Preis ganzjährig: Österreich 2 S, Deutschland 2 Goldmark, Nahen 8 hire, Clchechollowakel 10 ČK, Sugollawien 2t Dinar, Ungarn S.PengS, Schweiz 2 Franken, Amerika 2 Soldmark. Der Belüge Vater Pius XI. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Mellen geleien. Mit Empfehlung der hochwürdigifen Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, heitmerliz, hinz, OlmüH, Marburg, Orient, Driest und Wien. Best 3 mfirz 1928.______________XXXI. Jahrgang. B B Cinige Momentaufnahmen aus dem Leben unserer schwarzen Christen. Von Hochw. P. Karl Fischer, F. S. C.i ö ö Einige meiner Freunde in Europa ersuchten mich, ihnen etwas von unseren schwarzen Christen mitzuteilen. Da ich aber unmöglich Zeit finde, ihnen ausführlich zu schreiben, so glaube ich, sie am besten damit abzufertigen, wenn ich im „Stern der Neger" einige Züge unserer Christen zeichne. Wie der Amateurphotograph mit einigen Momentaufnahmen sich gewisse Lebensereignisse festhalten will, um sich immer wieder daran zu erinnern, so lassen auch diese Momentaufnahmen unserer Christen auf ihr allgemeines tägliches Christenleben schließen. Große Verehrung für die Priester. Da komme ich in einen Kraal. Der Hund verkündet meine Ankunft. Da kommt jemand herausgekrochen, verschwindet aber wieder sehr schnell. Es dauert nicht lange, so tritt eine Mutter heraus, grüßt mich mit dem schönen Gruße: „Madunyisneu JesuKristo“ — „Gelobt sei Jesus Christus." „Kuže kube pakade Amen“ — „In Ewigkeit Amen!" Als sie sich so vorgestellt und mich begrüßt hatte, da rief sie ihre Kinder. Jedes mußte mir die Hand geben und mir seinen Namen sagen. Dann kniete sie sich mit ihnen nieder und bat um den priester-lichen Segen. Das ist eine Szene, wie sie ihre Priester aehten und ehren, ob sie dieselben zu Hause empfangen oder ihnen am Wege begegnen. Fester Glaube. Eine Mutter hatte einen noch heidnischen Sohn. Sie bat ihn oft, er möge sich doch unterrichten lassen und sich bekehren. Vergebens. Der Bursche wollte sein heidnisches Leben in vollen Zügen genießen. Die Mutter verzagte nicht. Sie bat viel den lieben Gott um die Bekehrung ihres Sohnes und opferte jeden Sonntag die heilige Kommunion für ihn auf. Der Bursche hielt Brautschau und wählte sich zu seiner umakoti (Braut) ein heidnisches Mädchen. Die Mutter verlor ihr Vertrauen nicht, wenn auch der Sohn in diesem Zustande mehr als sonst einer 1 Hochwiirden P. Fischer wirkt im Mtssionsgebiet der Missionäre von Mariannhill und berichtet daher auch von den dortigen Christen. Bekehrung unfähig war. Da wird der Sohn schwer krank. Schnell kommt sie zum umfundisi (Missionär), er möge kommen, da sie meint, die Krankheit sühre zum Tode. Der Missionär ging hin, tat aber nichts, da er dem jungen Burschen nicht traute. Auch jetzt.verliert die gute Mutter nicht ihr Vertrauen. Sie unterrichtet selbst ihren Sohn und bewegt ihn, von seiner umakoti zu lassen. Die Krankheit brachte ihn wirklich auf andere Gedanken. Er verlangte selbst nach der Taufe. Schnell eilte die Mutter, es dem Missionär zu verkünden und ihn zu bitten, daß er ihn jetzt taufe. Er wurde wirklich getauft und erhielt auch gleich die heiligen Sterbesakramente, denn lange konnte er nicht mehr leben. So findet man viele, welche all ihr Vertrauen und ihre Stärke in die Segnungen der heiligen Religion setzen. Eifriger Empfang der heiligen Sakramente. An den Hauptsesten Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Unbefleckte Empfängnis, Sankt-Josefs-, Herz-Jesu-Fest, Fronleichnam usw. ist es fast feste Regel, daß alle die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfangen. Von weit und breit eilen sie da schon einige Tage vorher zusammen. Außerdem beichten und kommunizieren sehr viele jeden ersten Sonntag des Monats, viele auch wöchentlich. Keine Hochzeit wird gefeiert ohne Sakra-mentenempfang. Sie tun es mit Andacht und Glauben. Komme ich hinaus auf die Außenstationen, so wollen immer einige beichten. Da ich nichts höre, so nehme ich nur jene an, die ihre Beichte aufschreiben. Und sieh, da nehmen sie die Schiefertafeln der Kinder, malen darauf ihre Sünden und kommen dann einer nach dem andern mit ihrer Schiefertafel in der Hand zu mir. Ich möchte oft lachen über ihre Einfalt und über die Schriftzeichen, aber ich habe alle Achtung vor ihnen, da sie mit solcher Demut und Rene ihre Sünden beichten und Verzeihung haben wollen. Pünktlichkeit im Gebete. Da läutet es zum Engel des Herrn. Einige Mädchen und Burschen gingen gerade heim von einer Hochzeit. Lustig, wie sie immer sind, sind sie es an solchen Tagen noch mehr, da ja auch der Bierkrug seinen Reigentanz gehalten hat. Als sie aber die Glocke hörten, hielten sie an und beteten kniend den „Ingelosi yenkosi“ — „Engel des Herrn." Sie waren ungesehen auf freiem gelbe-So wird er auch pünklich zu Hause gebetet. — Eines Tages begegnete ich einigen Männern, welche standen und beteten. „Was gibt's?" fragte ich. „Es läutet Wertersegen." „Ja so!" Da mußte ich auch beten, denn das Läuten hörte ich nicht. Gebet ist da notwendig, denn der Blitz schlägt sehr oft ein und erschlägt jährlich sehr viele. Ehrfürchtig machen sie bei jedem Blitz das heilige Kreuzzeichen. Ihr Vertrauen auf die Segnungen der heiligen Kirche. Es ist Saatzeit. Die ärmlichen Felder richten die Frauen her, da die Männer gewöhnlich fort sind, das tägliche Brot sich anderswo zu verdienen. Diese Felder sind so voller Mängel: Schlechter Boden, schlechte Lage an steilen Abhängen, wenig Ackerkrume. Jeder starke Regenguß kann den Boden wegschwemmen. Starker Hagel, der oft fällt, kann die Ernte ganz vernichten. Und überdies die Menge Ungeziefer im Boden! Um sich nun den Segen Gottes für ihre Aussaat zu sichern, bringen die Frauen den Saatsamen zum Priester und lassen ihn segnen. Sie vertrauen darauf, daß so der liebe Gott ihn zu fruchtbarer Ernte führen werde. In dieser Zeit kommen sie fleißig zur heiligen Messe, opfern viele heilige Messen auf in der Meinung, Gott möge ihre Feldarbeit segnen. Auf den Wettersegen, den ganzen Sommer täglich gegeben, halten sie viel und beten ihn andächtig mit. Das Weihwasser benützen sie zu Hause fleißig, sie nehmen es nicht nur selbst, sondern besprengen damit auch ihre Hütten und Felder. Daher findet man in jeder Hütte regelmäßig auch Weihwasser. Wie viele könnten vom göttlichen Heiland hören: „O Weib, dein Glaube ist groß, dir geschehe, wie du geglaubst hast." Stern der Neger 35 Heft 3 Sorge für ihre Kranken. Wird zu Hause jemand frans, so ist es nicht der Arzt, der zuerst gerufen wird, weit sie gewöhnlich kein Geld haben für solchen Aufwand, sondern der umfundisi (Missionär). Wie oft muß dieser solche Krankeugäuge machen, selbst wenn er ganz müde erst zu Hause angekommen ist. Da wurde ich eines Tages schnell gerufen zu einem kranken Mädchen. Ich eilte und sand es in großen Schmerzen. „Was willst du, mein Kind?" fragte ich es. „Vater, gib mir die heilige Kommunion und die heiligen Sterbesakramente, ich muß sterben." Wie andächtig bereitete, sie sich vor mit ihrer Mutter, wie furchtlos beichtete sie, und wie ruhig empfing sie alle