Bezugspreis ganzjährig mit Poifzutendung 10 K — 4 IHk. - 3 iiire. Katholische IHihionszeitichrifL Erscheint monatlich und wird vom IMlionshaus üleltendorl bei 6raz, Steiermark, herausgegeben. Redigiert von P. ßeinrich Wohnhaas F. 8. C. Der Belüge Vater Pius X. fiaf der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Hpoiloliidien Segen erleilf. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Hielten geleien. Hilf Empfehlung der hochwürdigiten Oberhirten non Brixen, Brünn, Sraz, lieiimeritz, Hinz, Oimnh, Marburg. Orient. Driest und Wien. Best 1 und 2. Januar-Februar 1921. XXIV. Jahrgang. T^r 7% & Zum neuen Jahre. 7% Zu unserer großen Freude ist es uns vergönnt, die Spalten des 24. Jahrganges unserer Zeitschrift mit der oberhirtlichen Empfehlung des hochwürdigsten Fürstbischofs von Seckau, Dr. Leopold Schuster, eröffnen zu können. In dem uns zugegangenen Schreiben heißt es: „Das Fürstbischöfliche Seckauer Ordinariat nimmt gern die Gelegenheit wahr, die kath. Missionszeitschrift „Stern der Neger" zn empfehlen. Diese Zeitschrift bietet interessante Einblicke in das Leben nnd Wirken der Missionäre nnd ist geeignet, die Leser zn werktätiger Liebe für die Missionen in Zentralafrika anzuspornen. Leopold, Fürstbischof." Liebe Leser und Freunde! Vertrauensvoll treten wir Über die Schwelle des neuen Jahres. Unsere Zuversicht ist der Herr. Das Walten seiner liebreichen Vorsehung hat unsere afrikanische Mission in den Jahren des Krieges und der Achtung deutscher Glaubensboten vor dem Untergang bewahrt. Wir hegen nun die berechtigte Hoffnung, daß das Bekehrungsmerk unter den heidnischen Negerstämmen am Nil bald größere und glänzendere Fortschritte machen wird. Mit dankfrohem Herzen stellen wir deshalb die weitere Entwicklung der Missionstätigkeit getrost der göttlichen Güte und Vatersorge anheim. Nach Gott richtet sich unser Blick auf euch, Missionsfreunde und Wohltäter. Ihr habt in den langen, bangen Kriegsjahren die Missionsfahne unentwegt hochgehalten. Euere Gebete und Gaben haben vielen armen Heiden den Himmel geöffnet, viele zur Erkenntnis der Wahrheit und zu den Trostquellen unserer hl. Religion geführt. Voll Bewunderung und Hochachtung möchten wir jedem einzelnen unseren tiefgefühlten Dank aussprechen für die zugunsten der Mission von Zentralasrika gebrachten Opfer. Von ganzem Herzen wünschen wir euch zum neuen Jahre die reichste Fülle irdischen und himmlischen Segens! Beim Gebete und der hl. Messe gedenken wir Missionäre täglich unserer Wohltäter und Freunde und hoffen, daß das Band hilfsbereiter Liebe immer enger und fester die Missionsgönner in der Heimat und die Glaubensboten im Heidenlande umschlinge zum Heile und zur Rettung vieler Tausender unsterblicher Menschenseelen. Möge im kommenden Jahre eine große und glühende Missionsbegeisterung die Katholiken aller deutschen Gaue erfassen, damit das Wort Gottes unter den Heiden seinen Lauf nehme und verherrlicht werde und jene glückliche Zeit näher heranrücke, in der Christus, der Welterlöser, herrscht „von einem Meere zum andern und bis an die äußersten Grenzen des Erdkreises" (Ps. 71, 8)! Der Redakteur. Stern der Neger- Heft 1 und 2 [11 V- nadiridifen aus unteren ülitticmsgebiefen. ill V Unser Arbeitsfeld erstreckt sich von Ober-ägypten in südlicher Richtung bis zum Kongostaat und vom Roten Meere westwärts bis zum Tschadsee. Es umfaßt zwei Apostolische Vikariate: Khartum und Bahr el Ghassl. Wir verzeichnen im folgenden einzelne hemerkens-werte Tatsachen zur Veranschaulichung der augenblicklichen Verhältnisse in beiden Missionssprengeln. 1. Apostolisches Vikariat Khartum. Vor Jahresfrist war das Schicksal dieses Missionsgebietes, in dem vor Kriegsausbruch nur deutsche und österreichische Missionäre tätig waren, noch vollständig in Dunkel gehüllt. Die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages, wonach deutsche Glaubensboten von den Kolonien der Verbandsmächte ferngehalten werden, hingen wie drohende Wetterwolken auch über der vielgeprüften Sudanmission. Inzwischen hat sich die Lage soweit geklärt, daß ihr Bestand für die Zukunft gesichert erscheint. Zunächst erhielten alle Missionäre, auch die- Reichsdeutschen, die bis zum Kriegsende in Khartum verblieben waren, wieder die volle Bewegungsfreiheit. Die österreichischen Patres und Brüder, die im Gefangenenlager zu Sidi Bishr interniert waren, durften im Frühjahr 1920 auf ihre Missionsstationen zurückkehren. Wenige Monate später konnten sieben junge österreichische Missionäre die Fahrt nach Afrika antreten. Kürzlich gewährte die Sudanregierung auch einigen reichs-deutschen Priestern die Einreisebewilligung in das Missionsgebiet. Man darf hoffen, daß im neuen Jahre, dank der freundlichen Haltung der Regierung, der Misfionsstab noch erheblich vergrößert werden kann. In Khartum wurde das Fronleichnamsfest unter restloser Beteiligung der Katholiken wieder feierlich begangen. Der unseren Lesern bekannte P. Zorn schreibt uns darüber: „Am 3. Juni, am Festtage selbst, konnte die Prozession nicht gehalten werden, da in Khartum mit seiner überwiegend nichtchristlichen Bevölkerung an diesem Tage der Festcharakter nicht recht zur Geltung gekommen wäre. Wir verlegten deshalb die Prozession auf den folgenden Sonntag, und zwar auf 5 Uhr-nachmittags. Das bot den Vorteil, daß die Männer entblößten Hauptes daran teilnehmen konnten. Die sonst so glühenden Pfeile der afrikanischen Tropensonne waren um diese abendliche Stunde in dem schattigen Misfions-garten nicht mehr gefährlich. Obwohl die Schulferien bereits begonnen hatten, fanden sich die Knaben und Mädchen vollzählig ein. Zur Begleitung des Allerheiligsten hatte die Regierung eine stattliche militärische Ehrenwache beigestellt. Ihr folgten noch zwei lange Reihen kath. Soldaten der englischen Garnison in Uniform. Es war ergreifend, zn sehen, wie diese Krieger ihre Waffen vor dem Friedensfürsten von Galiläa präsentierten. Eine musterhaft geleitete Militärkapelle erhöhte die Feststimmung durch ihre frommen Hymnen und Lieder. Auffällig war es, daß auch Nichtkatholiken, sowohl Männer als Frauen, in großer Zahl sich der Prozession anschlössen. Mag auch manche die Neugierde dazu veranlaßt haben, so befanden sich unter diesen Andersgläubigen gewiß auch edelgesinnte Seelen, die in ihrer falschen Religion keine Befriedigung finden und sich deshalb nach dem vollen Licht der Wahrheit und dem Gott der Liebe sehnen. Möge bald der Tag kommen, an dem sie den verschütteten Wasserquell des Heiles finden und voll Freuden daraus schöpfen!" Eine günstige Entwicklung nimmt die Misfionstätigkeit unter bett Schilluknegern in Lul. Christliche Gedanken und Grundsätze gewinnen dort immer mehr an Boden. Die Durchdringung und Durchsetzung der heidnischen Ideenwelt mit den Glaubenslehren unserer hl. Religion zieht immer weitere Kreise. Durch die Bekehrung des mächtigen Schillukvolkes zum Christentum würde dem Vordringen des Islam am oberen Nil ein starker Damm entgegengesetzt, und darin liegt die große Bedeutung der Schillukmisfion. Glücklicherweise durfte auch die apostolische Wirksamkeit im Tongadistrikt, dem südlichsten Teil des Schilluklandes, nach vierjähriger Unterbrechung wieder aufgenommen werden. Die Missionsgebäude waren im Laufe des Krieges eingestürzt. Nachdem der hochw. Heft 1 und 2 3 Stern der Neger P. Fischer in den Sommermonaten die allernotwendigsten Reparatnrarbeiten ausgeführt hatte, konnten die Missionäre im September dorthin zurückkehren. Es ist Aussicht vorhanden, daß auch die Mission unter den Nubanegern, die im Jahre 1916 infolge der Internierung aller dortigen Missionäre geschlossen werden mußte, im neuen Jahre wieder eröffnet werden kann. Leider haben wir auch den Tod eines lieben Mitbruders und seeleneifrigen Missionärs zu beklagen. Am 4. Oktober starb in Khartum der hoch-würdigePater Hugo Larisch. Aml5.August 1890 trat er in unsere Mis-sionsgenoffen-schast und empfing einige Jahre später in Ägypten die Priesterweihe. Durch eine Reihe von Jahren wirkte der Heimgegangene als Seelsorger in Omdurman, wo er durch sein mildes Wesen und anspruchsloses Benehmen sich aller Herzen gewann. Während des Krieges war er der" einzige Deutsche in jener Stadt. Durch die Erbaii-ung der St.-Josefs-Kirche in Omdurman hat sich der selige Apostel ein bleibendes Denkmal im Herzen Afrikas gesetzt. Dr. Leopold Schuster, Fürstbischof von Seckau. 