II116866 D-M-PRIMI TRVBERI MDVIII - MCMVIII Dr. phil. OTTMAR HEGEMANN LAIBACH 1908 BUCHDRUCKEREI VON IG. v. KLEINMAYR Se FED. BAMBERG 11 116866 Aus Trubers tlbersefeung der Hauspostille Luthers D • M • PRIMI TRVBERI 'Zw seinem 4:OOjahxigen Gefoinrtstag Von Dr. phil. Ottmar Hegemann Theodor Elze, der ausgezeichnete Erforscher der krainischen Reformation, sagt : 1 „Truber vollbrachte es, das Neue Testament und die Psalmen in die Sprache seines Volkes zu iibersetjen, bei diesem die Reformation einzufiihren, die evangelische Kirche in Krain zu errichten, eine Literatur in seiner eigenen Sprache zu begrunden." Gewi§ stolze Verdienste: Literaturschopfer, Reformator, Kirchen- griinder, Bibeluberse^er, Kirchenliederdichter, wie sie in e in er Person sonst selten vereinigt sind! 1 Primus Trubers Briefe, Bibliothek des literar. Vereines in Stuttgart, 215. Bd. Tiibingen 1897 S. 286; im nadifolgenden von uns zitiert mit Elze. 2 Den „slovenischen Luther" hat man Truber genannt, und gewig kann man mutatis mutandis auf ihn die Worte anwenden, die der groge katholische Theologe Ignaz Dollinger fiir Luther gepragt hat: „Er gab seinem Volke Sprache, Volkslehrbuch, Bibel, Kirchenlied." Leider liegt das Leben dieser bedeutenden Personlichkeit fiir uns vielfadi im Dunkel. Sein Schaffen war durch die Ungunst der Verhaltnisse ein Torso. Kaum drei Jahre (von 1562 — 1565) hat er in voller Reife auf der Hohe seiner reformatorisdien Erkenntnisse in seinem Laibach wirken diirfen, vorher fallt die fast fiinfzehnjahrige Verbannung, in die ihn Ferdinands I Verhaftsbefehl von 1547 ge- trieben. Bereits am 15. Dezember 1564 verbannte der neue Landes- herr, Erzherzog Karl II, Truber aufs neue aus allen seinen Fiirsten- tiimern. Zwar wurde ihm die Abzugsfrist bis Ende 1565 verlangert, dann aber mugte er sein Vaterland fiir immer verlassen, das er nur noch einmal (1567) bei einem kurzen Besuche wiedersah. Wohl hat Truber bis zu seinem am 29. Juni 1586 erfolgten Tode in der zweiten, einundzwanzig Jahre wahrenden Verbannung, wie schon in jener ersten (1547 — 1562), unermiidlich im Dienste des slovenisdien Schrifttums gewirkt. Eine seiner ersten Arbeiten, die er unternahm, als er auf reichsdeutschem Boden Wurzel gefagt hatte, war die Herausgabe der beiden ersten Druckschriften der slovenischen Literatur. Nach mancherlei Miihen gelang es ihm, die bisher noch nicht in Druckschrift gebrachte slovenische Sprache in Buchstaben regelmagig auszudriicken und im Jahre 1550 den „Catechismus in der Windisdien Sprach" zu veroffentlidien. Natiirlich konnte dieses Budi bei ali seiner ansdieinenden Einfadiheit nicht fiir die Landbevolkerung Krains bestimmt sein, weldie damals, in religiosen Dingen unwissend, dem Aberglauben ergeben und des Lesens unkundig war. Noch am 19. Marž 1561 sah sich Truber veranlagt, aus Urach an seine Freunde in Laibach zu sdireiben: „Bringt die Bauern an, dag sie ihre Kinder windisch lernen lesen." 1 Fiir diese nun hatte er von Anfang an ein Biichlein bestimmt', weldies zugleich zum Lesenlernen oder auch zum Ausvvendiglernen der notwendigsten Religionslehre dienen solite. So lieg er denn gleichzeitig mit dem vorgenannten Katediismus im gleidien Jahre 1550, dem Jahre der Begriindung der slovenischen Literatur, das „Abece- darium und der Klein Catediismus" ersdieinen. Das Schriftchen hat nur 16 Blatter. Beide Schriften, die wegen ihrer grundlegenden Bedeutung so \vichtig sind, mugte Truber, wie er in einem spateren Werke sagt, 1 Elze S. 109. wegen des Interims, „verborgen, mit Gefahr und in seinem Ab- wesen, dag ers nidit hat mogen korrigieren, drucken lassen.“ 1 Elze zahlt 25 fast ausschlieglich slovenische Veroffentlichungen Trubers auf, als deren legte die nur drei Tage vor seinem Tode vollendete Ubersegung von Luthers umfanglicher Hauspostille. Diese wurde erst 1595 durch seinen jiingeren Sohn, den legten Super- intendenten Krains, Felizian Truber, veroffentlicht, das legte slove¬ nische, reformatorische Druckwerk. Welch eine Fiille von Arbeit, Tatkraft und Umsicht war erforderlich, um dies Werk der Begriindung einer Nationalliteratur durchzufiihren! Und dodi ist es ein unvoll- kommener Ersag gewesen fiir das personlidie Wirken, das Truber ohne seine Schuld in seiner Heimat abgeschnitten wurde. Er, der Mann reicher organisatorischer Begabung, der in sich Umsicht und Besonnenheit in hohem Mage vereinigte, war in der Fiille seiner Schaffenskraft verurteilt, in weiter Ferne in einem stillen Dorfdien zu wirken. Ein tragisches Schicksal! Audi um deswillen zu bedauern, weil die Beurkundung dieses merkwiirdigen