übrigen Sakramente. Schlicht und einfach wird in der armen Hütte eine Kiste hergerichtet, etwas bedeckt und dient als Altar. Zum Empfang des hohen himmlischen Gastes können sie nach außen nichts tun als ihre Hütte reinlich ausputzen, aber ihr Herz ist gewiß schön. So tun die Christen, und die Heiden ahmen sie nach. Wie oft wurde ich schon gerufen zu kranken Heiden, die um den Empfang der heiligen Taufe baten! Das sind so einige allgemeine Zuge aus dem Leben unserer schwarzen Christen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und deren auch genug, doch Ausnahmen bestätigen nur die Regel. OB Spitznamen bei den Kaffem. Von Hochw. P. Josef Ang er er, P. 8. C. DID ==o=== DO Spitznamengeben ist, wie es scheint, bei allen Völkern im Gebrauch. Ganz besonders liebt es die Jugend, älteren Leuten, aber auch ihresgleichen, allerlei angenehme, meistens aber unangenehme Titel anzuhängen. Ob das ein Zeichen der Kultur oder Unkultur ist, darüber lasse ich die werten Leser selbst urteilen. Im folgenden möchte ich nur einige Beispiele anführen, woraus man ersehen kann, wie es diesbezüglich hier in Südafrika steht. Eine Eigentümlichkeit der Person, eine Gewohnheit, welche sich dieselbe angeeignet hat, ein Ausdruck im Reden, ein moralischer oder physischer Defekt sind, wie überall, auch hier die gewöhnlichen Ursachen für einen Spitznamen. In Südafrika gaben und geben oft die Weißen den Schwarzen solche Namen, welche ihnen dann haften bleiben und unter welchen sie nicht selten selbst bei der Regierung eingeschrieben sind. So heißt ein Schwarzer auf l* einer Farm, auf welcher meistens Italiener angesiedelt sind, Mister Macacco, d. f). Herr Affe, und ist unter diesem Namen auch bei der Regierung bekannt. Der gute Schwarze weiß natürlich nicht, was der Name bedeutet und scheint sehr stolz auf denselben zu sein. Merken aber die Schwarzen, daß sie von einem Weißen einen Schimpfnamen erhalten haben, so geschieht es, daß sie den Stiel unidrehen und den Weißen auch so betiteln, wie sie von ihm genannt wurden. So Pflegte ein Weißer die Schwarzen durchweg mit Strombolo zu bezeichnen. Aber es dauerte nicht lange, so wurde er selbst von den Schwarzen Strombolo genannt und war bald weit und breit unter diesem Namen bekannt. Übrigens gibt es kaum einen Weißen, der längere Zeit mit den Negern zu tun gehabt und nicht einen Spitznamen von ihnen erhalten hätte. Ich kenne einen Mann, den sie Pudding nannten, aus dem einfachen Grunde, weil sie seinen richtigen Namen sich nicht merken konnten. Nebenbei hieß er auch Meerkatze, weil er seine Augen wie eine Meerkatze verdrehte und stets auf ihre Arbeit schaute. Seine Frau hieß Jndhlovn, Elefant, oder auch Jnvobn, Flußpferd, weil sie recht dick ist. Ihre Tochter nannten sie Mahluan, d. h. Großauge, und ihren kleinen Sohn Mabru-guan, d. h.der mit Hosen, weil er gerade die erste Hose bekommen hatte. In einem Orte, welcher bereits zum portugiesischen Gebiete gehört, arbeiteten drei Weiße, welche glatzköpfig waren, aber in bestimmter Abstufung. Der Erste hatte noch einen Teil seiner Haare auf dem Haupte und hieß deswegen einfach Panglano, d. h. Glatzkopf. Der Zweite hatte die Freude, noch im Besitze zweier Haare zu sein; er führte daher den Namen Panglaluka, d. h. einer, der noch etwas Haare hat; der Dritte aber war ein vollständiger Glatzkopf und erhielt den Titel Panglaluka matafuleni, d. h. so glatzköpfig wie ein Tisch, also tabula rasa. Ein Mann, dessen Lippen etwas zu kurz sind; so daß man seine Vorderzähne sehen kann, bekam den schönen Namen Mazingavondo, d. h. Meerschweinchen. Auf einer Farm, nicht weit von unserer Station, heißt einer Mahlombomon, d. h. Rotauge. Warum er diesen Beinamen erhalten, konnte ich nie recht herausbringen, da seine Augen nichts weniger als rot sind; aber ich glaube, daß er wegen seiner Zornausbrüche so genannt wurde. Einer seiner Verwandten heißt Mabi-lisingwa, d. h. zwei Brote, weil er nämlich seinen schwarzen Arbeitern Brot gab und zwar immer zwei Brote für drei Burschen. Ein anderer wird Mandongoman genannt, d. h. Erdnuß. Man pflegte den Schwarzen an jeden Samstag Fleisch zu verabreichen. Nun wollte der Mann mehr „ökonomisch" sein; er kaufte einen Sack Erdnüsse und verteilte sie statt des Fleisches unter die Schwarzen. Zum Danke hat er diesen Namen erhalten. Nicht selten kommt es vor, daß die Schwarzen den richtigen Namen ihres „Bas", so heißt nämlich der Arbeitsgeber, lange nicht wissen, obwohl sie vielleicht schon einen Monat oder noch länger bei ihm gearbeitet haben. Aber das macht nichts, sie haben unterdessen schon längst einen Namen für ihn gefunden und so nennen sie ihn auch dann noch, wenn sie den richtigen Namen erfahren haben. Kommen sie jedoch darauf, daß der Weiße seinen Beinamen herausgefunden hat, so wechseln sie bald und geben ihm einen neuen, damit er nicht wisse, wen sie meinen, wenn sie untereinander von ihm sprechen. Doch die Schwarzen geben nicht nur den Weißen passende Spitznamen, sie überhäufen sich auch untereinander mit allerlei Titeln. So nennen sie einen, der sich durch seinen Umfang auszeichnet, Mafuta, d. h. fett. Wer sich überall einmischt und überall Schwierigkeiten macht, wird kurzweg Jslunga, Taugenichts, genannt. Ein Neugieriger heißt Vezani. Meinen schwarzen Koch, dem vorne anderthalb Zähne fehlen, heißen sie Jrikeon, zahnlos. Weil er aber auch gerne schwätzt und glaubt, jeden anreden zu müssen, so hat er sich auch den Stern der Neger 37 Heft 3 Titel Makulumazonke, b. h Allesschwätzer, erworben. Ein Mädchen, das recht große, wulstige Lippen hat, wird einfach Molomo, d. h. Mund, genannt. -Im letzten Hefte des „Stern der Neger" brachten wir einen Artikel aus der Feder des hochwürdigen P. Zorn: „Eine sechsstündige Schlacht zwischen Kasfernmädchen". Dieser Bericht führte uns in die große Trockenzeit zurück, die 1926/27 Transvaal und so auch unser Missionsgebiet heimsuchte. Wie Gott der Herr unsere Station „Maria-Trost" in jener schweren Zeit so liebevoll gesegnet und beschützt hat, sollen folgende Zeilen aus einem Briefe des hochwürdigen P. Raffeiner zeigen, den er zu Weihnachten an Wohltäter unseres Hauses in Graz geschrieben hat. „. . . Neuigkeiten weiß ich Euch diesmal keine zu erzählen und Kuriositäten gibt's in Steiermark ja selbst genug. Nur eine will ich berichten zu Gottes größerer Ehre: Das vergangene Jahr stand hier wieder int Zeichen Bis jetzt habe ich immer erzählt, wie fromm und andächtig unsere Zuluchristen sind. Dieses gute Völklein betet aber nicht bloß den ganzen Tag, es ist auch recht lustig und liebt Tanz und Unterhaltung. Bei jeder Gelegenheit, wo es nur angeht, wird getanzt. Ohne Tanz kann sich der Zulu überhaupt keine Fröhlichkeit vorstellen. Tanzen ist ja auch keine Sünde, zur Sünde machen es nur die Menschen selbst. Und wie die Zulu tanzen und alle Naturvölker, die ich bisher kennenlernen konnte, so hat gewiß auch der hl. David getanzt vor der Bundeslade. Er gab dadurch nur seine Freude Schon aus den wenigen angeführten Beispielen ist leicht zu ersehen, daß die Schwarzen im Spitznamengeben keineswegs