102016 Josef Luckmann f Von A. Belar. Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte» 1905/06, Nr. 9 bis 12. Laibach 1906. Buchdruckerei Ig. v." Kleinmayr & Fed. Bamberg. i JOSEF LUCKMANN GESTORBEN AM 20. MARŽ 1906. Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte», Nr. 9 bis 12, V. Jahrg., 1905/6. Josef Luckmann f. Am 20. Marž 1. J. wehte von der Kuppel unserer Erdbebemvarte zum zweitenmal seit ihrem Bestehen die Trauerflagge. Das erstemal, vor vier Jahren, galt unsere Trauerkundgebung dem ehemaligen Amtsdirektor der Krainischen Sparkasse, Herrn Dr. Josef Suppan,* in welchem wir den Verlust unseres Griinders und eifrigsten Fdrderers betrauerten, und jiingst- bin dem Prasidenten der Krainischen Sparkasse, Herrn Josef Luckmann, welcher unserem Institute stets jene warme Gonnerschaft und Forderung zugewendet, die den Bestand und die Fortentwicklung unserer Warte ermoglicht hat. Heute erfullen wir eine Ehrenpflicht, indem unsere Monats¬ schrift ein Gedenkblatt dem Manne widmet, der der Krainischen Sparkasse als Prasident vorgestanden, die zugleich Grtinderin unserer Erdbebemvarte ist. Auch kommen wir einem Herzenswunsche nach, wenn wir unserem vvarmsten Gonner einen bescheidenen Teil unserer Dankesschuld hier abtragen. Sind doch Falle, wo wissenschaftliche Unternehmungen durch Privatinstitute eine ausgiebige Unterstiitzung erfahren haben, in Osterreich eine grofie Seltenheit, und schon aus diesem Grunde glauben wir nichts unterlassen zu sollen, was filr alle Zeiten eine bleibende Erinnerung an die verdienstvolle Tatigkeit solcher Manner, welche an der Entwicklung unserer Wissenschaft regen Anteil genommen haben, zu sichern vermag. Mit auf- richtiger Genugtuung tragen wir daher den Namen Luckmann, die edlen Gesinnungen und Taten dieses seltenen Mannes in die Welt hinaus. JosefLuckmann, Chefder wohlbekannten BankfirmaL.C.Luckmann in Laibach, war ein Mann von vielen Kenntnissen und reicher Erfahrung. Sein offener Charakter wie seine gewinnenden liebenswurdigen Eigenschaften sicherten ihm die Neigung aller, die im Leben das Gluck hatten, mit diesem ausgezeichneten Manne in personlichen Verkehr zu treten. Wie sehr die deutsche Gesellschaft in Laibach die vielen guten Eigenschaften des Verewigten einzuschatzen wuBte, beweist am besten der Umstand, dafi der Verblichene seit Jahrzehnten alle jene Ehrenamter in * Siehe «Die Erdbebenwarte», Jahrg. II, Nr. 3 und 4, Seite 99. 2 Laibach bekleidete, die von den Mitbiirgern nur an jene Manner uber- tragen werden, welche durch ihre Vorzuge ganz besonders hervorstechen. Allen anderen voran moge hier jenes Ehrenamtes gedacht werden, welches Josef Luckmann seit siebzehn Jahren bekleidet hat, namlich des Ehren¬ amtes als Prasident eines der angesehensten Geldinstitute in den Alpen- landern, der Krainischen Sparkasse. Das genannte Geldinstitut wahlt aus seiner Mitte den Prasidenten und man wird begreifen, daG dieser Vertrauensposten an denjenigen iibertragen wird, von dem man erwartet, daG er die Ehrenstelle auch voli und ganz ausftillen wird. Als* vor Jahren ein Freund des Verfassers dieses Nachrufes das Gliick hatte, in das Direktorium der Krainischen Sparkasse gewahlt zu werden, bemerkte er bezeichnend: »Jetzt habe ich als Deutscher in Krain das Hochste erreicht, man hat mich in die Direktion der Sparkasse berufen; ich habe nun das BewuGtsein, daG ich das Vertrauen meiner Mitburger voli und ganz genieGe.» Josef Luckmann hat seinen Ehrenposten glanzend ausgefiillt, und es bleibt einem spateren Geschlecht vorbehalten, die ausgedehnte kleine und groGe Arbeit dieses Mannes auf dem reichverzweigten Gebiete dieses Geldinstitutes zu uberschauen, abzuschatzen und zu wiirdigen. Es sei uns jedoch gestattet, einiges aus der arbeitsreichen Tatigkeit herauszugreifen, was die Individualitat des Verevvigten besonders auszeichnet, und das Geld¬ institut, vvelchem er so lange vorgestanden ist, in jenem Lichte erscheinen laGt, wodurch es auch vor die weitere Offentlichkeit gestellt zu werden verdient. Neben vielen \verktatigen Arbeiten, die dem offentlichen Wohle, der Volksvvohlfahrt, dem Bildungs- und Erziehungswesen in der Stadt und auf dem Lande galten, sehen wir ihn auch auf den Gebieten tatig eingreifen, denen hohere, ideale Ziele vorschweben. Es bleibt fur immer das Be- wunderungswurdigste an dem ntichtern denkenden Finanzmanne, daG