2. Apostolisches Vikariat Bahr ei Ghaiäi. Dieses Missionsgebiet unserer Genossenschaft wurde 1913 vom Apostolischen Vikariat Zentralasrika als selbständige Präfektur losgetrennt und 1917 zu einem eigenen Apostolischen Vikariat erhoben. Folgende Negerstämme erhielten bisher eigene Missions - Hauptstationen: die Golo, Ndogo, Dschur, Belaud a, Njam-Njam, Bari, MadyAscholi, Aluru und Lagwari. Das Vikariat zählt 3000 Neubekehrte, 7000 Katechumenen oder Taufbewerber und 300 Katechisten - Posten. Um diese Missions-Erfolge richtig einzuschätzen, muß man die riesigen Schwierigkeiten in Erwägung ziehen, die unsere Missionäre zu überwinden haben. Die erwähnten Negerstämme leben zum Teil noch im Zustande völliger Wildheit, so daß manche von ihnen, wie zum Beispiel die Njam-Njam, bis in die neueste Zeit noch Menschenfleisch verzehrten. Die Grausamkeit und Ungerechtigkeit der Sultane und Häuptlinge lastet wie ein schweres niederdrückendes Joch auf jenen armen Völkern. Die sittliche Ungebundenheit steht im grellsten Widerspruch zu den For- 4 Stern der Neger Heft 1 und 2 besungen der christlichen Gerechtigkeit und j Heiligkeit. Seuchen aller Art, Hungersnot und tiefstes Elend zehren am Lebensmark ' vieler Stämme. Unter den Eingeborenen im nördlichen- Uganda wütete schon öfters die | Schlafkrankheit, so daß die ersten dort errichteten Misfionsstationen auf Regierungsbefehl an andere Orte verlegt werden mußten. Die Missionäre suchen zwar stets der Not abzuhelfen, soweit es in ihrer Macht liegt, aber sie sind oft selbst bitter arm und häufigen Krankheiten, namentlich dem Sumpffieber, unterworfen. Am meisten Kummer und Sorge bereitet den Glaubensboten der un-unterbrochent Kampf, den sie um den Besitz der Heidenseele mit den Sendlingen des Irrglaubens führen müssen. Wie im Bahr-el-Ghasül-Gebiete der Islam, die falsche Lehre Mohammeds, so sucht in Uganda der englisch-amerikanische Protestantismus das Aufblühen der jungen Negerkirche zu verhindern. Doch umsonst. Gottes Gnade und die Selbstaufopferung der Missionäre wirken größere Wunder als das amerikanische Gold. „Die Dschur sind unser", lautet der Jubelruf der Missionäre in Mbili-Cleveland. Unter den Golo und Ndogo gewinnt die Mission immer mehr an Ansehen, erringt das Apostolat monatlich neue Erfolge. Selbst die Mission unter dem Kannibalenstamme der Njam-Njam hat schon ihre Erstlingsfrüchte gezeitigt. Am Weihnachtsfeste 1919 wurden in Mupoi die ersten feierlichen Taufen gespendet. Am Ostertage 1920 wurden auch in Rassist unter dem Bellandastamme die ersten für das Christentum gewonnenen Heiden in die kath. Kirche aufgenommen. Zu den großartigsten Hoffnungen berechtigt unsere schöne Ugandamission. Dem Briefe eines Laienbrnders, der im vergangenen Frühjahr den Missionsoberen auf seiner Visitationsreise durch das nördliche Uganda begleitete, entnehmen wir nachstehende Einzelheiten über die dortigen Misstonsmittelpunkte : Mojo, Kitgum, Ngal, Gulu und Arwa. „In Mojo unter dem Stamm der Madi macht sich ein starker Zug zum Christentum bemerkbar. Die Station zählt schon über 400 erwachsene Neuchristen. Als wir noch eine Tagereise von der Mission entfernt waren, eilten die von unserer Ankunft verständigten Christen und Katechumenen von allen Seiten herbei, um uns zu begrüßen. Auf unserem Weitermarsche legten 24 Katechumenen und später noch andere 40 das weiße Taufkleid an. In allen der Station benachbarten Dörfern sind die Katechisten unermüdlich im Religionsunterricht tätig, um alle zwei Monate den Missionären jene vorzustellen, die größere Fortschritte im religiösen Wissen gemacht haben. An 100 Katechumenen erhalten in der Mission selbst den unmittelbaren Vorbereitungsunterricht aus die Taufe. In Kitgum, der zweiten'Missionsanstalt unter dem Madivolke, wurden am Char-samstag 55 und zu Pfingsten 70 Heiden getauft. Eine größere Anzahl wird an den folgenden Festen des Kirchenjahres das Sakrament der Wiedergeburt empfangen. Das Schwesternhaus ist fertiggestellt und harrt seiner Bewohner. Neben der Krankenpflege wird der Unterricht der weiblichen Katechumenen die Hauptbeschäftigung der Schwestern bilden. In 9tgal' bei den friedliebenden Aluru feierten wir das hl. Osterfest. Am Kar-samstag wurden nicht weniger als 151 Personen getauft, darunter viele Eltern mit ihren kleinen Kindern auf den Armen. Am hohen Ostertage empfingen diese 9teuchristen zum erstenmal das Brot der Engel. Nach der kirchlichen Feier gab der Missionsobere jedem ein kleines Geschenk: eine Angel oder einen Speer zum Fischen oder einige kleine Kupfermünzen. Unter den Aluru scheint sich allen Ernstes eine Maffenbekehrung vorzubereiten. Alle oder fast alle wollen Christen werden. 9tgal besitzt eine schöne dreischiffige Kirche nach einheimischer Bauart und einen großen Gebetssaal für die Katechumenen. Als wir die umliegenden Dörfer besuchten, kamen uns überall Gruppen von Katechumenen mit ihren Katechisten entgegen, heilige Lieder singend. Zu Gulu, unter dem Stamme der Ascholi, befindet sich unser Provinzhaus für Uganda. Die Entwicklung der Station hält gleichen Schritt mit den übrigen Missionsresidenzen. Zu Ostern wurden 73 und zu Pfingsten 43 getauft. Unter diesen 116 Täuflingen befanden sich auch viele Mädchen, die bei den Schwestern ihren Taufunterricht empfangen hatten. Unsere jüngste Missionsstation in Uganda heißt Arwa, unter dem wilden, ringsum gefürchteten Lagivaristamme. Das Land ist reich an Wäldern und tropischen Pflanzenformen. Die männliche Bevölkerung ist mit vergifteten Pfeilen, Dolchen und Lanzen bewaffnet. Nur widerwillig fügen sie sich der englischen Herrschaft. Die Missionsgebäude liegen 1600 Meter über dem Meere. Arwa ist mithin der gesündeste Ort im nördlichen Uganda. In der Station selbst empfangen 300 Personen Religionsunterricht. Am Osterfeste wurden die ersten 23 Täuflinge der Gnade des Christentums teilhaftig. Da der Lagwari-Stamm • vom Islam noch vollständig unberührt ist, sind die Missionäre der Meinung, daß unsere heilige Kirche unter diesem Volke einer schönen Zukunft entgegengeht." Dieser flüchtige Rundgang durch unsere Missionen zeigt klar die Empfänglichkeit der Negerstämme Zentral -Afrikas für das Christentum. Auch in den heidnischen Nationen der übrigen Weltteile erwacht immer mehr die Sehnsucht nach der wahren Religion. Die Völkerernte ist reif und harrt der Schnitter. Die Heidenwelt pocht an die Tore der Kirche und ^ begehrt Einlaß. Leider herrscht aber fast in allen Missionsländern ein verhängnisvoller Priestermangel, dem nur abgeholfen werden kann, wenn die Seelsorger aller Grade jede Gelegenheit'benützen, um über das Weltmissionswerk der kath. Kirche aufzuklären und Missionsberufe zu wecken. Mehr Missionäre, Drei Katechisten unserer Ugandamission. lautet die dringende Forderung, die Benedikt XV. in seinem hochbedeutsamen Missions-sendfchreiben an die Bischöfe des Erdkreises vom 30. November des Vorjahres erhebt. „Dem Mangel an Missionären", sagt der Papst, „ist Abhilfe zu schaffen. War dieser schon früher nicht unbedenklich groß, so ist er jetzt ant Ende des Krieges aufs höchste gestiegen, so daß viele Strecken im Weinberge des Herrn ihrer Arbeiter entblößt sind. Darauf, ehrwürdige Brüder, haltet vor allem euer Auge gerichtet, das wünschen wir dringend. Ihr vollbringt eine Tat, höchst würdig eurer Liebe zur Religion, wenn ihr bei eurer Geistlichkeit und im Diözesan-seminar die Kei-me zum Apostelberufe, falls sie sich in dem einen oder andern bemerkbar machen, sorglich pfleget. Da darf euch der Schein des Guten oder ein irdischer Beweggrund nichttäuschen, als würdet ihr dem Wähle der eigenen Diözese anscheinend entziehen, was ihr an auswärtige Missionen abgebt. Für den einen, den ihr in die Ferne entlasset, wird euch Gott mehrere sehr brauchbare Priester in der Heimat erwecken." Möchten namentlich auch die christlichen Eltern die unvergleich hohe Gnade, Ehre und Auszeichnung stets recht würdigen, die Gott ihnen erweist, wenn er einen ihrer Söhne zum Aposteldienste beruft! P. Heinrich W o h n h a a s. 6 Stern der Neger Heft 1 und 2 Das Hpoüfoüiche Vikariat Khartum während des "Weltkrieges und jetzt. von Biichof Franz X. Geyer, ßpoitoliidier Vikar. Der folgende Bericht unseres hochwürdigsten Herrn Missionsvischofs schildert die Verhältnisse im Vikariat Khartum während der Kriegs-eit. Obwohl seither ein bedenteitder Umschwung zum Bessern'eingetreten ist, dürste es die Leser dennoch interessieren, von berusenfter Seite Näheres zu erfahren über die Kriegsleiden der Mission und das Los der Glaubensboten in den