ihren weißen Brüdern nachstehen, ja dieselben sogar übertreffen. der Trockenheit. Gegen Ende Jänner war die Krise, wie man sagt; der Mais wurde schon welk und blau. Da hielten wir beim Sonntagsgottesdienst eine Andacht um Regen; es war morgens keine Wolke. Gegen Schluß der Andacht fing es an dunkel zu werden, zu blitzen und zu donnern und in Strömen zu regnen zwei Stunden lang. Die Regenwolke hatte sich über unserer Farm gebildet und zwar nur über unserm Kulturgrund und blieb dort unbeweglich stehen, bis sie sich ausgeschüttet hatte; int Umkreise war blauer Himmel. So waren wir gesegnet und machten aus vier Sack Saatmais vierhundert Sack und etwas mehr Ernte. Nachbarn ernteten von sieben, ja zwölf Sack Saatgut nichts. Ein Argument für Euch, das Gottvertrauen nie zu verlieren. . kund, die er int Herzen hatte, als sein Gott geehrt wurde. So tanzen auch unsere Zulu aus lauter Freude und Jubel und sind dafür ganz Herz und Sinn. Darum konnte ich ihnen einmal die Freude im Himmel nicht besser erklären, als daß ich sagte, wir werden da vor Gott uns so freuen, daß wir alle uns erheben, in die Hände klatschen und tanzen werden unter dem Lobgesang der Engel: „Heilig, heilig, heilig bist du, Gott Sabaoth." Das hatte Eindruck gemacht und sie merkten sich's gut. Eine Gelegenheit, bei der viel getanzt wird und die ohne dieses Vergnügen gar nicht denk- Wetterfegen. BUS £me christliche ZuIuf)od)zeit. Von Hochw. P. Karl Fischer, F. S. C.i Sä 1 Siehe Anmerkung Seite 33. bar ist, ist die Hochzeit. Da ich einer solchen einmal beigewohnt habe in Begleitung unseres Herrn Doktors ans dem Würzburger missionsärztlichen Institut, so sei sie zu Nutz und Frommen unserer lieben Leser hier erzählt. Der Bräutigam hat seine Wahl getroffen Die „Sobota", das sind 8 bis 10 Ochsen, hat er für sie ihren Eltern oder ihrem ältern Bruder gezahlt. Die Erlaubnis zum Heiraten von der Regierung hat er in den Händen und scheut er auch diese Mühe nicht, unb es zeigte sich, daß der liebe Gott auf diese Weise ganz gute Schafe in seine Herde bringt, die von selbst vielleicht nie gekommen wären. Der Tag der Hochzeit ist da, alles ist vorbereitet. Auf neu gekauften Schustersrappen steigen sie in aller Frühe von ihren Bergen herab zur Pfarr-messe um 6 Uhr. Sie kommen elegant gekleidet mit einem großen Gefolge weißgekleideter Mädchen. Vor der heiligen Messe wird die Christliche Zulumädchen beim Tanz. (Phot, von Hochw. P. Fischer.) dafür hat er zehn englische Schilling gezahlt. Nun kommen beide zum Missionär und bitten ihn, daß er das übrige besorge. Die Sache muß schnell gehen, nicht weil die Brautleute oder der Missionär solche Eile hätten, sondern weil die Frist von Seite der Regierung knapp zugemessen ist. Ist nämlich innerhalb der angegebenen Frist die Heirat nicht vollzogen, so muß er neuerdings um Erlaubnis ansuchen und darum auch wieder weitere zehn Schilling zahlen. Der Missionär läßt es sich angelegen sein, die Brautleute auf das heilige Sakrament der Ehe gut vorzubereiten. Oft kommt es vor, daß ein Bräutigam erst ein volles Jahr täglich in den Religionsunterricht kommen muß, weil er noch nicht getauft ist. Seiner Braut zuliebe Ehe eingesegnet, dann folgt die Brautmesse, still oder gesungen, je nach den Verhältnissen des Bräutigams. Andächtig empfangen sie dabei die heilige Kommunion und viele auch von den geladenen oder ungeladenen Hochzeitsgästeii. Nach der heiligen Messe und einer kurzen Danksagung ziehen sie aus der Kirche in ein Gebäude der Mission, um da mit einem einfachen Imbiß beehrt zu werden. Nun beginnt auch schon die Freude. Vor dem Hause stellen sich die einzelnen Tänzerinnen in Gruppen mit ihren Tanzmeistern auf und fangen an zu fingen unb zu tanzen. Und weil dabei die Kehle nicht vertrocknen darf, haben alte Weiber vorsorglich Krüge Bier auf den Köpfen mitgebracht und laben damit die durstigen Sängerinnen und besonders die Tanzmeister. Langsam setzt sich der Hochzeitszug nun wieder in Bewegung dem Heimatskraal zu. Voraus das glückliche Brautpaar, umgeben von den weißen Mädchen, und hinterher die verschiedenen^ Gruppen der Beteiligten. Auf dem ganzen Wege wird gesungen und zeitweilig auch wieder getanzt. So kommen sie im elterlichen Hause an. Nun beginnt die Vorbereitung zum äußeren Fest. Männer führen den Ochsen her, der zum Festschmaus bestimmt ist. Sie schlachten ihn vor dem Hochzeitshaus. Frauen machen sich über einige Hühner her, die sie ebenfalls schlachten. In den großen Kochtöpfen brodeln schon die Bohnen als Zuspeise. All das unter freiem Himmel im Hochzeitskraal. Unterdessen versammeln sich Gäste aus nah und fern. Da aber ein Kraal allein zu klein ist, alle Hochzeitsgäste zu fassen, so ist das Fest auf die Nachbarkraals verteilt. Überall das gleiche Treiben, und man weiß oft nicht, in welchem Kraal die Hochzeit ist. Kaum sind die Vorbereitungen beendet, da beginnt auch schon ein Tanzgesang. Ein Tanzmeister mit seiner Gruppe hier, ein anderer dort. Man tanzt und singt. Da erscheint das Brautpaar und stellt sich bald zu dieser, bald zu jener Gruppe und läßt sich tanzend ehren. Alles geht vor sich in gemessenem Zeremoniell. Die Tanzweise ist verschieden. Da stellt sich eine Gruppe Mädchen auf in drei Reihen, an der Seite und von hinten eine Reihe Jünglinge, vorn der Tanzmeister. Unter den lächerlichsten Grimassen und Sprüngen hebt dieser an zu singen, worauf die Tänzerinnen einfallen. Rhythinisch bewegen sie Arme und Oberkörper. In ihrer Bewegung dürfen sie sich nicht stören lassen, auch daun nicht, wenn andere Weiber oder Männer dazwischenspringen, um sie zu stören. Das gälte als Schande. Eine andere Tanzweise ist der Rhythmus mit den Füßen. Da tanzt immer eine Person allein, während die anderen herumstehen und in die Hände klatschen. Dabei sind alle Muskeln des Körpers in Anspruch genommen, die in demselben Takte sich bewegen müssen. Haben sie genügend getanzt, dann zieht sich das Brautpaar wieder zurück, und langsam wird es still. Es beginnt das Mahl. Das Brautpaar sitzt an einem Tisch und wird hier bedient, die anderen setzen sich herum auf den Boden. In allen möglichen Gefäßen werden die Speisen aufgetragen. Das Fleisch bekommt man gleich in die Hand. Während man ißt, hält auch der Bierkrug seinen Rundgang, und man tut ihm alle Ehre an. Kaum sind die tiefen Mägen gefüllt, so heißt es wieder tanzen, und man tanzt, bis es Zeit ist zum Heimgehen. Denn vor Anbruch der Nacht müssen die Christen ihre Unterhaltung einstellen. Der Abend gehört den Heiden. Auch sie wollen ihre christlichen Mitbürger ehren. Da kommen die Jünglinge in ihrer Nationaltracht mit Schild und Stecken und führen einen wilden Kriegstanz auf. Und auch die Mädchen in ihrem perlenreichen Schmuck tanzen und singen und flöten, daß einem Hören und Sehen vergehen möchte. Und sie freuen sich, weil sie tanzen können und tanzen, weil sie sich freuen. Und führen sie beim Tanz auch großen Lärm auf, dann nennen sie auch eine Hochzeitsfeier mit dem rechten Namen in ihrer Sprache, denn sie sagen „akuya amsindoveni“, zum Lärm gehen. Gegen Abend ritten wir wieder