Wassers ganz entbehren zu können oder vielleicht gar nie zu trinken, Ol denn ich sah mehrere dieser Thiere in Gefangenschaft', welche seit Jahren kein Wasser erhalten hatten und sich doch vollkommen wohl befanden. Die Springmäuse hupfen stets auf den zwei langen Hinterfüssen und tragen den Schwanz gesenkt; sie sind im Laufe ziemlich leicht einzuholen, verstecken sich aber leicht unter Büsche und entgehen dadurch oft dem Jäger. Man findet gegenwärtige Art blos in der westlichen Provinz Algeriens. Meriones robustus. Ich fand dieses Thier ebenfalls nur in den westlichen Theilen der Regentschaft Algier, bei Oran, Mostaganem und Mascara. In den Umgebungen von Algier und in der Provinz Constantine scheint M. robustus nicht vorzukommen, während er im Westen äusserst gemein ist. In ausserordentlicher Zahl traf ich ihn namentlich in der Stadt Mostaganem. Auf einem sandigen,' mit Gras ziemlich dünn bewachsenen Anger von höchstens 2000 Quadratfoss befanden sich über 300 Löcher, die zum unterirdischen Bin dieser Thiere führten. Während des Tags hallen sie sich in diesen Löchern versteckt, aber sobald die Sonne nahe am Untergehen war, kamen sie in grosser Zahl aus ihrem Versteck und liefen von einem Loch zum andern. Sie gehen auf vier Füssen, nicht auf zwei, wie die Arten des ihnen mehr verwandten Geschlechts Dipus. Fürchten sie aber irgend eine Gefahr, so setzen sie sich auf die Hinterfüsse und strecken den Kopf nach Art der Kaninchen lauernd in die Höhe. Ue-brigens sind sie nicht sehr scheu und lassen sich leicht mit der Flinte bis auf zwanzig Schritt beschleichcn. Sterbend macheu sie manchmal noch einen Satz von zwei Fuss Höhe. Mau fängt sie lebendig leicht, wenn man ihnen in ihren unterirdischen, verschlungenen, aber nicht sehr tiefen (längen nachgräbt. In der Gefangenschaft nährte ich sie mit m Waizenkörnem, Brod und Zucker. Sie vertrugen sich sehr gut, da sie immer gesellschaftlich leben. Den Herpestes Pharaonis oder numidieu* fand ich in den Umgebungen der Städte Algier, Bona und Oran. Er soll nach Mittheilungen, die ich in letzterer Stadt erhielt, noch viel weiter westlich sich erstrecken und in der Gegend von Tanger keine Seltenheit seyn. Er haut sich Höhlen unter der Erde. Bäume sah ich ihn nie erklettern. Wegen seines ungemein schnellen Laufs ist seine Jagd schwierig. Ein ziemlich schwer verwundetes Thier machte die Hunde einst eine volle halbe Stunde laufen. Einig«' Personen in Algier halten Manguste lebendig an der Kette, wo sie ziemlich zahm werden. Sie fangen auch Batten, Mäuse, fressen nötigenfalls auch Schlangen und andere Amphibien uud sind gar keine K ostve rächter. Viverra Genetta fand ich in den Umgebungen von Algier uud Oran, wo sie ziemlich selten ist. Sie ist dem Federvieh sehr gefährlich. Wenn sie verfolgt wird, rettet sie sich gewöhnlich auf Bäume, die sie mit grösster Behendigkeit erklettert. Canis Vulpes. Ich schoss diese Varietät des Fuchses auf einer Jagdpartie in der Ebene Metidscha, nahe am Fuss des Atlasgebirges , zehn Stunden von der Stadt Algier. Er ist viel seltner als die Schakalarten und ich traf ihn auf keinem andern Punkt der Hegentschaft Algier wieder. Felis Caracal, der Luchs der Berberei, kommt nicht häufig in der Umgegend von Algier vor, wohin zuweilen Exemplare zu Markt gebracht werden. Unter den Hausthiercn nimmt das Pferd in der Berberei die erste Stelle ein. Die gegenwärtige Pferderace Algiers ist aus einer Kreuzung der berberischen uud arabischen Rosse entsprungen, welche beide schon seit uralten Zeiten ihrer Schnelligkeit und Ausdauer wegen berühmt sind. Aber die heutig«; Race dieser nordafrikauischen Pferde scheint sehr entartet. Es giebt nicht viele schöne Thiere unter ihnen; auch werden sie von den meisten europäischen Pferderucen im Laufe auf ebenem Boden eingeholt. Dagegen siud sie sehr zuverlässige und abgehärtete Thiere. Die algierer Plerde laufen über den schwierigsten Boden, über steile Abhänge, Ruschgegenden, Sandfelder und Morastebenen gleich leicht und sicher. Ich habe meine Ausflüge in das Innere auf Pferden Vinn verschiedensten Werth und Alter gemacht und ritt auf ihnen oft in der Dunkelheit oder beim furchtbarsten Unwetter, ohne dass ich je durch ihren Fehltritt stürzte. Sie sind auch nicht leicht zu ermüden. Ich ritt auf einem kleinen, magern Pferd in einer Nacht von Medschez-Ammar nach Bona, welche 27 Lieues von einander entfernt sind, und legte die letzten drei Stunden noch im Galopp zurück, ungeachtet mein Pferdchen nur einige Handvoll Gerste unterwegs zu sich genommen hatte. Von der Abhärtung dieser Thiere war ich am besten Zeuge während der Expedition gegen Constantine, wo die armen Pferde einige Wochen lang im Regenwetter bei der spärlichsten Kost bivouakirten. Nur wenige Reiter-plerde starben, wogegen die grossen europäischen Zugpferde, welche man an die Kanonen anspannte, und die südfranzösischen Maulthiere täglich in Menge niederfielen. Ein Krieg ist in diesem wilden Land ohne einheimische Pferde fast unmöglich. Dies haben die Franzosen auch eingesehen und ihre vier Cavalerieregimcnter reiten blos berberische Rosse. Boden und Klima von Algerien ist für die Vermehrung der Pferde äusserst günstig; denn in den Thälern und Ebenen finden sie üppige Weiden und der Aufenthalt in dem Hoch- laml, auf den Abhängen des Atlas erkräftigt sie in den Zeiten der Hitze. HerrDureau de la Malle sagt, auf das Zeug-niss des Generals Damremont sich berufend, dass sich in den Umgebungen von Constantine die besten Pferde des Landes fänden. Diese Behauptung ist aber grundfalsch. Die in Constantine erbeuteten Pferde, selbst die des Beys, waren grösstentheils gewöhnliche Thiere uud die wenigen schönen Bosse unter ihnen kamen aus dem an die Wüste angrünzenden Landstrich, der unter der Autorität der Familie Ben-Ganah stellt. In der That stammen alle vorzüglichen Bosse, die ich in Algerien sah, aus den Steppen des Blad-el-Dseherid, des Kuhla oder der Einöde vou Angad, sämmtlich sterile, heisse, offene Gegenden. Trockenes Land uud spärliche Weide scheint überhaupt für die Qualität der Pferde erspriesslicher, als pllanzenreiches Gefilde. Die Kirgisen, das Turkomanen-land und Arabien, sandige, wenig gesegnete Länder, liefern bei weitem schönere Hesse, als die grünen Prairien, die bewässerten und fruchtbaren Provinzen Südamerikas. Eine Pferderace, die den ungeheuren Strapazen und Leiden des Turkomanenlebens nicht erliegt, muss von edlem, kräftigsten Stoff seyn, schwache und kränkliche Thiere sterben dort bald hin und es bleibt nur ein kernhaftcr, eisenfester Stamm, dessen Nachkommen, so lange sie dieselben Gegenden bewohnen und dieselbe harte Lebensweise fortführen, dagegen auch nie zahlreicher werden. In Buenos Ayres, Uruguay und Brasilien haben sich die Pferde ins Ungeheure vermehrt, sind aber ausgeartet und verkümmert. In dem nördlichen Theil der Regentschaft Algier ist die Zahl der Pferde bedeutend grösser, als in den Südsteppen, hat aber auch einen Theil seiner vorzüglichen Eigenschaften, sein Feuer und seine Flüchtigkeit eingebüsst. Abd-el-Kader's schönste Pferde, namentlich sein schwarzes Srreitross, welches Siitze von fünf bis sechs Ellen Lange macht und dessen Feuer und Schönheit die Begleiter Bugeaud's bei dessen Zusammenkunft mit Abd-el-Kader im Juni 1837 zu bewundern Gelegenheit hatten, stammen aus der Sahara oder dem Kobla. Die Provinz Oran scheint, so viel ich in Erfahrung briu-gen konnte, die grösste Pferdezahl hervorzubringen, Herr Daumas, der frühere französische Consul in Mascara, meint, das ganze Gebiet Abd-el-Kader's könne wohl 200,000 Pferde besitzen. Die westliche Provinz besitzt auch schönere und kräftigere Thiere als die Proviuz Constantine. Die Mehrzahl der Pferde der Berberei ist von grauer Farbe. Schwarze oder ganz weisse Rosse sind selten. In der Regel sind sie schlank und eher klein, als gross, der Kopf ist schmal und lang, die Mähne bei schönen Rossen sehr füllreich, ebenso der Schweif, die Beine sind im Verbältniss zum schlanken Körper sehr stark, im Allgemeinen sind die Pferde wohl gestaltet, alier eigentlich schöne Thiere giebt es sehr selten. Ich ritt einmal auf einem sehr grossen englischen Miethgaul nach dem Markt an der Ilamiss, wo die Araber, an den Anblick ihrer mehr kleinen und schlanken Pferde gewöhnt, über den kolossalen Gliederbau meines Gauls in Erstaunen gerie-then. Das berberische Ross übertrifft die europäischen Racen zwar an Ausdauer weit, ist aber viel weniger stark, und könnte schwerlich einen gepanzerten Cuirassier tragen. Auch als Zugthier thut es schlechte Dienste und die Franzosen spannen nur europäische Pferde an ihre Kanonen. Die Araber behandeln ihre Pferde mit äusserster Grausamkeit. Nur die Stuten werden etwas mehr geschont und gepflegt. Ihre Hengste aber — es giebt in Algerien keine castrirten Pferde — lassen sie die ärgsten Beschwerden er-Moritz Waoner's Algier. III. 5 tragen, zwingen sie oft nach den mühseligsten Märschen noch zum Galopp, stacheln sie sehr häufig mit den langen, spitzigen Eisensporen, denen immer das Blut nachläuft, und geben sich selten die Mühe, ihre vom schweren Holzsattel zerfleischten Rücken zu heilen. Die Pferde bringen die kühlen Nächte, wie die heissen Tage immer unter freiem Himmel zu, dem Sonnenstich, wie den Regengüssen ausgesetzt. Jedes Bein wird an einem in die Erde geschlagenen Pfahl festgebunden, so dass das arme Thier sieb nicht von der Stelle zu rühren vermag. Diese harte Behandlung giebt ihnen Geduld und Lenksamkeit, richtet sie aber auch schnell zu Grunde. Alle arabischen Pferde, die ich ritt, waren äusserst sanft, fast phlegmatisch. Oft wenn ich auf der Jagd vom Pferde stieg und mich, ohne es festzubinden, von ihm entfernte, fand ich es doch immer wieder an derselben Stelle, wo es geduldig harrte bis ich wieder aufstieg. Zum Kampf lassen sich diese Rosse sehr gut dressiren, man hält sie leicht im schnellsten Rennen an und sie wenden sich fast von selbst wieder um, sobald ihr Reiter den Schuss gethan hat und frisch laden will. Jüngere Pferde bringt man leicht zur grössten Kraftanstrengung ihrer Beine, wenn sie die Sporen auch nur wenig spüren. Die Araber keimen keinen andern Lauf, als den Schritt oder den Galopp. Zur Nahrung erhalten die arabischen Rosse ausser dem Futter der Weide täglich eine massige Quantität Gerste, denn der Hafer wird in Algerien nicht gebaut. Die Pferde werden in Algerien weder als Lastthiere, noch als Zugthiere gebraucht; desto häufiger verwendet man zu diesem Gebrauch die Esel und Maulesel, deren es besonders in der Provinz Constantine eine bedeutende Anzahl giebt, da dort am Küstenstrich das Kameel fehlt. Der Esel wird namentlich in den Städten viel gebraucht, wo seine kleine Gestalt sich leichter durch die engen Strassen Bahn macht, als das Maulthier oder Kameel. Da man in Algerien kein Fuhrwerk kennt, so wird Allesdem Esel aufgeladen, Wasserge-fässe, Marktproducte, Baumaterial, Unrath u. s. w. Der Esel der Berberei ist etwas kleiner als der südfranzösische, trägt aber wenigstens eben so viel. In besonders grosser Zahl benutzt man ihn in Tunis, wo es die schönsten Esel des Landes giebt. Die Maulthiere sind gleichfalls kleiner und dem Anschein nach weniger stark, als die süd-französischen, tragen aber fast die doppelte Last, sind ungemein ausdauernd und besonders in den gebirgigen Gegenden, wo das Kameel nicht fortkommt, fast unentbehrlich. Von jenem Maulthier, welches aus der Begattung des Esels und der Kuh entstehen soll und das Doctor Shaw Kumrah nennt, ist mir kein Individuum zu Gesicht gekommen. Das einbuckelige Kameel (Camelus dromedarius) ist nur in den südlichen Strecken Algeriens, im Blad-el-Dscherid, Kobla und namentlich in den Oasenländern der Sahara ungemein häufig. In den nördlichen Provinzen ist es selten und in der Provinz Constantine fehlt es bis zu einer Entfernung von zwanzig Stunden von der Seeküste ganz. Die Naturgeschichte dieser Thiere ist bekannt genug. Ich sah sie auf der Weide — wo man sie an zwei Beinen zusammenfesselt, damit sie sich nicht zu weit entfernen — am liebsten Disteln verzehren. Während ihrer Brunstzeit, gewöhnlich im April oder Mai, werden die männlichen Domedare sehr wild und beissen bei der geringsten Misshandlung unter sehr lautem, widrigen Geheule um sich. Gewöhnlich begatten sie sich in der Dämmerungsstunde, wobei sich das Weibchen niederlegt; über ein Jahr lang bleibt dasselbe trächtig. Zur Regenzeit leisten die Kameele schlechte Dienste und glitschen auf der 5 " durch weichten Erde leicht und oft aus. Der ebene Sandboden ist für sie das günstigste Terrain zum Gehen und Laufen. Die Araber erzählten mir, dass es in den Oasenländern der Sahara eine Abart des Karneols von vorzüglicher Güte gebe, welches weit rascher laufe, als das arabische Pferd. Mit ihrer gewöhnlichen Uebertreibung sagten sie, in der Schnelligkeit verhalte sich das Kameel zum Pferd, wie das Pferd zum Fussgänger. Der Heerdenroichthum der Araber ist sehr bedeutend, aber das Rindvieh ist von schlechter Qualität. Ochsen und Kühe sehen selbst zur besten Weidezeit vom November bis Ende Mai ziemlich kümmerlich aus. Die grössten Ochsen wiegen fast nie über fünf Centner. Die Kühe geben äusserst wenig Milch von sehr schlechter Art. Schafe und" Ziegen hingegen gedeihen in diesem Land vortrefflich. Letztere geben reichliche und gute Milch. Schafwolle wird nicht so bedeutend producirt, als in Tunis. Die Provinz Constantine hat bedeutenden Reichthum an Schafen, die meistens weiss sind, während in der Provinz Oran die schwarzen Schafe vorherrschen, wesshalb auch die Constantiner Araber fast durchaus weisse, die Beduinen Abd-el-Kader's dagegen grösstentheils schwarze Bernusse tragen. Jeder arabische Duar beherbergt eine grosse Zahl Hunde, welche meistens schmuzig weiss, langhaarig und von mittlerer Grösse sind. Sie folgen nicht den Menschen, sondern haben, gleich der Hauskatze, nur für ihre Wohnungen Anhänglichkeit. Es giebt keine wachsamere Race als diese Bedui-nenhunde, welche jeden Fremden schon von Weitem wittern und dann bellend und bissig aus den Zelten hervorstürzen; indessen ist es kein tapferer Hundeschlag und mit einem guten Stock hält man sie immer auf ein paar Schritte vom Leibe. Nicht selten begatten sich diese wilden Häufte mit dem Schakal. Dergleichen Bastarde sind mir öfters gezähmt vorgekommen, sie zeigten, gleich den einheimischen Hunden, keine Anhänglichkeit für ihre Herren und begleiteten diese nie. Unter dieser berberischen Hundsrace sieht man auch europäische Jagdhunde, welche früher, einem Waidmann oder Ansiedler gehörend, auf der Jagd in der Wildniss sich verlaufen haben und dann in den Duars Gastfreundschaft fanden. Sie nehmen allmälig auch die Sitten der arabischen Hunde an. In Budschia, wo die Garnison vou den Kabylen beständig blokirt gehalten wird und früher häufig nächtliche Ueberfälle stattfanden, werden von den Franzosen sehr viele Hunde gehalten uud hei Nacht ausserhalb der Mauern frei gelassen. Man hetzt sie am Tage öfters gegen einen weissen Bernuss, Wodurch sie gewöhnt werden, die bei Nacht um die Stadl schleichenden Kabylen anzufallen und von den Mauern weg zu vertreiben. Unter die aus Algerien verschwundenen Thiere gehört der Elephant, welcher einst sehr zahlreich die Wälder, die fruchtbaren Bergthäler Numidiens bevölkert haben soll und jetzt aus unbekannten Ursachen von ganz Nordafrika völlig verschwunden ist. Bunin im Sudan ist gewöhnlich der nördlichste Punkt Afrikas, wo man noch Elephanten findet. Für die Wahrscheinlichkeit, dass der Elephant in Numidieu wirklich einheimisch war und nicht dorthin aus Centraiafrika eingeführt wurde, sprechen viele Gründe. Erstlich wäre es unmöglich gewesen , den vielfrässigen Elephanten durch die Sahara zu transportiren, wo selbst das massigste und ausdauerndste Thier, der Dromedar, häufig den Entbehrungen erliegt. Wäre es auch möglich gewesen, ihn über Aegypten durch die Wüste von Tripolis nach Numidien zu bringeu, so hätte dies doch nur In ganz geringer Zahl geschehen können und dort würde er sich auch nicht vermehrt 1 iahen, weil er in Gefangenschaft sich nicht begattet Die alten Schriftsteller aber liefern uns zahlreiche Belege, dass die Menge der Elephanten in diesem Land sehr bedeutend gewesen seyn muss. Orosius erzählt, in der Schlacht bei Cirta (Constantine), wo Marius die Könige Jugurtha und Bocchus schlug, habe die aus 60,000 Streitern bestehende vereinigte numidische und maurische Armee Schilde aus Elephanthäuten getragen*). Auch Strabo erzählt, dass die Schilde aller numidischen Fussgänger aus Elephanthäuten verfertigt waren**). Hannibal, welcher Elephanten mit nach Italien führte, stellte besonders in der Schlacht bei Zama den Hörnern eine beträchtliche Menge entgegen. Dass diese Thiere auch aus den innersten Gegenden der Berberei, auch aus Marokko, wo doch so viele unbewohnte Wälder, Berge und Wildnisse eine Zufluchtsstätte boten, so ganz spurlos verschwunden sind, ist eine merkwürdige Thatsache, über welche es schwer wäre, treffende Conjecturen anzustellen. Auch Bären gab es in Nuinidien, obwohl Plinius dies bezweifelt***). Strabo sagt ausdrücklich, dass die Maurusier sich in Felle von Bären und Löwen kleideten f). Auch He-rodot, Virgil, Juvenal sprechen von Bären in Libyen. Do-mitius Ahenobarhus, ein römischer Aedil, brachte zur Zeit des Consulats von Messala und Piso hundert Bären aus Nu-midien, Ursos numidicos, in den Circus von Horn. Der französische Botaniker Poiret, welcher Nordufrika im vorigen Jahrhundert bereiste, versichert, dass es auf den höchsten •) Oros. V. 15. 8°) Strab. Lib. XVII. 90 •) Plin. VIH. T. p. 461. f) Strab. Lib. XVII. Gebirgen Marokkos noch zu seiner Zeit Hären gegeben habe, welche von Zeit zu Zeit in die Ebenen herabstiegen. Shaw erwähnt und beschreiht zwei Katzenarten, wovon er die eine den kleinen Panther, die andere den Faadll, nach der Bezeichnung der Araber, nennt, ich habe keines dieser Thiere gesehen und trotz eifriger Nachfrage nichts über sie erfahren können. Hemer klingen über den anatomischen Hau von macroscelides Rozeti. Von Prof. Dr. Rudolph Wagner in Erlangen. Von der Gattung der Macroscelides, die noch vor wenigen Jahren ganz unbekannt war, besitzen wir jetzt nicht nur die sorgfältige Beschreibung und Abbildung mehrerer Arten, sondern auch eine ziemlich vollständige Anatomie. Duvernoy *) beschrieb und bildete von M. Rozeti bereits das Skelet ab, aber in unrichtiger Stellung, weshalb ich eine neue, naturgemüssere Abbildung beigefügt habe. Ebenso beschreibt er mehr oder weniger vollständig die Muskulatur, die Verdauung*»-, Athmungs-, Harn- und weiblichen Geschlechtswerkzeuge. In dem neuen Reisewerke von Smith *) finden sich Ab- *) Descriplion tVun Macrocclide d'Ahjer. Mem. de Strassbnurtj, Separatabdruck, Tab II. 0") Illustrations of the Zoology of South Africa, consisting eliicfly of figures and descriptions of tlie objecto) of natural lüstory collected during an Expedition into the Interior of South Africa in tlie years 1834 — 36 titted out by the Cape of good Hope association for ex-ploring Central Africa together with a Summary of African Zoology and an Inquiry into tlie geograpliical Ranges of species in that quarter of the Globe by Andrew Smith M, D, Surgeon to tlie forces, and Director of the Expedition. Published tmder the Authority of the Lords bildungeu des Schädels und Gebisses von Macroscelides typicus, rupestris, lutuJi, brachyrhynchus, sowie Darstellungen des Magens, der Niere uud des Blinddarms von M. typicus ohne nähere Beschreibung. Die anatomischen Präparate waren verloren gegangen, wahrscheinlich am Cap liegen geblieben. Ich beschränke mich hier um so mehr auf eine Angabe desjenigen, was Duvernoy, dem nur ein weibliches Exemplar, zum Theil mit fehlenden Baucheingeweiden, zu Gebote stand, nicht oder unvollständig beschrieben hat, da bereits Prof. A. Wagner auf den vorhergehenden Blättern eine sehr sorgfältige Beschreibung des Skelets gab. Die Zunge ist von Duvernoy gut beschrieben, aber schlecht abgebildet; man sieht die drei Hauptgeschmackswar-zeu in Fig. 2. Tab. II.; die von Duvernoy beschriebenen Blinzeln sind weggelassen, da es scheint, dass sie nur durch die Aulbewahrung in Weingeist und durch Eindrücke der Gaumenfalten entstanden sind. Der Magen ist einfach rundlich (Fig. 3). Ein Uüsselknochen scheint, wie bei Myogalc, zu fehlen. Der Blinddarm (Fig. 4) ist weiter als der übrige Darm und im Verhältniss zur Grösse des Thiers ansehnlich, an zwei Zoll lang. [Die Länge des DarmcanaIs ist ziemlich beträchtlich, gegen dreissig Zoll, und beträgt daher (las Siebenfache der Körperlänge des Thiers.] Da die von meinem Bruder iu Weingeist aufbewahrten Exemplare sehr wohl erhalten waren, konnte ich auch das Gehirn noch untersuchen und auf Fig. 5 und 6 eine Abbildung geben. Die Hemisphärien (a) haben die bei der Mehr- Commissioners ofher Majesty's Treasury. London. J839. Nro. VI. Tab. Mammalia PI. XV. zahl der Insectivoren und Fledermäuse charakteristische Form, indem sie vorn beträchtlich schmäler als hinten und ganz ohne Windungen sind ; sie reichen nicht weit nach hinten, lassen vielmehr die Zirbel {b) und die Vierhügel (c) frei; am kleinen Gehirn ist der Wurmtheil (d) beträchtlich entwickelt und stark von den Seitcntheileu abgesetzt. Der Hirnanhang (e) ist ansehnlich; die Riechnerven (f) sind stark entwickelt. Was die Geschlechtswerkzeuge betrifft, so hat Duvernoy bereits die weiblichen beschrieben. Ich fand in einem Weibchen drei wenig entwickelte Embryonen, auf der rechten Seite zwei, auf der linken einen. Einer derselben ist Fig. 7 in natürlicher Grösse, darneben vergrössert vorgestellt; die Extremitäten erscheinen noch als stumpfe Höckerchen; der Schwanz ist stärker entwickelt; das Auge hat noch eine Spalte; am Kopf sieht man die Abtheilungen im Gehirn für die Hemisphären, die dritte Hirnhöhle, die ansehnlichen Vierhügel, das kleine Gehirn und verlängerte Mark; die Kieferspalten und Kieferthcile zeigen noch keine Spur des Rüssels. Der Nahelstrang ist noch kurz und geht in die bereits vorhandene Anlage der scheibenförmigen Placeuta über. Eine Nabel blase konnte ich leider nicht mehr auffinden. In einem andern, Herrn Nathusius mitgetheilteu Weibchen fanden sich jederseits ein weiter entwickelter Embryo, Er ist Fig. 8 in natürlicher Grösse dargestellt. Der Kopf ist nicht blos sehr ansehnlich, sondern zeigt auch bereits einen entwickelten Rüssel, grosse Ohren und beginnende Be-haaruug; besonders siud die Tasthaare über dem Mundwinkel an der Basis des Rüssels schon sehr stark. Die hintere Körperhälfte ist haarlos und runzlig. Der ziemlich lauge Nabels trang geht in die scheibenförmige Placeuta (a) über, eine » Form, welche der Mutterkuchen ziemlich allgemein in der Ordnung der Insectivoren zu zeigen scheint0). Die männlichen Geschlechtstheile haben mehreres Eigcn-thümliche. Unter den mit nur einer Papille versehenen rundlichovalen Nieren (#), von welchen die rechte etwas höher liegt als die linke, befinden sich die beiden Hoden (b). Unterhalb der Nebenhoden (c) schwillt das Vas deferens noch einmal an und geht dann nach unten in ein ziemlich ansehnliches Samenbläschen {d) über. Unter der Harnblase (e) linden sich die bei den meisten Insectivoren, namentlich dem Igel, Maulwurf und den Spitzmäusen, dann bei vielen Nagern so charakteristischen Absouderungsorgane**). Es sind auch hier {f und g) zwei Paar grössere, lappige Drüsen, der Prostata vergleichbar, wie beim Igel vorhanden; ebenso sind die Cowper'schen Drüsen (/i) ansehnlich***). Die Ruthe (V) ist sehr lang und fadenförmig, wie bei Centetes und scheint in eine ähnliche Scheide eingehüllt. °) Ich gedachte anfanglich eine ausführliche Anatomie der Insectivoren liier zu liefern- leider konnte ich ah er von den ausländischen Gattungen bis jetzt nur Centetes durch die Güte des Hrn.Dr. Cretzsch-mar in Frankfurt, dann Cladobates und Chrysochloris durch Hrn. Dr. Schlegel in Leyden, ferner Myogale durch Herrn Akademiker Brandt in Petersburg, in Weingeist erhalten. Aller Mühe ungeachtet, gelang es mir doch nicht, Exemplare von Scalons und Condylura zu bekommen und ich würde mich durch Mittheilung derselben, von jeder Seite her, sehr dankbar verpflichtet fühlen. •*) Vergl. die schonen Abbildungen der männlichen Genitalien vom Igel, Centetes, Dipus u. a. von Otto in dessen und Carus Erläuterungstafeln zur vergl. Anat. Heft V. Tab. IX. 00•) Vergl. die Abbildung der mit Quecksilber injicirten Cowper-schen Drüsen des Igels in meinen Icones physiologicae Tab. XVII. Fig. 7. Besonders merkwürdig ist die von allen frühern Beobachtern, auch von Smith übersehene Schwanzdrüse, welche Prof. A. Wagner oben beschrieben hat und die schon äusser-lich deutlich auffällt (S. Tab. I. bei *); an ausgestopften Exemplaren schrumpft diese Stelle sehr zusammen, wird leicht übersehen, ist aber doch bei einiger Aufmerksamkeit stets wahrzunehmen. Sie ist viel schwächer, als bei Myogale, sonst aber ganz ähnlich gebildet. Sie besteht nämlich aus einer grossen Anzahl neben und hinter einander, reihenweise liegender von lj2 bis 3 Linien hoher, blinder Bälge. Die von Myogale sind viel grösser, die grössten messen an 3 bis 4 Linien und sind an 2 Linien dick. Sie öffnen sich jede mit einer besondcrn Oeffnung nach aussen. Ich kann sie mit nichts besser vergleichen, als mit den Drüsen im Vormagen der Vögel, denen sie in der Structur, Form und Lagerung sehr ähnlich sind. Während die bei Myogale die Mageudrüscnbälge der grössten Hühner übertreffen, gleichen die des Macroscelides den Magendrüsen der Singvögel. Es wäre interessant, die Spitzmäuse auf diese Drüse zu untersuchen, da der Macroscelides so viele Aehnlichkeit mit denselben hat. Die den oben beschriebenen Säugethieren gewidmeten Abbildungen linden sich auf Tab. I — V. Tab. I. Mus bar bar us, Macroscelides Hoxeti. „ //. Anatomie von Macr. Roxeti, Schädel von Mus barbarus. „ ///. Canis Vulpes. Var atlantica. „ IV. Felis Caracal juv. Var. algira. Fe- Iis Ijeopartlus^ wenige Wochen alt. Schädel von Herpestes Ichneumon var. numid. (Herpestes numidiens Fr. Cuv.) Tab. V. Viverra genetta. Var, barbar. ( Viverra afra Fr. Cuv.) mit Schädel. „ VI. Milchgebiss der Hyaena striata, noch nicht beschrieben und genauer abgebildet. It ein er kmige n über die Verbreitung und Lebensweise der Vögel der BerbereL Von Dr. Moritz Wagner. Dio Regentschaft Algier oder überhaupt der ganze Küstenstrich der Berberei hat, so weit man bis jetzt diese Zone durchforscht hat, keine cigcnthumlichcn Vogelarten aufzuweisen. Die grosse Mehrzahl ihrer gefiederten Bewohner hat die Berberei mit dcn^uropäischen Küstenländern des Mittelmeers, besonders mit Spanien, Italien uud den inittelmeeri-schen Inseln, die Minderzahl mit Aegypten oder auch mit den Uferländern des schwarzen und caspischen Meers gemein. Von allen übrigen Landthicrclassen, die in einem viel beschränktem Raum als die Vögel sich bewegen, sind dem Lande, — so übereinstimmend auch der allgemeine Charakter dieser Thiere mit der Fauna Südeuropas ist — doch so manche Localarten eigen, welche den afrikanischen Charakter beurkunden. Von den Vögeln aber, die im Westen an der Spitze von Südspanien nur eine sehr schmale Meerenge, im Osten den Inseln Sardinien, Malta und Sicilien gegenüber, eine gleichfalls nicht sehr breite Wasserfläche zu überschreiten hatten, konnten selbst die schwerfälligen Flie- ger den Weg nach Gibraltar und den Inseln oder von dort herüber nach Afrika finden. So trifft man die Wachtelhühner der Berberei ( Hemipodius) auch bei Gibraltar, Cadiz, und das Felsenhuhn (Perdix petrosa) findet sich auf Sardinien, Malta und Sicilien fast eben so gemein, als in der Berberei. Eine grosse Zahl der Algierer Vögelarten geht sogar bis Mitteldeutschland, manche noch weiter gegen Norden hinauf. Aber viele Vögel, die in Deutschland nur zuweilen, mehr wie verirrte Wanderer, als wie regelmässige Gäste erscheinen — z. B. der Flamingo, welcher truppweise am Rhein gesehen worden, der braune Ibis, den eine seltsame Reiselust in manchen Jahren bis Schweden und Dänemark hinauftreibt, der grosse Silberreiher (Ardea egretta), der zuweilen an den Seen des deutschen Hochlands geschossen wurde — sind in der Berberei bleibend eingebürgert und be wohnen in ungeheurer Zahl dieses Landes einsame Seen, wo sie ungestört nisten und reichliches Futter finden. Einige wenige Vögelarten sind aus Mittel - und Südafrika in die Berberei eingewandert, worunter der Strauss, welcher aber nur sehr selten bis in die Nähe des mittelländischen Meerufers kommt. Von allen Ordnungen der Vögel kommen nur die Wat-und Schwimmvögel in sehr mannichfaltigen Arten vor. Dieselben befinden sich dort, da der ganze Küstenstrich voll Morastebenen, kleiner Seen und Weiher ist, in ihrem Lieblingselement. Ein französischer Oflicier des 17ten Infanterieregiments, Capitän Magugnos, ein eifriger Jäger und Orni-tholog, tödtete allein in der Umgegend von Bona gegen zwanzig Entenarten. Bei einem Besuch am See Fezzara, südlich von Bona, sah ich Reiher, Flamingos, Kraniche, Strandreiter, Pelckaue, Enten u. s. w. in so grossen Schwär- men aus dem Schilfufer sich erheben, dass selbst die Ungeübtesten meiner Jagdbegleiter selten fehl schössen. Da jene einsamen Seen der Berberei erst seit einigen Jahren von europäischen Jägern zuweilen besucht werden und die Araber blos einige farbenprunkende Vögelartcu schiessen, so ist es leicht möglich, dass dort noch so manche der selteneren afrikanischen Sumpfvögel, die, wie der heilige Ibis, früher in Unterägypten häufig gefunden worden und sich von dort in südlichere Gegenden zurückgezogen haben, vorkommen. Seit alten Zeiten schon bewohnten die Watvögel an den Ufern der Seen bei Tunis, der Weiher im Norden von La Calle, des Sees Fezzara bei Bona und der Salzseen südlich von Oran, eine unbestrittene Republik. Die grosse Mehrzahl derselben bleibt Sommer und Winter im Land, einige aber, worunter viele Störche, ziehen im October weiter nach Süden; andere, worunter der gemeine Kranich und der graue Reiher, gehen im Sommer nach Europa. Die Rauhvögel sind etwas weniger zahlreich repräsen-tirt, als die Wat- und Schwimmvögel. Gleichwohl kommen im Atlasgebirge fast alle Adler der Alpen uud Pyrenäen vor, aber in wenig beträchtlicher Zahl. In der Umgegend der Küstenstädte haben sich aasfressende Geier heerdenweise angesiedelt. In den römischen Ruinen und in den halbverfallenen arabischen Städten des Innern nisten mehrere kleine Falkenarten. Bei dem Mangel an dichten Wäldern von hohen Bäumen bietet das afrikanische Küstenland den Singvögeln, den Meisen und überhaupt der zahlreichen Ordnung der Hocker (Insessores) keinen angenehmen Aufenthalt. Daher ziehen auch die Schaaren von nordischen Waldvögeln, welche im November, Wohnplätze von milderer Temperatur suchend. über das Mittelmeer geflogen kommen, nach kurzer Rast grösstentheils weiter und die wenigen, welche in den Ruschgegenden Algiers zurückbleiben, scheinen bei langerin Aufenthalt ihren Gesang fast zu verlernen. Mau hört den grössten Theil des Jahrs hindurch nur wenige Nachtigallen und Grasmücken an einsamen Stellen singen und nur zur Zeit der Passage der Vögel beginnt in den buschigen Schluchten des Algierer Hügellandes, in den Orangenhainen bei Heiida ein wunderliches Schnahelconcert in den mannichfaltigstcn Lauten, ein Zwitschern, Trillern, Schmettern der lustigsten Art. All die zahlreichen Sänger des Nordens scheinen, ihres Wiedersehens sich freuend, für die gezwungene Stille während des Zugs über das Meer sich schadlos halten und zeigen zu wollen, dass sie ihre nordischen Lieder nicht vergessen haben. Der Durchzug der Vögel beginnt im Monat November und dauert fort bis zum Februar, oft noch länger. Je näher dann die heissen Monate rücken, um so stiller wird es auf den buschigen Hügeln, und zur Zeit der Dürre ziehen sich die meisten im Land gebliebenen Wald- und Gartenvögel nach einigen schattigen, bewässerten und immergrünen Oasen der verbrannten Ebenen zurück. Die Ordnung der Hühnervögel hat sehr wenige Repräsentanten in der Berberei. Die vorhandenen Arten hingegen sind überall, wo es bedeckten Boden giebt und wo die Franzosen noch nicht zu viel gejagt haben, ziemlich gemein. In den buschlosen Gegenden des innern Landes halten sich einigi? Vogelarten auf, welche mehr laufen als fliegen, wie der Cursorius isabellinus, Otis houbara. Auch der Strauss soll in den an die Wüste grunzenden Ebenen ziemlich hanfig sevn; wenigstens bringen die Araber von dort sehr viele Federn und Eier dieses Vogels. Moritz W'agner's Algier. JH. 6 Unter den Raubvögeln kommt der ägyptische Aasgeier, Cathartcs percnopterus, in besonders grosser Zahl vor. Dieser Vogel ist über ganz Afrika vou Aegypten bis zum Cap der guten Hoffnung verbreitet. Auch bewohnt er Syrien, Arabien, Indien. In Europa findet er sich in Griechenland, in Spanien, in Unteritalien, in Siidfrankreich, auf den Inseln Corsica, Sardinien, Malta und den ßalcarcn. Auch nach Deutschland verirrt er sich zuweilen und einigemal fuiul man auch ein Paar auf dem Saleveberg bei Genf nistend. Cathartes percnopterus ist ohne Zweifel einer der weitverbreitetsten Raubvögel der Welt. Obwohl sein eigentliches Vaterland Aegypten sein soll, so zweifle ich doch, dass er dort in grösseren Massen erscheint, als in den östlichen Gegenden der Berberei, namentlich in der Provinz Constantine. Bei Bona sah ich ihn täglich heerdenweise, dicht bei der Stadt an der Mündung der Flüsse Buschimah und Seybuss, wo sich die Schlachtbank befand und die weggeworfenen Eingeweide des Viehs dem Aasgeier einen immerwährenden Frass boten. Es waren dort manchmal Heerden von einigen Hunderten versammelt, fast sämmtlich alte weisse Thiere, deren nackter Hals und Kopf gelblich aussah, eine Farbe, die der Balg verliert. Dieser Vogel war den Alten wohlbekannt und schon Herodot macht Erwähnung von ihm. Ich sah ihn nie Amphibien und Schnecken fressen und zweifle auch, dass er dies in einem Lande thut, wo es ihm an Aas, seinem Lieblingsfutter, nie gebricht. Ich traf den Aasgeier auch bei Algier, Budschia, Oran, Mostaganem, Mascara, aber nirgends so häufig als bei Bona oder überhaupt als in der ganzen östlichen Provinz. So oft bei einem von Bona nach den Lagern des Innern abgehenden Convoi ein Pferd oder Maulthier todt niederstürzte, erschienen gleich von allen Seiten Aasgeier in Schaaren, auch wenn man zuvor keine gesehen hatte. Sie flogen über dem Cadaver des Thiers in weiten Kreisen umher, anfangs in hoher Luft, dann immer niedriger, und wenn der Convoi sich einige hundert Schritte entfernt hatte, war das todte Thier von den weissen Vögeln ganz bedeckt. Die Aasgeier sind im Ganzen sehr wenig zanksüchtig unter einander; oft sah ich einige Dutzende »im ein todtes Pferd versammelt, ohne dass sie über den Frass in Händel gerietheil. Nur wenn sich der grosse weissköplige Geier (Vultur fulvus) unter ihnen einfindet, kommt es zuweilen zu Raufereien mit ihm, wobei aber letzterer immer Sieger bleibt. Bei Bona laufen jene Vögel auf dem Schlachtanger mitten unter den Schweinen herum, auf deren Rücken sie sich manchmal niederlassen und von ihnen geduldet werden. Auch hungerige Beduinenhunde, Raben, grosse Möven sah ich bisweilen beim Frasse in ihrer Gesellschaft, und diese ganze bunte Thierversammlung lief friedlich unter einander herum. Der Aasgeier ist einer der schlauesten Vögel, die ich je gesehen. Nach der Besetzung Bonus durch die Franzosen war er noch gar nicht scheu und flog nicht auf, auch wenn die Menschen nur wenige Schritte an ihm vorübergingen. Die Franzosen, welche sieh anfangs keine sehr weiten Jagd-ausflüge in die Umgegend zu macheu getrauten, erlustigten sich damals, auf die Aasgeier zu schiessen und seitdem sind diese Vögel sehr auf ihrer Hut. Den Schlachtangcr wollten sie wegen des guten Futters nicht meiden, aber sie lernten, alle Europäer von den Arabern zu unterscheiden. Ein Beduine darf drei Schritte weit an ihm vorübergehen, ohne dass der Cathartes sich um ihn kümmert; einen Europäer lässt er selten näher, als auf 150 Schritte kommen, und trägt derselbe eine Flinte oder auch nur etwas einer Flinte Aehnli- 6* dies, so fliegt die ganze Geierheerde schon in weiter Entfernung auf. Alle List, das Kriechen auf dem Boden, der Hinterhalt u. s. w. half gegen den schlauen Vogel nichts. Man konnte ihm durchaus nicht auf Schussweite beikommeu, als in Beduinenkleidern, die Flinte unter dein Bernuss versteckt. Der Aasgeier ist in Algier, wenigstens am Küstenstrich des Landes, kein Standvogel, sondern zieht schon Mitte Octo-bers tiefer nach Süden. Ich reiste gegen Ende Septembers vou Bona nach Constantine ab. Damals versammelten sich noch täglich an der Mündung der Buschimah einige hundert \as"oier. Als ich aber zu Ende Octobers wiederkehrte, waren alle Vögel verschwunden. Mitte März kommen sie gewöhnlich wieder aus dem Innern zurück. Vultur fulvus seu leucocephalus. Das Vaterland dieses grossen Geiers ist Afrika und Arabien. Er wird auch auf den mittclmeerischen Inseln, seltener in Spanien, Italien und Griechenland gefunden. Einzeln hat man ihn in der warmen Jahreszeit auch in der Schweiz und in Deutschland geschossen. Ich traf ihn auf alleu Punkten der Regentschaft Algier, am häufigsten in der östlichen Provinz Constantine, Bei Bona kommt er selten so nahe au die Stadt, wie der Cathartes percnopterus. So oft ich ihn in Gesellschaft des letztern sah, war er immer nur einzeln. Auf den Bergen westlich von Bona sah ich einmal während eines sehr heftigen Sturmwinds einige Hunderte dieser Geier versammelt. Ich hatte nie zuvor so viele beisammen gesehen und konnte die Ursache dieser auffallend zahlreichen Versammlung nicht ergründen, denn in ihrer Nähe lag kein Aas. Sie standen still und waren, wie mir schien, über das Sausen des Windes erschrocken und niedergeschlagen. Einige schienen Wache zu halten; sie streckten die langen Hülse empor, liessen mich aber doch sehr nahe kommen. Gleich dem ägyptischen Aasgeier sah ich den grossen weissküpligeu Geier nie auf Bäumen sitzen, sondern immer nur auf nackten Bergen oder Ebenen, wo man ihn schon in weiter Ferne erblickte und sei im; Gestalt sich sehr riesenhaft ausnahm. Im Finge schweben sie gewöhnlich zu zwei, vier, sechs beisammen in einer Linie hinter einander langsam und feierlich durch die Luft, die weiten Fittige ausgespannt, mit kaum sichtbaren Schlägen. Man muss sie durchaus mit der Kugel schiessen. Ich feuerte bei Oran einst zwei Ladungen grobe Schrote auf einen dieser Geier und merkte an seiner Bewegung, dass er getroffen war, er setzte indessen seinen Flug fort. In der Ebene lässt er sich nicht oft auf Schussweite nähern. Er hat grosse Mühe, sich vom Boden aufzuschwingen und läuft gewöhnlich erst mit den Flügeln schlagend einige Dutzend Schritte weit, worauf er sehr schwerfällig sich erhebt. Schon die alten Schriftsteller bemerkten, dass dieser Geier den Zügen der Armeen und Karavanen folge, gleich wie der Haifisch den Schilfen, um auf alle während des .Marsches todt niederfallenden Thiere oder Menschen sich niederzulassen. Während unsers Zugs nach Constantine sahen wir in der That einige Hunderte, hoch über unsern Häuptern wegsegelnd, uns beständig begleiten. Sie hatten nicht umsonst auf reiche Beute gehofft. Vor Constantine fielen täglich eine Menge von Maulthicren uud Pferden aus Erschöpfung todt nieder. Damals kamen Schwärme von Geiern zum Vorschein, deren Masse Alles übertraf, was ich früher von ähnlichem gefiederten Raubgesindel gesehen. Aus dem ganzen Land schienen sich all die geflügelten Aasfresser zu diesem Riesen-schmaus eingefunden zu haben, uud über jedem gefallenen Thiere schwebten wenigstens dreissig bis vierzig Vogel (worunter auch der C. percnopterus), welche das Opfer, so lange es noch zappelte, Umkreisten und dann sich herahliessen. Der beständige Kanonendonner störte diese Vögel keinen Augenblick. Nach der Einnahme von Constantine bestieg ich einen Felsen westlich von der Stadt, wo die Geier so nahe an mir vorbeiflogen, dass ich und mein Begleiter Capitän Muralt auf mehrere mit der Fistole schlössen konnten. Vultur fulvus ist in der Regentschaft Algier ganz eingebürgert und zieht nicht wie der Cuthartes percnopterus beim Beginn der Regenzeit nach Süden. Einige Personen in Algier halten jenen Geier lebendig in Kiilichtcn oder an der Kette. Er wird selten zahm, duldet jedoch das Streicheln der Personen, die ihn täglich füttern; gegen Fremde haut er immer wü-thend mit dem Schnabel. Ich hielt Einen wenige Tage, der auf das wildeste sich geberdetc. Einen grossen Hund , der sich ihm nähern wollte, verletzte er furchtbar mit dem Schnabel. Capitän Magagnos in Bona hielt einen Geier in seinem Hofe, dem er öfters lebendige Thiere vorsetzte. Ich