Jahren des blutigen Völkerstreites. Das Apostolische Vikariat Khartum ging aus einer Teilung des einstigen Apostolischen Vikariats von Sudan oder Zentralafrika hervor. Im Jahre 1913 löste nämlich die Hl. Kongregation der Propaganda dessen südlichen Teil mit 8 Missionsstationen und 22 Priestern und zahlreichen heidnischen Negerstämmen los und errichtete ihn zur Apostolischen Präfektur, seit 1917 Apostolischen Vikariat Bahr el Ghazal und benannte den nördlichen Teil nach der Hauptstadt des Sudan Khartum. Diesem verblieben die Missionsstationen Khartum, Omdurman, Assuan, Lul und Tonga, wozu int selben Jahre noch Dilling kam, mit ‘21 Priestern, wovon 15 Reichsdeutsche, 4 Österreicher und 2 Italiener waren, sowie 10 Brüdern, bis auf zwei alle Reichsdeutsche und Österreicher. Da kam der große Krieg, der dann in den Weltkrieg ausartete. Es ist hier weder der Ort noch die Zeit, auf alle die Orgien von Anfeindungen, Verfolgungen, falschen Anklagen und Verleumdungen einzugehen, welche die durch den Krieg auf das höchste gesteigerte nationale Leidenschaft für die deutschen und österreichischen Missionäre mit sich brachte. Nur die Folgen, welche die Kriegslage für das Missionswerk hatte, seien kurz erwähnt. In den ersten zwei Jahren des Krieges trat, abgesehen davon, daß keine neuen Stationen errichtet werden konnten, keine wesentliche Beschränkung im Betriebe der bestehenden, oben genannten Missionsstationen ein. Die Politik der Regierung in bezug aus die Mission war von Ansang an gewesen, einzig die Ruhe und Sicherheit des Landes im Äuge zu behalten und, wofern dieselbe durch sie nicht gefährdet werde, die Missionäre am Orte ihrer Wirksamkeit zu belassen. Da diese sich nichts zuschulden kommen ließen, verblieben sie. Nur in Assuan in Ägypten, wo infolge der Angriffe der Türken auf den Suezkanal tatsächliche Kriegslage bestand, wurde das deutsche und österreichische Personal entfernt und entweder heimgeschickt oder in Alexandrien eingesperrt und durch italienisches ersetzt. Das Jahr 1916 brachte eine merkliche Steigerung der Kriegsleidenschaften und, was ausschlaggebend war, eine Gärung int Lande selbst, und zwar in der Provinz Darfur. Dadurch wurde die Lage der deutschen und österreichischen Missionäre, welche in den Nachbargebieten Darfurs nämlich in Dilling bei den Nubanegern und in Lul und Tonga bei den Schilluk, tätig waren, eine mißliche. Nach eingehenden Beratungen beschloß die Regierung, die Missionäre der genannten Stationen zurückzuziehen. Dilling war von Anfang an nur probeweise an diesem Ort eröffnet worben, und die notwendige Verlegung der Mission in ein mehr-heidnisches Gebiet der Nuba ward durch die Nähe Darfurs unmöglich gemacht. Lul wurde von italienischen Mitbrüdern übernommen, die auch die wenigen Christen in Tonga zeitweise besuchten. Die deutschen und österreichischen Missionäre wanderten in die Absperrlager, zuerst in Ras el Tin, dann in Sidi Bishr bei Alexandrien. Es waren ihrer zwöls. Die genannte Maßregel hatte, wie gesagt, die Sicherheit des Landes zum Zwecke. Eine Absicht der Regierung, alle Deutschen und Österreicher aus der Mission zu entfernen, bestand nicht. Vielmehr wollte man die Mission durch den Krieg hindurch retten. Daher beließ man die Deutschen und Österreicherin Khartum und Omdurman, wo sie unter den Äugen der Regierung waren. In Khartum sonnten verbleiben der Apostolische Vikar mit 6 Priestern und 5 Brüdern, in Omdurman 1 Priester und 1 Bruder, mit Ausnahme eines holländischen Priesters alles Reichsdeutsche und Österreicher. In diesen beiden Stationen wurde die Missionstätigkeit vom genannten Personal während des ganzen Krieges weitergeführt wie im Frieden, mit der einzigen Ausnahme, daß nach dem Eintritt Italiens in den Krieg auf Seite der Alliierten ein italienischer Mit-brnder vorübergehend die Seelsorge für die Italiener Khartums übernahm. Die übrigen Katholiken, Engländer, darunter die kath. Soldaten der jeweiligen britischen Garnison, Syrier, Levantiner, Ägypter, Mesopotamien, darunter viele verschiedener unierter orientalischer Riten sowie Eingeborene wurden vom Psarrklerus pastoriert,und zwar ohne nennenswerte Schwierigkeiten während des ganzen Krieges. Es wurde die vor Jahren eingeführte Bruderschaft vom Berge Karmel neu belebt, die monatliche Generalkommunion der Jugend gefordert und die Fronleichnamsprozession Schule wurde regelmäßig von der Unterrichtsbehörde der Regierung inspiziert, und zwar auf Veranlassung der Mission hin, was ihrem Fortgang auch während des Krieges nur förderlich sein konnte. Die einzige Beschränkung während des Krieges war, daß deutsche und österreichische Missionäre die Provinz Khartum nicht verlassen durften, eine Maßregel, welcher auch der Apostolische Vikar unterworfen war, hauptsächlich um etwaigem Gerede und Verdächtigungen zuvorzukommen. Die Wanderseelsorge, welche hiedurch für uns unmöglich Kirche in (Sulu. eingeführt. Von der Vielsprachigkeit der Khar-tumer Gemeinde legt die Tatsache Zeugnis ab, daß an hohen Festtagen der Prediger sich dreier Sprachen bediente, englisch, arabisch und italienisch, in welchen Sprachen an Sonntagen das Wort Gottes bei verschiedenen Messen verkündet wurde. In Omdurman erstand während des Krieges eine neue geräumige Pfarrkirche. Die Knabenschule in Khartum zählte vor den: Kriege 45 Schüler, nach demselben ‘220 in zwei Vorbereitungsund vier Elementarklassen, darunter nur 35 Katholiken, die übrigen Schismatiker und Protestanten sowie Mohammedaner. Die ward, wurde von griechisch-katholischen Priestern, die in Omdurman ihre Residenz hatten, soweit als möglich versehen. Die englische Kolonialregie-rung untersuchte alles, was die Feinde der Mission gegen dieselbe vorbrachten, vom Standpunkt der Loyalität der Mission aus und wies alle sonstigen Zumutungen standhaft ab. Kein Mitglied der Mission ließ sich etwas gegen die Regierung oder gegen die Sicherheit des Landes zuschulden kommen, wie es ja auch von kath. Priestern nicht anders zu erwarten war; die Regierung anerkannte das und ließ darum die deutschen und österreichischen Missionäre unbehelligt am Orte, sowohl während des Krieges als nach demselben. Auch nachdem der Versailler Friedensvertrag die Ausschließung der deutschen und österreichischen Missionäre aus den alliierten Gebieten verkündet hatte. blieb die Regierung bei ihrem Standpunkt, daß Missionäre, welche den ganzen Krieg hindurch im Lande verblieben waren und sich loyal gegen sie benommen hatten, auch nach demselben nicht entfernt werden sollten. Von den in Ägypten internierten Missionären wurden die Reichsdeutschen heimgeschickt, die Österreicher zuerst in Ägypten unter Bürgschaft freigegeben und dann auch im Sudan wieder zugelassen. Bei all der glimpflichen Behandlung, welche die Mission seitens der Regierung erfuhr, trat während des Krieges eine ganz wesentliche Veränderung im Bestände des Missionspersonales ein. Das Vikariat zählte bei Ausbruch des Krieges an Reichsdeutschen IllPrie-ster und 7 Brüder, an Österreichern 4 Priester und 4 Brüder, außerdem 1 holländischen Priester und 2 italienische Brüder; zu Beginn 1920 an Reichsdeutschen 5 Priester und 3 Brüder, an Deutschösterreichern 1 Priester und 2 Brüder, an Italienern 3 Priester und 3 Brüder. Durch Ausweisung und Rückkehr nach Europa war das Gesamtpersonal von 29 aus 17, das reichsdeutsche und österreichische von 26 auf 11 gesunken. Welche Ursachen und Ziele immer dem Weltkrieg zugrunde gelegen haben mögen, nichts trat mächtiger in Erscheinung als die Nationalität. Diese und nicht das Glaubensbekenntnis ist heute an erster Stelle ausschlaggebend für die Zulassung zur Weltmission. Da wäre es wirklich eine Missionstat, wenn die Bestrebungen der deutschen Katholiken, die kath. Weltmission von den Wandlungen der weltlichen Politik freizumachen und zur ausschließlichen Angelegenheit des neutralen und unparteiischen Hl. Stuhles zu machen, von Erfolg gekrönt wären. Mit Beginn des Jahres 1920 ließ die Regierung merkliche Erleichterungen in den Beschränkungen der Missionstätigkeit während des Krieges eintreten. Zuerst konnte der Apostolische Vikar in Begleitung seines deutschen Sekretärs die Missionen Lul und Tonga wieder besuchen und die deutschen und österreichischen Missionäre erhielten Bewegungsfreiheit im nördlichen mohammedanischen Sudan, so daß sie die Wanderseelsorge wieder aufnehmen konnten. Auch die Wiederbesetzung der Mission Tonga wurde gestattet. Während der Kriegszeit fehlte außer