^o. 32. i?89' ^ Laibacher z Dienstag den 4. August. ^ Anlandische Nachrichten. N)ien, den 24. Julius. Die Nachrichten aus Laxenburg versichern uns, daß Ge. Majestät der Kaiser seit einiger Zeit sehr geschwinde Fortschritte in Dero Genesung gemacht haben, und daß das Gewüth noch immer heiter, und zu den gewöhnlichen Geschäften ganz aufgelegt sey: Jedoch soll sich gestern ein kleiner Anfall von Alterazion neuerdings eingestellt haben , der, ob er schon als unbedeutend angegeben wird, uns doch immer in neue Besorgnisse für Allerhöchstdero Lsben versetzt. Der Monarch soll seinem Leibarzte Hrn. Baron v. Störk abermal 602. Stück Gouverainsd'or zum Geschenk gegebe.« haben. Man erzählt auch hier allqsmein, Se. MajMt sollten dem Verfasser des Werkes gegen die neue Steuerregulirung, wegen seiner gründlichen Schreibart 102. Dukaten ,um Geschenk angewiesen, das Werk "er zur statthaften und vollkommenen Be- antwortung an die Stelle herabgegeben ha? ben. Es war am 14. dieses, da der Monarch von dem Hrn. F. M. Baron vol» London den Bericht, was ben und mit Verbir vorgieng, erhielt, und als Se. Majestät daraus ersahen, daß sowohl die Besatzung des Platzes, als auch die u dessen Rettung angekommenen Hilfstruppen, eiligst die Flucht ergriffen haben, weil sie bey dem Anblicke der vielfältigen grossen Ansialten unsers Befehlshabers mit der Möglichkeit zu widerstehen alle weitere Hoffnung aufgegeben hatten: so äußerte» Höchstdieselben über diese so glückliche Eroberung, die ohne alle Kosten von Menschenblut , blos durch die drohenden Anstalten, bewirkt wurde, ein ausnehmend grosses Vergnügen. — Diese am 9.» Iu^ lins des Abends plötzlich erfolgte Flucht der Besatzung von Berbir wird'unter andern hauptsächlich dsm Umstände zugeschrieben, baß burch die von dem Hrn. F. M. von Loudon veranstaltete Schwellung der Ver-baska, Waffer in die Kastmatten eingedrungen war, im denen sich die Feinde vor dem schrecklichen Feuer unserer Artillerie verborgen hielten. Hiedurch wurden sie also gezwungen selbige zu verlassen , und sich sowohl in der Festung, als im bedeckten Wege den Wirkungen unserer Kanonen auszusetzen , welches sie endlich nicht mehr auszuhalten vermochten. — Ein Schreiben aus Berbir vom 12. Julius meldet noch folgende Umstände, die als ein Nachtrag zur Geschichte der Einnahme dieser Festung betrachtet werden müssen. „Als die unsri-gen , so heißt es, in die Festung drangen, duftete ihnen / wie in Dubicza und Novi der Gestank sauler Leichen und Aeser entgegen. Auch fand man in der Festung noch viele theils todte, theils verwundete Pferde, Hunde und andere Thiere. Die Leichen jedoch waren alle in die Erde gescharret , müssen aber, nach den neuaufgeworfenen Gräbern zu urtheilen in nicht geringer Anzahl gewesen seyn. Alle Einwohner, besonders alte Leute, Weiber und Kinder, mit den meisten Geräthschaf-ten, waren schon eher aus der Festung entfernet, und nach Banjalucka geschaft worden, bevor noch die Belagerung angefangen hatte. Man fand also niemand mehr als einen alten Wallachen, der bey dem Pulverthurme saß, und wie man sagt, von den Türken mit dem Auftrage zurückgelassen worden, wenn die unsrigen ln der Festung waren , das Pulver anzuzünden ; er übereilte sich damit aber eben nicht, und ward daher angehalten, und in Sicherheit gesetzt. Alle Wohnhäuser sind so ganz zerstöret, daß man im Schütte k«um mehr entdecken kann, wo solche gestanden seyn: die Festungsmauren aber, die meistens von Quattrsteiuen erbaut sind, befinden sich noch in ziemlich haltbares Stand. Das wenige Gerathe, so die Besatzung bey sich hatte, hat sie bey ihrem Abzüge größtentheils mitgenommen. Auch fand man ausser etwasGetreids keine Lebensmittel. Die Kanonen waren noch alle geladen, und folglich nicht vernagelt, woraus man ersieht, daß die Flucht sehe eilfertig war. Unsere Freude über diese glückliche Begebenheit, wurde noch dadurch vermehret, weil man fast zu gleicher Zeit hörte, daß