SLOVANSKA KNJ|2niCA LJUBLJANA iA Erzherzogin Elisabeth Regentin der Niederlande ® (Geboren ioso, gestorben 1741)» Ein flescblcbtsbild »o« P. von Radies (Separat-JIbdrucR aut der „Oett.-Ung. Revue") Ullen, igo3 Verlag der Oesterr.-Ungar. Revue Erzherzogin Elisabeth, Regentin der Niederlande. ((geboren ioso, gestorben 1741.) Geschichtsbild von P. von Radies. „Non tarn praöesse, quam prodesse desiderans.“ Der Name der Hl. Elisabeth, der, in Erinnerung an unsere unvergeßliche erhabene Kaiserin und Königin, für die Völker Sster-reich-UugarnS in alle Folgezeiten ein doppelt hochgcfeierter Gedenk-naine bleibt, erinnert »ns auch noch an andere bedeutende Frauen in vergangenen Jahrhunderten, welche durch Geburt oder eheliche Verbindungen dein erlauchten Herrscherhanse Habsbnrg angehörten. Aus diesen Trägerinnen des Namens der „rosenspendenden" Type christlicher Charitas, jener heiligen Fürstin Elisabeth von Thüringen, leuchtet aber ganz besonders die hehre Erscheinung der Schwester Kaiser Karls VI., der Muhme der Kaiserin-Königin Maria Theresia hervor, die Erscheinung der Erzherzogin Maria Elisabeth oder wie sie, entsprechend dein zeitgenössischen Volksausdrucke, schlechtweg von ihrem Biographen genannt wird, der Erzherzogin Elisabeth, der Negentin der Niederlande österreichischer Herrschaft. Diese österreichische Erzherzogin, von welcher der belgische Geschichtsschreiber Eonscience*) sagt: „Sie war eine wohlwollende Fürstin, die sich die Liebe der Belgier erwarb" und welcher eine aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammenden, Kaiser Joses ll. *), Geschichte von Belgien. Aus dein Bläinischen von O. L. B. Wolff, Leipzig 1868, p. 397. zugeeignete historisch-politische Schrift nachrühmt, „das; sie die österreichischen Niederlande in der Datier ihrer sechzehnjährigen Regierung nach den Grundsätze» der Gerechtigkeit und Mäßigung regiert habe",*) verdient wohl eine ausführlichere biographische Würdigung. Diese soll in Folgendem versucht werden. * * * Geburt und erste Iugendjahre. „Da die eingerissene leidige Seuche (die Pest) Wien, die Residenzstadt (1679) fast (stark) ausgeleeret und den kaiserlichen Hof bemüssiget, sich erstens nach Prag und als auch da schon das Übel lagern wollte, nach Lintz, gesunder Knffts halber zu flüchten", erblickte in der reizuinflossenen Hauptstadt des Herzogtums Öfter reich ob der Gnus in dem au einer Anhöhe gelegenen landesherrlichen Schlosse Erzherzogin Elisabeth, Tochter Kaiser Leopolds l. und dessen dritter Gemahlin, der ebenso frommen als geisteSstarken Kaiserin Eleonore M a g d a l e n a T h e r e s i a (einer Tochter Philipp Wilhelms Pfalzgrafen zu Rhein Herzogs von Nenbnrg und seiner Gemahlin Psalzgräfin Amalia) das Licht der Welt i ui Jahre 1680 am 13. des ChristinondS als an dem Festtage der 1)1. Lucia des Morgens zwischen 7 und 8 Uhr.**) Kaiser Leopold meldete seinem vertranten Seelenrate, dein ans den Tagen von Wiens zweiter Türkenbelagernng berühmt gewordenen Kapuzinerpater Marens de Aviano . Linz 7. Jänner 1681, daß das freudige Ereignis der Geburt der Prinzessin in glücklichster Weise eingetreten sei, und er fügt bei, daß die Kaiserin keine andere Wirkung dieser Geburt verspürt habe, als *) „Historisch-politische Nachrichten von den österreichischen Niederlanden." Aus dein Französischen. Frankfurt und Leipzig 1784. S. 212. **) Vita oi Virtutes Mariae Elisabethae Archiducis Austriao Belgie Austriaei Gubernatricis Conscripta a guodnam Societät is Jesu Suvunlutu. Vienuae Austria Typis Francisei Andreae Kirclipergor Universit. Typographi Anno MOiJGXLV <_ti° 24 Unpag. nnd 220 pagin. Seiten. — Exemplar der k. k. Hofbibliothek in Wien, für dessen Benütznng hier der ganz ergebenste Dank ausgesprochen wird. Diese ans der Feder des P. Franz Wagner, Biographen Kaiser Leopolds I., der Kaiserin Maria Magdalena Theresia nnd Kaiser Josefs l. stammende Biographie der Erzherzogin, gewidmet deren Schwester Maria Anna, Königin von Portugal, erschien „ans vieler Verlangen" in die deutsche Sprache übersetzt unter dem Titel: Leben und Tilgenden Mariae Elisabethae . . . Bon P. Betnarb Lanz, Wien (bey Leopold Kalliwoda) 1152, 14 nnpag. u. 214 pag. Seiten stark. (Anm. d. Verfassers.) jene (natürliche), die Gott unserer Mutter Eva vvrgezeichnet: in dolore paries lilios.*) Der Taufakt erfolgte aus dein Schlosse in höchst feierlicher Weise. Denselben vollzog der Bischof von Passau, ein Graf von Pötting, unter Assistenz der Äbte von Krems Münster, St. Florian, Lambach und Schlögl, sowie des Dompropsten von P affa ii, eines Grafen von L o s e n st e i n, und „einer großen Anzahl der minderen Geistlichkeit". Die neugeborene Erzherzogin erhielt in der Taufe die Namen Maria Elisabeth Lucia Joseph« Theresia Antonia, und als Paten fungierten die Großeltern »intterlichseits, der Pfalzgraf und die Pfalzgräfin von Neuburg, „welche von Nenbnrg, den Kayfer, ihren Schwäher zu besuchen, füglich (wie es sich gut fugte) damals in Linz eingetroffen." Wie hoch Leopold über die Anwesenheit seines Schwagers erfreut gewesen, erhellt ans dem früher angezogenen Briefe an Pater Marens, worin der Kaiser gesteht, daß ihm dieser Berkehr mit dem ebenso weisen als frommen Fürsten zu großem Troste gereiche — wohl ein Hinblick auf die gleichzeitigen schwierigen politischen Verhältnisse — und das er nicht ermangle, sich dessen Nates zu bedienen als eines Fürsten von soviel Verstand und Erfahrung. Und nochmals kommt der Kaiser auf fein Lob für den Pfalzgrafen zurück in seinem nächsten Schreiben an den Pater (ddo. Linz 2. März 1681), worin er diesem die vor einigen Tagen erfolgte Abreise der pfalzgräflichen Familie meldet und seinen Schwager einen mit allen guten Eigenschaften begabten geistvollen Fürsten nennt. Außerdem teilt Leopold jetzt mit, daß die Pest durch die Gnade Gottes aus alle» seinen Landen verschwinde und daß er und die Kaiserin nach einer vorher noch zu der Allerheil. Jungfrau in Ötting vorzunehmenden Wallfahrt nach Wien zurückkehren werden, da die sehr schwierigen Angelegenheiten mit Ungarn seine Anwesenheit in der Residenz notwendig erscheinen lassen.**) Doch des Bleibens in dem schönen Wien sollte für den Hof nicht lange sein, denn schon im Juli 1684 sah sich der oiel-gcgrüftc Monarch genötigt, mit seiner Familie und dem Hofstaate vor dem Anstürme der Türkenscharen die Residenz abermals zu verlassen und wieder nach Linz zu übersiedeln. Nachdem am 7. Juli *) Correspondenza Epistulare Fra Leupoldo 1. Imperator« od il Padre Marco d’Aviano Cappuccino . . . da Onno Klopp Graz 1888, p. 3, **) Ebenda p. 4 ff. . Nachmittags gegen 2 Uhr der General der Kavallerie Graf Eaprara und Oberst Graf Montecuccoli in Wien angelangt waren »nd das „Geschrei in der Stadt alsbald sich verbreitete, das; die kaiserliche Kavallerie vvii den Tataren angegriffen worden sei und der Stadt Wien zn sich retiriere", darauf „vast jederinänigltch von Hohen, Mittern nnd Ni km Standts, wer nur Fuhren und Roß bekvininen konnte, dasjenige, was er nur salvtren mögen, einpackte", verließen auch Se. Biajestät und der ganze Hof Wien noch am selben Tage, „denen die Kavaliere nnd was nur fahren nnd reiten können selbige Nacht noch und die nachfolgenden Tage nachgefolgt". Die Abreise der Majestäten, der beiden Grherzoge Josef nnd Leopold nnd der.Erzherzogin Maria Elisabeth war also am 5. Juli gegen 8 Uhr Abends zum Burgtor hinaus nnd „über die Schlag- nnd Donanbrnckcn", erfolgt nnd es langte der Hof noch am selben Abende in Kornenbnrg an, wo er dann Nachtlager hielt.*) Dieses Nachtlager gestaltete sich aber überaus mühselig; außer dem, daß in dem „geringen Wirtshanse" das Abendessen ein höchst frugales gewesen „ungeschinacke Brennstippe und wenig Eier," mußte der Regenmantel des Oberstjägermeisters Grafen Althan dem Kaiser als Decke dienen nnd die zwei Erzherzoge und die noch nicht dreijährige Erzherzogin Elisabeth konnten die nur sehr kurze Nachtruhe nur „Teils in den abgenommenen Wagenpölstern, teils in den Armen der Kammer-Bedienten" genießen.**) Als der Hof in Linz ankam, hieß es, daß die Türken auch in Oberösterreich eingedrungen nnd gegen Linz im Anzuge seien, „den Kaiser nnd die Seinigen aufzuheben", weshalb die Reise sofort bis Passau ausgedehnt wurde, von wo jedoch — nachdem sich jene Nachricht nicht bewahrheitete, alsbald „ohne längeres Verweilen" die Rückkehr nach Linz stattfand.***) Der Kaiser, der nach dem glücklich erfolgten Entsätze der Residenzstadt diese vom 14. bis 18. September 1683 besucht und besichtigt hatte, macht unterm 2. August 1684 von Linz ans dem Kapuzinerpater die Mitteilung, daß er wegen Erkrankung seines *) Hocke: Kurhe Beschreibung dessen was in wehrender Türkischen Belagerung der Kais. Residentz Stadt Wien . . . pasjiret Wien 1085. >>. 2. ff. ,**) Leben und Tugenden Eleonore Magdalenae Theresias Römischen Kayserin (von P. Franz Wagner) Wien 1721 (daö lateinische Original erschien Wien 1720). p. 49 ff. ***) ebenda y. 51, Sohnes Leopold an Dissenterie die übrigen Kinder nach Enns geschickt habe, das; er aber demnächst nach Wien zurückkehren werde?) Als Erzherzogin Elisabeth ins zehnte Lebensjahr ging, erkrankte sie zu Wien an den Blattern, wie der Kaiser dem Marens d'Aviano ans Altötting (10. Februar 1690) meldet, sie überstand die Krankheit jedoch sehr gut, wie aus einem nächsten Schreiben (Wien 5. März 1690) erhellt, wo wir den Beisatz lesen, das; auch die Merkmale der Blattern ans dem Gesichte der Prinzessin verschwinden.**) Nach vier Jahren, wieder im Februar, wurde Elisabeth in Wien abermals von den Blattern befallen, überstand sie aber auch diesmal glücklich.***) Erziehung. - Äußere Erscheinung. — Charakter. Erzherzogin E l i s a b e t h, die als kleines Kind schon „den Angenwink der kaiserlichen Mutter, sowie der Aja als einen gewissen Befehl angesehen", war dann, als sie in die Lernjahre getreten, ebenso genau in Befolgung dessen, was ihr vorgeschrieben worden. Ihre Erziehung war eine vorzügliche. Denn obgleich mit Negiernngs- und Kriegssorgen reichlich bedacht, hatte ihr kaiserlicher Pater sich selbst die Mühe genommen, der geliebten Tochter eine Tagesordnung für ihre Studien und Arbeiten aufzusetzen. Diese Ordnung lautete also;****) „Meine Tochter solle v o n de in 2 ch las aufgeweckt werden um a ch t II h r M o r g e n s; das Gebet wird sie verrichten, und alles was zur Kleidung und Aufputz gehörig bis halber eilf Uhr zu Standen bringen; alsdann bis halber zw ö l f Uhr von P. Loeatelli in den G rn ndsätzen L a teinischer S p r n ch, als >v c l el, e z n r E r l e r n u n g and c r e r S p r a ch e n dcn Weg bahnet, unterwiesen werden, und dieses zwar, damit kein Geräusch die Lehrjüngerin oder den Lehrmeister störe, an einem Ort, welches keinen Durchgang derer, die entweder Befehl hin- und widertragen oder etwas anderes zu thun haben, offen stehe. Nach diesem wird sie dem Opfer der Hl. M esse auf den Milieu betend mit großer Ehrerbietigkeit beiwohnen, um *) Ciiuo Stlopp 1. c. |>. 41). **i ebenda p. 193. ***) ebenda p. 255. ****) Wagner—Lanz: Leben und Lugenden Mariae Elisabeth«... p. 4 ff. zwölf Uhr speisen und bis zwei Uhr nach Belieben nach die Zeit zubringen. Von zwey bis drey Uhr wird sie der Ta«z-m eiste r in der T a n z k n n st unterrichten; die folgende erste halbe Stunde (3—'/,4 Uhr) kann sie sich auf dem Klavier, die zweite C/,4—4 Uhr) in der Schrift oder französischen Sprache üben nach Anordnung der Obersthofmcisterin*) und wiedermn eine halbe Stund (4—%5 Uhr eine Stick- **) oder andere Arbeit für die Hand nehmen, nachmals aber die Haupt stücke des Glaubens, deren Auslegung sie von P. Locatelli vernehmen wird. Um halber sechs bis sieben Uhr kann sie einer Ruhe oder Ergötzung pflegen, wie es der Obersthofmeisterin thunlich scheinet, um sieben Uhr soll sie die Tagzeiten oder den Marianischen Rosenkranz beten, um acht Uhr zur Tafel gehen bis 10 Uhr sich mit Gespräch unterhalten und alsdann nach verrichteten Abendgebet sich zur Nachtruhe begeben. Der Obersthofnieisterin ihre Schuldigkeit wird sein, daß sie mir alle Wochen berichte, wie sich meine Tochter mit was Aufmerksamkeit im Gebet, mit was Fleiß i m L e r n e n v e r h a l t e? „Auf solche Weise" — fügt der Biograph bei — „wollte dieser weiseste Fürst seine Tochter unterrichtet haben und wäre es nur zu wünschen, das; adelige Elter» höheren Standes in Erziehung ihrer Kinder sich an solche Richtschnur halten." Die vom Kaiser vorgezeichnete Tagesordnung wurde von der Kaiserin „mit stäter Absicht und Wachsamkeit" im Auge behalten, daß dieselbe nicht überschritten werde, wie auch, daß man nicht Anlaß bekäme, an der Aufführung der Prinzessin etwas zu beobachten, was ihrem Alter und Stamme minder anständig sein möchte. Da die Kaiserin aber wahrnahm, daß Elisabeth weniger an den dem Frauengeschlecht sonst zuständigen Arbeiten z. B. dem Sticken und anderen Handarbeiten Gefallen finde, als am Studium, so beschloß sie, als die Erzherzogin in den Jahren vorrückte „deren Antrieben nachzugeben und „sie einzig der Erlernung höherer Wissenschaften zu überlassen." Die Erzherzogin wurde nun von P. Baur im Lateinischen vollkommen unterwiesen, wurde mit den Grundgesetzen der Dicht-nnd R c b c hüt ft vertraut gemacht und wandte sich dann dem Studium der W e l t w e i s h e i t zu, namentlich dem der Moralphilosophie. Im Verlaufe einiger Zeit war sic darin so weit fortgeschritten, daß sie Sätze daraus im Beisein des Kaisers und des ganzen Hofstaates vertheidigen konnte, „ans *) Im lateinischen Original „Vita ot virtutes .... heißt es: „nt G u b ernatrir, i visum fuorit“. **) Ebenda heißt es: Phrygionico . . . oprre, also Goldstickerei. lucldmu Kampfplätze sie ganz »nd gar nicht heuchlerische Lobsprüche davongetragen". Durch diesen Sieg beherzter geworden, wandte sich Elisabeth nun der Wissenschaft der Geschichte zu: obschon sie die alte Geschichte eifrigst dnrchgenommen, gab sie doch der neueren Geschichte den Vorzug „als welche zur nunmehrigen Lebensart helleres Licht anzuzünden vermöge". Ein Hauptgewicht legte aber die Erzherzogin ans die Geschichte ihres Erz Hauses Ö st erreich, welche sie „vom ersten Ursprung an sammt der Zeitrechnung (also mit allen Jahr-zahlen) öffentlich zu vertheidigen angetragen". Anher der deutschen Muttersprache und dem Lateinischen hatte die Erzherzogin mich die französische und w c l s ch e (italienische) Sprache, welche damals beim kaiserlichen Hofe, am meisten im Schwung waren, fast einzig und allein durch die Übung, — namentlich durch das Anhören der vielen Schauspiele bei Hofe — die spanifche aber ans vielfältiger Lektüre vollkommen erlernt, so das; sie also fünf Sprachen „ohne jeden Anstand frei geredet". Nock in den späteren Lebensjahren erlernte sie als Regentin in den Niederlanden das V l ä m i s ch e, um die in dieser Sprache abgefaßten Bittschriften zu verstehen.*) Große Neigung trug Elisabeth schon von Jugend ans für Musik und Gesang und war besonders in der Kunst des Klavierspiels wohlbewandert, sie liebte den Verkehr wie mit Gelehrten, so auch mit den Meistern der Tonkunst. Neben der geistigen Erziehung wurde bei den kaiserlichen Kindern mich auf die Ausbildung des Körpers nicht geringes Gewicht gelegt, wie schon zum Teile ans der oben mitgeteilten Tagesordnung ersichtlich, in welcher im Zusammenhange anderthalb Stunden der Recreation oder der „Ergötzung", d. H. der Unterhaltung mit Spielen (Ballspiel, Springen ». dgl.) gewidmet waren. Eine große „Ergötzung" fand aber die Erzherzogin auch in der Jagd,**) die sie, zur Jungfrau herangereift, gleich ihrem kaiserlichen Vater mit großer Vorliebe betrieb. Da waren die Schweins-jagden im Prater bei Wien, die Raigerbaitze in Laxenburg, und namentlich die Hirschjagden in dem gewöhnlichen Herbstaufenthalte Kaiser Leopolds in Ebersdorf (Kaiserebersdorf), dessen Wildbahn eine sehr gute war und wo es „viel Wildpreth von allerhand Arten gab,***) woran Elisabeth lebhaftes Anteil »am." In dem *) • liebt» und lufteiibcii . ... p. 7 ff. **) Ebenda >>. 166. ***) Miicbelbtcfcr Allerneueste Nachricht vom Rom. Sfnijj. Hose Hanbner 1732, p. 844. schönen kaiserlichen Lustschlosse 311 EberSdorf, das „sehr lüftist an einem Walde gelegen und von dielen Wiesen umgeben lvar", drei Stockwerke hoch „diel besser, weitläufiger und bequemer als Laxenburg gebaut erschien", sah man im ersten Stockwerke, zu dem man über eine ansehnliche Treppe emporkam, nichts als „Jagdstncke" sowohl gemalt als in natura, ausgestopft, Hirsche, Wildschweine, Rehe und anderes Wild, an den Wänden allerhand Hirschköpfe „mit cnriensen (seltenen) Gelveihcn", Jagdtrophaccn der kaiserlichen Familie.*) * * * In ihrer äußeren Erscheinung stellte sich Erzherzogin Elisabeth sehr dortcilhast dar. Die junge Erzherzogin lvar von schöner Gestalt, mittelgroß, „ziemlich stark und nervig" (muskulös),**) ihr Teint lvar „von ungemeiner Weiße und Zartheit", im Gesichte rosig angehaucht, ihre Hände waren zierlich gestaltet, im Ganzen erschien ihr leibliches Wesen „von Ansehen mit Holdseligkeit vergesellschaftet", so „daß selbe allen Augen Liebe und Ehrfurcht eingeflößt". Das Ebenmaß ihrer Glieder machte sie besonders geschickt zur Tanzkunst, zu welcher sie auch nicht geringe Neigung trug, lind als sie bei den gewöhnlichen Faschiugsspielen am kaiserlichen Hofe mit ihrem Bruder, dem nachherigen Kaiser Karl VI., unter jubelndem Trompetcnschalle beim Tanze den Anfang machte, zog sie Aller Blicke auf sich und alles bewunderte „ihr so ansbnndige Geschicklichkeit".***) * * * Was ihre Eharakter-Eigenschaften betrifft, zeigte Elisabeth schon in der frühesten Kindheit den im Hanse Habsbnrg als vorzügliches Erbstück sich stets im glänzendsten Lichte weisenden echt christlich-frommen Sinn; nichtigem Kinderspiel abhold, war ihr Sinn immer dem Ernste mehr zugeneigt und der Betätigung aller angeborenen christliche Tugenden. Namentlich war die junge Fürstin schon durch hervorragende Übung der Nächstenliebe ausgezeichnet, auf welche als einer ihrer Hanpttngcnden wir später bei Schilderung der „Regentin" noch ausführlich zu sprechen kommen werden, und die in ihrem Wahlsprnche „Fiel atu et Gharitatc" so herrlich *) (Sbenbn p. N4-J. **)' Im Original: Vita et virtutes (pag. 14) heißt cs': Corporis habituell >... iK-rvoa, was La»,; mit „beiutg" übersetzt, was aber (nach Schweller Bayer. W. B. I. pag. 244) knochig. ***) Leben und Tugenden . . . pag. 14.) izlanstc. Von Natur mit einem zarten Gemüt ausgestattet, lag der Erzherzogin nicht mir alle Schwäche ferne und jede Furcht, ja sie „zeigte sich in allen Dingen, die beschwerlich zu tun und z» ertragen, stark und anfgeinnntert und mit der höchsten Fähigkeit begabt, namhafte Werke auf sich zu nehmen".*) Wie sie jede Ilnwarheit und Verstellung verschmähte, so war der Reinheit ihrer Seele und ihres Herzens jede Zweideutigkeit in der Rede zuwider, und Pnrpnrröte überzog ihr Antlitz, wenn etwa in den Schauspielen, denen sie anwohnte, nur annähernd zweideutige Anspielungen vorkamen. Gefiel cs ihr ab und zu sinnreiche Scher,zreden anzuhören, so duldete sie doch bei ihren Hoflenten z. B. keine Spottreden und vor allem berührte es sie sehr schmerzlich, wenn ein alter Mensch scharf angegangen wurde. Selbst in der Tracht die Einfachheit stets dem Luxus vorziehend, trug die Erzherzogin auch „nie Gefallen an der Gesellschaft jener ans dem Franengeschlecht, denen einzig die Kleiderpracht, die in der Stadt umgehenden Erzählungen, dieWittrnng und anbei) nichts anders zu sprechen Anlaß gab." Eines weiteren habsbnrgtschen Erbstückes sich erfreuend, des ausgesprochen leutseligen Wesens, zog sie gegen alle Personen minderen Standes oder minderer Stellung gleich herablassend und liebenswürdig, namentlich auch gerne die Söhne und Töchter der in minderen Stellungen befindlichen Hoflentc zu sich heran und beschenkte die Kleinen stets reichlich, zumal wenn sie bei ihr zum Glückwunsch erschienen und lateinische Verse aufsagten, mit Gold- und Silberstücken und mit Konfekt; so geschah es immer an ihrem Namenstage, an welchem sovicle Mägdlein, als sie gerade Lebensjahre zählte, mit einem Geldbentlein bedacht wurden.**) (Elisabeth als Regentin. Die Niederlande, um deren Besitz durch zwei Jahrhunderte zwischen Spaniern, Franzose», Deutschen, Engländern und Holländern die blutigsten Kriege geführt wurden und die zu Anfang des spanischen SnecessionskricgeS den Franzosen in die Hände gefallen waren, kamen bekanntlich durch den Utrechtes Frieden, nachdem die vereinigten sieben holländischen Provinzen sich von ihnen ge- *i lieben und Tugenden . . . pag. II. **) lieben und Tugenden . . . pag. 77. ff. trennt und auch Frankreich einen Teil au sich genommen sowie die Holländer ebenfalls verschiedene Orte in Brabant und Flandern erhalten hatten, nahezu im dritten Teil des ehemaligen Besitzes Kaiser Karls V. und Königs Philipp II. au die Römisch-Kaiserliche Majestät und erhielten den Rauten: „Oesterreichische Niederlande." Der Kaiser setzte einen Gouverneur ein, als welcher zuerst Prinz Engen von Savoyen erscheint. Nachdem aber dieser 1720 zum Generalvikar des Kaisers in Italien ernannt worden und auch Marquis de Prt*>, welcher die österreichischen Niederlande schon unter des Prinzen Befehl regiert hatte, zu Anfang des Jahres 1725 von dem Posten eines Gouverneurs abberufen war, langte Marschall Graf Dann in Brüssel an unter dem Titel eines General-gonvernenrs, doch nur auf etliche Monate und mit der Mission, Anstalten zur Ankunft der Erzherzogin Elisabeth zu treffen, die ihr Bruder Kaiser Kart VI. nach längerem Sträuben ihrerseits jetzt zur Regentin der Niederlande bestimmt hatte. „Der Regiersucht, die sonst in denen Begierden der Menschen sich am ersten finden lasset, hatte — wie ihr Biograph sagt — die Demut Elisabeths allen Eingang zu ihrem Herzen verschlossen, dast, sofern es ihrer Willknre freigestanden wäre, sie jene einsame gewohnte Lebensart, jene fitste Ruhe, die sie bei ihren Andachts-Übungen und in gelehrtem Zeitvertreib genossen, allen hohen Reichs-Verwaltungen vorgezogen hätte."*) Schon zweimal vorher war maßgebendsten Ortes der Blick ans die treffliche Fürstin gelenkt gewesen betreffs ihrer Wahl als „Regentin", einmal über die Grafschaft Tirol, das anderemal, als Karl VI. die Kaiserkrone übernommen und ans Spanien abgezogen war; da beantragte er: „Diese weiseste Erzherzogin an seiner Stadt nach Barcelona abzusenden, auf dast sie dem betrübten Zustand Kataloniens Rat und .Hilfe verschaffe." Beide Vorhaben waren nicht in Erfüllung gegangen, „doch ist es — fährt Wagner in seiner Erzählung fort nicht aufzusprechen, in welche» Schrecken diese bei Hof umgegangenen Gerüchte die Erzherzogin versetzt und wie sie sich, als dieselben wieder zerstreut waren, nicht minder beglückt fühlte, als wäre sie einem gewaltigen Unheil entronnen." *) Leben und Tilgende» . ... p. 42. Als jetzt ihr kaiserlicher Bruder au sie mit dem Ansinnen herangetreten war, die Regentschaft der österreichischen Wieder* lande zu übernehmen, da hatte sie sich als Gnade eine Bedenkzeit von acht Tagen ausgebeten, „um alle richtigen Ursachen niederzuschreiben, welche sie vermögen könnten, entweder die angetragene Stelle anzunehmen oder abzulehnen" und war endlich zu dem Entschlüsse gekommen, das; sie, selbst wenn der Kaiser sic mit ausdrücklichem Befehle hiezu beordere, dennoch Bedenken trage, solcher Anitsverrichtnng ihre Schultern zu unterziehen." „Ich befehle es auf keine Weise — sprach der Kaiser — sondern bitte die Frau Schwester, sie geruhe nnbescheert, die Regierung anzunehmen, w e l ch e m c i n e n Ried e r l ä n d e r» z ii m großen Nutzen gedeihe n." Darauf war Elisabeths Antwort: „D i e B i t t e n n d Ersuchen des Kaisers e r-kenne ich für einen Befehl »n d göttliche Stirn in e, der nicht Folge zu leisten eine höchst unbillige Tat wäre." Vor ihrer Abreise ans Oesterreich unternahm die Erzhcrzogin-Regentin in Begleitung des Kaisers und der Kaiserin noch eine Wallfahrt nach dem Gnadenorte Maria-Zell in Steiermark, „um durch Fürsprache der göttlichen Mutter Rat und Lnlfc auf das Eifrigste zu erbitten." Am 4. des Hrrbstmonates 1725, als alle Vorbereitungen zur weiten Reife getroffen waren, verließ Elisabeth in ansehnlicher Geleitschaft von 95 Wägen die Kaiserstadt Wien; von den Stadtmauern ertönten die Geschütz-Salven. Der Kaiser und die Kaiserin vergossen Tränen beim Abschiede, und allgemein wie ihr Lob von allen Seiten erscholl auch die Klage um ihren Verlust, und die Seufzer der Arme», deren „Mutter" von dannen zog, lösten sich im Gebete für sie auf. Auf der ganzen Fahrt wurde die Kaiser-Schwester allerorts mit de» gebührenden Ehren empfangen. Am (>. des Wein-monats langte die Regentin zur Tirlemont (Dienen), der ersten in Brabant gelegenen Stadt an. In dieser wohlgebauten, ziemlich großen Stadt harrten ihrer die abgeordneten Landstände, die vornehmsten des Adels, die Vorsteher geistlicher Orden und eine nngemein große Volksmenge, die die Kommende „mit großem frohlocken begrüßte". In der altbcrühmten Universitätsstadt L o e w e n wurde die Erzherzogin-Regentin um einen dreitägigen Aufenthalt gebeten, zumal mich die Festvorbcreitungen in der Residenzstadt B r ii ssel noch nicht beendigt ivnvctt; sie gab dieser Bitte ohne Widerrede Gehör und „vergönnte der edlen Stadt gar lvillig solchen Aufenthalt". Der Einzug in Brüssel erfolgte am 9. des letztgenannten Monates „mit herrlichster Pracht". Bor ihrem Wagen schritten einher alle Räthe der königlichen Gerichtsstellen, die Vornehmsten des Volkes und alle Rathsbcamten, und zunächst ging es in solcher Begleitung zur Hanpikirche, an deren Portal der Kardinal Erzbischof von Mecheln mit dem gesamten Klerus die Erzherzogin Rcgentin erwartete und „ihrer Ankunft tausend Glück wünschte". Nach dem Ambrosianischen Lobgescmge bewegte sich sodann der festliche Zug unter fröhlicher Losbremmng der Geschütze, unter Fackelschein und allgemeiner Belustigung gleichwie freudevollen Zurufen des Volkes in den königlichen Palast. B r ü s s e l zur Zeit der Regentin Erzherzogin E l i s a b e t h hatte »ach einer zeitgenössischen Schilderung*) folgendes Aussehen. Es hatte einen Umfang von 2 Stunden im Umkreise, eine doppelte Mauer 74 große und kleine Thürme an den Mauern — einen Hohen Wall und breite Gräben. „Die Siebenzahl — heisst es da — ist bey dieser Stadt sonderlich in Acht zu itcincn, dieweil in derselben 7 öffentliche Brunnen, 7 Gassen, so zum sürnentsten Platz oder auf den Markt führen, auf welchem auch 7 große Häuser in der Reihe stehen, die vom Ruth der Bürgerschaft vermietet werde», 7 vornehme und befreite altadelige Geschlechter, 7 Schöffen, 7 Hebammen und 7 Thore gezälet werden". Unter den Pfarrkirchen ragt besonders die nach der heiligen Jungfrau Gudula genannte und sonst dem hl. Erzengel Michael geweihte St irchc hervor mit der Grabstätte der hl. (Sindnln und einer Fürsteugriift, worin auch die Leichname der österreichischen Erzherzoge Albrecht und Ernst ruhen. Diese Kirche hat zwei hohe Türme, ans welche man 500 Staffeln zu steigen hat. An dieser Kirche bestehen zwei Dont-herrn-Kollegien, das größere gestiftet 1<>47 mit 12 Domherrn, das kleinere aus dem Jahre 1229 mit 10 Eanonicis. In Unserer. Lieben Franen-.Kirche ans dem Sand wird ein Teil der Reliquien der heiligen Jungfrau und Märtyrin Juliana von Nicomedien bewahrt. Eine schöne Kirche und in dem Evlleginm ein „feine Bibliothek" besitzen die Jesuiten. Unter den Klöstern ist besonders *) Evurliurili (1 vumeri UnppelM Wmidi MirubUis TripnrtUi ober bor SViiitberbaven Welt in einer kurzen Cosiuographici Beschriebener Dritter und Letzter Theil. Ulm 1708, p. 514 ff. zn nenne» das der Karmeliterinneu, das Erzherzog Albrecht von Österreich im Vereine mit seiner Gemahlin, der Infantin Isabella Elara Eugenia, gestiftet; in diesem Kloster tvird ein Finger der Hl. Jungfrau Theresia in einem goldenen Behältnis bewahrt, die 1515 zn Abila in Spanien geboren, hernach daselbst Priorin und Reform des Karnieliterinnen-Ordens geworden. „Von weltlichen Gebäuden aber" — sagt der Verfasser der „kleinen Weltbeschreibnng" — ist hier namentlich zn sehen der fürstliche Marstall, darin 127 Pferde stehen können, obenauf ist eine Rüstkammer, darin der alten Herzoge von Burgund Waffen und die Häute derjenigen Pferde auf Holz ausgespannt sind, deren eines dem Erzherzog Albrecht von Oesterreich bei seinem Einritt in Brüssel gedient und das andere, ein Schimmel, der ihn ans der Schlacht von Neuport getragen. Es sind in solcher Rüstkammer auch viel andere schöne Sachen zn sehen und nute» im Hofe des Marita ll war der Brautwagen der Infantin Isabella, der die Summe von 1400 Kronen gekostet, bis ihren Lebzeiten zn schauen gewesen und — fügt der Bericht bei — vielleicht noch". Der fürstliche Palast, das Schloß und die Residenz der Erz-herzogin-Regentin, ist ein weitläufiges, großes Gebäude, meistenteils alten Banstil weisend, nach der Länge angelegt, im höhen» Stadtteil gelegen, über dem Hauptthor mit einem llhrthiirm geziert, in welchem „viele kleine Glocken ninstziren"; cs hat einen im Gevierte gehaltenen Hof, der jedoch nicht sonderlich groß ist. Zur linken Seite desselben gelangt man empor zn einem großen hohen Saal und zn der hohen herrlich gezierten, mit schönen Pfeilern versehenen Kapelle, den Hanptsehenswnrdigkeiten dieses Palastes- Außerdem gehören zu dem Palaste der Tiergarten, der Fischerweiher, das Vogelhaus (die Boliöre), die Lustgärten, Wasserkünste u. s. w. Vom Schlösse geht man hinunter in das Rathhans, ein prächtiges Gebäude mit einer Art Wasserleitung „da man das Wasser bis zu oberst haben kann"; den Turm schmückt die Statue des Hl. Michael, des Patrons der Stadt. In den Zimmern befinden sich herrliche Kunstwerke, darunter ein Gemälde von Rubens, das Urteil Salomons, „das auf 3000 Gulden geschätzt wird"; in den oberen Räumen sind auch ein Zeughaus und eine Rüstkammer untergebracht. Andere herrliche Paläste sind die der Familie Arschot, A ii »i a l e, le v e, H o ch st r a a t e n, Barle 111 o it t, A renber g, M annsfeld, Egmont, Spinola und andere mehr; das Hans von Ravenstein „so jetzt, dem Hause Sachsen gehörig" liegt mitten in der Stadt; der Uranische oder Auraische Palast ist 1624 den 13. März in Brand geraten, was einen Schaden von 160.000 Gulden verursachte. Außer den Palästen der Adeligen sind „allhier auch ansonsten allerhand öffentliche und ansehnliche Privathänser, stattliche Blumengärten und in denselben allerhand Wasserwerke sehenswürdig." Über den Zustand der österreichischen Niederlande zur Zeit, als Erzherzogin Elisabeth die Regentschaft über dieselben antrat und führte, schreibt ein schon genannter Zeitgenosse, Küchelbecker:*) „Unterdessen ist auch diese Portion (von den gesamte» Niederlanden) für Oesterreich sehr avanlageuse und ist es nur zu bedauern, daß dessen Aufname (Aufnehmen) bei andern Nationen so eine große Jalousie verursacht". Er hat dabei das durch den Neid der Mächte hervorgerufene und bedingte Aufhören der daselbst errichtet gewesenen ostindischen Kompagnie im Auge, durch deren Fortbestand unzweifelhaft die österreichischen Niederlande „durch das Comnierzium zu dem höchsten Grad der Glückseligkeit würden gelangt sein". Denn gleichwie die gesamten Niederlande die schönsten, fruchtbarsten und gesegnetsten Länder von Europa sind, so könne man das insbesonders von dem österreichischen Anteil mit Recht sagen, indem dieselben nicht nur einen sehr fruchtbaren Boden haben, sondern auch wegen der Lage an der See zur Schiffahrt sehr bequem und „voller schöner Städte und Festungen sind". Die Niederländer nennt dieser deutsche Beobachter „klnge, arbeitsame und verschlagene Köpfe, welche die Freiheit lieben"; weil zu Aufstünde sehr geneigt, seien soviel Festungen im Lande angelegt, die aber anderseits die Bestimmung haben „das Land vor die benachbarten Puissances zu schützen". Ein anderer Beobachter, der Engländer Barclci,*) faßt alle, die spanische und holländischen Niederländer, in seiner Betrachtung zusammen: Obwohl diese Nation in zwei verschiedene Regie-rungen verteilt, so ist sie doch einerlei „Complexion" geblieben. *) 1. c. pag. 132 ff. *) Icon Animorum . . . ins deutsche ausgesetzt durch Johann Sahferte» Von Ulm. Bremen 1649, pag. 106 ff. Sen Mi'lssigang hassen sie als ein großes Laster, daher haben sie ihre Waisenhäuser, worin sie die Knäblein und Mägdlein zur strenger Arbeit auferziehen und ihre Zuchthäuser, worin die ungeratenen Kinder und faulen Landstreicher in der allerhärtesten Arbeit anderen zum abschreckenden Beispiel ihr Leben hinbringen müsse». So gewöhnt sich Jedermann an das Arbeiten, Jung und Alt, ihre Städte werden auf diese Art reich und nur selten sieht inan Jemanden am Bettelstab. Sie sind Leute ohne Falschheit und können Hinterlist nicht vertragen; sie meinen, es solle Jedermann so redlich sein, wie sie selbst und deshalb hassen sie den Betrug, wie den Tod. Sie haben hochgelehrte Herrn unter sich, welche zu den wichtigsten Geschäften können gebraucht werden. Bei den Flandern und Brabantern findet Barelei spanischen Einfluß und besonders weiß er diesen nachzusagen, daß sie sehr »ach hohen Titel» streben, was mich von den Spaniern herrühre, „darunib wer sie weife hierin zu respeetiren der kann sich bei ihnen angenehm machen; „gegen libkosende Leute seyend sie freundlich" — wie der llber-sitzer Sei)feit schreibt — sehr eomplimentösisch, daß sie desto mehr geehret werden und atso bezahten sie Ceremonien mit Ceremonien". Das gemeine Volk in beiderlei Provinzen rühme sich seiner Freiheit sehr, ja eine Partei gegen die andere, und damit halte jeder Stand die Seinen (die Höheren die Niedrigeren) im Zaum, wenn er es verstehe, sich vor ihnen zu demütigen, sie ans der Gasse hinwieder z» grüßen, bei den Malzeiten sich zu ihnen zu setzen und seine eigene Hoheit gleichsam nicht zu achten. Born ersten Tage an, da Erzherzogin Elisabeth die Verwaltung der österreichischen Niederlande übernommen hatte, bewies sie in allen ihren Handlungen jene feste und energische Hand, die in allem ihre große Ähnlichkeit mit ihrer Nichte, der großen Maria Theresia, erkennen läßt. Ihr Hauptaugenmerk richtete sie auf die gute Erziehung der Jugend, die sie durch Errichtung von llnterrichtsanstqlten und durch persönliche Belohnung guter Fortschritte mächtig förderte. Zunächst war ihr Augenmerk der Königlichen Akademie, deren Vorsteher Guilelmus Weichert war, mit allem Eifer zugewandt und sie gestand es gerne zu, daß die adelige einheimische wie auswärtige Jugend, die der Sitte jener Tage gemäß Bildung und Erziehung an dieser Akademie suchte, in demselben Hause und unter jenen Lehrern, die zum Unterrichte ihrer Hof-Edelknaben an- gestellt waren, mit diesen gemeinsam in der Sprache und anderen Wissenschaften, sowie in Reit-, Fecht- und Tanzkunst unterrichtet wurden.*) Und gleich zu Beginn ihrer Regierung bestimmte sie 5000 fl., deren Zinsen zu einem Stipendium „zu künftig ewigen Zeiten" für einen adeligen Jüngling, damit er nach Gebühr seines Standes in den Wissenschaften und „guten Künsten" erzogen werden solle.**) Mit welcher Sorgfalt die Erzherzogin für das Beste ihrer Hausgenossenschaft bedacht gewesen, geht daraus hervor, das; sie die Fortschritte ihrer Edelknaben, beziehungsweise der Königlichen Akademie selbst überwachte, die Schulübungen und Aufgaben selbst übersah und die einzelnen mit ihrem Lobe oder mit Ermahnungen zu fernerem Fleiße und Eifer bedachte.***) Als bei ihrer deutschen Dienerschaft die Anzahl der Kinder derart angewachsen war, daß ihr für die Erziehung derselben eine eigene Schule notig erschien, nahm sie einen eigenen deutschen Schulmeister auf, der die Kleinen in den ersten Grundlehren zu unterrichten hatte; sie übertrug die Stelle dem Beichtvater der Hoffräuleins, damit die zarte Fugend „mit der Erkenntnis der Buchstaben auch zugleich die Lehre des Heils in den ersten Fahren ergreifen sollte".****) Gleichwie die Regentin für Bildung und Erziehung in dem engeren Umkreise des Hoflebens gleich im Anfang ihrer Regentschaft bedacht gewesen, war sie es aber nicht minder im Hinblicke auf die ihrer Regierung anvertrauten, der Allgemeinheit gewidmeten, höheren Unterrichtsanstalten. Und da war es in erster Linie, als Ausfluß ihres hohen Gerechtigkeitssinnes, ihr Befehl, daß die Lehrer in den Schulen nicht etiva d urch heftigen W ort- „ n nd Schrift st reit gegeneinander j e in a n d e nt z n in Ä r g e r-nis würden; es kamen nämlich bisweilen derartig verfehlte Lehrsätze ans der Presse, die mit herben und gegen geistliche Mä-ßignng verstoßenden Schmähungen wider die entgegengesetzte Lehre (der Protestanten) vermengt waren, wodurch den Anhängern dieser Lehre vielfältige Gelegenheit geboten war, mit Schmähungen „gegen die Rechtgläubigen" (die .Katholiken) zu erwidern.*****) *) Nebelt uub Tugenden . . . pag. 49 ff. **) Ebenda jag. 74. ***) Ebenda pag. 75. ****) Ebenda p»g, oa. *****) Ebenda pag. 128. Um die durch die Glanbensspaltnng in dem Reiche noch bestehende Unruhe der Geister nach Möglichkeit zu beseitigen, wußte sie es zu bewirken, daß der Senat der altberühmten Universität Löwen durch eigenen Beschluß festsetzte, daß nur Katholiken zu Wurde, Amt und Stellung an der Universität gelangen könnten. Wie die Erzherzogin Regentin dabei vorging, darüber müssen wir ihren Biographen selbst reden lassen. Er sagt:*) „Elisabeth hatte es überaus und lange gewünscht, daß sich nach ihrem Beispiel auch die vornehme Universität oder hohe Schule zu Löwen richten sollte, welche das Recht hatte, viele Freiheiten, Pfründen und Amtswürden den Wohlverdienten zu erteilen. Nun hatte sich ereignet, daß drei Abgevrdnete (der Universität), weiß nicht um was für eine Gnade anzuhalten, von Löwen sich in Brüssel eingefunde». Sic, die Regentin, bewilligte unschwer deren Ansuchen, gab ihnen aber entgegen zu verstehen, daß sie auch ein Anliegen habe, welches sie von den gesamten Mitgliedern der hohen Schule gebilligt und bewerkstelligt zu sehen verlange, nämlich sie sollten ein Gesetz erlassen, das sie zugleich ans dem Papier schon abgefaßt vorwies und welches außer Zweifel der (katholischen) Kirche zu großem Vorteil, zur Ruhe und Ehre einer so ansehnlichen hohen Schule gereichen würde. Die Abgesandten waren besvndcrs zufrieden, daß die Erzherzogin ihren Willen schriftlich abgegeben hatte, ans daß kein Argwohn auf sie selbst fallen könnte, als hätten sie etwas in eigenem Situte dieser Wnnschänßerung beigesetzt. Als die Abgeordneten heimgekehrt waren, wurde ein Rat aller akademischen Beamte» versammelt und von diesen mit einhelligem Beifalle das Gesetz bestätigt, wornach für künftighin nur Katholiken an dieser Hohen Schule zu Würde, Amt oder Pfründe gelangen können."**) Zed ler schreibt in seinem Universallexikon***) von dem hohen Ansehen, in welchem der Rektor dieser hohen Schule immer gestanden, daß er den Vorrang vor dem päpstlichen Nuntius hatte, außer wenn dieser ein Kardinal oder Legutus a latere war. Des Engländers B r o w »****) Angabe nach Gorvpins LecaruS, daß keine Universität ihresgleichen — wegen der trefflichen und lästigen Gelegenheit (Lage) — weder in Italien, noch Frankreich, weder in *) Ebenda pag. 98. **) Ebenda pag. 99. ***) Band XVIII (1738), pag. ff. ****) Steifen ... pag. 330, Deutschland noch in Spanien zu finden sei, begegnen mir bei Zedler wieder, sowie das; diese Universität einer großen Menge Studenten und einer großen Anzahl Lehrer in allen Wissenschaften erfreue. Die Streitigkeiten, die seit 1 (>87 unter den Lehrern geherrscht, waren nun beigelegt?) Was die politische Verwaltung der Lande betraf, war der oberste Grundsatz der Erzherzvgin-Regentin, von dein sie sich bei allen diesbezüglichen Maßnahmen leiten ließ, derjenige, daß vor allem die Landesordnungen einzuhalten seien, „an deren unverletzter Beobachtung das Heil und der Nutzen der Lande hafte."**) In den ihr zur Entscheidung vorgelegten Gerichtssachen bewies sie stets ihren hohen Gerechtigkeitssinn und zugleich ihre große Milde in glänzendster Weise. Sie hatte bisweilen die Vollziehung des vom Gerichte gefüllten Anssprnches verschoben, nicht etwa deshalb, um der Gerechtigkeit den Lauf zu hemmen, als um den bedrängten Leuten Zeit zu lassen, sich um stärkere Beweise in ihren Händeln umzusehen oder in Güte einen Vergleich zu treffen, sie selbst aber gewann dadurch auch die Zeit, mit den Vorstehern der Ratsstellen die Beschaffenheit und Wichtigkeit der betreffenden Sache in genauere Erwägung zu ziehen; ja die Erzherzogin schlug in vielen Fällen selbst die Bücher der Rechtsgelehrten auf, um sich daraus Rats zu erholen und ein eigenes Urteil zu bilden, was in dem gegebenen Falle zu tun oder zu lassen sei.***) „Solcher Fleiß Elisabethae — schreibt Wagner-Lanz — der mit gleicher Erfahrenheit vergesellschaftet, war den Ratsbeamten ein mächtiger Antrieb, auch ihren eigenen Fleiß und ihre eigenen Kräfte anzuspannen. Deren Einer, als man ihm einmal bei einer prächtigen Tafel sitzend, den Befehl überbrachte, nach zwei Stunden sich bei Hofe einznfinden, augenblicklich von der Tafel aufgestanden und den Freunden, die ihn gebeten, nur ein wenig noch zu verziehen, zur Antwort gegeben: „Ich weiß, wohin und welcher Ursache wegen ich zu gehen habe, zu jener Frau nämlich, welche, da sie Fragen stellt, mit Einwürfen begegnet und den Grund der Sache zu durchlesen verlanget, damit ich also mit der Beantwortung zufriedenstelle, ist mir eine geraume reifliche Vorbereitung erforderlich."****) *) Zedler 1. c. pag. 247. **) Leben und Tugenden. .. pag. 122. ***) Ebenda pag. 130. **") Ebenda pag. 134 f. Öfters stellte sie mit den Richtern die dahingehende Beratung an, wie die Rechtshändel im kurzen Wege zu schlichten mären (via Juris summaria), was im allgemeinen Wunsche der Bevölkerung gelegen sei; auch trug sie den Richtern strenge auf, die Unbestechlichkeit zu wahren, und die „Herzen von ungeordneten Neigungen frei zu halten," die den streitenden Teilen höchst beschwerlichen Aufschübe abzukürzen und die verdrießlichen Borwände der Advokaten abzulehnen!*) Mußte in peinlichen Gerichtsverhandlungen der irdischen Gerechtigkeit unbedingt der freie Lauf gelassen werden, so verordnete die Regentin wenigstens eine mildere Todesstrafe ohne Peinigung. Ihr wahrhaft erhabener, von ihrer reinsten Nächstenliebe getragener Sinn leuchtet aber ganz besonders ans der Tatsache hervor, daß sie dem allgemeinen Wahne, als seien die Blntöfrennde und Verwandten zum Tode verurteilter Personen gleichfalls für unehrlich zu halten, damit die Spitze abbrach, daß sie den Bruder eines Hingerichteten in eine ehrliche Amtsstelle einsetzte.**) Gin Ausfluß ihrer reinsten Nächstenliebe war es auch, daß sie cs sich fast täglich angelegen sein ließ, wenigstens mit Almosen das Elend derjenigen zu lindern, die in den öffentlichen Kerkern im Eisen schmachteten, und sie berief den Priester, dem cs von Amts wegen oblag, die Kerker zu besuchen und die Gefangenen zu trösten und jene Matrone, die dies aus Antrieb christlicher Liebe übernommen, zu sich, um von diesen beiden zu erkundigen, welche Anzahl Gefangene sich in den Kerkern befinde, welcher Art ihre Verbrechen, wie lange sie angehalten und ob nicht die Untersuchungen durch die Richter unbillig hinausgeschoben würden, sowie ob unter den gefangen Gehaltenen nicht welche seien, die man aus finstern und greulichen Gefängnissen in bessere überstellen könnte, was sie denn auch „nach Verständnis der Sache" mehrmals anbefahl.***) Für die zum Tode Ausgeführten verrichtete die Erzherzogin selbst ihre Gebete und forderte durch ihr Beispiel auch die Umgebung auf, ja sie erkaufte auch durch Almosen das Gebet der Armen, „auf daß diese auch dem Sterbenden die letzte Gnade wahrer Buße von dem lieben Gott erbitten sollten".****) *) Ebenda 1. c. **) Ebenda pag. 136. ***) Ebenda pag. 73. *"") Ebenda 1. c. Ihre Sorgfalt für Hebung der Moralität in der Bevölkerung betätigte sie, wie tut allgemeinen durch alle von ihrer Weisheit und Güte getroffenen Maßregeln, insbefonders durch die Errichtung von zwei Häusern in Brüssel, die auf ihre Kosten hergestellt wurden. Erstmals ein großes und weites Haus ließ sie erbauen „auf daß die müßigen, ohne Unterhalt herumstreifenden Straßeu-bettlcr daselbst zur Arbeit angehalten und durch fleißiges Handwerk das Brod zu verdienen und das Leben ehrlich zu fristen sich angewöhnen sollten". Nebst den Unkosten für den Bau dieses einen Rettnngshanses steuerte die Regentin für die Erhaltung desselben und den Unterhalt der Insassen jährlich die Summe von 10.000 fl. Große Summen bestimmte sic für die Erhaltung eines zweiten Rettungshauses. Es war dies das Hans zum hl. Kreuz, in welches „meistenteils unverschämte Weibsbilder, die aus dem Schlamm der Sünden herausgezogen", interniert wurden, um da Buße zu tun und dann einen ehrbaren Lebenswandel führen zu können.*) Ihre Gerechtigkeit und Milde, die sie als Regentin allerwegen geübt, sie kamen versinnbildel auf die Nachwelt in der Denkmünze, die ihr zu Ehren angefertigt worden und auf welcher die Sonne zwischen der Wage und dem Löwen zu sehen mit der Inschrift: Fovtem inter justumque suaviler arilet (Sie leuchtet angenehm zwischen der Stärke und der Gerechtigkeit).**) Den Armen und Bedrängten war Erzherzogin Elisabeth in allen Lebenslagen und Verhältnissen ihr Leben lang eine stets hilfsbereite Trösterin und Helferin. Noch am Kaiserhofe zu Wien war sie schon, namentlich nach dem Hinscheiden ihrer kaiserlichen Mutter, „der an Guttätigkeit wenige ans Erden gleich gekommen", ein coeur (Fange pav excellencc. Wenn sie des morgens oder abends zum Gottesdienst in die Kapelle des hl. I'averins sich verfügte, war sie jederzeit von einer solchen Menge von Bedürftigen umringt, daß man endlich die Türen verschlossen halten mußte, welche den Eintritt in die Burg vermittelten. Als bei ihrem Abschiede ans Wien die Stände des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns der Erzherzogin ein namhaftes Geschenk, das übliche ständische Präsent dargereicht, verteilte sie dasselbe unter die Hausgenossen, besonders an jene, die Schulden hatten, oder an die Frauen des *) Ebenba pag. 70 f. **) Ebenda pag. lüti, Hofstaates, die wegen fehlender Mittel die Regentin nicht in die Niederlande hätten begleiten können. Als sie die Regierung angetreten, war sie insbesonders stets unermüdlich in Erteilung ooii Audienzen an die ihre Hilfe Heischenden. Es geschah dies gewöhnlich nach Aufhebung der Tafel. Diese ihre große Leutseligkeit erfüllte die Armen und Elenden mit solchem Mut, daß sie die Türen zu ihren Gemächern belagerten und unter einander stritten, mit vorzukommen; ja oft wurde die Erzherzogin von den ungestüm Vordringenden im Schlafe gestört. Die Leibärzte ermahnten Elisabeth öfters, sie sollte sich schonen und nach der Tafel ruhen, denn das Anhören nicht erfreulicher Dinge sei dem Körper hinderlich in der Verdauung, worauf sie zu erwidern pflegte: Das Verhandeln mit den Bedrängten, das andern vielleicht zur Unlust gereiche, sei ihr schon durch Gewohnheit angenehm und gereiche ihr zur Gemütsergötznng. Der Vorstellung, sic solle doch wenigstens einen Unterschied zwischen den Bittenden machen, denn in den Hansen derselben mengten sich nicht wenige ein, welche von bösem Ruf, von schlechtem Lebenswandel, von verschwenderischer Lebensführung u. s. w., die vielmehr bestraft als vorgelassen zu werden verdienten, entgegnete die Regentin: Diejenigen, die von Gott verlassen, seien destomehr der menschlichen Hilfe bedürftig, auf daß sie nicht von der Armut, die nicht selten eine Mutter der Laster ist, ganz und gar in den Abgrund hineingetrieben würden. Dem Einwürfe, es sei untunlich, allen ohne Unterschied einen guten Ausgang ihres Handels zu versprechen, oder ihnen allen mit Geld ausznhelfen, wozu die Schätze nicht ausreichen würden, antwortete Elisabeth: „lind wen» auch das Geld nicht ausreicht, warum sollte ich nicht wenigstens mit Trost und liebreichen Worten den Bedrängten begegnen; ich habe es erfahren, daß insofern sie sich mit mir nur besprechen und ihr Anliegen unterbreiten könne», sie alsdann mit größerem Mut zu ihren Beschäftigungen zurückkehren, mit welchen sie dann ehrlich ihr Leben hinbringen. So ich mich tausend mit solchen Trost von mir entlasse, wird doch hiedurch weder mein, noch der gemeine (Staats-) Säckel verletzt." Alle drei Monate legte sic ans ihrer Privatschatnlle eine Summe Geldes zur Seite und übergab dieselbe ihrer Kammerfrau; einmal geschah cs, daß schon nach Ausgang des ersten Monates der Armen-Säckcl erschöpft und nichts mehr zur Verteilung übrig war, worauf sie der Almosenier aufmerksam machte, daß sie mehr verteile, als sie im Vermögen habe. Da erwiderte die Regentin lächelnd, das; ihr Unvermögen den Willen, allen betzuspringen, weit übertreffe/'*) Was Elisabeth für die Kirchen und Klöster in den österreichischen Niederlanden getan, verzeichnen die Chronisten derselben mit goldenen Lettern und es würde zu weit führen, sich hier darüber in alle Details einzulassen. Einer hervorragenden Gründung dieser Art sei hier besonders gedacht. Den von Kaiser Karls V. ausgezeichneter Schwester, der heldenmütigen Königin Maria von Ungarn als Regentin der Niederlande in Hcnegan angelegten reizenden, nach der Schöpferin benannten Ort Marie Mont, dessen Schloß von den Franzosen im 17. Jahrhunderte in Asche gelegt, später wieder ans dein Steinhaufen mit neuer Pracht in die Höhe gestiegen, liebte Erzherzogin Elisabeth vorzüglich als huen re lim. Und hier hat die fromme Habsburgerin „ein herrliches Denkmal ihrer Gottseligkeit hinterlassen", nämlich eine Kirche, die der Himmelfahrt Mariens gewidmet und in der Art und Gestalt der St. Peterskirche zit Wien aufgeführt ist, die man unter die prächtigsten Gotteshäuser der Kaiserstadt zählen muß. Diese neue Gründung wurde von dem päpstlichen Nuntius in Brüssel und Erzbischof zu Nikodemia am 2. August 1739 mit feierlichem Gepränge geweiht/*) In der Zeit ihrer Regentschaft wurde das Englische Fränlein-stift und der Orden der Dominikanerinnen ans Irland in Brüssel eingeführt. Letzteren waren anfänglich von amtlicher Seite betreffs der Ansiedelung Schwierigkeiten gemacht worden, doch die Regentin erbat die Erlaubnis eigens von ihrem kaiserlichen Bruder in Wien; wie sie auch von Brüssel ans in ihrer Eigenschaft als Protesten» des adeligen Fränleinstiftes von Hall in Tirol dieses gegen eine im Zuge gewesene „Untersuchung der Aufrichtung, Satzungen und Gebräuche dieses königlichen Stiftes" seitens der weltlichen Behörden durch eine nachdrückliche Bittschrift an den Kaiser derart zu schützen wußte, „daß die beabsichtigte Untersuchung alsogleich aufgehoben und die löblichen Verordnungen der Voreltern unangetastet und aufrecht erhalten blieben."***) Die Erzherzogin-Regentin führte in Brüssel die Frohnleich-nams- und Anferstehnngsprozessionen ein, gleichwie sie *) Leben und Tugenden .. . pag. 50 ff. *") Ebenda pag. 68. "*) Ebenda pag. 80 ff. auch, solange es ihr Gesundheitszustand zuließ, am Gründonnerstag die Fnßwaschnng der A r in e n vornahm.*) Trotzdem sic mit einem in den Niederlanden herrschenden Gebrauche, die Verquickung von AndachtSübungen mit Auszügen, „wobei verstellte wilde Tiere, als Löwen, Tiger, Krokodile auf hohen Bühnen herumgetragen wurden", nicht einverstanden war, gab sie doch den Vorstellungen des Ordinarius, des Erzbischofs vonMecheln, nach, daß man einen so uralten, von Mannsgedanken her üblichen Gebrauch ohne Unlust und einiger Bewegung des Volkes nicht aufgeben könne", und fand den Mittelweg darin, daß sie bei diesen Bittgängen nur so lange gegenwärtig blieb, bis das Hochwürdigste Gut an seinen Ort zurückgestellt war, und erst nachher den althergebrachten Umzug zu Roß und zu M mit Herumtragen der genannten Tierimitationen gestattete. Unter der weisen Regierung der Erzherzogin erfreuten sich die österreichischen Niederlande eines stete» Friedens, was dem durch schier zweihundertjährige Kriege und innere Unruhen arg verwüstet gewesenem Lande -wie ihr Biograph sich ausdrückt — „neu und ungewöhnlich erschien" ; eine Folge dieser Ruhe von außen und im Innern war das Aufblühen von Handel und Wandel; Städte und Märkte wuchsen, Straßen wurden erweitert, zur Bequemlichkeit der Reisenden gepflastert und an den Wegen schattige Alleen angelegt; der „gemeine Mann" konnte seine Acker sicher bestellen und „mit doppelter Blüte und Frucht das hereinbringen, was Kriegs-flalumen und Feindesstreit früher verheert hatten". * * * Ihre Lebensweise war eine sehr einfache. Sie bediente sich mit Vorliebe nur einer einfachen Kost und vermied die verfeinerten Speisen n»d das weiße Brot. Sie trank gekochtes Zinnnetwasser und zum Schliche der Tafel nur einen einzigen Becher Weins. Immer ging ihr das Geschäft vor und selten konnte sie das bereitete Mittagmahl zur bestimmten Zeit einnehmen, „also, daß gemeiniglich die aufgetragenen Speisen erkaltet waren und auf untergesetzten Glutpfannen aufgewärmt werden mußten". Abends nahm sie mit Vorliebe Schokolade, von der sie sich jedoch an Fasttagen enthielt, wo dann nur eine Fastensuppe und ein gekochtes Ei ihr Nachtmahl bildeten. *) Ebenda pag. 147. Ihre vorzüglichste „Ergötzlichkeit" bestand in dein Jagd-vergnügen nnd da ganz vornehmlich an der Hirsch und Wildschweinjagd. Mußte sie dabei öfters mehrere Stunden unter dem Zelt warten, bis endlich ein Wild ans dem dichten Gebüsch gegen die Plachen zum Vorschein kam, so war sic darüber durchaus nicht verdrießlich, sondern brachte die Zeit mit Nachdenken oder im Gespräche mit ihrer Obersthofmeisterin zu. Zur Reiherbeitzc, die bei den Niederländern in größerem Schwünge war, verfügte sie sich in späteren Jahren nur mehr, mit die frische Luft besser genießen zu können und zwar deshalb, weil ihr Augenlicht im Abnehmen begriffen war. Wie in allen Dingen offenbarte sich aber bei Elisabeth auch ans den Jagden die Milde ihres Wesens im schönsten'Lichte. Wenn man z. B. auf den Hirsch- und Wildschweinjagden ab und zu „ohne nur einen Schatten von einem Hirschen oder Wildschwein zu sehen" abziehen mußte, so war die Erzherzogin-Regentin weit entfernt, IMust zu zeigen oder die Jäger wegen ihrer Unwissenheit oder Unlust zu tadeln, und sie enthielt sich dieser Jagden gänzlich in der Zeit, da der Landmann seine Ernte einzubringen hatte, gleichwie sie bei der Reihcrbeihe, wenn ein eingefallener Regen die Erde erweicht hatte, den Falkenmeistern untersagte, durch öfteres Hin-nnd Herreiten den Wiesen nnd Ackern Schaden zuzufügen, wenn auch diese Gründe im Eigentum des Landesfürsten gelegen nnd nur um einen geringen Betrag ansgelehnt waren.*) Ihren starken Geist nnd ihr unbedingtes Gottvertrancn bewies sie aber, wie im allgemeinen, so besonders bei dem tieftraurigen Ereignisse des großen, vernichtenden Brandes der königlichen Burg zu Brüssel. Im Jahre 1731 entstand zur Winters- und Nachtzeit Feuer in der Antikamera, aller Mutmaßung nach, durch Überheiznng des Kamins. Alles im Schlosse lag im tiefen Schlafe, nur die Erzhcr-zogin-Regentin war, wie sie sagte „auf Ermahnung ihres Schnhengels außer Schlaf nnd munter geblieben". Sic war auch die erste, die den Brandgeruch verspürte, die Kammerfrau weckte, die dann den Flammenherd entdeckte nnd in das Schlafzimmer der Erzherzogin zurücklaufend, zur eiligen Flucht ans der arg drohenden Gefahr mahnte. Die Erzherzogin aber trieb die Kammerfrau an, durch Rufen *) Leben und Tugenden . . . pag. 152 ff. die Hausgenossen zu wecken, und sie selbst begab sich nur ganz leicht gekleidet, von dein Betstühle das B i l d d c s Gekreuzigten mit sich nehmend, in die Schloßkapclle, um da das begonnene Gebet fortzusetzen. Hier fand die Obersthofmeisterin Gräfin von Ilhlefeld ihre Fürstin im Gebete und war voll des Schreckens auch hier noch die Erzherzogin in der größten Gefahr zu sehen, da das wütende Feuer sich auch schon der Kapelle näherte. Erst der dringenden Bitte der Gräfin leistete Elisabeth Folge und begab sich, von einigen Bedienten gefolgt, zunächst in das Haus des Oberststattmeisters Rn-beinprc und darauf in das entlegener befindliche Oranische Haus, das der erste Hofminister Graf Viscorti bewohnte, wo sic sodann den Rest der Trauernacht auf der Erde liegend zubrachte, nachdem das in der Eile für sie aufgeschlagene Bett aus den Fugen gewichen war. Da keine genügenden Löschwerkzeuge vorhanden waren und die drängende Volksmenge die zum Löschen getroffenen Anordnungen mehr hinderte als förderte, war gar bald „dieser uralte Palast der Herzoge von Brabant gänzlich in Brand gesetzt, die ganze Burg samt dein Kirchendach in wenig Stunden in Asche gelegt, drei Personen erbärmlich beschädigt, ein Weibsbild durch einen unglücklichen Sprung vom Fenster herab ans der Stelle Todes verblichen, und was das Bedauerlichste war, der Gräfin Ilhlefeld einzige und auserlesenste Fräulein Tochter von dem Feuer elendiglich gebrennt und bald hernach gestorben". Als der Erzherzogiu Beichtvaterzu ihr geeilt kain, „fand er Elisabeth nichts minder denn verwirrt, bestürzct oder weheklagend, sondern mußte vielmehr sehen, wie sie jenen mit Trostworten zuvorkam", die sie zu trösten beflissen sich zeigten. Sic wiederholte mehrmals: „Der Herr hat es gegeben, er hat es wieder hinweggenommen, die Hand des Herrn ist auch damals zu küssen, da sie uns herbe Streiche versetzt." Da aber die Leibärzte die Befürchtung hegten, daß ihr Körper durch den ausgestandenen Schrecken Schaden gelitten, drangen sie in die Erzherzogin, sich eine Ader öffnen zu lassen, „allein sie wollte lange darein nicht willigen, weil sie, ihrem Vorgeben nach, sich weder am Leib noch Gemüt krank zu sein vermerke, doch mußte sic endlich sich darein ergeben, nachdem die Aerzte nicht soviel mit Bitten als fast mit Befehl an sic gedrungen." „Die gefrässigc» Feuersflainineu hatten innerhalb wenig Stunden alles aufgezehrt, was nur bei Hof Kostbares zu finden und Zierliches zu sehen war", der Schmuck, das königliche Haus- gerate, die Tapeten „von großer Kunst und Kostbarkeit", der Bücher saal, die Gemälde, Nippsachen usw. und die Garderobe der Erzherzogin, der kein Kleid übrig geblieben und die sich nun fremder und entlehnter bedienen mußte. Nichts aber fiel der frommen und kunstsinnigen Fürstin schwerer auss Herz bei dem Verluste all dieser Dinge als die Vernichtung „von Heiligtümern, welche sie wegen gottseligen Angedenken der Auserwählten in hohem Wert gehalten", wie nicht minder der Verlust von Büchern und jener großen Bilder „w e l ch e d i e k u n st r e i ch e H a n d des niederländischen großen Künstlers Rnberü (Rubens) verfertiget hatte". Auch dieses Ereignis aber, bei dem sie aller Schätze verlustig geworden, bot ihr nur wieder den Anlaß, ihren hohen Wohltätigkeitssinn zu üben und den Verlust, den durch dieses Unglück ihre Umgebung erlitten, wettzumachen. Der Kaiser hatte seine Frau Schwester mit einem Geschenk von 100.000 fl. bedacht, wovon sie jedoch nur soviel für sich verwendete, als die höchste Not erforderte, den größten Teil aber ihren Leuten zuwandte; auch die kostbarsten Edelsteine, deren man nicht wenige aus der Asche hervorgeholt, trugen dazu bei, den erlittenen Verlust etwas wett zu machen.*) Obschon die Land-Stände von Brabant gleich nach dem Brande des Königsschlosses den Beschluß gefaßt hatten, den Regenten ans ihrem eigenen Säckel eine neue würdige Residenz zu erbauen „so ist" — sagt Wagner — „solches Vorhaben, weiß nicht, was Ursach wegen, wiederum zu Wasser worden",**) und die Erzherzogin-Rcgentin blieb auf das Orangische Hans, als ihr Wohnhaus, angewiesen, dessen Beschaffenheit ihr „manche Gelegenheit zum Leiden und zur Geduld au in die Hand gab." War aber das Brandunglück höchst betrübend für Elisabeth, „so war doch" — wie ihr Biograph sich ausdrückte — „ein noch weit stärkerer Mauerbrecher die Standhaftigkeit, unserer Heldin z» schwächen, der unversehen angekündete Tode des .Kaisers, ihres Herrn Bruders." ***) Am 16. Oktober 1740 war Kaiser Karl VI. auf dem Lust- und Jagdschlösse Halbthurn unterhalb ÖdenburgS (in Ungarn), „allwo sich die Kaiserliche Majestät wenigstens einmal im Jahre mit der Jagd zu divertieren und einige Tage daselbst zu verbleiben" pflegte****), *) Ebenda pag. Mil ff. **) Ebenda pag. 169. ***) Ebenda pag. 171. ••»#) c^elbretteK 1. c., pag. 848. durch eine Erkältung des Magens und das in den Leib zurückgetretene Podagra plötzlich erkrankt ft) und war vier Tage danach, am 20. Oktober, bereits eine Leiche. Es war allgemein bekannt, wie sich insbesondere die hohen Geschwister liebten, und speziell, welche innige Neigung Elisabeth für ihren kaiserlichen Bruder empfand. Es wurde daher für ratsam gehalten, der Erzherzogin die Knude von dem Todesfälle durch ihren Beichtvater zukommen zu lasse». Als dieser nun bei ihr vorgelassen worden, machte er den Eingang seiner Rede mit den Worten: „Sie wolle sich nicht zu fest (sehr) betrüben, insoserne sie eine nnlnstige Zeitung vernehmen würde." Sie sagte: „Die lätztens angelangten Briefe haben mit sich gebracht, daß dem Kaiser, ihrem Herrn Bruder, eine Unpäßlichkeit zugestoßen, und habe sich sodann von Halbthnrn nach Wien zurückbegeben, scheine auch hieraus nichts größeres zu befürchten." „Weit traurigere Zeitung," versetzte der Beichtvater, „ist eingetroffen, denn der Kaiser hüt wirklich das Zeitliche gesegnet." Die Erzherzogin fiel in ihrem Sessel zurück und blieb eine zeitlang stumm und starr und konnte ob der Heftigkeit des Schmerzes weder ein Wort hervorbringen, noch eine Träne vergießen; erst später, „gleich als ob sie die Last von Unheil vor Angen hätte, die dem ganzen Europa und ihrem durchlauchtigsten Erzhanse bevorstunden, hat sie den ans dem Innersten des Herzens geschöpften Seufzern freien Lauf gelassen."*) Krankheit und Tod. Ihre Ergebung in den göttlichen Willen betätigte Erzherzogin Elisabeth am Nachhaltigsten und Demütigsten in den letzten Jahren ihres Lebens, als sie mehr und mehr von körperlichen Leiden heimgesucht wurde; die Sehkraft war in rascher Abnahme begriffen, lästige Hustenanfälle, Rotlauf, Schwindel zuletzt ein schweres Kehlkopfleiden und die Bildung von Gallensteinen beschwerten die fromme Dulderin, die trotzdem unentwegt all die Geschäfte einer Regentin mit allem Ileiße erledigte, in unausgesetzter Reihenfolge bis an ihr Ende. Als ihre Kräfte allmählig einen sichtbaren Verfall wiesen, war die Meinung der Leibärzte, es würde zur Stärkung des ge- tt) beschichte der Merdurchlauchtigsten Maria Theresia Kaiserin-Königin • • • Frankfurt und Leipzig 174», pag. 14. *) Leben und Tugenden . . . pag. 171 f. schwächten Körpers nichts heilsamer sein, als eine Luftveränderung »nd cs „schiene auch nirgends ein so gelinder und günstiger Himmel 311 sein, als in dein königlichen Schloß Maria Mont, von dessen Höfe man mit freiem Auge die flachen Felder des Hennegan übersieht nnd das ein von Wäldlein und Gärten annehmlicher, von heilsamen Wasser sehr gesunder Crt ist."*) So erfolgte denn am 24. des Henmonds 1741 die Abreise von Brüssel nach Maria Mont. Die Erzherzogin-Regentin fühlte dann volle 16 Tage eine auflast lende Besserung in ihrem Befinden. Spaziergänge in dem Garten nnd „den in langer Reihe offenstehende Lustwegen," Besuche des nahegelegenen Sanerbrnnnen, den Leibarzt Villerins ans Löwen „auf Gewicht nnd Eigenschaft" „reiffer untersucht" hatte, auch gar ein paar Iagdansflüge wechselten mit frommen Gängen nach dem auf dem nächsten Bühel gelegenen Marianischen Kirchlein nnd zu dem Franziskanerkloster in Binche (2. Anglist) nnd mit Erledigung von Staatsgeschäften: mich erhielt die Erzherzogin zahlreiche Besuche von Adeligen ans der Nachbarschaft. Doch die Hoffnung war leider nur eine eitle; am 14. August befiel die Erzherzogin „Engbrüstigkeit nnd Fieberkälte", nachdem sie einen Tag sich besser befunden, zeigte sich Rotlauf am rechten Fuße und Beschwerden im Atem; auch stellte sich rascher Kräfte-verfall ein. Ihr erster Hofminister Gras Harrach berief nun, nachdem die Leibärzte wie Lebzelter, Triev nnd Mandalier ihr Möglichstes getan, noch zwei Leibärzte ans Löwen, die beim Konsilium übereinstimmend mit den Vorgenannten der Meinung waren, „das scharfe ungesunde Wesen des Rotlaufs habe sich von den äußern Teilen gar zu geschwind in die inneren zurückgezogen, was ans dem aufgeschwollenen Magen genug abzunehmen wäre". Ant 25. August setzten die Pnlsschläge ans, der Leibarzt N. von Lebzelter kündete jetzt dem Beichtvater die nahe nnd gewisse Todesgefahr an und letzterer bereitete die in den Wille» des Allmächtigen voll ergebene Fürstin durch Vorlesung des Spruches des hl. Gregort „Der Herr klopfet an" auf das nahende Ende vor. worauf Elisabeth erwiderte: „Wie gering »nd wenig ist das Gute, so ich gewirtet, doch getröste ich mich, Gott werde nach seiner Güte krönen seine eigenen Barmherzigkeiten, die er an mir getan hat".**) Die Erzherzogin empfing die *) Lebe» uiib Tugenden. . . pag. 200 ff. **) Ebenda pag. 206. Sterbesakramente am 25. August uud verschied gauz ruhig am 26. August nach Mitternacht, „als wollte sie sauft einschlafen, hat sie ohne einige Krümmung der Spannadern oder gewaltsamer Verdrehung ihre kostbare Seele in die Hände GotteS, ihres Schöpfers, aufgegeben".*) Die Bewohner von Brüssel, denen kurz zuvor die erfreuliche sJlachrid)t von anscheinender Genesung überbracht worden war, wollten lange nicht der von ihrem Tod „nunmehr erschallenden Zeitung" Glauben schenken, welche, als sie „aller Orten ruchbar" worden, die gesamten österreichischen Niederlande „wegen Verlust einer so geliebten Fürstin in äußerste, gar nicht verstellte Bestürzung gesetzt"**.) Die Sezierung des Leichnams ergab, daß fast kein inneres Organ gesund war. Nebst sehr großen und verhärteten Drüsen im Halse waren beide Teile der Lungen voll Geschwüren „unterhalb derselben befanden sich einige mit einer eiterigen scharfen Flüssigkeit angefüllte Knoppern" in der linken Höhlung des Herzens war „ein harter und fleischichter Auswuchs" oder Polypus in Größe einer Nuß, doch nicht angewachsen, der andere hingegen, der sich in der rechten Höhlung vorfand, war kleiner doch angewachsen": der Unterleib war durch den Satz- einer ausgetretenen schwarzen Galle sehr ausgedehnt, die Leber angeschwollen und verhärtet, in der Gallenblase fanden sich zwei kleine, nußähnliche Steine, die Milz war stark verhärtet, dies waren — heißt es schließlich — in Wahrheit genügsame Ursachen des Todes."