^nfOonscOe-Triissions- TeifscDrisC Ser 5 ohne Des 0fgst. Q erzen? ijesu. Orpn DrsTTlarien-Herein fürTlfrtän H m mM Lrlclielnt monatlich einmal und holtet jährlich mit Voltzusendung 2 K = 2 — 3 ffranften. Misstonsbaus flIMllanb bet Briten, Tirol. Wriefkclsten der ^leöaäfton. i P. 99?., Khartoum. Sic werden den Apparat hoffentlich erhalten haben; hoffe, bei Gelegenheit auch die ersten Früchte zu sehen; dürfen den Mut nicht verlieren, wenn vieles mißlingt; durd) Fehlen lernt man. P. 991, Omdurman. 99?it sprechen allein ist mir nid.it gedient; endlich einmal etwas Greifbares bekommen. dem Wertn öd) tc auch zu Gesichte ■gteöa&tionsfcßt'uD am 80. April 1906. 5l6omncmentö:^rneuerungen. Bis 20. April 1906 haben folgende Nummern ihr Abonnement erneuert: 14 131 160 329' 380 421 468 484 720 772 773 854 858 864 947 959 981 1148 1181 1228 1230 1234 1276 1290 1316 1361 1433 1480 1494 1502 1521 1665 1936 1950 1978 1987 2205 2229 2254 2258 2311 2330 2334 2336 2345 2363 2397 2434 2457 2552 2593 2655 2684 2745 2750' 2813 2867 2932 2951 2961 2971 2977 2993 3044 3054 3101 3106 3129 3138 3164 3224 3226 3228 3276 3294 3320 3357 3369 3406 3453 3515 3523 3564 3619 3663 3670 3731 4027 4056 4068 4122 4130 4131 4134 4163 4168 4199 5083 5099 5114 5162 5186 5198 5269 5305 5317 5320 5337 5347 5362 5395 5408 5448 5452 5483 5486 5512 5554 5642 5653 5691 5732 5734 5736 5769 5831 5875 5886 6083 6100 6133 6230 6246 6247 6287 6365 6369 6374 6384 6417 6433 6443 6443 6461 6501 6502 6588 6625 6650 6685. Gaben -Werrzeictznis vorn 20. Mär-Z bis 20. April.' 1906. ------------- In Kronen. ------------ Cyfcrftucf: Arco Sc. Ein. Kard. Grufcha 100.—: Algund eilt Legat 600.— ; Atzbach Fr. Sch. 1.—; Hl.-Blut E. Br. 30.—; Brixen N. 91 10.—; N. N. 7.— ; K. T. 2.— ; Ehrw. Inst. Engl. Frl. 1.—; Erzb. Dr. Sim. Aichner 100.—; Düsseldorf E. v. H. 20.— ; Feld-thurns A. G. 10.—; Mang art I. Gsch. 5.—; Friedberg I. B. 1,—; Friedland N. 91 20.— ; Giri an F. Tsch. —.40; Gsies A. S. 30.—; Gisingen Pfr. B. H. 40.—; Gleisdorf H. H. Pfr. 2.— ; Grins D. A. N. 10.-; Haag M. B. 1.— ; Hallein A. W. 1.—; Hofmark G. Gr. 2.67; Hohenems 91 91 20.—; Hohenweiler G. W. 3.—; J n n s-bruck K. 991 2.—; 991 O. 1.—; K. G. 2.—; I. Kr. 2.— ; L. H. 1.— ; 991 B. 1.— ; 991 H. 3.—; M. L. 2.—; 991 R. 1.—; Hl. -Kreuz 91 91 5.—; I. B. 2.—; Krimml I. Pf. 2.—; L a m 6 cid) P. B. Grüner 10.— (Antoniusbrot); Lienz E. W. 19.80; So cf) cut L. D. 5.— ; Milland 91 91 20.— ; I. S. 1.— ; Fr. 5.— ; MühI b a ch R. W. 14.—; Murn au I. L. 1.17; N e u m a r k t 991 91 1.—; I. Tr. 1.—; Ob era u B. G. 2,— (für den Marienverein); Ober-planitzing 991 9t. 2.— ; St. Pölten A. B. 3. — ; Rag gal Pfr. K. Sch. 1,—; Re ich hub Fr. St. 30.—; Rud olsstal R. Fr. 1.—; S a ch senk a m I. H. 3.52; S a r n t h c i n 991 O. 53.— ; Schalders J. Pl. 1,—; Schnals 9t. G. 20.— ; Seitenstetten I. 991 1.—; Spatzcnhagen K. H. 1.17; Terlan F. W. 4. —; Tramin Pfr. Chr. Schr. 20.—; Sankt U lrich 9t. R. 2.—; Th. 0.1.—; S t. V ale n tin A. 991 18.40; Beitsh v ckh eim A. M.Br. 20.—; Villanders Pfr. I. W. 20.—; Billnöß R. G. 3.—; Völs am Schiern P. F. 3.—; Wartberg 991 B. 1.—; W e e r b e rg 91 K. 2.— ; Wertheim R. G. 1.17; Wien H. S. 2.—; Württemberg 91 91 2.—. Zur Persolvicrung von heiligen Messen: B. Wierthnber 1.— ; Ehrw. Sä)w. Jngelberta 5.85; L. Egger 3.51; ,4'av. Noppenberger 7.05;. hochw. Pfarramt Weikcrtschlag 22.—; B. Berlinger 2.— ; Jos. Wilfling 15.20; Freiin v. 9?agel 48.63; 991 L. 9914.80; 9l. Hackner 3.—; 9l. Mach. 8.— ; F. Klassert 4.68—; 91 91 20.— ; Fr. St. H. 5.—; A. Rühl 6.—; 991 Gstottuer 3.60:. 91 91 10.—. Zur Taufe vonHcidcnkindcrn: Durch Hvd)w. H. Pfr.Oellinger21.— (Franziska); Jos. Berchtold 35.26 (Jos., A. 9Naria); Hock)w. H. Pfarrer Büchner 21.— (Josef); A. 991 G. 20.-. Für die Mission: 991 Högling er 12.—; Ehrw. Schulschwestcrn in St..bg. 10.— ; Ebbs Th. S. 20.—. Für Mvusiguvrc Geher: 9l. Sckiud)lenz 4.—;. Erzb. Dr. Simon Aichner 100.— ; Jos. Feurwein 10.—; Bischof Dr. Schocbcl 10.— ; P. 99?. Hansel 10.—. Ausserdem sandten ein: Ehrw. Schwester Binzentia Ried zwei 9Neßgcwänder und zwei Stolen; H. H. Dir. Stadler Bücher und Devotionalien; Frl. L. Giampicolo Bücher; Ehrw. Institut der Engl. Fräulein neue Pallen; Barmherzige Schwestern in Brixen einige tausend Briefmarken und Ansichtskarten; Hochw. Herr Dekan von Kästelrutl) einige Paramente; Gräfin I. von Westerholt Kirchenwäsche. * * * „0 Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines 9?amcns willen das ewige Leben \w xr)/>r ^fz>rn ht>r ID AAAI*** dient vornebmliL der EMnter-^vl ineyei stützung und Ausbreitung der /llM||ionstätigfcdt der „Söbne des b eilig sten Derzens Jesu" und sudbt Verständnis und werktätige Liebe des .sllMssionsweihes in THUort und Schrift zu fördern. — Das Arbeitsfeld dieser /Dissionäre ist der Sudan (Lentralafrika). „Mlie schön sind die ffüße derer, die den Frieden, die frohe Botschaft des Defies verkünden"! (Min. 10,15.) tT)i>V h<>r 1VkC>sXPV(i ^'fcbdnt monatlfd) und wfr6 VvI iUJvl vom/Ibissionsbausflbillandbei 3ßriicn (Südtirol) herausgegeben. Abonnement ganzjährig mit ipostm-senbung 2 K = 2 flbk. — 3Fr. Deft 5. flDai 1906. SX. 3abrg. Dobe Empfehlung, Da ich die Peitsch ritt „Stern der Neger" schon durch mehrere Jahre halte und lese, kann ich bestätigen — und bestätige mit Freuden — daß sie eine sehr gute, interessante, lehrreiche und nützliche Lektüre bietet. Als katholische Missionszeitschritt und ©rgan des Marlen-Vereins für Afrika bringt sie besonders Berichte über den Stand der Mission im Sudan, welche der Kongregation her Söhne des heiligsten Derzens Jesu anvertraut ist, bespricht aber auch die Lage und den Erfolg anderer Missionen in den verschiedenen Ländern und Mlcltteilen. Sie schildert die '(Reisen und Erlebnisse der Missionäre sowie die Sitten und Gebräuche der mannigfachen, teils noch ganz wilden, teils vom christlichen Geiste schon ein wenig berührten Völker, sie erweckt das Interesse für dieselben und kann deswegen nur bestens empfohlen werden und dies um so mehr, als sie mit schönen photographischen Kopien versehen und dabei sehr billig ist. Leitmeritz, den 20. April 1906. Dr. Emanuel Johann Sdboebel, Von IRatro nach IkaMngo. IRdsecrlebnisse des Fr. 1Rarl Itloö F. 8. C. ach langem, dreijährigem Warten schlug endlich auch für mich die Stunde des Abschiedes von dem inzwischen schon liebgewordenen Kairo, die Stunde der Abreise nach dem Sudan. Jetzt endlich sollte mein Herzenswunsch in Erfüllung gehen. Es war der 10. April letzten Jahres, als ich Kairo verließ, um mich zunächst nach Assuan zu begeben. 10 Jahre sind verstrichen, seit ich diese Reise zum erstenmale machte und zwar in Begleitung unseres hochseligen Bischofs Roveggio, mit bei Gründung der Station Assuan hilfreiche Hand zu leisten. Damals mußte ich jedoch schon nach vier Monaten zurück; meine Gesundheit verbot mir jeden weiteren Aufenthalt. Zehn Jahre sind seit der Zeit verstrichen. Eigentlich eine kurze Spanne Zeit und doch wie viel hat sich während derselben geändert! Mein hochwürdigster Reisegefährte von damals weilt bereits nicht mehr unter den Lebenden. Als Opfer seines unermüdlichen Eifers ist er uns und der Mission in der Blüte seiner Jahre entrissen worden. Während uns damals der Eintritt in die eigentliche Mission wegen des Mahdi-Aufstandes verwehrt war und wir uns begnügen mußten, auf der Grenze des Missionsgebietes unsere Kräfte zu konzentrieren, um gegebenen Falles gleich bereit zu sein, in das eigentliche Missionsgebiet einzudringen, entstehen jetzt weit im Innern immer mehr Stationen,, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Aber auch in der Natur hat sich während der Zeit viel geändert, wenigstens insoweit der Mensch einen Einfluß auf sie hat. Damals brauchte ich zu der Reise von Kairo nach Assuan volle fünf Tage, hatte infolgedessen aber auch Muße, die Schönheiten der Natur voll auf mich wirken zu lassen. Beim Anblick der in ihren Ruinen noch großartigen Bauten konnte ich mich mit Leichtigkeit in die Zeiten ihres Entstehens zurück versetzen. Das war jetzt unmöglich. In kaum 24 Stunden trug mich das Dampfroß mit Blitzesschnelle an all diesen Herrlichkeiten vorbei. In solche und ähnliche Gedanken vertieft, kam ich in Gesirah, der letzten Station vor Assuan, an. Unwillkürlich kam ein „Gott sei Dank" über meine Lippen, „bald bin ich aus diesem Glutofen befreit", denn die Hitze in diesem Eisenbahnkasten war fast unausstehlich. Da auf einmal vernehme ich eine mir wohlbekannte Stimme; ein Blick zum Fenster hinaus zeigte mir, daß ich mich nicht getäuscht hatte. Es war ein Mitbruder von Assuan, der mich abholen sollte. Jetzt hieß es schnell aussteigen, da der Zug nur eine Minute Aufenthalt hatte. Doch das war schneller gesagt als getan. Hals über Kopf wurden meine zehn Koffer, die ich in allen Ecken unter die Bänke gesteckt hatte, teils zu den Fenstern, teils zum Türloche hinausbefördert; meine Reisegefährten waren mir dabei in zuvorkommender Weise behilflich. Schweißtriefend musterte ich meine Siebensachen. Der Zug pfeift und setzt sich langsam in Bewegung. Doch da merke ich zu meinem Schrecken, daß mir ein teures Haupt fehlt. In einem Satze wieder in den Zug, die Kiste ergreifen und hinausspringen war das Werk eines Augenblickes ; so war auch das Teuerste, was ich besaß, die Kiste mit den unentbehrlichen Patronen, gerettet. Nachdem die Sachen auf die von der Station mitgebrachten Grautiere geladen, ging es unserm Hause zu. Zum Glücke war der Weg nicht lang, denn sonst hätte ich nachher wieder zurückgehen können, um meine Siebensachen zusammen zu suchen. In der Besorgnis um mich hatte man zwar drei Esel mitgeführt, aber keinen Strick, die Sachen zu befestigen: so lagen sie denn alle zehn Schritte auf dem Boden. In Assuan hatte ich einen Tag Aufenthalt, konnte mich also ganz meinen Betrachtungen hingeben. Als ich das erstemal hier war, wohnten wir in einem arabischen Hause, eng und ohne Luft, und jetzt stand ein bequemes Wohnhaus vor mir; damals hatte ich einen Hofraum notdürftig mit Brettern gedeckt, damit er als Kirche diene, und heute trete ich in eine geräumige stattliche Kirche. Zwei große Marmortafeln verewigen die Namen der edlen Wohltäter, mit deren Hilfe sie erstanden ist. Wenn wir einstens nicht mehr sein werden, wenn die edlen Spender schon ihren Lohn erhalten, wenn spätere Generationen je einmal vergessen sollten, wem sie ihre Zivilisation, ihre Kultur, ihr Christentum verdanken, wem der Sudan seine Christianisierung verdankt: so werden es ihnen diese Tafeln wieder ins Gedächtnis rufen ; sie werden sie daran erinnern, was sie Europa schulden. Doch auch einen Schatz birgt dieses Heiligtum, diese Kirche. Vor dem Altare befindet sich ein schlichtes Grabmal: es birgt die teuren Ueberreste unseres apostolischen Vikars Msgr. Roveggio seligen Andenkens. Er hat den guten Kampf ausgekämpft, seinen Lauf vollendet und harrt hier vor dem Altare, den er selbst aufgestellt, auf den Lohn seiner Mühen und Arbeiten. Nach einem kurzen Gebet für seine Seelenruhe nahm ich von dem Teuern