sab ihn einmal eine kleine Katze verzehren» Er trat mit den stumpfen Klauen auf sie und versetzte ihr ziemlich phlegmatisch einige Hiebe, weniger um sie zu tödten, als ihr den Balg aufzureissen; er fing an zu fressen, Während die Katze noch schrie. Gypa'etos barbatus. Ich habe von dem Bartgeier nur ein einziges Exemplar zu sehen bekommen, welches ich im Monat Mai vou einem Kabylen auf dem Algierer Markt lebendig kaufte. Es kam aus den östlichen Gebirgen. Das Individuum war noch jung, nicht ausgewachsen, mit schwarzem Gefieder; sein Skelet steht im Naturaliencabinct zu München. An allen übrigen Punkten des Landes habe ich von diesem Vogel keine Spur mehr gesehen. Gypaetos barhafus mag wohl nur auf den höheren Gebirgen des Atlas, im Dschurschura, Aurass u. s. w. vorkommen. Er bewohnt ausserdem die Hochgebirge von Europa, von deu Pyrenäen bis Ungarn, Sibirien, Persien, den Altai, auch Sardinien. Aquila fulva. Der Aufenthalt dieses Adlers ist in ganz Europa, doch nicht bis zum Polarkreis hin. Auch in Nordasien und in Nordamerika kommt er vor. In der Berberei nistet er nur auf den höchsten Berggipfeln des Atlas. Im Hospital des Deygartens bei der Stadt Algier ist ein sehr schönes Männeben des Steinadlers in einem Kii.ficht eingeschlossen. Dasselbe wurde von einem Kabylen des Stammes Flissa, der den hohen Dschibel-Dschurschura bewohnte, nach Algier gebracht. Aquila imperialia. Das nördliche Afrika wurde immer als die eigentliche Heimath dieses Adlers betrachtet. Auch mag er wohl in deu Innern Gebirgen der Regentschaft Algier vorkommen, Ich kann dies aber nicht mit Bestimmtheit behaupten; denn ich sah nur ein eiuzigosinal auf dem Markt von Algier einen geschossenen Adler ohne Kopf, etwas plumper als der Steinadler, mit kürzerm Schwanz, von schwarzbrauner Farbe. Als ich den Beduinen fragte, wo der Kopf gehliehen, antwortete er: „Gott verhüte, dass jemand den Kopf esse; er würde wahnsinnig davon werden." (Die Araber glauben, dass die Europäer geschossene Raubvögel zu keinem andern Zweck kaufen, als um sie zu essen.) Da das wesentlichste Unterscheidungszeichen zwischen dem Stein- und Königsadler in der Spaltung des Schnabes besteht, so bin ich nicht im Stande, zu versichern, ob es der ächte Königsadler war, Falco imperialis wurde in Aegypten, Abyssinien, Kaukasien, auch In Dalmatien, Ungarn, Süditalien aufgefun-den. Zuweilen kommt er auch nach Deutschland. Falco albicllla ist an dem Küstenstriche von Algier keine Seltenheit. Mehrere Einwohner Bonas halten diesen Adler lebendig an der Kelte. Ich sah ihn auch zu Algier, Mostaganem, Oran. Er bewohnt übrigens den grössten Theil des alten Contincnts, besonders die nordischen Länder. Falco Bonelli. Ich schoss diesen in Sammlungen noch seltenen Raubvogel einmal bei Algier und ein zweites Mal bei Mascara. Lebende Exemplare sab ich auch zu Oran uud Bona. Im südlichen Europa, in Italien, Spanien, Sardinien wird dieser Falke gefunden, aber nirgends häufig. Falco tinnunculus ist sehr zahlreich über das ganze Land verbreitet. Icb traf ihn fast an allen Ru iuenstüdtcn. In besonders grosser Zahl nistet derselbe zu Mascara auf dem zerstörten Palast Abd-el-Kader's. Der Thurmfalke wird in ganz Euro da gefunden und soll auch in Asien vorkommen, Falco peregrinus. Den Wanderfalken traf ich häufig auf der ganzen Algierer Küste. Er bewohnt auch alle Länder Europas, vom Polarkreis an, Nordasien und Nordamerika. Palco palumbarius ist sehr gemein in der ganzen Berberei, ausserdem in ganz Europa, im gemässigten Asien und in Nordamerika. Falco milvn» findet sich gesellschaftlich, in kleinen Haufen von 6 bis 8 beisammen, an der ganzen nordafrikanischen Küste, auch in ganz Europa und im nördlichen Asien. Falco rufus ist einer der gemeinsten Raubvögel der Berberei, wie ganz Europas. Er hält sich gewöhnlich an den Ufern von Morästen, Weihern, Flüssen auf, und lauert vom Baum herab auf Fische und Sumpfvögel. Von Eulen fand sich sehr häufig von Bona bis Oran die schöne Strix flammen, welche auch im Innern, zu Mascara und in all den vielen römischen Ruinen des Landes nistet. Dieser Vogel ist einer der weitverbreitetsten der Welt. Den höhern Norden ausgenommen bewohnt Strix flammen fast den ganzen Erdkreis. Mau hat sie im gemässigten und südlichen Europa und Asien, in den vereinigten Staaten, in Chile, Cuba, in Aegypten, Nubien und am Cap getroffen. Ausser dieser sehr schönen Eule, von der schon die alten Schriftsteller sprechen, kommen in Algier die beiden kleineu Arten Strix noctua uud Strix scops vor. Erstere nistet häufig in den Ruinen beim Cap Matifn, östlich von Algier. Letztere wurde öfters auf Bäumen geschossen, aber immer nur in den Wintermonaten. Beide Arten bewohnen auch die südlichen und gemässigten Theile von Europa. Strix Otus, die last in der ganzen Welt zu Hause ist, bemerkte ich besonders in den iiinern Gebirgsgegenden der Regentschaft Algier, wo auch wohl noch mehrere Eulenarten vorkommen mögen, die aber als Nachtvögel und in Folge der Schwierigkeit des Reisens im Innern schwer zu erhalten sind. Die Singvögel und andere zu den hisessores gehörigen Vögel kommen in zahlreichen Schwärmen im Spatherbst aus Europa an-, die meisten verweilen nur auf der Passage1, oder wenigstens blos so lange die milde Jahreszeit dauert (vom November bis April), in den Eingebungen der Küstenstädte; nur die Minderzahl bleibt das ganze Jahr hindurch im Land. Singvögel sieht und hört man vom Juni bis Ende September wenige. Die Hitze, das Versiegen mancher Gewässer, das Vertrocknen der niedern Vegetation uud die Abnahme der In-secten, besonders der Larven (von denen die meisten im Frühjahr sich verwandeln und die im Hochsommer wenig grünes Futter finden würden, während der grüsste Theil der vollkommenen Insecten durch die Hitze weggerafft wird), all diese Umstände verleiden wohl den meisten Singvögeln den Sommeraufenthalt'In Algier. Sie haben durch Trockenheit und Hitze, gegen welche sie bekanntlich sehr empfindlich sind, im Sommer viel auszustehen und linden nur karge Nahrung. In einigen hochbewaldeten Gegenden des Innern, wie ;m deu Ufern des Schelif, hei Tlemsan und besonders im Wald Khorasa unweit der Chiffa, bleiben die Singvögel in etwas grösserer Zahl während der Sommerzeit, als in den nackten oder nur mit niederm Buschwerk bedeckten Ebenen und Hügeln. Ein grosser Theil der süd- und mitteleuropäischen Singvögel kommt in Algier vor. Das Hoth kehl eben {Sylvia rubecula) machte mit mir zu gleicher Zeit die Reise nach Algier. Zwischen Toulon und Miuorka sowohl, als zwischen den balearischen Inseln und Afrika kamen einige ermüdete Rothkeblchen im November 1836 auf unser Dampfschiff geflogen, setzten aber nach kurzer Ruhe auf den Masten ihren Zug nach Süden fort. Grasmücken und Nachtigallen kommen grösstentheils aus Europa im Spätherbst an und ziehen bei einbrechender Trockenheit wieder fort; nur eine sehr geringe Zahl bringt den Hochsommer in den schattigen und bewässerten Gegenden zu. Der Pirol {Oriolus gal~ bula)y mehrere Drossel arten {Turdns mnsiens et tor-fjuatuii)) die Meisen, viele der eigentlichen Sänger {Syl-viae) können gleichfalls den Algierer Sommer nicht vertragen und ziehen zum Theil schon im März wieder fort. Auch den gemeinen Kukuk {CucuIhs canorus) hörte ich nie länger, als bis Ende März oder Mitte April seinen eintönig-melancholischen Sang aus den dichten Buschwaldungen rufen. Er verstummte immer vor dem Anbruch der heissen Jahreszeit, ist aber auch einer der frühesten Vögel, die aus dem Norden wiederkehren, und bleibt wenigstens neun Monate im Land; viele Kukuks mögen auch noch weiter nach Süden im Winter ziehen. Der Hithcrkukuk, Coccy&le* glandarius, bleibt hingegen das ganze Jahr hindurch im Lande. Unter den Singvögeln, welche man zu jeder Jahreszeit an allen Punkten der Regentschaft Algier trifft, erwähne ich noch die Amsel {Turdtis merula)y welche ich in keinem Lande so häufig bemerkt habe, mehrere Lerchenarten, deu Zaunkönig {Sylvia troglodyt.es), verschiedene Drosseln, wie Turdus cya?tus, saxatilis, mehrere Bachstelzen und Finkenarten. In ungeheurer Zahl bevölkert der St aar (Stur-nus unicolor, wenigstens gehörten alle die an meinen Bruder eingesendeten Exemplare dieser Art) die baumlosen Ebenen, besonders die Gegenden, wo es viele Viehheerden giebt. Ihre dichten wolkenähnlichen Sclrwärme verdunkeln im buchstäblichen Sinne zuweilen die Sonne. Einige der einheimischen Vögelarten, wie der Bienenfresser (Merops apia-ster), den ich besonders hei Bona häufig antraf, und die gemeine Schwalbe überwintern nicht in der Berberei, sondern ziehen vor dem Beginn der regnerischen Tage nach Süden. Die Schwalben verschwinden gewöhnlich im October und kommen im März wieder. Unter den Hühnervögeln, deren, wie erwähnt, nur sehr Avenige Arten in der Berberei vorkommen, ist das sogenannte Felsenhuhn (Perdix petrosa) das häufigste. Der Name ist ganz unpassend, denn nicht auf Felsen kommt dieser schöne Vogel vor, sondern in buschigen Thälern uud Ebenen oder auch auf bewachsenen Hügeln, am häufigsten in Gegenden, wo der Pistacienstrauch uud die Zwergpalme wächst. Perdix petrosa ist über die ganze Berberei verbreitet; mau schiesst ihn, wie mir Augenzeugen versicherten, bei Tanger, Tunis und Tripolis eben so häufig, als bei Bona und Oran. In den Umgebungen der Stadt Algier hat seine Zahl bedeutend abgenommen, weil dort seit zehn Jahren täglich Schaaren von französischen Jägern die Landschaft durchstreifen und alles Wildpret mehr und mehr ausrotten. In der Umgegend vou Oran hingegen werden noch jetzt bei jeder glücklichen Jagd dreissig bis vierzig Stück erlegt. Die Lebensweise dieses Vogels hat mit unserm deutschen Rebhuhn die grösste Aehnlichkeit. Gleich diesem legt er 10 bis 20 graubräunliche mit rothen Flecken bedeckte Eier, die etwas buntfarbiger als die des Rebhuhns siud; er nistet stets unter dichten Büschen und legt die Eier in eine gescharrte, mit Gras, Stroh und einigen Federn ausgepolsterte Grube. Die Spürhunde stehen dieses Huhu, wie das europäische Rebhuhn; mit diesem hat P. petrosa auch den raschen, nickenden Lauf und den geräuschvollen, schwerfälligen und kurzen Flug gemein. Die jungen laufen auch, gleich nachdem sie das Ei verlassen, rasch durch Busch und Gras und sind kaum einzuholen. Die Araber bringen viele lebendige Vögel dieser Art, die sie in Schlingen fangen, nach Algier auf den Markt. Viele Leute halten sie lebend in Käfichten, in Zimmern oder Ställen, wo nie sehr zahm werden, sich aber nicht fortpflanzen. Ihr Fleisch schien mir noch zarter und angenehmer, als das des grauen Rebhuhns. Perdix petrosa kommt auch auf mehreren mittelineerischen Inseln, auf Sardinien, von wo es Küster in Mehrzahl mitbrachte, Sicilien, Malta vor. Dagegen scheint es auf deu balearischen Inseln, die von mehreren Schriftstellern auch mit als seine Heimath genannt werden, nicht vorzukommen. Wenigstens sah ich auf dem Markt von Mahon nur das Rnthhuhii (Perdix rubra); alle Hühner, die aus Majorka und Minorka kommend von den Wildpret-händlern in Algier bezogen wurden (zwischen dieser Stadt und den Buloaren herrseht beständiger Vorkehr), waren gleichfalls von letztgenannter Art. Im südlichen Frankreich wird das Felsenhuhn gleichfalls durch das Rothhuhn ersetzt, was in der Berberei nicht vorkommt. Dagegen soll es an der südspanischen Küste bei Cadiz und Gibraltar wohnen. In Afrika soll es bis an den Senegal, Gambia und Niger hinabgelien. Die gemeine Wachtel [Cotumix dactylisonans) ist in der Regentschaft Algier ein Staudvogel und wird das ganze Jahr hindurch in grasreichen Ebenen geschossen. Ich bemerkte an den Wachteln dasselbe, was Küster (Isis 1835) über die Wachteln in Sardinien sagt. Diese Vögel vermehren sich im Spätjahr, sobald der erste Regen gefallen und die Ebenen wieder grün werden; bei Beginn der Hitze verringert sich ihre Zahl. Alle Jäger, die in Algier seit neun Jahren diesen Vögeln nachstellen, bestätigten mir dies. Daher wird es allerdings möglich, dass einige Wachtelzüge, trotz der kurzen Flügel dieser Thiere, von Südspanien und den miltelmeorischen Inseln nach Afrika hinüberflögen. IJebrigens habe ich auf keinem Punkte der Regentschaft Algier die Ankunft von Wachtelzügen über das Meer her gesehen und überhaupt ist dieser Vogel dort allenthalben viel seltener, als im südlichen Europa. Schon die alten Schriftsteller haben sich mit dem Ziehen der Wachteln viel beschäftigt, da bei der Plumpheit ihres Leibes und der Kürze ihrer Flügel der Wandertrieb derselben räthselhaft ist. Plinius sagt, sie zö< gen mit den Kranichen übers Meer, Varro, sie machten die Meerreise in Begleitung der Turteltauben. Aristoteles meint, die Wachteln warteten wohl den Südwind ab, um von Afrika nach Europa zu kommen. Wenn die Wachteln wirklich den Flug über das Mittelmeer unternehmen, wofür allerdings sehr viele Angaben von Reisenden und Seefahrern sprechen, so wählen sie gewiss nur die schmälsten Stellen des Mittelmeeres oder solche, wo viele Inseln sind, auf denen sie ausruhen können; doch auch da mögen sehr viele Wachteln ihre Wanderlust durch ein Grab im Meere büssen. In der Regentschaft Algier lebt auch das schöne Wachtelhuhn, Ilemlpodius limatus s. Turnix gibraltarica, ein sehr seltener, wenig verbreiteter Vogel. Diese Art hält sich nie wie die Wachtel auf Wiesen und in freien Ebenen auf, sondern ist immer nur auf buschigen Hügeln, unter dem dichtesten Laub versteckt, wo es sehr schwer hält sie aufzujagen und zu schiessen. Der Flug des Wachtelhuhns ist viel leichter, als der der Wachtel. Ich traf diesen Vogel nur bei Algier uud Oran, aber immer nur sehr selten. Unter den Taubenarten ist die Turteltaube (Columba turtur) die gemeinste. Sie überwintert aber nicht, sondern zieht bei Beginn der Regenzeit nach Süden weiter. Im Sommer dagegen traf ich sie besonders im Innern der Provinz Constantine, bei Ghelma und Medschez-Animar in sehr bedeutender Menge. Von dem Genus Pterocles kommen zwei Arten vor: P. getarhis und P. arenarius; beide jedoch selten und meistens nur in einiger Entfernung von der Küste. Ich habe diese Steppenhühner nie selbst geschossen, sah obige Arten aber bei Herrn Levaillant, Bataillonschef des 2ten leichten Infanterieregiments zu Algier, einem Sohn des berühmten Reisenden. Er hatte beide Arten auf den Vorposten erlegt. <>•> Die Laufvögel {Cursore») haben nur einen Repräsentanten , den Strauss, Struthin Cameins, welcher sehr gemein in den Ländern nördlich vom Cap der guten Hoffnung leht, übrigens fast ganz Afrika zu bewohnen scheint; doch kommt er nördlich wohl nie bis an die Küste des mittelländischen Meeres. Selbst in das eigentliche Atlastand scheint er sich sehr selten oder nie zu verirren, dagegen in grosser Zahl über die weiten Ebenen zwischen den letzten Abhängen des Atlas und der Sahara verbreitet zu seyn. Dort in den Steppen des Kobla und 11 lad -ei- Dseherid mag er wohl viel häutiger seyn, als in der Sahara selbst, wo es unbegreiflich scheint, dass der gefrässige, von Gras, Pflanzen und Fruchtkörnern sich nährende Vogel Nahrung findet, und doch stimmen die Aussagen der Araber, Neger, Mosabiten und Aller, welche die Karavanenzüge nach dem Sudan begleiteten, überein, dass der Strauss (Nääma der Araber) durch die ganze Wüste zu treffen sey. Er ist ziemlich gemein im Lande der Mosabiten, noch häufiger bei Tuggurt, und geht bis Biskara, vielleicht noch weiter nach Norden herauf. Die Händler der Oase Ain-Maadi bringen Straussfe-deru und Eier auf den Markt von Mascara zum Verkaufe. Ueberhaupt wird mit Straussfedern ein ziemlicher Handel getrieben und davon aus Algier für wenigstens 30,000 Franken jährlich ausgeführt. Wollte ich die vielen ans Märchenhafte streifenden Sagen und Erzählungen, welche Araber über den Strauss mir mittheilten, hier wiederholen, so könnte ich viel Papier damit füllen. Ihre Angaben enthielten übrigens neben vielen Dingen, die ihnen olfenbar die Phantasie eingegeben, doch auch so manche Umstände, welche mit den Berichten europäischer Reisender vom Cap zusammenstimmen. So cr-zälien mir die Beduinen gleichfalls, dass er Steine, Holz, m auch Saud verschlucke, dass er im Laufe mit den Flügeln rudere und stets truppweise anzutreffen sey. Merkwürdig ist auch, dass die Araber vom Kobla, wenn sie auch nicht ganz genau das alte Märchen wiederholen, dass der Strauss gegen seine Verfolger mit den Zehen rückwärts Steine werfe, doch ein ähnliches erzählen: dass nämlich der Strauss auf der Macht Steine in deu Schnabel nehme und, wenn seine Verfolger ihn eingeholt, sie gegen dieselben schleudere, auch mit tüchtigen Schnabelhieben sich vertheidige. Die Strauss-jagd ist sehr einfach. Die Beduinen versammeln sich in grösserer Zahl in Gegenden, wo Straussheerden bemerkt worden, und stellen ihre besten Pferde in Zwischenräumen auf. Sie nehmen als Waffe nur einen langen Prügel, geben ihren Pferden die Sporen und laufen erst nur in massigem Galopp, dann in vollem Rennen deu Vögeln nach. Diese fliehen anfangs viel schneller, als das flüchtigste Boss; aber die von Entfernung zu Entfernung aufgestellten Heiterhaufen lösen einander ab und setzen die Verfolgung fort, bis die müde gewordenen Straussc eingeholt und mit den Prügeln todt geschlagen sind. Ich sah öfters lebendige Strausse in Gefangenschaft. Zwei halberwachsene Vögel von armseligem Anselm bemerkte ich zu Mascara im Stallhofe Abd-el-Kader's. Dieser Fürst schickte auch während des Vertrags an der Tafna acht Strausse als Geschenk nach Paris. Sie kamen aber in einer elenden Gestalt an; denn die Abgeordneten Ahd-el-Kader's, welche die Strausse auf das Geheiss des Emirs nach Algier führten, rupften ihnen unterwegs alle Schwanzfedern aus und verkauften solche an die Algierer Juden. Die Watvögel {Grallatores) bewohnen in grosser Menge den Küstenstrich. Nus sehr wenige Arten sind bis tief ins Innere verbreitet, denn dort ist der Boden im Allgemeinen sehr trocken. Selbst die Seen und Sümpfe (Schott) über den 35° nördl. Breite hinaus zeigen bei weitem nicht mehr die Mannichfaltigkeit der Arten uud die Massen der Individuen, wie die Moräste in der Nähe der Seeküste. Die grosso Mehrzahl der Arten sind Standvögel. Uebrigens kommen auch sehr viele Sumpfvögel aus Europa nach Algier hinüber, um dort den Winter zuzubringen und dann wieder heimzukehren. Von den meisten dieser Arten aber giebt es auch eingebürgerte Individuen, welche Afrika nie verlassen. Der Winter ist daher der Vogeljagd an den Seen günstiger, als der Sommer. Die aus Europa eingewanderten Watvögelzüge kommen meistens mit den ersten starken Regengüssen zu Ende Octobers oder Anfang Novembers an, der Einzug dauert bis Ende November fort und im März und April gehen sie wieder nach Norden. Von den Reiherarteu ist Ardca purpurea, der Puqnir« reiher, am See Fezzara bei Bona ziemlich häufig. Die Beduinen brachten ihn manchmal in verstümmelten Exemplaren auf den Markt von Bona. Capitän Magagnos vom I7ten leichten Infanterieregiment besass davon ein schönes lebendes Exemplar. Der Purpurreiher kommt auch am schwarzen und caspischen Meer vor. Bei Bona findet mau ihn durch alle Jahreszeiten. Den gemeinen grauen Reiher {Ardea cinerea) traf ich im November in ziemlicher Anzahl bei Bona in der Sumpfebene des Seybuss und Anfang März noch an dem Ufer der Salzsecu von Oran. Er scheint aber eine der wenigen Arten, die im Sommer verschwinden und wohl ganz nach Norden auswandern. Wenigstens traf ich diesen Reiher in den Sommermonaten auf keinem Punkt mehr an. Ardea Mokitz Wa&ser's Algier, III. 7 cinerea bewohnt ausserdem ganz Europa und Nordusien; auch in Indien kommt er vor. Ardea egretta bewohnt die Ufer des Sees Fczzara bei Bona und die Weiher bei La Calle, jedoch in spärlicher Zahl. Ich sah auch Bälge dieses Vogels, die von Tunis kamen. Er ist scheuer, als die übrigen Beiherarten. Ausser dem nördlichen Afrika findet sich dieser Vogel auch im östlichen Europa und am caspischen See. Folgende Arten, die auch an der ganzen europäischen Mittelmeerküste vorkommen, sah ich auch bei Bona, Oran und in der Metidscha hei Algier: Ardea minuta, garxetta, nyeticorax und stellaris. Letztere Art scheint in Afrika nicht den Sommer hindurch zu bleiben, sondern mit Früh-lingsbeginu wieder übers Mittelmoer zu fliegen. Von den Kranichen ist Grits virgo Standvogel. Ich sah mehrere lebende, sehr zahm gewordene Exemplare bei Einwohnern der Stadt Oran. Dieser Vogel, der auch am caspischen Meer, in der Tartarei uud in der mongolischen Wüste vorkommt,' ist an der Algierer Küste übrigens selten. Der gemeine Krauich, Grus cinerea, kommt im Spätherbst schaarenweise aus Europa an. Die grosse Mehrzahl zieht weiter nach Süden; die kleinere Zahl bleibt im Lande, fliegt aber schon im März wieder nach Europa zurück. Ibis falcinellus ist einer der gemeinsten Sumpfvögel und wird das ganze Jahr hindurch an allen Morästen, Seen und Flüssen des Landes getroffen. Er kommt auch in Italien, Griechenland, am caspischen Meer, auch in Ungarn, Polen, besonders häufig in Aegypten vor. Ich sah ihn am See Fezzara truppweise zu 20 bis 30 Stück. Er flog, sein heiseres Geschrei ausstossend, schon in ziemlicher Entfernung auf. Ciconia alba ist der einzige Storch, den ich in Algier getroffen. Er bewohnt den ganzen Küstenstrich, wo er in den grossen morastigen Ebenen ein reichliches und leicht zu erbeutendes Futter findet. Im Sommer frisst er mehr Amphibien, besonders Frösche und Kröten, im Winter, wo die Amphibien seltener werden, begnügt er sich auch mit Land-Schnecken , die ihm nie fehlen. In keinem Land habe ich die Störche in so grosser Zahl beisammen gesehen. In Bona und Constantine nisten sie auf allen Moscheen, zu Mascara siud die Ruinen der Palaste Abd-el-Kader's und der Heys mit Storchnestern ganz überdeckt, in Mostaganem ist ihnen ein inmitten der Stadt gelegenes grosses alterthümliebes Gebäude ausschliesslich zur Wohnung eingeräumt, welches nach seinen Bewohnern den Namen Bordschj-el-Mehal (die Festung der Störche) führt. Noch häuliger als in den Städten hat sich der Storch in allen Hansells (Landgütern) und Dschimahs (llüttendörfern) der Araber angesiedelt, wo er überall ein gar sehr lieber, willkommener Gast ist und als ein „verzauberter Marabut" (Mrabat-meskhutin) gar sehr in Ehren gehalten wird. Es ist seltsam und rührend, wie bei den Völkern von allen Religionen, von allen Stufen der Bildung, selbst bei den rauhesten Barbaren, der Aberglaube unter den verschiedensten Formen sich eingemischt hat, um jenem zutraulichen Vogel ein Asyl zu sichern. Der unter den Arabern herrschende Glaube, dass die Störche einst „Mrabats" (Heilige) gewesen und vou Gott wegen eines Sündenlälls in Vögel verwandelt worden, wird bei ihnen noch durch den Umstand bestärkt, dass die Störche am liebsten auf den Mo-srheenkuppoln ihre Nester bauen und neben dem Halbmond Üben oft recht gravitätisch, wie Schildwachen, stehen. Wenn sie dann den Kopf rückwärts neigen und zum Himmel empor- 7° klappern, sagen die Araber, dass ihre „verwünschten Marabuts" beten. Man findet in Algier Störche zu allen Jahreszeiten; aber im Sommer mehr, als im Winter. Viele schlieseo sich im October oder November den grossen Storchzügen an, die ans Europa kommen und ins Innere von Afrika ziehen; dagegen bleiben auch einige vou den Ankömmlingen aus Europa im Lande zurück. Phoenicopterus antiquorum* An den Ufern des Sees Fezzara, am grossen Salzsee El-Sebgha bei Oran und bei den Weihern von La Calle ist der Flamingo ziemlich gemein. Ich sah ihn am See Fezzara truppweise zu 30 bis 40 beisammenstehen. Noch häufiger soll dieser Vogel nach den Berichten sehr zuverlässiger Augenzeugen bei Tunis vorkommen. In den Umgebungen der Stadt Algier habe ich ihn nie gesehen, obwohl die morastige Ebene Metidscha von vielen ihm nahe verwandten Watvögeln bewohnt wird. Der Flamingo ist ein schlauer Vogel, der sich nicht leicht auf Schussweile nahe kommen lässt. Er fliegt sehr schnell und streckt die Beine im Fluge nach hinten. Die Araber, welche in der Nähe des Sees Fezzara wohnen, brachten öfters geschossene Exemplare, die sie mit den langen Beinen um deu Bauch ihrer Pferde banden, auf den Markt von Bona. In Oran sah ich einen lebenden Flamingo in Gefangenschaft. Es war ihm auf der Jagd das rechte Bein weggeschossen und später durch ein hölzernes ersetzt worden. Er drehte, so oft er seine Speise vom Boden holte, den Hals um und ergriff die Schnecke oder was man ihm sonst vorsetzte mit dem Oberkiefer. Dieser Vogel war äusserst zahm und zutraulich; er ging etwas hinkend auf seinem Stelzfussc im Zimmer umher und beschnuflerte die Hand, Tasche und Gesicht der Menschen, die sich ihm näherten. Nie sah ich ihn in aufrechter Stellung; immer trug er Kopf und Hals gesenkt. Der Flamingo bat ein sehr ausgedehnte« Vaterland. Er ist um das ganze Mittelmoerbecken zu linden, besonders in Afrika und auf den Inseln. An der Küste der Provence kommt er seltener und in geringer Zahl vor. Nur in ganz hetssen Jahren, wie 18.11, ist er bis an den Rhein gekommen. In Afrika scheint er an dem ganzen Küstenstrich bis zum Cap der guten Hoffnung hinabzugehen. Häufig ist der Flamingo am schwarzen und caspischen Meer. In Amerika ersetzt ihn eine kleinere röthlicher gefärbte Art. Von Trappeu bemerkte ich nur zwei Arten in der Regentschaft Algier, Otis tetrax und Otis houbara, Erstere ist ein sehr gemeiner Vogel, aber nur in den Wintermona-ten; im Sommer ziehen die meisten nach Europa und nur wenige bleiben im Land. Ich schoss die kleine Trappe Otters in der Metidscha, sah sie auch bei Ilona, Dran. Es ist aber ein scheuer Vogel, der sich selten auf Schussweite be-schleichen lässt. Otis tetrax kommt auch in Sardinien, im südlichen Frankreich und Italien, in Südrussland und der tartarischen Wüste vor. Otis houbara, die Kragentrappe, hält sich nur in den öden Steppen des Innern der Rerherei auf; nie wurde sie an der Küste gesehen. Desfontaines brachte aus dem Süden von Constantine schöne Exemplare mit. Ich sah ein einzigesmal ein ganz zerfetztes Exemplar auf dem Markt von Algier. Ein französischer Reisender, welcher 1837 Tunis besuchte, ging mit Beduinen ins Innere ab, eigens in der Absicht, dort die Kragentrappe zu jagen. Nach vierwöcheutlichem Aufenthalt in den wüstesten Gegenden brachte er nur vier Exemplare nach Tunis zurück. Der Vogel ist demnach auch im Innern selten, dabei sehr scheu und schwer zu schiessen. Erblickt er Menschen, so läuft er hurtig davon und nur weun man ihn zu Pferde verfolgt, fliegt er auf. Otis houbara ist mich in den Wüsteneien Aegyptens und Arabiens zu Hause und verirrt sich zuweilen nach Europa, selbst bis Deutschland. Glareola torqnata. Das Vaterland dieses Vogels ist besonders Ungarn und Dalmatien, das südliche Frankreich, Italien, die Schweiz; nach Deutschland kommt er viel seltener. Ich sah denselben häufig an den Ufern der Aratsch und des Seybuss. Er läuft und fliegt sehr schnell, gewöhnlich in Gesellschalt. Cursorius üaltellinm. Ich sah diesen Vogel nie in Algier; aber französisch«' Reisende brachten ihn aus den südlichen Gegenden von Tunis. Im Winter soll er in der Ebeno Egghres bei Mascara keine Seltenheit seyn. C. isa-bellinus kommt auch in Aegypten, Abyssinien, Arabien vor und verirrt sich zuweilen ins südliche Europa. Oedicnemus crepitans, ziemlich gemein an sumpfigen Gegenden bei Algier, Bona, La Calle. Mau findet ihn in den milderen Ländern von ganz Europa und Asien bis Indien. Charailrius hiatienta ist last über die ganze alte Welt verbreitet, hält alle Klimate aus und findet sich von Island bis zu den Aequinoctialgegenden, ist sehr häufig in der ganzen Berberei, verschwindet aber im Sommer. Vharadrius minor kommt in Algier aus Europa im October an und zieht im Frühling wieder fort, bewohnt auch die gemässigten Gegenden Europas und Asiens. Vanellus erhtatus. Der Rabitz ist ein Standvogel in der Berberei. Ich sah ihn zu allen Jahreszeiten und auf allen Punkten. Doch mindert sich seine Zahl in den heissen Monaten, vor deren Beginn viele nach Norden anrückkehren. Der Kiltitz ist im mildern Europa und Asien, vom mittlem Schweden und Kussland bis an den Ural, Italien, Porsten u. s. w. ein ganz gemeiner Vogel, Himatitopus rnjipc* traf ich blos an den Ufern des Sees Fezzara bei Bona, wo er in Gesellschaft zu 6 bis 8 Individuen im Schilf watete, sich aber nie auf Schussweite nahe kommen liess. In dortiger Gegend lindet man den Strandreiter zu allen Jahreszeiten; auch die gemässigten Gegenden Asiens und Europas sind seine Heimath. Von den Scliuepfeuvögelu (Scolopacidac) kommen die meisten europäischen Arten in Nurdufrika vor; einige nur in der kühlem Jahreszeit, wie lAmo&a mclanuradie meisteu aber sind Standvögel. Vou der Gattung der ßrachschnepfen {Numeniua) fand ich ISumenius p/iueopus, der sowohl im höhern Norden von Europa uud Asien, auf Island uud in Kamtschatka, als auch im liefen Süden, auf Java und in Neuholland zu Hause ist. Ehen so häulig schoss ich auch bei Algier, Ilona, Mostaganem, die grössere Art, Numcnius arf/uala, der aber nur zur Winterszeit im Lande ist und im März wieder Europa zufliegt. Numemus ienuiroUri* ist etwas seltener, als die vorhergehenden Arten. Ich schoss ihn in deu Morästen der Metidscha im Monat Februar und in der Ebene des Seybuss hei Bona im Sommer. Er scheint demnach ein Standvogel der Berberei zu seyn. In den trockenen Gegenden bei Oran habe ich ihn nicht mehr bemerkt; auch nicht an den Ufern des Salzsees El-Sebgha, wo so viele mit ihm verwandte Arten sich aufhalten und brüten. N. te-nuirostris ist. bis jetzt noch an wenigen Orten aufgefunden worden. Er kommt in Sardinien vor. Lucian Buonaparte fand ihn hei Born. Auch in Aegypten, in Südfrankreich und Dalmatien hat mau ihn bemerkt. Unter der Familie der Wasserhühner ist Porphyrio hyacinthinus eines der häufigsten und schönsten. Ich fand diesen prächtigen Vogel im Sommer in nicht minder grosser Zahl, als im Winter, besonders an den Ufern des Sees Fezzara, wo er truppweise beisammen lebt, und in der Metidscha bei Algier, In der trockenem, westlichen Provinz Oran scheint das Sultanhuhn nicht vorzukommen. P. hya-cinthinus bewohnt ganz Nordafrika, Südspanien, Sardinien und Sicilien. Auch andere Gattungen dieser Familie haben ihre Vertreter in Nordafrika. Rallus ar/uaticus, Galli-nula chloropus, Fulica atra, sämmtlich Arten, die auch im gemässigten Europa häufig vorkommen, bevölkern die morastigen Ebenen und Seeufer Algeriens. Die Schwimmvögel sind in deu Morästen und Seen des Innern in ziemlich vielen Arten und in zahllosen Individuen repräsentirt. Indessen ist die Jagd dort noch mit so vielen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden, dass man verhält-nissmässig nur sehr wenig davon in den Küstenstädten erhalten hat. Pclecanus onoerotalus hält sich am See Fezzara auf, aber nur in sparsamer Zahl. Eine Scharbeuart (11a-lieus —1) wurde während meines Aufenthalts in Algier am Meerufer geschossen. Von Enten sind bei Bona ge gen zwanzig Arten getödtet worden, worunter Anas crecca9 Anas fuligula, clypeata, Tadorna, lioschas. Auch Anas leueoeephala kommt vor. Mehrere Arten überwintern blos und fliegen im März wieder nach Europa zurück. Von Mö-ven fand ich Ltarus canus, argentatus, ridibundus, Stcrna cantiaca, minuta und andere Arten, die auch sehr weit nach Norden hinaufgehen. Wahrscheinlich befand sich unter den von mir gesammelten Möven auch die neue Tem-miuck'sche Art, Larus tenuirostris. Bei stürmischer Witte- rung finden sie sich in sehr grossen Schaaren auf dem sandigen Meerufer ein. Die Dampfboote, welche die Verbindung zwischen den Küstenpunkten unterhalten, wrerden beständig Von Möven begleitet, welche über die von den Rädern aufgewühlten Wellen wegstreichen, weil da sich immer viele Fische einfinden, die sich belustigen, die Wogen zu durchbrechen, und Weichthiere, die von den Wellen emporgespült Werden. In der Bucht von Arzew sah ich den kleinen schwarzen Sturmvogel, Procellariapelagica, häufig fliegen. Von Oran brachte ich Puffinus einer eus mit, eine Art, welche vom März bis Mai an dem Felsufer zwischen Oran und Mers-el-Kebir geschossen wird. Auch Pufßnus anglo-rutn kommt hie und da vor. Zusatz. Ich gedachte anfänglich diesen Bemerkungen meines Bruders über die Vogelfauna der Berberei einiges Allgemeinere über die Ornithologie des Mittelmeerbeckens beizufügen. In-dess war bei genauerer Ueberlegung das eingesendete Material hiezu nicht hinreichend. Ich werde um so mehr bestimmt, den Vorsatz fallen zu lassen, als in dem eben erschienenen vierten Band von Temminck's Manuel so ziemlich Alles gesagt ist, was sich bis jetzt über die sehr fragmen-tare Kenntniss des südöstlichen und südwestlichen Theils der Mittelmeerküsten in ornithologischer Hinsicht sagen lässt. Vorstehende anspruchslose Notizen mögen von dem Gesichtspunkt aus aufgenommen werden, von dem sie gegeben siud. R. Wagneb. ■ Bemerkungen über die in der Regent-scliaft Algier gesammelten Amphibien. Von Dr. Schlegel in Leyden. A. C Ii e 1 o u i c r. 1) Testudo graeca var. mauritanica. Dm Untersuchungen UilM-oiTs {Erpc"tül. ge'ne'r. II. p. 44.) zufolge gehören die am Nordrand Afrikas und um das caspische Meer beobachteten , von andern Naturforschern für T. graeca gehaltenen Schildkröten, einer eignen Art an, welche er T. mauritanica nennt, und sogar von der gewöhnlichen T. graeca entfernt, um sie in eine verschiedene Abtheilung zu bringen. Jene Art soll sich durch ihre ins Grünliche ziehende Grundfarbe, ein ungetheiltes hinterstes Raud-schild, einen beweglichen llintertheil des Brustsehildcs, einen nicht mit einer Uornspitze bewaffneten Schwanz und die Anwesenheit einiger grosser Höckerschuppen auf den Schenkeln unterscheiden. Wir müssen gestehen, in Auffindung dieser Merkmale als constanter Unterscheidungskennzcichen weniger glücklich zu seyn als jener Schriftsteller. Was die Beweglichkeit des Brustbeins betrifft, so findet diese in einem so geringen Grude statt, dass bei völliger Aehnlichkeit in der Structur dieses Thieres jene Erscheinung als höchst geringfügig betrachtet werden muss, um so mehr, da das Brustbein oft durch die fortwährende Wirkung der Muskeln, bei Arten, wo es gewöhnlich zu einem festen Ganzen verwachsen ist, am hintern oder vordem Theil beweglich wird. Dem von der Färbung abgeleiteten Kennzeichen könnte man hinzurügen, dass bei T. mauritanica die schwarze Zeichnung des Brustschildes selten getrennt, sondern immer in Gestalt eines grossen Centralfleckes erscheint. Die Schenkelhüfcker finden sich zuweilen auch bei der gewöhnlichen T. graeca von Italien , unter welcher oft auch Exemplare ohne harte Schwanz-spitze angetroffen werden. Die Trennung des letzten Randschildes endlich scheint mir als rein zufällig betrachtet werden zu können, da bald Individuen mit ganzem, bald mit getrenntem Randschild in den verschiedensten Ländern vorkommen. Diese Schildkröte wird seit der Besetzung Algeriens durch die Franzosen häufig nach Paris gebracht. Dort gekaufte und die von Hrn. Dr. M. Wagner gesammelten Exemplare ähneln vollkommen denen, welche der Oberst Humbert an das Königl. Museum von Tunis einschickte. Das von Herrn Me-netries am Kaukasus gesammelte und unserm Museum über-lassene Exemplar unterscheidet sich von jenen nur durch die bedeutender« Grösse. Bibron hat im angeführten Werk eine weitläufige Beschreibung dieser Schildkröte gegeben, weshalb wir es für überflüssig halten, hier noch etwas Weiteres hinzuzufügen. Jeffer Schriftsteller zieht auch die auf der 204. Tafel der Ed-ward'schen Gleanures abgebildeten Schildkröten hierher. Von der gewöhnlichen T. graeca aus Italien hat Ch. Konaparte in der Fauna italica eine, was das Colorit betrifft, ausgezeichnete Abbildung geliefert. (Ich fand diese Schildkröte auf allen Punkten der Regentschaft Algier, am häufigsten bei Bona. Sie hält sich am liebsten in Gegenden auf, wo die Zwergpalme, Chamaerops humilis, wächst, unter deren Laubfächern sie sich vor deu Nachstellungen ihrer Feinde verbirgt. M. W.) 2) Emys vulgaris. Unter den in Algerien gesammelten Amphibien befindet sich nur ein Exemplar dieser Schildkröte, von dem sich, da es kaum aus dem Ei gekrochen ist, nicht bestimmen lässt, zu welcher der beiden in Europa lebenden Raccn es zu zählen ist. Wie Herr Bibron 1. 1. II. p. 242 versichert, gehören die in Nordafrika lebenden Sumpfschildkröten zu der vou Michahelles aufgefdlirten Emys Sigririi, die Schweigger schon früher unter dem Namen E. leprosa beschrieb. Diese Schildkröte scheint allerdings eine von der gemeinen Sumpfschildkröte constant verschiedene Race zu bilden, welche, wie wir schon in der Fauna japonica gezeigt haben, vou Spix als neue Art unter dem Namen Emys marmorea abgebildet wurde. Wir erhielten dieses Thier aus der Umgegend von Gibraltar, und Herr Cantraine schickte es uns auch vou Dalmatien, wo es, nach seiner Aussage, getrennt von den dort häufigen Sumpfschildkröten, nur die Mecresufer in der Nähe der Flussmündungen bewohnen soll. Um uns von der Identität der von Michahelles beschriebenen Emys Sigririi mit unsern Exemplaren zu überzeugen, haben wir uns in der Zeit von diesem Naturforscher die Originalexemplare einschicken lassen, welche das Königliche Museum mit allen andern von ihm beschriebenen Amphibienoriginalicn noch besitzt. Jenes Exemplar, angeblich von Dalmatien herstammend, ist aber leider nichts anderes als eine Varietät der gewöhnlichen Sumpfschildkröte mit schwarzem Bauchschild; und wir bedauern, dass uns dieser Versuch, über so schwierige Punkte ins Beine zu kommen, eben so wenig geglückt ist, als die genaue Unterscheidung der Testudo mauritanica, von weicher uns auf unser Verlangen von Herrn Bibron selbst ein Exemplar eingeschickt wurde, dessen Kennzeichen geradezu allen Angaben dieses Schriftstellers widersprachen. Will man die beiden in unserm Welttheil lebenden Ra-cen der Sumpfschildkröten als Arten aufführen, so verdient gewiss die in der Fauna japonica abgebildete Race dasselbe Schicksal; und was noch mehr ist, man wird noch eine neue ebenfalls in Japan lebende, uns seither überschickte, und von den übrigen constant verschiedene Race *) als vierte Art aufführen müssen. Diese vier Thiere könnten demnach, um ihre Verwandtschaft unter einander und ihr Verhältniss zu den übrigen Arten anzudeuten, in einer eignen kleinen Gattung vereinigt werden. Das vor uns liegende Exemplar dieser Schildkröte wurde bei Oran in einem Sumpfgewässer gefunden. B. Saurier. 