lür Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordefch. ^5 25. Montag mn I5. Mär) 2844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Bogen, und allmonatlich ein in Wien von Meisterhand in Kupfer gestochenes - kolorirtcs Costumebild, irische Voltstrachten in Doppelfigur enthaltend, in Großquart.- Der Preis des Blattes ist in Laibach ganz­ jährig e, halbjahrig 3 fl. Durch die k. k. Post unter Couvcrt mit portofreier Zusendung ganzjährig 8, halbjährig 4 fi, C. M., und wird halbjährig vorausbezahlt. Alle k. k. Postämter nehmen Pränumeration »n. In Loibach pränumerirt man beim Verleger am R»»n, Nr. 190, im ersten Stocke. Glockentod. Deutsche Sage. 2>,uf ödem Felde dort, wo eine Etadt Ob ihres Frevels sank in Nacht und Oraus, D» wühlt ein Eber in des Todes Saat Und gräbt, statt Beute, eine Glocke aus. Die schöne Glocke reizt der Menschen Sinn, Man führt sie bald zur nächsten Stadt hinein, »Noch brachte jenes Feld uns nicht Gewinn, Du sollst nun Zierde uns'res Stadtchens sein,« Doch »ls man sie zum ersten Male schwang, D» dröhnte dumpf und schaurig ihr Geläut'; Der Strang zerriß, die Glocke selbst zersprang. Und umgegossen — ward ihr Riß erneut. Am öden Feld, wo sünd'gc Welt versank, Senkt man die Glocke wieder scheu hinab. »Nicht tönet solcher Klang mehr Gott zu Dank, Was Er begraben, bleibe stumm im Grab!« Carl Groder, Hochzeits-Gebräuche der Wallachen, '(Ma­ chen) in Kroatien. Ein Veitrag zur Geschichte der Slaven, von Jos. Vllchenhain. Ehret die Sitten, ehret die Gebräuche der Völker, Sie sind uns Zeugen alter und schönerer Zeiten. Desaix. m Jahre 1832 am 10. Juni (bei den Grie­ chen am 29. Mai, oder am griechischen Pfingsttage) kamen wir in wallachisch Mo- rauez, einem kleinen Oertchen in Kroatien, an. Unser Weg führte uns von dem Grenzorte Weinitz in Unterkrain, über ein steiles Gebirge dahin, wozu wir etwa drei Stunden ge­ braucht haben mochten. Die Einwohner daselbst waren fest­ lich geschmückt. Wir bemerkten eine besondere Sorgfalt in dem Anzüge der Jungfrauen. Ihre Gesichtszüge deuteten auf etwas Besonderes, Geheimes; auch sprach sich in mehreren Gesichtern ein gewisses Bangen und Zagen aus, und als wir darüber einen der Dorfbewohner befragten, ward uns die Antwort, daß am heutigen Nachmittage alljährlich die hierorts übliche Brautschau abgehalten werde. Noch nie­ mals Zeugen eines solchen eigenthümlichen Gebrauches, be­ schlossen wir dieser Festivität beizuwohnen. Der Nachmittag war erschienen. — Wir standen un­ ter einer zahllosen Menge Zuschauer am Platze vor dem Pfarrhofe, vor dem sich eine große Linde befand. In dem Schatten ihrer weiten Aeste hüpften um den Stamm der­ selben herum die lieblichsten, meist schwarzäugigen Dorfmäd­ chen unter einem lauten, helltönenden Gesänge, und zwar ohne Begleitung irgend eines Instrumentes, und bildeten eine Art Rundtanz. Diese regellose Schwingung, bald links, bald rechts, nachdem der Gesang sich steigerte oder fiel, währte ziemlich lange. Plötzlich traten einige Jüng­ linge, die, eine Zeit früher dem Gesänge zugehört und still­ schweigend die Tänzerinen gemustert zu haben schienen, in den Kreis. Nachdem jeder derselben sich zwischen zwei Jung­ frauen gestellt hatte, begann Gesang und Tanz von Neuem. Der erstere gewann an Volltönigkeit durch die sich beige­ sellten Männerstimmen, der letztere aber verlor ungemein