Missionspersonal und Bewegungsfreiheit auch Geld. Die Zuwendungen aus Europa waren auf ein Drittel jener vor dem Kriege gesunken. Um eine Bankschuld, deren Abtragung gefordert wurde, zurückzuzahlen, wurde der Fonds zum Bau der Kirche in Khartum in Anspruch genommen und das vorhandene Baumaterial, als Zement, Rotziegel, Hausteine und Schotter, verkauft. Die verfügbaren Mittel gestatteten nur, den Bestand der Mission in ihren wichtigsten Werken zu retten. Im Jahre 1919, in welchem die Missionstätigkeit noch vollständig unterbunden war, fanden statt: 9 Taufen Erwachsener, 49 Taufen von Kindern, 422 Taufen in Lebensgefahr, 9953 Beichten, 44 Erstkommunionen, 834 Osterkommunionen, 27.039 Andachtskommunionen, 17 Firmungen, 8 Ehen, 15 Beerdigungen; es wurden in 3 Knaben-und 4 Mädchenschulen 351 Knaben und 353 Mädchen, darunter 76 interne, unterrichtet und in Armenapotheken 63.000 Kranke behandelt und mit Arzneien versehen. Der augenblickliche Stand des Vikariates, rote er durch den Krieg hindurch gerettet und teilweise seit Beginn des Jahres 1920 wieder ergänzt wurde, umfaßt: 5 Missionsstationen mit 15 Priestern, 7 Brüdern, 39 Schwestern, 7 Schullehrern, 3 Schullehrerinnen, 14 Kirchen und Kapellen, 3 Knaben-und 4 Mädchenschulen,3 Pensionaten,2 Mädchenasylen, 1 Katechistenschule, 1 Greisinnenheim, 1 Landwirtschaft, 6 Armenapotheken, 1 Druckerei mit Buchbinderei, 1 Schreinerei mit Maschinenbetrieb. Nun, da die meisten Beschränkungen gefallen sind und die Missionstätigkeit mit Hilfe alliierten Personals wieder aufgenommen werden konnte, muß das Aufgegebene wieder in Angriff genommen, das Unterbrochene fortgesetzt und Neues gegründet werden. In Tonga, wo das Missionshaus infolge von Regengüssen zum Teil eingestürzt war, steht alles zur Aufnahme der erwarteten Missionäre bereit. Dort und in Lul müssen Schulen aus gebrannten Ziegeln gebaut und Außenposten für den Katechumenenunterricht errichtet werden. Die Gründung einer weiteren Missionsstation unter den Schilluk und die Verlegung der Mission Dilling in einen heidnischen Mittelpunkt der Nubaneger müssen ehestens geschehen. Die Dinka und Nuer am Weißen Nil und am Sobat und die Berta am Blauen Nil sind weitere Heidenvölker, welche die Botschaft des Heiles erwarten. Die genannten fünf Heidenvölker mit anderen kleineren Stämmen bilden ein ungemein aussichtsreiches Missionsfeld. Da bedarf es nur der Missionäre und des Geldes und Tausende und Hunderttausende von Heidenseelen werden unserer Kirche zuströmen. Und das alles liegt innerhalb des englischen Sudan. Die Heiden, welche außerhalb desselben, wohnen und zum Vikariat gehören, sind bei den obwaltenden Veränderungen der politischen Grenzen noch nicht genau zu bestimmen. Bisher war man gewohnt, die auswärtige Mission vornehmlich oder ausschließlich in der Heidenmission zu erblicken. Sie ist auch das hauptsächlichste Missionsfeld, besonders in Afrika. Im Vikariat Khartum leben ihrer rund 11/2 Millionen. Aber das Vikariat Khartum zählt auch Mohammedaner, und zwar drei- bis viermal so viel als Heiden. Man hat sich gewöhnt, jene als ganz unfruchtbares Arbeitsfeld außer Betracht zu lassen. Anderer Ansicht ist die Hl. Kongregation der Propaganda in Rom, welche neuerdings auch die Frage der Bekehrung der Mohammedaner in Angriff genommen zu sehen wünscht. Und mit Recht. Wenn man von einer Weltmission der katholischen Kirche spricht, so können die Hunderte von Millionen Mohammedaner auf der Welt nicht ausgeschlossen bleiben. Es ist der gerechte Wunsch der obersten Kirchenbehörde in Missivns-fragen, daß auch an die Bekehrung der Mohammedaner gedacht werde, und dies besonders in einem Vikariat, dessen eingeborne Bet völkerung zum weitaus größten Teil aus solchen besteht. Die große Frage ist: Was tun'? Vorerst handelt es sich um ein Studium dieser Frage, und in Rom schlägt man vor, zunächst mit literarischen Arbeiten die Haltlosigkeit des Islam darzutun. Einstweilen tragen auch die Schulen und die Werke der Nächstenliebe zu diesem Endziel bei. Die Stärkung der christlichen Minderheit unter den Moham-mebanern sodann und die Belebung des Glaubenseifers der eingewanderten Christen kann nicht ohne heilsame Einwirkung auf die mohammedanische Mehrheit bleiben. In Khartum, der Hauptstadt des größtenteils mohammedanischen Sudan, muß der unterbrochene Bau der katholischen Kirche fortgesetzt und vollendet und das Missionsschulwesen weiter ausgebildet werden. Von den 14 Provinzen des englischen Sudan mit einem Flächeninhalt von 2,548.000 km3 haben 11 mohammedanische eingeborene Be- Häuptling im Distrikt Gulu. völkerung. In diesem weiten Gebiete vom 1,560.000 km2 leben rund 2000 eingewanderte Katholiken zerstreut. An 30 Orten leben, je 20 bis 100 Katholiken unter mohammedanischen Ungläubigen und christlichen Andersgläubigen. Die Entfernung dieser Orte voneinander sind ganz ungeheure, oft mehrere hundert, ja selbst tausend Kilometer. Diese weite Diaspora muß durch Wander-Seelsorge pastoriert, und diese muß nun möglichst ausgedehnt und ausgestaltet werden. An Orten, wo eine ständige Seelsorge nicht gerechtfertigt,, wo jedoch eine entsprechende Anzahl katholischer Kinder vorhanden ist,, müssen Missionsschulen errichtetwerden, zunächst, für die katholischen Kinder, aber auch andersgläubigen geöffnet. Vier dieser Orte benötigen dringend' solche Schulen. Zur Heranbildung: der für diese Schulen erforderlichen Lehrer bedarf es einer -Anstalt in Khar-tum.DieDiaspora-schulen unterstehen der Aufsicht der Wanderseelsorger. Diese Wanderseelsorge umfaßt alle Zweige der Seelsorge, Gottesdienst, Spendung der Sakramente, Predigt, Katechese, Schule, charitative und soziale Priesterarbeit, und erstreckt sich über ein Gebiet, das an Ausdehnung Deutschland weit übertrifft. Gegenüber all diesen Bedürfnissen steht das Vikariat Khartum hilflos da. Es hat aus dem Kriege nur seinen nackten Bestand und die Erfahrung gerettet, daß der Missionär 10 Stern der Neger Heft 1 und 2 ohne Hilfe der Wohltäter in Europa ein Waisenknabe in der Fremde ist. Der Krieg hat uns gezeigt, daß mit dem Versiegen der Gaben aus Europa das Missionswerk in Afrika verkümmert, und hat die Missionäre darüber belehrt, daß sie nicht der einzige Missionsfaktor sind, sondern daß ihr Werk ganz enge an die Wohltäter in Europa geknüpft ist. In dieser Überzeugung strecken die Missionäre des Vikariates Khartum aus ihrem Sande und Sumpfe, aus ihren Wüsten und Wäldern ihre Hände nach Europa und zunächst nach ihrer Heimat in Deutschland und Österreich aus. Von hier, wo man ihre Muttersprache spricht, erwarten sie zunächst Hilfe. In ihrer Treue zum apostolischen Beruf haben sie die Kriegszeit hindurch um ihres deutschen Namens willen unbeschreibliche Schmach und Verdemütigungen ertragen und seelische und leibliche Opfer aller Art für das Heil der Seelen des Vikariats ge- Jm nachstehenden Artikel entwirft der hochw. P. Angerer ein anschauliches Bild von den Schicksalen der Mission in Tonga während der vier Jahre, in denen die Missionäre im Gefangenenlager zu Sidi Bishr interniert und die Neuchristen führerlos sich selber überlassen waren. Es ist Sonntag. Über den ganzen Erdball sind Tausende von kleinen Sonnen verstreut. .In jeder derselben treffen sich ungezählte, vielgestaltige Strahlen. Das sind die Gläubigen der ganzen Welt, die heute, am Tage des Herrn, in ihren Pfarrkirchen zusammenströmen, ihrem Gott und Schöpfer gemeinsame Huldigung zu erweisen, aber auch Hilfe und Kraft beim göttlichen Lebenspender zu holen in ihren mannigfachen Nöten und Armseligkeiten. Und gerade heute scheinen sie besonderen Trostes zu bedürfen, so bekümmert und ernst treten sie in die Gotteshäuser. Ja gewiß, der gewaltige Sturm der letzten Kriegsjahre hat gräßliche Verwüstungen angerichtet, hat an der ganzen Menschheit gerüttelt bis zu tiefst in Geist und Herz hinein. Wohl manchen eifrigen Seelenhirten sieht man da Ausschau halten nach seiner Herde. Oft schon hat er die Häupter seiner Lieben gezählt, aber er bracht. Sie waren verborgene deutsche Dulder in der katholischen Weltmission. Nun tauchen sie aus der Verschwiegenheit auf und rüsten sich ungebrochen zu neuen Missionstaten. Gibt es etwas Allgewaltigeres als den Missionsgedanken? Er ist unbesiegt und unbesiegbar. Aus der Seele eines besiegten, gedemütigten und seiner Kolonien beraubten Volkes, das außerhalb des eigenen Vaterlandes kein Fleckchen Erde mehr sein eigen nennt, bricht er mächtiger denn je hervor. Er öffnet