1) Platydactylus fascicularü. Dieser in Spanien, im südlichen Frankreich, in Italien, Sicilien und Griechenland heimische Gecko wird auch in ganz Aegypten und längs dem Nordrand Afrikas angetroffen, und °) Das Nähere über diese Thiere in der vierten Lieferung «»einer Abbildungen. scheint an allen diesen Orten häufig vorzukommen. Wir haben keinen erheblichen Unterschied zwischen den in so verschiedenen Gegenden gesammelten Individuen bemerkt. Die beste nach dem Leben gemachte Abbildung findet sich in der Fauna italica, eine genaue Beschreibung ausserdem in der Erpetalogie generale III. p. 320. (In der Regentschaft Algier wurde dieser Gecko auf den verschiedensten Punkten von Rona bis Oran von mir aufgefunden. Er liebt bu seinein Aufenthalt besonders die Stämme alter Ölivenbäume, deren Löcher und Ritzen ihm als Zufluchtsorte dienen. Am häufigsten ist diese Art in den Umgebungen von Bona zu Hause. Dort steht kaum Ein alter Oelbaum, auf dessen morscher Rinde man nicht beim Sonnenschein eiuen oder auch mehrere Geckos regungslos, auf Fliegen lauernd oder auch blos um sich zu sonnen, sitzen sieht. Es hält aber äusserst schwer, diese Thiere zu fangen, denn bei der geringsten annähernden Bewegung des Amnhi-bienfängers uehmen sie aufs Eiligste in ihre Schlupfwinkel die Flucht. M. W.) 2) Stenodactylus guttatus. Man hat bis jetzt Aegypten ausschliesslich als Vaterland dieser Art angegeben0); das von Algerien mitgebrachte Exemplar beweist aber, dass ihr Verbreitungsbezirk viel ausgedehnter ist, als man bisher glaubte, und sich vielleicht über einen grossen Theil von Afrika erstreckt, da ich die Art selbst in einer vom Vorgebirge der guten Hoffnung gemachten Sammlung antraf. Wir haben auch hier der Beschrei- ") Der in der Descriptim de la Marce Tah. XI. fig. 3. fälschlich unter diesem Namen abgebildete Gecko gehört offenbar nicht zu dieser Art, sondern zu Gymuodactylus scaber. in Innig Bibrons 1. c. III. p. 434 und der ausgezeichneten in der Description de VjäHgypfo Sappl, Tab, I, flg. 3 u. 4. nichts hinzuzufügen. (Stenodactylus guttatus findet sich in den Umgebungen der Städte Algier und Bona, aber viel seltener als die vorhergehende Art. Er hält sich am liebsten in Ruinen, auf Gartenmauern, oder alten Bäumen auf. M. VV.) 3) Chamaeleon africanus. Er scheint die einzige im nördlichen Afrika lebende Art dieser Gattung zu seyn. Bekanntlich ist sie in Aegypten sehr häufig; sie kommt ferner in der Umgegend von Tunis und Tripoli vor, wird in Algerien gefunden, bewohnt das südliche Spanien, soll sich sogar in Sicilien finden, und geht selbst bis Dekan hinter, wo sie aber, nach Herrn Bibron's Untersuchungen I. c. HI. p. 208, eine constante', obschon kaum abweichende Klimavarictät bildet. (In der Regentschaft Algier wurde das Chamaeleon nur in den Umgebungen der Stadt Algier und in den westlichen Thcilen aufgefunden. Bei La Calle, Bona, Stora, Budschia, in der Provinz Constantine kommt dasselbe nicht vor. Ich fand das Chamaeleon in der Ebene Metidscha auf verschiedenen Sträuchern, am meisten auf dem Nerium Oleander in den Sümpfen, wo viele Insecten fliegen. Viel häufiger ist dieses Amphibium in den Umgebungen von Oran, Arzew und Mostaganem. Es sitzt stundenlang unbeweglich auf den Ae-sten, um mit seiner langen Zunge, die es mit ausserordentlicher Schnelligkeit herausschiessen lässt, Dipteren und andere weiche, geflügelte Insecten zu erhaschen. Auch im Innern der Regentschaft bei Mascara und Tlemsan kommt Chamaeleon africanus häutig vor. M. W.) 4) Lacerta ocellata. Der Verbreitungsbezirk dieser Art ist weit beschränkter als der der meisten übrigen europäischen Eidechsen. Man hat sie bis jetzt nur in einem kleiuen Theil von Italien, im südlichen Frankreich, Spanien und Algerien angetroffen. Die in verschiedenem Alter sich befindenden Individuen, welche in letzterer Gegend gesammelt wurden, sind durchaus denen im südlichen Europa ähnlich. Es befindet sich aber in der Sammlung ausserdem ein Individuum dieser Eidechse, welches eine durch verschiedene, der der Lacerta viridis ähnliche, Färbung ausgezeichnete Abart bildet, welche wir früher schon aus der Umgegend von Bona erhielten, und im Pariser Museum wirklich als Lacerta viridis aufgestellt sahen. Da aber diese Individuen den der Lacerta ocellata eigenen Hauptcharakter, nämlich acht Paar Bauchschuppen, haben, und sich von Lac. viridis auch sogleich durch ihre gedrungene Dicke aller Theile unterscheiden, so bleibt wohl kein Zweifel übrig, dass sie als Abart der Lacerta ocellata betrachtet werden müssen. Diese Abart weicht dem zufolge blos durch eine verschiedene Färbung ab. Die Grundfarbe derselben erscheint bei den in Weingeist aufbewahrten Individuen als ein bläuliches, bald helleres, bald dunkleres Grün, welches auf dem Bauche viel blässer ist und ins Gelbliche übergeht. Die oberen Theile sind mit ziemlich grossen schwarzen Flecken besäet, welche, auf dem Bücken oft zusammentreten, um Ring-llecke zu bilden, zuweilen aber auch so einzeln stehen und so klein sind, dass der Rücken beinahe einfarbig grün erscheint, und nur der Schwanz deutlicher, aber unregelmässig gefleckt ist. (Lacerta ocellata ist auf dem ganzen Küstenstrich vou Oran bis Bona sehr gemein und kommt auch im Innern bei Constantine, Beiida und Mascara vor. Die oben bemerkte Abart Avurde in den Umgebungen von Bona aufgefunden und scheint in den westlichen Theilcn der Regentschaft Algier nicht vorzukommen. 5) Lacerta muralis. Auch diese weit verbreitete Art scheint die Küsten der Berberei häufig zu bewohnen. Bekanntlich bildet sie bald zufällig, bald nach den Gegenden, wo sie sich findet, eine Menge Varietäten, von welchen der Prinz von Musignano in der Fauna italica die vorzüglichsten abgebildet hat. Die in der Berberei gesammelten Exemplare stimmen am meisten mit der von jenem Schriftsteller unter dem Namen albiventris abgebildeten Varietät überein. Sonstige Abweichungen oder Formenverschiedenheiten linden sich nicht zwischen den Individuen dieser Gegend und denen, welche wir aus der Krimm, aus Griechenland, Dalmatien, Italien, Sicilien, Deutschland, Frankreich und Spanien erhielten. Auf Madeira allein, wo diese Art ebenfalls vorkommt, bildet sie eine durch ihre dunklere Grundfarbe, die mit zahllosen kleinen gelben, querlaufende Wellenlinien bildenden Pünktchen besäet ist, ausgezeichnete Localvarietät: ich glaube nicht, dass Lacerta Dugesii Milne - Edw. von derselben verschieden ist. Dagegen kommt auf Teneriffa eine neue von jener gänzlich verschiedene Art vor. Lacerta muralis ist durch die ganze Regentschaft Algier verbreitet und findet sich auf der Küste sowohl, als im Innern äusserst häufig. 6) Lacerta guttulata. Diese im Lichtensteiii scheu Doublettenkatalog, Berl. 1823, Moritz Waonek's Algier. IH. 8 p. 101. aufgeführte Art, findet sich, wie es zwei von Dr. M. Wagner mitgebrachte Exemplare beweisen, auch in Algerien. Sie erreicht nicht die Grosse der Lac. muralis oder agilis, ist viel zarter gebaut, und hat einen schmälern und kleinern Kopf. Mit ersterer stimmt sie hinsichtlich der Kleinheit der kaum merklich gekörnten Kücken- und Schlüfcnschup-pen, mit letzterer durch die Anwesenheit von Gnumonzahnen überein; von beiden aber unterscheidet sie sich leicht durch die schräge Stellung ihrer breitern Schwanzschilder, weshalb nur die Kiele derselben , welche auf der Richtung der Diagonale des Schildes stehen, parallel mit der Längenaxe des Schwanzes laufen: ein Kennzeichen, welches übrigens mich mehrern Eidechsen, wie der Lac. rubropunctata, pardalis u. s. w., zukommt. Die Schnauze ist aber durch eine längliche Vertiefung sanft ausgehöhlt. Auf den Augendecken stehen zwei grosse Schilder, au welche vom und hinten je ein kleineres, und am Aussenrande eine Reihe sehr kleiner Schuppen stossen. Deu Platz zwischen den Hinterhauptschildern füllen zwei ziemlich entwickelte Schilder aus, welche zuweilen getheilt erscheinen. Das Halsband besteht aus etwa acht, auf einer Reihe vertheilten Schildchen. Die Zahl der Bauch-scbilderreihen beläuft sich auf acht; die der Schenkelporen jeder Seite auf elf bis dreizehn. Ueber dem After befindet sich eine grössere Mittelschuppe, um welche sich mehrere andere, etwas kleinere reihen. Die Zehen sind einfach, ohne Kamm-zulinschiippchen. Die Färbung dieser Art ist bedeutenden individuellen Abweichungen unterworfen, hat aber gewöhnlich einige Aehnlichkeit, was die oberu Theile betrifft, mit der Lacerta agilis. Diese sind nämlich bräunlichgrau, mit oft verwischtem sehr breiten dunklem Rücken- und Seitenband, auf welchen kleine weissliche, meist dunkel eingefasste, auf vier bis sechs Längereihen vcrtheilte Augenflecke stehen. Die untern Theile sind gewöhnlich einfarbig gelblichweiss. Uebrigens verdient bemerkt zu werden, dass sich die vorliegenden Exemplare durch eine etwas dunklere Färbung von andern, von Ehrenberg und Riippell in Aegypten und Nubien gesammelten und unserm Museum einverleibten Individuen unterscheiden. Sie wurden von Dr. M. Wagner in der Umgegend von Oran aufgefunden. 7) Lacerta pardalis. Die richtige Bestimmung der vielen Eidechsenarten ist vielleicht eine der schwierigsten Aufgaben für den Zoologen. Ich gestehe gern, wohl fünfzig Mal auf diesen Gegenstand zurückgekommen zu seyn, ohne gewünschte und bestimmte Resultate in allen Punkten erhalten zu haben. Die Arbeit von Milne-Edwards ist bei dem jetzigen Zustand der Wissenschaft unzureichend, und die vou Schultze im Lichtcnstcin'scheu Katalog weicht hinsichtlich der Zusammenstellung der Synonyme der Lac. pardalis und variabilis gänzlich von den Annahmen der übrigen Schriftsteller ab. Um daher nicht neue Verwirrungen anzurichten, haben wir für vorliegende Art den von Schultze geschaffenen Namen den etwaigen altern ungewissen Synonymen vorgezogen; zumal da uns die Ansicht von Ori-giualexemplaren bewies, dass diese Eidechse identisch mit der in Spanien vorkommenden Art ist, welche uns vom Berliner Museum unter dem Namen Lac. pardalis, vom Wiener als Lac. cruenta Pallas eingeschickt wurde. Es ist dies dieselbe Eidechse, welche Milne-Edwards unter dem Namen Lac. velox beschrieb, und wahrscheinlich gehört auch seine Lac. deseiti hierher, Spix schickte uns dieses Thier unter dem Namen Lacerta BoskinivA Sc/tultxe; aber die eigentliche Lac. 8 * Boskiana, Schultze Katalog p. 100., ist eine, besonders durch die grossen Rücken-und Sehwanzschuppen und grössernKnmmzahu-schuppon an den Zehen ausgezeichnete, in Aegypten lebende Art, die aber die meisten Zoologen, durch Schnitze's Angaben verführt, für das unter dem Namen Lac. Boskiana von Daudin beschriebene Thier halten, welches wir wirklich mehrere Male von St. Domingo erhielten, und welches eine neue Art der Gattung Aineiva bildet. Wie sehr Wagler jene Arten durcheinander warf, zeigen die im System p. 156 gemachten Zusammenstellungen der Lac. variabilis und Boskiana, sowie der Lac. grammica, rubropunetata, guttulata und pardalis, von denen doch wohl jede eine verschiedene selbstständige Art bildet. Auf unsere vorliegende Art zurückkommend, führen wir an, dass sie häulig von Spix und Natterer in der Umgegend von Gibraltar angetroffen wurde. In Algier ist sie sehr gemein und Dr. M. Wagner hat von dort eine bedeutende Anzahl Exemplare mitgebracht. Wir erhielten sie aus der Umgegend von Tripoli, und dass sie in Aegypten vorkommt, ist von vielen Seiten bewiesen. Dagegen ist es zweifelhaft, ob sie unter die um das caspische Meer und in Westasien überhaupt lebenden Arten gehört; wenigstens weichen ähnliche von Menetries dort gesammelte Eidechsen durch die grössere Zahl der Bauchschilder, durch grössere innere Wadenschilder und andere Eigenthüinlichkcitcn zu bedeutend von Lac. pardalis ab, als dass sie mit derselben zusammengestellt zu werden verdienten. Der Raum erlaubt uns nicht, hier in eine genaue Auseinandersetzung der Charakteristik und Synonymie der verwandten Eidechsenarten einzugehen, und wir verzichten um so lieber aui dieses Vornehmen, da wir der in Kurzem zu erscheinenden Arbeit Bibron's über diesen Gegenstand entgegensehen. Unsere vorliegende Art steht gleichsam in der Mitte zwischen deu gewöhnlichen und deu Sandeidechsen, unter welchem Niimen man diejenigen .Arten begreifen kann, deren Zehen an den Händern mit kamin/.ahnarlig hervorstehenden Schoppen versehen sind (Lac. Boskiana, graininica, variabilis, rubro-punetata), welche Erscheinung sich auch bei einigen Againen (Ag. aurita, helioscopa) wiederholt. Bei unsrer Art sind diese zuhnförmigen Schuppen allerdings sehr klein, und sie finden sich nicht einmal bei allen Individuen in gleichem Grade entwickelt, was wir den Zoologen zur Berücksichtigung empfehlen. Als Kennzeichen kann man noch anführen, dass ihre Schnauze in der Mitte stark ausgehöhlt ist, wodurch zwei dachförmige Kiele entstehen, welche auf der Stirn im spitzen Winkel zusainmenstossen. Ferner, stehen auf den Angendecken nur zwei grosse Mittelschilder, welche von kleinen Schüppchen umgehen sind. Die Ilinterhauptschilder stos-sen zusammen und nehmen nur vorn ein kleines Mittelschild zwischen sich auf. Die Itiickenschuppeu sind klein und mit einem hockerartigen Kiel versehen. Die des Schwanzes siud grösser, oben stark gekielt und schräg stehend. Den acht Bei-hen Bauchschilder gesellt sich jederseits noch eine Beihe etwas kleinerer Schuppen hinzu. Die Zahl der Schenkelporen belauft sich auf 25 Paare und darüber. Vor dem After stehen gewöhnlich drei grössere Mittelschuppen, von denen die hinterste breiter als die übrigen ist. Im Gaumen befindet sich eine Reihe kleiner Zähne. Die Färbung dieser Art ist zahlreichen uud bedeutenden Abweichungen unterworfen. In der Jugend erscheinen die oberen Theile gewöhnlich braunschwarz mit hellen Tüpfeln, und sechs bis acht hellen Längestreifen, von den die mittleren auf dem Schwanz winkelförmig zusammeustossen, wäh- rend die seitlichen sich im Weiss der untern Theile verlieren, welches hier oft eine hlassröthliche Farbe annimmt. Mit dem Alter aber werden jene Streife undeutlicher, oder lösen sich in schwarze, unregelmässige Flecke auf, die hellen Streife verschwinden oft ganz, und die nun herrschende Grundfarbe zeigt sich als ein bald helleres, bald blasseres Grau, welches oft ins Röthlichbraue zieht und, nach den Individuen, vielfach nuancirt ist. Die heilern Tüpfel auf den Beinen und zwei gleichfarbige Streife an den Seiten des Halses aber linden sich ziemlich standhaft in jedem Alter vor. 8) Lacerta algira. Bekanntlich bildet diese Art bei den neuem Naturforschern eine eigne Gattung, Algira genannt, welche eben zu der von Boje aufgestellten Gattung Tropidosaura gezogen zu wrerden verdient, da dieses javanische Thier alle Kennzeichen der Algira trägt, sich übrigens leicht durch Färbung, zartere Gestalt, viel kürzere Füsse u. s. w. von jener unterscheidet. In der Description de la Morde ist unter dem Namen Algyroides moreoticus eine Eidechse beschrieben, deren Rücken zwar auch mit grössern gekielten Schuppen besetzt ist, die aber durch die Anwesenheit eines Halsbandes, grösseren Bauchschildes u. s. w. von jenen beiden Eidechsen abweicht, und in die Nähe der Lacerta nigra Fitx. von Sardinien gestellt zu werden verdiente. Unsere vorliegende Art hat so ziemlich die Grösse und Gestalt der Lacerta agilis; aber ihr Körper ist weniger plump, der Kopf niedriger, schmäler und gestreckter, Zehen und Schwanz länger. Sie ähnelt dieser Art ebenfalls hinsichtlich des Kopfbedeckung; nur dass ihr Scheitelschild schmäler ist und sich weiter nach hinten erstreckt, dass ihre Lippenschilder viel niedriger sind, und dass die Schläfcuschil-der in der Mitte die Gestalt kleinerer Schüppchen annehmen. Die Schuppen der ohern Theile und des Schwanzes sind, im Vergleich zu denen der übrigen Eidechsen, sehr gross, überall gleichförmig dachziegelförmig übereinanderliegend, scharf zugespitzt, weshalb ihre Seiten etwas concav erscheinen, uud alle mit einem starken Kiel versehen. Die der untern Theile sind dagegen glatt, ein wenig breiter, an der Spitze abgestumpft, in sechs Reihen vertheilt, ebenfalls dachziegelförmig übereinander liegend, und erstrecken sich gleichförmig, obgleich ein wenig an Grösse abnehmend, bis ans Kinn, weshalb dieser Art das den meisten Eidechsen eigentümliche Halsband völlig fehlt. Vor dem After steht ein grösseres Centralschild. Man zählt auf jedem Schenkel etwa 13 Poren. Die untere Seite der Zehen ist mit ziemlich grossen, harten, dunkel gefärbten Schuppen besetzt. Die Grundfarbe dieser Art ist ein ziemlich dunkles Gelbbraun, welches oft ins Olivengrünliche zieht. Auf den Seiten bemerkt man zwei hellere, gelbliche, etwas dunkler gesäumte Streife, von denen der untere von der Ohröffnung bis in die Weichen läuft, während der obere, vom Hinterhaupt anfangend, parallel mit jenem bis auf den Schwanz bin sich erstreckt, uud hier, allmälig blasser werdend , verschwindet. Die untern Theile sind einförmig, weisslich gelb, zuweilen mit schönem Perlmutterglanz. Die Jungen ähneln den Alten, rücksichtlich der Färbung, vollkommen, nur ist bei ihnen die Fortsetzung des hellen Streifes von der Ohröffnung bis zum Auge deutlicher. (Lacerta algira ist in den Umgebungen der Stadt Algier ziemlich gemein. Dagegen fand ich sie auf keinem andern Tunkte der Regentschaft. Bei Algier hält sie sich auf dem Sande des Meerufers auf, gewöhnlich verbirgt sie sich dort bei Annäherung eines Spaziergängers unter den Steinen oder den abgefallenen Blättern der Agave ainericana. Sie ist sehr scheu und läuft, wenn sie verfolgt wird, mit einer unglaublichen Behendigkeit über den Saud fort, so dass sie schwer zu erhaschen ist. M. W.) 9) Scincus ocellalus. Wir verweisen, was die Synonymie, Beschreibung und Abbildung dieser gemeinen Art betrifft, auf die Fauna ita-lica. Rücksichtlich ihrer Organisation liefert diese Art die merkwürdige, von Wiegmann zuerst beobachtete Erscheinung eines durchsichtigen untern Augeulides, welche sich nicht nur bei einigen Arten der Gattung Scincus, sondern auch bei Lacerta Leschenaultii {Milne-Edwards) und einer neuen übrigens bedeutend abweichenden Art unsers Museums, deren Vaterland uns leider unbekannt ist, wiederholt. Ferner ist die vorliegende Art merkwürdig wegen ihrer Verbreitung', da sie sich nicht, wie viele dem Nordrand von Afrika bekannte Amphibien, auch in Spanien oder Griechenland, Dalmatien oder Italien, oder sogar dem südlichen Frankreich findet, sondern bis jetzt in keiner von den zu Europa gerechneten Gegenden als in Sardinien und Sicilien beobachtet wurde. Wir erhielten sie, ausser von diesen Inseln, fast von allen Tunkten der Nordküste Afrikas, vom Berge Sinai an bis nach Algerien. Höchst merkwürdig ist es, dass sie auch auf Teneriffa häufig angetroffen wird, wo aber ihre Grundfarbe staudhaft, besonders auf den untern Theilen, als ein dunkles Schwarzbraun erscheint, gleichsam als hätte der gewaltige Vulkan dieser Insel auch seinen Einlluss auf dieses Thierchen ausgeübt. IJcbrigens ist auch an andern Orten die Färbung dieser Art zahllosen Abweichungen unter- worfeil, welche jedoch als individuell und daher als rein zufällig befrachtet werden müssen, (Seincus ocellatus kommt auf der ganzen Algierer Küste von Bona bis Oran äusserst häulig vor. Man findet ihn aber nur in der warmen Jahreszeit vom April bis october, wo er am liebsten in sandigen Gegenden unter Steinen sich aufhält. Während der Regenmonate vergräbt er sich einige Fuss tief unter die Erde und verlässt diese Behausung erst, wenn die Aprilsonne ihn weckt. Wälzt man dann einen Stein um, unter dem dieser Scink sich verbirgt, so flieht er, mit dem Schwanz heftig um sich schlagend, unter vielem Geräusche über den Boden hin. Am häufigsten fand ich dieses Amphibium in den sandigen Umgebungen von .Mostaganem. M. W.) 10) Seps chalctdes. Auch von diesem merkwürdigen Amphibium findet sich eine gute Beschreibung und Abbildung zweier Varietäten in der Fauna italica. Beide dieser Varietäten, sowohl die gestreifte als einfarbige, kommen auch in Algerien vor. Diese Art wurde bis jetzt in Dalmatien, Italien, Sardinien und Algerien beobachtet. Nach Gh. Bonapartc ist sie lebendgebärend, aber die ersfgebornen Jungen ähneln nicht, wie dieser Schriftsteller angiebt, rücksichtlich der Färbung, deu Alten, sondern ihre Färbung erinnert, mit Ausnahme des dunkeln Rückenstreifens und des hellröthlichen Schwanzes, auffallend an die des jungen Anguis fragilis. Der ganze obere Theil des Körpers zeigt sich nämlich als ein breites silhergraues, von dem Schwarz der Seiten scharf begränztes Band. Nach den untern Theilen hin geht die dunkle Farbe allmälig wie- der ins Bleigrauc über, während der Schwanz fast einfarbig blassroth erscheint. (Seps chalcides ist in den Umgebungen von Algier, Bona, Oran keine Seltenheit Er hält sich am liebsten*n Gruben auf, wo er in die Sonne sich legt, seltener unter Steinen. Wird er verfolgt, so bewegt er sich schlangenartig über den Boden fort. Die einfarbige Varietät ist weit seltener, als die gestreifte. Erstere fand ich nur iu deu Umgebungen von Oran. M. W.) II) Amphisbaena TViegmannii. Vor wenigen Jahren noch war, den Naturforschern wenigstens, keine einzige Ampliishaena der alten Welt bekannt. Es ist daher eine erfreuliche Erscheinung, dass man jetzt mit völliger Gewissheit schon drei, sehr unter einander verschiedener, der alten Welt auschliesslich ungehöriger Arten anführen kann. Die eine, Amphisbaena cinerea (Fandeiii), oxyura Spix (Blanus, IVagler), kommt im südlichen Spanien und bei Tanger vor und wurde von Spix, wie so viele andere europäische Amphibien, als südamerikanische Art abgebildet. Die zweite, Amph. leucura, wurde uns von der Küste von Guinea eingeschickt, und Herren Dumeril und Bibron zur Beschreibung mitgetheilt. Die dritte, unsre vorliegende Art, beschrieb Herr Kaup, Isis 1930 p. 880 unter dem Namen Trogonophis Wiogmunnii, ohne Angabe des Vaterlandes. Es ist dies dieselbe, welche in Algerien häufig vorkommt, von dorther an das Pariser und unser Museum geschickt, und auch von Herrn Dr. Wagner iu einer ziemlichen Reihe Exemplaren eingesammelt wurde. Später bildete Gervais, iu Guerin's Magasin de Zoologie cl. 3. Tab. II., dieses Thier als neu unter dem Namen Amphisbaena elegans ab. Bei einer auffallenden Aehnliclikcit in der Färbung mit Amph. futiginosa unterscheidet sieb diese Art sogleich von allen andern bekannten Arten durch ihre ungemein gedrungene Körporform, ihren kurzen, stark konisch zugespitzten Schwanz, die bedeutende regelmässige Entwickelang der Kopfschilder, den Mangel an Schenkelporen, und die an der Wurzel breiten, unter einander und mit den Kiefern verwachsenen Zähne; ein Kennzeichen, von welchem ich übrigens nicht mit Gewissheit zu entscheiden wage, ob es den beiden übrigen Arten der alten Welt auch zukommt, da die Kleinheit der mir alsünica des Museums zu Gebote stehenden Exemplare dieser Arten eine nähere Untersuchung nicht gestattet. Das von uns abgebildete Exemplar ist das grösste der Sammlung. Der Körper ist fast auf allen Punkten von gleich Dicke, fast cylindrisch, mit wenig abgeflachtem Bücken, Bauch und Seiten, und der der ganzen Gattung eigentümlichen Scitcnnath, welche hier tiefer als gewöhnlich erscheint. Nach vorn geht der Körper ohne Einschnürung in den kurzen, konischeu Kopf über, dessen etwas von oben nach unten zusammengedrückte, ein wenig hervorstehende Schnauze überall gleichmässig abgerundet ist. Der kurze Schwanz läuft sogleich von der Wurzel an, wie eine konische, kaum merklich seitlich zusammengedrückte, vorn ein wenig abgerundete Spitze zu. Die Mundölfnung ist wie gewöhnlich klein, der Unterkiefer winklig zugespitzt. Die rundlichen, seitlichen, weiten Nasenlöcher durchbohren ein grosses Schild, welches oben mit dem Schilde der andern Seite zusammen-stösst, und vorn die hintere Winkelspitze des Rüsselschildes aufnimmt. Auf jene Schilder folgen nun zwei grosse Stirnschilder, und auf diese wiederum zwei, nach hinten schmäler zulaufende Hinterhauptsschilder. Zuweilen geschieht es, dass sich zwischen diesen und auch zwischen den Nasenschildern noch ein kleines Mittelschild absondert. Der Lippenschilder zählt mau auf jeder Seite vier. Hinter dem Nasenschild liegt ein grösseres Ziigelschild, an welches sich wiederum zwei kleinere anschliessen. Hierauf folgt, unten von einem grossem Schild begleitet, das kleine fast sechseckige Augenschild, durch welches das von der Haut bedeckte darunter liegende Auge durchschimmert. Auf den Schläfen folgen nun einige Reiheil kleinere, au der Kehle zwei mittlere grössere und drei seitliche Schilder, und an diese Stessen nun rund herum die Querringe der Haut, welche, durch dicht stehende Läugeneinschnitte gegliedert, wie eine Menge kleiner Schuppenabtheilungen erscheinen. Jene Querringe, deren mau an Körper und Schwanz ungefähr 150 -f- 12 zählt, werden auf dem Bauch durch eine wenig bemerkbare, auf dem Rücken und besonders auf den Seiten durch eine tiefere Nath, und oft durch einzelne dazwischen liegende abgesonderte Schüppchen getrennt. Die Ringe seihst sind an vielen Stellen unregelmässig unterbrochen, und verlieren sich dann unter einem spitzigen Winkel unter den benachbarten Ringen. Die heraustretende Aftergegend umgiebt oben eine Art halbrunder Deckel, der mit etwa sechs langen Schildern und an der Spitze mit kleinen Schuppen bedeckt ist. Unten um den After aber zieht sich ein halbmondförmiger, von zwei Reihen Schildchen sehr unregelmässig bekleideter Wulst hin. Die Grundfarbe des Tin eres in Weingeist ist ein weissliches Gelb, welches aber oft ins Graue übergeht, und mit zahllosen, grossem oder kleinem, nicht selten nnregelmässig verschmolzenen schwarzen oder bräunlichen Würfelllecken besäet ist. Kopf und Kehle sind gewöhnlich schwarz, die Lippen aber immer von hellerer Färbung, \ Das Auge liegt, wie wir schon gesagt haben, iu der Mitte einer sechseckigen Schuppe, und wird äusserlich nicht nur von der Epidermis bedeckt, sondern setzt, wie dies bei allen sogenannten blinden Amphibien der Fall ist, die äussere Haut vollkommen darüber weg; sie ist jedoch an dieser Stelle weitdiiu-ner, und, gegen das Licht gehalten, etwa wie eine dünne Hornplatte durchscheinend. Wird die Haut weggenommen, so erscheint der kleine Augapfel, der wie ein schwarzes Samenkorn iu der Mitte auf der die ganze Augenhöhle ausfüllenden Thränendrüse hervorragt. Zwischen dem Auge und den Nasenlöchern liegt in der etwas vertieften Zügelgegend eine wie gewöhnlich aus kleinen Körnchen zusammengesetzte Speicheldrüse. Eine ähnliche Drüse befindet sich am Unterkiefer, erscheint aber hier als ein schmaler, langer Streif, der deu Hand dieses Knochens seiner ganzen Länge nach begleitet. Die Zunge hat die Gestalt eines länglichen, an beiden Enden gabelförmig ausgeschnittenen Streifens. Der hintere Einschnitt nmfasst die Seiten des Kehlkopfes; der vordere wird durch zwei längere, zartere, und etwas harte Gabelspitzen gebildet. Die Oberfläche der Zunge zeigt, wie bei den Übrigen Arten, eine Menge kleiner rautenförmiger Abtheilungen. Die Luftröhre ist etwas über einen Zoll lang. Ehen so lang ist der rechte Lungcnlappen; der linke aber, der an der langen untern Hohlvene hinläuft, um die Hälfte kürzer. Der langgedehnte Magen wird am Pylorus plötzlich enger, und bildet einen etwa 4 Linien langen engen Canal. Der nun folgende dünne Darm, der übrigens sehr weit ist, macht 5 Windungen, und verengert sich ebenfalls plötzlich, um in den dicken Darm überzugehen. Dieser ist kurz, und mündet, nachdem er eine doppelte Windung gemacht hat, und eine tiefe Einschnürung bildet, in das Rectum ein, dessen un- tercr Theil um . Sicuhis Dej., der vielleicht von dem iu Tanger einheimischen L. brcvicolüs Dej. nicht wesentlich abweicht. Aus der beträchtlichen Abtheilung der Caraben mit deutlich abgestutzten Flügeldecken liegt nur eine Art vor, Cymindi» l/'/tcata, die sich vom Kaukasus östlich weit nach Sibirien hinein, westlich über das ganze mittlere und südliche Europa 10 * I4H ausbreitet. Die aus Algier vorliegenden Exemplare zeichnen sich durch breite Binden der Flugeidecken uud feinere Punk-tiriiug aus. Die fast ausschliesslich afrikanische Gattung Anthia scheint auf dem nördlichen Abhänge des Atlas zu fehlen, dagegen bat die rein dem afrikanischen Festlande angehörende Galtung Graphipterus iu Algier ihre Repräsentanten, und zwar einen derselben, Gr. scrralor (Carab. Senator Forskai, Anthia variegala F.) mit Aegypten gemeinschaftlich, zwei andere aber eigentümlich, vou denen die eine, Gr. exclamationis, auch schon von Fabricius gekannt war, die andere, welche in Paris Gr. Lepelleteri be-nannt wurde, mir doch von der Dejean'schen Reschreibuug des Gr. luctuosus in so wenig wesentlichen Punkten abweicht, dass ich es nicht gewagt habe, sie als eine besondere Art zu beschreihen. Die meisten Scariten, wenigstens die der europäischen Fauna angehörenden Arten, scheinen auf den Strand-boden beschränkt zu seyn. Obwohl man mehrere derselben in Algier wiederzufinden vermuthen würde, ist unter den mitgeteilten Insecten nur eine derselben vorhanden, Sc. Pt/r-acmon, der sich auf der europäischen Seite über die Küsten von Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien verbreitet. Von Siagona kommt eine Art, S. rttjipes, in Algier vor, und es verdient wohl eine Beachtung, dass, während die nahe verwandten aber specilisch verschiedeneu Arten von Tanger, S. Jenisonii Dej. und S. Dejeanii Ramhur, sich noch über das südliche Spanien verbreiten, die algier-sche das mittelländische Meer nicht durchsetzt und die in Sicilien und Sardinien vorkommende S. Europaea Dej. der algierschen Fauna gleichfalls fremd zu bleiben scheint, während sie über Aegypten, und durch Kleinasieu und Mesnpo- tamien selbst iu Vorderindien hinein ihr Vorkommen ausdehnt. Aus der ganz dem Gebiet des mittelländischen Meeres angehörenden Gattung, Ditomus, sind unter den bei Bona gesammelten Insecten zwei Arten vorhanden, eine verhältniss-mässig weit, nämlich über die spanische Halbinsel und über Sardinien und Sicilien verbreitet, und schon länger bekannt, D. tricuspidatus, von Fahricius in der Entomologia systematica als Uarabus tricuspidatus aufgerührt, später im Systeme Elentheratorum mit Unrecht als Abänderung zum C. cal\donius gezogen, von Dejean mit neuein Namen als D. cornutus beschrieben; die andere, D. opticus m. (No. 1.), eine von den grossköpligou Arten, neu. Ausser dem Aci-nopus mcgaccphalus, der sich auf der europäischen Seile über das ganze Küstengebiet des mittelländischen Meeres bis zum caspischen Meere verbreitet, besitzt die algier-sche Fauna aus derselben Gattung eine zweite, eigentümliche Art, A. obesus Dej. Die Gattung jlnisodavtt/lus, hat zwei durch ihre Färbung sehr ausgezeichnete, einander sehr ähnliche Arten aufzuweiten, von welchen die eine, A. Heros, dem Westende Nordafrikas mit der gegenüber liegenden hispanischen Halbinsel, die zweite, welche Herr liuuuet einmal unter der Benennung A. Dejeanii mittheilte, der algierschen Fauna mit der sardinischen gemein ist. Eigentliche Ilarpali sind nicht vorkommend, dagegen von Stenolo-phus eine dem St.. vaporarioriini ganz ähnliche, fast nur durch gelben Hinterleib unterschiedene Art, »SV. abdominalis Gene, welche sich auch im südlichen Europa verbreitet, wie Exemplare aus Portugal, Italien und vom Kaukasus bekunden, aber keineswegs den eigentlich im mittleren Europa zu Hause gehörenden St. vaporarioriini ganz zu ersetzen scheint, indem dieser auch in den von St, abdominalis be- wohnten Gegenden nicht überall fehlt, und auch östlich noch in Kleinasien gefunden wird. Aus der grossen Latreille'scheu Gattung Feronia ist nur eine Art unter den mitgebrachten Insecten enthalten, F. (Poccilus) quadricotlis Dej., welche vollkommen mit den aus Andalusien stammenden Exemplaren dieses Käfers übereinstimmt, und mit unserer F. (Poec.) cuprea fast zu nahe verwandt ist, und vielleicht richtiger «als locale Abänderung desselben betrachtet werden sollte. Aus der Gattung Ceplialotes zeigt sich der bisher aus Sicilien bekannte C. polltus Dej., in dem gegenüberliegenden Algier gleichfalls einheimisch. Von Chlaenius liegen 4 Arten vor, von denen Chi. aeratus (Cambus aeratus Quensel in Schönh. Syn.) Algier cigcnthümlich ist, Chi. auricol-lis sich über Sicilien und Sardinien, Chi. chrysoeepha-lus auch noch über das Festland von Italien, sowie über die spanische Halbinsel, Chi. agrorum noch .weiter über einen grossen Theil des mittleren Europa sich verbreiten. Ein iu den meisten Ländern des mittelländischen Meeres, iu Afrika in Algier, in Asien, in Australien, in der ganzen Türkei, in Italien und der spanischen Halbinsel häufiger, dabei noch in dem grösseren Theil dos mittleren Europa vorkommender Käfer ist Calathus ochropteriu. Ebenfalls verbreitet, aber auf die Küstenländer beschränkt, von Portugal au östlich bis nach Dalmatiou hin und auch der algierschen Fauna angehörend ist Pristonychus com-planatus Dej. Eine zweite in Algier vorkommende Art derselben Gattung ist Pr. Sardous Dahl, die Dejean mit Unrecht als Abänderung mit dem P. subeyaneus verbindet, und deren weitere Verbreitung sich auf Sicilien und Sardinien beschränkt Aus der Gattung Anchomcnns ist eine neue Art: A. Julgidieollis Chevr. (No. 2.) gefunden Worden. Von Wasserküfern ist nur eine Art, Eunevtcs griscus, vorgekommen , eins der am weitesten verbreiteten Iiiserien, das überall auf dem afrikanischen Festlande, durch das ganze südliche Asien, nördlich bis zum caspischen Meere, östlich bis zu den Philippinen, in Europa, in Spanien, Italien und dem südlichen Frankreich einheimisch ist, und das selbst auf den Antillen gefunden weiden soll. Aus der Familie der Staphylinou liegt unter den bei Ilona gesammelten Insecten gleichfalls nur eine, nicht ganz so weit aber in anderer Richtung verbreitete Art, Ocypits olens, vor, der im südlichen und mittleren Europa nirgends fehlt, uud erst ganz im Norden, iu Lappland, vermisst wird, in Afrika westwärts bis auf die canarischeu Inseln sein Gebiet ausdehnt. Aus der Familie der Rupresten habe ich 10 Arten vor mir. Von diesen sind über ganz Europa und auch noch über Sibirien verbreitet: Clialcoplwra Mariana, Anryloc/iei-ra J'lavo-maculata, Eampra rutilans und compcrsa, nur noch im Süden Europas, in Portugal, Spanien, Italien vorkommend: Sp/ienoptcra geminata und Agrilas ame-l/tystinun, der europäischen Fauna ganz fremd, dagegen mit der ägyptischen gemeinschaftlich: Steraspis squamosa Kl. und Cocculus gravidus Gory •), eigeuthümlich Bu-preatis (Perotis) tar&uta und Julodis Onopordi, letztere vou der portugiesischen J. lidelissima IU. wohl verschieden, nicht aber von J. Algerica Lap. uud J. albopilosa Gory. •) Wenn sich die Vermuthung bestätigen sollte, dass das, was Gene1 über das Vorkommen der Bupr. Sibirien F. auf Sardinien bemerkt, sieb auf diese Art beziehen-musste, würde allerdings auch die europäische Fauna einen Antheil an derselben bähen. Von Elateren ist keine Art gesammelt worden; aus den übrigen Familien bis zu den Eaniellicornen liegen auch nur einzelne Arten vor, nämlich von Teleplioren eine neue Art, Canlharis colona (No. 3.) von Tillen: Trichodcs Am-miofi, der sich auch nach der einen Seite über Südspanieu und Portugal, auf der andern nach Sicilien (Fr. flavicornis Escher) hin verbreitet, von Der niesten Dermestes ad-spersus Ziegl., der auch wohl in ganz Europa vorkommt, bisher aber ziemlich allgemein mit D. tesselatus F. verwechselt worden ist. Von Iii st er cn ist Syrinus crucia-tus (II ister cruciatus Payk.) Algier eigentümlich, doch dem italienischen S. maculatus (IIist. maculatus Rossi) sehr analog, ein zweiter, Hister ampUcollis (No. 4.) dem portugiesischen II. grandicollis III. sehr nahe verwandt, ist zugleich in Sicilien einheimisch, ein dritter II. 12-striatus ist aber überall in Europa zu finden. Unter den L ain e 11 i c o r n e n sind die C o p r o ph a gen fast alle mehr oder weniger weit verhreitel. Von den in Algier vorkommenden Ateuchus - Arten ist A. sacer in allen Küstenländern des mittelländischen Meeres, Aegypten nicht ausgenommen, zu Hause, und verbreitet sich nach Asien in zwei Richtungen, einmal vom schwarzen Meere aus in die Tatarei (A. Typhon Fisch.) bis nach Bokhara, und dann von Aegypten aus nach Vorderindien (A. Braniinus Iiiig.). Beschränkter ist schon das Vorkommen des A. variolosus, der sich auf der europäischen Seite über das Gebiet der spanischen und italienischen Halbinsel, ostwärts bis nach Dalmatien verbreitet, an den östlichen Ufern des mittelländischen Meeres aber nicht mehr gefunden wird*); noch beschränkter *) Mac Leay und nach ihm Mehrere unterscheiden den dalinati vielleicht das des A. semipunctatus, der sich von Italien ans wohl über Dalmatien, und westlich nach dem südlichen Frankreich, aber, so viel mir bekannt ist, nicht über die spanische Halbinsel verbreitet. Gymnopleurus flagel-latus kommt dem ganzen Küstengebiet des mittelländischen Meeres, mit Ausnahme Aegyptens zu, und geht ostwärts fast durch das ganze russische Asien bis zu den chinesischen Grunzen (G. asperatus Stev., scrratus Fisch.); Gymnopleurus pilularius ist ebenfalls an den Küsten des mittelländischen Meeses, so weit wir wissen, von Algier an, auf der ganzen europäischen Seite herum, durch Kloinasien bis nach Syrien einer der häufigsten Mistkäfer, doch fehlt ihm die weitere östliche Verbreitung, dagegen erstreckt sich sein Vorkommen nördlich über das Gebiet des mittelländischen Meeres hinaus in den südlicheren Theil Mitteleuropas hinein. Sisyplins Schaefferi ist überall sein Begleiter. Für die Arten der Gattung Onitis ist das Land vou Algier gewissermassen der Sammelplatz. Die in Italien, Spanien und dem dazwischen gelegenen Südfrankreich einheimischen O. Ollvieri, Vandelli und Bison dürfen hier nicht fehlen. Der letzte am wenigsten, da er sich an der afrikanischen Küste bis nach Aegypten hin verbreitet, noch weniger fehlt 0. Clinias, welcher mit seinen Abänderungen (0, irrorata, Amyntas u. s.w.) allen Ländern des mittelländischen und schwarzen Meere gemein ist. Dazu kommt von Aegypten her O. Inuus F., von den Ufern der Wolga O. Menalcas. Eine siebente Algier eigenthümliche Art ist O. scheu A. variolosus von dem der Berberei; mir wollen die Unterschiede nicht einleuchten. strigatus Dej. (No. 5.), Von Onthophagus sind zwei Arten vorgekommen, O. Ilitbueri überall in der südlicheren Hallte von Europa, im nördlichen Afrika, mit Einschluss von Aegypten und im westlichen Asien bis /.um caspischen Meere und persischen Meerbusen hin zu linden, und O. margina-Iis, ursprünglich als sibirische Art bekannt und iu ganz Sibirien hiiulig, aber auch über die Türkei, Sicilien, Andalusien bis zu den Säulen des Hercules sein Gebiet ausdehnend, so dass das Vorkommen desselben iu Algier weniger überraschend ist, als das des Onitis Menalcas, der wohl noch am llellespont sich findet, aber sowohl an deu Ufern des adriati-schen Meeres, sowie im ganzen Gebiet der italischen und spanischen Halbinseln fehlt, und auf der andern Seite sich vom caspischen Meere her wohl über Mesopotamien, aber nicht über Syrien und noch weniger über Aegypten verbreitet. Copris l'aniscus (und hispana) folgt überall den Küsten des mittelländischen Meeres, auf afrikanischer Seite bis nach Aegypten, auf der europäischen Seite von Portugal bis nach Constantinopel; am schwarzen Meer kommt sie vielleicht nicht vor, wohl aber an den persischen Ufern des caspischen. Aus der Gattung Scarabac tts im Fubricischeii Sinne linden sich zwei Arten, die der Umgegend von Bona mit Sicilien gemein sind, nämlich der unserem Sc. stercora-rius verwandte, durch seine glänzend schwarze Unterseite ausgezeichnete Sc. siculus Dahl und der bisher fast allgemein mit dnu Sr. Inevigntus F. verwechselte, aber viel breitere Sc. Itcmisphaericus Ol. Sc. laevigatus kommt ebendaselbst mit beiden vor9 verbreitet sich iu Europa aber weiter, über die ganze spanische Halbinsel, das Festland von Italien und Dalmatien. Ein neuer liolbocerus, lt. Bocchus (No. 6.) ist vielleicht Algier eigentümlich. Die Abtheilung der Gen- trupon (oder Dynastidoii) ist durch drei Arten repäsentirt; zwei, Oryctes Sllenus und Geotrttpes puncticolUs Dej. verbreiten sich von Portugal iu allen Küstenländern des mittelländischen Meeres, die dritte, Colurhinu» obems (No. 7), einzige Art einer durch achtgliederige Fühler in dieser Gruppe merkwürdigen neuen Gattung, hat vielleicht eine sehr beschränkte Heimath. Auch unter den Melolonthcn findet sich eine Art, Phlcxis fVagneri (No. 8), welche einer neuen, auf wenige, doch alle dem Gebiet des mittelländischen Meeres im weitesten Sinne (d. h. von den canarischen Inseln bis nach Turkestan) eigenthümlichc Arten gegründeten Gattung angehört. Mit Ausnahme von Ithixotrogus Siculus Dej., welcher auch iu Sicilien häufig vorkommt, scheinen die übrigen Mclolonthen Ithixotrogus Carduorum Chevr. (No. 9), zwei neue Arten von Omaloplia, O. or.hroptcra (No. 10) und O. nngnicitiaris (No. 11), Amphicoma bombylius F. und Gluphyrm Serratulae diesem Theile von Nordafrika cigenthümlich zu seyn. Von Cetonia sind fünf Arten vorgekommen: C. opaca F. ist auf der europäischen Seite des mittelländischen Meeres von Portugal bis nach den griechischen Inseln verbreitet. C. barbara Dej. ist vielleicht gleichfalls nicht auf Algerien beschränk.., breitet dann indess doch mehr westlich ihr Vorkommen aus. Es scheinen mir nämlich vier Arten der Gory-Percheroirschen Monographie der Felonien zusammenzufallen: C. barbara derselben ist ein grosses Exemplar mit sehr wenig weissen Flecken auf dein llalsschilde und den Flügeldecken; C. Anpick, gleichfalls aus der Berberei, ist ein kleines Exemplar, fast ohne Weiss; vollständig in ihren Zeichnungen erhaltene Exemplare stimmen theils mit C. squnmosa aus Teneriffa, theils mit C, Doguerau aus Spanien überein. Eine dritte Cetonia von Algier theilte Herr Prof. Germar dem Berliner Museum mit, welche ich für eine 1 oca 1 e A hä nderung der C. aurata halte, so wenig sie auf den ersten Anblick derselben ähnlich sieht; am nächsten kommt sie der in Italien einheimischen Abart, welche als G. lucidula Ziegl. bekannt ist, sie ist aber auf der Oberseite nicht glänzend, sondern last matt schwarz mit geringem kupferrothen Schinnner, auf der Unterseite blank, mehr violet. C. fuueraria Gory - Perch. scheint mit dieser .Abänderung bis auf die etwas mehr grünliche Farbe der Oberseite übereinzustimmen. Bei der vierten Art der im ganzen südlichen und dem südlichen Theil des mittleren Europa häufigen C. stlctica F. scheint es gleichfalls, als ob die iu der genannten Monographie als der Berberei eigentümliche Art beschriebene C. pantheriiia Dup. nicht mit Recht von der europäischen getrennt wäre, wenigstens passt die Beschreibung und Abbildung so gut wie möglich, und die bei Bona gesammelten Exemplare stimmen mit den aus deu verschiedensten Gegenden von Europa aufs vollkommenste übereilt. Die fünfte Art, C. fcralis (No. 12.), ist neu. Unter den Heteromeren sind die Melanomen grösstentheils auf engere Grunzen beschränkt. So drei Arten von Ero-dius, E. nitidicollis Sol., E. biearinatus (No. Fl.) und E. lJragneri Chevr. (No. 