***) Nachdem der Leichnam in Marie Moiti noch einbalsamiert worden, wurde er nach Brüssel überführt, hier auf dem Paradebett mit zu Seiten beigelegten erzherzoglichen Ehrenzeichen ausgesetzt, „welchen zu sehen und ihrem gottseligen Geist die ewige Ruhe anzuwünschen sich alles Volk unter vielen Tränen eingefuuden". In der Nacht fand dann die Beisetzung der Erzherzogin in der Kirche St. Michaelis und Gudulan neben den .Gebeinen Isabellae, Elarae, Eugeniae »nd des Erzherzogs Albrecht statt. Sie hatte tzwar zu Lebzeiten gewünscht und niedergeschrieben, in der Kapuzinerkirche zu Wien beigesetzt zu werden und zwar zu den Füßen ihrer Kaiserlichen Eltern, „doch wegen der aller Orten *) Ebenda pag. 209. **) Ebenda 1. c. *") Ebenda pag, 810 f. ausbrechenden Kriege" konnte diesem ihrem Wunsche vorläufig nicht entsprochen werden. Am 7. Tag des Weinmonates wurde in der genannten Hauptkirche zu Brüssel über Anordnung des ihr in der Regentschaft der Niederlande gefolgten Grafen Har rach das feierliche Traueranit für die Erzherzogin - Regentin gehalten, doch ohne die sonst übliche Leichenrede, welche Elisabeth in ihrer tiefen Demut sich ausdrücklich verboten hatte. Ihre tiefbetrübte Nichte, Kaiserin MariaTheresia veranstaltete zu Preßbnrg in der Domkirche ein solennes Requiem zn ihrem frommen Gedenken. Nachdem am 18. Oktober 1748 zu Aachen der Friede ge- schlossen war, erfüllte man der Dahingeschiedenen in ihrem Testamente ausgesprochenes Verlangen nach der Beisetzung ihres Leichnams in der „Kapuzinergrnft", und es geschah die Überführung desselben im Frühlinge des nächsten Jahres; am 24. April 1740 nahmen die Kapuziner am Neuen Warft zu Wien den Leichnam der Erzherzogin Elisabeth und zugleich denjenigen der 1744 (10. Dezember) zu Brüssel verstorbenen Erzherzogin Mari a A n n a in Empfang.*) * * * Erzherzogin Elisabeth, die von ihrem Vater, Kaiser Leopold „den reifen Verstand und das Urteil, von der Mutter, der Kaiserin Eleonore, die ausgezeichnete Frömmigkeit und alle christlichen Tugenden geerbt," hatte die Worte ihres sterbenden VaterS: „Du, meine Tochter! wirst einstens Unserem Kaiserlichen Namen und Stamme zu großer Ehre und Zierde sein" in vollstem Umfange bewahrheitet. Die kaiserlichen Niederländer, durch ihren Tod in die größte Bestürzung versetzt, riefen es einstimmig aus, „daß sie an Weisheit und Tugend allen Frauen vorzuziehen sei," gleichwie sie „die Liebe zn ihr nicht so fest (sehr) als zu ihrer Frau dann (denn) als zu ihrer Mutter" im Herzen getragen!**) *) Ebenda pag. 213 s. **) Ebenda pag. 142. ttfott jnMinöisch-Wräh. Eine Studie von P. o. Ua dir s. Wien 18!)4. Verlag der Österreichisch-Ungarischen Nenne. XVII!. lvIIdrn,»a>i»n«Nr 6. Eine Studie von M. V. Uadics. wir» 1894. tier tng der ©|tcrvrirl)isrij-11 ngartsrij111 tUuur. XVIII. Will>k»ma»»na|se 6. Separatabdruck aus der „Üsterr.-Uugar. Revue", Band 15, Heft Band 16, Heft 1 und 2. K. u. f. Hosbuchdruckerei (Eavl fttomittc in Wien. ilir Fürsten nt Windisch-Grätz. Eine Studie von P. v. Badtr». Laibach. „Aus Blut und Mark der wack'ren Ahnen Wie Rausche» ihrer Sicgcssahue» Vernehmet hier der Geister Mahnen —“ schließt der deutsche Sänger Hermann Lingg seinen herrlichen Weihe-sang „An Österreich", den wir dem unvergleichlichen Hausbuche österreichischer Patrioten, desAllnn Reichsfreiherrn von Tcuffcn-bach „Vaterländischem Ehrcnbuche", vorangestellt finden. Wie dieses hehre Ausklingen des erhebenden Meistersanges der Gesammtheit der Edelsten und Besten aus Österreichs Söhnen gilt, die durch die Jahrhunderte her als „große Zeitgenossen", „in That und Wort", „in allein Tapf'rcn, allem Weisen, in allen Kunst- und Wisscnskrcijcu" in die Zukunft ragen und vereint Österreichs weite Rnhmeshallc füllen, so können wir dasselbe, es auf einzelne anwendend, gewiss auch mit Fug und Recht an das Thorschild schreiben zu Häupten des Einganges in den Ehrcnsaal des Hauses Win bisch-Grätz. Wenn man die Geschichte des Geschlechtes der Herren und Freiherren, Grasen und Fürsten zu Windisch-Grätz auch nur mit flüchtigen Blicken überschaut, so ragen aus der Fülle markiger Recken voll Adel der Geburt, aber auch voll Adel des Geistes einzelne Gestalten gan' besonders hervor, welche als Staatsmänner im Rathe der Krone, im Dienste des obersten Kriegsherrn als Heldenführcr und Helden, als Männer der Wissenschaft und Gönner und Förderer derselben in denkwürdiger Weise gewirkt und wiederholt durch Wort und Thal entscheidend eingegriffen haben. Die hervorragendsten Staatsmänner, welche dem Vaterlande aus diesem Fürstenhause in früherer Epoche erstanden, sind: Graf Göttlich. Gras Ernst Friedrich, Gras Leopold Victvrin und Fcld-marschall Fürst Alfred Candidus, und die Gegenwart blickt mit gerechtfertigtem Vertrauen aus des letzteren Enkel Fürsten Alfred III. zu Windisch-Grätz. In der Kriegsgeschichte Österreichs glänzen als illustre Vertreter dieses domi militiaeque ruhmbekränzten Geschlechtes die Grafen Ferdinand Hartwig, Franz Johann Balthasar, die Fürsten Alfred Candidus, Alfred August, Karl Bincenz, Hugo Alfred, Ludwig Josef u. a., „deren Verdienste um Kaiser und Reich umso rückhaltloser anerkannt werden müssen, als sie nicht selten mit empfindlichen Opfern verbunden waren", in dieser Richtung obenan Fcld-marschall Fürst Alfred Candidus, „dem wahrlich eine Römer-seele im Busen wohnte", da er, trotzdem ihm beim Aufstande in Prag seine Gemahlin Marie Eleonore durch Aufständische erschossen und sein Sohn im Kampfe wider dieselben verwundet worden war, mit kräftiger Hand der zur Anarchie ausgearteten freiheitlichen Bewegung in Wien ein Ende bereitete. Was Kunst und Wissenschaften anbelangt, waren die Windisch-Grätz stets auch Gönner und Förderer derselben, „indem sic immer die ideale Bedeutung und zugleich den praktischen Wert dieser hohen Güter der Menschheit zu schätzen wussten" und wissen, und einzelne Mitglieder des erlauchten Hauses erscheinen selbst in der Gilde der Gelehrten, so u. a. der ebenso originelle als geistvolle Cavalier Graf Josef Niklas, der sich auch als bedeutender Schriftsteller bethätigte, während wir heute dessen Urenkel Fürsten Alfred III., den gegenwärtigen österreichischen Ministerpräsidenten, die akademische Würde eines Doctors sämmtlicher Rechte bekleiden sehen. Ja auch die Kunst und zwar die Kunst poetischer Darstellung in der Schrift weist einen nicht unbedeutenden Jünger auf aus den Reihen dieses Hauses im Grafen Gvttlieb, der ans seinen Jugendtagen eine stattliche Sammlung von Poesien hinterließ, welche ein kostbares Mannscript des Familien archivs zu Tachau bilden. Und wie die Männer in der thpcnrcichcn Gallerte des Hauses vielfach hervorleuchten, so zeigt auch die Franenseitc derselben eine Anzahl durch ihre glänzenden Eigenschaften in hohem Grade denk- würdiger (Gestalten; die denkwürdigste ist jene Gräfin Josefa, geborene Gräfin Erdvdy, die in den Überlieferungen aus ihren Tagen rühmendste Erwähnung gefunden, und welcher Kaiser Josef II. mit höchster Verehrung entgegentrat, und dann die schon erwähnte Fürstin Marie Eleonore, eine geborene Fürstin Schwarzenberg, die Gc-mahli» des Feldniarschalls Fürsten Alfred, mit deren Hingange die Armen Prags ein coeur d’ange allerersten Ranges verloren. Die Herren von Windisch-Grätz. Eine ulte Familicntradition, welche übrigens auch im Reichs-grafendiplom Kaiser Ferdinands I. de dato Wien, 24. November 1557 Ausnahme gefunden, bezeichnet als Urahnhcrrn des aus der gleichnamigen steiermärkischenLandsd)aft stammenden Fürstenhauses Windisch-Grätz den Weriant von Grcz, jüngsten Sohn des Markgrafen Ulrich von Kärnten und der Prinzessin Sophie, Sd-wester des Königs Ladislaus von Ungarn, iucld)c Ulrich, seiner Abkunft nach ein Sprosse des Dhnastcngcschlechtcs der Grafen von Wcimar-Orla-mündc-Jstrien, um das Jahr 1092 geheiratet hatte. Der steiermärkisch - slovenische Geschichtsschreiber Davvrin Terstenj ak bestreitet in einer eigenen Schrift') über den Ahnherrn des Hauses Windisch-Grätz, „Weriant de Greze”, die obige Annahme betreffs dessen Abstammung und kommt zu dein Schlüsse, dass der 1001 im Stiftungsbriefe des Bcnedictincrklosters St. Paul in Kärnten genannte Weriant de Greze nicht der Sohn des Ul rill) von Kärnten, aber auch nicht irgendein auswärtiger Adeliger, sondern ei» selbstständiger Dynast in der untersteierischcn Landschaft Windisch-Grätz gewesen sei. Dieser Weriant de Grcz erscheint dann nud) 1093 in einer Urkunde für das Stift St. Paul in Kärnten genannt, dein er in Gemeinschaft mit Poppo III., Markgrafen von Istrien, und mit anderen eine Schenkung macht.2) Wenige Jahre später begegnen wir einem Otto de Greze in einer Urkunde der Ridjarba von Spon-hcim-Lavan 1, Markgräfin von Istrien, als Zeugen (1112), wobei ') Weriand de Graz Zgodovinsko-rodoslavna rasprava .. V Celovci , Cap. V. es sich ebenfalls um eine Schenkung für das vorgenannte Kloster St. Paul handelt.') Als weitere Herren von Greze finden wir 1119 Bernhardus de Grcze „an der Spitze einer ansehnlichen Reihe von Trägern dieses Ramens",2) 1228 Heinricus de Grcze, Perengcru s de Greze u. a. Die in Windisch-Grätz (Windischgrätz) sesshaften Herren von Greze schrieben sich aber schon jetzt zur Unterscheidung von anderen Herren von Grcz nach dem Ortsnamen: „Herren von Windisch-Grätz". Aus diesen kaufte sich Herr Ulrich von Windisch-Grcze, der als Kammerherr der Herzogin Agnes von Meran, Gemahlin Herzog Friedrichs II., „des Streitbaren", von Österreich, ans deren Lnst-und Jagdschlösse Tobel bei Deutsch.Grätz (Graz, der heutigen Landeshauptstadt von Steiermark) um 1242 weilte, zu Algersdorf und in der Gegend von Thal bis Gösting an und wurde auf diese Art der Stammvater der mittelsteierischcn Linie des Hauses Windisch-Grätz?) Ein Wolfelinus de Windisch-Gracze kommt bald darauf als Zeuge in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Mariabrunn bei Landstraß in llntcrkrain vor (1250),4) und wenige Jahre später (1256) treffen wir einen Heinricus de (Windisch-)Grcz als Zeugen in einer durch Herzog Ulrich von Kärnten „ans dem Burgfricd unter dem Schlosse Mengospurch" (Mannsburg zwischen Laibach und Stadt Stein) ausgestellten Urkunde für das Kloster Victring in Kärnten?) Derselbe Herzog Ulrich von Kärnten hatte 1266 den Volkerns de (Windisch-)Grez als einen seiner Notare bei sich, als er (22. August) zu Krainburg (in Obcrkrain) eine Urkunde für das bayerische Bisthum Freisingcn fertigte, durch welche „die Kinder Dicmut und Konrad von Reutenbnrg" behufs besseren Fortkommens an das genannte Gotteshaus übergeben wurden.") Gegen das Ende des XIII. Jahrhunderts begegnen wir dem Ortolph von Windisch-Graez, als dessen Gegner schärfster Ton art sich der bekannte steiermärkische Reimchronist Ottokar von Horncck, sein Zeitgenosse, in seiner Reimchronik erwiesen hat, indem ') Schroll, Urkuudenbuch des Stiftes St. Paul, S. 21, >5ap. XV. -) Wurzbach, Biographisches Lexikon, Artikel „Windisch-Grnh". 3) Wurzbach, I. c. 4) Laudsch. Museum Rudolfinum iu Laibach (Landstraster Urkunden). 5) Vietriuger Copialbuch II, 366. *) Zah>i, Cod. dipl. Austr. Fris. I, 278, Nr. 258. er im 99. Capitel derselben eine Geschichte erzählt, dieser Ortolph von Windisch-Grätz habe über Anregung des von einem nnDcreii steierischen Ritter, dein Seifried von Mahrenberg, beleidigten Königs Pkemysl Ottokar von Böhmen die Gefangennehmung des Mahrenbergers behnfs Auslieferung des letzteren an den Böhmerkönig in Seene gesetzt, und bei dieser Erzählung sich in argen Anwürfen gegen Ortolph von Windisch-Grätz ergeht. Wie hinfällig es aber um diese Erzählung des Horneckers namentlich in ihrer Motivierung beschaffen, das hat der gründliche Forscher auf dem Gebiete der österreichischen Geschichte, Professor Dr. Alp ho ns Huber, in einer eigenen kritischen Arbeit: „Die steierische Reimchronik und das österreichische Interregnum"') mit gewohntem Scharfsinne dargethan, indem er, abgesehen von allem anderen, die chronologischen Unmöglichkeiten in dem Berichte der Reimchronik ansteckte, wodurch eben die ganze von Horneck beigebrachte Motivierung der durch König Ottokar von Böhmen wegen angeblicher Beleidigung durch den Mahrenberger angeordneten Gefangennahme des letzteren absolut hinfällig und als „Dichtung" des Neiinchronisteu nachgewiesen erscheint. Dieser Nachweis aber ist zugleich geeignet, die beigebrachten Anwürfe des Horneckers gegen Ortolph von Windisch-Grätz in ganz eigenem Lichte erscheinen zu lassen. Um dieselbe Zeit (1270), als Ortolph von Windisch-Grätz mit seinem jüngeren Bruder Friedrich urkundlich genannt erscheint, wird Hermann von Windisch-Grätz (1271) als vornehmer Bürger von (Deutsch-)Graz genannt,2) was nichts Ungewöhnliches, da ja im Mittelalter die Erwerbung des Bürgerrechtes durch Adelige nicht selten war. 1322 ist ein Friedrich von Windisch-Grätz „Ministeriale des Erzbischofs von Salzburg", derselbe, der dann (1330) als salzburgischer Vieedom (Statthalter) zu Leibnitz (in Steiermark) auftritt. Inzwischen fungiert ein Hermann von Windisch Grütz als Stadtrichter von Graz und Kvnrad I., von dem dann die ununterbrochene Stammesreihe der Generationen nachweisbar ist,3) in der Würde eines Landesverwesers, Stellvertreters des Landeshauptmannes von Steiermark (1323). ') Mittheilungen des Institutes für österreichische Geschichtsforschung, IV, S. 71 ff. 2) Graz, Geschichte und Topographie der Stadt und Umgebung. Von Fr. Jlwof und Karl F. Peters. Graz 1875, S. 90. ’) Wurz dach, I. c. Des Letztgenannte» Sohn aus erster Ehe Konrad 11. pflanzte das Geschlecht fort, und ihm überließen die Stiefbrüder Konrad III. und Niklas ihre nach der brüderlichen Theilung überkommenen Be sitzungen. Die Stellung und Bedeutung dcr Windisch Grätzer dieser Zeit in der Landeshauptstadt Graz brachte cs mit sich, dass sie sich in derselben häuslich niederließen, und so treffen wir in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, da auch andere reiche steiermärkische Adels familien, so die Wildvner, Liechtensteiner, Pettauer, schon in Graz Häuser besitzen, hier (1342) ein Haus der Windisch-Grätzcr.') Konrad I. aber, der, nebenbei bemerkt, auch „Bürger von Graz" gewesen, war seit 1339 urkundlich erwiesen nicht mehr am Leben. Nach Bereinigung der Windisch-Grazer Landschaft (in Untersteier) mit dem Herzogthume Steiermark selbst in den Tagen des „staat- bildenden" Herzogs Rudolf IV., „des Stifters" (13(13), verschwindet die Stamm- oder karantanisch-untersteierische Linie des Geschlechtes aus Windisch-Graz und Umgebung; sie taucht zwar später an anderen Orten wieder auf, ohne jedoch wesentlich auf die Geschichte des Hauses zu wirken, das von nun an fast ausschließlich durch die rasch auf- blühende mittelsteierische Linie repräsentiert wird. In der Jndcnschule (Synagoge) zu Graz, welche von den Landesfürsten, Ständen u. s. w. dazu benützt wurde, allgemeine Kundmachungen an alle in der Landeshauptstadt der Steiermark anwesenden Juden zu richten, ließen denn auch laut einer Urkunde de dato Wien, 13. März 1399 Reinprecht der Windisch Grätzer und sein Sohn Konrad ihre Schuldbriefe, welche sie eingelöst, „berufen", wogegen ihnen daselbst ein „Todtbrief" (Ungiltigkcits-erklärung) dieser Schuldbriefe ausgestellt wurde, welchem Todtbrief hinwieder Herzog Wilhelm von Österreich seine Bestätigung ertheilte. 2) Als Herzog Ernst der Eiserne von Österreich 1414 nach Palästina zog, da befand sich neben anderen Edlen (dem Liechten stein, Ncippcrg, Laun u. s. w.) auch Colman I. von Windisch-Grätz in dessen Gefolge, welcher daselbst sammt dem Landesfürstcn und anderen Adeligen aus Österreich zum Ritter des heiligen Grabes geschlagen wurde?) Dieser Herr Colman der Windisch Grätzer 5 Jlwof, I. o. S. 111. 2) Jlwof. 1. c. S. 116. 3) (kl, in ei, tfi(fd)id)te Kaiser Friedrichs IV., Bd. 1, S. 584. der zuerst mit Ursula von Teuffenbach, dauu mit Margareta vvu Montfort vermählt gewesen, starb 1434 und hinterließ seinen Söhnen Siegmund und Ruprecht, den Stiftern der beiden Haupt-linicn des Geschlechtes, ein bedeutendes Vermögen. Die sämmtlichen Glieder dieser beiden Linien wurden im XVI. Jahrhundert (1551) dem Reichssreiherrnstande mit dem Prädicat „zu Waldstein und im Thal" einverleibt, während der (1557) den Freiherr,! Erasmus und Pankraz (Söhnen Christophs I.) verliehene, beziehungsweise bestätigte Grafentitel sich nicht auf das ganze Geschlecht, sondern nur aus die Ruprecht'sche Linie erstreckte (der eben Erasmus und Pankraz angehörte».') Doch davon später des näheren. Jener vorgenannte Siegmund, der ältere Sohn Colmans I., erscheint 1436 als Begleiter Herzog Friedrichs (nachherigen Kaisers Friedrich III.) ans dem Zuge nach Palästina, wo er zum Ritter des heiligen Grabes geschlagen wurde;2) die von ihm gestiftete Linie des Hauses erlosch in unserem Jahrhundert (1828) mit dem Grafen Franz Josef, dessen Ehe mit Josefa Gräfin Jlleshüzp kinderlos geblieben. Dessen jüngerer Bruder Ruprecht der Windisch-Grätzer, der wie wir gesehen haben, gleich jenem von dem Vater ein bedeutendes Vermögen ererbt hatte, erwarb 1468 von Wilhelm von Bärnegg das schöne, in einem von der Matiir reichlich mit Reizen ausgestatteten Thale gelegene Schloss Waldstein in der oberen Steiermark, das dann bis 1630 im Besitze der Familie verblieb. Mit Adelheid von Wolfs* that vermählt, welche ihm vier Töchter und zwei Söhne schenkte, und deren Geschlcchtchvappen er nach dem Tode des letzten Wolfsthalcrs mit seinem Wappen vereinigte, ward er der Stifter der heute blühenden, im Jahre 1804, beziehungsweise 1822 gefürsteten jüngeren Linie des Hauses; sein zweitgeborener Sohn Colman II. pflanzte den Stamm dauernd fort. Zwei Söhne dieses Colmans II., Wolfgang und Andreas von Windisch-Grätz, fanden bei dem Bauernaufstände im Sulmthale (1516) bei dem Dorfe Haimschach ihren Tod; an der Stelle, wo sie ums Leben kamen, ward ein Kreuz mit dem Windisch-Grätz'schen Wappen als Sühndenkmal ausgerichtet, das noch heute zu sehen ist.3) 1) Wurzbach, 1. o. 2) Chmel. I. c. S. 581. 3) Wiirzbach, I. o. Es war dies eben in den Tagen, in denen die Windisch-Grätzer am Hofe des „letzten Ritters", Kaiser Maximilians L, gerne gesehene Gaste waren. Weist nns doch der „Frehdal", des Kaisers Ritter- und Turnierbuch, auf Blatt 64 eine Mummerei, an welcher Oswald von Windisch-Grätz zusammen mit Kleinhofer, Siegmund von Liechtenstein und Erhard von Dictrichstein theil nahm,') und 1515 geschieht bei dem in Wien anlässlich jener prunkvollen Doppelhochzeit der Enkel Maximilians I. stattgehabten glänzenden Turniere auch eines Windisch-Grätz als Theilnehmers Erwähnung, doch wird dessen Taufname nicht angegeben;2) vielleicht war es derselbe Oswald oder einer jener beiden vorgenannten, die ein Jahr später so unglücklich geendet. Das fortschreitende XVI. Jahrhundert brachte zwei geistig be sonders hervorragende Glieder des altberühmten Hauses in den Vorder gründ der politischen Geschichte; es waren dies die schon erwähnten Sohne Christophs, die von Kaiser Ferdinand I. in den Freiherrn- und bald darauf in den Grasenstand erhobenen Herren Erasmus und Pankraz von Windisch-Grätz." * Die Freiherren und Grafen von Windisch-Grätz. Herr Erasmus von Windisch-Grätz (geboren 1519, gestorben 1573) trat als Sprecher einer (1556) an den Reichstag zu Regensbnrg entsandten Abordnung der niedervstcrreichischen Stände auf, und im selben Jahre noch begegnen wir ihm in Gemeinschaft mit Erasmus von Starhemberg als Gesandtem in Prag, mit Hilfe gegen die Türken z» erbitten. Diesem Erasmus von Windisch-Grätz ward vom Kaiser 1565 das Oberst Erbland-Stallmeistcramt in Steiermark als Senivrat verliehen, welches Erbamt noch heute der Älteste des Hauses Windisch Grütz bekleidet. In dieser seiner Eigenschaft fungierte Erasmus, der auch die Würde eines österreichische» geheimen Rathes besaß und der innerösterreichischen Hofkammer als Präsident vorstand, 1571 bei dem aus Anlass der Vermählung Erzherzog Karls II. von Steiermark mit der glaubensstarken Maria von Bayern in Graz stattgehabten großen Turniere. Wie schon wiederholt angedeutet, wurde dieser Erasmus von Windisch-Grätz zusammen mit seinem Bruder Pankraz und dem ') Ritter v. Lettner, Frcydal, S. 6XVIII, CI und Blatt 61. J) Bergmann, Mittheilungen der k. k. Eentral-Commissio» für Erforschung und Erhaltung ?c. 1865, S. 176. ganzen Geschlechte durch Kaiser Ferdinand I. mit Diplom de dato 7. Juli 1551 in den Reichsfreiherrnstand mit dem Prädicate „zu Waldstein und im Thal" erhoben, und es erhielten dieselben von dem nämlichen Landesfürsten 1557 auch die Reichsgrafenwürde zuerkannt für sich und ihre Descendenz, von welcher zweiten Rangserhöhung sie jedoch auf des Pankraz Anregung keinen Gebrauch machten, was dann ein ganzes Jahrhundert hindurch bis auf Gottlieb Freiherrn von Windisch-Grätz vorhielt, der sich 1658 ein zweites Grafendiplom erwirkte. Freiherr Pankraz von Windisch-Grätz war eben eine „eigenartige, energische und durchgreifende Natur", die sich bei den Seinen in allen Dingen Geltung und nachhaltigen Einfluss zu verschaffen verstand, und die auch in religiöser Beziehung ans die übrigen Glieder der Familie bestimmend wirkte. Denn Pankraz (geboren 1525) hatte nach sorgfältiger Erziehung im elterlichen Hause, seine Mutter war eine Liechtenstein von Muran, gleich anderen steierischen Adeligen die Universität Wittenberg bezogen, von wo er sich die Hinneigung zur protestantischen Lehre holte, deren eifriger Vertreter er dann sein ganzes Leben lang blieb. Von seinem frühesten Mannesalter an zeichnete sich aber Pankraz von Windisch-Grätz im Dienste der Landesfürsten und des Reiches derart aus, dass er sich namentlich die hohe Gunst des Königs und nachmaligen Kaisers Ferdinand I. in so hohem Grade erwarb, dass er 1556 schon, also in einem Alter von erst 31 Jahren, die durch die stets drohende „Gefahr vom Türken" hochwichtige Stelle eines Schlosöhanptmanncs von Graz erhielt und „ans Grund der von ihm selbst angestellten eifrigen Forschungen über die Abstammung des Hauses Windisch Grätz" für sich, seinen Bruder und die Descendenz in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Weshalb aber er nnd die Seinen auf lange hin sich dieser Bevorzugung begeben haben, dafür erliegt die Motivierung in einer auf der Rückseite des im fürstlichen Archive zu Tachau erliegenden Diploms angebrachten eigenhändigen Bemerkung des Freiherr» Pankraz von Windisch-Grätz.') Dieselbe lautet wörtlich, wie folgt: „Das zu Ewiger Gcdüchtnns hab Jh mit eigner Handschrift hiemit anfliegen wollen, das Jh all die beweis, wie solche aus diesem Briefs zu verneinen vnd auch den Briefs vom Bayrischen khayser ') Wnrzbach, 1. c. Ludowig auf Herrn Otto» dein Kanzler hab fürlegen inuessen, und doch in diesen Briefs »it verleibt hat. Jtein das Jh von der Bestät-tnng unsers Granen standts von dem wir durch ctlich hundert Jar khain gebrauch gemacht, auch noch »it machen will diewcill mir an den Tittl nichts gelegen ist, Wan Jh »it das landt das noch, bis diese Zeit Wisent Namen hat') Auch um Mein Par gelt Einlösen khan, doch mögen Meine Nachkhomen thuen, was sh wollen. Pancraz von Windischgrätz." Im Jahre 1570 ward der sich bei seinem Landesfürsten unentwegt in hoher Gunst erhaltende Pankraz von Windisch-Grätz mit dem hohen Amte eines Obcrsthofmarschalls und dem Titel eines geheimen Rathes des Regenten von Jnncrösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain), des Erzherzogs Karl II. von Steiermark, ausgezeichnet, gleichwie er ab und zu bei verschiedenen wichtigen Staatsangelegenheiten, so z. B. bei den brüderlichen Thcilungsverhandlnngen nach dem Tode Kaiser Ferdinands I. und Kaiser Maximilians II. als kaiserlicher Commissarins bcigczogen wurde. Auch im Rathe der steiermärkischen Landschaft legte man auf seine Ansichten und Meinungen stets großes Gewicht; so sehen wir ihn vom Grazer Landtage des Jahres 1570 in Angelegenheit der als dringend nöthig erkannten, wiederholt urgiertcn besseren und zweck dienlicheren Befestigung des Grazer Schlossbergcs in die eigens ad lioc gewählte, aus Abgeordneten der drei vom Türken gleich bedrohten Lande Steiermark, Kärnten und Krain zusammengesetzte Commission an der Seite des vielerprobten Kricgsobersten Herrn Weikhard von Auersperg, der Herren llngnad, Mager, Poppendorf, Rindsmaul und Ehrnau gewühlt, deren eifrigem Zusammenwirken denn auch die endliche Inangriffnahme des mit großen Kosten ins Werk gesetzten Fortificationsbaues zu danken war?) Trotzdem man maßgcbendenorts dem Pankraz Freiherrn von Windisch-Grätz unter der Bedingung der Rückkehr zum Katholicismus sogar die Verleihung der Reichsfürstenwürde in Aussicht gestellt hatte, blieb er doch der von ihm angenommenen protestantischen Lehre treu und erscheint in den von den religiösen Kämpfen seiner Tage erfüllten Verhandlungen der steierischen Stände unentwegt als starrer Vertreter des Protestantismus, ja er zeigte sich sogar, nachdem er 1579 das Hvfmarschallamt niedergelegt, als heftigster ') Wurzbcich, 1. c. S) Jlwof, 1. c. S. 170. Sprecher der ständischen Opposition in dem unerquicklichen Kalender-streite in der Sitzung des steierischen Landtages vom 8. December 1583.') Den Besitz seines Hauses vermehrte Pankraz vvn Windisch-Grätz durch den Kauf der Herrschaft Trautmansdorff in Nieder-östcrrcich (1576), worauf er mit seinem Geschlechte (1578) dem Verbände des »iederösterreichischcn Herrenstandes einverleibt wurde. Auch übte er das Münzrecht aus, wovon noch heute die im fürstlichen Archive zu Tachau vorhandenen Gold- und Silbermünzen und die Abbildungen derselben ans dem Porträt des Freiherrn in der Ahnen gallcrie daselbst Zeugnis geben.2) Nach dem Tode seines älteren Bruders Erasmus war auch die Würde eines steierischen Obcrst-Erbland-Stallmeistcrs ans ihn über gegangen. Pankraz Freiherr von Windisch-Grätz war dreimal vermählt, zuerst mit Margareta Frciin von Ungnad, dann mit Regina von Schärsscnberg und schließlich mit Hippolhta Gräfin von Schlick. Er starb am 20. Oktober 1591. Frau Hippolhta Frciin von Windisch-Grätz, des Herrn Pankraz dritte Gemahlin, eine Tochter des Caspar von Schlick, sic war cs, die in das Schloss Waldstci» den bekannten und für die Verbreitung des Lntherthnms in der Steiermark unermüdlich thätigen Prediger Paulus Odontius berufen hatte, welcher in der daselbst eingerichteten „lutherischen Kapelle" auch dann noch unter ihrem Schutze protestantischen Gottesdienst hielt und von hier aus in die Umgebung und bis nach Graz hin „excurricrtc", nachdem bereits längst die schärfsten landcsfürstlichen Ordonnanzen gegen die Bekenner und Ver breiter des Protestantismus crflossen waren. Ja selbst dann noch, als unter Erzherzog Karls 11. Nachfolger Ferdinand (nachmaligem Kaiser Ferdinand II.) die crzherzoglichen Commissäre unter Begleitung der bewaffneten Macht von Ort zu Ort zogen, um die Widerstrebenden mit Gewalt zur Unterordnung zu zwingen, blieb cs in dieser Richtung aus Schloss Waldstci» beim alten. Doch nur mehr ans eine kurze Spanne Zeit, denn nicht sollte cs Frau Hippolhta mehr erleben, sic starb 1598, dass die crzherzogliche Gegenreformationscommission mich an das Schloss Waldstcin heranrückte (20. April 1602), dasselbe belagerte und freilich erst nach kräftigem Widerstände einnahm. Odontius »nd dic SbhncHippolhtas, die Freiherren Christoph und Friedrich Hahn, Mitth. d. hist. Ver. f. Stelen». XIII, S. 126. ’) Wurzbach, I. c. von Willdisch-Grätz, wurden bei der Einnahme des Schlusses zu Gefangenen gemacht und durch mehrere Wochen aus dem Grazer Schlossberge festgehalten, bis es den beiden Letztgenannten gelang, sich durch eine schwere Geldbuße aus der Haft zu befreie». Odontius aber wurde trotz deren wärmster Verwendung zum Tode vcrnrtheilt, jedoch zur ewigen Galeerenstrafe begnadigt; er entkam ans dem Transporte nach Triest zu SenoSeö am Karste und entfloh nach Deutschland.') Nach dieser Affaire siedelten die Windisch-Grätz von Wald-stein nach dem Schlosse Trautmansdorff in Niederdsterreich über. Ein Sohn des Freiherrn Jakob II. von Windisch-Grätz vom Siegmund'schen Hanptaste, Wilhelm Freiherr von Windisch-Grätz, Herr zu Kolnitz, Katsch und Pilsang (geboren um 1559, gestorben 1610), erscheint im staatlichen Leben Jnnerösterreichs in der Stellung eines Hofkammerpräsidenten und übernahm in seiner Eigenschaft als „Mitlandmann" die Mission (1609), namens der prvtcstan tischen Stande bei Kaiser Matthias in Pressburg wegen freier Aus Übung ihres Gottesdienstes zu petitionieren. Sein Enkel, ein Sohn Adam Siegfrieds, Freiherr Jakob Wilhelm, fiel 1642 in der Schlacht bei Leipzig. In der Rechtsgclehrsamkeit des XVII. Jahrhunderts glänzte gleich zu Beginn Freiherr Bartholomäus (geboren 1593) vom Ruprecht'schen Hauptaste, ein Sohn des Freiherrn Andreas II. von Windisch-Grätz, eines an der Universität Tübingen?) herangebildeten eifrigen Protestanten, welcherHerrBartholomäus schließlich mit seinen Brüdern der Religion wegen aus Österreich auswandern musste. Aber auch nachdem er das Vaterland verlassen, unternahm Freiherr Bartholomäus, der schon vorher im Geschmacke der Zeit und zum Zwecke seiner höheren Ausbildung viele und bedeutende Reisen gemacht, zahlreiche Fahrten, und eben wieder auf einer Reise begriffen, verschied er 1633 in Salzburg nach dreizehnjähriger Ehe mit Anna Sidvnia Freiin von Hcrbcrstciii. Bei dessen Tode hatte sein einziger Sohn Gottlieb Freiherr von Windisch-Grätz erst das dritte Lebensjahr erreicht, derselbe Gottlicb, der dann das Geschlecht fortpflanzte und sich zu einem der ruhmwürdigsten Glieder desselben emporhob. ') Ansichten ans der Steiermark. Graz 1870. Schloss Waldstein, S. 8. 2) Elze, Die Universität Tübingen und die Studenten ans Krain. Tübingen 1877, S. 93. $üd Religionsedict Kaiser Ferdinands II. von 1(529, welches den Freiherrn Bartholomäus zur Auswanderung veranlasst hatte, war auch der Grund, dass dessen Schwester Regina Katharina (geboren 1597) an der Seite ihres Gatten, des gleichfalls streng protestantisch gesinnten Paul Freiherrn von Khevcnhüllcr, die Heimat verließ und schließlich auch in Stockholm ihr Leben beendete (1644), da benannter ihr Gemahl in schwedische Kriegsdienste getreten und vom Hauptmann bis zur Würde eines Obersthofmeisters der Königin Marie Eleonore, Witwe Gustav Adolfs, vorgerückt war.') Jener Friedrich Freiherr von Windisch-Gratz, der jüngere Sohn der Hippolyta und des Pankraz von Windisch-Grätz, welcher sich, wie wir gesehen haben, von Schloss Waldstein auf seine Herrschaft Trautmansdorff in Niederöstcrreich zurückgezogen hatte, widmete sich von der Zeit seines Wegganges aus der Steiermark an fast ausschließlich der Verwaltung der letztgenannten Herrschaft und war außerdem darauf bedacht, das Vermögen des Hauses zu mehren. Er war mit Elisabeth Freiin von Auersperg vermählt,die 1649 (17. Februar) starb, und der er wenige Monate darnach (10. Mai desselben Jahres) in den Tod folgte; ihre Ehe war kinderlos geblieben. Nachdem er im Jahre 1630 das Schloss Waldstein um 137.000 Gulden an den Fürsten Ulrich von Eggcnberg verkauft hatte,2) hinterließ er bei seinem Hinscheiden die Herrschaft Trautmansdorff, mehrere Güter und Gülten, einige Häuser, ein für seine Zeit bedeutendes Mobiliarvcrmögeu, 290.000 Gulden in barem Gelde und in Capitalien, eine große Menge kostbarer Schmucksachcn, fast durchwegs vergoldetes Silbergeschirr im Gewichte von 312 Mark, zahlreiche Pferde, Wagen, ungeheure Vorräthe an Wein, Vieh, Getreide u. s. w., so dass der von ihm hinterlassene Gesammtbesitz noch den des Vaters übertraf. Er hatte zwar seinen Vetter, den schon erwähnten Freiherr» Gottlicb von Windisch-Grätz, den Sohn des Bartholomäus und der Sidonie von Herberstein, zu seinem Universalerbe» eingesetzt, doch da das Testament der gesetzlichen Form in den Unterschriften entbehrte, so erhielt derselbe nur einen geringen Theil dcS ihm vom Erblasser zugedachten Vermögens.") *) Wurzbach, 1. c. 5) Ansichten aus der Steiermark, 1. e. 3) Wurzbach, 1. c. * Gvttlieb Freiherr von Windisch-Grätz und das zweite Grafcndiplom. Zu den einflussreichsten Staatsmänner»Kaiser Leopolds 1. zählte Gottlieb Freiherr von Windisch-Grätz vom Ruprecht'schen Hauptaste (geboren lfxiO zu giegensburg), ein Urenkel des 1573 ver storbcnen Freiherr» EraSmus, welcher schon im Alter uo» 28 Jahren, l()58, die Stelle eines Rcichshofrathes bekleidete und am 1. August desselben Jahres in der Begleitung Leopolds 1. bei dessen Kaiserkrönung zu Frankfurt in Gemeinschaft mit dem traditionellen Grafen Dalberg, zwei Grasen Hohenlohe, einem Grafen Fürstcnbcrg u. a. zum Ritter des heiligen Römischen Reiches geschlagen wurde?) Tags darauf (2. August) erwirkte Freiherr Göttlich von Windisch-Grätz, welcher nun der erste von dem der Familiczu-, stehenden Rechte ans den Grafcntitcl Gebrauch machen wollte, vom Kaiser die Ausfertigung eines zweiten, auf ihn und seine Descendenz lautenden Grafendiploms, in welchem der Grafcnstand auf das ganze Geschlecht ausgedehnt wurde. Und noch einen zweiten, für Stellung und Aufschwung des Hauses und Einfluss der Familie hochwichtige» und folgenreichen Schritt unternahm im Laufe seines Lebens Gras Gottlieb, indem er 1682 in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückkehrte wenngleich ihn sein kaiserlicher Herr auch vor diesem Schritte schon mit seinem ganzen Vertrauen und den heikelsten Missionen ausgezeichnet hatte. Nicht mehr und nicht weniger als sechsunddreißigmal war während seines staatsmännischen Wirkens GrafGvttlicbvv » Windisch-Grätz als außerordentlicher Gesandter an zahlreiche» Höfen und aus den Reichstagen in Verwendung. Aus allen diesen seinen Ambassaden, die er zur größten Zufriedenheit seines Monarchen verrichtete, wurde er doch von Kaiser Leopold in mehreren Rescripten mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken beehrt,2) ragt ganz besonders seine Sendung an König Ludwig XIV. von Frankreich (1670) in Angelegenheit der Wiedereinsetzung des depossediertc» Herzogs Karl von Lothringen hervor. Der Kaiser schickte ihn nämlich auf de» Wunsch des seit mehreren Jahren am Wiener Hofe lebenden Neffen und Erben des ') I. (5. Btirkcn), Der Dnrchl. Erzherzogen zu Österreich Lebe», Negierung und Erostthateu:c. Nürnberg 1695. S. 1054. Wurzbach, I c. Herzogs von Lothringen nach Frankreich, „um daselbst durch den Grafen von Windisch-Grätz seine Vermittlung anzubieten"; Ludwig XIV. erklärte aber, dass er in dieser Sache niemandes Vermittlung dulden könne und auf niemandes Bitte Lothringen zurückgeben werde?) Graf Windisch-Grätz machte durch die deeidierten Antworte», die er bei diesem Anlasse dem Könige gab, großes Aufsehen in der politischen Welt, und Ludwig XIV. äußerte diesbezüglich über ihn: „II a parle eil homme de sa naissance et comme ministve d’im grand prince; il m’a parle avec fermete et avee beaucoup de respect et n’a rien oublie de ce, qui etoit de l’autorite de son maitre.” Ein ihm vom König zugedachtes Geschenk lehnte der Graf entschieden ab. Diese seine Mission an den französischen Hof gab auch der bekannten Madame de Scv igne Gelegenheit, sich in ihren Memoiren mit ihm zu beschäftigen, wo des Grafen Gottlieb ehrenvolle Erwähnung geschieht, und in Holland erschien darauf bezüglich ein eigenes Werk: „Les negoeiations de Windisch-Grätz”. Vom französischen Hofe heimgekehrt, ward er vom Kaiser in daS „delcgirtc Gericht" „zur Verhandlung und Entscheidung des Hoch-vcrrathsprocesscs Nadasdy-Zrinp-Frangepani" berufen, welches nach Beendigung des Untcrsuchungsverfahrens als besonderer Gerichtshof eingesetzt worden war. Diesen Gerichtshof bildeten Neichshofräthe, Hofkriegsräthe, Räthe der Regierung ohne Unterschied des Standes und der Confessio»: Hofkanzler Hoch et- als Vorsitzender, Graf Gottlicb Windisch-Grätz, Freiherr Hans Heinrich von Herbart,Freiherr Zdcnko von Caplirz, Graf Joachim Windhag, Freiherr von Andlcrn, Julius Bucelini, Justus Brünig, Christoph Abele und die Doetvren Johann Leopold von Löwenthurn, Johann Molitor und Johann Krumbach. Die Verhandlung des Processes Nadasdh dauerte vom 30. December 1070 bis 20. April 1071, jene des Processes Zrinh-Frangcpani vom 14. Februar bis 10. April 1671.s) Graf Gvttlieb hatte aber viele Feinde und Neider, ja man klagte ihn sogar beim Kaiser an, dass er zu Pressburg mit de» »miaut teilte» Ungarn heimliche Zusammenkünfte gehalten habe. Doch diese Verleumdungen prallten bei Leopold I. ab und wurden durch ein kaiserliches Handbillet de dato 13. December 1072 sowie durch *) Dr. E. A. Schmidt, Geschichte von Frankreich IV, ®. 308. 2) Adam Wolf, Fürst Wenzel Lotkonutz, S. 30t s. ein kaiserliches Rcscript de dato 19. December desselben Jahres als solche bezeichnet, auch wurde dein Grafen die Versicherung zutheil, dass Se. Majestät niemals dein Gedanken Raum gegeben habe, als wäre Graf Gottlieb von Windisch-Grätz je imstande gewesen, seine Ehre durch eine staatsvcrbrccherischc Handlung zu beflecken. Hatte Graf Göttlich auf seiner Ambassade bei König Ludwig XIV. ein ihm zugedachtes Geschenk abgelehnt, so schlug er 1673, zum zwcitcnmale in Dänemark, auch hier eilte ihm zugedachte Aus- zeichnung, die höchste dieses Reiches, den Elephanteuvrdcn, entschieden aus. Nach seiner Rückkehr zum Katholicismus (1682) erfolgte 1684 seine Ausnahme in das fränkische Grafencollcginm, 1686 verlieh ihm auf Empfehlung des Kaisers dessen ©ohn, der spanische König Karl II. (nachhcrigc Kaiser Karl VI.), den Orden des goldenen Vlieses, 1689 erhielt er das böhmische Jncolat; während seiner Ambassade nach dem Haag, 1690, um mit dem ihm so sehr gewogenen König Wilhelm III. von England zu verhandeln, ward er (1692) Obersthosmarschall und, nach Wie» zurückgekehrt (1693), Rcichsvicc-kanzler. Zwei Jahre darnach starb Graf Göttlich zu Wien (25. December 1695) plötzlich, 65 Jahre alt und ohne Testament; kurz vor seinem Tode hatte er ein Exspcctanzbillet auf das Rcichscrbmniidschenk amt und die Zusicherung des palatinatus inajor erhalten, doch war die Ausfertigung des Diploms bei seinem Hinscheiden noch nicht erfolgt. Graf Göttlich von Windisch-Grätz war dreimal vermählt. Die erste Gemahlin, Emilie Margarete von Hvlland-Brcdc-rode, Witwe Heinrich Albrechts von Slawata, hatte ihm die Rechtsansprüche auf die evnfiscierten Siniritz'schen Güter hinterlassen, welches Erbe ihn in einen langwierigen, von seinen Nachkommen bis in die neuere Zeit fortgeführten Process verwickelte.l) Graf Gottlieb trug aus diesem Processe trotz der zu seinen Gunsten lautenden kaiserlichen Rescripte keinen anderen Vortheil davon als den sehr zweifelhaften des pfandweisen Überkommend der Herrschaft Hornstein in Ungarn, was nicht einmal seine Processkosten deckte. Seine zweite Gemahlin, Marie Eleonore, geborene Gräfin von Öttingcn, mit welcher er sich 1665 vermählt hatte, brachte ihn in Verwandtschaft mit dem Herzoge von Braunfchweig, Vater der »achherigcn Kaiserin ) Uber diesen Process ficlje eine eigene Abtheilung bei Wnrzbnch 1. c. Elisabeth, der Mutter Maria Theresias, von welchem er dann 1094 zum Gevatter gebeten war bei der neugeborenen Prinzessin Charlotte Christiane Sophie, die später als Gemahlin des Großfürsten Alexis von Russland ein so trauriges Geschick betroffen. Gräfin Marie Eleonore von Windisch-Grätz soll von großer Schönheit und durch ganz besondere Tugenden ausgezeichnet gewesen sein; obgleich eifrige Protestantin noch, war sie der Kaiserin Eleonore, Witwe Kaiser Ferdinands III., so wert, dass diese ihr den eben gestifteten und nur für Katholikinnen bestimmten Sternkreuzorden ausnahmsweise und ohne Ansuchen ans eigenen Antrieb zugesandt. Die dritte Gemahlin des Grafen Gottlieb, die er 1683 heimgeführt, Maria Theresia, geborene Gräfin von Sauran, überlebte ihn bis zum Jahre 1713. Bon der zweiten und dritten Gemahlin hatte er sieben Söhne und sechs Töchter. Die Söhne ans der Ehe mit Marie Eleonore von D ttingen waren: Theophil August (gestorben 1669), Ernst Friedrich (geboren 1670, gestorben 1727), Bartholomäus Gnnd-akcr (geboren 1672), Franz Hartwig (geboren 1681, gestorben 1706); die Söhne ans der (dritten) Ehe mit Maria Theresia von Saurau waren: Leopold Johann Victorin (geboren 1686, gestorben 1746) und Amad« (geboren 1691). In Ernst Friedrich und Leopold Johann Victor theilte sich die Familie in den Ernestinischen und Leopoldinischen Zweig. Der erstere, der Ernestinische Zweig, erlosch aber schon 1727 mit Ernst Friedrich selbst, während der Leopoldinische, vom Enkel Leopolds, dem Grafen Josef Niklas von Windisch-Grätz, fortgepflanzt, noch heute in dem Alfredischen und Weriandischen Zweige des 1804, beziehungsweise 1822 gefürsteten Hauses Windisch-Grätz fortblüht. Eine Tochter des Grafen Gottlieb ans dessen zweiter Ehe mit Maria Elevnora von Öttingen, Maria Katharina, war an Felkerson, „Wojwoden von Liefland", vermählt, starb aber als Witwe ui einem Kloster zu Graz 1706.') Die beiden obgenannten Söhne des Grafen Gottlieb bethätigten sich in hervorragendster Weise als Staatsmänner, und sie beide, sowohl den Grasen Ernst Friedrich als später dessen Bruder Leopold Johann Victorin sehen wir nacheinander den hohen Posten eines Staats- und Confcrenzministers bekleiden. ‘) Wurzbach, 1. c. Graf Ernst Friedrich, der große Fähigkeiten und vielfache Kenntnisse besaß, begann seine staatsmännische Laufbahn als Reichs-hofrath in einer Mission an den knrsächsischen Hof schon im Alter von 24 Jahren (1694), und 1705 führte er zur größten Befriedigung des Kaisers Joses I. bei der von ihm geleiteten salzburgischcn Coadjutorswahl die Aussöhnung des Erzbischofs mit dessen Capitel durch. Obschon ihm Karl II. von Spanien 1700 das Goldene Vlies mit einem sehr schmeichelhaften Schreiben übersandt hatte, übertrug doch derselbe Monarch als Kaiser Karl VI. auf ihn nicht jene Gunst, in welcher der Graf bei Kaiser Josef I. gestanden hatte, mag sein aus dem Grunde, dass Ernst Friedrich, auf die nahe Verwandtschaft mit der Kaiserin Elisabeth gestützt, „vielleicht mehr Achtung und Auszeichnung fordern mochte, als anderen Würdenträgern zutheil ward". So kam es, dass der Graf, von der Konferenz und allen bedeutenden Geschäften ausgeschlossen, sich, ohne weitere Schritte zur Wiedergewinnung der kaiserlichen Gunst zu thun, auf seine Besitzungen in Österreich zurückzog. Doch der Kaiser, der die Kenntnisse des Grafen Ernst Friedrich wohl zu würdigen wusste, und „dessen Ministerium eine Staatsschnl, die die großen Männer in Übung gesezct",') gab ihm in dem neu eingerichteten Confercnzrathc nebst dem Prinzen Engen, den Cavalicrcn Trautson, Seilern, Sinzcndorff und Wratislaw zugleich mit dem Grafen Mannsfeld Sitz und Stimme 17092) und brachte ihn bald darauf, ohne dassWindisch-Grätz dazu mitgewirkt hatte, 1714 in Vorschlag für die Rcichshofrathsprüsidentenstelle, und die Kaiserin-Witwe Amalia war es, die dem Grasen diesen Entschluss des Kaisers, ihres Schwagers, mittheilte. Dieser Botschaft hatte sic beigefügt, dass Se. Majestät von der dem Grafen Gottlicb durch Kaiser Leopold I. ertheilten Anwartschaft auf das Reichserbmnndschenkenamt keine Kenntnis gehabt und sich nun dem Sohne gegenüber in Verlegenheit befände, da das genannte Erbamt bereits an den Grafen Althan verliehen worden sei?) ') Lebens- und Staatsgeschichte Maria Theresias, 1713, S. 4. 2) Arneth, Prinz Engen von Sanoyen II, S. 90. =) Der „Reichserdschcnk" war der Unterbeamte des „Erzschcnken" deö heil. Römischen Reiches, des Königs und Kurfürsten von Böhmen, und versah in dessen Abwesenheit diese Würde bei de» Krönungen. Ehemals stand dieses Erbamt den Herren und zuletzt Grafen von Limburg zu; nach Erlöschen dieses HanseS aber belehnte Kaiser Karl VI. als König von Böhmen den Grafen Althan mit diesem Reichserbamt. Siche: Über Tentschland, Kaisertodesfall, Traner, Reichs-vicarien, Waltag, Walcapitnlation, Krönung, Gerechtsame des Teutschen Kaisers. Kempten und Leipzig 1790. S. 164, Windisch-Grätz nahm die ihm so ehrenvoll angebotene Neichshof-rathspräsidentenstelle an und stellte dem Kaiser das in seinen Händen befindliche Exspectanzbillct Kaiser Leopolds I. zurück. Sein Biograph') schreibt über ihn des näheren wörtlich: „Durch seine allgemein gerühmte edle Denkungsart erwarb er sich einen im ganzen Reiche hochgeachteten und angesehenen Namen, wovon viele von den höchsten Personen an ihn gerichtete, im hochfürstlichcn Archive zu Tachau befindliche Briefe Zeugnis geben. Am glänzendsten bekundet seinen ausgezeichneten Charakter folgende Thatsache: Als Vorsitzender der gerichtlichen Commission, welche die bekannte, den Sturz des Prinzen Eugen bezweckende Intrigue zu untersuchen hatte, gab Ernst Friedrich das erste Beispiel entschiedenen Auftretens für den Prinzen, obgleich er sonst nichts weniger als zu dessen Anhängern gehörte. Unerschrocken erklärte er dem Kaiser, dass es ein ewiger Schandfleck für dessen Regierung sein würde, wenn derjenige, welchem das Haus Habsburg zu unauslöschlichem Danke verpflichtet sei, einer niedrigen Cabale zum Opfer fiele. Der Kaiser möge strenges Gericht über die Schuldigen halten und das Urtheil, das über sie gefällt werden würde, unnachsichtlich vollziehen lassen."") 1724 wurde Graf Ernst Friedrich zum Staats- und Con-ferenzminister ernannt. In dieser Eigenschaft trat er gegen die durch den spanischen Abgeordneten im November desselben Jahres gemachten Vorschläge mit aller Entschiedenheit auf. Der Infinit Don Fernando begehrte nämlich die Hand einer österreichischen Erzherzogin und als deren Mitgift die Niederlande und die italienischen Gebicts-theile des Kaisers, für den Prinzen Don Carlos aber die Zusichcrung der Anwartschaft auf Toscana und Parma; ja seine Wünsche waren sogar auf die Erzherzogin Maria Theresia selbst gerichtet. Prinz Eugen und mit ihm Gundaker von Starhemberg warnten vor einer zu nahen Verbindung mit Spanien gegen den Rath Sinzcn-dorsss und anderer einflussreicher Personen, die mit ihren Projekten den Kaiser ruinieren und die Monarchie zu einer spanischen Provinz machen wollten. Mit der ihm eigenen Unerschrockenheit erhob Windisch-Grätz seine Stimme gegen den Abschluss eines Vertrages mit Spanien, indem er diejenigen geradezu Verrathet nannte, welche an einem so verwerflichen Plane schuld seien?) Der bekannte Marschall Herzog *) Cit. bei Wurzbach, I. c. 2) Arneth, Prinz Eugen von Savoyen III, S. 51. 3) Arneth, 1. e. S. 173. Von N i d) e 1 i eit, 1725 französischer Gesandter in Wien, schreibt in seinen Memoiren: „Le comte de Windischgvätz, prdsideut du con-seil aulique, liomme droit, plein de probite et d’esprit, de justice, rnais portant quelquefois trop loin I’opinion, qu’il avait de la grandeur de son maitre.” Graf Ernst Friedrich galt bei seinen Zeitgenossen als ein streng redfftidjcr, aber schwer zn behandelnder Mann. „Er spricht viel und schnell," sagte ein Zeitgenosse, der Feldmarschall Marquis Merode, von ihm, „und hat ein etwas außergewöhnliches Benehmen." *) Er starb 1727 im Alter von 57 Jahren ans seinem Sä)losse St. Peter in der Au, wohin er sich kurz zuvor zurückgezogen hatte. Er war zweimal vermählt, das erstemal mit Maria Theresia Gräfin von Slawata, verwitweten Gräfin von Fünfkirchen, das zweitemal mit Theresia Rosina, geborenen Gräfin von Rottal, verwitweten Freiiu von Fünfkirchen; seine beiden Kinder (aus dieser zweiten Ehe) waren lange vor ihm im zartesten Alter gestorben. Des Grafen Ernst Friedrich jüngerer Bruder, Leopold Johann Victorin (Sohn des Grafen Göttlich aus der dritten . Ehe mit Gräfin von Saurau), wurde bei Beginn seiner staatsmännischen Carriere gleiä)falls auf diplomatischem Gebiete verwendet, und so sehen wir ihn schon 1717 als außerordentlichen Gesandten bei den Generalstaaten im Haag thätig. Sei» diesbezügliches Bestallnngsinstrument enthielt die besondere kaiserliche Nad)schrist, dass, wenn dem kaiserlick)en Gesandten von den der Versammlung beiwohnenden Botschaftern und Gesandten der Ehrentitel „Excellenz" verweigert würde, der Graf jene auri) nicht damit beehren solle; ein zweites Postscriptum betraf die Sd)lcifnng der Kurkölnischen und Lüttidj'schcn Festungen und Citadellen laut dem badischen Friedenstractat. Nack) weitere» Missionen in England und Holland (1719) treffen wir Johann Leopold Victorin in der höchtold)tige» Sendnng und Eigenschaft als erster kaiscrlidjer Bevollmächtigter auf dem Congress zu Cambray, wo er namens des Kaisers Karl VI. die bekannte Quadrupelallianz zum Absd)lnsse brachte, auf welches historische Ereignis er eine goldene Medaille prägen lies; (1722). Das Jahr darauf wurde der Graf geheimer Rath und nahm dann an dem Congresse von Soissons theil. 1730 (14. Februar) verlieh ihm der Kaiser den bereits dessen Vater zugesichert gewesenen pala- ') Arneth, Prinz Engen von Savoyen II, S. 356. tinatus major und ernannte ihn zum Statthalter der niederöstcr-rcichischen Lande in Wien. Um diese Zeit erwähnt der Sachse Küchelbecker in seinem Buche über den kaiserlichen Hof zu Wien und die Stadt Wien') das gräflich Windisch-Gräp'sche Palais in der Josefstadt „als eines der schönsten Häuser in dieser Vorstadt". Es währt nicht lange, und wir begegnen (1735) dem Grafen ans dem hohen Posten eines Confcrcnzministers, und fünf Jahre darauf erhält er den Orden des Goldenen Vlieses. Die große Kaiserin-Königin Maria Theresia ladet ihn 1741 zu dem glanzvollen und in der Geschichte so denkwürdigen ungarischen Krönungslandtage ein in seiner Eigenschaft als Magnat des Königreiches Ungarn, und der Gemahl der Kaiserin, Kaiser Franz I., verleiht ihm mittelst Reichshofrathsdccrctes vom 5. Oetober 1745 unter Aufzählung und Hervorhebung aller seiner Würden, Leistungen und Verdienste die Würde eines geheimen Rathes mit dem Range »»mittelbar nach dem Hos- und Staatökanzlcr Grafen Uhlefcld. *- Eine Landtagsrcde für Maria Theresia. In seiner Eigenschaft als Mitglied der nicdcröstcrreichischcn Stände hielt Graf Windisch-Grätz aus dem bedeutungsvolle» Landtage von 1742, der zur Fortsetzung des Krieges der gefeierten Regentin „zur Bezeugung seines patriotischen Eifers sofort 15.000 Recrnten und 500.000 Gulden bewilligte", eine ebenso schöne als treffliche Antwort-rede ans der Kaiserin „kurze und pathetische Harangnc", die Ihre Majestät zur Eröffnung deS Landtages vom Throne herab gesprochen. Es dürfte die Leser von heute interessieren, diese Rede, welche der Graf „im Namen der Stände" gehalten, und die uns in einem zeitgenössischen Werke über Maria Theresia erhalten,-) genauer kennen zu lernen. Dieselbe lautet: „Allerdurchlauchtigste Groß »nichtigste Königin von Hungarn und Böheim, Ertzherzogin von Oesterreich, Allergnädigstc Königin und Erb- ') Dr. Johann Basilii KüchelbeckerS, Syndici zu St. Annaberg, Allcr-neueste Nachricht vom Nömisch-Kayserl. Hof. Nebst einer ausführlichen Historischen Beschreibung der Kayserlichen Residentz Stadt Wien. Andere Auflage. Hannover 1732. S. 805. S) Geschichte und Thaten der Allerdurchlanchtigsteu und Grostmächtigsten Fürstin und Frau Maria Theresia mit nnpartheyischer Feder pragmatisch beschrieben ,'c. 1743. S. 707 ff. frau Ew. Majestät statten die allcrgetreuesten Stände dcro Ertz-herzogthums Oesterreich den Ehrerbietigsten Dank vor (für) die Gnade ab, da Höchstdieselbe uns zum Landtage her zusammenberufen und erlauben wollen, uns zu Füssen derv Thrones darzustellen. Ew. Majestät danken wir gleichfalls vor die gnädige und trostreiche Rede, die Höchstdieselbe an uns zu halten geruhet, und wir werden nicht ermangeln Dcro uns schriftlich überreichtes Begehren sofort in Berath-schlagung zu nehmen und uns darüber auf eine unserer Pflicht und unserer Ergebenheit gemässc Weise zu erklären. Es ist zwar nicht aus-zusprechen, wieviel dieses Land schon ausgestanden, und was für grosse Geldsummen es seit einer gewissen Zeit, wovon der Anfang und jeder darauf erfolgter Tag durch eine Trübsal nach der andern merkwürdig gewesen, schon hergegeben habe; jedoch unter allen Ursachen unseres empfundenen Schmerzes ist keine so groß gewesen, als da wir gesehen, das; Ew. Majestät ans eine so unerhörte, neue und entsetzliche Art durch eine so große Menge von ungerechten Feinden, die den Unter* gang des Hauses Oesterreich und hiesiger Hauptstadt, des alten Sitzes der Adler geschworen hatten, überfallen worden. Der GOtt der Hecr-schaaren aber hat dem tugendreichen Hause Oesterreich seinen ferneren Schutz verliehen, seinen allmächtigen Arm darüber ausgebreitet und die Anschläge der Feinde zernichtet. Sie haben sich selbst an diesem Steine zerstossen und dabei weiter nichts gewonnen, als die dergleichen Thaten jederzeit begleitende Schande. Die getreuen Bundesgenossen sind aufgewacht und so wenig sic als alle andre Höfe in Europa, wo Treue und Glauben noch Altäre hat, werden zugeben, daß man mit der Heiligkeit der Tractate so ein sportliches Spiel treibe, noch daß man das Recht des Königes aller Könige, dem es allein zukommt, Kronen und Scepter auszuteilen, dermassen mit Füßen trete. Aller solcher günstigen Umstände aber ungeachtet, ist cs noch lange nicht an dem, daß man die Hände in den Schoos; legen könnte. Denn man muß noch außerordentliche Kräfte anspannen, noch mehr frische Macht daran setzen und neue Mittel ausfindig machen, um sich einen sichern und standhaften Frieden zu verschaffen und den Urheber alles Unheils in solche Schranken einzuschließen, daß man so etwas künftig mehr nicht befürchten dürffe. Sothane Betrachtungen treiben die getreuen Stände an, de» Ueberrest ihrer Kräfte sorg fällig abzuwägen, eben darum werden sie alles ohne Ausnahme willig hergeben und ihr Gut und Leben mit Freuden zu Ew. Majestät Diensten aufopfern. Wie sollten wir auch anders gesinnt sein, da es aus die Angelegenheit und Ehre einer so unvergleichlichen Fürstin ankommt, die alles dasjenige, was das Alterthum einer Artemisia oder Zenobia preißwürdiges zugeeignet hat, in der That besitzet, und den Ruhm aller großen Prinzessinnen, die in den letzten Zeiten gepranget, verdunkelt. Einer solchen Königin, welche bei noch so geringem Alter mit Riesenschritten schon soweit in der Regierungskunst gelanget ist, als cs kaum die allerberühmtesten Monarchen jemals gebracht haben; Einer Prinzessin, welche von ihrem Geschlechte sonst nichts hat, als diejenige reizende Anmuth und dieselbe majestätische Schönheit, die sich alle Herzen unterwürfig macht, aber auch das unschätzbare Geschenke des Himmels eine so glückselige Fruchtbarkeit, die uns hoffen läßt, daß das Durchlauchtigste Ertz-Haus bei seiner Hoheit und Herrlichkeit allen Feinden zum Trutz bis an das Ende der Zeiten bestehen werde. Dieses sind allerdurchlauchtigste Königin und Allergnädigste Erbfrau von Dero getreuen Stünden die aufrichtigen Wünsche und ehrerbietigsten Gedanken, welche Ew. Majestät in ihrem Namen vorzutragen, ich jetzo die Ehre habe, zu Dero Königlicher Gnade und Huld sie und meine Wenigkeit allerunterthänigst cmpfelend." Der Graf, der auch ein großer Freund und Gönner von Kunst und Wissenschaft gewesen und u. a. auch die Einsetzung eines Professors der Algebra an der Wiener Universität zu erwirken gewusst, verwaltete alle ihm übertragenen Ämter ohne Rücksicht ans die Schonung seines eigenen Vermögens. Denn überall, wo er als Gesandter, Botschafter und bevollmächtigter Stellvertreter seines Monarchen auftrat, glaubte er cs seiner jeweiligen Mission schuldig zu sein, in der glänzendsten Weise zu repräsentiere». So kam cs, dass nicht nur sein ganzes Vermögen in Bestreitung solch hohen Aufwandes aufgicng. sondern auch nach seinem Tode die Besitzungen für seinen Enkel mit mehr als einer halben Million belastet übernommen werden mussten. Er starb 1746, am 19. December, an einem Schlaganfallc und wurde, nachdem er noch den Abend vorher bei Hofe zugebracht, des nächsten Morgens von seiner Frau todt im Bette gefunden. Graf Leopold Johann Victvrin war vermählt gewesen mit Maria Ernesti na Grü fi n v v n S trasso l d o, dein gewesene» „wirklichen Kammerfräulein" der Kaiserin Elisabeth und Begleiterin derselben auf ihrer Reise durch Frankreich, die Schweiz und andere Länder nach Spanien, und hatte mit ihr drei Kinder, von denen zwei ganz jung starben und der dritte, Leopold Karl Josef (geboren 1718), im Todesjahre des Vaters zusammt seiner Gemahlin von den Blattern dahingerafft, einen Sohn Josef Niklas hinterließ, über den die Großmutter die Vormundschaft übernahm.') Gemeinschaftlich mit dem ihr als Consultant bcigegcbencn Rcgicrnngsrathe Freiherrn von Mana-gctta führte Gräfin Maria Ernestina diese Vormundschaft über ihre Enkel, doch war die Gebarung des genannten Consultanten keine glückliche, da in der Folge der gesummte Besitzstand bis ans die Herrschaft St. Peter in der Au (in Niedcrösterrcich) veräußert wurde?) Der jüngste Sohn des Grafen Gvttlieb aus dessen zweiter Ehe mit Maria Eleouora Gräfin von Öttingcn, Graf Ferdinand Hartwig (geboren 1681), war anfänglich Domherr zu Mainz, trat aber später in kaiserliche Kriegsdienste, machte als Oberstlieutenant im Hcrberstein schen Regimente die meisten Feldzüge in Italien mit und starb unvermählt als Gencraladjntant in Wien. Graf Adam Ferdinand (geboren zu Ödenburg 1075, gestorben zu Regensburg 1730), ein Urenkel Andreas' II. vom Erasmus'schen Hauptaste, ward mit der Nachricht von der Kaiserwahl Karls VI. an die Kaiserin Eleonore nach Wien gesandt, erscheint 1717 als Generalmajor der Cavallerie in der Schlacht bei Belgrad und war später Commandant der Festung Groß-Szigeth. Des Conferenzministers Grafen Leopold Johann Victor einziger Sohn, Leopold Karl Josef, der Vater des in der Geschichte seiner Zeit vielgenannten Grasen Josef Niklas, der schon im jugendlichen Alter von 28 Jahren als Rath und Regent der niederösterreichischen Lande das Zeitliche segnete, war seit 1743 mit der Tochter des Fcldniarschalls und Hofkriegsrathspräsidenten Grafen von Khevcn-Hüller, MariaAntoniaGräfin von Khevenhüllcr, vermählt, die ihm jedoch schon nach kurzer Ehe (1746, 17. Jänner) durch den Tod an Kindsblattern entrissen worden, und der er wenige Wochen darnach (12. Februar) an derselben Krankheit ins Jenseits folgte. Des Grafen Leopold Karl hinterlassener einziger Sohn, Graf Josef Niklas (geboren zu Wien 1744), über welchen, wie oben ausführlicher erzählt worden, seine Großmutter Maria Ernestina die Vormundschaft geführt, nimmt nicht nur in der Geschichte seines Hauses, sondern auch in der Geschichte Österreichs sowohl durch seine eigene Erscheinung und Bedeutung als auch in seiner Eigenschaft als ') Wnrzbach, 1. c. 2) Wurzbach, 1. c. Vater des Feldmarschalls Fürsten Alfred Candidus zu Windisch-Grätz eine hervorragende Stellung eilt. Freiherr von Helfcrt, dieser eminente Kenner namentlich der neuesten Geschichte Österreichs von de» Tagen Kaiser Josefs II. bis heute, schildert den Grafen Josef Niklas in meisterhafter Weise mit nachstehender vollendeter Charakteristik.') Freiherr von Helfert schreibt: „Josef Niklas, eine jener stolze», eigenwilligen, dabei wohlwollenden und durchaus ehrenhaften Dynastcnnatureii, deren Typus heutigen Tages unter der Aristokratie nicht blos; Österreichs, sondern selbst Englands immer mehr zu verschwinden scheint, hat in früheren Jahren in nahen persönlichen Beziehungen zu Kaiser Josef II. gestanden, sagt sich aber später, dem Stürmen und Drängen von Josefs rücksichtsloser Neformthätigkeit im Grundsätze abhold, gänzlich von ihm los, meidet von da den Hof »nd ist trotz öfterer Anwesenheit in Wien nie mehr zu bewegen, sich dem Kaiser vorzustellen. Er ist ein vielseitig gebildeter Mann, beschäftigt sich mit historischen, politischen und philosophischen Studien, steht mit Kant, mit den französischen Encyklopädisten und anderen Berühmtheiten seiner Zeit in lebhaftem Briefwechsel und lässt eine nicht unbedeutende Anzahl von Schriften drucken. Offenheit des Charakters, Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Urtheiles und ein redliches Streben nach Wahrheit ziehen sich durch sein ganzes Wesen, dem darum nichts so innerlich zuwider ist als das Treiben der geheimen Gesellschaften, die eben damals unter den verschiedensten Namen und Gestalten üppig wucherte»; er richtet eine eigene Schrift wider sie (Objections aux societos secretes) und ist, als endlich eine kaiserliche Verordnung ihr widerliches Treiben untersagt, darüber so erfreut, dass er dem Staate eine freiwillige Schenkung von 30.000 Gulden macht. Wie mit den überstürzenden Neuerungen des Kaisers Josef ist Graf Windisch-Grätz mit der kriegerischen Thätigkeit des jungen Kaisers Franz nicht einverstanden. Er bedauert den Aus-bruch und den unheilvollen Gang der französischen Revolution; allein er erblickt in ihr einen großen Theil schweren früheren Verschuldens der Dynastie wie der höheren Gesellschaft Frankreichs. Als daher um diese Zeit vom Kaiser Franz eine Aufforderung an den Adel und die Geldbesitzer zu freiwilligen Opfern für Kriegszwecke ergeht, verweigert der Graf für seine Person jeden Beitrag, zahlt aber für die gcsammtcn >) Geschichte Österreichs I, S. Gl ff. Unterthanen seiner böhmischen Herrschaften den ausgeschriebenen Kriegszuschlag. Seine späteren Lebensjahre bringt er fast ununterbrochen auf seinen Schlössern Tachan und Stökna zu. In letzterem beschließt er seine irdische Laufbahn; als er sein Ende herannahen fühlt, besorgt er sein Seelenheil, ordnet seine weltlichen Angelegenheiten, nimmt von den Scinigen Abschied und beschcidct dann in ein anstoßendes Zimmer seine Musikkapelle, unter deren hinschmelzenden Weisen seine freie und starke Seele ihre sterbliche Hülle verlässt." Josef Niklas, welcher einige Zeit die Stelle eines Reichshof-rathes bekleidete und 1770 als dienstthuender Kämmerer der großen Begleitung der Erzherzogin Marie Antoinette, künftigen Dauphine von Frankreich, auf deren Reise nach ihrem später so verhängnisvollen Bestimmungsorte Paris zugetheilt war, that sich in seinen nach seinem Zurückziehen vom Hose so ausgiebigen Mußestunden, wie schon angedeutet, namentlich als Schriftsteller hervor. Der Hauptzweck seines Studiums und seiner Schriften war, Moral und Gesetzgebung zu mathematisch bestimmten Wissenschaften zu erheben und auf die festesten Grundsätze zurückzuführen. Er setzte (1785) hohe Preise von 1000 und 500 Ducatcn auf die Lösung des Problems, Contractfvrmeln zu entwerfen, „die gar keiner doppelten Auslegung fähig wären, und vermöge deren jeder Streit über irgendeine Eigentbumsverändernng unmöglich würde, so dass über eine nach diesen Formeln abgefasste Rechtsurkunde durchaus kein Proecss entstehen könnte". Er legte diese Frage, von deren Lösung er sich „das Grab aller Chicane und das Ende aller Processe" versprach, dem ganzen Europa vor und erbat die Pariser, Edinburgher und auch eine deutsche Akademie zu Schiedsrichtern. Die Pariser Akademie der Wissenschaften, die königliche Gesellschaft zu Edinburgh und die Baseler Universität hatten sich zur Übernahme des Urtheiles bereit erklärt, doch die Termine verstrichen (1787 und 1790), ohne dass irgendein Auflösungsversuch erschien, nur einige Gegenschriften kamen in Wien zum Vorschein. Von einem einzigen Manne, einem schwedischen Mathematiker namens Törncr, weiß man, dass er sich mit Lösung dieser Aufgabe oder vielmehr mit den Präliminarfragen dazu beschäftigt hat. Außer dem diese Aufgabe betreffenden Programme schrieb Graf Windisch-Grätz noch: „Betrachtungen über verschiedene Gegenstände, worüber man heute sehr viel schreibt" (Nürnberg 1787); „Objections aux societes secr&tes” (London 1788); „Discouvs, dans lequel on examine les deux questions suivantes: I. Un Monarque a-t-il le droit de changer de son clief une Constitution evidemment vi-cieuse? II. Est-il pendant ä lui, est-il de son intdret, de l’entre-prendre? Suivi des reflexions pratiques” (1788); „Solution provi-soire d’un problcme ou liistoire metapliisique de l’organisation animale” (Brüssel 1789); „Principes metaphisiques de Vordre social, de la loi et de la religion naturelle” (Fortsetzung des Vorigen, wahrscheinlich nngedrnckt geblieben); „l)e l’äme, de l’intelligence et de la liberte de la volonte” (Straßburg 1790). Auch fanden sich Materialien zu einer Schrift „De la peine de mort et de la torture”. Dein 1798 versammelten Friedcnscongress zu Rastadt machte er in einer französisch geschriebenen Denkschrift den Antrag, eine höchst vollkommene Theorie der Gesetzgebung abzufassen. Kaiser Josef, der trotz der politischen Gegnerschaft in ihm den selbständigen, ehrenhaften Charakter hoch achtete, bevorzugte ihn mit wenigen anderen dadurch, dass er ihm eines der nur im Mannscript vorhandenen sieben Exemplare seines von ihm selbst verfassten politischen Testamentes eigenhändig zusandte.') Als Graf Josef Niklas starb (1802), hinterließ er, der ein so sehr geschmälertes Vermögen übernommen, die Herrschaften St. Peter in der Au,2) Gasscneck^) und Lcopoldsdorf ^) in Niedervsterrcich sowie die 1781 vom Grafen Losy ererbten Herrschaften Tachan und Stdkna, ferner Winternitz mit den Gütern Stienitz, Slnha, Mladejowitz, Rowna, Schossenrenth, Purschau u. a. in Böhmen. In Wien besaß er ein Familienhaus in Gnmpcndorf und ein sogenanntes Freihaus in der inneren Stadt, dermalen im Besitze des Fürsten Liechtenstein (Bankgasse 7). Gras Josef Niklas war zweimal vermählt. Seine erste Gemahlin Josefa Gräfin von Erdödh (geboren 1748, gestorben 1777), ciitc Tochter des Grafen Nikolaus Erdödp de Monyorokerek, Erbobergcspans des Warasdincr Comitatcs, und der Gräfin Marie Antonie von Batthhanhi, war durch Geist, Anmuth und Schönheit 0 Wurzbach, 1. c. — Ans dcs Grafe» Feder bewahrt die k. k. Familienbibliothek den schon erwähnten „DisconrS" «Nr. 33.211), ein „Memoire" (Nr. 32.691) und „Die Verminderung der Processe", 1801 (Nr. 32.690). 