Berausgegeben vom ITlifsionshaus Graz, Paulusforgaife 10. Preis ganzjährig: Österreich 2 S, Deutschland 2 Goldmark, Italien 8 hire, Cschechoslowake! 10 ČK, Jugoslawien 24 Dinar, Ungarn 24.000 u. K, Schweiz 2 Franken, Amerika 2 Soldmark. Der Belüge Vater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Hiessen gelesen. Hlit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, heifmerlfz, hinz, ______ Olmüfj, Marburg, Crienf. Crieff und Wien. Best S. Hum 1027. XXX. Jahrgang. 8888 ,£>em Tierzen Jesu singe.6 Von Hochw. P. Karl Fischer, F. 8. C. BtQOP □o oo Die erste der Verheißungen des göttlichen Herzens Jesu lautet: „Ich werde sie (die Verehrer meines Herzens) in ihren Leiden trösten." Unsere Christen in der Centocower Missionsstation*) zeigen eine große Andacht und Liebe zum heiligsten Herzen Jesu. Sie wurde ihnen im Anfang ihrer Bekehrung eingepflanzt und wird immer wieder auss neue geweckt. Daß sie diese Andacht hochschätzen, zeigt auch der Umstand, daß die meisten Erwachsenen Sonntags und besonders an Herz-Jesu-Sonntagen ein Herz-Jesu-Bild an ihrer Brust tragen, das Zeichen, daß sie der Herz-Jesn-Bruderschast an« gehören.Jch sage die Erwachsenen, weil dieJungen fast ohne Ausnahme zu den „Marienkindern" Zählen. Erst mit dem Ehestand legen sie ihr blaues Band mit der Medaille der Unbefleckten ab und tauschen es mit dem Herz-Jesu-Zeichen um. So kommen sie also durch Maria zum Herzen Jesu, das ihnen alle Gnaden schenken soll, die sie im Ehestand haben müssen. *) P. Fischer schrieb den Artikel während seiner mehrmonatigen Tätigkeit in der Mariannhiller Station Centocow. Sie müssen wirklich Trost und Stärke im Herzen Jesu finden! Bekannt ist ja die trostlose Lage der Bantuneger Südafrikas. Doch sie vergessen ihre Not, wenn es gilt, dem Herzen Jesu zu dienen. Wie ist es erfreulich, sie herbeieilen zu sehen, selbst über acht englische Meilen weit, um den Herz-Jesu-Sonntag würdig zu feiern. Freitag abends und Samstag vor dem ersten Monatssonntag kommen sie, um sich durch eine gute heilige Beichte vorzubereiten. Der Missionär ist da beständig im Beichtstuhl beschäftigt. Nun kommt der große Sonntag. Um 5 Uhr früh sind schon Andächtige in der Kirche, langsam füllt sie sich bis um V28 Uhr, wo die Herz-Jesu-Messe vor ausgesetztem Aller-heiligsten beginnt. Da ist die schöne große Kirche der Centocower Missionsstation, die 2000 Menschen fassen dürfte (ein Denkmal eifrigen Schaffens der Missionsbrüder), ganz überfüllt. Mächtig braust Gebet und Gesang durch das hohe Gebäude. Da wird es auf einmal still, mäuschenstill! Das Klingeln der Ministranten verkündet, daß der Gottmensch herabstieg auf den Altar. Es bleibt still, bis der Priester zu ihnen gewendet zeigt und spricht: „Ecce Agnus Dei“ — „Sehet das Lamm Gottes". Nun wird die Menge lebendig. Sie wälzt sich in wohlgeordneter Weise, ohne Drängen und Schieben, vor zur Kommunionbank. Zwei Priester sind beschäftigt, den 500—600 andächtig sich Nahenden die heilige Kommunion zu reichen. Ihre äußere Hülle ist zwar einfach, ja vielfach sehr ärmlich, doch sittsam und ehrbar, aber ihre Seelen müssen schön sein, ist doch die äußere Andacht der Ausdruck ihres Inneren. Geordnet ziehen sie sich wieder zurück auf ihre Plätze und versenken sich in Danksagung. Nach der heiligen Messe ist Herz-Jesu-Litanei und der feierliche Weiheakt ans göttliche Herz des Weltheilandes. Die Liebe der Bantu zum göttlichen Herzen ist aufrichtig; sie treibt sie an, auch unter der Woche öfters den sakramentalen Heiland zu empfangen. So werden hier in der Hauptkirche wöchentlich bis 700 heilige Kommunionen ausgeteilt und viele auch in den Außenstationen gelegentlich des Besuches §es Missionärs. Das göttliche Herz Jesu belohnt sie, tröstet sie und gibt ihnen Stärke, ihr hartes Los, wenn nicht mit Freuden, so doch mit Geduld zu ertragen. Das Herz des Heilandes zeigt ihnen aber auch offensichtlich seine Huld. Ist das kein besonderer Segen, daß so viele Heiden hierzulande noch in letzter Stunde die Gnade der heiligen Taufe erhalten? Viele kennen unsere Religion, nur menschliche Bande oder Schwäche hält sie noch zurück, viele andere haben in ihren bereits katholischen Verwandten wahre Schutzengel um sich. Wie oft wird zum Missionär geschickt, er soll eilends kommen, einem Schwerkranken die heilige Taufe zu spenden. Gewiß zögert da der Missionär nicht. Er geht schnell und findet den Kranken meistens schon gut vorbereitet. Doch wie oft kann der Missionär nicht kommen, weil er gerade nicht zu Hause ist oder weil der Weg zu