die Hand des Missionsfreundes daheim und beflügelt die Schritte der Glaubensboten in der Fremde. Eine solche Idee, die um so kräftiger wirkt, je unabhängiger sie von irdischen Motiven wird, ist nicht von dieser Welt, nein, sie ist in der Welt des Jenseits verankert. Heil einem missionsbegeisterten Volke: es' lebt in der Welt und fußt in der Ewigkeit. München, 16. Juli 1920. F. $oü. Geyer, A. V. kann es nicht lassen, sie immer und immer wieder sorgfältig zu mustern, denn nur zu viele seiner Schäslein hat das schreckliche Unwetter ins Verderben gejagt, und es will sich noch immer nicht verziehen. Der reißende Wolf hat gewaltige Beute gemacht, und blutgierig lauert er astf weitere Opfer. Der bekümmerte Priester wendet wehmütig den Blick ab, seufzt über den schmerzlichen Verlust und geht daran, das wahre Opferlamm darzubringen, sowohl für die Schäflein, die sich verirrt, wie für jene, die sich gerettet. Die letzteren fühlen sich nun doppelt wohl und geborgen in der Nähe des Altars, tun sich gütlich an der reichen Gnadenweide, hören mit heiliger Begierde das Wort Gottes und kräftigen sich durch inniges Gebet zu neuem Kampfe und gegen neue Gefahren. Tief drinnen in Afrika steht auch so ein Kirchlein, das einst der Sammelpunkt zahlreicher Andächtiger gewesen, die Missionskirche von Tonga unter dem Negerstamm der Schilluk. Auch über diese Hürde war der Sturm wütend hinweggebraust, und es hat wenig gefehlt, so hätte er sie mit Stumpf und Stiel verweht. Der Hirt ward samt der Herde geschlagen, der Hirt vertrieben, die Herde zerstreut. ill ins ^ El Eine ßerde ohne ßirfen. Einum j) Nun steht einer von den Hirten, die vormals mit der Sorge für diese Herde betraut gewesen, nach langer Abwesenheit wieder an der verlassenen Stelle und schaut mit sorgendem Blicke nach den Schäflein aus, die nach harter Prüfungszeit noch übriggeblieben sein mochten. Sie waren ja noch so jung und schwach, wenn sie auch zu froher Hoffnung berechtigten. Nun muß es sich zeigen, wie es mit der so lange sich selbst überlassenen Herde bestellt ist. Einige Tage vorher war der zurückgekehrte Seelenhirt den versprengten Schäflein nachgegangen, hatte die Christen alle, soweit sie micht verreist waren, aufgesucht und persönlich Sprünge im Mauerwerk bergen allerhand Ungeziefer, das Gekrabbel und durchdringende Gezirpe unzähliger Fledermäuse in den Spalten am Dache ersetzen in betrübendem Mißton Orgel und Glocken, und die Stechmücken haben freien Zutritt und schwärmen in Menge durch die zerbrochenen Fenster herein, umgeben Altar und Beter wie Rauchwolken und begleiten mit ihrem tückischen Gesumme die heilige Handlung. Sonst aber ist's schwermütig leer und still im weiten Raume, der in guten alten Zeiten von frommem Gesang und lautem Gebete zahlreicher Andächtiger widerhallte. Nach dem Gottesdienst eine kurze Unter- Missionsstation Gulu. eingeladen, zum langentbehrten Gottesdienst zu kommen; auch die Nichtchristen hatte er ausdrücklich dazu aufgefordert und von den meisten Zusage erhalten. Doch welch trauriges Bild bietet sich ihm nun dar! Fünf Christen und einige ehemalige eifrige Katechumenen erscheinen beim Gottesdienst; die übrigen halten sich für krank oder sonstwie entschuldigt. So war die Herde zusammengeschmolzen; sie hatte den Hirten vergessen und ihm zu folgen verlernt. Die hl. Messe beginnt. Die Kirche hat während der langen Zeit, in der niemand für ihre Instandhaltung sorgte, gar sehr unter Regen und Hitze gelitten. Die Wände, jeglichen Schmuckes bar, und das ganze Innere erinnern an die Ode des Karfreitags. Risse und Haltung mit den Kirchenbesuchern, und die Sonntagsfeierlichkeit ist zu Ende. Das war ein trüber Sonntag, der so recht zum Sinnen einlud, wie das gekommen, wie abzuhelfen sei. Zehn Jahre vor dem verhängnisvollen Weltkrieg war die Missionsstation Tonga gegründet worden in jenem Teile des Schilluk-landes, dessen Bewohner bekannt sind als die rohesten und unbändigsten ihrer Stammesgenossen. „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe," muß der hochwürdigste Oberhirt zu den Missionären gesagt haben, als er sie in dieses unfruchtbare Arbeitsfeld sandte, und groß muß der Opfermut der Seelenhirten gewesen sein, die freudig Bequemlichkeit und Leben für die Ärmsten dahinzugeben bereit waren. Viel Plage gab's und wenig Brot; nicht einmal Steine und Sand fanden sich im Lande, um ein wohnliches Haus errichten zu können. Die Missionäre waren ganz auf sich angewiesen, kein Schilluk rührte einen Finger für den verhaßten Fremden. Nach mancherlei vergeblichen Versuchen fand man, daß sich aus der schweren Tonerde des Schilluk-landes einigermaßen brauchbare Ziegelsteine Herstellen ließen, und so erstanden nach und nach ein nach hiesigen Begriffen stattliches Wohnhaus und eine geräumige Kirche. Inzwischen war man bemüht, die Schwarzen mit allen Mitteln zu gewinnen, und es gelang, sie wenigstens so weit zu bringen, daß sie mit Hand anlegten bei den Arbeiten der unverdrossenen Diener Gottes. Sodann ging man daran, aus dem anfangs unbrauchbar scheinenden Material des inneren Menschen eine christliche Gemeinde zu formen, aus entartetem Steppenwild brave Lämmer heranzubilden. Das war aber keine leichte Aufgabe. Jeder Tag dieser Arbeit stellte sich dar als ein Tag unsäglicher Mühe und heißen Kampfes, stillen Leidens für das Herz und beständiger Marter für den Leib, als eine Zeit drückender Sorgen und bitterer Enttäuschungen. War es schon schwierig, in die fremdartige Sprache und Denkart einzudringen, so war es noch viel schwieriger, ein Volk, das so zähe an den Sitten und Gebräuchen seiner Vorfahren festhält wie der Schillukstamm, vom religiösen Aberglauben und dem Wust geistiger Verirrungen, in die ihr ganzes Sinnen und Trachten sich verloren hat, abzubringen und es für die neue, ihrer verzogenen Natur so schwer verständlichen Lehren Christi zu ge- winnen. Langer, langer Zeit bedurfte es, bis sie begriffen, daß der Missionär nicht zu eigenem Vorteil in ihr armseliges Land gekommen sei, sondern zum Besten seiner schwarzen Bewohner. Noch länger dauerte es, bis ein leises Gefühl der Dankbarkeit in ihren Herzen erwachte. Es muß den damaligen Missionären eine grenzenlose Geduld und ein beträchtliches Maß selbstloser Liebe-zu Gebote gestanden haben, daß sie die Schilluk dahin brachten, allmählich ihren Abscheu und ihr Mißtrauen gegen die Fremden abzulegen, ja, den Missionären sogar ein geradezu kindliches und unbedingtes Vertrauen entgegenzubringen, wie sie es den eigenen Verwandten gegenüber nimmermehr getan hätten. Eine weitere Schwierigkeit, die an der Eigenart der Schwarzen zu überwinden war und alle Umsicht und Klugheit der Erzieher verlangte, war der maßlose Stolz und die ans Lächerliche grenzende Eitelkeit der großen und kleinen Kinder. Es war schon viel, daß sie ihr Elend und ihre Dummheit vor den Weißen eingestanden und sich herbeiließen, in ihnen ihre Lehrer und Ratgeber anzuerkennen, und in Sachen der Religion sich auch willig und demütig zu unterwerfen. Ihre Trägheit und Arbeitsscheu hatte man so weit aufgerüttelt daß sie den Missionären um Lohn in Haus,. Hof, Garten und in Besorgung des Viehstandes ziemlich dienstfertig an die Hand gingen. Ihr roher, kriegerischer und rücksichtsloser Sinn hatte gegen früher bedeutend abgenommen, seitdem die Kirche an Sonn- und Feiertagerr und die Schule an Werktagen fleißiger besucht wurden. (Schluß folgt.) Dem frommen Gebete der Leser empfehlen wir die Seele unseres verstorbenen Mitbruders P. Hugo Larisch F. S. C. der am 4. Oktober 1920 zu Khartum selig im Herrn entschlafen ist. Er war geboren am 14. November 1870 zu Groß-Glogau in Schlesien, gehörte 30 Jahre unserer Kongregation an und wirkte 25 Jahre unermüdlich als Missionär im nördlichen Sudan, geschätzt und geliebt von allen, die ihn kannten. R. I. P. .Heft 1 und 2 13 Stern der Neger müiionsrubrik für die Jugend. Von P. Jakob Lehr, Rektor. mein Beruf. Es war um das Jahr 12 der christlichen Zeitrechnung. Jerusalem, die heilige Stadt, begann nach den prunkvollen Ostertagen ein alltägliches Gesicht aufzusehen. Seit dem I K.Nisan, nn dem die Erstlings - Gerstengabe dargebracht wurde, waren schon drei Tage verflossen und die meisten Pilger, die zum Feste heraufgezogen waren, hatten sich bereits auf den Leimweg gemacht. Da kehrte eine junge Mutter an der Seite eines älteren Mannes in den Tempel zurück. Angst und Sorgen hatten in den letzten drei Tagen ihr gnadendurchleuchtetes Antlitz gebleicht, und