Stem C) er N eg er Katholische Missions-Zeitschrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 6 Juni 1938 41. Jahrgang Wer ist ein Mann? Mannsein und Beten. Wie ein Märchen will das heute so manchem in den Ohren klingen. Freilich, die Rede ist alt, daß Beten eine Sache, „ein Gewäsch" der Weiber sei. Doch solche Rede war nicht so ernst gemeint. Männlicher Leichtsinn, Faulheit und Prahlerei war es, nicht viel mehr. Und wenn es wirklich ernst wurde, haben die „Männer", die so sprachen, nicht selten mit zitternden Knien gebetet. Aber darum geht es hier und heute nicht. Jetzt sitzt der Widerstand tieser. „M a n n" — steht da nicht mehr als Gegensatz zur Frau, sondern soll einfach heißen: Der aufrechte Mensch. Und so wollen auch wir es im folgenden verstanden wissen. Also verkündet man heute mit großem Nachdruck: „Der aufrechte Mensch betet nicht. Er beugt nicht in schwächlicher Knechtsgesinnung sein Knie. Er ist sein eigener Herr. Er wirkt und schafft aus eigener Kraft und ist nicht bereit, sich in sklavische Abhängigkeit einer unsichtbaren Macht zu begeben. Und wo er wirklich Gott als einem übermächtigen Schicksal begegnet, steht er geraden Nackens vor ihm und setzt sich mit ihm auseinander, kämpfend und ringend, um ihn zu besiegen oder ehrenvoll zugrunde zu gehen." Freilich, auch diese Rede ist nicht neu lind sie ist zum Glück auch nicht so artgemäß „germanisch", wie Deutschgläubige auch uns glauben machen möchten. Sie steht im Aufruhr Luzifers und im Aufbegehren der Stammeltern am Urbeginn der Schöpfungs- und Menschheitsgeschichte, sie geistert als der ewige Titanenstolz der Menschheit durch die Sagen und Religionen aller Völker und aller Jahrtausende, sie — Der beten kann! hat in der griechischen Prometheussage und im deutschen „Faust" ihren klassischen Ausdruck gefunden, sie dröhnt uns auch aus betn bolschewistischen Gotteshaß entgegen. Ja mehr noch. Im persönlichen Leben fast aller naturhaft starken Menschen kommen Zeiten der Entscheidung, in denen sie im Bewußtsein ihrer vitalen Kraft „die Last Gottes" von sich werfen und ganz auf ihr eigenes Können sich verlassen möchten, in denen alles in ihnen sich aufbäumt gegen das demütige Horchen auf den Willen eines allmächtigen Gottes und das Beten als eine Entwürdigung der Persönlichkeit empfunden wird. Die Jahre zwischen Jugend und Reife zumal sind eine solche Zeit, während der auch sonst alle „Last" der Autorität in Frage gestellt wird. Wir haben allen Anlaß, den Widerstand ernst zu nehmen. Denn die diese Haltung einnehmen, sind ja zumeist nicht die äußerlich Schwachen, Kleinen, Hilflosen — denen wollen sie ja gerne das Beten überlassen —, sondern Menschen der äußeren Sicherheit und Gesundheit, die eben darauf pochend den Kamps um ihre „Selbstbehauptung" ruhig glauben aufnehmen zu können. Und doch sind sie die wahrhaft Schwachen, weil sie aus der Flucht sind, auf der Flucht vor der Wirklichkeit der Dinge, auf der Flucht vor Gott. Denn Gott ist da, wirklich da. Sie aber wollen ihn nicht sehen, sie ziehen sich eigensinnig auf sich selbst zurück und stecken den Kops in den Sand, weil sie zu feige sind, über ihr eigenes 82 Stern der Neger Heft 6 Eucharistischer Nationalkongrcß in Kapstadl, Südafrika. Nach der heiligen Stunde für den Klerus. Beim Portal der Marienkirche haben sich verschiedene Bischöfe und Apostol. Präfekten sowie zahlreiche Priester aus den süvasrikanischen Kirchensprengeln eingefunden. Auf der dritten Stufe, hinter Biicbof Hennemann, steht der Apostol. Präfekt von Lydenburg, Msgr. Mohn, F. 8. C. (X) (Kongr.-Archiv.) Kleines Ich hinwegzuspringen und mit ihrem ganzen Sein lobend, dankend und bittend betn zu dienen und die Ehre zu geben, der alles Lebens Kraft und Ursprung ist. Nichts anderes nämlich ist das Beten. Mannestrotz nennen sie den Rückzug aus sich selbst. Ob sie nicht wissen, wie sie sich damit selbst offenbaren? Trotz, dieser Trotz, ist ja keine männliche, sondern eine kindliche Eigenschaft, eine Fehlreaktion des Schwachen — so lehrt die Kinderpsychologie —, der sich auf diese falsche Weise der Macht des Starken entziehen will. Wie das trotzige Kind sich zur Wand wendet, damit es den überlegenen Erzieher nicht sieht, und wie es sinnlos schreit ultd tobt, so kehrt der, der nicht beten will, sich blind ab von Gottes Autorität hin zur Erde und verkündet