2) Hinter Seitcnstätten über der Avbs an der Urla. 3) In nächster Nähe hinter Seitcnstätten. <) Südwärts von Wien hinter Rothneusiedel, insgemein „Loipersdorf" genannt. ausgezeichnet und zählte zu den glänzendsten Erscheinungen der Wiener Gesellschaft, sie war ober zugleich, wie die Zeitgenossen von ihr rühmend gedenken, eine würdevolle und pflichtgetreue Mutter. Im Alter von 22 Jahren gicng sic mit ihrem Gemahl zugleich i» der Begleitung der Erzherzogin Marie Antoinette nach Frankreich und wurde ihrer hervorragenden Eigenschaften wegen am Versailler Hof mit zarter Anspielung auf ihren Namen „vingt milles gräces” genannt. Ihrer angegriffenen Gesundheit wegen musste sic das Abbazia oder Nizza ihrer Tage, die Stadt Pisa, aufsuchen, kehrte aber 1775 nach Wien zurück, wo sic allmählich dahinsiechte und 1777 im 29. Lebensjahre verschied. Während ihrer Krankheit hatte Kaiser Josef, der sie, ohne für sie eine Leidenschaft zu hegen, außerordentlich hoch schätzte, sie öfters durch Vorlesen oder Erzählen zu unterhalten gesucht, und der Monarch war, als er, eben auf seiner Reise nach Frankreich begriffen, in Paris selbst die Kunde von ihrem Tode erhielt, auf das tiefste erschüttert. Ihr sie innig und tief betrauernder Gemahl ließ ihr in der Kirche des altberühmten Schottenstiftes zu Wien ein schönes Monument errichten. Seine zweite Gemahlin war Maria Francisca Leopoldina Prinzessin zu Arenberg, welche ihm am 11. Mai 1787 in Brüssel den Sohn schenkte, der von der Vorsehung auserkoren war, in der Geschichte Österreichs als Heerführer und Staatsmann eine entscheidende Rolle zu spielen, den Fcldmarschall Fürsten Alfred Candidus zu Windisch-Grätz. * Die Fürsten zu Windisch-Grätz. Zwei Jahre, nachdem Graf Josef Niklas das Zeitliche gesegnet, erhielt sein Haus den Neichssürstenstand (24. Mai 1804). Zur Zeit zählte dessen Sohn Alfred Candidus Ferdinand (geboren zu Brüssel am 11. Mai 1787), der nachmalige Feldmarschall, das 17. Lebensjahr, und cs wurde die von ihm angekaufte Grafschaft Egloffs und Siggen im schwäbischen Kreisch von Sr. Majestät zum Reichsfürstenthum Windisch-Grätz erhoben. ') Nicht weit von der Stadt Jfei gegen den Bodcnsce gelegen. Gehörte vorher den Grafen von Traun meissanischer Linie, welche sie 16(52 von Österreich für 30.000 Gulden erkauft und deshalb seit 1668 Sitz und Stimme unter den schwäbischen Reichsgrafen hatte». Hübner, Staatszeitnngs-Lcxikon. Leipzig 1795. S. 667. Der jugendliche Majoratsherr, der bei dem Tode seines Vaters unter die Vormundschaft seiner Mutter Maria Francisca Leopoldina, geborene» Prinzessin zu Arenbcrg, und unter die Mit-vormundschaft des Fürsten Josef Schwarzenberg gestellt worden war, hatte seine ersten Jngendjahre abwechselnd auf Tachau und Stökna in Böhmen und in Wien zugebracht und sich einer seiner reichen Begabung entsprechenden sorgfältigen Erziehung erfreut, die von trefflichen Lehrern, darunter auch einem emigrierten französischen Edelmann, geleitet war. Nachdem sich Fürst Alfred Candidus in den classischen Studien, in Geschichte und insbesondere in der französischen Literatur ausgebildet, fasste er den Entschluss, in die Reihen der österreichischen Armee zu treten, was er denn auch nach vorheriger kurzer militärischer Ausbildung rasch ins Werk setzte. Kaiser Franz ernannte ihn als das Haupt eines rcichsnnmittel-baren Fürstenhauses im Juni 1804 zum Oberlieutenant im 2. Uhlanen-regimcnt Fürst Schwarzenberg, dessen Stabsstation sich zu Ungarisch-Brod (in Mähren) befand. Mit diesem Eintritte des jugendlichen Fürsten Alfred Candidus zu Windisch-Grätz in die k. und k. Armee war aber zugleich der Grund gelegt zu seiner Rnhmcsgröße — einer Nuhmesgröße, die trotz mancher widerstrebenden Anschauungen schon in der zeitgenössischen Chronik Anerkennung gefunden und im Fortschreiten der Zeit, mehr und mehr beglänzt von der reinen Leuchte objectiver Geschichtsforschung, in vollem Lichte dastehe» wird. „Der Wert des Mannes," sagt schon ein gewiegter zeitgenössischer Historiker,') „der sich in der entscheidendsten Epoche der neueren österreichischen Geschichte zweimal mit unumschränkter Vollmacht bekleidet an die Spitze der Ereignisse gestellt sah, fordert zu einer ernsteren und würdigeren Beurtheilung heraus, als sic schnellfcrtig eine von der Leidenschaft dcsParteigctriebes behcrrschteTagesmeinung zu bieten vermag" — „und," fügt derselbe Geschichtsforscher hinzu, „eines wird ihm keiner abzustreiten versuchen: dass er ein Mann in der vollen Bedeutung des Wortes, ein Charakter edel und rein, eine Persönlichkeit nicht mit gemeinem Maßstabe zu messen. Wenn man zugibt, dass jemand Demokrat sein kann, so muss man auch gelten lassen, dass jemand Aristokrat ist, es sind ') Freiherr vonHelfert, Geschichte Österreichs vom AuSgang des Wiener Octobcr-AusstaiideS 1848, I, S. 64 f. das eben Stand- und Ausgangspunkte verschiedener Überzeugung. Dass er Aristokrat, hat Windisch-Grätz offen, wie das in seinem Wesen lag, nie geleugnet." Und ein besonderes Charakteristikon von des Fürsten Alfred Candidus durchwegs aristokratischem Wesen hebt Walter Nvggc,') des Fcldmarschalls heftiger politischer Gegner, der denselben öfter und nicht der Wahrheit gemäß angreift, hervor, indem er einen bezeichnenden Ausspruch desselben citiert. Rogge nennt es nämlich einen interessanten Zug. dass in einer Zeit, wo österreichische Aristokraten durch Betheiligung mit Concessionen zu industriellen Gesellschaften Geld zu machen suchten, der Fürst sich weigerte, seine Creditactien verkaufen zu lassen, als ihr Cours nahezu aufs doppelte gestiegen war. „Ich habe sie genommen, weil man mir sagte, die Gründling der Creditanstalt wäre ein Vortheil für den Staat," entgegnete er seinem Geschäftsführer ans den betreffenden Vorschlag, „Geschäfte macht kein Windisch-Grätz." Der scharf ausgeprägte Charakter des österreichischen Cavaliers vom alten Schrot und Korn, in dem sich Fürst Alfred Candidus sein ganzes ereignisreiches Leben hindurch so voll bewährt hat, erwies sich, wie wir in der nachfolgenden, leider nur gedrängt möglichen biographischen Skizze sehen werden, schon im jungen Officicr zu wicdcrholtcnmalen. So gleich am Beginne seiner militärischen Carriere. Nachdem der Fürst bei der ersten Truppcnconcentrierung um Prag (1804), die er mitmachte neben Kaiser Franz und dem glorreichen Helden Erzherzog Karl, manche militärische Größen wie den Fürsten Rosenberg, die Cavallericoberstc Grafen Louis Wallmvdeu, Karl Kinsky und Civalart sowie viele andere in der Folge berühmt gewordene militärische Persönlichkeiten kennen gelernt und dann in den Gesellschaftskreisen von Prag dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen,-) der Prinzessin Solms, der nachherigen Königin von Hannover, und anderen hervorragenden Erscheinungen begegnet, führte ihn der nächste Winter nach Brüssel zum Besuch seiner mütterlichen Verwandten. Hier war cs, wo er eine Anzahl französischer Generale und andere interessante militärische Persönlichkeiten aller Grade keime» lernte und den ersten Eindruck von der imposanten ') Österreich von StiitofloS bis zur Gegenwart I, S. 9. J) Das lebhafte Hanpt der antisranzösischen, später sogenannten KricgS-partei in Preußen, Kriegsorganisation Napoleons empfieng, aber hier war cs auch, wo sich schon die festen Maxime des jugendlichen österreichischen Aristokraten »nd Offieiers in dem schönsten und erfreulichsten Lichte zeigten. Da nämlich Napoleon zur Befestigung seiner neucrcierten Dynastie mehr und mehr die kleinen Reichsstände in den sich vorbereitenden Rheinbund aufzunehmen und an den Ruhm seiner Adler zu knüpfen suchte, wurde auch die schöne Gelegenheit benutzt und dem Fürsten die Jmmcdiatstcllnng seines Hauses und seinem militärischen Ehrgeize das Commando eines französischen Reiterregimentes angeboten; die nahe Verwandtschaft desselben mit de» halb als Franzosen angesehenen Aren« bergs schien ein Motiv mehr, dass man im französischen Sinne an die Annahme dieser Anerbieten seinerseits glauben mochte. Doch, wie gesagt, an den schon felsenfesten Grundsätzen des jungen Fürsten Wiudisch-Grätz prallten all diese Verlockungen ab, ohne im geringsten zu verfangen. ’) Als im nächsten October (1805) der Seconderittmeister Fürst Windisch-Grätz mit den in Ulm verbliebenen Truppen durch die Capitulation dieses Platzes in Kriegsgefangenschaft gerieth, da gab dem Fürsten ein glückliches Zusammentreffen mit dem von Brüssel ans persönlich ihm bekannten Generalstabschef Murats, dem Generale Bclliard, Gelegenheit, das Ersuchen um Entlassung bis zur Auswechslung zu stellen. Zu diesem Zwecke ward er von Bclliard in das französische Hauptquartier beschicken. Hier trat er das erste und einzige Mal in seinem Leben Napoleon gegenüber. Der Kaiser kannte von Brüssel des Fürsten Großmutter, die Prinzessin Arenberg, die er hoch schätzte. Windisch-Grätz erhielt seine Freilassung, und nachdem ihm gestattet worden, seinen gleichfalls in Gefangenschaft gerathenen Regimentskameraden, Rittmeister Fürsten Karl Auersperg, mit sich zu nehmen, reiste er mit demselben heim nach Böhmen, wo nach der Schlacht bei Austerlitz seine Auswechslung erfolgte. Die klägliche Heeresleitung und mangelhafte Organisation, deren Augenzeuge der junge Fürst gewesen, hatten jedoch denselben nicht entmuthigt, und mit umso größerer Zuversicht wurde er einer der ') Wurzbach, I. e. — AIS Curiosm» sei hier erwähnt, dass Fürst Windisch-Grütz zu jener Zeit Don Brüssel die ersten Cigarren nach Österreich brachte, deren Gebranch er unter den dortigen Freunden kennen gelernt, und die er von einem spanischen Diplomaten als Geschenk erhalten hatte. Und wie groß auch der Abscheu gegen diese neue Gewohnheit in den höheren Gesellschaftskreisen Österreichs anfangs war, er blieb derselben bis an sein Lebensende treu. (Ibid.) eifrigsten Schüler jener Ncfornien und Vorschriften, welche der neue Generalissimus, Erzherzog Karl, in der Armee einzuführen sich berufen fühlte, und die das Problem glücklich lösen sollten, einen syste-inisierten Friedensstand zu schaffen und doch für den Kriegsfall eine Erweiterung der Wehrkraft zu ermöglichen, ohne zn den veraltete» Aufgeboten oder zu kostspieligen und unsicheren Werbungen greifen zu müssen, mit welcher glücklichen Lösung durch de» energischen und fruchtbringend thätigen Erzherzog jener bahnbrechende Schritt in der Entwickelung des österreichischen Heerwesens geschah, auf dem das ganze System der modernen Wehrpflicht beruht, und der nach und nach von fast allen Staaten nachgeahmt wurde.') Seit 1808 Escadronscommandant, widmete sich Fürst Windisch-Grätz mit gleichem Eifer sowohl seiner eigenen militärischen Ausbildung als jener seiner Abtheilung; von seinen Kameraden geliebt und geachtet, lebte er mit diesen im freundschaftlichen Verkehre und sah die Officiere seiner Escadron zumeist an seinem eigenen Tische. In der ruhmreichen Schlacht bei Aspern, an der er noch als Rittmeister im Uhlanenregimente Schwarzenberg theilnahm, erhielt er am letzten Schlachttage (22. Mai) einen Schuss in den Unterleib. Die anfänglich als gefährlich betrachtete Wnnde stellte sich bei näherer Untersuchung glücklicherweise nur als ein Streifschuss dar, dessen Heilung rasch vor sich gieng, und so konnte der Fürst, der inzwischen Major bei dem böhmisch-ständischen Landwehr-Dragonerregiment geworden, ans seine Bitte zu einem vor dem Feinde stehenden Regimente, dem 1. Uhlanenregimente Gras Mcrveldt, übersetzt werden. Da nahm er nun theil an einem glänzenden Gefechte der unter dem von ihm zeitlebens pietätvoll verehrten Feldmarschall-Lieutenant Baron Kienmayer zusammengezogenen Truppen gegen Innot. Ihm persönlich gelang es aus diesem Zuge gegen den Feind, den König Jörome auf dessen Rückzüge zu Wagen mit einem Trompeter bis an die Thore Erfurts zu verfolgen, um einen Waffenstillstand mit der Saale als Demarcationslinie abzuschließen. Der Znaiiner Waffenstillstand machte aber bekanntlich alle durch Kienmayer errungenen Vortheile ivieder illusorisch. Nach dem Kriege 1809 trieb Fürst Windisch-Grütz in seinem Dienste vor allem Fachstudien, pflegte mit Vorliebe die Kunst des ') Illustrierte Geschichte der k. k. österreichischen Armee. Wie» 1888. II, S. 1267 ff. Reitens unter Anleitung eines damals in Rad)ob lebenden französischen Emigranten, eines Meisters in diesem Fad)e, und krack)te es darin zu baun dem Feldmarschall bis in die spätesten Lebensjahre bewunderten Vollendung. Als aber 1812 die Politik von Seite Österreichs die Aufstellung eines Auxiliarcorps unter dem Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg zugunsten Napoleons erheischte, konnte er dies nicht mit seiner militärischen Anschauung vereinen und reichte sein Ouittieruiigs-gcsuch ein. Dies bewilligte der Kaiser nicht, aber die loyale Gesinnung und die geleisteten Dienste des Fürsten würdigend, gestattete er ihm einen Urlaub, dessen Dauer allein von dem Ermessen des Bewerbers abhängen sollte. Der Tod von Mutter und Schwester veranlasste den Fürsten, im Frühjahre 1813 sich nach Wien zu begeben, wo er nun viel mit dem Fürsten Metternich und anderen Staatsmännern, darunter auch dem russischen Gesandten Grafen Stackclberg, verkehrte. Und als an jenem für Napoleon so verhängnisvollen Abend des 10. August im Salon Metternichs der Staatskanzlcr um die Mitternachtsstunde, mit der die letzte Frist zu friedlicher Vermittlung ablief, auf den anwesenden Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg zutrat, um ihm zu der nunmehr in seine Hand gelegten kriegerischen Leitung der Geschicke ein glückliches Vollbringen zu wünschen, da war eben auch Fürst Windisch-Grätz zugegen, der nun auch sofort nach dem also eingetretenen Umschwünge in der politisch-militärischen Situation sein Einrücken zur Armee meldete und gleichzeitig, zum Oberstlieutenant befördert, seine Versetzung zum Graf O'Reily'schen Chevauxlegers-regimente Nr. 3 erfuhr. Dem neueingerückten Oberstlieutenant Fürsten Windisch-Grätz war cs aber beschiedeu, diesem braven Regimente, das im letzten Feld zuge (1812) gegen Russland das Unglück gehabt, drei Standarten zu verlieren, und dem über kaiserlichen Befehl solche, obschon sie vom russischen Kaiser zurückgestellt worden, erst wieder nach einer glücklichen Waffcnthat zugestellt werden sollten, die alten Ehrenzeichen wiederzuschaffen. Es geschah dies am ersten Tage (16. Octobcr) der Schlacht bei Leipzig, in welcher der Oberstlieutenant durch zwei glänzende Attaquen die russischen und preußischen Batterie» sowie die österreichische Infanterie in die Lage versetzte, den Ort SeifertSheim zu besetzen, und durch weitere Attaquen bei Seifertsheim die Bajonettangriffe der Infanterie in entsprechender Weise unterstützte. In Anerkennung dieser Ruhmesthat erhielt das Regiment nun seine drei Standarten wieder, und die Officiere desselben forderten den Oberstlieutenant auf, mit ihren Zeugnissen seine berechtigten Ansprüche auf den Theresicn-Ordcn geltend zu machen. Bald darauf zum Obersten und Commandanten des altberühmten 8. Kürassierregimcntcs Großfürst Constantin — „Dampicrre-Kürassicre" — ernannt, führte Fürst Windisch-Grätz im Februar 1814 bei Maisonsblanches ein kühnes Reiterstück ans, indem er, nur von einem Trompeter begleitet, auf die feindliche Ausstellung zuritt, uni als Parlamentär zu dem höchstcommandierenden feindlichen General geführt zu werden. Bald ward er die große Überlegenheit des Gegners gewahr, und als der feindliche General, welcher merkte, dass der Parlamentär nur gekommen sei, um die Position und deren Stärke auszukundschaften, eben Miene machte, den Fürsten als Gefangenen zurückzuhalten, gab Oberst Windisch-Grätz seinem Pferde die Sporen und war schon davongcsprengt, noch ehe der feindliche General und dessen Umgebung aus ihrer Verblüffung zu sich kamen. Für die glänzende Waffenthat in der Schlacht bei Leipzig schmückte Kaiser Franz die Brust des tapferen Obersten (Allerh. Handbillct de dato Paris 2. Mai 1814) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordcns. Als im Jahre 1819 beim 200jährigen Jubiläum der Errettung Kaiser Ferdinands II. durch die Dampierre-Kürassiere Oberst Fürst Windisch-Grätz das eigens zu dieser Feier nach Wien befohlene Regiment nach dem alten Privilegium unter klingendem Spiel durch die Hofburg führte, da sagte Kaiser Franz, dem Vorbeimärsche der Truppe aus einem Fenster zusehend, zum Obcrstkämmercr Grafen Wrbna die schönen prophetischen Worte: „Sehen Sic den Windisch-Grätz da unten, ist jetzt ein brillanter Oberst, der sich im Kriege recht ausgezeichnet, das haben aber auch andere gethan, ich aber sehe mehr in ihm, und cs sollte mich wundern, wenn er meinem Hause nicht noch einmal große Dienste leisten sollte." Noch am selben Abend theilte Wrbna im Salon Metternichs dem Fürsten diesen Ansspruch des Monarchen mit. welcher Ansspruch sich nach drei Deccnnicn auch bewahrheiten sollte. Die Zeit bis zu den Ereignissen des Jahres 1848 verbrachte Fürst Windisch-Grätz zumeist damit, den Geist der militärischen Vorschriften des großen Erzherzogs Karl in seinem jeweiligen Wirkungskreise in die Praxis umzusetzen, gleichwie er auch im weiteren Verlaufe den neuen Einführungen Vater Radetzkys, allen Gegen- strömungen ausweichend, das Wort redete und, in die Commission zur Prüfung derselben berufen, der bekannten neuen Manövricrinstructivn durch sein entschiedenes Auftreten zum Siege vcrhalf (1835). Inzwischen hatte der Fürst 1830 zugleich mit den Erzherzogen Albrecht, dem heutigen Feldmarschall und Sieger von Custozza, und Stephan den Orden des Goldenen Vlieses erhalten, war noch als Brigadier zum zweiten Inhaber des 1. Kürassierregimentes Kaiser Franz und am 30. Mai 1833 zum Fcldmarschall-Lientenant und Divisionär in Prag ernannt worden. Kurz vor seinem Tode verlieh Kaiser Franz dem Fürsten statt des 1. Kürassierregiments das 4. Chevauxlcgcrsrcgimcnt, welches seitdem den Namen des nunmehrigen Inhabers fortführen sollte. Seit dem Jahre 1816 (16. Juni) war Fürst Alfred Candidus vermählt mit der Prinzessin Marie Eleonore Philippine zu Schwarzenberg, einer Tochter des Fürsten Josef Johann Nepomuk zu Schwarzenberg und der Fürstin Pauline, geborenen Prinzessin zu Arenberg, dem unglücklichen Opfer des Pariser Fest-balles 1800, die gleich ihrer edlen Mutter ein unvorhergesehenes trauriges Ende finden sollte, indem sic während der in der Psingst-woche 1848 herrschenden Bewegung in Prag, indessen auf den Straßen der Tumult tobte, am Fenster stehend, durch einen Schuss ein beklagenswertes Opfer der Parteiwuth wurde. Ein Bericht über ihr Leichenbegängnis hebt im Hinblicke aus das tieftraurige Ereignis betonend hervor, dass die Fürstin eine echte Wohlthäterin der Menschen gewesen, deren Andenken in Prag gesegnet ist.') Die Seelengrbße des Fürsten, dem cs bei solch persönlichem Schmerze — auch sein Sohn war an diesem Tage schwer verwundet worden — gelungen, des Prager Aufstandes Herr zu werden (12. Juni 1848), die unentwegte Consequenz seiner Handlungsweise, das von ihm gebotene Beispiel vollendeter Pflichttreue, die unbedingte Anhänglichkeit und Treue seiner Truppen, dazu die unbestrittenen Thatsachen des ersten Sieges jener Zeit über die in allen Hauptstädten Europas siegreiche Revolution, dies alles hatte ihm eine Stellung geschaffen, die er angesichts der immer weiter greifenden Bewegung in Wien und in alle» Nachbarstaaten mit der ganzen Kraft seiner Energie festzuhalten entschlossen war. Während des Octvbcraufstandes in Wien, wo er bereits in den ersten Wochen der Revolution (März und April), „mit allen Boll- >) Wnrzbach, 1. c., Artikel „Fürsten Schwarzenberg." machten" ausgerüstet, die monarchischen und conscrvativen Interessen energisch vertreten hatte, zum Fcldniarschall und Oberbefehlshaber aller außerhalb Lombardo-Venetiens stehenden Truppen ernannt, begann Fürst Windisch-Grätz seine Operationen gegen Wien. Er schlug am 30. Oetober die Ungarn bei Schwechat und rückte am 31. Oetober in das durch ihn eingenommene Wien ein, und um 8 Uhr morgens des 1. November 1848 wehte bereits die kaiserliche Fahne auf der Spitze des Stephansthurmcs. Zur Thronbesteigung des Kaisers Franz Josef I. zu Olmütz am 2. December 1848 begab sich auch der Fürst an das Allerhöchste Hvflagcr daselbst, und Se. Majestät versicherte Seinen Feldherrn in herzlichsten Worten Seiner Dankbarkeit und Seines gnädigen Vertrauens. Die weitere« politischen und kriegerischen Ereignisse führten den Feldmarschall Fürsten Windisch-Grätz nach Ungarn, wo er vom 15. December 1848 bis 24. April 1849 mit der Führung der Operationen betraut war, Preßbnrg, Raab, Ofen-Pest besetzte, am 27. Februar 1849 die Schlacht bei Kapolna gewann, welcher indes, bald nachdem er sich in die Defensive begeben, seine Abbernfnng aus Ungarn folgte. In seinem Abschiedsbefehle an die Armee de dato Olmütz 24. April 1849 schildert er seine Empfindungen, seinen Jdecngang nach der Abberufung und sagt u. a. wörtlich: „Diese Armee hat für die Welt große Verdienste, sic hat zur Ausrechthaltung der socialen Ordnung, zur Herstellung eines gesetzlichen Zustandes unter meiner Leitung so vieles geleistet, dass diese Thaten allein hinlänglich sind, ihr ein unvcrlösch-liches Verdienst in der Geschichte zu bewahren. Eine Wohlthat bleibt cs mir. und mein Stolz wird cs stets sein, sic in dieser verhängnisvollen Epoche geführt und einen Geist in ihr gefunden zu haben, der erhaben war über das Verderbnis der jetzigen Zeit." Ja jugendlichfrischer patriotischer geistiger Theilnahme an den politischen und militärischen Vorgängen in ganz Europa und speciell in Österreich überlebte Fürst Windisch-Grätz noch durch 14 Jahre die Ereignisse, in denen er eine so hervorragende Rolle gespielt, und starb zu Wien am 21. Mäh 1862. Im Jahre 1850 hatten elf Mitglieder des Maria Thcrcsicn-Ordens, die Generale Graf Wallmoden. Graf Nugcnt, Graf Mennsdorfs, Graf Hardegg, Freiherr d'Asprc, Freiherr von Weiden, Graf Wratislaw, Graf Schlick, Freiherr von Jclaöiö, Fürst Felix Schwarzenberg und Graf Clam-Gallas, ohne dass der Fürst eine Ahnung davon haben mochte, dem Groß- meister die untertänigste Bitte um Verleihung des höchsten Zeichens militärischen Ruhmes an denselben vorgelegt. Der Kaiser überwies das Gesuch dem im Jahre 1850 tagenden Capitel, und dieses erkannte dem Fürsten Windisch-Grätz durch Einhelligkeit der Stimmen das Großkreuz zu. Die Motive dieses Gesuches sind ehrend für die Bittwerber wie für den Fürsten. „Indem wir den Namen Windisch-Grätz nennen," heißt es darin, „bezeichnen wir damit zugleich Tugenden, welche den Träger desselben zum Manne der Geschichte machen. Erlassen uns Euer Majestät die Ereignisse zu schildern, welche in der jüngsten Vergangenheit den Erdball aus seinen Fugen zu stürzen, Throne und Reiche zu zertrümmern, Recht und Ordnung zu vernichten drohten. Euer Majestät haben diese Katastrophe selbst durchlebt, Euer Majestät sind selbst von der Vorsehung auserkoren, segenbringend in die Weltverhältnisse einzugreifen. An Österreichs Schicksalen hieng das Los Europas, das der Gesellschaft. Die Empörung erhob mit maßloser Kühnheit das Haupt selbst auch in Euerer Majestät blühendem Staate — und für seinen Monarchen, ohne alle Rücksicht auf die tiefen Wunden, die ihm die Volkswuth geschlagen, trat Fürst Windisch-Grätz unaufgefordert au die Spitze der Truppen.. . Das gute Recht hatte gesiegt, der Thron Euerer Majestät war gerettet, und das erschütterte Reich erhob sich mit neuer, nie gekannter Kraft aus seinen Trümmern empor, unter denen es das Ausland bereits begraben glaubte. Das sind Thatsachen, mit denen der Name Windisch-Grätz unauflöslich verwebt und mit ihm die Erinnerung an felsenfeste Treue und unbeugsamen Muth und hohes Verdienst immerdar verbunden bleibt." Die Textierung dieses Gesuches soll der schwungvollen Feder des Freiherrn von Jelaöiö entstammen. Bei seinem Tode ehrte den um Dynastie und Reich gleich verdienten Feldmarschall und Staatsmann das Wort seines Obersten Kriegsherrn in anszeichnendster Weise. Der Allerhöchste Armeebefehl anlässlich des Ablebens des Feldmarschalls Fürsten zu Windisch-Grätz de dato Venedig 22. März 1862 lautet: „Um das Andenken des verewigten FeldmarschaUs Alfred Fürsten zu Windisch-Grätz seinen vielen Verdiensten gemäß zu ehren, finde Ich Nachstehendes anzuordnen: Im Sitze eines jeden Generalats ist ein Trauergottesdienst anzuordnen. Meine gesummte Armee und Flotte haben acht Tage hindurch die Trauer in und außer Dienst, alle Fahnen und Standarten auf diese Zeit den Flor zu tragen. Das 2. Dragonerregimcnt hat für immerwährende Zeiten dessen ruhmvollen Namen zu führen. Der Feldmarschallstab, die inländischen Ordensdccorationen und eine vollständige Uniform sind im Museum des kaiserlichen Arsenals neben jenen der berühmten und verdienstvollen Feldherren aus früherer Zeit aufzubewahren. Venedig am 22. März 1862. Franz Josef m. p." An den Sohn des verblichenen Fcldmarschalls, den Majorats-Herrn k. k. Generalmajor Alfred Fürsten zu Windisch-Grätz, geruhte Sc. Majestät Kaiser Franz Josef L aber das nachstehende Allerhöchste Handbillct unter gleichem Datum zu richten: „Lieber Generalmajor Fürst Windisch-Grätz! Der überaus schmerzliche Verlust, den durch den Tod Ihres Vaters Ich und Ihre Familie erleiden, hat Mich tief ergriffen. An ihm verliert Meine Armee das glänzendste Vorbild echter Ritterlichkeit. Diesem Ausdrucke Meiner wärmsten Theilnahme füge Ich die Versicherung bei, dass Ich für die vielen und großen Verdienste Ihres nunmehr in Gott ruhenden Vaters um Mich und Mein Reich stets ein dankbares Andenken bewahren werde. Venedig am 22. März 1862. Franz Josef m. p." Im Hcrrenhansc des österreichischen Reichsrathcs, dem Fcld-marschall Alfred Candidus zu Windisch-Grätz als erbliches Mitglied angehörte, hielt der Präsident Fürst Carlos Auersperg in der Sitzung vom 22. März den Nachruf und sagte u. a.: „Ein Unterpfand seines Wirkens wahrt jeder Österreicher, des Fürsten Windisch-Grätz in dankbarster Ehrfurcht zu gedenken. Es ist dies der Bestand der Monarchie (Bravo! Sehr gut! Centrum), des Hauses Habsburg legitimer Thron steht als ruhmvolles Denkmal seines thatenreichen Lebens. Das Kaiserthum Österreich schuldet dem verklärten Helden seine Wiedergeburt und die Wohlthat socialer Ordnung." Ein ungarischer Staatsmann, Graf Anton Szächen, schrieb in einem Wiener Blatte („Vaterland") zu seinem Nachrühme u. a. Folgendes: „Dass das Chaos revolutionärer Zustünde in Österreich von den Strahlen einer besseren Zeit erleuchtet wurde, verdanken wir dem Fürsten Windisch-Grätz. Er hat diesen Ländern und Völkern das kostbarste Gut gerettet, welches die Vorbedingung gedeihlicher Zustände ist. Den Faden der Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegen- wart, das legitime Recht seines Herrscherhauses, welches die Schwäche, die kurzsichtige Leidenschaft, die Gedankenlosigkeit der Menge, die frivole Tücke feindseliger Gewalten zu zerreißen drohten, hat er im entscheidenden Momente mit starker Hand erfasst, und der Faden ward zum mächtigen Taue, welches das Schiff des Staates trotz allen Stürmen an einen sichernden Ankerplatz knüpfte." Zahlreich waren die Orden und Ehrenzeichen, deren sich der vielfach ausgezeichnete Fürst zu erfreuen hatte. Er besaß außer dem Orden des Goldenen Vlieses und dem Großkreuze des Maria Thcresicn-Ordens das Großkrcuz des ungarischen Stephansordens, den russischen Alexander Newski- und Andreasorden, beide in Brillanten, dann noch andere dreizehn Orden, meist Großkreuze von Russland, Preußen, Bayern, Hannover, Toscana und Rom, das Ehrengroßkreuz des souveränen Johannitcrordcns »nd seit 1814 einen kaiserlich russischen Ehrendegen. Porträte, Medaillen, Statuetten in großer Zahl verewigten sein Bild, die Prager Bürgerschaft verehrte ihm dankerfüllt einen Lorbeerkranz mit einem prächtigen Album. Im Liede auch ward sein Verdienst um Kaiser und Reich mehr-fach gefeiert, am meist charakteristischen durch den gekrönten Sänger König Ludwig von Bayern in dem Gedichte „Windisch-Grätz, Jc-laöiö, Radetzky", das da ausklingt in die Worte: Die letzte Stunde Österreichs scheint geschlagen, Frohlockend sprechen ihm die Frevler Hohn, Die Edle» seinen Untergang beklagen schon! Nicht kennen mehr die Sterblichen Verpflichtung, Es droht dem Throne schrankenlose Gier: Wer rettet jetzo Österreich vor Zernichtung? W. I. R.! * Fürstin Marie Eleonore zu Windisch-Grätz, geborene Prinzessin zu Schwarzenberg, hatte ihren Gemahl, den Fcld-marschall Alfred Fürsten zu Windisch-Grätz, mit sieben Kindern beschenkt: den Prinzen Alfred Josef Nikolaus Guntram, Victorin Leopold Karl, August Josef Niklas, Ludwig Josef Niklas, Josef Alois Niklas und den Prinzessinnen Aglae Eleonore Ruperte (geb. 1818, | 1845) und Mathilde Eleonore Aglae, vermählt mit ihrem Vetter, dem Prinzen Karl Bincenz Weriand zu Windisch-Grätz (gefallen in der Schlacht von Svl-ferino 24. Juni 1859), Sohne des Bruders des Feldmarschalls, des Fürsten Weriand Alois, und der Fürstin Marie Eleonore, geborenen Prinzessin zu Lobkowitz. Von den Söhnen des Fcldmarschalls war der Erstgeborene der nachhcrige Feldmarschall-Licuteiiant Alfred II. Fürst zu Windisch-Grätz, Ritter des Goldenen Vlieses, Vater des gegenwärtigen Ministerpräsidenten, des Fürsten Alfred III. zu Windisch-Grätz, geboren zu Wien am 28. März 1819, gestorben zu Tachau am 28. April 1870. Fürst Alfred II. zu Windisch-Grätz trat, nachdem er unter Leitung des tüchtigen P. Johann Rep. Gebhard, Ehrendomherrn am Wyschrab in Prag, eine besonders sorgfältige Erziehung genossen, im Alter von 19 Jahren in die Armee als Lieutenant im 1. Kürassier-regiment Kaiser und wurde im Juli desselben Jahres (1838) der zur Krönung der Königin Victoria nach England abgesandten außerordentlichen Botschaft unter Führung des Fürsten Johann Adolf Schwarzenberg beigcgcben. Im Jahre 1848 finden wir den Fürsten Alfred II. zu Windisch-Grätz als Rittmeister und Escadronseommandantcn des 8. Kürassierregimentes Graf Ignaz Hardegg in Prag an der Seite des commandierenden Generals in Böhmen, seines Vaters, in welcher Stellung er, wie schon vorher erwähnt worden, eine schwere Verwundung erlitt, als er sich am 12. Juni freiwillig der Sturmcolonnc des Generalmajors von Schütte angeschlossen und die Erstürmung einer Barricade mitgemacht. Während der nächsten Sommermonate zur Pflege seiner Wunde auf dem Hradschiner Schlosse im.Hauptquartiere seines Vaters, war er lange Zeit hindurch der einzige, den der Commandierende in das Geheimnis der Maßnahmen einweihte, welche die Einleitung der späteren Begebenheiten bei Wien ermöglichten. Er erwarb sich bei den dies-fälligen Besprechungen und Vorarbeiten das volle Vertrauen des nachmaligen Feldmarschalls. Im Zusammenhange mit dieser Thätigkeit wurde er im Herbste, kaum von seiner noch offenen Wunde hergestellt, zum Major und Flügeladjutantcn seines Vaters ernannt, in dessen Hauptquartier und bei mehreren Gefechten außerhalb desselben verwendet, er die Feldzngc gegen Wien und in Ungarn bis zur Abberufung des Feldmarschalls (14. April 1849) mitmachte ititb dann bis zum Jahre 1855 an dessen Seite verblieb. Im Jahre 1856 zum Obersten im Regimente befördert, übernahm er 1857 das Commando des 6.Kürassicrregimcntcs Graf Wallmodcn, kam 1860 als Oberst-Brigadier nach Pest und von da 1861 als Commandant einer leichten Cavalleriebrigade nach Brünn, wo er nach einigen Monaten zum Generalmajor aufrückte, Am 21. März 1862 folgte er seinem Vater, dem Feldmarschall, als Chef der Familie und erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathcs und der Kammer der Standesherren des Königreiches Würtemberg sowie in den Besitz der Herrschaften Tachau, Kladrau, Stökna in Böhmen, Korlatküe in Ungarn, Rohitsch in Steiermark und Egloffs in Würtemberg, mit deren Verwaltung er sich neben seiner militärischen Thätigkeit eingehend beschäftigte. Was diese letztere betrifft, so sorgte der Fürst ebensowohl für die taktische Ausbildung seiner Truppe, als er auch in hervorragender Weise auf den Geist seines unterstehenden Officierscorps Einfluss nahm. Im Spätsommer 1862 nahm er seinen erblichen Sitz im Herrenhause des österreichischen Reichsrathcs ein, und in den Jahren 1863 und 1864 wohnte er der Versammlung der Standesherren in Frankfurt am Main bei. Er hielt stets eine streng conservative Richtung und eine die rationalistischen Bestrebungen missbilligende Stellung, so namentlich in den Verhandlungen 1868 und 1869. Anfangs Mai 1866 übernahm Generalmajor Fürst Windisch-Grätz das Commando einer Brigade in der vom Generalmajor und Generaladjutantcn des Kaisers Grafen Karl Coudenhove befehligten 3. Reservc-Cavallcricdivision der zum Kriege mit Preußen in Böhmen aufgestellten Nordarmee. Am 3. Juli in der Schlacht bei Königgrätz führte er eine glänzende Attaque an der Spitze des 8. Kürassicrregimentes Prinz Karl von Preußen gegen die zur Verfolgung der kaiserlichen Armee stürmende preußische Reiterei ans. Das Regiment erlitt ganz außerordentliche Verluste und durchbrach den in mehreren Linien vorrückenden Gegner, einzelne Kürassiere gelangten bekanntermaßen bis in die Nähe des Königs von Preußen. Erst leicht durch zwei Lanzenstiche der feindlichen Uhlanen verwundet, wollte der Fürst eben sein zweites Regiment Wrängel-Kürassierc zur Attaque vorführen, als er durch eine Zünd-nadclgewehrlugel eine schwere Wunde in den Unterleib erhielt. Das Regiment Preußen erlitt einen Gesammtverlust von 21 Officieren (darunter 3 todt), 269 Mann und 363 Pferden, das Regiment Wrangcl einen solchen von 5 Officieren, 109 Mann und 107 Pferden (theils todt, theils verwundet). Der schwervcrwundete General wurde nach Rossitz gebracht, daselbst von einem feindlichen Officier, Zastrow. als Kriegsgefangener erklärt und nach zwei Tagen durch Johanniter (unter dem Prinzen 9icu6) nach Hokitz transportiert. Auf Geheis; des Königs Wilhelm von Preußen behandelte dessen Leibarzt Dr. Langenbeck die schwere Verwundung. Das Bad Teplitz förderte die wettere Genesung. Der Feldzng 1866 war der letzte, den er mitmachte, und mit seiner Verwundung bei Kvniggrätz schloss er seine Kriegsthätigkeit. Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde erlangte er, und zwar für den Fcldzug 1848 und 1849, das Ritterkreuz des kaiserlich österreichischen Leopolds-Ordens und das Militär-Verdienstkrcuz, beide mit der Kriegsdccoration, für den Fcldzug 1866 den kaiserlich österreichischen Orden der Eisernen Krone ,zweiter Classe mit der Kriegsdecoration. Als ungarischer Jndigcna betheiligte sich Fürst Alfred II. zu Windisch-Grätz im Jahre 1867 an den Krönungsfeicrlichkeitenzu Ofen und Pest. Im selben Jahre ward er Ritter vom Goldenen Vlies. Nach einem längeren Urlaube und der erfolgten Herstellung von seiner schweren Verwundung zur Armee zurückgekehrt, ward er 1868 Feld-marschall-Lieutenant und Divisionär zu Ödenburg, und 1869 erhielt er das Militärcommando zu Prcßburg. Anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 war er dem Grosjfürstthronfolgcr von Russland, jetzigen Czaren Alexander HL, zur Hvfdienstlcistnng zugetheilt. Am 28. April 1876, 6 Uhr abends, starb der Fürst auf seinem Schlosse zu Tachau im 58. Lebensjahre nach kurzem Leiden. Fürst Alfred II. zu Windisch-Grätz hatte sich am 19. Oc-tober 1850 zu Prag mit seiner Cousine, der Prinzessin Marie Hedwig zu Lobkvwitz, vermählt, doch der Tod entriss ihm die jugendliche Gattin bereits nach zweijähriger Ehe am 19. Oktober 1852 auf Schloss Tachau, nachdem sie ihm das Jahr zuvor, am 31. Oktober 1851, mit einem Sohne, dem Prinzen Alfred III., dem gegenwärtigen Chef des Hauses und österreichischen Ministerpräsidenten, beschenkt hatte. Mit dem Feldmarschall-Licutenant Fürsten Alfred II. zu Windisch-Grätz schied ein ritterlicher Charakter, ein tapferer Soldat, ein hochgebildeter Officicr, ein allgemein verehrter Vorgesetzter und ausgezeichneter Kamerad aus dem Leben. Die ihm gewidmeten Nachrufe sind in vorstehender Würdigung einstimmig.') ') Wurzbach, I.e. Mit Benützung handschriftlicher Mittheilungen »nd der Werke von Amon, Geschichte des k. und k. 12. Husarenregimentes, und von Thürheim Andr. Graf, Die Reiterregimenter der k. und k. österreichische» Armee und Gedenkblätter aus der Geschichte der k. und k. Armee. Alfred III. August Karl Maria Wolfgang Erwin Fürst zu Windisch-Grätz, der gegenwärtige Chef des Hauses, Ritter des Goldenen Vlieses, geheimer Rath, Mitglied des Herrenhauses, österreichischer Ministerpräsident, Doctor sämmtlicher Rechte, der einzige Sohn des damaligen Erbprinzen seit 1862, dem Todesjahre des Vaters, beziehungsweise Großvaters Fcldmarschalls Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz, des Fürsten Alfred II. zu Windisch-Grätz und der Erbprinzessin Marie Hedwig, geborenen Prinzessin zu Lob-kowitz, ist geboren am 31. Octobcr 1851. Der junge Fürst Alfred wandte sich, nachdem er eine äußerst sorgfältige, von dem Prager Divccsauwcltpriester Wenzel Schmid (gestorben zu Tachau 1. Oktober 1883) geleitete Erziehung genossen und das Gymnasium beendet hatte, der Jurisprudenz zn, bezog 1869 die Universität in Bonn und setzte dann 1871 seine Facultätsstudien an der Carolo-Ferdinandca in Prag fort, wo er die strengen Prüfungen ablegte und am 9. Juli zum Doctor sämmtlicher Rechte promovierte. Fürst Windisch-Grätz hatte sich zum Thema die These „Über die rechtliche Natur der Stammgüter" gewählt. Bald darauf vermählte sich der Fürst am 18. Juni 1877 mit der Prinzessin Marie Gabriele Eleonore Auersperg, Tochter weiland des Fürsten Vincenz Auersperg, k. und k. Obcrstkämmcrcrs, und der Fürstin Wilhelm ine Auersperg, geborenen Gräfin von Colloredo-Mannsfeld. Die Sprösslinge dieser Ehe sind: Prinzessin Marie Hedwig Anna Bertha Wilhelmine Christiane Elisabeth Rositta, geboren zu Stäkna 16. Juni 1878; Prinzessin Marie Wilhelminc Elconora Gabriele Juliane Aloysia, geboren zu Stekna 19. Juni 1881; Erbprinz Vincenz Alfred Wilhelm Marie Gabriel, geboren zu Tachau 3. September 1882; Prinzessin Agnes Mathilde Marie Bertha Elevnvra Valentine Juliane, geboren zu Wien 14. Februar 1884; Prinzessin Marie Agnes Christiane Hedwig Gabriele Wilhelminc Ernestine, geboren zu Tachau 11. Jänner 1887. Bereits seit 1876, dem Todesjahre seines Vaters, erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Rcichsrathes, wurde er mit Allerhöchster Entschließung vom 16. Mai 1883 zum ständigen Mitglied«: des Reichsgerichtes ernannt und mit kaiserlichem Handschreiben vom 23. November 1884 durch die Verleihung des Ordens vom Goldenen Vliese ausgezeichnet. Als stimmberechtigtes Mitglied der Magnatcntafcl des Königreiches Ungarn optierte er laut § 2 b, alinea 2 des ungarischen Gesetzartikels VII vom Jahre 1885 für die Theilnahme an der Legislative in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern, Der Fürst ist Standcsherr im Königreich Würtcmberg und seit 1877 Ehrenritter des Deutschen Ordens. Der Grundbesitz des (älteren) Alfred'schen Zweiges (des Erasmus'schen Astes) des Hauses Windisch-Grätz stellt sich dar luden Herrschaften Tachau, Kladrau (Fideicommiss) und Stökua in Böhmen, der Herrschaft Rohitsch in Steiermark, der Herrschaft Korlatköe in Ungarn, der Standesherrschaft Egloffs und Siggen (ehemaliges Fürstenthum Windisch-Grätz) in Würtemberg. Auch besitzt der Fürst je ein Haus in Wien und Prag. Wie bereits erwähnt, seit 1876 erbliches Mitglied des Herren Hauses des österreichischen Rcichsrathcs, schloss sich Fürst Alfred zu Windisch-Grätz, als in unserer Pairskammer die sogenannte Mittel-partei gebildet wurde, derselbe» an. In den böhmischen Landtag wurde er von dem fideicommissarischen Großgrundbesitz entsandt. Welche Haltung er daselbst namentlich in der Frage des böhmischen Ausgleiches genommen hat, ist noch in jedermanns Erinnerung. Er war der Führer der nach ihm benannten Gruppe, die für die Fortsetzung des Ausgleiches eintrat. Die Angehörigen dieser Gruppe legten bekanntlich ihre Landtagsmandatc nieder. Fürst Windisch-Grätz verblieb wohl auch weiter im Landtage, er trat aber in diesem seither nicht in den Vordergrund. In der letzten Delegationssitzung fungierte der Fürst als Präsident der österreichischen Delegationen und hielt, ein vortrefflicher Redner, jene staatsmännisch hervorragende Rede, die so allgemeinen Anklang gefunden. Er wurde von Seiner Majestät zum geheimen Rathe ernannt und fungierte bis zu seiner Berufung als Ministerpräsident im österreichischen Herrcnhausc als Vicepräsident. Am 11. November 1893 crfloss das Allerhöchste Handbillet, womit Seine Majestät den Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz zum Ministerpräsidenten ernannte und mit der Bildung des neuen Ministeriums betraute; unter demselben Datum erfolgte die Bildung des neuen Ministeriums selbst. Die beiden hierauf bezüglichen Allerhöchsten Handschreiben lauten: Lieber Fürst zu Windisch-Grätz! Ich ernenne Sie zu Meinem Ministerpräsidenten für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder und sehe Ihren An- trügen bezüglich der Bildung des neuen Ministeriums ehestens entgegen. Wien, am >1. November 1893. Franz Josef m. p. Lieber Fürst zu Windisch-Grätz! In Genehmigung Ihrer Anträge ernenne Ich den Grafen Julius Falkenhayu neuerlich zu Meinem Ackerbauminister, den Feldzeugmeister Grafen Zeno Welsersheimb neuerlich zu Meinem Minister für Landesvertheidigung, den Marquis Olivier Bae-qne hem zu Meinem Minister des Innern, den Grafen Friedrich Schvnbvrn neuerlich zu Meinem Justizminister, den geheimen Rath, Landeshauptmann in Meinem Herzogthume Steiermark Grafen Gundaker Wurmbrand zu Meinem Handelsminister, den Vice-präsidenten des Abgeordnetenhauses Stanislaus Ritter von Madeyski zu Meinem Minister für Cultus und Unterricht, den Legationsrath a. D. Dr. Ernst Edlen von Plener zu Meinem Finanzminister und den geheimen Rath Apvllinar Ritter von Jaworski zu Meinem Minister. Die diesbezüglichen an dieselben gerichteten Handschreiben folgen im Anschlüsse mit. Wien, am 11. November 1893. iS nun c*nipf m n *.f„b Fürst zu «indi,ch.L-tz m.' p! In der nach der Neubildung des Ministeriums erfolgten ersten Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses am 23. November ergriff bei gedrängt vollem Hause der Ministerpräsident Fürst zu Windisch-Grätz das Wort zu nachfolgender Erklärung: „Seine k. und k. Apostolische Majestät haben mich zu Allerhöchst Ihrem Ministerpräsidenten allerguüdigst zu ernennen geruht, und ich habe die Ehre, mich als solchen sowie das neue Ministerium Seiner Majestät dem hohen Hause hiermit vorzustellen. Die neue Regierung wurde eingesetzt infolge der gemeinsamen Aetion der drei großen Parteien des Abgeordnetenhauses; sie wendet sich daher in erster Linie an die Parteien und spricht die Erwartung aus, dass dieselben ihre Thätigkeit mit Vertrauen begleiten und auch einander gegenüber gute parlamentarische Beziehungen unterhalten werden. Die Regierung erklärt, dass sie es als ihre erste und wichtigste politische Aufgabe betrachtet, im Einvernehmen mit diesen Parteien eilte umfassende Wahlreform zu schaffen, welche mit Aufrechthaltung der derzeit bestehenden verfassungsmäßigen Vertretung der Interessengruppen und mit genauer Berücksichtigung der Verhältnisse der einzelnen Königreiche und Länder eine wesentliche Ausdehnung des Wahlrechtes unter Heranziehung von bisher vom Stimmrecht ausgeschlossenen Volksschichten, insbesondere der Arbeiter, herbeiführen und zugleich das bisherige Schwergewicht der politischen Rechte des Bürger- und Bauernstandes sichern soll, und welche voraussichtlich eine Vermehrung der Mitgliederzahl des Abgeordnetenhauses zur Folge haben wird sowie die Revision der Wahlbezirkseintheilung erfordern dürfte. Bis zum Zustandekommen der Wahlresorm hält die Regierung dafür, alle anderen großen politischen Fragen ruhen zu lassen, und will sich unter dieser Zeit, unter gleichzeitiger steter Bedachtnahmc auf die Erhaltung der Machtstellung und Wehrkraft der Monarchie, mit aller Thatkraft den wirtschaftlichen und finanziellen Aufgaben zuwenden. Die neue Regierung übernimmt das mit Ungarn vereinbarte Werk zur Herstellung der metallischen Währung und wird es mit Ernst und Umsicht weiterzuführen bestrebt sein. Ebenso wird die Regierung großen Wert darauf legen, dass im Wege parlamentarischen Einvernehmens die Reform der dirccten Stenern zum Abschlüsse gebracht werde. In Erkenntnis der großen Bedeutung der Socialpvlitik in der heutigen Verwaltung und der Nothwendigkeit der Fürsorge für die arbeitenden Classen wird die Regierung diesem unserer Zeit so wichtigen Gebiete der staatlichen Thätigkeit ihr besonderes Augenmerk zuwenden und behält sich vor, hierüber seinerzeit bestimmte Vorschläge zu machen. Das Gelingen der Justizreform, welche zum großen Theile die Interessen des rechtsuchenden Publicums und der Bevölkerung überhaupt direct berührt, wird sich die Negierung dringend angelegen sein lassen. Nützliche Reformen zur Hebung der sittlichen und materiellen Verhältnisse und somit der Bildung und des Wohlstandes liegen im Interesse des ganzen Volkes und darum auch sämmtlichen Parteien des Hauses gleichmäßig am Herzen, und die Regierung wird glücklich sein, wenn hier die Parteischcidungen zurücktreten, alle sich in gemeinsamer patriotischer Arbeit zusammenfinden wollen. Offenheit und Wahrheit im öffentlichen Leben, die volle Anerkennung der Bedeutung der parlamentarischen Institutionen, die wirksame Förderung aller berechtigten wirtschaftlichen Interessen, eine kräftige, auf der Höhe der Zeit stehende Verwaltung, die entschiedene Abwehr aller den Frieden des Staates und der allgemeinen Wohlfahrt störenden Elemente, dies sind die Gesichtspunkte, von welchen sich die Regierung bei Führung der öffentlichen Geschäfte leiten lassen will, und sic hofft in ihrer schwierigen Aufgabe auf das Vertrauen und die Unterstützung aller Wohldenkenden, welche für ihr Volk warm empfinden, und denen das Ansehen Österreichs theuer ist." In dieser Programmerklärung des Ministerpräsidenten Fürsten zu Windisch-Grätz wurden mit lebhaftem Beifalle die Stellen ausgenommen, welche die Wahlreform, die Aufrechthaltung der finanziellen Aufgaben, die Steuerreform, die Anerkennung der parlamentarischen Institutionen und die entschiedene Abwehr gegen alle friedstörenden Elemente ankündigten. Nach Schluss der Erklärung erfolgte anhaltender, sich immer erneuernder lauter Beifall. In der Herrenhaussitzung am selben Tage (23. November) brachte der Präsident die vorstehende Regierungserklärung zur Verlesung, welche mit lebhaftem Beifallc ausgenommen wurde. Der Ministerpräsident Fürst zu Windisch-Grätz fügte der Erklärung folgende Worte hinzu: „Mit dieser Erklärung trat die Regierung vor das Abgeordnetenhaus, und dieselbe zur Kenntnis des Herrenhauses bringend, hegt sie die Erwartung, dass das Herrenhaus, das mit Recht als der Hort des österreichischen Patriotismus und als Körperschaft angesehen wird, ivo alle Parteigegensätze gemildert zu werden pflegen, die Regierung in Erfüllung ihrer schweren Aufgabe wohlwollend unterstützen wird." (Lebhafter Beifall.) Wenn man die Erfolge des vom Ministerpräsidenten Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz gebildeten Ministeriums ins Auge fasst, so nimmt man schon heute mit patriotischer Freude wahr, dass unter der Ägide dieses „Koalitionsministeriums" in allen Theilen des Reiches der österreichische Reichsgedankc wieder erstarkt ist, was nicht nur im Reichsrathe, sondern auch in der jüngsten Session der Landtage und selbst jener, wo bislang dagegen die starrste Opposition geherrscht, in erfreulichster Weise zum Ausdrucke gekommen ist. Der Zweitälteste Sohn des Fcldmarschalls Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz und der Fürstin Maria Eleonore, geborenen Prinzessin zu Schwarzenberg, Prinz Victorin Leopold Karl (geboren 1824), der sich gleichfalls der militärischen (Saniere gewidmet hatte, nahm an den Feldzügen 1848 und 1849 und zwar am Feldzuge in Italien als Major und Flügeladjutant des Feldmarschalls Grafen Radetzky theil; im Jahre 1862 schied der Fürst als Oberst aus der k. k. Armee ohne Beibehaltung des Militärcharaktcrs, trat aber 1866 in dasselbe Regiment Nr. 8 wieder ein und zwar als Lieutenant, machte den Feldzug in Böhmen mit, wurde (am 10. Juli) bei Saar leicht verwundet und trat, nachdem er die Allerhöchste Belobung für seine Tapferkeit erhalten, abermals aus dem Hecresverbande aus. Der Prinz, der unvcrmählt geblieben, starb am 3. October 1869 auf einer Hirschjagd bei seinem ältesten Bruder Fürsten Alfred im Jägerhause Jnselthal bei Tachau plötzlich an Berstung der Herz-ader. !) Der dritte Sohn des Feldmarschalls Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz und der Fürstin Marie Eleonore, geborenen Prinzessinzu Schwarzenberg, Prinz August Josef Nikolaus (geboren am 24. Juli 1828), trat im Jahre 1848 bei Ausbruch des italienischen Krieges als Lieutenant in das Infanterieregiment Nr. 47 (Graf Kinsky), machte den Feldzug dieses Jahres mit und zeichnete sich durch besondere Tapferkeit aus. Im Jahre 1850 zum Flügeladjutanten Seiner Majestät ernannt, verblieb der Fürst in dieser Stellung bis 1852. Das Jahr darnach (2. Juni 1853) vermählte er sich mit Wilhelmine Gräfin von Nostiz-Rhinek-Rokitnitz, die ihn mit einer Tochter und einem Sohne beschenkte; die Tochter Prinzessin Marie Eleonore vermählte sich 1877 mit Wilhelm Grafen und Marquis von Hoensbroeck, der Sohn Prinz Ferdinand wurde aber mitten in seinen Studien 1879 im Alter von 20 Jahren zu Meran durch den Tod dahingerafft.^) Prinz August Josef Nikolaus, 1863 zum Obersten im 64. Infanterieregiment Gros;herzog von Sachsen-Weimar vorgerückt, ist gegenwärtig Feldmarschall-Lieutenant, geheimer Rath und Oberstsilberkämmerer Seiner Majestät des Kaisers. Der vierte Sohn des Feldmarschalls Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz und der Fürstin Marie Eleonore, Prinz Ludwig Josef Niklas (geboren zu Wien 13. Mai 1830), Ritter des Goldenen Vlieses, des Leopolds-Ordens mit der Kriegödccoration, des Eisernen Kronen-Ordens der ersten Classe mit der Kricgsdceo-ration der dritten, Besitzer des Militär-Vcrdienstkrcuzes mit der Kriegsdccoration, der Militär-Verdienstmedaille am Bande des Militär-Verdienstkreuzes, der Militär-Verdienstmedaille am rothen Bande, Ehrenritter des Johanniter-Ordens, geheimer Rath, erbliches Magnatcnhans ') Wurzbach, 1. c. 2) Wurzbach, 1. c. Mitglied des ungarischen Rcichsrathes, seit 1883 Inhaber des Infanterieregimentes Nr. 90, Commandant des 11. Corps und commandierender General zu Lemberg, General der Cavallerie, begann seine militärische Laufbahn 1847 als Cadet bei Seiner Majestät Kriegsmarine, trat aber 1848 als Lieutenant zur Infanterie (Regiment Heß) über und machte die ersten Gefechte und Schlachten im italienischen Feldzuge als Gencralstabsofsicicr mit. Für seine Thätigkeit in der Schlacht bei Custozza (‘23. bis 25. Juli) wurde der Prinz vom Fcld-marschall Grafen Radetzky im Armeebefehl belobt. Noch 1848 (16. August) zum Oberlieutenaut im Infanterieregiment Nr. 7 (Baron Prochaska) befördert, ward er im Oktober der Armee vor Wien als Ordonnanzofficier zugetheilt und rückte nachher von da mit der Armee nach Ungarn. Für sein tapferes und umsichtiges Benehmen bei der Einnahme von Schcmnitz (21. und 22. Jänner 1849) wurde er durch Allerhöchste Belobung und dann mit dem Militär-Berdicnstkreuze ausgezeichnet sowie für seine Theilnahme an der Schlacht bei Kapolna (26. und 27. Februar) mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Classe. In dem Gefechte bei Egcr-Formos, dem Reiterkampfe unfern Hatvan am 5. April und den Kanonaden am Rakos vor Pest am 10. und 13. April stand er neuerdings vor dem Feinde. Wegen seiner bemerkenswerten Dienstleistungen vor demselben durch Kricgsministerial-crlass vom 1. März 1849 zum Rittmeister zweiter Classe bei Kaiser-Uhlanen Nr. 4 befördert, kam er am 14. April als Hauptmaun zweiter Classe in das 14. Jägerbataillon. Während des ungarischen Sommerfeld-znges 1849 betheiligte er sich an dem Gefechte bei Csorna am 13. Juni, der Einnahme von Raab am 28. Juni und den Schlachten vor Komorn am 2. und 11. Juli, wo er letzteren Tages durch eine Gewehrkugel am Schienbeine verwundet wurde. Nach dem Schlüsse des Krieges erhielt er noch den russischen Wladimir-Orden mit den Schwertern. Am 10. Oktober 1850 als Rittmeister zweiter Classe zum lO.UHlancn-regiment Graf Clam übersetzt, stieg er bei demselben am 1. März 1851 zum Rittmeister erster Classe auf. Mit Allerhöchster Entschließung vom 14. Juni 1858 erfolgte seine Beförderung zum Major beim 7. Uhlancn-regimcnt Erzherzog Karl Ludwig, in welchem er am 22. Juli 1859 zum Oberstlieutenant, und nachdem er am 16. Mai 1864 unter Übersetzung in den supernumerären Stand ans ein Jahr beurlaubt worden, den 13. December 1865 zum zweiten Obersten vorrückte. Mit Allerhöchster Entschließung vom 9. Mai 1866 zum Commandanten des 4 2. Dragoncrregimcntcs Fürst Windisch-Grätz ernannt, zog er mit demselben bei der Nordarmce gegen Preußen ins Feld. Unter seiner Führung focht das Regiment bei Trautenau am 27., bei Neu-Rognitz den 28.. bei Kvniginhof am 29. Juni, in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli und hatte am 12. und 13. Juli die Nachhutgcfcchte zu Mährisch-Budwitz und Znaim zu bestehen. Die tapferen und vorzüglichen Leistungen des Prinzen in diesem Feldzuge ehrte der Monarch durch die Verleihung des Ritterkreuzes vom Leopolds-Orden mit der Kriegsdecoration 13. October 1866. In seinem schönen Gedichte „Qui s’y trotte s’y pique!”1) verherrlichte der patriotische Sänger Heinrich Graf Crenneville die neuerliche glänzende Waffcnthat der Windisch-Grätz-Dragvncr bei Trautenau unter dem Obersten Prinzen zu Windisch-Grätz mit den schwungvollen Versen: In Östreichs schönem Heere, da ist ein Regiment, Das Windisch-Grätz-Dragoner mit edlem Stolz sich nennt, Denn seiner Reiter Pallasch, ihr sicherer Heldenblick Blieb treu stets der Devise, dem „Qui s’y trotte s’y pique!” Bei Trautenau im Kampfe, im blnt'gen Schlachtgebrans Ein Windisch-Grätz, ihr Oberst, führt sie zu kühnem Stranst, Vor dem Dragonersäbel, da wich der Feinde Tiick’, Denn er blieb treu dem Wahlsprnch, dem „Qui s’y trotte s’y pique!” Durch die Allerhöchste Entschließung vom 10. Februar 1868 zum Commandanten des Dragonerregimentes Savoyen berufen, wurde Fürst Windisch-Grätz auf sein Ansuchen am 31. März 1869 in den Disponibilitätsstand versetzt, in welchem er am 8. Februar 1870 zu Preß bürg seine Vermählung mit Valerie, geborenen Gräfin von Dessewffy, feierte. Infolge kaiserlichen Befehles vom 26. December 1871 erhielt er das Commando der 2. Jnfantericbrigadc in der 9. Truppendivision und wurde am 28. April 1872 zum Generalmajor befördert. Von 1874 bis 1876 beurlaubt im überzähligen Stand, trat er 27. Mai 1876 als Commandant der 54. Jnfanteriebrigadc in die Aktivität zurück. Vom 18. Juli bis 8. September 1876 führte der Prinz eine militärische Mission zu den bei Petersburg und Warschau abgehaltenen russischen Manövern durch, aus welchem Anlasse ihm ') »Wer sick daran reibt, sticht sich!" Vaterländisches Ehrenbuch von Alb in Reichsfreiherrn von Teuffenbach. Salzburg 1879. S. 527. der Czar den Stanislaus-Orden erster Classe verlieh. Bald nach seiner Rückkehr erfolgte (noch 1876) seine Ernennung zum Commandanten der 27. Jnfanterie-Truppcndivision (Krakan) und in dieser Stellung 1. Mai 1877 seine Beförderung zum Feldmarschall-Licntcnant. Nach einem zweijährigen Urlaube wurde er von Seiner Majestät abermals »ach Krakau und zwar als Militärcommandant berufen, später zum Inhaber des neuerrichtetcn 90. Infanterieregimentes ernannt und mit der Würde eines wirklichen geheimen Rathes bekleidet. Außer den schon erwähnten Dekorationen erhielt der Fürst 1866 den Orden der Eisernen Krone erster Classe mit der Kriegsdecoration der dritten Classe, im Jahre 1877 den Orden vom Goldenen Vlies, und dann ward ihm gelegentlich wiederholter Verwendungen am kaiserlich russischen Hose der russische Weiße Adler- und der Alexander Newski-Ordcn verliehen. Der Prinz ist auch Ritter des Johanniter-Ordens und besitzt die 1873 gestiftete Kriegsmedaille. Vermöge einer Erbschaft nach seiner Muhme, verwitweten Fürstin Karolhi-Bretzcnhcim, geborenen Prinzessin zu Schwarzenberg, Schwester seiner Mutter, gelangte Prinz Ludwig Windisch-Grätz in den Besitz des Schlosses Saros-Patak am Bodrog in Ungarn sowie eines ziemlich bedeutenden Grnndcomplcxes, ans Grund dessen er das Recht seiner Familie als erbliches Mitglied der Magnatentafel des ungarischen Reichstages ausübt.') Der jüngste Sohn des Feldmarschalls Fürsten Alfred zu Windisch-Grätz und der Fürstin Marie Eleonore, geborenen Prinzessin zu Schwarzenberg, Josef Alois Niklas (geboren 23. Juni 1831), trat im Jahre 1848 gleich seinen Brüdern in die k. k. Armee und zwar als Lieutenant bei Palatinal-Husarcn; er machte die Ereignisse von Wien und den ungarischen Fcldzug 1848 und 1849 im Hauptguarticr des Feldmarschalls, seines Vaters, als Ordonnanzossicicr mit. Nach der Abberufung seines Vaters vom Commandv wurde Prinz Josef Alois Niklas beim General-commando in Prag der Gcneralstabsabthcilung zugetheilt. Im Jahre 1851 finden wir ihn als Rittmeister beim 10. Husarcnrcgimcnt, 1860 als Major im 8. Husarenrcgiment. er ward aber noch im selben Jahre zu Schlick-Husaren Nr. 4' übersetzt. Mit dieser Truppe machte 9 Wnrzbach, 1. o. Nach Mengen, Fr. v. d., beschichte des k. und k. 13. Drago »crregiincnteS Prinz Engen von Savoyen: Thürheiin, Andr. Gras, Gedenkblätter; Fremdenblatt 1876, Nr. 96; Neue Freie Presse 1868, Nr. 1266. Prinz Josef Alois Niklas als Dioisionscommandant den Feld-zug 1866 in Böhmen mit und erhielt für seine tapfere Haltung vordem Feinde mit Allerhöchster Entschließung vom 3. October 1866 das Militär-Verdienstkreuz mit der Kricgsdecvration. 1867 Oberstlieutenant und als solcher (1868) zum 9. Husarcnrcgiment übersetzt, wurde der Prinz 1869 Oberst und Commandant des 12. Husarenregimentes. Bei der Choleraepidcmic in der Stabsstation Rzcszöw in Galizien, die manchem Angehörigen des Regimentes den Tod brachte, trug Oberst Prinz Josef zu Wiudisch-Grätz für seine Leute die größte Sorge und wurde von der schrecklichen Krankheit selbst erfasst, blieb aber, dank der sorgfältigen Pflege, glücklicherweise am Leben. Im Jahre 1874 marschierte das Regiment aus Nzcszöw nach der neuen Garnison in der Neichshaupt- und Residenzstadt Wien, wo cs nach beiläufig vicrwöchentlichcm Marsche in einem auffallend guten Zustande eintraf. Hier in Wien ward dem Obersten Prinzen Josef zu Wiudisch-Grätz im Frühlinge 1876 die hohe Auszeichnung zutheil, behufs der cavalleristischen Ausbildung des Kronprinzen Erzherzogs Rudolf die Abtheilungen zu stellen. Bon 1882 war der Prinz Feld-marschall-Lieutcnant und Commandant der 2. Jnfanterie-Truppendivision in Wien. Prinz Josef zu Wiudisch-Grätz, Besitzer des Militär-Ver-dicnstkreuzcs mit der Kriegsdecoratiou, seit 1887 Oberstinhaber des 11. Husarenregimcntes, ist gegenwärtig General der Cavallerie, Seiner Majestät geheimer Rath und seit 16. Mürz 1888 Capitün von Seiner Majestät erster Arciörcn-Leibgardc. Seit dem 24. September 1866 ist Fürst Josef zu Wiudisch-Grätz mit Marie Taglioni') vermählt, und stammt aus dieser Ehe der Sohn Franz Josef2) (geboren 3. Juli 1867), Lieutenant in der Reserve des 14. Dragonerregimentes Windisch-Grätz. * Der Wcriand'schc (jüngere) gefürstete Zweig des Erasmus'schen Astes. Wenaud Alois zu Windisch-Grätz, der Bruder des Fcld-marschalls, seit 1822 Fürst zu Windisch-Grätz, geboren 31. Mai ') Wurzbach, I. e. 2) Wurzbach, 1. c. Nach Amon, Geschichte des k. und k. 12. Husarcu-reginientcs; Armee- und Marine-Zeitung von A lp h. Da uze r, 1884, Nr. 59. 1790, gestorben 27. October 1867, ber sich der Verwaltung seiner ausgedehnten Besitzungen gewidmet, zählte aus seiner Ehe mit Marie Eleonore Prinzessin zu Lobkowitz (geboren 28. October 1795, gestorben 10. März 1876), vier Söhne, die Prinzen Karl Vincenz Ferdinand, Hugo Alfred Adolf, Ernst Ferdinand Weriand und Robert Johann Josef, sowie eine Tochter, die Prinzessin Gabriele Marianne Karoline, vermählt mit Friedrich Wilhelm Grase n von Schönburg-Glauchau. Der älteste Sohn, Prinz Karl Vincenz Ferdinand, geboren zu Wien am 19. October 1821, Neffe und Schwiegersohn des Feldmarschalls, starb den Heldentod als k. und k. Oberst und Commandant des 35. Infanterieregimentes Graf Khevenhüller. Er war im Jahre 1839, 18 Jahre alt, als Lieutenant in das 42. Infanterieregiment getreten und im Jahre 1849 nach vollendetem Kriege für mehrfache Auszeichnung vom Capitän im 34. Infanterieregiment zum Major im 9. Infanterieregiment Gras Hartmann befördert worden. Im Kriege gegen Piemont hatte der Fürst seinen jüngeren Kriegsgefährten das nachahmungswürdigste Beispiel von Tapferkeit, Muth und Kaltblütigkeit gegeben. Als Grenadierhauptmann des 34. Infanterieregimentes Prinz v on Preußen hatte der Fürst die Gefechte von Sona, Sommacam-pagna, St. Martina und Mortara, dann die Schlacht bei Novara, endlich die Belagerung von Bologna und den Streifzug gegen Garibaldi mitgemacht, und da er sich nicht hindern ließ, auch der Belagerung von Makghera beizuwohnen, obschon sein Grenadierbataillon hierzu nicht zugezogen wurde, so war er als Freiwilliger beim 2. steierischen Schützenbataillvne eingetreten, um dem Drange, seine Dienste dem Vaterlande zu widmen, genügen zu können. Zu Anfang des Jahres 1859 ward er Oberstlieutenant und einige Wochen darnach Oberst im 35. Infanterieregiment Graf Khevenhüller. Dasselbe war bei der 1. Armee eingetheilt. Es gehörte zur Brigade des Generalmajors Greschke und zur Division des Feldmarschall-Lientenants Schwarz! des 11. Armeecorps. Am 24. Juni bewirkte der Feind den Übergang über die Chiese, und es kam zum Zusammenstoß der beiden Hauptarmeen. Schon waren das 3. und 9. Armeecorps bei Robreco und Ouidizzolo heftig mit dem Feinde engagiert, und auch ein Theil des 1 l. Armeecorps, die Division des Feldmarschall-Lientenants Blomberg, sah sich in den Kampf ver- wickelt, als um 9 Uhr morgens die Brigade Schwarzl, zu welcher das Regiment Khevenhüllcr gehörte, ins Gefecht beordert wurde. Das Regiment stand um die Mittagsstunde unweit von Quidizzolv ä clieval der Chaussee, links derselben, von dem Obersten Fürsten Windisch-Grätz befehligt, das 1. und 5. Grcnadierbataillon, rechts der Chaussee das 3. und 2. Bataillon. Bon dieser Stellung aus kamen die vier Bataillone des Regimentes getrennt in den Kampf. Zuerst wurden das 3. und das 2. Bataillon sammt der Brigadebatterie vom Generalmajor Greschke unmittelbar gegen den Feind geführt. Oberst Windisch-Grntz aber erhielt den Auftrag, mit dem 1. und 5. Grenadier-bataillon an der Chaussee Quidizzolo-Brcseia vorzurücken und die westlich derselben gelegene, vom Feinde besetzte Häusergruppe Casanuova zu nehmen. Diese Aufgabe war wichtig, und schon im Lause des Vormittags hatte man um diese Häuser viel und blutig gekämpft. Das 9. Corps, namentlich die Division Graf Crenncville, gewann und verlor dieselben wechselweise zwischen 6 und 9 Uhr, hielt sich aber dann durch volle zwei Stunden muthvoll in ihrem Besitze. Gegen 11 Uhr vormittags übergab die genannte Division den Meierhof an das mittlerweile dahin beorderte 3. Armeecorps, dem er jedoch nach einer halben Stunde schon wieder vom Feinde entrissen ward. Der Besitz dieses Punktes erschien von besonderer Wichtigkeit. Der Hof, von einem dichten lebenden Zaune umgeben, liegt nicht sehr entfernt von Qnidizzolo innerhalb eines Raumes, welchen die Chaussee und die Orte Medole, Rcbreco und Quidizzolv umschließen. Er flankiert oder hindert jede innerhalb dieses Raumes sich bewegende Truppe und konnte umsoweniger in den Händen des Feindes gelassen werden, als unsere Armee die Aufgabe hatte, auf der Chaussee vorzurücken. Der Besitz dieses Mcierhofes als des einzigen taktischen Stütz. Punktes innerhalb des angeführten Raumes war somit eine Nothwendigkeit für den Feind wie für uns. Voll Begierde, eine so schwierige, aber ehrenvolle Aufgabe würdig zu lösen, gicng Prinz Karl sofort an die Ausführung. Die Gcfechtsverhältnisse zeigten sich nicht günstig, die beiden Bataillone des Regimentes waren noch nie im Feuer gewesen. Noch keine gelungene That, auch nicht bei den anderweitigen Abtheilungen, wirkte crmuthigend auf die Truppe; der zu betretende Kampfplatz war schon mit Leichen bedeckt, für eine rechtzeitige Unterstützung während des Angriffes war keine Aussicht. Dessenungeachtet zögerte Fürst Windisch-Grätz keinen Augenblick. Der Feind zog schon in größeren Massen heran. Es galt also zunächst, den Meierhof noch vordem Eintreffen derselben zu erreichen und einzunehmen. Noch ließ sich mit wenigen Truppen ausführen, was später einen Aufwand größerer Kräfte und viele Opfer kosten konnte. Bald war alles zum Kampfe geordnet. Nun gieng es vorwärts. Schon schlugen die feindlichen Kugeln in die Bataillone Khevenhüller, die sich in ihrer Vorrückung auch durch das an Heftigkeit zunehmende feindliche Klcingewchrfcucr, welches ihre Reihen bedeutend zu lichten begann, nicht stören ließen. In der Nähe des stark besetzten Gebäudes aber wurde das Feuer jo mörderisch, dass die Vorrückung ungeachtet der Ermunterung des Obersten und der Osficiere für einige Momente ins Stocken gcrieth. Nochmals gieng cs vorwärts. Plötzlich ritten in der linken Flanke feindliche Husaren, die bisher durch die Cultur verdeckt geblieben waren, zur Attaque vor. Zur Formierung von Carrvs fehlte es an Zeit, aber Klumpen bildeten sich im Augenblicke, durch welche die feindlichen Reiter, ohne Schaden zu thun, hindurchjagten, sofort das Weite suchend, da die nachgesandten Schüsse ihnen erhebliche Verluste beibrachten. Durch diese Abwehr der Cavallcrie war aber die Ordnung der Truppe gebrochen. Das erste Bataillon stand in regellosen Klumpen, versperrte dadurch den Weg den nachgerückten Grcnadicrbatailloncn und bildete zugleich die Zielscheibe der näher gekommenen, zur Seite des Hauses gestandenen feindlichen Jnfanterieabtheilungen. Au eine Herstellung der Ordnung unter dem mörderischen feindlichen Feuer war nicht zu denken; cs blieb daher nichts übrig als die Truppe zurückzuziehen. Diese rückgängige Bewegung wusste der Feind vortrefflich zu benützen. Er ließ starke Tirailleur-schwärme vorrücken, die den Weichenden auf dem Fuße folgten und sic nicht mehr zum Stehen kommen ließen, indem die Tirailleurs im heftigen Angriffe vordrangen, sobald von unserer Seite ein Versuch zum Halt gemacht wurde. Der Rückzug gieng auf diese Weise bis au die steinerne Brücke von Ouidizzolv. Die beiden Bataillone waren bedeutend geschwächt, die Mannschaft herabgestimmt und ermüdet, aber ihr Oberst behielt Fassung, Kaltblut und Entschlossenheit und wandte alle Beredsamkeit zur Ermunterung seiner Truppe an. Mit abgezogener Kopfbedeckung dankte der Oberst den Officieren für ihre kräftige Einwirkung auf die Mannschaft während des ersten Versuches und sprach cs aus, glücklich zu sein, einem Officierscorps vorzustehen, das ihn bei seinem Bemühen, die österreichischen Waffen zu Ehren zu bringen, so kräftig unterstützte. Der Mannschaft wurde dabei keine Erwähnung gethan; sic verstand das Schweigen und wiederholte kräftig aus voller Brust das von den Officieren ihrem Obersten ausgebrachte „Lebehoch!" Aber ihr Geist war wieder gehoben. Ter zweite Versuch eines Sturmes auf Casanuova durch Khcvenhüller-Jufautcric sollte und konnte kein Handstreich mehr sein. Die Bataillone waren schon zu schwach, den Angriff für sich allein zu wiederholen. Aus Anordnung des Corpscommandanten Feldmarschall-Lieutenants Edmund Fürsten Schwarzenberg wurde der Angriff mit normalen Mitteln und mit gehöriger Unterstützung eingeleitet. Es sollten die Brigaden Baltin und Wetzlar den Angriff als Reserve mitmachen, denn Fürst Windisch-Grätz ließ es sich nicht nehmen, mit seiner Truppe wieder an der Spitze desselben zu stehen. Ehe diese Beifügung getroffen worden, waren schon die zwei Bataillone Khevenhüller zu erneuertem Angriff geordnet. Derselbe war diesmal auch kein vereinzelter. Alle disponiblen Truppen der 1. Armee mussten noch einen letzten Offensivstvß versuchen. Es war etwa V24 Uhr, als das Signal hierzu ans der ganzen Linie ertönte. Die zwei Bataillone unter Fürst Windisch-Grätz brachen, in Ba-taillonscolonnen formiert, mit einem „Hurrah!" aus ihrer Stellung. Das Angrifssobject war wieder Casanuova. Bis auf 80 Schritte vor dem Mcierhofc gieng cs muthig vorwärts; dann aber trat eine Stockung ein. Oberst Windisch-Grätz jedoch wankte nicht. Es gelang ihm, unter Mitwirkung seiner Officicre die Mannschaft wieder zu ermuntern und die @otonnen in Bewegung zu bringen. Die Mannschaft folgte neuerdings dem Beispiele ihres kampfbegeistcrten Führers und drängte entgegenkommende Abtheilungen der feindlichen Infanterie muthig zurück, und schon gelangte sie nahe an die Hecken des Meicrhofes, als abermals in der linken Flanke eine Abtheilung französischer Lanciere zur Attaque heransprengte. Wieder wurden Klumpen formiert, die Reiter auf das tapferste zurückgeworfen, und dann ward der Sturm auf den Meierhof fortgesetzt. Schon war eine Abtheilung in den Hofraum eines der Gebäude eingedrungen, als wieder die außerhalb des Meicrhofes aufgestellten, weit überlegenen feindlichen Unterstützungen zu beiden Seiten vorbrachen und ein mörderisches Feuer auf die unmittelbar vor den Häusern zusammengedrängten Massen eröffneten. Mehrere unserer Officicre fielen, dem Generalstabsmajvr Neuber wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen, der Fahnenführer des 1. Bataillons und der nebenstehende Officier sanken todt zur Erde. Die beiden Bataillvnscommandantcn waren früher schon zum Sturme abgesessen, um mit in den Weierhof eindringen zu können; Oberst Fürst Windisch-Grätz allein saß noch zu Pferde, die Truppen immer zum Einstürmen in die Gebäude ermunternd. Als er die ersten Männer in den Hof eindringen sah, rief er freudig in österreichischer Mundart: „Das ist gescheit, jetzt sind wir drin!" — aber schon war er am rechten Arm verwundet; hierauf aufmerksam gemacht, rief er aus: „Macht nix, nur vorwärts!" — bald darauf erfolgte jedoch von einer ganz nahe herangerückten Abtheilung eine Decharge, das Pferd des Obersten bäumte sich, und der helden-müthigc Prinz fiel, von fünf Kugeln getroffen, zu Boden. Die Truppen, ihres tapferen Führers beraubt, kehrten bald dem Feinde den Rücken, wurden aber nun durch Cavallcrieschwärme, die sie bereits umgangen hatten, in der Flanke und verkehrten Front attaquiert. Vom Waffenstreckcn war aber doch keine Rede. Mit gefälltem Bajonette brachen sich die zusammengeschmolzenen Bataillone einen Weg durch die anstürmenden Reiter und gewannen so die Hauptstraße, auf der sie jetzt unaufhaltsam gegen Quidizzolo zurückwichen. Bon beiden Bataillonen waren nach diesem Rückzüge noch dreihundert Mann vorhanden; ein großer Theil der Mannschaft bedeckte verwundet oder todt das Schlachtfeld. Eine Fahne wie die Leiche des Obersten blieben in den Händen des Feindes. Dies ist der actcnmäßig erhobene Antheil des Obersten Windisch-Grätz und des von ihm befehligten Regimentes Kheven- hüller an der Schlacht bei Solferino und zwar an dem Kampfe um Casanuova. Die vier Bataillone des Regimentes verloren 19 Osficierc und 626 Mann an Todten und Verwundeten. Der Fall des Obersten und der Verlust einer Fahne waren schwere Verluste; letztere war wieder zu gewinnen oder doch zu ersetzen, aber der Verlust eines so tapferen, hoffnungsvollen Führers im blühendsten Alter von 38 Jahren war unersetzlich. Der wirklich erfolgte Tod des Prinzen ließ sich lange nicht konstatieren. Der Oberst ist nicht au der Stelle, an der er siel, gestorben. Die Franzosen plünderten den vermeinten Leichnam. Prinz Windisch-Grätz hatte sogar, schon am Boden liegend, noch eine Kopfwunde durch einen Säbelhieb erhalten. Ein Medaillon mit dem Bildnisse seiner Gemahlin, der Fürstin Mathilde, sowie auch die anderen Pretiosen, Uhr mit Kette, Ringe u. s. w., waren in die Hände des Feindes gerathen. Österreichische Truppen des 3. Armeecorps fanden den bereits entseelten Körper später, entblößt von allem, in dem Hause eines Signore Bonfiglio. Der Prinz hatte in diesem Hause zufällig tags vorher gefrühstückt und wurde, als man ihn zum Tode verwundet dahin brachte, von den Hansleuten erkannt. Ans den Äußerungen derselben entnahm man mit Bestimmtheit, dass der Oberst zwar ohne Bewusstsein, aber doch noch lebend in ihr Haus gebracht worden war und erst nach zwei Stunden seine Seele aushauchte. Am Morgen des 25. Juni fragte ein französischer Oberst nach der Leiche des Prinzen und gab den Auftrag, dieselbe abgesondert zu beerdigen. Die Familie Windisch-Grätz erhielt durch eine Mittheilung des Kaisers Napoleon III. die erste bestimmte Kunde von dem Verluste des Prinzen. Der französische Parlamentär, welcher den Todtenschein desselben in das Hauptquartier des österreichischen 1. Armcecorps überbrachte, war zugleich die erste Initiative zum bald darauf erfolgten Waffenstillstand und Frieden. Dem Wunsche der Familie gemäß hob am 12. Juli 1859 ein Officier des Regimentes im Friedhöfe zu Quidizzvlv die Leiche aus und überführte sic standesgemäß nach Böhmen, wo sie am 19. Juli in der Familiengruft zu Gemnischt feierlichst beigesetzt wurde. Die Absicht, dem Dahingeschiedenen an Ort und Stelle ein großartiges Monument zu setzen, ließen die fürstlichen Brüder fallen, da, nachdem der Boden Feindesland geworden, ein auffallendes Monument vielleicht zu Verunglimpfungen desselben geführt hätte. Sv wurde an der Stelle, wo der Fürst den Heldentod gefunden, nur ein einfaches Denkzeichen aus Stein errichtet. Dasselbe steht in der Form eines Kreuzes auf einem Sockel 80 Schritte westlich vom Mcierhofe Casanuova an dem Durchschnittspunktc zweier Feldwege und führt die Inschrift: „Dem am 24. Juni 1859 hier heldenmüthig gefallenen k. k. Obersten Karl Fürsten zu Windisch-Grätz. Von seinen Brüdern." Sämmtliche dem Prinzen durch die Franzosen abgenommenen Gegenstände, als das Medaillon, die Uhr, die Ringe u. s. w., sind durch die Vermittelung der k. k. Gesandtschaft wieder in den Besitz der Familie gelangt. Selbst der Feind ehrte die Tapferkeit des Fürsten. Unter den Lob- und Ruhmgcsüngcn auf Napoleon III. im italienischen Feldzug findet sich ein episches Gedicht in neun Gesängen vom Marquis de Serravallc. Es lässt auch den gefallenen Feinden einige Lorbeerblätter zukommen. So füllt eines auf den Obersten Windisch-Grätz, dem der Dichter auf das Schlachtfeld folgt, wo er den Raubvögeln zuruft, dieses edle Herz zu schonen: II est pour toi trop boau, vautour, trop geiieroux, Entre nos ennernis il fut le preux dos proux, C’est lui, e’est Windisoli-Grätz jeune, plein d'eiptiranoe, Un modele daiuour et surtout de oonstanee. Non, ne le touche pas, respecte-le, vautour! Dann wird die Lebensgeschichte des Fürsten in Versen verherrlicht und seine Gemahlin mit französischer Sentimentalität überschüttet. Das Gedicht ist der Kaiserin Eugenic gewidmet. Prinz Karl hatte sich am 12. September 1857 mit seines Oheims, des Feldmarschalls Alfred jüngster Tochter, Prinzessin Mathilde Eleonore Aglae, vermählt, und wenige Monate zuvor, als der Gatte den Heldentod fürs Vaterland gefunden, schenkte ihm (15. März 1859) die Gattin ein Töchtcrlcin, das im Alter von 10 Jahren (12. April 1869) starb.1) Der Zweitälteste Sohn des Fürsten Wcriand aus dessen Ehe mit Marie Eleonore Prinzessin zu Lobkowitz, Fürst Hugo Alfred Adolf Philipp, Generalmajor a. D. und geheimer Rath, geboren am 26. Mai 1823, schlug, 16 Jahre alt, im Jahre 1839 als Unterlieutenant im Infanterieregiment Graf Latour die militärische Laufbahn ein, wurde 1841 Oberlicutenant im Regiment Auersperg-Kürassiere, 1844 Rittmeister bei Palatinal-Husarcn und 1849 (20. October), in welchem Jahre er sich mit der Prinzessin Louise Marie von Mecklenburg-Schwerin, Tochter des Großherzogs Friedrich Paul, vermählte, Major im Uhlanenregiment Erzherzog Karl Ludwig. Zur Zeit des Prager Aufstandes 1848 befand sich das Regiment in Böhmen, und Fürst Hugo, damals noch Rittmeister, war mit seiner Schwadron in Bicchowitz aufgestellt. Dort trat er einem bewaffneten Zuzug von Nativnalgardcn und Landsturm entgegen. Nach dem sich ein Kampf entsponnen, nahm er den Haufen nach Verlust von mehreren Todten und Verwundeten gefangen. Später machte er unter dem General der Cavallcric Grafen Schlick den Feldzug 1848 und 1849 mit, wurde für sein ausgezeichnetes Verhalten in der Relation über die Schlacht bei Kapolna besonders belobt und erhielt das Militär- Verdienstkrcuz mit der Kriegsdccorativn. 