Nro. 7. Dienstag den 25. Ianer 1791. Inländische Nachrichten. Lütbach den 24, Jane?. Zu Folge tl'ner aus Julien mitgcbrächlcn Tl^^ncht hat die hundertaugigte Poli;ey in Venedig die ganze Familie Polignae, die sich zur Zeit der schrecklichen Revoluzion von Parts nach Italien flüchtete , und eine Brcnta bey Venedig zu ihrem künftigen Aufenthalte käuflich an sich brachts, d?m grausam ihr vorbereiteten Tode entrissen.— Die Gattin dieses Cavallieres war Hofdame, und g?noß das größte Zutrauen der Königin. — Zu Anfange vorlye'n Monats kam ein junger Mensch aus Frankreich mir einer Adresse an die P. P. Karmeliter y: Venedig, von denen er auch ins Kloster aufgenommen und bewirtet wurde; gleich nach seiner Ankunft übergab er der Kinds-ahme des Marauis Polignac einen Brief nebst einigen Fsalchchcn , in denen , wie es de? beyiebogene Brief auswies , Gift w^r, Womit sie die ganze Familie bey guter Gelegenheit aus dem Wege räumen sMe, und um allen Verdacht cincr Mörderin ' Von ihr ;u entfernen, war auch lin ande? ^ res Schreiben in Nanien des Marquis, ^ in dem er diese grauliche That begangen n, ^ haben eingesteht, bengeschlofftn und zwischen die Papiere d<>s gedachten Poligna-gefchobch. Noch ?h?vor als diese schwär? -ze That b^aoünen w?rden konnte,, würden z beyde einge-ligen , der jung? Franzo^" ül„' die Kammewtti gesperret, und die Ahm5. auf die Fürbitte der hohen Familie ; ur. des Landes verwiesen. Bebt die Mensch-, hett noch nicht ;urll.^ bey so qrauvolle:?,, Untel'liehmn.!ge!l! Dank der für die Siche?< heit des menschlichen Lebens , und Eigenthum mes so klu.-ze wachendm Polizcy ! ' Die aus der Mallachey und aus Bu- -karcst eingehenden Briefe machen uns wenig Hoffnung da;u, daß der Friede so.^ bald hergestellt seyn wk?de;. weil Rußland ^ durchaus darauf besieht, t> ^genwartigen thencrn und harten Zeiten, Un-o die Polize!> fast überall schlaft, «md »dcr wölfische Wuchergeisi dcn Seegeu des »Landes auffrißt, nicht im Clande, eilieu U Krieg mit den Frankell anzufangen, und der Weg der Unterhandlung würde fruchtlos senn. Doch soll das Kurfürstenkolle-gium dem Kaiser geheime Vorschläge gethan habcn, von deren gemeinsamcr Aus- führung ein zuverlaßig gutei slusschlag zu erwarten sey. Die Politik webt in Gehei m; man hörr die Spukn rollen, lveis aber nicht, was sie jür ein Stück Arbeit hervorbringen wird. Der Mannsaat , ein vielmauligeö Ungeheuer, will behaupten, ein österreichischer Prinz hätte insgemein die Anwartschaft auf das gefürstete Bis-thmn Wirzburg erhalten, llm silr das preußische Anspach - Varreuth elt?et? Felsen der Aeraernis hinzuthürn en. Mau siehc, M weZchem Ansehen und unbesiegbarer Größe Leopold durch das Zu-rauen der deutschen Na;ioll hinanwachsen muß. Der deutsche Bund, eine weithlrum posaun«, von Dichtern ül Hymnen besungene Gloß-thar, dieß Meisiersiück dcr politischem Klugheit, ist noch immcr in der Unsichtbar-leit geblieben, und scheint auch in dieser llnsichtbarkeit zu verschwinden. — Am 9. dieses ist von dem K. K. bevollmächtigten Kongresmimster , Baron v. Herbert, ein Knrrier cus Czißtow allhier angelangt/ welcker dem vernehmen nach sehr wichtige Depeschen mitgebracht hat. — Se. Maj. haben das Fcsi vom St. Stephatik'o.dln bis nach Vollendung des Ungarischen Landtages m Preßlnrq, verschoben. Dlescr Landtag wird nächstens wieder elöslne, und dann binnen l'urzer Zett geschlossen werden; jener in Siebelchsirg n wird un-unttlbrochcn sorfg?se t. — Wie man vernimmt, wird Er herog Leopold die vorhabende Rcise durch die Provinzen von lingaru erst in einigm Monaten aütrelten. Dcr türkische Gesandte, welcher tlcch Berlin gchct, wird in dieser Woche hier in N?icn erwartet. Der hiesllbst befindliche englische ausferordeltt!lche Gesandte httt häufige lwttrredullgcn mit dem Kaiser nnd dem Fürsten Kauuitz. Er hat schon wicdil vor ein paar Tags» lineu Kunizr »Mch London abgeschickt. Seme Majestät Wchabcn mehrtre Kon missars nach Oester-^ reich und d vormaliger Kom-niandant der Citadelle von Antwerpen , hat in einigen Zeitungen eine Art von Recht-ftrtigung