weit ist. Da nun spenden die Christen, die hierin gut unterrichtet sind, die Nottaufe. So geschieht es, daß sehr viele der sterbenden Heiden noch in letzter Stunde gerettet werden. Das ist gewiß eine besondere Gnade des heiligsten Herzens als Entgelt für die Verehrung, die es von diesem Volke erhält. Es war das Herz-Jesu-Fest. Die ganze Mission prangte im Festschmuck. Die wehenden Fahnen vom hohen Turm kündeten Jubel und Freude und luden zugleich mit dem festlichen Geläute zur Kirche. Nach dem Hochamt um '/sll Uhr und der Festpredigt fand eine feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten um die Station herum statt. Vier Altäre waren schmuckvoll aufgestellt, einer vom „Marienheim", erwachsenen Mädchen, die in der Mission bleiben, bis sie heiraten können; ein zweiter vom „Weibertrost", verwitweten Frauen, die ihre Tage in der Mission zu Ende führen wollen; ein dritter von der „Schneiderzunst" und ein vierter von andere» rührigen Wesen. Die Prozession verlief in größter Pracht. Es war nach 1 Uhr mittags, als die Feier zu Ende war. Während bej Feierlichkeit wurde ich zweimal zu einem Kranken gerufen, der um die heilige Taufe bat. So schwang ich mich also aufs Pferd und ritt mit nüchternem Magen davon. Mit dem Kranken schien es mir nicht so gefährlich zu stehen, aber ich fühlte in mir etwas, das mich drängte, die Taufe schnell zu spenden. Sonst bin ich hierin etwas zögernd, wie mein P. Superior es meint. Während des Taufaktes merkte ich doch, daß der Kranke seinem Ende näher sei, als es äußerlich schien. Ich machte also schnell. Ich trat dann wieder den Heimweg an und war keine halbe Stunde geritten, als ich die Nachricht vom Hinscheiden des soeben Getauften erhielt. Wie dankte ich da dem heiligsten Herzen für diese Gnade gerade an seinem Feste! Auch der Missionär empfindet über den Eifer seiner Christen große Freude und großen Trost. Er vergißt alle Mühen und Leiden, die es gekostet hat, bis es so weit kam; er jubelt im Herzen und dankt Gott aufrichtig für diese Gnade. Heft 6 Stern der Neger 83 n ^ Ankunft des neuen Apostolischen prdfekten in der Mission. ^Nachricht aus Witbank.) ü JJ Eine Kabelnachricht brachte am 19. Dezember letzten Jahres die Kunde von der Ernennung des neuen Apostolischen Präfekten von Lyden-burg in die Mission. Am 23. Jänner traf eine Karte von ihm selbst in Witbank ein, die kurz mitteilte: „Abfahrt von Hamburg am 9. Februar mit,Ufam&ora/". Danach konnten wir uns hier ausrechnen, daß der Dampfer „Usam-bara" am 7. März in der Tafelbucht und am 13. März im Durbaner Hafen, den beiden möglichen Ankunftshäfen, einlaufen werde. Eine weitere Nachricht nach Lydenburg besagte, daß der Präfekt in Begleitung dreier Patres und eines Bruders komme und in Durban das Schiff verlassen werde. Dann kam eine briefliche Nachricht vom Erwarteten aus Kapstadt nach Witbank, die Durban als Endziel bestätigte und Mariannhill als ersten Absteigeort bezeichnete. Von Mariannhill endlich zeigte ein Telegramm an, daß der neue Präfekt Witbank als ersten Ort seines Missionssprengels mit seinem Besuche erfreuen werde. Die Ankunft erfolgte kurz nach Mitternacht. Es war die Nacht vom 17. auf den 18. März. Am 17. März ist das Fest des hl. Patrizius, Sonntag, den l.Mai 1927, starb in unserem Mijsionshause in Graz P. Valentin Vogrinc im Alter von 63 Jahren (geb. zu Žetale 1864). Mit ihm ist ein edler Priester und Missionär aus unserer Mitte geschieden. Als Sohn der gesegneten Gefilde Untersteiermarks hatte er den Priesterberuf ergriffen und in rastlosem Streben mit Ausdauer dar-uach gerungen. Als Kaplan und Pfarrprovisor des himmlischen Beschützers des katholischen Irland. Leider fällt dieses Fest immer in die Fastenzeit. Die Iren, meist prächtige Katholiken, schwingen gern das Tanzbein und sie schwingen es auch gern zu Ehren ihres großen Apostels. Da haben die kirchlichen Behörden nun schon immer Nachsicht geübt und für dieses Fest öffentliche Bälle erlaubt und vom Fasten- und Abstinenzgebot befreit. So kam es denn, daß in der Nacht, da der neue Präfekt in Witbank anlangte, die Katholiken des Ortes in dem unmittelbar neben der Bahn gelegenen Hotel ihren „St.