14.). Vou Zophosis findet sich eine Art, Z. personata (No. 15.) neu, eine zweite, Z. punctata, verbreitet sich auch au den europäischen Küsten des mittelländischen Meeres von Sardinien und Sicilien ostwärts über Griechenland nach Kleinasien und Syrien. Von den Pimelien ist die gemeinste, 1*. grossa F. in-llata llbst. von Afrika, auch auf dem gegenüberliegenden Sicilien und Sardinien zu Hause, jedoch nur die eine Form, P. barbara Sol., die andere Hauptform, P. cribripennis Si»I., scheint die afrikanische Küste nicht zu verlassen. Es spricht dies zwar wenig für die Identität dieser heiden, in der Sculptur so sehr verschiedenen Pimelien, allein sowie auf der einen Seite die afrikanischen Exemplare der 1\ bar-har.'t Sol. von den sicilisclieu und s.irilinisclien nicht den geringsten Unterschied zeigen, so scheinen auf der andern Seite durch Uehergänge die Unterschiede der P. barbara und cri-hripennis Sol. verwischt zu werden. Diese Zwischenformen sind zum Theil als besondere Arten betrachtet, nämlich : P. Servillei Sol., wo die Tuberkeln in den Zwischenräumen der Hippen auf den Flügeldecken, wie bei P. barbara, aber flacher sind, und die zweite Hippe mit der dritten abgekürzt ist. P. interstitialis Dej. Sol., wie P. barbara, aber die Kippen der Flügeldecken schwächer und die erhabenen Punkte dazwischen zugleich feiner. P. subquadrata Sol., wie P. cribripennis, jedoch die Hippen auf den Flügeldecken deutlicher und besonders hinter der Mitte mehr hervortetend, die umgeschlagenen Seiten wie bei P. barbara. P. depressa So!., auf der Oberseite schon ganz mit P. cribripennis übereinstimmend, die Sculptur der umgeschlagenen Seiten der Flügeldecken noch wie bei P. barbara. Bemerkenswerth ist, dass die drei ersten dieser Zwischenformen etwas gedrungener gebaut, die Individuen aber, die in der Sculptur die Extreme bilden, im Umriss des Körpers mit einander übereinstimmend sind. Man könnte leicht als einen Einwand gegen meine Ansicht anführen, dass beide extreme Formen sehr zahlreich vorkommen, während die Zwischenformen im Verhältnis selten sich finden : man erinnere sich aber au unsere Cocciuella bipunetata, wo ebenfalls die beiden, extremen Abänderungen, die mit einem einzigen schwarzen Fleck auf rother Flügeldecke, und die mit zwei oder drei rothen Flecken auf schwarzem Grunde der Flügeldecke sehr häufig, alle zwischenliegenden Abänderungen aber Seltenheiten siud. — Ein ähnliches Verhaltniss findet noch bei einer zweiten Art, P. maura Sol., statt, zu welcher mir nämlich P. Atlantis Sol. als Abänderung zu gehören scheint, nur dass die Abänderungen mehr verschmelzen und sich nicht so in ein Paar Ilauntformcn sondern *). Die Krümmung der lliuterschieiien, auf welche Solier für die Unterscheidung seiner beiden Arten viel Gewicht legt, scheint vom Geschlecht abhängig zu seyn. Diese Art verbreitet sich noch weiter, aber in einer anderen Richtung als P. grossa, nämlich westwärts nach Tanger und dem südlichen Spanien; die übrigen, P. simpler, radnla, Dnpanli Sol. und P. valida Chevr. (No. 16.) scheinen auf ein kleineres Terrain beschränkt. Dasselbe gilt vou Adesmia microeep/tala Sol. (A. rotundipeunis Dej.) und den Tentyrieu Pac/iy-chiltt acuminata (No. 17.) und P. impressifrons Sol. und Tcntyria excavata Sol. und T. mannt (No. 18.) Die letzte erscheint der italischen T. Ligurica analog. Ebenso siud 5 Arten von Sepidium, S. variegatum F., aliferum Chevr. (No. 19), uncinatum (No, 20), tomentosum Dej. (No. 21.), Wagner i Chevr. (No. 22), auf das Gebiet von Algier beschränkt. Von zwei Arten der Gattung Akis findet ein Gleiches bei der einen, A. Alger iana Sol., statt; die andere, A, trilincata llhst., kommt über ganz Italien verbreitet und selbst weiter östlich °) Aehnliche Verhältnisse einiger europäischen Arten habe ich in Wiegmann's Archiv der Naturgeschichte im Jahresbericht für 1836 besprochen. bei Constantinopel, nicht aber auf der spanischen Halbinsel vor, wo A. spinosa F. an ihre Stelle tritt. Die in dein Territorium von Algier vorkommenden Arten von Asida, A. silp/toides Sol. , Servillei Sol., A. subcosfata Sol., wohin vermuthlich das von Solier dafür angenommene Weibchen der vorigen Art gehört, A. miliaris (No. 23), und A. serpigi/iosa (No. 24), kommen weder mit denen von Sicilien und Sardinien, noch mit denen von Tanger und Südspanien übereift Isocerus ferrugineus {Tenebrio ferrugineus F.) verbreitet sich nur westlich nach Tanger, Andalusien und Portugal, IJcliopatcs Siculus Dej. dagegen nur nördlich nach Sicilien. Ein neues Opatrum, O. bar-barum (No. 25), scheint wieder Algier eigentümlich zu seyn. Von 4 Arten Seaurus sind zwei neu, Se. bar-barus (No. 26), und Sc. porcatus (No. 27.); die beiden andern haben eine verschiedene weitere Verbreitung: Sc. fristis Ol. nämlich nach Sicilien und Sardinien, während der andere nicht mit dein italienischen Sc. striatus, sondern mit dessen analoger Form auf der spanischen Halbinsel, Sc. punetatus Hhst. übereinstimmt. Blaps tritt in 6 Arten auf. Iii. prodigiosa (No. 28), ist einigen ägyptischen Arten mit gefurchten Flügeldecken, z. B. Bf. sulcata F. analeg, aber verschieden, Bl. gages ist allen Küstenländern des mittelländischen Meeres aller drei W eltthoile gemein, und verbreitet, sich westlich nach Portugal und den canarischeu Inseln. ///. stygia (No. 29), ///. magica (No. 30) und Bl. superstitiosa (No. 31) sind neue, die beiden letzteren auch in ihrer Form ausgezeichnete Arten, deren Heimath sich wahrscheinlich auf Algerien beschränkt. Bl. ob-tusa Sturm , verbreifet sich Wieder weiter durch den ganzen Süden und Westen von Europa. Aus der Gattung Misalampus ist eine neue Art, M. Goudotii Dej. (No.32) gefunden worden. Aus der Familie der Ilelopier ist ein neuer Helops, II. ytfer (No. 33), aus der der Cistelen Omophlus coeru-leus (Cistela coer. Fab.), eine auf Algier beschränkte Art, vorgekommen. Aus der Familie der Meinen verbreitet sich der auf der spanischen Halbinsel und dem gegenüberliegenden Afrika einheimische Meloe malalis L. (laevigatus F.) ostwärts bis Bona, ohne zugleich auf die gegenüberliegenden italienischen Inseln überzugehen, deren verschiedene dort einheimische Arten dieser Gattung iu Afrika noch nicht wieder entdeckt sind. Dagegen ist eine Art vou Lytla, L. sege-tum F. Sicilien mit dem Gebiet von Algier gemein. Von Mylabris sind 4 Arten vorgekommen, von welchen die eine mir eine Abänderung der iu vielfachen Varietäten durch ganz Südeuropa und einen grossen Theil Vorderasiens und Sibiriens verbreiteten M. 4 - punctata (Mel. 4 - punetatus L.) zu seyn scheint, die übrigen M. Olcae Chevr. (No. 34), M. praeusta F., und XL Paykulli Billh. wieder dem Lande eigenthümlich zu seyn scheinen; von der letztgenannten, von welcher schon Billbcrg zahlreiche Varietäten aufführt, ist eine Abänderung, wo die schwarzen Flecken der Flügeldecken sich so ausgehreitet haben, dass die gelbe Grundfarbe nur am Rande au der Nath und an der Spitze iu kleinen Stellen durchblickt, besonders bemerkeuswerth. Eine Art von Nemognatha, N. rostrata (Zouitis rostrata F.) ist bisher auch nur in diesem Theile des nördlichen Afrika gefunden. Aus der Familie der Oedemeren ist eine ueue Art, Oedcmera tnarmorata (No. 35.) entdeckt worden. In der Familie der Rüsselkäfer sind von vier Bra-ehyccrns - Arten zwei, Br. r /gutes (No. 36) und Br. Iransvcrsalis Ol., dem Gebiet von Algier eigenthümlich, die beiden anderen kommen auch im südliehen Europa vor, nämlich Br. nndatus F. Sch. im ganzen südlicheren Italien , Br. lateralis sowohl auf Sicilien und Sardinien, als auf der spanischen Halbinsel. Zwei Arten Thytaeitcs, T/t. fullo (No. 37) und T/t. comatus (No. 38) sind neu, indess mehreren, namentlich der spanischen Halbinsel, sehr inilie verwandt. Sitotta hinnulus ist über das ganie mittlere und südliche Europa weit verbreitet, Otiorhyn-c/tus aurifer Dahl, dem 0. arniadillo des italischen Festlandes analog, auf Sicilien und den gegenüberliegenden Theil von Afrika beschränkt. Von drei Arten der Gattung Cleonus ist eine sehr ausgezeichnete Art Cl. fastigia-tus (No. 39) neu, eine zweite aasgezeichnete Art, CL cla-l/tratus Ol., findet sich östlich in Arabien wieder, wo Olivier sie zuerst entdeckte, die dritte, Cl. costatus F., verbreitet sich viel weiter, aber iu anderer Richtung, nämlich über das ganze südliche und mittlere Europa. Eine ähnliche Ausdehnung des Vorkommens hat Inxits angustatus F.; nur mit dem südlichen Europa sind Algerien gemein: />. umbcllalarum F. mit der spanischen Halbinsel, Sicilien uud Sardinien, L. Sparta Ol. mit der spanischen Halbinsel und Südfrankreich, //. anguinus F. und L. ocularis F. allein mit der italienischen Halbinsel und den dazu gehörigen Inseln, und selbst mit dem angrenzenden dalmatischen Littorale. In einem ganz ähnlichen Gebiete kommt Tjarinus Cynarae vor, während />. ursus dasselbe westlich auch noch über Südfrankreich ausdehnt, />. Sturmis llbst. sich über ganz Süd - und Mitteleuropa aus» Moritz Wagner's Algier, llf. 11 breitet, und L. Onopordi F., auf den District von Algier beschränkt ist. Molytes ferus (No. 40) ist eine neue, dem italienischen M. baiulus entsprechende Art. Ans der Latreille'schen Abtheiluug der Xylophagcn liegt uns eine Art vor, Trogosita Mauritanica, die mit dem Handel überall hin verbreitet ist, und über deren eigentliche Heimath nichts Bestimmtes sich ermitteln lässt. Unter den Bockkäfern kommt zuerst ein zierlicher neuer Hamaticherus, H. Ncrii Chevr. (No. 41.) vor, der mit keiner der bekannten Arten in näherer Beziehung steht. Purpuricenns Desfontainii (Ceramb. Desf. Fab.) findet sich merkwürdiger VV^eise sowohl in der Gegend von Constantinopel als in Kleinasien wieder, kommt aber vielleicht auch in Sicilien vor, wenigstens stimmt eine Abart, bei der die schwarze Farbe das Halsschild ganz, die Flügeldecken so weit, dass nur ein Theil des Aussenrandes roth bleibt, eingenommen hat, ziemlich mit dem von Bassi auf dem Aetna gefundenen, in den Annalcn der entomolngischeu Gesellschaft zu Paris beschriebenen P. Aetnensis zusammen. Cartalcum ruficolle verbreitet sich zugleich nach der spanischen und italienischen Halbinsel und dem dazwischen liegenden Theil von Frankreich. Aelinliche Ausbreitung hat Stenopterus praetistus. Eine dem im südlicheren Europa verbreiteten Callidium mixtum F. ähnliche und verwandte Art, C. pulverulentnm (No. 42) ist neu. Ny-phona Saperdaides Dahl, in ganz Italien und dem benachbarten Dalmatien zu Hause, bildet sich auch jenseit des mittelländischen Meeres in Algier Wieden Von den daselbst einheimischen Saperden verbreiten sich S. irrorafa und S. suturalis sowohl nach Italien, als Spanien und Portugal, S. squalus Hffg. (Agapanthia frenata Dej.) »■* nach Andalusien und Portugal, S. vittigera F.y zu welcher S. detrita F. als Weibchen gehört, kommt auf europäischer Seite nicht vor. Dasselbe wird von der neuen S. glauca (N. 43) gelten. Von Blattkäfern sind aus der an der nordafrikanischen Küste durch mehrere Arten repräsentirten Gattung T/maroha bei Bona zwei neue, T, turbida (No. 44) und T. gencrosa (No. 45) entdeckt. Unter den dort vorkommenden eigentlichen Chrytomelen finden wir zuerst die über ganz Europa verbreitete Chr. sanguinolenta L. Auch fehlt Chr. Banksii F. nicht, die von hier aus über Sicilien an den Küsten des südwestlichen Europa in der ganzen Ausdehnung bis nach Plymouth sich findet. Chr. femoralis Ol. scheint in Italien zu fehlen, desto weiter aber auf der spanischen Halbinsel, und von da auch noch über das südliche Frankreich sich auszubreiten. Chr. Afra (No. 46) ist neu, Chr, consularis (No. 47) ist gleichfalls neu, iudess ihre grosse Uebereinstimmung mit Chr. rega-lis Ol., von welcher die ächte Chr. bicolor F. nur eine Abänderung ist, sehr auffallend, und ihre Verschiedenheit um so bemerkenswerther durch den Umstand, dass Chr. regalis gleichsam auf beiden Seiten des Gebietes dieser Art in Aegypten und auf Sicilien vorkommt. Aus der Gattung Adlmonia kommen in verschia#Bnen Gegenden der Küsten des mittelländischen Meeres in seinem ganzem Umfange verschiedene Arten vor, die alle eine ziemlich beschränkte Verbreitung zu haben scheinen, unter sich aber in naher Verwandtschaft stehen. Als Repräsentant derselben kann die dalmatische A. littoralis ( Galleruca litt. F.) angeführt werden. Die entsprechende Art von Algier ist A. barbara (No. 48). Von Clythra sind 5 Arten aus dem 11 * Gebiet von Algier vorhanden. CL faxieornis F. breitet sich über ganz Siideuropa ans , CL rufipcnnis Dej. von der folgenden last nur durch die Stellung der hinteren Flügeldecke, nicht auf, sondern hinter der Mitte der Flügeldecken verschieden, nur nordwärts über die italienischen Inseln nach Südfrankreich, CL hirta F. mehr nordwestlich nach Andalusien und Portugal, CL Eentisci F. fast ganz westlich nach Tanger und Andalusien. CL \-notata F. ist auf Algier beschränkt. Von C o c c i 11 c 11 e u sind 3 A rten mitgebracht worden, die sich in verschiedener Ausdehnung nach Europa, nämlich Epi-lachna Elatcrii über Italien, E. W-maculata über ganz Südeuropa, Hyperatpia marginclla über ganz Europa verbreiten. Aus den übrigen Insectenordnungen sind die Mittheilungen einzelner. Aron Orthopteren liegen nur einige Weingeistexemplare vor. Unter diesen sind Blatta orien-talis, bekanntlich durch den Verkehr der Nationen weit verbreitet, HL Acgyptiaca L., in Europa, in der Türkei, und im südlichen Italien, in Asien, in Arabien, Syrien nordwärts bis Uarnaul in Sibirien, in Afrika südwärts bis zum Vorgebirge der guten Holfnuiig vorkommend. Mantis rcligiosa F. verbreitet sich ebenfalls über ganz Afrika, deu^enachbarteu Theil vou Asien, und über den ganzen Süden von Europa bis zur Mitte von Frankreich. Eine Maul-wurfsgrylle unterscheidet sich nicht von der europäischen GryUotttfpa vulgaris. Unter den Locusten ist De-ctivus ulbij'rous vielleicht an allen mittelländischen Küsten zu finden, wenigstens kommt er an denen aller drei Welttheile vor. Von Barbitistes und Ephippigcra sind mehrere Arten vorhanden, von denen eine, mit dem süd- m europäischen Ii. scrricauda, die andere mit E. pcr-forata übereinzukommen scheint, einige andere sind neu, durch den Weingeist aber so enttärbt, dass sich keine genügende Beschreibungen von ihnen machen lassen. Burmeister führt in seinem Ilandhuche auch Barbitistcs cucullata Charp, als in Algier gefunden an; ich kann diese Art hier aber nicht ohne Zweifel aufführen, da mir kein ähnliches Insect Unter den nordafrikanischen Orthopteren vorgekommen, dej' eigentliche portugisische B. cucullatus Charp. aber weder ein Haihitistes noch eine Ephippigera, wohin Burmeister ihn rechnet, ist. Unter die Gryllen im Fahricischeu Sinne bat Truxalis nasula eine ähnliche Verbreitung als Mantis ri'ligiosa. Auch Gryllus Tataricus ist weit verbreitet, scheint aber vom persischen Meerbusen auszugehen, und westlich die mittelländischen Küstenländer nicht zu überschreiten. Gryllus Italiens dehnt sich über einen grossen Theil Europas aus, Gr. plorans Charp. nicht weiter als nach Sicilien uud nach Portugal, Gr. cylmdricus Marsch, nur nach Sicilien. Gleichfalls mit. Sicilien gemein ist dem Gebiet von Algier ein grosser in beiden Geschlechtern nur mit Flügelrudimeuten versehener GryJlus, den Burmeister unter dem Namen t'amphagus marmoratus aufgeführt hat. Aus der Ordnung der Neuropteren habe ich nur eine Art vor mir, Myrmeleon Ubclluloides L., welche den mittelländischen Küsten aller drei W'elttheile gemein ist, und südlich auch noch am Senegal sich vorfindet. Unter den Hymenopteren liegen ausser dem Ichneumon bicolorator Ilifg., der sich auch in Portugal findet, nur Aculeaten vor, und zwar ausser drei Arten von Fom-pilus und vier von Scolia mehrere Bienen. Eine dem Pom- pilus luteipennis F. verwandte Art, P. ardnus (No. 49.), ist neu, dieser selbst kommt am mittelländischen Meer von Portugal bis nach Aegypten vor, P. diadcma Kl. verbreitet sich östlich noch weiter über die taurische Halbinsel bis nach Lanker an an den südlichen Ufern des caspischen Meeres. Eine ganz gleiche Verbreitung bat Scolia ti-maculata F. Sc. ciliata F., wohin Sc. aurea F. als Mäunchen zu rechnen ist, kommt auf der europäischen Seite in Portugal, Sicilien und Südrussland, Sc. erythro-cephala F. in Portugal und Italien, Sc. bimaculata wenigstens in Italien , alle drei auf der afrikanischen Seite noch in Aegypten vor. Unter den Bienen ist Andrctm lugubris Iiiig. (No. 50.) wieder eins von den Insecten, welche in allen Küstenländern des mittelländischen Meeres, Aegypten nicht ausgeschlossen, einheimisch sind, A. dis-cors (No. 51.) ist neu. Dasypoda plumipcs findet sich in dem grössten Theile von Europa, auch östlich sowohl iu Busshtiid als iu der Türkei, X.yiocopa violacca nur im südlicheren Europa, aber hier überall, und iu Afrika auch noch in Aegypten. X. Taurica Pall. (No. 52.) kommt in südwestlicher Richtung von der taiirischen Halbinsel, nach der Türkei und Algier verbreitet vor. Von zwei Arten von Melecta, die beide auch in Portugal einheimisch sind, ist die eine, M. geminala Iiiig., die sich durch die doppol-ten weissen Seitenflecke auf den mittleren llinterleihsriiigeu sehr auszeichnet, und von welcher Rossi Unverkennbar das Weihchen als Nomada* 12-maculata beschrieben hat, nicht aber die andere, M. albovaria lllig. (No. 53), so viel bisher bekannt geworden, zugleich in Italien zu Hause. Eine ausgezeichnete Art von Megilla, M. quadricolor (No. 54), ist neu, eine gleich ausgezeichnete Eucera, E. pyrrhula (No. 55.) ebenfalls Eucera longieornis, durch ganz Europa verbreitet, findet sich auch jeuseit des mittelländischen Meeres in Algier wieder. Von Dipteren habe ich nur fünf Arten vor mir. Myopa dorsulis F. ist wieder eine von den Arten , welche sich überall linden, so weit das Gebiet der europäischen Fauna reicht, Itombytius punetatus ist ebenfalls weiter verbreitet, doch nur über die südlichen, warmen Länder unseres Erdtheils. Asilus barbarus beschränkt sich in seinein Vorkommen auf Portugal, Spanien, den Süden Frankreichs, das südliche Italien und die Küsten der Berberei. Die beiden übrigen Arten, Stratiomys auriflua (No, 50.) und VoluceUa lit/uida (No. 57) sind neu. Die Hemipteren sind fast ohne Ausnahme weiter verbreitet. Von drei Tetyren ist Pachycoris grammiea in allen Küstenländern des Mittelmeeres, selbst in Aegypten, einheimisch. Trigonosoma Nigellae und Grap/toso-ma lineatum verbreiten sich eben so weit, unr in Aegypten scheinen sie zu fehlen. Cimex ornatus findet sich in ganz Europa, dem nördlichen und westlichen Asien und dem ganzen Norden Afrikas vo» Aegypten bis nach Teneriffa. C. nigricornis scheint dieselbe Verbreitung zu haben , umsind im Süden die mehr röthlichen Abänderungen herrschend. Coreus spiniger F. ist in allen drei VVeltheileu an den Küsten des Mittelmeeres, nur, wie es scheint, mit Ausschluss von Aegypten, zu Hause. Notonecta marmorata ist wenigstens der Berberei mit dein Süden vou Enron* gemein. Cicada Orni verbreitet sich ebenfalls über ganz Südeuropa, vou Portugal bis zum südlichen Kussland. C. Algira F. scheint zu den Arten von Cicaden zu gehören, wel- che ein beschranktes Gebiet bewohnen, und nirgend als in diesem Theile Afrikas einheimisch zu seyn. Wir fügen im Folgenden die Beschreibung der 57 heuen Alten von Insecten bei, welche sich in der eingesendeten Sammlung fanden. Die Mehrzahl derselben ist abgebildet auf Tab. VII - IX. 1. Ditomus opticus: Capite grosso, niger, opacus, ca- pite thoraccque dense punetatus , elytris punetato-stria-tis, interstitiis apice subtiliter punctulatis. -— Long. 5 liu. Statura fere D. obscuri Dej., niger, opacus. Antennae capite thoraceque paulo longiores, pieeo-ierrugineae, baSsi nigrae. Palpi ruti. Caput grossum, thoracis longitudine, fronte aequali, crebre punctata. Thorax coleopteris paulo latior, lalitmliue antica dimidio bre-vior, apice vix emarginatus, lateribus perparum rotundatis, pono medium fortiter coaretatns, angulis posterioribus rectis, basi truncatus, modice convexus, crebrius punciatus, canalicula tenui utriiiqne ab-breviata üiedia impressus. Coleoptera oblongo-suhovata, basi leviter einarginata, minus convexa, regulariter punctato-stiiata, interstitiis primo, tertio, quintoqiie punetis nonnullis snhtiIil.us longitudinalitcr dispositis notata, reliquis lacvibus, apice omnibus subtiliter punctulatis. Pedes concolores tarsis rul'esccntibus. 2. Anchomcnus fulgidicollis: Niger, nitidus, capite thoraceipie aurco-purpureis, spleudidis, hoc subquadrato, angulis posterioribus ohtusis, elytris laete viridibus, nitidis, subtiliter puuetato-striatis, interstitio tertio punetis sex impressis. — Lontr. 4 lin. Statura et siirmna aftinitas A. modesti, at color magis splendhlus, et praeterea thorace breviore distinetus. Antennae nigrae. Caput laeve, purpureo-aureum, splendidum, ore nigro. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitndine tertia parte brevior, lateribus rotunilatns, basin versus quam apicem versus magis angustatus, angulis posterioribus ob- tusis, snpra suhdepressiis, subtiliter transversa)) mgulosns, subtiliter canalicu latus, basi atrinqae impressus, Impression« mgulosa, purpu-reo-aureus, splendides. Seuteltnin purpnrascens nilidum. Elytra de-prcs.sa, subtiliter punctato-striata, interstitiis planis, tertio punetis sex iriaequaliter distanlilms notato, lacte viridia, nitida. Corpus subtus cum pedibus nignun, nitidiim, 3. Cantharis colotia: Rui'o-testacca, scutello, pectore, ah- dominis punetis lateralibus, fcmoriunijue posticorum basi nigris, elytris ochraeeis, thorace subuuadrato. — Long. 5 lin. Afünis C. rufae, at paulo maior. Corpus totum denso subtiliter liilvesceriti-pubesceiis. Caput thoracis latilmline, basi band constri-etum, dense subtiUssime pnnctätnm, rufo-testacemh, irhmacutafnm, an-tennis palpisque coneoloribus, mandibulis apice pieeis. Tbovax coleopteris vix angustior, latitmline band brevior, basin versus subangusta-tus, lateribus rectis, angulis posterioribus obtusiusculis, apice cum angulis antcriorihus leviter rotundatus, disco leviter convexo, obsolc-tius canaliculatO, mafgme laterali basalique leviter retlexo, parce SÜb-tilissime punclulatus , rufo-testaceus, nitidus, immaculatus. Scutclhun opacum, nigriim. Elvira dense punctato-rugnlosa, ochracea. Pectus nignun. Abdomen rufo-testaceum, opacum, segmentis singulis puncto nigro utrinque notatis , ultimo immaculato. Alac nigricantes. Pedes testacei, femoribus posticis basi nigricantibus, posteriores ungui-culis simplieibus, antici unguiculis basi dentatis. 4, Ulster amplieollls\ Niger, opacus, tliorace Utrinque bistriatb, elytris Btriis dbrsälibüs extoriurihiis tribus siibtilibns, integris, iiileriniibtis tribus margiualibusuue obsoletis, tibiis anticis i'ortiter tridentatis, — Long. 4 liu. Statura et summa aftinitas II. grandicollisIII. at tliorace paulo lon-giore, elytrorum striis marginalibiis nullis etc. distinetus, oblongus, satis convexus, nigerrirnus, infra iiitidus, snpra opacus, thoracis coleo-pli-rnriiinque disco communi nitidis. Caput inaiusculum, fronte plana, subtilissime puuctulata , stria inarginali medio band simiata. Thorax basi coleopteris latitudine aequalis, antrorsum perparum angustatus, Jatitmline dimidio brevior, lateribus bistriatus, stria iuteriore postice sinuata, exteriore margiui approximata. Elytra tliorace sesqui longio-ra, apicein versus sensim angustata, striis dorsalil)iis inh'iioribus tribus omnino nullis, exteriorihus intcgris at levissimis, margiiialibus nullis. Abdomen segmento dorsali penultimo coiifertim aequaliter punctata), ultimo coiifertim puuctato, medio paulo longiore. Mesosternuin antice leviter emarginatam. Tibiae autice trideutatae, deivtibus sea-sim fortioril)iis. 5. Onitis strigatus: Viresccnti - subaeneus, snpra pu- rum nitidus, tliorace punctatissimo, elytris luteis, viri-di-sublineatis. — Long1. 5—6 liu. 0. Menalcae afliuis, at paulo minor, tliorace creberrime puuctato, minus nilido, frontis Iinea antice transversa brevissima, tuber-cidiformi distinetus. Corpus iufra viridi-aeneum, nitidum, supr fusce-scenti-viride, parum nitidum. Caput crebre puuetatum, tuberculo mi-nuto verticali, Linea transversa leviter arcuata inter oculos, liueaque brevissima, tuberculiformi elevatis instruetum. Thorax coufertissime punctato-rugulosus, ad lato mm medium foveola singula, basi fovcola gemina impressus, dorso a basi ad medium usipie obsolete late cana-liculatus. Scutellum miiuituiu. Elytra lutea, subtiliter striata, interstitiis punctulatis, tertio cpiintoque subelev.atis, oetavoque carinato vi-iescentibus, sutura elevata, viridi-aenea. Pedes antici maris elongati tibiis leviter ineurvis. 6. Bolbocerus Bocchus: Snpra nigro-piccus, nitidus, subtus testaccus, tliorace 4-dentato, capitis cornu co- nico, apice emargiuato. —- Long. 5 lin. Statura et aflinitas B. Aeneae. Corpus rotundatum, supra fortiter convexum , pieeo-nigrum, nitidum. Antennae dilute testaceae, clava ferruginea. Mandibulae piceae. Caput puuetatissimum, fronte antice subtiliter marginata, medio sensim in cornu breve couicum, apice emar-ginatum elevata. Thorax punetatus, spatio transversali ante basiu laevigato, antice retusus, dentibus quatuor acutis, lere erectis, acquali spatio distantibus arinatus, utriuque intra dciitciu lateralem l'oveolatus. Scutellum hieve. Elytra punctato-striata, interstitiis laevissimis. Corpus subtus fulvo-villosum, ferriigineum, abdoiiüne testaeeo. Pedes femo-ribus tarsisque l'errugineis, tibiis pieeis. Colorhinus, n. er, c tribu Xylophiloruni Latr. Mandibular trigonae, maticae, Maxiliae mala penicillata, mutica, Mentum ovatum. Antennac 8-articuIatac. Corpus obesum. Caput parvum fronte antice truncata. Anten-nae 8-articulatae, articulo primo clavato, reliquis maiore, tertio quar-toque minutis, quinto iterum crassiore eyathiformi, reliquis tribus cla-yam lainellatani truncatam fonuantibus. Mandihulae juinulae, ublongo-trigonae, externe edontatae, eiliatae, Mavillae oblongae, mala mutica, piloruin faseiculo longiore veslitae. Palpi maxillares breves, articulis 3 primis ininimis, quarto maiore, cultriformi. Mentum ovatum. Palpi labiales breves, articulis 2 primis brevissimis, tertio elongato-cylin-drico. Thorax transversa« aequalis. Pedes breves, anticis tibiis bi-ib'iilatis, dentihus elongatis, aeutis, intcrnirdü crassiorcs, tibiis apice oblique tiuucatis, spina terminali altera compressa, postici forliter in-erassati, tibiis extus punetato-muriealis, apice oblique truncatis, Spina terminali utraque compressa; tarsis breviiisculis, articulo primo leviter elongato. Habitus fere generis Temnorhyuchi Hope, at maxillanim mala mutica Oryctidi proprinquus, antennis autem 8-articulatis in bac tribu insigni modo distinetus. 7. Colorhinus ohesus: Testaceus, elytris prope snturain infuscatis et subtiliter elevato-puuctatis. — Long-. 8 lin. Corpus testaceum, capite thoiaceque rufescentibus, elytris lute-scentibus, secumlum suturam infuscatis. Caput posterius lacvigatum, truncatura obsolete punctata, inargine anteriore et laterali liuea sub-marginali impressa et inargine tenui elevato cineta. Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine duplo brevior, lateribus ante medium fortiter rotundatis, apice einarginatus, basi rotundatua, inodice convexus, laevigatns. Scutellum laeve. Klylra laevigata, Stria snturali impressa, prope suturam punetissubtilibus clevatis asperata. Pygidium punetula-tum, infra medium convexo-pi'omiih-iis. Pectus fulvo-villosum, Thoracis margo lateralis pilis lougis fulvis dense eiliatus. Pltlexis u, g. e tribu Melolouth. genuin. Antennae JO-articulatae, cfava pentaphylla. Maxillae mala 6-dentata. Tarsi elongati, graciles, unguiculis bifidis, anteriores uia- ris articulo secundo tertioque dilatalis subtus spougiosis. Habitus fere Elaphoccrac Gene. Caput mediocre, clypeo tinea subtiti impressa a fronte distineto, marginato. Antenne« 10-artieulatae, articulis 2 primis paulo crassio-ribus, tertio leviter elongato, 6 — 10-lamelIatis. Labrum transveisum apice rotundatum, longitiiilinaliter late imprcssum. Mandibular breves triquctrae. Maxillae breves, mala introrsiim vergente Cornea, apice acute 6-dentata, Palpi maxillares leviter elougati, articulo primo mi-nnto, secundo tertioque obconicis, (jiiarto maiore, oblongo-ovato. Mentum transversum , apice leviter sinuatum. Palpi labiales breves, menti lateribus insertae, articulo primo minuto, secundo obcoriico, tertio boc paulo maiore, apice acuminato. Thorax transversus. Pearvutn clypeo rotundato, integro, nigrom. Thorax transvcrsus, lateribus fortiter rotundatus , punetatus, pilis longis erectis mollihu.s griseis, inargine dentis vestitus, niger, nitidus. Scatelhun nignun nitidum, utrin-iLi» similibns erectis coniposita ornatus. Coleoptera ovata, parcius punctata, margine laterali spinoso-dentato, singula linea dorsali longitudinali undulata, leviter elevata, denticulata instructa, interstitio in-teriore hinc inde transversim plicato, exterioro subaequali; epipleu-ris rugis elevatis reticulatis. Obs. A. praecedente thoracis structura et coleopteris brevioribus, ante medium latioribus minus transversim plicatis distinctum. 21. Sepidium tomentosum: Tborace carinato, tricuspi-dato, dentibus omnibus truncatis, coleopteris oblongo- oviitis, plicato-dentatis, margine laterali plicato-dentato. — Long. 7—8 lin. S. Senegalensi Dej. paulo brevius, nigrum, tomento spisso fusce-scenti-griseo vestituin. Antennae maris capite tlioraceque paulo longiore», feminae paulo breviores, articulis ultimis duobus nigris, Caput inter antennas late transversim impressum. Tliorax lateribus medio deute valido, lato, truncato, apice processu crassiusculo retuso super-ne reflexo et utrinque angnlato armatus, medio longitudinaliter elevatus, carinatus, carina integra, subtiliore, at pube erecta suberistata. Coleoptera oblongo-ovata, margine laterali fere 12 dentato, dorso leviter convexo, rugis undulatis transversis, et ruga in utroque elytro longitudinali, undulato elevatis inaequaliter denticulatis; epipleuris reticulato-rugosis , rugis leviter elevatis. 22. Sepidium fVagneri: Thorace carinato, tricuspida-to, dentibus lateralibus truncatis, apicali emarginato, coleopteris subovatis, margine laterali lineaque undulata dörsali dentatis. — Long. —8 lin, S. tomentoso affine, at distinete brevius, nigrum, tomento griseo-fusco dense obduetum. Antennae capite tlioraceque paulo longiores, articulis duobus ultimis nigris. Caput inter antennas late transversim impressum. Thorax lateribus medio dente valido, lato, truncato, leviter adscendente, apice processu crasso, leviter adscendente, apice emarginato bicuspi armatus, medio longitudinaliter convexus, carinatus, carina integra, pube erecta suberistata, ante basin sulco transversali im • pressus. Coleoptera ovata, ante medium latiora, dorso purum convexa, punctata, singula dorso linea undulata, acute elevata, dentata, instructa, margine laterali spinoso-dentato, interstitiis inter cristam dorsalem et marginalem rugis nonnulis obliquis elevatis inaequalibus : epipleuris reticulato-rugosis, rugis leviter elevatis. 23. Asida miliaris; Nigro-picea, subuitida, oblongo-ovalis, convexa, thorace parce subtiliter punetato, lateribus grau »lato , elytris leviter tricostatis, interstitiis longitudinaliter granulatis, parce subtilissime pubescentibus. — Long. 8 lin. J2» A. laovigatae (Platynoto Iaevigato Fab.) affinis, at paulo magis oMonga, niagis convexa et elytrorum costis distinctis. Nigro-picea subnitida, elytrorum interstitiis opacis, intcrdum brunnea. Caput dense pnnctulatum. Thorax coleopterorum latitudine antrorsnin leviter angustatus, latitudine baseos dimidio fere brevior, lateribus rotundatis, apice profunde emarginatus, angulis anterioribus acutiusculis, basi late emarginatus, angulis posterioribus minus productis, acutiusculis, leviter convexus parce subtiliter punetatus, liinbo laterali explanato , subtiliter granulato, margine rellexo. Elytra convexa margine laterali basi etiam angnsto, minus relevato, costis tribus lon-gitudinalibus, apice evanescentibus, intermedia breviore, postice non-nunquam cum costa interiore connexa, exteriore antice abbreviata; omnibus aeqnc ac sutura modice elevatis laevibus: interstitiis tuberculis medio maioribus, longitudinaliter dispositis ad latera suhtilissima crebrius adspersis, parcius subtilissime pubescentibus. Corpus subtus niti. Scaurus Barbaras'. Niger, nitidus, thorace subtiliter punctata, coleopteris subovalilms, basi emargiua-tis, singulis dorso bicarinatis. — Long, ti—7 lin. Sc. striato et punetato aflinis, at coleopteris hrevioribus band ob longis , S, llesperico Dej. propior, at coleopteris basi einai-ginatis distinetus, Niger, nitidus. Antennae capite thoraceque longiores, articulo ultimo oblongo-ovali, acuminato. Capttt fronte inaequali, dense fortius rugoso-punetata, clypeo parcius subtiliter punetato. Tliorax coleopterorum latitudine, latitudine media parum brevior, lateribus rotundatus, basi truncatus, apice leviter emarginatus, parum convexus, crebrius punetatus, punetis margines versus magis confertis , disco rarioribiis et subtilioribus. Coleoptera subovata, licet lateribus parum rotumlata, basi emarginata, dorso fere plana, postice perpendiculariter declivia, sutura pone medium sensim leviter carinata, singula costis Iiibus integris instructa, costa exteriore marginal!, interstitiis et epipleuris subtiliter minus dense seriatim punetatis, parce subtilissime granulatis. Mas thorace magis tumido, asi latitudine aeqnatia, medio duplo prope la-tiora, apice producta, acuminata, et mucrone brevi, tenui, apice debiscente terminata, dorso parum convexa, subtilissime obsoleteque parce punctata, Pedes validi, tibiis posterioribus leviter arcuatis. Femina corpore latiore et colore magis opaco distincta. 3J. lilaps super stitlosa: Nigra, nitida, thorace lateribus rotundato, coleopteris latioribus, ovalibus, substriatis, mucrone brevi debiscente termiuatis. — Long. 13— 15 liu. Statura fere Bl. magicae, Bl. gage longitudine aequalis at latior, nigra, nitida. Caput parvum aequale, crebre punetatum, fronte apice inter angulos prominentes leviter emarginata. Thorax coleopterorum medio plus dimidio angustior, latitudine paulo brevior, lateribus fortius rotundatus, apice leviter emarginatus, angulis anterioribus rotundatis, posterioribus subrectis, perparum convexus, lateribus latius marginatus,crebre subtiliuspunetatus. Coleopteraelliptica, basi thoracis basi latitudine subaequalia, medio duplo prope latiora, apice leviter producta, attenuata, mucrone latiore, brevi, apice debiscente terminata, snpra leviter convexa, substriata, subtiliter pnnctata, et rugulis minu-tis transversis impressa. Abdomen intricato-rugulosum. Pedes validi, tibiis posterioribus leviter incurvis. Femina pedibus debilioribus et coleopteroruin mucrone apicali breviore, 32. Misolampus Goudotii: Niger, subnitidus, coleopteris subtiliter punctato-striatis, interstitiis seriatim subtiliter granulatis. — Long. 5 lin. Niger, subnitidus, coleopteris fere opacis, Caput posterius con-vexum, antice inter antennarum insertionem transversim leviter impressum, subtiliter punctulatum, palpig rufo-piceis, antennis nigro-piceis, articulis duobus primis apiceque rufescentibus. Tliorax coleopteris paulo angustior, latitudine summa vix brevior, apice truncatus, lateribus et basi leviter rotundatus, basin versus subangustatus, fortiter convexus, dense subtiliter punetatus, lateribus subrugulosus. Coleoptera subovata, convexa, postice fere perpendiculariter declivia, re-gulariter subtiliter punctato-striata, interstitiis dense subtilius punctulatis, singulis serie regulari, tuberculorum minutorum granuUformium, posterius sensim distinetiorum instruetis. Pedes dense punetati, nigri, tarsis rufo-piceis. 33. llclnps Afer: Nigro-piceus, parum nitidus, thorace couvexo, dense subtiliter punetato, basin versus sub-angustato, angulis posterioribus acutiusculis, elytris punctato-striatis, interstitiis laevibus. — Long. 4*/2 liu. H. Caraboidi acqualis, snpra niger, perparum nitidus, subtus piceus. Antennae capite thoraceque paulo longiores, nigrae, articulo ultimo apice ferrugineo, articulis 3—8 subtus eiliatis. Caput crebre punetatum, fronte inter antennas late subimpressa. Thorax coleopteris parum angustior, latitudine summa tertia parte brevior, lateribus rotundatus, basin versus leviter angustatus, basi subrotundatus, apice leviter emarginatus, angulis omnibus acutiusculis, convexus, coiifertim subtiliter punetatus. Coleoptera oblongo-ovalia, convexa, punctato-striata, interstitiis laevibus, vel omnium subtilissime obsoletissimeque punetatis. Pedes nigro-pieei. 34. Mylabrh Öleae Chevr.: Nigra, elytris rubro-tcsta-ceis, apice l'asciisque duabus nigris, anteriore lateribus abbreviata, secunda media integra, inargine haud sinua-tis. — Long. 10—12 lin. Aftinis M. cinctae Ol. at elytrorum fascia prima basi magis ap-proximata, secunda inargine band sinuata, nec non thoracis structura distincta videtur. Antennae capite sesqui longiores apicem versus sensim leviter incrassatae, distincte II-articulatae, articulo ultimo acuini-nato, nigrae. Corpus nigrum subnitidum , hreviter nigro-puhesons. Caput thoracis latitudine, coiifertim punetatum, punetis saepius con-üuentibus subrugulosum, fronte planiuscula. Thorax coleopteris duplo fere angustior, latitudine band brevior, lateribus leviter rotundatis, basin versum subangustatis, snpra ilepressiusculus crebre punetatus, punetis confluentibus sulnugulosus, medio rugulis nonnullis elevatis politis notatus, basi late leviter impressus, Elytra glabra, dense subtiliter |)unctata, rubro-testacea, summa basi et faseiis tribus, acque la-tis nigris, prima basi multo magis quam fasciae secundae approxiiuata, marginem lateralem haud attingente, secunda in elytrorum medio sita, tertia apicali, omnibus margine subintegro, interstitiis testaeeis, ante et pone medium sitis subaequalibus, basali duplo prope angustiore. 35. Oedemera marmorata: Subtilissime pubescens, pal- lida, fusco-marmorata. — Long. 5 lin. O. Podagrariae paulo maior, pube brevissima subtili albida vestita. Antennae corpore dimidio paulo longiores, fuscae, articuli singulis basi pallide llavescentibus. Corpus obloiigum, palUde testaceimi, macula oblonga frontali fusca. Thorax coleopteris duplo angustior, basin versus leviter angustatus, tri-impressus, lateribus callosus, fuscus, dorso testaceus. Elytra confertissime punetato-rugulosa, pallide testacea, ma-culis striolisque fuscis subelevatis variegata. Pectus et abdoinen fusca, hoc apice, illo medio testaeeis. Pedes pallide llavescentes, femoribus ante apicem fuscis, tibiis medio fuscescentibus, femoribus posticis inflatis. 36. Brachyccms rigiius\ Niger, rostro planiusculo, superciliis leviter elevatis, thorace bicostato, Utrinque hi-impresso, lateribus angulato, elytris concinne trans- versim rugulosis, costa margiuali obtusa, postice abbreviata. — Long. 7,/2—9 lin. Statura omnino B. transversi. Corpus nigrum, parum nitidum. Antennae fusco-tomentosae. Caput parum-punctatutn, inter oculos utrinque foveatum , impressione fusco-squamosa, orbitis oculorum in-temia leviter elevatis, rostro crasso, antice planato, parce inaequalitcr punetato. Tliorax latitudine baseos band brevior, lateribus angulatim productis, medio costis duabus longitudinalibtis rotundatis, latis, approxiniatis, utrinque foveis duabus, altera l>asali, altera maiore ante medium sita impressus, undique parce subtiliterque punetatus, iinpres-sionibus dense fusco-squamosis. Coleoptera oblongo-ovata, vet ovata, fortiter convexa, tota rugis undulatis transversis concinue sculpta, costa dorsali singula, obsoletissima, vix elevata, laterali obtusa, postice abbreviata. Abdomen apice fortiter punetatum. Pedes dense fusco-tomentosi, femoribus omnibus extus nudis. 37. Thylaciles fullo: Elongatus, niger, dense cinereo- squamosus, thorace transverso, obsolete albido 3-lineato, elytris puncto postico albido. — Long. 5 lin. Maior, Corpus elongato-oblongum, nigrum, squamulis cinerascen-lilms undique dense obdiivtuin. Antennae breves, nigrae, articulis duobus primis cihereo-squamosis. Caput fronte leviter convexa, parce punetatum, obscuro-trivittatum, vittis lateralibusoculo interruptis, intermedia tenniore, inter oculos obsolescente, rostro brevi,sulculo profunde insculpto. Thorax basi coleopteris dimidio angustior, antrorsnin leviter angustatus, latitudine baseos paulo brevior, lateribus leviter rotundatus , minus convexus, lineis tribus longitudinalibus obsoletioribus interstitiis fuscescentibus. Coleoptera oblonga, punctato-striata, setu-lis brevissimis depressis parcius adspersa, singulo longo ante apicem puncto magis albido signato. 