mit lautem Getöse, daß Gott ja gar nicht da, daß er selbst Gott, die höchste Autorität sei. Ein Steckenbleiben im kindlichen Entwicklungsstadium ist das, beileibe kein heldenhaftes Mannestum. Folgerichtigkeit, sagt man, sei eine männliche Eigenschaft. Wie wenig folgerichtig sind diese sogenannten „Aufrechten" doch. Kaum einer von ihnen wird es entwürdigend finden, daß ein Rekrut vor seinem Stubengefreiten stramm steht. Und sie haben recht,' denn der Gefreite ist Vertreter echter Autorität und nie kann es die Persönlichkeit erniedrigen, wenn sie sich echter Autorität in der ihr gemäßen Weise fügt. Aber Gottes höchster Autorität in der ihr geziemenden Weise d e m ü- t i g (b. h. mit dem Mut zum Dienen!) betend die schuldige Ehre zu erweisen, deucht den Kündern der Mannhaftigkeit sklavische Gesinnung. Welch merkwürdige Verwirrung der Geister! In Wahrheit ist mannhaft, ausrecht und echt nur der, der nicht mehr scheinen will, als er ist, der den Mut hat, der Wirklichkeit des Seins voll ins Auge zu schauen, der sich nicht scheut, die Grenzen seiner Menschlichkeit anzuerkennen und daraus die Folgerungen für sein Leben zu ziehen. Und das bedeutet auch: Beten, mit Gott in die ehrfurchtsvoll ergebene Zwiesprache des Kindes gurrt Vater, des Geschöpfes zum Schöpfer zu treten und so in und mit Gott erst das ganze Leben und die Stärke zum Bestehen des Kampfes mit.bent übermütig feigen Ich und dem Teufel zu gewinnen. Wenn Frauen mehr und tiefer zu beten pflegen als die Män- ner, so ist das nicht, wie mannhafte „Männchen" es gern darzustellen belieben, ein Zeichen ihrer größeren Schwäche, wohl aber ein Beweis ihrer größeren Wirklichkeitsnähe, die auch Gottesnähe ist. Dem Mann dagegen droht immer die Gefahr, daß er sich zu feinem eigenen Verderben in die Unwirklichkeit seiner Hirngespinste verliert und sich dann daraus selbst seine Götzen aufrichtet, denen er sklavischer und erniedrigender verfällt, als er Gott jemals gehorchen muß. Er gerade braucht das Gebet, weil er dadurch in der rechten Ordnung der Dinge gehalten und so zum vollen, einzig „männlichen" Menschsein geführt wird. — Darum nochmals: Wer ist ein Mann? — Der beten kann! Aus „Junge C h r i st e n in der Z e i t". 8°. 48 Seiten. Geh. und drosch. RM. —.30. Verlag Laumann, Dülmen i. W., auf das wir empfehlend Hinweisen. Gebetsmelnung »m Sonnt Juni: ,Daß öle katholische Mission unter öen Negern öer Vereinigten Staaten größere Fortschritte machet In den Vereinigten Staaten trifft auf zehn Einwohner durchschnittlich ein Neger. Die Ne-gerbevölkeruna wohnt vor allem auf Heiden Seiten des Mississippi, ferner in den Staaten Birgiiria, Nord- und Süd karotina, G eorgia und Florida. In den Südstaaten sind die Neger meistens Farmer, Pächter und Landarbeiter; im Norden, wohin sie neuerdings mehr und mehr auswandern, Industriearbeiter. Gegenwärtig bemühen sich die 13 Millionen Neger, denen 108 Millionen arnbersralfft^e Menschen gegenüberstehen, um die Lösung ihrer sozialen Frage, die aber ohne die Grundsätze des Christentums nicht befriedigend gelöst werden kann. Das Christentum vermag aber nur in sehr ve-schränkter Weise seinen Einfluß geltend zu machen. Don den 13 Millionen Negern sind nahezu acht Millionen Nichtchristen, fünf Mil- lionen gehören den verschiedenen protestantischen Sekten an, besonders den Baptisten und Methodisten; nur 250.000 sind Katholiken. Ihrer seelsorglichen Betreuung widmen sich 300 Priester. Sodann arbeiten gegen 1100 Schwestern in der Negermission. Für die Neger sind 263 Schulen vorhanden, die Zahl der Schüler beträgt 35.026. Eine große Schwierigkeit erwächst dem Werk der Glaubensverbreitung unter den Negern aus dem Widerstreit und Gegensatz zwischen Schwarzen und Weißen. Ungünstig wirkt sich auch aus, oaß dem Neger überall die soziale, in verschiedenen Staaten auch noch die politische -Gleichberechtigung fehlt. Wir sollen nun beten, daß Jesus Christus, der allen alles geworden ist und bei dem es -kein Ansehen der Person gibt, sich in der Liebe seines göttlichen Herzens dieser großen Volksgruppe erbarme. Der Eucharistische Nationalkongreß in Südafrika. Vom 9. bis 16. Jänner dieses Jahres fand in Kapstadt ein Eucharistischer Nationalkongreß statt zur Erinnerung an die Ankunft des ersten Bischofs Patrick Raymond Griffith, 0. P., in Südafrika vor hundert Jahren. Ein