Abschied, um gegen Abend auch Assuan zu verlassen. In Schellal, das in den letzten Jahren durch den großartigen Wasserdamm weltbekannt geworden, bestieg ich den Postdampfer, der mich bis Wady-Halfa bringen sollte, wozu wir dreier Tage bedurften. Die noch übrige Strecke bis Khartoum wurde mit der Bahn zurückgelegt. Zu sehen waren auf der ganzen Strecke nur Sand und Himmel. Am ersten Abend erreichten wir eine kleine Kreuzungsstation.' Das rührige und rastlose Treiben, das sich hier mitten in der Wüsteneinsamkeit zeigte, berührte mich sonderbar. Auf meine Frage hin erfuhr ich, daß die Nebenstrecke zu den nahen Goldminen führe. Hier bekam ich auch etwas mehr Leben in mein Coupe: es gesellte sich nämlich ein Trupp Berberiner zu mir. Bald entspann sich ein lebhaftes Gespräch unter uns. Die Religion konnte natürlich nicht uu-berührt bleiben, da die Berberiner fanatische Moslems sind. Einer fragte mich unter ant)ernt auch, ob ich den Propheten Mohammed liebe. Auf meine Antwort hin, daß Mohammed kein Prophet, .sondern ein Betrüger gewesen sei, erwiderte er: „Mus queis“ (Das ist nicht gut). Ihrer Verwunderung über meine Kenntnis des Korans gaben sie mit folgender Bemerkung Ausdruck: „Ana araf culle“ (Der weiß alles). Ihre Bekehrungsversuche waren also bei mir mißglückt. Doch bald drückte sie ein anderes Leid. Einer hatte unterdessen wahrscheinlich bemerkt, daß ich etwas für den hungrigen Magen bei mir habe, oder sie konnten es sich auch denken, da sie schon wußten, daß ich wenigstens noch ein bis zwei Tage auf der Bahn bleiben mußte, ohne etwas kaufen zu können: kurz, auf einmal wies einer auf seine Magengegend mit der lakonischen Bemerkung: „Ana aggan“ (Ich habe Hunger), hast du nichts zu essen? Großmütig griff ich in meinen Brotkorb und verabreichte ihm einen halben Laib Weißbrot. Nun war ich der gefeiertste Mensch der Erde: ihre Lobsprüche über meine Güte fanden kein Ende. Ich war in der Tat froh, als sie auf der nächsten Station den Wagen verließen: abgesehen davon, daß mir ihre ewigen Lobeserhebungen schon zuwider waren, hatte ich auch Furcht.für meinen Proviant, denn so ein Berberinermagen kann viel vertragen, ehe er gesättigt ist, und darauf war meine Speisekarte nicht eingerichtet, zumal hier auf den Stationen nicht einmal Wasser, viel weniger etinaS anderes zu haben ist und ich noch wenigstens anderthalb Tage bis nach Khartoum brauchte. Die Nacht verlief für mich ohne besonderen Zwischenfall: in meine Decken eingehüllt, war ich bald allem Erdenleben entrückt und träumte von Löwenabenteuern und dergleichen. Erst am nächsten Morgen bemerkte ich, wie stark der Wind in der Nacht gehaust hatte; ich war nämlich förmlich eingeschneit, aber nicht in Schnee, sondern in Sand, den der Wind durch die scheibenlosen Fensterlöcher hereingetrieben hatte. Gegen 2 Uhr nachmittags kam ich endlich in Khartoum an. So war ich also nach fünftägiger Fahrt glücklich in der mächtig emporstrebenden Hauptstadt des' Sudans angelangt. Meine Hoffnung, bald weitersegeln zu können, sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen. Vorerst mußte die Rückkehr unseres apostolischen Vikars, der sich gerade auf einer Expedition in der Provinz Bahr-el-Gh'azal befand, abgewartet werden; sodann fiel nach der Rückkehr des hochwürdigsten Herrn der Wasserstand des Nils so sehr, daß wir die Fahrt unmöglich wagen konnten. So verstrichen denn sieben lange Monate, während welcher Zeit ich aber keineswegs müßig war. Arbeit war in Hülle und Fülle vorhanden, da die Räumlichkeiten des Missionshauses vergrößert werden mußten. Nebenbei ließ ich es mir nicht nehmen, das mächtig emporstrebende und sich zur modernen Großstadt entwickelnde Khartoum etwas genauer kennen zu lernen. Ende der 90er Jahre war tern der Neger. Heft 5 P. Keduscbi. P. IRobncn. Kr. Detnricb Klanl; t« Kr. (I^gan. Kr. Giacomelli. P. Kanbolzer. O O /nMsstonspersonal von Xul. VWy Wegegnung des P. Wanbolzer mit dem Scbtllukkönig jfaöiet. Heft 5. Stern der Neger. Khartoum noch ein elender Trümmerhaufen; alles, was nicht bombenfest war, hatten die Horden des Mahdi nach Eroberung der Stadt 1885 zertrümmert und so blieb es bis zur Wiedereroberung durch die anglo-ägyptischen Truppen (1898). 1903 war die Bevölkerung schon auf 8000 gestiegen, jetzt zählt sie bereits 14.500. Die Eröffnung der neuen Eisenbahn von Suakin nach Atbara, die stets wachsende Ausdehnung der Baumwollpslanzung und die Erleichterung des Verkehrs mit den inneren Provinzen sind mächtige Faktoren zur Hebung der Hauptstadt. Mit der Zunahme der Bevölkerung geht die Bautätigkeit Hand in Hand. Ueberall entstehen Häuser und Bauten. Auch für die religiösen Bedürfnisse wird gesorgt. Es steht bereits eine Moschee mit zwei Mina-retten da, die ungefähr 260.000 Mark gekostet hat. Zur englischen Kirche wurde bereits im letzten Jahre der Grund gelegt: die Kirche soll etwa 140.000 Mark kosten. Die nichtunierten Kopten haben ihre Kirche für etwa 100.000 Mark beinahe fertiggebaut. Die nichtunierten Griechen haben bereits den Grundstein zu ihrer Kirche gelegt. Wir Katholiken haben eine kleine Hauskapelle, die höchstens 120 Personen saßt. In bezug auf den Kirchenbau sind wir Katholiken noch am weitesten zurück. Möge unser hochwürdigster Bischof bald in der Lage sein, den Bau der geplanten Kathedrale in Angriff zu nehmen! Der Platz, auf dem sie sich erheben soll, ist einer der schönsten von ganz Khartoum: von der einen Seite wird er von der Hauptstraße begrenzt, an der sich nur öffentliche Gebäude befinden, auf der andern Seite wälzt der blaue Nil seine gewaltigen Gewässer vorbei (vgl. Bild S. 116). Was mir im Gegensatze zu anderen Städten hierzulande in Khartouin am meisten auffiel, war die peinlichste Reinlichkeit und große Ordnung, welche die englischen Behörden herzustellen verstanden haben. Manche Städte im hyperkultivierten Europa könnten hier viel zu ihren Gunsten lernen; während man dort nach einem Regen vor Schmutz kaum über die Straßen gehen kann, ist hier nicht einmal ein Papierchen auf denselben zu finden. Und das bei einer Bevölkerung, die in ihrem Großteil an nichts weniger als an Reinlichkeit gewohnt ist! Diese öffentliche Reinlichkeitspflege hat es auch mit sich gebracht, daß sich das vor kurzem noch so sehr gefürchtete Klima von Khartoum schon bedeutend gebessert hat und sich die Gesund- heitszustände zu vorzüglichen gestalten. Hätte man nicht fortwährend den schwarzen Krauskopf vor sich, so würde man besonders in bell Monaten Dezember, Jänner imb Februar kaum glauben, sich in Afrika zu befinden. Die ©tobt; hat eilt ganz europäisches Gepräge; sie besitzt sogar schon eine Eisfabrik, mechanische Werkstätten und Kaufläden mit großartigen Schaufenstern; Kasinos und dergleichen sind gleichfalls schon vertreten. Auch unsere Mission macht gute Fortschritte; die Zahl der Katho-! liken vermehrt sich beständig. Die Schüler-zahl belief sich im letzten Jahr auf 40; die Schwestern unterrichteten 45 Mädchen. Am 16. November endlich begab ich mich von neuem auf die Reise; diesmal ans unserem^ eigenen Missionsdampfer „Rtdemptor". Unsers hochwürdigster Herr Bischof geleitete uns persönlich auf unsere Stationen; es waren unsers drei Laienbrüder und sechs christliche Knaben aus der Negerkolonie Gesirah bei Kairo; letztere sollten auf die verschiedenen Stationen verteilt werden. Nachmittags halb 1 Uhr dampfte der „Re-demptor" von Khartoum ab; in Omdurman! wurde angelegt, um noch verschiedene Sachen! für die Stationen mitzunehmen. Den noch übrigen Teil des Nachmittags und die ganze Nacht wurde mit Volldampf weitergefahren. Die Gegend bot fast gar keine Abwechslung;: so verlies auch der 17. November und die darauf folgende Nacht, ohne daß sich uns etwas Sehenswertes dargeboten hätte. Erst am 18. November bemerkten wir die ersten Krokodile und Nilpferde. Am Abend dieses Tages erreichten wir auch die Holzstation Shabacha, wo wir Holz zu fassen gedachten; doch war nichts mehr zu haben. Auch die Hoffnung unseres Maschinisten, weiter nil-aufwärts solches zu finden, erfüllte sich nicht. Zur Mittagszeit waren wir an der durch den Mahdi-Aufstand berühmt gewordenen Insel Abbo vorbeigesteuert. Hier hatte sich nämlich der Mahdi durch ein strenges Einsiedlerleben auf seine berüchtigte Mission vorbereitet; hier hatte er seine ersten Anhänger um sich geschart,-mit denen er in der Folgezeit ein ägyptisches Heer nach dem andern vernichtete, bis 1885 auch Khartoum, die Hauptstadt, in seine Hände fiel. Heute steuern wir frohen Mutes an der berüchtigten Insel vorbei, dem Sudan zu; Mahdi und seine Wirren sind verschollen und die Mission, der er so unsägliche Wunden ge- schlagen, der er fast den Todesstoß gegeben, ist gleich dem Pelikan verjüngt aus ihren Trümmern erstanden und verspricht sich jetzt unter der trefflichen Leitung Msgr. Geyers zu ungeahnter Blüte zu entwickeln. Der 19. November verlief ohne besonderen Zwischenfall. Am Abend bolder Himmel einen herrlichen Anblick dar. Soweit das Auge reichte, war er feuerrot. Die Eingeborenen pflegen nämlich zu dieser Zeit das dürre Gras und Gestrüpp zu verbrennen. Eine unangenehine und für uns geradezu verhängnisvolle Bescherung brachte uns der ‘20. November. Schon vor 14 Tagen hatten wir unsere Segelbarke mit 20 Eseln an Bord vorausgeschickt, um bei dem Verlassen des Flusses die Reittiere gleich zur Hand zu haben. Heute, den 20. November, holten wir sie schon ein; infolge des ungünstigen Windes konnte sie nicht weiter; es blieb also nichts übrig, als sie ins Schlepptau zu nehmen, obwohl dadurch unsere Geschwindigkeit fast auf die Hälfte reduziert wurde; zudem hatten wir fast kein Heizmaterial mehr. Auch in Faschoda, das wir am 21. November erreichten, war kein Holz zu erhalten; so fuhren wir denn unverzüglich weiter, um ja keinen Dampf zu verlieren. Abends 10 Uhr war das letzte Stück Holz in den Cfeu gewandert. Jetzt war guter Rat teuer : vor uns eine stockfinstere Nacht und kein Stück Holz ! Auch das für die einzelnen Stationen bestimmte Holz der Segelbarke war bald aufgebraucht. Da wir nicht mehr weit von der Missionsstation Lul fein konnten, gingen wir daran, alles, was auf der Barke nicht niet-unb nagelfest war, zu verbrennen, um wenigstens Lul noch zu erreichen; doch bewegte sich das Schiff kaum merklich weiter. Zum Ueber-fluß gaben uns auch die mit einem Boote vorausgeschickten Leute zu verstehen, daß nirgends Holz zu stnden sei. Da ein Ruck und wir saßen im Uferschilfe fest. Jetzt hieß es: alle Mannschaft ins Wasser; rasch waren die vorhandenen Taue am Schiffe befestigt und es begann ein recht drolliges Schauspiel. Unter ohrenbetäubendem Geschrei wurde das Schiff samt der Barke zu der etwa 50 Meter weiter stromaufwärts gelegenen Landungsstelle gezogen. Es mochte gegen 12 Uhr gewesen sein, als mir sie glücklich erreichten. Da wir unsere Mitbrüder nicht aus dem süßen Schlummer wecken wollten, so verbrachten wir den Rest der Nacht auf dem Schiffe. An Schlaf war infolge der überstandenen Aufregung nicht zu denken; zudem riefen uns schon um 4 Uhr die Glocken der nahen Station zur Kirche, denen wir auch sogleich Folge leisteten. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt ein Requiem für die Seelenruhe des vor kurzem hier gestorbenen Br. Blank, während wir in gleicher Absicht die hl. Kommunion aufopferten. Während des darauffolgenden Frühstücks gab es viel zu plaudern und zu erzählen. Ich traf hier einen Mitbruder, den ich vor acht Jahren das letztemal gesehen. Bald störte uns das Geläute, welches die Schilluk zur Arbeit rief. Für heute mußten sie beim Ausschiffen der für Lul bestimmten Gegenstände helfen. Wie alle Neger, strengten sich auch unsere Schilluk nicht allzu sehr an bei der Arbeit; umsomehr Fleiß bekundeten sie aber bei Besichtigung des Schiffes; jeder hatte etwas zu fragen und hatte man eine Sache schon hundertmal erklärt, so konnte man gleich darauf das zweite Hundert beginnen. Meine ganze Aufmerksamkeit zog der junge Prinz von Lul auf sich. Er ist ein schöner, stattlich gebauter Schilluk. Auf dem Schiffe bot ich ihm etwas Brot und einige Datteln an, was er mit einem Appetit verzehrte, als hätte er eine achttägige Hungerkur durchgemacht. Jetzt trennte er sich nicht mehr von mir, ob wegen der Hoffnung, seinen Magen von neuem stärken zu können, oder ob aus einem edleren Beweggründe, könnte ich nicht sagen. Da er etwas arabisch verstand und auch einige englische Brocken erlernt hatte, könnten wir uns leidlich unterhalten; um mir zu zeigen, welche Fortschritte er bei den Patres gemacht, nahm er ein englisches Buch zur Hand und las mir daraus etwas vor. Wir hoffen, daß er einstens nach Empfang der heiligen Taufe und als König der Schilluk der Mission von großem Nutzen sein werde. In Ermangelung jeglichen Holzes in der Umgegend mußten wir den Holzvorrat der Station in Anspruch nehmen, um wenigstens weiterfahren zu können. So dampften wir berat gegen 2 Uhr nachmittags ab, in der Hoffnung, auf der nächsten Holzstation unserem Mangel abhelfen zu können. Nächsten Morgen, 23. November, kamen mir glücklich dort an, doch auch diesmal sahen wir uns getäuscht. Zum Glücke waren gerade einige Regierungsdampfer auf der Station. Auf Ersuchen des hochwürdigsten Herrn traten sie uns bereitwilligst einige Säcke Kohlen ab, so daß wir gegen 9 Uhr getrost weiterfahren konnten. Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir die Mündung des Sobat. Da das Nilwasser hier schlecht ist, füllten wir im Sobat unsere Sirs (Wasserbehälter). Auch auf der nächsten Holzstation war kein Holz vorhanden ; einstweilen reichten unsere Kohlen noch aus. Was aber, wenn sie vor der Ankunft in Attigo aufgebracht waren! Dem Hungertode wären wir gerade nicht preisgegeben, da wir den für die Stationen bestimmten Proviant an Bord hatten, und zudem hätten wir uns auch von den Eingeborenen einige Lebensmittel kaufen können. Doch so weit sollte es Gott Haus aus Ziegelsteinen erbaut. Ich ergötzte mich hier sehr an einem jungen Löwen, den die Brüder gezüchtet. Er ist ungefähr 70 Zentimeter hoch. Ohne irgend jemand etwas zuleide zu tun, hält er sich den ganzen Tag in der Station auf; am liebsten spielt er mit dem Haushunde. Anfangs hatte ich doch ein gewisses Grauen vor ihm und wagte es nicht, mich ihm zu nahen; doch bald kam er selbst zu mir und fing an zu spielen; er stieg mit seinen Vorderfüßen auf meinen Schoß, leckte meine Hand und ich konnte dieselbe ohne Gefahr in seinen Rachen legen. Als aber der Scbütufcnegeun mit Dausgerät. fei Dank nicht kommen. Den 24. November gegen Mittag erreichten wir endlich Attigo. Ich hatte gerade das frugale Mittagmahl zubereitet. So konnten die beiden Patres der Station mit uns an Bord speisen. Nach dem Essen begab ich mich gleich ans Land, um meine Mitbrüder aufzusuchen. Die Missionäre haben sich hier unter unsäglichen Mühen ein Koch das Essen auf den Tisch setzte, war es mit dem Spielen vorbei. Er stellte sich auf die Hinterfüße und wollte sich gerade ein Stück Fleisch aus der Schüssel nehmen, als ihm der Koch noch rechtzeitig mit dem Schöpflöffel eins auf die Schnauze versetzte; brüllend verließ er das Zimmer und legte sich im Hofe nieder. (Fortsetzung folgt. Der Bufscbwima RegWtens. m tiefsten stand wohl Aegypten am Anfange des vorigen Jahrhunderts unter der Herrschaft der Mameluken. Die Bevölkerung war aus einige Millionen zusammengeschrumpft — die Lebensadern des Landes, die Bewässerungskanäle, zumeist verstopft, die bebaute Bodenfläche äußerst gering, das Volk bedrückt und ausgesogen, der Verkehr mit den europäischen Staaten völlig abgeschnitten. Mohammed Ali, der Begründer der gegenwärtigen Dynastie, räumte bekanntlich 1811 die Mameluken aus dem Wege und suchte daun die Entwicklung des Landes nach Kräften zu heben. Zu diesem Zwecke berief er viele Europäer nach Aegypten, namentlich Franzosen. Da diese Fremden mit den Verhältnissen in Aegypten nicht hinreichend bekannt und vielleicht mehr auf ihren eigenen Gewinn als auf den Nutzen des Landes bedacht waren, vornehmlich aber weil Mohammed Ali selbst im Herzen ein echter orientalischer Gewaltherrscher verblieb und den ersehnten europäischen Fortschritt mehr in Aeußerlichkeiten suchte als in der inneren Gesundung und Entwicklung des Landes, blieb der wahre Aufschwung Aegyptens hinter den gehegten Erwartungen und gebrachten Opfern weit zurück. Unter den Nachfolgern Mohammed Alis ging es nicht besser; ja unter dem Vizekönig Ismail, der den stolzen Ausspruch getan: „Mein Land liegt nicht mehr in Afrika, sondern wir gehören zu Europa", endete die erstrebte wirtschaftliche Entwicklung im Staatsbankerott von 1879. Erst als die Engländer nach Niederwerfung des Ausstandes im Jahre 1882 die Herren Aegyptens geworden waren, begann die eigentliche Entwicklung des Landes oder, wenn man will, der zweite und bessere Abschnitt derselben. Durch eine Besatzung englischer Soldaten in Kairo und Alexandrien sorgten die Engländer zunächst für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe int Lande. Ferner nahmen sie die Polizei in ihre Hände, um dadurch die Sicherheit von Leben, Eigentum und Gewerbe zu gewährleisten. Ausschreitungen von unten, aber auch von oben wurden schleunigst und streng bestraft, namentlich wenn sie gegen Engländer gerichtet waren. Als vor einigen Jahren eine Abteilung englischer Soldaten, die vom Felddienste heimkehrten, in einem Dorfe belästigt worden war, wurde das Dorf in der folgenden Nacht umzingelt, die Schuldigen wurden verhaftet und zu mehrjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Ein sehr bekannter Pascha hatte einen Untergebenen mißhandelt. Es wurde ihm öffentlich der Prozeß gemacht: nach tagelangen Verhandlungen wurde er zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt und als der Vizekönig ihn. begnadigen wollte, wurde ihm das verwehrt. Solche Beispiele rufen zwar in den betroffenen Kreisen große Erbitterung hervor, weckten aber nach und nach in allen Schichten der Bevölkerung das beruhigende Gefühl, daß in Aegypten anstatt der einstigen Willkür und Gewalt Recht und Sicherheit zu herrschen beginnen. Schließlich wurde in geschickter Weise die ganze Verwaltung mit englischen Beamten durchsetzt bis zu den Sekretären in den einzelnen Ministerien, wodurch der Schlendrian und die ehemalige Bestechlichkeit beseitigt wurden. Der dem Finanzministerium zugeteilte englische Beirat überwacht den Pulsschlag des wirtschaftlichen Lebens, während der englische Gesandte Lord Cromer als ungekrönter König des Landes schältet und waltet. In Aegypten ist der Ackerbau die Haupterwerbsquelle. Das rührt zuerst von dem Werte der angebauten Früchte, z. B. Baumwolle, Zuckerrohr, Zwiebeln, ferner daher, daß der Boden das ganze Jahr hindurch, .Sommer und Winter, Erträge liefert, und stammt endlich daraus, daß diese Erträgnisse durchaus sicher sind, da in Aegypten weder Kälte noch Hitze, weder Dürre noch Nässe und durchschnittlich auch kein Insektenfraß den Pflanzenwuchs beeinträchtigt. Das einzige Erfordernis ist das nötige Wasser zur Berieselung der Felder: darauf richteten denn auch die Engländer ihre Hauptaufmerksamkeit. Die bestehenden Bewässerungskanäle wurden verbessert, neue angelegt und zur Speisung der Kanäle Stauwerke im Nil errichtet. Allbekannt ist die vor drei Jahren vollendete Nilsperre bei Assuan.. Durch diese vermehrten Bewässerungsmittel wurden die bereits angebauten Flächen ertragsfähiger gestaltet und immer neue dem Ackerbau eröffnet, die von den stetig sich mehrenden Eingebornen begierig in Bearbeitung genommen werden. Der landwirtschaftliche Betrieb ist noch einer unabsehbaren Steigerung fähig, da zu beiden Seiten des Nils auf Tausende von Kilometern sich breite Flächen erstrecken, die nur der Bewässerung harren, um in kostbares Ackerland verwandelt zu werden. Für die Bewässerung werden immer kühnere Pläne erdacht, von denen die brauchbarsten auch gewiß zur Ausführung gelangen werden, sobald und soweit die vorhandenen Geldmittel es gestatten. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft hielt die des Handwerks gleichen Schritt. Vor einem Menschenalter gab es unter den Eingebornen Aegyptens keine eigentlichen gelernten Handwerker und nur die alleinfachsten Werkzeuge. Nägel zum Beispiel wurden mit einem Kieselstein eingetrieben. Von den herbeigerufenen Europäern aber lernten die Aegypter bald die verschiedenen Zweige des Handwerks und gegenwärtig haben sie ihre, ehemaligen Lehrmeister aus den gewöhnlichen Arbeiten völlig verdrängt. Da nämlich der Araber viermal so billig und einfach lebt wie der Europäer und meistens kräftiger und wider- standsfähiger ist, so arbeitet er bedeutend wohlfeiler als dieser. Feine Arbeiten müssen aber nach wie vor europäischen Handwerkern überlassen werden, die viel genauer zu arbeiten verstehen als die Eingebornen. Seit einigen Jahren haben auch Gewerbe und Handel sich sehr gehoben. In den letzten sieben Jahren entstanden nicht weniger als 85 Gesellschaften zur Förderung der Landwirtschaft, des Bergbaues und des Häuserbaues; die städtische Bautätigkeit ist geradezu fieberhaft. In Alexandrien und namentlich in Kairo entstehen ganze Stadtviertel mit Riesengebüuden. Eine der Ursachen der riesigen Entwicklung des Baugewerbes liegt im stetig wachsenden Fremdenverkehre, der wiederum durch die unaufhörlich verbesserten Verkehrsmittel immer mehr erleichtert wird. Seit einigen Monaten besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen Berlin und Kairo mit einer Reisedauer von nur 100 Stunden. Mit der steigenden wirtschaftlichen Entwicklung steigt natürlich auch der allgemeine Wohlstand. Man kann z. B. in der Straßenbahn nicht selten Eingeborne in ihrem wallenden und keineswegs sauberen Gewände beobachten, die einen gefüllten Beutel aus der Tasche ziehen, in dem auch verschiedene Goldstücke blinken. 'IN. 