an seiner Leichtigkeit und schwebenden Bewegung. Die Jünglinge hatten sich nun ihre Zukünftigen ge­ wählt. „Sehen Sie," sprach einer der Dorfbewohner zu uns, „welches Mädchens Rechte nun in der Hand des Jünglings ruht, ist von nun an Braut," dabei wies er mit dem Zeigefinger auf jene Mädchen hin, welche jetzt plötzlich erblaßt waren und mit gesenkten Blicken und sprachlos vor freudiger Ueberraschung an der Seite ihres Nachbars im Kreise sich kaum noch mechanisch fortbewegen konnten. „Braut?" wiederholten wir, einer nach dem andern. Wir dachten eben an den Raub der Sabinerinen und warteten etwas bange auf den Ausgang. Nun trennte sich der Kreis und der Gesang verstummte. Die Jünglinge zogen ihres Weges, die Jungfrauen zu ihren elterlichen Wohnungen. Die Anwesenden aber begannen, nach Hause ziehend, den Reichthum der Wähler, welcher meistens in einer hölzernen Keusche, in einigen Rindern und Schafen zu bestehen pflegt, zu rühmen oder zu tadeln, und Glück oder Unglück, wie es 98 die Umstände mit sich brachten, dieser oder jener Verbin­ dung zu weissagen. Dies sahen und hörten wir. Um unsere Neugierde, welche sich von Minute zu Minute steigerte, zu befriedigen, erfuhren wir nach genaueren Erkundigungen Nachstehendes: Hat der Jüngling sich nun seine Gefährtin bei dem heutigen Rundtanze gewählt, so schickt er noch am Abende des nämlichen Tages einen seiner Anverwandten zu den Eltern der Auserwählten mit der Frage, ob dieselbe noch zu vergeben sei, und ob man solche dem heutigen Tänzer zur Gattin geben wolle. Im Bejahungsfalle wird nun der Tag zur förmlichen Brautwerbung bestimmt. Die Braut wird jedoch nie um ihre Meinung gefragt. Am festgesetzten Tage bereiten die Eltern der Braut ein großes Mahl. Dasselbe besteht gewöhnlich in einem gebratenen Ochsen, einigen Schöpsen, Hühnern, in einer großen Menge weißen Brotes und einigen zwanzig Eimern Wein, denn der Bräutigam erscheint mit allen seinen An­ verwandten, Freunden und Bekannten dazu. Unter großem Jubel werden nun die Punkte des Heirathsvertrages wech­ selweise besprochen, und seit diesem Tage ist dann die Aus­ erwählte eine erklärte Braut. Sie trägt von nun an des Sonntags, statt der gewöhnlichen Kopfbedeckung, über dem Kopftuche einen schwarzen Hut, dessen Rand um und um mit Zwanzigkreuzer-Stücken oder auch mit Golddukaten — nach dem Vermögen der Braut — behängt ist; den Gupf desselben schmücken Pfauenfedern nach aufwärts gerichtet. - Der Brautstand in dieser Kleidung währt dann bis zum Montage nach St. Martini, somit durch beinahe 5 Monate. Am St. Martinstage aber ist Jahrmarkt in Verbovsko. Jede Braut von der ganzen Umgegend geht dahin und zeigt zum letzten Male den Schimmer ihrer Pracht. Es ist kaum zu glauben, daß Menschen, sonst so einfach und schlicht, einen solchen Aufwand zu entfalten vermögen. — Die­ ser Tag ist der letzte Glanzpunkt der irdischen Glückselig­ keit der Braut, denn nach wenigen Tagen beginnt dann ihre beinahe sclavische Untertänigkeit. Wahrlich eine zu große Strafe für den kleinen Traum der weiblichen Eitelkeit! Am nächsten Montage nach St. Martini ist endlich der Zeitpunkt der feierlichen Vermählung. An diesem Tage werden alle Jene, welche in demselben Jahre ihren Stand zu verändern gesonnen sind, eingesegnet, denn der Pope kopulirt nicht einzelne Paare. (Fortsetzung folgt.) Treffende