Nro. 39. , ^M LBacher MM Dienstag den 17. May 1791. , 1 Inländische Nachrichten. ^ L^idach den 77. Ma?« Die Mint-sierialzeitung erzahlt: "Aus sehr authentischen Nachrichten weis man , daß Preussen eigentlich bey dem Kongreß zu Sa-stow die ganze Sache dadurch schwirich gemacht hat, weil die türkischen Bevollmächtigten, welche sich des Sprachrohrs des preußischen Gesandten bedienten, ihre Forderungen an Oesterreich auf die unbescheidenste Art übertrieben, ja sogar verlangt hatten, daß von Oesterreich nebst der Erfüllung der Reichenbacher - Konven-Üon , noch eine Geldentschadigung für Kriegsmn'wand gefordert/ wobey selbst jene Summen in Anschlag gebracht wurden 5 Welche an Schweden von der Psorte schon bezahlt worden. Sobald der Baroll Herbert diese Erklärung der Staatskanzley in Wien einberichtet hat, so wurde sogleich kine beträchtliche Ammuni ion nebst 4 Kom-paa.men Artilleristen nach Ungarn beor- dert. Diese Bewegung machte die türkis schen Bevollmächtigten aufmerksam/ uM unruhig : es schien ihnen / als wenn Preusi^ sen durch Begünstigung ihrer übertriebe^ nen Forderungen ehender den Krieg fort-' zusetzen, als beyzulegen gewünschet habe. Nun tratt Baron Herbert mit seinen For, derungen vor, welche aber nicht blos da« r?n bestunden, daß die HandlungsverträgU vom Jahre 1784 , sondern auch die vor Ausbruch des Kriegs mischen Oesterreich und der Pforte bestimmt gewesenen OrenH Vergleiche vor dem Anfang des gegenwar«^ tigenFriedensqeschafts sollen bestatliget, unh garantirt werden; weil von diesen Gegenständen gar nicht mehr die Frage sevm könnte, und die eigentlich die Grundlage des strikten 8t3M3 qua ausmachen» Da^ sahen die Bevollmächtigten der Pforte^ neuerdings, daß Oesterreich von Prmßell zu Reichenbach noch nicht zu jenem Gratz der Nachgiebigkeit (wie sie benachrichtiget waren) gezwungen worden. Als endlich der ungarische Gesandte in Szistow gegen alle Erwartung der Pforte, zu Besorgung des Interesse seiner Nazwn, die mit ih« rein Souverain gänzlich ausgesöhnt war, erschien , und auf Preußen keine Rücksicht wegen des vorigen Einflusses machte: so wandte sich auf einmal das Blatt , und die türkischen Bevollmächtigten sollen selbst dafür gehalten haben, daß Qestereich in Ansehung des Friedens WM aufrichtiger gegen Vie Pforte , als Preussen gesinnt sey. N)ien den n. Mav. Bey Gelegenheit des am 3. dies Monats eingefallenen Festes der Kreuzerfindung, geruheten der Kaiserin Maj.' als allerhöchste Schutzfrau des hochadeligen Sternkreuzordens / folgende neue Qrdensglieder allergnadigsi zu ernennen : Fürstin v. Qettinz - Wallerstein , gebohrne Prinzessin von Würtem-berg. Maria Anna Fürstin v. Liechtenstein , geb. Grafin v. Khevenhüller. Io-sepha Landgrafin V. Fürstenberg , geb. Gr. v. Schrotcenbach. Walburga Gr. v. Thurn und Valsassina, geb. Freyinn V. Gumpenberq. Theresia Gr. v. Erdödy, geb. Gr. v. Palffn. Bernardina Gr. v. Ne>,berg , geb. Neichsgräsin v. Wiscr. Marianna Paulina Gr. v. Wolkenstein, geb. Gr. Starhemberg. Iuliana Gr. v. Trauttmansdorf , geb. Gr. v. Atle^ns. Theresia Gr. v. Thun, geb. Gr. v. Ät-tems Maria Fran.iska Gr. v. Erdödy, geb. Gr. v Lichtenberg. Alo^fla Gr. v. Attcms, geb. Gr. v. Wilden st? in. Iu-liana Gr. V. Berenyi, qeb. Grafin v. Hau^witz. Mariana Theresia Gr. v. Kol-loni^ , Stiftsdame u Mons. Maria Theresia Gr v. Haller / qeb. Gr. v. Ko-hary. Elisabeth Reichsgväfin v. Bmschart, geb. Freymn Schenk V. Casiell. Ios'epha Gr. v. Chrlstallnig , geb. Freyinn v. Rechbach. Maria Anna Gr. v. Taaffe, geb. Gr. V« Harsch. Theresia Gr. v. Illes^ hazy, geb. Gr. v. Barkoczy. Johanna Marquise Lliano > geb. Freyinn v. Adelmann. Christina v. Gablen', , geb. von C-Hmielewskn. Margaretha Gr. v. Casa-ti, geb. Gr. v. Gambarana. Marianna Freyinn v. Notberg , geb. Frn)i,!U v. Baden. Theresia