heim. Mein Pferd war damit nicht einverstanden, dreimal kehrte es um und galoppierte mit mir zurück zum Festplatz. Endlich glückte es doch und heim ging's in raschem Tempo. Doch der Tag ist nicht vor dem Abend zu loben. Als ich den letzten Abhang hinunterritt, stolperte mein Pferd über eine Wurzel, fiel, und ich machte einen doppelten Purzelbaum darüber hinweg. Der Herr Doktor kam erschrocken zu mir, ob mir was passiert wäre. Ich spürte nichts. Die Hochzeitsgedanken und die Tänze waren mir nur aus dem Kopfe gefallen. Dann dankte ich meinem Schutzengel, daß der Sturz so glimpflich abgegangen war. 40 Stern der Neger Heft 3 o o o fc Umschau. non Nom. Einweihung des neuen Missionsmuseums. Am 21. Dezember verflossenen Jahres wurde von Kardinal Vanutelli, als dem Vertreter des Papstes, das Missionsund völkerkundliche Museum im Lateranpalast feierlich eröffnet. Über zwanzig Kardinale, viele Bischöfe und Prälaten, sowie die Vorstände der Orden und religiösen Genossenschaften wohnten dem eindrucksvollen Feste bei, das mit einem Empfang beim Heiligen Vater seinen Abschluß fand. Der Lateranpalast, der in seiner jetzigen Form von Sixtus V. in den Jahren 1584—1589 erbaut wurde, bedeckt einen Flächenraum von 8000 Quadratmeter. Er beherbergt auch ein profanes und ein altchristliches Museum. Das Missionsmuseum nimmt mit seinen 26 Sälen und 7 Galerien drei Viertel des Palastes ein. Es ist aus der großen Missionsausstellung hervorgewachsen, die Pius XI. während des Jubeljahres 1925 veranstalten ließ. Die wissenschaftliche Leitung liegt in den Händen des bekannten Forschers P. Wilhelm Schmidt aus der Genossenschaft des göttlichen Wortes. Die starke Seite des Museums bilden die 9 Säle, in denen die Hochkulturen Asiens zur Darstellung gelangen. Von besonderem Interesse sind auch der Märtyrersaal, der das Opferleben und den Opfertod so vieler Glaubensboten und Neuchristen veranschaulicht, sowie der Kulturkreissaal, der die Ergebnisse der neuen geschichtlichen Völkerforschung vor Augen führt. Das Missionsmuseum steht in seiner Art einzig da und ist nicht bloß ein glänzender Beweis für den weltumspannenden Missionseifer Pius' XI., sondern auch ein beredter Zeuge für die wissenschaftlichen Leistungen der katholischen Missionäre in aller Welt. Eine Verschwörung des Schweigens. Beim großen Weihnachtsempfang gedachte der Heilige Vater der traurigen Vorgänge in China, Rußland und Mexiko. Merkwürdigerweise schweigt die Weltpresse über die Greueltaten gegen die Katholiken, während ein Sturm der Entrüstung den ganzen Blätterwald durchbraust, wenn irgendwo einem Feind des Christentums auch nur ein Härchen gekrümmt wird. Im abgelaufenen Jahre sind nach Meldungen katholischer Zeitungen in Mexiko 137 Priester völlig unschuldig ermordet worden, die Bischöfe sind vertrieben oder werden in Gewahrsam gehalten, zahlreiche treue Katholiken schmachten in den Gefängnissen und fallen der Schreckensherrschaft eines Calles und seiner Anhänger zum Opfer. Müßten da nicht alle Zeitungen gegen solche Barbareien Stellung nehmen? Aber es geht ja nur gegen die Katholiken! Das neue päpstliche Rundschreiben. Am 6. Jänner hat Pius XI. an alle Bischöfe des Erdkreises ein Rundschreiben erlassen, in dem er die falschen Einigungsbestrebungen auf religiösem Gebiete entschieden zurückweist. In den letzten Jahren wurden viele Versuche unternommen, um die von der katholischen Kirche Getrennten wieder religiös-kirchlich zu einigen. Und zwar sollte diesesZieldadurch erreicht werden, daß nur einige Glaubenswahrheiten von allen anerkannt und angenommen werden sollten, indes jeder über die übrigen Glaubenswahrheiten seine eigene, ja eine entgegengesetzte Meinung haben könne. Diese sogenannte „allchristliche" Bewegung. wird vom Heiligen Vater verworfen, beim Gott hat dem Menschengeschlechte die wahre Religion geoffenbart. Es ist unmöglich, die göttliche Offenbarung zum Gegenstände menschlicher Verträge zu machen. Die gesamte göttliche Offenbarung ist der Obhut der von Christus, dem Gottmenschen, gegründeten und mit dem Merkmal der Glaubensunfehlbarkeit ausgestatteten römisch-katholischen Kirche anvertraut. Daher ist es Pflicht aller Menschen, dieser Kirche beizutreten und sich dem Papste, als dem sichtbaren Stellvertreter Christi, zu Stern der Neger 41 Heft 3 unterwerfen. Sehnlichst wünscht Pius XI., es möge bald der Tag komnien, an dem alle Verirrten wieder gläubig und vertrauensvoll zum Vater der Christenheit, zuin Nachfolger des hl. Petrus zurückkehren. Das Rundschreiben warnt die Katholiken vor dem Irrtum der „Allchristen" und vor der verhängnisvollen Gleichgültigkeit in Glaubenssachen. Es ist aber auch von grundsätzlicher Bedeutung für den gegenwärtigen Religionsstreit in England, für die sowjetische Orthodoxie in Rußland, für die modernistisch-lutherischen Bestrebungen in Skandinavien, für die Einigungsversuche der englisch- den Heiligen Vater. Der morgenländische König wurde mit all jenen Ehren empfangen, die einem regierenden Herrscher nichtchristlicher Religion erwiesen werden. Die Unterredung mit dem Papste währte 20 Minuten, die mit dem Kardinalstaatssekretär Gasparri eine halbe Stunde. Das königliche Gefolge bestand aus dem Außenminister, dem Präsidenten der Nationalversammlung und einigen anderen hohen Würdenträgern. Aman Ullah, der sich auf einer Reise durch Europa befindet, war über den Empfang beim Oberhaupt der Kirche hocherfreut. Auch die vatikanischen Sammlungen Heidnischer Tanz. (Phot, von Hochw. P. Fischer.) amerikanischen Protestanten; es richtet stillschweigend die Verfolgung in Mexiko, beleuchtet den Widersinn einer Nationalkirche wie in der Tschechoslowakei, kommt aber allen jenen entgegen, die auf der Grundlage des gleichen Glaubens in der wahren Kirche ihr Heil suchen wollen. Das Rundschreiben hat in allen Ländern einen starken Widerhall gefunden. Die amerikanische Zeitung „Star“ ließ sich den ganzen Wortlaut der päpstlichen Kundgebung telegraphisch übermitteln. Die mehr als 5000 Worte zählende Fernschrift wird wohl die längste gewesen sein, die je nach Amerika gekabelt wurde. Königsbesuch imVatikan.Am 12.Jänner besuchte König Aman Ullah von Afghanistan erregten sein lebhaftes Interesse. Afghanistan liegt zwischen Persien, Turkestan, Indien und Rußland eingebettet. Obwohl das Land größer ist als das Deutsche Reich, zählt es nur 7 bis 8 Millionen Einwohner. Leider gehören jene Gebiete zu den missionslosen Ländern. Möge der Besuch des Padischah in Rom dazu beitragen, die Bewohner seines Landes für das Christentum günstig zu stimmen. Das heilige Kollegium der Kardinäle bestand zu Beginn des Jahres aus 66 Mitgliedern. Davon gehören 33 der italienischen Nation an und 33 den übrigen Nationen. Letztere verteilen sich auf folgende Länder: Frankreich 7, Spanien 5, Deutschland 4, Nord- amerika 4, Österreich 2, Polen 2, England 2, Ungarn, Tschechoslowakei, Belgien, Niederlande, Portugal, Kanada und Brasilien je 1. — In Rom residieren 30, außerhalb der Ewigen Stadt 36. Drei wurden noch von Leo XIII. erwählt, 18 von Pius X., 18 von Benedikt XV., 27 von Pius