seine schone Seele auch fur Unternehmungen zu begeistern war, die man mit den Worten Kunst und Wissenschaft zusammenfassen kann. So verdankt seiner Initiative eines der altesten Musikinstitute, die Philharmonische Gesellschaft in Laibach, eine so ausgiebige Forderung, wie sie eine solche zuvor nie genossen hat, ebenso hatte das deutsche Theater an ihm jeder- zeit einen warmen Gonner gefunden. Als eine seiner bedeutenderen Schopfungen verdient die Grtindung der Krainischen Kunstwebeanstalt, nach dem Vorbilde der Scherrebecker Schule, angefiihrt zu werden. An dem groGen Werke sehen wir ihn vorerst mit seinem ehemaligen hoch- verdienten Amtsdirektor Dr. J. Suppan an der Arbeit; nach dem Ableben desselben ubernahm er die junge Pflegestatte heimischen Kunstgewerbes ganz in seine Obhut. Wie viel harte Arbeit hat es gekostet, das ent- sprechende Interesse ftir diesen Kunstzweig in weiteren Kreisen zu ervvecken — wie viele Zweifler gab es, die sich von dem groGen, anfanglich 3 gewifi auch kostspieligen Unternehmen keinen Erfolg versprachen. Prasident Luckmann hatte jedoch ausgeharrt in der festen Oberzeugung, dafi das Unternehmen mit der Zeit sich doch Bahn brechen wird — er sah die Zeit kommen, wo dieses Kunstgewerbe dem Lande vielen Nutzen bringen wird. Kurz vor seinem Tode hatte er noch die Genugtuung zu erfahren, dafi seine Hoffnungen ihn nicht getauscht haben. Die Krainische Kunstwebeanstalt bekam namlich von einer deutschen KOrperschaft den sehr ehrenvollen Auftrag, einen groben, kilnstlerisch auszufuhrenden Gobelin fiir einen offent- lichen Prunksaal anzufertigen; so hat sich dieses junge Unternehmen rasch einen Weltruf erworben. Dem Wirkungskreise eines rechten Finanzmannes, beziehungsweise des Geldinstitutes, dem er vorstand, noch ferner liegend diirfte die Grtindung eines zunachst wissenschaftlichen Institutes erscheinen, welches in den Mauern der Stadt Laibach zur Erforschung der Erdbeben vor neun Jahren errichtet wurde und in dem von der Krainischen Spatkasse gestif- teten, dem schonsten monumentalen Bauwerk der Stadt, im Gebaude der k. k. Staatsoberrealschule, seine Heimstatte gefunden hat. Nie hatte man an die Grilndung eines so kostspieligen und dazu noch rein wissenschaftlichen Institutes in der Provinz denken dtirfen, wenn nicht Manner wie Dr. Suppan und Luckmann hilfreich ihre Hand dazu geboten hatten. Auch an dieser jiingsten Schopfung konnte der Verblichene seine Befriedigung haben, da ja Fachgelehrte aus allen Landern auf unsere Warte zu Studienzwecken kamen und den Wert derselben ungeheuchelt wiirdigten. Ebenso freute es ihn, zu sehen, dafi auch Fremde, der Wissenschaft Fernstehende, das Interesse mit- brachten, die Einrichtungen der exakter Erdbebenforschung dienenden Erd- bebenwarte hier naher kennen zu lernen. Gewifi hat es unserem edelsinnigen Grunder viel Arbeit und Muhe gekostet, dem jungen wissenschaftlichen Unternehmen uber die Kinderkrankheiten hinwegzuhelfen; deshalb wird ihm das Institut auch stets ein ehrendes und dankbares Andenken be- wahren. Das grofiztlgige Wesen des verewigten Sparkasseprasidenten spiegelt sich in allen seinen Unternehmungen und so ging die Grilndung unseres wissenschaftlichen Institutes weit uber den Rahmen von schmalspurigen Provinzverhaltnissen hinaus. So verstand er es auch, uber Althergebrachtes hinwegzukommen; wir sehen ihn mit dem Grundsatze brechen, dafi ein Geldinstitut nur eine Wohltatigkeitsanstalt ftir Arme abgeben soli. Dagegen stellte er das Schul- und Bildungswesen allem voran; forderte auch Kunst und Wissenschaft, um auf diese Weise das Bildungsniveau des Volkes und damit dessen Wohlfahrt zu heben. Am 22. Marž gaben wir dem zwei Tage zuvor plotzlich Verschiedenen das letzte Geleite; selten hat unsere Stadt einen so grofiartigen Trauer- aufzug gesehen — aus allen Teilen des Landes, aus allen Bevolkerungs- schichten trafen Abordnungen ein, um den Manen des Verevvigten die letzte 4 Ehrung zu erweisen. Ein duster ernstes Bild boten die Bergknappen, welche mit brennenden Grubenlampen den Trauerzug eroffnet hatten. So ehrte die Krainische Industriegesellschaft ihren Griinder. Die Trauerfeierlichkeit war voriiber und noch drangten sich an den frischen Erdhiigel Manner und Frauen aus dem Volke heran. Manchen Klageruf vernahm man da-auch ihnen hat er geholfen! Moge ihm die Erde leicht sein! Belar. t