kurzer Rückblick auf die Vergangenheit der Kirche' in Südafrika gibt uns Einführung und Einfühlung in die Bedeutung dieses geschichtlich wichtigen Ereignisses katholischen Lebens und Wirkens in Südafrika. Das erste christliche Zeichen, ein Kreuz, wurde im Jahre 1485 von Diego Cao in Südwestasrika errichtet. Wenige Jahre danach, 1499, auf der Rückkehr der Expedition Vasco da Gamas aus Indien, wurde zum erstenmal das heilige Meßopfer in der Moffel-Bay gefeiert. Am gleichen Orte wurde zwei Jahre später von Johann da Nova ein Kirchlein erbaut. Ter Anfang der Eingeborenenmission (1561), der Martertod des Iefui-tenmissionärs Gongales da Cilveica nach der Taufe des „Kaisers von Monomotapa" am Mufengeze (Sambesigebiet) sowie die Errichtung des ersten Kirchensprengels (1612) haben den christlichen Glauben im heidnischen Boden langsam Wurzel fassen lassen. Aus dem Jahre 1674 stammt die erste Nachricht von Kindertaufen, 1685 von der Spendung des Bußsakramentes. Durch die Ankunft der fanatischen Hugenotten (1652) wurde die aufkeimende Saat im Wachstum gehindert, und auf viele Jahre hinaus hören wir nichts mehr vom katholischen Leben in Südafrika. Erst im Jahre 1805 wird die heilige Messe wieder öffentlich gefeiert. Langsam und schüchtern kommt die Kirche wieder an die Öffentlichkeit, bis im Jahre 1838 volles Leben, neuer Mut und frische Tatkraft sie beseelen, infolge der Ankunft des ersten Bischofs Patrick R. Griffith. Folgende Statistik legt lautes Zeugnis ab von der inneren Erneuerungs- und Gestaltungskraft der Kirche, die wie ein Phönix sich stets von neuem aus der Asche erhebt: Eucharistischer Nationalkongreß in Südafrika. Sonntag, den 16. Jänner 1938. Blick ans die Spitze der Eucharistischen Prozession in den Straßen von Kapstadt. (Kongr.-Archiv.) Bischöfe und Apost. 1388 1863 1888 1913 1938 Präsekten . 1 3 7 7 23 Priester . . . 4 17 99 260 739 Ordensleute — 22 580 1880 5.186 Kirchen . . 1 24 76 269 1.148 Konvente . — 3 38 136 370 Schulen . . . 2 14 90 316 1.463 Sonst, kirchl. Einrichtgn. 12 26 383 Zahl der Katholiken . . 2500 4500 17.050 91.000 481.655 In das Jahr 1850 fällt die Gründung der ersten katholischen Zeitung „The Colonist" von Bischof Devereux, der bereits in Südafrika geweiht wurde. Diese Zeitung ging 1859 ein. Es folgten ihr verschiedene Zeitschriften und Monatsblätter. Am 16. Oktober 1920 erschien die erste Ausgabe der noch jetzt bestehenden, gut redigierten katholischen Zeitung „Southern Cross". Ungefähr um die gleiche Zeit erschienen auch zwei katholische Zeitungen in den Eingeborenensprachen Zulu und Sesuto. Einen Markstein in der Kirchengeschichte Südafrikas bildete die Ankunft des Apostolischen Delegaten Erzbischof Bernhard Gijlswijk, 0. P., am 30. April 1923. Kein Wunder, daß angesichts solcher Rührigkeit und großen Erfolge namentlich unter den Eingeborenen — vermehrte sich doch die Zahl der Katholiken innerhalb von drei Jahren um 109.000 — die alte, verrostete und verbissene Hugenottenkirche Gewissensbisse oder besser Anfälle von Neid und Eifersucht bekam. Als der Eucharistische Kongreß angekündigt wurde, beriefen die Hugenotten sofort eine Ber- Die Eucharistische Prozession. In der Mitte des Triumphzuges befand sich das Allerheiligste auf einem in Gold und Silber glänzenden Prunkwagen. Auf dem Wagen kniend hielt der Apostol. Delegat das Allerheiligste. (Kongr.-Archiv.) sammlung ein und besprachen sich über die Mittel und Wege, den Kongreß zu hintertreiben, und die einstimmige Ansicht aller war, daß der Kongreß unbedingt verhindert werden müsse, weil erfahrungsgemäß solche katholische Kundgebungen für die Hugenottenkirche große Nachteile und für die römische Kirche eine gewaltige Stärkung zur Folge haben. Ein Gegenfeldzug setzte ein, wie er nur von einer Seite kommen konnte, die das Evangelium der Liebe nur dem Buchstaben, nicht aber dem Geiste nach aufgenommen hatte. Mit Spannung wurde der Kampf verfolgt und mit noch größerer Spannung die Eröffnung des Kongresses erwartet. Ungünstige Wetterberichte liefen ein. Kapstadt, mehr als tausend Meilen von Lydenburg entfernt, hat gewöhnlich im Sommer (in Europa ist es da Winter) keinen Regen. Gegen alle Erwartung sprachen die Zeitungen in hellem Widerspruch von Schneesturm und Hitzwelle. Für die lange Reise machten wir uns auf beides gefaßt. In Begleitung unseres Hochwürdigsten