Lebens unter diesen ungiinstigen Verhaltnissen sehr gelitten hat. Auger der Leichenpredigt Jakob Andreas mit ihren biographischen Daten 2 besigen wir eine zeitgenossische Biographie iiberhaupt nicht. Es klaffen hier gewaltige Liidcen, tiefes Dunkel liegt auf ganzen Jahrzehnten, insbesondere auf der ersten Halfte und dann wieder iiber den beiden legten Jahrzehnten, andere Partien sind nur sparlich erhellt, im vollen Tageslicht der Geschichte liegen eigentlich nur die Jahre 1560-1565. Nadi Elzes Forschungen lassen sich die Hauptdaten von Trubers Leben wie folgt bestimmen: Geboren 1508 in Rašica, Gemeinde Auersperg, als Sohn Michael Trubers, eines Miillers und „Erbholds“ der Freiherren von Auersperg. Sein Leichenprediger sagt von ihm: „Den haben seine Eltern zur Schul gen Salzburg und Wien in Oesterreidi geschickt, da er mit andern armen Sdiiilern den Partem gesammelt.“ In der Weise der armen fahrenden Schiiler jener Tage fristete er mit Almosensammeln sein Leben, bis in Wien Bischof Peter von Triest sich seiner annahm, wohl wahrend seiner Admini- 1 Uber diese ersten slovenisdien Drucke siehe die eingehenden Nach- weise Elzes im Jahrbuch der Gesellsdiaft fiir die Geschichte des Protestan- tismus in Osterreich, Wien 1893 ff., 14. Jahrg. ff. 2 Christlidie Leichpredig / Bey der Begrabnus des Ehrwiirdigen vnd Hochgelehrten Herrn Primus Trubern / weiland einer Ersamen Evangeli- sdien Landtschafft / im Hochloblichen Hergogthumb Crain / bestellten Pre- digers etc. Durch Jacobum Andreae etc. $ stration des Wiener Bistums 1523. Truber erscheint 1526 als „servitor episcopi“ in Triest. Wir diirfen uns die sdilanke Gestalt des 18jahrigen in der daraals schon in ihrer heutigen Gestalt vorhandenen Kathedrale St. Justus als Domsanger vorstellen. Gewig ist der strebsame Jiingling in der Umgebung des edeln, einer humanistisdien und evangelisdien Riditung zugewandten Bischofs mit dem damaligen italienisdien Huma- nismus in Beriihrung getreten und hat dadurch vielleicht die Grund- lage zu jener freisinnigen Geistesrichtung gelegt, die ihn spater in vieler Hinsicht mehr dem humanistisdi geriditeten Zwingli als dem mystisch tiefen Luther an die Seite stellte. Seine ganze niichterne, klare, verstandige Geistesrichtung wies ihn ja auf eine solche Denkweise hin. Hohnisch hat man ihm spater vorgeworfen, dag er „nie auf keine Universitat kommen" sei, 1 und er selbst bezeugt, dag ihm, auger wenig umfassender Kenntnis des Lateinischen, Kenntnisse in den alten Sprachen ganzlich mangelten. 2 Seine Bildung scheint eben rein der unumganglidien Vorbereitung auf die Berufsaufgaben eines katholi- schen Priesters dienstbar gewesen zu sein. Ein spekulativer systema- tischer Theologe wollte er nie sein und werden. Durch Sdiultheologie weder hochgebildet, noch verbildet, war und blieb er doch von lebhaftem Bildungsstreben erfiillt, auch seitdem er, wohl von 1530 an, als Priester tatig war, zunachst als Kaplan zu St. Maximilian bei Cilli, dann als Vikar in Tiiffer in Untersteiermark. Uber die Studien, die der junge Priester zur weiteren Ausbildung gemacht hat, geben die vier Schreiben Trubers an Heinrich Bullinger, den Nachfolger Zwinglis in Ziirich, sprechende Belege. 3 Von 1532 an erschienen Bullingers Kommentare. Wenn man bedenkt, dag in damaliger Zeit auch von seiten der Evangelischen Krains jeder Versuch der Zwinglischen oder reformierten Richtung, Fug zu fassen, mit Entschiedenheit zuriickgewiesen wurde, 4 * so mug man sich iiber die Unbefangenheit wundern, die Truber an den Tag legte, indem er, und zwar mit innerer Zustimmung, 6 eine Literatur studierte, iiber die er spater 1582 in der Vorrede zur Ubersegung des ganzen Neuen Testaments selbst geurteilt hat, dag sie „als Sekt oder Schisma" zu bekampfen sei. Wenn er dann in den legten Jahren seines Lebens die Konkordienformel 6 unterschrieben hat, so ist das am Ende nicht 1 Elze S. 282 f. 3 Elze S. 20, 26 ff. 3 Elze S. 19 ff. 4 Dimig, Geschichte Krains II S. 226. 6 Elze S. 19. 6 Die sdiarfste Auspragung des Luthertums in seinem Gegensag zum reformierten Bekenntnis. als Charakterlosigkeit zu deuten, sondern als die Unbekummertheit eines Mannes, dem theologische Spigfindigkeiten unwesentlich waren, der sich darum in soldien ihm ferneliegenden und nebensachlichen Fragen ohne Skrupel der herrschenden Richtung anbequemte. In Laibach ist die neue evangelische Richtung erstmalig im Jahre 1522 nadiweisbar. Truber, der schon in Untersteiermark gegen Aus- wiidise des Wallfahrtswesens scharf aufgetreten war, mug vom An- beginn seines offentlichen Auftretens lebhaft von dieser neuen Richtung erfagt worden sein. 1531 predigte er im Dom zu Laibach gegen die Ehelosigkeit der Priester und gegen die Austeilung des Abendmahles unter e in er Gestalt und fur die Rechtfertigung durch den Glauben, weshalb Bisdiof Christoph Rauber ihm die Predigttatigkeit untersagte. In der stadtischen Spitalskirche zur hi. Elisabeth (ehemals an der heutigen Stritargasse gelegen) konnte er jedodi in gleichem Sinne weiter- predigen. 