1851 zum Dragvncrrcgimcnt Großherzog von Toscana übersetzt, wurde er 1853 zum Oberstlieutenant befördert und rückte 1859 zum zweiten Obersten im Husarenregiment Herzog Alexander von Würtcmberg vor, mit welchem er an dem Feldzugc in Italien theilnahm. Seit dem 9. Mürz 1859 Witwer, schloss der Prinz am 9. October 1867 eine zweite Ehe mit der Prinzessin Mathilde Rad- i) Wurzbach, 1. c. Nach B. Stresste,,r, Österr. Militär-Zeitschrift. I. Jahrg. II, S. 265 ff. 'Hirtenfeld, Osterr. Militärkalender auf 1860.11.Jahrg. 1—60. Abendblatt der kaiscrl. Wiener-Zeitung vom 26. September 1860. ziwill, nachdem er schon 1865 den Dienst quittiert und den Gencrals-charaktcr ad honores erhalten hatte. Fürst Hugo ist Besitzer der Herrschaften Haasbcrg, Loitsch, Gonobitz, Wagensberg,') Slatencgg und Hbrbcrg und als Senior des fürstlichen Hauses Obcrst-Erblandstallmcister in Steiermark.2) Fürst Hugo zählt aus der ersten Ehe mit Prinzessin Louise Marie von Mecklenburg-Schwerin einen Sohn, den Prinzen Hugo Weriand Alfred, und drei Tochter, die Prinzessinnen Alexan-driue Marie, Olga, vermählt mit Andreas Alois Grafen von Mocenigo (gestorben 1878), und Marie, vermählt mit dem Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, die ihren Wohnsitz auf Schloss Wagensbcrg (in Krain) aufgeschlagen, und aus der zweiten Ehe mit Mathilde Prinzessin Radziwill einen Sohn, den Prinzen Ernst, und zwei Tochter, die Prinzessinnen Louise und Elisabeth. Prinz Hugo Weriand Alfred, der älteste Sohn des Fürsten Hugo zu Windisch-Grätz, geboren 17. November 1854, k. und k. Kämmerer und Reserve-Obcrlieutcnant im 7. Husarenregiment Wilhelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen, widmete sich, nachdem er als k. und k. Berussofficicr gedient, dem Civilstaats-dienste; heute lebt er auf dem fürstlichen Schlosse zu Gonobitz. Der Fürst ist seit dem 16. Mai 1885 mit der Prinzessin Christiane Auersperg, Tochter weiland des Fürsten Vincenz Auersperg, k. und k. Oberstkämmerers, und der Fürstin Wilhelmine Auersperg, geborenen Gräfin von Colloredo-Mannsfeld, vermählt. Der dritte Sohn des Fürsten Weriand zu Windisch-Grätz und der Fürstin Marie Eleonore, geborenen Prinzessin zu Lobkowitz, Prinz Ernst Ferdinand Weriand, k. und k. Oberst i. P., geboren 27. September 1827, wurde 1845 Lieutenant im Regiment Kaiser-Kürassiere Nr. 1, rückte 1847 zum Oberlieutenant im Chevauxlegersregimeut Fürst Windisch-Grätz Nr. 4, mit welchem er an den Feldzügcn 1848 und 1849 in Italien thcilnahm, und 1851 zum Rittmeister im Uhlanenrcgiment Graf Wallmodeu Nr. 5 vor. Im Jahre 1859 zum Major bei Fürst Windisch-Grätz-Dra- >) Im 17. Jahrhundert Besitzthum des kraiiiischen Historiographen Johann Weikhard Freiherrn von Valbasor, zu dessen Andenken noch heute ans Schloss Wagensbcrg die ,,Valbasorstnbe", des Freiherr» Stndierstube, in Ehren gehalten wird. 2) Wnrzbach, I. c. gonern Nr. 7 befördert, kam er in demselben Jahre zum Regiment Civalart-Uhlanen Nr. 1, wo er 1862 zum Oberstlieutenant avancierte und 1865 mit dem Oberstcnscharaktcr quittierte. Im Jahre 1866 machte er im Hauptquartiere des Feldzcugmcisters Ritter von Benedek den Fcldzug in Böhmen mit und rettete im Gefechte bei Dobiva mit heldenmütiger Selbstaufopferung seinen Feldherrn, wofür er das Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdccoration erwarb. Prinz Ernst zu Windisch-Grätz war auch durch mehrere Jahre Reichsraths-abgcordnetcr für Krain. Der Prinz ist eine Autorität auf dem Gebiete der prähistorischen Forschung und der Numismatik. Er besitzt eine der schönsten und interessantesten Münzensammlungen. Auch ist er ein tüchtiger Jäger, der auf den von seinem Bruder Hugo auf der krainischcn Herrschaft Haasberg mit günstigsten Erfolgen eingeführten Wolfs- und Bärenjagden schon manchem dieser Raubthiere den Garaus gemacht hat. Prinz Ernst zu Windisch-Grätz hatte sich 1870 mit der Prinzessin Camilla Amalie Karoline zu Öttingcn-Spiclberg vermählt, die ihn mit zwei Söhnen, den Prinzen Karl (gegenwärtig Lieutenant im Dragonerregimcnt Fürst Windisch-Grätz Nr. 14) und Otto (gegenwärtig Cadet-Officierstellvertrctcr im 1. Uhlanenregiment), und einer Tochter, Prinzessin Eleonore, beschenkte und ihm leider allzu früh durch den Tod entrissen wurde (geboren 20. September 1845, gestorben 11. November 1888). An dem romantischen User des Vcldcscr Sees in Oberkrain hat sich Prinz Ernst eine schlossühnlichc Villa erbaut, die dem aufstrebenden Curorte zur ganz besonderen Zierde gereicht. Der vierte Sohn des Fürsten Weriand zu Windisch-Grätz und der Fürstin Marie Elconora, geborenen Prinzessin zu Lob« kowitz, Prinz Robert Johann Josef (geboren 24. Mai 1831), trat gleichfalls in die k. und k. Armee und lebt als k. und k. Rittmeister i. P. zu Wisell in Steiermark. * Eine Betrachtung der Stammtafel des Fürstenhauses Windisch-Grätz zeigt uns die Verschwägerung desselben mit den vornehmsten Geschlechtern der Monarchie und thcilweise auch des Auslandes, aus denen entweder die Frauen dieses altberühmten Hauses stammen oder in welche die Tochter desselben hineinheirateten. Insbesondere erscheinen in dieser Beziehung u. a. vertreten die Fürsten- und Grasenhänser: Arcnberg, Auersperg, Breuner, Dessewffy, Dietrichstein, Erdödy, Eßterhazy, Fünfkirchen, Harrach, Haugwitz, Herber-stein, Holland-Brederode, Khevenhüller, Kolonitsch, Lam-bcrg, Leiningen, Lobkowitz, Löwenburg, Löwenhaupt, Löwen-stein, Werthheim, Lynar, Mecklenburg, Mocenigo, Mvntfort, Nostiz, Öttingen, Radziwill, Rvttal, Salm, Saurau, Schlick, Schönburg-Glauchau, Schwarzenberg, Slawata, Starhem-bcrg, Strassoldo, Szerenyi, Trautmannsdorff. ä. u. f. Hofbuchdruckerei Carl Fromme in Wien. Der Mdel Rrmns und dir Culturenkrvickluna des Landes. Vine Veschichlssindie von V. xt o n R l* d i c S. M i e lt. verlng der Osterreichisch-Rn gart scheu Revue. 1897. Ter Mdel Rrmns »nd die Culturenirvickluna des Landes. Viiie Veschichtostildie von |T. tt o n R lr d i c s. C .Vto W i c it. Verlag der Österreichisch-Ungarischen Venne. 1897. K. u. k. Hofbnchdn»ck«rei Earl Fromme in Wien. Glänzend leuchtet Ihr Kriuner, Träger und Pfleger des Wissens Wie der Bildung und Kunst, über die Heimat hinaus. Ignaz Freiherr von Lazarini. 4TRlcr Adel eines Landes stellt den Spiegel dar der jeweiligen 20 Entwicklung der kulturellen Zustände desselben, gleichwie er immerdar die Spitze der Strebungen und Förderungen im geistig Hohen und menschlich Edlen zu bilden berufen erscheint. Der Impuls, der vom Adel eines Landes in der oder jener Richtung ausgeht, er wirkt in der Regel so mächtig auf die übrigen Stände, dass diese — wie sie ihm darin einst unbedingt Gefolgschaft leisteten — theilweise auch heute noch, bewusst oder unbewusst, nachstreben. In der Culturcntwicklung unseres engeren Heimatlandes Krain ist aber der Einfluss des Adels von frühen Zeiten her ein so bestimmender, ein so detaillierter gewesen, dass man aus den unterschiedliche» Gestaltungen des Cnlturlebens des Volkes auf die jeweilige Stellung und Antheilnahme des Adels den sicheren Rückschluss ziehen kann. Indem wir daran gehen, hierfür in den nachstehenden Zeilen an der Hand der Geschichte den Beweis zu erbringen, müssen wir nur noch vorher bemerken, dass es uns vollkommen ferne gelegen, das politische Moment mit in Frage zu nehmen, sondern dass es bei der hier gewühlten Ausgabe lediglich darauf ankommt, zu zeigen, wie eben der Adel Krains, ganz abgesehen von der augenblicklichen politischen Situation, nur auf seine culturelle Mission bedacht, stets die Wohlfahrt von Land und Volk unverrückt im Auge hatte, von Land und Volk, das unter seiner Führung, unter seinem Einflüsse gestanden, dem er rathend und helfend vorangelcuchtet und zur Seite gewesen, an dessen geistiger und materieller Arbeit er auch heute noch redlich theilnimmt und zum Besten aller. Einleitn iig. Wir heben unsere Darstellung mit dem Zeitpunkte der Wieder* erobcrung der Ostmark von der Enns bis über die Erlas ans den Händen der Ungarn nach der entscheidenden Schlacht auf dem Lcch-seldc (955) an, zu welchem Zeitpunkte auch in den übrigen südöstlichen Marken deutsche Tapferkeit alles das wiederzuerobern versuchte, was vorher durch den Einfall der Ungarn verloren gegangen. Schon damals mögen sich die ältesten Adclsgcschlechter Krains, die Auerspcrge, Schärfcnbcrge u. a., in diesem slavischen Lande auf den thäler-behcrrschenden Höhen angesiedelt haben, und insbesondere mag dies am unteren Laufe des Savestrvmcs im heutigen Unters min der Fall gewesen sein?) Der deutsche Adel Krains verrichtete in Gemeinschaft mit den deutschen Hochstiftcn, dem Bisthum von Freising in Bayern, welches das Gebiet von Lack (Bischoflack) in Oberkrain 973, und dem Bisthum Brixen in Tirol, das die Veldcser Gegend in Oberkrain 1004 von den deutschen Kaiser» geschenkt erhalten, am Ausgange des 10., beziehungsweise im Beginne des 11. Jahrhunderts auch hicrlands die Arbeit der Colvnisicrnng. der Wiederherstellung der Bodencnltnr sowie der Durchdringung des slavischen Landes mit deutscher Art und Sitte; um nur ein Beispiel zu nennen: ans dem altgermanischen Feldcrwechsel hat sich in Krain bis auf den heutigen Tag das Institut der Wechselwiesen erhalten.2) Während wir in solcher Thätigkeit kultureller Richtung schon im 11. Jahrhundert Auerspcrgc, Gallcnbergc, Ostcrbergc u. a. wirken sehen, nennen uns die Urkunden des 12. Jahrhunderts neben Repräsentanten derselben Geschlechter noch Vertreter der Familien Attems (1136), Gall (1154), der Herren von Laibach (1144), einen Herrn von Windisch-Grätz (Wcriant 1190) sowie Herren von Mannsburg, Nassenfuß,Weichsclberg, Gurkfcld, Weißen-stein, Wippach u. s. w., denen allen neben der kriegerischen Verpflichtung das durch das Lehensverhältnis bedingte Werk der gemeinsamen Arbeit im Sinne der Kultivierung von Grund und Boden zugefallen war. dem sie denn auch nach besten Kräften nachgekommen, wie das gleichfalls urkundlich nachweisbare allmähliche Wachsthum ihrer Macht im Lande und bei mehreren derselben die rasche Vcr- >) Richter, Hormayrs Archiv 1822. J) Dii»iy, Geschichte KrainS, I, S. 144, Anm. ß. Mehrung der Besitztümer — allen voran das mächtigste und zugleich geistig strebsamste Geschlecht der Auersperge') — zur Genüge bezeugend) Die mittelalterliche Lust an den ritterlichen Waffenübungcu, sic herrschte auch beim Adel Krains, und abgesehen von den betreffenden Namenansührungen in den alten Turnierbüchern, deren Authenticität nicht immer außer Frage steht, und die eine Menge Mitglieder hämischer Adelsgeschlechtcr als bei ausländischen Turnieren anwesend erscheinen lasse», haben wir classische Zeugen dafür, dass hämische Adelige den Ruhm ihrer Turnierwaffen außerhalb der Marken des Heimatlandes zu voller Geltung zu bringen verstanden. So nenntHerr Ulrich von Liechtenstein, der bekannte Minnesänger und wackere Turnierheld, der auf seinem abenteuerlichen Venuszuge auch Krain berührte (1225), den Herrn Hans von Auersperg einen Rittersmann, „der rittcrs that da thät", und mit dem er das Jahr zuvor (1224) auf dem Turnier zu Friesach in Kärnten gekämpft. Zu den aus den vorhergegangene» Jahrhunderten bekannten einheimischen AdelsgcschlecHtern Krains nennen uns im 13. Jahrhundert die Urkunden die Raine» der Herren von Billichgratz (1215), Aichelburg (1249), Arisperg (Adelsberg; 1250), Apfaltrern (1268; eine Villa Affoltrcrn im Bezirke Littai in Unterbaut bestand schon 1145), Pischätz (1268) u. a. m.") Haben wir vorher die Lust am Waffenspiele innerhalb der Turnicrschrankcn auch bei der harnischen Ritterschaft constatiert, so muss gleichfalls hervorgehoben werden, dass dieselbe, wie sie sich jederzeit in Befolgung lehensherrlichcn Aufrufes zur ernsten Waffenthat gefügig und wcrkthätig erwiesen, auch unter den ersten glänzte, als jener welthistorisch denkwürdige Zug frommer Begeisterung die gläubigen Herzen der christlichen Vblker erfasste, als die mächtige Stimme jenes schlichten Einsiedlers erschollen war, die die christlichen Streiter unter dem Zeichen des Kreuzes ausrief zu den Fahrten in das heilige Land. ‘) Siche darüber die Details in meinem: Herbard VIII. von Auersperg, ein hämischer Held und Staatsmann. W. Braumüller, Wien 1862. Einleitung. 2) Die urkundlichen Belege in Franz Sunit, Urkunden- und Regestenbuch des Herzogthums Kraiu, I. und II. Band. 3) Sunti, 1. o. Und war schon mit Gottfried von Bouillon eine Schar Entmischet und sriaulischer Adeliger nach Palästina gezogen, so schloss sich jetzt (1217) Herr Engelbert von Auersperg jener Hcercsfahrt an, die Herzog Leopold von Österreich nach demselben Ziele unternahm. Doch wenden wir unseren Blick wieder zurück ins Krainland! Waren, wie der Chronist Valvasor nach einer Aufzeichnung im Archive der Stadt Laibach zu erzählen weiß, im Jahre 1200 die Tempelherren, die sich um 1167 in Krain sesshaft gemacht, aus Laibach vertrieben worden, „weil sie zu weit hatten um sich greisen wollen",l) so finden wir wenige Zeit später (1237) den Ritterorden vom deutschen Hause lt. L. Frau zu Jerusalem, oder wie er kurzweg genannt wird, den „Deutschen Orden", zuerst urkundlich in Krain genannt. Dieser deutsche Ritterorden erfüllte alsbald auch Hierlands seine hohe humanitäre und civilisatorische Mission in hervorragender Weise sowohl durch seine Thätigkeit in der Krankenpflege — Laibach besaß schon in den Tagen der Kreuzzüge sein Lcprosen-hnus2) — als auch durch seine Forderung der Volksbildung, wird uns doch der Bestand einer eigenen Schule des Deutschen Ordens in Laibach, „gelegen vor dem deutschen Thore", urkundlich verbürgt. Hatte der Adel Krains in den Tagen des frühen Mittclallers aus seinen Burgen und, gar bald von diese» niedersteigend, auf den Marktplätzen der geschlossenen Orte des aufstrebenden (römischen Bürgerthums seine Turnierlust eifrigst befriedigt, so wetteiferte auch schon mit ihm der Bürger, vornehmlich der Bürger der Stadt Laibach in Übung edlen Sportes, in Veranstaltung von „Schiffsrennen" auf dem Laibachflusse bei den urwüchsigen Rennpreisen, bestehend in einem „Saumb" 3) Weines, drei Ellen Tuches und einem Paar Strümpfe, während hinwieder zur Belustigung er Stadtherren die Schiffsknechte ans den Laibachcr Vorstädten Tirnau und Krakau um einen „Saumb" Weines Ringkümpfe veranstalteten, die nicht selten blutig verliefen. Kann aber die Chronik des Landes Krain aus den Tagen der fränkischen Kaiser und der Hohenstaufen die, wenngleich nennenswerten, so doch verhältnismäßig nur dürftigen Anfänge wiedererwachendcr ') Valvasor, Ehre bes HerzogthumS Krain, III (XI), S. 710. J) Lippich, Topographie von Laibach, S. 2fi5. 3) Pferdelast; da der Wein in Schtänchen auf Rosse verladen vom Wcingebirge in die Stadt gebracht wurde. Cultur, die seit den Römerzeiten auf diesem von Völkern viel durchwanderten und viel occupierten Bvdcu nahezu ganz vernichtet gewesen, verzeichnen, so wächst das Bild zu eindrucksvoller Größe gar bald nach dem Beginne der Herrschaft des Hauses Habsburg, die, „auf die kaiserlvse, die schreckliche Zeit" folgend, wie überall so auch im Lande Krain mit der Wiederherstellung gesicherter Rechts-zustünde die materielle und geistige Entwicklung von Land und Volk festigte und förderte. Am 11. Juli des Jahres 1283 huldigten die Stünde (der Adel) des Herzogthums Krain dem Sohne Kaiser Rudolfs I. von Habsburg, dem Herzoge Albrecht als Regenten, welches geschichtlich so denkwürdige Ereignis das Land Krain 600 Jahre später im Juli 1883 mit einer Landesjubelfeier in solennster Weise begieng. wobei es das hohe Gluck genoss, dem weisen Sprossen des angestammten Herrscherhauses, dem geliebten Kaiser Franz Josef I. das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und Hingebung persönlich erneuern zu können. Hcnte vor 600 Jahren (1297) baute die Stadt Laibach ihr erstes Rathhaus auf dem „alten Markte", denn die Stadt war unter den Habsburger» an Stelle der alten markgräflichen und herzoglich kärntnerische» Hauptstadt Krainburg zum Sitze der herzoglichen Landes-verwaltung und zur zeitweiligen Residenz der Landesfürsten geworden. So kamen die Herzoge Otto und Albrecht von Österreich 1335 nach Laibach zum Abschlüsse eines Bündnisses mit dem Patriarchen Bertrand von Aquileja, das ihnen den Besitz der wichtigen Alpenpässe sicherte.') Herzog Otto der Fröhliche kam das Jahr darauf (1336) wieder nach Krain, um den krainischen Adel in Eid und Pflicht zu nehmen, und 1338 erschien abermals Herzog Albrecht in Laibach und bestätigte, von hier nach Graz zurückgekehrt, de» Landständen, Rittern und Knechten des Landes Krain ihre Freiheiten und Rechte.2) Als Herzog Albrecht im Jahre 1350 als Verbündeter des Patriarchen von Aquileja nach Frtaul zog, folgte auch die krainische Ritterschaft dem Rufe des Landet'Herrn, der dem deutschen Ritterorden zu Laibach die ihm vom früheren Landesherr», dem Herzoge Ulrich von Kärnten stammenden Freiheiten — des eigenen Landgerichtes, Befreiung von Maut und Zoll, Gewährung des Asylrechtes — verfestigt hatte.') Die jeweilige Anwesenheit der Landes fürsten ans dem erlauchten Hause Habsburg in der Landeshauptstadt Laibach war von Feste» begleitet, bei denen Adel und Bürger wetteiferten, dieselben so prunkvoll als möglich zu gestalte», was nicht wenig dazu beitrug, das sociale Leben der Hauptstadt, beziehungsweise des Landes um ein beträchtliches zu heben und vorwärts zu bringen. So konnte der krainische Adel und mit ihm die Bürgerschaft von Laibach getrost den Tag an sich herankommen sehen, an welchem der prunkliebcndc und hochstrebende Herzog Rudolf IV. der Stifter bei ihnen einzog, um den Cvngress von Laibach am 27. März 1360 und an den nachfolgenden Tagen abzuhalten, aus welchem Cvngresse hochwichtige politische Angelegenheiten zur Besprechung und Austragung oder Anbahnung gelangten, so namentlich die Verhältnisse des Patriarchates von Aquileja, welches seit der Übertragung der Residenz von Aquileja nach Ubiitc (1218) durch die Republik Venedig auf alle Arten bedrängt wurde, tvvbci die letztere die geistliche Oberaufsicht des Patriarchen über österreichische (krainische) Landestheilc zu benützen suchte, um in deren Angelegenheiten sich einzumischen.2) Wie glänzend die Versammlung war, welche Laibach damals in seinen Mauern beherbergte, zeigen die Namen der auf der herzoglichen Bestätigung der Handveste des Deutschen Ordens — ddo. Freitag vor dein Palmtage (27. Mürz) — unterzeichnete» Zeugen. Es erscheinen da genannt: Patriarch Ludwig von Aquileja; Ortvlf, Erzbischof von Salzburg und Legat des heilige» Stuhles; Paul, Bischof von Freising; Gottfried, Bischof von Passau; Johannes, Bischof von Gurk und erzherzoglicher Kanzler; Ulrich, Bischof von Sebcn (Brixen); Ludwig, Bischof von Chiemsee; Peter, Bischof von Lavant; Meinhard, Markgraf von Brandenburg, Herzog in Ober-bayern und Graf zu Tirol, Schwager Herzog Rudolfs IV.; Mein-üard und Heinrich, Pfalzgrascn in Kärnten, Grafen zu Görz, Oheime Herzog Rudolfs; Otto Graf von Ortcnburg, Ulrich und Hermann, die Grasen von Cilli, Johann Graf von Pfann- ') Richter, Geschichte der Stadt Laibach, S. 203. 5) Dnnitz, Geschichte Krams, I, 228. berg, Friedrich und Konrad, die Auffensteiner, Friedrich von Wallsee, Rudolf von Liechtenstein, Kämmerer in Steher, die Herren Friedrich, Ulrich undOttovon Stuben berg und viele andere. Solch glänzende Gesellschaft, durch mehrere Tage versammelt, lässt allein schon ans eine Reihe von Festlichkeiten schließen, abgesehen davon, dass man auch hierorts dem Landesfürsten den Aufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten bestrebt gewesen, indem der einheimische Adel der Auerspergc, Apfaltrern, Gall, Gailenberg, Lanthieri, Thurn u. a. die höchsten und hohen Gäste durch treffliche Waffenspiele, Bankette, Gelage u. s. w. ergötzte und erfreute, wobei der in jenen Tagen weit berühmte Wein aus dem „Paradiese Krains", dem sonnigen, reizumgossenen Thale von Wippach, in Strömen floss, von dem cs in Peter Suchen Wirts historischem Gedichte von Herzog Albrechts Ritterfahrt nach Preußen (1377) nachher hieß: „Nicht anders tranch man tzu dem mal Nur Wippachcr und Rainfal", wie denn auch Ottokar von Horncck in seiner „Österreichischen Reim-chronik" unseres Wippachcrs in Gemeinschaft mit dem Rainfal, Tcrant, Malvasier als das Blut erhitzend, zum Kampfe ermuthigend gedenkt. Der deutsche Adel Krains pflegte, wie dies schon für die Tage des Durchzuges des Minnesängers Ulrich von Liechtenstein gilt, das deutsche Lied sowohl durch Förderung der „Bringer der Lust" selbst als auch durch persönliche Bethätigung auf diesem Gebiete, wie denn Herr Otto der Rasp ans dem als Freiherren von RaS p mächtig gewesenen alten heimischen Geschlechte als Verfasser einer größeren mittelhochdeutschen Dichtung „Ein Zwiegespräch zwischen dem Satan und dem Herrn" bekannt geworden, die noch heute handschriftlich erhalten ist.') Das Jahr des Laibacher Cvngresses 1360 war aber für Krains Adels- und Culturgcschichte noch durch ein weiteres Ereignis von Bedeutung: es kam nämlich „die ruhmedclstc Familie der Lambcrgc aus Österreich nach Krain gezogen"-) und zwar mit Herrn Wilhelm von Lamberg. der von seiner Mutter Diemut von Podweiu ansehnliche Besitzungen an der croatischen Grenze ererbt hatte, und anö dessen Nachkommenschaft ein Jahrhundert später dem Lande und der Hauptstadt der erste Laibachcr Fürstbischof erstand in dem von den Zeitgenossen hoch gerühmten Sigismund von Lamberg. Der Adel als Körperschaft, die Stände Krains als Vertreter des Landes hatten sich seit ihrer ersten Anerkennung durch Rudolf I. von Habsburg immer fester gegliedert und bestimmter ausgebildet, und wie wir sie schon 1336 und 1338 den Herzogen Otto und Albrecht, 1360 dem Herzog Rudolf IV. dem Stifter' haben huldigen gesehen, so erneuerte sich dieser feierliche Act im nämlichen Jahrhunderte noch zweimal innerhalb der Mauern des „weißen Laibach" (1370 und 1374) für die Herzoge Albrecht III. und Leopold III., wodurch das sociale und wirtschaftliche Leben nicht allein der Hauptstadt, sondern auch des ganzen Landes einen erhöhten Aufschwung gewann, Handel und Verkehr gehoben erschienen, zumal die Anwesenheit der Landesfürstcn stets von der Verleihung besonderer „Freiheiten" an die Stände als Vertreter der Landschaft begleitet war. Hand in Hand damit gieng das Wachsen und Gedeihen der Städte in Krain, denen die Landcsfärstcn aus dem Hause Habsburg Verkehrserleichterungen, Handclsprivilegien und andere Gnnstbezengnngcn zuzuwenden nicht unterließen. Jetzt schlossen sich immer häufiger die Stände von Krain an jene von Steiermark und Kärnten in gegenseitigem Verkehre und auf „gemeinsamen Tagen" zur Berathung gemeinschaftlicher Angelegenheiten aneinander, was dann im 15. Jahrhundert, da „die gemeinsame Gefahr" von Seite des „Erbfeindes der Christenheit", des Türken, immer dringender wurde, sich auf das vortheilhaftcstc bewährte. Die Epoche der Türkenkricge, wie sie das Volk von Krain durch die vom Muselman verübten Greuel an den Rand der Verzweiflung brachte, sie war eS, die den natürlichen Führer des Volkes, den Adel, mit dem „gemeinen Manne", dem Aufgebote ans der Masse der Landbevölkerung, aber mich den Adel als Besitzer der Schlösser und Güter mit der Bürgerschaft in den den Schlössern gleich zu Festen gewordenen Städten enger und enger zusammenschloss. Der Adel Krains — „des kleine» und lieben Landcls" — aus dem man nach dem ruhmvollen Lobsprnche seitens der Landesfürstcn „die besten Kriegsobcrsten entnehmen konnte", er commandierte das aus der Ritterschaft und der landschaftlichen Miliz, den sogenannten „ständischen Giiltpserdcn", sowie aus den Aufgeboten der Landbevölkerung und den „ungarischen, kroatische» und teutschen Fähnleins" gebildete Grenzheer zii wiederholtcnmalcn in entscheidenden Schlachten „an den windische», kroatischen und Meergrenzen", und es glänzten in den diversen Kriegszügen gegen die Türken als Heldensührer die Herren Hans, Hcrbard VIII. und Andrcas von Auersperg, der Lamberger, der überdies in 85 Turnieren ritterlich gekämpft und dabei nur wenigen, darunter dem Könige Maximilian, dem „letzten Ritter", unterlegen, der Herr Räuber u. a, die das krainische Volk noch heute im Liede feiert. Wie tief sich die Erinnerung an jene wilden Kämpfe mit dem „Erbfeinde" in die Volksseele eingegraben, das geht eben aus dem ganzen Tenor des slovenischen Volksliedes hervor, und mit Recht sagt Anastasius Grün — Antvn Alexander Graf Auersperg — in dem begleitenden und erklärenden Vorworte zu seiner meisterhaften Übertragung der „Volkslieder ans Kram": „Durch seine geographische Lage den trotz aller Friedensschlüsse fast jährlich wiederholten Einfällen der Grcnzpafchas bloßgegebcn, war das ganze Land Krain durch Jahrhunderte ein großes Feldlager, eine von Geschützen und Rüstungen starrende Burg, die ganze waffenfähige Bevölkerung wie die Mannschaft einer großen Vorpostcnwacht in jedem Augenblicke matsch-und kampssertig und der Signale (Kreuth-, auch Creuzfeuer) gewärtig, die, von allen Höhen aufflammend, binnen wenige» Stunden das ganze Volk zu den Waffen rufen konnten. Da war jedes Haus eine Schanze. Schlösser und selbst Kirchen waren befestigte Außenwerke mit Thürmen, Ringmauern und Gräben (Tabors), vornehmlich zur Aufnahme der Wehrlosen und der geflüchteten Habseligkeitcn bestimmt. Diese Epoche der ausdauerndsten und erbittertsten Kämpfe ist der Glanzpunkt der Landesgcschichte, ihr gehören alle poetischen Erinnerungen an, ihr die Entwicklung eines eigenthümlichen kriegerischen Volkslebens und somit auch eines selbstständigen Volksliedes."') Die also fortgesetzte Wasfenbereitschaft von Adel und Gefolgschaft hat aber im Lause der Zeiten — gleichwie später im Deutschen Reiche infolge des 30jährigcn Krieges — in den inner-österreichischen Landen (Steiermark, Kärnten und Krain) eine nicht unbedeutende Lockerung der Sitten nach sich gezogen, und ein nach dieser Richtung getreues Spiegelbild ihrer socialen Zustände in jenen Tagen bieten uns die Verhandlungen des Innsbrucker Ausschusstages der innerösterreichischen Lande vom Jahre 1518,') auf welchem *) Anastasius G rün, (8(sammelte Werke, V, S. 10 f. 2) Landschaftliches Archiv im Museum Rudolfinum in Laibach, FaSe. 87. die Abgeordneten unserer Stände auf Mittel sannen gegen Zuchtlosigkeit, Gewaltthätigkeit und Völlcrci. Das allzusehr in Schwung gekommene Zutrinken und Bescheidthnn veranlasste die Ausschüsse zu Anträgen auf strenge Ahndung durch Festhalten „im offenbaren Narrcnhänsl" oder selbst in Gefängnissen, bei Adeligen durch Geldstrafen oder im Falle der Nichterlcgung derselben mit Ungnade, selbst Frauen waren von solchen Strafen nicht ausgenommen. Und diesem allgemeinen Beschlusse der Landtagsausschüsse „auf Remedierung der Sitten" war das Jahr vorher schon (1517) die Bildung einer eigene» „adeligen Gesellschaft wider das Fluchen und Zutrinken" vorausgegangen, durch den Landeshauptmann von Steiermark Siegmund Freiherr» von Dietrichstein unter dem Namen der „St. Christophs-Gesellschaft" gestiftet für den Adel von Jnnerösterreich, welchem Vereine rasch 78 Mitglieder beigetreten waren. In den Statuten erschien namentlich die Mäßigkeit Kaiser Maximilians I. als „übermenschlich" und als „zeitliche Heiligkeit" hervorgehoben. Die Gesellschaft stand unter einem Hauptmanne, jedes Mitglied trug das Bildnis des heiligen Christoph an einer Kette auf der Brust, und es waren gleichfalls Geldstrafen auf die Übertretung des Fluch- und Trinkverbotes ausgesetzt. Ü Nach dem Tode Kaiser Maximilians L, an dessen Hofe zahlreiche Vertreter des krainischcn Adels hohe Stellen bekleidet hatten so, um aus den vielen nur einen besonders zu nennen, der ausgezeichnete Laibachcr Fürstbischof Christoph Räuber, zugleich erprobter Kriegsheld und gewiegter Staatsmann — vereinigte sich der krainische Landtag gegenüber dem Vorschlage der Theilung des habs-burgischcn Gesammtrcichcs durch Kaiser Karl V. zu dem Beschlusse, dass das Land Kraut und Triest bei dem österreichischen Antheile der habsbnrgischen Monarchie zu bleiben habe (1522), welches Festhalten an Österreich seitens der krainischcn Stände nicht allein politisch, sondern auch cultnrgeschichtlich sieh als vom höchsten Belange und weitestgehender Bedeutung erweist, namentlich wenn man die Wechselbeziehungen im Handel und Verkehr Krains mit dem österreichischen Küstcnlande und seinen Emporien Triest und „St. Veit am Pflaumb" (Fiume) ins Auge fasst, welche Seestädte zu jener Zeit territorial zu ,Kraut zählten und ab und zu noch ihre Abgesandten in den krainische» Landtag abordneten. Das Zeitalter der Reformation forderte auch in Krain die Superiorität des Adels, welcher sich gleich bei Beginn der Ausbreitung der „evangelische» Lehre" auf diesem Boden als mächtiger Anwalt des Lutherthums bewährte, dabei den geistigen Haupthcbeln der Bewegung — Schule und Schrift — jene Stütze verleihend, durch welche diese am wirksamsten einsetzen und am nachhaltigsten funktionieren konnten. Wie die Vordersten des Adels jener Tage mich in unserem Lande tief überzeugt waren von der Wichtigkeit einer gediegenen höheren Schulbildung, darüber belehren uns einige markante Stelle» in der gereimten Selbstbiographie, welche der krainischc Landeshauptmann Josef von Lamberg (1546 bis 1554) mit einer Anweisung über adeliges Leben seinen hindern hinterlassen hat, und die wir bei Valvasor'l abgedruckt finden; ein kulturgeschichtlich äußerst interessanter Beitrag, der nach seinem vollen Werte noch nicht genugsam gewürdigt erscheint. Indem Herr Josef von Lamberg an einer Stelle dieser Lebensschilderung ausruft: „Jetzt aber schmerzt es mich sehr, das ich ult hab gelernt mehr," dass er nämlich nur sechs Jahre, vom 7. bis zum 13., die Schule besucht und dann gleich zum Herrendienst bei einem steirischen Cavalier genommen ward, was nicht geschehen wäre, wenn sein Vater nicht frühzeitig vom Tode wäre dahingerafft worden, stellt er cs an anderer Stelle als eine hohe Aufgabe hin, „das ein jeder Vater willig thue seine Khinder in derselben Jugendt treiben zu lehrne» alle Thugendt die Slljimst, Weisheit und Erbarkhcit damit werden die Khinder voll bckhlaidt, und so die lernen die Khunst, So haben sy der Menschen Gunst, Sy haben auch die Zehrung in Peithl und werde» ihres Lebens uit eytl, Der Vater hat schon trntb Sy versorgt, So Gr Ihn die Lehr und Khunst geben!" In das Jahr 1563 füllt die Errichtung der ersten landschaftlichen (ständischen, Schule, eines Gymnasiums, in Laibach, die im Sinne des Protestantismus geleitet wurde, während die katholische lateinische Schule — von 1418 an urkundlich an der Kirche zu St. Nikolaus (der heutigen Donikirchc) in Laibach nachweisbar seit dem Bestände des Bisthums (1461) der Leitung des Laibacher Domcapitels, beziehungsweise des Fürstbischofes von Laibach untergestellt war. Schon vor Einrichtung ihrer landschaftlichen Schule hatten sich die „evangelisch gesinnten Stünde" als hervorragende Förderer der Übertragung der heiligen Schriften in das Slvvenische durch den „Luther Krains", den gewesenen Laibacher Domherrn Primus Trüber, erwiesen, und es hatte die krainische Landschaft allein bis zum März 1560 die Summe von 1000 fl. zu diesem Zwecke beigesteuert?) Und wie die Landschaft Primus Trüber und seine Mitarbeiter an dem Übersetzungswcrke mit dieser und weiteren Summen willig unterstützte und so zugleich die slovcnischc Schriftsprache begründen half, so unterstützte sie nicht minder die Thätigkeit des Übersetzers der ganzen Bibel, Georgs Dalmatin, dem der Schlvssherr von Auersperg obendrein ein gastlich Asylum bot. Ganz Besonderes leisteten aber die krainische» Stände für die Hebung und Förderung des Schulwesens im Lande durch die Berufung des in den weitesten Kreisen bekannt gewordenen schwäbischen Schulmannes und Pädagogen Nikodemus Frischliu als Rectors der evangelischen Landschaftsschule in Laibach, dem dann der hochgesinnte und gelehrte krainische Cavalier Herr Khisl von Kaltenbrunn, der Besitzer einer gewählten und reichhaltigen Bibliothek, als Mäcen zur Seite gestanden, und der, gestützt auf seine in Krain gesammelten Erfahrungen, später über den krainische» Adel die schönen Lobesworte schrieb, „dan cs (Krain) einen bescheidenen, nüchternen, verständigen Adel hat, da selten einer, der nicht seine drei oder vier Sprachen kann und etliche Züg wider die Türken gethan". Gleichwie die krainische» Stände die Bildung der heimatlichen Jugend inner- und außerhalb des Landes mit allen Mitteln gefördert — begegnen wir ihnen doch auch als Förderer der Wiener Universität, auf welcher so viele Kramer Jünglinge die Zeiten her ihren höheren Unterricht genossen — so hatten sic jetzt durch Stiftung von Stipendien an den deutschen evangelischen Hochschulen, namentlich in Tübingen, ') Koktrenüiö, Urkundliche Beiträge zur Geschichte der protestantischen Literatur der Siidslaven, S. 3, Nr. III. für die Ausbildung der kraiuischeii Jugend im protestantischen Sinne eifrigst Sorge getragen.4) War durch die krainischen Adeligen Johannes Manuel bei Errichtung seiner Buchdrnckerei — der ersten in Laibach — 1575 bis 1580 auf das kräftigste unterstützt worden,2) so waren sie cs auch, die später, als man von gegenrcformatorischer Seite ihren Predigern an den Leib ruckte und dieselben zur Auswanderung zwang, aus den Beständen der „auf Kosten der krainischen Landschaft" gedruckten Werke und der Büchersammlnngen jener „Prädicanten" und Superintendenten eine landschaftliche Bibliothek schufen, die bald über 1000 Nummern zählte und die vorzüglichste Bereicherung durch die Einverleibung der reichhaltigen Sammlung des Grammatikers Bohoriö erfuhr mit der ansehnlichen Collectiv» von 2000 Gesangsnummern, „meist gedruckte zum Theil geschriebene zu 8, 7, 6, 5, 4 und 3 Stimmen, lateinische, deutsche, italienische, französische und auch krainijche so von alten und neuen in der Mnsica fast (sehr) berühmten Artificibus lieblich und künstlich gesetzt, welche nicht allein in der Kirchen sondern auch bei anderen herrlichen Freuden und Versammlungen und das auf allerley Instrument recht und lustig zu gebrauchen".3) Die Gegenreformation veranlasste aber den grössten Theil des krainischen Adels, nach längerer, doch fruchtloser Gegenwehr sich schließlich den strengen Maßregeln der Gegenreformatoren zu fügen, das evangelische Bekenntnis wieder abzulegen und in de» Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren, worin ihm die gleichfalls in großer Zahl evangelisch gewesene Bürgerschaft der Städte und Märkte im Lande ebenso rasch nachfolgte, als sie vorhin dessen Beispiele gefolgt war; ein Theil jedoch des evangelischen Adels, die starrsten und hartnäckigsten Anhänger des Lutherthums, Herren und Frauen — ans der Familie vvn Egt allein an 20 Personen — verließen das Land und zogen nach Deutschland, zumeist nach Bayer» (Augsburg, Nürnberg.4) * ') Vgl. die näheren interessanten Detail« hierüber in Th. Elze, Die Universität Tübingen und die Studenten aus Krain. ’2) Vgl. die bezüglichen Beiträge bei Friedrich Alm, Johannes Manuel, Laibachs erster Buchdrucker — Die slovcuischcn Erstlingsdrucke der Stadt Laibach. 3) Landschaftliches Archiv im Museum Rudolfinum in Laibach, Fase. Religion, St. 1. 0 Ein Verzeichnis solcher Exulanten bewahrt die k. Hosbibliothek in München. In den Tagen der Jesuiten. Vom Anfange der Gegenreformation, ivclche der ebenso geistvolle als energische Laibacher Fürstbischof Thomas Chrön im Vereine mit den Vätern der Gesellschaft Jesu im Jahre 1600 begann und noch vor seinem im Februar 1630 erfolgten Hinscheiden als vollkommen durchgeführt betrachten konnte, bis zum Tage der Aufhebung des Jesuitenordens durch die Kaiserin-Königin Maria Theresia (1775) stand das geistige und sociale Leben Krains unter dem Zeichen des genannten Ordens, der auch in seinem Laibacher Collegium stets einen wohlgewählten Stab ausgezeichneter Mitglieder vereinigt sah, die in ihrer Stellung als Prediger des Wortes Gottes wie als Lehrer und Bildner der Jugend Vorzügliches leisteten, und denen die der römisch-katholischen Kirche wiedergewonnenen Adeligen und Bürger opferwillig jedwede Hilfe leisteten. Im öffentlichen Leben war man lange schon des fruchtlosen Gezänkes um die „Concessionen in Religionssachen" müde geworden, was sich nirgends deutlicher widerspiegelt als in den Worten, mit denen der hämische Landmarschall Dietrich von Auersperg die Land-tagsscssion von 1630 Mittwoch den 30. Januar eröffnete. Das Protokoll dieser Cröffiinngssihnng constatiert, „der Herr Landmarschall verhofft, weil nunmehrv die rcligion in den alten Staudt khommcn, es werde auch das alle Vertrauen tut ausbleiben, sondern die löblichen Stande Vrsach nenien, sich um das gemeine wesen zu bewerben", nämlich Rath zu schaffen, wie das landschaftliche Deficit gedeckt werden könnte, da die Ausgaben den Empfang um die beträchtliche Summe von 16.690 fl. jährlich übertreffen.') Man sieht, die oberste Leitung des Landes war nun ernst darauf bedacht, bei eingetretenem Aufhören der Parteistreitigkciten die wirtschaftlichen Fragen des Landes kräftig in die Hand zu nehmen, und wie uns der Einblick in die Land-tagsverhandlungen der nächsten und weiterer Jahre zeigt, blieb diese wackere Tendenz noch lange in den Debatten und Beschlüssen der krai-nischen Stände vorherrschend. Nicht litt aber hierbei die Vorsorge für die geistigen Güter des Volkes, und wir begegnen in den Auszeichnungen der landschaftlichen Ausgaben des 17. und 18. Jahrhunderts Jahr um Jahr größeren und kleineren Summen, für Kunst und Wissenschaft ausgeworfen. ') Landschaftliches Archiv, Museum Nudolsimun, Laudlagsprolokolt Nr. 15, fio(. 507/a. In erster Reihe war es das Collegium der Laibachcr Jesuiten und deren Schule, die sich der besonderen Gunst der Stände erfreuten; mit fürstlicher Munificenz und in fortgesetzter Darbringung von Tausenden und Tausenden von Gulden wurden namentlich die prächtigen Schulkomödien, dieses vortreffliche Erziehungsmittel der gelehrten und praktischen Väter der Gesellschaft Jesu, behufs Beschaffung der Ehrenpreise („Prämien") an die jugendlichen Darsteller wie nicht minder des außergewöhnlichen decorativen Pompes von Seite der Stände unentwegt unterstützt, und „ganz Laibach" erfreute sich an den herrlichen Aufführungen der Jesuitenzöglinge, welche vornehm und gering, arm und reich — in ganz gleicher Weise an der Vorführung der Hauptrollen participierten, wie uns dies die noch heute erhaltenen, den einzelnen Dramentexten beigegebenen Darstellerverzeichnisse lehren.1) Neben den theatralen Ausführungen seitens der Jesuitenzöglinge traten aber auch die Laibach berührenden „hochtcutschen Comvdiantcn" subventionheischend an „Eine Ehrsambc Landtschast des Herzogthumbs Crain" heran und, wie wir de» Protokollen der Landschaft entnehmen, nie ohne klingenden Erfolg. Desgleichen fanden Maler und Bildhauer, Musiker und Kalender-macher sowie die „Novellisten", die Übermittler der „neuesten Zeitungen" von auswärts, stets die offene Hand der Stände von Krain, wodurch Bildung und Fortschritt im allgemeinen im Lande mächtige Förderung erfuhren. Und wie der Adel als Körperschaft, wie die krainische Landschaft als solche, so waren auch die einzelnen Cavaliere Krams als Mäcenaten von Kunst und Wissen, als Stützen und Förderer der Volkswohlfahrt hervorragend thätig, und es ist ganz besonders die Zeit von circa 1650 bis an das Ende des 17. Jahrhunderts als die Epoche großen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwunges, als das goldene Zeitalter Krains anzusehen. Krain zählte in jenen Tagen drei Fürstengeschlechter, Auers-perg, Eggcnberg, Porcia, von denen das erste und letzte noch heute im Lande ansehnliche Besitzungen ihr Eigen nennen, 20 Grafen-geschlechter, 42 Freiherren-, 58 Ritterfamilien und 87 andere, nicht zur Ritterschaft gehörige Adelshäuser. Dieser Gesammtadel Krains pflegte, wie uns Valvasor in der ihm eigenen drastischen Redeweise erzählt, „seine Jugend mit freien >) Fürstlich Start Auerspcrq'sche Bibliothek. Künsten und der Pallas aufzuwarten, auch dabei sich mit zuwachsenden Jahren in ritterlichen Exerctien zu qualificieren, nachmals fremde Länder bevorab Italien und Frankreich durchzureisen", um entweder „eine fürnembe Kriegscharge vder leuchtende Regimentswürden oder glänzende Ehrenämter zu erreichen und so mit der Feder- oder Degenspitze sein Glück zu machen".') Auch die aristokratische Gesellschaft Krains war, wie ein moderner Historiker, August Dimitz,^) treffend bemerkt, dem allgemeinen Zuge gefolgt, der nach dem Austoben des 30jährigen Krieges den deutschen Adel sein Muster und Vorbild in französischer Sitte erblicken, ihn Paris zur Hochschule seiner Erziehung mache» liefe. Mit der französischen Tracht war französischer Ton, Sin» für feineren Lebensgenuss eingekehrt, aber die französische Liederlichkeit blieb dieser Gesellschaft fern, welche immer noch den Grundton treuherziger altdeutscher Biederkeit bewahrte, wie Balvasors Lvbredncrin, die Frei in von Seisen-cgg, schreibt: „. . . ES weist die weise Schrift2) Den schönen Adel auch, dem Tugend ungeerdet. Der Meisten Theil ist teutsch, Muth findet da sein Stift Und Höflichkeit den Sitz. Ich selber hab' gekennet Sehr viel'. In allen war ein Geist der Lieblichkeit, Der Freundschaft süße Seel'! Ein Herz, da Liebe brennet In tugendlicher Flamm' . . ." Die Schlösser des krainischen Adels in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie sic uns der edle Freiherr von Valvasvr in seinem Schlösscrbnche in Wort und Bild vorführt, sic waren zumeist Prachtbauten im schonen italienischen Renaissancestil mit luxuriösen Marstüllen, herrlichen Gürten, Boliären, Grotten, Springbrunnen, Bärenzwingern, Hirschgräben und seltenen Bäumen und Blumen, mit kunstvollen Malereien, kostbaren Einrichtungen u. s. w., so, um nur ein paar Beispiele zu nennen, Schloss Ainödt in Unterkrai», damals Graf Gallcnbcrgisch, heute im Besitze des Fürsten Karl Auersperg, so der infolge der Erdbebenkatastrophe von 1895 demolierte Fürstenhof der Auersperge in Laibach. Im fürstlich Pvrcia-schcn Schlosse Senoschetsch in Jnnerkrain — heute im Besitze des Fürsten Ludwig Porcia — gab es eine von Tizian gemalte Ahnen ') Ehre des HcrzogthnmS Krain, II (VI), S. 312, 2) Geschichte KrainS, IV, S. 92. :I) Balvasors Buch „Die Ehre des HcrzogthnmS Krain". gallcrie; Gaierau bei Laibach bot einen seltenen Genuss für Blumen-und Obstfreunde, es vereinigte der dortige Schlossgartcn über 70 Arten von Hyacinthen, mehr als 20 Narcissspecies, gar viele Roscngattungen und 107 „Tulipanen", abgesehen von einer Fülle minder berühmter Kinder Florens, ferner eine Unzahl Kirschen», Äpfel- und Birngattungen. Die Rückwirkung der glanzvollen Führung des krainischen Adels auf das sociale Leben des Landes und speciell der Hauptstadt konnte nicht fehlen. Die vollste Prachtentfaltung seitens des Adels und der Bürgerschaft dieser Epoche trat aber anlässlich der Anwesenheit Kaiser Leopolds I. in Laibach im September 1660 zutage, als der an die glänzendsten Feste gewohnte Monarch in Krains Hauptstadt die Erbhuldigung des Landes entgegennahm. Pompös war schon der Einzug des Landcsfürsten am 7. September, ein selten gesehenes Schauspiel. Den Zug eröffneten croatischc Edelleute mit um die Schultern geworfenen Tigcrhäuteu, die Leibgarde des Generals an den Grenzen, Herbards von Auersperg, dann folgte ein kroatischer Jüngling, 20 Jahre alt, in kroatischer Kleidung, frei stehend auf ungcsatteltem Pferde, eine fünf Ellen lange Lanze in der Rechten balancierend, der General selbst, dann türkische Musik, ein Schwarm Reiterei auf mit Gold und Silber verzierten Pferden, mit buntscheckigen Tigerhüuten, Lanzen mit seidenen Quasten, „und je barbarischer oder fremder," sagt der zeitgenössische Chronist, „dieses Spcctakcl war anzuschauen, desto mehr raffte es die Augen der Zuscher an sich, zumal der Fremden und Ausländer". Außer dem zahlreichen Gefolge des Kaisers wohnten diesem Aufzuge bei der päpstliche Nuntius und der venetianische Botschafter — doch sehen wir weiter! Es kommen die Reitercompagnien der krainischen Landschaft, 800 Manu zu Pferde, durchwegs wohl uniformiert und armiert den blauen und gelben Fahnen folgend, dann die Hoffourierc, Bereiter, die Handpferde führend, die Trompeter und Hcerpauker, die Kammcrjunkcr. die Grafen und Barone, die krainischen Herren und Adeligen, der fremde Adel und der Erzherzog. Dem Kaiser knapp voran reiten die Herolde des Reiches und der Länder und der kaiserliche Biccmarschall Graf Lamberg mit dem gezückten Schwerte, nun kommt der Kaiser selbst zu Pferd, zu beiden Seiten schreiten cntblösten Hauptes Hatschiere, ihm unmittelbar folgen die beiden genannten Botschafter, dann Obersthofmarschall Fürst Porcia und der Obersthofmeistcr Graf Dictrichstcin, daran reihen sich Edelknaben, Heerpauker, Hatschiere, Trabanten und die 24 kaiser- lichen und crzherzoglichcn Leibcarossen. Das damals in Krai» stationierte Kürassierregiment Arizaga, „8 Compagnien", schließt de» Zug. Beim Vicedomthor (an der eben demolierte» landschaftlichen Burg) stehen 100 Mann Bürgcrgarde, 600 andere Biirgcrgardistcn beim „Landhaus" ans dem neuen Markte (betn heutigen Aucrspergplatze). An den nächsten Tagen folgen in buntem Wechsel Festlichkeiten aus Festlichkeiten, Stadtbeleuchtung, Festschießen ans der adeligen und der bürgerlichen Schießstätte. Hofjagden — Entenjagden auf dem Laibacher Moor — Schiff-rennen, Theater bei Auersperg, mehrere kleinere Gelage und ein großes, das Huldigungsbankett. Zur Fahrt des Kaisers ans dein Laibach-flusse waren prächtige Schiffe »ach Benetianer Art hergestellt worden, und die Bemannung war in Seide gekleidet. Ein Blick in die Statistik des Handels und der Gewerbe der Landeshauptstadt und in die noch heute im Archive derselben bewahrte» Steuerbücher jener Tage zeigt uns, dass- durch das „Leben und Lebenlassen" der krainischen Cavaliere das wirtschaftliche Berhältnis des Landes, beziehungsweise der Hauptstadt gleichfalls ein glänzendes gewesen. Die Stadt Laibach zählte um diese Zeit zusammt den Vorstädten 500 Häuser mit circa 20.000 Einwohnern, und den dritten Theil der Bürgerschaft bildeten Fremde, außer Zuzüglern ans den Nachbarländern Steiermark, Kärnten und Croatien vornehmlich Italiener, Tiroler, Bayern, Sachsen, Franke», Schwaben, Schlesier, Mährer, Böhmen, ja selbst Dänen, Poinmerer und Franzosen.') Doch sie hatten „alle fast einerlei Sitten, die mit Tentschrcdlicher Treu übereinstimmen", lind trotz der „so weinreichen Stadt war wenig Zank und Hader zu verspüren, welches", wie Valvasor betont,-) „der Obrigkeit Wachsamkeit zuzuschreiben". Neben eiifcr Anzahl Goldschmiede und Silberarbeiter gab es damals in Laibach eine Sammt- und Seidenbänderfabrik, eine „Lein-wandwirkerci auf Damastart", die Verfertigung von Spitzen »ach niederländischer und venetianischer Art und anderer Luxusgcschäfle mehr; sogar mit dem Anbau von Tabak machte man schon Versuche, „von dem sich die Stadt großen Nutzen »erhoffte".3) Laibach zählte damals auch eine Anzahl tüchtiger Gelehrter und Fachschriftsteller in seiner Mitte und besaß dank der Beihilfe ') Batvasor, 1. c„ III (XI), S. 700. 2) Ebenda. 3) Ebenda. der Stände seit 1678 wieder, nachdem die erste („evangelische") Buchdrnekerei «och Ende des 16. Jahrhunderts gesperrt worden, eine neue „Druckofficin", welche von der Salzburger Bnchdrnckersainilic Mayr geleitet wurde. Wie hoch der Adel Krams die geistige Arbeit stellte, und wie er hervorragende Männer der Feder und der Wissenschaft auszuzeichnen und zu fördern verstand, dafür zeugt außer der munificenten Unterstützung der Historiker Schönleben und Valvasor die Art, wie ersieh gegenüber einem ausgezeichneten Jünger Äskulaps verhielt. Pliilosophiae et Medicinae Doctor Johannes Ganser (geb. 1644 zu Stcinbrückl bei Rndvlfswcrth in Untertrain), der rühmlich bekannte Bcrfasscr des Werkes „De morbis mulierum”, wurde nämlich in der Landtagssitzung vom 16. Februar 1685,') wiewohl nicht adeliger Geburt, von den versammelten Ständen Krains ob seiner eminenten Eigenschaften zum ständischen Mitgliedc erwählt, nachdem in der darüber geführten Debatte der Fürstbischof von Laibach, Sigismund Christoph Graf von Herberstcin, die Erklärung abgegeben, dass „für Dr. Ganser er Herr selbst intercedieren wolle", und mehrere andere Redner es hervorgehoben hatten, „wie Dr. Ganser meritiert und vornehmlich «commandiert fei". Ende des 17. Jahrhunderts, an welchem ein ganz besonders reges geistiges Leben in Krains Hauptstadt herrschte, bildete sich hier unter dem Protektorate der Landschaft nach Muster der italienischen Akademien unter dem Symbol der Biene eine Gelehrtcn-akademie „Academia Operosovum” (1693), die 1701 zum erstenmale öffentlich auftrat und da bereits 27 „Akademiker" zählte, darunter eine Reihe Adeliger, Hohenwart, Raab zu Rabenheimb, Kappus von Pichelstein, Freiherr von Gallcnfels, Herr von Höffern, Herr von Erberg, Freiherr von Hallerstci», Freiherr von Rasp u. a. Einer aus dieser Gesellschaft, Johann Berthold von Hösfern, wurde aber gar bald der Gründer einer weiteren Vereinigung, die, 1702 ins Leben getreten, heute noch blüht und sich eines weithin tonenden Rufes erfreut, der „Academia Philharmomcorum”, der heutigen Philharmonischen Gesellschaft in Laibach, die, seit einer Reihe von Jahren unter der kunstsinnigen Leitung des Gesellschastsdircctvrs, Regicrnngsraths Dr. Friedrich Keesbacher, stehend, in der vor wenigen Jahren erst er- ') Landschaftliches Archiv im Museum Nudolsinum, Protokoll Nr. 80, Fol. 517 bis 519. bauten „Tonhalle" auf dem Congressplatze ihr eigenes Heim besitzt und der seltenen Feier des 200jährigen Bestandes (1902) frohgemut!) entgegenwirkt. Wie bei der Schaffung der das geistige und sociale Leben von Stadt und Land berührenden Academia Operosorum und der aus dieser hervorgegangenen Academia Pliilharmonicorum hat der krainische Adel bei der Gründung einer anderen, in erster Linie die materielle Volkswohlfahrt ins Auge fassenden Gesellschaft Pathen-schaft geleistet, nämlich bei der Konstituierung der von der unvergesslichen Kaiserin-Königin Maria Theresia 1767 auch für Kraiu ins Leben gerufenen Gesellschaft des Ackerbaues und der nützlichen Künste, der heute noch bestehenden und gegenwärtig unter der ausgezeichneten Leitung des Präsidenten, kaiserlichen Rathes I. Murnit, Landcs-ausschussbcisitzers, befindlichen k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft für Krain. Bei Gründung der Gesellschaft 1767 unter dem Vorsitze des Landeshauptmannes Heinrich Grafen Auersperg war Josef Freiherr von Brigido zum ersten Präses, Dr. Valentin von Mvdcsti zum ersten Kanzler gewählt worden. Bei Einführung der Theresianischen Normalschule, welche in Krain Graf Torres leitete, sehen wir in erster Linie einen hochsinnigen heimatlichen Cavalier, den Grafen Edling, auch schriftstellerisch im Interesse der Neuschule thätig, *) und als es sich der Kaiserin-Königin (1775) um die Abschaffung der Tortur handelte, da begegnen wir unter den Votanten aus Krain den beiden Kavalieren Georg I. Grafen Ho chen-wart und Johann G. von Buset, dem Grafen Hochenwart im Freisinn der Vorschlüge noch weiter gehend als — Sonnenfels! Die Straßcnvcrbesscrung in Krain, wie sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts namentlich in der Richtung des Hanptverkehrsweges aus dem Norden nach dem Süden des Reiches, aus der Residenz über den Semmering durch Steiermark zum Hafen von Triest durchgeführt worden, und die vom Dircctvr des Bauwesens Grafen Lamberg geleitet war, sic hatte in dem vielseitig gebildeten, erfindungsreichen hämischen Kavalier von Steinberg, dem geistvollen Verfasser der „Gründlichen Nachricht vom Zirknitzer-See", den sorgsamsten und gewissenhaftesten Kultivator gesunden. * ') Vgl. die DelciilL in des Freiherr» von Helfert bekanntem ausgezeichneten Werke „Die österreichische Volksschule" a) Dimitz, Geschichte KrainS, IV, S. 175. Die josefinische Zeit sah zunächst die Wiedereröffnung der inzwischen eingegangenen Akademie der Operoscn, jetzt unter dem Präsidium des heimatlichen Cavaliers SiegmUnd Freiherrn von Gussitsch (1781), sowie die eifrigste Pflege der 1764 errichteten landschaftliche» „Nobelbühnc", des noch heute bestehenden landschaftlichen Theaters, dessen Referat der kunstsinnige Landesausschussbeisitzer Dr. Adolf Schaffer führt. Die landschaftliche Nobelbühnc pflegte am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts in erster Linie die Oper und das Singspiel, an ihr wirkte Schikaneder als Theatcrdircctor und beherrschte Metastas io längere Zeit das Repertoire. Interessant und charakteristisch zugleich und heute noch nach hundert Jahren giltig ist, was die amtliche „Laibacher Zeitung" vom Jahre 1785 über die Verhältnisse verdeutschen Schaubühne in Laibach schreibt. „Immer hat sich," sagt das genannte Blatt, „auf der hiesigen Bühne eine gute deutsche Gesellschaft von Schauspielern mit Vortheil erhalten, und man kann mit Grund sagen, dass der Geschmack fürs Theater bei einem großen Theil des hiesigen Publicums nahe an Leidenschaft grenzt. Noch niemals ist ein Dircclenr, der dem Publicum genug that und sonst Ordnung hielt, unzufrieden von hier abgegangen." Zu Wohlthätigkcitszwecken spielten auf dieser Bühne in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts durch längere Zeit Herren und Damen des Laibachcr Adels und der höheren Kaufmannschaft in Dilcttantenvorstcllungen, die von der Kritik den besten Leistungen von Bcrufsschauspiclern an die Seite gestellt wurden. Ja Siegmund Baron Zois, der große Mäccn von Kunst und Wissen, dessen Haus „Krains Musenhof" genannt zu werden verdiente, wandte sein Augenmerk auch dem Theater zu, und unter seiner Ägide fand auf der landschaftlichen Bühne 1789 die erste Aufführung eines Stückes in national krainischer Sprache statt, ward also der Grundstein gelegt zur heutigen slovenischen Nationalbühne. Zois componierte selbst slove-nische Lieder als Einlagen für die Sänger der italienischen Stagione. Mit der italienischen Oper und dem Ballett, meist von venetianischcn Impresarien importiert, verbreitete sich auch der Geschmack an italienischen Carnevalsvergnügungcn, den maskierten Bällen oder sogenannten „Redouten". Als der marokkanische Gesandte Muhamed Ben Sa-raxes am 6. Februar 1783 mit den kaiserlichen Cvmmissaricn und einem Gefolge von 24 Personen in Laibach ankam, wurde von den Ständen dem Gast 31t Ehren im Theater ein maskierter Ball veranstaltet, dem 600 Personen beiwohnten. Die „gewählten" Masken bezeichnete der Gesandte durch „freundliches Lachen und Cvmplimcnte". Adel und Bürgerschaft amüsierten sich gemeinschaftlich auf den nun in jedem Carneval zweimal wöchentlich stattfindenden Maskenbällen, für die man im einstigen Schulhaufe der Jesuiten einen prächtigen geräumigen Saal, den Redoutcnsaal, hergestellt hatte, in welchem in unseren Tagen bis zur Erdbebenkatastrophe des Jahres 1895 die krainischen Landtagssitzungcn abgehalten wurden. Seit dem Jahre 1782 bestand in Laibach auch ein „Casino" zur Unterhaltung der „Gesellschaft", „wozu nicht nur der hohen Noblesse, sondern auch allen übrigen Honoratioren der Zutritt offen stand". Die Reformen des hochherzigen Kaisers Josef II., der persönlich wiederholt in Laibach weilte, so 1784 und 1788, wobei der leutselige Monarch alles ihm wichtig Erscheinende besichtigte und untersuchte, waren an den einflussreichen Ständen nicht ohne Frucht vorüber- gegangen; ein zeitgenössischer Reisender aus Deutschland') rühmt die Aufklärung, die er in Laibach beim Mittelstände und beim Adel gefunden, und ein anderer Reisender jener Tage, der österreichische Naturforscher Hermann/) schildert ausführlich seine Besuche in den ansehnlichen wissenschaftlichen Sammlungen des Freiherrn von Zvis, des Professors Hacguct u. a. Der im Lande seit jeher tief eingewurzelten unendlichen Borliebc für das edle Weidwcrk kamen die krainischen Cavaliere, deren Forste zumeist immer bestens bestellt waren, und die — in erster Linie die Auersperge — sich schon in verhältnismäßig früher Zeit vorzüglicher Hilfskräfte namentlich ans Böhmen zur Pflege der Jagd und zur Cultur des Waldes erfreuten, in nennenswerter Weise z» Ende des 18. Jahrhunderts entgegen und zwar durch Gründung des Zweigvereines der „Adeligen Gesellschaft Diana der Jägerin" für Krain und Görz. In diese Jagdgesellschaft nahm 1790 der eben in Laibach weilende gerechte hohe Weidmann, König Leopold von Neapel, 25 Damen und 71 Herren größtcnthcils des krainischen Adels ans, nachdem er sich in der Großmcistcrnnifvrm der Gesellschaft an der ') von Venedig über Triest, »krain u. s. w. Frankfurt und Leipzig 1793. S. 42 ff. 2) Reisen durch Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain ». f. m. Wien 1781. II, S. 15 ff. Wasserjagd auf dem Laibachflusse ergötzt und auf der Schießstätte des Schützeuvcrciucs die Geschicklichkeit der Laibacher Schütze» des Adels und der Bürgerschaft belobt hatte. Der Majorats-Herr der um Krain viel verdienten Familie der Grafen Barbo, der gegenwärtige Landtagsabgcordnctc Gras Heinrich Barbo, bewahrt ans seinem Schlosse Kroisenbach in Untcrkrain noch heute das interessante Porträt seines Vorfahren, jenes Grafen Barbo, der dem Orden „Diana der Jägcrin" angehört hat, in der schmucken Uniform dieser adeligen Jagdgesellschaft. Als der König von Neapel 1791 wieder nach Laibach kam und hier mit Kaiser Leopold II. zusammentraf, da arrangierte zu Ehren des ersteren der Fürst Johann Adam Auersperg auf der nächst Laibach gelegenen Herrschaft Sonnegg des Grafen Joses Maria Auersperg eine Bärenjagd, auf welcher der König an dem ersten Tage (17. März) einen sehr großen Bären und einen Wolf, am nächsten Tage einen großen „Raubbären" . erlegte, und cs wurde der glückliche erlauchte Jagdgast bei seiner Rückkehr in die Stadt, die ans dem Laibachflussc erfolgte, in 20 schön geschmückten Schiffen von den Damen und Herren der Gesellschaft „Diana der Jägcrin", dem Osficierscorps und vielen anderen Honoratioren erwartet und bei türkischer und Feldmusik, Trompctcn- und Paukcnschall unter stetem Vivatrufen und unter unaufhörlichem Flintenknallcn nach seinem Absteigequartier dem Bischvfshosc — geleitet. Noch war aber die Erinnerung an die glänzenden Feste der Anwesenheit von Kaiser und König in den Herzen der getreuen Bevölkerung Krams nicht erloschen, so entriss der Tod de» edlen Monarchen Kaiser Leopold II. seinen Völkern, und den Thron des jugendlichen Kaisers Franz umtosten bald die Stürme der fran- zösischen Kriege, die unser Heimatland Krain in arger Weise mitnahmen, indem sic demselben 1797 eine Invasion französischer Truppen und 1809 bis 1813 gar eine französische Zwischenherrschaft bescherten. * Die Tage der französische» Zwischenherrschaft benützte jedoch der Adel Krams so viel als möglich zur Auftcchthaltung des Zusammenhanges mit dem angestammten Herrscherhausc Habsburg. Während ein Theil der krainischcn Aristokratie sich gegenüber den ein gedrungenen fremden Machthabern ans den passiven Widerstand verlegte, ja einzelne davon durch ihr Auftreten sich die Verfolgung seitens der Feinde zuzogen, suchte ein anderer Theil für die Dynastie zu retten, was momentan zu erhalten war, er bot nämlich dem Gegner insofern die Hand, als er sich persönlich an der Verwaltung des Landes, beziehungsweise der Hauptstadt bethätigte, und dies verhinderte, dass hochwichtige Posten an Fremdlinge gelangten. So sehen wir z. B. einen Baron Lichtenbcrg, einen Baron Codelli der „Mairie" (dem Bürgermeisteramt«:) von Laibach vorstehen und andererseits einen Freiherr» von Tauffcrer als Intendanten die Geschäfte von Unterkrain leiten. Und der wiederholt genannte Mittelpunkt des geselligen »nd geistigen Lebens des Landes und der Hauptstadt, das Palais des Siegmund Freiherrn von Zois „am Rain", cs blieb auch in der Franzoscnzcit das Centrum solchen Verkehres, in welchem neben dem heimischen Adel die Honoratioren und Capacitäten Krains sowie die französischen Generale und Osficierc aller Grade aus- und cingiengen und gegenseitig sich verständigten, so dass gar manche Erleichterungen in den aus der Occnpation erwachsenden Schwierigkeiten auf den im Hanse des liebenswürdigen und allseits gefälligen Freiherrn von Zois gepflogenen Meinungsaustausch zurückzuführen sind. Andererseits war der erste Gcncralgvuvcrneur