Preis ganzjährig: Österreich 2'50 8, Deutschland 2 Mark. Italien 8 riire, Ungarn 2-50 pengö, Tschechoslowakei 12 5TC, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2*50 Franken, übriges Ausland 2 Soldmark. Unser heiliger Vater Pius Xl. hat wie schon früher Papst Pius X. der "Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige «Dessen gelesen. ?Dit Empfehlung der hochwür-digsten Oberhirten von Grixen, Grünn, ©raz, Ueitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Drient, Driest und Wien. rieft 4. April 1929. XXXII. Jahrgang. SI 6m schwarzer 6delmann. Von Hochw. P. Josef Singer er, F. S. C. Leute von tiefer Lebenserfahrung sagen: „Ein Edelmann im wahren Sinne des Wortes ist einer, der sich selbst zu beherrschen weiß; sein Adelsrang ist um so höher, je kräftiger die Neigungen seiner Natur sind, gegen die er anzukämpfen hat, damit sie der gottgewollten Ordnung nicht widerstreiten." — Einen solchen Edelmann feinster Sorte habe ich zwei Jahre lang Gelegenheit gehabt zu beobachten. Dieser Edelmann von Gottes Gnaden ist unser schwarzer Hausdiener, Abel Maseka, aus dem Stamme der Wangoni int Nyassa-tand. Er ist nach meinem Dafürhalten das Muster eines Hausdieners, ich will nicht sagen, ein Heiliger, aber einer, der das Zeug zu einem solchen hat. Er hat in seinem Heimat-lande seine Erziehung genossen, war nach langer, strenger Prüfung im Alter von etwa 12 Jahren von den Weißen Vätern getauft und dann weiter unterrichtet und erzogen worden, nicht so sehr in Bücherweisheit, als vielmehr int praktischen Christentum, bis er auswanderte, nm sich in Südafrika mehr Geld zu verdienen. Den Katechismus und die christliche Lehre kennt er durch und durch, soweit es seiner einfachen Schulbildung entspricht. Wenn es als eigentliche Bildung gilt, daß einer die Kenntnis der christlichen Lehre getreu auf das Leben anwendet, dann hat der unscheinbare Schwarze eine hohe Bildungsstufe erreicht. Selbstüberwindung. Jedenfalls ist er eine Merkwürdigkeit seiner Art. Er teilt nicht bloß nicht die Schwächen seiner Rasse, sondern hat dieselben so überwunden, daß er gerade in jenen Punkten sich am stärksten erweist, in denen sonst der Durchschnittsneger seine schwächsten Seiten zeigt. Abel scheint hierin ganz aus der Art geschlagen zu sein und seine Natur zu Verleugnen. Der Schwarze ist von Haus aus gewohnt, den üblen Neigungen, die nun einmal jedem Menschen ohne Unterschied der Nasse und Farbe anhaften, keinen Widerstand entgegenzusetzen, im Gegenteil, dieselben um jeden Preis blind und rücksichtslos durchzusetzen oder sich denselben willenlos hinzugeben, unbekümmert um höhere Gesetze und die Folgen seines Tuns. 1 Die Mängel, die man an den Schwarzen in der Regel auszusetzen hat, sind vornehmlich Arbeitsscheu, Hang nach Befriedigung ihrer tierischen Triebe, Leichtsinn, Oberflächlichkeit, Unzuverläßlichkeit und Unbeständigkeit. Diesem Hang zu widerstehen, kostet dem Schwarzen ein beträchtliches Opfer und es bedeutet übermenschliche, übernatürliche Kraft, wenn er dennoch darüber den vollen Sieg davonträgt. Das ist unserem Abel gelungen, soweit man nach dem äußeren Verhalten schließen kann. Arbeitsamkeit. Abel ist arbeitsam, wie es nur immer ein braver Diener sein kann. Solange er bei uns angestellt ist, hat sich der Bruder, unter dem er steht, niemals über Vernachlässigung seiner Arbeiten zu beklagen gehabt. Während seine Rassegenossen jeder Anstrengung und Mühe spinnefeind sind, solche nur übernehmen, soweit es ihren eigenen Interessen dient, aus Not und Zwang, und daher nichts anrühren, wenn es ihnen nicht ausdrücklich angeschafft ist, und davon lassen, sobald der Herr außer Gesichtsweite ist, bedarf es bei Abel keinerlei Ansporn zur Tätigkeit. Er führt seine Arbeiten gleich regsam und treu aus, ob er beaufsichtigt ist oder nicht. Ist eine Arbeit vollendet, dann denkt er nicht daran, sich auf die faule Haut zu legen, auch wenn ihm vorläufig nichts weiteres anbefohlen ist; er sucht sich vielmehr selbst eine Beschäftigung, die er für nützlich und dem Sinne seines Arbeitgebers genehm hält. Hierin geht er allerdings oft zu selbständig vor und verursacht Unannehmlichkeiten, wenn er es falsch trifft. Während der Arbeitszeit trifft man ihn nie müßig an. Seine eigenen, persönlichen Besorgnisse (Wäsche, Ordnen seiner Kleider, seines Zimmers, Verkehr mit Freunden usw.) nimmt er nur während der freien Zeit vor, die ihm von der pflichtmäßigen Hausarbeit übrigbleibt. Aber auch zu Zeiten, wann er sich der Hausordnung gemäß der Ruhe hingeben könnte, ist er stets willig bereit, darauf zu verzichten, falls bei außerordentlichen Anlässen seine Dienste benötigt sind. Man kann ihm keine noch so beschwerliche oder unangenehme Arbeit auftragen, daß er sie nicht mit einer Bereitwilligkeit übernähme, als ob man ihm gerade damit eine erwünschte Gefälligkeit erwiese. Kommt ein lässiger Kamerad zu ihm, während er eben mit einer Beschäftigung zu tun hat, um mit ihm ein wenig zu plaudern, so unterbricht er nicht seine Arbeit, gibt wohl kurze, freundliche Antwort, im übrigen läßt er den Besucher merken, daß sein Geschwätz ihm nicht erwünscht sei. An manchen Tagen drängt die Arbeit, der Diener wird von einer Beschäftigung weg bald dahin, bald dorthin gerufen und seine Geduld auf harte Proben gestellt, die er aber bisher glänzend bestanden hat. In solchem Gedränge läßt er ruhig die begonnene