1540 erreiditen Trubers Gegner, dag er sich von Laibach auf die Landpfarrei zu Lack (bei Ratschach) in Untersteier zuriick- ziehen mugte. 1540/41 ist aber auch eine langere Anwesenheit im Hause des Bisdiofs Bonomo in Triest nachvveisbar. Ob seine Tatigkeit in Triest als slovenischer Prediger damals oder spater anzusegen ist, steht nicht fest. Im Jahre 1542 wurde Truber Pfarrer in Tiiffer bei Cilli, ohne jedodi audi hier zu rechter Wirksamkeit zu gelangen, da ihn der reformatorisch gesinnte Laibacher Bischof Franz Kazianer 1542 zum Domherrn in Laibach ernannte, wo er audi als sloveni¬ scher Prediger wirkte. Kazianers Nachfolger, Bischof Urban Textor, der spatere eifrige Gonner des Jesuitenordens, iibertrug 1544 den Domherren Primus Truber und Paulus Wiener gleidifalls die sloveni- schen und deutsdien Predigten in der Laibacher Domkirche, hiezu erhielt er 1546 die Pfarrei St. Bartholoma im Feld in Unterkrain. Der Sdimalkaldisdie Krieg und der Zusammenbrudi der Macht- stellung des deutschen Protestantismus (1547) madite dann auch hier im fernen Siiden der reformatorischen Wirksamkeit Trubers ein Ende. Bischof Textor segte bei Konig Ferdinand im gleichen Jahre einen Verhaftsbefehl gegen Truber und seine Genossen durch. Es gelang indessen Truber, dem ihm drohenden Gesdiick zu entgehen und rechtzeitig nodi von seiner Unterkrainer Pfarre aus zu ent- fliehen. Vermutlidi ging er, wie Elze sagt, durch Kroatien und Fiume nach Triest, wo gerade damals der evangelisch gesinnte Franz Jose- phich (Rizzano) von Zengg zum Bisdiof gewahlt, allerdings dann nicht bestatigt wurde. In Laibach wurde er unterdessen aller seiner Pfriinden entsegt und beraubt, sein Kanonikatshaus erbrochen, seine Bucher im Schagungswerte von 400 fl. weggenommen. Zwar durfte « Truber nochmals nach Krain zuriickkehren, aber gar bald wurde er endgtiltig entsegt und exkommuniziert, auch mit dem landesfiirstlichen Acht und Bann belegt. Da fluchtete er 1548, bis an die Tiroler Grenze verfolgt, durch Oberkrain und Karaten nach Oberdeutschland, wo er nach Andreas Wort, „wie sein eigen Handschrift meldet, erst ein rechter Christ und in der Lehr und Glauben recht gestarket worden“ ist. Truber kam in Niirnberg zu dem bekannten reformatorischen Prediger Veit Dietrich, mit dem er schon friiher in Verkehr gestanden war. Im gleichen Jahre 1548 erhielt er die Stelle als Friihprediger in der Stadt Rotenburg ob der Tauber, wo er sich 1549 mit Bar¬ bara N. (unbekannt) verheiratete und die Geburt seines Sohnes Primus erlebte, dem spater noch ein Sohn und drei Tochter folgten. Vielleicht ist der Schlug gestattet, dag Trubers energische, niichteme Charakterbeschaffenheit fiir schwarmerische Liebe oder auch nur weiches, lebhaftes Gefiihl im Verhaltnis zur Gattin wenig Raum lieg. Sonst ware es wenigstens fast unbegreiflich, dag Trubers Gattin, wie iiberhaupt sein Familienleben, fiir uns ein unbeschriebenes Blatt bedeutet. Hatten diese hauslichen Bande fiir ihn eine hohere Bedeu- tung gehabt, so ware schwer zu begreifen, warum er in allen seinen Briefen und Kundgebungen mit kaum einer Silbe darauf zu sprechen kommt. Wir haben wohl das Recht, uns Truber als schlichten, ernsten, patriarchalisch strengen Gatten und Hausvater zu denken. Die Behauptung Rosolenz’, Truber habe „vier vermeinte Eheweiber“ gehabt, die noch von Hurter 1 zu der Anklage benugt wird, Truber sei „nichts weniger als musterhaften Wandels gewesen“, scheint, nach allen unseren Quellen, vollig in der Luft 2 zu hangen, 1553 iiber- siedelte Truber mit seiner Familie nach Kempten, wo er acht Jahre im Pfarramt tatig war. 1560 begannen mit ihm die Verhandlungen der krainischen Land- schaft wegen seiner Riickberufung, die sich durch widrige Umstande etwas in die Lange zogen. Sdion wegen der zahlreichen Schriften, die Truber, um die neue religiose Richtung den Slovenen nahezu- bringen, seit 1550 veroffentlicht hatte, mugte er ja als das natiirlidie geistige Haupt der krainischen evangelischen Kirche erscheinen. Mit groger Gewissenhaftigkeit und Vorsicht ist Truber an die Frage herangetreten, ob er aus seiner gesicherten Stellung in Kempten 1 Geschichte Kaiser Ferdinands II l.Bd. S. 60 f. 2 Wenn (in der Leichenpredigt Andreas) Barbara „seine liebe er ste Hausfrau" genannt wird, so liege dies eigentlich auf eine wiederholte Ehe schliegen ? 