das tiefe Weh des Mutterherzens hatte darüber einen sanften Trauerflor gottergebenen Leidens gewoben. Plötzlich brach aus dem träncnumschleicrten Auge ein Schein, wie ihn nur die Glut der Mutterliebe zu werfen vermag. Die junge Frau ging nicht mehr: sie flog. Im nächsten Augenblick hielt sie ihren Jesus, den sie drei Tage und drei Nächte lang so schmerzlich vermißt hatte, wiederum in den Armen. Es war nicht der herbe Ausdruck überstandener Pein, sondern der Lerold glücklicher Liebe, wenn die freude-durchbebte Stimme die leise Klage ertönen ließ: „Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" (Luk. 2, 48.) Der göttliche Leiland, damals noch ein zarter Knabe, hatte bisher seiner Mutter und seinem Pflegevater nie den geringsten Kummer bereitet. Vor drei Tagen aber hatte er sie, ohne ein Wort zu sagen, verlassen und dadurch in unsägliches Leid gestürzt. Gewiß, er wird jetzt dafür Abbitte leisten! — Keineswegs I Die ernste majestätische Gegenfrage: „Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" (Luk. 2, 49) — war eher alles andere als eine mildernde Abbitte. Es war, wenn auch keine schroffe, so doch eine entschiedene, unwiderrufliche Absage an das Blut. Sie erhob sich so hoch über den gedanklichen Zenit auch der besten seiner Zeitgenossen, daß selbst Maria und Josef betroffen lauschten. „Sie aber verstanden die Rede nicht, die er zu ihnen sagte." (Luk. 2, 50.) Freilich, diese unverhoffte Erwiderung war die erhabene Offenbarung seines Missionsberufes. Nicht Laus und Los, nicht Fleisch und Blut, nicht einmal Jehova und Juda haben für ihn bestimmende Geltung, sondern einzig und allein der Wille des Vaters. Darum werden auch die herrlichen Lallen des Tempels den Lehrstuhl seiner Wirksamkeit nicht beherbergen, sondern „in dem, was des Vaters ist," wird er zu finden sein. Des Vaters aber ist die ganze Welt, die leibliche und nicht minder die geistige. Was er hier von sich selbst nur blitzartig andeutet, das tvird er einst für andere in dem hinreißenden Satze formulieren: „Gehet hinaus in alle Welt und prediget das Evangelium jeglicher Kreatur!" (Mark. 16, 15.) Sicherlich war es ausfallend, daß ein zwölfjähriger Zimmermannssohn aus Nazareth hier am Brennpunkte der gesummten jüdischen Wissenschaft durch seine einfachen Fragen und lichte Antworten alte, im Gesetzesstudium ergraute Männer in Erstaunen setzte und in Verlegenheit brachte. Indes, für jene, die diesen sanften, demütigen, gehorsamen Knaben kannten, war es viel mehr auffallend, ja geradezu unfaßlich, daß er dem offenkundigen Leid seiner Eltern auch nicht das mindeste Zugeständnis machte. „Sie aber verstanden nicht." Einstens jedoch werden auch sie verstehen. Wenn er, umlagert von einer großen Volksmenge in Kapharnaum, seiner Licblingsstadt, wieder einmal lehrt und einer ihm zuruft: „Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich" (Matth. 12, 47), so wird er nicht nur die abweisende Gegenfrage stellen: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?" (Matth. 12, 48), sondern er wird seine Land ausstrecken, auf seine Apostel, seine Missionäre, deuten und vor aller Welt verkünden: „Siehe da meine Mutter und meine Brüder!" (Mark. 12, 49.) Die ©einigen werden zwar auch dazu sagen: „Er ist verrückt geworden" (Mark. 3, 20), allein Maria wird es verstehen. (Fortsetz, folgt). 14 Stern der Neger Heft 1 und 2 Se T^r T^r S\ —JJ Liebe Kinder! Vor allem wünsche ich euch ein „Glückliches Neujahr!" Wenn ich euch ein „GlücklichesNeujahr" zurufe, so meine ich nicht, daß ihr ein neues, gestreiftes Löslein oder buntfarbiges Röcklein bekommen sollt, — auch nicht, daß ihr oft süßen Kuchen zu essen habt, sondern daß euer kleines Lerz stets rein bleibe, immer frei von Sünden sei. Denn die Sünde macht den Menschen unglücklich. Wer also im neuen Jahre in der Sünde lebt, für den kann es kein „Glückliches Neujahr" sein. Dann aber möchte ich von ganzem Lerzen jenen lieben Kindern danken, die mir ein Weih-nachtsbrieflein geschrieben haben. Nur heißt meine Adresse nicht An das Missionshaus An des Onkels Jakobs. sondern Onkel Jakob in Missionshaus Messendorf Meffendorf bei Graz bei Graz Es freut mich sehr, daß sie fleißig für die armen Leidenkinder beten. Loffentlich schreiben sie mir bald wieder und sagen mir auch etwas von ihren Weihnachtsgeschenken. Ich selbst will euch allen etwas von den Geschenken erzählen, welche die heiligen Dreikönige dem lieben Iesu-kinde dargebracht haben. Als nämlich Jesus zu Bethlehem geboren war, siehe! da kamen Weise aus dem Morgenlande..., gingen in das Laus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an, öffneten ihre Schätze und reichten ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhen. Ihr seid gewiß schon vor dem Weihnachts-kripplein gestanden und habt die heiligen Drei-könige betrachtet. Da habt ihr einen alten Mann gesehen mit einem langen grauen Bart. Der schaut aus wie ein alter Missionär. Nur hat ein Missionär keine so schönen Kleider an. Dieser alte König heißt Melchior. Der zweite König ist ein kräftiger Mann und trägt einen dunklen Vollbart. Sein Name ist Balthasar. Der dritte König ist noch ganz jung. Er hat noch gar keinen Bart. Aber ihr betrachtet ihn am meisten, weil er schwarz wie ein Kaminfeger ist. Er heißt Kaspar. Der König Melchior bringt dem Jesuskind die Gabe des Goldes dar. Als alter Mann weiß er gar wohl, daß man dem lieben Jesus nur lautere Gaben anbieten darf. Das Gold aber ist das Sinnbild eines reinen, treuen-Lerzens, eines Lerzens voll Liebe zu Gott und und dem Nächsten. Ein so treues und liebevolles Lcrz hatte die kleine Paula. Weil sic brav und fleißig gewesen, hatten ihr die Eltern das Eintrittsgeld in den Kinderzirkus gegeben. Am nächsten Tag frägt sie der Papa: „Nun, Kind, was hast du gestern Schönes gesehen?" Paula wurde verlegen und flüsterte: „Ich war nicht drin." Warum, will sie nicht sagen. Aber die Mama erkundigt sich und erfährt, daß Paula das Geld für die Negerkinder gegeben hat. Der König Balthasar bringt dem Jesuskinde Weihrauch als Geschenk. Der Weihrauch mit seinem süßen Duft versinnbildet die Andacht zum Gebet. Ich habe euch schon das letzte Mal gesagt, daß ihr auch für die armen Leidenkinder beten müßt. Ein braves Kind betet jeden Tag, wenigstens beim Morgen- und Abendgebet, auch für die Bekehrung der Leiden. Der schwarze König Kaspar opfert dem lieben Jesuskinde Myrrhen. Die Myrrhe ist sehr bitter. Sie ist das Sinnbild der Abtötung. Sich abtöten heißt, auf etwas, das man gern hat, aus Liebe zu Gott verzichten. Eine solche Abtötung übte der kleine Fritz. Eines Tages kaufte er sich eine Lakrizenstange. Da hörte er, daß sein Brüderchen den monatlichen Beitrag zum Missionsverein nicht entrichten konnte. Sofort verkaufte er wieder die Lakrizenstange und sagte: „Das soll für mein Brüderchen sein." Ihr kennt also, liebe Kinder, die hauptsächlichsten Mittel, den armen Leidenkindern zu helfen. Es sind das Gold der Liebe, der Weihrauch des Gebetes und die Myrrhe des Opfers. Ganz gewiß, ihr werdet nicht nur beten, sondern auch die kleine Paula und den kleinen Fritz nachahmen, und das liebe Jesuskind wird euch reichlich segnen. Das ist der sehnlichste Neujahrswunsch euers Onkels Jakob. Rätsel für die Kinder! Nun Lansl, jetzt recht nachgedacht! Don vorn bin schwarz ich wie die Nacht, Don Hinte» aber — ohne Spatz Bald warm, bald kalt, doch immer natz. ■uaBaiß — na,Nitz uoq •laBatß — »aoq uoq : jaoaqujj, MUWm to TltenIOQcn--Ul([sione--üct()anCi6a Wemichs (II). 