Arbeit liegen und geht ohne weiteres, ohne ein Zeichen des Unwillens, zur anbefohlenen über und kehrt mit derselben Ruhe wie selbstverständlich zur unterbrochenen Beschäftigung zurück, führt sie auch mit bewunderungswürdiger Elastizität zur rechten Zeit und zur vollen Zufriedenheit seines Herrn aus. Sorgfalt. Im Gegensatz zur Art seiner Landsleute zeichnet sich Abel aus durch Sorgfalt, Gründlichkeit und unbedingte Verläßlichkeit in seinem Dienste. Nicht als ob er bei seinen Arbeiten keine Fehler beginge, dazu hat er sich noch zu wenig in europäische Verhältnisse eingewöhnt und die landläufigen Sprachen zu wenig inne, was zu mancherlei Mißverständnissen Anlaß gibt. Was aber wohltuend an ihm wirkt, ist, daß er sein Möglichstes tut zu lernen und sich zu seinem Dienste immer mehr zu befähigen. Er trachtet, seinem Lehrmeister das Nötige abzuschauen, läßt sich gerne was sagen und nimmt eine Zurechtweisung nicht etwa mit beleidigtem Unwillen an, sondern bedauert nur, daß er nicht besser entsprach. Die Anweisung, die er einmal erhalten hat, ver- Stern der Neger 51 Heft 4 gißt er nicht leicht, und man kann sicher sein, daß er sich, soweit es in seinen Kräften steht, für immer daran halten werde. Niemals war bei ihm Trotz, Widerspenstigkeit oder Unfolgsamkeit zu bemerken. Auf die Sachen im Hause > könnte er nicht besser schauen, wenn sie sein eigen wären. Es genügt die leiseste Andeutung eines Wunsches, wie man das und jenes getan fält in scheinbar geringfügigen Dingen ist sonst dem Neger nicht eigen, wohl aber unserem Abel. Es ist erbaulich, ihm zuzuschauen, wenn er die Reinigung der Kirche besorgt. Leise öffnet und schließt er die Tür, macht ehrerbietig seine Kniebeugung vor dem Allerheiligsten, sobald er eintritt und jedesmal, sooft er vor der Mitte des Altares vorbeigeht, mag es die Art wissen will, daß er es gewissenhaft so ausführt. Mit klugem Hausverstand und feinem Taktgefühl sucht er die Wünsche seiner Vorgesetzten herauszufinden und führt sie mit sichtlicher Befriedigung aus. Fachmänner in der Erziehungskunst behaupten, daß man die innere Bildungsstnfe eines Menschen darin erkenne, wie er seine Pflichten im {[einsten erfülle, in Genauigkeit, Geduld und Ausdauer. Hierin steht Abel nicht nach. Pünktlichkeit und Sorg- seiner Arbeit auch noch so häufig mit sich bringen. So geräuschlos als möglich, geschmeidig und doch gesetzt, bedächtig und doch flink, ohne Hast und Übereilung und doch gründlich und behutsam hantiert er herum, putzt und staubt ab bis zum letzten Winkel und Fleck. In diesem seinem Tun scheint durch, daß er sich der Gegenwart seines höchsten Herrn und seines schönen Dienstes bewußt ist. Aber auch im Psarrhause und überall, wo er zu tun hat, ist sein Auftreten ein ähnlich rücksichtsvolles, ruhiges und doch kräftiges und gewandtes. Bescheidenheit. Dabei leitet ihn nicht die Aussicht auf Anerkennung oder Lohnerhöhung, sondern das Pflichtgefühl, wohl auch seine Ehrfurcht vor dem geistlichen Stande. In seiner Bescheidenheit wagt er es nie, seine geistlichen Vorgesetzten um eine Vergünstigung anzugehen, die über die Lohnbedingungen hinausginge. Wenn er sonst ihnen etwas vorzubringen hat, tut er es mit einer ehrfurchtsvollen Zurückhaltung, beinahe heiliger Scheu, wie Man es hierzulande kaum einmal antrifft. Dafür ist er kindlich dankbar, wenn ihm irgendeine Gabe oder Freundlichkeit von seiten seiner Dienstherren zukommt. Da leuchtet sein Auge auf und verzieht sich sein ganzes breites Gesicht zu sonnigem Lächeln. Es war ein glücklicher Zufall, daß gerade er im Priesterhause angestellt wurde. Seine Bescheidenheit hätte es beinahe vereitelt. Er war vorher in einer der Minen der Stadt angestellt. Da litt es ihn aber nicht lange. Das wüste, rohe Leben daselbst sagte ihm gar nicht zu. So versuchte er sein Glück bei uns, doch 7 — -■ ■ = -..- - Ftus einem 13rief an den pater Redakteur. (Fortsetzung.) ^ -------— —- — i) . . . Ich habe Ihnen oben mitgeteilt, daß Tunnels bauen wollte, was ja immer eine ich vor etwa zwei Monaten drunten in Natal kostspielige Sache ist, fährt man oft in langwar, um P. Fischer in seiner Station zu be- welligen Spiralen bergauf, bergab und um suchen. Die Sache kam so: Es waren bereits ! Hügel herum. Als ich einen Schwarzen fragte, siebzehn Jahre verflossen, daß ich diesen Pater warum man diese Berge nicht durchsteche, nicht mehr gesehen hatte. Als er dann hörte, , meinte er verwundert: „Ja, da drinnen wohnen ich sei in Transvaal, kam er herauf. Da ich doch keine Leute!" Das Sprichwort: „Zeit ist doch die Mariannhiller Mission persönlich 1 Geld" gilt hier nicht. Man sitzt eben einen kennenlernen wollte, entschloß ich mich, mit Tag länger im Kasten. Schließlich ist das ihm hinunterzufahren. auch kein Unglück. In der Nacht wandelt sich Von der Reise selbst will ich Ihnen nicht die Rückwand in Bettgestelle um und man viel mitteilen. Auf der Eisenbahustrecke ist schläft ähnlich wie in der Kajüte auf dem auch nicht viel zu sehen. Weil man keine 1 Meer, aber drei Mann übereinander. mit Bangen, daß er im Hause von weißen Geistlichen nicht als geeignet befunden werde. In wenig vertrauenerweckendem Aussehen, in lumpigen Kleidern, wie sie die schwarzen Minenarbeiter tragen, bloß mit einer ärmlichen Schlafdecke ausgerüstet, worin er seine wenigen Hab-seligkeiten eingewickelt hatte, unfähig, sich in den Landessprachen verständlich