Gr. Lubicnoka, geb. Gr. Bielinska. — Se. K. K. Maj. haben vermöge allerhöchster Entschließung vom 21. April d. I. sämmtlichen Hosbuch-haltereyregistratoren und Expeditoren den Raitraths, auch Registramrs - und Expedits, Direktors - Karakter mit der rangmäßigen Einrückung in die höhere Ralt-rathsbesoldung und mit Nachsicht der Taxen allergnadigst zu verleihen geruhet. — Se. K. H. der Ercherzog Franz waren jüngsthin in der Mosack , Skagliola Kunst-fabrike/ welche der berühmte Künstler Wolfgang v. Koepp , errichtet, und als ein für Deutschland noch settenes Kunstfach hier eingeführet hat. Sie besahen allda die ausgestellten Kunsiarbeiten, worunter das Portrait des unvergeßlichen Londons zu Pferde, nebst einem ganzen Kabinet von Landschaften und Antikköpftn, auch ein Vorrath von allen Gattungen Tischplatten mit Arabesken und Figuren eingelegt, eine Sammlung hetrurischer Töpfe, Desserts mit Aufsätzen von Pietra dura und Kamschmosaik, u, d. ql. befindlich sind; Se. K. H. gien^en auch in das Laboratorium , um diese mosaische Arbeiten in ihrer rohen Zusammensetzung nnd Entste< hung ^u sehen, und bezeigten über alles Ihr höchstes Wohlgefallen mit den gna-dl^sten Ausdrücken. Eben diesen höchsten Beyfall verdiente sich dieser Künstler von Ihrer K. H. der Erzherzogin Christina und dem Herzog Albert?« Sachsen - Te-schen, welche kurz vor Ihrer Abreise dlese Seltenheiten von Kunststücken zu zweyma-len ,n Augenschein nahmen, und Bestellungen machten. — D« 3 Erzherzoginn! KK. HH. werden wegen der F'.fcken Krankheit, von welcher aber Hochdieselk?n bald gamlich hergestellet senn werden, 8 Tage spater als der Kaiserin Majestät sich nach Larenburg verfügen, und diesen Sommer noch eine Reise nach Dresden unternehmen um Höchst ihre Schwester die Erzher-o-gin Theresia, Gemahlin des Sächsischen Prinzen Antons zu besuchen. — Se. Maj. der Kaiser haben den Grafen von Paar Oderlieutenant von Lascy zum wirklichen Hauprmann zu ernennen geruhet. — Der Herr v. Beckhanns Hauptmann von Li-kanerregiment ehemaliger Adjutant bey weil. Hrn. FeldmarschaU Baron v. London , dann von der Qekonomie - Äommis. sion der Lieutenant Lieb sind von Sr. Maj. zur k. k. deusschen Arciern - Leibgarde übersetzt worden. — Auch haben Se. Moj. den bey der k. k. Arcierngarde in Pensionsstand übersetzten Qderliemcncmt Kiß zum Kavitänlieutenant mit der dieser Charge anklebenden Pension ernannt.— Der Feld:eugmcist»r Graf v. Browne hat zu Herstellung seiner Gesundheit auf 4 Monate die Hofkriegsräthliche Erlaubniß erhalten, die Bäder und Wasser von Aachen und Spaa gebrauchen zu dürfen. Auch ist dem Hrn. Feldmarschalllieutenant Graf v. Wartensleben in eigenen Angelegenheiten ein 6 monatlicher Urlaub 'N das röm. Reich gestattet worden. — Die K. Ä. Akademie der bildenden Künste hat ben der letzt abgehaltenen Sitzung, Hrn. Anton v. Koepp, Sohn des in der Mosaik - Skagliola mit Ruhm bekannten er- sten deutschen Künstlers, in Ansehung seines in eben diesem Kunstfache mit ausgezeichneter Schönheit bearbeiteten Recep-zionsstücks, welches eine Landschaft mit Ruinen vorstellt , zum Mitglied aufgenommen , und ihm das akademische Diplom ausgefertiget. — Das Miener Publikum lM eine neue Promeuad bey den im Stadtgraven me ^ramng m Hr,lu»lu h«. bcnden Pachtern Namens Dukati und Kall cröfnet, diese gcben für Be,ahlung Kaffe, Ciocolade, Limonade und alle Gattungen Refriskaden , nebst Esel - Geiß und Kuhmilch , sammt mehreren Gattungen Sauerbrunn zum Verkauf für billige Preise in ihren eigends errichteten Zeltern. — Zwey Kurriere, aus London und Berlin, sind dieser Tage schnell aufeinander gefolgt, und werden so lange il'^ der k. k. Residenz verweilen / bis die Antwort unsers Monarchen aus Iialien erfolgt. Wie man vernimmt, beharren die in Wien befindlichen fremden Minister immer noch auf ihrer