Abfertigung. Künstler-Novellctte von Leopold Kordesch. Im Lenzmonat des Jahres 1819 fuhr spät an einem regnen,chen Abende über High-Street, die längste und schönste Straße in Portsmouth, schwerfällig eine Postchaise und blleb vor dem ansehnlichen Hütel .zu den zwei Matrosen« stehen. Auf das Läuten des Hausknechtes, der gerade vor dem Hausthore stand, eilten schnell zwei Aufwärter herbei, wohl vielleicht auch durch das plötzliche Stillestehen des rasselnden Wagens belehrt, daß noch Fremde ankommen. Der Schlag öffnete sich. Ein flinker Bursche sprang behend heraus und half ehrerbietig einem stämmigen, blassen Manne vom Wagen, über dessen Antlitz eine eigene, gebie­ terische Hoheit ausgegossen war. Des unfreundlichen Wet­ ters halber hatte der Fremde wahrscheinlich über seine übri­ gen Kleider den großen, langen, rehfarbenen Oberrock an­ gezogen, dessen aufgeschlagener Kragen ihm bis über die Ohren ging, und worin er sich mit seiner etwas strappazir- ten Reisemütze von blauem Sammt, die mit Gold gestickt war und' auf dem ziemlich großen Kopfe schief saß, etwas sonderbar ausnahm. — Der Reisende schien nicht bei Laune zu sein. Er blitzte mit seinen brennenden Augen unter den buschigen Augen­ brauen so unheimlich und befehlend hervor, daß die Gast­ hausbedienung unwillkürlich Respekt bekam und sich mit einiger Scheu nach seinen Befehlen erkundigte, denn ein gewisses Beherrschen der Umgebung, etwas unaussprechlich Ausdrucksvolles spiegelte sich in der Miene des Fremden. „Zwei Zimmer auf die Straße heraus!" befahl er und folgte dem Zimmerwärter, der ihm mit einem zweiarmigen Leuchter respektvoll voranschritt. Nachdem der Fremde sich seines Oberkleides entledigt und in ein Fauteuil geworfen hatte, während der Aufwär­ ter geschäftig aufräumte, machte er seinem Unwillen über das Wetter und die schlechte Straße durch einige kräftige, englische Seemannsssüche Luft, schimpfte besonders über den grundlosen Weg von der letzten Station Chichester her und bedauerte, die Reise nicht lieber auf dem Canal zur See gemacht zu haben. Während dieses derben Monologes war James, der Aufwärter, fertig geworden und stand schwei­ gend an der Thüre, Befehle erwartend. „Sagt Hüll, meinem Diener, daß er komme," sprach der Reisende, und in demselben Augenblicke trat jener mit dem Hausknechte ein, welcher ihm das ziemlich große und volumnöse Gepäcke herauftragen geholfen. Die Dienerschaft des Gasthofes entfernte sich nun, und der Herr trug dem Bedienten auf, ein Nachtessen zu bestellen, hatte aus dem rothen Mantelsacke seinen Schlafrock alsbald hervorgeholt, angezogen und sich bequem gemacht. „Eine Neuigkeit, meine Herren, eine süperbe Neuig­ keit!« rief freudig und Alle überkreischend William Ieckinson, der dickleibige Gastgeber der großen Auberge »zur Europa,« in den Eßsaal der ersten Etage stürzend, wo eben eine große Anzahl seiner täglichen, besseren Gäste versammelt war. „Nun, was gibt's, was gibt's?" riefen neugierig Mehrere. „Was es gibt? Kunstgenüsse gibt es!« sprach der Exal- tirte;' „Kean, der große, berühmte Kean, England's größ­ ter Mime, der unerreichte Künstler ist in Portsmouth angekommen." — „Ah! das ist herrlich!" riefen die Gäste. „Angekommen-, ja meine Herren, und leider nicht bei mir abgestiegen. Bei den drei Hexen von Wight, das be­ trübt mich tief; allein er ist schuldlos; der Tölpel von Po-