38. Thylacites comatus\ Oblongus, pilosus, niger, su- pra orichalceo-sijiiainosus, thorace rotundato, aeneo-tri- vittato. — Long. 3 lin. Corpus oblonguni, nigrum, squamosum, squamulis, supra pilos longiores erectis hirtulum. Antennae graciliores, rufae. Corpus fronte convexiuscula, punetatum, pilosum, squamulis albidis, metallieo- nitentilms ohductum, rostro brevi, subangustato, antice piano, sulculo brevi insculpto. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine ba~ seos haud brevior, lateribus aequaliter rotundatus, convexus, parce punetatus, pilosus, e squamulis snpra orichalceus, aeneo-trivittatus, in-i'ra margaritaceus. Coleoptera-oblongo-ovatia, leviter convexa , crebrius disperse punctata, pilosa, dorso orichalceo-, lateribus inflexis margaritaceo - dense squamosa, snpra ante apicem macula minuta oblonga margaritacea signata. Corpus subtus cum pedibus margaritaeeo-squamosum. 39. Cleonns fastigiatusx Oblongus, niger, cinfereo-pubescens, rostro carinato, thorace utrinque fusco albo-que lineato, antice carinato, elytris fastigiatis, acuminatis, punctato-striatis, vitta dorsali fusca inaequali, üneolis duabus obliquis albidis divisa signatis. — Long, ü lin. C. ohliquo aequalis. Kostrum thoracis fere longitudine, carinatum, fnsco-pubescens, Frons plana, obsolete carinata , pube fusco-cinerea vestita, orbitis magis albidis, interioribus subcarinatis. Thorax latitudine baseos haud brevior, antrorsum leviter angustatus, lateribus re-ctis, subeylindricis, fortiter inaequaliter p\inctatus a basi ad medium usque foveola oblonga impressus, ante foveolam acute carinatus, cine-reo-tomentosus, macula media baseos triangulari vittaque lata laterali fuscis, vitta utraque laterali striam sursum b*viter arcuatam albam con-tinente. Coleoptera obovata, apice attenuata et singula mucronato-acuminata, dorso leviter convexa, dense punctato-striata, interstitiis convexis, septinio apice subcarinato, eiiiereo-pubesccntia, «lorso ferru-gineo-inhalata, vitta subsnturali, inaequali, posterius attenuata, Uneolis duabus obliquis albidis, altera ante, altera pone medium interrupta. Corpus subtus cum pedibus cinereo-pubescens, ferrugineo-inhalatum, abdo-mine subtiliter nigro-punetato. 40. Moli/fcs fern»: Nig<*r, opacus, pilis hrcvibns depres-sis fulvis adspersus, rostro crasso, obsolete carinato, tliorace dense punetato rugoso, carinato, utrinque macula minuta media laevi notato, elytris punctato-striatis, interstitiis subaequalihus, tessellatis. — Long. 7— 8 lin. Statura et summa affinitas M. baiuti. Niger, vix nitidus. Caput crebre fortiter punetatum, rostro, punetato rugoso, utrinque obsolete bisulcato, medio obsolete carinato. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine postica vix longior, lateribus leviter rotundatus, antice constrictus, supra subdeprcssus confertissime rugoso-punetatus, medio carinatus, et utrinque macula minuta polita instruetus, parce subtiliter fulvo-pubescens. Coleoptera ovata vel breviter ovata, fortiter convexa, punetato- striata, interstitiis subaequalibus, cateuulatiin maculis minu-tis laevibus obsitis, interstitiis eorum subtiliter grauulatis, et pilis brevibus, depressis, fasciculatim dispositis adsperaia. Corpus subtus parcius grisco-pubescens. 41. Ilamaiivherus iVcrii: Fuscus, subtiliter cinereo-pubescens, capite thoraceque nigris, hoc rugoso, lateribus obtuse tuberculato, elytris subtiliter punetatis. — Long. 101/, lin- IL cerdoni fere aequalis. Corpus totum pube subtili depressa cinerea aequaliter vestituin. Antennae corpore sesqui fere longiores, graciliores, articulo tertio quarto duplo longiore quartoque apice cla-vatis, fuscae, articulo primo nigricante. Caput thoracis prope latitudine, subtiliter dense punctulatum, fronte supeiius subtiliter canalicu-lata, niger. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine summa fere longior, lateribus medio obtuse tuberculatus, a medio apicem versus modice angustatus, inaequalis, passim rugosus, niger. Scutellum fuscum, dense ])ubescens. Elytra confertissime aequaliter subtiliter punctata, apice truncata, Spina acuta suturali terminata, fusca. Corpus subtus fuscum, antice nigricans. Pedes longiores, iusci. 42. Callidinm {/lesperophanes) pulvcrulentum: Ha-dium, pube grisea inaequali variegatum, thorace rotundato, elytris anterius profunde punetatis. — Long. H lin. C. mixto altine, (Hinte badium, cinereo-pubescens, pube iu thorace et elytris macnlatim densiore. Antennae corporis dimidio longiores. Caput subtiliter canaliculatum. Thorax coleopterorum latitudine, suborbicnlaris, convexus dorso ante medium a villis densis bipunctata». Scutellum dense villosum. Coleoptera subcylindrica, crebre punctata, punetis anterius profundis, pone medium sensim suhtilioribus, apice subtilibus. Pedes breviores, femoribus vix clavatis. — A. C. mixto elytrorum punctura imprimis distinctum. 43. Saperda (Phytoecia) glaucai Nigra, tomento den-so albido-vircscente obducta, tliorace vittis duabus i'ul-vescentibus. — Long. 8 lin, Nigra, tomento densissimo pallide virescente omnino obducta. Antennae corpore duplo prope breviores, articulis 3—10 sensim decre-sceiitihus. Caput linea suhtili canaliculatum, parce subtiliter(|ue nigro-pilosum, ore albo-ciliato. Thorax coleopteris dimidio angustior, sub-cylindricus , latitudine vix brevior, supra vitta utriinpie longitudinali, sat lata, puhescente parce albido-pilosellus. Scutellum albido-tomen-tosum. Elytra dorso subdepressa, subtiliter obsoleterpie fulvescenti-lineata. Abdomen parce punetatum. Unguiculi basi fortiter aeutcque punctata. 44. Timarcha turbida: Nigra, minus nitida, pedibus eyaneis, coleopteris oblongo-ovatis, leviter inaequaü-bus, parce subtiliter punetatis, opacis. — Long. 7'/2 lin. T. tenebricosae fere ae(|iialis, at magis oblonga, nigra, subnitida, Antennae subeyaneae. Caput creberrime subtilins punetatum, fronte antice late subimpressa. Thorax dimidio angustior, latitudine duplo prope brevior, lateribus fortiter rotundatus, basin versus magis angustatus, angulis posterioribus obtusis, leviter convexus, coiifertim subtiliter punetatus, subtilissime interpunetatus. Coleoptera oblongo-ovata convexa, leviter inaequalia, parce disperse subtiliter punctata, opaca, serieeo-micantia. Pedes eyanei ycI violacei, nitidi. 45. Timarcha gener o&a: Nigro-subviolacea, nitida, capite thoraceque subtiliter punctulatis, coleopteris ovalibus, convexis, crebre fortiter punetatis, subrugosis, nigro-cupreis. — Long, 7—8 liu. Statura omnino T. tenebricosae, nigro-subviolacea, nitida. Caput subtiliter punctulatuin, subtilissime interpunetatum, fronte leviter cana- liculata, inter antennas leviter transversim impressa. Tliorax latitudine summa duplo fere brevior, lateribus ante medium fortiter rotundatis, basin versus angustatus, angulis posterioribus obtnsis. Scutellum laeve. Coleoptera ovalis-convexa, fortiter punctata, interstitiis inaearte vestitum. Pedes nigri, tarsis testaeeis. Alae fulvo-hyalina, limlto apicali et posteriore lato fusco-liyalino. 57. Volucella litjuida: Nigra, capite anoque flavis, alis macula quadrata fusca, basi flavescentibus. — Long. 8 lin. Statura omnino V. inanis. Antennae testaceae. Caput flavum, infra cum genis nigrum. Thorax niger, nitidus, antice pube brevi brunnca vestitum. Scutellum brunnenm, apice nigro-setosum. Abdomen segmentis tribus primis nigris, dense subtiliter punetatis, pube brevi subtili nigra vestitis, reliquis flavo-testaceis, llavo-pubescentilms. Pedes nigri. Alae hyalinae, macula magna subquadrata prope margi-nis anterioris medium fusca, a basi ad medium flavescentes, ante apicem ini'uscatae. Ueber die Schmetterlinge der Regentschaft Algier mit besonderer II er tick -sichtigimg ilirer geographischen Verbreitung. Von Dr. Mohitz Wa&ner. D ie Armuth Nordafrikas an Schmetterlingen muss allen Keisenden, welche Aegypten und die Berberei durchzogen haben, aufgefallen seyu. Selbst in den schönsten Monaten, im April und Mai, wo die niedere Pflanzenwelt dort in sehr reicher Ucppigkeit steht und die Sonne noch nicht allzu heiss brennt, sieht man verhaltuissmässig nur äusserst wenige Falter um die zahllosen wildwachsenden Blumen, welche die Bergahhänge und die bewässerten Ebenen bedecken, fliegen. In der so sterilen Provence sogar bemerkte ich weder die gleiche Armuth au Individuen, noch dieselbe Monotonie der Arten. Klima uud geographische Lage Nordafrikas scheinen der Vermehrung der Schmetterlinge gleich sehr entgegen. Zuvörderst ist bekannt, dass keine andere Ordnung der Insecten empfindlicher gegen die Einflüsse der Witterung ist, dass bei keiner «indem Ordnung die Zunahme oder Verminderung der Individuen so sehr von der Temperatur abhängt. 13 * Mau sieht seihst in Europa, wo der schnelle Wechsel der Temperatur hei weitem weniger fühlhar, als in den südlicheren Zonen ist, einzelne Arten in Folge eines besonders rauhen Winten oder zu trockenen Sommers vou Localitäten, die sie lange bewohnt hatten, fast ganz verschwinden, andere dagegen, die lange Jahre nur einzeln und selten gefunden wurden, plötzlich in so ungeheurer Menge erscheinen, dass es den Raupen an Futterpflanzen fnst gebricht. Ich führe hier als ein gmiz neues Heispiel das völlige Verschwinden von Orgyia Abietis aus vielen Localitäten Deutschlands seit 1830 an; von andern Arten, wie lladena Cucubali und 11. popularis, die sonst in den frühereu Ständen nur äusserst selten gefunden werden, bedeckten vor einigen Jahren in mehreren Gegenden Baiems die Raupen in bedeutenden Massen alle Wiesen und richteten beträchtlichen Schaden an. Bei vielen andern Arten hat man Aehnliches beobachtet. Die Raupe der Plasia Gamma kam im südlichen Frankreich vor etwa vierzig Jahren in einer nie /aivor gesehenen Masse zum Vorschein. Sie verzehrte alle Gartengewächse und es war keine Möglichkeit, die auf den Markt gebrachten Gemüse von den Raupen ganz zu säubern. Hätte die Vermehrung im darauf folgenden Jahr verhältnissmässig zugenommen, so wäre in der Provence kein grüner Halm gehliehen, aber es kam ein regnerischer Winter und im folgenden Sommer war P. Gamma seltener als je. Wenn demnach kein Zweifel ist, dass die grosse Vermehrung oder das fast gänzliche Verschwiuden der Lepido-pteren grösstentheils von den Einflösse» des Klimas und der Witterung herrührt, so ist die Armuth an Schmetterlingen in Ländern leicht begreiflich, wo diese schädlichen Ursachen so bedeutend überwiegen. In Aegypten haben die Nilüber- schwemmungen, der Mangel au grossen Waldungen, die Ueberhandnahnie der Cultur mächtig heigetragen, die Verbreitung der Schmetterlinge zu hemmen, und vorhandene Arten zu vermindern oder vielleicht auszurotten. In der Berberei siud den Schmetterlingen noch weit mehr Einwirkungen verderblich. Die starken Kegcngiisse des Winters und die dadurch verursachten Ueherschwemmuugcn, die Beschaffenheit der Küste, welche an vielen Punkten aus Berg-oder Hügelketten bestehend den Lauf vieler Bäche und kleiner Flüsse nach dem Meere hemmt uud die sonst fruchtbares und grasreichen Ebenen zu Morästen verwandelt, die ausserordentliche Trockenheit des Sommers, wo vom Juni bis September die ganze niedere Vegetation erstirbt, der plötzliche starke Tem-poratiirwechsel, der manchmal 15 bis 18 Grad Reaumur in einem Tag beträgt, der verderbliche Gebrauch der Eingeborenen, die trockenen Kräuter und Büsche im Sommer in Brand zu stecken, damit die Asche das Erdreich befruchte, endlich ganz besonders der Mangel an hohen Bäumen und grossen Wäldern, wo in Europa die durch die Cultur mit Ausrottung bedrohten Insecten bisher ein Asyl fanden, sind gegen die Vervielfältigung der Schmetterlinge der Berberei Hindernisse, welche die Armuth des Landes ganz erklärlich inachen. Endlich ist auch die geographische Lage der Berberei und Aegyptens der Verbreitung und Einwanderung der Schmetterlinge aus andern Gegenden nicht günstig. Wenn in der Provence oder in Italien einzelne Arten durch Wittern ngse in flösse, Ueberschwenimungen oder sonstige Ursachen sehr vermindert werden oder ganz zu Grund gehen, so ersetzen sich dieselben leicht wieder durch allmätige Einwanderung der gleichen Arten aus Nachbarländern von Norden, Westen und Osten. Aegypten und die Berberei aber, nament- lieh letztere, sind abgeschlossene Lander, von Wüsten oder Meeren umgeben, und die Verbreitung aus andern Ländern lindet mehr Schwierigkeiten, als irgendwo. All diese Umstände machen die karge Schmetterlingsfauna der Berberei begreiflich. Alle übrigen Insectenordnungen sind verhältniss-mässig dort besser repräsentirt, weil die oben angeführten schädlichen Ursachen auf sie nicht in gleichem Grade wirken. Sehr merkwürdig ist, dass die vorhandene sehr arme Lepidopterenfauna der Berberei von der südeuropäischen fast gar nicht verschieden ist, dass bei ihr nicht blos der allgemeine Charakter mit der übrigen Mittelmeerfauna übereinstimmt, was bei allen übrigen Thierclassen der Fall ist, sondern dass auch — mit sehr wenigen Ausnahmen — durchaus nur die ganz gleichen Arten wie im südlichen Europa dort vorkommen; ein gutes Drittheil der berberischen Schmetterlinge findet sich sogar im gemässigten und nördlichen Europa, in Deutschland, Nordfrankreich, England vor. Von den Coleopteren der Regentschaft Algier hingegen geht kaum der zwölfte Theil der Arten so weit nach Norden hinauf; von den Coleopteren ist über ein Viertheil der Regentschaft eigentümlich, von den Lepidopteren wohl kaum der dreis-sigste Theil *). Der erste Grund dieses seltsamen Verhältnisses ist die völlige Uebereinstimmung der Vegetation der Berberei mit Südeuropa; den Pflanzen aber entsprechen fast allen)hallten die Schmetterlinge, deren Raupen sich blos von Blättern nähren, während die Käfer, deren Larven eben so •) Ich kann freilich dieses Verhältniss nur aus der Zahl der Arten, welche ich im Lande gefangen habe uud die sich kaum auf sechzig belaufen, entnehmen. Möglich ist es, dass dieses Verhältniss etwas anders ausfiele, wenn man vermittelst der Raupenzucht eine grössere Zahl von Arten beobachtete. leicht von animalischen Stoffen leben, von dem Charakter der Vegetation viel weniger abhängen. „Der Schmetterling," sagt sehr poetisch ein berühmter Naturforscher, „ist fast nur eine vom Stengel gebrochen«! Blume." In der That sind die Lepidoptercu mit der Pflanzenwelt beinahe identiücirt; die Raupe verlässt wahrend ihres kurzen Daseyns die Blätter der Futterpflanze selten oder nie, das Gespinnst der Puppe ruht am Stamm oder Blatt des Lieblingsgewächses, oder sie liegt neben der Wurzel im unterirdischen Behälter, der Schmetterling wohnt fast nur auf der Blume, so lange er nicht in den Lüften schwebt. Der Käfer, der grossen theils, als Larve, wie als vollkommenes Insect, von den Exkrementen, vom Cadaver anderer Thiere oder vom Haube lebt, stimmt demnach überall mit dem Charakter der Vegetation in einem weit geringem Verhältniss als der Schmetterling überein. Die Flora der Berberei hat keine zwölf Pflanzen aufzuweisen, die nicht auch das südliche Europa besitzt; die Uebereinstimmung der Schmetterlingsfauna beider Gegenden ist demnach eine natürliche Folge der völligen Uebereinstimmung der Flora. Der sehr bemerkenswerthe Umstand, dass die Schmetterlinge der Berberei nicht nur mehr als alle übrigen Insecten-ordnungen den südeuropüischen Arten gleich sind, sondern dass sogar ein gutes Drittheil derselben auch das nördliche Europa bewohnt, erklärt sich auch durch die leichtere Beweglichkeit der Schmetterlinge, welche ihrer grössern Verbreitung günstig ist. Die Coleoptereu, von denen die meisten Arten schwerfällig über den Boden hinkriechen, sind immer auf *iel beschränktere Localitäten verwiesen. Ein Fluss, ein steiles Gebirge sind oft hinreichend, ihrem Aufenthalt Gränzen zu ziehen. Dies zeigt sich besonders auffallend bei den Pimelieu. So findet man Pimelia grossa nur auf dem rechten Ufer des Flusses Seybuss bei Bona. P. barbara kommt auch auf dem linken Ufer vor, geht alter nicht bis Stora. Von dort bis Budschia kommen wahrscheinlich noch unbekannte Arten vor, bei Algier erscheint P. maura, die aber nicht über den Fluss Massafrau hinausgeht, bei Mostaganem kommt P. valida vor, die nur bis zum rechten Ufer der Makta geht. Sehr wenige Pimelien gehen über einen halben Läugegrad hinaus; fast allen Arten sind durch die von Süden nach Norden strömenden Flüsse bestimmte Gränzen angewiesen. Für die Ausbreitung der Schmetterlinge hingegen sind Flüsse und schmale Bergzüge durchaus kein Hemm-niss, ja den meisten Arten wäre auch das Ueberschreiteu der nur zwei Meilen breiten Meerenge von Gibraltar etwas sehr Leichtes. Die Schmetterlinge vertreten die Vögel unter den wirbellosen Thieren; manche Gattungen, ja die ganze Horde der Schwärmer (Sphinges) fliegt leichter, schneller und andauernder, als viele Vogelarteu. Sphinx Convolvuli, Deilephila Celerio und besonders die fast immer in den Lüften schwebende, allverbreitete Macroglossa stellatarum könnten den Flug von Sardinien nach der afrikanischen Küste mit weniger Gefahr unternehmen, als das Rebhuhn, und den Weg noch einmal so schnell zurücklegen, als die schwerfällig fliegende Wachtel, welche diesen Zug alljährlich macht. Dass nicht blos zufällige Ursachen öfters die Versetzung der Schmetterlinge in ferne Gegenden bewirken, sondern dass in manchen Arten ein wirklicher Wandertrieb zuweilen erwacht, welcher sie wie die Zugvögel weit von ihrer Heimath wegführt, davon hat mau zahlreiche Beweise. So kam im Jahre 1834 die seltene D. Nerii aus Italien und Südfrankreich nach sehr vielen Orten Deutschlands und Nordfrankreichs geflogen, wo sie ihre Eier an die vor den Fenstern stehenden Oleau-derstöcke legte. Sie wurde damals in Baiern, Sachsen, Oesterreich, am Rhein, sogar iu den Umgehungen von Paris gefangen. Hycres in der Provence ist der nördlichste Punkt der Heimath dieses Schwärmers. Von dort nach Paris legte er einen Weg von 230 Stunden zurück. Man hat diesen VN andertrieb auch an so manchen andern Arten bemerkt, besonders an Deilephila Celerio, einem vortrefflichen Flieger, an I). lincata, Euphorbia!«, Sphinx Convolvuli und überhaupt an den meisten Schwärmern, sogar an einigen Spinnern, z. B. Saturnia Pvri. Da diese Reiselust aber nicht in jedem Jahre erwacht, so mögen wohl nur besondere klimatische Einflüsse, wie zu grosse Trockenheit im Süden oder zu frühe Kälte im Norden die wechselseitige Auswanderung einzelner Arten veranlassen, wodurch dann die Verbreitung sehr gefördert wird. Wenn hei den Coleopteren der mittelmeerischen Küstenländer — wie Herr Dr. Erichsoii im vorhergehenden Aufsatz bemerkt — die Verbreitung der einzelnen Arten mehr der Richtung der geographischen Länge, als der geographischen Breite folgt, was namentlich bei der am Mittelmeer so zahlreich repräsentirten Familie der Melasomen am deutlichsten sich zeigt, so ist dies durchaus nicht der gleiche Fall bei den Schmetterlingen. Im Ganzen kommen unter den Algierer Schmetterlingen — auch unter denen, welche iu den östlichen Landestheilen fliegen — die Arten von Spanien und Portugal am häufigsten vor. Von den Tagfaltern fand ich von La Calle bis Oran, also auf einer Strecke von neun Längegraden, ganz dieselben Arten wieder. Auch in den europäischen Küstenländern des Mittelmeeres ist die Ausbreitung der Arten in ähnlichem Verhältniss. Von Pcrpignan bis Dalmatien fliegen fast die gleichen Schmetterlinge; selbst Papilio Alexanor, den man noch vor wenigen Jahren für eine dem südlichen Frankreich ganz eigenthüinliche Art gehalten, ist seitdem iu Italien aufgefunden worden. Portugal und Spanien haben eine ganz gleiche Fauna der Lepidopte-ren und die Arten, welche Graf HoJfmansegg iu Portugal entdeckte, sind spater von Kamhur und Andern fast alle auch aus Spanien mitgebracht winden. Selbst die Schmetterlinge, die man aus Griechenland erhalten, stimmen der unendlich grössern Mehrzahl nach mit den italienischen und südfrauzo-sischen Arten iibereiu, obwohl Griechenlands geographische Länge und Breite von der Südfrankreichs bedeutend verschieden ist. Die südliche Lepidopterenlauna vou Europa beginnt vom 44° nördl. Breite an und behält den ziemlich gleichen Charakter bei bis ohngel'ähr zum 300 nördl. Breite. Auch Aegypten, ein hinsichtlich der meisten Thierclassen von den übrigen MittelmeerlÜndern getrenntes Land, hat doch, wie die Vögel, so auch seine wenigen Schmetterlinge mit der Berberei oder der entschiedenen Mehrzahl nach auch mit Italien gemein. Wie viele Repräsentanten selbst die Fauna des gemässigten und nördlichen Europas in Algier hat, zeigt sich besonders bei der Gattung Vanessa. Von lünf vorhandenen Arten gehen drei sehr weit nach dem Norden hinauf. Diese drei Arten siud V. Atalanta, Antiopa und Cardui. Die beiden anderen Arten , Vanessa Triangulum und F. al-hum kommen auch in Italien und Südfraukreich vor. Vanessa Cardui sah ich zu allen Jahreszeiten auch in den ödesten Wildnissen fliegen; ich traf diesen Falter iu Constantine, Mascara und andern Orten des Innern, wo es überall von Disteln, der Futterpflanze seiner Raupe, wimmelt, in ungeheurer Zahl. Er sol! durch die ganze Wüste gehen, ist in Aegypten, Nubieu, Arabien zu Hause und überhaupt eine der weitverbreitsten Arten der Erde. Von» Genus Melitaea fand ich blos die auch in Deutschland und der Schweiz häufig vorkommende M. Didyma, aber durchgehends in etwas bleichereu Exemplaren, als in Deutschland. Charaxes Justus, wohl der schönste, vornehmste Falter der europäischen Fauna, fliegt im Hochsommer und Herbst bei Bona, Algier, Oran, mehr im Innern, als an der Seeküste, nirgends häufig. Sein Flug ist leicht und majestätisch. Die Formen dieses Falters sind durchaus exotisch und mit der übrigen Fauna des Mittelmeerbeckens nicht übereinstimmend. Ch. Jasius, der wohl aus dem Süden in Europa eingewandert ist, wurde auch in Portugal, Spanien , Italien, Aegypten und Kleinaslea gefangen. Von Ilipparchien sind die Arten H. Psyche, Pasü pha'e, Menne, welche von Bona bis Oran eben nicht selten fliegen, in Europa von Italien bis Portugal zu Hause. //. Ines, welche besonders in den Umgebungen Orans fliegt, wurde in Portugal, Calabrien, Sicilien aufgefunden, kommt aber sicherlich auch in Andalusien vor. Die nördlichen Hip-parchienarten sind in der Berberei nicht repräsentirt. Die beiden längsthekanntcn europäischen Arten der Gattung Papilio (Etj/uites Linne), P, Machatm uud Podali-rius, sind auch über die Berberei und noch viel weiter nach Osten, über ganz Aegypten, Syrien, Kleinasien verbreitet. P. Machaon traf ich im Innern auf den höchsten Bergen des Atlas, Von P. Podalirius erscheint auch die Varietät Papilio Feisthamelii', viel weisser als die gewöhnliche Art, mit gelbem Rand der Oberflügel, auch die Form einiger Flecken weicht von dem P. Podalirius des gemässigten Europas ab, aber die Schwänze sind nicht länger, wie Herr Duponchel irrig angiebt. Von dem noch nicht lange bekannten P. Ale-xanor des südlichen Europas fand ich keine Spur. Die Gattung Zerynthia hat nur Einen Repräsentanten, Zerynthia liumina, die in Europa Spanien und Portugal bewohnt. Dagegen erscheinen vom Genus Pontia in Algier mehrere südeuropäische Arten, von welchen P. Belemia und Auüonia auch in Spanien, Südfrankreich, Italien und Aegypten eingebürgert siud uud die gleichfalls durch ganz Südeuropa bis Griechenland verbreitete P. Reha in manchen Jahren bis Paris kommt. Eine der Berberei allein cigenthüm-liche neuentdeckte Art dieser Gattung ist P. Douei Pierret, (Tab. IX.), sehr nahe verwandt mit P. Eupheno. Herr Boisduval will diesem Falter sehr mit Unrecht den Anspruch auf eine besondere Art bestreiten und erklärt ihn für eine sehr merkwürdige klimatische Varietät von P. Eupheno. Herr Pierret, welcher /*. Douei zuerst als neue Art aufgestellt, hat sehr scharfsinnig alle constanten Merkmale, welche beide Arten, zwischen denen keinerlei Uebergiiuge sichtbar sind, unterscheiden, hervorgehoben. Gegen die Ansicht einer durch klimatische Einflüsse erzeugten Varietät spricht auch wohl die Thatsache, dass in deu südlichsten Gegenden Spaniens, unter fast gleichem Breitegrad mit Algier Pontia Eupheno noch ganz unverändert fliegt, während P. Douei von Oran bis La Calle in ganz gleichmässiger Färbung und Zeichnung vorkommt und in beiden Geschlechtern sich zeigt. Nur zwei Arten bemerkte ich vom Genus Colias, wovon die Eine C. Hyale durch ganz Europa verbreitet, die Andere, C. Cleopatra, in ganz Südeuropa von Portugal bis zur Türkei, auch in Aegypten zu Hause ist. Eine seltene und schöne Art der den Uebergang von den Tagfaltern (Papilio-nos) zu den Schwärmern (Sphinges) bildenden Gattung Zygaena ist Z. hilaria, welche Graf von Hoffmansegg in Portugal gefunden. Z. Sarpedon hat die Hegentschaft Algier mit Italien, Siidfrankreich, Spanien und die bekanntere Z. Meliloti mit dem ganzen gemässigten Europa gemein. Sämmtliche Schwärmerarten der Hegentschaft Algier gehen ziemlich weit ins gemässigte und nördliche Europa hinauf, oder erscheinen wenigstens bis zum 48 ° nördl. Breite zuweilen als Zugvögel. Macroglossa Stellatarum fliegt fast so häufig als in Europa. M. Oenotherac fand ich als Raupe in der zweiten Hälfte des Juni erwachsen auf dem Schoten Weiderich (Epilobium palustre) in den Umgebungen von Bona. Sie verwandelte sich Ende Juni und ich hoffte, den Schwärmer noch in demselben Jahre zu erhalten. Ohn-geaebtet ich aber die Schachtel öfters an die Sonne stellte, überwinterte die Puppe und der Schmetterling schlüpfte erst im April während meines Aufenthaltes in Oran aus. Die afrikanischen Exemplare von M. Oenotherae sind grösser und etwas dunkler gefärbt, als die europäischen. Eine sehr schöne und seltene Art des südlichen Europa, die nur höchst selten im Norden gefangen wird, Deilepftila Celerio, fand ich gleichfalls öfters als Raupe in den Gärten .des Höpital du Dey bei Algier, aber immer nur einzeln, nie auf dem Weinstock selbst, sondern immer au der Bretterwand oder dem Geländer ruhend, an welchem Rebenstöcke hinaufgezogen waren. Herr Ochsenheimer sagt, die Raupe sey von brauner Farbe. ich fand aber auch eine schwarze und grüne Spielart, wie bei der Raupe der D. Elpenor, mit welcher jene überhaupt die grösste Aehnlichkeit hat und sich fast nur durch die weissen Püuktcheu in den Augenllecken unterschei- det. Die Raupen verpuppten sich Mitte Juni auf der Oberfläche der Erde unter zusamroengesponnenen Weinblättern. Die Puppe ist sehr schlank und die Form ihres Kopfes hat grosse Aehnlichkeit mit der Puppe der M. Stellatarum, dagegen ist sie von der plumpen Puppe von D. Elpenor bedeutend verschieden. D. Celerio schlüpfte Mitte Juli aus. Dieser Schwärmer ist durch ganz Afrika bis zum Cap der guten Hoffnung verbreitet und lebt auch iu einem grossen Theil von Asien. Die Raupe von Deilephila lineata kommt mit der vorigen Art zu gleicher Zeit vor. Ich fand sie in der Nähe des Meerufers östlich von Algier und in den Umgebungen von Bona auf mehreren niedern Pflanzen, nie auf dem Weinstock. In Europa ist dieser Schmetterling iu Italien, Spanien, Portugal, in manchen Jahren auch in einigen Gegenden von Sachsen und Baiern, aufgefunden worden. Von D. Vespertilio fing ich im August mehrere verflogene Exemplare bei Bona, welche um die Blüthen des Granatbau-mes schwirrten. Die Raupe vou Deilephila Euphorl/iae ist gemein am Meeresufer bei Bona auf Euphorbia paralias und E. provincialis. Ich fand sie von Mitte Juni bis Anlaug Jnli. Die Raupe variirt durch ihre breiten hellgrünen Längestreifen so bedeutend von der europäischen, dass ich sie für eine andere Art hielt und die ihr so nahe verwandte Raupe von D. Dahlii gefunden zu haben hoffte. Der Schmetterling entwickelte sich im September, war aber von D. Euphorbiae nicht im mindesten verschieden; einige Exemplare trugen die roseurothe Binde am Rand der Vorderflügel, aber diese Varietät kommt auch in allen südeuropäischen Ländern, sogar in Deutschland, zufällig vor. D. Nerii habe ich seltsamer WVise nicht in der Berberei gefunden, obwohl derselbe einer der besten Flieger und ein wanderlustiger Schmetterling ist, iiucli um die ganze südeuropäische Küste wohnt. Seine Futterpflanze ist sehr häufig, aber vielleicht ist eben ihre Menge schuld, dass die Raupe dem Auge leicht entgeht. Von andern Schwärmerarten finden sich auch Sphinx Convolvuli und Sph. Atropos vor, welche in fast ganz Europa, Aogv-pten, Kleinasien einheimisch sind. Von den Spinnern (Hombyoes) und Eulen (Noctuae) habe ich wenig beobachtet, da die Arten dieser beiden Horden in ihrem vollkommenen Zustand sehr verborgen leben und ich bei meinem häufigen Aufenthaltswechsel mit der Raupenzucht mich fast gar nicht befassen konnte. Von der schönen Gattung Euprepla fand ich die über vier Welttheile verbreitete E. pulchra, die jedes Klima aushalten zu können scheint, und eine neue sehr schöne Art, E. Dido, welche in den Umgebungen von Bona einheimisch ist. Auch au Noctnen hat die Regentschaft Algier ein gutes Drittheil ihrer Arten mit dem Norden gemein. Triphae-na pronuba und Hadena meticulom bemerkte ich auf allen Punkten, im Innern wie an der Küste. Beide Arten gehen bis Russland und Schweden hinauf. Von Amphipyra spectrum fand ich erwachsene Raupen zu Anfang Mais auf einer Genistaart bei Mostaganem. Plusia Gamma schwirrt auf Blumen so häufig, wie überall in Europa. Die in Italien und Südfrankreich einheimische Plus. Chalsytis traf ich einzeln im September bei Algier. Ophiusa Tirrhaea erzog ich aus der Raupe, welche Ende Mai erwachsen auf dem gemeinen Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) lebt und wie die Raupen des Genus Catocala, denen sie in Form, Farbe und Lebensart ganz gleichkommt, dicht an dem Zweige angeschmiegt ist. Der Schmetterling schlüpft im Juli aus und ist auch in Südfrankreich bei Ilyeres, in Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und Aegypten gefunden worden. Op/iiu-sa Algira ist unter allen Nachtschmetterlingcn der häutigste; ich sah ihn allenthalben im Laude, zuweilen fliegt er auch am Tage. Das Genus Catocala hat nur Repräsentanten mit gelben Unterflügeln C. Agamos und Nymphagoga, beide in Italien und wahrscheinlich auch iu andern Ländern Südeuropas einheimisch. Alle Raupen erscheinen in der Berberei 1—2 Monate früher als in Europa, ebenso die meisten Schmetterlinge. Von Juli bis September, wo alle niedern Kräuter verdorrt sind, sah ich auch keine Raupen mehr. Ich füge im Folgenden die Beschreibung der beiden neuen Arten bei; s. abgebildet auf Tab. IX. 1) Pontia Douei. Breite der ausgespannten Flügel 14 Linien bei dem Männchen, 15 bei dem Weibchen. Beide Flügel des Männchens schön gelb. Die Vorderflügcl haben am obersten Theil einen grossen Orangerothen Flecken, der über ein Drittheil der Fläche dieser Flügel ausfüllt und mit einem grauschwärzlichen Rand umfasst ist. Die Einfassung am Aussenrand ist oben breiter, als auf der innern des Orangerothen Fleckens, wo mit dem Saume ein schwarzer Mondflecken sich vermischt. Die Unterseite der Vorderflügel ist weisslich gelb; der orangerothe Fleck schmäler, der Aussenrand oben gelb; der schwarze Mondfleck am innern Rand weniger deutlich. Die Unterseite der Hinterflügel ist dunkclgelh mit einigen sehr schwachen graubräunlichcn (Auerbändern. Bei dem Weibchen sind die Vorderflügel weiss, mit kaum bemerkbarem gelblichen Anflug; fast in der Mitte etwas mehr nach oben befindet sich ein freistehender schwarzer Fleck; der Aussenrand ist orangegelb mit wenigen schwärz- liehen Schnttirungen. Auf der Unterseite ist der Aussenrand heller gelb mit orangefarbiger Einfassung. Auf der Oberseite der Hinterflügel ist der gelbliche Anflug deutlicher, als auf den Vorderflügeln; die Unterseite ist schön citrongelb, die Bänder sind hier noch schwächer, als beim Männchen. Folgende constante Merkmale unterscheiden diesen Falter vom P. Eupheno. Der schwarze Fleck in der Mitte der Vorderflügel des Männchens tritt hei P. Eupheno immer stark und deutlich hervor, Wahrend derselbe bei P. Douei mit der Einfassung des Orangerothen Flecks verschwimmt. Bei /'. Douei ist der innere Randstreifen des Flecks mehr zackig, bei Eupheno mehr gerade. Am stärksten zeigt sich der Unterschied auf der Unterseite der Hinterflügel, welche beim P. Eupheno mit starken, breiten grünlichen Rändern durchiloch-ten sind, während diese Ränder bei P. Douei nur ganz schwach vorbanden und rostfarbig sind. Eben so sehr dilleriren die beiden Weibchen. Das von P. Eupheno hat den Aussenrand der Oberseite der \ 01 (lerdiigel stärker schattirt, als das Weibchen von /'. Douei; die Form des schwarzen Flecks in der Mitte des Vorderliecks weicht merklich von einander ab. Die Bänder auf der Unterseite der Ilinter-lliigel zeigen dieselbe Verschiedenheit, wie bei «lern Männchen; überdies ist die hellgelbe Grundfarbe derselben bei P. Eupheno mit weissen Flecken untermischt, während dieselbe bei P. Douei eine gleich-massige citrongelbe Färbung zeigt. 2) Euprepia Dido. Breite der ausgespannten Flügel 17'/« Linien. Die Fühler sind braun, fadenförmig, kaum sichtbar gefrauzt, Kopf braun mit zwei winzigen rotheu Flecken, Brust braun, oben und au den Seiten gelb einge-fasst, Hinterleib roth mit fünf dunkelbraunen Flecken iu einer Reihe und dunkelbraunem Afterbart; die Unterseite braun mit winzigen rothen Pünktchen, die Füsse sind schwarzbraun. Die Yorderllügel sind dunkelbraun mit acht unregelmässigeu gelben Flecken von verschiedener Grösse; der grösste dieser gelben Flecken, am nächsten an der Brust, führt drei braune Pünktchen, Die Hinterflügel sind lebhaft roth mit dunkelbraunen, unregelmässig zerstreuten Flecken. Die Unterseite MoKirz Waonük's Algier. III. 14 ist der Oberseite fast ganz gleich, nur führen die Vorderflügel oben noch einen reinen Randstreifen. 3) Ilipparchla Menne. Die Fühler sind grau, an der Spitze ins Gelbliche spielend. Die Grundfarbe der Flügel ist dunkelbraun, gelbe unregelmässige Flecken füllen den grössten Theil der Fläche aus; gegen das Ende der Vorderflügel befindet sich ein schwarzer Augenflecken mit weisser Pupille, drei ganz ähnliche , etwas grössere Flecken stehen auf den Hinterflügeln gegen den Aussenrand, welcher gezähnt ist und ins Weisslichc spielt. Die Unterseite der Vorderflügel ist der Oberseite ganz ähnlich, nur matter, die der Hinterflügel ist von graubräunliclier Farbe, gegen den Aussenrand dunkler ins Rotbuche übergehend mit drei weissen Pünktchen. Am nächsten steht dieser Schmetterling bei 11. Egeria. Die llübner'scbe Abbildung nach einer Copie ist viel zu dunkel gefärbt. A raeilniden im(1 JVyriapoden ans «1er Regentschaft Algier. Bearbeitet vorn Forstrath Koch in Regensburg. A. Aus der Classe der Arachniden. I. Ordnung der Spinnen. ä) Familie der M y g a 1 i d e n. 1. Ctenixa Africana. Koch Aracbn. V. 1. p. 10. t. CXLYI. f. 344. Vonicrieib, Taster und Beine bräunlich ockergelb, der Kopf au den Seiten und der Hucken des Thorax beiderseits verloren rostbraun. Fresszangen brauuroth. Hinterleib erdfarbig röthlichgelb, auf dem Rücken vorn feine wellenförmige Querstriche, hinten fleckige Querbogen und in den Seiten feine marmorartige Züge rothbraun. Länge 8 Linien. Tab. Mit Eiuschluss der gegenwärtigen sind wir nun mit fünf Arten bekannt, welche alle die Küstenländer des mittelländischen Meeres bewohnen. Es ist zwar Aranea venatoria Linn, et Fab. Mygale nidulans VValck. ebenfalls in diese Gattung gezogen worden, allein aus dem einzigen Grunde, weil es nicht 14* Bedürfniss war, ans dieser eine eigene Gattung zu bilden, obschon, die Lebensweise ausgenommen, wenig Uebereinstim-mung vorhanden ist. Diese bewohnt die Insel Jamaika, und ausser ihr ist aus den Tropenländern noch keine zu uns gebracht oder bekannt gemacht worden. Die Verbreitung der Ctenizen scheint sich fast nur auf die Länder zwischen dem 35. und 45. Grad zu beschränken. (Ich fand diese Spinne auf dem ganzen Küstenstrich der Regentschaft Algier von Bona bis Oran ziemlich häufig. Sie macht kein Gespinust, sondern überrascht die Fliegen durch Sprünge von ein bis zwei Zoll Breite. Sehr hurtig läuft sie gewöhnlich über dem Boden oder am Gemäuer hinauf. M. VV.) b) Familie der Lycosiden. 2. Dolomedes oereatus. Vorderleib ockergelblich, braunstaubig, auf dem Kopfe und Tliorax ein Rückenfleck hellergelb, iu ersterin zwei Fleckchen nebeneinander liegend braun. Augen und Fress-zangen dunkelbraun. Hinterleib erdfarbig gelb, etwas ins Olivenfarbige ziehend, vorn auf dem Rücken ein aus Flecken zusammengesetzter Längsstreif, hinter diesem zwei kleine Fleckchen und die Rückenstigmaten braun. Taster und Beine ockergelb, die zwei Endglieder der erstem rostroth, Schienbeine, Fersen und Tarsen der vier Vorderbeine dun-kelrothbraun, dieselben Gelenke der vier Hinterbeine braun geringelt. Länge 8 Linien. Tab. Die Gestalt uud Augenstellung sind wie bei dem bekannten Dolomedes fimbriatus, nur die Augen darin verschieden, dass das äussere Auge der vordem Reihe grösser und den vier hintern ziemlich gleich ist. Die Essentialcharaktere zur Formation der Gattung Do- lomedes finden sich hauptsächlich von D. fimbriatus entnommen, daher, von diesen ausgehend, die gegenwärtige algier-sche Spinne die einzige ist, welche mit erster in ein uud dieselbe Gattung gehört. Bisher hat mau alle jene Lycosidcn dahin gezogen, welche nicht in die andern fester begräuzten Gattungen passten. Doch ist man der natürlichen Eiutheilung näher gekommen, indem von Saviguy die Gattung Öcyale und von Sundevall die Gattung Lycaena, dem sich mit Recht nicht widersprechen lässt, abgesondert haben. Die Thiere dieser beiden Gattungen unterscheiden sich ausser den sichtbaren Charakteren auch iu der Lebensweise, und schon hauptsächlich darin, dass die Ocyalen ihre Eiersäcke auf der Brust angeheftet mit sich tragen, die Lycaenen aber ihre Eierchen auf ein rundes Klümpchen zusammen legen uud sehr fein seidenartig überspinnen, dieses Eiernestchen unten an einen Stein anheften und solches bis zum Ausschlüpfen der Jungen, dabei sitzend, bewachen. Nach dieser Bezeichnung der Gattung Dolomedes in engerer Beziehung sind die zwei vorkommenden Arten Bewohner der gemässigten und selbst der kältern Zonen, indem D. fimbriatus auch in Schweden vorkommt. Indessen scheint I). oereatus nur dem nördlichen Afrika anzugehören, indem an den übrigen bekannten Küstenländern des mittelländischen Meeres solche noch nicht entdeckt worden ist. 3, Tsycosa xylina. Koch Avachn. V. 5. i». 119. t. CLXXIV. s. 415. Das ganze Thier gelblich rostbrauu, der Vorderleib dunkler als der Hinterleib, auf ersterin ein Längsstreif und die Einfassung der Seiten weisslich, auf dem Rücken des Hinterleibes vorn zwei Längsstrich gelblich, über der Ein- lenkung zwei Flecke, zwei solche auf dem Kücken und der Bauch schwarz. Taster und Beine gelbbraun lieh, unten an der Wurzel der Schienbeine und an der Spitze der Schienbeine des Endpaars ein Querband schwarz. Länge 8 Linien. Tab. In dem Bau des Körpers und der Beine, sowTie in Ansehung der Bedeckung mit Haarschuppen kommt sie der Lyc. Taräntuta ziemlich nahe, doch ist sie in derselben Beziehung mit der weniger bekannten und in Oherhalien vorkommenden Lyc. rubiginosa Koch noch näher als mit jener verwandt. Sie scheint ausser dem nördlichen Afrika nicht weiter vorzukommen, wenigstens ist sie anderswo noch nicht gefunden worden. Dabei verdient bemerkt zu merken, dass die Lyco-sen wohl von allen Spinnen am weitesten verbreitet sind, denn nicht allein bewohnen solche Europa vom tiefern Norden, bis zu den südlichem Theilen, sowohl tiefe Gegenden als auch die höhern Alpen, sondern es sind auch schon unzweifelhaft hierher gehörige, obwohl eigene Arten aus Brasilien und andern überseeischen Ländern zu uns gebracht worden. Cm Algier, Bona und Oran ziemlich häufig. c) Familie der Therididen. 4. Phrurolithus erythroceplialtis. KocbAracbn. VI. 4. Tab. CCIII. Fig. 501. Der Vorderleib, die Fresszangen, Taster und Beine rostroth. Die Brust kastanienbraun. Der Hinterleib braunschwarz , vorn über der Einlenkung ein breiter Bogenstreif, in den Seiten bis in die Hälfte der Länge ziehend, hellgelb, ein durchbrochener Längsstreif auf dem Kücken ebenfalls gelb, aber weniger klar. Länge 4!