-Patricks-Ball" abhielten, dessen Reinergebnis sie ihrer Kirche zuwenden. Monsignore Präfekt, der zwei junge Priester zwecks Sprachenstudiums in Mariannhill zurückgelassen hatte, kam in Begleitung von P.Brandl-mayr und Bruder Ott. Am Sonntag hielt der neue Missionsvorstand den Pfarrgottesdienst mit Ansprache auf Englisch und unterhielt sich nachträglich aufs leutseligste mit den guten Leuten, wobei beide Teile sichtlich befriedigt waren. In der Nacht von Montag auf Dienstag reiste Msgr. Mohn nach Lydenburg-Mariatrost ab. hatte er sich bemüht, sein erhabenes Priesterideal in die Tat umzusetzen, so daß jeder, der ihn genauer kannte, ihn als einen Priester nach dem Herzen Gottes schätzen mußte. Bei seinem großen Eifer für das Heil der Seelen und seiner innigen Gottesliebe war es daher nicht zu verwundern, daß eines Tages den Kreis seiner Freunde die Nachricht durchflog: „Unser Valentin will zu den Missionären!" Sein edles Herz drängte ihn, sich den Ärmsten der Armen, den armen Heiden, zu widmen; und so sehen wir ihn nach acht Jahren gesegneter Seelsorgstätigkeit im Missionshaus in Milland (Brixen) als einfachen Novizen, finden ihn im Jahre 1902 als glücklichen Professen. Die Probezeit des Noviziates hatte seine Missionsbegeisterung erst recht entflammt: er wollte hinausziehen, um sein ganzxs Wissen und Können in den Dienst der Mission zu stellen, wollte die gedanken in den angehenden Missionären zu fördern und sie in ihrem Berufe zu befestigen. Hat er selbst sich auch als unnützen Knecht betrachtet, so hat er doch durch die Tat gezeigt, daß er ein wahrer Apostel gewesen, der gebetet, gearbeitet und geopfert hat für seine Heiden, und wir hegen die frohe Zuversicht, daß er auch den Lohn eines Apostels empfangen hat. Schon längere Zeit hatte P. Vogrinc gekränkelt und sich mit dem Gedanken an den Tod L ii Die aufgebahrte Leiche frohe Botschaft des Heiles hineintragen in die Heidenwelt, und mit heiliger Begeisterung sah er dem Tag der Verwirklichung seines Verlangens entgegen. Aber P. Vogrinc mußte auf diesen Tag verzichten: Bereits auf dem Wege in die Mission rief ihn der Befehl seiner Obern zurück. Seine Gesundheit war stark angegriffen. Schwer war das Opfer, aber er brachte es. War es ihm nun nicht gegönnt, direkt an der Bekehrung der Heiden zu arbeiten, so ersetzte er das durch um so größeren Eifer für die Mission: Mehr als 20 Jahre war er unausgesetzt tätig, teils als Präfekt und Lehrer, teils als Spiritual und Oberer, den Missions- unseres lieben Toten, vertraut gemacht; er brauchte ihn auch nicht zu fürchten — war er ja ein inniger Verehrer der lieben Gottesmutter und des hl. Josef. Am Samstag Nachmittag (30. April) hielt er der Gottesmutter zu Ehren die erste Mai-andacht im Anna-Kinderspital in Graz. Es sollte seine letzte priesterliche Handlung sein. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, kurz nach Mitternacht befiel ihn ein asthmatischer Ansall, wie er sie schon öfter gehabt hatte. Zugleich trat eine große Herzschwäche ein. Der Kranke fühlte die Nähe des Todes, bat dringend um die heilige Wegzehrung und Letzte Ölung, ließ sich den Rosenkranz um den Hals hängen, nahm selbst sein Gelübdekreuz in die schon kalten Hände und küßte es wieder und wieder. Die heiligsten Namen Jesus und Maria hatte er ständig im Munde, folgte aufmerksam den Sterbegebeten, die ihm ein Pater langsam vorbetete, und gab besonders deutlich seine volle Ergebung in Gottes heiligsten Willen zu erkennen. Einspritzungen, die der Arzt vornahm, um die Herztätigkeit zu beleben, zeigten für einige Stunden guten Erfolg, so daß alle wieder Hoffnung hatten, daß die Todesgefahr vorübergehen würde. Nur der Sterbende teilte diese Hoffnung nicht und sagte das auch dem Arzte. Wünsche für diese Welt hatte er nicht mehr, nur bat er alle um Verzeihung, die er jemals beleidigt hätte. Um 12 Uhr war sein Zustand noch unverändert. Mit dem Priester, der an seinem Bette wachte, betete er noch den Zn Pretoria. Wie den geneigten Lesern erinnerlich sein wird, steht die Leitung, unserer Mission seit mehr als zwei Jahren mit der Regierung der südafrikanischen Union in Verhandlung zwecks Erwerbes eines Grundstückes zur Errichtung einer Missiousstation im östlichen Transvaal, auf der ausgedehnten Regierungsfarm „Rolle". Wie anderswo, arbeitet auch in Südafrika die Regierungsmaschinerie langsam. So war versprochen worden, im letzten Winter (Juli— August) werde ein Regieruugsgeometer nach Rolle kommen und das Grundstück für die Mission vermessen; es kam aber niemand. Jetzt im Sommer aber geht kein südafrikanischer Beamter ins verrufene „Low veld“ aus Furcht, an Malariafieber zu erkranken. Immerhin traf anerkennenderweise kürzlich ein Brief der zuständigen Behörde an den damaligen Stellvertreter des Apostolischen Präfekten, hochwürdigen P. Berger, bin, was diesen veranlaßte, sich nach Pretoria, Marianischen Ostergruß „Regina coeli laetare. Alleluja...