Apostolischen Präfekten Msgr. Alois Mohn hatten wir, P. Schöpf und meine Wenigkeit, die seltene Ehre, an dieser erhabenen Kundgebung katholischen Glaubens teilnehmen zu dürfen. Bei unserer Ankunft in Kapstadt fielen jedoch weder Schneestürme noch Hitzwellen auf uns nieder, dagegen „sonnten" wir uns im Glanz all der Bischöfe und Prälaten, die mit dem gleichen Zug ankamen und unter großem Andrang des Volkes vom Bahnhof abgeholt wurden. Vorbereitungen großen Stiles waren für das Wohl der Kongreßteilnehmer getroffen worden, namentlich für die Priester. Die Einleitung zum Kongreß bildete die feierliche Eröffnung der Kongreßausstellung durch Bischof Mac Sherry von Port Elizabeth am Vorabend des Kongresses. Histprifche, kulturelle und künstlerische Werte waren dort in einem verhältnismäßig kleinen Raum bis zur überfülle zusammengetragen, und Stunden brauchte man, um sich durch die 23 Vikariate und Präfekturen, die alle mit einem reichhaltigen Material vertreten waren, durchzuarbeiten. Nach dem feierlichen Empfang des Apostolischen Delegaten fand am Sonntag, den 9. Jänner, in einem herrlichen Park ein pontificates Hochamt statt. Die herbeigeströmten Massen, Katholiken und Protestanten, waren Aug' und Ohr für die einzigartige Prachtentfaltung eines fo erhabenen Gottesdienstes und die flammenden Worte eines gottbegnadeten Predigers, der ihnen Christus als den einzigen, wahren Retter und Reformer der Menschheit wieder in Erinnerung brachte. Im Verlaufe der Kongreßwoche folgten sich abwechselnd weltliche und kirchliche Feierlichkeiten. Jeden Tag Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten, Versammlungen in der Stadthalle mit Vorträgen über Anfang und Entwicklung der Kirche in Südafrika. Der zweite Kongreßtag war von besonderer Bedeutung. Der Bürgermeister von Kapstadt lud die hohe Geistlichkeit zu einem Abend in der Stadthalle ein, was von seiten des Staates eine ehrenvolle Anerkennung der Arbeit der Kirche bedeutete. Für Priester, Männer, Frauen und Kinder waren in der Kongreßwoche besondere Veranstaltungen festgesetzt. Die erhebende Feier für die Kinder verdient hier vor allem Erwähnung. In großen Scharen, Weiße, Mischlinge und Schwarze, in bunte Farben und Trachten gekleidet, zog das Jungvolk auf dem Festplatz ein. Während des Pontifikalamtes sangen die Kinder eine einfache, gut eingeübte Choralmesse. Den Höhepunkt des Kongresses sollte die eucharistische Prozession durch die Großstadt bilden, und mit gespannter Erwartung verfolgten die Kongreßteilnehmer die Wetterberichte. Den Mittwoch und Donnerstag hatte es gegen alle Wetterregel verregnet. Jeder wünschte von Herzen, es möchte dieser Triumphzug des eucharistifchen Heilandes in einer gottentfremdeten Stadt zu einem segenbringenden und lichtspendenden Ereignis werden. Wie zu erwarten, hatten unsere Widersacher in ihren Kirchen öffentliche Gebete angeordnet, damit Gott doch auf irgendeine Weise diesen Plan der „roomse Kerk" vereiteln möge. Am Sonntag, den 16. Jänner, erstrahlte Eucharistischer Kongreß in Kapstadt. Die Menge der versammelten Gläubigen harrt vor der Marienkathedrale auf den feierlichen Schlußsegen. (Kongr.-Archiv.) nachmittags die Sonne heller denn je vom wolkenlosen Himmel. Kapstadt sollte nun Zeuge einer so gewaltigen Glaubenskundgebung werden, wie sie nie zuvor in seiner Geschichte stattgefunden hat und wohl auch für lange Zeit nicht mehr stattfinden wird. Die Hauptstraßen wurden für die Prozession freigemacht, der Großstadtverkehr von Dutzenden von Verkehrspolizisten auf ein Mindestmaß beschränkt. Große Stille trat ein. Tausende und aber Tausende von Gläubigen, Klosterfrauen und Priestern zogen in wunderbarer Ordnung betend und singend in feierlich andächtigem Schritt mitten durch eine lautlose, neugierig zuschauende Menge, die sich zu beiden Seiten des meilenlangen Prozessionsweges ausgestellt hatte. Lautsprecher in der Prozession ermöglichten Einheit in Gebet und Gesang. Trotz des großen Ab- standes vom Ausgangspunkt der Prozession bis zur Kathedrale und der Gliederung in Viererreihen konnte sich der Zug nicht voll entwickeln, die Masse der Gläubigen war zu groß. In der Mitte des Triumphzuges befand sich das Allerhei-ligste aus einem in Gold und Silber glänzenden Prunkwagen, darüber gespannt war ein Traghimmel. Aus dem Wagen kniend hielt der