/2 Linie. Tab. Die Gattung Phrurolithus tritt als neu in dem oben angezogeneu Werke mit acht Species hervor, wovon nur eine bisher bekannt war, und mit dem Synonvmum Arauea corol-lata Linn, bezeichnet ist. Fünf Arten kommen in Deutschland, zwei in Griechenland, die gegenwärtige in der Gegend von Algier vor. Ihre weitere Verbreitung scheint sieh südlich nicht über die Küstenländer des mittelländischen Meeres zu erstrecken. IL Ordnung der Seorpionen. a) Familie der S e c h s a u g i g e n. 5. Scorpius Algeriens. Koch Arachn. V. 1. p. 1. Tab. CXLV. Fig. 340 et 341. Dunkelbraun mit rostrothen Tastern, gelbem Endgliede des Schwanzes und mit gelben Beinen. Kopf und Itücken-schilde von gewöhnlicher Form; der Schwanz dünn, ziemlich lang mit fein gezähnten Kielen, länglichem Endgliede und nicht stark gebogenem Stachel. Die Taster gross, die Kiele dieser gekörnt und geschärft, am Ausseiirande des Vorderarms unten in der Bandreihe 12 Grübchen; die Hände gross, mit etwas geziihuelten Kielen, der Quer nach runzeliger Fläche und mit starken etwas gebogenen Fingern. Lange des Körpers des Schwanzes ebenfalls 7|/, Linien. Tab. In den oben citirten Arachnidenwerke sind wir bereits mit 12 in die gegenwärtige Gattung sich einreihenden Arten bekannt geworden, welche mit Ausnahme der al-gierschen alle im südlichen Europa vorkommen. Es ist wahrscheinlich, dass ihre Verbreitung auch die übrigen jenseitigen Küstenländer des mittelländischen Meeres erreicht, doch scheinen sie in diesem Länderzuge weit seltener, als in den europäischen Ländertheilen zu seyn, und vielleicht nur in beschränktem Gegenden vorzukommen, denn aus den genauen Forschungen und der reichhaltigen Entdeckung des Herrn Ehrenberg ist keine einzige dieser Gattung ungehörige Art hervorgegangen. (Scorpius Algeriens kommt zwischen dem Cap Matifu und dem Städtchen Dellys östlich von Algier vor, wo ich ihn unter Steinen fand. Es sind mir nur zwei Exemplare davon in die Hände gefallen und an keinem andern Punkte der Regentschaft Algier gelang es mir, diesen Scorpion wieder aufzufinden. Ob der bei La Calle, nahe an der Grunze von Tunis vorkommende Scorpion, welchen ich mir leider nicht verschaffen konnte, einerlei Art mit dem gegenwärtigen sey, getraue ich mir nicht zu behaupten. Ich sah von jenem nur einige getrocknete Exemplare in der Sammlung des Hrn. Gerard zu Bona. M. W.) b) Familie der Achtaugigen. 6. ßuthus testaccus. Kocli Arachn. V. 1. p. 3. Tab. CXV. Fig. 342. Köpf und Rückenschilde gelblichbrauii, glatt und glänzend, erster sehr fein eingestochen punktirt, letztere an den Seiten mit feinen Körnchen, am Hinterrande eine Körucr-reihe, auf dem Rücken eine schmale Längsbeule; der Schwanz dunkel ockergelb, etwas kurz, borstig, mit gezähnten Kielen, die Zwischenräume an den Seiten weitschichtig grob gerieselt, das Endgelenk kurz, rund gewölbt, unter scharfen Körnern reihenweise; der Stachel kurz und ziemlich stark gebogen. Die ßrustkämme kurz, 8 bis 10Zähne an jedem- Die Taster ockergelb, etwas kurz, borstig, kleinböckerig oder gerieselt, mit starker gekörnten Längskanten; die Münde gross, flach gewölbt, sehr breit, oben stark gekörnt, mit drei Längsnäthen, auf diesen eine Reihe grösserer zum Theil zusammengeflossener Körner, Körner und die kurzen Finger roslhräunlich. Die Reine gelb, an den Spitzen der Schienbeine und Schenkel verloren dunkler. Länge des Körpers 16 bis 18 Linien, des Schwanzes 15 bis 16. Tab. Die Thiere dieser Gattung bewohnen in ausserordentlicher Ausbreitung die wärmern Zonen der alten Welt. Von den 12 nun bekannten Arten kommen 7 in Ostindien und besonders auf der Insel Java, eine in Syrien und Arabien, eine in Afrika ohne nähere Bezeichnung des Landes, eine, nämlich die gegenwärtige, im nördlichen Afrika hei Algier, eine in Griechenland, endlich eine, obwohl zweifelhaft, iu Mexico vor. In Ziemlich naher Verwandtschaft mit dem algierschen (ßuthus testaceus) stehen B. palmatus Ehrenberg und Scor-pio Africanus Seba I. Tab. 70. Fig. 6; davon ist ersterer viel kleiner und mit anders geformten Schwanztheilen versehen als B. testaceus, letzterer aber aus der kurzen zu wenig Charakteristik bezeichnenden Beschreibung und der nicht gut ausgefallenen Abbildung nicht zu erkennen. (Bulbus testaceus bewohnt mehr den östlichen Theil des Küstenstrichs der Regentschaft Algier. Er kommt ziemlich häufig bei Bona und Stora, viel seltener in den Umgebungen der Stadt Algier vor; bei Oran und Mostaganem ist er noch nicht aufgefunden worden. Er hält sich in tiefen Löchern auf trockenen Hügeln auf, und ist schwer zu finden. Der Gang, der nach diesen Löchern führt, ist gewöhnlich l'/2 Zoll breit und kaum '/2 Zoll hoch; er verfolgt in versculun- genen Windungen eine Tiefe oft von zwei bis drei Fuss. Der harte Hoden, iu welchem dieser Scorpion seinen Bau «rräbt, erschwert das Auffinden sehr. Ganz erwachsene Stücke konnte ich nie erbeuten. Ich sah deren aber getrocknet in der Sammlung des Herrn Gerard in Bona fast noch einmal so gross, als unsere Abbildung. M.W.) c) Familie der Zwölfaugigen. 7. Androctonus Aencax. Koch Arachn. VI. 1. p. 3. Tab. CLXXXI, Fig. 432. Schwarz mit olivenfarbigem Anstriche, Kiele und Körner dunkler, die Finger an der Spitze und die Tarsen gelblich, der Stachel des Schwanzes rostgelb. Vorder- uud Hinterleib gekörnt, auf den gewöhnlichen Linien des Kopfes stärkere Körnchen, eben so auf den drei Längskielen der Hückenschihle des Hinterleibes. Der Schwanz dick, oben hoch und scharfkantig, alle Kauten oder Kiele gezähnt, das fünfte Glied unten der Länge nach gewölbt, die untern Seitenkanten schärfer gezähnt, die Zähne an diesen stufenweise grösser; das Endglied klein, unten kugelförmig und höckerig, der Stachel stark gebogen. Die Taster laug, die Hände dünner als der Vorderarm mit langen kaum gebogenen Fingern. 24 Zähne an jeden) Brustkamme. Länge des Vorder- und Hinterleibes 13l/a3 des Schwanzes 18 Linien. Tab. Au Reichhaltigkeit der Arten übertrifft keine der Scor-pionenfamilien die gegenwärtige, welche in zwei Gattungen sich theilt, die sich in ihren Charakteren eben nicht sehr scharf von einander unterscheiden, doch standhafte Formen darbieten, die eines Theils den Arten der alten, andern Theils denen der neuen Welt eigentümlich sind. *Aus den ersten hat sieh die gegenwärtige Gattung Androctonus gebildet, welche bereits 30 bekannte Arten zählt, und welche mit wenig Ausnahmen die Küstenländer des inittelliindischen und schwarzen Meeres bewohnen, und sowohl in den europäischen als in den gegenüberliegenden von Afrika und Asien vorkommen und oft in grosser Anzahl als wahre Landplage vorhanden sind. (Androctonus Aeneas ist im Gegensatz mit den übrigen Arten dieser Gattung sehr selten. Ich fand nur drei Exemplare bei Oran in einem tiefen sandigen, von senkrechten Höhen umgebenen Thal an der Seeküste. Dort baut sich dieser schöne Scorpion eine Höhle iu den Sand, zwei Fuss tief unter der Oberlläche. Es führt zu ihr ein schmaler Gang, gerade nur breit genug für die Passage des Bewohners. Die Oeßhiiug des Ganges verdeckt meistens ein losgerissener Felssteiu. Wälzt man die dort zerstreut liegenden Steine fleissig um, so sieht man zuweilen den Scorpion, welcher an der Ocffnung seines unterirdischen Ganges lauernd in aller Eile die Flucht nach seiner Höhle nimmt. Man gräbt ihn dann leicht aus seinem Schlupfwinkel heraus. Unter allen Scorpionen der Regentschaft Algier soll der Stich dieser Art am gefährlichsten seyn, wofür auch die Stärke seines Stachels und Schwanzes spricht. Ich brachte ein schönes Exemplar in ein Gefäss mit einer Maus, die ihn zwar todt biss, aber bald selbst an seinen Stichen starb. Bei ähnlichen Versuchen mit Androctonus Paris blieben die gestochenen Mäuse am Leben. M. W.) 8. Androctonus Hcctor. Koch Arachn. VI. 1. r. 6. Tab. CLXXXI. Fig. 433. Gelb, die Hände und die Endglieder des Schwanzes braun; Vorder- unH Hinterleib gerieselt mit den Näthen und Kielen wie bei der vorhergebenden Art. Die Hände merklich dicker, als der Vorderarm, mit kurzen Fingern. Der Schwanz wie bei jener, aber das dritte, vierte und fünfte Glied stufenweis»; viel dicker. 26 Zähne an jedem Brustkamme. Länge des Vorder - uud Hinterleibes zusammen J5'/4, des Schwanzes 18 Linien. (A. Hector bewohnt nur die südlichen Gegenden der Regentschaft Algier. Ich erhielt einige schöne Stücke durch den Stabsarzt Herrn Guyon, welcher dieselben aus der Gegend von Biskara (unter dem 34° 32" nördl. Breite) erhalten hatte. Kin Araber brachte mir dieselbe Art aus dem Süden vou Tekedemt. M. VV.) 9, Androvtonus Paris, Koch Arachn. V. 2. p. 25. Tab. CLL Fig. 352. Ockergelb, die Kiele auf dem Vorder- und Ilinterleibe, sowie ein Schattenstreif seitwärts der äussern Rückenkiele dunkelrostbraun; die Finger und Tarsen hellgelb. Die Kiele des Vorderleibes regelmässig gekörnt; die Rückenschilde gerieselt mit drei gekörnte» Rückenkieleu. Der Schwanz lang, ziemlich gleichdick mit gezähnten Kielen, an dem untern Seitenkiel des Endgliedes die zwei Endzähne und der vierte Zahn vor diesen merklich grösser, als die andern; das Endglied unten kugelförmig und feinhöckerig mit etwas kurzem stark gebogenem Stachel. Die Taster laug, die Hände dicker als der Vorderarm mit schwach gebogeneu, massig langen Fingern. 25 bis 27 Zähne in jedem Brustkamine. Länge des Vorder-uud Hinterleibes zusammen 12—13, des Schwanzes 18 Linien. Variirt sehr und zwar so, dass sich die rostbraunen Zeichnungen nach und nach ganz verlieren, die Grundfarbe heller wird und endlich das ganze Thier hellgelb, mit etwas bräunlichem Schatten auf dem Körper erscheint. Tab. (Androctonus Paris findet sich in ungeheurer Zahl über das ganze Küstenland der Regentschaft Algier verbreitet. Ich fand ihn besonders bei Bona, Algier und Oran. Wie weit er in das Innere geht, ist mir nicht bekannt. In der Umgegend von Constantine sah ich sehr grosse Exemplare, ich fand dieselbe Art auch bei Beiida und Mascara. In den südlichsten Theilen der Regentschaft scheint er nicht mehr vorzukommen. Herr Guyon, Stabsarzt der afrikanischen Armee, erhielt von einem Araber, der die Stadt Biskara bewohnte, eine ganze Flasche voll Scorpionc in Weingeist. Es war aber kein Androctonus Paris darunter. Am häufigsten hält sich diese Art in den Ruinen der römischen Städte nahe an der Küste auf. Bei den Ruinen vou Rusgonia, östlich von Algier, fand ich sie in solcher Zahl, dass ich leicht ein paar hundert Stücke in einem Nachmittag hätte zusammenbringen können. Androctonus Paris hält sich unter grossen Steinen, auf trockenem Boden auf. Er macht ein ganz kleines Grübchen, damit der Druck des Steins ihn nicht beschwert. Mit ihm in Gesellschaft fand ich öfters Käfer, namentlich den Äcinopus obesus, der sich in seiner Nachbarschaft ganz gut zu vertragen schien. Der Stich dieses Scorpions ist nicht gefährlich. Die Araber reiben das gestochene Glied mit dem Saft eines getödteteu Scorpions. Nur einmal soll der Fall vorgefallen seyn, dass ein bei starker Sonnenhitze in den Kopf gestochener französischer Soldat gestorben. M. W.) III. Ordnung der Klinker. Familie der 0 p i l i o n i d e n. 10. Opilio Cirtaneus. Kocli Uebers. d. Arachnidensystems. Urft 2- Ziemlich eiförmig, gclhlichgrau, der Rückensattcl um Vorderende des Kopfes beginnend, etwas über die Hälfte des Hinterleibes sich verbreitend, von Farbe dunkelbraun, geigen-förmig, fein gelblichweiss eingefasst und ohne Seitenecken; in diesem Sattelfleck ein spindelförmiger Lnngsstreif weiss-Iichgelb, am Augenhügel beginnend uud den Sattollleck hinten durchschneidend; vor dem Augenhügel zwei Reiben scharfer Zähne. Die Taster gelblich, ohne astartige Ecken. Die Reine gelblich, Schenkel, Knie und Schienbeine vertrieben bräunlich, die Schenkel oben und unten mit einer Zahnreihe, Lange des Vorder - und Hinterleibes zusammen 4 Linien. Diese Art ist die einzige der Gattung Opilio, welche als, aussereuropüisch bekannt ist. Obschon die Thiere dieser Gattung durch ganz Europa verbreitet sind, so bieten doch die südlichem Gegenden andere Arten als die nördlichem dar. Eigentümlich ist, dass die aus Amerika bisher zu uns gebrachten Kanker sümmtlich deu Familien der Gonylochtiden und Cosmatiden augehören, die iu ihren Formen von allen andern ungemein abweichen. B. Aus der Classe der M y r i a p o d e n. Ordnung der Syngnathen. a) Familie der Scolopendriden. 1. Scolopentlra Scopoliana. Kopf, Fresszangen, Fühler, Rückeuschilde und die vier Hinterbeine braunschwarz, ins Olivenfarbige Ziehend; Bauchschilde und die übrigen Beine freiblich olivengrün; das ganze Thier glänzend; die Fühler mit 19 Gliedern; die fünf hintern Rückenschilde mit einer Seitenrandsfurche; an der Innenseite des ersten Gliedes der Hinterheine oben 4 oder 5 Zühnchen, an der Unterseite 9 solcher Zähnchen zu drei in drei Längsreihen. Länge bis zu «M/4 Zoll, meistens etwas kleiner. Tab. Bei seltenem Abarten geht die Färbe des Kopfes, des Halsschildes und der zwei oder drei Endringe ins Ockergelbe über, alsdann sind die Hinterbeine und überhaupt die Beine heller gelb. ( Man trifft diese Art sehr häufig am ganzen algierer Küstenstrich an. Sie hält sich am Tage uuter Steinen auf, gewöhnlich auf trockenen Hügeln oder auch Wiesen. Ihr Biss verursacht grossen Schmerz und eine starke Geschwulst, die aber von selbst wieder vergeht. M. W\) 2. Scolopentlra Gervaisiana. Blassockergelb, nur die Fangkralle der Fresszangeu schwarz und die Kralle der Beine rüthlich. Kopf und Körper glatt und glänzend. Die Fühler mit 17 Gliedern; an den fünf hintern Rückenschilden eine Seiteurandsfurche, die vordem dieser Furchen aber abgekürzt und in schwächerm Ausdrucke; das Endpaar der Beine dick, ohne kegelförmigen Fortsatz am Innenwinkel der Spitze des ersten Gliedes; an der Innenseite dieses Gliedes oben drei Zähnchen in einer Längsreihe, an der Unterseite vier Reihen solcher Zähuchen zu drei oder vier iu jeder. Länge 1 Zoll 4 Linien. Selten in der Gegend von Algier. Die Scolopender werden in grosser Ausbreitung gefun- den. In Europa bewohnen sie nur die südlichen Gegenden bis zum 40. Grad der Breite. Die bekannten grössern Arten sind mehr den Tropengegenden eigen, indessen scheint ein und dieselbe Art nur beschränktem Zonen anzugehören, uud die neuere Bezeichnung unrichtig, dass die in Ostindien vorkommende Sc. morsitans auch in dem mittägigen Europa zu Hause sey. b) Familie der Geo p Iii Ii den. 3. IAtkobius impressus. Rostroth, Kehle, Fresszangen und Beine rostgclh; die Fühler lang mit 43 bis 49 Gliedern, Kopf, Fresszaugen und die vordem Rückenschilde weitschichtig eingestochen punktirt, die Rückenschilde runzelig, die Endschilde mit kleinen spitzen Höckerchen bestreut; die vier hintern Zwischenschilde an den Uinterrandwinkeln zahnartig spitzig, die Winkel des vierten Zwischenschildes merklicher verlängert. Das Schenkelglied der Hinterbeine beim Weibe an der Spitze kolbig verdickt, beim Manne nicht dicker als die folgenden walzenförmigen Glieder. Länge 13 bis 15 Linien. Die bis jetzt bekannten Lithobieu sind lauter Europäer, die gegenwärtige Art also die einzige, welche bis jetzt in einem andern Welttheile entdeckt worden ist. Sie kommt an der ganzen Küste der Regentschaft Algier vor. 4. Geophilus rugulosus. Rostroth, bandförmig, gegen das Ende hin etwas schmaler, die Rückenschilde bis zum 45ten glatt, mit zwei Längsfurchen, die folgenden runzelig, die Runzeln in regelmässigen Falten; die drei Endschilde uud die dicken Hüften der Hinterbeine dicht gekörnt; die Fühler kurz und kegelförmig; 100 bis 116 Beine an jeder Seite, die Schlepp- oder Endbeine dünn und fadenförmig. Länge 3 Zoll, meistens etwas kleiner. (In der Gegend von Algier ziemlich gemein. Ich fand ihn am häufigsten im Kuhmist, seltener unter Steinen. M. YV.) 5. Geophilus fusatus. Rostbraun, Fresszangen und Beine etwas ins Ockergelbe ziehend. Die Fühler kurz und pfriemenförmig; der Körper spindelförmig, die Ringe oben mit zwei etwas genäherten Furchenstrichclchen und ein abgesetzter Strich seitwärts dieser; die Seitenschiidchen schmal; der Afterschild oben kugelig gewölbt; Beine 120 bis 122 an jeder Seite, das Endpaar pfriemenförmig mit dicken glatten und glänzenden Hüften. Lauge 5 bis 6 Zoll. Kleinere Thiere, welche eben so oft als obige, die Weibchen, vorkommen, haben eine Länge von 3 bis 3'/* Zoll, sind übrigens vou derselben Gestalt, die Fühler und Schlepp-heine aber merklich dicker. Diese zählen jederseits nur 97 bis 103 Beine. Wahrscheinlich sind die kleinern dickfühle-rigen die Männchen. (Geophilus fusatus fand ich auf der ganzen Algierer Küste von Bona bis Oran, auch iu den innern Gegenden, doch nirgends häufig. M. W.) Die Abbildungen der neuen Arachniden und Myriapoden s. auf Tab X und XI. Moritz Wagner*» Atgier. III. 15 Ueber die geographische Verbreitung der europäischen Land- und Siisswas-sermollusken mit besonderer Berücksichtigung der in der Regentschaft Algier gesammelten Arten. Von Professor E. A. Rossmaessler in Tlraraml. W enn naturhistorisch - geographische Untersuchungen überhaupt zu den interessantesten gehören, so ist dies ganz besonders der Fall in Beziehung auf die iu der Ueherschrift genannten Thiere. Dabei muss jedoch mehr als eine todte Statistik, die sich mit unfruchtbaren Verhältnisszahlen berumtreibt, erstrebt werden; und in der That darf man sich billig wundern, dass man sich bisher noch zu sehr mit den Zahlenergebnissen begnügte, anstatt den Ursachen tiefer nachzuforschen, wodurch jene bedingt werden. Freilich ist nicht zu verkennen, dass diese Ursachen selten in einem so klaren Zusammenhange mit den Zahlenergebnissen stehen, dass mau ihn oft und mit Sicherheit nachzuweisen vermöchte. Desto erwünschter muss es dem Forscher auf dem Gebiete der naturhistorischen Geographie seyn, in den Land- und Süsswassermollusken eine Thiergruppe kennen zu lernen, welche ganz vorzüglich zu dergleichen Forschungen geeignet ist. Der Verfasser gegenwärtigen Versuches, der sich seit sieben Jahren in seinen Mussestunden fast ausschliessend mit den europäischen Land- und Süsswassermollusken beschäftigt, hat vielfältig dabei Gelegenheit gehabt, diese neue interessante Seite der sonst fast verachteten Conchyliologie kennen zu lernen , und hat an vielen Stellen seines nun bis zum lOten Hefte gediehenen conchyliologischen Werkes *) kurze Beiträge dafür geliefert. Der ehrenvolle Auftrag seines geehrten Freundes, des Herrn Herausgebers dieses Werkes, war ihm daher eiue erwünschte Gelegenheit, die einzelnen Materialien zu sammeln und somit die einzelnen Züge der Molluskenphysiognomie der inittelmeerischeu Insel- und Küstenländer zu malen. Wenn das auf diese Weise zu Stande kommende Bild wenig mehr als ein blosser Schattenriss ist, so mag ihm wenigstens so lange einiger Werth beigelegt werden, bis er von einem mehr begünstigten Maler mit lebhaftem Farben ausgeführt werden wird. I. Brauchbarkeit der ßinnemnollusken zu naturhistorisch-geographischen Forschungen. Nicht todte Zahlen allein können das Wesen der natur- •) Ikonographie der Land- und Süsswassermollusken, mit vorzüglicher Berücksichtigung der europäischen noch nicht abgebildeten Arten. Heft I— X, mit 50 lith. Taf. Dresden und Leipzig, bei Arnold. 1835—183». historischen Geographie ausmachen, sondern vielmehr die Nachweisung des Abhängigkeitsverhältnisses der Thier- und Pflnn-zenartcn von ihrem Wohnorte und der darauf sich gründenden Vertheilung derselben, die sich allerdings zuletzt in Zahlen ausspricht. Diese Nachweisnng, bei andern Thier- und Pflanzen -gruppen meist so schwer, ist dies weniger bei den Land- und Süsswassermollusken, oder wie wir sie kürzer nennen wollen, Binnenmollnsken; wenn auch nicht geleugnet werden mag, dass das Abhängigkeitsverhältniss zum Wohnort«! sich oft mehr als ein in seiner Begründung noch nicht erklärtes Gebundenscyu an denselben, denn als ein ursächlich klar dargethanes Wech-selverhältniss kund giebt. Das heisst, wenn auch nicht immer angegeben werden kann, aus welchen Gründen eine llelixart gerade blos iu dieser Beschränkung vorkommt, so können doch meist oder wenigstens sehr oft mit Bestimmtheit die Gränzen dieser Wohnortsbeschränkung derselben angegeben werden. Versuchen wir zunächst kurz die Gründe anzugeben, warum dies der Fall ist, und welche wir in folgenden Punkten suchen müssen. 1) Die Binnenmollusken bilden eine kleine aus wenigen Geschlechtern bestehende in sich abgeschlossene, wenigstens auf dem trocknen Lande keine störenden Liebergangsformen zu Gebietsnachharn habende, Gruppe. Als solche ist die Gruppe zum Objcct der Betrachtung geeigneter, als eine andere, welche sich nicht so ersichtlich als abgeschlossenes Individuum darstellt. 2) Die Gruppe der Binnenmollusken enthält wesentlich blos zwei Formentypen, der Bivalven und Gasteropodeu, uud alle einzelnen Formen der Gruppe halten diese beiden Typen ungewöhnlich streng fest, wodurch das Auge des Beobachters genöthigt wird, das Unterscheidende der Gattungen und Arten mit um so grösserer Scharfsicht aufzufassen, und, dadurch geschürft, dann mit grösserer Leichtigkeit die geringen Schattiruugen der Formausprägung aufzufassen, welche von localen Einflüssen abhängen. 3) Die fast allen Binnenmolhisken eigene Kalkschale ist der Träger, an welchem sich sehr ersichtlich alle Localeinlliisse formell ausprägen, während das Thier selbst oft seine Form gegen diesen ungestört behauptet. Es reichen dabei oft geringe Unterschiede iu der Erhebung des Bodens, in der geographischen Beschaffenheit desselben, im Feuchtigkeitsgrade oder in der Vegetation hin, um auffallende Resultate in der Formausprägung der Schale hervorzubringen. 4) Die wenigen Gattungen, welche die Gruppe der Binuenmollusken bilden, sind fast alle reich au Arten, und viele dieser Gattungen gehören dem ganzen durchforschten Erdkreis an und bieten dadurch den überaus wichtigen Vortheil, untersuchen zu können, wie sich die tausendfältigen Localeinlliisse der Erdoberfläche an einer Gattung äussern (Helix, Achatina, Bulimus , Unio). 5) Die Binnenniolluskcn sind wegen ihrer trägen Lebensweise mehr als viele andere Thiere (ja selbst als die in ihren Samen unfreiwillig oft weit hinweggeführten Pflanzen) au ihren ursprünglichen Wohnort gebunden; es lassen sich daher mit grosser Sicherheit die Gränzen des Vorkommens der einzelnen Arten bestimmen; und mau ist dabei weniger in der Gefahr, zufällige Vorkommnisse für Regeln zu nehmen, 6) Die trägen mit einem fast durchgängig ziemlich grossen Fortpflanzungsvermögen begabten Mollusken sind in der Regel leicht und in grossen Mengen zu finden, und eiu emsi- ger Sammler, der die Lebensbedingungen genau keimt, kann daher nicht nur leicht grosse Mengen davon, sondern auch leicht die Fauna einer bestimmten Gegend annähernd sehr vollständig sammeln, und sich dadurch ein Urtheil darüber begründen. II. Werth der einzelnen europäischen Gattungen in natur-historisch - geographischer Hinsicht. Die Gattungen, welche die Küstenländer des Mittelmeeres bewohnen, sind folgende: a) Pelecypoden "). 1. An od mila. 2. Iridina. 3. Unio. 4. Tichogonia. 5. Cyclas. 6. Cyrena. b) OaUcropoden. 7. Ancylus. 8. Valvata. 9. Melanin. 10. Melanopsis. 11. Paludina. 12. Cyclostoma. 13. Neritina. •) Die Gattung Etheria ( E. Caillandii) scheint nur im obem Nil vorzukommen, und Lentichium Inn ist schwerlich eine Süsswasser-muschel, sondern kommt lebend wohl höchstens im brackischen' Wasser vor. Das Thier der letzteren Gattung ist, so viel ich weiss, noch nicht beobachtet. 14. Physa. 15. Lymnaeus. 16. Amphipeplea. ■ 17. Planorbis. 18. Succinca. 19. Achatina. 20. Carychium. 21. Auricula. 22. Clausilia. 23. Balea. 24. Pupa. 25. Vertigo. 26. Bulimus. 27. Helix. 28. Ilt'licopbauta. 29. Vitrina. 30. Tcstacella. 31. Limax. 32. Arion Diese 32 Gattungen der europäischen Molluskenfauna, die säinmtlicb auch den Mittelmccrküsten angehören, haben sehr verschiedenen Werth bei ilirer Würdigung für naturhisto-risch-geographisebe Untersuchungen. Den meisten Werth müssen diejenigen haben, welche in •) Wenn einerseits manche von diesen Gattungen, z. B. Helico-nlianta, als selhststündig in Zweifel gezogen werden können, so ist andererseits diesen 32 Gattungen noch eine oder die andere hinzuzufügen, die jetzt noch nicht die gehörige Würdigung gefunden haben. So /.. 1$. wiederhole ich, was ich schon Icon. I. S. 107. bemerkt habe, dass die Paladinen mit spiralem Deckel, wie z. B. P.naticoides, wohl von den Arten mit concentrisch geringeltem Deckel als Gattung zu trennen seyn dürften. der grüssteu Verbreitung durch zahlreiche Arten repräsentirt vorkommen, und am meisten von reisenden Sammlern beachtet worden sind. Diese sind zunächst: Helix und Clausilia, welche in ganz Europa, und namentlich in der südlichen Hallte, überall zahlreiche Arten darbieten, und mit welchen sich in dieser Hinsicht keine andere der genannten Gattungen messen kann. Die bis jetzt erschienenen JO Hefte meiner Ico-nngraphie enthalten von Helix 159, und von Clausilia 105. Hieran schliesscu sich zunächst Pupa und Bulimus an, von denen die Iconographie bereits 35 und 17 Arten enthält. Auch Unio muss, jeduch mit der ausdrücklichen Bemerkung mit Pupa und Bulimus anf gleiche Stufe gestellt werden, dass die die Zahl 20 noch nicht übersteigenden guten Arten dieser in Nordamerika vorzugsweise eiuhcimischen Gattung sich gewiss leicht sehr vermehren lassen würden, wenn man, was bis jetzt noch so sehr fehlt, in dem südlichen Europa mehr darnach forschen würde. Von deu übrigen der 32 Gattungen bieten nur noch Cy-clostoma, Paludina, Limnacus und Planorbis einigen Keich-thum au Arten in ausgedehnter Verbreitung dar. Der Werth der europäischen Gattungen der Binncnmol-lusken zu unserem Vorhaben wird, nächst ihrem lieichthum an Arten, noch durch den Grad der diagnostischen Schärfe ihrer Artausprägung bestimmt. In dieser Hinsicht muss zunächst bemerkt werdeu, dass hierin die Landbewohner auffeilend über den Wasserbewoh-nern stehen. Unter jenen stehen Clausilia und Pupa oben an, und selbst noch über Helix; unter diesen stehen iu diagnostischer Ausprägung am tiefsten Anodonta unter den Bivalven, und Limnacus unter den Gasteropoden. Mau kann zur Erklärung dieser auffallenden Erscheinung • summarisch vielleicht sagen: die Wassermollusken sind im Wasser, von dessen auflüslichen Beimengungen sie zunächst leben, einem wenigeren, einseitigeren* gewissermassen durch Concentration wirksameren Einflüsse unterworfen, dessen unabänderlicher Einheit sie sich nicht entziehen können. Die Laudschnecken dagegen sind einem zusammengesetzteren, durch die höchst mannichfaltig ändernde Luft-, Boden-, Vegeta-tions- und Feuchtigkeitsbeschaffenheit sehr mannichfaltig vielseitig wirkenden Einflüsse ausgesetzt, von dessen vielen Seiten oft eine die andere paralysirt, und sie selbst oft grossen Schwa 11 k im gen unterl iegen. Paludina vivipara musste in dem an Wasser, Bodenbe-schaffenheit, Lage u. dergl. so höchst eigenthümlicheii Kla-genfurter See nothwendig das eigenthümliche Gepräge ihres Geburtsortes an sich tragen, und schon eine Stuude davon, in dem aus drei See abgeleiteten blind endenden Lanilcanal ist die Beschaffenheit des Wrissers verändert genug, um dieser Schnecke wieder ein ganz anderes Gepräge zu gehen. Jedoch linden sich so grell hervortretende Wirkongen der localen Einflüsse auch zuweilen bei Laudschnecken; so ist z. B. Helix arbustorum um Tharand eine ganz andere als in der nur drei Stunden entfernten Dresdener Umgegend. Es würde daher in der diagnostischen Ausprägung zwischen den Land- und den Süsswassermollusken nicht der Unterschied stattlinden, wenn nicht hinzu käme, dass die NatnT in den lebhaften Farben und Zeichnungen und in der sonst vorkommenden Zahn- und Faltenbildung der Landschnecken-gehäuse bei deren Formenausprägung ein grosses diagnostisches Hülfsmittel hätte, was bei den Wassermollusken fast ganz fehlt. Ueberhaupt stehen, wenn man sich vergleichungsweise so ausdrücken darf, die Landschnecken in ihrer technischen Ausbildung unleugbar viel hüber, als die einfacheren nicht mit dem Erfindungsgeiste decorirten Süsswassermollusken. III. Verhältniss der mitteltnceriselien BinncnmoIIuskcn-Fau-na zu der des gesummten Europas. Wie alles Leben an Mannichfaltigkeit seiner Formen je näher den Polen desto mehr abnimmt, so auch die Binnenmollusken. Jedoch scheint dies nicht in demselben hohen Grade der Fall zu seyn, als bei dem Pflanzenreiche, und selbst bei andern Thiergruppen; d. h. die Zahl der bis jetzt in den nördlichen Ländern Europas entdeckten Mollusken bilden einen verhältnissmässig grösseren Antheil der gesammten europäischen Binueumollusken, als in andern Theileu der organischen Welt. Jedoch muss hierbei daran erinnert werden, dass man eigentlich erst angefangen hat, im Süden Europas Biniienmollusken zu sucheu. In England und selbst iu Schweden und Norwegen kommen von der im Ganzen nicht sehr bedeutenden Anzahl europäischer Biniienmollusken mehr vor, als man vorhinein anzunehmen sich berechtigt glaubt. Der Grund davon ist jedoch vielleicht sehr natürlich, namentlich was England angeht, in der ihnen zuträglichen Feuchtigkeit der Atmosphäre zu suchen. Jedoch ist die Zunahme der Biniienmollusken vom Norden nach dem Süden Europas hin immernoch sehr auffallend. Dabei ist jedoch gerade der Süden Europas noch zu wenig sorgfältig durchsucht, um entscheiden zu können, ob ihm der grösste Reichthum hierin zukommt. Das Wenige, was man m aus dem europäischen Süden kennt, berechtigt aber zu der Annahme, dass er an mannichfaltigcn und eigentümlichen Formen einen überaus grossen Reichthum besitze. Einigermassen vollständig kennt man höchstens die Molluskenfaunen von Deutschland, Frankreich uud der Schweiz, und auch hier giebt es noch grosse bisher noch undurchsucht gebliebene Districte. Dahin gehören vornehmlich die Pyre-näeiidepartements, Istrien und einige andere südöstliche Provinzen Oesterreichs und ganze Cantone der Schweiz. England, obgleich vorzugsweise mit ausgezeichneten Schriftstellern gesegnet, ist nur zum geringsten Theil durchforscht, Schweden und Norwegen ist erst durch Retzius und Nilsson aufgeschlossen worden; Dänemark, durch (). F. Müller zum classischen Roden erhoben, wird den ausgezeichneten dänischen Conchyliologen, an deren Spitze Prinz Christian steht, noch viel auszubeuten gewähren; das gesummte Russlaud ist noch fast ganz terra incognita; von Italien erhielt man bis jetzt fast nur flüchtig zusammengeraffte Beute, und was die pyrenäische Halbinsel bietet — wann werden wir darüber Auskunft erhalten? *) Wenden wir uns der reichen Inselwelt der östlichen Hälfte des Mittelmeeres zu, so wissen wir durch einige von dort uns zugekommene kostbare Entdeckungen eben nur so viel, dass wir von dort noch wenig wissen, aber viel erwarten dürfen. Dieses flüchtige trostlose Bild von der europäischen Mol-luskcnfauna sagt deutlicher, als ich es einzugestehen nöthig habe, dass Alles, was ich jetzt von derselben und von dem °) Vielleicht durch Webb (der jetzt eine Bekanntmachung nener spanischer Pflanzen ankündigt), da er früher mit Berthelot die Mollusken der canarisclven Inseln bekannt machte Verhältnisse der des 3Iittclmeerbeckens zu ihr sagen will, nur sehr unvollständig seyn kann. Sieht man sich unter den 32 europäischen Gattungen, (dabei sind die südöstlichen Küsten eingeschlossen) nach einer oder einigen für Europa charakteristischen um, so bleibt der suchende Blick sehr bald auf Clausilia haften. Von den 105 von mir abgebildeten und beschriebeneu Arten gehört nur Cl. inoesta Europa nicht an, und mindestens 10 bereits anderweit zu den 104 mir bekannt geweseneu europäischen hiu-zu gefundene Arten sind gegenwärtig anzunehmen. Ausser den wenigen an den jenseitigen Eiern des Mittelmeeres entdeckten Arten ist mir nur eine aussereuropäische Art (Cl. exiinia Zgl. aus China) bekannt. Was sonst noch von Fe-russac und Deshayes von aussereuropiiischon Arten dazu gestellt wird (collaris, torticollis, gargantua, evesa u. s. w.), gehört nicht zu der durch das Clausilium gut churakterisirtou Gattung. *) Jedoch wenn auch, was ich noch bezweifle, jenseits des Oceans ächte Clnusilieu gefunden worden sovn sollten, so ist doch die Gattung schon durch die grosse Mehrzahl der reineuropäischen Arten für Europa hinlänglich charakteristisch. Was davon in Syrien, der asiatischen Türkei, und in Nordafrika vorkommt, kann nicht dagegen angeführt werden, denn wie in der Botanik, so sind auch in der Conchyliologie die Küstenländer des Mittelmeeres naturhisto-risch nahe verwandt, und dürfen nicht getrennt weiden. Soweit mir bis jetzt diese Gattung, eine meiner Eieb-liiigsgatfungen, bekannt ist, so glaube ich das Verhältniss der *) Dr. L. Pfeiffer schreibt mir, dass er die Gruppe der Cl. collaris, torticollis etc. als Gattung Cvlindrella abtrennt, was nur gebilligt werden kann. europäischen (in dem eben erwähnten Mittelmcerumfang) zu den aussereuropäischon mindestens 100: 2 stellen zu können. Der Herd, gewissennassen die Clausilien- Werkstätte, ist in Dalmatien und den umliegenden Provinzen. Iiier kommen auch die prächtigsten und grössten aller bekannten Arten, Cl. mncarana, cattaroensis, laevissima, vor. Die grösste Ausbreitung von da scheint sich nach Süden und Osten zu erstrecken, wo auf den Inseln des Mittelmeeres zahlreiche Arten vorkommen. Nach dem Norden werden sie allmälig seltener, so dass Nilsson in Schweden nur noch 4 Arten aufzählt, darunter aber sonderbarer Weise die sonst südliche papillaris« Wenn demnach Clausilia als der Ilauptzug iu der Physiognomie der Fauna der europäischen Binnernnollusken angesehen werden muss, so lässt sich im Gegen theil auch mit grosser Sicherheit eine andere Gattung nachweisen, welche einen fremdartigen Zug bildet. Dies ist Achatina, welche in zahlreichen Arten auf die beiden Indien und Afrika vertheilt, und nur iu 6 Arten in Europa vertreten ist, von denen nur A. Poireti den Gattungscharukter ganz vollkommen ausgeprägt zeigt und eine ansehnliche Grösse hat. Die übrigen Arten sind kleine zum Theil nur zweifelhaft hierherzustellende Arten, gewissermassen Versuche der Natur, den fremdartigen Gattungscharakter in Europa einzuführen. Desswegen ist aber Clausilia ebenso wenig die am häufigsten und verbreitetsten als Achatina die am seltensten und eingeschränktesten erscheinende Gattung. Als jene gilt vielmehr unverkennbar Helix, als diese kann vielleicht Helico-phanta v. Testacella bezeichnet werden. Vergleicht man das Habituelle der europäischen Binnen- Mollusken mit dem der Mollusken anderer Weltteile, so ist hierin bei Mollusken aus gleichen Breitengraden kaum ein merklicher Unterschied. Die nordamerikanischen Ileliccs sind weder in der Farbe, noch in der Form und Masse von den europäischen Arten auffallend verschieden. Dagegen sind die Gehäuse der Mollusken aus dem Aequator näher liegenden Erdteilen durch Schönheit und Lebhaftigkeit der Farben x), durch Zierlichkeit der Formen 2), selbst durch sehr ausgeprägte Sculptur 3), Bedeckung4) und starke Zahnbildung vor den europäischen ausgezeichnet 5), europäische Familien erhalten in heissen Erdstrichen abenteuerlich gestaltete Gattungen °), europäische Gattungen ungewöhnlich gestaltete 7) oder besonders rein und schön ausgeprägte Arten 8). Ueberhaupt kann man nicht verkennen, dass die ganze Gruppe der Biniienmollusken in feuchten heissen Landstrichen vorzüglich häufig und mannichfaltig vorkommt, und man kann sie deshalb in Parallele mit den Farrenkräutern stellen; und, wenn ich dies hier auch mehr als Curiosum denn als wichtige Bemerkung hinwerfe, es erinnert die spirale Entwickelung des Farrcnwedels an die der Mehrzahl nach gewundenen Gastcropodengchäuse. . Wenn demnach der Wärmegrad eine sehr bedeutende ') H. haemastoma, Bai. gallina sultana. J) Cochlodina collaris, subula etc. 3) H. lima, malleata, zodiaca, concisa. 4j H. pellis serpentis. s) H. auriculata, avara, labyrinthus, imperator, contorta, lamel-lata, magica. B) Plectropborus, Vaginulus, Scarabus, Steganotoma. 7) Sncc. patula, Nerit. Corona. B) Acbatina, Bulimus. Rolle in der Entwicklung der Binnenmollusken spielt, so zerfällt demgemäss auch die europäische Fauna in eine südliche und in eine nördliche. Gleichwohl bemüht man sich bis jetzt vergeblich, eine Isothermcurve auf die Gränzbestimmung der nördlichen und südlichen Molluskenfauna Europas anzuwenden. Ebenso Werna: kann man eine der Schouw'schen Gränzlinien der be-zeichnendsteu europäischen Pflanzen als geltend Tür die nördliche Gränze der Südfauna der europäischen Mollusken anwenden. Auch die Isotheren-und Isochimenencurven können nicht unbedingt zur Lösung unserer Aufgabe verwendet werden. Dennoch bieten diese drei Mittel wenigstens einiges Anhalten. Von den Isotherencurven kommt die Curve -f- 15° C. der nördlichen Gränzlinie der Südfauna am nächsten; jedoch ist an ihr die südliche Declination in der Gegend von Nizza und ihre von der Lombardei an zu anhaltend südliche Neigung sehr widerstreitend. Diese Curve kann daher eigentlich nur von ihrem westlichen Retreten des europäischen Festlaudes bis zur Lombardei als sehr brauchbar für unsern Zweck gelten. Weit übereinstimmender zeigt sich die Schouw'sche Oel-baumgriinze, indem sie bis Croatien mit der zu bestimmenden Molluskengränze zusammenfällt. Von den Isochimenencurven erscheint die Curve -f- 5° C. deswegen und zwar auf den westlichen Hälften sehr übereinstimmend, weil sie die Westküste von Frankreich und den südwestlichen Theil Grossbritanniens mit einschliesst. Aber östlich von dem französisch - sardinischen Littorale an steigt sie viel zu sehr südlich herab, um auch weiter für unsern Zweck benutzt werden zu können. Ehe wir nun, diese Unterlagen benutzend, eine genauere Eintheilung Europas in eine südliche und in eine nördliche Hälfte rücksichtlich der Biniienmollusken versuchen, muss zunächst die Hindeutung vorausgeschickt werden, dass die südliche Hälfte an Flächeninhalt viel unbedeutender erscheinen wird, als die nördliche; uud dass dieselbe, die südliche Hälfte, so ziemlich gleichgeltend mit dem Küstenlande des Mittel-mecres sich darstellen wird. Dass die südliche Hälfte des Couch)Iien- Europas beträchtlich geringer ausfällt, als die nördliche, hat seinen Grund jedenfalls in klimatischen und tellurischen Verhältnissen, welche leider noch nicht so gänzlich in ihrer ursächlichen Beziehung zum Molluskcnvorkomineii ersforscht sind, als dass sie hier hinlänglich dargelegt werden könnten. Gross ist jedenfalls die Rolle, welche das Meer dabei spielt, sonst würde sich der Reichthum an Molluskenformen tiefer iu das Gebiet des Landes hineinerstrecken; und sicher ist die Peninsu-larität Italiens ein Hauptgrund für eine reiche Molluskenfauna. Diese Ansicht scheint dadurch bekräftigt zu werden, dass an der Nordküstc Frankreichs, und an den meisten englischen Küsten H. variabilis vorkommt, die, wenn auch ziemlich weit in das Innere Frankreichs vordringend, doch in besonderer Vorliebe an den mittelmeerischen Küsten lebt. Für die Bestimmung des europäischen Molluskencharakters ist in Beziehung auf die nördliche Hälfte Europas der breite Alpen-gürtcl von der westlichen Pyrenäenspitze bis in das Banat als bedingende Scheidewand sicher von grossem Einfluss. Denn erst von ihm südlich abwärts beginnt so recht eigentlich der südliche Charakter Europas und können also erst die obcü als wärmeliebende Thiere bezeichneten Mollusken sich recht entwickeln. Es wäre vielleicht zweckmässig, Europa in drei parallele Gürtel zu theileu, wenn dies nicht eine genauere Bekanntschaft mit dem Vorkommen der Binneninollusken erheischte, als man sie leider bis jetzt hat. Alsdann würden die Pyre-näeu mit ihrer nördlichen Abdachung, die Sevennen, der Jura, die Schweizer Alpen, die Tiroler und Salzburger Alpen, die Alpen des Königreichs Illyrien mit ihren Abdachungen ungefähr den Kern der westlichen Hälfte dieses Mittelgürtels ausmachen; während es, hei der ^mgclhuftcn Kenntniss des Molluskenvorkommens in Ungarn, Siebenbürgen und der nördlichen Türkei und von da bis zum Kaukasus, sehr schwer ist, bis zur östlichen Gränzc Europas diesen Mittel-gürtol fortzuführen. Vor der Hand scheint es daher geratener, diesen Mittelgürtel als indifferente Gränzlinic anzunehmen, und dessen nördliche Abdachung der nördlichen und die südliche der südlichen Hälfte Europas beizuzählen; wobei noch überdies zu bemerken ist, dass niemand mehr als ich fühlt, dass dieser Versuch als solcher unvollkommen ist, und bei dem allenthalben erwachten regen Eifer für die Binneninollusken bald wichtige Berichtigungen und Ergänzungen erfahren wird. Demnach gehören folgende Länder der südlichen Hälfte Europas an: 1. Die pyrenäische Halbinsel; 2. die südlichsten Depar-pements Frankreichs, namentlich die an das aquitanische und , an das Mittclineer glänzenden; 3. Italien mit der südlichen Abdachung der Alpen; 4. das Königreich Illyrien mit Croa-tien, Istrien und Dalmatien; 5. die südliche Türkei; 6. Grie-Mohitz Wagnek's Algier. III. chenland; 7. das Küstengebiet des schwarzen und caspischen Meeres; 8. die Inseln des Mittclmecres. Wenn man nun das Landgebiet des Mittelmeerbeckens von der Küste doch wenigstens 20—30 Meilen landeinwärts annehmen darf, so fallen nur 1. 2. 4. 