“ Da plötzlich richtet er die Augen starr nach oben, der Atem geht in kurzen Stößen mit immer größeren Zwischenräumen und schon nach 15 Minuten hört er ganz auf, die priester-liche Seele eilt unter den Gebeten der kleinen Ordensgemeinde ihrem Herrn und Gott entgegen. Am Sonntag vom guten Hirten hat ihn der Heiland heimgeholt. Gewiß sind die liebe Gottesmutter und St. Josef ihrem getreuen Verehrer in der Todesstunde beigestanden, denn still, ruhig und gottergeben ist er bei vollem Bewußtsein von uns geschieden. Möge unser Sterben dem seinigen ähnlich sein! — Ruhe nun aus, du teurer Mitbruder, und gedenke am Throne Gottes unser und deiner Heidenmission, damit wir einst uns wiederfinden in der Herrlichkeit des Himmels! der Verwaltungshauptstadt der südafrikanischen Union, zu begeben, um einige Punkte mündlich zu besprechen. P. Berger nahm mich von Wit-bank aus mit. Pretoria ist noch ziemlich jung; die Stadt wurde 1855 von Pretorius, dem ersten Präsidenten der südafrikanischen Republik, gegründet. Der Transvaal war anfänglich in vier Republiken aufgeteilt: Potchefstroom, Lydenburg, Utrecht und Zoutpansberg, die 1860 in eine Regierung verschmolzen wurden. Potchefstroom war drei Jahre lang Hauptstadt des ganzen Transvaal. 1863 verlegte Pretorius den Sitz der gemeinsamen Regierung nach der jungen, ihm zu Ehren benannten Gründung. Die Angelegenheit „Rolle" liegt im Amtskreise zweier Abteilungen, des „Land Departments", das über alles noch nicht in Privatbesitz befindliche Land verfügt, und des „Departments für Eingeborenenangelegenheiten", das in dieser Sache mitzusprechen hat, da es &3 Nochmals am fEmf)IemubL Von Br. August (Saget, F. S. C. &S sich um eine künftige Eingeborenenmission handelt. Das „Department for Native Affairs“ befindet sich in einem eigenen Gebäude in der Stadt, in nächster Nähe des Bahnhofes. Der Beamte, mit dem wir verhandelten, ein Engländer, gab uns Aufklärung und gute Ratschläge. Die ganze Angelegenheit muß dem enthaltsorte, wurden die notwendigen Vorbereitungen für die Reise getroffen. Es war angezeigt, einen photographischen Apparat mitzunehmen, allein wir haben keinen. Der Stadtapotheker, der auch Kodakartikel vertreibt, lieh mir einen, als er von unserem Wunsche erfuhr, indem er ihn einfach dem Schaufenster entnahm. Er warnte mich vor Gnu (eine stattliche Antilope) im Sprung. Parlament in der laufenden Sitzung vorgelegt und von ihm gutgeheißen werden; etwaige Änderungen in bezug auf Lage oder Größe des gewünschten Grundstückes könnten die Sache weiterhin in die Länge ziehen. Auf der südafrikanischen Bahn. Die Angelegenheit „Rolle" machte eine neue Besichtigung am Platze notwendig. Hochwürden P. Berger beschloß, mit mir dorthin zu reisen. In Witbank, meinem gewöhnlichen Auf- dem Fieber im „Low veld“, riet Chinin zu nehmen und schenkte mir eine Anzahl Tabletten. In der Nacht fuhren wir ab. Mittags kamen wir nach Komatipoort, der letzten Unionsstation an der Hauptstrecke nach Lourenoo Marques am Indischen Ozean. Da erst am folgenden Morgen ein Zug auf der Selatilinie abging, hatten wir im Hotel „abzusteigen". Hier fanden wir einen alten Engländer, der an der Selatibahn angestellt ist. Er war Stern der Neger 87 Heft 6 krankheitshalber nach Komatipoort gekommen und kehrte mit dem Zuge, den wir benutzten, an seinen Posten zurück. Er riet uns, nie Chinin zu nehmen; als Ersatzmittel gegen Fieber gab er an, man solle Unpäßlichkeiten durch Willenskraft bekämpfen und unterdrücken. Er sprach viel, forderte aber durch seine Bemerkungen den Spott seiner Reisegefährten heraus, den er sich gutmütig und mit gewissem Behagen gefallen ließ. Der Zug bestand außer Maschine und Wasserwagen aus je einem Wagen für weiße und schwarze Reisende, aus sieben Güterwagen und einem Packwagen. Die weißen Reisenden waren sieben an Zahl. Außer uns und dem alten Chiningegner war da ein junger, kraftstrotzender Polizist, ein Bure, der angesichts b$r erdrük-lenben englischen Mehrheit sein eigenes Volkstum möglichst verbarg. Er behauptete, ich sei ihm nicht unbekannt, natürlich nicht deshalb, weil er Polizist ist, sondern weil der einzelne Weiße in dieser abgelegenen Gegend sehr auffällt. Ferner war da ein alter Händler aus Nordirland, dem ich früher schon begegnet. Zur Anbahnung eines Gespräches fragte ich ihn, wie viele Löwen er in seinem Leben erlegt habe. Seine Antwort setzte mich wirklich in Erstaunen, nicht wegen der Höhe der Ziffer, sondern weil die Zahl (172), die ich mir von früher her gut gemerkt