'IX 'IX 'IX 'l\ 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX 'IX Begräbnis und Grabet der alten Begppter» Von 1b ans und streng wie der Kultus der alten Aegypter war auch ihr Charakter. Den größten Einfluß übte ihr Glaubensleben aber auf die Bestattung ihrer Verstorbenen, worin sie einzig dastehen. Sie verwendeten auf die Bewahrung der Leichen vor Verwesung eine solche Sorgfalt, daß diese sich Jahrtausende hindurch bis auf unsere Zeit erhalten haben. Nach ihrer Ueberzeugung starb der Mensch nur zum Teil und war diese Ueberzeugung so tief mit ihnen verwachsen, daß sie die Verstorbenen „die Lebenden", das Grab „den Schrein der Lebenden", „das gute Haus", „die ewige Wohnung" nannten. Dasjenige im Menschen, das nach dem Leben noch fortlebt, bezeichneten sie mit dem geheimnisvollen Worte Schweiger. Ra, ein Ausdruck, welcher sich nicht direkt übersetzen läßt. Er bedeutet soviel wie: der Geist, die Seele, das Ich, die Person. Der Glaube, daß nach dem Tode des Menschen nicht alles aus sei und nach dem Tode mehr übrig bleibe als der Leichnam, war wohl schon in den ersten religiösen Vorstellungen der Aegypter mit verwoben; damit hängt logischerweise auch der Glaube an ein Gericht nach dem Tode zusammen. Bei diesem waren nach ihrer Meinung 41 Richter aufgestellt, welche über die 42 Todsünden verhandelten und vor welchen der Ra sich verantworten mußte und je nach dem Grade der Schuld entweder mit Ruten gepeinigt oder von einem Ungeheuer verschlungen wurde. Diejenigen aber, welche gerechtfertigt aus dem Gericht kamen, gingen zur Anschauung Gottes, um einst zur Wiedervereinigung mit dem Leibe zu gelangen. Deshalb mußte auch der Körper aufbewahrt werden, damit der Ra denselben jederzeit wiederfinden konnte. Materialistisch aufgefaßt, war es nun ganz logisch, daß der Ra auch eine Wohnung sowie Nahrung nötig hatte. Diesem Glauben entsprechend, gab es auch irdische Totengerichte, welche darüber entschieden, ob der Verstorbene eine entsprechende Wohnung erhalten dürfe oder nicht. Starb nämlich ein Mann, so wurde auf erhobene Anklage hin, daß er keinen einwandfreien Lebenswandel geführt, vor diesem Gerichtshöfe darüber verhandelt, ob eine feierliche Bestattung der Leiche zuzulassen sei oder nicht; selbst die Könige waren diesem Urteil unterworfen: eine Einrichtung, welche von den besten Folgen für das ganze Volksleben begleitet war. Es ist begreiflich, daß dieses Volk für die Gräber seiner Verstorbenen große Aufwendungen machte, ja, daß wer dazu imstande war, sich schon bei Lebzeiten ihm zusagende Begräbnisstätten herstellen ließ, um so für seinen Ra eine würdige Wohnstätte zu haben. Die größte Sorgfalt aber wurde verwendet, um den Körper vor Verwesung zu schützen und ihn so auf ewige Zeiten zu erhalten. Um dies zu erreichen, mußte der Leichnam besonders präpariert, mumifiziert werden. Dies wurde erreicht, indem er von allen Eingeweiden befreit, dann entweder mit Asphalt gefüllt oder in eine Natronbeize 30 bis 70 Tage gelegt und hernach mit Spezereien gefüllt wurde. Endlich wurde jedes einzelne Glied und dann nochmals der ganze Körper entweder in gewöhnliche oder gummierte Leinwand eingewickelt, worauf die Einsargung in einem möglichst hermetisch schließenden Holzsarg erfolgte, welcher bei Wohlhabenden noch in einen Steinsarg gelegt wurde. Die Armen legten die Leiche in die Massengräber oder in die Wüste. Die Vornehmen hatten eigene Grabstätten: Mastaba. Die erste Aufgabe der Mastaba bestand darin, dem Leichnam und dem Ra eine möglichst sichere Wohnung zu schaffen, um ihn so vor den Wassern des Nils, vor wilden Tieren, Räubern und Feinden zu schützen, da bei ihnen die Zerstörung der Leiche gleichbedeutend mit dem Tode des Ra war. Es ist nun leicht begreiflich, daß ein Raum, für I dessen solide Herstellung keine Kosten gescheut wurden, auch in dekorativer Hinsicht entsprechend ausgestattet wurde. Es waren eigene Nischen zur Aufnahme der Krüge mit Nilwasser, ferner zur Aufnahme des Opferfleisches und des Brotes angebracht. Meistens war noch eine besondere Nische für die Statue des Verstorbenen aus dauerhaftestem Material vorhanden. Die Statue hatte nicht nur den Zweck, den Hinterbliebenen die Gestalt des Verstorbenen zu vergegenwärtigen, sondern sie sollte auch dem Ra einen ganz besonderen Rückhalt geben. Im übrigen waren die Wände und Decke dekorativ behandelt mit Szenen aus dem Leben des Toten re. re., mit Hieroglyphen, um die Taten desselben der Nachwelt zu überliefern. Wir wissen nun, daß in der Mastaba alles vorgesehen war, was dem Ra angenehm sein konnte, aber der Sarg fand darin keinen Platz. Um denselben vor aller Entweihung zu schützen, wurde innerhalb der Mastaba ein 12 bis 25 Meter tiefer Schacht ausgehoben, welcher am Fuße seitwärts eine Kammer zur Aufnahme des Sarges erhielt. Mittelst Seilen wurde dort der Sarg versenkt und in der Kammer beigesetzt, worauf der Schacht wieder eingefüllt wurde, damit so, außer den nächsten Angehörigen, niemand wußte, wo der Körper des Verstorbenen zu finden ist. Was nun die äußere Form dieser Mastaba betrifft, so ähnelt dieselbe einem großen aufgeschütteten Grabhügel. Die Größe wechselt zwischen 40 bis 50 Meter Länge, 5 bis 8 Meter Breite und 4 bis 9 Meter Höhe. Besonders zahlreich finden wir deren lleberreste noch in der alten Totenstadt Memphis. Memphis, die Hauptstadt des alten Reiches, der „gute Ort", gegründet vom ersten Aegypter-könig Menes oder Mena (zirka 3200 vor Christi Geburt), einst eine Großstadt im wahren Sinne des Wortes, ist nun eine Totenstadt. Seine Ruinen mußten das Material zum Aufbau von Kairo liefern. Sagte doch schon der Prophet Jeremias dessen Untergang voraus mit den Worten: „Memphis wird zur Einöde, wird verlassen und unbewohnbar sein." Hier sind auch die Grabstätten von Pharao Ramses II. zu suchen, der 66 Jahre regierte und die Juden unterjochte. Ob arm oder reich, gewiß Millionen Leichen sind hier von dem ewig unruhigen Wüstensande bedeckt. LebenssckLcksaLe unseres Neopk^ten Zosek. Von P. Job. Denket F. 8. C. erblickte zu Kairo das Licht der Welt. Sein Vater war Feldwebel unter dem alten Khedive Dhaufik-Pascha; er hieß Osman, seine Mutter Bulla. Mit 7 oder 8 Jahren besuchte Josef die arabische Schule zu Kairo. Obwohl er am Lernen wenig Freude fand, so lernte er, dank seiner guten Talente, doch gut arabisch lesen und schreiben. In seinem zwölften Jahre verlor er den Vater und in einem Jahr darauf auch die Mutter. Unser armer Josef stand jetzt allein und verlassen da. In Kairo, der Stätte seines Unglückes, glaubte er nichts mehr verloren zu haben, so griff er denn nach dem Wanderstabe. Sein nächstes Ziel war Alexandrien; aber auch hier, wo er bei einem Schreiner in die Lehre ging, behagte es ihm nicht lange;, er kehrte bald in seine Vaterstadt zurück. Hier wurde er mit unserer Negerkolonie Gesirah bekannt. Seiner Bitte um Aufnahme wurde bald stattgegeben. Unter der Leitung des Bruders Dördelmann vervoll-kommte er sich in der Schreinerei. Nebenbei lernte er auch italienisch. Als er eines Tages das Unglück hatte, eine Säge zu zerbrechen, war das erste, was er tat, Reißaus zu nehmen. In der englischen Kaserne zu Kairo sand er Arbeit, wo er auch durch den Verkehr mit den Soldaten die englischeSprache erlernte. Nachdem er noch zweimal in unsere Negerkolonie zurückgekehrt war, aber jedesmal nur für kurze Zeit, hielt es ihn auch in Kairo nicht mehr; er wollte Europa kennen lernen, von dem er schon so viel gehört hatte. Von dieser Zeit an datiert sein unruhiges, abwechslungsreiches Wanderleben, das volle 5 Jahre währte, bis er wieder in unserer Mission die ersehnte Ruhe fand. Von Alexandrien, wohin er sich zuerst begab, fuhr er auf einem französischen Dampfer nach Marseille und von da mit der Bahn nach Avignon. Da ihm hier das Geld zur Weiterreise ausging, mußte er sich zunächst wieder etwas verdienen. Wegen seiner Kenntnis des Englischen und Italienischen fand er bald Anstellung in einem Hotel. Als dann aber der Winter die Gäste vertrieb, war es auch mit seinem Verdienst aus. Er ging also weiter nach Lyon. Ueberall, wo er hinkam, wurde er gut aufgenommen, schon aus dem einzigen Grunde, weil er ein Afrikaner war. In Lyon bekam er bei dem amerikanischen Konsul Arbeit. Er mußte, wie er sich ausdrückte, den Stempel auf die Papiere drücken (abstempeln). Von Lyon ging es dann bald weiter nach Paris und, soweit sein Geld reichte, zu Schiff nach Havre, weil er vernommen hatte, daß er dort Arbeit finden werde. Ohne zu wissen, wie, kam er hier in den Ruf, ein tüchtiger Heizer zu sein; so fand er denn auf einem englischen Dampfer Arbeit. Als er dann sein Amt als Heizer antreten sollte, wußte unser armer Josef nicht, wie anfangen. Als ihm der Kapitän eine Karte vorzeigte, auf der er als tüchtiger Heizer bezeichnet wurde, war er nicht wenig erstaunt, da er sich nicht erklären konnte, woher sie komme. Doch einmal in der mißlichen Lage, mußte er aus der Not eine Tugend machen und sich unter Leitung des anderen Heizers an die Arbeit begeben. Mit diesem Schiffe kam er nach Montevideo in Südamerika, zurück nach Frankreich und dann nach England. Die Fahrt währte 3 Monate; das auf derselben verdiente Geld war bald verjubelt und mußte er wieder zur Arbeit greifen. Er suchte und fand sie auf einem Schiffe, das nach New-Iork fuhr. Von dort wieder nach England zurückgekehrt, begab er sich nach Glasgow. Da sich der alte Geldmangel wieder einstellte, verlegte er sich aufs Fechten und zwar nicht ganz ohne Glück. Bald hatte er soviel zusammengebettelt, daß er sich nach Cardiff auf den Weg machen konnte, wo er Arbeit zu finden hoffte. Hier traf er einige Araber, bei denen nichts zu verdienen war, jedoch verdiente er sich auf der Schiffswerft eine hübsche Summe Geldes. Mit dem Krämerladen, den er auf Anraten der Araber für das verdiente Geld erstand, machte er schlechte Erfahrungen. Kunden hatte er unter den Arabern genug, doch zahlen wollte keiner. Auf sein Drängen erwiderten sie, er möge nur alles gut notieren, zu Neujahr-würden sie ihre Rechnung schon bezahlen. Als der Jahreswechsel herankam, begab sich unser Josef mit einem dicken Buch unter dem Arme zu seinen Kunden, aber vom Zahlen wollte keiner etwas wissen; so sah er sich denn genötigt, den Laden wieder zu veräußern. Neuerdings versuchte er sein Glück als Heizer. Diesmal ging es nach Edessa in Griechenland, dann nach Sidney in Australien, von da nach Bombay, Kalkutta und Aven, ferner durch den Suezkanal nach England zurück. Nachdem er dann wieder einige Tage gefeiert hatte, ging es auf einem andern Dampfer nach Rotterdam, Amsterdam und Hamburg. In letzterer Stadt wäre .es ihm beinahe schlecht ergangen, indem er in einem Wirtshaus in Streit geriet und nur durch eilige Flucht einer Tracht Prügel entging. Nach Cardiff zurückgekehrt, begab er sich zu Fuß nach London, wo er in einer Fabrik Arbeit fand; er mußte jedoch wegen Krankheit die Arbeit bald aufgeben. Nachdem er es nach Wiederherstellung der Gesundheit noch einmal als Heizer versucht hatte, wobei er nach Gibraltar, Venedig und Triest kam, begab er sich wieder auf die Schiffswerft in Cardiff. Hier nun befiel ihn nach einem überaus wechselreichen Wanderleben, auf dem er alle Weltteile berührt hatte, ein unwiderstehliches Heimweh; er wollte sein Vaterland wiedersehen. Mit erster