5. und 7. theilweise nicht auf dasselbe, uud man kann annähernd das Gebiet des Mittelmeerbeckens als identisch mit der Molluskensüdhälfte Europas ansehen. Dabei ist aber zu bemerken, dass wohl das ganze übri-ge französische Küstenland in gewisser Beziehung selbst einige britische Küstenländer^ ebenso dem Molluskensüden Europas in dem Molluskensinue zugerechnet werden können, wie andererseits mancher Landstrich der Südhälfte dem Molluskenvorkommen nach der Nordhälfte angehören mag. Ja weifte man sich sehr von einzelnen Arten bestimmen lassen, so würde man ganz Frankreich für südlich erklären müssen, denn fast durch ganz Frankreich ist die wesentlich südliche IL, adspersa verbreitet, die auch in Grossbritannien fast überall vorkommt. Ich erinnere nochmals an den gerühmten grossen EinfluSS des Meeres. Denn das den über den unermess-lichen Ocean herwehenden Luftströmungen ganz offene Frankreich wird, wie England, sicher dadurch der Molluskenpro-duetion günstiger, als die in gleicher Breite gelegenen östlichem Länder Europas. Ehe wir nun zur Fauna des Mittelmeerbeckens, und somit zu der Aufgabe dieser Seiten zurückkehren, versuche ich noch, einige Unterscheidende Züge der nördlichen Fauna hervorzuheben. Die Binnenmollusken der nach unserer Weise begrenzten nördlichen Hallte von Europa sind an Arten und Gattungen weniger zahlreich, und, wie ich mit vieler Zuversicht auszusprechen wage, in ihren diagnostischen Formen beharrlicher, d. h. weniger zu schwankenden sogenannten Mittelformen und Varietäten geneigt. Allein nehme ich von letzterer gewiss höchst interessanter Regel die Bivalven und Limnaccn aus, welche ersteren, namentlich Unio und Ano-donta, in den Gewässern der nördlichen Hälfte Europas zahllose oft den Forscher zur Verzweiflung bringende Wandel-formeu bieten. Zugleich aber gehören überhaupt die Bival-ven und Limnaeen sehr überwiegend der nördlichen Fauna an, zum Theil vielleicht deswegen, weil hier die Gewässer, namentlich die kleineren Räche, Teiche, Lachen und Sümpfe nicht so wie in dem südlichen Kuropa Austrocknungen ausgesetzt sind, und somit weniger Hemmungen der Mollus-kenentwickelung bieten. Den Grund für die grössere Beharrlichkeit der nördlichen Arten finde ich unbedenklich eben in der nördlicheren Lage ihres Wohnoites; denn dieselben, in ihrem innersten Wesen uns freilich unerforschlichen, Gesetze, welche je näher der heissen Zone desto mannichfaltigere Molluskenfor-meu hervorrufen, müssen auch im südlichen Europa in ihrer Weise wirksam seyn, und zwar zunächst durch Umformung und Zerfällung der Arten in sogenannte Varietäten, Ueher-gangs-, Wandel - oder Zwischenformen. Dass aber die Temperatur, wenn auch dabei das Hauptagens, dieses Wunder nicht allein wirkt, sondern vielmehr die Gesammtheit der südlichen Lage, wozu tausend Dinge, und nur als Seele die Temperatur gehört, bedarf wohl kaum der Erwähnung. In der nördlichen Fauna kommen die Typen für viele in der südlichen weiter ausgeprägte Arten, Gattungen oder Gruppen vor. So bildet z. B. für eine ziemlich grosse Gruppe südlicher 10« | Arten un<] Formen die nördliche Helix pomatia den, hier in der nördlichen Hälfte immer sich gleich bleibenden Typus; dasselbe gilt von II. ericetorum, verticillns, Achatina lubrica, Clausilia bidens u. s. w. In der nördlichen Fauna fehlt die ausgezeichnet schöne Gruppe derjenigen llelicos, von welcher man II. fuetens Pfeift0. (Iconogr. t. VI. f. 92.), die allein bis über die Grunze in das nördliche Gebiet streift, als Typus ansehen kann. In dieser Gruppe fehlt der nördlichen Fauna ein H 14. Amphipeplea 0 . . 1 11 15. Planorbis 4 . . 12 11 16. Succinea 1 , . 3 11 17. Achatina 4 3 11 18. Carychium 2 . . . 2 11 19. Auricula 2 . . . 0 11 20. Clausilia 91 . . , 15 11 21. Balea 1 11 22. Pupa 30 , 10 11 23. Vertigo 1 . . . 5 11 24. Bulimus 17 , . . 3 11 25. Helix 155 , 42 55 26. Helicophanta 0 . . • 2 !> 27. Vitrina 0 .4 11 28. Testacella 1 1 11 29. Limax 2 11 11 30. Arion 0 . . . 2 11 369 Arten. 166 Arten. Von den nordischen Arten kommen wenigstens 39 auch im Süden, von den südlichen aber nur 10 auch im Norden vor. Demnach fänden sich in Südeuropa überhaupt 42S und in Nordeuropa 176Arten, und es verhält sich also die nördliche Fauna zur südlichen ungefähr wie l'/s : 2J/t- Dass sich dieses Verhältniss für Südeuropa immer günstiger gestalten wird, ist mit Cewissheit vorauszusehen, denn man wrird im Süden von Europa (der kaum den vierten Theil so sehr durchforscht ist als die nördliche Hälfte) gewiss 4 neue Arten entdecken, wenn man in Norden 1 entdeckt, und man kann daher ziemlich zuverlässig das Verhältniss 1 : 3 stellen; um so mehr, als man von den 166 auf Nordeuropa geschriebenen Arten gewiss noch weit mehr als ich angab (59) im Süden finden wird, dagegen gewiss nicht viel mehr von deu südlichen — (10) — im Norden. Bisher ist aber hierbei, die Regentschaft Algier ausgenommen, nicht auf das afrikanische Küstengebiet des Mittelmeerbeckens Rücksicht genommen, welches man zoologisch wie botanisch dem südeuropäischen als sehr congruent ansehen muss. (Daher erscheinen auch die Gattungen Iridina und Cyrena hier nicht.) Leider aber fehlen hier hinreichende Unterlagen, indem ausser der Olivier'schen und der Morea-Expcdition fast Niemand dort gesammelt hat, ausgenommen das, was Dr. Erdl aus München in Gesellschaft des Professors von Schubert in Syrien und früher Ehrenberg gesammelt hat. Unter der Erdl'schen mir vorliegenden Ausbeute befinden sich einige neue Arten (Clausilia und Bulimus), deren Bekanntmachung sich Ehrenberg selbst vorbehalten wollte. Jedoch schon das Wenige, was man von der Östlichen Ausdehnung des afrikanischen Küstengebietes kennt, reicht hin, um davon eine wesentliche Abweichung dieser von der algierschen Molluskenfauna zu erkenuen. Denn wahrend durch Iridina nilotica, Valvata carinata, Helix desertorum Forsk. und einige andere die ägyptische Fauna zu einem fremdartigen Zuge in der Physiognomie der Fauna des Mittol-mcerbeckcns wird, ist die Molluskenfauna von Algier von rein europäischer Geltung. Mau verdankt diese interessante Bereicherung der Wissenschaft ausser unserem Reisenden einer Anzahl französischer Naturforscher; und wenn in diesem Augenblicke, da ich dies schreibe, der Besitz der Provinz den Franzosen mit Erlolg streitig gemacht wird, so wird keine Macht derselben den Ruhm streitig machen können, auch hier, wie es ihre ehrenhafte Sitte ist, neben dem blutigen Lorheer auch das friedliche Reis wissenschaftlicher Eroberungen gewonnen zu haben. Leider fehlt fast gänzlich eine hinreichende Kenntniss der spanischen Mollusken, um durch sie, was keinem Zweifel unterliegt, die Verknüpfung der algierschen Fauna mit der europäischen noch inniger herzustellen. Von der algierschen Molluskenfaima besitzen wir aber bereits 2 Mitteilungen, von Michaud (Catalogue des tcstes d'Algerie etc.) und von Terver, (Catal. d. Moll. terr. et fluv. observes dans lcs possessions frauc. au nord de l'Afriqüe. Paris et Lyon 1839 mit 4 lith. Tafeln.) Bei folgender Aufzählung der algierschen Mollusken folge ich dem letzteren Werkchen allein, da ich das erstere nicht besitze. 1. Limax. 1. L. agrestis Dr. — 2. L. Gagates Dr. — 3. L. uov. sp. — 4. L. nov. sp. 2. Testacella. 5. T. halitidea. F. B. 3. Succinea. 6. S. amphibia Dr. 4. Helix. 7. H. naticoides Dr. — 8. II. melanostoma Dr. — 9. II. candidissima Dr. — 10. II. aspersa M. — 11. vcrmicu-lata M. — 12. II. muralis M. — 13. II. feirtae Terv. (II. vermiculata var. Cirtae Rossm. Icon. IX. X. t. 40. f. 592.) — 14. II. zaßarina Terv. (11. Dupotetiana var. Rossm. Icon. IX. X. t. 41. f. 552.) ~ 15. H. Dupotetiana Terv. — 16. II. arabica T. — 17. II. lacteaM. — 18. II. hispanica Mich. (11. lactea var. Rossm. Icon. IX. X. t. 41. f. 549 — 550. — 19. II. Ineroglyphicula Mich. — 20. II. Juiuieti Terv, (H. Wagneri Rossm. Icon. IX. X. t. 42. 1. 554.) — 21. H. ala-bastrites Mich, (cum II. soluta Mich.) — 22. II. Gougeti Terv. — 23. II. Jeannotiana Terv. — 24. II. cariosula Mich. — 25. II. Boissyi Terv. — 26. II. leuticula Fer. — 27. II. pulchella M. — 28. II. rupestris Dr. — 29. II. cellaria M. — 30. II. crystallina Dr. — 31. H. lauuginosa de Boissy.— 32. II, flava Terv. — 33. II. conspurcata Dr. — 34. II. striata Dr. = 35. II. Terverii Mich. — 36. H. neglecta Dr. — 37. H. cespitum Dr. — 38. 11. variabilis Dr. — 39. II. subro-strata Fer. — 40. II. globuloidea Terv. — 41. II. pisana M. — 42. H. pyramidata Dr. — 43. II. maritima Dr. — 44. II. alhella Dr. (II. depressula Parr. Rossm. Icon. IX. X. t. 42. f. 562.) — 45. H. Rozeti Mich. (II. amanda var. cfr. Rossm, Icon. VII. t. 32. f. 449.) — 46. II. elegans Lani. - 47. H. coiiica Dr. — 48. II. conoidea Dr. 5. Bulimus. 49. B. decollatus Dr. — 50. B. Pupa Bing. — 51. B. Jeannotii Terv. — 52. B. acutus Dr. — 53. B. veutricu-sus Dr. 6. Achatina. 54. A. Poireti Fer. — 55. A. folliculus Lam. 7. Pupa. 56. P. granum. Dr. — 57. P. Michaudii Terv. — 59. P. umhilicata D. 8. Vertigo. 59. V. Dupotetü Terv. (Pupa rupestris [Bul.] Phil. Rossm. Icon. IX. X. t. 49. f. 637.) 9. Cyclostoma. 60. C. Voltzi anuin Mich. — 61. C. sulcatum Dr. 10. Plunorbis. 62. PI. leucostoma Mich. — 63. PI. marmoratus Mich. — 64. PI. hispidus Dr. — 65. PI. nov. spec. 11. Physa. 66. Ph. acuta Lam. — 67. Ph. contorta Mich. 12. Limnaeus. 68. L. palustris Dr. — 69. L. leucostoma Mich. — 70. L. minutus Dr. 13. Ancylus. 71. A. fluviatilis. 14. Melanopsis. 72. M. laevigataLam. (M. praerosa L. Rossm. Icon. IX. X. t. 50. f. 676. 677.) — 73. M. Dufourci Fer. 15. PaTudina. 74. P. similis Dr. — 75. P. acuta Dr. — 76. P. idria Fer. — 77. P. nana Terv. — 79. * P. viridis Dr. 16. Neritina. 79. N. fluviatilis Dr. — 80. N. Prevostiana F. 17. Unio. 81. U. Iittoralis Dr. — 82. U. pictorutn L. 18. Cyclas. 83. C. calyculata Dr. — 84. C. fontiualis Dr. Diesen 84 Arten kann ich nur noch II. xanthodon Anton, hinzufügen *). Nur wenige Arten dieser kleinen algierschen Molluskenfauna besitze ich nicht selbst, und diese wenigen kenne ich ausser Liinax 2 nov. sp. Planorbis marmoratus, PI. nov. sp., Physa contorta, Palud. nana und Melanopsis Dufourci, wenigstens aus Abbildungen; es ist mir also vou der Seite wenigstens ein Urtheil über die Fauna von Algier begründet. Von allen diesen Arten (wobei ich natürlich immer die 7 mir unbekannten unberücksichtigt lassen muss) ist keine einzige den Typen der südeuropäischen Mollusken widersprechend, sondern alle schlicssen sich mehr oder weniger innig an sie an. Die meisten davon kommen auch in Südeuropa vor, ja einige sind sogar sehr weit verbreitete europäische Arten, nämlich: Succinea amphibia, Hei. adspersa, pulchella, rupestris, cellaria, striata, variabilis, pisana, pyramidata, co-nica, Uul. decollatus, Pupa, ventricosus, acutus; Achatina Poireti; Plan, leucostoma; Limnacus palustris, minutus; Ancyl. •) Davon sind in Heft IX. X. meiner Iconographie meist nach Wagner'schen Exemplaren abgebildet und beschrieben : No. 8. 9.13. 14. 15. 17. 18. 19. 20. 21. 23. 24. 31. 32, 35. 44. 57. 59. 72. und H. xanthodon, zusammen 20. fluviatilis; Pal. viridis; Nerit. fluvatilis; Cyclas calyculata, fon-tinalis. So weit ich von diesen weit verbreiteten Arten al-giersche Exemplare gesehen habe, so stimmen dieselben zum Theil selbst bis zum Verwechseln mit deutschen überein. Andere tragen den Stempel ihrer Nationalität, so sind z. Ii. II. melanostoina, lactea und candidissima grösser und schöner als iu Europa. Ausschliessendcs Eigenthum von Algier scheinen nur folgende Arten zu seyn: II. Cirtae, Dupotetiana, arahica, xan-thodon, hieroglyphicula, Juilleti, alabastritcs, Gougeti, Jcunno-tiana, lanuginosa, globuloidea, Buk Jeaunotii, Pupa, Michau-dii, Cyclostoma Voltzianuni, Plan, marmoratus, Palud. nana und die 3 uiilienanutcn neuen Arten. So weit ich diese kenne, weicht höchstens II. Jeannotiana auffallend von europäischen Verwandtschaften ab, denn ihr sehr weiter Nabel verhindert, sie geradezu als eine Fortbildung von der ihr sonst ähnlichen cariosula zu betrachten, obgleich sie unverkennbar zwischen dieser und depressula stellt. H. Cirtae ist nur eine Varietät von vermiculuta, welche unverändert bei Bona, also dem Mutterlande näher, vorkommt. H. Gougeti ist ein Glied der Gruppe, wohin II. lenticula, lens, barbula, barbata, Ilangiana und contorta gehören. II. lanuginosa schliesst sich an die Verwandtschaft der europäischen II. lurida und incarnata an. H. globuloidea ist ein Glied der lubyriuthischen Gruppe von variabilis. Bulimus Jeaunotii erinnert an B. assimilis. Pupa iMichaudii erinnert augenblicklich an manche Pyrc-näenspecies. Cycl. Voltzianum schliesst sich unmittelbar an das spanische ferrugineum an. Von höchstem Interesse ist es aber, dass die Gruppe von II. vermiculata eine so grosse Rolle in der algierschen Molluskenfauna spielt, und dieser unverkennbar ihren Charakter giebt. Dieser Gruppe gehören folgende Arten an: II. lactea mit zwei abweichenden Hauptformen, II. vermiculata mit der var. Cirtae, 11. Dupotetiana, II. xanthudon, II. arabica, II. Juilleti, II. hieroglvphicula. Ich habe diese sieben Arten in verwandtschaftlicher Zusammenstellung abgebildet, um daran nachzuweisen, wie augenfällig sich in gewissen Gruppen die Arten als Fortbildungen von einander darstellen. Dass ich II. vermiculata als namengebende Art für die Gruppe wühle, und nicht vielmehr II. lactea, geschieht deshalb, weil erstcre olfenbar eine viel grössere Verbreitung hat, allmälig vom Norden zum Süden herabsteigt (denn sie ist schon in Frankreich sehr weit verbreitet und kommt von Istrieu bis in die Türkei vor), und in einer näheren verwandtschaftlichen Abstammung mit II. hortensis und nemoralis steht Wie sich einzelne Arten in verschiedenen Gegenden vertreten , nachdem die vertretende von der vertretenen oft noch eine Strecke weit begleitet worden ist, so scheinen auch ganze Gruppen von einander verdrängt und vertreten zu werden. II. hortensis hat ihre Gruppe in nemoralis, austriaca und silvutica. Wie 11. hortensis allmälig nach dem Süden hin von vermiculata, als südlicher vollkommner Form ersetzt wird, so hört gegen den äussersten Süden Europas allmälig ihre ganze Gruppe auf, und es tritt an ihre Stelle die vou vermiculata. Bemerkenswert!! ist dabei, dass II. vermiculata und la- ctea, als weiss- und braunlippigo, in einem ähnlichen obgleich nicht so innigen Parallelismus stehen, wie hortensis und nemoralis, und dass vermiculata eben so mehr nördlicher Natur ist als lactea, wie anscheinend hortensis mehr als nemoralis; denn Nilsson sagt, dass in Schweden hortensis häufiger ist, und auf der andern Seite verschwindet nach Süden hin hortensis früher als nemoralis. Wenn oben gesagt wurde, dass die Gruppe der II. vermiculata der algierschen Fauna den Charakter gebe, so ist schon dadurch erwiesen, dass diese mit der europäischen in vollem Einklänge stellt, und nur als südlichere Fortbildung der letzteren zu betrachten ist. Auf unserer Tafel ist Fig. 2. die normale II. vermiculata und der Typus für die Gruppe. Leider konnte ich kein al-gierschcs Exemplar zeichnen, da aber Terver, der sonst immer die habituellen Abweichungen erwähnt, bei vermiculata gar nichts bemerkt, so kann mau annehmen, dass sie dort normal vorkommt. Links Fig. 1. ist die kleine Varietät Cirtae *). •) Icli hin der Meinung, dass man das Wort Varietät in>u weiter Bedeutung misshraiicht. So sind z. Ii. die zahllosen sogenannten Bänder-Varietäten keine Varietäten, sondern nur individuelle Abänderungen. Varietäten werden immer durch äussere Kiniliisse hervorgebracht, individuelle Abänderungen gewissermassen durch innere Autonomie. Die kleine Alpenform von II. aibustorum ist eine vom Wohnorte bedingte Varietät, eine händerlnse oder 1-, 2-, 3-, 4bänderige II. nemoralis, ist immer noch ächte nemoralis, also individuelle Abänderung, die zwar nicht willkürlich, aber sicher unabhängig von der Ans -senwelt 1, 2, 8, 4 oder alle 5 Bänder verfehlt hat Das gewiss mehr, als wir glauben, freie Walten der Natur spricht sich noch dadurch aus, dass so zu sagen der Spielraum individueller Abänderungen in verschiedenen Gegenden sich verschieden ausspricht, und dadurch, ich möchte sagen, eine Verbindung zwischen Varietät und individueller Abänderung vermittelt. So ist z. B. bei II. austriaca von Sachsen bis Fig. 6. ist die normale H. Dupotetiana, welche ebenso, obgleich in selbstständigerer Geltung, vermiculata mit lactea (Fig. 10.) verbindet, wie die bekannte II. hybrida durch ihr schmuzig lleischrothes Peristom zwischen die weisslippige hortensis und die brnunlippige nemoralis tritt. Sie unterscheidet sich von II. venu, durch die gefärbte Lippe und den entwickelten Spindelrandhöcker (wodurch sie der lactea gleich kommt), von lactea durch das nach aussen stets scharfe Peristom (wodurch sie der venu, gleichkommt). Fig. 5. ist eine weisse kleinere Varietät, vielleicht nur individuelle Abänderung von Dupotetiana — (es ist die II. zaffarina Terv.) — welche zur Grundform (Fig. 6.) sich verhält, wie die bekannte, hier nicht abgebildete, weisse Form von vermicul. zur normalen , und wie die weisse Form von II. lactea (F. 7.) zur normalen. Beide beweisen, dass ähnliche Arten oft einen gleichen Spielraum für Abänderung haben. Fig. 3. II. arabica Terv. stimmt in den Verhältnissen der Mündung mit Dupotetiana überein, und ist unverkennbar von ihr eine Fortbildung, aber das von Terver in der Diagnose beider übersehene, aber sehr gut von ihm abgebildete, auffallend langsam zunehmende Gewinde, und die kugelige Gestalt erhebt sie zur Art, und stellt sie zu vermiculata in Laibach der Spielraum individueller Abänderungen auf eine geringe Verbreitung oder Verschmälemng und Tiefe der Farbe der fünf Bänder beschränkt, höchst selten fehlt eins, nie vertliessen dieselben, nie fehlen sie ganz- dagegen in Albanien, darin nemoralis nachahmend, die Bänder nach derKeihe verschwinden und einzeln oder alle zusammen-fliessen, Kigenthiimlich verhalten sich die sogenannten Blendlinge, bei denen eine krankhafte Disposition angenommen werden muss, wodurch die Farbenbereitnng für den Gehäusebau gestört ist. Sie sind demnach mehr individuelle Abänderungen als Varietäten, doch anders bedingt. dasselbe Verhältniss wie Juilleti zu lactea. Es fehlt nur noch eine weitere Fortbildung des Typus von Dupotetiana zu einem Aequivalent von bieroglyphicula, d. h. zu einer kleineren Art. Jedoch die fleckige Zeichnung von arabica scheint sie zum Aequivalent von bieroglyphicula zu machen, uud es fehlte dann ein Aeipfivalent für Juilleti. Fig. 7. H. xaiithudon ist ein Schritt weiter von Dupotetiana über ihre weisse Varietät hinweg, und nähert sich durch die auffallend kleine und enge Mündimg au bieroglyphicula (F. 8.) Fig. 11., wrelche Toner mit dem Namen II. hispanica*) anführt, kann ich vor der Hand nur für Varietät von lactea und als ein Verbindungsglied dieser mit der ächten hispanica (s. Anmerkung) halten. Sie bedingt den Uebergang zu Fig. 12. II. Juilleti, die hinreichende Artselhstslämlig-keit iu dem auffallend langsamen Zunehmen der Windungen und in der kleinen Mündung bat. Fig. 8. Delix hierugh'phieula (die weit schöner ist als ihr Name), obgleich als Art im höchsten Grade selbständig, schliesst sich doch durch die vorige an Juilleti an, durch Ue-bereinstimmung mit beiden in den beiden angegebeneu Kennzeichen. Sie hat das Eigenthiiinliche, dass fast immer die drei oberen Bänder mehr oder weniger in marmorartige Flecke aufgelöst und das 2te und 3te fast immer verbunden sind. Die •) TT. hispanica ist eine andere Schnecke, und zwar ein spanische Fortbildung des Typus von lactea zu einer eigenen Art. Sie ist abgebildet Icon. VII. VIII. t. 33. 1'. 4<>0. und eine Var. davon i\. X. t. 40. f. 591. Allerdings steht ihr vorliegende Kig. 11. zunächst, und diese ist unverkennbar dire afrikanische Ausprägung. II. hispanica hat aber eine völlig andere Zeichnung, und eine ungefärbte Mündungswand. mittelsten Umgänge sind sehr stark verflacht, so dass man mit Grund vermutheil kann, dass halbwüchsige Exemplare einen Kiel haben. So haben wir denn hier eine kleine Gruppe gemustert, in welcher alle Arten in verwandtschaftlicher Verknüpfung stehen, und zwar sind Dupotetiana, xanthodon und arahica als Fortbildungen von vermiculata, dagegen Juilleti und hicrogly-phicula von lactea zu betrachten. Zwar nicht eigentlich dazu gehörig, aber doch in hiero-glyphicula sich ihr anschliessend ist II. alabastrites (Fig. 4.), die namentlich der seharfbändorigen Form letzterer sich ziemlich eng anschliesst. Offenbar aber ist alabastrites, von der zwei, eine fünfbänderige und eine bänderlose, gestaltlich ganz übereinstimmende Formen vorkommen, sehr nahe mit der süd-curopäischen II. splendida verwandt, und als deren afrikanische Stellvertreterin zu betrachten. Letztere ist unter Fig. 13. zur Vergleichung dargestellt. Als ein zweites Beispiel südlicher Fortbildung einer nördlicheren Art ist Fig. 14. Cy-clostoma Voltziunum neben ferrugineum (Fig. 15.) gestellt. So ist denn die Molluskenfauna von Algier ein neuer Beleg für die Ansicht, dass es für die Systematik von hoher Wichtigkeit seyn muss, die Verwandtschaft der Naturkörper bis auf ihre unterste Gliederung, die der Arten und der Abarten, zu verfolgen. Nur wenn man die Verwandtschaft und Fortbildung der Arten unter einander durch sorgfältige Vergleichung studirt hat, vermag man mit Glück in den höheren Eintheilungsgradeu zu ordnen. Leider aber hat man bis jetzt meistentheils mehr nach künstlichen Principien als nach der natürlichen Verwandtschaft die Arten in den systematischen Werken zusammengestellt. Möchten doch ähnliche glückliche Verhältnisse es gestat-Moritz Waoneh's Algier, tlf. 17 m ten, dass die afrikanischen Europa gegenüberliegenden Küstenländer auch nach und nach conehyliologisch untersucht werden könnten; und fast möchte man der Wissenschaft wegen eine französische Intervention in dem bejammerswertben herrlichen Spanien wünschen, damit man endlich die ohne Zweifel ausserordentlichen conehyliologischen Schätze dieses Landes kennen und mit den afrikanischen und denen anderer südeuropäischer Länder in Uehereinstimmung und Verbindung bringen lernte. Da die von unserem Reisenden mitgebrachten und mir mitgetheilten Mollusken sämmtlich bereits abgebildet und beschrieben sind, beschränkte ich mich auf die nicht in'speciel-ler, sondern mehr in systematischer Absicht beigegebenc Tafel. Möchte übrigens mein Versuch, dessen grosse Mangelhaftigkeit, ja Rohheit, ich selbst am besten fühle, seiner ehrenvollen Stelle nicht durchaus Schande machen. Ich wage aber von den Lesern eine nachsichtsvolle Benrtheilung zu hof-feu, weil das Gebiet, auf welches ich hier die Conchyliolo-gie versetzt habe, für sie ein fast noch ungebahutes ist. Wie ich mich nun nicht wundern werde, wenn nach mir jeder Andere auf demselben sicherer einherschreiten wird, so scan-dalisirc man sich nicht, wenn ich noch ziemlich unsicher darauf herumlavirt habe. Erklärung der Tafel. ( Tab. XII.) Fig. 1. Ilclix vermiculata var. Cirtae: testa minore, magis globosa, faseiis non maculose dissolutis, saepe omnibus vel nonnullis deficieutibus. Rossm. Icon. IX. X. S. 12. Fig. 2. II. vermiculata Müll, testa imperforata, globoso-dc-pressa, Iutescens, lincolis punctisque albis, fasciisque rufis (superis saepe taeniatis) multimode ludens; apci'tura late lu-nata, perobliqua; peristomatc albo, sublabiato, late rellexo, acuto; margine columellari strictiusculo, calloso. Rossm. Icon. VI. VII. S. 6. Fig. 3. //. arabica Terv, testa globosa, albida, minutissiine striata, fasciis fuscis interruptis ornata; apertura angu-stata, peristomate albo simplici, rellexo, acuto, gibboso, intus fusco; columella fusca; spira obtusa; vertice albo, nitido. Terver catal. S. 14. Fig. 4. II» alabastrites Mich, testa imperforata, deprcsso-globosa, spira convexa, sensim accresccnti, alba, con-color vel fusco- 5-fasciata, subtiliter striata, nitida; carina priorum anfractuum complanntorum demiim evaue-scente; apertura ovato-Iunata, perobliqua, marginibus ap-proximatis, exteriore rellexo, albo-lahiato; marg. columellari calloso. Rossm. Icon. IX. X, S. 4. Fig. 5. //. hicroglyphicnla Mich, testa imperforata, de-pressa, spira convexa, sensim aecrescenti, carina priorum anfractuum demuin evauesceute, solida, nitida, fusculo-albi-da, subtus fusco-atomata, quiuque fasciarum nigro-fuscarum tribus superioribus pleiynnque maculose interruptis; apertura ovato-lunata, perobliqua; margine exteriore patulo, obtu-sato, sublabiato; murg. columellari strictiore calloso, gibbo, fauceque castaneis. Rossm. Icon. IX. X. S. 3. Fig. 6. II. Dupotetiana var. alba, testa minore, alba, fasciis destituta. Rossm. Icon. IX. X. S. 2. Fig. 7. //. Dupotetiana Terv. testa imperforata, subglo-bosa, albida, rugulis et lineis spiralibus subopaca, fusco-5-fasciata vel concolor; apertura late lunata, perobliqua; 17° margine exteriore fusculo-albido, reflexo, acuto, sublabiato; margine columellari strictiore, gibbo, fauceque castaneis. Rossm. Icon. IX. X. S. 2. Fig. 8. //. xanthodon Anton testa imperforata, subglobosa, depressula, alba, solida, spira convexa, sensim accre-scenti; apertura rotunda, perobliqua, minuscula; margine exteriore reflexo, albo-labiato; marg. colum. calloso, unidentato, fauceque castaneis. Rossm. Icon. IX. X. S. 6. Fig. 9. Ii. lactea var. alba. Rossm. Icon. VI. VII. S. 7. Fig. 10. H. lactea Müll, testa imperforata, globoso-depres-sa, transverse dilatata, albida seu Iutescens, rufo-fasciata, lacteo-atomata; apertura late lunata, perobliqua; peristo-mate incrassato, obtuso, sublabiato, rellexo, margine columellari stricto, calloso, gibbo; fauce et peristomatc castaneis. Rossm. Icon. V. VI. S. 7. et IX. X. 8,1. Fig. 11. //. lactea var. (H. hispanica Terv.) Rossm. Icon, IX. X. S. 2. Fig. 12. //. Juilleti Terv. (II. Wagneri Mich, mscr.) testa imperforata, subgloboso-depressa, spira convexa, sensim accrescenti, albida, sordide fusco- 5-fasciata, substriata, solida; apertura subovato-lunata, transversali, perobliqua; margine exteriore rellexo, sublabiato, obtuso; marg. columellari strictiore, calloso, gibbo; peristomatc fauceque castaneis. Rossm. Icon. IX. X. S. 3. Fig. 13. H. splendida Drap, testa imperforata, depresso-globosa, albida, laeviuscula, fasciis quinque fuscis, saepe evanescentibus vel conlluentihus; apertura late ovata; pe-ristomate rccto, albolabiato. Rossm. Icon. I\r. S. 8. Fig. 14. Cyclostoma Voltzianum Mich, testa ovato-elon- gata, basi vix perforata, albida, vel fulva, trausversiui tenue striata, anfractibus convexis, ultimo maiore; apertura ovata, superne angulata, intus alba; labro simplici, operculo paucispirato, convexo, ad peripheriam plicato. Mich, catal. d. coq. d'AIger. p. 10. no. 1. f. 21—22. Fig. 15. Cyclostoma ferrugineum Lam. testa imperforata, ovato-turrita, obtusata, spiraliter costulata, lutescenti-alhida, transvcrse fusco-variegata; anfractibus convexis; suturis leviter excavatis; apertura ovato-rotunda; peristo-mate continuo, simplici, patulo; operculo parum immerso, paucispiro. Rossm. Icon. V. VI. S. 49. JVachtriigliclic Bemerkungen über die Ijandmolltisken Algeriens. Von Dr. Moritz Wagner. D ie in dem vorhergehenden Verzeichniss aufgezählten Arten, welche theils von mir, theils von andern Reisenden und französischen Militairs gesammelt wurden, gehören sämmt-lich dem Küstenstrich der Regentschaft Algier an, mit Ausnahme von zwei Arten, Helix melanostoma und Helix Juilleti *), welche nur im Iunern vorkommen. Man kennt die Molluskenfauna Algeriens his jetzt nur bis zu einer Entfernung von 30 Stunden vom Seegestade. Also bis etwa zum •) Herr Rossmässler hat diese Art als Hei. Wagneri abgebildet, diesen Namen aber später berichtigt, weil Terver sie schon früher als II. Juilleti beschrieben hatte. Ich entdeckte diese Art bei Mascara, wo nie zuvor ein Reisender gesammelt hatte und schenkte einige Exemplare davon dem Lieutenant Juillet in Oran. Letzterer, welcher mit Terver und Michaud Verbindungen unterhielt, versprach dem Entdecker, seine Art nach Frankreich zu schicken und sie von Herrn Michaud als Hei, Wagneri in seinen Katalog aufnehmen zu lassen. Nicht gering wrar die Verwunderung des Herausgebers dieser Reise, als er später erfuhr, dass Herr Juillet unverschämt genug gewesen, die Schnecke Herrn Terver unter seinem Namen einzusenden und ihn zu versichern, er habe sie bei Mascara entdeckt, wo Herr Juillet gar nie gewesen. 30° 15' nördl Breite. Dort kommen noch die meisten Arten des Küstenstrichs vor. Aus der im Inuern gelegenen Provinz Titeri, aus den südlichen Gegenden der Provinzen Constantine uud Drau ist bis jetzt noch gar nichts nach Europa gekommen, da diese Landestheile allen Reisenden völlig unzugänglich sind. Im Osten ist man nicht tiefer als Iiis Constantine und Setif eingedrungen, im Westen kam man nicht weit über Mascara und Tlemsan hinaus. Keine dieser Städte liegt über 30 Stunden von der Küste. Im Allgemeinen sind dort die vorkommenden Thierarten, wie auch die Pflanzen, ganz die nämlichen, welche mau in den Umgebungen der ihnen zunächst liegenden Litoralstädte findet. An Lanflconchylicn ist die westliche Provinz Oran weit reicher, als die östlichen Theile Algeriens; es giebt dort nicht nur weit mehr Arten und Varietäten, sondern auch viel bedeutendere Masten von Schnecken als in den Umgebungen von Algier, Budschia, Bona, Constantine. In den Ebenen Ceirat und Tlelat gibt es von Anfang November bis Ende Mai einzelne Arten in so ungeheuerer Menge, dass sie alle Büsche und Bäume umher mit ihren Gehäusen überziehen und die Blätter theils rein verzehren, theils bedecken. Oef-ters wähnt man, ganze Muschelbäumc aus dem Boden wachsen zu sehen. Auch bei Bona sieht man einige Gesträuche, so dicht von Schnecken überzogen, dass man nicht durch die kleinste Lücke die Farbe der Zweige oder der Pilanzen-stengel gewahrt, doch ist dies dort nur bei einigen am sandigen Meerufer wachsenden Lioblingsplluuzcu gewisser Schne-ckenarten der Fall, während iu den feuchten Ebenen der Provinz Oran alle Gewächse von gefrässigen Mollusken überfüllt sind, am meisten die dort in bedeutender Menge wachsenden Brustbeersträuche und Zwergpalmen (Chamaerops humilis). Letztere ist die Lieblingspflanze der meisten Schneckenarten Algeriens. Die französische Expcditiousamiee nährte sich auf ihrem Rückzüge von Mascara, als ihr die Lebensmittel ausgegangen waren, mehrere Tage fast blos von Schnecken, ohne deren Massen dort sichtbar zu vermindern. An Sumpfconchylien hingegen sind die Umgebungen von Bona und Algier etwas reicher als der Westen Algeriens, haben aber sehr wenig eigentümliche Arten. Ausschliesslich in der Provinz Oran fand ich folgende rein afrikanische Arten: Helix Dupotetiana, hieroglvphicula, Juilleti, Zatfarina, alabastrites, cariosula, Cvclostoma Voltzia-num. Auch die schöne Varietät der Helix lactea mit dem schwarzen Mund (II. hispanica Mich.) kommt nur in der Umgegend von Oran vor. Den Umgebungen der Stadt Bona eigenthümlich sind Ii. Cirtae und II. arabica. Die übrigen Arten finden sich grösstentheils auf mehreren Punkten. Helix candidissima, welche in ausgezeichnet grossen, schönen Exemplaren vorkommt, die selbst die sardischen übertreffen, fand ich nur in den Umgebungen von Oran sehr gemein. Diese Schnecke hat das Eigentümliche, dass sie, vermuthlich wegen der Schwere und Dicke ihres Gehäuses, Büsche nicht ersteigen kann und immer nur auf der Erde, gewöhnlich unbeweglich liegend, sehr selten kriechend, getroffen wird. Die der vorhergehenden Art sehr nahe verwandte Helix cariosula fand ich nur auf den hohen Felsen westlich vou Oran, nie in den Ebenen. Diese Schnecken kleben gewöhnlich ziemlich fest am Gesteine, liegen aber häufig auch ohne Lebenszeichen in den Ritzen und sind wie die II. candidissima unvermögend Büsche und Pflanzen zu erklimmen. Die sehr schöne Helix hieroglyphicula benannte Herr Michaiid wohl so, well ihm vermuthlich nur gefleckte Exemplare zuerst Zugesandt wurden. Sie kommt aber ebenso häufig mit ununterbrochenen Bändern vor, ja aii manchen Localitäten fehlen die gefleckten Stücke ganz; daher der Name nicht sehr glücklich gewählt ist. Ich bemerkte fast durch-gchends, dass alle auf freien, sonnigen Plätzen gefundenen Individuen eine gefleckte Schale hatten; alle aber, die an schattigen Plätzen vorkamen und an den dicken Blättern des Cactus Opuntia, ihrer Lieblingspflanze, einen Schirm gegen die Sonnenstrahlen hatten, waren mit ununterbrochenen Bändern versehen. II. hieroglyphicula hat eine sehr beschränkte Verbreitung und scheint nicht über eiuige Stunden von Oran hinauszugehen. In Arzew und Mascara fand ich sie nicht mehr. Helix Juilleti wurde von mir bei der Besteigung des Berges Schruab-el-Itähah iu der Umgegend von Mascara entdeckt. Ich fand sie in einer Höhe von 3000 Fuss über dem Mittelmeer und 1100 Fuss über der Ebene Egghres bei Mascara. Sie scheint durchaus nur auf den Gebirgen vorzukommen, ich fand sie in den nahen Ebenen und Thälern trotz der sorgfältigsten Nachforschung nicht. Auf der Höhe des Schruab-el-Rühah ist sie sehr gemein und bedeckt alle Gebüsche des Bergrückens. Helix lactea, die in Afrika eine ungewöhnliche Grösse erreicht, ist am häufigsten bei Algier, auch bei Oran , Mostaganem, Arzew zu Hause. Sie geht aber nicht bis Bona. Ich fand sie gewöhnlich auf der Zwergpalme. Die schöne Varietät II. hispanica kommt nur bei Oran vor. Helix melanoUoma kommt, obwohl eine europäische Art, auf dem Küstenstrich nicht vor, sondern findet sich nur im Innern, wo sie in eiuer Entfernung von 10 bis 20 Stunden von dem Seeufer durch die ganze Breite der Regentschaft zu gehen scheint. Ich fand sie das erstemal zwischen dem Hasel-Akbah und Constantine iu einem Thale, auf einem Wiesenplatz in grosser Menge. Es war gegen Ende October. Sie scheint früher, als die meisten übrigen Arten hervorzukommen, dagegen viel schneller vorüberzugehen, denn zu Ende März fand ich sie zwischen Oran und Mascara, in der Ebene des Sig wieder, aber nur als entfärbte Gehäuse. Helix Zajfarina ist von allen Schnecken Algeriens die gemeinste, kommt aber nur auf einer beschränkten Loca-lität vor. Sie zeigt sich etwa zwei Stunden südlich vom Gestade bei Oran und geht durch die Ebenen Tlelat und Ceirat bis in die Nähe von Mascara. Es war hauptsächlich diese Art, welche den Hunger der französischen Armee auf ihrem Heimzog von Mascara stillte. Helix alabastrites in den Umgebungen von Oran, entfernt sich nicht über drei Stunden von den Umgebungen der Stadt. Helix Cirtae. In den Umgebungen von Bona, geht nicht über sechs Stunden ins Innere. Ich fand sie au den Uferu des Flusses Seybuss, am häufigsten auf Sumpfpflanzen. Helix Jeannotiana bei Algier, Beiida, in der Ebene Metidscha. H. Dupotetiana in der Umgegend von Oran, auch bei Arzew und Mostaganem, aber nirgends sehr häufig. Helix natieoides fand ich auf allen Punkten der Regentschaft von Bona bis Oran, auch im Innern bei Constantine uud Mascara, aber immer nur eiuzclu und selten, während sie iu einigen Gegenden Südeuropas, wie iu Sardinien, sehr zahlreich vorkommen soll. Helix xanthodon ist ziemlich häufig in den Umgebungen von Algier. Helix Terverii bei Algier, Budschia, Bona sehr häufig. Cyclostoma Voltzianum fand ich blos in den Umgebungen von Oran, auf dem Felsgebirgc zwischen dieser Stadt und Mars-el-Kebir, gewöhnlich unter Steinen. Alle diese Arten finden sich nur vom October bis Mai. In der heissen Jahreszeit verschwinden sie, und es bedecken den Boden dann allenthalben nur die entfärbten Gehäuse. Beiträge zur Anatomie der Helicinen mit besonderer Berücksichtigung der nordafrikanischen und südeuropäischen Arten. Von Dr. Michael Erdl in München. Als wir im vorigen Sommer, während Herr Dr. Erdl sich dahier befand und mit mit arbeitete, die aus Algier eingesendeten Naturalien aufstellten und präparirten, ersuchte ich denselben, die theils noch lebenden, theils trüber in Weingeist eingesendeten Helix-Arten einer näheren Untersuchung zu unterwerfen. Ich fügte einige früher von mir gesammelte Exemplare südeuropäischer Helicinen bei, die ich nus Sardinien mitgebracht hatte. Ferner wurden eiuige einheimische Arten zur Vergleichung untersucht. Herr Dr. Erdl entwarf Zeichnungen des Geschlcchtsapparats, der am meisten Variationen zeigt. Diesen Zeichnungen wurde das unter der Oberlippe befindliche, gewöhnlich als Oberkiefer betrachtete, halbmondförmige Hornblättchcn beigefügt, das in Bezug auf Grösse, Form und Zahl der Zähne so viele Verschiedenheiten zeigt, und worauf, als ein für die Charakteristik der Arten wichtiges Moment, zuerst Ehrenberg, dann Troschcl aufmerksam gemacht haben. Die nachfolgenden kurzen Beschreibungen werden durch Vcrgleichung der Abbildungen leicht verständlich werden. Auf Tab. XHF. ist die Anatomie der algierschen Arten zusammengestellt, und da Kaum auf der Tafel war, so wurde noch der Geschlechtsapparat von Helix algira beigefügt, die wir letzten Herbst (1839) bei Nizza Sammelten Auf Tab. XIV. ist die Anatomie einiger anderer, vorzüglicher siideuropäischer Helix-Arten und die von zwei Bulimus beigefügt. Auf beiden Tafeln ist nur die mittlere Figur, Ilel. lactea Tab. XIII. und Ilel. adspersa Tab. XIV., mit Ziffern zur Bezeichnung der Theile versehen, da die übrigen sich leicht durch die Vergleichung erklären. a Ruthe, b Muskel der Ruthe, c Riithenanhang. d vas deferens. e, e Die beiden ästigen Blasen, f Langgestielte Blase mit ihrem Anhang g. h Pfeilsack. i keimbereiten-de Drüse. k Ausführungsgang derselben (kettenförmiges Gefäss, Eileiter). / Zungenförmiger Anhang (Hude bei Cuvier). m Stück der Leber, an das die keimbereitende Drüse geheftet ist. Ii Die Kieferplatte in natürlicher Grösse und darüber vergrössert. Rudolph Wag-ner. Helix lactea. Die Ruthe ist im Verhältnisse zum ganzen Thiere gross, ihr Muskel kurz und breit, ihr Anhang ziemlich kurz; das vas deferens sehr lang und in viele Wiu- •) Verg. damit Vanbeneden Mein, sur l'anat. de l'Helix algira in Ann. des sc. nat. Nouv. serie. Tome V. |>. 278. Taf>. 10. Fig. 4 und 7. Vergl. auch über das Ganze die sehr gründliche Arbeit von J'erlo-ren de organis generationis in molluscis gasteronodis pneumonicis. Lugd. Batav. 1837. 