hatte, genau die damals angegebene war. Nach einem forschenden Seitenblick zur Feststellung der Wirkung seiner Behauptung fugte der alte, harmlos ausschauende Mann diesmal bescheidentlich bei, mit der Flinte getötet seien es 172, mit Einschluß der durch Fallen erlegten käme die Zahl auf 300! Gefragt, ob er sich nie in Gefahr befunden, erzählte er, er sei öfter von Löwen angegriffen worden, sei um sein Leben gelaufen und auf Bäume geklettert. Allerdings klettere das große Raubtier wie andere Katzen, seines bedeutenden Gewichtes wegen ersteige es aber nur Bäume mit weichem Holze, in das es seine Krallen einschlagen könne, während es an Hartholz- bäumen nur hinaufspringe mit Sätzen bis zu 15 Fuß Höhe. Die übrigen Männer saßen in einem Abteil beisammen und tranken Whisky, dem schwarzer Kaffee zur beschönigenden Unterlage dienen mußte. Die Weißen der Gegend kennen einander gut, oft zu gut; sie halten sehr zusammen, und man kann auf sie das Sprichwort anwenden: Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus. Der Zug durchquerte bald die zwischen dem Krokodilfluß und dem Sabiefluß gelegene große Wildschonung in einer Breite von 53 Meilen (69 km). Vom Wagenfenster aus konnte man häufig Rudel von Gnus, Antilopen und Gazellen beobachten, die sich gar nicht scheu zeigten. Mittags langten wir bei der Haltestelle Rolle an. Pietro hatte seinen treuen Diener Pedros geschickt, 'der unser Gepäck auf den schweren Ochsenwagen lud und uns die leichte Eselskutsche anvertraute, mit der wir den nahen Muhlemubifluß, der wenig Wasser hatte, durchquerten. In einer halben Stunde kamen wir beim Hause Pietros an. Auf der Rolle-Halbinsel. Pietro war der alte, gemütliche Wirt; er entschuldigte sein Nichtkommen mit viel Arbeit im Laden. Er hatte seit einigen Monaten einen älteren Herrn bei sich, einen katholischen Australier, der ihm die Bücher führte und den Briefwechsel auf Englisch erledigte. Der Mann war weitgereist und sehr gebildet. Er machte sich über die Fieberfurcht der Weißen lustig und meinte, die guten Leute sollten erst einmal wirkliche Fiebergegenden, wie Neu-Guinea und Nordaustralien, kennenlernen. Nachdem die größte Hitze vorüber war, machten Hochwürden P. Berger und ich noch einen Nundgang im östlichen Teile der Halbinsel. Die Regen, die in diesem Jahre spät gefallen waren, hatten schönes, fußhohes Gras hervorgelockt, und die Maissaaten, die die vereinzelt liegenden Gehöfte der Eingeborenen umgaben, standen in üppigem Saftgrün da. Die Marulafrucht reifte heran. Wir trafen unter einer Baumgruppe zwei Frauen und ein Mädchen mit der Bereitung des Marula-getränks beschäftigt. Man kann die pflaumengroße Frucht auch so genießen; es ist aber nicht viel daran. Zwischen der zähen Schale und dem grossen, harten Steinkern findet sich ein wenig sauersüßer Fruchtschleim, der auch zur Herstellung des berauschenden Getränkes dient. Vor einer reinlichen Hütte fanden wir zwei Männer, Vater und Sohn. Ersterer, ein Polizist, war, weil außer Dienst, gekleidet wie alle übrigen Eingeborenen. Wir erkundigten uns über Verschiedenes, u. a. über den Großhäuptling oder König Buizondo, den wir zu sehen wünschten. Der Polizist sagte, er werde am nächsten Morgen sich zu Buizondos Behausung begeben; er erbot sich, uns zu begleiten und versprach, uns um 7 Uhr abzuholen. Abends wurde im Freien gegessen. Die Unterkunstsschwierigkeiten für die Nacht löste unser Gastgeber mit gewohntem Geschick. Hochwürden P. Berger teilte einen zweibettigen Raum mit dem Buchhalter; mir bereitete der Hausherr zum Zeichen besonderen Vertrauens eine Liegestätte aus dem Ladentisch, verwendete dazu aber zwei Matten, zwei Kissen und zwölf Decken, was der. Poesie der Einfachheit natürlich erheblich Abbruch tat. Da der Polizist sich am folgenden Morgen zur festgesetzten Zeit nicht einsund, gab uns Pietro einen seiner Dienstburscheu mit aus den Weg. Er versah uns auch mit Stöcken und brachte zwei Ebenholzstöcke mit Wild-schweinhauergriss von schöner Arbeit zum Vorschein. Er erzählte, ein Eingeborener, der in der Nähe Buizondvs wohne, verfertige diese Stöcke. Wir gingen in südwestlicher Richtung aus die blauviolette hohe Kette der Drakensberge zu und gelangten in kurzer Zeit an den Muhlemubi. Pietro hatte gesagt, unser Begleiter werde uns über den Fluß tragen, doch wir verzichteten auf dieses allzu menschliche Beförderungsmittel. Wir zogen also die schwerfällige Fußbekleidung ab, wie später noch öfter auf unseren Streifereien, und wateten durch das seichte Wasser. Unser Begleiter war