Apostolische Delegat das Allerheiligste, zu beiden Seiten knieten Diakon und Subdiakon. Sechs Brüder aus verschiedenen Ordensgesellschaften, je drei auf einer Seite, hielten den Wagen ganz unauffällig in langsamem Gang. Vor der Kathedrale angekommen, begrüßt vom Schmettern der Posaunen und dem Brausen der Orgel, wurde das Allerheiligste auf einem hohen Altar ausgesetzt. Ein letztes feuriges Wort aus dem Munde eines großen Predigers an all die Andächtigen und Neugierigen erwärmte die Herzen für den, der verborgen wohnt unter Brotsgestalt im Sakrament der Liebe. Als der hohe Würdenträger das Himmelsbrot zum Segen erhob, klang noch der Wunsch des Predigers in unseren Herzen, es möge der verborgene Gott, zu dessen Ehre all die Pracht entfaltet wurde, doch immer mehr erkannt, geliebt und geehrt werden, vor allem hier in diesem Land, wo so viele noch in Finsternis und Todesschatten sitzen. Möge in Erfüllung gehen, was unsere Feinde befürchten, daß viele durch diesen Eucharistischen Kongreß Licht und Gnade finden zum ewigen Heil. P. A. Baum gart, F. S. C. Auf froher Fahrt. Von P. Pius Z eif a ng. (Fortsetzung.) Sonntag, den 28. November. 12. Reisetag. Advent! Wir sind gewohnt, daß es kalt ist, .wenn Advent kommt, wenn die Roratemessen gelesen werden. Wenn der Adventskranz angezündet wird, muß es dunkel sein draußen in der Natur. Und hier kann man sich gar nicht in Adventsstimmung versetzen. Es ist so schwer. Tiefblauer Himmel. 26 Grad Celsius schon vor Sonnenaufgang. Schwer brütet die Hitze auf betn Wässer. Man liegt im Lehnstuhl, weiß nichts anzufangen. Alles so schlapp unb müd ... — Im Speisesaal ist ein Adventskranz ausgehängt, und an unserem Tisch brennen Keczchen. Ein Gruß aus der Heimat sollte es sein, meinte cher Ober-steward, der in liebenswürdiger Weise das Ganze angeordnet hatte. Nachmittags sahen wir zum erstenmal Delphine. Die Kerle schwammen nur wenig unter Wasser, sprangen dann hoch und einige Meter dahin, tauchten unter und kamen wieder choch. Waren über einen Meter lang und bis vier Zentner schwer. Sie gingen immer vor unserem Dampfer her, ließen sich von den Wellen ersassen, spielten miteinander. Es waren so fünfundzwanzig Stück. Bon weitem sah man sie schon kommen. Wardein feines Schauspiel, bis einer nach dem andern richtig davonging, sich seitwärts ins „Gebüsch" schlug. Dann ging der Alltag weiter. Der Abend kam und mit ihm der Schlaf. Montag, den 29. November. — 13. Tag. Mein Gott, war das eine Hitze schon in aller Frühe! „Bon der Stirne heiß, rinnen ©Ueno, der Bildhauer, ©ueno, der Bildhauer von Rorovana auf den Nord-Salomonen, die von den Maristen missioniert werden, hat die Pariser Weltausstellung 1987 beschickt und wird auch auf der Vatikanischen Ausstellung des Jahres 1940 vertreten sein. Die Einwohner des an der Ostkilste von Vugain-ville gelegenen Ortes sind vor einem Jahrhundert aus Shortvand eingewandert. Sie haben bereits eine Reihe geschickter Bildhauer hervorgebracht. (Fides-Joto.) muß der Schweiß", könnte man heute als Motto nehmen. Müde und matt wacht man schon auf. Wie wird erst der Tag werden? — Um 10 Uhr heult plötzlich die Sirene: einmal, zweimal, dreimal. Was ist los? Alles springt. „Ein Mann über Bord?" Wir erschrecken. Aber nur keine Angst, es ist nur ein Manöver, eine Mannschaftsübung. Ein Rettungsgürtel schwimmt draußen, mit brennendem Licht versehen. Ein zweiter wird nachgeworfen. Das Schiff macht einen großen Bogen, fahrt langsamer. Ein Rettungsboot wird hinabgelassen: eine Nußschale gegen unser großes Schiff. Und doch die Hoffnung vieler bei Schiffbruch. Sie rudern auf den Rettungsgürtel zu, kommen ihm näher, fassen ihn. Der „Mann" ist gerettet, lebt noch, das Licht brennt weiter. Unser Schiss steht still. Die Wellen gehen noch auf und ab. Die.Möven haben sich darauf niedergelassen und lassen sich schaukeln. Das Boot hat sich zum Schiff hergekämpst und wird hochgezogen Die Schrauben fangen an zu arbeiten. Das Wasser schäumt und wallt. Langsam fährt das Schiff weiter. Draußen, weit draußen sieht man noch den Bogen, den unser Schiss gefahren, sonnenbeschienen. Dienstag, den 30. November. — 14. Tag. Um 6 Uhr früh lag unser Dampfer vor Freetown. Wir gehen an Deck. Sind nicht ganz am Land, 800 bis 1000 Meter oder noch mehr davon entfernt. Drüben liegt die Stadt, an einem Hügel gebettet, von Grün