der „Jllyrischcn Provinzen", deren Centrale zumeist Laibach bildete, Marschall M arm on t, Herzog von Ragusa (November 1809 bis Februar 1811), der sich durch längere Zeit in jener Hauptstadt aushielt, einer der ehrenhaftesten Charaktere der französischen Armee, der der Bevölkerung Krains, soweit es sein persönlicher Einfluss gestattete, die schwere Bürde der Fremdherrschaft wesentlich erleichterte, und da war cs, wie die Memoiren dieses Staatsmannes beweisen, wieder in erster Linie der Adel Krains, der durch seine hervorragendsten Repräsentanten es verstand, ohne seiner Loyalität gegen die Dynastie Habsburg zu vergeben, durch conciliantcs Benehmen gegenüber dem chevalercsken französischen General zum Besten der ganzen Bevölkerung vermittelnd zu wirken. Marmont spendet denn auch in seinen genannten Aufzeichnungen den [römischen Cavaliere» alles Lob und anerkennt die „erbliche und entschiedene" Zuneigung, welche die Bewohner Jllyricns mit Recht für Österreich hegen. Er fühlte sich persönlich besonders wohl im Verkehre mit einzelnen Adeligen des Landes und betont bei Beschreibung seiner Bcsuchsfahrten auf die Schlösser der hervorragendsten Besitzer ganz vornehmlich, wie sehr cs ihm in diesem Lande gefallen habe. Den von ihm in der Hauptstadt im Sinne des „Empeveur” und zu dessen Verherrlichung arrangierten großartigen „Fetes” verlieh Marmont durch sein ebenso glanzvolles wie charmantes Auftreten eine eigene typische Färbung. Wenn der Herzog in seinen Memoiren sagt, dass er in Strafn die ehrenvollsten Erinnerungen zurückgelassen, so steht diese Äußerung berechtigten Selbstgefühles in keinem Widersprüche zu den Berichten der Zeitgenossen und der Tradition in unserem Vaterlande.') Auf den Gcncralgouvcrnenr Marmont folgten in dieser Stellung 1811 General Bertrand, auf ihn Junot, Herzog von Abrantes, und 1813 Fon che, Herzog von Otranto, der aber, da die Zeit der französischen Herrschaft in Jllyrien ihrem Ende zuneigte, schon am 27. August desselben Jahres Laibach in aller Stille verließ, um sich über Triest nach Venedig zu begeben, und am 29. September rückten die siegreichen Österreicher in Laibach ein. Am 4. October als an dem glorreichen Namcnsfeste des Kaisers von Österreich wurde schon in der Vorstadtkirche der Barmherzigen Brüder das Te Denm gehalten, und der alte Freudenruf „Hoch lebe Kaiser Franz!" erscholl wieder nach einem mehr als vierjährigen Zwischenräume?) Am 13. October 1813 traf Feldzeugmeister Freiherr von Lattcrmann, von Kaiser Franz zum Civil- und Militärgouverncnr Jllyriens ernannt, in Laibach ein und stieg in der landschaftlichen Burg ab, vor welcher er vor 46 Jahren als Gäbet des Infanterieregimentes Marguis Bvtta Wache gestanden, der bürgerfreundliche General, dem Krauts Hauptstadt die Anlage der noch heute eine Hauptzierde der Stadt bildenden großen, domartig gewölbten Kastanien-alleen verdankt, welche den Übergang aus der Häuserengc zu den westwärts hingelagcrten herrlichen Waldbergen oberhalb des parkumfriedeten Lustschlosses Tivoli tiefschattig vermitteln. * Wieder unter dem österreichischen Kaiseradler. Kaum war das Land Kram wieder unter der Herrschaft des geliebten Kaisers Franz, als eine Anzahl ausgezeichneter kroatischer Patrioten, die Cavaliere und Großgrundbesitzer Siegmund Baron Zois, Karl Graf Thurn, Andreas Jermann, Stadtpfarrer August Sluga, Nathanacl Pagliarucci Rcichsrittcr und Edler von Kieselstein und A. Urbantschitsch, es unternahmen, ans einem ihnen ') Dimitz, Geschichte Krains, IV, S. 32t). '-) Boduik, Geschichte des Herzogthums flraiii, Wie» s2. Aufl.) 1825, S. 76. amjcmcffcn erscheinenden Wege durch ei» Colleetivschreiben') an einen eminenten Vertrauensmann in Wien, den Freiherr» Franz Karl von Hallcrstcin, die Wiederherstellung der unter den Franzosen aufgehobenen ständischen Verfassung für Kraiit anzubahnen. Dieses Schreiben, nach mehreren Richtungen hin von höchstem Interesse, constaticrt im Eingänge „die traurige Lage des Vaterlandes", welches durch de» Abgang des „ständischen Vereines" in große „Nothdurft" verseht sei, was alles dem Adressaten „durchgreifend bekannt als einem der ansehnlichsten Güterbesitzer und unstreitig vorzüglichsten Kenner der ausländischen Verfassung", daher sie sich an ihn wenden, ihre „Nothbehelfe bei jeder Gelegenheit unter seinen Bekannten und Freunden, Geschäftsmännern, Herrschaften, Beamten, vorzüglich aber auch bei Mitgliedern hoher Stellen und Ministerien (in der Residenz) anzuempfehlen und mit der ihm ganz eigenen Wärme und Sachkenntnis zu unterstützen". „Niemand," heißt es dann weiter, „kann den mindesten Zweifel hegen, dass die Krainer nicht ebensosehr als alle anderen österreichischen Unterthanen ihren angebeteten Landesherren treu ergeben und stets bereitwillig sind, für Kaiser und Staat Gut und Blut zu opfern." „Da nun aber," so lautet der Kcrnwunsch des Briefes, „durch den Eintritt der provisorischen Organisierung und durch die angekündete neue Steuercommission bei allen Güter- und Grundbesitzern so außerordentliche Besorgnisse erregt worden sind, dass jedermanns Muth für die Zukunft verloren und beinahe an Verzweiflung grenzt, haben wir den Wunsch nicht länger unterdrücken können, den letzten und einzig möglichen Versuch zu wagen, um mittelst E. W. G. und ihrer vielen Freunde in Wien es dahin zu leiten, dass doch die Stimme der armen Krainer bis zum Thron Sr. Majestät des Kaisers gelangen und dem Lande die Allerhöchste Begnadigung zufließen möchte, angehört und einvernommen zu werden! Jede Erleichterung, welche unserer kleinen Grenzprovinz zutheil werden sollte, lvird den wohlthätigen Einfluss auf alle übrigen großen österreichischen Staaten nicht verfehlen. Sei es unserem reinen Patriotismus erlaubt, es ausznsprcchen, dass wir, nicht durch einseitiges Interesse, sondern für die ausdauernde Wohlfahrt und Selbständigkeit des ganzen vaterländischen Staates eingenommen, mit tiefem Schmerz die Wirkungen eines Systems befürchten, welches die Kräfte der einzelnen Steuerpflichtigen so sehr entmittelt, dass im Nothfall nichts übrigbleiben wird, um das zu 1 Siehe meine „Briefe hervorragender Krainer" in Sumis Archiv für Heimatkunde, II (2), 2 117. retten, was bei der alten Verfassung errungen und behauptet worden ist. Eü wäre überflüssig, E. W. G. auf die Zergliederung aller der Storungen aufmerksam zu machen, womit die provisorische Organisierung durch Beseitigung aller ständischen Rechte, Patrimonial,- Gerichts- und Domäneneigenthums und durch Auflösung alles Verbandes zwischen Herren und Unterthanen sowohl die Gütcrbesitzcr als die Bauern auf vielfältige Weise beschädigt und beide gleich außer allen Nähr- und Schutzstand setzt." Dieser loyal-patriotische Schritt der Vertraucnspcrsviien des kraiuischen Adels war, wie die Folge zeigte, von bester Wirkung, denn wir sehen, dass Kaiser Franz im Jahre 1818 die angestrebte Wiedereinführung der ständischen Verfassung für Krain gewährte und zwar „auf den Grundlagen der früher bestandenen, mit unvermeidlicher Rücksicht auf die dcrmaligc Lage des HerzogthnmS".') So war den Ständen Krains durch die Gnade des angestammten Herrschers die volle Gelegenheit zurückgegeben, die Intentionen der Regierung im Interesse des Heimatlandes nach Kräfte» zu unterstützen und namentlich bei Schaffung und Einführung humanitärer und gemeinnütziger Institutionen in dankenswerter Weise an der Spitze zu erscheinen. Der Gründung der kraiuischen Sparkasse durch eine Anzahl hervorragender patriotisch gesinnter Männer, welche, die Zweitälteste Österreichs (1820), mit bescheidenen Mitteln ins Leben gerufen, heute unter der zielbewussten Leitung des Präsidenten Josef Luckmann und des Direktors Dr. Josef Suppan stehend, über einen Millionen-Reservcfonds verfügt, aus dessen Interessen sie die gemeinnützigen Bestrebungen im Lande, Kunst und Wissen in liberalster Weise fördert, folgte, begünstigt durch die persönliche Anwesenheit des Monarchen auf dem Laibacher Congrcsse im Frühlinge des Jahres 1821, da Kaiser Franz mit Kaiser Alexander von Russland und dem Könige von Neapel sowie mit den diplomatischen Vertretern der übrigen Mächte Europas zur Ordnung der italienischen Angelegenheiten zusammengetroffen war, und namentlich auch begünstigt durch das Interesse, das Fürst Metternich den Sammlungen des Freiherr» von ZoiS entgegenbrachte, noch im selbe» Jahre (1821), mit ein Haupt-verdienst des damaligen Gouverneurs Freiherrn von Schmidbnrg, die Gründung des kraiuischen Landesmnsenms, das sich alsbald ansehn- i) Allerhöchste« Patent vom 20. August 1818 in deutscher und krainischer (slovenischer) Sprache. lichcr Spenden von Alterthümern und Raritäten aller Art seitens des ganzen krainischen Adels zu erfreuen hatte lind infolge der hingebenden Arbeit des ersten Vorstandes, Franz Grafen Hochenwart, bereits 1831 eröffnet werden konnte. Einige Jahre später war es ein Kreis adeliger Damen, der sich (1835) zur Errichtung einer noch heute bestehenden, als Kindergarten segensreich wirkenden Klcinkinderbewahranstalt zusammenfand. Der aufopfernden Thätigkeit des Gubcrnial-Viccpräsidenten Grafen Welsperg ist die Gründung des neuen Casinovcreines zu danken, dessen im vornehmen Stile erbautes Vereinshans an der Stern-allee (seit 1838), zu den Zierden der Stadt zählend, noch heute die Gesellschaft Laibachs in sich vereinigt. Das Jahr 1844 brachte Kaiser Ferdinand I. den Gütigen und Kaiserin Maria Anna nach Laibach zum Besuche der Gewerbc-nnd Industrieausstellung des inneröstcrreichischen Gewerbe- und Jndustrievereines; unter den 195 Einsendern dieser unter dem Prvtec-torate des „Prinzen Johann", des »»vergesslichen Organisators der inneröstcrreichischen Landwehr in den Tagen der Franzvscnkricge, gestandenen ersten Exposition in Laibach war auch der krainische Adel durch seine ersten Namen vertreten, und waren cs insbesondere die Erzeugnisse der fürstlich Aucröpcrg'schen Eisengießerei in Hoff (Unterkrain), welche die allgemeinste Anerkennung fanden. Im vorhergegangenen Jahre war gleichfalls über die das wirtschaftliche und wissenschaftliche Leben Jnnerösterrcichs gleich befruchtende Initiative Erzherzogs Johann in Graz der inncrösterrcichischeGcschichts-verein gegründet worden, von dem sich wenige Jahre darauf der Spccialvercin für Krain mit dem Sitze in Laibach abzweigte, der später unter der Direktion des nachhcrigcn Landeshauptmannes Anton Baron Codclli-Fahncnfeld für die Erforschung der Geschichte unseres Heimatlandes das Ersprießlichste leistete. Bezeichnend für das zumeist patriarchalische Verhältnis des krainischen Adels zu seinen Unterthanen, verlief das „Sturmjahr 1848" Hierlands ohne jedwede nennenswerte Störung, und blieb dadurch das Land, dank auch dem ebenso umsichtigen wie echt patriotischen Wirken des in Krain in steter dankerfüllter Erinnerung bleibenden, von den Zeitgenossen in schwungvolle» Versen gefeierten Gouverneurs Leopold Grasen Wclsersheimb. des Vaters des gegenwärtige» Ministers für Landesvertlieidigung. Feldzeugmeistcrs Zeno Grasen Wclsersheimb, vor viel Unheil glücklich bewahrt. Auf den Schlachtfeldern Italiens und Ungarns 1848 und 1849 wetteiferten aber Krains Söhne, Adel, Bürger und Bauer, getreu de» Traditionen unseres Volkes, in lodesmuthiger Darbringung ihrer Leiber für die bcjchworne Fahnenpflicht, und nachdem der gütigcKaiserFerdinand die schwere Bürde der Regierung in die Hände seines hoffnungsvollen Neffen, des jugendlichen Prinzen Franz Josef niedergelegt hatte, da umjubelten auch Krains Bewohner in hingebendstcr Begeisterung den neuen Herrscher, Se. Majestät den Kaiser Franz Josef I. bei Aller» hvchstdcffcn Thronbesteigung am 2. December 1848. Und so oft, von dem ersten Allerhöchsten Besuche im Jahre 1850 bis in die jüngsten denkwürdigen Tage der 600jährigcn Landesjubcl-fcicr der Zusammengehörigkeit mit Österreich 1883, Se. Majestät allein oder in Begleitung Ihrer Majestät der allgefcicrten Kaiserin und Königin Elisabeth — der „Anmuth auf dem Throne", wie Anastasius Grün die hohe Frau in einem seiner schönsten Gedichte apostrophierte — innerhalb der Marken unseres Heimatlandes erschien, wurden die Majestäten stets in jubelnder Begeisterung vom gestimmten Volke Krains tiefstehrfurchtsvoll begrüßt, und wurde AUerhöchstdcn-selben immer und immer wieder die Versicherung unveränderlicher Liebe und Treue dargebracht. Zum glänzendsten Ausdrucke kamen diese Huldigungsbezeugungen für den allgcliebtcn Monarchen und das ganze Allerhöchste Kaiserhaus bei der mehrerwähnten Landcsjubelfeier in den herrlichen Julitagen 1883, bei welcher der krainische Adel mit seinen sämmtlichen historischen Namen der Aucrspcrge, Apfaltrcrn, Barbv, Blagay, Gall, Garibvldi, Gussitsch, Lazarini, Lan-thicri, Licchtcnberg, Porcia, Thurn, Windisch-Grätz it. s. w. vertreten war — darunter aus dem befreundeten Sachsenlandc der Besitzer des romantischen Waldjchlosses Schnccbcrg in Jnnerkrain, Fürst Georg Schönburg, k. sächsischer General der Cavallcrie — und bei welch hocherfrenlichem Anlasse wieder eine krainische Landes-Jndustricausstellung') stattfand mit reichlichen Beiträgen des Adels aus seinen landesgcschichtlich so bedeutsamen Schlössern und Burgen. Das Kriegsjahr 1869, das in der Stadt Laibach einen Verein edler Damen der Gesellschaft erstehen gesehen zur Pflege und Wartung der verwundeten Krieger unserer ruhmreichen Armee — aus welcher >) Um die erfolgreiche Durchführung dieser Ausstellung haben stch in erster Linie der damalige Landeshauptmann Gustav Graf Thurn-Aalfaffina sowie kaiserlicher Roth und LandeSansschnsr-Beisiher I. Murnik, Secretär der Handels» und Gewerbckammcr für Krain, verdient gemacht. Vereinigung sich später der heute so schon gediehene Frauenhilfsverein der Gesellschaft des rothen Kreuzes entwickelte — es brachte Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Elisabeth in die Mauern unserer Stadt zur Besichtigung des f. k. Militärspitales, wo Ihre Majestät in huldvollster Weise die Verwundeten und Kranken durch Ansprachen tröstete und aufrichtete. Wieder war es ein Kriegsjahr, das Jahr 18U(i, das dem Adel Krains Gelegenheit bot, die altbewährte Hingebung für Kaiser und Reich neuerdings durch die That zu bekräftigen, denn während die unter den kaiserlichen Fahnen dienenden Landcssöhne bei den Kämpfen der Südarmee, dem alten Rufe des krainischen Volkes entsprechend, wacker mithalfen, waren eS die daheim Gebliebenen, chic sich, der Adel voran, zn einem freiwilligen Alpenjägcrcorps zusammenfanden, mit kampfbereit gleichfalls ins Feld zu rücken, und als der ruhmgckröntc Sieger von Custozza, Feldmarschall Erzherzog Albrecht, auf seinem Heimzuge »ach der Residenz das liebliche Görz betrat, da war eine Dame der krainischen Aristokratie, die Gemahlin des StatthaltersGnido Freiherrn von Kübeck, geborene Gräfin Auersperg, so glücklich, dem Heldenmarschall das erste Lorbcerreis zu überreichen, gleichwie dann auf dem festlich geschmückten Laibacher Bahnhöfe die patriotische Bevölkerung der Landeshauptstadt — Krains Adel an der Spitze — den Sieger jubelnd begrüßte. Die von Sr. Majestät Franz Josef I. 1861 den Völkern Österreichs huldreichst gewährte Verfassung sah auch Vertreter des krainischen Adels mit den Vertretern des Volkes vereint in die Landtagsstube und in den Reichsrathssaal einziehe», wo sic, abgesehen von den sich ergebenden Parteistellungc», bis auf den heutigen Tag in wirtschaftlichen und anderen vitalen Fragen des Volkswohles einträchtig zusammenwirken, dank der jeweiligen ausgezeichneten Führerschaft des Anton Alexander Grafen Auersperg (Anastasius Grün), der sich durch feine Mitwirkung zur Erreichung der Grnndstenerabschrei-düngen von 1868 bis 1875 ein unvergängliches Denkmal im Herzen des krainischen Volkes errichtet hat, dann des Freiherr» Otto von Apfaltrern, Herrcnhausmitgliedcs, und des Josef Freiherr» von Schwegcl, zugleich Reichsrathsabgeordneten, dem heute die Grafen Leo Auersperg, zugleich Landeshauptmann-Stellvertreter, Erwin Graf Auersperg, zugleich Reichsrathsabgcvrducter, Landcsausschufs-beisitzer Tr. Adolf Schaffer, Heinrich Graf Barbo, Baron Liechtenberg, Alfons Baron Wurzbach, Ritter von Langer, Edler von Lenkh auf Gansheim und Burgheim, der Berfasser der 1890 erschienenen ©Christ „Ziele und Aufgaben der österreichischen Grundaristokratie'', u. a. wacker zur Seite stehen. Die krainische Landschaft, die auch heute den altbewährten Tra ditionen getreu das Bolkswohl nach jeder Richtung hin eifrigst und nach bdicklichst fördert, wird seit Einführung der Verfassung durch ein ständiges Execiitivorgan, den Landesausschuss, vertreten; seine Func tivnüre sind heute Landeshauptmann Otto Detela und die Landes ansschussbeisitzer kaiserlicher Rath I. Mnrnik, Dr. Adolf Schaffer, Dr. Ivan Tavoar, Direetor Poväe, zugleich Reichsrathsabgeordneter, und als Stellvertreter des letzteren Canonicus Kal an. Der krainische Adel, der in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts durch verhältnismäßig starkes Absterben alter Geschlechter numerisch abgenommen hatte, erhielt durch die in der zweiten Hälfte eingetretenen Robilitiernngen wieder erfreulichen Zuwachs. Standeserhöhnnge» wurden zugewandt folgenden, theils durch ihre Geburt, theils durch ihre Dienstleistung zum Lande Krain in Beziehung stehenden Militärpersonen: dem jüngst verstorbenen Commandanten der Theresianischen Militärakademie zu Wiener-Neustadt, FML. Ludwig Ritter von Kosak, den Obersten Franz Knobloch Ritter von Südseld, Siegmund Klug Edleu von Klngenwald, Emil Edlen von Knoll und Riiling Edlen von Rüdinger, den Oberstlieutenants Bruno Pnteany Edlen von Dranhain, Andreas Edlen von Slivnik und Josef Schaffer von Övermark, den Majoren Anton Gatti Edlen von Eampofiore, Michael Lnkane Edlen von Saven bnrg und Karl Edlen von Merizzi, endlich dem Hauptmauue Matthias Zitterer von Easa-Eavalchina; ferner nachstehenden Eivilpersonen: dem Landespräsidenten Dr. llllepitsch von Krai» fels, dem Landesgerichtspräsidenten Luschin Ritter von Eben greuth, dem Hofrathe Ritter von Fladnng, dem Professor Med. Dr. Zhübet Edlen von Okrog, dem Landeshauptmanne und Landespräsi-denten Karl Baron Wurzbach, dem vieljährigen Secretär der Land wirtschaftSgesellschaft und Redacteur der landwirtschaftlichen Zeitschrift „Rovicc", Med. Dr. Johann Bleiweis Ritter von TrsteniSki, dem Landespräsidenten Andreas Freiherr» von Winkler, dem Regicrnngsrathe lind einer. Bürgermeister der Stadt Laibach Anton Ritter von Laschan-Movrland — mit Anastasius Grün, seinem intimen Freunde, Abgeordneter in der Paulskirche dem Regierungsrathe Anton Edlen von Globoönik-Sorodolski, gewiegtem Schriftsteller auf politisch-administrativem und historisch-numismatischem Gebiete, dem Regierungsrathe o. v. Professor und Spitalsdirectvr Dr. Alois Balenta Edlen von Marchthurn, weit iiber Kraiu und Österreich hinaus als fachwissenschaftlich gynäkologischer Schriftsteller rühmlichst bekannt, dem Landesgerichtspräsideuten Franz Koäevar Edlen von Koiidcnhcim, dem auch durch Verleihung des Lcvpolds-ordens besonders ausgezeichneten Juristen u. a. Die Verkehrsintcrcsscn und dadurch das Aufblühen des ganzen wirtschaftlichen Lebens des Landes Kraiu förderte in den letzten Jahren der Nachfolger und Erbe des „ersten Cavalicrs", des auch für Krain durch sein vielseitiges ersprießliches Wirken unvergesslichen Fürsten Carlos Auersperg, Fürst Karl Auersperg, Bicepräsident des österreichischen Herrenhauses, durch die in Gemeinschaft mit dem Gc-heimrathe und Sectionschcf i. P. Josef Frei Herrn von Schwege l erworbene Concession für den Bau der Unterkrainer Bahnen. Einen mächtigen Factor in dem Jiidustrielcbeu Krains bildet seit Jahren die krainische Jndustriegesellschaft unter der Leitung des Präsidenten Karl Luckmann, Landtagsabgcordncten, welcher bedeutungsvollen Unternehmung der Heuer allzu früh dahingeschiedene Großgrundbesitzer Julius Freiherr von Born, Inhaber der einst Österreichs berühmtem Feldherrn, dem FM. Grafen Radetzky gehörigen ansehnlichen Herrschaft Neumarktl in Oberkraiu, neue Bahnen, gewiesen durch die Etablierung eines Hochofens bei Triest, wodurch die wesentliche Hebung des für Krain so vitalen Eisengeschäftes gesichert erscheint. An den Usern des reizenden Veldeser Sees, wo seit Jahren heimatliche Adclsfamilien, die Grafen Aichelburg und Welsersheimb, die Freiherren Lazarini.Rittmcyer und Zviö, dann hervorragende Bürger, wie Mallner und Maier, Pongratz, Mnrr auü Wien, Besitzer des historisch denkwürdigen Schlosses Beides, Dr. Mosch e u. ä., einen Kranz von Villen hingezaubert, der kunstsinnige und gelehrte Prinz Ernst zu Windisch-Grütz einen imposanten schlossühnlichcn Bau aufgeführt, da hat sich auch unlängst, dank der Rührigkeit eines eigenen Comitös zur Hebung des Fremdenverkehres unter der Leitung des Freiherrn von Schwcgel, Besitzers des nächstgelcgencn schönen Schlosses Grimschitzhos, ein cvmfortabler Cursalon erhoben, der Sammelpunkt der von Jahr zu Jahr sich steigernden Badcgesellschaft von Beides. Für die Hebung des Fremdenverkehres in Krain wirkt seit Jahre» die Sectivn Krain des deutsch-österreichischen Alpenvercineö, der durch längere Zeit Anton Reichsritter von Gariboldi werkthätigst vorgestanden, vordem mehrjähriger Landtagsabgeordncter und Mitglied des Landesausschusses. Zum Schlüsse unserer leider nur in flüchtigen Umrissen möglich gewesenen geschichtlichen Darstellung des, wie jedoch die wenigen Anführungen zeigen mochten, unleugbaren Einflusses des hämischen Adels auf die jeweilige Cultnrcntwicklung des Landes muss noch ans jüngsten tiefernsten Tagen, ans den Tagen des schrecklichen Erdbebens der Oster-nacht 1895 und der vielen darauf gefolgten Lcidenswochcn für immer constaticrt bleiben das beispiellos hingebende Wirken des die Situation mit klarem Blicke und ruhigem Sinne, aber zugleich mit warmem und edlem Herzen erfassenden gegenwärtigen Landcspräsidenten für Krain, Victor Baron Hein, dem die allverehrte Gemahlin Olga Baronin Hein, geborene Gräfin Apraxin, im Vereine mit einer ansehnlichen Zahl von Damen der Laibacher Gesellschaft in aufopferndster Thätigkeit bei der durch Moimtc fortgesetzten Bespcisung der armen Bevölkerung rühmlichst zur Seite stand. Sc. Majestät Kaiser Franz Joses I., gleichwie Allerhöchst-derselbe auch bei dieser Katastrophe allen Hilfcleistendcn mit einer namhaften Spende in leuchtendstem Vorbilde rasch vorangegangen, geruhte nach kurz nach dem Ereignisse (7. Mai) vorgenommener persönlicher, die Bevölkerung durch echt landesväterlichc Fürsorge und gnädigste Trostworte erhebender Besichtigung der durch das Erdbeben verursachten Schäden die angeführte Thätigkeit des Barons und der Baronin Hein durch Verleihung des Eisernen Kroncnordens 2. Classe, beziehungsweise goldenen Vcrdienstkrenzcs mit der Krone anzuerkennen. Aus dem gleichen Anlasse wurden ferner zutheil: der Lcopolds-vrdcn dem Divisionär FML. Ludwig Hegedüs de Tiszavölgyi, das Ritterkreuz des Franz Jvsefsordcns dem Oberrechnnngsrathc Victor Eolloredo, das goldene Verdienstkrcuz mit der Krone dem Baron Wilhelm Rcchbach, Bczirkscommissär und Vorstand des Präsidialbureaus der Landesregierung für Krain, dem Baron Ernst Schönberger und Karl Eckel, Bezirkscommissären, und das goldene Verdienstkrcuz dem Osficial im Präsidium der Landesregierung Rudolf Zarli; weiters erhielten das goldene Verdienstkrcuz mit der Krone der Oberpostverwalter in Laibach Matthias Soili, der Stationsches der Südbahn-Gescllschast Emil Gutmann sowie der Stationschef der Staatsbahnen in Laibach Josef Dcttcla. Dem Besitzer des goldenen Verdicnstlrcnzcs mit der Krone und des goldenen Verdienstkreuzes, Fencrwehrhanptmanne Franz Doberlet wurde die Allerhöchste Zufriedenheit ausgesprochen. Das goldene Verdienstkrcuz erhielt auch dcr Postvfficial Franz Magajna, das silberne Verdienstkreuz wurde dein Bahnwächter der Südbahn-Gesellschaft Johann Pavlor.i<• verliehen, welcher durch seine Geistesgegenwart in dcr Schrcckcnsnacht den Triest-Wiener Schnellzug rechtzeitig angehalten und vor dem Unfall der Entgleisung auf dem verlegten Schienenwege bewahrt hatte. Heute, da sich die so hart getroffene schöne Stadt Laibach dank dcr durch den damaligen Ministerpräsidenten Fürsten Windijch-Grätz und den damaligen Minister des Innern Marquis Bacqnehem im Einklänge mit den Reichsvertretnngskörpern ausgiebig gewährten Staatshilfc aus dem Schutte verjüngt zu erheben beginnt, heute wetteifern alle Besitzer Laibachs, dem in sic gesetzten Vertraue» entsprechend, die gewaltige Krise glücklich und für die Nachkommen gedeihlich zu überwinden. Möge cs aber zum endlichen Abschlüsse aller Nachwirkungen jener Schrcckcnsnacht des Ostertagcs 1895 ein gutes Vorzeichen sein, dass bei Restaurierung des gleichfalls arg geschädigte» altehrwürdigcn Bischvfshvfcs dcr Fürstbischof von Laibach, Dr. Jakob Missia, die an anderer Stelle neu hergestellte Hauskapcllc als eine wahre Schatzkammer romanischer Kunst in edelster Harmonie erstehen lies;, als herrliches Denkmal wie des gottergebenen Sinnes so des erhabenen Kunstsühlens dieses Kirchcnfnrstcn, dessen schöner Wappcnsprnch lautet: In hoc signo vinces!” >ie Wohlthätigkeit tu Neain unter den fjrvrsrijrru aus btiu Hause Halishurg, Vine vultuvgeschjchMche Sludie. Hon y. xt a tt Rlrdie s. C-efte M i e tt. Verlag der C> sierre ich Isch-Ang arischen Reu ne. 1898. ti? Mo ttt LVÄM unter den gmfd)mi aus km Hause galtsliur;. Vine cullurgeschichllichr Sludie. Vo» M i e n. Vertag der Osterreichtsch-Rngarische» Revue. 1898. K. li. k. Hofbuchdriickerei (Earl Fromme in Wien. Die Wohlthätigkeit in Lrain unter den Herrschern oufi dem Hanse Habsbnrg. Eine cultnrqeschichtliche Studie. Von P. v. Räbke. All Menschcnleid zum Menschenwohle lindern. Bei Gott, Ihr Fürsten könnt eö! Jnliuö Grosse. II y n uno biont'ftiflftnco collective, coiumo uno bieufaisnnce individuelle . . . Leurs moyens difförent en partie; loin de s’exclure, olles s’aident et so euppldent mutuellement. Elles sont mflme necossaires l’une A l’autre. M. le Baron de Qcrando: Ltl i!) ll (H. Do la bienfaisanco publique, l'aris. Tom. I. hohe Feier der 50jährigen Regierung unseres allgeliebten Kaisers und Herrn, Sr. f. und k. Apostolischen Majestät Franz Josess i., des größten Wohlthäters der seinem erhabenen Scepter anvertrauten Völker, gibt uns den erfreulichen Anlass, im geschichtlichen Rückblicke auf diese scgensvvlle, selten lange Regiernngs-epochc und zugleich auf diejenigen der Vorfahren Sr. Majestät die hervorragenden Acte der Wohlthätigkeit zu verzeichnen, welche im Laufe der Jahrhunderte bis hcnle unter der glorreichen Herrschaft der Landes-fürsten aus dem Hause Habsburg in dem Hcrzogthumc Kram geübt wurden. Die nachstehende kulturgeschichtliche Studie, sie soll Zeugnis gebe» davon, wie seit mehr als 600 Jahren ans verhältnismäßig cng-begrenztem Gebiete eine ansehnliche Zahl von humanitäre» Gründungen und Stiftungen vollzogen, von humanitären Verordnungen erlassen wurde, die in ihrer Entstehung ans die Initiative und An- reguiig der erhabenen Fürste» der Dynastie Habsburg zurückzuführen sind, und bei denen gar oft auch, dem hehren Beispiele der hochsinnigen Fürsten nacheifernd, Körperschaften und einzelne im Lande sich eifrig und glänzend bethätigt: „Viribus unitis.” * Ehe mir aber auf die weiter ausgreifende Darstellung der Wohlthätigkeitsacte in Krain im Sinne unseres Vorwurfes des näheren eingehen, mag es gestattet sein, auch auf ältere Epochen in der Landesgeschichte in gleicher Richtung einen Blick zu werfen und in ganz kurzer Überschau das zusammenzufassen, was das ausgehende 13. Jahrhundert, der Beginn der Regierung des Hauses Habs bürg in Krain, in humanitärer Beziehung Hierlands vorgefunden, beziehungsweise was Kretins Annalen bis dahin an Humanitären Schöpfungen zu verzeichnen hatten. Nicht wollen wir zurückgreifen bis in die Tage der wcltgebictcn-bcit „Roma" im „Noricum" und speciell in Emona — Laibach, wo der praktische Römer nach dem Muster der Weltstadt großartige Bauten für die Gesundheitspflege, Bäder und Wasserleitungen, angelegt, deren Spuren wir noch heute ans dem Schutte graben, hier in der heutigen Landeshauptstadt und auch an anderen Orten im Lande, dic einst „Stationen" des römischen Reiches gewesen; *) nicht wollen wir darüber Nachforschungen anstellen, ob außer der Constaticrnng eines „technicus medicus” auf einem in dem GradiZLe des römischen Emona aus-gegrabencn, dem Äskulap geweihten Steine-) sich vielleicht noch Andeutungen darüber finden lassen, inwieweit dic dem Humanitätsprincipe gewidmeten Institutionen der römischen Kaiser, dic Congiarien, dic unentgeltlichen Vertheilnngen von Victnalic» und barem Gelde an das ärmere Volk, die Wohlthätigkeitsanstalten zur Verpflegung und Erziehung unbemittelter Kinder — pueri et puellae alimentarii — die Einrichtung der Valetndinarien (Feldlazarethe) it. a. m., bis in die Mauern Emonas hcreingcwirkt; nicht wollen wir cs untersuchen, inwieweit schon zu Römcrzcitcn die von Julianus den heidnischen Priestern zur Nachahmung empfohlene Armenpflege der Christen, die im Gesetzbuchc Justinians bereits erwähnten Herbergen für Fremde (neben Kirchen), die Krankenhäuser (von Diakonissinnen besetzt), dic Waisen- ') Dimitz, Geschichte Araius. Laibach 1872. 1, S. 74. 5) Müllner, Emona. Laibach 1879. S. 287 (Dir. 182). und Findelhäuser sowie die Hospitäler für alte Personen Z etwa auch hicrlands Eingang gefunden. Diese unsere einleitende Überschau, gleichsam den Grund vorbereitend für die nachfolgende Schilderung der mit der Habsburgischen Herrschaft beginnenden Verhältnisse, muss sich auf jene Äußerungen humanitären Sinnes beschränken, die, wie gesagt, vom frühen Mittel-alter ausgehend, bis an das Ende des 13. Jahrhunderts heranreichen. Auch in unserem Lande finden wir nämlich im Mittelalter frühe schon die „Fundation" — nach der Definition in Herrmann von Herrnritts epochalem Werke „Das österreichische Stiftungs-recht“2) — hauptsächlich in zweifacher Form auftretend, erstens als Stiftung zu gottesdienstlichen Zwecken, sei es als Gründung von Gotteshäusern und Klöstern, Errichtung von kirchlichen Beneficien, sei eS als ftiftungsmäßige Anordnung von rituellen gottesdienstlichen Functionen, namentlich Jahrtagen, verbunden mit Almosenvertheilung, Büßgängen it. s. w., zweitens als Gründung von Anstalten zur Linderung menschlichen Elends, deren Typus das mittelalterliche Hospital mit seinen verschiedenartigen humanitären Aufgaben bildet. Die christliche Armenpflege fand demnach in unserem Lande ihre würdige Heimstätte vornehmlich in dem „Hanse des hohen Deutsche» Ritterordens" (seit 1228) und in dem der „minderen Brüder" (1242), auf dem flachen Lande in den Cistercienserstiften Sittich (1136) und Landstraß (1249) und in der Karthause von Frcudenthal (1260) in Unters min sowie bei den aus Wien gekommenen Augustinerinnen „im Thal der heiligen Maria zu Michelstätten" in Oberkrain (1238) und bei den einzelnen Pfarren int Lande. Von einer frühzeitigen Gründung eines humanitären Institutes in Laibach durch einen Privaten berichtet unser berühmte Emo nist Johann Weikhard Freiherr von Valvaior in seiner „Ehre des Herzogthums Ärain"3) nach einem Manuscripte der Stadt Laibach, ') Göll, Culturbilder aus Hellas und Rom. Leipzig 1863. I, ©. 226. 2) Der volle Titel de« grundlegenden Werkes lautet: „Das österreichische StiftnngSrecht. Mit Berücksichtigung der ausländischen Gesetzgebung mib mit Benützung amtlicher Quellen dargestellt von Dr. Rudolf Hernimmt von Herrnritt, Ministerialcoiieipist im k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht." Manz’l'che k. und k. HofverlagS- und lluiversitätSbuchhaudlung. Wien 1806. — Die Mittheilung dieses ausgezeichneten Buches aus der Bibliothek der k. k. Finanz-pcocuratur in Laibach verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Herrn k. k. Hof-raiheS und FinanzproeuratorS für Kram Dr. Josef Raöiö. 3) III (IX), S. 709. indem er schreibt: „Anno 1041 hat ein reicher Bürger und Handelsmann namens Peter Bcrlach, weil er keine leiblichen Erben gehabt, in dieser Stadt (Laibach) ein Pupillen- oder Waisenhaus gestiftet und dazu seine völlige Habe und Güter vermacht. Solche Kinder hat man in diesem Hause zum Guten auferzogen und jedes, nachdem es in etwas erwachsen, zu eiuem Handwerk, wozu es Lust getragen, gethan." Specielle Hospize zur Aufnahme Armer und Kranker, Pilger und Reisender gab es urkundlich nachgewiesen schon 1228 it. z. das „Hospitale S. Antonii in Pokesrukc" (Bocksruck) — Kozjak im Tuchciucrthalc — im Gebiete der Steiner Alpen zum Übergänge aus der Steiermark nach Krain (gestiftet von dem Markgrafen Heinrich von Istrien und seinem Bruder Otto, „Herzog von Meranien")') und ein „Spital" in der benachbarten Stadt Stein (gestiftet von denselben Fürsten und 1232 durch deren Bruder Bcrthold, Patriarchen von Aquileja, bestätigt).2) Die Cistcrcienser von Viktring bei Klagenfnrt unterhielten auf dem Kärnten von Krain scheidenden Berge Loibl bei der St. Leonhardkapelle ein Hospiz, dessen Besitz sowie den des vorerwähnten Hospitales am Bocksruck ihnen Patriarch Gregor von Aquileja 1262 bestätigte. 3) Da den Viktringern später auch die Pfarre Zayer in Ober-krain übergeben war, so mag die Gründung einer „Herberge" im Zayerfelde bei der Kirche St. Nikolaus (einer Filiale der Pfarre Zayer), deren Name noch in dem der Ortschaft „Jerperca" bei St. Nikolaus in verderbter Form erhalten, ans das humanitäre Wirken der Mönche von Viktring nach Krain herüber zurückzuführen sein.4) Auch die Situation des ehemaligen PvstHauscs zu Hrnschiza im Birnbaumerwalde in Jnnerkrai» „mitten in den höchsten Wildnissen" neben einer Kapelle — „wo weit und breit kein nahes Haus anzutreffen" — deutet eben durch das Vorhandensein einer Kapelle, wie sie Valvasor noch abbildet,5) neben der altberühmten Atznngsstätte aus das vorherige Bestehen eines Hospizes an derselben Stelle, aus dem sich dann die Poststation herausgebildet. ') Sittitt, Urkunden- und Regestenbnch des Herzogthnms Krain, II, S. 38. -) Mittheilungen deö historische» BereincS für Straiit, 1865, S. 110. 3) S» mi 1. c., S. 244. ■*) Kolilar Zgodovina fara Ljitbljanske Skofije, I, S. 55. 5) I (2), S. 160. Zur Sanitätspflege im 13. Jahrhundert zählten in erster Linie die bekannten mittelalterlichen Badestnbcn, und wir haben ans dein Jahre 1260 die Nachricht, dass Herzog Ulrich von Kärnten dem Bcnedictinerstifte Oberburg im Sannthale der Steiermark — gegenwärtig Dotationsherrschaft des Laibacher Bisthums — ein Haus in Laibach sammt daran stoßender Badestube zum Geschenke gemacht habe.') Kaiser Rudolf I. von Habsburg bestätigte diese Schenkung im Jahre 1277, und wenige Jahre später (1280) begegnen wir in der Chronik der Stadt Laibach dem Bestände eines Spitales für Aussätzige, eines sogenannten Leprvscnhauses.-') Als Herzog Albrecht 11. von Österreich 1350 als Verbündeter des Patriarchen von Aquileja nach Frianl zog, folgte auch die krainische Ritterschaft dem Rufe des „Landcsherrn", nachdem seit dem 11. Juli 1283 durch die Eidesleistung der krainische» Stünde für Albrecht I. unauflöslich Krams Geschicke an das erhabene Haus Habsburg geknüpft erschienen. In Laibach „verfestigte" nun Herzog Albrecht II. dem Deutschen Ritterorden seine Freiheiten, darunter das Asylrecht. Wenige Jahre vorher (1345) hat aber die hochherzige Fürstin Elisabeth, Königin von Ungarn, eine Tochter König Wladis-laws I. von Polen und Witwe des Königs Karl Robert von Ungarn aus dem Hause Anjou, auf der Durchreise nach Neapel in Laibach ein Hospital sammt Kapelle der heiligen Elisabeth gestiftet, aus welcher Stiftung sodann das sogenannte Bürgerspital, beziehungsweise die noch heute bestehende Bürgcrspitalsstiftuug hervorgegangen. Ein Hospital in Krainburg, der alten Hauptstadt des heutigen Herzogthums Krain, ist urkundlich schon im Jahre 1415 festgestellt; cs befand sich in Verbindung mit der Kapelle des heiligen Leonhard; um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Verfall kommend, ward es unter dem Stadtrichter Johann Slnga 1483 neu aufgerichtet, und ein bischöfliches Visitationsprotokoll von 1631 besagt, dass dasselbe um diese Zeit ein stockhohes Gebäude innehatte, in welchem zu ebener Erde die Weibspersonen, im ersten Stocke die Männer untergebracht waren; als letzter Oberspitalmcister erscheint 1760 Nikolaus Sumba genannt.») ') Croien, Das Brnedictinerstift Dbcrbnrg (1876), S. 40. 2) Mittheilungen de« historischen Vereines für Krain, 1860, S. 97. 3) I. ßabttiar.Zgodovilia iupny v dekany Kranj, I, Kranj (1898), S. 30 f. Ein Ablassbrief des Patriarchen von Aquileja aus dem Jahre 1428 für die Besucher der Spitalskirche in Rudolfswerth stellt fest das Vorhandensein eines Hospitales in dieser Stadt im llnterkramer-boden, dessen Gründling — wie der Monvgraphiker von Rudölfswcrth (Rcustadtl) vermuthet — bald nach der Stadtgründuiig unter Herzog Rudolf IV. dem Stifter (1365) erfolgt sein mag.1) Zu den Hauptwohlthätern der Kirche zählte die Familie der Freiherren von Apfaltrern, des Spitales Josef Anton Langer (1679),2) ein Vorfahre des gegenwärtigen Landtagsabgeordneten und Herrschaftsbesitzers Franz Ritters von Langer. Auch in anderen Städten Unterkrains sehen wir schon im 15. Jahrhundert „Spitäler" (Hospitale), so zu Gurkfeld (1478) und Möttling, welch letzteres 1493 in seinen Einkünften durch Andreas von Hohenwart, „Hauptmann in der Metlik", wesentlich gefördert ward.2) Spitäler für Aussätzige, sogenannte „Sundersiechenhünscr", besaßen um diese Zeit die Stadt Laibach ans dem Wege nach Rosenbach 1453 9 und die Stadt Stein auf der Straße ins Neulthal noch 1495. 5) In jenen Tagen sehen wir auch das Badestnbenwesen, des Mittelalters in voller Blüte in der Landeshauptstadt Laibach, wir begegnen da zwei Badestuben, die eine „Rider Padtstuben in der stadt bei dem Kloster vntcr S. Nicola" (der heutigen Kathedrale), mit welcher der Dechant von Laibach belehnt erschien, und die zweite „in dem Werd", die der Bürger Merkel von Laibach besaß „zu rechtem Kaufrecht" gegen Zahlung von zwei Pfennigen an das landesfürstliche Biccdomamt;") der Stadt Stein wird die Badstube am Gries 1478 von Kaiser Friedrich III. ins Eigen überlassen — sie lag gerade gegenüber der heutigen Badeanstalt der Familie Praschniker — und in der Stadt Lack hatten um 1431 die Bürger das Bad von den Bischöfen von Frcisingcn in Pacht. Kaiser Friedrich III., der große Wohlthäter Krams und Stifter des Laibachcr Bisthnms (1461), der allen den genannten während seiner Regierungszeit bestandenen Wvhlthätigkeitsanstaltcn in unserem Lande ') Vrhovcc, Zgodovina novega rnesta (1891), S. 35. -) Ebenda, S. 32 und 35. 3) Valvasor, Ehre des HerzogthninS Krain, III (XI), S. 385 ff. 4) Musealheft, Laibach 181,6 (Lneqer, Lehenbnch). 5> Urkunde im landschaftlichen Archiv im Nndolfinnin. °) Dimitz, Geschickte KrainS, I, S. 803. den vollsten Schutz und die beste Förderung angedeihen ließ und speciell die Stiftung der Königin Elisabeth vvn Ungarn für das Bürgerhospital in Laibach durch die Widmung von 6 Pfund Wiener Pfennigen zu Versehgüngen vermehrte (1444, Oculi in der Fasten)?) war es mich, der (1478) einen eigenen Wundarzt, den „Inden Michael", zum Lohne für dessen Bemühungen in Befreiung vvn Christensclaven aus türkischer Gefangenschaft mit der Ausübung der Praxis in Krain betraute; Kaiser Friedrich 111. war cs ferner, der zugunsten der ärmeren Bevölkerung seines Herzogthums Krain (14(31) einen Erlass an den landesfürstlichen Vicedom gerichtet hatte „wider Theuerung und Mangel in Crain". In diesem mehrfach interessanten Aktenstücke heißt es wörtlich: „Wär vernemben, wie in bemelten unser» Fürstenthumb Crain merkhlich Theuerung vnd gebrechen (Mangel) sein an gethraidt, Bich vnd anderer Nahrung, darum das die nit mist die offene Markht gebracht, sondern allenthalben bei denen Kürchen und in den geuen verkhaufft werden"; der Kaiser befiehlt demnach dem Bicedom und trägt ihm auf, „das du bestellest, vnd bey den (denen), so solch ge-traidt, Bich vnd ander narrung haben, darob seiest, das sie die auf die offene Markht bringen vnd da verlausten", „welch darwider mit Kauffen vnd Berkhauffcn thun würden, gegen denselben," so schließt der kaiserliche Befehl, „handlest, als (wie) sich gebührt, damit ob-bemelte Theuerung vnd gebrechen bester baß und füglicher gewendt mög werden"?) Die Kaiser Maximilians I.,dcS „letzten Ritters", schönem Wahl-spruch: „Halt Maß in allen Dingen" entsprechende, 1517 durch den Landeshauptmann der Steiermark, Sicgmnnd Freiherr» von Diet-richstein. zur Ausrottung des Fluchens und Zutrinkens gestiftete adelige St. Christvphsgcsellschaft erstreckte ihre Wirksamkeit auch auf Krain; cs zählte» zu ihren Mitgliedern Hans vvn Auersperg, Freiherr Andreas Räuber, Wilhelm Lamberger, Christoph und Scifricd vvn Windisch-Grätz, Bernhard von Mindvrf, Friedrich Paradchser u. a. m. Die Gesellschaft stand unter einem Hauptmann, jedes Mitglied war verpflichtet, daS Bildnis des heiligen Christoph an einer Kette um den Hals sichtbar zu tragen, und Geldstrafen waren auf die Übertretung des Fluch- und Trink-verbvtcs ausgesetzt. Dass die Gesellschaft ihre Aufgabe von vornherein >) Mittheilungen des historischen Vereines für Krain, 1854, S. 25. 2) Kl»», Archiv für die Landesgeschichte des Herzogthums Krain, II, S. 271 f. für keine leichte hielt, erhellt aus ihren Statuten, in welchen die Mäßigkeit des Kaisers als „übermenschlich" und als „zeitliche Heiligkeit" gepriesen wird. Der § 16 der Statuten normierte, dass das nach Abzug der Ausgaben bei der Jahresabrechnung vorhandene Gesellschaftsgeld „nach Rath" des Vorstandes und von sechs Mitgliedern „in eines oder mehr Spital" sollte gegeben werden.') Doch der Eifer für diese Gesellschaft und ihre edlen und hohen Zwecke erkaltete leider gar bald auf dem infolge der unaufhörlichen Kämpfe mit den Türken wenig geeigneten Bode» Jnncrösterrcichs, und die in ihrer Tendenz so wohlthätige Vereinigung löste sich nach kurzem Bestände wieder auf. Hatte sich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Einflussnahme der landesfürstlichcn Verwaltung auf das Spitalwcscn nur gelegentlich ohne Anwendung bestimmter Verwaltungsgrundsätzc geltend gemacht, so kam, wie Herrmann von Herrnritt iit seinem obcn-citicrten Buche-) ausführt, dennoch allmählich die Anschauung zum Durchbruche, dass die Sorge für die Stiftungen, besonders die Spitäler, zu den wichtigsten Obliegenheiten der landesfürstlichen Verwaltung gehöre. Namentlich war es Ferdinand 1., dessen auf zeitgemäße Reform des Polizeiweseus gerichtete Bestrebungen ihn auch diesen Instituten, deren Wirksamkeit seit de» Tage» der Kreuzpige und Städtegründungen mit dem Verkehrswesen, mit der Sicherheits- und Gesundheitspflege auf das engste zusammenhieng, das Augenmerk zuwenden ließen. Er fühlt sich „als obriftcr Vogt und Stiftherr", dem cü „zustehen und gebühren will, dem Allmächtigen zu Lob, Ehr und Prciß und denen armen, dürfftigc» und preßhaften Leuten zum Trost und Unterhaltung" (Unterhalt), berufen, „ob solcher Spitäler und derselben Stiftungen zu halten, die angerissene» Mängel und Gebrechen . .. durch gebührliches Einsehen abzustellen".") Dieser so überaus wohlwollende Landesfürst ließ es aber Hierlands nicht bei der landessürstlicheu Aufsicht bewenden, er trat in genanntem humanitären Sinne bei uns als Stifter selbst auf, indem er mit Verordnung de dato Graz 8. März und Wien 2'J. October 1553 bekennt, dass er „dem gemeinen preßhaftigeu Volk zu Nutz und Nahrung wie in anderen Orten mehr auch in Unserer Stadt Laybach in Crain ') Balvasor I. o., III (IX), S. 2i ff. 2) Österreichische« Stistangörccht, S. 75. 3i vienerale oom 2. Marin 1516, Cod. Aust., 11, S. 306 f. Hcrrmaiin 1 o., S. 75, Note 20. ein neu Spital erheben wolle"; seine Räthe hätten ihm empfohlen, „daß fhcin bessere gelegenheit zu dem Werth alda zu Laybach zn bethuinben allein (als) das Kloster zn St. Jacob Augustiner Ordens (an Stelle des im heurigen Winter demolierten landschaftlichen Redvutengebäudes) und solches von Tag zn Tag in Abfall und Schulden komme, daß Wir bemeltes Kloster sammt allen Eintomben einziehen und die Klosterleut in ander Weg versehen (entschädigen) wollen". Sv geschah es denn auch, und die Augustiner von St. Jakob in Laibach tauten nach St. Jakob am Steckhen (San Giaeomv al Palo) nächst St. Beit am Pflanmb (Fiume), d. H. nach dem heute blühenden, um die alte „Abtei" gelagerten Wintereurorte und Seebade in Abbazia.y Dieses Spital wurde als f. f. Hofspital zunächst zum Zwecke der Verpflegung erwerbsunfähiger Bergarbeiter des k. k. Quecksilberbergwerkes in Jdria gegründet, und die Fundation bestand in einer Gült von 33 Huben (sogenannte HofspitalSgült), aus mehreren einzelnen Äckern und Wiesen, ferner in vom erlauchten Stifter bewilligten, von Seite des landesfürstlichen Vieedomamtes ausbezahlten Beiträgen jährlicher 1000 fl. Noch der über Anordnung des Kaisers Ferdinand II. im Jahre 1597 erfolgten Einräumung des Klosters St. Jakob in Laibach au die Jesuiten wurde dem in Rede stehenden k. k. Hvfspitale das gegenwärtige Gebäude der k. k. Bezirkshauptmauuschaft Umgebung Laibach auf dem Voduitplatze überlassen und die gänzliche Verpflegung der Siechen, dann der Erwerbsunfähigen und der krüppelhaften Soldaten einer eigens aufgestellten Administration übergeben. Das Verdienst, das Gebäude später in jenen Stand versetzt zu haben, dass dasselbe dem wohlthätigen Zwecke vollkommen entsprechen konnte, muss übrigens dem Bischöfe Thomas Chrvn, welcher das Laibacher Bisthum 1598 angetreten, zuerkannt werden. Die Anzahl der im Hofspital mit allem Nothwendigen Versorgte» belief sich im Durchschnitte aus 30 Männer und 0 Weiber; letztere wohnten jedoch nicht im Gebäude, sondern erhielten auswärts die Geldportiou täglicher 7 Kreuzer. Dieselben waren verpflichtet, täglich fünfmal das Vater Unser, Ave Maria, Credo und Salve Regina, abends den Rosenkranz und die Litanei zu beten, von 10 bis 11 Uhr vormittags in der gegenüberliegenden Franeiseaiierkirche (dem heutigen >) Siehe meine „Geschichte beS laiibschaftlicheit Civitspitals in Laibach" (1887), S. 10 f. Gymnasialgebäude) dem Amte beizuwohnen, nachmittag von 4 bis 5 Uhr bei der Litanei sich einzufiiiden und die Andachten für die durchlauchtigsten Stifter des Erzhanses Österreich Gott auszuopfern. Zur Vermeidung des Müßigganges wurden die Pfründner mit verschick eilen Hausarbeiten beschäftigt. Die Franciscaner erhielten für die kirchlichen Verrichtungen bei den Pfründnern jährlich 52 Gulden. Die Pfründner bewohnten die Lvealitäten des Spitalgebäudes zu ebener Erde und jene des ersten Stockwerkes; das zweite Stockwerk war als Wohnung für Waisenkinder benützt, daher man das Gebäude auch häufig „Kinderhaus" nannte. Später wurde ein Theil dieser Waisenkinder ans Kosten des Bisthums im Gesänge unterrichtet, und wurden dieselben als Chorsänger in der Dom fische verwendet. Z Die krainische Landschaft, die schon am Beginne des 16. Jahrhunderts die Pflege des Sanitütswescns ernstlich in die Hand genommen hatte — durch Bestellung eines landschaftlichen Medicus, Dr. Jakob von Felters, 1516 und durch strenge Überwachung der Apotheker 1518 — richtete im Laufe des genannten Jahrhunderts angesichts der großen Bedrängnisse, die dem Lande aus den vielfachen Rothen von Pest und Hungertyphus erwuchsen, ein volles Augenmerk auf den Zustand der in ihrem Bereich befindlichen Spitäler. Wir ersehen aus den Acten dieser hohen Körperschaft, dass die Spitäler in Stein, Krainburg, Gnrkfeld, Möttling und Rudvlfswerth, wie sic, entsprechend der autonomen politischen Verwaltung, unter der Aufsicht der Landschaft standen, betreffs ihrer Einrichtung und Führung der strengen Controle jener Corporation unterworfen waren, und wir finden z. B. zum Jahre 1571 (15. Februar) den Beschluss des Ausschusses angemerkt, „dass die Spitalmeister von Rudolfswcrth, Stein und Krainburg mit ordentlichen Auszügen der Spitalsrechnnngen im Namen des Landeshauptmannes zum nächsten Hvsthaiding nach Laibach erfordert werden".2) Wegen einer „um sich fressenden Seuche" (nichts weniger als die Lepra, sondern die Syphilis)2) wurde im Einvernehmen der krainischcn Landschaft und der Stadtgemcinde Laibach 1586 in Laibach ein Krankenhaus „Lazareth" errichtet') und zwar auf dem Platze neben ') SteSka, Die k. k. Hofspitalsstiftung. Mittheilungen de« historischen Vereines für Krain, 1857, S. 14 ff. 2) Landschaftliches Archiv im Museum Nudolfinnm in Laibach. 3) Lippitsch, Topographie von Laibach (1884), S. 266. 4) Valvasor 1. o., Hl (XI), S. 696. der St. Peterskirche an der Stelle der heutigen St. Peters-Jnsanterie-kaserne. Scho» war in diesen Tage» sogar nach Krain der Ruf des segensvollen Wirkens des 1540 in Granada von Juan di Dio gestifteten und 1572 vom Papste anerkannten frommen Vereines der barmherzigen Brüder gedrungen, und es wurde die Einführung derselben auch in Krain im Jahre 1591 in Anregung gebracht; bis zum Jahre 1643 liefen diesbezügliche Verhandlungen,') doch die Einführung selbst blieb, wie wir später sehen werden, der Zeit Kaiser Josefs lt. vorbehalten. Die Stadtgemcinde Laibach, die im Einklänge mit der Landschaft für das Sanitäts-, beziehungsweise Spitalswcsen gleichfalls eifrige Sorge hegte, unterstützte 1541 ganz besonders die „Siechenweiber"; wir begegnen nämlich in dem Gerichtsprotokvlle „gemeiner Stadt Laibach" vom genannten Jahre (1. Jänner) der Aufzeichnung, dass die Stadtväter dem Kirchenpropst zu St. Peter, Hans Tischler, auftrugen, „Dieweilen die große Kälten gutert", den „Armen Siechweibern beim Crischen" alle Wochen einen „halben Gulden rheinisch" zu geben.2) Ein schöner humanitärer Zug geht durch die vom Bürgermeister', Richter und Rath der Stadt Laibach 1579, 25. Anglist dem Schneiderhandwerk der Stadt Laibach gegebenen Statuten, wie sich die Meister und Gesellen gegenseitig zu verhalten haben; da lesen wir § 17: „Wenn ei» Schneidergesell oder Bnb krank würde und nicht vermögend wäre, in seiner Krankheit aus eigenem aufwarten zu lassen, soll man ihm aus der Buchse mit Vorwissen der vier geschwornen Meister und soviel dieselben für gut befinden eine Hilfe geben. Wenn sich aber die Krankheit verschlimmern und verlängern würde, dann soll er, bis sich sein Zustand zum bessern schickt, in einer jeden Werkstatt nacheinander allweg vierzehn Tag erhalten werden." Und die unterm gleichen Datum erlassenen weiteren Bestimmungen für die Meister besagen § 3: „Die Lade oder Büchse, aus der im Falle der Noth den armen Meistern daraus geholfen wird und damit andere Leute oder die Stadt Laibach nicht beschwert werden, so soll zu ihrer (der Buchse) Erhaltung und Mehrung derselben hiesür ein jeder Meister alle Quatember Sonntag vier schwarze Pfenning hinein legen. Wer das ') Acten des Domeapitels in Suibach. 2) Ältere Registratur der Stadt Laibach. nicht thäte, der soll um acht Kreuzer gestraft und das Geld in die Büchse gelegt werden."') Wie anderwärts in Österreich,s) so gesellten sich in Krain seit dem Zeitalter der Reformation zu den alten Stiftuugs-zweekcn neue hinzu. So vor allem Stiftungen zur Bildung der Jugend, welche in unterschiedlicher Form auftreten: als Bildungsanstalteu, welche entweder selbständig gegründet wurden oder durch Zusammenziehung von einzelnen Stiftungen zu Couvicten oder Seminarien entstanden, oder als Handstipendien für Studierende; daneben entivickclten sich auch Hierlands noch mehr als singuläre Erscheinung Almosenstiftuugen, Familienstistungcn religiös confessionellen Charakters, endlich Humanitätsstiftungen verschiedener Art. Wie anderwärts war nämlich im Laufe des Mittelalters bei uns der Jugcnduntcrricht auf die Kloster beschränkt gewesen; später errichteten zwar Städte und Märkte auch in Krai» Schulen, die jedoch nur auf ein geringes Niveau der Bildung berechnet blieben; so bestanden derartige kleinere Schulen in Laibach bei St. Nikolaus, bei St. Peter und an der deutschen Ordenscommendc im 13., 14. und 15. Jahrhundert, in Rudolfswerth, Laas, Stein, Reifnitz, Wippach, Im welch letzterer der berühmte Diplomat und Schriftsteller Siegmund Freiherr von Herberstein seinen ersten Unterricht erhalten; jene bei St. Niklas in Laibach, die im Laufe der Zeit eingegangen war, ist infolge Beiordnung Herzogs Ernst des Eisernen 1418 als Trivium mit lateinischem Sprachunterricht rcactiviert worden.") „Die erste ordnungsmäßige Schule mit vier Classen und lateinischem Sprachunterricht" errichteten aber die evangelisch gesinnten Herren und Landleute der krainischen Landschaft, und sic versahen solche mit einer durch den berühmten Philologen und Rector der krainischen Landschaftsschule Nikodemus Frischliu entworfenen Schulordnung (1582). Diese Schulordnung Frisch lins, im allgemeinen von humanitärem Geiste durchweht, enthält auch eine interessante Bestimmung betreffs Unterstützung armer Knaben mir den nöthigen Schulbüchern. Es heißt nämlich im Capitel II „Bonder vlcissigc» Besucchung der schnei" u. a.: „Endlich soll keiner in der Schul geduldet sondern heimgeschickt ') Sunii, Archiv für HeiiiialSkunde, II, S. (13 s. 2) Herrmann von Herrnritt 1. e., 71. 3 'Regierung«™») Anton von (ti I o b o ö u i ( in seinem verdienstvollen Werse „Üverficht der iBertimliuiin« und Rechtegeschichte de» Landes Strahl" (1893), S. 46. werden, welcher aus fahrlessigkheytt der ältern die nottwendige bnecher nitt mitt sich bringt .... es seynd denn vatterlose und allerdings hilflose Waisen, denen mitt den allmusen geholfen mag werden." >) Hatten schon gleich nach der durch Herzog Christoph von Wiirtcinberg, den mächtigen Förderer des Protestantismus, an der Tübinger Universität vorgenommenen Neueinrichtung des „fürstlichen Stipendiums" und der aus dem Nachlasse seines aus Krain gebürtigen erprobten Kanzlers Michael Tiffernus 1557 erfolgten Errichtung des „Stipendium Tiffernum” zwei evangelische studierende Jünglinge ans Krain, Samuel Budina und Johann Geb hart, in letzteres als Stipendiaten Aufnahme gefunden, so sahen sich im Fortgange der evangelischen Religionsbcwcgung in unserem Lande und durch das Bedürfnis nach entsprechend gebildeten Predigern und Lehrern die evangelisch gesinnten Stände des Herzogthums Krain veranlasst, auch ihrerseits an evangelischen Hochschulen in Deutschland Stipendien zu stiften, nachdem sie längere Zeit hierfür nicht fixierte Subventionen ertheilt hatten. Die im Ausschüsse versammelte Landschaft der Augs-burgischcn Consession beschloss demzufolge am 3. April 1582 „zu möglichster Steuer und Abhilfe bereits erscheinenden und zu besorgenden Mangels an tüchtigen Kirchen- und Schuldicnern, die sowohl der windischcn als der deutschen Sprache kundig, drei besondere Stipendiaten, krainerische Landeskindcr, zuvorderst in facultate theologiae, ungefährlich auf den Universitäten Tübingen, Heidelberg und Straßburg, jeden mit jährlich 50 Gulden (thut überall des Jahres 150 Gulden rheinisch) bis einer oder der andere zu der Landschaft Kirchen- und Schuldiensten, dazu sie sich insonderheit verbinden sollen, für guali-ficirt erkannt und dazu berufen wirb".8) Die Kirchenreformation in Krain hatte auch im Gefolge gehabt, dass die evangelisch gesinnten Stände und Bürger 1564, als die Pest in Laibach wüthete, die Bürgerhospitalkirche zur heiligen Elisabeth in Besitz nahmen und bis an den Schluss des Jahrhunderts daselbst ihren Gottesdienst abhielten. Und selbst auf die Verwaltung des Bürgcrspiials war die kirchliche Bewegung nicht ohne Einfluss geblieben; denn wir begegnen in dem Berichte des landcsfürstlichcn ') Professor I. Wcillner, Nikodemus Frischlins Entwurf einer Laibacher Schulordnung aus dein Jahre 1582. Jahresbericht bcS Laibacher StaatS-Ober-gymnasiums, 1888, S. 16. 2) Theodor Elze, Die Universität Tübingen und die Studenten aus Krain (1877), S. 8 f., S. 60 f. Vicedoms für Krain an die erzherzogliche Regentschaft in Graz (1595) der Beschwerde, dass „die von Laibach" (der Magistrat der Stadl Laibach) die Worte des fürstlichen Befehls „zur Ersetzung des Bürger-spitalmeisters" dahin glossieren, dass nur ein Spitalmcister Katholik sein müsse, sic hätten demnach einen „seelischen" Unterspitalmcister gewählt. i) Mit den Tagen der „Gegenreformation" trat in diesen Verhältnissen rasch eine Änderung ein. Der energische Gegcnrcformator, der Laibacher Fürstbischof Thomas Chrön, kann in seinem an den Papst Paul V. erstatteten Berichte über den Zustand der Laibacher Diöcese (1616) darauf zurückweisen, dass er die Kirche St. Elisabeth am Hospitale der Bürger, „welche die lutherischen Prediger durch 50 Jahre besetzt gehalten, nachdem dieselben 1599 vertrieben worden, wieder eingeweiht habe", und bezüglich des kaiserlichen Hospitals, dessen Einkommen er auf jährlich 2000 Gulden beziffert, kann er gleichfalls am flatteren, dass der Laibacher Bischof zusammen mit dem Landeshauptmann und dem Vicedvm den Vorstand desselben bilde.2) Die zur Durchführung des Gegcnreformationswcrkcs vom Fürstbischöfe Thomas Chrön nach Laibach berufenen „Vater der Gesellschaft Jesu", die, wie oben erwähnt, die Übersiedlung des kaiserlichen Hospitals von St. Jakob in das Gebäude gegenüber den PP. Franciscanern veranlasst hatten, übernahmen schon 1596. die lateinische Schule aus den Handen der Landschaft und konstituierten sie als ihr „Collegium". Mit dem Collegium, dessen Bestand durch namhafte Schenkungen des Landesfürstcn und andere ergiebige Unterstützungen gesichert war, wurde nun aber auch ein Seminarium oder Convict in Verbindung gebracht, in welchem Studierende theils unentgeltlich, theils gegen Bezahlung oder als Stistlinge vollständige Verpflegung sowie den bezüglichen Unterricht in den niederen und höheren Schulen erhielten. Über dieses Jesuitcnseminar gibt ausführlichen Aufschluss ein Manuscript der k. k. Studienbibliothek in Laibach, °) welchem wir entnehmen, dass das Convict bereits (1600) ein eigenes Haus bei St. Jakob in der Nahe des Collegiums besaß, dass die Zahl der Seminaristen (Convictistcn) von 10 im Jahre 1600 auf 80 im Jahre 1612 gestiegen war, sowie dass im Jahre 1617 schon ') Mittheilungen bc8 historischen Vereines fiir Scrain, 1807, ©. 1)2. 2) Mittheilungen de« historischen Vereines pir Krain, 1854, S. 63. 3) Fol. No. 156. Hisloriii Seminarii Labacensis, in quo origo, progressus, benefaetores, ejusdemque alumni continentur ab Aimo MDO. ein neues Heim für dieses wohlthätige Institut nothwendig erschien. Als hervorragende Stifter für das Seminar finden wir die Namen Lcnkoviä, Sontner, Thaler, Schellenburg, Montagnana, Kazianer n. a., und reichen die Annalen desselben bis 1773, d. i. bis zur Aufhebung des Jesuitenordens; es ist nicht zu verwechseln mit dem heute noch bestehende», unter der ausgezeichneten Dircctivn des Prälaten und k. k. Hofkaplans Dr. Johann Kulavic befindlichen fürstbifchöflichcn Priesterseminare neben der Kathedrale zu St. Nikolaus, zu welchem 1708, 9. Mai, der Grundstein gelegt wurde, und das ober dem karyatidengeschmncktcn Hauptportale die schöne Widmung „Vii'Luti et Musis” weist. Dein Sanitätswescn wandten die flämischen Stände ein immer regeres Interesse zu, und sie gewährten talentvollen Jünglingen ansehnliche Unterstützungen für medicinische Studien. So z. B. erhielt ein Laibacher, Joses Schaidt, welcher zu Padua — der damals berühmten medicinischeu Schule — studierte, durch drei Jahre (1619 bis 1621) im ganzen 600 Gulden Subvention, eine für jene Zeit gewiss bedeutende Summe, und dieses Stipendium ward ihm noch durch vier weitere Jahre belassen unter der Bedingung, seine Praxis im Laude auszuüben, 's In der Zeit von 1590 bis 1656 zählen wir 23 landschaftliche Ärzte mit den Gehalten von 200 bis 400 Gulden. Die landschaftlichen Dvctorcn bildeten in Fällen der Noth einen Sanitätsrath, so z. B. 1611 wegen der grassierenden rothen Ruhr unter den Kindern, um die Abwehr dieser und anderer „unter den Leute» einreihender, geschwinder »nd gefährlicher Krankheiten zu berathen",-) und 1666 finden wir schon einen „Protomedicus". Die „innerösterreichische Regierung" in Graz publicierte 1625, den Bemühungen der Landschaften zur Verhütung und Bekämpfung der Pest und anderer Seuchen entgegenkommend, eine eigene umfassende „Jn-sectionsvrdnnng", in welcher u. a. festgesetzt war, dass die Spitalmeister in den Spitälern „auf die Stcrbläuff ihr sonderlich fleissiges Aufmerken haben, und wo ai» oder mehr Personen darinnen (in den Spitälern) inficirt werden, dieselben ohn alles Verziehen von den ander» Personen absondern und in das Lazarcth führen sollen"?) ') Diutitz, Geschichte Kram«, III, S. 452 f -) Lanbschaftliche« Archiv im Museum Nubolfinum in Laibach. :I, Siehe tu eine „Geschichte beS laubschaftlicheu Cwilspitales in Laibach", Das bestrenommierte Warmbad Töplitz in Unterkrain — Besitz des Fürsten Ka-rl Auersperg — ward schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts in seinen vortrefflichen Heilwirkungen beschrieben durch den landschaftlichen Arzt Dr. Burkhardt, der dasselbe durch einen Zeitraum von 30 Jahren erforscht hatte, und ist es das Verdienst unseres unermüdlichen Chronisten Valvasor gewesen, diese erste aus Krain bekannte balncologische Abhandlung seinem vielgenannten, 1689 erschienenen Hauptwerke „Ehre des Herzogthums Krain" einverleibt zu haben. ^ Ein specifisch hygienisches Werk veröffentlichte der landschaftliche Physicus und Medicus Wolfgang Andreas Vidmayer, Philo-sophiä et Medicinä Doctor, ein gebürtiger Laibacher aus der in einem Zweige geadelten zahlreichen (römischen Familie Vidmayer, unter dem Titel: „Hygiene seil dissertationes l’liilosopliicae- Medicae De Acre, Cibo et Petit, quatenus sanitatem conservare vel morbos inducere solent” (Laibach 1692, bei Josef Thadd. Mayr, landschaftlichem Buchdrucker),^) in welchem höchst lehrreichen und praktischen Buche die nützlichen und schädlichen Einflüsse der Lust, von Speis und Trank ans den menschlichen Organismus eingehend bargethan werden, und in welchem wir u. a. eine längere Abhandlung über das Bier sowie eine solche über das Einfrischen der Getränke in Schnee oder Eis vorfinden, wobei letzteres für unsere Gegenden entschieden perhorresciert wird. Zu einem die Assanierung der Landeshauptstadt Laibach gewiss mächtig fördernden Werke, zur Morastentsumpfung waren schon im 16. Jahrhundert Vorschläge gemacht worden, die im 17. Jahrhundert nun ihre Fortsetzung fanden, jedoch zu keinem praktischen Erfolge führten, und auch die am 8. Juli 165,8 begonnene Ziehung eines Grabens zur Ableitung deS Hochwassers der Laibach ward nach kurzer Arbeitsdauer wieder eingestellt (ant 24. Juli desselben Jahres).^') Das erhöhte geistige Leben, das, angeregt durch den Knust-sinn und den regen wissenschaftlichen Geist in der Reichshaupt-imb Residenzstadt Wien unter Kaiser Leopold 1., wie durch das ganze Reich, so nach dem Süden Österreichs sich fortgepflanzt, trieb auch hicrlands schöne Blüten, die sich in der Gründung einer ') I (HI), S. 378 ff. -) Klein-Octav, 280 S. Unicitm auf der k. f. Studienbibliothek in Laibach. 3) Thalnitscher von Thalberg, handschriftliche tzanschronik (in meiner Sammlung). Akademie der Wissenschaften, „Academia Operosorum” (1693), und in der Errichtung einer philosophischen Facultät (1701) äußerten, welch letztere durch eine Subscription von 10.800 fl. auf privatem Wege zustande kam.l) An dieses neue wissenschaftliche Institut, an welchem dann sogar Vortrüge aus juridischen Fächern abgehalten wurden, schloss sich eine Reihe von neuen Stipendien ansehnlichen Umfanges, zuweilen in ihrer Tendenz zur Heranbildung talentierter Landcskinder an Erziehungsstätten der Residenz über die Marken Krains hinausreichend. Nachdem ein hochsinniger Krainer namens Knaffl bereits früher mit gutem Beispiele — der Errichtung von Stipendien für Landsleute an der Wiener Hochschule — vorangegangen war, zeichneten sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein in Krain zu großem Vermögen gelangter Tiroler, Jakob Schell von Schellenburg, und dessen Gemahlin durch die Creierung zahlreicher Stiftungen aus, die gleich den Knaffl'scheu noch heute das dankbarste Andenken an die edcln Stifter wach erhalten; den hohen Dank der Heimat brachte die Stadtvertrctnng von Laibach in unseren Tagen dadurch zu bleibendem Ausdrucke, dass sie zwei der schönsten Straßenzüge der Stadt nach de» Namen dieser Stifter Knaffl- und Schcllcnburggasse benannt hat. Die Schcllen-burg'scheu Stiftungen mit einem Capitals- und Zinsenaufwande von 210.000 fl. schieden sich in die adelige „Früulcinstiftung", die Stiftung für 100 invalide Soldaten, die Stiftung für die Erziehung von acht adeligen Krainer Jünglingen in der k. k. Theresianischen Ritterakademie zu Wien, die Stiftung zur Unterstützung von 12 Osficierswitwen krainerischer Nation und die Stiftung von 12 Studentcnstipendien; außerdem testierte v. Schellcnburg ansehnliche Summen zu fromme» Zwecken für Kloster, Kirchen und Arme.2) Zu Anfang des 18. Jahrhunderts werden wir dank einem aus der k. k. Studienbiblivthek in Laibach3) erhaltenen Manuskripte einer in humanitärer und nativnalökonvmijcher Beziehung gleich interessanten Erscheinung gewahr: des Vorhandenseins einer Darlehensinstitution für die bäuerliche Bevölkerung, freilich wohl in engbegrenztem Bezirke und im Anschlüsse an eine fromme Bruderschaft, doch immerhin von Bedeutung als eines ersten und so frühen Zeichens des gefühlten Bedürfnisses einer Abhilfe in der Noth für materiell bedrängte Bauern. Es bestand nämlich von 1700 bis 1784 an der ') v. (Mloboönif I. c., ©. 17. 2) „Jakob Schell von uub zn Schellenbnrq mtb seine Stiftungen" (Laibach 1843, 1», 38 S.). 