ein junger, hochgewachsener Mensch mit angenehmen Zügen, der Said hieß, dem Pietro seiner Langbeinigkeit wegen aber den. Namen „Long one", der Lange, gegeben. Ihm zur Seite lies „Bill", einer der vielen Hunde Pietros. Hin und wieder führte uns der Weg durch Saatfelder und an Hütten vorbei. Nach eineinhalbstündigem Marsche kamen wir zu einer Hütte, die auf den ersten Blick auffiel Zum Unterschied von den landesüblichen, kreisrunden Behausungen war sie im Rechteck ausgeführt, mit sauberem Strohdach gedeckt und an einer Langseite mit Strohveranda aus Pfosten versehen. TNs schönste Stück an ihr aber war eine mannshohe Türe aus dem harten Mahagoniholze des Landes mit Rahmen und Füllungen, Schloß und Klinke, wie sie kaum schöner aus der Werkstatt eines europäischen Schreiners hervorgehen konnte. Es war kein Zweifel, wir standen vor der Behausung Bants, des kunstfertigen Stöckeversertigers. Leider war die Türe verschlossen und der Mann anscheinend abwesend. In nächster Nähe befanden sich mehrere andere Hütten, alle mit guten Türen versehen, die offenbar dem Haushalte Bants dienten. Da fanden wir auch unter einem schattigen Baumriesen die „Werkstatt" Bants mit einer Art „Hobelbank" und einigem Bretterholz. Said Langbein bestätigte unsere Vermutung, und bald fanden sich fünf Kinder mit verständigen Gesichtern in orgelpseifiger Größenabstufung ein, die erklärten, der Vater sei ausgegangen und werde kaum vor Abend heimkehren. Wir bedauerten, den interessanten Mann, der sein Handwerk in Johannesburg erlernt haben soll, nicht sehen und sprechen zu können. Durch Austeilung von Süßigkeiten suchten wir das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, was aber nur teilweise gelang; in die abgelegene Gegend werden sich selten Bleichgesichter verirren. (Schluß folgt.) Heft 6 Stern der Neger 89 000 Umschau. 0 0 0 Nom. Am 30. März ist im Palast der Propagandakongregation der Generalrat der Glaubensverbreitung zusammengetreten, um die im Jahre 1926 aus allen katholischen Ländern eingelaufenen Missionsgelder zu Ver- eines gewährte, sprach er von neuem in bestimmtester Form seinen Willen aus, daß ber. Verein in allen Pfarreien eingeführt werden solle. Köln. Die Glaubensboten aller Erdteile verfolgen den Fortschritt und Aufschwung der teilen. Die diesmal zu überweisenden Summen übersteigen die des Vorjahres um ein Erhebliches. Vor fünf Jahren wurde der Sitz des Allgemeinen Glaubensvereines von Paris-Lyon nach Rom verlegt. Seither haben sich die Einnahmen verdoppelt. Bei Eröffnung der Sitzung machte Kardinalpräfekt van Rosfum die Mitteilung, daß auch Japan in Bälde einheimische Bischöfe erhalten werde. In einer Audienz, die der Heilige Vater Ende Februar den italienischen Direktoren des Glaubensver- modernen Technik mit regem Interesse; haben doch die neuzeitlichen Verkehrsmittel viele geographische Missionshindernisse zum guten Teil hinweggeräumt. Wo immer möglich, wird nicht bloß das Fahrrad, sondern auch der Kraftwagen in den Dienst der Glaubensver-breitung gestellt. Die Missionäre des Göttlichen Wortes versuchen neuestens, selbst das Flugzeug der Weltmission dienstbar zu machen; denn die Missionäre in West-Kansu, die bisher zwei Monate lang reisen mußten, um zu Pferde durch die große chinesische Wüste Gobi in ihr entlegenes Arbeitsfeld zu gelangen, haben den Entschluß gefaßt, ein Flugzeug zu erwerben. Wie rasch läßt sich mittels eines solchen die weite Strecke durchmessen! Begrüßenswert erscheint es daher, daß sich nun in Köln eineMissions-Verkehrs-Arbeitsgenossen-schaft (Miva) gebildet hat. Ihr Zweck ist die Beschaffung und der Betrieb von Verkehrsmitteln zu Wasser, zu Land und in der Lust für alle katholischen Missionen.. Die Arbeitsgenossenschaft soll die Zentrale für alle technischen Verkehrsfragen aller katholischen Missionen werden. Sie erstrebt deshalb eine möglichst internationale Ausgestaltung und will politisch neutral sein. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer erwählt. Asien. Die japanische Regierung hat dem Parlament einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die rechtliche Gleichstellung der christlichen Religionsgemeinschaften mit der heidnischen Staatsreligion vorsieht. Falls dies Gesetz zur Annahme gelangen sollte, so wird es wohl dazu beitragen, den in Japan herrschenden „stillen Kulturkampf" allmählich zu beseitigen, zumal wenn das Jnselreich den einen oder andern einheimischen Bischof erhält. Welche Macht in Japan das Heidentum bedeutet, ergibt sich aus folgender Gegenüberstellung. Die Apostolische Präfektur Nagoga, die 1922 errichtet und den Steyler Missionären anvertraut wurde, zählt 300 Katholiken und 5,500.000 Heiden. Sieben Missionäre und elf Schwestern widmen sich dort der Bekehrungsarbeit. Im Gebiete dieser Präfektur stehen indessen 12.759 heidnische Tempel mit 8629 Tempelvorstehern und ebenso vielen anderen Bonzen. Die gleichfalls von den Steyler Patres missionierte Präfektur Nirgata weist 529 Katholiken auf gegenüber 4 Millionen Heiden mit 5300 Tempeln und 4000 Bonzen. Wie schwer mag sich der Kampf der zwölf Patres und elf Schwestern gegen die heidnische Übermacht gestalten. In China lodern noch immer die Flammen des Bürgerkrieges. Bei der Einnahme von Nanking wurden zwei Jesuitenmissionäre grausam getötet: der Franzose Henri Dugout und der Italiener P. Candida Vanara. P. Dugout genoß als Mathematiker und Kartograph einen bedeutenden Ruf. Er hat unter anderm die beste Landkarte der Provinz Kiang-Su ausgearbeitet; P. Vanara versah das Amt des Studienpräfekten im Riccikolleg zu Nanking. In Schanghai, dessen Eroberung durch die Kantontruppen in der letzten Nummer dieser Zeitschrift erwähnt wurde, wirken seit 1842 die französischen Jesuiten. Sie besitzen eine Reihe von Schulen. An erster Stelle steht die Universität in Zikawai, die den Namen Aurora (Morgenröte) führt. Sie wurde 1903 gegründet und war bis vor kurzem die einzige katholische Universität in China. Die Zahl der Studenten beträgt ungefähr 400; davon sind etwa der dritte Teil Katholiken. Die französisch-chinesische Gemeindeschule verzeichnet 800, die Franziskusschule fast 1500 Schüler. Unter der Leitung von Missionsschwestern, Paulinerinnen und Franziskanerinnen, stehen das Josessinstitnt mit 400, ein Waisenhaus mit 150 und das Institut der Heiligen Familie mit 550 Schülern, außerdem zwei große Krankenhäuser. Auch die Maristen leiten in Schanghai eine Schule. Im ganzen besitzt dis Stadt 60 Schulen mit etwa 9000 Schülern, darunter 5000 Nichtkatholiken. In den letzten Jahren sind in China zwei neue katholische Universitäten errichtet worden: die Universität der Benediktiner in Peking und die Jesuitenhochschule in Tientsin. Für die erstere wurden 1925 mit amerikanischem Gelde Palast und Park des Prinzen Tsai Tao angekauft. Für die letztere wurden die Gebäude 1926 vom Grund aus neu aufgeführt. In der Benediktineruniversität finden nur katholische Studenten Aufnahme; die Jesuitenhochschule, eine Handelsakademie, öffnet ihre Tore auch heidnischen Studenten. Im „vergessenen Land", in Persien, haben die Mohammedaner (Kurden) in und nach dem Weltkriege viele Tausend Christen ermordet. So wurden beim zweiten Einfall der Kurden im Mai 1918 13.000 Christen niedergemetzelt; noch weit größer ist die Zahl derer, die durch Elend und Epidemien das Leben verloren. Nach der Ermordung des Lazaristenbischofs Sontag und seiner Gefährten bot die Mission den Anblick eines Trümmerfeldes. Im Jahre 1923 unternahm ein Lazarist den Wiederaufbau. Alsbald setzte unter den Anhängern der nestorianischen Irrlehre eine ziemliche Bewegung zur katholischen Religion ein. Heute, nach 4 Jahren, sind 12 Kirchen und 29 Schulen mit insgesamt 400 Kindern wieder eröffnet. Die 12 Lazaristenpriester sind gegenwärtig die einzigen lateinischen Missionäre in Persien. Sie haben auch eine Katechistenschule und ein kleines Seminar zur Heranbildung einheimischer Priester gegründet. Afrika. Im Märzheft des „Stern" haben wir auf die außerordentlich starke Bekehrungsbewegung in Kamerun hingewiesen. In der Aprilnummer des „Echo aus Afrika" schreibt P. Morvan über diesen ungewöhnlichen Fortschritt unseres heiligen Glaubens in der ehemals deutschen Kolonie: „Vor dem Kriege wurde Kamerun von den deutschen Pallottinerpatres missioniert und dann 1916, als die Feindseligkeiten in dieser Kolonie ihr Ende gefunden hatten, vom Heiligen Stuhl den Vätern vom Heiligen Geist anvertraut, die sie in einem durch den Krieg geschaffenen, verwahrlosten Zustande fanden. Die Armeen hatten im Laufe der vielen Gefechte mit Schwert und Feuer gewütet. Sie hatten ganze Dörfer eingeäschert und die katholischen Missionen zugrunde gerichtet, die lange verlassen und nur von Militär besetzt blieben. Das war ein furchtbares Verderben für die materiellen Güter und ein unendliches Unglück für die Seelen. Tatsächlich verwirrte der Anblick dieser Greuel die Bevölkerung und erschreckte sie dermaßen, daß zahlreiche Christen sich in die benachbarten Kolonien stüchteten. Die in den Dörfern Zurückgebliebenen aber brachten