XI. Von den 12 Ordenskardinälen sind 3 Dominikaner, 2 Benediktiner, 1 Regulierter Chorherr, 1 Servit, 1 Jesuit, 1 Piarist, 1 Redemptorist, 1 Salesianer und 1 Oblate vom hl. Karl Borromäus. Dekan des heiligen Kollegiums ist der bereits 93 Jahre alte Kardinal Banutelli. Im Jahre 1927 starben 7 Kardinäle; der hochbetagte Jesuit Billot verzichtete auf die Kardinalswürde, legte den Purpur ab und zog sich als einfacher Ordensmann in sein Kloster zurück. Eingeborene Priester in den Missionsländern. Der Zentralrat des Apostel-Petrus-und-Paulus-Werkes veröffentlicht über den Stand der eingeborenen Geistlichkeit in den Missionsgebieten folgende Zusammenstellung: Asien besitzt gegenwärtig 4263 einheimische Priester oder 52-3 Prozent der Gesamtsumme der dortigen Priester; Afrika 159 bzw. 5'7 Prozent, Amerika 82, das sind 6'2 Prozent eingeborene Priester, die in Missionsgebieten wirken. Ozeanien zählt 12 eingeborene Priester oder 2-5 Prozent aller dortigen Priester. — Asien hat 127 kleine Seminare mit 5691 eingeborenen Zöglingen und 74 große Seminare mit 2288 eingeborenen Hörern. Afrika besitzt 48 kleine Seminare mit 1347 eingeborenen Zöglingen und 17 große mit 291 Hörern, Amerika 4 kleine mit 85 einheimischen Zöglingen und 4 große mit 66 Besuchern. China. Von August 1926 bis Ende 1927 sind im „Reich der Mitte" neun Priester eines gewaltsamen Todes gestorben. Es sind die drei belgischen Scheutvelder Missionäre: Camillus Ruyffelaert, Franz Lauwers und Leo van den Bosche; die beiden Franziskaner Aurelius Maiquez (Spanier) und Hermenegild Wäldele (Deutscher); die beiden Jesuiten Heinrich Dugout (Franzose) und Kandidus Verrara (Italiener) sowie die beiden chinesischen Weltpriester Josef Hou und Dominik Wang. Der Priester Hou ist Blutzeuge im strengsten Sinne des Wortes. Msgr. Philipp Tschao, einer von den sechs chinesischen Bischöfen, die am 28. Oktober 1926 vom Heiligen Vater selbst geweiht worden waren, ist am 14. Oktober letzten Jahres einem Schlaganfall erlegen. Einige Monate nach der Rückkehr in seine Residenz Suanhwafu, wurde diese zum Schauplatz der Kämpfe zwischen den Truppen der Provinz Schansi und dem Heere des Generals Tschangsolin. Rasch organisierte der Bischof einen großen Hilfsausschuß, dem die vornehmsten Christen und Heiden angehörten. Zahlreiche Menschen, besonders Frauen und Kinder, suchten Zuflucht in der Mission. Alle vorhandenen Räumlichkeiten, selbst die Kirche, wurden als Zufluchtsstätte und Krankenstationen eingerichtet. Auf des Bischofs Geheiß leisteten die Christen freiwillige Sanitätsdienste. Msgr. Tschao zeigte sich ganz als Bischof der Liebe. Ein brennender Opfergeist verzehrte ihn; war er ja der Sohn eines Märtyrers. „Wenn Gott", äußerte er, „das Leben eines der Unseren, sei es des Bischofs oder eines Priesters, als Opfergabe annimmt, so wird das für das Vikariat ein Unterpfand des Heiles und des reichsten Segens sein." Und Gott nahm das Leben des Oberhirten als Opfer an. Am Abend des 13. Oktober machte der Bischof, nach einem mühevollen Arbeitstag, noch einen Rundgang durch die verschiedenen Räume, um nachzusehen, ob alle versorgt seien. In einem Winkel traf er eine Familie, die ohne Decken der Kälte preisgegeben war. Er eilte in sein Zimmer zurück und brachte den Frierenden seine eigenen Bettvecken und gab ihnen auch seinen Mantel. Todmüde zog er sich hierauf in sein Gemach zurück. Um Mitternacht traf ihn der Schlag. Doch konnte ihm ein Priester noch die heilige Ölung spenden. Kurz war fein Arbeitstag; aber er hat ihn beschlossen mit einer heldenmütigen Liebestat. Heft 3 Stern der Neger 43 1$ t)er Seist des Schreckens. Eine Erzählung aus Mittelkamerun von P. Johannes Emonts, S. C. J. (Fortsetzung.) Ü In der Tat, der Plan war ausgezeichnet und machte mir wieder etwas 9)iut, wenn ich auch noch immer an seinem Gelingen zweifelte. Versuchen konnten und mußten wir's, das stand bei mir fest. Es war immerhin möglich, daß das Wagnis, so beschwerlich und gefährlich es war, gelingen konnte. Die Nacht war indessen hereingebrochen und das Dorf hallte wieder vom dumpfen Getön des Gongs, vom Tanzgesang der Männer und dem Klagegeheul der Weiber. „Still!" flüsterte Lanju plötzlich, „es kommt jemand." Wirklich, es rasselte au der Tür. Im Scheine einer Fackel sahen wir den Häuptling selber mit einigen Leuten in unsere Hütte eintreten, wohl um sich von der ordnungsmäßigen Fesselung der Gefangenen und der Unmöglichkeit einer etwaigen Flucht zu überzeugen. Er rüttelte an unseren Fesseln. Alles war in Ordnung. Trotzdem fluchte er. Einige schallende Hiebe mit einer schweren Lederpeitsche sausten auf uns nieder, so daß wir uns vor Schmerz krümmten. Dann waren wir wieder allein. „Kenfui," hauchte nach einer Weile mein Bruder, „die Schläge mit der Peitsche tun schrecklich weh. Es waren die ersten, die ich in meinem Leben erhielt, aber es werden auch die letzten sein. Nur mutig ans Werk! Denn nachdem der Häuptling selber uns untersucht hat, wird man in dieser Nacht nicht mehr nachsehen. Versuche nun, dich so nahe wie möglich an mich heranzuziehen, damit ich mit den Zähnen an die Lianen komme, die deine Arme fesseln." Da wir nicht dicht beieinanderlagen, dauerte es eine gute Weile, ehe wir uns berührten. Dann begann das Aufbeißen der Lianen. Eine Faser nach der andern löste sich. Es kostete zwar unbeschreibliche Anstrengung, und vor Müdigkeit mußte Lanju mehrere Male ausruhen. Endlich war er mit einer Liane zu Ende, aber die Fessel löste sich nicht. Er begann sein Werk an einer zweiten Stelle, und dann hatte ich bald eine Hand frei, und mit der freien Hand löste ich die andere Liane. Ich war der Fesseln ledig und stand vor Lanju, den ich nun auch befreite. Ich hätte aufschreien mögen vor Freude. Nachdem das Schwierigste gelungen, würde das andere ebenso gelingen, und ich schöpfte neuen Mut. Nun dachten wir an die Flucht und überlegten genau, was zu tun sei in dem Falle, daß man uns verfolgen würde. Lanju war seiner Sache so sicher, daß er an der Rettung nicht mehr zweifelte. Da die Tür außen fest verriegelt war, mußten wir den Durchbruch durch die Decke versuchen: aber leise, leise! Daß es im Dorfe noch laut herging und auch wohl die ganze Nacht hindurch der Totengesang nicht nachlassen würde, war uns ganz recht. Desto leichter würde unsere Flucht vor sich gehen. Lanju sagte leise zu mir: „Kenfui, sei mutig, jetzt gilt es das Leben! In kurzer Zeit sind wir draußen auf dem Wege zur Heimat. Und wenn man morgen bei Tagesanbruch oder zur Eröffnung des großen Rachegerichtes nach den Gefangenen sehen wird, sind wir fern von hier!" Schon kletterte er auf meine Schultern, um die Decke zu untersuchen. Sie bestand zum Glück aus breitmaschig übereinandergelegten Bambnsstangen. An einer Stelle waren die Maschen so breit, daß er sich hindurchzwängen konnte, indem er sich mit den Händen festhielt und mit den Beinen einen Aufzug machte. Oben angelangt, zog Lanju mich auch hinauf. So saßen wir auf der Decke und lauschten, ob sich in der Nähe der Hütte nichts regte. So leise und so emsig wie nur möglich machten wir eine Öffnung in