5 ausscheiden und in die ungemein schwierigen Verhaltnisse der Heimat zuruckkehren solle. Erst auf Grund von Gutachten der namhaftesten siiddeutschen Geistesgenossen ging der Reformator auf den an ihn gerichteten Ruf ein, gewig in der Uberzeugung, dag er eine ihm und nur ihm von Gott auferlegte Aufgabe enthalte. Am 26. Juni 1561 hielt er jenen feierlichen Einzug in Laibach, der als der Hohepunkt inTrubers ganzem Leben anzusehen ist. Seine Freunde, zwanzig Pferde stark, ritten ihm eine halbe Meile auf der Krainburger Landstrage ent- gegen, an der Spige Matthias Klombner und Lukas Zweckel. Nach einer Viertelmeile kam ihm eine noch viel grogere Schar beiderlei Geschlechts entgegen. Truber stieg vom Pferd und die allgemeine Riihrung machte sich in Tranen Luft. 1 In der Stadt empfingen ihn alle vier Tiirmer mit feierlichem Tedeumblasen. Das weist darauf hin, dag ein konfessio- neller Gegensag in Laibach selbst sich kaum gegen Truber geltend machte. Charakteristisch dafiir ist, dag die Herren Achaz von Thurn und Dietrich von Auersperg an die Barfugermonche, deren damals noch zwei iibrig waren, herantraten, es moge ihre Kirche Truber eingeraumt werden. Merkwiirdig ist, wie sich die Monche - also inner- lidi schwankend - beim Landeshauptmann und beim Landeskomtur des Deutschen Ordens in Wien Rats erholen, um dann zu erklaren: „sie diirfens vor ihrem Provinzial-Obersten nicht tun“. Dabei war Truber doch noch immer in Acht und Bann! Am allermerkwiirdigsten aber ist, dag die beiden erwahnten Krainer Edelleute sogar an den Bischof Peter von Seebadi herantraten: „dag er dem Truber im Dom, zur Zeit, da die Kapitelsherren darin nichts tun, predigen und unbetriibt lasse“. Aber audi dem wird noch die Krone aufgesegt durch die Antwort des Bischofs: „fiir seine Person wollt er den Truber gern lassen, aber er mug mit ihm handeln nach Befehl der Ro. Kai. Mt.“ 2 So fliegend waren damals noch die Schranken zwischen der alten und neuen Konfession! Das Schreiben des genannten Bischofs an Truber vom 3. Juli 1561, „auf was Bewegung er sich ins Land herein ergeben", ist ja auch in merkwiirdig mildem Ton gehalten und gibt als Beweggrund auch nicht etwa kirchenreditliche Gesichtspunkte, sondern staatliche, „damitwir unserm Amt auch der ro. kay. Mt. unsers allergnadigsten Herrn Befehl nach der Notdurft und das fiirtraglichst fiirnehmen mogen“. 3 In zehmvochentlicher angestrengter Tatigkeit hat damals Truber in Laibach die notwendigsten Anordnungen getroffen. Dann trat er 1 Siehe auch Dimig II S. 263. 2 Die diesbezuglidien Angaben bei Elze S. 116 f. 3 Bei Elze S. 124. '8 im September 1561 einen dreivierteljahrlichen Urlaub an, um bei der kroatischen Druckerei in Urach die dort begonnenen Arbeiten zu Ende zu fiihren. Truber stellte sein Kommen zunachst in die Zeit nach Ostern 1562 in Aussidit, da ihn die Arbeiten an der Uracher Druckerei vollauf in Anspruch nahmen und er augerdem, an Rotlauf erkrankt, das wurttembergische Bad Teinadi aufsudien mugte. Erst im Juni 1562 traf er, diesmal in Begleitung seiner Familie, der Sicherheit wegen auf Umwegen wieder in Laibach ein. Aber der harmlose, verfolgte Mann scheint auch seinerseits der gegnerischen Partei Schrecken eingejagt zu haben. Wenn der Bischof „sub sigillo confessionis", weil er sich vor einem offenen Auftreten gegen die Evangelischen bereits fiirchtet, beim Kaiser Beschwerde einlegt, 1 so beweist das gewig, dag in Adel und Burgerschaft die Herrschaft entschieden auf jener Seite war. Die fiir Truber eintretepden Stande waren augerdem in der Lage, gegen Bischof Seebadi so sdrvvere Anklagen wegen seines Wandels beim Kaiser zu erheben, dag sie ihrem Schiigling dadurch eine Ruhepause verschafften. War es dodi gerade in jenen Tagen, dag der Kaiser selbst in Trient die Forderung stellte: „Erlaubnis des Keldies und der Priesterehe, . . . Errichtung von Schulen fiir die Armen, die Reinigung der Breviere, Legenden und Postillen, verstandlichere Katechismen, deutsche Kirchen- gesange, eine Reform der Kloster, damit ihre grogen Reiditiimer nicht so ruchlos angewendet werden mochten.