auszudrücken, erweckte er bei seiner zurückhaltenden Art den Anschein, als könnte er nicht bis fünf zählen. So stellte er sich dem Pater Superior vor, um Anstellung bittend. Begreiflicherweise trug Pater Superior einiges Bedenken, ihn aufzunehmen. Dabei fragte er den armen Schlucker um seine Papiere, die ihn als Katholiken ausweisen sollten, als welchen er sich angegeben hatte. Unglücklicherweise hatte er keine vorzuzeigen. Doch wurde er aus Barmherzigkeit aufgenommen, vorläufig nur probeweise. Es stellte sich nachträglich heraus, daß das ein glücklicher Griff war. Wir sind froh, eine so treue Seele zum Diener zu haben, für den ein gleichwertiger Ersatzmann schwerlich weit und breit in Südafrika zu finden sein dürfte. Und Abel fühlt sich glücklich, für seine geringe Ansicht von sich selbst zuviel, im Hause von Geistlichen Dienste tun zu dürfen. (Schluß folgt.) Ein nicht gerade angenehmer Eindruck verstärkte sich in mir auf dieser Reise mehr und mehr: Es ist mit der Hand zu greifen, daß die Regierung für die Eingebornen nicht übermäßig viel tut. Es scheint, daß ihre Haupt-bemühung darin besteht, möglichst viele Steuern aus diesen Leuten herauszuschinden. Indes weiß doch schon ein einfacher Bauersmann, daß man keine Kuh melken kann, wenn man sie nicht füttert. „Jetzt kommt Braecroft", sagte P. Fischer. „Die Bahnstation liegt der Missionsstation Centocow näher als die eigentliche Station Centocow auf der andern Seite." Er hatte zwar bereits in der Frühe ein Telegramm aufgegeben, daß wir kommen; allem Anscheine nach ist es jedoch irgendwo im Drahte steckengeblieben. Niemand da. Die Station ist eine Wellblechhütte, vielleicht fünf Meter lang und zwei bis drei Meter breit. Wir warten über eine Stunde. Niemand kommt. Es fängt an, leicht zu regnen, und der Abend kriecht griesgrämig und graudunkel heran. Einige Kilometer weg wohnt ein Farmer. P. Fischer wandert durch die Maisfelder zum Farmhaus. Der Mann wird vom Felde heimgeholt und bringt uns mit seinem Auto nach der Mission. Landessitte, daß man sich gegenseitig aushilft, wo man kann. Nach einer halben Stunde kommen wir an den Fluß und gegenüber der Missionsstation wird haltgemacht. Wir danken herzlich und das Auto kehrt um. Nun sind auch die Missionäre benachrichtigt. Über den Fluß geht eine Art Schwebebahn. Ich steige in den Kasten, und wie drüben ein Schwarzer dreht, schwebe ich majestätisch über den Wassern auf das trockene Land. Herzliche Willkommgrüße. Ein Missionär ist bei Missionären immer daheim. Der Obere, ein biederer Bayer aus dem Wald, ist ein unermüdlicher Arbeiter int Weinberge des Herrn. Überall wimmelt es von Schwarzen, groß und klein, Buben und Mädels, die da kommen und ehrfurchtsvoll grüßen. Überrascht und innerlich erfreut sehe ich, wie sie sich alle um P. Fischer drängen. Ein jeder und ein jedes hat ein liebes Wort für ihn. Einige schöpften sogar wegen meines Kommens Verdacht. „Aber Pater Fischer bleibt doch hier, nicht wahr, er geht nicht fort?" Und immer und immer wieder umringten sie ihn. Es war ein rührendes Bild. Ist auch ein Prachtkerl, dieser P. Fischer. Auf einem Ohr ist er stocktaub und auf dem andern hört er nichts, wenigstens nicht ohne Hörmaschine. Diese besteht aus einer Art messingenem Suppenschüssellöffel, der als Handhabe ein hohles Rohr besitzt, dessen Ende der gute Pater in den Gehörgang steckt, während man in den Löffel hineinspricht wie in ein Telephon. Sie wissen, was es heißt, eine neue Sprache zu lernen, aber Sie wissen nicht, was es heißt, Zulu zu lernen mit seinen sogenannten Schnalzlauten, deren es vier hauptsächliche gibt. Schon wenn man ein gutes Gehör hat, machen einem diese Laute Schwierigkeiten. Was soll erst ein Tauber damit anfangen? Nun will ich Ihnen verraten: P. Fischer hat als Tauber die Zulusprache gelernt, so daß er alle Sonntage in dieser Sprache predigt. Er hört Beichte, reitet stundenweit fort, um Sterbenden beizustehen, und ist mit seinem Suppenschüssellöffcl-Telephon ein unermüdlicher Missionär in jeder Hinsicht. Als ich dort war, ging es in der Nähe „hoch" her. Es gab nämlich eine Hochzeit; allerdings keine christliche. Ich nahm die Gelegenheit wahr und erkundigte mich über die Gebräuche, die von den heidnischen Eingebornen bei solchen Gelegenheiten beobachtet werden. Was ich da aus erster Quelle schöpfte, will ich Ihnen in aller Kürze mitteilen. Für den Heiden, der keine höheren Zwecke kennt, besteht die Bestimmung der Frau in der restlosen Erfüllung ihrer von der Natur angedeuteten Aufgaben. Die Gründung eines eigenen Hausstandes und das Fortleben in den eigenen Nachkommen ist hier der selbstverständliche Zweck des menschlichen Daseins. Darum werden nicht nur Feste gefeiert bei der tat- sächlichen Hochzeit, sondern auch schon in jener Periode, wann die körperliche Entwicklung die notwendigen Vorbedingungen dazu schafft. Die körperliche Reife ist dem Heiden gewissermaßen das Patent der Natur, daß er nun eigentlich Mensch geworden ist. Bei dem Vater eines Heranwachsenden Mädchens kommt dazu der winkende Gewinn von soundsoviel Stück Vieh, den ihm die Verheiratung seiner Tochter einbringen wird. Wir werden uns daher nicht j ich gleich bemerken, daß mit Rücksicht auf die Gesundheit der Mädchen und die Bequemlichkeit zu Hause solche Feste nur im Sommer veranstaltet werden. Bis zu einer solchen Zeit, wo also der Mais reift und frische Kürbisse