umgeben, wohin man schaut. Hier sind wirklich lachende, südliche Gefilde. Überall Palmenhaine. Nur schade, daß man nicht Zeit hat, stundenlang Zeit, um dieses Bild in sich aufzunehmen, in sich wirken zu lassen, bis es gleichsam in der Seele eingegraben ist. Aber es herrscht zuviel Abwechslung, zuviel Neues bringt auf uns ein. Nun ja, in die Stadt kommen wir noch, ein Motorboot von unserem Schiff wird uns hinüberführen. So schauen wir uns zuerst das Leben rings um uns an. Aus zwei riesigen Schleppkähnen wurden Kohlen an Bord gebracht. Riesige Mengen. Die Kohlen waren in Säckege- Wie der Melanesier die Erlösung schaut. Das Zeichen der Erlösung von einem Südsee-insll'laner — wohl von der San-Eristopal-Znsel herrührend, die zu den Süd-Salomonen gehört — hat verschiedene originelle Sonderheiten. Christus am Kreuz tritt mit seinen Füßen den von den Eingeborenen als Geist verehrten Fisch und trägt auf seinen Armen zwei nackte Kinder des Landes, Mann und Frau, die wohl Adam und Eva als Vertreter der erlösungsbedürftigen Menschheit darstellen. (Fides-,Foto.) füllt. Je zwei Neger faßten einen Sack an, hoben und zerrten ihn ein Stück hoch. Andere nahmen ihn ab, gaben ihn weiter, und so ging es bis in den Schiffsraum hinein. Dabei riefen sie sich immer zu, sangen auch etwas. Meist aber war viel Geschrei. Einige bekamen Streit, hatten aber ebenso schnell ihre Prügel vom Aufseher. So ging es bis zum späten Nachmittag. Zum Essen bekamen sie Maisbrei, den sie mit den Händen aus den Kesseln nahmen. Einige hatten auch Lössel. — Uns interessierten aber besonders einige Neger, die in ihren Einbäumen herangekommen waren. Sechs bis acht Kerle waren es. Sie kamen sehr rasch und flink voran und hatten dabei nur ein Ruder, das die Form einer Speerspitze zeigte. War höchstens einen Meter lang. Diese Kerle tauchten nach jedem Geldstück, das man ins Wasser warf. Ein Ruck, ein Aufklatschen des Wassers und sie waren verschwunden. Einen Augenblick noch sah man ihre weißen Fußsohlen unter Wasser, dann war Ruhe. Es dauerte oft lange, bis sie wieder hochkamen. Aber immer hatten sie das Geld in der Hand. Sie zeigten es lachend, so daß ihre weißen Zähne sichtbar wurden, dann steckten sie es in den Mund und schwammen aus ihr Boot zu, das durch den Sprung ins Wasser irgendwohin getrieben war. Manchmal sprangen zwei oder drei zugleich. Man sah dann an der Bewegung des Wassers, wie sie unten um den Besitz des Geldstückes kämpften. Wie sie nur so lange ohne Atem bleiben können? Denn oft müssen sie tief hinab. Sind sie wieder im Boot, so schöpfen sie das Wasser heraus. Dazu haben sie eine kleine Schale. Dann singen sie wieder. Zweistimmig! Es klingt nicht übel. Oft fingt einer vor und die anderen nach. Dazwischen wieder ein Ptunips ins Wasser. Sie winken und rufen und schreien. Einer sang immer: „Letdown (Laß herab; das Geld natürlich), let down, du mein Vergnügen, let down, let down, du meine Lust!" Wir waren erstaunt, als wir diese Melodie des Liedes „Stumpfsinn, Stumpfsinn, du mein Vergnügen!" aus dem Munde eines Negers hörten. Melodie und den freilich verstümmelten Text. Bis jemand erzählte, der Vater des Sängers sei einmal in Hamburg gewesen und dort habe er das Lied gehört. Daß es gerade dieses Lied sein mußte! Vergnügt saß er drunten im Boot, dieser Heldentenor in seiner Schar, und sang unermüdlich. Dabei hatte er sein kleines Ruder quer über das Boot gelegt und spielte darauf wie auf einem Klavier. Ein anderer hatte außer der Badehose noch Kragen und Krawatte an. Sie trieften vor Nässe, aber das schadete nichts. Sauber bleiben sie beide auf alle Fälle. Und verdienen tun die Kerle nicht schlecht. Einer konnte sich von dem Geld sogar eine Autoreparaturwerkstätte kaufen. Tatsache! Nun wurde es Zeit, an Land zu gehen. Diesmal führte uns das Motorboot des Dampfers hinüber, so daß es unentgeltlich ging. Aber heiß war es, furchtbar heiß. Tropenhelme hatten wir uns nicht gekauft. Was tun? Sportmützen schützen nicht so gut wie ein Hut. So nahmen wir den Hut, ein Taschentuch kam hinein und über den Nacken gehängt. Das schützte auch genügend. Also ins Boot, und hinüber ans Land. Drüben standen die Schwarzen dutzendweise da. Jeder wollte uns führen. Wir brachten sie alle davon ab bis auf einen. Der blieb bei uns und war nicht mehr wegzubringen. Und als ich eine Frage an