4to. c. tabb. dungen gelegt. Die getheilte Blase zerfällt in zwei Hauptabteilungen, die zusammen in sechs kleinere sich spalten, und von diesen theilt sich jede, die oberste ausgenommen, wieder in zwei, aus denen dann die einzelnen Blinddärmchen (meistens zwei aus einem) hervorkommen. Die gestielte Blase hat einen sehr langen Stiel; ihr Anhang ist kürzer und schmäler als dieser. Der Pfeilsack ist ziemlich kleiu. Der Eileiter ist einfach gewunden. Das Kieferplättchen hat 5 Zähne und 2 Nebenfurchen. Helix adspersa. Die Ruthe ist sehr lang, sehr lang auch ihr Muskel und ihr Anhang; der gemeinschaftliche Stamm der Geschlechtsteile ist blasig erweitert; der Stiel der gestielten Blase hat wie gewöhnlich die Länge des Eileiters; ihr Anhang ist um die Hälfte länger und noch einmal so dick als der Stiel. Die getheilte Blase ist in 2 äussere grössere, und eine mittlere kleinere Partie gespalten; jede von diesen zerfällt wieder in zwei, bald grössere bald kleinere, die sich iu 2 — 3 Blinddärmchen spalten oder einfach sich verlängern. Der Pfeilsack ist ansehnlich gross; der Eileiter vielfach gewunden; die ihn begleitende Drüse breit. Das kettenförmige Gefäss ist ungewöhnlich dick, und in seinem ganzen Verlaufe in sehr enge aneinanderliegende Windungen gelegt. Das Kieferplättchen ist lang und breit und mit 6 Zähnen versehen. Helix hieroglt/phicula. Die getheilte Blase ist schmal, an ihrem Stiele auf eigentümliche Weise gekrümmt und teilt sich in zwei Hauptabtheilungen, von denen die obere in zwei, die untere in 3—4 Blinddärmchen gespalten ist. Der Anhang der gestieltem Blase ist noch einmal so lang als der Stiel selber, aber eben so schmal. Die Drüse am Eileiter ist sehr kurz, so dass dieser iu vielen freien Windungen zur Vereinigung mit dem Blasenstiele läuft. Das kettenförmige Gcfäss zeigt weniger Windungen als Lei irgend einer andern Art. Das Hornplättchen ist vierzähnig (gleicht dem von H. vermiculata). Helix alabastrites. Der Pfeilsack ist beträchtlich gross, die getheilte Blase hat einen schmalen, verhältuissmäs-sig langen Stiel, welcher sich in zwei Theile spaltet: in einen oberen, der in drei, und in einen unteren, der in zwei Blinddärmchen zerfällt. Der Stiel der gestielten Blase ist vor seiner Vereinigung mit dem Eileiter blusig erweitert. Das Ilornplättchen hat 3 Zähne (zuweilen 4), ist kurz und breit (gleicht an Form dem von II. desertorum). HelLv natieoides. Die Ruthe ist ungewöhnlich lang und dick, das Samcngcfäss ebenfalls sehr dick; die getheilte Blase zerfällt in 4Hauptstämme, die, sich wieder theilend, in die Breite anschwellen und nun in eine verschiedene Anzahl von Blinddärmchen sich auflösen. Diese Blinddärmchen mit ihren breiten Stämmchen gewähren ein bandförmiges Ansehen. Die gestielte Blase hat einen ziemlich kurzen Stiel, welcher bei der Vereinigung mit dem Eileiter in eine geräumige Blase anschwillt; der Anhang ist noch einmal so lang als der Stiel der Blase und wird nach oben breit und kolbenförmig. Der Eileiter ist sehr dick und auf eine ganz eigentümliche Weise in Knäuel verschlungen; die ihn begleitende Drüse, der zungenförmige Anhang (Hode Cuv.), ist sehr ansehnlich; sehr dick und breit, das kettenförmige Gefäss hingegen sehr kurz. Das Kieferplättchen ist lang und ziemlich schmal, hat 4 mittlere starke Zähne, zwischen denen sich zwei Neben-furchen befinden, und 6 neben diesen liegende kleinere Zähne. Helix hispanica. Die getheilte Blase ist in 2 Haupt- äste gespalten, aus denen vier, theils einlache, theils gab elf! innig sich spaltende Blinddärnichcn hervortreten. Der Anhang der gestielten Blase ist mehr als noch einmal so lang, als der Stiel der Blase selber; der Eileiter und die ihn begleitende Drüse verhalten sich wie hei 11. hieroglyphicula. Das kettenförmige Gefäss ist sehr lang; das Kieferplättchen ist breit und fünfzähnig, Helix vermiculata. Die Ruthe ist kurz, der Pfeilsack ziemlich klein, die getheilte Blase zeigt zwei Ilauptäste, aus welchen eine grosse Menge theils einfach bleibender, theils drei- und viermal sich theilender Zweige entspringen. Der Anhang der gestielten Blase übertrifft die Länge des Stieles um mehr als das Sechsfache. Der Eileiter hat sehr viele, eng aneinanderliegende Windungen; die ihn begleitende lange Drüse ist sehr schmal. Das Kieferplättchen ist wenig gebogen, vierzähnig, lang und schmal. Helix rhodostoma. Die getheilte Blase hat keinen Stiel, sondern tritt in zwei llnuptpartien getheilt, von denen jede iu 4 Bliuddärmchcn zerfällt, aus einer kleinen Anschwellung des Eileiters hervor. Der Stiel der gestielten Blase ist nur halb so lang als der Eileiter, ein Anhang fehlt gänzlich. Der zuugcnfürinige Anhang wird nicht, wie gewöhnlich, nach oben schmäler, sondern verbreitert sich schaufelförmig. Das Kieferplättchen ist lang und schmal, stark gebogen und hat 7 Zähne. Helix candidis&ima. Die getheilte Blase fehlt gänzlich; statt ihrer ist ein auf der Unken Seite des Eileiters befindlicher, drüsiger Körper vorhanden, welcher mit einem verhältnissmässig dicken aber kurzen Ausführungsgang in den Eileiter mündet. Der Stiel der gestielten Blase ist nur um Wenige« länger als der Eileiter, und hat statt des Anhanges einen kurzen, nicken Fortsatz. Der zungenformrg« Anhang sehr gross, das ketten förmige Gefäss wenig gewunden. Das Hornplättchen hat keine Zähne, sondern nur in seinem mittleren Theile zwei Höcker. Helix frulicum. Der Pfeilsack ist klein und durch eine Einschnürung in zwei Hälften getheilt, die Ruthe hat keinen Anhang, in ihr mündet mittelst eines sehr kleinen Ausführungsganges ein drüsiger runder Körper, welcher statt der getheilten Rlase dazuseyn scheint, welche sonst gänzlich fehlt. Der Stiel der gestielten Rlase erreicht die Hälfte der Länge des Eileiter« nicht und hat keinen Anhang; das vas deferens ist sehr lang; das kettenförmige Gefäss ungewöhnlich dünn und iu einer kleinen Entfernung vom Eierstock eine kurze Strecke hindurch cyündrisch angeschwollen. — Das Kieferplättchen ist stark gebogen, hat 7 Zähne und 2 Nehcufurchen. Rei 2 Exemplaren der weissen Varietät war der Samenleiter viel kürzer, von der gestielten Rlase nur der Stiel vorhanden, welcher aber die Länge des Eileiters hatte; dieser, seine Längsdrüse und der zungenförmige Anhang ungewöhnlich schmächtig. Das kettenförmige Gefäss war nicht zu sehen. Helix lapicida. Der Pfeilsack ist ziemlich lang und schmal, die gel heilte Rlase einfach und stellt sich zu jeder Seite des Eileiters als ein hornförmiger Blinddarm dar; der Anhang der gestielten Rlase hat die Länge des normalen Stieles. Das kettenförmige Gefäss ist in sehr breite Windungen gelegt. Das kleine Kieferplättchen hat 4 Zähne. Helix personnta. Die getheilte Rlase ist einfach wie bei der vorhergehenden Art; der Stiel der gestielten Rlase erreicht die Hälfte des Eileiters nicht, sein Anhang hat die- MoiUTZ Wagnek'k Algier. III. 1H selbe Länge. Die Drüse am Eileiter ist sehr kurz; das kettenförmige Gefäss ist kurz und in sehr wenige Windungen gelegt. Das Hornplättchen hat nur einen Zahn und zwei Neben furchen. Helix nemoralis. Die Ruthe ist sehr lang, ihr Anhang ungewöhnlich gross und misst gegen viermal ihre Länge. Die getheilte Rlase hat einen kurzen Stiel und theilt sich in 3 Blinddärmchen; der Stiel der gestielten Blase ist ungefähr um die Hälfte länger als der Eileiter, und erst von seinem oberen Viertheile, wo er blasig anschwillt, geht der kurze Althang aus. Die Drüse am Eileiter ist sehr lang; sehr lang und in ungewöhnlich viele Windungen gelegt ist das kettenförmige Gefäss. Das Kieferplättchen hat 5 Zähne, Helix arbustorum. Der Anhang der Ruthe ist mit-telmässig, ihr Muskel sehr lang; der Pfeilsack verhältniss-massig klein. Die getheilte Blase ist wieder einfach wie bei lupicida, nur mit dem Unterschiede, dass sie nicht so lang uud auf der rechten Seite dicker und länger ist als auf der linken. Der Stiel der gestielten Blase ist dünn, nicht halb so lang als der Eileiter, sein Anhang, welcher den Stiel ums Vierfache an Dicke übertrifft, ist etwas länger. Der Eileiter ist sehr lang, vielfach gewunden. Das kettenförmige Gefäss ist kurz und hat nur wenige weite Windungen. Bulimus dccollatus. Die Ruthe ist stark angeschwollen, hat keinen Anhang; Pfeilsack, getheilte und gestielte Bluse fehlen gänzlich. Der Eileiter ist lang, in sehr viele, enge, gleichförmige Windungen gelegt. Das Hornplättchen ist lang und schmal, hat keine Zähue uud ist schwach gefurcht. Bulimus radiatus. Die Ruthe ist durch Abschnürun-geu in mehrere Theile getrennt, mündet in den Pfeilsack und 27.r> hat einen getheilten Muskel, von dem der eine Theil ihr gehört, der andre aber zur Pfeilblase geht. Aus dieser, wahrscheinlich anstatt der getheilten Blase, setzt sich ein Canal fort bis über die Hälfte des Eierstockes hinauf, wo er in einen cylindrischen, sichelförmig gebogenen Körper (zungen-förmigen Anbang) übergeht. Der Stiel der gestielten Blase übertrifft die Hälfte des Eileiters wenig, sein Anhang hat die Länge des Eileiters und schwillt an seinem Ende kolbenförmig an. Der Eileiter ist ziemlich kurz, an seinem Anfange bedeutend dick, und wird von da gegen die Vereinigungsstelle mit dem Blasenstiele sehr dünn. — Das Hornplättchen ist ebenfalls zahnlos uud gestreift. lieber die Asselartigen Thiere {Oniseoda JLatr.) der Regentschaft Algier. Von J, F. Brandt, Akademiker in St. Petersburg*). Die Latreille'schen Oniscodeu bilden eine Abteilung von Crustaceen, wovon bis jetzt nicht blos auf allen grossen Con-tinenten, sondern sogar auf einzelnen zerstreuten Inseln, wie Cuba und Guaham, Repräsentanten gefundeil wurden. Jm Norden siud sie bis Schweden und den nördlichem Theil Russlands beobachtet. Im nördlichem Theile von Europa linden sich Arten aus den Gattungen Ligia, Ligidium, Philoscia, Oniscus, Porcellio und Arniadillidium**). Die *) Nachdem das ganze Mannscrint /u Bd. ITT, schon zum Druck abgeschickt war, erhielt ich noch die folgenden Miltbeilungea meines hochgeschätzten Freundes, des Hrn. Collegienraths und \Jcadenukera Dr. Brandt in St. Petersburg, welchen ich nocli nachträglich «im eine Mittueihmg über die früher an ihn gesendeten, von meinein Bruder in Algier gesammelten Asseln geinten hatte. Es freut mich, diesem interessanten Beitrag auch Brandis Bemerkungen iilier die algierschen Myrianoilen heifügen zu können. Obwohl dieselben schon vom Hrn. Forstrath Koch beschrieben and im Atlas meist abgebildet sind, so wollte ich doch gegenwärtige selbstständige Beobachtungen eines andern Forschers nicht weglassen , da sich beide Berichte wechselseitig ergänzen und die Synonymie sich in der Folge Leicht wird herstellen lassen. R. Wagner. ••) Die vorkommenden systematischen Gattungsnamen beziehen Gattungen Platyarthrus und Trichouiscus mihi (Itea Koch.) Wurden bis jetzt zwar nur in Deutschland gefunden, fehlen aber kaum dem übrigen Europa. Im Süden von Europa tritt zu deu Gattungen Ligia, Philoscia, Oniscus, Porcellio und Armadillidium noch die Gattung Armadillo hinzu, die sich mit ihrer Untergattung Cubaris nach Afrika hinein bis zum Cap zu verbreiten scheint. Der Reichthum der Arten nimmt, wie bei vielen andern Thierformen, vou Norden nach Süden zu. Merkwürdig ist es, dass die nordaiuerikunisclien Arten von Porcellio den europäischen, wenigstens zum grossen Theil, identisch erscheinen und dass der Süden von Amerika durch das Auftreten der Untergattung Cubaris an Afrika erinnert. Aus Europa kenne ich bis jetzt 35 Arten Oniscodeu, wovon zwei der Gattung Ligia, eine der Gattung Ligidium, zwei der Gattung Trichouiscus, eine der Gattung Platyarthrus, eine der Gattung Philoscia, drei der Gattung Oniscus, sechzehn der Gattung Porcellio, acht der Gattung Armadillidium und eine der Gattung Armadillo angehören. Kaum dürfte aber durch diese Artenzahl die europäische Oniscodenfauna erschöpft seyn. Die Oniscodenfauna von Südeuropa dehnt sich den Materialien zufolge, die in dem Königlichen Museum zu Berlin und dem Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg aufbewahrt werden, wenigstens mit einem Theile ihrer Arten östlich bis in die kaukasischen Provinzen und südlich bis nach Syrien und Nordafrika aus. Sowohl Südeuropa als Syrien und Nordafrika scheinen aber sicli auf* einen schon im Jahre 1833 im Moskauer Bulletin publicirten Conspectus Monographiae Crustaceorum Oniscodorum Latreillii. auch eigenthümliche Formen zu besitzen, was zukünftige Forschungen noch näher zu ermitteln haben werden, da unsere jetzigen Kenntnisse dieser Thiere, besonders in Bezug auf geographische Vertheilung, nur als dürftige Fragmente angesehen werden können. Auf seinen Reisen in der Regentschaft Algier hat Herr Dr. Wagner sieben Arten von Oniscoden gesammelt, von denen drei zur Gattung Porcellio, eine gleiche Zahl zur Gattung Armadillidium und eine zur Gattung Armadillo gehören. Fünf davon siud Individuen bekannter Formen, zwei Arten scheinen mir aber noch unbekannt zu seyn. Die von ihm gesammelten Arten nehmen folgende systematische Stelle ein. 1. Genus Porcellio Latr. Sp. 1. Porcellio Degeerii Audouin Descript. de l'Egypte, texte Vol. IV. ed. 8. p. 289.; planches Crustaces tab. 13. fig. 5. — Porcellio eucercus Nob. Couspectus Mo-nogr. Crustac. Onisc. p. 15. n. 7. Habitu Porcellioni dilatato (Brandt u. Ratzeburg Arz-neithicrc) haud dissimilis. Processus frontalis medius brevissimus, fere forma limbi in angulum acutissimum medio prominuli, a processubus frou-talibus lateralibus satis evolutis longo superatus. Ultimi dorsi cinguli (caudae) processus posterior valde acuminatus, nppeu-dicum caudalium articulum basalem superans, supra linea longitudinali impressus. Appendicum caudalium lateralium ulti-mus articulus in speciminibus evolutis angustus, satis elonga-tus, subulatus, articulo appendicum caudalium basali triplo vel quadruplo longior. Dersum minuto vel distincie graiuilutum, ita ut duas varietates (et granulatiim et ß glabrum) distin- guerc possis. — Color plerumquc nigricante - cinereus vel ci-nerasceute-bruuiieus. Dorsum haud raro variegatum in junio-ribus ut videtur plerumque variegatuin. Longitudo corporis 6'", latitudo summa 4"', appendicum caudalium partis prominentis longitudo Herr Dr. Wagner sammelte zahlreiche Exemplare. Die Art findet sich auch in Aegypten und Sicilien. Durch die in Bezug auf die Länge der Schwanzauhänge ungenaue Abbildung iu der Description de l'Egypte wurde ich früher veranlasst die beschriebene Form als Porcellio eu-cercus aufzustellen. Sp. 2. Porcellio Platymma Nob. nov. spec. Statura et partium formatione valde similis Porcellioni dilatato, diversus autem quae sequuntur notis. Processus frontales magis evoluti, medius praesertim latior et magis prominens, laterales fere subaequans. Ultimum dorsi cingulum (cauda) processu posteriore magis elongato et evoluto, apice haud acumiuato, sed truncato. Dorsi ciugula omnia etiam in lateribus prope marginem grauulata, granulis subrotuudis dis-cretis. — Color capitis et dorsi nigricante-cinereus. Longitudo 5"', latitudo Sl/2,u, appendicum caudalium partis prominentis longitudo 2/3'/y. Das akademische Museum besitzt zwei von Hrn. Dr. Wagner gesammelte Exemplare. Sp. 3. Porcellio IVagneri Nob. nov. spec. Species statura corporis fere Porcellioni scabri, sed duplo maior et appendicum caudalium forma etc. distinctissima, ab antecodeutibus corpore magis oblongo et aiigustiore rece-dens. Processus frontalis medius margiuis sublaminaris, in an-gulum subacutum prominentis, medio saepius emarginati for- mam exhibens. Processuss frontales laterales evoluti. Ultimi dorsi cinguli (caudae) proccssus posterior triangularis, brevius-culus, acuminatus, snpra profunde longitudinaliter impressus. Appendicum caudalium ultimus, articulus in speeiminibns evolutis basali plus triplo longior, oblongo - linearis, sed latior quam in Porcellionc Degeerii, compressus subeurvatus, acutis-simus, margiuibus latcralibus prominentibus. Corpus supra to-tum, exceptis proecssubus frontalibus, nec nou ultimorum cin-gulorum apieibus caudalibus iu speeiminibus omnibus granulis discretis, in cingulorum auteriorum et mediorum anteriore parte magis confertis asperatum.— Dorsum suhnigricante-cine-rcum, cingulis posterioribus, excepto ultimo, medium quovis latere macula subrotunda, flava notatis, quare dorsi medium postice serie duplici punetorum seu macularum flavaruin pi-ctum. Longitudo corporis 6—T", latitudo 3 — S1//", ajjpendi-cum caudalium partis prominentis longitudo 2///. Herr Dr. Wagner sammelte sehr viele Exemplare. 2. Genus Armadillidium Nob. Sp. I. Armadillidium granulatum Nob. Couspect monogr. Onisc. p. 23. n. 1. Corporis liabitu Armadillidio commutato (Brandt et Itutze-burg Arzneitbiere) haud dissimile, sed quae sequuntur notis diversissimum. Corpus paulo latius et brevius. Processus frontalis modius transversc oblongo - tetragonus , paulo magis prominens. Processus laterales cinguli dorsalis acutiores et longiores. Ultimi corporis cinguli processus posterior trigo-nus, acuminatus. Dorsum et caput granulata. Color nigri-cante-cinereus. In dorso macularum ilavarum series tres, qua-rum media e maculis minoribus composita. Longitudo 6'", latitudo 373'". Das akademische Museum verdankt Hrn. Dr. Wagner ein Exemplar, — Zwei andere Exemplare, welche dasselbe besitzt, stammen aus Aegypten und Sicilien. Sp. 2. Armadillidium Pallasii Nob. I. 1. n. 2. Habitu et granulis speciei modo descriptae simile quidem, non solum autem macularum llavarum dorsalium defectu, sed etiam processu frontali multo magis elongato, longe angu-stiore, apice emarginato, nec non ultimi dorsi cinguli multo magis elongati apice latiore diversissiinum. Auch von dieser Art wurde dem akademischen Museum von Dr. Wagner ein Exemplar aus Algier gesandt. — Dasselbe besitzt übrigens auch Exemplare aus der Krym, dem Kaukasus und aus Sicilien. Sp. 3. Armadillidium comnmtatum Nob. iu Brandt und Katzeburg Arzneithiere Bd. II. p. 81. tab. 13. fig. 1, 2, 3 et B. Unter den von Hrn. Dr. Wagner in Algier gesammelten Onisciden befindet sich ein Exemplar dieser auch in Syrien und Südeuropa vorkommenden Form. 3. Genus Armidillo Nob. Armadillo Cuv. et Latr. e. p. Sp. I. Armadillo officinarum Dumeril, Brandt und Ratzeburg I, 1. p. 82. tab. 12. fig. 8, 9, 10 et tab. 13. lig. E. Die vielen von Hrn. Dr. Wagner gesammelten Exemplare deuten auf die Häufigkeit dieser bisher in Aegypten, Syrien, Taurien, Sicilien und Italien beobachteten Art in der Regentschaft Algier. Heber die in der Regentschaft Algier vom Herrn ]>r. IkVagner beobach-teten Myriapoden. Von I, F. Brandt. Die vom Herrn Dr. Wagner in der Regentschaft Algier gcsaminelteo Myriapoden enthalten Arten fast aus allen Gattungen der Latreille'schen Chilopodeu und Chilognathen; aus der mit verkümmerten, wie mir scheint nur zum Saugen geeigneten Abteilung der Myriapoden (Siphonozuntia mihi) habe ich jedoch nicht eine einzige Form darunter gefunden. Vergleicht man die algierschen Myriapoden mit den iu andern Ländern beobachteten, so spricht sich offenbar, was die Gattungen anlangt, eine unverkennbare Aehnlichkeit mit der Fauna von Südeuropa aus. Mehrere Arten sind dieselben, welche man auch im Süden unseres Weltteils findet, andere sind von deu europäischen hnr leicht verschieden, noch andere endlich, wahrscheinlich die nach dem Innern Afrikas hineingehenden, sind freilich eigentümlich, nähern sich aber doch durch ihren Bilduogstypus im Allgemeinen deu europäischen Formen. Ueberhaupt scheinen, wenn man nach den vorliegenden Erfahrungen urteilen darf, die meisten der bisher beschriebenen Gattungen der Myriapoden fast auf der ganzen Erde und in den vou einander entferntesten Ländern Repräsentanten zu besitzen. So wurden namentlich die Gattungen Julus, Polydesmus, Scutigera, Scolopendra und Geophilus nicht blos in den verschiedenen Welttheilcn, sondern seihst auf einzelnen Inseln gefunden, so dass man sie wohl für jetzt als die Formen ansprechen darf, denen die grösste Verbreitung zukommt. Andere Gattungen erscheinen nach unsern jetzigen Kenntnissen auf engere Gränzcn beschränkt. Aechte Glomeris fand man z. B. jetzt nur in Europa, Kleinasien und Nordafrika. Die Gattung Sphaerotherium sah man nur in Südafrika und Sphaeropoeus nur in Ostindien (Java). Aus der Gattung Li-thobius kennt man bisher nur Arten aus Europa, Nordafrika und Nordamerika. Die Gattungen Crvptops und Polyxenus fanden sich bisher nur in Europa und Nordamerika. Die Gattungen Craspedosoma und Polyzonium mihi (Platyulus Gerv.) sind bis jetzt auf Europa, die erstere namentlich auf England, die letzten1, welche die saugenden Myriapoden in unserem Erdttheil bis jetzt allein repräsentirt, auf Frankreich, Deutschland, Polen und den Kaukasus beschränkt. Da indessen gerade die Myriapoden zu den Thierfor-men gehören, denen man eine geringere Aufmerksamkeit schenkte, so dürften sich in Bezug auf geographische Verbreitung der Gattungen noch viele neue Thatsachen ergeben, die vermuthlich den bisher nur auf beschränkteren Localitäten beobachteten Formen oder ihren ersetzenden Gattungsverwandten einen grössern Wohnplatz anweisen werden. Ordo Chilognathä Latr. 1. Genus Glomeris. Sp. I. Glomeris pustulata Latr. Oniscus pustulatus Fabr. Die von Herrn Dr. Wagner gesammelten Exemplare scheinen mir keine speeifischeu Differenzen von den europäischen zu bieten. Zwar scheinen sie bei oberflächlicher Untersuchung von denselben dadurch abzuweichen, dass die beiden mittlem Punkte des ersten Rückengürtels weit kleiner als die beiden seitlichen sind, während sie hei den europäischen sonst eine gleiche Grösse haben. Mustert man indessen eine grosse Zahl europäischer Individuen, so Anden sich auch unter ihnen, jedoch seltener, ähnliche Stücke. Weuu man daher, wie es mir zweckmässig dünkt (siehe Bulletin d. l'Acad. d. sc. d. St. Petersb. 1840), von Glomeris pustula-ta mehrere Varietäten unterscheidet, unter denen auch eine als var. anisosticta vorkommt, hei der die mittlem Punkte des ersten Rückongiirtels weit kleiner als die seitlichen siud, so muss man die algierscheu Individuen ihr zuzählen. Bemerkenswerth scheint übrigens, dass die marinorirte Varietät var. marmorata unter den algierscheu Exemplaren häufiger sich findet als unter den Harzern, denn 1/3 der Wagner'-schen Exemplare gehört ihr an. 2. Genus Julus Linn. Sp. 1. Julus varius Fabric. Koch Deutschi. Crustac. Myriapod. und Arachniden Heft 22. tab. 3. Die drei von Herrn Dr. Wagner aus Algier gesandten Exemplare unserer Sammlung stimmen im Wesentlichen mit sicilianischen Individuen des Julus varius, nur erscheinen die Furchen auf dem untern Winkel des ersten Rückengür-tels sehr deutlich, während man sie bei Julus varius nur in sehr rudimentärem Zustande findet oder ganz fehlen siebt, wie dies Koch als Charakter der Art angiebt. 3. Genus Strongylosoma Nob. Sect. Polydesmi iuloides Gervais. Sp. 1. Strongylosoma cylindraceum Nob. — Polydesmus cylindraceus Gervais Annal. d. sc. nat. Janvier 1837. p. 44. n. 16. Das einzige vom Herrn Dr. Wagner übersandte Exemplar eines Strongylosoma ist wohl das von Gervais a. a. 0. beschriebene Thierchen. l'olydcsmus Rlainvillii Gervais 1, 1. scheint nicht beobachtet worden zu seyn. Ortlo Chilopoda Latr. J. Genus Scutlgcra Lamck. Sp. 1. Sculigera araneoides Lamck. Dieselbe Art, welche auch im Süden von Europa sich findet. 2. Genus Lithobius Leach. Sp. J. ? Lithobius nudicornis Gervais Annal. d. sc. nat. 1. 1. p. 49. Die Worte Gervais's, welche er als Charaktere dieser Art angiebt: „Alliuis Lithobio forficato, Diflert colore di-lutiore antennisque circitcr 42-articulatis, nudis nec pilosulis" passen auf die algierschen Exemplare, Ich wage indessen nicht die Differenz des Lith. nudicornis von Lith. vulgaris behaupten zu wollen. Die Arten der Gattung Lithobius bedürfen einer genauen, kritischen Untersuchung, die kaum auf andere Grundlagen als auf exaete Beschreibungen und Abbildungen der von Leach (Zoolog, Miscell.) aufgestellten Formen wird basirt werden können. 2. Genus Geophilus Leach. Die Merkmale der unter sich so nahe verwandten Arten der in allen Welttheilen unter den verschiedensten Breiten beobachteten Gattung Geophilus scheinen noch sehr schwankend. Die Zahl der Fasse dürfte wenigstens nicht immer einen constanten Charakter bieten. Dazu kommt, dass die Form des Körpers durch das Trocknen mehr oder weniger bedeutende Veränderungen erleidet, wodurch Merkmale, die sonst sehr passend zu Unterschieden benutzt werden, wie Gruben, Eindrücke, Furchen, Leisteheu und Höckerchen künstlich entstehen oder schwinden können. Die daraus erwachsenden Schwierigkeiten werden durch das Dunkel, welches über die vom Alter und Geschlecht abhängigen, sehr Wahrscheinlichen Veränderungen und Umwandlungen der Körpergestalt herrscht, noch vermehrt. Man kann daher nicht ohne mannigfache Bedenken an die Bestimmung der Arten gehen. Der Güte des Herrn Prof. Rudolph Wagner verdankt das Museum der Akademie zu St. Petersburg vier algiersche Geo-philen, die sich nach den von Gervais und Koch aufgestellten Principien auf keine der beschriebenen Arten ganz zurückführen lassen, aber auch wieder unter sich abweichen, vorläufig also als vier fragliche Formen zu betrachten sind, die erst später, wenn die Grundsätze über die Begränzung der Arten der Gattung näher festgestellt seyn werden, die ihnen zukommenden Plätze als eigene Formen oder Abänderungen erhalten können, a. Antennae articulis decrescentibus, haud monili-formibus. Sp. 1. i Geophilus dubius. G. fcrruginco-ilavus, subtus pallidior, fronte, pedibus an-tennisquc pallide e subferrugineo flavescentibus, pedum pari-bus utrinque 117, corpore supra subconvexo, impressionum duarum longitudinalium vestigiis instructo, iufra medio sub-inijiresso, laevi, cingulis abdominalibus singulis paro centrali**) distinctissimo, oculis nudis conspicuo perforatis. Caput subovato-subrotundum, breviusculum, parte frontali breviuscula. Antennae elongato-conicac, subcompressae, articulis brevissimis, basi haud contractis. Appeudices pedifor-mes articulis mediis et apicalibus augustis, teretibus, basi subattenuatis. Longitudo 4" 2'", latitudo I'"—VW". Nicht blos die Form der Antennen, sondern auch die Zahl der Füsse nähert diese Form dem Geophilus barbaricus Gervais (Guerin Magaz. d. Zool. 1835. cl. IN. tab. 133. fig. 3. p. 10.) Ein Paar Füsse weniger (G. barbaricus hat 118 Paar) würde mich daher nicht abgehalten haben, sie geradezu für G. barbaricus zu erklären, wenn nicht Gervais sagte, dass G. barbaricus auf dem Hauche keine stigmenartigen Eindrücke und auf dem Rücken eine hervortretende Längslinie besässe. — Die ebenfalls mit unserer Forin verwandten Gcoph. laevigatus Gerv. (Cryptops laevigatus Brülle Exped. scient. d. Moree tab. 25. flg. 14. p. 62.) und G. sutcatus Gerv. (Cryptops GabrLelis Rrulle 1. 1. fig. 2.) unterscheiden sich auf folgende Weise: Geop/i. laevigatus bat 100 Fusspaare, auf dem Rücken eine Längsfurche und auf der Mitte der Bauchgürtel einen Längskiel. Geoph. °) Diese porenartigen oder stigmenartigen Eindrücke scheinen die Mündungen analoger Absonderungsorgane zu seyn, wie man sie bei Julus, Glomeris und I'olydesmus, aber an andern Stellen des Körpers findet. , sulcatus besitzt bei sonstiger grosser Aehnlichkeit 140 Fusspaare, also 23 Fusspaare mehr; eine Zahl, die doch kaum auf eine Identität beider hindeuten möchte. Sp. 2. \ Geophilus amftlguus. G. flavo-ferrugines, supra inagis ferrugineus, infra pallidior, pedum paribus 100 cum autennis pallide flavicantibus, dorso laevi depressiusculo, medio longitudinaliter subtrisulcato, sulco medio evanido; abdomine piano, glahro, cingulis in medio poro parvo ceutrali iustruetis. Caput subrotundum parte frontali brevi. Antennae tenues elongato-conicae articulis rotundis abbreviatis, apicalibus haud contractis, basalibus vix paulisper contractis. Appendices pe-diformes articulis mediis subelongatis basi subattenuatis. Longitudo 3", latitudo 1V". Diese Art hat durch Kopf und Anteuncnform ebenfalls Aehnlichkeit mit Gcoph. barbaricus Gerv. Der letztere besitzt aber nach Gervais IIB Fusspaare und auf der Mitte des Kückens eine einzige Längsleiste, neben welcher zwei Eindrücke sich finden, auch fehlen ihm die porcnförinigen Eindrücke auf den Baachgürteln. — Gcoph. laevigatus zeigt durch die Zahl der Füsse und Form der Antennen eine unverkennbare Verwandtschaft, soll aber auf dem Rücken nur eine Längsfurche und auf den Bauchgürtcln einen kleinen Längskamm besitzen. Sp. 3. % Geophilus viridipes. G. subsordide Jlavo-ferrugineus, capite et autennis sub-olivascentibus, pedum paribus J00 olivaeeis, corpore supra de-presso et impressionibus subquateriiis et cristatis subteruis longitudinalibus iustrueto, infra piano, laevi, pororum centralem vix vestigiis. Caput subrotunduin parte frontali brevissima. Antennae elongato-conicae, acuminatac, compressae, articulis brevissi-mis, basi haud attcnuatis. Appendices pediformcs pedibus concolores, articulis inediis sublatis, compressiusculis, subahbreviatis. Longitudo 3" 10'", latitudo t*/a"'. Diese Form zeigt mit der vorigen grosse Aehnlichkeit bis auf die namhaft gemachten Unterschiede, die mir aber doch wichtig genug schienen beide zu trennen. b. Antennae subtnoniliformes, articulis basi plus ml-nusve contractis. Sp. 4. \ Geophilus algcricus. G. flavo - ferrugineus subtus pallidior, fronte autennis pedibusque pallide subferruginco-flavicantibus, pedum paribus 106, corpore snpra depresso impressinnibus subternis, longitu-dinalibus iustrueto infra piano laevi, cingulis abdomiualihus singulis poro centrali distinetissimo perforatis. Caput subrotiindatum parte frontali brevi. Antennae te-retes elongato-conicae articulis abbroviatis basi angustioribus. Appendices pediformes articulis inediis et apicalibus gracili-bus, teretibus, suhelongatis, basi subattenuatis. Longitudo 4" 8"', latitudo 1% — 1I2'". Diese Form nähert sich durch die Zahl der Füsse dem Geophilus Savignü Gerv. (Descript. d. l'Egypte. Myriapod. lig. 4), so viel man nämlich aus der Abbildung dieser Art sehen kann, da wie bekannt die Beschreibung fehlt. Wenn indessen die Figur der Descript. d. l'Egypte getreu ist, so würde sich Geoph. Savignü durch einen langem Kopf, anders gebildete Fühler und geringere Grösse unterscheiden. Die Zukunft wird lehren, ob solche Unterschiede begründet sind. Moritz Wagneu's Algier. III. 19 Anhang. Ueber die pliysischen Eigentlrihnlichkei-ten der Völkerschaften in Algerien. von Dt*. Moritz Wagner mit einigen nachträglichen Bemerkungen von R. Wagner. 1, Die Mauren sind Städtebewohner. Die Männer sind meistens über mittlerer Grösse und mehr dick als mager. Im 18ten Jahre sind sie in der Regel ausgewachsen. Bis dahin ist der Körper wohl proportionirt, später tritt häufig Fettleibigkeit ein, zu welcher die Mehrzahl entschiedene Anlage bat. Die Haare sind schwarz und werden rings um den Kopf rasirt, nur am Wirbel bleibt ein dichter Büschel stehen. Der Schädel ist sehr ausgebildet, die Stirn gewöhnlich mehr hoch als breit. Die Augen sind gross, schwarz, wenig lebhaft, Nase und Mund gewöhnlich, die Wangen sehr fleischig, die Züge im Ganzen nicht sehr ausdrucksvoll. Der Hart ist schwarz, weniger stark, als bei den Italienern und Spaniern, und kommt gewöhnlich mit dem 17ten oder 18teu Jahr. Der Teint ist bei den Knaben sehr schön, weiss und frisch scharlachrot!), wie hei den Kindern im Norden. Wenn sie mannbar geworden verliert sich diese Frische, die Gesichtsfarbe wird gewöhnlich etwas dunkler und spielt ins Oli-venfarbige, manche Mauren haben einen schneeweissen Teint ohne alle Beimischung von Roth. Die Weiber sind ausgezeichnet schön, blühend roth und weiss, werden mit dreissig Jahren gewöhnlich fett. Die Brüste hängen tief herunter, weil sie solche von Jugend auf lang ziehen. Die Weiber tragen lange Haare in Zöpfen gellochten; die Geburtstheile aber werden rasirt. Sie färben ihre Augenbrauen und Nä-gel mit Henna, einem aus der am Atlas wachsenden Ijüwso-nia incrmis {Dcsfonl.) gewonnenen Farbestoffe. 2. Die Kabylen. Es lassen sich an diesem Bergvolk, welches olfenbar sehr gemischter Abstammung ist, nicht viele übereinstimmende Merkmale angehen. Alle Algierer Kabylen, die ich gesehen, wareu mehr klein als gross, sehr viele fast unter mittlerer Grösse. Durchgehends sind sie mager, aber dabei sehr knochenfest und äusserst abgehärtet. Sie haben auffallend wenig Bart. Die Haare sind bei den Meisten schwarz, bei der Minderzahl braun; hellblonde Haare haben nur einzelne Stämme. Der Kopf ist ziemlich rund uud ähnelt, so wie auch die Gesichtsbildung, sehr den mitteleuropäischen Völkern. Ihre Haut ist sonnverbrannt. Kleine Kinder haben die Hautfarbe der Europäer. Die Stämme des Aurasgebirgs sind sehr hell gefärbt, wie die Engländer. 3. Die Mosabiten oder Beni-Mzab, ein noch sehr wenig bekauntes Volk, welches drei Oasen der Sahara be- wohnt und von dem eine ziemliche Anzahl Individuen in den Städten Algier und Medeah sich niedergelassen hat. Sie sehen den Arabern ähnlicher als den Mauren, obwohl ihre Lehensweise den letztern näher kommt. Sie sind von mittlerer Grösse, mehr mager als dick, weniger muskulös und abgehärtet als die Kabylen und Araber. Ihre Haare sind sehr dunkelschwarz uud werden bis zum Wirbel geschoren. Die Stirne ist frei und wohlgebildet, die Augen sind schwarz, mandelförmig geschnitten, sehr lebhaft, aber sanft. Die Nase ist leicht gebogen, der Mund fein, von mittlerer Grösse. Der Teint ist sehr schmuzigweiss, fahl, zuweilen ins Braungelbe spielend; der Ausdruck der Physiognomie sanft, melancholisch, fast schwärmerisch. Es ist ein sehr intelligenter und indu-striöser Menschenschlag. 4. Die Araber sind in der Regel hohe, kräftige Gestalten. Die Mehrzahl ist über mittlerer Grösse und in der Provinz Oran sah ich mitunter wahre Riesen. Sie sind von viel gleichinässigerer Statur, als die Europaer. Ganz magere Individuen trifft man sehr wenige unter ihnen, eigentlich dicke gar nicht; ich sah nur einen einzigen Zwerg. Die massige Lebensweise, das Wohnen iu freier Luft, die viele Bewegung und die einfache Kost bewahrten die Körpercon-stitution dieses Volks vor Ausartung, obwohl es au so mancherlei hässlichen Krankheiten unter ihm nicht fehlt. Von den Schädeln der Araber ist meistens der Hintcrthcil sehr ausgebildet. Die Stirne ist hoch, aber oben einwärts gedrückt. Die Haare siud schwarz und werden bis iu die Nähe des Wirbels geschoren. Die Augen sind dunkelbraun, mandelförmig geschnitten, sehr lebhaft und feurig, ihr Ausdruck, so wie der des ganzen Gesichts, kündigt Energie und Stolz an. Sie haben eine schöne Adlernase und einen wohlgebil- deten Mund. Ihr Antlitz hat den bekannten orientalischen Schnitt uud ist vou länglicher Form. Alle Araber tragen einen kurzen Bart und Schnurrbart von schwarzer Farbe, welcher im 16ten Jahre gewöhnlich zu wachsen anlangt, aber nicht so lang wird wie bei den Südeuropäern, da die Araber die Barthaare nie rasiren. Die Hautfarbe dieser Wilden ist sehr verschieden. Unweit der tuneser Grenze sah ich Stämme, deren Teint nicht dunkler als der der Calabresen war. In der Provinz Oran hingegen fand ich Araber, die fast so schwarz wie Neger waren, übrigens ganz den Typus ihrer Nation trugen. Die Mehrzahl der Araber hat eine sonngebräunte Haut. Brust, Lenden uud Beine der Araber sind sehr kräftig, aber mehr an Knochen und Muskeln, als an Fleischfülle. Mit fünfzig Jahren sind die Araber gewöhnlich schon grau, siebenzig Jahre ist bei ihnen ein hohes Alter. Als häufige Krankheiten kommen Syphilis, schwarzer Staat und Degenerationen der Haut und des Zellgewebes an Armen und Beinen, besonders Elephantiasis vor. 5. Türken giebt es nur noch wenige iu Algier und ihre physische Constitution ist aus den Berichten der Heisenden im Orient bekannt genug. Die Türken, welche ich in Algier, Bona und Constantine gesehen, waren schöne Männer von auffallend weisser Hautfarbe und edlen Formen des Gesichts. Nie sah ich hohe Gestalten unter ihnen. Sie waren sännntlich von mittlerer Grösse oder darunter. Auch an Stärke des Gliederbaues stehen die Türken den Arabern weit nach. Die sogenannten Kuruglis sind aus einer Mischung des türkischen und maurischen Blutes entstanden und übertreffen ihre türkischen Väter an Kraft und Schönheit der Körper-lörmcn. Es giebt mehr Kuruglis als Türken iu der Hegentschaft Algier. 6. Die Jude 11 der Berberei siud ein weit schönerer Menschenschlag, als ihre Glaubensgenossen iu Europa. Sie sind gewöhnlich über mittlerer Grösse, selten ganz mager, doch auch weniger zum Fettwerden geneigt, als die Maureu. Besonders schöne, kräftige Menschen siud die Juden in Constantine. Ihre Physiognomie gleicht zwar den unter allen Himmelsstrichen zerstreuten Individuen ihrer Nation sehr, doch trägt sie den orientalischen Schnitt mehr, als die der europäischen Juden; ihre Züge sind schöner und voller. Kopfhaare und Bart sind immer pechschwarz. Die Stirne ist frei und hoch, die Nase gebogen, der Mund gewöhnlich. Die schwarzen Augeu sind sehr ausdrucksvoll. Der Teint ist sehr hell; bei den Kindern uud Frauen weiss und roth, bei den Männern später ins Olivenfarbige spielend. Von allen Völkern der Berberei sind die Juden der intelligenteste, aber auch wenigst energische Menschenschlag. 7. Die Neger der Berberei stammen aus verschiedenen Ländern des Innern Afrikas; die Meisten aus dein westlichen Sudan, die Minderzahl aus Guinea, einige auch von der Ost-küste Afrikas, wo sie über Aegypten eingeführt worden seyn mögen. Sie sind sämmtlich sehr liässlich, doch fehlt es unter ihnen nicht an kräftigen Gestalten. Brust und Schultern sind sehr breit; die Beine aber, besonders die Waden äusserst mager, die Fersen springen sehr weit heraus und sind eigentümlich gebildet. Bei den Negerkindern tritt der obere Theil des Schädels auffallend vor und bildet einen förmlichen Höcker, was sich bei zunehmendem Alter verliert; bei alten Negern ist die Stirne sehr zurückweichend. Die Haare sind kurz, wollig, pechschwarz, die Augeu gross; die Nase ist breit, nicht hervortretend, der Mund gross und die Unterlippen besonders sehr aufgeworfen. Die Backenknochen treten stark hervor, bei den Weihern mehr als bei den Männern. Die Zähne sind bei beiden Geschlechtern prächtig. Die Weiber haben lang- herabhängende Brüste. Sehr abweichend ist die Hautfarbe. Dunkelschwarze Neger giebt es nicht viele; bei den Meisten spielt die Farbe ins Aschgraue, der innere Theil der Hände ist ganz hell gefärbt. Ich sah auch gelbliche Neger. Diese Menschcnrace ist nicht ohne Intelligenz und erlernt mit Leichtigkeit alle Sprachen des Landes. [Dem anatomischen Museum in Erlangen wurden drei mitgebrachte Schädel, von einem Kabylen, einem Mau reu und einem Biskari oder Araber der Wüste einverleibt. Da die Schädel von Nationen der Berberei noch sehr wenig abgebildet sind, so habe ich auf Tab. XV—XVII. Profilan-sicbten dieser Schädel in natürlicher Grösse gegeben. Sämmtlichen Schädeln fehlten die Unterkiefer. Sie haben alle drei den allgemeinen Charakter im Schädelbau, welchen man bei den indo-europäischen Nationen und vielen Südseeinsulanern findet. Der Kabylenschädel gehört einem alten Manne an und trägt, wie man auch auf der Abbildung sieht, am Hinterhauptsbein die tiefe Spur eines Hiebs, wahrscheinlich eines Säbelhiebs; der Schädel ist oval mit stark prominirendem Kiefer, starken Augenbrauenbogen, und dachförmigen Nasenbeinen. Er glich sehr einem Songaresenschädel, den ich von einem Insulaner nächst der Insel Celebes besitze. Die Apertura pyriformis (welche in Form und Grösse bei den verschiedenen Meuschenraccn viel Eigentümliches hat), ist 18 Linien hoch und 11 breit; das Hinterbauptsloch ist gross. Oben auf dem Scheitel zwischen der Kranz- und Pfeilnath findet sich ein ansehnliches (h Wormianum (Tab. XV. Fig. B.) Der Maurenschädel zeichnet sich durch seine sehr rundliche Form aus. Er gehörte einem Manne aus dem Blü-thenalter. Die Nasenbeine und die Apertura pyriformis sind länglich; der Kiefer springt nicht vor; das Hinterhauptsloch ist rundlicher als bei den beiden andern Schädeln, eben so sind die Augenhöhlen hier am kleinsten. Der Biskari- oder Araberschädel gehörte einem ganz alten, durchaus zahnlosen Individuum an; der Kieferrand war in Folge der ausgefüllten Alveolen sehr geschwunden, scheint aber nicht prominirend gewesen zu seyn. Auffallend gross sind die Augenhöhlen. Die Apertura pyriformis ist länglich. Eine weitere Beschreibung machen die Abbildungen entbehrlich, besondere Eigentümlichkeiten finden sich nicht vor. R. TV agner. Leipzig, Druck von Ilirschleld, D r u c k f e h 1 e r. 1. Band. Seite 16 Zeile 5 von unt. lies Meersöhne stattMeersänge, ; S. 40 Z. 1 v. u. 1. Scheu st. Schani. ; i i 65 ' 1 v. ii. 1. es überlassend st. sie überlassend. 5 i 68 i 6 v. n. L Haikh st. Haökh. ; i 73 * 9 V. o. I. Kaboura st. Kabourea. s i 97 % 4 v. ii. 1. Unterdrückten st. Unterdrücker. = 1110 s 3 v. ii. I. Speoulationswüthige st. Specnla- tionswiithcndc. s s 132 s 3 v. o. 1. d as st. da. s * 185 im Inbaltsverz. Z. 6 1. Christin st. Christen. i i 213 Z. 6 v. o. 1. Sebau st. Sekau. s 213 ; 8 v. u. I. Uuduäu st. fleduau. ; ; 215 i 5 v. u. 1. Saldae st. Saide. : i 216 i 2 u. 16 v. o. 1. Gurraya st. Gnrria. = ; 220 20 v. o. I. B e r g a b h ä n g e st. Berabhänge. s i 221 ; l v. u. I. Beni-Hussein st, Beni-Hassein. ; s 225 ? 19 v. o. 1. Gürr'äya st. 6hirria. s ;229 * 4 v. u. 1. Ulad-Uart st. Ud-el-üart. 1 s 231 s 16 v. o. I. östlich st. westlicb. : ; 232 i 9 v. o. I. i m Lande st. dem Lande. , t 30S ; 12 v. o. 1. 76° st. 40°. s s 311 s 4 v. o. l.Tru p [iencommandanten stattTrup- pencommanten. s * 325 s 17 v. o. I. Tekedemt st. Tekendent. ; 349 s 8 v. o. 1. Kr st. Ks. s s 355 im Inbaltsverz. Z. fi. I. Kl-Sebgha st. El-Salgha. s ; 863 Z. 10 v. ii. I. Ibre st. Bir. s s 369 ; 19 v. o. 1. gelegenen st. gelegen, s s 439 s 1 v. o. 1, Mostaganem st. Algier, s s 481 j 9 v. u. 1. Beni-Mzab st. Ben-Mzab. 2. Band. S. 75 Z. 10 v. u, 1. Jüdinnen st. Türkinnen. s jH7 : 7 v. u. l.Kriegscontingentst.Zinscontingent. ; ; 126 s 4 v. u. I. Zulauf sl. Zusainineidauf. 2 ; 126 ; 1 V. u. 1. demnach st. dennoch. = s 134 s 16 v. o. 1. lockte st. lenkte. - * 158 * 2 v. o. 1. die afrikanische Kriegsweise statt Kriegs weise. 2. Band. S. 212 Z. 4 v. o. I. des Friedens st. das Friedens. ; t 231 i 7 v. o. 1. Mat-Koma st. Nedruma. ; : 255 s 7 u, 8 v. u. 1. deren majestätische Haltung und langen wallenden Gewänder das Malerische ihrer Gestalten erhob, oder die arabische Armee etc. ; i 261 t 1 Anm. 1. denkwürdigsten st. denkwürdigen. ; ; 25>I ; 16 v. o. 1. Somrnah st. Kommab. i ; 337 s 5 V. u. I. oben st. eben. s ; 33H ; 7 v. u. L pittoreske st. groteske. c i 352 s 18 v. o. 1. bat st. hatte. 3. Band. S. 8 Z. 2 v. u. 1. Mauritanien st. Mauritamien. s 35 s 13 v. o. 1. bekannt gewesen st, gewesen. ; i 108 t 16 v, o. 1. Siyrizii st. Sit/ririi. : ; 108 s 4 v. u. desM. ; i 129 ; 1 v. o. 1. blass st. blos. s : 134 = 11 v. o. 1. Cantrain e st. Contrninv, t 229 2 11 u. 12 v. o. 1. geognostischen st. geographischen'. i 230 4 v, n, 1. Lcntidium Jan. ; 0 233 ; 3 v. o. 1. einigeren st. wenigeren. i ; 233 4 vi. 5 v, o. 1. dessen unabänderlichem Einflüsse. c i 233 ; 6 v. u. I. so oft st. sonst. ; s 23<> s 9 v. o. 1. gewordenen st. gewesenen. ; ; 237 i 2 v. u. 1. Tcstmclla oder Helicophanta. : ; 247 ; 2 v. u. 1. Kr dl st. Uhlenberg. i t 247 - 2 n. 3 v. u. 1. deren Bekanntmacbu ngen » i c, Ii u i> 1 l> a t uto. s ; 249 : 5 v. o. I. hutiolidca. ; ; 252 s 11 v. o. muss nach Pupa das Komma wegfallen. ; 258 t 2 v. u. 1. omnibus st. monibus. j * 268 s 7 v. o. 1. mit mir st. mit mit.