vorrätig sind, wird das Ereignis der Mutter des Mädchens offiziell verschwiegen. Auch feiert ein Mädchen das Fest nicht allein, sondern wartet, bis eine Altersgenossin desselben Dorfes I es mitfeiern kann. Treffen alle diese angeführten wundern, wenn die Stammessitte mit ihren Zeremonien auch jenen Tag bedacht hat, an dem ein Mädchen sagen kann: „Jetzt bin ich groß geworden, jetzt kann ich aus Heiraten denken." Vielleicht wird Sie es interessieren, wenn ich einige der Gebräuche anführe. Zunächst dürfen Sie nicht vergessen, daß es sich nicht um eine Familiensitte, sondern um Stammesgewohnheiten handelt. Das Fest der Reife eines Mädchens wird daher nicht allein innerhalb der Familie, sondern vom ganzen Dorf gefeiert, freilich nicht in dem Sinne, als ob nun groß und klein daran teilnähme. Nur bestimmte Kreise haben mitzutun. Auch möchte Umstände zusammen, so benachrichtigen die zwei in Frage stehenden Mädchen die älteren Mädchen des Dorfes. Diese hinwiederum bitten um die Erlaubnis, es d n beiden Müttern mitteilen zu dürfen, was natürlich bereitwillig zugestanden wird. Alle diese Zeit tragen aber die Mädchen noch ihre Kleider wie früher, das heißt ein Unterkleid, ein Oberkleid und ein Tuch zur Verhüllung der Brust. Am Festtag in aller Herrgottsfrühe, wann noch alles in tiefem Schlafe liegt, erheben sich die beiden Mädchen, lassen alle ihre früheren Mädchenkleider zurück und nehmen nur je eine Decke mit sich. Sie verstecken sich an einem Platz, wo niemand sie sehen kann und der nur noch daraufgeworfen wurde, angezündet und die beiden Mädchen muffen über das Feuer springen. Dann eilen sie zum Fluß und nehmen ein Bad, worauf sie sich in Decken einhüllen. Ihre Freundinnen folgen ihnen ebenfalls zum Fluß, teils zur Unterhaltung, teils um das Essen zu bereiten. Alle bleiben am Fluß bis zum späten Nachmittag. Dann bilden die Mädchen einen Festzug und ziehen ins Dorf zu den Häusern der Eltern. Nun sind die beiden Festtagskinder aufs äußerste herausgeputzt. Es wird gesungen und getanzt. Auch die beiden Mädchen fingen und tanzen vor ihren Eltern. Hierauf werden ihnen leckere Speisen vorgesetzt, der Hauptsache nach Süßig- j feiten, die von den zukünftigen Ehemännern der beiden Mädchen herbeigeschafft wurden. Schlägt der Blitz in ein Haus ein, so erschallt der Kriegsruf: Lu, tu, tu, tu . . . Die männliche Bevölkerung des Dorfes und der benachbarten Dörfer eilt zum Fluß, mit den Lanzen in der Luft herumfuchtelnd, um dadurch Deng zu bewegen, in seine oberen Regionen sich zurückzuziehen und so weiterem Unheil vorzubeugen. Angelangt beim Fluß, schleudern sie ihre Lanzen ins seichte Uferwasser; durch dies Eintauchen der Lanzen ins Wasser soll die Bitte um Dämpfung des Feuers symbolisch ausgedrückt werden. Jeder reißt sodann eine Handvoll Gras ab und wirft sie, zurückgekehrt ins Dorf, auf die noch glimmenden Feuerreste. Mitunter begnügt man sich auch, mit aufgehobenen Händen zum brennenden Hause zu eilen, während aus aller Kehlen der Kriegsruf erschallt. Ein oder zwei Tage nach dem Feuer, wenn die Mauerüberreste bereits abgekühlt sind, versammeln sich die Dorfinsasfen. War kein Men- Am nächsten Morgen versammeln sich wieder alle Mädchen des Dorfes und gehen zusammen mit jenen beiden in den Wald, um Holz zu sammeln. Dort werden ihnen nun noch die Haare geschnitten. Während des kommenden Monats binden sie kleine, dünne Schnüre um den Kopf. Mit ihren Brüdern und Onkeln dürfen sie nicht sprechen, bis diese ihnen ein Geschenk verabreichen. Wie sehr alle diese Festlichkeiten mit der wirklichen Hochzeit zusammenhängen, können Sie schon daraus entnehmen, daß auch von seiten der Eltern es als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird, wenn nun ihre Tochter und deren Bräutigam sich Rechte anmaßen, die ihnen eigentlich nur die Hochzeit verleihen I kann. (Schluß folgt.) schenleben zu beklagen, so wird ein Schaf geschlachtet, gekocht und Bier gebraut. Ist das Tier gekocht, werden Leber. Magen, Herz, Zunge, Ober- und Unterlippe sowie die Lunge auf die Seite gelegt. Die Mauern des abgebrannten Hauses werden nach der Innenseite umgeworfen und die auf die Seite gelegten Teile des Opfertieres auf den so entstandenen Erdhaufen gelegt; alles Amtstätigkeit des Dieners des Deng. Dafür beansprucht er mit seinen Amtsgenossen die saftige Fleischsuppe, in der das Opfertier gekocht ward, zu einem guten Teil, während ein verschwindend kleiner Teil über die auf den Erdhügel gelegten Fleischstücke gegossen wird. Das gleiche gilt vom gebrauten Bier. Hierauf tanzen die Anwesenden einige Male unter Absingung von Deng-Liedern um den Erdhaufen herum. Nach Beendigung desselben Pflanzt der Hauptdiener des Deng einen Ast des Higligbaumes auf den Erdhaufen, während die Leute zum Fluß ziehen, fi$ zu baden. Gegen Ende der Regenzeit lädt die Familie, BB SB DO 0ervitter im Sd)illuklcmde. Von Hochw. P. Pschorn, F. 8. 0. (Schluß.) DB DB □lü □!