ihn richtete, war es vollends aus. Wir gingen also in die Stadt hinein. Gerieten ins Eingeborenenviertel. Die Läden befanden sich eigentlich auf der Straße. Die Händler saßen vor ihren Waren, die am Boden ausgebreitet dalagen. Die Schwarzen waren in allen Farben gekleidet. Aber auch so, als ob sie alle Fetzen von alten Kleidern zusammengesucht hätten. Junge Mütter kamen uns entgegen, ihr Kind auf dem Rücken in einem Tuche tragend. Manche waren sehr fein und elegant gekleidet. Ihr Gang war dann auch so, daß sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen mußten. Unser schwarzer Führer war nicht dumm. Als ich einen Brunnen sah und trinken wollte, sagte er, er wolle Besseres zeigen und führte uns vor ein Hotel. Diesmal hatte er sich aber verrechnet. Nun kamen wir in die Mertel der Weißen. Man merkte es schon daran, daß die Straßen asphaltiert waren. Wir traten in die katholische Kirche ein. Klein, aber sehr nett und zur Andacht stimmend. Auch kühl war es hier. Das hatte auch ein Neger herausgefunden, der an einem der Nebenaltäre faß und schlief. Durch unser Gehen aufgeweckt, fing er schnell an, mit seinem Wedel weiterzukehcen und abzustauben. Da meine schwarzen Schuhe den Tropenanzug unten stark beschmutzten, wollte ich ein Paar weiße Schuhe kaufen. Auch dahin führte uns der Neger. Das heißt, er wollte uns führen, doch ereilte ihn jäh Der Gott der Jagd. Kalawe, „Kleiner Jäger" — Gott der Jagd — soll offenbar durch diese steinernen Ungetüme dargestellt werden. Die Jäger fähren vor diesen Fetischen Tänze auf und bringen als Opfer blutige Stücke ihrer Beute dar. Franziskanermissionären aus der Mission Lulua-Katanga in Belgisch-Kongo verdanken wir diese interessanten Zeugnisse einheimischer Kunst' aus Zentralafrika. (Fides-Foto.) das Schicksal. Denn auf einmal kam ein gut gekleideter Neger mit einem Rad auf unsern zu. Ein kurzer Wortwechsel, ein Zufassen — doch unser Führer ist mit einer Geschicklichkeit zurückgewichen wie ein Asse. Da winkt der andere einem schwarzen Polizisten und traurig und resigniert muß uns unser Führer verlassen. Wahrscheinlich war er von seiner Arbeit weggelaufen, um bei uns auf leichte Weife etwas gu verdienen. Nach langem Stichen fanden wir einen Schuhladen und die geeigneten Schuhe, eine Art Tennisschuhe, wie sie hier in südlichen Gegenden getragen werden. Nun gingen wir wieder zum Hafen zurück. Immer waren Neger da. So viele Nichtstuer habe ich im Leben noch nicht gesehen. Dann waren wir wieder an Bord. Um vier Uhr nachmittags waren endlich die Kohlen eingeladen. Unter Gesang zogen die Schwarzen auf den Kähnen ab. Wieder heulte die Sirene, rasselnd stiegen die Anker empor, die Maschinen ratterten, und langsam glitten wir an der Küste entlang. Wie ein Filmstreifen zog die Landschaft an uns vorüber, grün und verwirkend. Kurz vor der Einfahrt, die wir verließen, lag ein gestrandeter Frachtdampfer, der dem Land zu nahe gekommen war. Hilflos und drohend zugleich ragten die Masten noch aus dem Wasser empor. — Das Deck, die Schiffswand, kurz alles wurde nun gewaschen und vom Kohlenstaub gereinigt. So kam der Abend und die Sonne sank ins Meer, das auch uns wieder aufgenommen hatte. (Fortsetzung folgt.) Umschau. Erzieherischer Wert des Werkes der Glaubensverbreitung unter den Schwarzen. Jrebu (Betgisch-Kongo). Nach einem Wort des hl. Winzcnz von Paul hält bei uns in Europa alles den Menschen ab, sich nur einem kleinen Gesichtskreis zu verschreiben, und zwar die jahrhundertealte Geschichte des Ehristen-tums, die großen sozialen Gruppen, die modernen Erfindungen, die Leichtigkeit des Verkehrs, die Presse usw. In Afrika dagegen dient alles dazu, den Schwarzen in seinem Partikularismus zu bestärken, die vielen Sprachen, die Urwälder, die zu einer Absonderung der kleinen rivalisierenden Stämme führen, das engstirnige Heidentum . . . Davon werden auch die Christen angesteckt. Und gerade der Gkaubenssatz von der Allgemeinheit der Kirche ist den Schwarzen sehr schwer begreiflich zu machen. Ein Missionär von Mkoro in Belgisch-Kongo erzählt dazu zwei charakteristische Beispiele. Ein Schwarzer, der in Konzolo getauft war, verließ seine Heimat und kam schließlich nach Lukolela, wo er krank wurde. Niemand käm- merle sich um ihn, da er ein Fremder war. Der Missionär wollte ihn beichthören, aber der Sterbende weigerte