3) Handschrift, 4", Nr. 85. Filialkirche Beatae Mariae Vivgiuis in Primskau (Primskovo, Bezirkshauptmannschaft Stein, Ortsgemeinde Preassel, Decauat Krain-burg) die Bruderschaft Beatae Mariae Virginis, welcher der Papst Jilnoccnz XII. mit Breve vom 2. Jänner 161)8 das Recht der Cvn-stituicrung verliehen hatte in der ausdrücklichen Voraussicht, dass die Mltbrüder und Miischwestern dieser Confraternität so viel möglich Werke der Frömmigkeit und christlichen Charitas ausüben werden (cujus confratres et consorores quam plurima pietatis et cliari-tatis opera exercere consveverunt). Die erste Eintragung in das Rechcnschaftsbnch dieser Confratcr-nitüt weist die vom Vicar der benachbarten Pfarre Höflein, Matthias Skuk, und N. N., den „Syndikcrn" der Confraternität, gefertigte Rechnungslegung de dato 8. Februar 1700 auf, die nach Abzug der Ausgaben einen Casserest von 12 fl. 48 kr. als in das „Vereins-kistchen" (cistula) deponiert verzeichnet, und diese Abrechnungen erscheinen bis 1777 fortgesetzt in das Brnderschaftsbuch eingetragen. Der zweite Abschnitt des Buches enthält aber den für uns hier wichtigeren Theil, nämlich die Eintragungen der von einzelnen Mitgliedern (Brüdern) zu entrichtenden Zinsen für durch die Confraternität erhaltene Darlehen in Geld und Vieh. Jeder Schuldner der Confraternität hat sein Folio; auf jedem Folio sind in Quadrat-form die Jahrzahlcn von 1700 bis 1783, beziehungsweise von 1760 bis 1784 eingezeichnet, und erscheinen demnach in der die Namen der Schuldner enthaltenden Rubrik, wenn sich die Abzahlungen auf Nachfolger im Besitze erstreckten, einfach die Namen der ersten Darlehensnehmer durchstrichen und die weiteren darunter gesetzt, bis die Rückzahlung des Capitals, rcspcctivc Abzahlung des Viehstückes erfolgt war. Interessant sind die Darlchensmodalitäten. Geld wurde mit 4% verzinst, von 25 fl. Darlehen zahlte man 1 fl. jährlich, von einer Kuh 8 kr., von einer Ziege gleichfalls 8 kr., von einem Schaf 2 kr.; ein gewisser Micha Trcliz (als Nachfolger des A. Pvtrata) schuldet 14 fl. und hat eine Ziege erhalten, von der er 8 kr. „zinst", seine Nachfolgerin im bäuerlichen Besitze, die Agnes Trelzin, zahlt mit einem-male das Capital von 14 fl. zurück, verpflichtet sich aber, noch fernerhin die Zinsen für die Ziege zu entrichten; ein Sandmann Gcvrg Sitter erhält einmal 10 fl. und zinst von einem Schafe 2 kr., er erhält neuerdings ein Darlehen von 20 fl. und wieder eines von 10 fl., so dass er zusammen 40 fl. von der Bruderschaft zu Leihe bekommen; ein Besitzer Jerny Pvgacnik schuldet 12 fl. und soll von einer Kuh 8 kr. „zinsen", er zahlt „vermöge Vergleiches alljährlich 20 kr." u. f. w. Man ersieht aus den wenigen hier angeführten Beispielen, dass dieses für den engen Kreis der Interessenten sv wohlthätige Institut der Darlehensgebnng seitens der Cvnfraternität van Primskau unter den günstigsten Bedingungen gearbeitet hat, und mag cs nur wundernehmen, dass dasselbe — soweit uns bisher bekannt — anderwärts im Lande keine Nachahmung gefunden. Oder sollten im Lande noch weitere Spuren derartiger Darlehensinstitutionen ans jenen Tagen, die etwa im Anschlüsse an fromme Bruderschaften bestanden, existieren und wo? Der Verfasser dieser Zeilen wäre für jede derartige Mittheilung sehr verbunden! Über „gnädigsten Befehl" der Kaiserin-Königin Maria Theresia entstand zum Segen des Landes in der Hauptstadt wieder ein Waisenhaus, nachdem das eingangs dieser Zeilen erwähnte, im 11. Jahrhundert gegründete im Sturme der Zeiten längst eingegangen war. Der k. k. Rcpräsentations- und Kammerrath Josef Johann von Hof mann hatte es unternommen, einzelne zur Erhaltung und Erziehung von Waisenkindern bestehende Stiftungen, die zum Theile ihrer Bestimmung entfremdet erschienen, zu ermitteln, neue Einnahms-guellen durch freiwillige Beiträge und Sammlungen zu eröffnen »nd so einen eigenen Waiscnhauöfvnds zu gründen. Am 18. September 1757 wandte er sich an die alles Gute so warm fordernde Kaiserin-Königin Maria Theresia, welche (15. Octobcr desselben Jahres) ihre gnädigste Unterstützung zusicherte. Der erste Grund zu dem neuen Fonds wurde durch das Hans Joses Mugcrl'sche Waiscnhauülcgat von 1702 gelegt, durch welches ein Capital von 1000 fl. zugunsten eines künftigen Waisenhauses bestimmt ward. Bis zu dessen Zustandekommen hatte das Capital der Clarisscrinncnconvent in Laibach übernommen. Nun wurde ein Aufruf an das Publicum erlassen, welcher uns in einem im Drucke ausgegebenen fliegenden Blatte') erhalten ist — de dato Laibach, 13. Februar 1758 — und in warmen Worten zu Beiträgen für die Errichtung eines Waisenhauses zu Laibach auffordert, zugleich in kurzen Strichen den Organisationsplan für dasselbe ausweisend. Wir reproducieren diese aus den Tagen der auch für Krains Wohl vielseitig besorgten erhabenen Landesmuttcr stammende, eine eminent humanitäre That einleitende Schrift nach ihrem vollen Inhalte, da dieselbe es sv recht nahe zu legen geeignet erscheint, wie stets aus dem Centrum des Reiches, insbesondere aus der Hofburg des er- i) Unicunt, 4°, 4 Seile» Archiv des landschaftt. Museums Rudotfiuiiin in Laibuch. land)ton Kaiserhauses nach allen Seiten des mächtigen Österreich, also and) nach unserem Heimatlande die hilfrcidjfte Hand geboten wird, wann und wo es immer vonnöthen! Das Flugblatt lautet: „Kurze Nachricht Wegen Errid)tung eines Waisel-Hauscs in Laibad) im Herzogthum Grain. Es ist ausser allen Zweifel, das; eine gute Erziehung derer Kinder (sie scyiid auch, wer sie immer wollen) dererselbcn grösteS Vermögen und Reichthum sehe, zumahlen es wohl keines Beweises bedarf, sondern die täglid)c Erfahrnuß es nur allzuviel lehret, das; sehr viele (lveldje von ihren Eltern oder Verwandten zwar ansehentlid)e Schätze ererbet, in der Jugend hingegen an guter Erziehung vernad)-läßiget worden scynd) daß überkommene Reichthum gar bald ver-sd)wänden und an den Bettelstab verfallen, wo im Gegentheil viele andere, welche ihren Eltern nid)ts als das Leben und eine gute Erziehung zu danken haben, durch einen Christlichen Wandel, und beh-trcttenden Fleiß zu Reichthum und Ehren gelangen; Und wie svld)em nach von der guten oder sdstcchtcit Erziehung derer Kinder auch dercr-sclbcn künftige gute oder sdstedste Aufführung, mithin sowohl zeitlid)-als ewige Wohlfahrt oder Untergang ganz vorzüglichen abhänget, so eynd besonders jene Kinder von gemeinerem Stand billigermassen Commiserationswürdig, welche bereits in ihren ersteren Jahren entweder von ihren Elter» verwaiset werden oder Armut halber bereit* selben guter Aufsicht nicht geniesten können, sondern bet) fremden Leuten mehristen Theils mit Bettle» das Brod suchen, übrigens aber ohne einiger Aufsicht bat Anfang ihres Lebens itad) eigenen freyen Willen führen und fortsetzen müssen; Die Jugend ist guten Theils mehr zu Ausschweiffungen oder zu einer unartigen als zu einer guten Aufführung geneigt und es seynd viclleidst an mehreren Orthen itirfjt gar viele Leute zu finden, weldje für dergleichen, respcctive fremde verlassene arme Kinder mit Ernst einige Sorge zu tragen pflegen, besonders wann zu deren Erziehung ttod) einige mehrere Mühe oder Unkosten erfordert werden, mithin darf gar nid)t besremlich fallen, wann dergleichen gänzlid) verlassene arm c Kinder aus einer üblen Gewohnheit und Untugend in die andere, svlglid) iiad) und nach in die gröstc Laster und ciiblid) in ihren gänzlichen Untergang verfallen. Daß dieses dem gemeinen Weesen svwvl als dem Landesfürsten selbsten auf mancherley Weis zu nicht geringen Nachtheil gereiche, dieses samt nicht widersprochen werden, und von darinnen seynd in denen mehristen wol-rcgnlirten, besonders aber in denen grösseren oder in denen Hauptstädten eines Landes die Waisenhäuser oder dergleichen Stiftungen zu befinden, in welche» dergleichen verwaiste und arme Kinder beyderley Geschlechts sowol zu ihren eigenen Besten als zu des Publici Dienst und zur Ehre GOttcs erzohen werden. Und dieser- aus dergleichen Stiftungen pro Publico entstehende grosse Nutzen, nebst der für die verlassene arme Kinder zu trage» schuldigen Christlichen Lieb ist nun auch allhicr in Laybach als der Haupt-Stadt des Hcrzogthnms Crain in mehrerer Erwegung gezohen, folglich nunmehro zu einem Waisen-Haus auch allhicr ein würklicher Anfang gemachet worden und zwar solchergestaltcn, daß mit Anfang des Monats Scptembris des jüngst hinterlegten 1757ten Jahres vier arme Mägdl aufgenommen, mit Kleydung, Wäsch: Bett-Gewand und anderen Erfordcrnussen (und zwar ans alleinigen von mehreren frommen Wohlthätern zusammengetragenen heiligen Almosen) versehen und initler Zeit zu civilen Leuten zur Verpfleg- und Vcrköstung sowol als zur Instruction und guten Erziehung gegeben und angedungen worden seynd; Und wie nun sofort Jhro Kayserl. Königl. Majestät unser allcrgnädigstc Frau auch für die gute Erziehung derer verlassenen armen Kinder ganz vorzüglich beeysertc allermildeste Landesmutter sothauen Fürgang und bcschehenen Anfang eines Waisenhauses vermöge darüber eingelangter allerhöchsten Bestättigung sowol allcrgnädigst beangcnchmiget, als dessen Fortsetz- und möglichste Vermehrung allerhuldrcichcst anbefohlen haben, so beruhet die Sach nunmehro einzig und allein an den ferneren gütigen Beytrag frommer Wohlthätern, womit durch dergleichen gütige Beyhülf dieser würkliche Anfang nicht allein unterstützet sondern auch mit Aufnahm mehrerer armen Waisen nach dein Beyspiel anderer Länder ein ordentliches Waisel-Haus zum Stand gebracht werden möge; Und dieses ist nun bemahlen jener Gegenstand, zu dessen möglichster Erreichung um einen gütigen Beytrag das Ansuchen hiermit bcschiehct, und es wird wol niemand zweifle», daß dasjenige heilige Allmosen besonders nützlich und bey GOtt ganz vorzüglich angenehm und verdienstlich sehe, welches nicht allein zur leiblichen Erziehung sondern auch zum Christlichen und guteli Unterricht dergleichen Verlassenen, somit in nähester Gefahr ihres sowol zeitlich- als ewigen Untergangs stehenden armen Kindern abgereichet und verwendet wird. Wobey dann zu mehrerer Nachricht dienet, daß dergleichen artnc Waisen nicht allein aus der Hauptstadt Laybach, sondern auch aus anderen Städt- und Märkten, auch aus denen Dörfern dieses Landes aufgenommen werden, sollen und cs werden die Knaben nebst der Christlichen Lehr vorzüglich in Tcutsch-Lese», Schreiben- und Rechenkunst solchcrgcstalten instruiert werden, daß selbige fernerhin »ach ihrer wahrnehmenden Fähigkeit zur Bedienung derer Herrschaften oder zum Gewerb derer Kauf- und Handelsleuten, oder auch für andere Pro-fessionisten und Handwerker, auch nach beschaffenen Umständen ad Studia tauglich sein werden. Wohingegen bey denen Mägdlein die Sorge ihrer Erziehung fürnehmlich dahin gerichtet sein wird, selbige nebst dem Teutsch-Lesen und Schreiben, auch in dem Nähen, Stricken und Spiennen auch anderen nöthigen Weibcrarbciten solchcrgcstalten wol unterrichten zu lassen, womit selbige bey Herrschaften, Burgern und anderen Landcs-einwohnern nuzlichc Dienste zu leisten, folglich sowol diese als auch die Knabe» fernerhin in einem Christliche» Lebens-Wandel ihren weiteren Unterhalt sclbstcn zu erwerben im Stand seyn mögen. Laybach den 13. Februarij 1758." Im Jahre 17(51 wurden von der Gründungscommission nach dem Muster derjenigen des Grazer Waisenhauses die Statuten dieses neuen Waisenhauses entworfen (27. August) und in allen Punkten von der Regierung genehmigt. Nach denselben war auch unehelichen Kindern der Zutritt offen. Zur Vermehrung des Fonds befahl die Regierung (1763) durch 10 Jahre jährlich viermal in allen Kirchen des Landes Sammlungen anzustellen. Nach mehrere» Unterhandlungen erfolgte (12. Februar 1763) die Approbation des Waisenhaus-institutes mit der Bestimmung, dass die Ausnahme in dasselbe den Erben der Stifter überlassen bleiben, dass kein Kind unter (5 Jahre» ausgenommen und über das 16. Jahr hinaus erhalten werden solle. So trat die Waisenanstalt mit 1. November 1763 ins Leben. Johann R. Seih und dessen Frau waren die ersten Waiseneltcrn. Die Verpflegung besorgte der Priester Johann Siegmund Reich gegen eine Remuneration von 42 fl. Ein Plan der Commission, die Einrichtung des Laibacher Waisenhauses jener des Klagenfurter zu nähern, fand nicht die Genehmigung der Regierung, „da die Waisen nicht allein die Tuchmacherci, sondern auch andere Wissenschaften und Handarbeiten lernen sollten". Die Befolgung des Gebotes der jährlichen viermaligen Kirchensammlungen musste bereits 1768 unter Strafandrohung eingeschärft werden. Bis zum Jahre 1788 stieg der Fonds durch verschiedene Steuern und Abgaben (politische Strafgelder, der aus Zucker und Cacao gelegte Armenleutaufschlag u. s. w.) ans 27.640 fl. Dazu kamen die Stiftungen bis 1788 mit 35.260 fl. und die Geschenke mit 1100 fl., so dass mit Ende des Jahres 1788 64.000 fl. Capital in Ärarial- und Domcsticalobligationen zur Verfügung des Waisenhauses standen?) Nach der 1763 erfolgten Gründung des neuen Waisenhauses zählte die Landeshauptstadt des Herzogthums Krain zu jener Zeit acht Versorgungsanstaltcn, darunter drei Spitäler. Das an landcs-gcschichtlichcn Aufzeichnungen reiche Hausarchiv des Grafen Karl Hohenwarth, Besitzers der Herrschaft Raunach in Jnnerkrain,*) enthält diesbezüglich nachstehende Zusammenstellung: „Versorgungshäuscr in Laibach 1767: 1. Das kaiserliche Hospital hat ein neuaufgesührtcs Gebäude, ist ans 30 Personen, 22 Männer und 8 Frauen eingerichtet, cs besitzt Obligationen in der Summe von 17.500 fl. und empfängt außerdem an Almosen jährlich 1000 fl.; 2. das Bürgerspital hat ein schlechtes Gebäude, versorgt 4 Männer und 12 Weiber, dann 24 Findelkinder, cs besitzt Obligationen in der Summe von 17.747 fl. 37 kr. und Realitäten im Ertrage von 2233 fl. 36 kr.; 3. das Waisenhaus ohne eigenes Gebäude versorgt 6 Knaben und 4 Mädchen, besitzt in Obligationen 10.400 fl. 20 kr. und bezieht von Realitäten und Almosen 1504 fl. 52 kr.; 4. das Armenhaus mit einem schlechten Gebäude versorgt 25 Weiber; 5. das Zucht- und Arbeitshaus (domus correctionis) mit einen, schlechten Gebäude bezieht an Almosen 409 fl. 21 kr. jährlich; 6. das deutsche Ordcnsspital mit einem Fonds von 2000 fl.; 7. die Graf Lambcrg'schc Anstalt bei der Kathcdralkirchc hat ein Capital von 20.000 Gulden; 8. kleinere Stiftungsbeträge zur Unterstützung von Armen, in Summa 7500 Gulden." Die oben angeführte schlechte Beschaffenheit des Bürgerspital-gcbäudes nöthigte zu dessen Reparatur, und wir begegnen abermals der hochherzigen Hilfe der große» Kaiserin-Königin Maria Theresia, die (1773) zum Adaptierungsbaue unseres Bürgcrspitalcs aus ihrer Privatchatvuille die Summe von 2000 fl. spendet. Über die Graf Lambcrg'schc Armcnstiftung und den Vcr-thcilnngsmodus derselben in dem Zeiträume von 1754 bis inclusive 1760 ') Mitth. d. hist. «er. f. Shniv, 181S4, S. 88. -) Mitth. d. hist. «er. f. Kral», 1865, S. 111. gibt uns ein umfangreicher Codex der k. k. Stndicnbibliothek in Laibach') erwünschten Aufschluss. Es ist das Anmerkbuch der mit der Vertheilung der Armcn-geldcr aus dieser wohlthätigen Stiftung betrauten vier Priester und führt den Titel „Liber annotationis, in quo annotantur pauperes qui ex fundationeLambergicabenignitersustentantur”,int Chronographicum die Jahrzahl (1753) der Anschaffung des Buches weisend. Die Ver-thciluug der Gelder erfolgte nach Vier Stadtbezirken, doch erschienen mich die Vorstädte Krakau und Tirnau cinbezogen, und selbst Arme der Umgebung, so in Mariascld, Kaschel, Dranle it. s. w., fanden Berücksichtigung. Zumeist werden arme Frauenspersonen, betheilt, doch auch arme Männer erscheinen in den Listen aufgeführt; dem Stande nach sind es meistens Verarmte Bürgersleute, daneben alte kranke Dienstboten; in den letzteren Jahren (1764 — 171,6) kommen einzelne Damen von Adel vor, die mit den kleinen Beträgen dieser Anstheilung sich bescheiden müssen. Zur Vertheilung gelaugte z. B. im ersten hier verzeichneten Jahre die Gesammtsummc Von 1303 fl. 3 kr., und wurden damit 1320 Personen betheilt mit Beträgen von 1 fl. 42 kr. bis 17 kr., ja sogar nur von 8 kr. pro Kopf, in der Durchschuittssummc von 51 kr. pro Kopf, so dass eine Monatsausgabe von 94 bis 99 fl. erwuchs, außerdem erscheint zu der Ausgabe des Januar in diesem und den folgenden Jahresabschlüssen der Betrag der „Vermögenssteuer" mit 130 fl. sowie die Ausgabe für Mcdicamente (zwischen 6 und 8 fl.) miteinbezogcn, desgleichen kleine Summen, die der jeweilige Vertheilet ans eigener Hand (ex propria manu) spendete. Auch ein größeres Darlehen wurde und zwar 1760 aus dieser Stiftung gemacht, wir finden nämlich beim Monate Januar angemerkt: „Darlehen im Betrage von 750 fl." und beigefügt: „Jntcrimsschein pro 600 fl. hat der Graff Lamberg", weiters 1761 (Januar): „Darlehen 390 fl., Jntcrimsschein pro 300 fl. hat der Gras Lamberg" und dann noch 1762 (Immer): „(Kapitalisten bey Steuer Quittung 195 fl., pro 150 fl. hat die Quittung Graf Lamberg" — man sicht, die Vergebung eines Darlehens war au die Zustimmung des Vertreters der Stiftung gebunden. Wie sich die Rück zahlnng des Darlehens weiter abspielte, können wir nicht verfolgen, da bei den weiteren Eintragungen von >763 bis 1766 unter den Monaten Januar keine ans die Vermögenssteuer und sonstige Ausgaben bezüglichen Vermerke angesetzt sind, sondern einfach nur die Ausgaben des Januar allein summiert erscheinen. Bemerkenswert ist, dass unter den >) Handschrift Nr. 57 (ftolio). Bethciltcn mich Personen auftreten, die als im „Hospital" oder im „Corrcctionshanse" wohnhaft angeführt werden; anonyme Eintragungen kommen ebenfalls vor, so z. B. öfters „eine Person in der Stadt (quaedam persona in civitate)”, die 1 fl. 42 kr. bezog, offenbar eine der verschämten Armen höheren Standes, die, wie schon oben angedeutet, in den Aufzeichnungen der späteren Jahre mit Namen genannt erscheinen. Die Kaiserin-Königin Maria Theresia hatte 1755 „den Ober- und Unterzechmeistern derer bürgerlichen Tischlermeister" in Laibach und Borstädten ihre „vor undenklichen Jahren" her stets beobachteten Handwerksartikel bestätigt und ihnen ein Privilegium ertheilt; in den angefügten Statuten findet sich auch ein Artikel (6), welcher besagt, dass ein sehr armer Meister ober Gesell, wenn er in schwere Krankheit verfalle, ans der Handwerkseasse eine Unterstützung bekommen solle, die er aber, wenn er genese und wieder zu Vermöge» komme, nach und nach zurückbezahlen müsse. Nachdem mittelst Hofdecrctes vom 6. April 1771 die Vereinigung aller in Laibach bestehenden Versorgnngsanstalteu und die Aufstellung einer eigenen Administration in dem sogenannten BürgcrspitalSgebäude ausgesprochen, demzufolge mich die Veräußerung des k. k. Hof-spitales (Kaiserspital, neben dem Franeiseanerthor gelegen) angeordnet wurde, ist die Schätzung desselben vorgenommen, der Kausschilling mit 8500 fl. beziffert und die Hintangabc im Licitations-wege angesetzt worden. Da jedoch an vier Anetionstagen kein Kauflustiger erschien, ließ sich 1774 die f. k. Tabakgefällsadministration zur Übernahme des Gebäudes um den Kaufschilling von 8500 fl. herbei, doch blieb cs noch bis Georgi 1775 dem Fürstbischöfe von Laibach, Karl Grafen von Herberstcin, um den Mietzins jährlicher 350 fl. überlassen. Was konnte dem Herzen des großen Menschenfreundes Kaiser Josefs II. näher liegen als die väterliche Sorge für die Darbenden? — fragt Mchncrt') und fährt in seiner Darstellung der „Humanitäre» Anstalten" unter diesem erlauchten Regenten also fort: „In der That bildet dieser Beruf eine der erhebendsten und ehrwürdigsten Seiten seines Regieren S. Bei all der Last der Geschäfte, die ans seinem unermüdlichen Haupte ruht, unterzieht er sich willig, ja freudig jeder neuen Mühewaltung, welche durch das Unglück oder durch die Wählst Kaiser Josef II. (Sin Beitrag zur Würdigung des (Geistes seiner Die-giernng. Aach archivalischen Quellen von Dr. Hermann Mevncrt. Wien 1862. S. 106. thätigkeit von ihm gefordert wird. Sein umfassender Blick begnügt sich nicht bloß mit allgemeinen Übersichten, sondern er vertieft sich auch gewissenhaft in alle mühsamen Details, durchblättert geduldig die kleinsten Umstände und eignet sich dadurch ans diesem edlen, aber an sich wenig verführerischen Felde der Verwaltung eine Sachkenntnis an, welche wundernimmt, eine Sachkenntnis, zu der nicht trockenes Studium, sondern allein die Menschenliebe und der warme Eifer für das Wohl des Nächsten verhilft." Die schönste Illustration zu diesem allgemein gütigen Satze bildet Kaiser Josefs II. Fürsorge für die Humanitären Verhältnisse in unserem Vatcrlande Krain, die er mit seinem Scharfblicke während seines Aufenthaltes in Laibach (in den Märztagen 1784), gelegentlich dessen er unter anderem das Bürgerspital, das Militär krankenhaus und das Militärwaisenhaus besucht und überall reichlich Geschenke zurückgelassen, verfolgt, und die zu bessern er sofort de» Beschluss gefasst. Noch vor seiner Rückkunft in die Residenz erlies; Josef II. an den damaligen Gouverneur der innerösterrcichische» Laude Johann Franz Anton Grafen von Khcvcnhüllcr ein Hand-billet, (läo. 28. März 1784,') worin er demselben seine auf der Fahrt durch dessen Gouvernement gemachten Wahrnehmungen auseinandersetzt und seine daran geknüpfte» „Erinnerungen zu weiterer Veranlassung" mittheilt. Nachdem in diesem wichtigen Documentc betreffs des Landes Krain im Absatz 5 auf die hohe Bedeutung der „Austrocknung der Moräste zu Laibach, theils um die Stadt gesünder, theils um eine so große Strecke zur Cultur nutzbar zu machen", hingewiesen, doch dabei „Vorsicht und Kenntniß, damit nicht, wie cs schon geschehen, viel Geld ausgegeben und das Ziel verfehlt werde — hiervon geben", wie der Kaiser betont, „die Grubcr'schcn Brücken und Schlcußen einen klaren Beweis —" anempfohlen worden, ergeht sich der Monarch in den Absätzen 6 bis inclusive 10 des näheren über seine Absichten bezüglich der humanitären Institute in und für Krain. Wir wolle» dieselben ihres ganz besonderen Interesses wegen hier wörtlich anführe». Sic hebe» also an: „6. Das leerstehende Clarisserinnenklostcr in Laibach (aufgehoben 1782) ist für das Militärspital und das (daranstvßende) Erziehungö-institut des Thurnrcgimentes dann für das Verpflegsamt zu widmen: solches ist in dieser Absicht dem Militär zu übergeben und hierbei) ') Ei» Handbillet Kaiser Joses« II. Von Adam Adolf. Beiträge zur Kunde steiermärkischer (Mffd)W«nnclIcii. (Mm* 1875. (12. Jahrgang). S. 143 15.(1, ein Plan »ach der von Mir dem Kreishauptmann und dem Ingenieur mündlich erklärten Gesinnung zu entwerfen und dieses Gebäude darnach zuzurichten. 7. Von dem versammelten l) Versorgungshause sind die alten Leute, die aus dem Hause gehen wollen, nach der vorgeschriebenen Art mit Stipendien zu versehen, wozu aber die Wohnung und Heizung mit eingerechnet werden müssen, die Kinder werden ohnedem nach dem angenommenen Grundsatz vertheilt und so wird dieses Haus wenigstens zum Theile leer und zum Besten der Fundation und besonders der Findelkinder verlassen und benutzt werden können. 8. Da das Triester Findelhaus behauptet, daß ihm die meisten Findelkinder ans Ärain gebracht und wieder dahin zu den Ammen und zu de» Bauern in die Kost gegeben werden und also die Kinder in diesem zarten Alter zweimal die Reise hin und her machen müssen, so hätte das Gubernium sich mit dem Triester schriftlich einzuvernehmen. ob dieses letztere nicht einen Theil der für die Findelkinder gewidmeten Fonds sammt der dazu gehörigen Anzahl Kinder an Kram abgebe» wollte, damit die krainerischcn Findelkinder künftig gleich in Kraiu übernommen würden, mit Trieft nicht mehr damit zu überladen. 9. Scheint, daß von den in Laibach bestehenden .1 (Männer-) Klöstern wenigstens eines, wenn nicht zwei überflüssig sind, besonders da Ich die Exjcsuitenkirchc (zu St.Jakob) zur Pfarre bestimmt habe.-') Die Franciscancr wären also in das Kloster der beschuhten Augustiner zu übersetze» und diese aufzuheben; das dadurch leer werdende Francis-canerkloster wäre in ein Krankenhaus zu verwandeln,^) und dahin entweder eine eigene sehr wohlfeile Administrativ» zu bestimmen, oder mit barmherzigen Brüdern zu versehen, welche am leichteste» und ein-verständlich mit dem Gubernium von Triest, so Ich unter einem an weise und wo sie entbehrlich sind, nach Laibach übersetzt werden könnten; nur müßte hauptsächlich ein gutes und geräumiges Krankenzimmer. so zugleich hoch genug wäre, in dem Kloster errichtet werde». ') Boi» 1. Mai 1773 waren die Hofspitalspfründncr in Gemeinschaft mit den Bürgerspitals- und Graf Latnberg'schen armen Pfründnern, dann mit den an« dem damals bestandenen Waiscnfonds verpflegte» Waisenkindern gegen abgesonderte Verrechnungen unter eine eigene Administration gestellt. Mitth. d. hist. Ber. f. Krain, 1857, S. 14 ff. 2) Da» Sfloster der unbeschnhtc» Augustiner (Discalecaten) wurde am 14. April 1784, jenes der beschuhten Augustiner am 10. April 178(1 aufgehoben Wolf I. c., S. 145. 3) Ziehe über die Errichtung de? Eivilspikales weiter unten. 10. Das sogenannte Zuchthaus ist weder hinlänglich verwahrt, noch sind die Züchtlinge in demselben so gehalten, wie sie es verdienten, denn sie haben Betten, geheizte Zimmer, 4 kr. Kost, spinnen und kehren nur die Gassen. Dieses mich ganz anders eingerichtet werden, und sind ihnen feine Bette», sondern blos; Pritschen mit Wasser und Brot zu geben und ist ihnen nur nach Mas; ihres Fleißes im Spinnen und Arbeite» ein solcher Preis zu setzen, womit sie sich beiläufig 4 kr. täglich und nicht viel mehr erarbeiten können, sowie es in Wie» beobachtet wird." Die hervorragendste Folge der Kaiser-Anwesenheit in Laibach war in humanitärer Beziehung die Errichtung eines Civilspitales in Laibach durch Allerhöchste Entschließung vom 10. Juni 1786 mit der gnädigsten Entscheidung, dass die Barmherzigen mit dem zu errichtenden Spitale das Kloster des aufgehobenen Convents der unbeschuhten Augustiner in der Wiener Straße beziehen sollen.') in welchem Gebäude das landschaftliche Civilspital bis zur Demolierung desselben nach der Erdbebenkatastrophe 1895 untergebracht blieb, und wo man ober dem Hanpteingange ans grauem Marmor das Chronographikon in Goldschrist lesen konnte: „Infirmis vtrivsque sexvs Joseplivs secvndvs Caesar rex pivs avgvstvs posvit..’’ Eine noch vor der Errichtung des Civilspitales datierende Zusammenstellung der humanitären Institutionen in Krain entnehmen wir der fleißigen Arbeit des I. v. Breckerfeld in einer handschriftlich erhaltenen Statistik „der drei Länder Steiermark. Kärnten und Krain".2) In dem IV. Abschnitte handelt der Verfasser von den „Spitälern, Armen-, Zucht- und Waisenhäusern", deren sich in den genannten drei Ländern 88 befanden. „Wenn die Anzahl armer Menschen," ruft der Verfasser ans, „die darin ihren Unterhalt finden, und die hierzu gewidmeten Capitalien ebenfalls erwogen werden, so kann man sich nicht allein von der landesfürstlichen Regierung, sondern auch selbst von der Nazion ob ihrem Beitrag einen erhabenen Begriff machen, welche beide mit vereinigt wohlthätigem Herzen für ihre gebrechlichen Mitmenschen so eine beträchtliche Hilfsquelle erschaffen haben, die man selten in anderen Ländern antrifft." v. Breckerfeld hebt besonders die Reinlichkeit in diesen Anstalten lobend hervor sowie die gute Verpflegung, die „genteinlich durch bei diesen Ver sorguugshäusern bestellte Tractenrs geliefert werde". Als Beilage gibt ') Siehe meine @cfd)nhte des landschaftlichen Civilspitales, S. 80 f. 2) Betitelt: „Kurzgefassie Beschreibung . . ." Landschaftliches Archiv im Museum Rudolfiniim in Laibach. er ein schematisches Verzeichnis der in dem innerösterreichischen Gouvernement bestehenden derartigen humanitären Institute mit de» in Zahlen ausgedrückten Details. Wir heben hier das Krain betreffende Schema heraus. Dasselbe lautet: Lit. E. Zuchthäuser, Spitäler und Versorgungshäuscr in Jnncrvsterrcich. Gouvernement Krain. In Laibach: ■0' Spitäler B D •e "c c ta 6 Ir 2 c E 5 "5 5 5 1 L Ä £ tt> *» £ >B E .2 ja- M g Z.s ^ 5 >o a 12 03 !ö 3 *~53 tr. Hüpfe fl- fr. fl. fr. fi. fr. Krain. In Laibach: 1. Hofspital . . . 8 21 21 28.000 2.120 1.708 18 2. Biirgerspital . 8 11 Hl 48 52.000 — 2.028 — 2.260 7 Findelkinder. . 3. Armenhaus . . 53/, 28 2(i) 27 55 58.850 2.804 2.088 7'/* 4. Waisenhaus. . 0'/2 19 19 38 58.000 — 3.920 — 3.103 12 5. Zucht- und Arbeitshaus . . . 4 27 19 27 13.500 — 4.01)0 IV» 2.472 — Landspitäler: 6. Krainburg, Bürgerspital . . . 7 ti 6 12 17.300 092 _ 003 7. Stein, Bürgcr-fpital .... 7 9 8 17 30.772 30 1.270 54 1.109 — Summa in Straiu 1 121 110 218 1-258 422 30 18.040 55 •/, 14.069 44'/, Gcsaniiiitpopulation in Krain 412.298 Kopse. Durch bie infolge Hofvcrordnung vom 31. März 1787 anbefohlene Errichtung des Hauptarmenfonds — die Pfarrarmeniustitute waren in Krain durch auf Allerhöchsten Entschließungen beruhende Verordnungen des innerösterreichischen Guberniums de dato 18. September 1781 eingeführt worden — hörte die gänzliche Verpflegung der Pfründner im Bürgcrspitalsgebäude auf, dieselben erhielten jedoch durch mehrere Jahre die freie Wohnung im Gebäude und wurden mit Geldpvrtionen in verschiedener Höhe aus die Hand betheilt. Später, da seiner günstigen Lage wegen (am Eingänge zum Hauptplatze) das ganze Bürgerspitalsgcbäudc in Mietzins überlassen wurde, bekamen die Hofspitalspfründncr (aus Jdria) lediglich die Pfründenportionen auf die Hand, und die Armeninstitutsvorstehnng in Jdria hatte nach Ablauf eines jeden Quartals mittelst Vorlage eines Ausweises das erforderliche Geldguantnm bei der Wohlthätigkeitsanstaltcndircction in Laibach anzusprechen, bis 1853 die k. k. Hofspitalsstiftung an das k. k. Bergamt in Jdria übertragen, beziehungsweise ihm die Verwaltung des gesummten Vermögens sowie die Betheilung der erwerbsunfähigen Knappen und deren Angehöriger überlassen wurde.') Im Jahre 1789 war aus den vier Versorgungsanstaltcn der Landeshauptstadt, dem Hofspital, Bürgerspital, Waisenhaus und Armenhaus, ein Hauptarmenfonds gebildet worden, der bis zum Jahre 1822 fortbestand. An das Armeninstitut (die Bruderschaft der thätigen Liebe des Nächste») flössen um 1785 die Strafgelder des Magistrates und 1% von allen Licitativnen, ebenso die Zinsen des Armencapitales beim Domcapitel?) Ein um die Stadt Laibach hochverdienter Bürger jener Tage, der reiche Tuchfabrikant Desselprunner, regte im Jahre 1788 die Errichtung eines freiwilligen Arbeitshauses an, und es wurden bereits alle Vorkehrungen zum Jnslebentretcn dieses Institutes getroffen, doch kam eö sd)licfelid) nicht dazu.") Nach dem Regierungsantritte Kaiser Leopolds II., als die bekannte ständische Bewegung gegen die Reformen Kaiser Josefs II. eingeleitet ivar, richteten auch „die treugehorsamsten Stünde des Herzogthums Krain" nvä) im Jahre 1790 eine „Aller»nterthänigstc Vorstellung" an Kaiser Leopold, worin sie u. a. alle ihre alten ') Mitth. d. hist. Ver. f. Ktiaiii, 1857, S. 14 ff. 5) Ältere Registratur der Stadt Laibach. Fascikel 8 und 184. 3) Ebenda. Fascikel 208. Rechte und Freiheiten aufzählten. In, § 13 dieser umfangreichen Denkschrift ') führen die Petenten die ihnen zustehenden Patronatsrechtc an. Und da heißt cs: „Es wäre zwecklose Weitläufigkeit, alle die Patronatsrechte der Stände zu geistlichen und weltlichen Stiftungen, welche in der Hauptsache niemals streitig gemacht, sondern nur theils mit neuen Lasten bebürdct, theils durch die Abweichung von dem ursprünglichen Willen des Stifters verletzt worden, einzeln aufzuzählen. Von dieser Gattung waren das Schilling-Raabi'fche Priesterbeneficinm von 10.000 fl. für einen Befreundeten und in Ermanglung desselben für einen Land-stand (Stiftbricf de dato Laibach den 29. October 1751). Die Adam Kisl'sche Stiftung von 500 fl. für Arme, die ein jeweilig geistlicher Verordneter zu vertheilen hatte (landschaftliche Obligation de dato Laibach 29. October 1751 u. s. f.). Bei der fast allgemeinen Armut des Landes, bei den vorzüglich in Ärain so sehr beschränkten Erziehungsanstalten sind Patronatsrcchtc auf Stiftungen, welche zur Erziehung der adeligen Jugend gewidmet sind, wahre Wohlthaten." Sie haben, fahren die Stände in ihrer Dcductivn weiter fort. das Patronatsrccht zur Thercsianisch Schellcnburg'sche» Stiftung von 80.000 fl. auf 8 gut adelige krainische Jünglinge, die am Theresianum erzogen werden sollen (Stiftbrief de dato Wien den 1. November 1750). Sic ist nun in Stipendienstiftnngcn verwandelt, auf mehrere Jünglinge mit Verminderung der Stiftungsbeträge ausgedehnt (Hofentschlicßung vom 17. October 1787) und überhaupt allem Zwange der übrigen Slipcndiatstiftungen unterworfen. Ferner das Recht des Vorschlages für sechs Plätze in der Ncustädtcr Militärakademie gegen dem, dass sie jährlich 2500 fl. ans der ständischen Casse abführen (Hofresolution vom 6. Juli 1754), wozu der Fonds aus dem Verkauf der den Ständen von Maximilian I. verliehenen Jagd- und Fvrstgcrcchtigkeit entstand. Endlich das Präsentationsrecht zu der Schcllcnburg'schcn Fräuleinstiftung bei den Ursnlincrinnen in Laibach auf zwei adelige und in Ermanglung auch unadelige Mädchen per 8835 fl. (Stiftbrief de dato Laibach am 1. Februar 1771). Sie wurde ebenfalls in eine Stipendiatstistung verwandelt, der Zinsencrtrag auf dem Platze vertheilt (Gnbernialvcrordnung vom 29. December 1784) und den Fräulein sogar aufgedrungen, sich durch sechs Jahre nach vollendeter eigener Erziehung als öffentliche Lehre- >) Abgedruckt und besprochen von Dr. E. H. Costa in den Mittheilungen de« historische» Vereines für Ärain, 1859. rinnen zu verwenden (Gubernialverordnung vom 12. März 1788).') Das Stipcndicnwesc» an den Unterrichtsanstalten wurde durch Hvf-decret Kaiser Leopolds II. de dato 8. Februar 1791 geregelt, indem die Verhandlung über die Stipendien den durch das genannte Hofdecrct eingeführten Lchrerversammlungen zugewiesen erschien. Wir sehen um 1792 ärmere und brave Schüler des Laibachcr Gymnasiums auf mancherlei Weise unterstützt. Ein Theil von ihnen war von der Zahlung des Unterrichtsgcldcs, welches sich während eines Semesters ans 6 fl. belief, befreit, andere genossen aus ehemaligen Stiftungen entstandene Stipendien und wieder andere sogenannte Untcrrichtsstipcndien. Zu diesen Stipendien, 17 (seit dem Jahre 1805 jedoch nur 10) an der Zahl und jedes zu 50 fl., wurde das einlaufende Unterrichtsgeld verwendet. -) Zu Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich der kaiserliche Leib-chirurg und Professor der Chirurgie in Laibach Kern bei Einführung der Impfung um das allgemeine Wohl hochverdient gemacht. Er verfasste eine von den Ständen in 1500 Exemplaren verbreitete Schrift, „Aufruf zur allgemeinen Annahme der Kuhpockenimpfnng" (1797), welche der krainisch vaterländische (slovenische) Dichter Valentin Vodnik ins Slovcnische übersetzte und seiner Zeitschrift „Lublanske Novize" des Jahres 1798 beilegte?) Ja der vaterländische deutsche Dichter Suppantschitsch empfahl diese sanitäre Institution in einem eigenen Poem: „Die Kuhpockenimpfnng. Ein Gedick)t an die Herzen der Mütter" (Laibach 1806). ‘) Das Wiederaufleben der krainischen Stände — nach dem frau-zösischen Interregnum von 1809 bis 181-1—wurde in dem habsburgtreuen Lande Ära in durch eine im Laibacher Schanspielhause veranstaltete großartige Feier auf das festlichste begangen (18. März 1819), und es fand die aus diesem hocherfreulichen Anlasse gegebene „allegorisch-mimische Vorstellung" zum Besten „der Unterstützung nothleidender Mitmenschen" statt. Ein diese Vorstellung schließender Epilogs auf die Leistungen der Stünde für das Vvlkswvhl gipfelt in de» begeisterten Worten: ') I. ü., S. 39. 2) Dr. I. M. Klimesch, Zur Geschichte be8 Laibacher Gymnasiums. Jahresbericht des k. k. Staats ObergymnasinmS in Laibach, 1899, S. 28 f. ’) Dimitz, Geschichte ttrainS, IV, S. 287. *) Unicuin in der k. k. Stndieubibliothek zu Laibach. 6) Fliegendes Blatt, gedruckt, 1°, 4 S. M eine Sammlung. „Bald nahte Kaiser Franz den alten Gauen Und brachte Frieden, Ordnung, Recht und Glück, Stuck) liefe er uns die Landesmntter schauen, Und Gottes Segen kehrte auch zurück. — Damit zuletzt der Fürst sein Werk vollende, Erweckt er neuerdings die alten Stände: Des Landes Wohl als Vater zu berathen, So wie sie seit Jahrhunderten gewohnt, Und vorzulenchten uns durch solche Thaten, Wofür der Staat mit Bnrgerkronen lohnt. Dies Fest der Menschenliebe wird verkünden, Wie schön die Edlen Strahls ihr Werk begründen." Kaiser Franz I. war cs, der bei seiner wiederholten Anwesenheit in der Landeshauptstadt Laibach insbesondere der so wichtigen Frage der Morastentsnmpfung und Morastcultnr das sorgfältigste Augenmerk zuwandte und im allgemeinen bei dem längeren Aufenthalte in den Tagen des Laibacher Cvngrcsses (1821) auf väterliche Weise in erster Linie den Wvhlthätigkeitsanstalten des Landes und der Hauptstadt das regste Interesse widmete. Im Jahre 1822 wurden aus dem Hanptarmenfvnds das Waisenstiftungsvcrmögen und das Findclhansvermvgcn ausgeschieden, und cs bildete sich, nachdem auch diese beiden Fonds voneinander getrennt worden, der neu creicrte Waisenhausstiftungssonds mit dem (1788) bestandenen Vermögen von 64.000 Gulden.') Kurz vor Zusammentritt des Laibacher Cvngrcsses war (1820) dem Lande Krain seine größte Wohlthäterin erstanden in der heute dank der ausgezeichneten Leitung und Gebarung zu so hoher Bedeutung für die Landeswohlsahrt gediehenen und das namhafteste Wohlthätigkeitsinstitut des Landes darstellenden krainischen Sparkasse, nach der Wiener der ältesten i» Österreich, über deren wahrhaft kolossale Leistungen auch auf humanitärem Gebiete wir an späterer Stelle nach Gebär ausführlich sprechen wollen. 1835 wurde mit der krainischen Sparcasse das bis heute bestehende Psandamt verbunden, nachdem ein im vorigen Jahrhundert gegründetes städtisches Versatzamt von 1743 bis 1772 gewirkt hatte. Über de» Stand der Wvhlthätigkeitsanstalten der Landeshauptstadt in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts gibt uns das treffliche Buch des Med. Dr. Lippich”) genügenden Aufschluss. Als Ge- ') Mitth. d. feist. Ver. f. Streun, 181S4, S. 88. ’) Topographie der k. k. Provivziatfeanptstadt Laibach in Bezug auf Natur und Heilkunde, Mebicinalorbnung und Biostatik. Laibach 1834. 8", 103 ff. sammtbegriff der Institute, welche 1834 unter dem Namen „Civilspital" vereinigt erschienen, führt Lippich nachstehende Anstalten, in drei Classen eingetheilt, an: A. Staatsanstalten: 1. Irrenhaus, 2. Gebärhaus, 3. Findel-Hans, 4. Klinik; B. Localanstalten: 5. Krankenhaus, 6. Armenhausstiftung; C. Privatanstaltcn: 7. Graf Lambcrg'schc Armenstiftung, 8. Hospitalstistung, 9. Bürgcrspitalsstiftnng, und cs sind den ausführlichen Darstellungen dieser einzelnen Anstalten vorzüglich gearbeitete Tabellen beigegcbcn.') Derselbe ausgezeichnete Gelehrte und Fachmann veröffentlichte aber im nämlichen Jahre ein die Behütung der Bolkswvhlsahrt direct ins Auge fassendes, eminent humanitäres Werk unter dem Titel „Grundzüge der Dipsobiostatik oder politisch-arithmetische, auf ärztliche Beobachtung gegründete Darstellung der Nachtheile, welche durch den Missbrauch der geistigen Getränke in Hinsicht auf Bevölkerung und Lebensdauer sich ergeben",2) ein durch Zahlen reich belegtes Memento für Bolk und Regierung. In diesem Buche bedauert Lippich namentlich auch das Nichtvorhandensein eines Sicchcnhauscs in Laibach, dessen Folge die große Anzahl unheilbarer chronischer Kranken unter den Armen der Stadt. 3) In Bezug auf das Grnndthcma seiner Arbeit aber ruft er ans: „Wenn die Regierungen durch zusammenwirkende Bemühungen der Ärzte schlagendste Beweise erhalten haben, dass die Trunksucht der Staaten Wohlfahrt schon physisch außerordentlich gefährdet, dann werden wir hoffentlich weniger Industrie in Erzeugung und Raffinierung geistiger Getränke, aber dafür eine für den Einzelnen wie für das Allgemeine weit lucrativere Ordnung in der bürgerlichen und Lebensökonvmie vieler Staatsbürger erblicken!"') Im gleichen Jahre (1834) entstand die heute noch als „Kindergarten" bestehende Kleinkindcrbcwahranstalt in der St. Floriansgasse, an deren Errichtung sich in hervorragender Weise der kurz vorher neu gegründete, bis zur Gegenwart blühende Casinoverein (Deutsches Casino) bctheiligte. Es ist aus dem Jahre 1834 nämlich erhalten die „Nachricht des Casinovercines" wegen der ehestens in Aussicht gestellten Errichtung einer Kleinkinderbcwahranstalt in Laibach, für welche der ') Ebenda, S. 272 bis 312. 2> Laibach 1831, 8", 143 S. St. k. Studienbibliothek in Laibach. 3) Ebenda, S. 63. 4) Ebenda, S. IX. Verein kräftig mitgewirkt hat. sammt Verzeichnis derjenigen Gegenstände. welche als Gewinste zu der für genannten humanitären Zweck veranstalteten Verlosung von den Casinomitgliedern gespendet wurden?) Die wirtschaftlichen Verhältnisse der ersten Dreißigerjahrc führten im Bezirke Umgebung Laibach (18.33) zur Gründung eines Getreide* sparspeichers, dessen Statuten und Geschäftsordnung die Regierung mit Gubernialverordnung de dato 7. März 1833 bestätigte?) „Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung, dass die erst heutigen Tages zu üppiger Entfaltung gelangende, in jüngster Zeit sogar auf legislatorischem Wege geforderte Idee der Association (Bildung von Unfallversicherungs- und Krankenkassen) in Laibach schon in so früher Zeit eine bis zum heutigen Tage in stetiger Entwicklung begriffene Blüte trieb, wir meinen den Handelskranken- und Pensivnsverein, an dessen Gründung man schon im Jahre 1835, also zu einer Zeit schritt, als unseres Wissens derartige Institute erst in Wien und Graz bestanden."^) Mit diesen Worten leitet „ein Freund des Vereines" seine anlässlich der 50. Gedächtnisfeier des 1838 aktivierten humanitären Institutes — bei welcher Canonicns Josef Erker eine herzerhebende Ansprache hielt — verfasste geschichtliche Skizze des Handclskrankcn-und Pensionsvcreines ein, welche Geschichte uns de» neuerlichen Beweis erbringt von dem opferwilligen und hingebenden Wohlthätigkeits-sinnc der Bewohner unserer Landeshauptstadt und speciell des vortrefflichen Handelsstandeö derselben. Dieser den Vereinsmitgliedern, beziehungsweise Handelsangestelltcn unserer Stadt im Laufe seines segensreichen Bestandes so reichlich zunutzen gewordene Verein, der sich seit dem Jahre 1894 dank dein freundlichen Entgegenkommen der ehrwürdigen Oberin der Congrcgation der barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz de Paula, Schwester Levpoldine Hoppe, in dem von ihr in Udmat bei Laibach neu erbauten Asylhanse für kränkliche barmherzige Schwestern und für alte dienstunfähige Priester eines eigenen stabilen, ganz nach Angabe der Vereinsleitnng eingerichteten Krankenlocalcs, dreier Zimmer mit Badecabinct, erfreuen kann, zählte mit Abschluss des Vercinsjahres 1896 im ganze» 594 Mitglieder (7 Ehrenmitglieder, 44 unterstützende und 543 wirkliche) und ein VcreinSvcr-mvgcn von 1,054.483 fl. 36 kr?) An der zielbewussten Spitze des ') St. s. Studieubibliothck in Laibach. 2) Ebenda. 3) 50. Jahresbericht des Haudelslraiikeii- und PeusiouSvereiiie«. Laibach 888. S. 37. 4) Jahresbericht für da« Jahr 1896, S. 6 f. in seiner edlen Tendenz insbesondere auch durch die krainische Sparcasse mächtig geforderten Vereines, bei dessen Gründung sich in erster Linie der unvergessliche Philanthrop Handelsmann Ferdinand Schmidt (der, nebenbei bemerkt, sich auch als Entomologe Krains viel Verdienste nm die Wissenschaft erworben) bethätigte, steht seit einer Reihe von Jahren als Director Emmerich C. Mäher, Inhaber des Bank- und Mannfactnrwarengeschäftes I. C. Mäher in Laibach, und ihm zur Seite als Director-Stellvertreter, gleichzeitig als Cassier und Buchhalter der gegenwärtige Privatier Matthäus Trenn, der nun schon 54 Jahre hindurch dem Vereine seine unermüdliche erfolgreiche Thätigkeit widmet und in consegnentcr Verfolgung seiner auf die Förderung der humanen Zwecke desselben gerichteten Absichten jüngst erst die Herstellung einer Gruft auf dem hiesigen Friedhöfe bewirkte als einer gemeinsamen Ruhestätte für jene Mitglieder, die in Laibach sterben und solcher Angehöriger entbehren, welche für die Errichtung und Erhaltung eines würdigen Grabmales sorgen könnten. Auf dem Friedhose zu St. Christoph in Laibach hält ein künstlerisch ausgeführtes Denkmal bis in die fernsten Zeiten die Erinnerung wach an eine der größten Wohlthäterinnen der Armen unserer Tage, an Frau Marie Murn-ik, welche durch Decennien, ja bis in ihre letzten Lebenstage die Bekleidung armer Schulkinder zu Weihnachten aufopferndst leitete und auch anderweitig in humanitärer Richtung unermüdlich wirkte. Das ihr von ihrem Gatten, dem kais. Rathe I. Murnit gewidmete prachtvolle Denkmal weist auf einem vom heimatlichen Künstler Gangl meisterhaft gefertigten Marmormedaillon in sinniger Allegorie auf dieses ihr unvergessliches humanitäres Wirken hin. Das sturmbewcgte Jahr 1848 hatte die Gründung eines kraini-jchen Jnvalidenfvnds für die aus Krain gebürtigen und in den vaterländischen Truppcnkvrpcrn invalid gewordenen Soldaten der ruhmreichen Armee im Gefolge, und unter den ersten Spenden, welche diesem hämischen Jnvalidenfonds zugekommen, war die Einnahme aus dem Erlöse der am 1. August 1850 vom damaligen provisorischen Director des Laibacher k. k. Obergymnasinms, dem nachherigcn Hosrathe im k. k. Ministerium fürCultus und Unterricht Dr. Johann Ritter von Kleemann. gehaltenen ausgezeichneten Erösfmmgs- und L-chlnssrede bei Gelegenheit der feierlichen Prämienvertheilung, in welcher der gewiegte Lehrer und gefeierte Pädagoge dem Publicum die Einsicht in die neue Organisierung der Gymnasien in vortrefflicher Weise vermittelte. Zwei Jahre vor der erfolgten Ncnorganisicrung der Gymnasien hatte der Fürstbischof von Laibach Anton Alois Wolf (unterm 29. September 1846) das „Collegium Aloisianum" in Laibach gestiftet als Pslegcstätte für arme und sittsame Studierende des Lai-bachcr Gymnasiums und Vorbereitnngsanstalt für nachherige Studierende der Theologie im fürstbischöflichen Priesterseminare, indem der für sittlich-religiöse Erziehung der Jugend im allgemeinen und zunächst für einen tüchtigen Ersatz der Priesterschaft besorgte Kirchenfürst selbst sich mit den ansehnlichsten Summen an der Gründung betheiligtc und durch ein schwungvolles Rundschreiben an den Clcrns der Diöccsc die rühmlichste Nacheiferung hervorrief, auch in seinem Testament (1858) das ihm so sehr am Herzen liegende Institut großmüthigst bedachte. Im Jahre 1896 konnte dieses stets unter ausgezeichneter Leitung befindliche humanitäre Erzichnngsinsiitnt die Feier des 50jährigen Bestandes würdig begehen in dem erfreulichsten Rückblicke ans die schönen darin erzielten Erfolge.') Kaiser Franz Josef I. Die Ereignisse des Jahres 1848 boten, wie schon oben angedeutet worden, dem Wohlthätigkcitssinnne wie der Bewohnerschaft Laibachs so der gcsammtc» Bevölkerung des Landes de» Anlass zu wiederholter rühmlicher Bethätigung, und wie einerseits der patriotische, kaisertreue Sinn des Kramers sich in opferwilligster Hingabe für Kaiser und Reich ans den Schlachtfeldern Italiens und Ungarns neuerdings glänzend bewährte, so steuerte andererseits der Geringste ans dem Volke in edlem Wetteifer mit dem Vermögenden sein Scherflcin bei zur Linderung der armen Verwundeten und Kranken. Und wie die Bürger unserer Städte und Märkte begeistert in die Reihen der allerorts errichteten Nationalgarde» eintraten, deren würdige und musterhafte Haltung dem trefflichen Commandanten der Laibachcr Nationalgardc, Johann Baumgartner, gegenüber nachher von maßgebender Seile durch den Generaladjutanten Sr. Majestät, Grafen Grünnc, sowie durch den Gouverneur Grafen Wclsers-heimb anerkannt worden, so war auch bei Gründling und Erhaltung •) Man vergleiche die vom gegenwärtigen Dircctor des Aloisianums Dr. Josef Lesar herausgegebene Festschrift „Doneski zu zgodovino Alojy.ijevisüa”. vaibach 1806. 8«, 73 S. dieser Körperschaft der traditionelle humanitäre Sinn unserer Bevölkerung ein überaus reger, wie sich dies aus den noch vorhandenen Listen der für die unbemittelte» Mitglieder unserer Garde beisteuernden Wohlthäter ergibt.1) In die ersten Fünszigerjahre fällt der Ausbau eines Gemeinde-spitales in Adelsbcrg, zu dem schon der große Menschenfreund Dr. Med. Karl Vcsscl (1846) den Grund gelegt, indem nun die Witwe des in der Grotte daselbst infolge Schlagflusses Plötzlich verschiedene» reichen Gewerken Franz von Winkler eine ansehnliche Summe widmete, welche die endliche Aktivierung eines Spitales ermöglichte.") Das beglückende Ereignis der Anwesenheit Ihrer Majestäten am 11. März 1857 in den Räumen der Adclsbergcr Grotten und die Errichtung eines Denkmales in der ans diesem feierlichen Anlasse neu eröffneten „Franz Josef- und Elisabeth-Grotte" führten zur Gründung einer Krainisch - Adelsberger Grotten - Jnvalidenstiftung, aus welcher fortan am 11. März zwei oder mehrere im allerhöchsten Dienste invalid gewordene, in keinem Jnvalidenhausc untergebrachte Krieger bethcilt werden, wobei gebürtige Adclsbergcr vor anderen Landcssöhnen den Vorzug zu genießen haben.11) Im Jahre 1855 wurde in der Landeshauptstadt der noch heute blühende evangelische Fraucnvcrcin gegründet mit dem Zwecke der Ausübung von Werken christlicher Liebe innerhalb der evangelischen Gemeinde Laibachs, welcher während seines Bestandes nicht nur im Rahmen des Bercinszweckes scgcnsvoll gewirkt, sondern ohne Rücksicht ans die Confessio» auch außerhalb desselben wiederholt wohlthätig eingegriffen, so namentlich bei den Überschwemmungen der Morastbewohncr, bei der Erdbebenkatastrophe u. s. w. Die Schrecknisse des italienischen Krieges von 185!), die eine so große Anzahl schwer verwundeter Krieger des k. k. Heeres nach den Spitälern unserer Stadt brachten, veranlassten mehrere Damen der Laibachcr Gesellschaft zu einer Vereinigung, die dann auf dem Perron des Südbahnhofcs die mit den Verwundeten und Kranken gefüllten Trains erwarteten und, geleitet vom Gefühle edelster Menschlichkeit, in rastlosestem Eifer unter Aufwand namhafter materieller Mittel und sclbstentänßerndcr persönlicher Hilfeleistung die äugen bildliche schreckliche Lage der braven Soldaten nach Möglichkeit mit- ') „Laibachcr Zeitung" vom Jahre 1848. 2) Siehe mein „Adelsberg und seine Grotten". Triest 186t. S. 9. 3) Ebenda, S. 35. besten. Der Dank nnscres allgeliebten Kaisers unb unserer allgefeierten Kaiserin, welche persönlich bas k. k. Militärspital in Laibach besuchten, warb ben Laibacher Damen als schönster Lotsn!1) Am 23. Mai 1857 hatte ber einem altkrainischen Geschlechte entftammenbe Karl Joses Freiherr von Flöbnig, k. f. Kämmerer unb Gnbernialrath, in Laibach bas Zeitliche gesegnet, unb mit ihm schieb ein Wohlthäter ber leibenbeu Menschheit ans betn Leben. Erhalte nämlich mit ber Begründung, bass er bie „Blinbheit für eines ber größten Unglücke hatte", für arme hilflose, insbesonbere verwaiste Blinbe ans Krain, vor allem ans ber Pfarre Flöbnig eine nun nach ihm benannte Blittbenstistung, bie burch lanbesfnrstlichen Willebrief vom 3. November 1860 aetiviert würbe, geschaffen. Das Stiftnngs-eapital beträgt derzeit bie Summe von 93.350 Gulben; im Genusse derselben stauben im Jahre 1895 im ganzen elf Blinbe, von benen zehn im Linzer Bliudeninstitut unb einer in ber Grazer Obilienblinben-anstalt untergebracht waren.2) Außerdem besteht eine Bliubenstistung für Krain von Jelou-schek, einem Angehörigen ber seit 1428 in Oberlaibach urkundlich nachweisbaren Familie Jelonschek,2) bie in einem Zweige in ben Adelsstand erhoben ward mit dem Präbicatc von Fichtenau. Für Taubstumme bestehen Stiftungen von Hold heim, Wolf, D äsn er, Sch usch es.4) Das Jahr 1860 sah den Pensivnsverein für Witwen und Waisen der Volksschullehrer Krauts erstehen, nachdem bereits 1856 für dürftige Schäler des Laibacher Gymnasiums der Gymnasialunterstützuttgs-sonds gegründet worden war. Der ausgezeichnete Kinderarzt Dr.Wilhelm Kovatsch gründete mit einer Anzahl von Damen der Laibacher Gesellschaft unb unterstützt durch bie allgemeine Wohlthätigkeit im Jahre 1864 das Laibacher Kaiserin Elisabeth-Kinderspital, über welches Ihre Majestät die Kaiserin unb Königin Elisabeth das Proteetorat anzunehmen geruhte; das Kaiserin Elisabeth-Kinderspital, das sich heute eines nach den neuesten Forderungen an ein solches Institut ausgeführten schönen ') Siehe mein „Dic Franc» Krains". Laibach 1862. S. 84. 5) Vladimir Lcvcc, Schloss und Herrschaft Flödnifl. Laibach 1897. ©.59. >) Den Stammbaum nach den Matrikel» und anderen Urkunden hat der gegenwärtige Bürgermeister von Oberlaibach »üb Landtagsabgeordiietc Gabriel Victor Felouäet zusammengestellt. 4) tflnton von GloboSnik I. o., S. 74. Heims mit dem Belegraum Don 100 Betten erfreut und seitens der Allerhöchsten Schutzfrau der steten Förderung gewürdigt wird, ist seit seinem Bestände ein reichet Quell des Segens für die armen kranken Kleinen und namentlich auch für deren hartbcdrängtc Eltern geworden. Das Jahr 1864 war für einen großen Theil der Bevölkerung des Karstes in Jnnerkrain ein höchst betrübendes. Durch anhaltende Dürre wurde der ohnedies karge Grasboden verbrannt, die Ernte durch verderbliche Hagelschläge vernichtet und wurden besonders die Nachbarbczirke der k. k. Hofgestütsfiliale Pröstrancgg im darauffolgenden Jahre einer Hungersnoth ausgesetzt, wobei jedoch die Hilfe von Allerhöchster Seite in ausgiebigster Weise erfolgte. Der Oberst-stallmeister Graf Grünne erschien persönlich an Ort und Stelle, und auf Grund seines Berichtes erwirkte er bei den Mitgliedern des Allerhöchsten Kaiserhauses die großmüthige Spende von 25.000 Gulden. Nach Einvernehmung des Landesprasidinms wurden für die Nachbarbezirke Adelsberg. Senvschetsch und Laas, wo der Nothstand auf das höchste gestiegen war, Saatfrüchte, Kukuruz und Kartoffel angekauft, vertheilt und die Gemeinden auch sonst wcrkthätigst unterstützt; in Prvstranegg selbst wurden Lebensmittel an die Ärmsten vertheilt und so der Noth ans das möglichste gesteuert.') Neben den Kriegsereignissen des Jahres 1866, welche infolge der Vcrwiindctcntransportc aus Italien mich Hierlands wieder die öffentliche Wohlthätigkeit in glänzendem Lichte erscheinen ließen, waren cs zwei humanitäre Fragen, die in diesen Tagen an die kompetenten Körperschaften herantraten, einmal die Waiscnhansfragc, welche an die krainischc Landschaft, dann die Frage der Errichtung einer Cvrpo-rationsstiftung, die an den 1861 gegründeten Verein der Ärzte für Krain herankam. Mit großer Gründlichkeit ward die Errichtung eines Waisenhauses von Seite des unentwegt für das Volkswohl wirkenden krainischc» Landcsausschusscs erörtert, und liegt diesbezüglich ein ausführlicher „Erster Bericht wegen Errichtung eines Waisenhauses" vor,-) wenngleich die Aktivierung dieses so eminent humanitäre» Institutes erst später erfolgen konnte. Der seit der Gründung des Vereines der Ärzte für Krain für dieses Institut wie im allgemeinen für die StandcSintcrcsscn uner- ') Das k. r. Hofgesiilt Lipp'za (1580 bis 1880). Verfasst von Hofrath I. Aner, als Mamifcript gedruckt herausgegeben vom k. k. Obcrststallmeistcramte. Wien 1880. S. 50. 2J Laibach 186(1. St. k. Studieubibliothck in Laibach. müdlichc Vereinssecretär und spätere Obmann, der k. k. Regicrungs-rutl), Professor und Director sämmtlicher Wohlthätigkeitsanstaltcn Dr. Alois Edler von Valenta-Marchthurn, rief auf Grund einer von dem um das Heil der leidenden Menschheit hochverdienten Hofrath Dr. Freiherrn von Löschner anlässlich dessen Erwählung zum Ehrcninitgliede dem Vereine gemachten Widmung am 24. März 1866 die Bildung einer Unterstützungscasse für Witwen und Waisen von Vereinsmitgliedcrn ins Leben, welche dann als Löschner-Stiftung activiert wurde und, heute bereits über ansehnliche Mittel verfügend — Gesammtvermögcnsstand 8450 fl. — gar manchen der Witwen und Waisen nach Berufsgenossen wohlthucndsten Beistand gewährte. Auch dieser Stiftung hat gleich am Beginne und seit 1877 nnnntcr-brochen die mächtige Förderin alles Guten und Edlen, die krainischc Sparkasse, durch namhafte Spenden ihre hilfreiche Hand geboten.') Die von der Gewerkschaft der Freiherr von Zvis'schen Berg-und Hüttenwerke in Obcrkrain organisierte Brndcrlade gicng nach Verkauf der genannten Werke (in den Siebzigerjahrcn) an die krainischc Jndustriegcsellschaft (Director Karl Lnckmann, Landtagsabgevrdnctcr) über. Gcwcrkschaftübrildcrladcn bestehen außer in Aßling auch in St. Anna bei Ncnmarktl, in Littai, Sagvr, Gottschce und Britof bei Divacca. In den letzten Jahren hat die Administration^) der Erasmus Graf Lichtcnberg'schcn Adjutcnstiftung vom Jahre 1839 für Adelige im Justiz- und politischen Verwaltungsdienste ans den inzwischen aufgelaufenen Ersparnissen die ursprünglich festgesetzten fünf Stellen mit zwei vermehrt. Für mittellose adelige Damen besteht außer krainischc» landschaftlichen Fräuleinstiftungen aus dem Vermögen der aufgehobene» Franenklöstcr in Ärain noch die Frei in von Salvch'sche Stiftung mit Betheilung auf die Hand. Am 4. November deS Jahres 1895 waren 75 Jahre verflossen, seit der Verein der krainischc» Sparkasse — wie wir schon oben zu erwähnen Gelegenheit hatten — als der Zweitälteste der gleichartigen Festschrift dcS Vereines der Ärzte in Ärain anlässlich seines 25jä()ri(ten Bestandes. Herausgegeben von der VrreinSleitiing (verfasst von Negierungsrath Dr. v. Balenta). Laibach 188«. S. 50 ff. 2) Gegenwärtig führen die Administration dieser Stiftung August Freiherr von Rcchbach, k und k. Major a. D., und Alson« Graf A»crSpcrg, f. und k. Frcgattencapitän a. D. Vereine Österreichs seine Wirksamkeit in Krain begonnen hatte, die im Laufe der Zeiten eine für das Wohl des Landes so fruchtbringende geworden. Aus Anlass dieses Gedenktages veröffentlichte die Vereins-leitung — Präsident Josef Luckmann, Banquier, Amtsdirector Dr. Josef Suppan — eine „Denkschrift", welche kraft der aus ihr sprechenden Zahlen nicht allein eine Geschichte „der Wirksamkeit der kroatischen Sparkasse", sondern zugleich eine Geschichte der fortschreitenden. durch die kroatische Sparcasse auf das nachhaltigste geförderten kulturellen und speciell Humanitären Entwicklung im Lande Krain während des dritten Vierteljahrhnnderts ihres Bestandes (1870 bis 1895) darstellt. An der Hand jener Denkschrift und zurückgreifend auf die Jahre von 1870 bis hinauf in das Jahr 1848, in welchem die Spenden dieses Sparinstitutes für humanitäre Zwecke beginnen konnte», liefe sich eine tabellarische Übersicht aller Posten zusammenstellen, welche die kroatische Sparcasse aus ihrem Reservefonds als Spenden für Zwecke der Wohlthätigkeit allein (von 1848 bis an den Schluss des Jahres 1896) auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt hat. Die anschaulicher als jedes Wvrtgefngc diese patriotischen Leistungen versinnlichende Tabelle ntöge denn als Geschichtsmateriale vorliegenden Zeilen eingefügt erscheinen. (Siehe nebenstehende Tabelle.) In welcher Weise diese Summen auf die einzelnen im Lande und in der Hauptstadt bestehenden humanitären Institute, Corporationen, Vereine, ans Schulen und Bildnngsstälten und anlässlich der entschlichen Erdbebenkatastrophe des Jahres 1895, wo die Anstalt unter den Hauptwohlthätcrn in erster Reihe erscheint, sieh vertheilen, dies im Detail anzugeben würde weit über den Rahmen unserer Aufgabe hinausreichcn, mich findet es sich für den Zweck einer umfassenden (Me)chichtc der Humanität in Krain in der erwähnten „Denkschrift" der Sparcasse genau verzeichnet. Nur ein Moment glauben wir hier ausführlicher hervorheben zu sollen, nämlich die Herstellung billiger und gesunder Arbeiterwohnnngen, weil damit zugleich ei» ebenso praktischer als hochwichtiger Schritt zur Lösung der socialen Frage gemacht erscheint. Zur Erinnerung an die beglückende Anwesenheit Sr. Majestät im Lande Krain im Jahre 1883 wurde in der Generalversammlung der kroatischen Sparcasse vom 29. Mai 1884 bc schlossen, zu diesem Zwecke einen Beitrag von 50.000 Gulden zu widmen. Zur Durchführung dieses Beschlusses wurde die Bildung rhvL ! £ 1==-1851.5 E Es 5 H2|| = (8 'S (S) 5 :Ö Es® |=- «ä ^ E s Qgs-I sb&§>! w.5 S ”® 0£t D M M ~ II =3 5- i 1848 500 1850 1000 — _ 1851 4050 — 1853 — — 500 1854 625 648 1855 — 2700 1856 — 700 1857 500 10.025 1858 — 200 1000 1859 1800 1200 200 1860 0187 1000 1861 200 400 1802 300 700 200 1863 10.127 2397 1804 550 2000 1805 5520 1500 1860 7082 1800 2650 1807 3850 2446 150 1868 2100 2200 350 1809 800 4700 150 1870 4400 7100 150 1871 1200 4525 150 1872 5400 6375 1650 1873 4700 5500 1350 1874 5905 5400 150 1875 1000 5750 150 1876 2900 6900 250 1877 1150 0630 150 1878 1550 7000 950 1879 950 * 7150 1000 1880 3600 9790 100 1881 1850 12.107 100 1882 6240 10.180 8100 1883 18.882 12.950 400 1884 08.243 9450 310 1885 41.018 26.500 240 1886 29.238 24.236 050 1887 12 900 27.218 200 1888 9720 48.594 750 1889 7790 35.007 350 1890 53.302 45.174 1040 1891 6320 23.089 910 1892 11.505 22.821 905 1893 74.313 24.544 1135 1894 40.034 29.034 2055 1895 31.008 38.870 2740 1896 34.575 25.071 2433 Weitere Widmungen ii lt d Spenden Still 4- November 1870: aus Anlass des 60jährigen Sparcasse-JubiläuinS luiirbc mit einem Kostenaufwand- von fl. 480.000 das k. f. Obcrrealschulgebäude in Laibach (vollendet 1874) erbaut und dem Lande und der Stadtgemeinde Laibach zur unentgeltlichen Benützung übergeben. Am 4. November 1895 ans Anlass des 75jährigen Sparcasse-Jnbilänmö: zur bleibenden Erinnerung an das bevorstehende 50jährige RegicriingS-Jnbilänm Sr. Mai. unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef I. wurde ein Betrag von fl. 500.000 behufs Gründung und Erhaltung einer Anstalt zur unentgeltlichen Unterbringung von unheilbaren mittellosen Kranken ans Krain gewidmet. Dann zu gleichem Zwecke: zur Vermehrung der bereits bestehenden Stipendien für Schüler an der hiesigen k. k. Oberrealschi,le ein weiteres Stiftm-gscapital von fl. 6250. Zur Crelernng von drei Freiplähcn mit Wohnung und Kost beim Asylvcreine der Wiener Universität für dürftige Studierende aus Krain ein Kapital von fl. 15.000. Zur Erhaltung einer Knaben-Bolks-schnle mit deutscher Unterrichtssprache in Laibach und zur Deckung der Pensions-ltiib Versorgnngsansprüchc der an selber wirkenden Lehrer und ihrer Familienangehörigen fl. 175.000 Weiters wurden anlässlich des Spar-casse-Inbilänms für verschiedene gemeinnützige hnmanitäreundwohllhätigeZwecke fl. 178.200, zur Erleichterung der Regulierung. Assanierung und des Wiederaufbaues der Stadt Laibach gewidmet. eines eigenen Vereines unter Vorzeichnung der Hauptgrundsätze der zu verfassenden Statuten angeregt. Diese bestimmten, dass alle Neinerträgnisse der vom Vereine zu et bauenden Arbeiterhäuser immer nur zur Erbauung weiterer Arbeiterhäuser verwendet werden dürfen, dass jene Arbeiter, welche darin durch 15 Jahre eine Wohnung innehatten, dieselbe dann lebenslänglich unentgeltlich benützen können, dass dieses Wohnungsrecht auch aus ihre etwa hinterlassene Witwe übergehe, und dass jenen, welche die Wohnung früher verlassen, sic aber durch mindestens drei Jahre innehatten, der in den Statuten bezeichnete Theil der bezahlten Miete rückvergütet werde. Der so gebildete Verein kaufte einen zur Herstellung einer bedeutenden Anzahl von Arbeiterhäusern gelingenden und auch in hygienischer Hinsicht sehr geeigneten Baugrund entlang der Wiener Neichsstraßc und erbaute ans demselben zunächst vier Arbeiterhäuser, wodurch der Beitrag der krainischen Sparcassc per 50.000 Gulde» erschöpft erschien; der Verein konnte aber aus den Zinserträgen bereits im Jahre 1894 ein fünftes Haus herstellen. In den zweckmäßig angelegten und allen an gute und gesunde Arbeiterhäuser zu stellenden Anforderungen entsprechenden Häusern wohnten im Jahre 1895 vierzig Arbeiterfamilien mit UOl Personen. Es ist leicht erkennbar, dass im Laufe der Zeit diese Institution eine für die Stadt sehr hohe Bedeutung erlangen dürfte?) Die Stadtgemcinde hat dem im IV. Bezirke liegenden Straßenzuge der heute bereits sieben Nummern zählenden Vcreinshäuscr den Namen „Sparcasscstraßc" gegeben. In dem erhebendsten Augenblicke, den die krainischc Sparcassc seit der Zeit ihres Bestandes zu erleben so glücklich war, am 14. Juli 1883, als anlässlich der 600jährigen Jubelfeier der Vereinigung Krains mit Österreich Se. f. und k. Apvst. Majestät unser allgeliebter Kaiser und König Franz Joses I. die Räume derselben mit dem Allerhöchsten Besuche auszeichnete, geruhte Sc. Majestät Allerhöchstseinc» Namen in das Gedcnkbuch einzutragen und hierbei den Wunsch auszujprcche», „es möge der krainischc Sparcasscvcrein noch viele Jahre seine segensreiche Wirksamkeit in gleicher Weise wie bisher fortsetzen". In welcher Weise die krainischc Sparcassc diesem Wunsche im Laufe der folgenden Jahre nachzukommen strebte, konnte der freundliche Leser der vorstehende» Ausführung entnehmen. ') Denkschrift über die Wirksamkeit der krainischen Sparcassc 1870 bis 1895. Laibach 1895. 105 S., S. 40 f. Kehren wir nach der zusammenfassenden Darstellung des humanitäre» Wirkens der krainischen Spareasse in die chronologische Reihenfolge der auf diesem Gebiete im Lande erfolgten Gründungen, Stiftungen und Leistungen zurück. Während schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Errichtung einer Feuerschadcn-Assecuranzgescllschaft in Krain ans den Kreisen der Ackerbaugesellschaft (1776) angeregt worden,') 179'J deren Activicrnng erfolgt?) und Fencrordnungen (in den Jahre» 1679, 1773 und 1779) erschienen waren,») blieb die Schaffung von Feuerwehren wie anderwärts so mich Hierlands unseren Tagen vorbehalte». In der Landeshauptstadt Laibach constituiertc sich die freiwillige Feuerwehr im Jahre 1870, die im 25. Jahre ihres so überaus wohlthätigen Bestandes sich bei der Erdbebenkatastrophe in hervorragendster Weise ausgezeichnet hat und heute die Genugthuung empfindet, dass neben ihr von dem flachen Lande in Krain bereits 66 freiwillige Feuerwehren dem Feuerwchrverbaiide angehöre». Seit Februar 1897 gibt der Ausschuss des krainischen Fcuerwehrverbandes — Obmann Feuerwehrcommandant Franz Dobcrlet — ein eigenes publi- zistisches Organ in deutscher und jlvvenischcr Sprache heraus unter dem Titel „Gasilec” und mit dem schönen Motto: „Gott zur Ehr', dem Nächste» zur Wehr" (Bogn ua cast, bliznjenm na pomoö). Das Bedürfnis, andere» Städten gleich für die Armen eine billige Speiseanstalt zu schaffen, führte auch in Laibach zur Errichtung einer Volksküche (1877). Begründet infolge Aufrufes des StadtcassierS Hcnthaler durch die allgcmei e Wohlthätigkeit der Bewohner, wird sie in erster Linie gefördert durch. die kräftige, unausgesetzte Hilfe mitwirkender Damen, die abwechselnd täglich nach festgesetztem Turnus die Bespcisung leiten. Das Institut der Volksküche erweiterte sich im Laufe der Zeit zu einer Studenten- und Volksküche, welcher durch eine Reihe von Jahren die jüngst erst verstorbene Frau Therese Hübschmann, k. und k. Hauptmannsgemahlin, als unermüdlich schaffende Küchenvorstehcrin unvergesslichen Angedenkens präsidierte. Die Studenten- und Volksküche, welche seit 1877 Tausenden und Tausenden von mittellosen Studenten und Stadtarmen in gc- ') Patriotische (gebauten über die Art und Weise einer schon langst ei- ivnnschten Feiierschadeuassekiiranz-Gcsellschaft im Erzherzoglhninc Krain zu errichten. Labbach (Egcr) 1776. ’) $fluii, Archiv I., S. 78. 