Ihre Königliche Hoheit die Ertzherzoginn Elisabeth sich in gesegneten Umständen befanden. Se. Majestät haben den Major von Volza bey Höchstdero Namen führende« Chevaurlegersregimente zum Oberstlieutenant zu befördern , und diese Beförderung durch ein gnädiges Handbillet seinem Vater bekannt zu machen geruhet. — Der Hauptmann des zweyten Garnisonsregis ment v. Neuberth ist nxgen seiner besitzen^ den Rechnungskenntniffe in der Raja zur Versehung deren Einnehmers. Diensten mit 5OO fi. Zulag angestellt worden. — Bey Drzy Infanterie soll der Hr. Oberstlieutenant von Schlegelhofen Oberst, der erste Major von Gtadler Oberstlieutenant, der zweyte Major von Kreitern erst>r Major geworden seyn. — Dem Vernehme» nach sollen bey unsern Truppen verschiede-ne Ojfiüere, die Pohien sind, und all-dort Güter, oder Vermögen haben / die Kais. Dunste cmittiren, und nach Pohlctt abgehen um sich nicht der Gefahr auszusetzen, ihr ganzes Vermögen zu. verliere» Der Hr. Lorenz Direktor im hiesigett General Seminario ist wirklich schon seines Dienstes entlassen, jedoch n it dem Beysatze, daß ihm die nächst in Erledigung kommende Pfründe verliehen wer-den solle. Man will auch schon wisen, daß diese erledigte Direktors Grelle den, Hermaligen Wmr in Laxenbnrg z»gebacht sey. Weiskirchen, den 10. Julius. Am 3. d. ward das Erzherzog Ferdinand Tos« kanische Infanterieregiment hier im Feldlager mit der Ankunft seines neuen Obersten Freyherrn v. Rottenberg, erfreuet. Derselbe diente schon seit dem Jahr 1758 als Hauptmann, und sofort durch alle weitere Stuffcn bey eben diesem Regimente, mid isi am 3. Iun. d. I. von Sr. Maj. zum Obersten und Regiments - Kommandanten allergnädigst ernannt worden. Sein Herz voll Menschenliebe und Redlichkeit, hat ihm die Liebe und Verehrung des ganzen Regiments seit langer Zeit erworben. Die Freude über seine Ankunft war daher lim so grösser, als ihn das Regiment nach einer langwierigen schmerzhaften Kranckheit Wieder zu sehen bekam. Das ganze Offizierskorps gieng demselben bey seiner Ankunft entgegen, und die gemeine Mannschaft drängte sich im Kreise, wie Kinder um einen geliebten Vater, um ihn her. Lebhaftes und entzückendes Vergnügen mahlte sich in eines jeden Gesichtszügen, und der Anblick war sehr rührend. Als der kom-mandirente F. M. Nachricht davon erhielt, gab derselbe seine besondere Zufriedenheit hierüber zu erkennen. Berbir, den 27. Julius. Unser F. M. London hat dieser Tage durch eine Staffette ein Schreiben von Sr. Majest. erhalten, worinn Höchstdielelbe ihm zu er-^nnen geben, haß , nachdem die Höft vyn Berlin, und Madr!t das Friedemgeschaft bey der Pforte nach den Wünschen der bevden Vereinigten Kaiserhöfe, ;u betreiben auf sich genommen haben , bis zum Ausqanqe dieser Unterhandlungen all? weitern Feindseligkeiten eingestellt w,rdm sollen. Eben dieser «llftraq soll von dem Monarchen dem F. "c. Haddik zugegangen st^n. Ausländische Nachricht««- Frankreich. Paris, den 14. Julius. Erwarten sie heute keine zusammenhangende Nachrichten : unsere Bestürzung ist zu groß. -^ Am l i. dies bekam Hr. Necker einen Brief vom König, worinn ihm befohlen wurde, sich sogleich von Versailles weg «begeben, und Franckreich zu verlassen. Er reisete in der Nachtab , wahrscheinlich nach Genf seiner Vaterstadt, die wenigstens iOO.Million.Liv. bey uns anliegen hat. Seine Ankunft daselbst wird gewiß die grö« ßte Bestürzung hervorbringen. Necker hat Franckreich seim Ruhe, seinen Ruhm, sein Vermögen aufgeopfert. Gewiß ein theurer Preis, mn den er den schlüpfn» gen Posten eines Finanzministers zwey« mal erkaufte. Gewiß ein trauriger Ge-dancke" den Hr. Necker auf seiner Reise von Versailles nach Genf hin und her zu werfen Müsse genug haben wird, durch wohlgemeynte, aber übel ausgefallene Mittel, Frankreich in die schrecklichste Lage versetzet zu haben. Wie theuer kaust doch oft der Mensch eine Quaal! — Die Verbannung des Hrn. NeckerS erfuhr man am 12. als