Fahrgelegenheit schiffte er sich darauf nach Alexandrien ein und steuerte frohgemut der Heimat zu. Nachdem er sich 4 Monate in Aegypten herumgetrieben und sich ziemlich viel verdient hatte, begab er sich nach Khartoum. Hier nun traf er einen Neger, den er von Gesirah her noch kannte. Unwillkürlich erinnerte er sich an die Mission, an die liebenswürdige Aufnahme, die er dort gefunden; dunkel war ihm auch noch der Unterricht im Gedächtnisse, den er dort genossen. Es regte sich der Wunsch in ihm, die christliche Religion jetzt näher kennen zu lernen. Gerne fand sich der Neger bereit, ihn zu unserem Missionshause zu führen, wo seiner Bitte um Aufnahme auf das bereitwilligste willfahren wurde. Seine Beschäftigung fand er hier in der Schmiede; und so oft unser Dampfer sich auf der Reise zu den einzelnen Stationen befindet, fungiert unser Josef an der Seite eines Bruders als Maschinist. Auch im Religionsunterrichte machte er gute Fortschritte. Der in Gesirah begonnene Unterricht war bald vervollkommnet und so schlug auch für ihn die Stunde der geistigen Wiedergeburt. Es war der 25. Februar, als ihm der hochwst. Herr Bischof Geyer die heilige Taufe spendete. In der Taufe erhielt er den Namen Josef. Er ist jetzt ein braver Jüngling und der Bruder, unter dessen Leitung er arbeitet, weiß nur Gutes über ihn zu berichten. Es war auf meiner ersten Fahrt nach dem Süden, wo ich mir seine Lebensschicksale erzählen ließ, und hier in Lul brachte ich sie zu Papier. Gebe Gott, daß sein jetziger Eifer stets anhalte. Aus dem Miffionsleben. Lin dbnftticbes Deldenberz. Don P. %. D. 1. „Unsere Liebe Frau von Afrika." Es war im Jänner 1895. — Ich war damals Rektor an der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Afrika. Eines Morgens hatte ich eben mein Brevier zu Ende gebetet und wandelte nun auf dem freien, mit südländischen Bäumen bepflanzten Platz vor der Basilika auf und ab, um das ewig-neue, entzückende Schauspiel zu genießen, das jedem Besucher dieses einzig-schönen Punktes unvergeßlich bleibt. Vor mir und zu meiner Linken dehnt sich in endlose Fernen das blaue Meer. Auf seinem leichtgekräuselteu Spiegel ist hie und da ein schneeweißes Segel sichtbar, das sich einer munteren Möwe gleich auf den ewig-bewegten Wellen zu wiegen scheint. In einiger Ferne, ein wenig nach rechts, lenkt der stolze Marseille-Dampfer seinen Kurs nach Norden; schneidig und scharf durchschneidet der behende Koloß die Flut, daß der Gischt empört um den Bug des Störenfriedes emporspritzt und sich fast mit dem Dampfstreifen vermischt, den das Schiff hinter sich läßt. Die kleinen Segel in der Nähe verneigen sich untertänig vor dem sichern Fußes daherstürmenden Riesen, während die erregten Wogen hinter ihm sich schäumend schließen und erst allmählich wieder zur Ruhe kommen. Dicht vor mir fällt das terrassenartige Vorgebirge*), auf dem die Wallfahrtskirche erbaut ist, ziemlich steil zum Meer hin ab, dessen Wogen schmeichelnd den granitnen Fuß umkosen, der ihnen gleichsam ein kühnes Halt gebietet. Links, etwas hinter mir, heben sich der Turm und das flache, geschweifte Dach des Seminars St. Eugen vom azurnen Himmel ab. St. Eugen lugt freundlich hervor aus einer subtropischen Pflanzenfülle, aus einem Hain von würzigem Eukalyptus mit seinen langen, weideähnlichen Blättern, uralten Oel-bäumen mit ihrem melancholischen, staubig-grauen Blattwerk, den gigantischen, stacheligen Aloes, die dort ganze Hecken bilden. Zwischen St. Eugen und der Basilika dehnt sich eine rebenbepflanzte Mulde, in deren gelb-braunem Sandboden sich die Stöcke auffallend üppig entwickeln. Anspruchslose Zypressen, ernsten, stummen Wächtern gleich, umsäumen das liebliche Bild. Ich wende mich zur Rechten. Dort zieht sich wie ein riesiger Halbmond ans blauem Grunde die Reede nach Algier hin: dahinter, sanft aufsteigend, die schöne Stadt mit ihren freundlichen, weißen Häuserwürfeln. Drüben, an der Spitze des Halbmondes, des Kap Matifu und rechts daneben am Horizont die gezackten Spitzen des Dschurdschnra. 2. As«mr-näit-Lalem. Eben kam ein junger Araber behenden Schrittes den steilen Weg zum Busarea herauf. „Ein arabischer Student aus einer Nachbarstadt," dachte ich und lenkte meine Schritte dem früheren Kolleg der Weißen Väter zu, das nur durch einen mäßig-breiten Weg von der Basilika getrennt liegt. Doch da ertönte plötzlich ein fröhliches: „Guten Morgen, P. D.!" hinter mir her. Wie ich mich umwende, steht der junge Eingeborne schon vor mir. „Kennst du den Aschnr-nLit-Salem nicht mehr?" rief er lachend und streckte mir die Hand entgegen. Jetzt erkannte ich ihn. Richtig, es war *) Ausläufer des Busarea (407 m), der den höchsten Punkt des Sahel, eines Höhenzuges längs der algerischen Küste, bildet. Die Kanonen des Forts auf dem Busarea beherrschen Stadt und Hafen. Aschur, der kleine Springinsfeld von früher, der wildeste meiner braunen Schulbuben. „Komm, Aschur," sagte ich -und bot ihm einen Platz auf der Gartenbank neben dem Hause an, „erzähle mir von deiner Heimat, deinen Eltern und besonders von deinen Erlebnissen !" „Von meiner Heimat?" meinte er. „Davon weiß ich leider nicht viel zu berichten. Kurz nachdem du von unserem Stamm schiedest, starben meine Eltern: mein Onkel verließ darauf unser Dorf und zog nach Tunesien. So war ich denn verwaist und verlassen von allen. Die arabischen Marabuts kümmerten sich auch nicht um mich. Aber Gott sorgte; die Missionäre nahmen mich zu sich. Bei ihnen lernte ich die christliche Religion kennen. Lange habe ich darüber nachgedacht und studiert und als ich sie gut begriffen hatte, bat ich um die Taufe. Dann mußte ich meine vier Jahre als Katechnme in der Mission zubringen und endlich, endlich war ich getauft auf den Namen Leo Maria. Hamdullah! (Gott sei gepriesen!) — Nach der Taufe brachten mich die Patres bei einem Kaufmann unter. Es hat mir dort ganz gut gefallen, aber kürzlich ist mein Herr nach Europa zurückgekehrt. Nun sucht man mir eine neue Stelle. Währenddessen habe ich um Erlaubnis gebeten, einige Tage nach Algier gehen zu dürfen; ich hatte schon oft von Unserer Lieben Frau von Afrika gehört und wollte doch mal gerne eine Wallfahrt dorthin machen." „Brav, Leo, das war ein schöner Gedanke!" entgegnete ich, freudig überrascht über diese glückliche Entwicklung meines ehemaligen kleinen Schülers. „Um 8 Uhr lese ich die heilige Messe," fügte ich bei, „der wohnst du bei, nicht wahr?" „Gewiß, sehr gerne, Pater!" „Inzwischen bleibt mir noch einige Zeit, um dir die Basilika zu zeigen." 3. Das Annere der JßasUifca. Wir stiegen die Stufen des herrlichen Gotteshauses hinan und traten ein. Der junge Kabyle blieb erstaunt stehen; solche Pracht hatte er noch nie gesehen, nie geahnt. Seine Augen schweiften über die marmorbekleideten Wände mit den Tausenden von Votivtafeln, über die kostbaren Altäre und Kandelaber, die von dem frommen Sinn der italienischen, spanischen und besonders der maltesischen Wallfahrer beredtes Zeugnis ablegen. Vor allein blieben seine Blicke haften auf dem Bildnis Unserer Lieben Frau von Afrika, das sich hoch oben über dem Hochaltar auf marmornem Sockel erhebt. Es ist die mehr als lebensgroße, gekrönte Statue der Königin Afrikas. Das wallende, weite, mit Blumen übersäte Gewand ist schneeweiß und läßt die ebenholzschwarzen Züge Mariens um so mehr hervortreten. Die Arme sind mütterlich ausgebreitet, als wollte sie alle aufmuntern, sich mit Vertrauen der getreuen Jungfrau zu nahen. Darüber aber wölbt sich in goldenen, aus lauter Votivherzen gebildeten Lettern die Inschrift: „Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Mohammedaner!" — Ich machte Aschur auf die Krücken aufmerksam, welche zum Danke für erlangte Heilung neben dem Altar ihren Platz gefunden, auf die Schiffe, welche erkenntliche Seeleute nach glücklicher Rettung aus dem Schiffbruch dort in verkleinertem Maßstabe aufgehängt, auf die schier zahllosen Herzen von Gold und Silber, auf die vielen, mit den rührendsten Inschriften bedeckten Marmortafeln, unter denen die Wände des Gotteshauses förmlich verschwanden, lauter sprechende Beweise der mächtigen Fürsprache Mariens. Nun gingen wir an dem schön bronzierten gußeisernen Geländer vorbei, das als Chorabschluß und Kommunionbank dient, auf den Hauptaltar zu. Leo betrachtete ihn aufmerksam. Am meisten interessierten ihn die hier angebrachten Waffen. „Der Degen dort," setzte ich meine Erklärung fort, „gerade unter dem wundertätigen Bild, stammt vom Marschall Pelissier. Daneben siehst du den Säbel des tapferen Generals Jussuf; endlich der Rahmen hier enthält die kleine Muttergottesmedaille, die der berühmte Marschall Bugeaud auf allen seinen Feldzügen in Afrika bei sich trug." „Und diese vielen Orden und Ehrenzeichen, die man fast überall dort hängen sieht?" „Das sind meist Kreuze der Ehrenlegion, die Offiziere oder einfache Soldaten hier nach glücklich überstandener Gefahr niedergelegt oder die sie durch andere noch nach ihrem Tode hier haben niederlegen lassen als Zeichen der Liebe und Erkenntlichkeit." Leo sah schweigend vor sich hin. „Ach, Pater," sagte er endlich, „wenn ich doch auch einmal der Muttergottes etwas Aehnliches schenken könnte! Wie froh würde ich dann sein!" * * * Es war Zeit zur heiligen Messe. Leo diente mir, zur Verwunderung der anwesenden Pilger, und empfing voll Andacht die heilige Kommunion. Den Tag über behielt ich ihn bei mir. Leo kam mir zeitweise sehr ernst und in sich gekehrt vor. Ich fragte ihn nach der Ursache. „Ich denke nach . . .," erwiderte er — mehr brachte ich nicht aus ihm heraus. Gegen Abend kaufte sich mein junger Freund eine Medaille, ließ vor der Statue Unserer Lieben Frau eine Kerze anzünden und betete den Rosenkranz. Dann nahm er Abschied von mir. Ich gab ihm noch einige Ratschläge für seinen Aufenthalt in Algier und versprach ihm, daß ich ihn am folgenden Sonntag den 37tit= gliedern der Erzbruderschaft besonders empfehlen würde. Er dankte mir herzlich, küßte meine Hand und sagte lächelnd: „Heute morgen dachte ich nach . . . Heute nachmittags hab' ich's gefunden !" Dainit ging er hurtigen Schrittes den Hügel hinab der Stadt zu. Von Zeit zu Zeit wandte er sich um und sandte mir einen letzten Scheidegruß zu. Einige Zeit nachher traf ich einen unserer Kabhlenmissionäre. Natürlich erkundigte ich mich bei diesem auch nach Leo. Der Pater wußte mir aber leider nur soviel zu sagen, daß der Jüngling von seiner Reise nach Algier nicht zurückgekehrt sei; man wisse überhaupt nicht, was aus ihm geworden. 