das Grasdach und suchten nach einem Pfosten, der etwa das überstehende Dach stützte. Lanju war bereits unten. Ich wollte gerade auch den Abstieg wagen, als Lanju mir mitteilte: „Kenfui, schnell, es kommt jemand mit einer Fackel geradewegs auf die Hütte zu!" Ich war nicht so geschickt wie Lanju, und so dauerte es bei mir etwas länger. Aber auch ich kam noch glücklich nach unten. Der Mann mit der Grasfackel mußte aber entweder meinen Bruder oder mich bemerkt haben, denn so laut er konnte, schrie er den Warnungsruf: „Hoio,hoioa,Tschoba! Schnell, dieTschoba-leute fliehen!" Und fortwährend wiederhotte er den Ruf, laut und weithin vernehmbar. Da der Mann zur Benachrichtigung der anderen etwas zurücklief, erreichten wir einen gewaltigen Vorsprung. Mein Bruder zog mich mit sich fort; dann eilte er voraus, und ich folgte, so gut ich tonnte. Die Angst gab uns schnelle Seine, und die Müdigkeit der letzten Tage war vergessen. Aber auch die Kantschileute waren aus der Suche. Alle Männer waren dabei beteiligt. Und sie kannten die Gegend genau und alle Wege und Schlupfwinkel, während Lanju durch die voreilige Flucht von der beabsich- samer, meine Beine konnten mich nicht mehr weitertragen. Und die Kantschileute waren bereits nahe an mich herangekommen, ihre Fackeln beleuchteten das ganze Gelände. Endlich hatten die Feinde mich eingeholt, und nun erhob sich ein lautes Geheul, das von allen Suchern beantwortet wurde. Das gab dem Lanju, der Zulufrauen. (Phot, von Hochiv. P. Fischer.) tigten Richtung abgewichen war und nur aus gut Glück davoneilte. Hinter uns her erscholl lautes Geschrei von vielen Männerstimmen. Und die Zahl der Grasfackeln wuchs zusehends. Nun erreichten wir ein kleines Wäldchen, aber die meisten Bäume waren zu dick, wir konnten nicht hinaufsteigen; und auf den anderen war es zu gefährlich, denn gewiß würde man auf das genaueste nachforschen. Also weiter in die Steppe, die sich anschloß. Doch wir fanden keinen Weg, keinen Pfad, und im hohen Grase war es schwer weiter zu kommen. So brach denn das Unglück über mich herein. Vor lauter Müdigkeit wurde mein Schritt immer lang- mir weit voran war, einen neuen Vorsprung, und er entkam in der allgemeinen Verwirrung. Man fand ihn nicht mehr. Er war gerettet, ich aber war wieder gefangen. Ich hätte gewünscht, daß man mich sofort mit den Lanzen durchstochen und getötet hätte; aber man gab mir statt dessen kräftige Stöße, ich erhielt Schläge und Fußtritte, man mißhandelte mich, tat mir alle denkbare Schmach an. Zu schmerzlich ist mir jetzt noch die Erinnerung an jene schrecklichen Stunden, als daß ich es. erzählen könnte. Nun war ich wieder gefangen in der Hütte, stärker gefesselt als vorher, bewacht von zwei Kantschileuten. Und ich war nun ohne meinen Bruder, der mir vorher Mut eingeflößt hatte. Diesmal war wirklich alles verloren. Das war eine schreckliche Nacht. Ich wollte an nichts mehr denken, aber die Gedanken kamen, ohne daß man sie rief! O, wie schmerzlich waren mir die Heimatgedanken! Niemals mehr würde ich mein liebes Tschoba-dorf wiedersehen! Es war mir, als sähe ich all die Plätze und Hütten, all die Berge, all die stillen Winkel unseres Landes an mir vorüberziehen und dann im Nebel verschwinden. Ich dachte an Vater und Mutter und Geschwister, und jetzt erst fühlte ich, wie gern ich sie hatte. In einigen Tagen würden sie die Totenklage über mich anstimmen. Das ganze Dorf würde daran teilnehmen. Aber auch diese traurigen Bilder zogen vorüber. Dann kamen andere Gedanken. Ich erinnerte mich der Tage, wo wir in Tschoba die Stammesrache übten. Das waren Tage der Freude für mich gewesen, - und auch ich freute mich ob des Wirnmerns und Schreiens der Todesopfer. O, damals habe ich nie daran gedacht/ daß auch ich einmal so jammern und klagen würde. Morgen würde ich es tun. All das Häßliche, das ich damals erlebt, vom haßerfüllten Gesicht des Zauberers bis zu den schmerzzuckenden Zügen des Opfers — o, ich erschrak vor meinen eigenen Gedanken. Es war eine schreckliche Nacht, beinahe so grausig wie der Rachetag selber. Bis dahin hatte ich nicht gewußt, daß auch die Gedanken schmerzen können. Und zu all dem mußte ich mit noch Vorwürfe machen, daß ich allein schuld an meinem Unglück war. Weshalb hatte ich mich der Gefahr ausgesetzt? Weshalb war ich so unbeholfen und zögernd beim Fluchtversuch gewesen, der meinem mutigen Bruder Lanju die goldene Freiheit wiedergegeben? Mit solchen Gedanken fand ich keinen Schlaf. Draußen im Dorfe wollte der Totengesang und das Rachegeschrei nicht verstummen." Pater Wildhof und sein Mitbruder sahen, wie die schmerzlichen Erinnerungen die Seele Kenfuis noch quälten, und wollten die Weitererzählung aus einen andern Tag verschieben, allein der junge Tschoba, sichtbar von der Teilnahme ergriffen, die er bei seinen Zuhörern fand, wollte von Müdigkeit nichts wissen, und so fuhr er denn fort: „Endlich kam der Morgen, und mit ihm sollte die Racheversammlnng eröffnet werden. Das große Ereignis war bereits während der Nacht im ganzen Stamm verkündigt worden. Mit Büffelhörnern und Elsen- beintrompeten waren die Boten ausgezogen. Bis zu den entferntesten Gehöften waren sie mit der Aufforderung zur Racheversammlung geeilt. Der große Platz war mit Männern angefüllt. Alle waren im Kriegsschmuck erschienen mit ihren langen Speeren, mit den breiten Busch Messern in verzierter Scheide, mit kleinem Dolchmesser im Gürtel. In großen und kleinen Gruppen standen sie umher und besprachen das Ereignis. Die Kriegsgongs wurden geschlagen. Ungeheure Krüge, gefüllt mit köstlichem Palmwein, standen auf einer Seite. Der Häuptling und die Stammesgroßen waren auch bereits anwesend und strahlten im herrlichsten Rot dick aufgetragener Bundefarbe. Als alle versammelt waren, schleppte man mich sehr unsanft aus diesen Platz in die Nähe des Häuptlings. Bei meinem Erscheinen waren die Leute außer sich vor Wut. Sie gebärdeten sich schlimmer, als ich es je bei unseren Kriegstänzen erlebt hatte. Sie schwangen ihre Lanzen und zückten sie gegen mich, als wollten sie dieselben auf mich schleudern. Sie schrien und heulten wie außer sich, alle durcheinander. Wäre der Häuptling nicht sofort aufgestanden und hätte Ruhe geboten, dann hätte ich wohl ein schnelles Ende gefunden und es wäre mir alles Gräßliche erspart geblieben, das man mir nachher antat. So ließ das Oberhaupt des Kantschistammes in die großen und kleinen Elfenbeintrompeten hineinblasen und verschaffte sich Ruhe, denn er wollte zu den Leuten sprechen. „Ihr Männer von Kantschi," begann er dann, „ihr verlangt sofortige Rache an unserem Stammesfeind zu nehmen. Beruhigt euch und hört, was ich sage. Auch ich verlange Rache und die Großen unseres Stammes nicht weniger. Aber es wäre keine echte Kantschirache, wenn ihr den gefangenen Feind einfach mit euren Lanzen durchbohret. Es soll keine kurze, nur einen Augenblick dauernde Rache sein. Darum mäßigt euren Zorn. Wir wollen nicht nur einmal, sondern vielfache Rache an diesem Tschoba nehmen: Rache dafür, daß er unser Stammesfeind ist, Rache dafür, daß sein Bruder einen Kantschimann