“ 2 Vom Umfang der Tatigkeit Trubers als ersten Superinten- denten der evangelischen Kirche Krains gibt uns die Tatsache eine Vorstellung, dag damals iiber zwanzig evangelische Seelsorger im Lande wirkten. Der Adel war fast vollig, die Stadtbiirgerschaften ganz iiberwiegend, die Landbevolkerung zu einem ansehnlichen Teil evangelisch; das ganze Land entschieden dem Ubergang zum Pro- testantismus geneigt. Das Jahr 1563 sah die Errichtung des landschaftlichen evangeli¬ schen Gymnasiums in Laibach, an dessen Spige Leonhard Budina berufen wurde. Neben ihm wirkte Trubers Nachfolger Sebastian Krell. Bei Trubers eifriger Tatigkeit, die er in diesem einzigen Jahre unangefochtener Wirksamkeit entfalten durfte, fehlte es doch nicht an heftigen Anfeditungen von seiten der Geistlichkeit, 3 von seiten 1 Mitt. 1864 S. 51. 2 Nach Ranke, Fiirsten und Volker von Siideuropa II S. 331 ff.; bei Sillem, Truber, Erlangen 1861, S. 84; Dimig II S. 277. 3 Elze S. 209. '9 der Obrigkeit, 1 wie auch der eigenen Glaubensgenossen, deren altester und im Anfang gewichtigster Fiihrer, Matthias Klombner, sogar einen todlichen Hag auf ihn warf. Es war ein Feuer von zwei feindlidien Fronten her, in das Truber durch Abfassung einer slovenisch-evangelischen Kirdien- ordnung geriet. Wenn es ihm audi gelang, die Mighelligkeiten im eigenen Lager zu schlichten, so nahm der neue Landesherr, Erzherzog Karl, schon bald nach seinem Regierungsantritt (25. Juli 1564) den Handel zum Vorwand, um Truber aus allen seinen Fiirstentumern zu verbannen. Alle Bemiihungen der krainischen Landsdiaft erreichten nur, dag der Abzugsbefehl bis Ende Juli 1565 verlangert wurde. Dann mugte Truber mit Zuriick- lassung seiner grogen Bibliothek und seines kleinen Hauses 2 sein Vaterland fiir immer verlassen, das er nur einmal (1567) bei einem kurzen Besuche wiedersah. Truber erhielt in Wurttemberg zunachst die Pfarrei in Laufen, iiber- siedelte aber dann bald nach De- rendingen, in nachster Nahe von Tiibingen, wo er seine slove- nischen Schriften drucken lassen, augerdem im Verkehr bleiben konnte mit krainischen Lands- leuten, die damals zahlreich aus Adel- und Biirgerstand in Tubingen studierten. Sein Leichenprediger hebt, gewig nicht mit Unredit, die Gastfreiheit und Wohltatigkeit > des greisen Pfarrherrn besonders gegen Exulanten hervor, dem es vergonnt wurde, trog kranklicher Leibesbeschaffenheit in vollster geistiger Frisdie ein Alter von 78 Jahren zu erreichen. Am 29. Juli 1586 starb er, nachdem er unmittelbar vorher seine Ubersegung von Luthers Hauspostille hatte vollenden konnen. 1 Dimig II S. 274. 2 Am Alten Markt gegeniiber der Jakobskirche gelegen. Vom Vorderdeckel der in Tubingen im Anfang der sediziger Jahre gedruckten slovenischen und kroa- tischen Biicher 10 Die noch heute in der Derendinger Kirche vorhandene Gedenk- tafel 1 mit einer kurzen Aufzahlung seiner Schicksale und Verdienste weist darauf hin, dag ihm die Gattin und zwei Tochter im Tode vor- angegangen waren. Seine beiden Soline starben als wiirttembergische Pfarrer, der jiingere Felizian, nachdem er zuvor noch sein legter Nachfolger in Krain gewesen war. - — Aus einer ungedruckten Schrift Theodor Elzes 2 entnehmen wir folgende zusammenfassende Charakteristik Trubers (S. 26): „Was Truber von friihen Jahren an bis in seine Sterbestunde erfiillt und beseelt hat, das war Liebe zum Evangelium, fiir wel- ches er Vaterland, Freunde, Ehre und zeitliches Vermogen da- hinten lieg; Liebe zu seinem Vaterlande, welche Entfernung und Verbannung nicht zu vermindern vermochten; Liebe zu den Armen und Bedrangten, deren schwere Lage er in friiher Jugend selber erprobt hatte. Er war ein scharfer, logischer Denker, dabei treu- herzigen, aufrichtigen Gemiites, konsequent im Handeln, aber arg- los im Umgang, ernst und milde zugleich. In seinem reformatorischen Wirken ging er ohne Engherzigkeit langsam und schonend zu Werke, fiir das Gelingen seines literarischen Unternehmens war er angstlich, fast migtrauisch besorgt. Wenn er auf diesem Gebiete gereizt wurde, konnte er fiir Augenblicke heftig werden und sich Worte bedienen, welche nur der allgemeine Gebrauch des 16. Jahr- hunderts entschuldigt. Doch trat die urspriingliche Milde und Giite seines Herzens, welchem andauernder Groll und nachtragende Ge- hassigkeit, Feindseligkeit und Rachsucht unbekannt waren, bald wieder hervor. Als Schriftsteller war Truber weniger schopferischen Geistes, aber er war auch kein gewohnlicher sklavisdher Uberseger. Wo er blog Uberseger sein wollte und mugte, war er hochst treu und gewissenhaft; in anderen Fiillen war er ein eigentiimlicher und geistreich kombinierender Bearbeiter. Dies tadelt Ungnad an ihm. Sein Stil ist mehr einfach als schwunghaft, der Gegenstand gilt ihm mehr als die Darstellung. Sprache und Literatur waren ihm stets nur ein Mittel, seine Gedanken und Uberzeugungen in moglidist weiten 1 Dimig III S. 110. Siehe Abbildung am Sdilug dieses Aufsages. 