3) 91 ii t o ii von (Sj l o b o u ii i ( 1. c., S. 71. trennten Localen des ihr von Seite der (römischen Sparcasse stets liberalst überlassenen alten Schießstättegebäudes gute, nahrhafte und billige, ja in vielen Fällen unentgeltliche Kost liefert, sie hat, namentlich durch die ansehnlichen Spenden der frainischeit Spareasse dazu in Stand gesetzt, in den der Erdbebenkatastrophe gefolgten Wochen und Monaten in der Speisung der Hilfesuchenden geradezu Großartiges geleistet;1) sie hat sich würdig in die Reihe der Hilssaetionen durch kostenfreie oder billigst berechnete Ausspeisungeu gestellt, welche Frau Olga Baronin Hein, geb. Gräfin Apraxiu, Gemahlin des k. k. Landespräsidenten für Krain, Victor Baron Hein, einleitete und durchführte, und die der genannten hohen Dame das dankreichste Angedenken in den Herzen der Bewohner Laibachs für alle Zeiten sicherten. Durch die Reichsverfassüng vom 4. März 1849 waren alle Wohlthätigkeitsanstalten als Landesanstalten erklärt worden; infolge dessen war auch das Laibacher k. k. Civilspital in das Eigenthum der frainischeit Landschaft übergegangen, welche dann im Jahre 1871 eine Reorganisation desselben vornahm. Mit der Vollendung eines eigenen Neubaues für eine Irrenanstalt in Stndenz (bei Laibach, 1881) war jene Reihe von Nenschopsuiigen auf dem Gebiete des Landeswohlthätigkeitswesens zum glücklichen Abschlüsse gebracht, die über Anregung und unter Leitung des gegenwärtigen Direktors der gesammtcnLandeswohlthätigkeitsanstalten,des Regierung^-rothes Pros. Dr. Alois von Valcnta-Marchthurn, im Lause der letzten Decennien im Geiste der modernen Wissenschaft durch die frainifchc Landschaft ins Leben gerufen worden sind und die hiesigen dein Heile der armen kranken Menschheit gewidmeten Institute auf jene Höhe der humanitären Einrichtungen gebracht haben, auf der sie entsprechend der materiellen Leistungsfähigkeit des Landes dem Fortschritte in sanitätspolitischer Hinsicht möglichst gerecht zu werden versuchen.2) Da ober bereits vor der Erdbebenkatastrophe sich das bisher zum Civilspital adaptierte alte Aitgustinerflostcr als nicht mehr zweckentsprechend erwiesen, so war schon 1893 mit dem Baue eines neuen landschaftlichen Civilspitales begonnen worden, das baun noch im Herbste 1895 — ans dem nach dem Erdbeben auf den Gartengründen des alten Spitals improvisiert gewesenen „ Baracken-spitale" her — bezogen werden konnte. Das neue Landcsspital, ') Vgl.»ieine Geschichte der Lüdncher Volksküche. Laibach 1887 und 1897 2) Vgl. meine Geschichte des landschaftlichen Civilspitales, S. 80 f. wie cs jetzt im Vororte llbmat vor uns steht, ist in hervorragend gesunder Lage situiert, auf einer Grundarea von circa 12 Joch ans Kosten der krainischcn Landschaft sowie mit Beiträgen der Stadt Laibach und der krainischcn Sparcassc erbaut. Es ist im modernen Pavillousyslem hergestellt und umfasst 15 Objecte, darunter die Pavillons: 1. für die medicinische Abtheilung (Primarius Dr. Karl Ritter von Blciwcis-Trsteniski) mit dem Anbau iür Beobachtung von Geisteskrankheiten. 2. für die chirurgische Abtheilung (Primarius Dr. Schleimer), 3. für Geburtshilfe und Gynäkologie (Primarius der aus Hofrath Dr. Chrobaks Schule hervorgcgangene Professor Dr. Alfred Valenta Edler von Marchthurn an Stelle seines vor kurzem in den Ruhestand getretenen Vaters Directors Dr. Alois Edlen von Valenta-Marchthurn), 4. für die oculistischc Abtheilung (Primarius Dr. Emil Bock), 5: für die dermatologische Abtheilung (Primarius Dr. Gregor i c), daun eigene Pavillons für die Administration, für Jnfcetionö-krankheiten, für Sieche, Secier- und Leichenhalle, Koch- und Waschküchen, Kesselhaus (für eigene elektrische Beleuchtung) u. s. w. Dazwischen befinden sich separierte Gartcnräume und offene, die Verbindung zwischen de» einzelnen Pavillons vermittelnde, mit Alleen und Baumpartien versehene Parkanlagen. An die Waschküchen anschliessend befinden sich die Wohnungen für die den Krankendienst und die Verpflegung versehenden barmherzigen Schwestern, angrenzend daran eine schon stilisierte Anstaltskapelle und neben dem Administrationsgcbäude ein eigenes Haus für die Beamtenwohuungen. Dieses neue Landesspital geruhte Se. Majestät am 7. Mai 1895 kurz vor der Abfahrt zu besichtige», nachdem Sc. Majestät das „Barackenspital" als erstes Object unmittelbar nach der Ankunft in Augenschein genommen hatte, in beiden in der anerkennendsten Weise das Allerhöchste Wohlgefallen ausdrückend. Die öffentliche Armenpflege lag im Mittelalter ganz in den Händen der Kirche Das Patent Kaiser Ferdinands I. vom 15. Oe-tobcr 1552 machte den ersten Versuch, für dieselbe die private und municipale Mitwirkung heranzuziehen. Durch dieses Patent wurden die Städte und Communen verpflichtet, ihre Armen zu erhalten und fremde arbeitsfähige Bettler zu bestraft». Die Armenpflege, die daun auch bei uns in Ära in durch die Einführung der Pfarrarmcniustitutc (1784) eine festere Organisation gefunden hatte, welche sich im großen und ganzen bis zur Aktivierung des Gemciudegesctzcs vom Jahre 1849 als zweckmäßig bewährte, gicng gerade hundert Jahre nach Einführung der Pfarrarmeninstitute in die Hände der Gemeinden über. Der krai»lisch e Landtag schuf im Jahre 1882 das Gesetz, betreffend die Auf-hebnng der Pfarrarmeninstitute und die Übergabe ihres Vermögens in die Verwaltung der Gemeinden und zugleich, oder besser gesagt in erster Linie, das Gesetz, betreffend die öffentliche Armenpflege der Gemeinden. Als Berichterstatter des Landesausfchnsses für die beiden Gesetzentwürfe fungierte der auch heute dem Landesansschnsse ungehörige Abgeordnete Dr. Adolf Schaffer, dessen umfangreicher Mo-tiveubericht zu dem letztgenannten Gesetze sich durch stützende Gründlichkeit in Auffindung und Darlegung des zur Grundlage der Ausführungen dienenden kolossalen Materiales sowie durch geistvolle, von den höchsten ethischen Principien getragene und dabei objectiv billige Verwertung desselben auszeichnet und in den Annalen der Landtags-Verhandlungen von bleibender Bedeutung erscheint. Über den Stand der ArmenVersorgnng in Krain zur Zeit, als diese Gesetze in Berathung und Beschlussfassung kamen, gibt uns eben der citierte Bericht Dr. Schaffers ein anschauliches, alle Verhältnisse einbeziehendes Bild. Wir wollen dasselbe zugleich als authentische Vervollständigung unserer geschichtlichen Reminiscenzen hier einfügen. Besonders organisiert und über eigene bedeutende Mittel verfügend stellte sich demnach das Armenwescn in der Landeshauptstadt Laibach dar, dessen Verwaltung zur Zeit durch die Instruction für die Armcninstitulscommission vom 7. März 1866 geregelt erschien. Das in der Verwaltung der Stadt befindliche Armenvermögen — fährt der Bericht fort — beträgt derzeit, abgesehen von zahlreichen Stiftungen, circa 217.000 Gulden; die Interessen dieses Capitales bilden nebst freiwillige» Beiträgen (Sparcasse 2700 Gulden und Private) die Hanptcinnahmsqnelle» des Armenfonds; verausgabt wird der größte Theil deS Ertrages (1880: circa 12.400 Gulden) in Form von Armciipfründcn (täglich 5 kr. bis 13 kr.) an monatlich durchschnittlich 340 Arme; Von der Stadtcasse wird jedoch alljährlich zur Deckung des schlicßlichen Abganges in den Kosten der Armenpflege ein namhafter Zuschuss geleistet. Die Stadt verfügt weiters über ein Armenhaus, in dem ungefähr 100 Pfründner Wohnung und im Krankheitsfälle auch Verpflegung genießen, nebstdcm über einige zu Armen -zwecken ihr legierte Häuser, in denen ebenfalls Arme unentgeltliche Unterkunft finden. Unter den in der ArmenVersorgnng der Stadt stehende» Personen gehöre» fast siebe» Zehntel dem weiblichen Geschlechte an. Außer dem für Armenzwecke im allgemeine» gewidmeten Vermögen und den Armenstiftungen ist in der Stadt Laibach noch ein besonderes Bürgervermögen vorhanden, das nur zur Unterstützung verarmter Bürger bestimmt ist; dies ivird in Form von Bürger« Pfründen mit täglich 20 kr., beziehungsweise 30 kr. vertheilt, wofür z. B. im Jahre 1880 ein Betrag von rund 0840 Gulden verausgabt wurde. Die Überwachung des Bürgervcrmögens, das aus dem sogenannten Bürgerspitalsgebäudc (Ecke der Spitalsgassc und Schnlallcc),') daun — nebst einzelnen besonderen Bürgcrstiftungen — aus sonstigem Vermögen, dermal im runden Betrage von 50.000 Gulden, besteht, wird von einem Comite von sechs Mitgliedern geübt, die der Gemeinderath aus den immatrikulierten Bürgern wählt; die Verleihung der Bürgerpsründcn erfolgt über Vorschlag des Comitös durch die Armen« institutscommission; die Cassegcbaruug führt die Stadteassc. Im Bezirke Adclsbcrg befinden sich neben den Psarrarmen-instituten sieben besondere Armenstiftungen und zwar in der Gemeinde Adelsberg eine Kalister'schc von 20.000 Gulden, ferner zusammen für die Gemeinden, beziehungsweise Fractioncn Slaviua, St. Peter und Dorn ebenfalls eine Kalister'schc Stiftung per 40.000 Gulden, für die letztgenannte Fraction überdies die Rnpnik'sche Stiftung von 10.000 Gulden; endlich gibt es in den Gemeinden Hrcno-wiz, Dornegg und Prem noch einige kleinere Stiftungen von 100 bis 550 Gulden. An Anstalten besteht im Markte Adelsberg ein Gemeindespital mit 12 Betten, das zur Aufnahme plötzlich erkrankter Einheimischer und Fremder dient; auch werden aus dem Spitalsfonds erwerbsunfähige Arme monatlich unterstützt. Im Bezirke Gotischer befindet sich in Gnadendorf bei Gottschee ein sogenanntes Bezirksspital mit 12 Betten Nebst den vorhandenen Psarrarmeninstituten besteht in der Stadt Gottschcc ein von der Gemeindevertretung verwaltetes, für die ganze Pfarre bestimmtes Armeninstitut mit jährlich verfügbaren Zinsen von 452 Gulden. Im Bezirke Gurkfcld bestehen außer den Psarrarmeninstituten an Armcnzwecken gewidmeten Anstalten oder Stiftungen nur die Gras Anton Auersperg'sche Spitalspsrttndcn - Versorgungsanstalt in Gurkfcld. ') Nach dem Erdbeben non 1895 demoliert und als Monumentalbau mit einem Auswande von 400.000 Gulden neu erbaut — eine der vorzüglichsten Zierden des neuen Laibach. Im Bezirke Krainburg bestehen Armenhäuser in Krainbnrg, Lack und Neumarktl. In Krainbnrg haben im Armenhause, das theilweise auch als Spital benützt wird, acht Personen Wohnung, und verfügt die Anstalt über ein Vermögen von 1400 Gulden; daneben besteht in Krainbnrg ein Pfriindncrfonds von circa 10.700 Gulden, wovon der-zeit 34 Pfründner mit Unterstützungen von 1 fl. 50 kr. und 1 fl. bcthcilt werde». Im Lacker Armenhause haben 10 Arme die Wohnung; nebstbei existiert ein städtischer Armenfonds mit dem Nominalvermögen von 1900 Gulden. Im Neumarktler Armenhausc erhalten die OrtS-armen gleichfalls nur die Wohnung; ein besonderer Fonds neben dem Pfarrarmeninstitnte existiert hier nicht. Über den Bezirk Umgebung Laibach liegen vorläufig keine näheren Angaben vor, doch dürften besondere Anstalten oder Fonds zu Armen zwecken außer den Psarrarmeninstituten kaum bestehen. Dasselbe gilt vom BezirkeLittai, wobei jedoch zu erwähnen wäre, dass in Sagvr ein privates Werksbrnderladespital mit 12 Betten existiert. Im Bezirke Loitsch finden sich Armenstiftnngen in Jdria, Unter« idria, Godoviö und Zirkniz, über deren Capitalsbeträgc aber keine Angaben vorliegen; außerdem wären ein Gemeindenothspital mit einigen Betten und ein Wcrkspital mit 14 Bette», beide in Jdria, hervorzuheben. Im Bezirke Radmannsdors bestehen kleine Armenhäuser in Kropp und Radmannsdorf, Gemeindcarmenstiftungcn nur in Steinbüchel und zwar die Wilhelm Thvmann'sche mit 5000 Gulden und die Dr. Lvvrv Toman'schc mit 8000 Gulden Capital. Im Bezirke Rudolfswerth ist in der Stadt Rudolfswerth ein städtisches Nothspital mit 7 Betten, sonst außer den Psarrarmeninstituten aber keine specielle Armenstiftung vorhanden. Im Bezirke Stein bestehen das Siechcnhaus der Glavar'scheu Stiftung in Commenda mit einem Belegranm für 40 Sieche und das Pfründnerhans in Stein für 37 Pfründner; überdies bestehen neben den Psarrarmeninstituten besondere, jedoch ebenfalls sämmtlich in geistlicher Verwaltung befindliche Armenfonds in den Gemeinden Egg, Kraxen, Rau und St. Martin, wovon namentlich letzterer mit einem Zinsenertrag von circa 760 Gulden hervorzuheben ist. Im Bezirke Tschcrncmbl sind außer dem Pfarrarmeninstitnte keine besondere» Stiftungen oder Fonds für Armenzwccke und auch keine ähnlichen Anstalten z» verzeichnen. Als Anstalten, die mit der Armenpflege in Verbindung stehen, und au denen mehr oder weniger alle Theile des Landes participieren, müssen noch — abgesehen vom allgemeinen öffentlichen Krankenhause in Laibach (sammt einer Filiale 341 Betten) und der Irren-anstalt in Laibach (sammt der Filiale in Stndenz 150 Betten) — das Elisabeth-Kinderspital mit 20 Bette», das Siechenhaus zum heil. Joses mit 80 Betten, ferner das ßichtcnthnrn'sche Mädchenwaisen-hans und das provisorische Knabenwaisenhans, endlich das Waisenhaus des Vilteentinsvereines, sämmtlich in Laibach, genannt werde». Ans zahlreichen statistischen Daten, die sich auf das Armenwesen beziehen, hebt der Berichterstatter die Zahl von 1744 bresthaften Individuen hervor, darunter 725 Irre, 243 Cretins, 418 Taubstumme und 358 Blinde. Nach den in dem Motivenberichte zum Gesetzentwürfe, betreffend die Aufhebung der Pfarrarmeninstitnle, angeführten Daten belief sich das Stamiiivermögen von 143 Psarrarmeninstituten in sieben politi scheu Bezirken Krainü (von vier Bezirke» lagen feine Daten vor) auf rund 323.020 Gulden, einschließlich der mit den Daten noch ausständigen vier Bezirke auf mindestens 400.000 Gülden. Im Anschlüsse au diese Auszählung der Hnmanitätsaiistalten in Kraiu im Jahre 1882 möge hier gleich ans dem Berichte des k. k. Landesregierungsrathes und Sanitätsreferenten für Kraiu, Dr. Franz Zu pan ec, angeführt sein, was in beit letzten Deceiinie» im Lande Kraiu an wichtigeren Wohlfahrtseinrichtungeu, beziehungsweise an Heil- und Hnmanitätsaiistalten neu geschaffen wurde. Hierher sind zu rechnen in der Landeshauptstadt Laibach der Neubau (1887) des Kaiserin Elisabeth-Kinderspitales (circa 50.000 Gulden Baukosten), der Neubau des im große» Stile durchgeführten städtische» Epidemiespitales, mit welchem auch eine Desinfectionsaiistalt verbunden ist (erbaut 1887 mit einem Kostenanswande von rund 50.000 Gulden), dann der schon erwähnte Neubau des allgemeinen Öffentlichen Landesspitales (mit einem Kostenaufwande von circa 750.000 Gülden), außerdem die Vergrößerung der Landesirrenanstalt durch Zubau zweier Fliigelgebände. Im übrigen Lande wurde in der Stadt Nndolssiverth (Eandia) unter Beihilfe der krainischen Landschaft und namentlich auch der krainischen Sparcasse ein Spital der barmherzigen Bruder errichtet; das Spitalsgebäude ist (mit einem Kostenaufwande von 150.000 Gulden) bereits nahezu fertiggestellt und wird demnächst bezogen werden könne». In Gurkfeld hat der um diese Stadt sowie um sein Vaterland Kram überhaupt hochverdiente, unvergessliche Mäce». der große Wohlthäter der Armen und eminente Schulfreund Martin Hotschevar, Reichsraths- und Landtagsabgeordnetcr, mit einem Auswande von 30.000 Gulden ein Spital für arme sieche Bürger errichtet in dem historisch denkwürdigen Hanse, in welchem der berühmte krainische Historiograph Freiherr von Valvasor die letzten Tage seines Lebens zubrachte. Die ihrem edelgesinnten Gatten in Übung der christlichen Nächstenliebe stets würdig zur Seite stehende große Wohlthäterin Gnrkfelds nicht allein, sondern weit über dessen Grenzen hinaus für das ganze Land, Frau Jvsefinc Hotschevar, welche von Sr. Majestät in Anbetracht ihres eminent patriotischen Wirkens mit dem goldenen Verdienstkrcuzc mit der Krone ausgezeichnet wurde, hat der Stadt Gurkfeld neuerdings ein munificentes Geschenk zu humanitärem Zwecke gemacht, indem die hochherzige Dame 30.000 Gulden unter der Bedingung widmete, dass die Gemeinde anlässlich des 50jührigcn Regierungsjnbilänms des allgeliebten Monarchen ein öffentliches Spital erbaue. In die jüngste Zeit, in die letzten zwei Decennien, fällt aber mich die Errichtung der in Laibach bestehenden Waisenhäuser und Siechcnanstalten. Von den ersteren wären besonders das Collegium „Marianum" (circa 200.000 Gulden Baukosten), dann das Dienst-botenasyl „Josefinum", um dessen mächtige Förderung sich Fra» Olga Baronin Hein unvergängliche Verdienste erworben und dem die hohe Dame durch Veranstaltung von brillanten Wohlthätig-keitsvorstellungen durch Dilettanten im landschaftlichen Theater ansehnliche Summen zugeführt1), und das Freiin von Lichtcnthurn-schc Institut, ein Mädchenwaisenhaus, zu erwähnen, bei dem 1896 ein großer Zuban erfolgte, von den Siechcnanstalten das umfangreiche Siechenhaus der barmherzigen Schwestern für circa 250 Sieche. Außerdem hat die krainische Sparcassc, wie schon erwähnt, den Betrag von 500.060 Gulden für ein großes Siccheiihans in Laibach votiert, und wird der Ban desselben (für circa 200 Sieche) demnächst in Angriff genommen werben. In der Stadt Gvttschec wurde im Jahre 1896 ein Waisenhaus mit einem Auswande von 60.000 Gulden erbaut. Mit dem Baue eines 9 Fra» Josesine Hotschevar hat auch diesem Institute wicdeiholt tu die Tausende gespendet, so jüngst erst wieder anlässlich des Allerhöchsten Re-gierniigSjubilänm» die Summe von 20.000 Gulden. Blinde» und Taubstummeninstitutcs für Krain, für welchen Zweck die erforderlichen Mittel bereits vollauf vorhanden sind, dürfte in kürzester Zeit begonnen werden. Im Jahre 1893 hat sich unter dem Vorsitze des k. k. LandcS-rcgiernngsrathes Josef Merk ein Verein gebildet zur Gründung eines Rettung-- und Erzichnngsinstitutcs in Laibach, um die verwahrloste männliche Jugend ans religiös-sittlicher Grundlage zu erziehen. Zur Beschaffung der Mittel wurde unter anderem eine Lotterie veranstaltet; dem eminent humanitären Zwecke ist auch der beste Fortgang im Absätze der Lotterielvse zu wünschen. Außer den in unseren Ausführungen angegebenen bereits votierten und ausgesprochenen humanitären Stiftungen, Gründungen und Widmungen anlässlich des beglückenden Gedächtnistages der selten langen und die patriotischen Herzen aller Völker Österreich-Ungarns gleich hoch erfreuenden 50jährigen Regierung unseres allgclicbten Kaisers und Königs steht noch eilte Reihe derartiger Äußerungen loyaler Humanität im Sinne des gefeierten Monarchen in unserem Lande seitens der allzeit getreuen Bevölkerung bevor, unter anderem durch Initiative dcS Bürgermeisters von Laibach, Iva» Hribar, die Begründung, beziehungsweise Erbauung eines neuen großen Armenhauses in Laibach, eines durch den Bürgermeister von Oberlaibach, Jelvvück, projektierte» Spitales daselbst li. a. m. Die Früchte dieser Stiftungen werden de» armen Bedrängten noch in den fernsten Zeiten künden, wie Krains wohlthätige Bewohner diesen hohen Frcudentag durch Übung der christlichen Nächstenliebe in würdigster Weise begangen haben. Sv wird ein kleiner Theil jener großen Dankesschuld abgetragen gegenüber dem edelsten und besten, dem gütigsten Herrscher, welcher während seiner langen Regierungszeit im Vereine mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin auch Hierlands stets als erster Helfer in der Noth erschiene», so auch, für immer denkwürdig, in den Tagen der schrecklichen Erdbebenkatastrophe, in welchen Sc. Majestät nicht nur als erster in ausgiebigster Weise Hilfe zu spenden geruhte, sondern zugleich die einschneidendsten Hilssactioncn des Staates eröffnete und der Allgemeinheit das leuchtendste Beispiel ward im Wohlthun für die so hart betroffene Bevölkerung von Laibach und ans dem flachen Lande! Wohtthritiglreitsanflalten und humanitäre Vereine in Laibach 1898. * Wc>htthätigkeitsanstc»k1en. N a nt e Vor ft and i 4. ! 5. !), 10. LandcswohlthätigkeilSanstaltcii*): a) Krankenhans b) Irrenanstalt c) Webäranftsllt d) Siechcnanstalt St. it. k, Garnisonsspital Nr. 8 Staiserin Elisabeth-Kinderspital „Leoninum" a) Prieslerspital b) Handelskrankenspital Jsolierspital, stöbt., mit Dainpf-Desinsection Siechcnhan« zum hc>l. Josef Armenhaus, stöbt. Asyle: a) Asyl und Mädcheit-WaisenhauS, Gräfin Lichtenthnrn'fchcS b) Knabeii-Asyl und -WaisriihanS „Mariannm" o) „Josephinum", Asyl für Dienst-inäbcheii Stleinkinberbewahranstalt Sfinbergörtcn: a) in der ttbnngsschnlc der k. k. Lehrer- u. Lehreriiinciibildnngs-austalt b) int Kloster d.Urstilincn-Convcnts c) des Deutschen Schiilvcreines d) in der Kleiitkiiiberbcwahraitstalt Landes-JwangsarbeitShanS. Straiuisäie Landschaft. LandeSanssdiusS Lanbeshauptmann Otto Detcla. Landesansschnssbeisiher: kais. Rath I Murnik, Dr. Adolf Schaffer, Dr. Fr. Povse, Dr. Johann Tavüar. Director sämmtlicher L.-W.-A.: Negic-rnngsrath Professor Dr. Alois Valenta Edler von Marcht.hur». k. it. k. Oberstabsarzt u. Comniandant Dr. Arthur Ritter von Wagner. Siehe Verein des Kaiserin Elisabeth-Spitales. Dir.: Dr. Jul. Schuster. Oberin Leopolds iicHoppe derCon-gregation der Töchter der chrisll. Liebe vom heil. Vineettz von Paul. SicheKaiism.Handels-u.Krankenv, rein. Magistrat der Stadt Laibadi: Bürgermeister Ivan Hribar. l. Mag.-Ralh Leo Vondino. Oberin Leopold!ueHoppe mit 9lr.4.j Magistrat der Stadt Laibach. Oberin Marie Br nun er, Congrcg. der Töchter der chrisll. Liebe vom heil. Linccnz von Vaul. Director: Dr. Franz Lamp«, Pros, der Theologie. Scchnlschwestein vom III. Orden des heil. Franciscns. Siche Verein der Damen der chrisll. Liebe. Siehe Verein snr die Kleinkinderbe-Wahranstalt. Director: Franz Hu bad. Oberin Maria Theresia Heidrick. (Siche diesen.) Strainifche Landschaft. Director: Alois Poljanec. unter den Herrschern aus dem Hanse Habsbnrg. jbumcmitärc 'gier» inc. B orstand Borst 1. tzlllg. 4lrbeiter-Forl-bildungS-, Rechtsschutz- imb Unter | flichungovcrcin ?. ?lrbeiterkranken»er-cin 3. Bäckerversorgungs-uctein 4. ßlirifil. foc. Eisen bahnervcrein 5. ßrcbilvcrcinb.frain. Sparkasse 6. Druütvo za pod-poro ubo/neh m’en cev in udenk ua c. kr. obrtnih stro-kovnih äolah (Für Schüler u. Schülerinnen an de» 1. I gew. Fachschulen) 7. Drustvo za Zgradbo nßlteljskega kon-vleta (Für den Bau eines Schüler -Eon-vicleS) 8. Elisabell) - Kinder-spttalverein 9. Evangel. Frauen j verein 10. Frauenorlsgruppe d.Deutschen Schul Vereines lt. Freiw. Feuerwehr Georg Brozovid. Job. Bonad, Buch-bindermeister. Jos. Bonvar. Bäcker-meister. Jos. Wenig. Matthäus Trenn, Privatier. Jol>.Mnrnik, kais.Rath And. iiumer, 1.1. Bez.-Schulinspector. Jos.Lulkmann,Banquier ü. Präsident der krain. Sparcassc. HanS Jacquemar. ev. Pf rrer. Borflcljerln: Rofina Eder. Theresia Maurer. Stell vertr: RinkaLnckmann. 12. Gewerbl AuShtlsS casscnverein IS.Hilssbeamten Uran. ken- und llnter-stützungsverein 14. Kleinkinderdewahr, anstatt 15. Kmelskn posojil-nlca ljubljanske okoHce (Bor schliss. «ereinf.Landleuted. Umgebg. Laibachs) IC. KrainischeSparcasse 17. Krain. Landesseuer-wehrverband 18. Krain. kehrerverein Franz Doberlet. Stell verlr: Albin Aestschtn, Franz Schanlel, August Drelsc. Schristf.: Karl Rüting. Felix Rolli. Franz Kandare. Flora Rudesch. Jot). Knez jun., Ge-treibehändler. Slellv. Dr. Joses Starü. Präs.: Joses Luikmann Stellv. :Dr. A. Pseiserer. Advocal. AmlSdirector Dr. Joses Suppau. Branddirektor Franz Doberlet. Aböls Weinlich, Oder lehrer. Slellv.: Joses Rejedli, k. k. Pros. i. P 19. Krainisch. Militär-Beteranen Corps 20. Krajcraska driiälvo (Kreuzer-Berein) 21. Kranken - Unterst.-und BeriorgungS verein 22. Krankenunterstütz« Berein f. »leiderni. 23. Krankenunterstütz. -Berein f.Schuhmach 24. Laibacher Beamten-Eonsuinverein 25. Lai bacher Stuben -ten- und Volksküche 26. 1. Lubljansko do-lavsko konsuma ilrnUtvo (I.Laidacher Arbeiter Eonsuin-verein 27. Ljudaka posojil-nica /.vr7.il kranja-kili posojilnic. (Laibacher Borschussverein. Perband d. krain. Vorschuss vereine) 28. Marien - Bruder-schastSvcrein 29. Meistcrkrankencasle f. d. Äenossensch. d. handwerlSmäsiigen Gewerbe SO. Patriot. Frauen -Hilfsverein 31. Patriot Landes-Hilfsverein s. Krain 32. PensionSverein für Witwen ii. Waisen d. BolkSschullehrer in Krain 33. Piaateliakopodpor-lui ilmitvo [Schrift- ftellerunterstlltzungS- vercin 34. Podpomo druStvo za liukovne Lubl. sküfije (Unterstütz. Berein s.d. Priester der Laibacher DiiS ctft) Gcoig Mihalis, k. k. Mag.-Eone. Max Pletcrönik, k. k. Ghniitz-Prof. Stellv.: Jol). Sumc, k. k. Fach schnldircctor. Dr. Fried. KeeSbacher. j t. k. LandeSreg.-Rath t.1 P. Stellv.: Joh. »ovaö, Privatier. Joh. Bajda. Joh. «Iti. Ludwig Marquis von Gozani, l. k. LandeSreg Rath. Stellv.: Matth. 31t ercrR.V.Easacaval china, k. k.Hauplni.i.R. BincenzHübschniann.r.r. Hauptni. i. R Stellv.: August Dreist. Prov. Küchenvorst.: Franclsca Hossniann Joh. Pliberüek. Dr. Ioh.8uäteräiä,Adv. Anton Klein, Buch druekereidcsttzer. Karl Hinterlechner. Cälestine Schisser. Slellv.: Flora Rudesch. Emmer. Mäher, Bangn. Stellv.: I. Mnrnil, kals. Rath,Dr.Fr. Keesbacher Georg Rezek, Lehrer. R. Peruäek, k. k. Pros Stellv.: I. Rutar, k. k. Professor. Dr. And. t'ebaäek, Prälat. Stellv.: And. Aa-mejc, Eano». 35. „Radigoj" dijnäko podporuo driistvo (Sd)itleriinlerftfltz.* verein) 30. Spar-u Vorschuss-conforllumb.l allg. SeamtenoereiiicS d öftere. Monarchie In Saibach 37. Spar-».Vorschuss verein 38. „Siidmark",Zweig verein Vaibad, des Vereines in Graz. 39. Unterst iitzttngSVercin f. entlassene Strüf-linge ans Krain 40. Verein der Damen d. christl. Vicbc d yeil.Bincenzv.Paul ! 41. Verein z. Erbauung e. deutschen Knaben« ; u. Müdchenwaisen- hauses in Gottschee ! 42. Verein zur gegen seitig. Unterstützung bei Todesfällen von Süddahndedieiist. 43. Verein z Gründung etneS ScettungS- u. ErziehungSinstttut Vorstand Jod. Hrtbar, Bürger meifter. Stellv.: Joh. Murnil, Tals. Stall). Vorst.: Varat. Stellv.: Aug Wester, f. f. Prof. Frat z Satt. Dr I. 3. Binder, l. k. Professor. Vorst.: bacat. Stellv.: 3. Pajk, !. k. Oberlau deSgerichtSrath. Olga Baronin Hein. Stellv.: Fanny Pogaöar. Ferd Mayr, Tals Siatl). Stellv.: Dr. Fr Kees, bacher. And. Zainejc, Canonic. Karl Hnbinger, Dfficial i. P. Stellv.: 3. Tejlai, Dfficial. J«s Merl. k. k. SanbeS-rcgienmgSratlj. Stellv.: Joh.Plantan.l.l.Stoiar, Joh. FdtS. Domherrn. Dompsarrer. sJt a in 44. Verein z Herstellung Von Arbeiterwoh-nungen 45. Verein zur Unterstützung dürftiger Hochschüler a.Krain 40. Verein zur Unterstützung dürftiger Schüler der I. k. tzehrerbildnngsanst. 47. Verein zur Unterstützung dürftiger Schülerinnen d. k. k. LehrerbildnngSanst. 48. Verein zur Unterstützung dürftiger Schüler der !. 1. Ober-Realschule 49. „Weihes Kreuz", Zweigverein stai bach der bst. Gesellschaft 50. Wohlthütiglistöberet n bet Buchdrucker in Krain 51. Zldarsko in tesflrs ko izobra levalim in podp->mo drunt-vo iFortbtldnngS-und Unterst tltzungS» verein für Maurer und Zimmerleute) o r st a n d Josef Sudmann, Gross« händl. u.Bang uier,Spar caffcpräf. Stellv.:Anton Ritter von (Sarlbolbl. Alfons Frei!,. Wurz dach. Stellv.: Arthur Mahr. Franz Hubad, 1. r. Director. Franz Hubad, 1. I. Director. Dr. Rudolf Junovwicz, t. k. Director. Stellv.: Franz itremingrr, 1. t Professor. Otto Detela, Sandes-hauptmann. Stellv.: Jot,. Murntk.tais. Statt,. Otto Planine. Mich. Sralar. z. u. t. e>ost>uchdr>iktkrej Tart stronime In CD im Hmsto^h von Rnubev Bischof, Krieger und Staatsmann (1466—1536.) W i t Porträt und Zsncfirnile. Ein Geschichtsbild von V. von Ra dies. Leparatabdruck aus der „Äjterr.-Rng. Revue", XXVII. Rand, Heft 1 und 2. Wien 1900. vertag der „® Ilerr.-Wng. Revue". Lischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. ntcr den Rathgebern der beiden Kaiser Maximilian I. und Ferdinand I. spielte eine der hervorragendsten Rollen der aus Krain gebürtige Herr Christoph von Räuber, der sich in den drei gleich wichtigen Stellungen im Staatswesen, als Kirchenfürst, als Feldherr, als Staatsmann, um Dynastie und Reich hohe Verdienste erwarb, wodurch er zugleich seinem erhabenen Wahlsprnche „Spartam, quam »actus es, onia”1) in glänzendster Weise gerecht wurde. Nach den Aufzeichnungen seines berühmten Zeitgenossen und Landsmannes, des Diplomaten Siegmund Freiherrn von Herberstein, des „Wiederentdeckers Russlands" — wie er ob der Herausgabe der Geschichtsbücher Nestors und seiner eigenen kulturgeschichtlich so wertvollen Werke über Russland genannt wird — wurde Christoph von Räuber im Jahre 1466 in Krain geboren und zwar als Sohn des Niklas von Räuber und dessen Gemahlin Dorothea ans dem Geschlechte derer von Lucg, der Besitzer des heute fürstlich Hugo Windisch-Grütz'schen Höhlenschlosses Lueg, unweit der weltbekannten Adelsberger Grotte in Jnnerkrain, in welcher sagenumwobenen Burg kurz vorher der Ritter Erasmus Lueger die oft beschriebene romanhafte Belagerung seiner Feinde, deren Aus-hungernngssystem er durch monatclangcs Herbeischaffen von Victualien auf unterirdischem Wege aus dem benachbarten Wippacherboden zuschanden machte, ausgehalten hatte, bis er durch Verrath eines Dieners endlich den Tod gefunden. Christoph von Räuber hatte einen Bruder namens Leonhard, stiftischen Hofmeister zu Krems (1514—1520), und eine Schwester Margarete, die sich mit Friedrich, einem Sprossen des berühmten Geschlechtes der heutigen Grafen Brenner vermählte. Christoph von Räuber wurde nach Absolvierung seiner Studien an den Universitäten zu Wien und Padua an letzterer zum Laibach. (1466—1536.) Mit Porträt und Facsimile. Von P. v. Radies. >) Manuscripl der f. und k. Faniilicn-Fideicommissbibliothek in Wien, XLIX, Nr. 42. Doctor promoviert und kam frühzeitig an den kaiserlichen Hof zu Wien, wo er wegen seiner auffallenden geistigen Begabung und seiner sonstigen vortrefflichen Eigenschaften gar bald hohe Gunst erlangte, so dass der dein Lande Kram besonders wohlwollend gesinnte Kaiser Friedrich III., der Stifter des Laibacher Bisthums, nach dem Tode des ersten Bischofs daselbst, des Sigismund von La mb erg (1488), keinen Geeigneteren au dessen Stelle zu setzen wusste als den jugendlichen Christoph von Räuber, den er sofort zum Bischof von Laibach ernannte. Da dieser jedoch bisher die Priesterwürde noch nicht empfangen hatte, musste das Bisthum einstweilen für ihn durch einen Stellvertreter administriert werden, und cs erscheint als Administrator der Bischof von Biben (Pedena) in Istrien, ' Georg Maninger von Kirchberg, zugleich Beneficiat des Hospitals in Laibach?) Nachdem man volle „vier Jahre mit Rathschlägen zugebracht", ergieng unterm letzten Feber 1493 durch Dispens Papst Alexanders VI. der Befehl, „es solle Christvphorus dem verstorbenen Sigismundo im Bisthum folgen," und Räuber wurde am 14. Juli 1493 zum Priester geweiht und wieder nach vier Jahre» (1497) zum Bischof ordiniert sowie mit der Leitung des Bisthums betraut; auf die weltlichen Einkünfte hatte aber schon von 1493 her über kaiserlichen Auftrag ein Verwandter Christophs, der Hauptmann von Triest, Herr Caspar von Räuber, „ein wachsames Auge anstatt des Jünglings." 2) *■ Fürstbischof von Laibach, Stiftsadministrator von Admont und Bisthumscoadjutor von Seccau. Hatte Christoph von Räuber als Fürstbischof von Laibach und dann als Stiftsadministrator von Admont und Bisthums-coadjntvr von Seccau, bedingt durch seine häufigen diplomatischen Missionen und kriegerischen Expeditionen, durch längere Aufenthalte am kaiserlichen Hofe in Wien und durch seine Statthalterschaft von Ricdervsterreich, seine gewöhnliche Residenz weder in Laibach noch in Admont oder Seccau, so begegnen wir dem in seinem ganzen Wesen hervorragend versatilcn Cavalier trotz der so schwierigen Commnnicativns-mittcl seiner Tage bald da, bald dort an den Orten seiner dauernden oder 9 Balvasor, Ehre des HerzogthninS Krai», II, S. 680. 2) Balvasor ebenda, S. 660. wechselnden Bestimmungen, somit auch an den Sitzen seiner geistlichen Obliegenheiten. Er war eben nach Art außergewöhnlicher Gcistcsnaturcn und unterstützt von der die größten Strapazen leicht überwindenden kräftigen Physis durchaus geeignet, den an ihn von Seite seiner Fürsten und Herren gestellten Anforderungen nach ihrem ganzen Umfange zu entsprechen. Gleich im Beginne seines Wirkens als Fürstbischof von Laibach treffen wir ihn nicht selten in Kram und auf der Dotationsherrschafl seines Bisthums, zu Oberburg im Sannthale der südlichen Steiermark, das er in einem späteren Docnmentc (von 1533) an den Cardinalerzbischos Matthäus von Salzburg als seine „gewohnte Residenz" (loco nostre sollte residencie) bezeichnete, was wohl so aufzufassen ist, dass er, so oft er nur konnte, sich in die idyllische Waldeinsamkeit dieses seines Licblingsortes — wo er, nebenbei bemerkt, sich auch die „ewige Ruhestätte" selbst erbaute — zurückzuziehen pflegte. Oberburg war Bischof Christophs ausgesprochener Lieblings-ansenthalt, trotzdem die Bewohnerschaft der Umgebung, die bäuerlichen bischöflichen Unterthanen, stets zu Renitenz geneigt, gleich in den ersten Jahren seiner Oberhoheit über sie ihren Widerstand gegen das bischöfliche Regiment zu offenem Aufstande gesteigert hatten, so dass wir schon 1495 Papst Alexander VI. über Beschwerde des Laibacher Bisthnms an den Propst und Dechant von Oberburg den Befehl richten sehen, „die widerspenstigen Bewohner des Oberburger Gebietes vorzurufen und nötigenfalls unter Anwendung geistlicher Strafen zum Gehorsam gegen den Bischof zu bringen."M Im Jahre 1502 begegnen wir dem Laibacher Fürstbischöfe Christoph in dem romantischen krainischen Oberlande, in der angesichts des mächtigen Bergdreihauptes Triglav sich dehnenden, von den hellgrünen Fluten der Save durchzogenen Wochein, wo er am 3. Octobcr das Kirchlein der heil. Margareta in Jerika feierlich einweiht, eine Filiale der Pfarrkirche St. Martin zu Mitterdorf?) Christophs erlauchter Gönner Kaiser Max überlässt 1504 (Augsburg 27. April) dem Laibacher Bisthnm die Kapelle St. Fridolin am Rain zu Laibach, „die des Kaisers und des Hauses ') Franz Mayer, Die ersten Bauernunruhen in Steiermark und den angrenzenden rändern (Separatabdruck aus den Mitth. d. hist. Ver. f. St., S. 122). i) J. Lavtiiar, Zgodovina üupiiij in zvonovi dekanyi Radolica (Geschichte der Pfarren und Glocke» im Decanate Radmannsdorf), Laibach 1897, S. 125. Österreich Lehenschaft war,"1) welcher Gunstbezeugung 1507 (Lindau 17. August) Kaiser Max die der Jneorpvrierung der Pfarre St. Cantian zu Krainburg, der ehemaligen Markgrafenstadt, in das Bisthum Laibach folgen ließ. Große Gnade erwies aber Kaiser Max seinem „geliebten" Bischöfe Christoph dadurch, dass er ihm die durch Brand vernichteten Stiftungs- und Schenkungsbriefe an das Laibachcr Bisthum auf Grund der in der kaiserlichen Kanzlei befindlichen „Register" ohncweiters neu ausstellen, beziehungsweise bekräftigen ließ. Wir lesen diesbezüglich in dem von Kaiser Max ausgestellten Con-firmationsbriefe des Stiftungsbricfes Kaiser Friedrichs III. wörtlich: „Cum igitur Venerabilis Christopherus Episcopus Labacensis, devotus noster dilectus, lamentabili uobis iusinuatione signi-ficavit, maximum se Ecclesiam suam damnum atque detri-mentum, ex fortuito ignis incendio passos fuisse, omniaque ipsius Ecclesiae Privilegia, literas, Instrumenta, dotationes atque Jura exusta et igne consumpta esse. Nobisque humiliter supplicavit et ex Registris Cancellariae nostrae sumptis tenoribus atque copiis eadem, sibi et Ecclesiae suae innovare, approbare, con-firmare et de novo ex Regali clementia nostra concedere digna-remur, Nos igitur ipsi Episcopo et Ecclesiae Labacensi succur-rere uolentes ex praefatis registris nostris huiusmodi literas extrahi et transscribi jussimus tenoris subsequestis” (cs folgt nun der Wortlaut der Stiftung)?) Sosehr Kaiser Max die geistlichen und materiellen Interessen des Bisthums Laibach unter Bischof Christoph zu fördern bestrebt war, hielt er dennoch andererseits das Interesse des Fiscus nicht minder hoch, und cs liegt uns als Beweis dafür ein kaiserlichex Erlass aus Innsbruck ddo. letzten September 1514?) vor, worin Maximilian I. dem Landeshauptmann von Kram, Herrn Hans von Auersperg, und dem kaiserlichen Vicedvm in Laibach, Erasmus Praunwart, den Befehl ertheilt, darob zu sein, dass der Bischof von Laibach seinen Steucrantheil für Krain entrichte, dessen sich 1) Zgodovinski Zbornik, Geschichtsbeilage des Laibachcr f. b. Diöcefan-blatles 1888, Rr. 3, S. 69. 2) Zgodovinski Zbornik, Geschichtsbeilage de8 Laibadicr f. b. Diöccsau-blattes 1888, S. 5 f. 3) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Registerbuch Kaiser Maximilia»s I. S. 262. dieser weigere unter der Vorgabe, „wir haben ihm zugesagt, solchen angelegten Theil der Landsteuer an seinem Dicnstgelt abgehen zu lassen," was jedoch nie geschehen werde, im Weigerungsfälle sollten sic (Landeshauptmann und Viccdom) die Güter des Bischofs pfänden und verkaufen. Dazu kam cs natürlich nicht, den» der Bischof weigerte sich nicht weiter, zu zahlen. Eine Gnadenbezcugung Maximilians für Bischof Räuber war es, dass der Kaiser ddo. Wels 29. December 1518 dem Laibacher Bischof „auf sein vleissig bitt" das Recht verlieh, „dass er bis aus kaiserlichen Widerruf zwei Fischer an dem Saveflnjse halten dürfe, welche Fischer auch befugt seien, was sic über des gcmeltcn unseres Bischofs und seiner Nachkommen Nothdurft an Fischen fangen würden, dass sie das weiter verkaufen mögen ohne mcnniglichs Irrung, ver-hindernns und widersprechen." Z Dieses Recht des Fischfanges am Saveflnsse bestätigte dem Bischöfe Räuber dann Kaiser Ferdinand 1. ddo. Wien 9. Mai 1533 mit dem ausdrücklich angehängten Auftrage an den Landeshauptmann von Krain, Hans Kaziancr, „den Bischof dabei bcrucblich zu lassen."2) Derselbe Monarch, dem, was ebenfalls aus den nachfolgenden Abtheilungen hervorgehen wird, Bischof Christoph Räuber gleich große Dienste wie seinem Vorgänger auf dem Throne erwiesen, ließ dem Bischöfe die höchste Gunstbczcngnng angedeihen, indem er nämlich den Laibacher Bischöfen den Fürstentitel verlieh. Die hervorragend auszeichnende Weise/ mit welcher der Kaiser dem Bischvsc Christoph diesen Titel verliehen, erhellt ans dem Tenor des betreffenden Gnadenbricfes, den wir im Anhange nach dem vollen Wortlaute wiedergeben. Dort wird unter einem dem BischofShofc, „des Stiftes Laibach Haus oder Hof in unserer Stadt Laibach," das durch Kaiser Maximilian I. „die Pfalz" genannt worden, die „fürstliche Frciung" ertheilt. Das erste Wohngebäude der Laibachcr Bischöfe, das denselben bei der Bisthnmsgründnng durch Kaiser Friedrich III. angewiesen worden, befand sich aber bereits zu Beginn des zweiten Dcccnniums des 16. Jahrhunderts in einem sehr dcrontcn Zustande, wozu namentlich das große Erdbeben vom Jahre 1511 beigetragen. Es sah sich demnach Bischof Christoph bewogen, das Haus niederreißen und vom Fundament ans neu aufbauen zu lassen. *) Zgodovinski Zbornik 1. o., S. 70 f. ') Ibid., S. 82 f. Der noch heute im Thorwege des von dem vorletzten Laibachcr Fürstbischöfe, dem gegenwärtigen Cardinal und Fürsterzbischofe von Görz Dr. Jakob Missia, mit feinem Kunstsinn restaurierte» und mit einer im reinsten romanischen Stile gehaltenen neuen Hauskapelle versehenen Bischofhofes zur rechten Seite des Einganges eingemauerte Gedenkstein an Fürstbischof Räubers Ban hat nachstehende Legende: D. 0. M / Chvistophorns Raubar / Laibac. Antistes de Pontifex / Secoviensis Administrator / Säe. Rom. Imp. Caesaris / Divi Maximilians Svpremvs / Belli Veneti Comissarivs Sacer / Dotii Svi Vetvstarvm Aedivin / Angvstiam Ae Deformitatem Pe / Rosvs A Fvndamentis Dirutas / In llanc Novam Faciem Pvblicae/ Elegantiae Ae Privatae Commo / Uitati Oonsvlens, Sibi Svisque / Svccessoribvs Restavravit / Bonisque Viris Omnibvs Per / Petvo Patere Volvit / MDXII. /J) Im Jahre 1512 war also, wie dieser Denkstein besagt, der neue Vischosshof durch die Fürsorge des Fürstbischofes Nanber erstanden; ein anderer an der Ostscite des Gebäudes eingefügt gewesener Denkstein, den der heimatliche Historiker Johann Gregor Thalnitscher zu Beginn des 18. Jahrhunderts copierte, besagt, dass der Baumeister Augustinus Ticrnus (Berne?) am 2. Mai 1512 den Grundstein zu dem Neubane gelegt.2) Die für Ära in um jene Zeit immer dräuender sich gestaltende „Türkengefahr", die im allgemeinen eine systematische Befestigung der Landeshauptstadt Laibach nothwendig machte, veranlasste auch den in kriegerischen Dingen gar wohl unterrichteten und erfahrenen ritterlichen Fürstbischof, sein neues mächtiges Bischofsheim, das an einem der wichtigsten Punkte der Stadt gelegen war, wasscrseits durch die Aufführung einer Ringmauer in die Fortification der Stadt einzubeziehen (1534) „denen Bürgern zum Besten".") I» diesem „festen Hause" ward dann auch die damalige Schule zu St. Niklas untergebracht (1534), indem der Fürstbischof dem Schulmeister ein Zimmer im bischöflichen Palaste ad interim zur Abhaltung der Schule einräumte. Die alte St. Niklas-Fischerkirche, die nach der Gründung des Laibacher Bisthums zur Kathedrale erhoben worden und im gothischen Stile erbaut war, einen Hanptaltar und zehn Seitenaltäre zählte, ') Historia Cathedralis Labaeonsis Auctore Joanne Gregorio Thalnitsohero J. U. D. Labaei Anno MDCCL. Herausgegeben vorn f. b. Dibiiinriat 1892, S. 30 f. *) Ebenda. s) Valvafor, Ehre des Herzoglhmns Kram, 111 (XI), S. 066. hatte 1519 in der Mitte einen Altar zu Ehren der heil. Mutter Gottes und der heil. Anna erhalten, den wohl in Abwesenheit des Bischofes Räuber der Triester Bischof Petrus weihte. Zur Klosterkirche der Augustiner bei St. Jakob in Laibach, der späteren k. k. Hospitalskirche — an Stelle der heutigen St. Jakobs-Stadtpfarrkirche — hat Fürstbischof Christoph den Grundstein gelegt 1513/) gleichwie er zehn Jahre später (1523, 24. Juni) die Pfarrkirche St. Leonhard in dem altberühmten Jndustrieorte Aßling in Oberkrain feierlich einweihte.-) Während Fürstbischof Räuber den bischöflichen Stuhl von Laibach zierte, erhielt die Kirche „Maria am See" auf der reizvollen Insel im Beldcser Sec in Oberkrain die im Liede viel gefeierte, weithin bekannte „Wunschglocke" (1534), ein Werk des Meisters Franciscus Patavinus?) Jetzt waren aber schon die Tage der fortgeschrittenen kirchenreformatorischen Bewegung auch über Krain hereingebrochen, deren Ansänge daselbst in das Jahr 1525 zurückreichen. Als die krainische Landschaft ihre Gesandten i» dem ebengenannten Jahre auf den Reichstag nach Augsburg schickte, gab ihr Bischof Christoph von Laibach eine Beschwerde wider die Priester mit de» Worten mit: „Es ist leider in dem Land grosser Jrrsal, welcher am meisten durch die Prediger entstanden, aus Ursach, daß sie widerwärtige Sachen auf der Kanzel und sonst anzeigen, die mehr zu Zerrüttung des Glaubens, zu Unfried und Aufruhr als zu Einigkeit dienen."4) Und namentlich verlangt der Bischof, dass man den Erz-priester von Aqnileja (in Krain) der fürstlichen Durchlaucht als lutherischen Ketzer anzeige, da „seine (des Erzpriesters) Priester und Caplän so jetzo neulich ans St. Lncastag zu St. Lucas neben viel frummen Priester Mess gelesen haben, lutherische Mess und nicht, wie christeulich Kirchen solchs gesetzt, gelesen und Eanones ausgelassen, solches sic von ihm gelernt"/) Bereits zwei Jahre später (1527) findet man in Laibach einen Kreis protestantisch gesinnter Männer um den Landschrannenschreiber Matthias Klvmbncr geschart, und 1531 trat im Dom zu Laibach der heimatliche Priester, der „Luther Kraius", Primus Trüber, der Begründer der slovenischc» Schriftsprache, i) VaIvasor, Ehre des HerzogthumS Krain, II (VIII), S. 704. -) Ibid., S. 720. 3) Lavtiiar, Zgodovina fcupnij in zvonovi dekanyi Badolica (Geschichte der Pfarren und Glocken Im Decanatc Radmannsdors), S. 68. «) Dinntz, Geschichte Krains, II, S. 104. 3) Ibid., S. 195. als Prediger im protestantischen Sinne auf, welchem Wagnis jedoch alsbald das Verbot seiner Predigten durch den Fürstbischof Christoph folgte/) der schon 1528 vom Kaiser Ferdinand in die gegen die Verbreitung des Lutherthums eingesetzte Landes-Visitationscommission in Jnueröstcrreich berufen worden war.-') Primus Trüber, der im Jahre 1530 zu Tüffer in der unteren Steiermark gegen den Aberglauben der Landbevölkerung an der Sann und Save zu predigen begonnen und ans Grund der heil. Schrift und des Katechismus, obschon noch an der Messe festhaltend, zur rechten Buße und rechten Erkenntnis Jesu Christi als des alleinigen Heilandes hingewiesen, sprach sich in seinen Predigten im Dome zu Laibach auch gegen die Ehelosigkeit der Priester und gegen die Austheilung des Abendmahles unter einer Gestalt, nicht minder für die Rechtfertigung allein durch den Glauben aus,'') was das Verbot seiner Predigten durch Bischof Christoph Räuber zur Folge haben musste. Nachdem Bischof Christoph dem Trüber das Predigen im Dome verboten, öffnete ihm der Stadtmagistrat von Laibach das unter seinem Patronate stehende Kirchlein der heil. Elisabeth im Bürger-spitalsgebändc, wo Trüber dann seine Predigten unter steigender Theilnahme des Adels und der Bürgerschaft ungestört fortsetzte. Es liegt nicht im Rahmen dieser Darstellung, die weitere Entwicklung der protcstantisch-reformatvrischen Bewegung im Lande Krain zu verfolgen, nur sei noch erwähnt, dass schon 1527 mehrere Canonici des Laibacher Dvmcapitcls, Dr. Leonhard Mcrtlitz, Dompropst, Georg Dragolitz, Generalvicar, und Paul Wiener, Rath des Bischofes Räuber, der protestantischen Richtung zugethan waren, obschon Paul Wiener, der sein Leben als erster Bischof der evangelischen Kirche A. C. in Siebenbürgen beschloss, erst nach dem Tode des Bischofes Christoph 1.530 in Laibach „in evangelischer Weise" zu predigen begonnen hatte.') Dem Laibachcr Dvmcapitel fasste der Fürstbischof die Statuten zusammen (1519),5) wie die kaiserliche Verordnung, dass die Capitularen l) Ibid., S. 199. 5) Dr. Jos. Max Stcpischncgg, Bischof von Lavant, Das Karihäuser-kloster Seiz, Marburg 1894, S. 65. a) Dr. Theodor Elze, Primus Trüber« Briefe, Tübingen 1897, S. 2. 4) Dr. Theodor Elze, Paul Wiener, Mitreformator in Krain, Gcbun-drner des Evangeliums in Wien, erster evangelischer Bischof in Siebenbürgen. Wien und Leipzig 1882. S. 3 ff. 5) Domcapitelarchiv, Fase. XX, 3h. 1. in Laibach die feilten Chorkappen ober Almutien tragen sollen (1512), ferner diejenige in Betreff der Domherren, die vom Orte ihrer Wohnung oder vom Chorgebete abwesend sind (1523), über feine Anregung ergangen waren.1) Wegen der Ausstattung der goldenen Bulle des Laibacher Bisthnms finden wir ihn im Briefwechsel mit Meister Treitzfanerwein.-) Es ist bereits früher gesagt worden, dass die Dvtationsherrfchaft Oberbnrg im Sannthale Bischof Naubers Lieblingssitz gewesen, das treffliche Werk über Oberburg weiland des um die Förderung der steirischen Geschichtsforschung hoch verdienten Dvmpropstes von Marburg Ignaz Orozcn8) gibt über den Haushalt des Fürstbischofes daselbst ausführlichen Aufschluss, und wir entnehmen den bezüglichen Aufzeichnungen z. B. auch, dass Bischof Räuber dort einen eigenen Schneider unterhielt,4) sowie wir den gestimmten Jahressold der herrschaftlichen Bediensteten daraus kennen lernen.5) Aber auch das lernen wir ans den von Orozcn gesammelten Details über des Bischofes Beziehungen zu Oberbnrg kennen, was der Fürst in baulicher Hinsicht für den ihm so theueren Ort gethan; er ließ u. a. 1517 wegen drohender Türkengefahr die tiirchc sammt dem Stiftsgebäude in Oberbnrg mit Fortifieationsmauern, Thürmen und Schanzgraben umgeben,111 und in der Kirche, wo er, wie ebenfalls schon erwähnt, sich die Gruft herstellen ließ, stiftete er die schönen Reliefs der Kreuzigung Christi und der Kreuzigung des heil. Andreas 1527.7) Das offene Schisma, hervorgerufen »ach Abscheiden des Abtes Leonhard von Admont 1501 durch die Wahl zweier Äbte, des Michael Grießaucr und des Alexander von Kusendorf, die sich beide als Äbte gerierten und als solche Urkunden ausstellten, veranlasste schließlich die kaiserliche Regierung einzuschreiten, und es ernannte Kaiser Max, wie schon eingangs erwähnt, den Bischof Christoph Räuber zum Commendatarabte des Benedictinerstiftes Admont. Unter diesem traf aber das altberühmte Stift ein schwerer Schlag, nämlich >) Ebenda, Fase. CLXXXXV11I, Nr. 4 und 6. i) Ebenda, Fake. LXXXIV, Nr. 36. 3) Ignaz Droz.cn, Das Bisthnm Lavant, II (Dberbnrg). 4) Ebenda, S. 41. 5) Ebenda, S. 6. °) Ebenda, S. 15. 7) Ebenda, S. 16. die Ablieferung der sogenannte» Quart, des vierten Theiles des Wertes der geistlichen Güter zur Abwehr der Türke». Am 12. November 1529 erließ Kaiser Ferdinand die bezügliche Ordonnanz. Vergeblich waren die Bemühungen des Admonter Commcndatarabtes Bischofs Christoph Räuber und des Abtes Valentin von St. Lamprccht, die Härte dieser Anordnung für Steiermark abzuschwächen; nach einer Eingabe des Abtes Christoph an Kaiser Ferdinand (1534) entfiel auf das Stift Admont die Summe von 17.500 Pfund, und es mussten die zu dem Zwecke ans genommenen Gelder mit 10—12 Procent und höher verzinst werden.') Auch anderes Missgeschick traf das Stift während des Regimes des Commeudatarabtcs Christoph Räuber. Im Jahre 1526 wurde die Abtei gezwungen, ihr Tafel- und Kirchensilber (dazu jenes der inkorporierten Pfarren und Filialen) aus den Altar des Vaterlandes zu legen.2) Zur Zeit des Bauernkrieges beraubten die Meuterer das Stift und dessen Besitzungen. Bei dem Überfall von Schladming gieng ein großer Theil des admvntischeu Rüstzeuges verloren. Bei dem Einfalle der Türken 1532 wurden das Schloss Jahring und die meisten admoutischen Kirchen und Psarrhöfe in Unterstciermark eingeäschert. Der stiftischc Hos zu Krems in Niederösterreich wurde von den spanischen Hilsstruppcn zerstört. Commeudatarabt Christoph Räuber war aber trotz aller Wirrsal und Ungunst der Zeitvcrhültnisse unentwegt darauf bedacht, die Interessen des seiner Verwaltung anvertrauten altherrlichen Stiftes auf das beste zu wahren. Unter ihm wurden die Kirchen zu Kammern, St. Michael und St. Gallen neu erbaut, er kaufte ein Haus in Marburg, vertheidigte des Stiftes Rechte auf die Pfarre Trofaiach und setzte sich den unbefugten Eingriffen in das Waldeigenthum des Klosters mit mannhaftem Muthe, obzwar vergebens entgegen?) Er betrieb den Bergbau in der Jngering, zu Eisenerz und Schladming. Das Gcsammturtheil über die Amtsführung des Cvmmciidatar-abtes fasst der gewiegte Historiograph des Hauses Admont') in >) P. viütob Wichiier in seinem monumentalen Werke „Geschichte de« Bencdiclinerstistcs Admont", IV, S. 04. 2> P. Jakob Wichiier in der Zusammenfassung im „Benedictinerbnch" von Sebastian Brunner, Wnrzbnrg, S. 66. 3) Ebenda, S. 60. Die Details über den Kampf mit den Radgewerken von Eisenerz, um für das ans seinen Wäldern genommene Holz und Kohl den herkömmlichen Plachenpfennig zu erhalten, finden sich in desselben Verfassers oben citierter Geschichte Admonts, IV, S. 88 ff. 4) P. Jakob Wichner ebenda, S. 114 f. die Wvrte zusammen: „Der aufmerksame Leser, welcher unser urkundliches Materiale seiner Prüfung unterzog, wird sich überzeugt haben, dass Abt Christoph keineswegs jener verschwenderische und auf den Ruin des ihm anvertrauten Klosters absichtlich hinarbeitende Mann gewesen sei, als welchen ihn eine nur zu seichte Gcschichtsqnelle, der anrüchige Lib. I mnsc. hinstellt, und welcher als einem Haus-documente verdiente Historiker, wie Pachter, Frölich, Casar und neuere Autoren bona fide nachgeschrieben haben. Born legalen kirchen-rcchtlichcn Standpunkte, den auch wir festhalten, ist die Art und Weise, i» welcher Christoph zur Abtei gelangte, nicht zu billigen. Nicht durch die Thüre, d. h. durch eine rechtmäßige Wahl oder Postulation von Seite des Stiftscapitels hielt er seinen Einzug in die Hallen der Prälatur, sondern durch eine Hinterpforte; das Macht-gebot eines weltlichen Herrschers öffnete und ebnete ihm die Bahn. Dass der Convent durch seine Stellung zum Abte Michael und durch Mangel an Einigkeit nicht geringen Anlass geboten habe, dass ein Commcndatarabt dem Kloster aufgezwungen wurde, ist nachgewiesen. Das Harte und Schroffe aber, welches anfangs zwischen den Stifts-capitularen und dem Eindringling — als solchen mussten sie Christoph betrachten — vorherrschte, glättete und verwischte sich im Laufe der Jahre. Der neue Abt suchte die Interesse» des Klosters zu fördern und zu stützen, obwohl die politische Lage (man denke an die Türkenkriege, an die enormen Steuerlasten, an die jeden Wohlstand für lange Zukunft vernichtende Quart) seinen Bestrebungen nur zu abhold war. Er unternahm keine wichtige Angelegenheit ohne den Beirath und die Zustimmung des Klostercapitels und brachte es dahin, dass er in seinem letzten Lebensjahre die Liebe vieler, die Achtung aller Conven-tualen gewonnen hatte." Das 1219 im Anschlüsse an das Kloster Scccau in der oberen Steiermark gegründete Bisthum Scccau, nach welchem heute noch die in Graz residierenden Fürstbischöfe den Titel „Fürstbischof von Seccau" führen, war im Jahre 1503 durch den Rücktritt des gelehrten Bischofes Matthias von Scheidt insoferne vacant geworden, als dieser Bischof die Verwaltung desselben mit feierlicher Genehmigung des Papstes Alexander VI. und Anerkennung des „Salzburger Synodus" in die Hände eines Coadjutors übergab, als welcher zuerst Christoph von Zöch, Pfarrer zu Knittelfeld, und als er 1509 starb, der Laibacher Bischof Christoph von Räuber fungierte, den Papst Julius II. ddo. 20. April 1509 durch eine eigene Bulle zum Coadjutor und Administrator von Seccau ernannte. In letzterer Würde blieb — nachdem Bischof Matthias von Scheidt 1512 das Zeitliche gesegnet — Fürstbischof Christoph von Räuber bis zu seinem Tode?) War durch die Ernennung des Coadjutors und Administrators Räuber für Seccan durch den Papst in Folge des kaiserlichen Willens „das dem Salzburger Metropoliten zustehende Ernennungsrccht", wie Wichner2) in Parallele zu der Einsetzung Räubers in Admont hervorhebt, „lahmgelegt worden",3) so sehen wir, nachdem Bischof Christoph bereits im vierten Jahre auch auf dem Bischofsstuhle von Seccau saß, einen alten Streit zwischen den Scccancr Bischöfen und ihren Metropoliten zu Salzburg im Jahre 1512 beendet. Schon früher hatten sich die Seccauer Bischöfe eigenmächtig an den Apostolischen Stuhl gewandt und die Einverleibung einiger Pfarren, welche außer dem Bisthume in dem Salzburger Sprengel gelegen waren, bewirkt. Dem widersetzten sich die Erzbischöfe, »nd der Herzog Wilhelm von Österreich und Steter entschied (Bruck a. d. Mur) 1402 dahin, der Erzbischof solle zu der vom Papste ertheilten Einverleibung einiger Kirchen zum Tische des Seccauer Bischofes Gunst und Willen geben, damit der Bischof bei den Gottcsgaben bleibe, in Betreff aller anderen Gnaden und vom Papste erworbenen Briese des Seccauer Bischofes, welche den Rechten der Salzburger Metropoliten Eintrag thäten, solle gänzlich dem Metropoliten anheimgestellt werden, was er davon dem Bischose von Seccau gönnen wolle. Diesem Ausspruche zuwider griffen die Seccauer Bischöfe weiters noch auf die ordentliche Jurisdiction der Pfarren Radkersburg, St. Jakob in Lcibnitz, St. Georgen in Stiffen, St. Ruprecht an der Raab und St. Maria Frauenberg bei Weitz. Erzbischof Leonhard und dessen Erzdiacon der unteren Steiermark brachten nun Beschwerden darüber an den Papst Julius II., welcher für den Metropoliten entschied (Rom 1. März 1512).') Von der inneren kirchenhirtlichen Thätigkeit des Bisthumsadministrators Räuber in Seccau ist u. a. die Notiz erhalten, dass Bischof Christoph im Jahre 1520 (1. Heumonds) die auf dem Fraucnberg zunächst dem bischöflichen Residcnzschlossc Seccau — dem ') P. Marian, Austria Sacra, III (VI), S. 26. 2) Geschichte des BcnedictiiierstifteS Admont, IV, <5. 63. 3) In der Bulle Papst Julius' II-stand der Passus: „Provisionen! lianc eccelesiae Seccovicnsis ad archiepiscopum Salislmrgcnsem pertinentem per actum hujnsmodi laedendam." Ebenda ©. 63, Anm. 5. 4) Mnchar. Geschichte der Hcrzogthums Steiermark, VIII, S. 248. heutigen Kloster der die kirchliche Kunst in christlich-frommem Sinne so mächtig fördernden Kongregation der Beuroner Benedictincr — gelegene neu erbaute Frauenkirche sammt den darin befindlichen Altären eingeweiht und allen jenen, die jemals diese Kirche besuchen, einen 40tägigen Ablass verliehen Hut.1) In der seit der Wicderbesicdlung von Seccau durch die Beuroner und namentlich durch die Munificenz Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. stilgerecht renovierten altehrwürdigen romanischen Stiftskirche und langjährigen Kathedrale, der gegenwärtigen Abtei- und Pfarrkirche Seccau fand in der Bischvfskapelle 1512 der resignierte Bischof von Seccau Matthias von Scheidt, Christoph von Räubers Vorgänger, seine ewige Ruhestätte, wie dessen noch erhaltener Grabstein bekundet?) Es ist ein schönes Zusammentreffen, dass in dieser heutigen Abteilt nb Pfarrkirche von Seccau der prachtvolle Hochaltar durch einen Nachfolger Christoph Räubers auf dem Laibacher bischöflichen Stuhle, durch den gegenwärtigen Cardinal-Fürstcrzbischof von Görz Dr. Jakob Missia, den kunstsinnigen Gönner und Förderer des Hauses von Seccau eingeweiht wurde, dessen von Beuroner Künstlerhand ausgeführtes Bildnis den Hauptsaal des weitläufigen Stiftes schmückt! * Als Krieger. Nachdem Bischof Räuber, wie Valvas 01?) sich in charakteristischer Sprachweisc ausdrückt, „beym Keyser Maximilians zu allen wichtigen Sachen seinen hohen Verstand contribuiren und Alles, auch sogar einen Soldaten oder je aufs mcnigeste einen Kriegs-Rhaht aus sich machen lassen müssen," wurde dieser krainischc Cavalier, der frühzeitig in den ritterlichen Übungen unterrichtet worden, nun, als er sich in der hervorragenden Stellung eines Kirchensürsten von Krain befand, bei der drohenden Gefahr sür den Süden Österreichs durch den Löwen von San Marco (1505) mit dem Posten eines Beschützers der Stadt Triest betraut, während „das Castell daselbst seinem Anverwandten Nicolaus Räuber anbesohlen worden"; zugleich ward dem Bischose als einem General-Proviantmcister das Oberauf-schcramt über das Verpflegswesen und „bald darauf die Oberste Kriegs- 1) P. Marian, Austria Sacra 1. C., S. 26. 2) Krauß, Die eherne Mark II, S. 337. ») Ehre d. Herz. Kcain, II (VIII), S. 663. Commissariat-Stelle aufgetragen, welcher Stelle wegen er allezeit aus seinen Reisen 50 bewehrte Männer bey sich geführt".1) In ihm lebt aber kriegerischer Sinn, der ihn mächtig ins Feldlager zieht, gilt cs ja, für seinen Herrn und Kaiser mit Gut und Blut einzustehen gegen einen nie ruhenden Feind. Die Republik Venedig hatte dem Kaiser den Durchgang durch ihr Gebiet bei seiner beabsichtigte» Nomsahtt verweigert, und ein sieben Jahre währender Krieg (1508—1515) war die Folge. Herzog Erich von Braunschweig, des Kaisers Retter in der Schlacht bei Mcngesbach, übernahm den Oberbesehl der österreichischen und kaiserlichen Truppen. Er theilte dieselben in drei Corps; das Commando des zweiten erhielt Christoph Räuber, dem Marcus Sittich und Hans von Auersperg bcigegebcn waren;2) das erste Corps stand unter der Leitung des Grasen Frangepan, und das dritte hatte sich Erich selbst zur Führung vorbehalten. Dieses stand in Tirol, wo demnach der Oberbefehlshaber Herzog Erich zugleich sein Hauptquartier hatte, in welches wir dann auch die Berichte, Hilferufe und Ansinnen ans Krain und dem Görzischcn gerichtet sehen, und aus welchem die Anordnungen und Befehle erlassen werden. In den im Gefolge dieses langwierigen Krieges vorgefallenen Affairen, Belagerungen und Entsätzen hat sich Bischof Räuber wiederholt activ als Feldherr bethätigt, fort und fort jedoch mit seinem Rathe die wichtigsten Dienste geleistet. Er hat namentlich durch mannhaftes und unerschrockenes Erhebe» seiner mahnenden und warnenden Stimme viel Unheil des wcchselvollen Kampfes, in welchem ab und zu Theile Krams von den Venetianern weggenommen wurden, aber dank der Tapferkeit vornehmlich der krainischen Fähnlein wieder zurückerstattet werden mussten, von seiner theueren engeren Heimat abgewandt. In den Briefen, die Bischof Räuber im April 1508 auc-Laibach wiederholt an den in Kärnten (Villach) stehenden Herzog Erich von Brannschwcig richtet, mahnt und beschwört er den Oberbefehlshaber u. a. insbesonders wegen der Position des „Flecken" Gvrz, „daran Kay. Majestät in diesem Lande gegen den Venedigern am meisten gelegen,"2) und im selben Monat noch (23. April 1508) ') Ebenda. 2) Diinitz, Geschichte Strafn?, I, S. 9 3) Gablern, Chronica der Kriegshändel Kaiser Maximilians I. Frankfurt lt.66. Fol. XL, IX./» (Freitag vor dem hl. Polintag 1508), Fol. LV/.b ». f. lu. kann Herzog Erich aus Villach nach Tirol an Freiherrn von Wolken-stein melden: „Unser Freund der Bischof zu Lahbach ist heut auf Bespcrzeit mit dem Verweser aus Grain auf unser jüngst Schreiben postierend herkamen und uns als Obristen Feldhauptmann umb Hilff angeruffen und allerley Vertröstungen dermassen angezeigt, daß gänzlich unser gutbedunken ist, daß wir unsern fürgenommenen Zlig auff Görz auffs fürderlichst vollbringen, wie ihr dann solchs durch bcmcltcn Bischofs, der sich dann in dieser nacht hie erhoben und zu euch hinauff (nach Tirol ins Pnsterthal) eilends postieren wird, gänzlichen verneinen werdet."') Inzwischen war jedoch der Waffenstillstand mit Venedig am 20. April bereits abgeschlossen worden, durch den die Grafschaft Görz im Besitze der Venetianer verblieb. Die Ligue von Cambray (10. December 1508) vereinigte die ersten Mächte Europas zum Sturze der gehassten Republik. Die Könige von Frankreich und Spanien, ja selbst Papst Julius IT. schlossen sich dem Kaiser an, um den Friedensstörer zu bändigen. In dem Feldzuge des Jahres 1509 giengen die Franzosen voran mit der siegreichen Schlacht von Agnadcllo (14. Mai). Der Kaiser begann die Operationen am spätesten, aber das Kriegsglück war ihm diesmal hold. Christoph Frangepan eroberte Duino und Pisino, Herzog Erich von Braunschweig mit 2000 Manu Feltre und Belluno; Triest, Fiume und andere Orte pflanzten die österreichische Fahne neuerlich auf. Die krainischen Reiter erschienen vor Monsalcvnc, stürmten es jedoch vergeblich. Dagegen waren Herzog Erichs Waffen am Karst glücklicher.") Am 22. Juni — am Festtage des heil. Achatius — befahl Kaiser Max dem Herzoge und dem Bischöfe Christoph Räuber, das Anfangs Juni in die Gewalt der Venetianer gelangte Quecksilber-bergwerk Jdria in Jnnerkrain wieder einzuziehen, was noch im Laufe des Jahres 1509 geschah.8) Nach der Einnahme der Feste Neuhaus war Herzog Erich mit Volk und Geschütz vor das venctianischc Schloss Raspurg gerückt, das er nach dreitägiger Beschießung namentlich mit Hilse des Bischofes Räuber zur Capitulation brachte, wie dies der Herzog in seinem bezüglichen Bericht an den Kaiser „aus Gradisch >) Ebenda, Fol. LXIIII/a. 2) Dimitz, Geschichte Krams, II, S. 13. 3) Hitziilger, Blätter aus Krain 1860, S. 96. (Nach Manuscript des Laibacher Museums.) ant Karst" 6. Qclobcr 1509 hervorhebt?) Seiner erfolgreichen Cooperation vor Raspurg hat aber Bischof Ranker sich nicht ungestört freuen können, indem ein Gegner ihn beim Kaiser verdächtigt hatte, dass durch seine (des Bischofs) Schuld dem Heere Proviant entgangen sei. Von dieser Verdächtigung befreite sich der Bischof in glänzender Weise unter Darlegung der Verhältnisse in einem offenen und ausführlichen Schreiben an seinen erlauchten Gönner, an Kaiser Maximilian selbst. Da das Schreiben ein vollklares Bild von dem Charakter unseres Bischofes bietet, so wollen wir dasselbe hier in den Hauptstellen folgen lassen. Bischof Christoph schreibt an die römisch kais. Majestät ans dem Lager bei Raspurg 3. Octvber 1509: „Ich bitte E. kais. Majestät in aller Unterthänigkeit mit Gnaden zu vernehmen, daß ich glaublich bericht wurde, wie cttich Personen, so mir unter Augen gut sein möchten, mich zu rnkh (hinter dem Rücken) bei E. k. M. versagen und anzeigen, als sollt ich die Schuld habe» und Ursacher sein, daß das Volk, so von E. k. M. Niedcrvesterreichischcn Landen versammelt gewest, nngethaner Sache» zergehen hat müssen, nemblichen des Proviand halben. Welches mich hoch und nicht nnbillicher bekümert in Ansehen, daß ich mit keinem Grund des oder ander Sachen halben bey E. k. M. verklagt werden mag." Der Bischof drückt dann seine Hoffnung aus, dass der Kaiser „wider sein getreu alt Diener nit leichtlichen seine Ohren und gcmnth zu glauben bewegen läßt". Herr Hans von Reichen bürg habe dem o bristen Feldhauptmauu (dem Herzog Erich) „als einem löblichen und srumen Fürsten, der auch beweglich ist, übcrredt bewegt und gewarnt, daß wir nie kein fnctcrung gethan, deßhalbcn unsere Pfcrdt verdorben und E. k. M. nutz Hirn mb geweudt ist. Ich wais aber nicht, aus was Ursach durch ihn svlchs geschehen, wie wol mir cttich sagen, er hab svlchs deshalb gethan, damit er mir und doch unvcrschuldter fachen, auch über das, daß er mir mit Worten gut unter Augen ist und ich ihn allzeit bei E. k. M. mit Treue nach meinem Vermögen gefördert, bei dem gemeinen Manu Unlust und den Zug zu E. k. M. hinterstellig gemacht hat. Und damit E. k. M. deslpaß (desto besser) abnemen mögen, worum Neichenburger mir die Schuld zumessen will, zeig ich derselbe» E. k. M. an, als ich und Landshauptmann in Kraiu ihn mit seiner und Steierer Rüstung anfänglich her gegen Gvrz zu uns zu kommen gebeten, und dieses *) Chmel, Urkunden n. s. tu. zur Geschichte Maximilians I. Bibliothek des lit. Ver. in Stuttgart, X, S. 322. Fricullcr Reich ohne Schwertstreich eingenommen wollten haben, er wollte nicht kommen mir das Patriarchenthum (Aquileja) zu gewinnen, sondern zu Laibach bleiben. Run hätte ich gedacht, er hätte nicht mir das Patriarchenthum, dieweil ich E. k. M. nie darum gebeten, sondern E. k. M. das Land Friaul helfen zu erobern. Aus was gemiiet oder gründ er solches gethan, gib ich E. k. M. hohen Bedacht zu erkennen und bitt E. k. M. wollen ihm dies mein Schreiben oder des ein copey zuschicken, damit er diese meine Entschuldigung oder Anzeigen wisse und ob er das verneinen wollt, wollen abermalen E. M. ihn und mich auf einen Tag vor sich fordern lassen, will ich solches und mehrcrcs wider ihn mit Wahrheit anzeigen.") Nachdem Kaiser Max seinen getreuen Bischof von Laibach unter dem letzten November 1510 nach Breisach berufen mit dem Befehl, dass er die Compagnie der krainischen Ritterschaft, die aus lauter Edelleuten und ihren Dienern bestand und von der Landschaft jährlich besoldet wurde, mitbringen solle,2) finden wir den „Krieger Raubet" 1511 (September) neuerdings im Felde gegen die Bcnetiauer, wobei er mit den von Christoph Roggendorf und Lichtenstein geführten Truppen in das Gebiet von Feltrc brach und am 21. September das Lager zu Colorita bei Weiden (Udine) hatte.8) Udinc und Gradisca fielen, ersteres nahmen die Venctianer wieder, letzteres belagerten sie und beschossen cs heftig. Hier befehligte der tapfere Krainer Hans Apfaltcrer, ein guter Kriegsmaim, „der nicht verstund, was Furcht oder Schrecke» wäre." Von Krainern lagen außer ihm in der Festung Wolfgang von Samberg von der Ortcneggcr Linie und Andreas von Weissmach, und unter der 1000 Mann zählenden Besatzung befanden sich auch viele Krainer. Die Belagerten wehrten sich ritterlich, machten wiederholt glückliche Ausfälle, so einen unter dem Lambcrger, und schlugen einen Sturm ab, bis die Belagerer abzogen.') Noch einmal leuchtete dem Kaiser sein Glücksstern im siebenten Jahre des vciietiaiiischeu Krieges (1514). Er erschien in Laibach, um frische Truppen zn sammeln, deren Oberbefehl er dem wackeren Grafen Niklas Salm übertrug. Ein Hans von Auersperg, ein Erasmus Obritschan, mehrere aus dem mannhaften Geschlechte der Räuber, darunter unser streitbarer Bischof Christoph, zogen da mit dem -) Chuiel 1. C., S. 820ff. 2) Balvasor, Ehre d. Hcrz. Krain, 111 (X), S. 308f. -) Chmel 1. c., S. 333. 