4, Das ÄbatienMnd. Seit jenem Besuche war über ein Jahr verstrichen, als mich eines Tages ein Turko*) in der Sakristei der Basilika zu sprechen wünschte. Beim Eintreten sah ich mich einem armen jungen Manne gegenüber, dessen fahle, abgezehrte Züge mir Mitleid einflößten. Er glich einem wandelnden Skelette. Als er mich erblickte, richtete er sich mühsam von seinem Stuhl auf und legte militärisch grüßend seine Rechte an die Scheschia. „Sie wünschen mich zusprechen?" fragte ich. „Ich habe mich sicher sehr verändert," erwiderte der braune Krieger und ein Lächeln glitt über die abgemagerten Züge. „Kennst du mich denn nicht mehr?" *) Die Turkos, eigentlich Tirailleure oder algerische Schützen genannt, bilden eine Truppe, die aus den Eingeborenen ausgewählt wird. Jetzt betrachtete ich ihn aufmerksamer. „Wie, Leo, bit bist es!" rief ich schmerzlich überrascht aus. „Armes Kind, wie elend du aussiehst! Woher kommst du denn eigentlich?" „Von Madagaskar, Pater! Als ich Abschied von dir genommen, habe ich mich sofort zu den Tirailleurs, gemeldet und den Wunsch ausgesprochen, sofort mit ins Feld zu ziehen; ich hatte meine Absicht dabei!" „Armer Freund, was hast du durchmachen müssen!" „Pater! Unsere Liebe Frau von Afrika hat mich während der ganzen Expedition beschützt. Von der Landung in Majnnga an bis zur Einnahme von Tananarivo hat sie mich nie verlassen. Sie hat mich vom Sumpffieber errettet, hat mich vor den Kugeln der Howas bewahrt, wo so viele Kameraden um mich her gefallen sind. Darum habe ich mich auch sofort heute morgens nach der Landung hierher aufgemacht, um dieser guten Mutter zu danken und ihr ein kleines Andenken zu bringen." Damit zog der Tnrko unter seinem Ledergurt ein kleines Päckchen hervor, das er mir überreichte. Ich öffnete. Es war — das Kreuz der Ehrenlegion. „Nicht wahr, Pater," bat der arme Soldat und seine Augen leuchteten flüchtig auf, „du legst es zu den andern zu den Füßen der Muttergottes nieder?" Stumm griff ich Leos Hand und führte den Wackeren vor den Altar. Dort angekommen, hob er seine Hand, in der das Kreuz ruhte, zum Bilde Unserer Lieben Frau empor; dann stieg er mit meiner Hilfe mühsam die Stufen hinauf und legte den Tribut seiner kindlichen Liebe zu den Füßen Mariens nieder. Ich wollte den armen Jungen noch ein paar Tage bei mir behalten. Er lehnte meine Einladung dankend ab. „Ich soll mich noch heute im Dey-Lazarett einfinden. Wie würde ich mich freuen, wenn du mich dort hie und da besuchen könntest!" „Ganz gewiß, Leo! Ich hoffe übrigens, du kommst bald wieder zu Kräften und bist in einem Monate hergestellt. Daun mußt du aber wieder'hier herauf zur Basilika kommen; ich lese dann für dich eine heilige Messe zurDanksagung." „Gott ist der Herr, Pater! — Vielleicht liest du eine Seelenmesse für mich, bevor der Monat abgelaufen ist. Doch ich fürchte den Tod nicht — ich bin bereit!" Bewegt reichten wir uns die Hand; daun schied er von mir. * * * Drei oder vier Tage später begab ich mich zum Militärlazarett, um meinen lieben Tnrko zu besuchen. Auf dem Wege begegnete ich einem Unteroffizier, der eben vom Lazarette kam und gerade auf mich zuging. „Herr Pater," redete er mich an, „kennen Sie vielleicht ?. D . . ., Rektor an Unserer Lieben Frau von Afrika?" „Der bin ich selbst, Herr Unteroffizier!" „Sie gehen jedenfalls zum Lazarett, um den Turko Aschur zu besuchen?" „Jawohl; wie gehl's ihm?" „Ich bringe Ihnen eine traurige Nachricht; der arme Kamerad ist gestern nachts gestorben. Unter seinem Kopfkissen hat sich dieser Brief an Sie gefunden." Ich erbrach das Schreiben. Es enthielt nur ein paar Zeilen, die von unsicherer Hand gekritzelt waren: „Guter Pater! Mein Ende naht; ich fühle es. Aber ich sterbe gerne, denn ich habe mein Versprechen, das ich Unserer Lieben Frau von Afrika gegeben, erfüllt. Bete für Dein Kind Leo-Maria." Unwillkürlich drückte ich meine Lippen auf das beschriebene Blatt Papier — es war der letzte Gruß von lieber Hand — und Tränen traten mir in die Augen. „Sie entschuldigen meine Bewegung, Herr Unteroffizier; es war ein gutes Kind, ich hatte es lieb gewonnen." „Wer hätte ihn nicht gerne gehabt, Hochwürden! Wir haben zusammen den Feldzug nach Madagaskar mitgemacht und ich habe ihn sehr gut gekannt. Seine Vorgesetzten hielten große Stücke auf ihn und stellten ihn dem ganzen Regiment als Muster hin. Dazu war er der Liebling seiner Kameraden. Aschur war immer dort zu finden, lub es am heißesten herging. Wenn es hieß: Freiwillige vor! so war er der erste, der sich meldete. Er war stets guten Blutes und bei schwierigen Märschen heiterte er alles auf durch feinen Humor. Im Feuer hielt er sich wacker, ja hartnäckig, mochten ihm auch die Kugeln 'um die Ohren pfeifen. Fast kein Tag verging, wo er sich nicht irgendwie hervortat. Bald rettete er das Lager vor einem Howa-Ueberfall, bald nahm er dem Feind eine ganze Proviantkolonne weg. Fast nach jedem Gefechte wurde er zum Rapporte kommandiert. „Aschur," sagte ich eines Abends zu ihm — es war nach einem Zusammenstoße mit dem Feinde, wobei er sich wieder ausgezeichnet hatte, „du wirst deine Tollkühnheit noch mal teuer bezahlen." „Das ist wohl möglich," antwortete er mir treuherzig; „aber ich muß das Kreuz der Ehrenlegion gewinnen und ich weiß noch nicht recht, wie ich es anstellen soll." „Nimm dem Feind eine Fahne ab," rief in einem wahren Kugelregen aus. Bald kniend, bald liegend, bald wieder stehend feuerte er auf die Madagassen, bis ihn zwei feindliche Kugeln in den Sand streckten. Ich suchte ihn im Feldlazarett auf. „Es ging wirklich nicht!" war sein erstes Wort, als er mich sah. „Es waren ihrer zu viele; ich konnte die Fahne nicht in meine Hand bekommen. Nächstens hoffe ich mehr Glück zu haben!" Uebrigens war Aschurs Zustand nicht unbedenklich; der Arzt zuckte die Achseln und der Scbülukdort. ich lachend, „und bringe sie dem kommandierenden General." „Gut," lautete die Antwort; „ich werde sie ihm bringen — so Gott will!" -ft * -ft Nach einer Pause fuhr der Unteroffizier fort: „Kurz vor der Einnahme von Tanana-riva fand eines Tages wieder ein Gefecht statt. Gleich im AnsmiZ rettete Aschur seinem Haupt-maün das Leben. Aber das genügte dem Wackeren noch nicht; er hatte es eben auf die Fahne abgesehen. So harrte er eine Stunde Dumpalme. Kranke schien trotz seiner Willenskraft täglich schwächer zu werden. Wir glaubten alle, er sei verloren. Da, eines Tages, als ich gerade bei ihm war, um Abschied zu nehmen — ich sollte mich folgenden Tages einer Kolonne anschließen — tritt zu meiner größten Ueber« raschung der Herr Oberst mit mehreren Offizieren unter das große Zelt, das als Lazarett diente. „Aschur-nuit-Salem!" ertönte die Stimme des Obersten. „Hier!" „Im Namen des Regiments gratuliereich Ihnen zu Ihrer musterhaften Haltung vor dem Feinde!" „Zu Befehl, Herr Oberst, wir haben alle unsere Pflicht getan! „Hiermit," fuhr der Offizier fort, „überreiche ich Ihnen im Namen des kommandierenden Generals das Kreuz der Ehrenlegion!" Aschur hatte sich nur mit größter Anstrengung aufgerichtet. Infolgedessen öffnete sich die Wunde wieder und — war es der Blutverlust oder die tiefe Erregung — der Kranke sank bewußtlos auf das Feldbett zurück. Der Oberst trat hinzu, heftete das Kreuz vorsichtig auf die vom Blute gerötete Brust des jungen Helden und drückte ihm stumm die Hand. „Der arme Kerl ist verloren," meinte er und wandte sich zum Gehen. Trotzdem besserte sich der Zustand des Kranken zusehends und die Kräfte kehrten so schnell zurück, daß unser Aschur zwei Monate später wieder einrücken konnte. Aber es war nur für kurze Zeit. Hatten ihn die Kugeln der Howas nicht tödlich getroffen, so sollte er dafür dem Malariafieber zum Opfer fallen. Aschur kämpfte mit der ihm eigenen Willenskraft gegen das tückische Leiden; er pflegte scherzend zu sagen: „Gegen Fieber gibt es kein besseres Mittel als Pulverdampf." — Aber endlich gewann das Fieber die Oberhand und der Arzt befahl schleunige Heimsendung. Das übrige wissen Sie." „Wußte man beim Militär," fragte ich, „zu welcher Religion Aschur-nnit-Salem sich bekannte?" „Zuerst meinten wir, er sei Mohammedaner, bis wir einmal bemerkten, wie er vor einem Angriff mit der blanken Waffe erst das Kreuz-zeichen machte. Der Mann, der ihn abends zum Lazarett brachte, hat auf der Brust des Verwundeten eine kleine Medaille der Muttergottes bemerkt. Daraus mußten wir schließen, daß er ein Christ sei. Er machte übrigens aus seiner Religion kein Hehl; zudem war er häufig beim Feldkaplan." Unterdessen waren wir, der Unteroffizier und ich, fast unvermerkt beim Lazarett angekommen. Der Militärgeistliche ergänzte die Mitteilung des Unteroffiziers. „Er ist sanft entschlafen," sagte er, „als echter Christ, voll rührender Ergebung in Gottes heiligen Willen!" Tags darauf begab ich mich zum Friedhof. Schon kennzeichnete ein bescheidenes hölzernes Kreuz die letzte Ruhestätte des tapferen Soldaten. Ich aber ließ auf das Kreuz die Worte setzen: Leo-Maria Miles Christi Servus Mariae. („Afrika-Bote.") iS ^ m Verschiedenes. n m ->j Der chinesische Barbier. Von P. R. P., Missionär. Im Lande der Zöpfe spielt der Barbier die größte Rolle. Trotz der Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit seines Amtes gilt er dennoch als verächtlich; sein Geschäft ist eben eine Sklavenarbeit. Wenn auch kein eigentliches Kastenwesen in China existiert, so gibt es doch genaue Abstufungen im Range der Beschäftigungen. Da gelten als die unnobelsten die Schauspieler, Musikanten, Barbiere, Sänftenträger usw., mit denen die achtbaren Bürgerstöchter keine Ehen eingehen und die auch von den öffentlichen Prüfungen ausgeschlossen sind. Der Barbierlehrling muß bei einem Meister drei Jahre lernen; dann dient er noch einige Zeit als Geselle, bekommt vom Meister schließlich seinen Barbierkasten und darf sich nun selbständig niederlassen. Die Ti-thon-di, Rasierer, bilden eine Gilde, haben ihren Götzen, Lno-zuo genannt, ihreBereins-festc zu Ehren ihres Patrons, verdienen viel Geld und führen bei ihrer leichten Beschäftigung ein gemütliches Leben. In den großen Städten finden sie sich zu Hunderten. Ihre Bude schlagen sie auf der Straße auf, angelehnt an die Außenseite der hohen Häuser; ein Schild mit der Abbildung des Rasierbrettes und einige im Winde flatternde Haarzöpfe verraten ihre Firma. Da wird vom Morgen bis zum späten Abend frisiert und rasiert. Die Utensilien befinden sich in zwei praktischen Kästen mit mehreren Fächern. Der eine Kasten enthält zuoberst die zinnerne Waschschüssel mit Kohlenherd darunter. Der andere Kasten dient als Sitzbank; in einer Schublade sind die Rasiermesser, in der anderen die Kämme und Bürsten sowie ein hölzernes Schüsselchen, das der Patient hält zur Aufnahme der abgemähten Haare. Seife braucht der chinesische Rasierer nicht, sondern nur heißes Wasser, so heiß, daß wir den Rasierten mit Fug „Patient" nennen dürfen. Er muß sich über die Schüssel beugen, nachdem ihm der Haarkünstler die seidene Zopfschnur abgenommen und die Haarstränge zu einem Knoten aufgewickelt hat. Dann feuchtet der Rasierer, durch die Gewohnheit unempfindlich gegen das heiße Wasser, das Haar an, mit den Händen um den Kopf streichend, dann immer stärker Wasser zuführend, zuletzt den Kopf förmlich badend durch Aufschütten von Wasser mit beiden Händen. Wie dem Patienten dabei zumute ist, läßt sich nicht beschreiben; man muß es selber erlebt haben, um es sich vorstellen zu können. Der Europäer, der sich zum erstenmal dieser Tortur unterwirft, seufzt und stöhnt und hascht nach Atem. Endlich ist die Waschung beendet. Mit der flachen Hand