2 Die krainisdie Literatur im 16. Jahrhundert. Biographische undbiblio- graphisehe Studien zur Literatur-, Kultur- und Reformationsgeschichte. Vor- rede, datiert Venedig, Herbst 1871; spater vielfadi erganzt. Im Besitze des Herrn Hofrates Prof. A. Luschin v. Ebengreuth in Graz, dem fiir die giitige Uberlassung dieses und der anderen auf Truber beziiglichen Manuskripie herzlicher Dank gebiihrt. 11 Kreisen zu verbreiten. Er hat nie, audi nicht als Schriftsteller, seinen personlichen Ruhm gesudit, sondern das Wohl der Menschen; das trieb ihn zum ersten Beginn der slovenischen Literatur, das tritt uns aus ali seinen Schriften entgegen. Seine Lieder sind herzlidi und erhebend, einfach und klangvoll und konnten zum Teil bei geringen sprachlichen Anderungen noch heute von seinen Glaubens- genossen slovenischen Stammes mit Erbauung und Segen gesungen werden.“ Es sei im nachfolgenden versucht, diese Beurteilung des be- deutendsten Truberkenners auf Grund von Elzes Ausgabe der Briefe Trubers noch mit einzelnen charakteristischen Einzelziigen zu belegen. Truber war trotz des hohen von ihm erreichten Alters von schwachlicher Konstitution. 1 Dag ein so kranklicher Korper dennoch so groge Leistungen vollbringen konnte, ist gewig bewundernswert, um so mehr, als Truber auch in materieller Hinsicht keineswegs auf Rosen gebettet war und oft mit Geldnoten zu kampfen hatte. „Ich feiere wahrlich nicht, ich sammle kein Geld, hab nicht gute ruhige noch gesunde Tag allhie“, heigt es schon in einem Briefe aus Urach vom Jahre 1562. 2 Aus Laibach schreibt er zwei Jahre spater: „Ich hab kein Geld, Wein, Korn; Schmalz hab idi auf halb Jahr.“ Audi in seinem festen Pfarrsig Derendingen verliegen ihn diese Geldnote nicht, wie er denn von dort aus 1570 schreibt: „Nachdem ich in gemeldeten Krank- heiten groge Schulden gemadit, die ich vor Ostern versprochen zu bezahlen' 1 , 3 wie audi sein Leidienredner von ihm bezeugt: „dag er von seiner Pfarr wenig erobert und fiir sidi gebradit". Und dies, obwohl er in Anbetracht seiner Verdienste um die heimische evangelische Kirche bis an sein Lebensende von der krainischen Landschaft regelmagig ein „ehrlich Gnadengeld“ von 200 Talern als Jahresprovision bezog, eine schone Handlungsweise dankbarer Anhanglichkeit an den Gebannten, die Spender und Emp- fanger ehrt, von legterem auch hauptsadilidi zur Unterstiigung 1 krainisdier Studenten verwendet ward. Denn seine bescheidenen augeren Verhaltnisse hingen mit seiner grogen Herzensgiite und Hilfs- bereitsdiaft zusammen. Wie eben schon angefiihrt, fiihlte er sich zu grogartiger Gastfreundschaft verpflichtet. Nodi von seinem Toten- bette wird in der Leidienpredigt eine schone Handlung der Uneigen- 1 Belege bei Elze S. 165, 503 und 517. 2 Elze S. 165. 3 Elze S. 503. niigigkeit berichtet: „Den achtundzwanzigsten Juni (1586) als er seine Schulden vermeldet, und den armen Leuten allen, wer ihm schuldig gewesen, alle Sdiuld nachgelassen und geschenkt, dag sie es seinen Erben nicht bezahlen diirfen.“ Am grogartigsten offenbarte sich die unendliche Herzensgute Trubers gegeniiber dem kroatischen Bibeliiberseger Stephan Consul. Truber berichtet in seinem Briefe aus Uradi vom 4. November 1561 von einem geradezu unerhorten Vorgehen Stephan Consuls, der weit- gehendste Gastfreundsdiaft in seinem Hause genossen habe und in jeder Weise gestiigt und gefordert worden sei, das alles aber mit Anmagung und sogar mit Tatlichkeiten gegen Trubers Gattin ver- golten habe. In wie vaterlicher Weise sich Truber in seiner legten Deren- dinger Periode seiner jungen krainischen Landsleute annahm, bezeugt u. a. des Bibeliibersetzers Georg Dalmatin Schreiben vom 17. Juni 1569, wo er Truber nennt: „den wichtigsten Gonner meiner Studien, den ich wegen seiner unendlichen Freundlichkeit gegen mich wie einen Vater ehren mug". 1 Wie es die Art solcher von edhter Herzensgute durchgluhter Menschen ist, fehlt bei Truber auch ein goldener Humor nicht. Mit welch trockener Ironie zeidmet er in derVorrede seiner Ubersegung des Neuen Testaments von 1562 die religiosen Zustande Krains in jener Periode. 2 Mit welcher iiberlegenen, inneren Ruhe segt er sidi iiber Enttauschungen und Migerfolge hinweg: „Weder seine (Consuls) kroatische, cyrillische, nodi meine krainerisdie Biicher nidit abgehen, zu besorgen, wir werden aus unsern Biichern Skarnigl machen und die scombros, wie der Persius sagt, einwickeln. Denn wie in aller Welt, also auch in diesen Landen ist der Glaub, Lieb, Gottesfurcht, Frag nach dem ewigen Leben schier gar erloschen." 