0 Balvasor 1. c., IV (XV1, S. 401. Heere, welches Friaul eroberte. Ein Jörg von Egg befehligte die Besatzung von Görz, ein Felician Pettschacher jene von Gradisca. Der Sieg von Vicenza brachte jedoch keinen Abschluss, und der Krieg schleppte sich auch im folgenden Jahre (1515) matt und unentschieden hin, bis ihn der Beitritt Österreichs zum Friede» von Noyon (4. December 1516) beendete?) Seine kriegerischen Talente hatte Bischof Räuber Gelegenheit auch in seiner Stellung als Commcndatarabt von Admont zu bethätigen und zwar aus Anlass des großen Bauernaufstandes des Jahres 1525, als der Aufruhr der Salzburger Bauern und Bergknappen den Weg in die oberstcirischcn Thäler der Enns und Mur gefunden. Damals belegte Abt Christoph die obere und niedere Klause im Admontthale mit Mannschaft und flüchtete das Wertvollste aus dem Kloster nach der Burg Gallenstein; doch die Aufständischen eroberten beide Bollwerke und überfielen und plünderten das Kloster, da die eigenen Leute, wie Wichner meint?) sich als nicht verlässlich erwiesen und mit den Meuterern gemeinsame Sache gemacht. Der Abt Christoph, nachdem er von Oberburg aus in den Pfingsttagcn mit 41 Pferden und 46 Fußknechten nach Judenburg gekommen war und dieselben bis zum Überfall von Schladming gehalten hatte, „hat nach derselben Überfallung weiter gehalten aus Vergunnen des »bristen vcldhaubtmanns graf Riclas von Salm 40 Pferd und 46 Fußknecht in Veld und zu Admundt in einer Landschaft Sold bis zu Ende des Krieges, das ist auf Montag nach Galli") . . . BemcltcrHcrr von Laibach hat in nächste» Auspot außer Landes für (vor) Rastatt gehabt 38 Pfärdt, 60 Fußknecht." Es ist damit der Zug nach der vom Probst Graf gegen die aufständischen Bauern (1526) hartnäckig vertheidigten Stadt Radstadt gemeint, in welchem Kampfe ein Verwandter des Abts Christoph, Herr Caspar Räuber, von den Bauern gefangen und enthauptet wurde?) Das Jahr 1528 führte den Bischof-Abt Christoph Räuber neuerdings ins Feld, diesmal gegen die Anhänger des Stephan Züpolya vor Agram, dessen Bürger sich für den 1526 zum König von Ungarn erwählten Habsburger Erzherzog Ferdinand erklärt ') Dimitz, Geschichte Krams, II, S. 17 ff. 2) Geschichte des BeiiedictiiierstifteS Admont, IV, S. 81 ff. 3) Ebenda, S. 83, nach einer Auszeichnung in Oberbnrg (Ernawera stewr rayttung). 4) Ebenda, S. 85. hatten, während der Bischof Simon von Agram, der Anhänger Züpvlyas, unterstützt von einer Anzahl Adeliger aus Slavonien, die bischöfliche Residenz gegen die Stadt Agram in festen Berthcidignngs-znstand fetzte, nachdem der Vertheidiger der Stadt, der Krainer Graf Niklas Thurn, durch die Zerstörung der Canonicatshäuser einen Theil der Domherren zu sich herangezogen hatte. Obschon Graf Thurn mit 1000 Mann nach Agram gesandt wurde, erwies sich diese Zahl doch zu gering gegenüber den Belagerern, und weil den Bürgern schon nach einmonatlicher Belagerung durch die Züpolyaner der Proviant zu mangeln begann, war die Stadt bereits zur Übergabe bereit. Da erschien Bischof Räuber mit seiner zwar nur schwachen Entsatztruppe und gefolgt von Leonhard Puller. Die Züpolyaner, nun fürchtend, von Räuber im Rücken angegriffen zu werden, gaben die Belagerung der Stadt auf und retirierten an die Drall. Inzwischen rückten 7000 Mann deutsche Entsatztruppen für Niklas Thurn heran, wie auch Getreide auf der Save herankam und die Burg des Agranier Bischofes umzingelt wurde. Doch war deren Vertheidigung durch den tapferen Vagcrovich eine so starke, dass schließlich bei der nahenden großen Türkcngefahr, zumal die Agramer Domherren mit Bitten und Flehen den König Ferdinand bestürmten, Graf Niklas Thurn den Befehl erhielt, von allem Weiteren in der Belagerung der bischöflichen Residenz abzustehen und nach Wien zu eilen. Z Über Bischof Räubers persönliche kriegerische Antheilnahme beim Türkeneinfall 1532 in Nicderöstcrreich sprechen wir später. Dieser Türkeneinfall in die österreichischen Länder im Jahre 1532 brachte die Heerhaufen des Kassim Beg bis Enns und Linz. Die Absicht desselben, von Weyer aus längs der Enns in Steiermark einzubrechen, wurde aber von dem Landstürme der Admonter Herrschaft Gallenstein am Pfaffensteig und Sattclhag blutig vereitelt. Durch den Zug des Hauptheercs unter S ule im an, der besonders in den Windischen Büheln seinen Marsch mit Mord und Brand kennzeichnete, litten mehrere Kirchen und Bcsitzthümcr des Stiftes Admont in arger Weise, das außerdem durch Plünderungen und Verwüstungen der dem deutschen Reichsheere beigesellten spanischen und italienischen Hilfstruppen nicht geringen Schaden empfieng; so wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, der Admonter Hof zu Krems von den Spaniern i) Kercselich, Historiarum Cathedvalis Ecclesiae Zagrabiensis Pars I, Tom. 1, S. 216 f. eingeäschert?) Am 1. Jänner 1533 stellte Abt Christoph einem Hans Fugspergcr einen Schuldschein über 424 Pfnnd Pfennige aus, welche für die stistische Kriegsrüstnng ihre Verwendung fanden, indem er den Gläubiger bezüglich der Verzinsung au de» Waldzius und Hauerdienst zu St. Gallen wies, und am 2. Februar desselben Jahres gab er zu Kaufrecht dem Wolfgang Panz die Taverne und Niederlage (mit Ausnahme der Maut) am Weißenbache.-) * Diplomat und Staatsmann. Noch jung an Jahren war Bischof Räuber von seinem erlauchten Gönner Kaiser Maximilian I. in mehrere» namhaften diplomatischen Missionen verwendet worden, „weil gedachter Bischof," wie sich Valvasoi?') in der ihm eigenen drastischen Redeweise ausdrückt, „ein ehrlicher und geschickter Herzensraubcr war, der sich zu wichtigen Verrichtungen und Absendungen wohl bequemte und mit seiner annehmlichen Rede fürnehme.Gemüther zu fassen wusste." So war erscholl im Jahre 1504 vom Kaiser das erstemal in politischer Mission nach Rom gesandt und bei der Zurückkunst 1505 „von dem Kaiser als ein Abgesandter an verschiedene Reichsfürsten abgefertigt worden und hat dadurch ein solches Ruhm-Gerücht erlangt, daß Albrecht, Herzog in Bayern, an welchen er keinen Befel l vom Kaiser hatte, durch Schreiben sich beschwerte, warum er (Räuber) auf seiner Reise durch München im Hin- noch im Herwege bei ihm (dem Herzoge) nicht eingekehrt, anbey seine (des Herzogs) Sache bei dem Kölnischen Reichstage rceommandirt het".1) Kaum hatte er diese Gesandtschaft rühmlich zu Ende gebracht, erhielt er von Kaiser Max schon wieder Befehl, nach Rom zu gehen, und empficug hierbei als Reisegeld 400 st 5) Im nämlichen Jahre beorderte ihn der Kaiser, mit dem erprobten und geschmeidigen Lucas de Reualdis zu Ferdinand von Aragonien nach Neapel zu gehen, um mit demselben über die Verwaltung Castilicns zu verhandeln, an der Max im Namen seiner Enkel theilnehmen wollte, aber hauptsächlich um Ferdinand von der Politik Frankreichs abzuwenden und für die des Hauses Habsburg zu gewinne»; zu dem Zwecke wollte Maximilian mit Ferdinand die Kaiserwürdc theilen ') Wich »er 1. e., S. 100 f. 2) Ebenda, S. 101. -) Ehre d. Herz. Krain, III (X), S. 308. 4) Ebenda, II (VIII), S. 662 f. 5) Ebenda, III (X), S. 3 8. und sie für Italien dem Könige Ferdinand übertragen. Doch dieser wies sämmtliche Vorschläge zurück und beharrtc ans seinem Standpunkte in allen Fragen; ja, er entfernte sich aus Italien, um mit dem Könige von Frankreich, Ludwig XII., zusammenzutreffen (24. Juni 1507). Bischof Räuber, der im April 1507 aus Italien zu Maximilian gereist und sofort wieder nach Neapel zurückgekehrt war, verließ das Land im Vereine mit Lucas de Renaldis bald nach dem 20. Mai 1507j1) erst die Lignc von Cambray führte bekanntlich den König Ferdinand der Politik des Hauses Habsbnrg zu. Im Jahre 1508 sandte der Kaiser unseren Bischof zur Kaiserin nach Constanz?) Eine eminent wichtige Rolle spielte der Bischof Räuber im Jahre 1515 bei dem ersten Wiener Congresse, der Zusammenkunft der Könige Sigismund von Polen und Wladislaw von Ungarn mit dem Kaiser Max, auf welchem jene für die Zukunft der Habsburg'schen Großmacht folgenreiche Doppclheirat abgeschlossen wurde?) Bei dieser Zusammenkunft übernahm aber auch Kaiser Max') die Aufgabe, zwischen Polen und dem Großfürsten von Moskau den Frieden zu vermitteln, und zu dem Ende wurde 1517 Christoph Räuber, dessen glänzende Eigenschaften und hohe Verdienste, nebenbei bemerkt, anlässlich des Wiener Congresses von dem Festredner des Wiener Gymnasiums, Magister Peter Freyländer, in das hellste Licht gestellt wurden, beauftragt, mit seinem berühmten Landsmanne Sieg mund von Herber-stein und dem kaiserlichen Pfleger zu Güns, Peter Maraxi, sich nach Moskau zu begeben und über den Frieden zu verhandeln?) Das Jahr danach sandte ihn Kaiser Max als Gesandten an den König von Polen, „um die Späne und Irrungen zwischen diesem und dem Großfürsten von Moskau beizulegen, maßen deswegen ihm ein doppeltes Crcditiv (Vollmacht oder Treubrief) ausgefertigt worden, eines an den König, das andere an des Königs Söhne."") Nach Kaiser Maximilians I. Tode hatte Bischof Räuber gar •) UI mann, Kaiser Maximilian, Band II, S. 300. 2) Valvasor I. c. Ans dem handschriftlichen Diarium des Bischofes im Archiv zn Obcrbnrg. 3) (CuspinianS) Mn knrtze und warhafte erzelnng und erklernng. k. k. Stndicnbibliothek in Laibach, Sammelband 6115—6139. *) Orationes Viennae Austriae ad Divurn Maximilianuni Caes. Aug. Ebenda. 5) Fontes rerum Austriacarum, I, 1, 104. °) Balvasor 1. c., III (X), S. 315. bald Vertrauen auch bei dessen Enkel und Nachfolger Ferdinand I. gefunden, gleichwie ihn Maximilians Enkelin Maria von Ungarn stets für ihren besten Rathgcber gehalten. Ferdinand I. unternahm kein wichtigeres Staatsgeschäft, ohne unseres Bischofes Christoph Rath einzuholen. Er sendet ihn 1526 mit Rudolf von Hohenfeld »ach Ungarn, und als hier der Kampf mit den Türken entbrennt, erhält Christoph Räuber vom Könige Ferdinand den Auftrag, einen tauglichen Gesandten ausfindig zu machen zur Abordnung an den Pascha nach Gricchisch-Wcißcnburg, welchen Auftrag er in kurzer Zeit ausführt. Zu Beginn des Jahres 1527 geht unser Bischof selbst als Commissär König Ferdinands nach Ungarn, wie ihm die Verhandlungen mit dem Agramer Bischöfe anvertraut werden, die er zur Zufriedenheit König Ferdinands beendet?) Das bischöfliche Archiv in Laibach bewahrt2) interessantes Detail aus den Tagen Bischof Räubers über die Verhältnisse in Ungarn (1527—1529), ebenso war im Oberbnrgcr Archive ein Con-volut von Briefen der Königin Maria von Ungarn (40 Stücke) an Bischof Räuber laut Zeugnisses unseres Chronisten Valvasor vorhanden/') Als der nachherige Kaiser Maximilian II. geboren worden (1527, 1. August), wurde er durch den Bischof Christoph Räuber getauft?) Bereits im Jahre 1504 erscheint Bischof Räuber als der kaiserlichen Majestät Rath genannt und ztvar in einem Befehlsschreiben des Kaisers an seinen „obristen gepirgmeister" Caspar Lechthaler (in den Tauern), dem Bischof Christoph von Laibach, „vnserm rat. . . zwei unser gcmbsjaghundt zu geben."B) Es wurde auch bald Bischof Räubers eminente Befähigung als Berather und zugleich seine hervorragend überzeugende Rednergabe zur Bethätigung in den autonomen Körperschaften in Anspruch genommen. So sandte ihn, der schon als Bischof von Laibach die Virilstimme im krainischen Landtage hatte, Kaiser ’) Beiträge zur Geschichte der uiederösterreichischeu Statthaltern. Herausgegeben von Graf Kielmansegg. =) Fase. VIII, 2, 1—2. 3) Valvasor I. e., II (VIII), S. 663. 4) Menlius, Da Majonun Divi Maximilian! II vita defunctorum monumentis etc. MDXOIII, S. 81. °) Wichner 1. c., S. 70. Max in seinem Namen (7. April 1516) zn den Sitzungen des ungarischen Landtages.') dkach des Kaisers Tode wurde er von den Ständen der Steiermark (1519) in den „größeren Ausschuss" gewählt, und das Jahr darauf erscheint Räuber als „zureytender Landrath" der Steiermark angegeben?) Um diese Zeit sehen wir den Bischof, Krieger und Staatsmann auch in volkswirtschaftlicher Richtung thätig, denn die Schriften des k. k. Quecksilbcrbergwcrkes Jdria in seiner Heimat Krain nennen in den Jahren 1520 — 1526 unter den „Mitgliedern der dritten Gewerkschaft, der kaiserlichen Gab zu St. Kathrein" den Namen des Bischofes Christoph von Laibach neben denen des Bernhard von Cles, Cardinalbischofes von Trient, des krainischcn Landeshauptmannes Hans von Auersperg, des Siegmund von Dictrichstein, dieser Gewerkschaft hatte schon Kaiser Max einen Antheil am Fürsten-bau und am St. Kathreinschachte überlassen?) Die Türkennoth veranlasste König Ferdinand I., immer und immer wieder die Stünde seiner Erblandc einzuberufen, um Geld und Truppen zu erhalten. Für den 12. December 1528 waren die Ausschüsse derselben nach Graz beordert; Krain vertrat Bischof Räuber. Im Jahre 1530 sollte in Linz über die Türkenhilfe berathen werden, und wieder sandten Krains Stände nebst anderen den Bischof?) der sich dann mit Erasmus von Tranttmannsdvrff nach Bndweis begab, um mit den Ausschüssen der böhmischen Stünde zu conferieren?) Zur weiteren Besprechung traten die Abgeordneten Steiermarks, Kärntens und Krains, unter ihnen der Bischof von Laibach, am 10. Mai 1530 zusammen; Christoph Räuber, nun auch Landeshauptmann in Krain, gieng hierauf mit Georg von Auersperg und Siegmund von Weichsclburg als Abgeordneten Krains zum Reichstage nach Augsburg. * Landeshauptmann in Krain. In der Landcshauptmannschaft von Krain war Bischof Christoph Räuber 1529 dem Landeshauptmanne Hans von Auersperg gefolgt, der während der Türkenbclagcrung Wiens „vom Kaiser nach Wien zu ') Schönleben (nach Manuscript des Laibachcr BiSihumS), Dissevtatio poleinica, II (Epherneris), S. 243. 2) KroneS, Beiträge zur Shiiibc steiermärkischer GcschichtSquellen, II, 111. ä) Hitzinger, Blätter aus Krain 1860, S. 99. *) Dimitz, Geschichte KrainS, II, S. 122ff. 5) Beiträge zur Geschichte der »iederösterreichischen Statthalterei, S. 168. ziehen erfordert worden . . . aber zwischen Glockhniz vnd Nenkhirchen firnißt seinem gcsindt ans die straiffendcn Türken gerathen", die ihn umgaben und gefangen nahmen. „Hernach von ihme (Auersperg) Nichtes mehreres zu hören gewest, ob man Im todt oder lebendig begraben oder weggcsiert, dessen hat theilt mensch in Erinderung (Humen mögen" — so schreibt der erste Berichterstatter über die Türkenbelagerung Wiens 1529, der kaiserliche Herold Paul Pessel genannt Österreich, in seinem über Austrag Kaiser Ferdinands I. hierüber verfassten „Khurtzen Begriff",') von dem uns durch die besondere Güte des Herrn k. und k. Generalmajors Rudolf Freiherrn von Gall eine von dessen Vorfahr Hans Gall zum Rudolfs eck gefertigte Copie vorliegt, welcher wackere Degen Herr Hans von Gall diese Türkenbelageruug Wiens unter dem Obristen über die Armada auf der Donau, Herrn Niklas Räuber Freiherrn zu Planken stein, mitgemacht. Bischof Christoph Räuber hat aber die Landeshauptmanuschaft von Krain nur kurze Zeit verwaltet, war überhaupt zur Übernahme derselben „sonderlich durch die Königin Maria von Ungarn" beredet worden.") Trotz der kurzen Dauer der Functionen als Landeshauptmann seines Heimatlandes hat Räuber doch vor allem darauf Bedacht genommen, namentlich in Sachen der so actuellen Landesvcrtheidigung gegen die ununterbrochenen Einfälle des Erbfeindes der Christenheit möglichste Abwehr und hindernde Vorkehrungen zu treffen. Von Weihnachten 1529 bis Ostern 1530 hatten, wie Valvasor nach „Landesverzeichnissen" constaticrt, die Türken das Land Krain „funffmal überzogen und über 3000 Personen weggeführt". „Für dergleichen Einfällen," schreibt der Chronist weiter, „sich entweder zu versichern oder dem Erbfeinde einige Vergeltung zu thun hat der Landeshauptmann nemlich Ihre fürstliche Gnaden der Bischof zu Laibach Herr Christoph Räuber etliche Commissaricn abgefertigt, welche «ebenst dem Herrn Cazianer mit dem Grafen Niclas Zriui deswegen eine Unterredung halten sollten." Das Resultat dieser Unterredung, den diesbezüglich von den Commissären an den Bischof-Landeshauptmann erstatteten umfassenden Bericht, finden wir im Anschlüsse bei Valvasor") wörtlich abgedruckt, und es geht insbesonders aus demselben hervor, mit welch klaren und fachgemäßen Instructionen seitens des „Kriegers" Christoph Räuber die Commissäre an ihre Mission gegangen waren! ') K. und s. Hosbibliothek in Wien, Hist. ree. 714. 2) Valvasor 1. e„ III (X), S. 29. 3) Valvasor I. e., IV, (XV), 431-436. In seiner Eigenschaft als Landeshauptmann hat Bischof Räuber lang dauernde Spuren seiner Thätigkeit hinterlassen; so wurde unter ihm das durch das Erdbeben von 1511 in Trümmer gefallene Landhaus neu gebaut (1530), das erste Landtagsprotokoll zusammengestellt?) Schon am 4. Juli 1530 erscheint aber als Nachfolger Räubers in der Landcshauptmannschaft der durch sein unglückliches Ende bekannte Feldherr Ferdinands I., Herr Hans Katzianer Freiherr zu Katzenstein?) Doch ungeachtet dessen, dass er diesen von so viel Mühen und Sorgen begleiteten hochbedeutsamen Posten der Verwaltung des wichtigsten Grenzlandes niedergelegt, konnte man keineswegs auf seinen erfahrenen Rath speciell in Kriegssachen und im Wesen der Landcs-vertheidigung verzichten; gleichwie er noch 1530 als Landeshauptmann von Kram mit einigen anderen Abgeordneten zu einem Ausschüsse der drei Länder Steiermark, Kärnten und Krain nach Windisch-Gratz abgesandt war,3) so finden wir ihn 1531 als königlichen Commissär auf dem Landtage zu Graz (Jänner), bei der Versammlung zu Unter-Drauburg (24. März) und wieder zu Graz (Juli) als Vertrauensmann, da über den Widerstand gegen den Erbfeind berathen wurde?) * Statthalter der niederösterreichischen Lande. Es nahte das Jahr 1532 kriegsdrohend. König Ferdinand, ans die Sicherung seiner Erblande bedacht, wollte nun auch den seit 1531 erledigten Statthalterposten der niederösterreichischen Lande3) wieder besetzen und zwar mit einem im Kriegswesen erprobten Mann, denn dieser sollte vor allem die Ausrüstung der von den genannten Landen zu stellenden Truppencontingente leiten. Seine Wahl fiel auf Christoph Räuber. Nach längeren Verhandlungen hat sich, schreibt König Ferdinand an die Kammer, „Christof Bischoue zu Laibach auf Unser gnedig ') Erstes Landtagsprotokoll von 1530 im Archive des landschaftlichen Museums in Laibach, Fol. 1/a. a) Ebenda, Fol. 12/a. a) Ebenda. 4) 28ichlier 1. c., S. 97. 5) yn der Darstellung des Nachstehenden folgen wir der meisterhaften Fassung in dem mehrcilierten ausgezeichneten Werke „Beiträge zur Geschichte der nieder-österreichischen Statthalterei", herausgegeben vom derzeitigen k.k.Statthalter Grafen Kielmansegg, S. 167—172. an sinnen und beger uns zn gehorsamen nnd nnterthänigen gefallen des statthalter amts unserer niederoesterreichischen Lande beladen." Zu Anfang April 1532 erfolgte Christophs Ernennung zum Statthalter, am 24. desselben Monats trat er dieses Amt an. Binnen kurzem hatte er die ihm gestellte Aufgabe gelost. Der Großherr Su leim an stand mit seinem mächtigen Heere vor dem kleinen Gnus, während Kassim Beg und Ferif Bassa mit ihren Scharen in Österreich unter der Enns einbrachen und das Land am rechten Donau-nfer verwüsteten. Bis an die Enns gelangten die Türken. Als aber das Hanptheer am 28. August 1532 von dem tapfer vertheidigten Gnus abziehen musste, kehrten auch Kassim Beg und Ferif Bassa durch das Gebirge, sich stets in den Seitenthälern der Traisen haltend, zurück. Über das bei Wien concentricrtc Neichsheer führte der ans dem Jahre 1529 rühmlich bekannte Pfalzgraf Friedrich Herzog von Bayern den Oberbefehl, der ans die stereotypen Meldungen, „der Türk steck' im Wienerwalde," einen Theil seines Heeres dem kriegseifrigen Bischöfe und Statthalter Christoph Räuber anvertraut und ihn in die Gegend von Baden vorschiebt. Am 10. September meldet Räuber dem Pfalzgrafen, er werde nach Neustadt rücken, da der Türke, an 10.000 Man» stark, im Wienerwalde versteckt liege und wahrscheinlich bei Neustadt herausbrechen werde. Zwei Tage später meldet Christoph, es sei zu gewärtigen, dass der Feind zwischen Baden und Mödling aus dem Gebirge herausbreche, weshalb der Pfalzgraf nach Baden das Hauptquartier verlegen möge. Endlich erhält man so weit verlässliche Kundschaft, dass das Triestingthal ins Auge zu fassen sei, solle der Feind nicht straflos entrinnen. Ant 19. September endlich in den Nachmittagsstunden kam es an der Schwarza zur Vernichtung der Scharen des Kassim Beg, woran auch der Statthalter der niederösterreichischen Lande namhaften Antheil hatte. Nach dem Jahre 1532 zog sich Christoph Räuber mit dem Ruhme eines gewiegten Staatsmannes und Kenners der Kriegsbedürfnisse vom Kriegswesen zurück und widmete sich ausschließlich den Geschäften eines Statthalters — als welcher er stets „C. Bisch. Z. Laybach ©tathalter" zeichnete — sowie den Agenden seiner Diveesett Laibach und Seeean und der Abtei Admont. Trotz seiner viele» Ämter erübrigte Räuber Muße für die Wissenschaft. Mit seiner Unterstützung sammelte Augustin ans Tüffer (Tifferms), sein Begleiter nach Italien und einige Zeit auch sein Seeretär, die römischen Inschriften Krains?) ') Mommsen, Corpus Inscription um, 3, I, 478. Als Statthalter von Niederösterreich hatte Bischof Räuber gegen die durch Luther hervorgerufene Bewegung, welche das religiöse Gebiet verlassen hatte und sich immer mehr auf das politische erstreckte, vielfach anzukämpfen, jedoch ohne Erfolg, zählte man ja unter den Räthen des Regimentes selbst Anhänger der neuen Lehre. Aus der Periode seiner Statthalterschaft, für welches Amt er als Gehalt und Provision zusammen jährlich 2500 Gulden rheinisch — der eigentliche Gehalt betrug nur 1200 Gulden rheinisch — und 24 Fuder Salz bezogen, ist zu erwähnen die Sorge, welche das Regiment für eine geregelte Rechtspflege entwickelte, das Streben desselben, die Wiener Universität zu fördern, das Einschreiten gegen das Tragen der „selbzündenden und andren püchsen", welches einige Zeit „wegen der gefährlichen läufst" allgemein erlaubt war, dann aber zu solchen Unzulänglichkeiten geführt hatte, dass die Stände aller nieder-österreichischen Lande darüber Beschwerde erhoben, endlich eine Ordnung für die Müller und Bäcker. Die Pflichten des Statthalteramtes in den Tagen des Bischof-Statthalters Christoph Räuber stellen sich nach der in dem monumentalen Werke „Beitrüge zur Geschichte der niederösterreichischcu Statthaltern" des gegenwärtigen k. k. Statthalters Erich Grafen Kielmansegg gegebenen Zusammenfassung also dar: Der Statthalter war die Spitze des Regimentes; er hatte allen Sitzungen, in welchen „kriegs- und ander fürfallende sachen, daran gelegen ist", berathen wurden, zu präsidieren, „in gemeinen fachen" oder „aus andren nottürfftigcn Ursachen" konnte er der Sitzung fernbleiben; in diesem Falle, oder war er überhaupt an dem Sitze der Regierung nicht anwesend, z. B. wenn er an Hof beschieden war, oder wenn er als landcsfürstlicher Commissär einem Landtage beiwohnte, oder wenn er aus welchen Gründen immer Urlaub erhalten hatte, wählte er aus den Regenten und Rüthen einen, aber nicht den Kanzler, zu seinem Vertreter, „Statthalteramts-Vcrwalter" genannt. Auf denselben giengen sämmtliche Rechte und Pflichten für die jeweilige Zeit über. Diese waren die Führung des Präsidiums bei Sitzungen der Räthe, speciell bei jenen Sitzungen der Justizsectivn, welche öffentlich waren, desgleichen bei solchen, in welchen Endurtheile gefällt wurden; ferner das Unterfertigen der vom Regiment ausgehenden Confirmationen, Lehenbriefc, Ladungen, Commissionen, Befehle, Mandate, Urtheile „und all ander notturfftige brief, nichts ausgenomben, die zur fürstlichen Regierung und zur Vollziehung der iusticia und aller rechtfcrtigung nottürfftig sein", besonders aber von „Pergamentbriefen"; weiters die Berufung eines oder mehrerer Räthe aus der Justizscction zu Berathung über Gegenstände nicht jndiciellerNatur; dicBcrnsnng fämmtlichcrKammcr-odcr Raiträthe bei seinem Ermessen nach wichtigen Berathungen inKriegs-angclegcnhciten; weniger wichtigen Berathungen, das Militärwesen betreffend, waren zwei vom Kaiser bezeichnete Kammerräthe beiznzichcn. Dem Statthalter batte täglich der Kanzler ein Verzeichnis der nnanfschicblichen („genbthigistcn") von den eingelaufenen Sachen zu übergeben, wobei beide die Reihenfolge derselben, wie sie zur Verhandlung kommen sollten, feststellten. Fragte der Statthalter bei einer Sitzung die einzelnen Räthe um ihre Ansicht, so war er nicht an ihre Sitzordnung gebunden, sondern konnte „nach gntbcdnnken" die Meinung dieses und jenes einholen; ihm stand es allein zu, den Räthen Referate über einzelne Gegenstände zuzuweisen, ganz nach freiem Ermessen „mit bedenknng der Handlung halt, wag dieselben sein und antreffen, Von wannen oder ans was; laut und orthcn die khommcn und ander gclegenheit ansehen und dann demselben nach die Personen, bey denen sich solcher landt- und vrthen gebrauch und Weesen oder sonst aincs handelss als ihrer Erfahrung und wissenhcit zu ersehen ist". Dem Statt-baltcr oblag cs auch zu verhindern, „das; bei Gerichtsverhandlungen ein Rcgimcntsrath sitze, der mit den Partheien blutsverwandt wäre." Endlich hatte er die Räthe anzuhalten, zur festgesetzten Stunde zu den Sitzungen zu erscheinen. Sein Tod. Nachdem der Bischof-Statthalter im Mai 1530 ans seinem geliebten Tuscnlnm Oberbnrg geweilt, gicng er nach Wie» zurück, wo er in eine längere Krankheit verfiel und noch im Sommer (26. August) 1530 verschied. Seine altbewährten Freunde, sein Oheim Daniel von Gailenberg und Franz Katziancr, sein Nachfolger ans dem bischöflichen Stuhle in Laibach, geleiteten den Leichnam nach Oberburg zur Beisetzung in der dortigen Gruft. Die Route, welche der Leichenzug einschlug, war nach gleichzeitigen Quellen von Wien über Himberg, Schollwicn, Bruck a. M., Leoben, Obdach und Wvlfsberg, der fernere Weg musste also über St. Andrä, llntcr-Draubnrg, Windisch-Graz, Prassberg nach Oberburg führen.1) Schon 1527 hatte sich Bischof Christoph in der St. Andreas-kapelle, heute „Ranberkapellc" genannt, ein Epitaph setzen lassen, welches ‘) Wichner 1. o, S. 111. jedoch nicht, wie man ermatten sollte, sein Bildnis trägt; nur in Seccan existiert ein Frescogemälde, ihn darstellend, nach welchem das Porträt des Bischof-Statthalters für das rnehrcitierte Werk des Grafen Kiclrnansegg angefertigt wurde, und das auch wir dank der Gestattung Seiner Excellenz für gegenwärtigen Essay benützen durften (sich die Illustration). Bischof Christophs späterer Nachfolger auf dem Laibachcr Bischvfsstnhlc und im Besitze der Dotatiansherrschast Oberburg, Fürstbischof Thomas CH fön (1597—1630 Bischof von Laibach), ließ wie allen seinen Vorgängern, so auch dem Fürstbischöfe Christoph Ränder am Dome zu Oberburg ein Denkmal setzen. Dasselbe, ein Grabstein aus weißem Marmor, an der Außenwand der Kirche eingemauert, stellt die Figur des Bischofes liegend dar, der Kopf ruht auf einem Kissen, an dessen Enden sich Quasten befinden, in der Rechten hält die Figur einen Bischofsstab, in der Linken ein Messbuch mit fünf Buckel».') * Anhang. Verleihung des Fi'trstentitels an die Bischöfe von Laibach durch Kaiser Ferdinand I. ddo. Wien 26. Mai 1533. Wir Ferdinand Bekhcnnen Alls der Erwirdig unser lieber andächtiger Cristvs Bischone zu Laybach Administrator des Stifts Segkhaw vnser Statthalter unserer NiederoesterrcichischenLannd, weiland unsere vordem, Ertzherzogen zu Oesterreich Auch Römischen Kaysern und Sinnigen und sonderlich unseren lieben Herrn Anherrn Kayser Maximilian löblicher gedächtnuss lange zeitt und Jar mit gctrewcn vlciss, vnverdrossenlich vnd aufrichtiglich zuuor im Vencdigischen Kryeg gediennt. Auch nicht minder gegen uns die Zeit unserer Regierung unserer Nicdcrvestcrreichischcn Land mit dergleichen ©erlichen nützlichen Diensten in Potschafften und- ander weg Bnd jungist als der gross-mächtig Bhcindt der Cristenhait der Türkisch Kayser mit unsäglicher Autzall Volks vnser ©tat Wicuc hie häfftig belegest. Auch hernach widernmben das vergangen Jar diss unser Land mit gleicher macht eingefallen und darin gelegen ist vnderthciniglich erzeigt und woll-gehalten bauen wir sonndcr naygung tragen zn erfätzung solcher seiner ') Siehe mein „Grabdenkmale zu Obcrbnrg in der unteren Steiermark" Mittheilungen der k. k. Ceiitralcommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, l Folge 1862 S. 243 ff. gctrcwen dienst Jme und seinem stift Laybach vnnd vmb seinen willen allen nachkomenden Bischouen daselb zu Laybach mit vnsere gnaden zn erscheinen. Haben demnach mit volbedachtcn nutet, guctem willen und zeitigem Rat gedachten Cristoffen gegenwärtigem vnd vmb seinen tittb seiner dienst willen darnach einem yeden kunfftigen Bischof des Stiffts Laybach mit dem Titel Fürsten gncdigelich begabt vnd dartzue Jme in sein vnd des Stiffts Laybach Haws oder Hof in vnnser Statt Laybach gelegen vnd das die Phalltz durch vvrgedachtcn vnseren Herrn Anherren Kaiser Maximilian genennt worden ist, Fürstliche Freyung gegeben. Thun das auch hiemit wissentlich vnd in Krafft dis; Bricffs Also das gedachter Cristof Bischoue zu Laybach vnd sein nachkamen daselb nun hiefür von uns den Titel (vnnser Fürst) haben Inen auch aus allen vnnseren Hof Oesterreichcr vnnd anderer Land Canntzeleyen dcrselb Titl, vnnseren Fürsten geschriben vnnd gegeben werden. Bund dartzu so sein oder seiner nachkomen Hofgesynd in vnscr stat Laybach ainich fräuel oder Unzucht ansahen vnd triben vber Sy nycmands weder Er vnd sein nachkamen, vnnd wem sy cs weittcr benclhen zu richten oder zu strafen, vnd solcher vnd anderer muctwilligen Handlungen halben sonst auch all ander die in seinen vnd des Stiffts Hof Phaltz genant fliehen, darin bis zu Recht frcynng haben sollen. Doch aus- genommen was Todslag, Mort, Rauberey, prand vnd dcrglcich Unthaten antreff. Vnd sich des vbgeschribcn Tills Fürst wie ander vnscr vnd Unserer Oestcrrcichischcn Land geistliche Fürsten Auch der fürstlichen freyung in dem Hof zu Laybach Phaltz genant, obgcineltcr masten freye», gebrauchen vnd geniesten Auch all vnd ycglich Ere, gnad, Vorlast, Recht, vnd gcrechtigkait dartzue haben, die ander vnscr geistliche Fürsten die mit der gleichen gnad vnd titl, auch die mit solcher frcynng in ircn Hewsern oder Höfen begabt vnd fürsehen sein, haben, sich derselben gebrauchen vnd gcnyesscn von recht oder gewonheit von allermeniglich unverändert. Doch dass sich vorbcmcltcr Cristof Bischoue zu Laybach vnd sei» nachkomen am selben Stifft nicht minder gegen Uns vnd Unsern nachkomen Landsfürstcn in Krain alzcit gehorsamlich, gc-trcwlich vnd allcrmasscn wie ander Unser gehorsam Bischof vnd Prclatcn halten vnd sich von solcher frcyhait vnd Fürstcn-Titls wegen aus vnscr gehorsam Obrigkait, Jurisdiction, Gepotcn oder verholen mit nichte ziehen vnd vns an Unseren vnd Unseres Hawss Oesterreich sreyhcitcn, gerechtigkaiten vnd gewonnhaitcn allcnthalb vnuergriffcn vnd vnschedlich sein soll vngeucrlich. Gebieten darauf allen Vitb jeden vnnsern Ambtleuten, vnnderthancn vnd Jnwonern unserer Niedcroesterrcichischcn Lannde in was wirden Stands oder Wesens die sein hiemit Ernstlich vnd willen, das Sy beineltcn Cristoffcn Bischvncn zu Laybach vnd sein »achkomen daselbs bey dem Titl Fürsten vnd der frcyung des Sliffts Hof phaltz genant berucblich bclcibcn vnd der geniesscn lassen, dawider nit dringen noch besweren, noch des yemannds andern Zc thun gestatten, sonnder dabey vcstigclich handhaben. Das meinen wir Ernnstlich Mit Vrkhnndt diss Brieffs Bcsigelt mit unseren kuniglichen anhangundem Jnsigl. Der Geben ist in Unser Statt Wienn den Scchsvndzwaintzigistcn Tag des Monats May Nach Christi Unseres lieben Herrn gepurdt im funf-zehenhundert vnd dreyvndreissigisten Vnserer Reiche des Römischen im dritten vnd der andern im Sibcnden Jar?) i) Zgodovinsld Zbornik, Gcschichtsbeilage des f. b. Diöcesanblattes, Laibach 1888, Sir. 8, S. 33 ff. .st. u. f. Hosbuchdruckerei Carl Fromme in Wien. Schiller auf der deutschen Bühne in Eaibach Bus Anlass des loo. Sedenktages seines Codes. Uon P. von Radies. Calbach ioos. Selbstverlag. Druck von D. firfbar. Schiller auf der deutschen Bühne in Laibach Aus Anlass des 100. Gedenktages seines Todes. Von P. von Radies. Laibach 1905. Selbstverlag. Druck von D. Hribar. Vorwort. Die 100. Wiederkehr des Tages, an welchem Friedrich von Schiller dahingeschieden, — doch nur um die irdische Hülle abzustreifen und in seinen unvergänglichen Werken fortzuleben und fortzuwirken — die 100. Wiederkehr des 9. Mai, dieses deutschen Gedenktages für immer, legt es auch uns hierlands auf der Brücke des jahrhunderte alten Kulturverkehrs aus dem germanischen Norden und dem romanischen Süden nahe, in kurzer Rundschau die bescheidenen Bilder an uns vorüberziehen zu lassen von dem ersten Auftreten Schiller*sc her Bühnengestalten auf den Brettern, die auch hier gewissermassen die Welt bedeuten mögen, bis auf unsere Tage her! Diese Rundschau, die den Zeitraum vom Ende des XVIII. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des XIX. Jahrhunderts d. h. bis zum Beginne der seit 1859 wiederkehrenden Bühnen-Schillerfeier an Schillers Geburtstage umfassen soll, wird uns einerseits zeigen, welche Zeitverhältnisse und Geschmacksrichtungen auf die Vorführung Schiller’sche Dramen hierorts von bestimmendem Einflüsse waren und zugleich, wie sich die jeweiligen Bühnenleiter kraft ihrer persönlichen Begabung, Neigung und Pflichtgefühl hiezu gestellt haben 1 Laibach im Mai 1905. Vor dem Jahre 17(35 bestand in der Hauptstadt des Herzogtlmms Krain in Laibach noch keine stellende Bühne. Die Väter der Gesellschaft Jesu, welche vom Schlüsse des XVI. Jahrhunderts bis nahezu an das Ende des XVIII. Jahrhunderts die Laibacher lateinische Schule leiteten, hatten schon am Beginne des XVII. Jahrhunderts in ihrem Schulplane die Mysterien des Mittelalters erneuert, indem sie meistens am Ende des Schuljahres oder bei sonstigen festlichen Anlässen Sclnil-komödien aufführen liessen, in welchen geistliche Stoffe mit mythologischen Vor-, Zwischen- und Nachspielen vermengt waren und welche durch reichen szenischen Apparat, Menge der in prächtigen Kostümen auftretenden Personen und rauschende Musikbegleitung für das schaulustige Publikum recht anziehend gemacht wurden." Neben diesen Schulkomüdicn der Jesuiten debütierten auf dem Laibacher Rathause und im Ständesaale abwechselnd fahrende Komödianten, meist aus * Programme dieser Schtdkomödlen mit kurzen Inhaltsangaben der vorgeführten Stücke in der k. k. Studienbibliothek in Laibach u. a. Süddeutschland, denen die Landschaft und der Magistrat Subventionen „auszuwerfen“ pflegten. Auch italienische Impressarien versuchten hier ihr Glück mit Opern und Ballcts, an welchen die Bewohner unserer Stadt, die schon im Jahre 1600 die erste Oper zu hören Gelegenheit hatten, immer grösseren Gefallen gefunden. In der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts griff bekanntlich bei den „süddeutschen Komödiantentruppen“ die Reform der deutschen Schauspielkunst durch, der Hannswurst, der bis dahin geherrscht, wurde verbannt und das regelmässige Schauspiel errang nach langem hartnäckigen Kampfe auf der Bühne den Sieg. Auf diese Reform folgte dann auch die Errichtung stehender Bühnen. Bei dem Ende Juni 1765 abgehaltenen Landtage beschlossen die Herren Stände von Krain wegen der erwarteten Ankunft der Majestäten, der Kaiserin und Königin Maria Theresia und Ihres Gemahls Kaiser Franz I. die Erbauung einer stehenden Bühne in Laibach oder eigentlich die Umgestaltung der bisherigen ständischen Reitschule in eine solche, des erst nach dem grossen Brande im Jahre 1887 abgebrochenen landschaftlichen Theaters an Stelle der heutigen „Tonhalle“ der philharmonischen Gesellschaft, der ältesten Musikgesellschaft Österreichs (gegründet 1702). Die erste Einrichtung des Laibacher Theaters zählte im Zuschauerraum nebst einer Hofloge im Parterre und in zwei Stockwerken im ganzen 50 Logen und fasste höchstens 850 Personen, was jedoch für die damalige Bewohnerzahl unserer Stadt (7—8000 Menschen) genügte. Wir haben über die ersten Jahrzehnte des Bestandes dieses Musentempels nur sehr spärliche Nachrichten. Die Genügsamkeit der damaligen Zeit beweist das Theaterinventar von 1775, dessen ganzer Reichtum in 8 Dekorationen und einigen Versetzstücken bestand. Im Jahre 1780 begegnen wir als Theaterdirektor von Namen, dem bekannten Schickaneder, den Hauptgegner des alten Theatergeschmackes und beliebten Verfasser vieler Bühnenwerke von glücklicher Mache auf unserer Bühne, der u. a. hier zur Aufführung bringen und zugleich im Drucke erscheinen liess Leisewitz: „Julius von Tarent“ und „der Barbier von Sevilien“ (Operngesänge).“ Auf dieser stehenden Bühne der brasilischen Herren Stände kamen dann auch in der Spielzeit 1791/2 ein paar Schi 11 er’sc h e r Stücke zur ersten Aufführung. Es war also unter der Direktion Philipp Bernd t, der aus Riagenfurt nach Laibach gekommen war, und dessen Spielplan über 70 Stücke umfasste, dass in genannter Spielzeit neben Shakespeares König Lear, Hamlet und Macbeth, Lessings Emilie Galotti, Mitteilungen des liistor. Vereines fiir Krain 1865, pag. 6G. 1791-92 Die Riiuher, Kabale und Liebe. 980. 6. Oktober Die Räuber. 901 4 Oktober F i e s k o. Göthes Clavigo, auch Schillers „Räuber“ und „Kabale und Liebe“ gegeben wurden.1 Unter der Direktion Fra sei in der Spielzeit 1800/1 kamen „die Räuber“ am 6. Oktober wieder zur Aufführung und zwar — wie die „Laibacher Zeitung“ Tags darauf in kurzer Kritik bemerkt — „mit Beifall“.2 Frasel’s Nachfolger, Direktor Schantroch, dessen Gesellschaft Seume, der auf seinem Spaziergange nach Syracus bekanntlich auch Laibach berührte, es nachrühmt, dass diese Truppe „nicht ganz ohne Verdienst“, brachte im Oktober 1801 den Fiesko. Dieses Stück, das als erstes von Schillers-Dramen auf dem Wiener Burgtheater, jedoch ohne Angabe des Verfassers am 1. Dezember 1787 zur ersten Aufführung gebracht war'1 und an welchem Kaiser Josef II. selbst Kürzungen vorgenommen haben soll, erschien also auf unserem Laibacher Theater am 4. Oktober 1801. Der Theaterzettel1 dieser Aufführung lautet wie folgt: 1 Reichards Theaterkalender 1792. - Theaterjournal: Beilage der Laibacher Zeitung 1800 Nr. 81. ;! Wlassak: Chronik des k. k. Hofburgtheaters, Wien 1876 p. 240. 1 Bibliothek im landsch. Museum Rudolfinum in Laibach. . Mit gnädigster Bewilligung / wird heule Sonntag den 4. Oktober von der hier / anwesenden Gesellschaft deutscher Schau spieler und Sänger unter Iü/rnng des Georg Schantroch aufgeführt. Jin Abonnement. Ticsko. Lin Trauerspiel in 6 Auszügen von L. 3. Schiller. Personen: Andreas Doria, Doge von Genna . . Gianettino Döria. liesse des vorigen Julia, verwtttwette Gräfin Jmperiali, Do rias Schwester . ................ Fiesko, Graf von Lavagna .... Leonore, Fieskos Gemahlin .... verina, verschworener Republikaner . Bnrgognino, ) ... Ralkagno, f verschworene . . . pcroni, ) ... Zenturione. ^ Mißvergnügte, hernach Afferato, ) Mitverschworene Eommcltn, Giancttinos vertranter Hin lei Hasian, ein Mohr .... Deutscher der herzoglichen Leibwache . Bella ( Leonorens Rammermädchcn Romano, ein Mahler..................... (Eilt Bürger........................... Mehrere Nobili und Damen, deutsche Soldaten, Bediente, Volk. preise ivic gewöhnlich. Der Anfang ist »in 7 Uhr. Das Lude um 9 Uhr. Aus dem vorstehendem Personenverzeichnisse ist ersichtlich, dass aucli auf der Laibacher Bühne die Rolle der Bertha entfiel, gleichwie sie auf dem Wiener Herr weiß. Herr wurschbaucr. Mad. Pfänner. Herr Weinmüller. Mad. Böhm. Herr Schrott. Herr waidinger. Herr Wilhelm. Herr Frehmiller. Mad. weiß. Herr Hoffman». Herr Schöps. Herr Thhm. Herr Haselbeck. Herr Rcisinger. Mllc. Müller. Mad. wcinmüllcr. 16. Jänner Jungfrau Orleans. Burgtheater „aus Anstandsrücksichten“ hatte wegbleiben müssen1. Ebenfalls unter Schantrochs Leitung wurde dem Laibacher Publikum das „bürgerliche Gemälde“ Kabale und Liebe am 17. November 1801 wieder vorgeführt und zwar mit der Bezeichnung der handelnden Personen genau nach Schiller, während bei der Aufführung am Burgtheater 1808 der Praesident in einem Vicedom, Ferdinand aus dem Sohn in einen Neffen, der Hofmarschall von Kalb in einen Obcrgarderobemcistcr verwandelt erschienen-. Den Ferdinand spielte auf unserer Bühne Direktor Schantroch selbst, die Lady Milford Frau Therese Schantroch, die Luise Fräulein (Dlle — Demoiselle) Apoll. Direktor Schantroch, der der Laibacher Bühne auch in der Spielzeit 1802 auf 1803 vorstand, brachte am 16. Jänner 1803 als neu hier zur Aufführung: „Die Jungfrau von Orleans“. Eine romantische Tragödie in sechs Aufzügen. Es bemerkt der Theaterzettel: „Wegen der Handlung in sechs Aufzügen ist heute der Anfang etwas vor 6 Uhr das Ende um Vü9 1 Ihr.“ Man kann schon aus diesem Ausmasse der Spieldauer entnehmen, welche starken Striche an dem Texte vorgenommen waren, wenn auch die Personenbezeichnung keine Änderung hatte erfahren müssen, nicht etwa wie der Wiener Theatersekretär Escherich sie hatte eintreten lassen, der die Mutter des Königs zu dessen Schwester 1 Wlassak a. a. O. 2 Wlassak 1. c. p. 119. machte, Agnes Sorel zur Königin und Dunois zum Prinzen erhob8. Dieser Aufführung der „Jungfrau von Orleans“ folgte eine Wiederholung des „Fiesko“ am 19. Februar 1803, und zwar „zum Vorteile der Armen“; diesmal lautete die Theateranzeige: „Fiesco Gral von Lavagna oder die Verschwörung gegen Genua, ein Trauerspiel in sechs Aufzügen von Schiller.“ Der Anfang war auf 1 ->7 Uhr, das Ende auf 9 Uhr festgesetzt. Wilhelm Fra sei, der im Vereine mit Josefa Scholz die Leitung unserer Bühne in der Spielzeit 1803 auf 1804 führte, brachte am 14. Jänner 1804 „T u ran dos, Princessin von China oder die Rätsel“, ein neues hier noch nie gesehenes tragikomisches Märchen in fünf Akten nach Gozzi von Friedrich Schiller, zur ersten Aufführung. Dieses Stück war 1802 im Drucke erschienen2. ln dem Personenverzeichnis dieser Vorstellung erscheint theatergeschichtlich vom besonderen Interesse das Auftreten des nachher so berühmt gewordenen Wiener Komikers Wenzel Scholz, der hier als Scholz der jüngere in der Rolle des Truffaldin, des Anführers des Verschnittenen und „Spassmachers“ angegeben ist. 1 Dr. Karl Glossy: Schiller und die Wiener Theatercensur „Oesterreichische Rundschau“. Schillerheft 1905 p. 647. - v. Wurzbach Constantin: Das Schillerbuch, Wien 1859 p. 107 Nr. 1585. 1804 14. Jän Turandot Dem Theaterzettel ist nach dem Pcrsonctivcr-zeichnisse eine Aufzählung der vorkommenden Dekorationen und eine kurz skizzirte Inhaltsangabe, „Auszug“ des Stückes angereiht. Dieser lautet: Erster Act. Erste Scene Vorstadt von Petiting, Prospcct einer Stadtmauer, eiserne Stabe ragen hervor, worauf mehrere gestimmt- mit türkischen Schöpfen versehene Köpfe symmetrisch aufgepflanzt sind. Prinz Kalaf (von Astrachan) in tartarischen Geschmack gekleidet erscheint, unvermuthete Zusammenkunft. Zweiter Act. Erste Scene. Grosser Saal des Divans mit zwei Pforten, davon die eine zu den Zimmern des Kaisers Alto um (von China), die andere ins Serail (seiner Tochter) der Prinzessin Tarandot führt. Truffeldin der Spassmacher (Anführer der Verschnittenen) ordnet die Plätze. Zweyte Scene. Ein Zug von Spielleuten, darauf die Dotieren, alsdann Pantalon und Tartaglia, zuletzt der Grosskahn Altourn im chinesischen Geschmack. Ceremonien, Marsch. Dritte Scene. Kalaf von Wache begleitet. Vierte Scene. Marsch. Truffeldin mit einer Schaar Schwarzer, Adelrna und Zelima (Sclavinen der Princessin), zuletzt Turandot verschleiert in reicher chinesischer Kleidung majestätisch und stolz. Ceremonien lächerliche der Doctoren. Dann hört der Marsch auf. Aufgabe der Räthseln und was geschieht? — Abmarsch. Dritter Act. Zimmer in Serail. Dritte Scene Vorhalle des Palastes. Barak (ehemals Hofmeister des Prinzen Kalaf) wird auf eine lächerliche Art gefangen genommen,. Vierter Act. Vorhof mit Säulen, in der Mitte eine Tafel mit Goldstücken. Drohende Gefahr. Sechste Scene Veränderung in ein prächtiges Zimmer mit einem Ruhebett. Fünfter Act. Grosser Ceremonien-Saal mit Altar und Priester. Zusammenkunft Aller mit Musik. Doctoren und Volk. Thron, Beleuchtung, gedämpfter Marsch. Truffaldin mit Verschnittenen. Dann Turandot, was geschieht? Als letztes Schillersches Stück vor des Dichters Tode schritt die „Braut von Messina“, und zwar am 17. März 1805 über die Laibacher Bühne1. Der auf Seite 14 dem Wortlaute nach mitgeteilte Theaterzettel- in natürlicher Grösse eine Höhe von 30 cm und eine Breite von 37 5 cm weisend, erscheint an den Rändern mit einem sehr feinem Muster perforiert. Charakteristisch für die Zeit der Aufführung ist die am Schlüsse des Zettels angefügte Anempfehlung des Stückes durch die Beneficiantin. Nach kaum zwei Monaten schloss der Dichter dieses edlen, so viel besprochenen Stückes seine Augen für immer, am 9. Mai 1805. Den Tod des Dichters meldete die „Laibacher Zeitung“:i am 31. Mai 1805 mit folgenden Worten: Ausländische Nachrichten. Weimar den 12. May. „Der am 9. dies verstorbene Hofrat Schiller ist nur 46 Jahre alt geworden. Er starb an den Folgen eines Bluthustens nachdem er bereits mehrere Jahre gekränkelt hatte. Deutschland verliert an ihm einen seiner besten Köpfe. Die meisten seiner hinterlassenen Schriften haben einen klassischen Werth.“ Lind unmittelbar an diese so kurz gefasste Nachricht vom Hin- 1 1803 im Druck erschienen v. Wurzbach a. a. o. p. 57 Nr. 783. - Bibliothek Museum Rudolfinum. :i Laibacher Zeitung 1805. Nr. 44 Freitag 31. Mai. 1805 17. Milr: Dieß raut vo Messi na. 2h\ 97. 1805. Mit gnädigster Erlaubniß wird heute Sonntag 27.März die hier anwesende stlind. Gesellschaft deutscher Schauspieler, und Sänger, unter der Leitung desWilhelm Frasel, und derIos, Scholz die Ehre haben aufzuführen: mit Abonnement S u f p e n d u 311 m Vortheil der Josepha Sch01z / Die Braut von Messina oder die feindlichen Vrüder. Ein neues hier noch nie gesehenes tragisches itioltflürt in 3 Akten. Bon Friedrich Schiller. i |i 11' <: ri: ' II .1 :■ „ I '. .1 h ■» iiji!!:: 1' ü i ;l |. ,11:1! I ll h II >> ii II 111 11 :I! 11 'II 11' 11I ll || IIIIII !l IIIIIIIII > > i > j I1HI' il |: IIII ll \' I I j| II ll || !| I 1 >' 11: 11 1IIIII V c v f o ii e ll. $omia Jsabella, Fürstin» tioii Mestiua Joseph» Scholz. Don Manuel ) ihre Sühne Wilhelm Frasel Don Cäsar > die feindliche» Brüder Hr. Frasel der jüngere. Beatricc Mud. Frist. Diego Hr. Huber. Manfred, Erster von der Leibwache, und Bcr trauter des Do» Manuel Hr. Böller. Pier», erster Bertrautcr des Don Cäsar Hr. Harte. Böthe Hr. Scholz der jüngere. Gefolge der Brüder, aus zwey Chören bestehend Die ältesten von Messina Hoher »gnädiger Adel! K. lt. Militär! Brrehru»gswürdiges Publik»,n! Ibre Gunst ist es, uurnach ich strebe! — Würdigen Sie mich heute Ihres gütigen Hkfiichi's, so werden Sie finden, dnkl ich sowohl durch die Wahl, als Darstellung der heutigen Plc(c diese Ihre Gnade verdiente Unterthänigslc Ioscpha Scholz, Mitdirektribe. !' i' ll l : I 'i !' ii 1 i.'il I :i 1 'I i: 1 : :■ : 'III'., "III i' ll li'.ii: I^lllhil!;.!!.'!! II1 l |! Ilii'll! 11 II' 'I ii h ! i 11. il Ii :l I' ;l I Preise derPläste: aus dem Parterre tr., aus der Gallerie 7 kr. Der Ansang ist um 7 Uhr, das Ende um 9 Uhr. scheiden des Dichterfürsten anschliessend heisst es: „Hofrath Wieland der Nestor der Dichter befindet sich noch wohl.“ Am 14. Jänner 1806 — nicht ganz ein Jahr nach Schillers Tode brachte Holbein das nach Schillers Gedicht: Der Gang nach dem Eisenhammer für die k. k. Hoftheater in Wien bearbeitete fünfaktige Schauspiel „Fridolin“ auf das Burgtheater, wo dieses zugkräftige Stück bis 12. Juni 1831 59 mal gegeben wurde1; das Publikum unserer Stadt bekam dasselbe schon am 2. November 1806 unter der Direction Wilhelm Frasel und Josepha Scholz zum erstem Mal zu sehen und dann 1814, 1821, 1824, 1832, 1834 und 1835. Die französische Zwischenherrschaft in lllyrien, beziehungsweise in unserer Hcimath Krain (1809—1814) hatte auch, gleichwie die zunächst vorangegangene Epoche fortdauernder Kriegswirren eine Unterbrechung in der Geschichte unseres deutschen Theaterwesens zur Folge und wir können den Faden derselben erst wieder mit dem 1. Oktober 1814 aufnehmen. Die neu organisierte Gesellschaft des Director Xavier Deutsch, — in welcher auch Wenzel Scholz frohbegriisst wieder erschien — brachte am 12. Dezember 1814 Holbein’s Fridolin, doch unter der Be-zeichnung: „ Ritterschauspiel.“ 1 Wlassak a. a. O. p. 304. 1806 2. Nov. her Fridol oder Der Gt nach d ei Eisenha in r nach Schill Gedicht Sei spiel von Holbein Scliiller’s Dramen wurden unter der Direktion von Lorenz Gindl Spielzeit 1815/16 mit pikanten Nebentiteln angekündigt so zb. „Die Räuber“ oder der Sturz des Moor’sehen Hauses, ein grosses vortreffliches historisches Trauerspiel aus den letzten Zeiten des 30-jährigen Kriegs, „Kabale und Liebe“ oder der Verrath an Tugend und Unschuld, ein vortreffliches grosses und allgemein beliebtes Trauerspiel; „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ ein grosses vortreffliches historisches Schauspiel. Direktor Gindl zeigte sich als besonderer Schiller-Verehrer, die „Räuber“ gab er am 12. Oktober, Kabale und Liebe am 28. Oktober, Fiesco am 2. Dezember 1815. Unter die Anzeige des Stückes „Die Räuber“, in welcher Anzeige hervorgehoben wird, dass Karl Moor zn Pferd erscheinen wird, setzt Direktor Gindl nachstehende Anempfehlung: „Dieses interessante und vortreffliche Stück bedarf keiner Anempfelung, die einstimmige Stimme aller Gebildeten hat längst über dessen grossen Werth entschieden. Schauerlich gross sind Karl Moor’s Handlungen — grässlich und verabscheuens-wiirdig Franz Moor’s Thaten — der Mörder seines Vaters — der Verderber seines Bruders. Nur ein Schiller war fähig diese Charaktere so zu zeichnen und getreu durchzuführen, nur er dieses Meisterwerk für die deutsche Bühne zu liefern.“ Interessant erscheint in dieser Anempfclung ganz besonders die Bezeichnung des Franz Moor als Mörder seines Vaters, da doch nicht nur auf dem Wiener Burgtheatcr, sondern auch auf den andern Bühnen Oesterreichs noch lange später die Söhne Moor’s (Karl und Franz) als dessen Neffen bezeichnet werden mussten. Unter die Anzeige von „Kabale und Liebe“ setzte Gindl aber folgende Sätze der Empfclung: „Jeder Freund des Schauspiels huldigt dem grossen Dichter, dessen umfassendes Talent so sehr wiedersprechende Charaktere zeichnen und durchführen konnte. Wenn wir Ferdinands Grösse bewundern und Luises tragisches Ende bemitleiden, erregt des Präsidenten Härte und Stolz unseren Abscheu — und nur der rasche und unerwartete Gang der Handlung, und die Kraft und Schönheit des Dialogs sind fähig unser empörtes Gemüt zu beruhigen.“ Und unter dem „Fiesko“ lesen wir: „Dieses Meisterstück des berühmten Schiller vereinigt alles in sich, was Kühnheit der Handlung, Grösse von Ideen und Schönheit des Dialogs nur hervorzubringen vermag. Wenn schon die wahre Geschichte Fiesko’s an sich sehr viel Interessantes hat, so wurde selbe durch die Bearbeitung des grossen Dichters noch anziehender gemacht, und keine Bühne ist wohl, deren Mitglieder nicht alle ihre Kräfte anstrengten, um die Darstellung so gelungen als möglich zu machen.“ 118 12. März er Tyrann n Syrakus oder die tirgschaft lauspiel nach illcrs Gedicht on Holbein H 26. Dezember Don Carlos. 19 19. April P h ä d r a Direktor Miller, der am 17. November 1817 „Die Räuber“ brachte, setzte aber als besonderes Zugmittel die Bemerkung auf den Zettel, dass nicht nur Karl Moor und mehrere Räuber zu Pferde auftreten werden, die der (Cirkusbesitzer) Herr Gautier auf die Bühne zu geben die Gefälligkeit hat, sondern dass die Räuber auch ihre grossen Fanghunde mitbringen werden. Direktor Johann Miller brachte weiters in der Spielzeit 1817/18 und zwar am 12. März Molbeins „Der Tyrann von Syrakus oder die Bürgschaft“. Ein hier noch nie gegebenes historisch-romantisches Schauspiel in 5 Aufzügen in Jamben nach Schillers Gedicht: Die Bürgschaft; in der Spielzeit 1818/19 am 26. Dezember 1818 zum ersten Male den „Don Carlos“ Infant von Spanien. Ein fürstliches Familien-Gemälde in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller für die Bühne bearbeitet, herausgegeben von Doktor Albrecht, nachdem am 11. Mai „Die Jungfrau von Orleans“ und am 5. Dezember „Kabale und Liebe“ als Schiller-Aufführungen dieses Schiller Verehrers vorangegangen waren. Unter derselben Direktion fand am 19. April 1819 die Erstaufführung der Phädra auf der Laibacher Bühne statt. Der Zettel sagt: Zum Erstenmale Phädra, Königin derAthenienser. Ein neues hier noch nie gesehenes Drama in fünf Aufzügen aus dem französischen des Racine übersetzt von Fr. Schiller1. Derselbe Direktor, der das klassische Stück besonders kultivierte, brachte auch Grillparzers „Sappho“ (18. April 1819) und „Die Ahnfrau“ (IG Mai 1819). Der nächstfolgende Direktor Waidinger führte am 14. Dezember 1819 dehi „Laibacher P. T. Publikum“ und zwar als Benefice der Schauspielerin Anna Har-dinger (als deren Titelrolle) Maria Stuart vor als „ein grosses historisches Gemälde“ und die Bene-ficiantin setzte an den Schluss des Theaterzettels die Worte: „Hohe! Gnädige! Verehrungswürdige! Zu allgemein bekannt sind die Verdienste des Verfassers, um zum Vortheile dieses Meisterwerkes noch etwas sagen zu können“. In einem am 9. April 1820 ausgeführten „grossen Quodlibet“ wurde auch neben einer Scene aus Grillparzer’s „Ahnfrau“ mit Duett aus der Zauberflöte eine Scene aus Schillers Trauerspiel „Die Räuber“ (Franz von Moor, Daniel ein alter Diener) gegeben. Direktor Gindl, der in der Spielzeit 1821/22 die Laibacher Bühne zum vierten Male leitete, kam am 28. November 1821 Holbcins so beliebtes Schauspiel „Fridolin“ wieder zur Aufführung, und in der Spielzeit 1822/23 brachte er am 30. November 1822 dasselbe 1 Im Burgtheater 1808 17. Dezember zum Besten der hinterlassenen Witwe und Kinder Schillers zum ersten Male gegeben — Wlassak a. a. O. p. 120. 1819 14. Dezcm her Maria Stuart. 1824 24. Jänner )as Lied von der Glocke (Deklamation) wieder. Die Aufführung von „Kabale und Liebe“ oder „Die Schlangenlist der Verleumdung findet ihren Rächer“ 18. Dezember 1822 empfielt Gindl mit den Sätzen: „Die Wahl dieses in seiner Art einzigen Stückes bedarf wol keiner besondern Anempfelung, da der Name des unsterblichen und mit vollen Rechte ersten tragischen Dichters Deutschlands für dessen Werth bürgt. Tief ergreifende Situation meisterhaft in die Handlung verwebt mit seltener Menschenkenntnis gezeichnete Charaktere und ein dem Stoffe anpassender blühender Dialog-flechten sich hier zum herrlichen Kranze, der nie verwelken wird.“ Die Direktion des Ferdinand Rosenau brachte als Beueficc des Regisseurs Majetti den 24. Jänner 1824 die Maria Stuart und in einem Potpourri am 27. d. M. eine Deklamation von Schillers Glocke. Direktor Karl Meyer, der in der Spielzeit 1824/25 Holbeins Fridolin (23. Oktober 1824) und „Die Räuber“ oder Der Sturz des Moorischen Hauses (22. Febr. 1825) gebracht, kündigte in der Spielzeit der Jahre 1825/26, nachdem er (6. Nov. 1825) die „bürgerliche Tragoedie“, „Kabale und Liebe“ aufgeführt die Vorstellung der Räuber (29. Nov.) mit dem Beisatze an: Am Schlüsse des zweiten Aktes wird eine grosse Attaque zu Pferd vorgestellt. Die Mitglieder der hier anwesenden Kunstreiter-Gesellschaft der Frau Elisabeth Schmidt werden als Räuber bei dieser Scene mitwirken und mit den gut dressierten Pferden das Zusammenstürzen derselben sammt dem Reiter vorstellen.“ Derselbe Direktor Carl Meyer führte dem Laibacher Publicum am 24. Jänner 1826 — also ein Jahr vor der ersten Aufführung am Wiener Hoftheater1 — den „Wilhelm Teil“ vor „grosses heroisches National Schauspiel“, und bei der Vorführung der Jungfrau von Orleans am 5. März d. J. wurde im 4 Akt der von dem krainischen Kavalier Grafen Gallenberg komponierte „Krönungsmarsch“ hier zu Gehör gebracht, unter den Decorationen befand sich die neuangefertigte „Kathedralkirche von Rheims nach einer Zeichnung von Quaglio“. Bei der Anzeige des „Don Carlos“ 14. März finden wir die Bemerkung: „bearbeitet wie es an dem Wiener Hoftheater gegeben wird.“ Als Karl Waidinger 1827/28 wieder die Direktion unserer Bühne in Händen hatte, kamen (am 7. Okt. 1827.) in einem Quodlibet die Scene aus den Räubern (Franz Moor, Daniel) und (am 30. Okt.) Kabale und Liebe und in der Spielzeit 1828/29 am 26. Okt. „Die Jungfrau von Orleans“, welche Aufführung Waidinger laut Theaterzettel grossartig ausgestattet; der Krönungszug — sagt er — das Schlachtarrangement, die Verklärung etc. 1 29. November 1827 — Wlassak a. a. O. p. 172. 1826 24. Jänrn Wilhelm T e 535 12. November Erste chillerf eier in Laibach. etc. werden sicher entsprechen! In der Maria Stuart (29. März 1829) gab die Titelrotte Demoiselle Rott d. ältere, den Grafen Lcicester Herr Löwe, Frl. Rott deklamierte am 4. April d. J. „Die Bürgschaft“. Nicht unerwähnt darf hier bleiben, dass Waidinger — nebenbei bemerkt — in der Spielzeit 1827/28 unser Publikum mit Töpfer’s Bearbeitung von Götlics Hermann und Dorothea bekannt gemacht, in welchem „idyllischen Familiengemälde“ die Person des Pfarrers in einen Rektor hatte müssen verwandelt werden. Zur Feier der Genesung Seiner Majestät Kaiser Franz I. wurde auch auf der Laibacher Bühne Grillparzers herrliches Gedicht „die Vision“ am 11. April 1829 zum Vortrage gebracht! Die Spielzeit 1833/34 — Direktion Amalie Maschek — machte das Laibacher Publikum mit dem Schauspieler Gustav Treumann bekannt, der am 17. November 1834 die beiden Charaktere Carl und Franz Moor „darzustellen die Ehre hatte“. Direktor A. F. Zwoneczek war es, der die erste officielle Schillerfeier auf unserer Bühne am 12. November 1835 inscenierte; er gab als solche „Kabale und Liebe“; im Verlaufe seiner Spielzeit brachte Zwoneczek Die Räuber, Wilhelm Teil und Holbcins Fridolin. Dem Direktor Thomc, der sich noch heute bei der älteren Generation unseres Theaterpublikums eines besonders guten Andenkens erfreut und schon in der Spielzeit 1842/43 Kabale und Liebe, Fiesko, Maria Stuart gebracht, war es zuerst gegönnt, Wallenstein s Lager am 16. Jänner 1847 auf dem Laibacher Theater zur Aufführung bringen zu können — am Wiener Hoftheater kam es erst 1849 zur ersten Aufführung! Ausserdem kultivierte Tliome auch jetzt fleissig die Schiller’sche Muse und brachte in der Spielzeit 1846/47 der Reihe nach: Die Jungfrau von Orleans (2 Mai), Maria Stuart, Wilhelm Teil, Kabale und Liebe und Die Räuber. Unter der Direktion Funk war aber den kunstsinnigen Bewohnern unserer Stadt der bisher seltene Genuss geboten, den berühmten Hofschauspieler Ludwig Löwe als Fiesko zu bewundern (24. März 1849), der die Tage vorher als Garrik, Coreggio, Hamlet gastiert hatte. Der Kritiker jener Tage, der Lokaldramatiker Babnigg schrieb von diesem Gastspiel enthusiastisch: „In allen seinen Darstellungen stand , er da ein Gott in seiner Kunst, umbraust von einem endlosen Beifallsturm und überschüttet mit Blumenkränzen, welche Liebe, Hochschätzung und Verehrung ihm wand und in der Empfindung höchster Exstase dem vollendeten Meister zugeschickt.“1 Von Interesse für die Theatergeschichte Laibachs aber auch im weiteren Sinne ist es, dass zur Zeit des 1 Illyrisches Blatt 1849 Nr. 26. 1847 16. Jä W a 11 e n s t Lagei 1849 24. A Hof-schauspi Löwe a Fieski 819 3. Juni ic Räuber der Arena Tivoli (bei Laibach) Gastspieles dieses gewaltigen Mimen unter der Gesellschaft des Direktor Funk sich auch der nachherige Schriftsteller und Dramatiker, der spiitcrc Hofrath Ritter von Weilen als Joseph Weis in den Rollen eines zweiten Liebhabers mit Geschick betätigte.1 Eine ganz eigenartige Vorstellung von Schillers: Die Räuber inscenierte jedoch Direktor Ludwig Schwarz unter freiem Himmel in einer Arena beim Schloss Tivoli (Untcrthurn nächst Laibach) am Sonntag den 3. Juni 1849. Der Theaterzettel, den wir hier mitteilen, besagt mit dem Handzeichen: Das Gefecht der Räuber mit den Soldaten im zweiten und letzten Akte teils zu Pferde unter fortwährendem Feuer ist arrangiert von Ludwig Schwarz. Die Schlussgruppe wird mit Brandraketen und roter bengalischer Flamme beleuchtet. Ich brauche wol nicht beizufügen, dass dieser Effekt seine Wirkung auf das Publicum und ganz besonders die auf die jugendlichen Zuseher beabsichtigte Wirkung nicht verfehlte, wie denn das Hervorbrechen der Reiter aus dem Walde im Rücken des Plateaus, — auf dem sich die Arena an Stelle des heutigen Schweizerhauses befand, — durch den Realismus der Scenerie allgemeinen Beifall erntete. ' Illyr. Blatt der Jahre 1848 und 1849. Arena in Tivoli. Sonntag bot 5. Juni 1849, unter der Direktion de» Ludwig schwarz: zum ersten Male Die Räuber. Großes Schauspiel in 5 Akten, Von Friedrich Schiller. (Eingerichtet für die 91 reim.) Personen: Maxiinilila» Gros von Moor Hr. Retzer, Schweitzer, \ Schwarz. Carl ) , , «ahne ■ ■ Vr- Selar. Roller, j Hr. Rostock. Franz t 1 i Hr. (»nuticr. Spiegelberg, ' Studenten Hr. Friedmai Ainnlia, seine Richte . . . Frl. Stein. Ratzinann, , dannRiinber Hr. Weib. Daniel, ein alter Diener . . Hr. Frei. Grimm, \ Hr. Gerestein Herrinn»», ein Edelmann . Hr. Blumenthal. Schusterte, ' Hr. Schütz. Eine Magistratdperso» . . Hr. Hajek. Anführer der Soldaten . . . Hr. Re». Soldaten. Diener. Botk. Räuber. Studenten. Earl Moor, Spiegelberg, Roller, erscheinen jedesmal zu Pferde. • l.!-»,rili,,il..1 -fitüi-n purii., ■" — ..unHIUflü.t ■ - :fT'"TTPrPWIBH.IIIil,<,t.!ilir.|..t.Ti..n.>..r(TnniT>»niiri.Tiffi7THntilT»HTrwilllirfl*mninmi-{T< §W Das Gefecht der Ränder mit den Soldaten im zweiten und letzten Akte the zit Pferde, iinlcr fortwährendrin Feuer, ist arrangirt von S n d w t g Sch w a i Die Schlnbgruppe wird mit Strnnb-'Jintcttcn nnd rother bengalischer Flamme beleuchtet. Preist der Plätze: Eintritt für eine Person in die Loge 30 tr. — Sperrsitz 34 kr. — Parterre 10 kr. — Gallerte K kr. L. 9l»faiig schlag halb 6 Nhr. — Ende um 8 Uhr. Bei ungünstiger Witterung wird die Fahne eingezogen, inib die Vorstellung sin' im Theater Abends 8 11 br im Abonnement Hro. 7 statt. Die Eröffnung der Nasse wird mit 3, der Ansang der Ouvertüre mit einem Pöllerschnste angezei Druck von I. Bla»nik. 59 9.. 10. und 1. November hillerfeier zum 3. Geburtstage. 9. November restsouper. Zehn Jahre später ward mir in meiner damaligen Stellung als supplircnder Lehrer der Geschichte und deutschen Sprache am Laibacher akademischen heute I. Staatsgymnasium die Auszeichnung zu Teil, bei der vom historischen Vereine für Krain am 10. November veranstalteten Feier der lOOter Wiederkehr von Schillers Geburtsjahr den Festvortrag zu halten. Die allgemeine Begeisterung, der am 10. November 1859 die ganze gebildete Welt alle edeldenkenden und freisinnigen Menschen mit hehren Feierklängen den würdigen Ausdruck liehen, begleitete denn auch die Laibacher Schillerjubelfeier, die sich auf vier Tage ausdehnte und äusser der schon erwähnten Feierlichkeit in dem genannten wissenschaftlichen Vereine aus einem Festsouper am 9. einer Theatervorstellung am 10. einem Festkoncerte am 11. November, und der Aufführung der „Karlsschüler“ von Laube am 12. November bestand. Beim Festsouper (in den Räumen des Kasinogebäudes) hielt der k. k. Landesrat Dr. Ritter von Schöppl zuerst eine schwungvolle Ansprache, die in den so schönen vom stürmischen Beifall begleiteten Satz ausgeklungen: „Lassen Sie uns denn aus vollem Herzen mit einstimmen in den festlichen Jubel, der überall herrscht, wohin die Götterfunken seines Geistes gedrungen. Es gilt diese Erinnerungsfeier zu Ehren eines von den wenigen Auserwählten zu begehen, die — als glänzende Vorbilder für die Mit- und Nachwelt — kaum nach Jahrhunderten wiederkommen" — sodann toastierte Dr. A h a z h i z h auf den Allerh. Beschützer und Förderer der Künste und Wissenschaften’ in Oesterreich Seiner k. u. k. Apostolische Majestät Kaiser Franz Josef I. Zum 10. November verkündete der Theaterzettel — Direktion Stelzer: Zur Jubelfeier von ix Schillers Hundertjährigen Geburtstage und zum Besten der Schiller-Stiftung bei glänzend beleuchtetem Hanse. Jestvorstelluilg: 1. Prolog gesprochen von Frau Gürtler. 2. Großes Tableau bestehend ans Szenen der Schiöet’fchcu Dramen ..Wilhelm Tell", „Jungfrau von Orleans", „wallenstein", „Don Larlos", „Fieseo" etc. 3. Wallensteins Lager". 4. Maria Stuart III. Akt 1., 2., 3. n. 4. Szene. 5. Don Larlos III. Akt 8., 9. u. 10. Szene. 6. Wilhelm Teil I. Akt 2. u. 4. Szene. 3 ii dieser Festvorstellung ladet besonders ein: Das 3 i l i a l e o in i t e e der S ch i ll e r-S t i f t» n g". 10. Novem F e s t v o i Stellung Laibach November 81 Koncert Theater. I 22 Dezem-Da s Lied von der Glocke. J62 8. April 1 lenste Ins Tod. Beim Festkoncerte im Theater am 11. November kam nach der Ouvertüre zu Wilhelm Teil von Rossini vorgetragen von der k. k. Musikkapelle des Regimentes Erzherzog Franz Carl das von Theodor Elze vertonte Gedicht Schillers „An Emma“ (für Bariton) zum Vortrage und es bildete die Deklamation: „Die Kraniche des Ibykus“ gesprochen von Sch aper, Mitglied der Theatergesellschaft den Schluss der ersten Abteilung; die zweite Abteilung füllten Musik-piegen aus.1) Die Spielzeit 1861/62 — Direktion Stelzer — brachte am22. Dezember 1861 in einer Wohltätigkeitsakademie : Das Lied von der Glocke in lebenden Bildern nach dem Arrangement des Hof-schauspieleis und Regisseurs Ludwig Löwe, und am 8. April 1862 Wallensteins Tod. Die Spielzeit 1869/70 führte den berühmten Darsteller des Franz Moor den Wiener Hofschauspieler Josef Lewinsky, in dieser Rolle zum Benefice seines Freundes Gschmeidler auf unsere Bühne; und wurde dem Künstler für seine unerreichte Leistung auch hier die gebührenden Ovationen gebracht, wofür derselbe — sowie für das von den Damen Laibachs ihm gewidmete Ehrengeschenk, einen wertvollen Pokal — in einem eigenen Schreiben in herzlichster Weise dankte, worin es u. a. hiess: „Ich habe an nur wenigen 1 Laibacher Zeitung 1859 Nr. 256. Orten solche Hingebung an das Werk des Dichters, solches Verständnis meines Wollens gefunden als in ihrem Kreise1.“ Die seit 1859 fast ständige Theater-Schillerfeier um den 10. November-brachte dem Laibacher Publicum in der Spielzeit 1898/99 — Direktion Schlesinger — am 9. und 11. November 1898 — die Wallen stein Trilogie. Und nun zum 100. Gedenktage an Schillers Tod wai es der kunstgeweihten Stätte an der Stelle des ehemaligen ständischen beziehungsweise landschaftlichen Theaters, der Tonhalle der philharmonischen Gesellschaft vorbehalten, dass in ihren Räumen die künstlerische Schillerfeier in würdigster Weise sich abspielen konnte. Unter der kunstbewährten Leitung des Musikdirektors der Gesellschaft Herrn Zö h rer wurde am 9. Mai Beethovens „Neunte Simphonie“ mit Schlusschor über Schillers Ode „An die Freude“ für grosses Orchester vier Solostimmen und gemischten Chor in meisterhafter Vollendung zur Aufführung gebracht, welcher Vorführung Beethovens Leonoren Ouvertüre Nr. 3 und ein Festspruch vorangiengen. Mitwirkende dieser unserer Stadt zu nicht geringer Ehre gereichenden Schillerfeier waren: Frau Martha Winternitz Opernsängerin aus Graz, Frl. Gisela Seehofer Opernsängerin 1 Laibacher Tagblatt 1870 8. März. 1898 9. Novi der Wallenst Lager. Dii Piccolomir 11. Novemt Wallensteil Tod. aus Wien, Herr Jean Nadolowitsch Opernsänger aus Wien und Herr Hermann Jessen Opernsänger aus Graz; Deklamation Professor Dr. Karl Wedan; der Damen- und Männerchor der philli. Gesellschaft sowie Mitglieder der Sängerrunde des Laibacher deutschen Turnvereins: das Orchester bestand aus Mitgliedern, Lehrern und Schülern der Philharmonischen Gesellschaft, ferner aus Mitgliedern der Kapelle des k. u. k. Infanterie-Regimentes König der Belgier Nr. 27 und auswärtigen Instrumentalkräften. ■äs •X- -X- Wir glauben diesen lokalgeschichtlichen Beitrag zur Schillerfeier des 9. Mai 1905 im Hinblicke auf die zahlreichen allgemeinen Festbeiträge nicht besser Schliessen zu können, als mit der Hervorhebung jenes Passus aus der von dem Professor Dr. Minor in der Aula der Wiener Universität gehaltenen Festrede, jener Apostrophe an den Unsterblichen, die also lautet: „Hilf du uns zu jenem Meer von Licht, das einst ein hochgesinnter Fürstensohn, in dem die Seele deines „Don Carlos“ lebendig geworden war, auf dieses Reich herabgeflehet hat1.“ 1 Wiener Zeitung 12. Mai 1905. Slovanska-sKiadisce 6S M D 2771 66009551900 COBISS o flestna knjiznica Ljubljana