am Sonntag , in Paris aber erst gegen Mittag. Paris wurde sogseich mit Schrecken und Entsetzen angefüllt, un5 das Volk rottete sich überall .usammen. Seitdem ist in allen Gassen Mord und Todschlaq , und kein Mensch, dem sein Leben lieb ist, getraut sich auszugehen. Die ZOOQO. Mann Truppen, die in unsern Nachbarschaft stehen, helfen nichts. Die fralnösischen Regimenter halten es mit dem Volk: die Schweitzerr^qimenter haben erkläret, daß sie auf keinen französischen Bürger schiessen dürften; dieß sen wieder, ihre Kapitulazion. Was wird aus der Versammlung der Generalstaaten in Versailles wl'rwn? Findet sie Unt.rstü,un^. Son 5er Armee, so entsteht säe Ftütt?' »eich eine Katastrophe. Gott! so eben stürmt man mit allen Glocken, Mord und Geschrey wiederhallt durch alle Straf sen, der Donner der Kanonen brüllt: Ich schliesst mit zitternder Hände. — Kin ande. res Schreiben aus Paris von 14. Iul. In der abgewichenen Na ht habe ich kein Auge geschlossen. Höllisch fürchterlich tönten die Sturmglocken von allen Kirchen, tas Krachen der Kanonen, die brennenden -PochfaFeln, und das Geschren von l02,200 Menschen. Alle Truppen haben das G,-tvetzr gestreckt, und versagen den Dienst: t»ieß ist sicher. Man befürchtet alles für Versailles. Der Prinz von Lambesc soll einem honneten Bürger, der nach den Tuillerien floh, den Kopf gespalten ha-Ben: und nun wollen die Empörer die Waffen nicht aus der Hand legen, ehe -sie gedachten Prinzen getödtet haben. Kein Waffenschmied , kein Schwerd - Feger ist »in dieser ungeheuren Stadt, der noch irgend etwas von Waffen vorräthig hatte. — Man fürchtet alles für den König , die Königin, und den Gr. v. Artois. — Vorgestern hat sich der Hof m der Nacht Nach Kompiegne begeben, weil der längere Aufenthalt in Versailles bey den gegenwärtigen fürchterlich:« UmNnden all',u bedenklich schien. Die Versammlung der allgemeinen Stande, die, um den Ein-Wß der Arissokraten, nämlich der Prinzen von Geblüt, der Minister, der Hof-leute, u. f. w. u untordrüFen entschlossen cheint, die!)5'h?e Gewalt, bis ;u En-t'igung ihrer Smin^en an slch zu nehen / und den König u'tler ihre Berathung/n zu nehmen, hat eine Dwuta ion cm den König nach Ksmpiegne geschickt, und sol 1 gende j Punkte verlang, l.) Z^ß d?r, Köni^z so^lech d^ Hmppm iu und um Paris, die zo, 5ls 35055. Mann aüs-i machen, in ihre gewöhnliche Garnisonen zu-» rü^kschicke, und dagegen, 2.) Gestatte, ' daß in Paris von den Bürgern selbst die ' Wachen belogen werden, um die Ruhe, > und Ordnung zu erhalten. 3.) Daß die gegenwartigen 9 Minister, die seit der ^ Verbannung des Hrn. Neckers aufgestellt - wurden, wieder abgeschaft, und dagegen die vorigen Minister in ihre Stellm eingesetzt werden. — Diese 3 Punkte wurden von dem König abgeschlagm, worauf alle 3 Grande die neuen Minister einhellig für infam, und als Verrather des Vaterlandes , und der gan en N^ ion erklärt haben- Die Freykorps, welche nur m Paris von den waffenfähigen Bürgern seit 2. Tagen errichtet worden, betragen 220,029 Mann. Aus den Provinzen erwartet man ähnliche Nachrichten. Und diese Freikorps sind bereit fürs allgemeine Beste zu streiten : sie besetzten schon regelmässig die Wachen in Paris und patroulliren Tag und Nacht, bis die Ruhe wieder hergestellt seyn wird. Das Haus des Polizen-Lieutenants Hrn. v. Croßee ist. rein' ausgeplündert worden. Alle Zollhäuser, all Barrieren sind zerstöhrt,"und alles passirt in Paris zollfrey aus und ein. Die Bürger Kompagnien werden von den französischen Garden, die ganz auf der Seite der Bürger, und der 3. Stände sind, kom-mandirt; der Prin; von Lambesc, Obrift vo'n Regiment Royal All-mand , soll nicht mehr dienen, weil ?r die Bürger Kanallien titullrt hat. Den Hmog von Chalellet, Oberst der franchstschen Garden, wollte man ersäufen , weil er aber die Soldaten -seines Regiments fußfällig um Rettung und Erbarmun,; anflehte, so schenckte ma« ihm das Leben. (Die Fortsetzung folgt.)