3 Diese prachtigen Eigenschaften quollen bei Primus Truber aus einer tiefen, innigen Frommigkeit hervor. Es erinnert geradezu an das Vorbild Trubers, den deutschen Reformator M. Luther, wenn Truber, am Ende seiner ersten fiinfzehnjahrigen Verbannung, als er vor den Toren Laibachs Kunde von den Drohungen der weltlichen und geistlichen Gewalt empfing, in die glaubensmutigen Worte ausbricht: „Wenn ich heute nicht gen Laibach kame, wiirden die gutherzigen Christen betriibt und sagen: ich fiirchte und fliehe das Kreuz, und 1 Elze S. 485. 2 Abgedruckt in der Schrift von O. Hegemann, Zum 400jahrigen Ge- burtstag P. Trubers, Wien 1908. Selbstverlag. Sonderabdruck aus dem Jahr- buch der Gesellschaft fiir die Gesdiichte des Protestantismus 1908. 8 Elze S. 433 f. die Gottlosen wiirden gestarkt in ihrem bosen Furnehmen wider mich.“ „Wollen die Krainer das Evangelium haben, so miissen sie das Kreuz auch helfen tragen." 1 Aus der Fiille von Ziigen tiefernster Frommigkeit wollen wir hier nur noch jene ergreifende Szene vom Sterbebette des 78jahrigen Greises aus seiner Leichenpredigt anfiihren, wo er noch ebenso freudig wie einst auf der Hohe seines Mannesalters sich zum Evan¬ gelium bekannte, von dem er 1555 schrieb, dag er es „17 Jahr nach- einander im Windisdiland gepredigt, darum mir der Teufel vielmals heftig zugesegt und taglich in Gefangnis bringen wollen. Aber der Allmachtige bat mich wundergleich aus seinem [des Teufels] Hals gerissen. Und wiewohl es Ursache ist, dag ich im Elend sein mug und meines Vaterlands und dreier guter feister Pfriinden beraubt“ etc. Jakob Andrea erzahlt in der erwahnten Leichenpredigt: „Den siebenundzwanzigsten Juni, als sein Pfarrverweser, so ihn mit Predigen in der Krankheit vertreten, ihm aus heiliger Schrift allerlei trostlidie Spriiche in Gegenwart vieler Burger vorgesprochen, hat er begehrt, man soli jedermann in die Stuben einlassen. Und da gemeldeter Prediger nicht anderst vermeint, denn das Stiindlein seines Abscheidens ware schon vorhanden, hat er die Umbstander zum Gebet vermahnet und da er ihm ein Gebet aus einem Betbiichlein vorsprechen wollen, hat Herr Primus mit lauter Stimme gesagt: Nein, nein, Text her, Text her, das ist, man soli ihm nichts denn lauter Spriiche aus Gottes Wort vorsprechen. Sonderlich aber hat er begehrt zu horen vom Wasser, dabei der Prediger vermerkt, dag er den 23. Psalmen begehrt zu horen: Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf griiner Aue und fiihret mich zum frischen Wasser etc. Und da er ihn zu Ende gebracht, hat er aber- mals mit grogem Seufzen gesprochen: Amen, und darauf geruhet." Es sind gewig, vom rein menschlichen und historisch-literarischen Standpunkte aus, hervorragende Eigenschaften, die an Primus Truber ins Auge fallen. Seine hochste Bedeutung aber liegt darin, dag er im Zeitalter wiister Lehrstreitigkeiten ein modern empfindender, ,seiner Zeit vorauseilender Geist gewesen ist. 2 Im Stile des grogen Padagogen Amos Comenius ist er ein Friedensgeist gewesen, dessen ganzes Wesen die erhabene Losung verkorperte: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da.“ In seiner Brust hatte sich bereits die Synthese von Gegensagen vollzogen, die im allgemeinen Rahmen des Protestantismus sich erst viele 1 25. Juni 1561. Elze S. 115. 2 Belege in der oben angefiihrten Schrift des Verfassers dieses Aufsatzes. 44 Menschenalter nach ihm anbahnen solite. Wegweisend leuchtet darum auch er, wie Comenius, einem Pharus gleich in die kommenden Jahr- hunderte. Seine herzliche Mahnung zur Einigkeit, 1 zur Nachgiebigkeit in minder wichtigen Dingen, zur Weitherzigkeit und Unbefangenheit 2 ist sein Testament, das voli anzutreten erst einer fernen Zukunft vorbehalten sein wird. Und wie ihn dieser Zug echter Freisinnigkeit innerlich mehr auf das weit radikalere und konsequentere reformierte Bekenntnis hinwies, was ihm immer wieder den nicht unbegriindeten Vorwurf „Zwingli- scher Opinionen“ 3 zuzog, so war er anderseits doch ein echter Jiinger Luthers, indem er schonend und konservativ in den unendlich sdrvrierigen Verhaltnissen seines von Unruhen aller Art heimgesuchten Vaterlandes den Kern und das Wesen iiber die Form stellte. Nach Elzes Wort: „Truber, ruhig und magvoll, hatte in den friedlichen und geordneten Verhaltnissen der evangelischen Kirdie Oberdeutschlands und im Verkehre mit den bedeutendsten Mannern von griindlicher Bildung und Wissenschaft gelebt. Von dort in die Heimat zuriickgekehrt, ging er nicht nur bei der Aufrichtung der evangelischen Kirche in Krain und der Konstituierung der bis dahin latenten evangelischen Gemeinden dieses Landes vorsichtig, schrittweise und schonend zuwerke, 'sondern er stellte auch an den Charakter und die Leistungen der Manner, die hiebei seine Mitarbeiter sein sollten, nach dem mitgebrachten Mag- stabe hohere Anforderungen, als man hier bisher gewohnt gewesen war.