□ aus deren Mitte eines durch Blitzschlag umgekommen ist, die Bewohner des Dorfes „zum Bier" ein. Eine Kürbisschale voll wird auf den Erdhaufen des verbrannten Hauses zu Ehren des Deng ausgegossen; ein Vorgang, der in manchem Distrikt gleichsam Familiengewohnheit ist und jährlich wiederholt wird. Durch dieses „Trankopfer" glaubt man, den Blitz für fernerhin abzuhalten. Quelle von großer Angst und Furcht. Zur Illustrierung dessen folgendes: Einige Europäer, nicht vom „schwachen Geschlecht", waren irgendwo in Afrika; sie wohnten in einem aus gebrannten Ziegeln gut und fest gebauten Hause und oblagen daselbst ihrem Beruf. Eines Tages, es war zur Regenzeit, entlud sich über dem Ort ihres Verweilens ein ganz ungewöhnlich starkes Gewitter. Wiederholt schlug es in der Um» Ochsenreiter. (Phot, von Hochw. P. Pröbstle, F. S. C.) Ohne Sattel, mitunter auch ohne Zügel sieht man sie vielfach in großen Gruppen znsamnien daherreiten. Am nämlichen Platz, an dem ein Haus vom Blitz zerstört ward, wird nie ein anderes mehr aufgeführt. Bäume, die vom Blitz getroffen wurden, werden verehrungswürdig in den Augen der Schilluk, und Weihegaben sowie Schlachtopfer werden vor solchen dargebracht. Zu Beginn und zu Ende der Regenzeit sind außerordentlich heftige Gewitter eine häufige Erscheinung. Was Wunder, wenn der Neger diese gewaltigen Naturvorgäuge mit einer gewissen Beklemmung betrachtet, deren Unheil zu beschwören sucht; bilden diese unheimlichen elektrischen Entladungen doch auch selbst für den Europäer, trotz seiner Kenntnis der Elektrizität und deren Wirkungen, nicht selten eine gegend ein. Es ward guterletzt geradezu unheimlich; auch der erwähnten Europäer bemächtigte sich eine sonderbare Beklemmung. Schließlich erhob sich der Älteste aus ihnen, entfernte sich leise und richtete seine Schritte nach dem unter der Erde angebrachten Magazin, wo die gewaltigen Donnerschläge einigermaßen gedämpft an sein Ohr schlugen. Hier im Dunkel gedachte er das Ende des Ungewitters abzuwarten. Er hatte sich noch nicht lange behaglich seine Lage hergerichtet, da vernahm er leise Schritte, die sich sachte der Magazintüre näherten und, zu seiner nicht geringen Bestürzung, tatsächlich den Weg die Kellerstiege hinunter nahmen. Wollte sich doch der eine einigen Mädchen bekanntgegeben wird, weil diese während des Tages ihnen Essen bringen ttnb bei Sonnenuntergang sie abholen müssen. Wenn es dann dunkel wird, bringen einige Mädchen die beiden Flüchtlinge zurück, während andere im Dorfe herumgehen und um Matten oder Decken betteln, womit den beiden Festtagskindern in einer Hütte ein Aufenthaltsort hergerichtet wird. Wenn der Festzug im Dorfe ankommt, erhebt sich froher Gesang, der sich fortsetzt, bis man an dem neuen Aufenthaltsort der beiden Mädchen anlangt. Diese letzteren dürfen aber nicht in das Haus ihres Vaters eintreten. Entweder bringt man sie in einem fremden Haus unter oder bei ihren Großeltern. Außerdem ist es den Mädchen verboten, mit ihren Vätern zu sprechen, bis sie vier Ziegen geschlachtet haben. Auch ist es ihnen nicht mehr erlaubt, mit der Hand zu essen oder aus der Hand Wasser zu trinken, wie das sonst da unten üblich ist. Falls sie keine Gabel haben, müssen sie, ähnlich wie es die Chinesen tun, kleiner Hölzchen sich bedienen. Ebenso ist es ihnen für einen ganzen Monat untersagt, sich zu waschen. Am darauffolgenden Tag gehen einige Dorfmädchen zum Fluß, um dort weiches Gras zu Pflücken. Zwei andere Mädchen bleiben als Begleiterinnen zu Hause, falls die beiden abgesonderten Mädchen einen Ausgang zu machen haben. Die übrigen Dorffräuleins werden ebenfalls eingeladen, zu kommen und den beiden Unterhaltung zu verschaffen. Die Mädchen, denen die Feier gilt, dürfen nicht wie gewöhnlich auf Matten schlafen, sondern müssen auf dem Gras liegen, das ihre Genossinnen am Flußufer geholt haben. Dafür können sie essen, so oft und so viel es ihnen beliebt. Und in der Tat machen sie reichlich Gebrauch von dieser Erlaubnis, damit sie recht gut aussehen, wenn sie nach einem Monat aus ihrem unfreiwilligen Aufenthaltsort wieder herauskommen. Wie doch die Menschen verschieden sind! Drüben bei Ihnen in Europa ist es „schön", daß die jungen Damen sich nach der „schlanken Linie" dressieren, damit sie womöglich aussehen wie ein ausgetrockneter Stockfisch; hier gehen die jungen Evastöchter darauf aus, allenfalls prall zu werden wie eine Dampfnudel. An jedem Abend kommen Dorfmädchen, singen und tanzen und schlafen in der Hütte. Manchmal kommen auch Burschen znr Unterhaltung. Diese müssen aber erst etwas bezahlen, bevor sie zur Gesellschaft zugelassen werden. Den beiden Mädchen hingegen ist es strenge verboten, mit irgend jemandem zu sprechen. Selbst wenn sie aus Scherz geschlagen oder sonstwie gequält werden, müssen sie sich mäuschenstill verhalten. Wenn eine Woche vorbeigegangen ist, begeben sich die Dorfmädchen in Prozession zu den Vätern ihrer beiden Freundinnen und bitten sie, etwas für die Gesellschaft zu schlachten. Vor dem Elternhaus jedes der beiden Mädchen führen die Dorsschönen Tänze mit Freudengesängen auf und die Väter schlachten dann gewöhnlich zwei Ziegen. Abends kommen die Altersgenossinnen der beiden Mädchen vor ihrer Hütte zusammen und führen ebenfalls Tänze auf. Leider will es die Stammessitte, daß diese Tänzerinnen mit Ausnahme eines kleinen Schurzes unbekleidet sind. Ist ein Monat verflossen, so können die beiden Mädchen ihren provisorischen Aufenthaltsort verlassen. Vorher müssen sie ihn jedoch mit Kalk ausweißen. Auch die Eltern bereiten nun ein großes Fest für Verwandte und Bekannte. Die Freundinnen der beiden Mädchen sammeln am Abend der letzten Nacht all das Gras, das sie vom Fluß als Lager für sie herbeigeholt hatten und das nun heudürr ist, nehmen auch die Strohmatten, die als Scheidewand gedient hatten, um den Raum