81. Db. I.). Anläßlich des Europaaufenthaltes Sr. bifchöfl. Gnaden, des hochwürdigften Herrn San. Geyer, Begründers des „Stern der Neger", richtete der Vorsitzende des Verbandes eine kurze Begrüßungsadresse an ihn, auf die obiges Antwortschreiben einlief. St, Bonifaz, München, 18., September 1920. ■ Ehrwürdiger Herr! Für Ihr sehr freundliches Schreiben vom 3. d. M. danke ich Ihnen herzlich. Der Herzschlag der kath. Kirche ist ihre Welt-mission. Es ist eintheiliges und gewaltiges Unternehmen, das nur durch die Mitwirkung vieler erfolgreich gefördert werden kann. Ich begrüße daher herzlichst die große und erhabene Ausgabe, welche sich der Theologen-Missions-Ver-band Österreichs gesetzt hat, nämlich „durch gemeinsame einheitliche Arbeit in ganz Österreich im heranwachsenden Klerus Missionsverftändnis zu rvecken und zu fördern". In den vielen Jahren meines Mtssionsberufes habe ich erfahren, daß die Mtssionsteilnahme des Voltes wesentlich davon abhängt, wie der Klerus sich dazu.stellt. Möge es gelingen, den Heranwachsenden Klerus von Österreich mit solcher Begeisterung für die Weltmission der Kirche zu erfüllen, daß er einst auch das ihm anvertraute Volk dazu hinreißt; das ist eines der wirksamstqi Mittel der Seelsorger, um in ihren Gemeinden selbst den Glaubenseifer zu beleben. Missionsund Glaubenseifer bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Wenn Österreich so viele Missionäre aussendet, so viel für die Misstonen gibt und betet. Laß es im eigenen Lande den Segen der Arbeit für die Weltmission spürt, dann Heil diesem herrlichen Land und Volke! Mit Luft lese ich im „Stern der Neger" von der Rührigkeit Ihres Verbandes. Oescat et floreat! das ist mein Herzenswunsch für Sie und alle Mitglieder Ihres Verbandes, und dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen. In dankbarer Hochschätzung bin ich Euer Ehrwürden sehr ergebener F. Lav. Geyer, Apostolischer Vikar von Khartum. Tätigkeitsberichte der Verbandsvereine. (Fortsetzung.) Akademischer Missions-Zirkel St. Pötten. Wintersemester: Wenn ein Mann kränk war, so bleibt er nach seiner Genesung einige Zeit geschwächt. Auch unser Zirkel war krank. Er ist noch Rekonvaleszent. Das gekürzte Schuljahr und der gedrängte Lehrftost behinderten eine rege Tätigkeit. Mit 5. Oktober begann das Vereinsjahr. Die erste Aufgabe war, die Linzer Beschlüsse durchzuführen, und dies geschah. In der Regel versammelten sich die 88 internen Mitglieder alle 14 Tage abwechselnd in einer ordentlichen Monatsversammlung, zu deren Besuch alle Mitglieder ver-pstichtet ivaren, und einer außerordentlichen, die kaum schwächer besucht waren als die obligaten. Vorträge und Referate belebten die Zusammenkünfte. Das Erscheinen eines fremden Redners war leider unmöglich. Sehr fühlbar war die stnanzielle Not. Sie vereitelte eine Vermehrung der Bibliothek. Nur Grubers Weihnachtsmisstonsbuch wurde eingereiht. Die wenigen, aber guten Bücher der Zirkelbücherei wurden eifrig benützt. Außerdem sind noch in der Hausbibliothek misstonswissenschaftliche Werke, die auch öfters das Tageslicht erblickten. Die neuerwachende Missionsbeget-fternng beweist sich vorzüglich dadurch, daß sich viele Mit-glieder je nach der Schwere ihres schwindsüchtigen Geldbeutels Misstonsliteratur anschafften. — Am Dreikönigstag feierten wir ein schönes Missionsfeft mit Generalkommunion und Akademie, dabei Lichtbildervortrag über Abessinien. Es war Ivenig, was geboten werden formte, hat aber gut gefallen und die spärlichen Reste der irrtümlichen Meinung beseitigt, daß am Brenner die Welt aufhöre. Sommersemester: Unser Misstonszirkel kann im Sommer« semester leider teilte besondere Tätigkeit aufweisen. Dies ist auch leicht begreiflich, wenn man bedenkt, daß mit letztem April das Kollegienjahr schloß. Da mußte die äußere Vereinsarbeit der Berufsarbeit weichen. Im Herzen der Theologen aber wurde der Missionsgedanke nicht nur erhalten, sondern entflammte zu wahrer Begeisterung. Ein Beweis dafür ist, daß im Nu das ganze Arbeitsprogramm für das Vereinsjahr 1920/21 vergeben war. Die Bibliothek konnte wieder um einige Bände vermehrt werden. Der Beschluß der Linzer Vertretertagung, daß die ext. Mitglieder im Vereinsvorstande einen Vertreter erhalten sollen, wurde durchgeführt und in der Person des hochw. Koop. Johann Mold der Vorstand der ext. Mitglieder unseres Zirkels gewählt. Der Same, der vor mehreren Jahren durch den jetzigen Koop. Ecklmaper, Gründer unseres Zirkels, gelegt worden ist, zeitigt herrliche Früchte, wie aus den. Bertchten der ext. Mitglieder zu ersehen ist. Mit rührendem, nimmermüdem Fleiße wird gearbeitet auf der Kanzel, in. Vereinen und besonders auch in der Schule. Erwähnt sei nur noch, daß bet einem Misstonsfeste, abgehalten von einem, ext. Mitglieds, für die Missionen 1600 K einliefen. Franz Gravogl, Obmann. Theologen-Missionsverein Weiden««. Eine neue Phase in der Geschichte des Weidenauer Theo-logen-Misstonsvereines ist damit eingetreten, daß er als Sektion der Mar. Kongregation erklärt wurde. Dieses Jahr hielt der Verein fünf Versammlungen ab tin ersten und eine im zweiten Semester. In diesen wurden folgende Vorträge gehalten: „Der Misstonsbefehl Ehristi und die Durchführung durch die Kirche und die Mtsstonsnot", „Religion und Erziehung", „Franz Xaverius als Muster eines Sodalen", „Inhaltsangabe des apostolischen Schreibens des Hl. Vaters vom 30. November 1919 über die Mission". Vorgelesen wurde aus einigen Biographien und aus Fischers „Jesu letzter Wille": „Mtssionspflicht und Missionsmtttel". Die praktische Betätigung unseres Vereines ist folgende: Wir haben beschlossen, die sonntägliche hl. Kommunion für die Mission aufzuopfern. Für das Ausschneiden der Tonsur zahlt jeder 10 K in die Mtssionskafse. Beim Morgengebet wird ein Paternoster auch für die Heiden gebetet. Ferner haben wir Mk. 100'— zum Loskauf eines Negerkindes an die St.-Petrus-Claver-Sodalität abgesandt. Von Missionszeitschriften haben wir bis jetzt bestellt: „Stern der Neger" und „Misstonspropaganda"-Einige andere Zeitschriften liegen in der Seminarbibliothet auf und sind allen jederzeit zugänglich. Ebenso sind auch, einige Missionsbücher in genannter Bibliothek. Der Stand der Mitglieder beträgt 14 Theologen. Gott senke in ihre Herzen einen wahren Eifer für die Mission und lasse sie das Seminar verlassen als eifrige Verfechter der Ausbreitung des Gottesreiches auf Erden, um so Jesu letzten Willen zu erfüllen.. Fritz Lehn er, Obmann. Der Tätigkeitsbericht des Theologen-Misstonsvereins St. Florian folgt in der nächsten Nummer. Seht ITMionsarbeif auch den Gebildeten an? F. G. Akad. Missionszirkel Sk. Pötte«. Wer Heute den Frieden predigt, wie das Christentum ihn verlangt, ist reaktionär, und wer diese christliche Kultur auszubreiten sucht, sie denen mitzuteilen bestrebt ist, die kulturlos in nächtlicher Fiijsternis dem tiefen Abgrund ewigen. Verderbens entgegengehen, sder ist verfemt als reaktionär. Doch man mag sagen, was man will, die christliche Kultur dem ganzen Weltgebäude als festes Fundament zugrunde zu legen, die Völker, gebildet oder ungebildet, höher denken zu lehren ist unsere und der kommenden Jahre ernste Arbeit. Blicken wir über die ozeanischen Gewässer: „Kulturarbeit der kathol. Missionäre": sehen wir uns im eigenen Lande um: „Kulturarbeit" edelgesinnter, echt katholischer Herzen, Kulturarbeit für die ärmsten Erdenwandler, die unglücklichen Heiden. Das ist Missionsarbeit. Überblicken wir die Volts-schtchten vom einfachsten Gebirgsbewohner bis zu den Männern der Wissenschaft und weiter bis zu den Staatsoberhäuptern, alle sind verpflichtet, der Missions-Kulturarbeit freie Bahn zu brechen, auszugehen, christliche Kultur zu pflanzen und kathol. Völker zu ernten. Greifen wir aus der Menge der Berufsarten drei heraus, die gesetzt sind, Führer des Volkes zu werden: Priesterkandidaten, — Laienakademiker, — Mittelschulstudenten. Daß der Priesteramtstandidat als besonderer Diener der kath. Kirche mit Entfaltung aller Kräfte bestrebt sein muß,, daß seine Gebieterin wirklich katholisch, weltumspannend sei und werde, ist ganz natürlich. Ist jeder Katholik nach des göttlichen Meisters Lehre gehalten, seinen Nächsten, und ist dieser auch in weitester Ferne, zu lieben, also auch für die ärmsten Brüder nachtdurch-wobener Götzenkultur zu arbeiten, zu opfern und zu leiden, dann gehört gewiß die kath. Laien-Akademikerwelt in die vordersten Reihen der Bannerträger des Kreuzes. Doch diese beiden Gruppen seien auf diesem Gang durchs heimatliche Missionsfeld nur gestreift. Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit der werdenden Intelligenz zu. Wenn wir über di« Landesgrenzen hinausblicken, so müssen wir sehen, daß die „deutsche" kathol. Intelligenz, nicht zuletzt die Studierenden an den Mittelschulen, den hohen Ge- "bansen von iPeltkirche und Weltmisston erfaßt und zum Brennpunkt einzelner Vereinigungen gemacht hat. Und dies ist ein Ideal der modernen Misstonsbewegung, alle atabem. Kreise, auch schon die Mittelschuljugend in das Land des kathol. Idealismus zu führen. Wurde am Gymnasium:c. der Mtssionsgedanke wie ein zarter Rosenstrauch gehegt und ihm stets das erfrischende Element der Nächstenliebe zugeführt, wir hatten festere und überzeugtere Katholiken. Das Vertiefen in die reichhaltige Mtsstonsidee fördert aus dem unversiegbaren Quell des Mtssiousgedankens Liebe und Treue zur hl. Religion. Da lernt der Mensch erst recht den großen Wert der kathol. Religio» schätzen, wen» er erführt und weiß, daß so viele seiner Brüder, die Gott ebenso liebt wie ihn, zugrunde gehen, weil sie nicht bekannt sind mit des Heilands trostvoller Himmelslehre. Da rührt sich das Herz des lath. Studenten. Er'läßt-nicht die Schmach ans sich kommen, daß er vielleicht Schuld ist am Untergange so vieler seiner Brüder und Schwestern im Heidenlande, denen er seine hilfreiche Hand zu sicherer Rettung hätte reichen können. Wenn man heute von einer Studenten-Missiousbewegung spricht, so ist das kein leeres Gerede. Der junge Student soll vertraut werden mit der Universalität und Kulturarbeit der Kirche. Aus dreier Kenntnis schöpft das junge Herz Begeisterung für die Weltkulturarbeit, für das große Missions-rverk. Ist jeder Katholik verpflichtet, Christi Missionsbefehl so oder so auszuführen, dann kann und darf der Mittelschüler nicht abseits stehen, mit vielen anderen steht er im ersten Treffen. Wird ja doch auch er Führer eines Volkes, dessen Existenz auf dem Grundgesetz der Liebe aufgebaut ist. Mit diesem Gebote darf aber auch der Führer nicht auf Kriegsfuß stehen. Beim Volke äußert sich dieses Gebot schon vielfach in unermüdlicher Arbeit für das Reich Gottes und dessen Ausbreitung unter den Heiden. Mit denselben Idealen eines universellen Gottesreiches muß auch der Gebildete und Studierende durchs Leben gehen. Die Missionsidee vertieft und festigt also im Menschen, im Katholiken die hl. Religion. Darum» hinein mit dieser gewaltigen Idee in unsere ideal denkende Mittelschuljugend. Fort mit den Hindernissen, die sich einer solchen Missions-bero'egung hemmend entgegenstellen könnten. Ist diese Idee einmal aufgenommen, dann bereitet sie nur Freude und führt zu stets neuer Begeisterung. Es sei daher unserer Mittelschuljngend ein wackeres Auf und Vorwärts zugerufen für Glaube und Kirche, Sitte und Kultur, für Recht und Wahrheit! Pom Pororfe. Weckung und Förderung des Misstonsgedanlens auch unter den Laienakademikern Österreichs lautet einer unserer Pro--grammpnnkte. Wir wollen nicht stehenbleiben bet bloßen Worten, nein, frischauf zur Tat! Alle Brudervereine, Sie alle, werte Kollegen, bitten wir wiederum um kräftige Mitarbeit. Ausgangspunkt sei die Vorschule zur Hochschule; die oberen Klassen der Mittelschulen. Hier schon setze unsere Arbeit ein und leite so über auf die Universität. Wohl sind die Mittelschulen zum Teil schon missionarisch organisiert; es sei hier festgestellt, daß unser Streben nicht etwa ein Trennnngs-versuch ist, im Gegenteil, wir erhoffen dadurch nur die Festigung dieser Organisation. Doch nicht bloß Gelder sammeln will der Student, er will mehr, er will eindringen in die Mtssionstdee, er will deren Warum, Wozu und Wie studieren. Ferner soll der Student mit Absolvierung der Mittelschule die Mifstonsarbeit nicht aufgeben, sondern energisch fortsetzen, die atabem. Miffionsvewegung an den Hochschulen anbahnen und störten. Über Anregung des Borortes haben wackere Studenten des Obergymnasiums in Melk (N.-Ost.) einen Misst ons-studienzirkel ins Leben gerufen. Schon hat dieser Zirkel die Arbeit aufgenommen. Er behandelte die Fragen: Protestantismus, Islam und moderner Unglaube als Hindernis der kath. Mission; Misfionspflicht; Wege, wie wir auf dem Missionsgebieie arbeiten könne»; ein spezielles Thema: das Stehler Misstonswerk. Der Studenten Arbeitsgemeinschaft mit unserem Verbände erfreut uns sehr. Die Tätigkeitsberichte über das Wintersemester erbitten wir bis 16. Februar. BoIIändilcher miflionskurs. Am 26. und 27. August d. I. tagte im Misstonshause St. Michael (Steyl) in Holland ein missionswissenschaftlicher Kurs für holländische Studenten und Theologen, über den glänzenden Verlauf berichtet ein hochgeschätzter Teilnehmer; „Sie hatten die Freundlichkeit, an den hier tagenden holländischen Missionskursus die Brndergrüße Österreichs zu übersenden. Leider kamen sie erst heute (30. August; abgesandt expreß am 23. g. Ml) hier an, werden aber den Abteilungen übermittelt und in den Bericht übernommen. Herzlichen Dank." Die Tagung war großartig in jeder Hinsicht. Die erste allgemeine Versammlung wurde eröffnet Mittwoch, 3 Uhr nachmittags, und geleitet von Prof. Dr.. I. Emit aus dem Priefterseminar Reysenburg (Utrecht). Er gab eine kurze Vorgeschichte, begrüßte die zahlreichen Studenten aus Amsterdam, Utrecht usw. sowie die großen Abteilungen von Theologen aus den Seminarien zn Roermond, Warmond, Reysenburg, Haaren, Hoeven, Roldue, ans Mecheln usw., ebenso die Vertreter sämtlicher in Holland tätigen Mtssionsgenofsenschaften und andere Ehrengäste. Die Zahl der Teilnehmer betrug. gegen 300. Dann gab Prof. Dr. I. Emit dem hochwürdtgsten Bischof Fr. Wolf, Apost. Vikar von Togo, das Wort und erbat für die Tagung den Bischöflichen Segen. Es waren Schreiben angekommen von Erzbischof van de Metering aus Utrecht und dem Diözesanbischof Msgr. Schrtjnen aus Roermond ; ferner ein Telegramm von P. Schwager und eine Zuschrift vom Generalsekretär der deutschen akad. Missionsvereine, Prof. Dr. Pieper (Münster). Nach deren Verlesung sprach P. Rektor Ariaens, 8. V. D., aus ,Teteringen (bei Breda) über den Geist des hochseligen Stifters der Steyler-Missionsgenossenschaft. Alsdann erhielt P. Dr. Freitag, 8. V. D-, das Wort zu seiner einstündigen Rede über die Lage der kath. Weltmtfsion, besonders der deutschen, vor und nach dem Weltkrieg, welche mit größter Aufmerksamkeit und wiederholt starkem Beifall aufgenommen wurde. Die Zwischenpause wurde mit Besichtigung der lehrreichen Misstonsbetriebe und Werkstätten des Stehler Mutterhauses ausgefüllt. Abends 8 Uhr fand eine zweite Vollversammlung statt, in welcher Prof. Dr. Schmidlin über die akad. Missionsaufgaben sprach. Daran schloß sich sofort eine sehr starke Diskussion, namenttict) von P. Frencken und den Universitätsstudenten über die von den Amsterdamer Medizinern ausgegangene ärztliche Missionsbewegung, welche auch am folgenden Morgen noch fortgesetzt wurde. Den Vorsitz führte Prof. Dr. Groenen aus Warmond. Die dritte Vollversammlung tagte Donnerstag, 9 Uhr morgens. Sie wurde eröffnet von dem Vorsitzenden der kath. Studentenunion Hollands, stud. med. H. Drost. Hauptrede hatte Pros. Dr. Schmidlin über die Missionswissenschaft. In der Diskussion sprachen zunächst P. Ariaens, S. V. D., über die Aussichten der ärztlichen Mission seitens der Gesellschaften; P. Dr. Anton Freitag über das vielbesprock,ene Thema: Wie kann der atab. Student sich praktisch und in feinen Fachstudien für die Mission betätigen? Diese Frage soll nach seinem Vorschlag zu einem eingehenden Studium Anlaß geben und dann an die akad. Mtssionsvereine weitergegeben werden. Das Missionsschulproblem wurde allgemein in einem kurzen Referat von Prof. Dr. Schmidlin angeschnitten, von P. Frencken, S. J., praktisch beleuchtet und von P. Tareisius ergänzt durch ein Referat über den Missionsgedanken im Schulunterricht. Nachmittags folgte um 2 Uhr die große Schlußversamm-lung, geleitet von Herrn Prof. Dr. Brom, dem Sekretär der holländischen kath. Studentenschaft. Das Wort hatte zum Hauptthema Dr. Ahaus aus der englischen Missionsgeuossen-schast von Mill Hill über die Einheitsbestrebuugen tin protestantischen Missionswesen, worin vor allem auf die Edin-burger Missionsunternehmuugen seit 1910 und die seit 1917 in Nordamerika bestehenden Bestrebungen des Jnterchurch Movement hingewiesen wurde. . Auch zur internationalen Verständigung wurde Stellung genommen und neue Schritte diesbezüglich in die Wege geleitet. Man strebt zunächst eine allgemeine internationale Vereinigung der kath. Studenten an, in welcher dann die Missionssache eingebaut sein soll. In einem glänzenden Schlußwort von Dr. Brom kam die starke Missionsbegeisterung auch äußerlich durch reichen Beifall zum Ausdruck. Abends um 6 Uhr schloß die Tagung mit einer geradezu hochimposanten kirchl. Schlutzfeier in der schön geschmückten Oberkirche des Missionshauses. Bischof und Klerus in der Zahl von nahezu 100 Mann zogen unter jubilierenden Orgel-Ilängen ein. Die ebensosehr auf den Verstand wie das Gemüt berechnete Mifsionspredigk über das Thema „Caritas Christi urget nos“ des P. Vullinghs, M. s. C., aus Arnhem schlug gewaltig ein. Nicht schöner hätte in der Tat die ganze Veranstaltung schließen können als durch den feierlichen Segen mit dem Hochwürdigsten Gute. Universitäts-Buchdruckerei „Styria", Graz. — Verantwortlicher Schriftleiter; Josef Tomola, Graz.