getötet hat, Rache dafür, daß der Mörder entflohen ist, Rache dafür, daß dieser Tschobamann selber versucht hat zu entfliehen. Es soll eine Rache sein, wie nur Kantschileute sie ausdenken können. Wir wollen zwar Tschobablut sehen, aber nicht nur heute. Wir wollen Tschobaqualen erblicken, aber nicht nur heute. Wir wollen beim Palmweingelage uns an dem verzweifelnden Geschrei und Gewimmer eines Tschvbafeindes ergötzen, aber nicht nur heute. Drum soll er heute nicht sterben, vielfachen Tod soll er erleben. Im Angesichte aller soll der große Menkina, unser Kriegszauberer, das Rachegeschäft besorgen. Keiner versteht es so wie er. Und heute wird er es schon deshalb von uns allen am besten verstehen, weil der von dem Tschobamann erschlagene Kantschimann sein Bruder war. Ich, der Häuptling, habe gesprochen!" Lautes Jubelgeschrei ertönte auf diese Worte hin. Das gefiel den Männern ausgezeichnet, sie spendeten dem hohen Redner brausenden Beifall. Das waren Worte nach ihrem Herzen. Nun stand ein alter Bigmann aus und sprach: „Unser großer Häuptling hat schön gesprochen. Wir werden ein großartiges Rachefest feiern. Unser altes Stammesgesetz bleibt in Ehren. Möge es immer so bleiben! Wehe dem, der es wagen würde, dasselbe anzutasten! Es war unseren Vätern und Vorfahren heilig, es muß auch uns heilig sein! Wir hassen unsere Stammesfeinde, wir hassen die Tschoba. Wir sind stolz aus Menkina, weil er ein Meister in der Ausübung der Stammesrache ist. Ich denke, wir übertragen ihm sofort die Leitung des Festes." „Menkina, Menkina, der große Zauberer! — Menkina soll das Fest leiten! — Menkina soll seinen Bruder rächen! Menkina, Menkina, Menkina!" So schallte es aus der erregten Menge zurück. Immer wieder und immer lauter und dröhnender erscholl der Name über den Platz. Da sprang mit wüsten Sätzen eine rotbemalte Gestalt aus der nahen Zauberhütte heraus, schaute sich mit tollen Gebärden unter der johlenden Menge um und blieb vor dem Häuptling und den Bigleuten stehen. Das war Menkina, der große Zauberer. Um seine Schulter hing ein Leopardensell. Sein Hals war geschmückt mit zahlreichen Amuletten. Ganze Bündel getrockneter Fruchtschalen rasselten ihm bei jeder Bewegung an Armen und Beinen. In seinem Gürtel aus Leopardenfell blitzten mehrere Dolche. In der Rechten hielt er eine fünfzackige Eisenkralle mit kleinem Holzgriff, während er am linken Arm eine weite Tasche mit Zauberinstrumenten trug. In seinem schmutzigen, mit Rotfarbe und Palmöl beschmierten Kopfhaar waren kleine Muscheln eingeflochten. Um seine Lenden hing ein buntbemaltes Tuch. Beim Anblick dieser Gestalt schauderte ich zusammen, ich wußte, was mir bevorstand. Nach einem Zeichen des Häuptlings rief er mit lauter Stimme in die Versammlung hinein: „Menkina, der große Zauberer der Kantschi, wird Rache nehmen an seinem Stammesfeind. Ihr werdet zufrieden mit ihm sein, denn er liebt das heilige Stammesgesetz, er haßt die Tschoba. Heute übt er doppelte, vielfache Rache. Ihr wißt warum. So möge denn das Rachefest, das Freudenfest beginnen!" Heller Jubel antwortete auf seine Rede. Menkina trat hierauf an die große Kriegstrommel heran und schlug sie in langsamen, dumpfen Tönen und dann schneller, immer schneller und lauter bis zur Raserei. Ein kräftiger Schlag noch und dann war lautlose Stille. Alle standen regungslos und schauten voll Erwartung auf den Zauberer, der, ohne ein Wort zu sagen, auf mich zukam, mit seinem häßlichen, kalten Blick mich zu durchbohren schien. Einen Augenblick hielt er die Eisenkrallen vor meinem Gesicht und ehe ich mich versah, fuhr er in blitzschnellen Bewegungen mit denselben über meine Wangen und meinen Leib. Kein Schmerzensruf entrang sich meinem Munde, aber ich zuckte, zusammen und sah mein Blut von der Brust herabrieseln. „Blut! Blut! Blut des Tschoba!" schrie Menkina wie besessen. Und jedes Wort wurde von der Menge wiederholt. Wieder bearbeitete er die Kriegstrommel wie vorher mit wütenden Schlägen und rief zum Schluß: „Rache! Blutige Rache!" Auch dieser Ruf pflanzte sich vielhundertfach vermehrt in der Menge fort. Und dann wieder das ohrenbetäubende Trommel-gewirbel und der Ruf: „Schreckliche Rache!" — „Schreckliche Rache!" dröhnte und gellte es wieder aus der Menge zurück, die nach meinem Blute lechzte. Was ich alles dachte und empfand in diesen furchtbaren Augenblicken, weiß ich nicht mehr. Der kalte Schweiß der Todesangst rieselte mir vom Gesicht; aber ein Gefühl machte mich stark: Angst und Schmerz wollte ich mannhaft verbeißen. Wie ein Tschobamann wollte ich sterben. Menkina geriet durch meine Selbstbeherrschung noch mehr in Wut. „Seht diesen Tschobamann, unsern Stammesfeind. Noch zeigt er ein mutiges Gesicht. Er meint, unser Rachefest bestände nur in Worten und Trommelschlag. Ich will ihn eines Bessern belehren. In wenigen Augenblicken wird er ein anderes Gesicht aufsetzen. Mendiambi, das glühende Eisen herbei! Ha, ha, wie der tanzen wird!" Bei diesen Worten stürzte einer seiner Helfer in die Zauberhütte und brachte nach Stern der Neger 47 Heft 3 wenigen Minuten ein Feuergefäß, in dem ein zugespitzter Eisenstab glühte. Mendiambi hielt meinen Kopf wie in eiserner Klammer fest und Menkina bohrte mir das glühende Eisen in beide Ohrläppchen hinein, wobei er mir noch, an Hals und Wange stechende Brandwunden verursachte. Ich wand und krümmte mich vor Schmerz, mein Gesicht verzerrte sich in stechendem Krampf, aber keinen Klagelaut stieß ich hervor. „Der Tschobamann hat Mut", höhnte der Unmensch, „sein Herz ist stark. Sein Gesicht spricht auch schon eine andere Sprache. Geduld, ihr Leute, ihr werdet bald seine Stimme hören wie die Stimme eines verwundeten Affen. Ihr werdet sie hören, so war ich Menkina heiße." Das zuschauende Volk lachte laut auf und freute sich an meinem schmerzverzerrten Gesichte. Es entstand nun eine Pause. Palmweindiener gingen mit ihren gefüllten Kalabassen von Mann zu Mann und gossen den Wein in die vorgehaltenen Trinkbecher. Man trank, man trank, man plauderte und scherzte. Die Jnstrumentenspieler schlugen die Gongs, schüttelten die Rasseln, trompeteten auf ihren Bambusrohren und bearbeiteten ihre großen und kleinen Ngangki (eiserne, schellenartige Schlaginstrumente). Viele sangen und tanzten um mich herum, die frohe Stimmung stieg höher und höher, bis ein lauter, langgezogener Ton des Zauberers auf einem Elfenbeinhorn dem Tumult jählings ein Ende bereitete. Mit einem Schlage war alles still und voller Erwartung. Feierlich kam Menkina, der sich eine Zeitlang mit dem Häuptling unterhalten hatte, auf mich zu und gab seinen Helfern leise Befehle. Mendiambi und mehrere andere stürzten auf mich los, lösten meine Fesseln, schlugen aber um mein Handgelenk eine dünne, zähe Liane. Einer stieg auf den großen Baum in der Mitte des Platzes, den sie den Nachebaum nannten. Dorthin wurde ich nun geführt und an dem dicksten Aste an einer Liane aufgezogen und befestigt. So baumelte ich in der Luft und die Lianeschlinge schnitt tief in mein Gelenk ein. Das war der Anfang meiner Rache-gualen. Je höher ich emporgezogen wurde, um