der beiden Mädchen in der Hütte abzusperren, hinweg und werfen alles auf einen großen Hausen. An diesem Abend hat kein Bursche Zutritt in die Hütte. In aller Frühe des nächsten Tages wird der Haufen Gras, Heu, Matten und was sonst im Versteck nicht entdeckt und so seine nicht allzu starken Nerven nicht etwaigem Gutachten ausgesetzt wissen. Doch auch der andere war vom gleichen Bestreben beseelt und hielt sich mäuschenstill in seinem Versteck. Das Unglück wollte es, daß ersterer niesen mußte und so, obgleich 5. Kapitel. Die Flucht vor dem Tode. Während die beiden treuen Freunde ihren abenteuerlichen Plan in Jamonga ausgeführt hatten, war das Elend und die Todesnot in Bandari aufs höchste gestiegen. Rüstig schritten sie aus. Immer näher kamen sie dem Dorfe. Aber seltsam! Kein Gongschlag dröhnte, kein Tanzgesang war zu hören. Alles still! Nur Aasgeier freisten über dem Dorfe, flogen nieder auf den Boden, als hielten sie dort unten Mahlzeit. Der eine weist es dem andern. Bleicher Schrecken schließt ihnen den Mund. Jeder errät des andern Gedanken —. Vorwärts, vorwärts I Gewißheit ist leichter zu tragen als diese fürchterliche Ungewißheit. Und sie ward ihnen gleich beim ersten Gehöft. An drei Stellen sitzen die Aasgeier und sättigen sich an toten Bandarileuten. Eiskalter Schauer durchrieselt sie. Weiter eilen sie. Nur Tod und Grausen! Nur Schauder und Leichengeruch! — „Der umgehende Tod. . .", raunte Debu. „Der umgehende Tod . . wiederholte mechanisch Dschembaua. — „Komm, Dschembana, laß uns ins Gebirge fliehen, ehe wir selber dem Tod verfallen!" mahnt Debu. — „Nein, erst zum Vater! Ist er tot, dann fliehe ich mit dir ins Gebirge, lebt er noch, dann werde ich ihn retten oder mit ihm sterben." Schon stehen sie am Eingang des inneren Gehöftes. Die Türe ist halb offen. Dschembana klopft an und hört dumpf und hohl eine bekannte Stimme: „Wer du auch bist, tritt ein!" Gesund und frisch, aber verstört von dem Schrecklichen, das sie sahen, treten Dschembana und Debu in das kleine Gehöft. „Mein Vater," ruft Dschembana heftig und mit bebender Stimme, „was ist vorgefallen? Der umgehende Tod im dunklen Kellergewölbe, dennoch ans Tageslicht kam. Allein seine Verlegenheit ob des i Entdecktwordenseins ward erheblich gemindert durch das Bewußtsein, nicht der einzige zu sein, der an solch bedenklicher Nervenschwäche leidet. ; hielt Einkehr in Bandari?" — „Dschembana!" antwortete erschreckt der Häuptling. „Du — du — lebst noch! Schnell, verlaß das Gehöft und die Ebene des Todes! Ich befehle es dir! Ich, dein Vater! Fort! Ich will es!" — „So komm mit uns ins Gebirge. Dort wird der Tod dich nicht finden." — „Der umgehende Tod wird mir dahin folgen und euch ebenfalls ergreifen. Flieht ohne mich!" — „Vater, du bist noch gesund und wir beide auch. Noch einmal, Vater, komm und fliehe mit uns." -—„Ich bleibe hier! Aber du, Dschembana, du mein Stolz, mein Trost, du, der einzige, der mir helfen will und zu mir kommt, du darfst nicht sterben, Dschembana!" — „Ich will versuchen, dich zu retten, mein Vater!" -- „Hier ist nichts mehr zu retten." — „So gehe mit uns, Vater." — „Nein, Mbämbä stirbt, weil er sterben muß. Aber du eilst sofort ins Gebirge. Ich gebe dir meine Hand nicht zum Abschied, weil ich dir den Tod nicht reichen mag." Dschembana tooßta etwas entgegnen, aber Mbämbä machte eine abwehrende Bewegung, sein Zorn flammte auf. „Kein Wort mehr!" sagte er heftig und aufgeregt. „Fort, aus meinen Augen! Willst du meinem Befehle trotzen?" — „Ja, Vater, ich wage es, denn ich werde nicht wie die anderen in feiger Weise fliehen und dich im größten Unglück allein lassen. Ich bleibe und sterbe mit dir." Das war wohl das erstemal, daß man es wagte, dem großen Mbämbä zu trotzen. Doch war es Trotz? — Nur echte Kindesliebe war solchen Mutes fähig. Das fühlte selbst ein Mbämbä. Mit zitternder Stimme sagte er: „Dein trotziges Wort macht mich glücklich, wie ich es nie in meinem Leben war. Deine Kindesliebe ist größer als mein Unglück. Aber nun habe ich eine Bitte. Willst du sie mir Oer Räuptlmgsjbf)n von Tandem. Der Roman eines Schwarzen von P. Johannes Emonts, 8. C. J. (Fortsetzung.) erfüllen?" — „Ich werde sie erfüllen, wenn es mir möglich ist." — „Dein Zögern macht mich traurig. Sage mir, daß du unter allen Umständen meine Bitte erfüllen wirst." —„ „Nun, mein Vater, um dich nicht zu betrüben, fv sei es: Ich erfülle unter allen Umständen deine Bitte." Lange und tief schauten Vater und Sohn sich an. Dann sagte Mbämbä: „Ich danke dir, „Leb' wohl, großer Häuptling!" — Ehrfurchtsvoll entbot Debu diesen letzten Gruß seinem höchsten Vorgesetzten. Dann gingen beide betrübt davon. Mbämbä zog sich sogleich in seine Schlafhütte zurück. Auf die noch glühenden Kohlen seines Nachtfeners legte er trockenes Gras und, als es hell aufflackerte, Bambus-! sehest um Bambusscheit. Eine geraume Weile Lebende Vogelscheuche. (Phot, von P. Pröbstle, F. S. C.) Dazu müssen sich meist Mädchen gebrauchen lassen. Mitten im Kaffernkornfeld stehen sie den ganzen Tag auf einem Stein oder Sockel aus Rasenstücken und verjagen durch Ruseit imb Schleudern von Erd- oder Lehmkügelchen die aufdringlichen gefiederten Näscher. Dschembana. Du bist ein echter Sohn. Wenn ich dir jetzt sage, geh fort von mir, fliehe aus Bandari und rette dich und deinen Freund, laß deinen Vater zurück — dann wirst du die größte Tat vollbringen und