Meynung , daß Preußen und 1 England keine Fehde wider Rußland un- ^ tcrnehmcn werden. Man will auch wlssen, z daß die Englischen Ministcr nunmehr we- l gen ihrer Einlassung bekümmert sind, da 5 der Kriege den Absichten ulid Wünschen 1 der ganzen Nazion so sehr zuwider ist;ß und in diesem Falle dürste der preußische« Hof um so mehr Bedenken tragen, sichH ohne fremde Unterstützung in einm soI weit aussehenden Krieg einzulassen. — IlnD Norden bricht kein Krieg aus , darauf wettet man 20 gegen 1. Schon soll die Ex«« kuse aus London nach Berlin gekon^n senn,M daß England nichts mehr beiwirken könne.—I Eben heißt es: Brailow liegt noch in Zügen.M Graz den 12. Ma?. Die AamenD der in dem jüngsthin allhier gehaltenen? Landtag von den löbl. stcyermarkischenH V Standen ulr ?andsh-mptmannswürde vor-l geschlagenen '2 adelichen Personen /n,d l folgende: Ferdinand Graf v, Attems, mit l 62. Stimmen , Karl Gr. v. Breuncr^, ge-» wesener App'lla ionspräsidmt mit 5 8 Stim: k men, Graf v- Wurmbrand, gewesener k. l k. G'sandttr am Kursächsischen Hofe. nnt l ^, l3.:.««.<« . V,^s Or. v. Tr.uittmans-f dorf , gewesener Verordneter Präsident, z lnit 48. Stimmen/ Graf V. Brandeiß, z mit L6. Stimmen / Vincen; Gr. v Ro-k senberq, mit 4;. Stimmen, Leopold Gr. ^ V. Stubenberg, General - und Standischer ! Einnehmer mit ^o. Stimmen , Graf v. l Leslie,' mit Z". Stimmen, Gr. v. Wurm-brand, Hofrath, mit 35. Stimmen, Gr. ^ v. KhevenhiMr, N. Oe. Landmarschall, ß mit zo. Stimmen, Fürst v Rosenberg, ^ oberster Kammerer mit 29 Stimmen / und s Heinrich Gr. V. Auersperg , mit 27 Stim» l men. Der Landtagsvorschlaq wird von ^ dem Hofkommissar an Se. Maj. begleitet, und es steht nun ;u erwarten, welchen Allerhbchstbieselbe zur erhabenen Würde eines Landeshauptmanns der Stande dieses Her.ogthums ernennen werden. Ausländische Nachrichten. WM Italien. pisa den 5. Ma?. Den 2. May tst der Großher:og und die Großherzogin KK. HH. aus Livorno zurück in Floren; eingetroffen. — Ihre Siziliani-schen Majestäten haben in Rom Sr. pabst-lichen Heiligkeit öftere Besuche abgestattet, und solche entqigen empfangen; und sind am Ostermontag von Rom nach Neapel abgereiset, wo Höchstlelbe am 26. April um 3 Uhr Nachmittag unter dem Zulauf eines un ahliM Volkes und beständigen Iubelgeschrey anlangten. — Die Gegenwart dieser Allnhöchsten Herrschaften in Rom hat eine solche M'lu grossentheils fremde Kavaliere und Damen ;ählte. Ihre Majestäten haben in Rom wie in Wien, Venedig und Floren; reichliche Geschenke an Geld und Kostbarkeiten hinterlassen. Se. Heiligkeit haben sich gegen die Allerhöchste Gäste auch vorzüglich, und zwar dadurch liebreich erwiesen, indem Sie Höchst-se'ben nebst verschiedenen kostbaren Gemälden auch 2. in Gold gefaßte Rosenkränze von Lapis Lazuli und' 2 Küsten voll Ag-nus Dei zum Geschenk machten, und an Ihre Maj. die Königin besonders ein liebvolles väterliches Abschiedsschreiben gelangen ließen, und beuden Majestäten den apostolischen Segen ertheilten. Was man am meisten bewundern will , so soll in den Zusammenkünften der Allerhöchsten Sizil. Herrschaften mit Sr. Heiligkeit nichts von den zwischen beyden Höfen obwaltenden Irrungen wegen des Zelters gesprochen worden seyn. — In Rom ist nun das Urtheil des Inquisizions - Gerichts über den angeblichen Grafen Cagliostro öffent« lich erschienen, und man ersieht daraus, daß die Sectiererey und Bethörungen , oder die sogenannte Egnptische Freymaurerey / wovon er das Haupt und der Verbreiter war, die eitnigen Verbrechen sind, deren man ihn schuldig fand. Der ganze merkwürdige Urtheilsspruch und das darüber erfolgte päbstliche Reskript wird nächstens wörtlich mitgttyeilet werden. Wird alle D:'enL -und Freytaye nachmittags um 4. Uhr auf dem Platze Nro. «33. in der von Kleinmayerschen Buchhandlung ausgegeben.