streift der Barbier das Haar ab, wischt mit nassem Lappen das Gesicht ab und streicht auf feuchtem Lappen in der Hand sein Messer. Dann geht es rasch vonstatten. Während die Linke die Haut spannt, fährt die Rechte mit dem Messer über den Kopf und schmerzlos schabt der Künstler die Haare ab, die in das bereit-gehaltene Schüsselchen fallen. Mit einer Bürste streicht er dann nochmals heißes Wasser auf und glättet die Haut, das letzte überflüssige Härchen wegmähend. Alsdann wird das Gesicht über den Napf gezogen, gebadet und in gleicher Weise rasiert. Nun wird der Zopf gekämmt, so zart und vorsichtig, wie es ein europäischer Haarkünstler nicht vermag, und wieder zusammengeflochten. Wenn das Rasieren beendet ist, streicht und drückt der Künstler die eben geglättete Kopffläche mit flacher Hand, dazwischen im Takte die Hände zusammenschlagend, um den Blutlaus wieder zu beleben und Erkältung zu verhüten. Dann streicht er seine Sapeken ein und zieht mit seinen Utensilien an der Stange weiter. Die Gittprobe. Einer der schändlichsten Gebräuche, denen die heidnischen Stämme längs des Tanganyikasees fröhnen, besteht in der sogenannten Giftprobe. Dieser barbarischen Sitte sind in früherer Zeit Hunderte von Unschuldigen zum Opfer gefallen. Oft mußten Dutzende von Schwarzen beim Tod-eines Häuptlings den Moavibecher trinken, damit sich auf diese Weise ergebe, ob sie durch Zauberei. Schuld an dem Hinscheiden ihres Gebieters trügen. Die meisten dieser Armen starben an. dem giftigen Trank. Wir wollen gleich bemerken, daß es den vereinten Bemühungen der Behörden wie der Missionäre gelungen ist, diesen grausamen Brauch, einzudämmen. Immerhin ist letzterer noch nicht ausgerottet; die Wafipa z. B. scheuen sich nicht, in irgend einem Dorfe an den Ufern des Mala-garasiflusses oder sonst einer entlegenen Ortschaft den Moavitrank zu verabreichen oder zu nehmen.. Die Giftprobe wird besonders angestellt, wo es sich um einen vorzeitig-frühen Tod handelt. Das ist nun aber fast immer der Fall; denn der Schwarze hält es fast für unmöglich, daß jemand eines natürlichen Todes sterbe. Selbst die Christen halten mit einer gewissen Zähigkeit an diesem Bolksglauben fest und wir haben alle Mühe, sie davon abzubringen. Stirbt also ein Mitglied der Familie, so stellen die Verwandten sogleich Nachforschungen an, wer etwa der Urheber der Verhexung sein könne. „O," heißt es, „das kann nur der und der gewesen sein. Ich habe ihn gesehen, wie er Kräuter sammelte. Und dann ist er nachts ausgegangen und ist um die Hütte des Verstorbenem gestrichen. Ueberhaupt schien er seit einiger Zeit neidisch auf diesen zu sein; er grüßte ihn nicht mehr und sah ihn kaum mehr an. Das kaum kein anderer gewesen sein als er!" Die Vermutung wird bald zur Behauptung, zur offenen Anklage. Der Fall wird vor den Häuptling gebracht. Der Angeschuldigte verteidigt sich mit der den Schwarzen eigenen Beredsamkeit. Umsonst! Das Urteil wird gefällt und lautet auf den Giftbecher. Auch bei schweren Krankheitsfällen oder körperlichen Gebrechen wird das Gift gereicht, um den Schuldigen zu ermitteln. Der Manm zwingt die Frau, falls er sie für untreu hält, die Moaviprobe zu bestehen, oder läßt den Nebenbuhler dazu verurteilen. Ist etwas im Hause verschwunden, liegt ein Diebstahl vor, gleich hat sich der Sklave in derselben Weise vom Verdachte reinzuwaschen. Wird der Herr selbst eines Verbrechens bezichtigt, so müssen die Sklaven an seiner Statt das Gift trinken. Kurz, in allen verdächtigen, zweifelhaften Rechtsfällen, wo ber schwarze Richter versagt, hat das Moavi zu entscheiden. Der Name Moavi leitet sich von einer einheimischen Baumgattuug her, von der das Gift gewonnen wird. Der Moavi hat ein äußerst hartes Holz und erreicht eine beträchtliche Dicke. Häufig wird er als Gottheit (msimu) von den Schwarzen verehrt. So besitzt die Missionsstation Kala eine Barke, die ans einem mächtigen Moavi-stamme, der einst als msimu hohe Verehrung genoß, mühsam hergestellt worden ist. Um das Gift zu gewinnen, werden Teile der Rinde oder Stücke Holz zerkleinert und abgekocht. Von diesem Absud hat das Opfer in reichlicher Menge zu trinken. Darauf muß der Unglückliche sich fleißig Bewegung verschaffen, etwa hurtig auf- und abgehen, bis er müde ist. Auf diese Weise nimmt der Körper das Gift desto schneller in sich auf. Geschieht dies nicht und gibt der Magen das Moavi wieder von sich, so ist der Patient offenbar unschuldig und somit gerettet, mag er auch die größten Verbrechen auf Oberhäuptlingen zu und bildete übrigens einst eine der hauptsächlichsten Einnahmequellen für die letzteren. Abgesehen von dem Preise, der für Lieferung des Moavi festgesetzt Ivar, erhielten sie noch zahlreiche Geschenke von solchen Kunden, die cs ans guten Gründen weniger stark wünschten. Gelangt dagegen das Gift durch den Magen in den Körper, so tritt in der Regel der Tod ein. Damit ist der Beweis für die Schuldbarkeit des Unglücklichen erbracht. Wüßte er sich auch von aller Schuld frei, er gilt als Verbrecher, der seinen Tod redlich verdient. Die Verwandten des Hingerichteten tragen die Prozeßkosten und 1 . Gordon’ Collog* 2 . Supply Jfuxb 3 M*htary.HoapilnL ^. Mrdicnl Ortlcrrs 5 • Egyphnn. IHl'um Club Iplan von IRbartoum. dem Kerbholze haben, deren sich nur ein Mensch auf Erden schuldig machen kann. Ja, die Ankläger müssen ihm noch dazu eine Entschädigung zahlen; ferner haben sie die Gerichtskosten zu tragen und dem Lieferanten des Moavi eine bestimmte Summe zu entrichten. Das Recht, das Gift herzustellen und zu verabfolgen, steht nämlich allein den haben der angeblich benachteiligten Familie eine beträchtliche Entschädigungssumme zu zahlen. Wie schon oben hervorgehoben, ist das Augenmerk der Militär- und Missionsstationen in gleicher Weise darauf gerichtet, einem ebenso einfältigen >vie grausamen Brauche entgegenzuwirken. P. A. B. IRunbfcbau Ln den Missionen. Amerika. Vereinigte Staaten. Das „Catholic Directory“ für 1906 gibt die Zahl der Katholiken in den Vereinigten Staaten ans 12,651.944 an, die Zahl der Priester auf 14.484, so daß ein Priester auf 873 Seelen kommt. 8695 sind Ordens-, die Bewegung zum Anschluß an die katholische Mutterkirche; eine Reihe von Gemeinden hat sich mit ihren geistigen und weltlichen Führern zur Wiedervereinigung mit Rom gemeldet. Jedoch ist mit diesem Anschlüsse noch lange nicht alle Arbeit getan, vielmehr beginnt hiemit erst die eigentliche Missionsarbeit der Missionäre. Die /iDsgv. Gcycr. Kr. .ifontana. Kr. (lagol. Kr. Iklod. Kr. Siori.. Kr. Divina. ,,'IReöemptor“ und fllMsstonßbarke auf der Ladet nach dem Süden. übrigen Wcltpriestcr. Die Hierarchie besteht aus 14 Erzbischöfen und 90 Bischöfen. Kirchen gibt es 11.814, katholische Pfarrschülen 4281 mit 1,066.207 Kindern. — Dazu kommen noch 163.461 Kinder in den verschiedenen Anstalten der Barniherzigkeit. Die stärkste protestantische Sekte zählt nur 3,166.857 Kirchenmitglieder. Asien. Kurdistan. Schon seit Jahren besteht unter den nestorianischen Bergbewohnern eine starke Folgen des fünfzehnhundertjährigen nestorianischen Schismas lassen sich nur mit vieler Mühe und anstrengender Arbeit beseitigen. — Eine der traurigsten Folgen der Irrlehre des Nestorius ist die Gleichgültigkeit gegen das allerheiligste Altarssakrament. Wenn Christus, wie Nestorius lehrte, beim letzten Abendmahle seinen Jüngern nur seine Menschheit reichte, so hat damit auch das Sakrament des Altars seinen göttlichen Charakter und seine ganze Kraft auf das Herz des Menschen eingebüßt; lucmt die göttliche Person an diesen, Geheimnisse keinen Anteil hat, so ist klar, daß. die Liebe, die Anbetung und Verehrung des mystischen Heilandes stark herabgemindert wird, ja mit der Zeit ganz verschwinden muß. Leider zeigen sich diese Folgen bei den Bergnestorianern in ihrer ganzen Größe. Das Altarssakrament ist ihnen nur noch ein Opfer und kein Sakrament mehr. Dieser Ansicht entspricht auch der Charakter der beut Gottesdienste geweihten Orte und Gegenstände. Wie P. Galland 0. Pr. in den „Katholischen Missionen" hervorhebt, sind die Kirchen kleine dunkle Räume, die vielfach von Unreinigkeit starren, der Altar ist nackt und schmucklos, ohne jedes Zeichen liebevoller Verehrung. Die Darbringung des Opfers findet in ganz gewöhnlichen Gefäßen statt, die ohne Weihe sind und weder in Stoff noch in Form auf den höheren Zweck hinweisen. Als Beispiel führt der Pater die Kapelle eines ehemaligen nestorianischen Bischofes an, in der sich folgende gottesdienstliche Gegenstände vorfanden: als Kelch diente ein Becher ans getriebenem Eisen, der nebenher auch zu anderen Zwecken gebraucht wurde, als Patene eine kleine Scheibe aus Eisen. An Stelle des Altarsteines fand sich eine ausgespannte Eselshant. Höchstens drei- oder viermal im Jahre wohnt der Nestorianer der Messe bei und auch dann ziehen es viele vor, draußen vor der Kirchentüre plaudernd ihre Pfeife zu rauchen. Nur wenn der Diakon zur Koinntunion ruft, wird die Unterhaltung für kurze Zeit unterbrochen und die Pfeife beiseite gelegt. Jung und alt begibt sich ohne Unterschied zum Gitter, welche das Heiligtum abschließt, wo ihnen der Priester das geweihte Brot in die Hände gibt utid einen Schluck aus dem Kelche reicht. Ohne jegliche Danksagung kehren sie dann wieder zu ihren Pfeifen zurück und die Unterhaltung wird fortgesetzt. Selbstverständlich ist unter diesen Verhältnissen des Missionärs erste Aufgabe, den Neubekehrten einen richtigen Begriff vom Altarssakramente beizubringen. Besonders in den Schulen und Priester-seminarien wird daran unablässig gearbeitet. Die Erfolge sind zum Teil auch schon recht trostreich. Besonders gilt das von den Priesterkandidaten des Seminars von Mosul. Sie haben gelernt, der heiligen Messe mit Andacht beizuwohnen und regelmäßige Besuche bei dem Allcrheiligsten zu machen. Ist einmal der Klerus von dem Uebel befreit, so wird das Volk bald folgen, denn tut Grunde ist das Volk doch noch sehr religiös und für bessere Lehren empfänglich. Vorderindien. Fast aus allen Missions-distrikten Vorderindiens kommen Klagen über die drückende Hungersnot. Die Missionäre springen zwar ein, soweit es ihre Mittel nur immer erlauben. Als weiterer Uebelstand kommt dann noch die starke Abnahme französischer Gaben hinzu, ein Uebelstand, der sich bereits in allen Missionsgebieten, die von französischen Missionären verwaltet werden, stark bemerkbar macht. Naturgemäß leiden unter diesen Verhältnissen auch viele wichtige und dringende Unternehmungen der Missionäre. Die günstige Bewegung in der Diözese Tritschinopoli, wo sich die Landbevölkerung, zuinal des Südens, immer zahlreicher dem Christentume zuwendet, kann nur dann nutzbar gemacht werden, wenn in den neugewonnenen Gebieten Kapellen und womöglich Schulen erstehen und Katechisten angestellt werden. Das MissionsPersonal hat in der Diözese durch die Vertreibungen aus Frankreich erfreulicherweise zugenommen. Die Josefsschwestern waren in der Lage, neue Niederlassungen zu gründen, ttttb wirken in Schul- und Spitaldienst sehr segensreich. Auch