deinen Vater glücklich machen. So, nun geh und kehre nicht um, wenn auch etwas Besonderes geschehen sollte. Geh fort, weit fort von hier und kehre nicht mehr hieher zurück." — „Ich gehe, Vater. Ich werde deine Bitte erfüllen, jo schwer sie auch zu erfüllen ist. Leb' wohl, mein Vater!" — „Leb' wohl, Dschembana!" sagte mit Tränen in den Augen Mbämbä. — saß er sodann nachdenklich, doch heiteren und zufriedenen Gesichtes neben dem Feuer. . . „Nun werde ich sterben" — sagte er endlich halblaut und in Gedanken verloren vor sich hin, „doch nicht wie die anderen feigen großen', die dem umgehenden Tode entfliehen wollten und ihm dennoch in die Arme sielen. Mich wird dieser Tod nicht erwischen!" — Immer mehr Bambus und trockenes Gras legte er auf die Glut. Prasselnd schlug sie gegen die Decke der Hütte, daß sie aufflammte und bald auch die Hüttenwände in Brand setzte. Mbämbä freute sich. Seine Absicht war erreicht. Die Hütte brannte und begrub ihn unter den brennenden Trümmern. Das ganze Häuptlingsgehöft war bald nur noch ein rauchendes Trümmerfeld. Mbämbä, der große Stammeshäuptling, war tot. Auch in der weiten Ebene gab es bald kein noch so entferntes Dorf mehr, in dem nicht der Tod seine Opfer forderte. Gesunde saßen oft stumpfsinnig neben einer Totenhütte. Wohin sollten sie auch fliehen! Der Tod war ja doch unausbleiblich. Viele ergaben sich in ihr hartes Schicksal, das nur der Gedanke an ein baldiges Erlöstsein milderte. Die meisten anderen jedoch sannen auf immer neue Flucht; nun in der Ebene keine Rettung mehr war, sollte das Gebirge Zuflucht bieten. Da fanden sich Schlupfwinkel und Verstecke, da gab es Wild und mancherlei genießbare Wurzeln, die ihnen für die Zeit des Aufenthaltes zur Nahrung dienen konnten. . . Die Flucht wurde bald wieder allgemein, trotz der Befürchtung, von den feindlichen Nachbarstämmen aufgesucht, verfolgt und wie flüchtiges Wild erschlagen zu werden. Nur fort aus der Sumpfebene, die eine Ebene des Todes war! Aber wie ins Gebirge gelangen? Acht Tage bereits war Regenzeit. Abend für Abend, Nacht für Nacht waren gewaltige Regenmassen den Wolken entströmt, hatten die Rinnen und Bächlein, die ausgetrockneten Wasserläufe und den mit hohem Schilfrohr durchwachsenen Fluß gefüllt und gar allzubald zum Überlaufen gebracht. Die Ebene erhielt allmählich das Aussehen eines großen, inselreicheu Sees. Bald schon gab es nur noch einen einzigen Weg, auf dem noch ein Entkommen möglich war. Männer, Frauen und Kinder strömten dorthin zusammen. Lebensmittel, Töpfe, Hausgerät und andere Gebrauchsgegenstände schleppten sie mit und mußten sie nun doch zurücklassen, da es galt, das nackte Leben zu retten. Hinein in den Sumpf ging's, hinein ins Wasser, das fürs erste nur bis an die Knie, bald jedoch schon bis an die Hüften reichte. Aber nur weiter, weiter, der winkenden Befreiung entgegen. Tiefer und tiefer sank man ein in die grundlosen schwankenden Sumpfwege. Kinder und Frauen blieben ermattet zurück, baten und jammerten um Hilfe und blieben unerhört. Andere gerieten neben den Weg und versanken im Morast, ohne Hilfe zu finden. Herzzerreißend waren die Jammerrufe, unsagbar das Hilfegeschrei, gräßlich die Ratlosigkeit und die Verzweiflung. Immer lichter wurden die Reihen der flüchtenden Bandarileute. Ein anderer Tod hielt grausig-reiche Ernte; der Rettungsweg ward zum Todesweg. Nur ganz wenige Flüchtlinge hatten im Gebirge ein gutes Versteck gefunden, jene nämlich, die durch ihre früheren Jagdstreifen gut mit der Gegend bekannt waren. Aber wie lange wird es sie schützen gegen den auf Opfer lauernden Tod. . .? 6. Kapitel. Durchs Gebirge. Dschembana und Debu hatten sich nach jenem merkwürdigen Abschied vom Häuptlingsgehöst mit dem Notwendigsten versehen und waren schwer bepackt auf dem Sumpfwege ins Gebirge aufgebrochen. Der Übergang über den Sumpfweg gelang ohne besonderen Zwischenfall, wenn auch das Wasser bereits merklich gestiegen war. Sie drangen weit ins zerklüftete Gebirge vor und suchten die sorgsam versteckte Gebirgshöhle auf, die ihnen schon öfter bei ihren Streifzügen zum nächtlichen Unterschlupf gedient hatte. Wenn irgendwo, dann konnten die beiden Freunde sich hier vor den Nachstellungen der Feinde sicher fühlen. Furchtbar aufregende Tage folgten. Der Aufenthalt gestaltete sich zu einer wahren Höllenqual für die beiden Flüchtlinge. Die Nahrungsmittel, die sie mitgebracht, reichten nur für kurze Zeit. Was dann? Tagsüber durften sie, um den Feinden keinen Anhaltspunkt zu geben, kein Feuer machen. Die Feinde hätten durch den Rauch auf sie aufmerksam werden müssen. In beständiger Gefahr sein, entdeckt und von den Feinden wie flüchtiges Wild erschlagen oder vielleicht langsam zu Tode gemartert zu werden, hielt sie in fortwährender Aufregung. Dschembana schien der Verzweiflung nahe. Seit dem Abschied von seinem Vater hatte er kein Wort mehr gesprochen. Das traurige Schicksal seines Vaters und das furchtbare Unglück seines Stammes hatten ihn gewaltig erschüttert. Welch ein Glück, daß er gerade jetzt einen tapferen Freund zur Seite hatte, der sein Unglück verstand, der mitfühlte und den wühlenden Schmerz sich austoben ließ. Debu hatte das Versteck bald etwas wohnlicher eingerichtet, dürre Aste und Zweige herbeigeschafft und ein weiches Lager bereitet. Von Zeit zu Zeit ging er mit Lanze, Pfeil und Bogen aus, um ein kleines Wild oder einen Vogel