emrückcn lassen, die sich auf die vor einiger Zeit in allen öffentlichen Blattern glstandtnc 9lacl'ncht bezicht, daß nämlich von der auf Befehl Sr. K. K. M. publiurlen Amncstie für diejenigen Offiziere, welche während den Belqlscl en Unru-hcn M den Iltsurgenlen übergegangen, der General von Gcvaux u«:d ter Inge« nicur Lamy onegeschlossen seren, weil sie sich der Verrathereu schuldig gemacht, in-dein sie für eine Summe Geldes, wie man vermuthe, nicht nur die Citadelle von Antwerpen, sondern auch sämmtliche Offi« ziere und die Garnison zu Kriegsgefangenen übergaben, daher ihnen gegenwärtig zu Luxemburg der Prozeß gen acht werde' Hr. v. Gavanx sngt in seiner Rlcstseni-gung: "Er habe bis jetzt nicht gwußl, was man ihm vor uwerftn habe; daß er sich nicht nach Luximlurg begeben, dcra« sty stine C^ncchlichflit CcZuld KcncstN/ wie e? bewiesen habt; er habe sich seitdem zu Sas van Gent aufgehalten, um von hier aus auf das, was man von ihm zu wissen verlangen werde, :u antworten, und dasjenige zu widerlegen, was seine Feinde gegen ihn anführen würden; noch senket« M Frage an ihn geschehen; mir in öffentlichen Mattern werde er jetzt auf eine unwürdige Art angegriffen; er sey aber überzeugt, daß man die ihm vorgeworfene Verratherey nicht im geringsten beweisen könne; die Kapitulation sen in vollem Kri?gsrath von allen Gliedern desselben angenommen worden; hatte er, um die Citadelle zu übergeben, eine Summe Geldes erhalten , so würde her vormalige Kongreß ihm gewiß nicht das in einem Schreiben von 4. Horn. enthaltene gütige Anerbieten gemacht haben. ( Dieses Schreiben, worinn ihm der Kongreß eine, dem gewöhnlichen Gehalt eines kaiserl, Generalmajors gleich?, Pension angeboten , wird nun wörtlich angeführt) Meine Sch,v5ch-Uchkeit, fahrt er dann fort, nöthigte mich, dieses Anerbieten an,unehmen , unh i h gab dem Hofkriegsrath in Wien, so wie dem Hrn. F. M. von Bender Nachricht davon. Unter den Ursa.hm , die mi h zn kap'ttuliren zwangen, war die erst?, daß die Garnison ihre Frenheit auf die nm oder andere Art wollre, und schon zum AuNande gegen ihre Chefs bereit war. Die . Belgischen Stande werden leicht beweisen, daß weder sie mir, nob ?ch ihnen je einen Antrag gemnht, der die meinem Souverain schuldige Treue verletzen könnte. In einem Alttr von 74 Jahren suche man ü'ch nicht für ein nie« dria/s Inttr:P? z», enschrm, nichdem ich mein galnes Mm tr«"i ie^i"Nt. Ist es ein Verbrechen , die Stadt An'wttpen nickt n Fmer und Flammen ^sitzc/^und ge- gen 26000 Seelen, an Mannern, Weibern und unschuldigen ^Kindern , ohneNu« zen zu Grunde gerichtet zu haben, so bm ich strafbar; aber ich werde es nie bereuen , eine Gott wohlgefällige Handlung gethan zu haben, und ich vcr,weifte nicht, noch den Heafall meines erhabenen Son-vercnns zu erhalten, der nur ?,u regicreu wünscht, um seine Völker glücklich ^l« machen, und taglich Beweise davon giebt. Ausländische Nachrichten. Holland. Amsterdam den 3. Iäner. Der lezte Tag des erst zurückgelegten Jahrs ist für unsere Stadt sehr traurig abgelof-fen, gegen 6 Uhr Abends stieg ein st» di-ker Nebel auf, daß man nicht im Stande war, auch mit dem Lichte in der Hand, das mindeste zu erkennen, weil das Licht selbst wie in einer Wolke eingehüllt kaum kenndar war. Dieser Nebel hielt bis io Uhr an , und da in dieser Zwischenzeit immcr viele Menschen und Wägen in dem mit Kanälen durchschnittenen Gassen wandern , so war es gan; natürlich, daß die meisten den rechten W?g verfehlten, und ins Waffer stürzen müßten. Zum Unglück führte das Geschrey den unglücklichen Opfer dieses Ungefahrs / mehrere Menschen aus ihren Hausern herbey, welche denselben helfen wollten, allein ehe eine Hilfe möglich war, lagen fle bereits im Abgrun« de, mit» selbst die Suchenden verirrten sich und fanden auf die nämliche Art den Tod. Bis iht hat man schon über 230 Leichname aufgefischt. Alles ist in Trauer, d?r eine vermijN seine Eltern, der and? re seme Ekehelfte, ein dritter seine Kinder, mit einmiWone d,s Jammers ist kein E„d?. — Die rußischt Knserin soll schwer krank seyn« ' '