das Werk der Brahmanenbekehrungen macht beständig größere Fortschritte, obwohl es noch stets mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sehr schön sind die einzelnen Belege, welche P. Billard in einem Bericht anführt: Die Diözese ist eine der bedetitendsteit und blühendsten ttt Vorderindien; sie zählt nach dem letzten Jahresbericht 233.423 Katholiken, wozu noch 5002 Kate-chumenen kommen; ihnen stehen 5,576.764 Heiden und 103.262" Protestanten gegenüber. Die Katholiken werden von einem Bischof, von 70 europäischen Missionären aus der Gesellschaft Jesu, 21 eingeborenen Jesuiten und 13 eingeborenen Weltpriestern pastoriert. Die Mission zählt an höheren Unterrichtsanstalten ein Seminar mit 24 Seminaristen, ein Kolleg erster Klasse mit 1558 Studenten, 11 Mittelschulen für Knaben mit 1066, 12 Mittelschulen für Mädchen mit 202 Kindern, 366 Elementarschulen mit 14.403 Kindern. Der letzte Jahresbericht hat 177 Konversionen vom Protestantismus zu verzeichnen; 1835 Heiden wurden getauft, 5805 sterbende Heidenkinder und 7821 Christenkinder. China. Das alte Reich der Mitte ist nach dem russisch-japanischen Kriege wie aus einem Schlaf erwacht; auf allen Gebieten setzt der Reformeifer ein. Für die Missionen am wichtigsten sind die Reformen auf dem Gebiete der Schule; daher verfolgen auch die Missionäre dieselben ant eingehendsten. Mit der Aufhebung der alten Examenordnnng sind endlich die Fesseln gesprengt, welche Jahrhunderte lang die geistige Entwicklung Chinas hemmten. Versprechen sich die Missionen auch viel von dieser Reform, so darf mau sie doch nicht überschätzen, denn mit den Vorteilen bringt sie unzweifelhaft auch verschiedene Gefahren für die christliche Religion. P, Lümour S. 1, Missionär in Nyangking, spricht sich in den „Katholischen Missionen" darüber folgendermaßen aus: „Gegenwärtig wirft sich China kopfüber auf den Schulunterricht. Man arbeitet aber ohne Plan und Methode ins Blaue hinein. Es fehlt der Kompaß. Denselben wird wohl Japan liefern, damit aber auch seinen Materialismus und Nationalismus, den es in seinen Schulen lehrt. Das bedeutet eine Gefahr für die christliche Religion. Denn wenn einmal die Geister mit solchen Ideen getränkt sind, hält es schwer, auf sie Einfluß zu gewinnen." „Ueberall Neuerungen," schreibt Bischof Henninghaus, „und doch, so sagte mir vor kurzem ein verständiger Mandarin, was hilft uns das Herumkorrigieren am äußern Körper, wenn das Herz nicht gesund ist! Darin liegt der Kern für China wie für jedes andere Land: nur die Reform hat wirklichen Wert und kann ein Volk glücklich machen, welche mit ihrer Tätigkeit in das Innere eindringt, die Seele des Volkes erfaßt. Das begreifen die Weisen des Tages zum größten Teile nicht, aber gerade das ist, was wir Missionäre hier in China wollen und worin alle diejenigen, welche in der Heimat den Misfionsgedanken Pflegen, uns unterstützen. Es ist eine Riesenaufgabe. Was sind diese paar hundert Missionäre und diese paar hunderttausend Christen gegenüber diesen vierhundert Millionen! Wirklich nur eine Hand voll Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Maß Mehl mengte. Ja das Verhältnis ist noch viel mißlicher. Und doch können und dürfen wir den Mut nicht verlieren. Wir sind überzeugt, daß es der ernste Heilswille Gottes ist, daß die Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, daß es unsere, der katholischen Kirche, heilige Aufgabe ist, all die Völker, die in die Irre gehen, zu suchen und zum Schafstall Christi zu führen." Bfrifca. Süd-Sansibar. An Stelle des im vorigen Jähre von Aufständischen ermordeten Bischofs Spieß wurde der hochw. P. Thomas Streiter aus der Benediktinerabtei St. Ottilien zum Titular-bischof und apostolischen Vikar von Süd-Sansibar ernannt. Der neue Bischof erblickte das Licht der Welt zu Regensburg nm 28. Dezember 1865 als Sohn eines Bäckermeisters. Er besuchte zuerst die Realschule seiner Vaterstadt und trat dann 1885 in das neu errichtete Missionsseminar zu Reichenbach (Diözese Regensburg) über, von wo er 1887 bei der Verlegung mit nach St. Ottilien übersiedelte. Nach Vollendung der humanistischen Studien begann er 1893 am königlichen Lyzeum zu Dillingen das Studium der Philosophie und Theologie. Die Priesterweihe erhielt er am 25. Juli 1897 zu Dilliugcu aus den Händen des Bischofs Petrus von Augsburg. Nachdem er im Kloster mehrere Jahre das Amt eines Bibliothekars und zuletzt des Subpriors bekleidet hatte, wurde er im August 1900 in die Mission nach Deutsch-Ostafrika gesandt. Hier verwaltete P. Thomas zunächst das Amt eines Superiors der Missionsstation Kurasini bei Dar-es-Salam und später auch das eines apostolischen Provikars. Im November 1904 übernahm er die Leitung der großen Missiousstatiou Luknledi im Süden von Deutsch-Ostafrika. Leider war es ihm nur kurze Zeit vergönnt, hier zu wirken. Schon im August 1905 brachen von Norden her die Aufständischen ins Missionsgebiet ein und nötigten die Missionäre zur Flucht. Da an eine Fortsetzung des Missionswerkes während des Aufstandes nicht zu denken war, schiffte sich P. Thomas mit mehreren seiner Mitbrüder nach Europa ein, mit" sich in St. Ottilien zu erholen. Aegypten. Die Bewegung der schismatischen Kopten zur Rückkehr zur katholischen Einheit, welche in den letzten zehn Jahren 15.000 Schismatiker zur Mutterkirche zurückgeführt, ist in ein ruhigeres Stadium getreten. Wie P. Nourrit meint, ist die Periode der großen Eroberungen vorüber, es bleibt nur noch übrig, das Gewonnene zu befestigen und daneben noch hie und da Aehren zu lesen. Besonders notwendig ist die Befestigung des Gewonnenen, da sich die Kopten inzwischen aus ihrem Schlummer erhoben und zu einer kräftigen Gegenbewegung aufgerafft haben. Ihre Hauptanfmerksamkeit richten sie natürlicherweise auf die Schulen. Bereits sind in Kairo und anderen Städten eine Reihe neuer Schulen ins Leben gerufen worden, die zum Teil recht günstige Erfolge aufzuweisen haben. Das koptischschismatische Seminar in Kairo ist gleichfalls auf höheren Fuß gesetzt worden, um so einen Klerus heranzubilden, der seiner Aufgabe wenigstens in etwas gewachsen ist. Die nächste Folge dieser Bewegung ist, daß die Bekehrungen, zumal in den Städten, bedeutend abgenommen, wenn nicht zum Teil ganz aufgehört haben. Nur auf den Dörfern läßt sich noch etwas ausrichten, wenigstens so weit die finanziellen Mittel reichen. Seychellen. Die Gruppe der Seychellen-Jnseln liegt nordöstlich von Madagaskar. Die Diözese Port Viktoria wird von den Kapuzinern verwaltet, die auf den Inselgruppen eine rege Tätigkeit entwickeln. Im Jahre 1901 lebten auf den Inseln 16.038 Katholiken und 3299 Protestanten und Heiden; letztere rekrutieren sich meistens aus China und Indien. Am meisten haben die Patres mit der Trunksucht und der Sittenlosigkeit zu kämpfen. Dank ihrer unablässigen Bemühungen ist es int letzteren Punkte aber schon bedeutend besser geworden. In Port Viktoria leiten die Maristen-Schulbrüder ein blühendes Kolleg für Interne und Externe. — Es zählt annähernd 430 Zöglinge; ein zweites Kolleg besitzen sie in Anse-Royale mit 145 Zöglingen. Die Erziehung der weiblichen Jugend liegt in den Händen der Josefsschwestern von Cluny. Außerdem wirken die Schwestern als Lehrerinnen in fast allen Pfärrschulen. Die Missionsschtilcu zählen zn-sammen 2497 Kinder, während nur 134 die Regierungs- und 170 die Prot. Schulen besuchen. Gebetserbömngen und ^Empfehlungen. Gebetserhörungen und -Empfehlungen, bei welchen Name und Wohnort der Redaktion nicht angegeben werden, werden nicht veröffentlicht. — Die Abkürzung wird durch die Redaktion besorgt. A. M. G. bittet um Einschluß ins Gebet zum heiligsten Herzen Jesu. A. R. St. Ul. bittet, seiner in einer wichtigen Angelegenheit im Gebete znm heiligsten Herzen Jesu gedenken zu wollen. M. H. I. empfiehlt sich dem Gebete znm heiligstenHerzen Mariä und zum göttlichen Heilande, um Kraft und Ergebung in Gottes heiligsten Willen zu erlangen, ferner um glücklichen Ausgang einer Operation. A. D. M. bittet um Einschluß ins Gebet. E. B. Hl. empfiehlt sich vertrauensvoll in verschiedenen wichtigen Angelegenheiten dem Gebete zum heiligsten Herzen Jesu. Im Falle der Erhörung Veröffentlichung versprochen. I. Pl. St. M. bittet um Unterstützung im Gebete in einem schweren Anliegen, besonders für eine geisteskranke Mutter. A. H. empfiehlt seinen- Bruder der heiligen Familie. Im Falle der Erhörung Veröffentlichung versprochen. A. M. bittet um Einschluß in das Gebet. Eg. M. L. empfiehlt sich in einem Anliegen den: frommen Gebete. I. P. Ein armer Student, schon seit 5 Jahren krank, bittet um das fromme Gebet der Freunde des „Stern der Neger". B. B. Au. bittet um das fromme Gebet zum heiligsten Herzen Jesu und zu unserer lieben Frau vom heiligsten Herzen, um baldige Abhilfe in schweren Anliegen zu erlangen. A. G. Sch. empfiehlt sich dem Gebete zutu heiligsten Herzen Jesu und zum hl. Antonius um Erlangung der Gesundheit und in einem gewissen Anliegen. F. S. Sch. bittet, ihrer in einer wichtigen Familienangelegenheit int Gebete zum heiligsten Herzeit Jesu, zu unserer lieben Frau, zutu heiligen Josef und zum hl. Antonius zu gedenken. I. G. Fr. empfiehlt sich in einem wichtigen Anliegen deut Gebete. M. B. B. empfiehlt sich in zwei wichtigen Angelegenheiten dem Gebete zum heiligsten Herzen, zur seligsten Jungfrau und zum hl. Josef. F. H. empfiehlt seine Schwester dem frommen Gebete, damit sie mit beut Beistände Gottes eine glückliche Berufswahl treffe. I. Pl. St. M. Innigsten Dank dem heiligsten Herzen Jesu; bin in einem schweren Anliegen erhört worden. A. M. G. Dank dem heiligsten Herzen Jesu für auffällig schnelle Hilfe in einem wichtigen ^tn liegen. P. Pr. D. Bin dein heiligsten Herzen Jesu, der seligsten Jungfrau, beut hl. Josef und dem hl. Antonius für auffällig rasche Erhörung innigen Dank schuldig. Empfehle ntich auch ferner dem frommen Gebete. Gebet um die Bekehrung der Cbamtten von Tentral-Mrika zu erlangen. Beten wir für die unglücklichen Negervölker Zentral-Afrikas, damit Gott, der alles vermag, von ihren Herzen einmal den Fluch Chams hinwegnehme und ihnen jenen Segen verleihe, den man nur im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Gottes, erlangen kann. Gebet. O Herr Jesus Christus, alleiniger Erlöser des ganzen Menschengeschlechtes, der du bereits herrschest von einem Meere zutu andern und vom Flusse bis zu den Grenzen des Erdkreises: offne erbartuungsvoll dein heiligstes Herz auch den unglücklichsten Seelen üon Zentral-Afrika, welche noch in der Finsternis und im Todesschatten sitzen, auf daß durch die Fürbitte der gütigen Jungfrau Maria, deiner unbefleckten Mtltter, und ihres glorreichen Gemahls, des heiligen Josef, die Negervölker ihre Götzen verlassen, vor dir sich niederwerfen und deiner Kirche zugesellt werden. Der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Verantwortlicher Schriftleiter: fRektor P. slß. IRaffeiner F. 8. C. — ipreBvereins=Bucbt>rucf?erei Briien, SüMtrol. Nunstglocken- gießerd von .LE empfiehlt * sich zur Anfertigung _