den Missionären, die gekommen waren, ihnen das Evangelium und den Frieden unseres Herrn zu bringen, nicht nur Mißtrauen, sondern sogar fast Feindschaft entgegen. Zur Vergrößerung des Unglückes konnten in der Eile bloß einige Missionsstationen von den Missionären, die mit den feindlichen Truppen aus Gabun eingetroffen waren, wieder besetzt werden. Trotzdem gelang es nach vielen Versuchen, durch die Güte und die ermunternden Worte der Missionäre, die den Wünschen der Eingeborenen bei jeder Gelegenheit zuvorkamen, ihre Fragen freundlich und geduldig aufnahmen, ihre Beratungen in gerechter, zufriedenstellender Weise regelten, das Mißtrauen und das Bedenken der Schwarzen zu überwinden. Nach Beseitigung dieser ersten Schwierigkeiten wurde das Vertrauen der Seelen mit Hilfe der in ihnen wirkenden göttlichen Gnade wiedergewonnen und die Bekehrungsbewegung, die zur Zeit der Patres Pallottiner ihren Anfang genommen hatte, begann neuerlich und nahm rasch zu. Heute ist die Bewegung im vollen Gange und zieht die Massen zu den katholischen Missionen. Die Stämme des Inlandes: die Evondo, die Bassa, Bakoko, Myele und Maka nehmen das Wort der Missionäre so gerne auf, daß der außerordentliche Fortschritt im Glauben in Kamerun fast wunderbar erscheint und sich kaum auf natürliche Weise erklären läßt. Schon die Statistiken allein führen eine beredte Sprache. Innerhalb von acht Jahren (1914—1922) ist die Zahl der Christen von 28.000 (wie sie bei der Ankunft der Väter vom Heiligen Geist war) auf 80.000 gestiegen und hat heute die tröstliche Höhe von 110.000 erreicht. „Hätte ich Missionäre in genügender Anzahl," sagte unser Bischof, „so würde es in 10 Jahren 300.000 Christen in Kamerun geben." Dieser Fortschritt verlangt ein gewaltiges Arbeiten in den 11 Missionen des Vikariates sowie in den 8 anderen, die eben in Gründung begriffen sind, und dies um so mehr, als das Vikariat jetzt nur über 24 Patres, 10 Laienbrüder, 16 Schwestern und ungefähr 1400 Katechisten verfügt. Jeder Pater hat somit die Seelsorge für mehr als 5000 Katholiken und ebenso viele Katechumenen zu übernehmen, die alle in 50 bis 80 von der Zentralmission sehr weit entfernten Dörfern zerstreut wohnen. Dieser Umstand erschwert es sehr, sich so um die Seelen zu kümmern, wie sie es brauchten. Wir vernachlässigen es aber trotzdem nicht im geringsten, bei unseren Gläubigen die christlichen Tugenden zur Entwicklung zu bringen, indem wir sie etwa vorzeitig zur heiligen Taufe zulassen. Wenn die Schwarzen zu uns kommen — und im allgemeinen bringen sie in dieser Hinsicht wirklich Opfer —, so zeigen wir uns ziemlich streng mit der Zulassung zur heiligen Taufe. Es geschieht nicht selten, daß bei den Aufnahmsprüfungen ein gewisser Prozentsatz auf sechs Monate zurückgesetzt wird, und zwar zur größten Verzweiflung der armen Aspiranten, die sich dann zu Boden werfen, im Staub wälzen und unter ohrenzerreißendem Geheul die Haare ausraufen. Der Lerneifer, der durch diese Maßnahmen etwas gedemütigt wurde, kühlt sich aber dadurch nicht ab, sondern der Glaube wird nur noch fester, das Wissen solider. Inmitten all dieser Tröstungen bleibt den Missionären Kameruns ein tiefer Schmerz; das ist die traurige Tatsache, daß gewisse frühere Missionsftationen entweder noch unbesetzt sind oder sich nur schwer aus ihren Ruinen erheben. Die Ernte ist reif und wogt unter dem Geisteshauch der die nach dem Worte dürstenden Seelen aufs tiefste bewegt." Am 26. Februar 1927 starb zu Sea-Point der frühere Apostolische Vikar von Westkapland, Bischof Dr. Johann Rooney, im patriarchalischen Alter von 82 Jahren. Er wurde am 10. Juni 1844 in der Grafschaft Kildare in Irland geboren, studierte zuerst in seiner Heimat, dann am Propagandakolleg in Rom, erwarb sich daselbst das Doktorat in Philosophie und Theologie, empfing 1867 die Priesterweihe und ging hierauf in die südafrikanische Mission. Nach eifrigem und erfolgreichem Wirken auf verschiedenen Posten ernannte ihn der Heilige Stuhl 1886 zum Hilfsbischof des Apostolischen Vikars von Westkapland mit dem Recht der Nachfolge. 1908 wurde er Apostolischer Vikar. Im Jahre 1924 zog er sich in den Ruhestand zurück. Während seiner langen Amtstätigkeit war er unermüdlich bestrebt, neue Missionsstationen zu errichten und die bestehenden auszubauen. Er schuf unter anderm das St.-Patricks-Kolleg in Swellendam und führte die Jesuiten und Redemptoristen sowie mehrere Schwesterngenossenschaften in sein Vikariat ein. Ein hervorstechender Zug in seinem Charakter war seine tiefe Demut.