zu erjagen und nähere Nachrichten Stern der Neger 61 Heft 4 über die Zustände in Bandari zu erhalten, die allerdings von Tag zu Tag ungünstiger sich gestalteten. Er hütete sich wohl, seinem kranken Freund auch nur ein Wort darüber zu sagen, sondern ließ ihn still bei seinen wehmütigen Träumereien. Was hätte es auch genützt, sagen zu müssen, daß viele Hunderte auf der Flucht umgekommen und daß der Tod nun unter den im Gebirge zerstreut lebenden Flüchtlingen umging. Nein, er sagte nichts, er schaltete und waltete nur in größter Hingebung in der Höhle oder setzte sich still neben das kleine Feuerchen. Etwa acht bis neun Tage hatte der dumpfe Dämmerzustand Dschembanas gedauert, als Debn allmählich eine Änderung in seinem Freunde wahrnahm. Sein Auge war nicht mehr so starr, er blickte zeitweilig wie erstaunt umher und schaute fragend und forschend auf Debu. „Debn! Heute gehen wir wieder nach Bandari", sagte der Kranke plötzlich. — „Es ist noch zu früh, Dschembana, wir müssen noch einige Zeit hier bleiben." — „Hier bleiben? Weshalb hier bleiben?" — „Dschembana, du bist noch nicht ganz gesund. Der Weg ist weit und beschwerlich. Der Übergang durch den Sumpf ist nicht mehr möglich. Die ganze Ebene ist überschwemmt." — „Ganz überschwemmt?" — „Ja, es ist unmöglich, hinzugehen. Wir können nicht nach Bandari." — „Und der umgehende Tod ist fort?" — „Wie kann ich es wissen, da ich nicht hinabsteigen kann, um nachzusehen." — „Ich aber will es wissen." — „Woher solltest du die Nachricht erhalten?" — „Ich will sie mir holen." — „Das wirst du nicht tun, denn du weißt, was du deinem Vater versprochen hast; das Versprechen aber, das du einem Toten gegeben, muß dir heilig sein." — „So soll ich denn überhaupt nicht mehr nach Bandari zurückkehren? Soll ich etwa wie ein flüchtiges Wild hier im Gebirge, etwa in dieser Höhle, mein Leben verbringen?" — „Nein, das sollst du nicht. Ich hoffe, daß du bald wieder gesund und stark bist, dann wollen wir zusammen überlegen, wie wir unser Leben einrichten und..." — „Du sprichst von Hoffnung," unterbrach ihn Dschembana, „für mich gibt es keine Hoffnung mehr, es bleibt mir nichts mehr übrig, als elend hier im @e= birge zu sterben." — „Und doch, Dschembana, verzweifle nicht, habe Mut und Vertrauen, ich werde dir einen Ausweg aus der Bedrängnis zeigen." — „Einen Ausweg, Debu! Es gibt keinen. Der Tod ist der einzige Ausweg." — „So will ich schweigen, Dschembana, und den Tag abwarten, an dem du meinen Rettungsplan hören willst, der dich und mich dem Tode entreißt und uns eine bessere Zukunft bringt." Dschembana versank wieder in seine Träumerei, doch stöhnte und schrie er nicht mehr wie vorher, sondern schien nachzudenken. Der Plan, den Debu schon seit dem ersten Tage seines Höhlenlebens mit sich herumgetragen und reiflich überlegt hatte, stützte sich auf die Erzählungen der Haussah. So viel Schönes hatte er aus dem Lande der Hansfah, von dem großen Wasser (Küste), von den seltsamen schwimmenden Häusern der Weißen (Schiffe) und dem guten Leben in jenen Gegenden gehört, daß er darauf seine Hoffnungen aufbaute. Ec gedachte, sich mit Dschembana bis zu dem vielgenannten Abonadi, einem Karawanenknotenpunkt, durchzuschlagen und dann im Anschluß an eine abreisende Karawane jenes ferne Märchenland zu erreichen. Eine geraume Zeit verging, ohne daß einer ein Wort sagte. Endlich schaute Dschembana seinen Freund mit großen Augen an und fragte: „Debu, du sprachst von einem Ausweg. Du tatest, als gäbe es noch Hoffnung. So meinst du also, daß es für uns noch einen- Rettungsgedanken gibt? Deine Worte sind nicht nur hohle Trostworte?" — „Was hätte es für einen Zweck, dich zu belügen?" — „So sage mir, was du dir ausgedacht hast." — „Willst du mir ruhig zuhören, ohne mich zu unterbrechen oder mich abzuweisen?" — „Ich werde dich nicht unterbrechen." — „So höre. Deinem Vater hast du versprochen, nicht mehr nach Bandari zurückzukehren. Hier im Gebirge können wir nicht bleiben. Als ich nun darüber nachdachte, wie wir uns retten könnten, da kamen mir die Erzählungen der Haussah in den Sinn. Mit größter Spannung lauschten wir, wenn sie von jenem Wunderland sprachen, das an das große Wasser grenzt, auf dem die schwimmenden Häuser der Weißen ankommen und abfahren. Wie oft wünschten wir, in jene Länder zu reisen, das große Wasser zu sehen, die wundervollen Häuser des Wassers schauen zu können. Ich dachte mir nun in diesen Tagen, wie wäre es, wenn du mit deinem Freund Dschembana den Weg zum großen Wasser versuchen würdest. Ich entsann mich, von den Haussah öfter von Abonadi, dem großen Karawanendorf, gehört zu haben; dort wollte ich mich einer der Karawanen zur Küste anschließen. So, ■— nun hast du in kurzen Worten meinen Plan gehört." — „Ja, Debu, ich muß gestehen, bii hast recht. Ich muß über deinen Plan staunen. Und du meinst wirklich, durch die weite Gegend unserer Feinde nach Abonadi zu gelangen?" — „Ja, ich hoffe es, wenn du mit mir gehst. Du hast es mehr als einmal gewagt, in ein feindliches Dorf Gefahren vor Augen geführt, als du nach Bakalo dich ausmachtest? Konnten da nicht auch Leoparden und andere wilde Tiere, Schlangen, Feinde, gefährliche Wasserübergänge und sonstiges dir begegnen, das dir augenblicklichen oder qualvollen Tod brachte?" Dschembana schaute nachdenklich vor sich hin, er fand keine Antwort. Debu aber fuhr fort: „Wir wollen heute nicht