“ 4 In Laibach war seit 1527 Matthias Klombner der erste gewesen, der die evangelische Lehre Hand in Hand mit einigen Geistlichen ausgebreitet hatte. Mit diesem Patriarchen der evangelischen Sache geriet Truber wahrend seiner Wirksamkeit von 1562 - 1565 in tiefgreifenden Gegensatz. In Klombners Briefen 5 werden die heftigsten Anklagen gegen Truber erhoben. Diese Anklagen stammten daher, dag die alten Gefahrten sich in Trubers schrittweises, mit den' gegebenen Verhaltnissen rechnendes Vorgehen nicht mehr zu finden wugten und haben aus diesem Grund kein Gewicht. Weit entfernt, dag dieser konservative Zug in Trubers Wesen im Widerspruch gestanden ware zu der zweifellos in ihm vorhandenen echt modernen Richtung, klingt vielmehr beides in ihm harmonisch zusammen: 1 Elze S. 518. 2 Elze bes. S. 24, 484 u. o. 3 Elze S. 6, 358 ff. etc. 4 Aus der oben angefuhrten ungedruckten Schrift. 6 Abgedruckt in der erwahnten Schrift zum 400 jahr. Geburtstag Trubers. „Es war nur eine andere Augerungsweise einer einheitlidien Geistesrichtung, wenn derselbe Mann, welcher seiner Zeit an innerer Freiheit weit voraus war, anderseits hinter ihren vorwartsstrebenden Geistern scheinbar zuriickblieb, indem er sich schonender und be- dachtiger, wie sie, dem Alten anbequemte. Augert sich doch in beidem, in der Aneignung des Neuen wie in der Beibehaltung des Alten, der vorwiegend praktische Zug, die Abwendung von der unfrucht- baren Theorie. In beidem dieselbe innere Freiheit, dieselbe Unbe- kiimmertheit um die bloge Form, wie Luther in weit grogartigerer Weise in seinen besten Jahren sie besessen und bewiesen. So konnte es geschehen, dag er gelegentlich selbst des Flazianismus beschuldigt wurde, obgleidi seine ganze Geistesart geradezu den Gegenpol zu der erregten, leidenschaftlichen, spekulativ tiefsinnigen Weise seines grogen siidslavischen Stammesgenossen bildete. Zusammen mit P. P. Vergerio bilden diese drei im siidlichsten Osterreich geborenen Manner vielleicht die charakteristischesten Erscheinungen der ersten nachlutherischen Generation. Fiir die eigentiimliche Aufgabe Trubers, ein Reformator der Slovenen zu sein, konnten seine Charakteranlagen gewig nidit gliicklidier und harmonischer zusammenklingen. Dag spater sein ganzes Wirken fast spurlos wieder vernichtet wurde, kann die Bedeutung seiner Erscheinung nicht aufheben." Es sei gestattet, diese schlichte Charakteristik mit den Worten zu schliegen, die an Trubers offenem Grabe gesprochen wurden : 1 „Dies ist beides das Leben und Sterben eures geliebten Pfarrers seligen, welcher nicht ein gemeiner Dorfpfaff, sondern ein rediter wahrhaftiger evangelischer Prediger und Bischof gewesen, der sein Amt auch redlich ausgerichtet, dariiber sidi viel erlitten und ritterlidi wider den Teufel und alle falsche Lehrer gekampft, gestritten und sein Lauf seliglich vollendet hat. Der nicht allein liber euch zu Derendingen als ihm seine vertrauten Schaflein, sondern auch iiber alle evangelisdie Kirdien im hochloblichen Fiirstentum Krain als ein getreuer Hirt und Bischof gewacht, denen er, so lang er geduldet worden, das Wort Gottes seinen Zuhorern lauter und rein an allen Orten vorgetragen, die hochwiirdigen Sakramente nach dem Befehl Christi gereichet, Gesunden und Kranken mit dem Trost Gottes Wortes eifrig gedienet. Und da er von solchen seinen lieben Pfarr- kindern aus Krain nach dem Fleisch weichen miissen, ist er doch ihnen im Geist alle Zeit gegenwartig gewesen und beneben seinem christlichen und eifrigen Gebet fiir ihr zeitlich und ewig Heil zum 1 Vergl. audi die sdionen Worte, die Freiherr von Ungnad, Trubers langjahriger Gegner, ihm sdion am 12. April 1561 widmete; bei Kostren- čič, Urkundl. Beitrage, S. 16. NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA augersten sich beflissen ihnen zu dienen, und sie nicht allein durdi herrliche Trostsdiriften zur Bestandigkeit im Glauben ermahnet, sondern audi mit Verdolmetsdumg niiglicher Schriften, ihre Kirchen treulich helfen erbauen . . . Durch welche windisdie Dolmetschung nicht allein die Kirchen in Krain heftig erbauen und zugenommen, sondern auch in Kroatien und in der Tiirkei grogen Nugen gesdiaffen, dag etlidi viel zu dem rechten und seligmachenden Erkenntnis Jesu Christi kommen, daftir Gott billig zu danken." Trubers Grabdenkmal in Derendingen