so lauter johlte das Volk, um so toller wirbelten die Trommeln. „Rachel" schrie Menkina und seine Stimme übertönte den allgemeinen Lärm. „Rache! Rache!" schallte es von allen Seiten des Platzes wie ein brausender Strudel, der mich zu verschlingen drohte, sich aber auf ein Zeichen des Zauberers wieder plötzlich legte und verebbte. Dieser aber erhob feine krächzende Stimme und schrie über den Platz: „Ihr Männer von Kantschi! Die Rachestunde hat geschlagen. Jetzt werdet ihr euren Stammesfeind wimmern hören wie ein kleines Kind; er wird vor Schmerz brüllen wie eine Leopardin der Steppe; er wird zappeln wie ein Fisch an der Angel; er wird uns die Froschstimme der Tschoba hören lassen, die er, um uns zu trotzen, bis jetzt nicht hören lassen wollte. Aber Menkina weiß die Lippen, die Arme und die Beine des Tschoba in Bewegung zu bringen. Menkina hat gesprochen." Wieder rasender Beifall der Kantschi, deren grausige Begeisterung immer höher stieg. Mit dem scharfen Krallengriff schlug Menkina nun auf meinen Rücken und in meine Seiten, daß das Blut aufspritzte. Aber er vermochte mir keinen Ruf des Schmerzes zu entlocken. Das setzte ihn in Wut. Vergebens mißhandelte er meinen verwundeten Rücken mit dünnen Ruten. Aber ich schrie nicht. Dann ließ er unter meinen Füßen ein Feuer anzünden, dessen Flammen bis an meine Füße hinaufschlugen. In meiner Verzweiflung hob und senkte ich meine Beine, um den Flammen und der unerträglichen Hitze zu entgehen. Meine Kraft war gebrochen. An einem Handgelenk hängend zappelte ich in entsetzlichen Qualen. Ich fing tatsächlich an zu weinen wie ein Kind, ich schrie, ich brüllte wie ein Leopard, ich heulte vor rasendem Schmerz. Und auf und ab gingen meine Beine, immer schneller, immer schneller. Und während ich so zappelte und schrie, wimmerte und heulte, tanzten und sangen die Kantschi laut vor Freude, immer lauter und lauter. Bei jedem neuen Schmerzenslaut hallte die Lust wieder von ihrem Jubelschrei. Und dazwischen tranken sie Palmwein. Allmählich war ich ganz erschöpft, und ich konnte nicht mehr die Beine bewegen, und die Schmerzensschreie verstummten. Und auch der Tanz der Kantschi hörte auf, aber der Rachedurst war noch nicht gestillt. Der Zauberer ließ mich losbinden, und ich lag wie tot auf dem Boden. Was nun gefolgt ist, davon habe ich nichts mehr gefühlt, nichts mehr gesehen, nichts mehr gehört. Die Feuergualen, die schreckliche Todesangst und die Erschöpfung der letzten Tage hatten mich zu sehr angegriffen. Mein Verstand war fort. Als er später zu mir zurückkam, mußte ich erkennen, was sie noch mit mir getan hatten. Es war dasselbe, was sie jedem gefangenen Stammesfeinde tun. Der Zauberer hatte meine Hand, an der ich gefesselt an dem Baume gehangen hatte, abgehauen, so daß viel Blut floß, und gewiß hat er so fürs erste seine und der Kantschileute Rachsucht gestillt. Daß ich nach all diesen Schmerzen und Ängsten und Qualen nicht gestorben bin, kann ich jetzt noch nicht verstehen. Aber das war es, was die Kantschileute wollten: sie sparten mich auf für einen neuen Rachetag. Ein zweiter Rachetag war nicht gefolgt, und das verdanke ich dir, dem guten weißen Vater. Ich will dir nur noch sagen, was weiter kam. Mein Verstand kehrte eines Tages wieder zu mir zurück. Ich weiß nicht, wie lange ich wie tot gelegen hatte. Ich befand mich in einer kleinen Hütte, die ich sogleich als die Medizinhütte des Zauberers erkannte; denn da lagen, standen und hingen so viele Zauberdinge, Medizinlöpfe, Taschen und Körbchen herum, wie man es nur in einer Zauberhütte findet. Und ich lag auf einem guten Lager von frischen Bananenblättern. Mein Rücken und die Seiten schmerzten mich sehr, aber das Schlimmste war mein, rechter Arm. Es war ein Arm ohne Hand. Ich war ein „Batchua, ein Gezeichneter der Rache". Gern wäre ich gestorben. Ich hätte gewünscht, daß der Zauberer mir das Leben genommen hätte. Deshalb sagte ich ihm böse Worte ins Gesicht, um ihn zu reizen, damit er im Zorn mir den-Tod gebe. Aber er tat, als höre er es nicht. Mit der größten Sorgfalt pflegte er mich, und jeden Tag tat er eine neue Medizin auf die Wunden an den Seiten und auf den Rücken. Es war eine scharfe Medizin, aber ich fühlte, daß sie gut sei; die meisten Wunden fingen an zu heilen. Auf meinen Arm tat er keine neue Medizin, indem er sagte, der Verband sei noch gut. So sollte ich also wieder geheilt werden zu neuer Qual und zu einem neuen Rachetag. Die Tage, die nun folgten, waren Tage des Schmerzes und der Verzweiflung. Meine Wunden, besonders die Brandwunden, schmerzten ungeheuer. Zwischen meinem Klagen und Weinen flogen meine Gedanken nach Tschoba zurück, das ich niemals wiedersehen würde. Ich verfluchte die häßliche Stammesfeindschaft, die mir solche Schmach und Pein angetan. Ich ver- wünschte die Tage, an denen ich selbst an der Rache mich beteiligt hatte. Daß es damals Freudentage für mich gewesen, war jetzt kein Trost für mich. Mit Zittern und Beben sah ich neuen Qualen entgegen und ich wußte, daß sie schrecklicher sein würden, als was meine erregte Phantasie mir vormalte. Dumpfe Verzweiflung umkrallte und folterte mein Herz. Vergebens rüttelte ich an den Linnen, um den Verband von meinem Arm zu reißen, bis ich in ohnmächtiger Wut und vom Jammern müde für einige Zeit die Sinne verlor. Und wenn dann das folternde Bewußtsein wiederkehrte, erlebte ich all diese Torturen von neuem. Da, eines Tages, als der Zauberer mit seinen Frauen auf eine Farm gegangen war und meine Hütte sorgsam verschlossen hatte, hörte ich lautes Angstgeschrei. War jemand gestorben? War ein Unglück geschehen? Nein, die Totenklage klang doch anders. Nur Warnungsrufe vernehme ich. „Fliehet, fliehet! Ein weißer Mann!" Ich hörte, wie die Fliehenden an meiner Hütte vorübereilten und wie allmählich das Geschrei in der Ferne verhallte. Was war das? Ein Hoffnungsstrahl fuhr blitzartig durch meine Seele. Was konnte mir geschehen? Drohte mir der Tod? Der wäre eine Erlösung gewesen. Vielleicht------nein, ich wagte noch nicht, an die Freiheit zu denken. Aber ich wurde ruhiger, gefaßter. Schlimmer als Men-kina konnte der Weiße nicht sein, trotz des vielen Schlechten, das ich über die weißen Männer gehört hatte. Das genügte mir. Aufmerksam lauschte ich auf jedes Geräusch in der Nähe meiner Hütte. Endlich! Ja, da hörte ich Stimmen, ich vernahm Schritte. Jetzt waren sie an der Tür ... Ich hielt den Atem an, mein Herz sprang mir im Leibe, der Kopf wollte mir zerspringen. Eine Weile merkte ich, wie man an der gut verschlossenen Türe zerrte und riß. Sie ergab sich bald der Gewalt, und ich sah, wie ein weißer Mann mit einem großen weißen Hut. mit weißen Kleidern, mit einem schwarzen Bart in den Rahmen der Tür trat. Mit verstohlenem Blick hatte ich sein Gesicht gestreift und dieser Blick sagte mir, daß er wenigstens nicht so grausam wie die Kantschi sein würde. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgaste 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: P. Al. Wilsltng, Missionshaus, Graz, Paulustorgaste 10. — Universitäts-Buchdruckere! .Sthria" in Graz.