sich, wiewohl er sonst guten Willen an Len Tag gelegt hatte. Hatte er Loch die Fran, unit der er unrechtmäßig zusammenlebte, fortgeschickt. Dem Missionär zeigte er sein sorgfältig aufbewahrtes Taufzeugnis, hatte aber auf alles Zureden immer nur die Antwort: „Ich bin in iKongolo getauft, aber nicht Sie haben mich getauft unit unterrichtet. . . Sie sind nicht mein Vater, und ich bin nicht Ihr ftitib . . . Mein Missionär ist in Kongolo; wäre er hier, ich würde sofort bei ihm beichten. Aber zu Ihrer Mission gehöre ich nicht und darum können Sie auch nichts für mich tun." Eine solche Auffassung, schreibt der Missionär, ist hier ganz gewöhnlich. Als die Bondji-Leute in Uumbi waren, rührten sie sich beim Besuch des Missionärs nicht, auch nicht als der '(Sung die Christen zur Kirche rief. Am folgenden Tage schwänzten sie regelrecht die Messe und abends, da alle Christen zum Abendgebet gingen, schritten die Bondji unter den Klängen des Tamtam zum Tanz. „Der Vater", sagten sie, „kam seine Kinder zu besuchen, meint ihr, er sei auch für uns gekommen? Unsere ,ta-ta' sind nicht hier." Hier kommt dem Werk der Glaubensoerbreitung. der Sammlung zugunsten aller Missionen der Welt eine erzieherische Bedeutung zu. Die Sammlung, so Nein sie sein mag, führt den Neubekehrten auf greifbare Weise die tatsächlich bestehende Allgemeinheit der Kirche vor Augen. So brachten in Numbi-bolobo, wo man ein Hauptgewicht auf hie Beweggründe legte, die eine solche Mitarbeit alter Christen rechtfertigen, alle eingeborenen Christen und Katechu-menen, Kinder und Erwachsene ihr Missionsopfer. Auch die 1937 von den Lazaristen in Bi-koro erzielten Resultate beweisen, bas; die Christen allmählich begreifen, christlicher Gemeinschaftsgeist verlangt nicht bloß Opferfreudigkeit, sondern eine universelle Opferfreudigkeit, die an den Grenzen von 64amm und Rasse nicht haltmacht. (Fides.j Buschmanns Missetat und Sühne. Will er seinem Vorbild nicht untreu werden, mutz der Missionär die Geelen suchen, wo er sie findet; er darf keine verachten, keine, auch wenn es die eines Schächers wäre, vom Paradies ausschließen, wenn nur der gute Wille da ist. Am 13. Jänner 1938 abends roiar es, daß der Buschmann Paulus feinen Frevel im Zentralgefängnis zu Windhoek mit dem Tod am Strang sühnte, Utk das kam so. Früh verwaist, ohne Geschwister und jeglichen Anhang, hatte er sich dort in der Kalaharisteppe auf das engste an seinen Stammesgenossen Kandora angeschlossen. Die Unzertrennlichen waren auf allen Jagd- und Streifzügen beisammen, nichts konnte ihre Freundschaft sprengen, sie wuchs in Augenblicken der Rot und Gefahr. Paulus war noch nicht 21 Jahre alt, und. Kandova hatte das 20. Lebensjahr begonnen, da kam das große Unglück. Paulus mag es selbst erzählen: „Mit Pfeil und Vogen waren wir wieder einmal in froher Stimmung ausgezogen, um das Jagdglück zu versuchen.' Erst gegen Sonnenuntergang mar es uns günstig. Auf einer Lichtung bemerkten wir säst gleichzeitig den friedlich äsenden Bock und ebenso schnell hatten wir beübe mit einem Vogenschuß das ahnungslose Mer erlegt. Bald' loderte ein lustiges Feuerchen; wir brieten, schmorten, aßen nach Herzenslust und waren über alle Maßen vergnügt. Da entstand ein ebenso kurzer als wilder Streit über die wichtige Frage, was mit dem Rest des Wildbrets geschehen sollte. Mein Freund war dafür, denselben am kommenden Morgen vor der Heimkehr zu verzehren, ich besta'nd unter allen Umständen auf sofortiger Verteilung. Und nun weiß ich kaum mehr, was kam — ich glaube, der böse Geist hat mein Herz verhärtet und meine Augen finster gemacht — ich nahm meinen Bogen und sandte meinem einzigen Freund einen vergifteten Pfeil ins Herz. Mit brechendem, vorwurfsvollem Blick sank er am Lagerfeuer um und starb unter meinen Augen. Erst nach geraumer Zeit kam ich zur Besinnung und starr vor Schrecken gewahrte ich, was ich angerichtet hatte. Meine böse Tat trieb mich in die weite, stille Steppe und ich fürchtete die Blutrache meiner Sippe. Fünf volle Monate Mn ich umhergeirrt und fand nicht Ruhe noch Frieden. Schließlich wurde das Verbrechen von meinen Stammesleuten entdeckt und der Polizei gemeldet. So wurde ich eines Tages im Busch aufgegriffen." Und nun steht der milde, greise Missionär, der if dkm so viel menschliches Elend und Herzeleid hier bei seinen schwarzen >Pflegsbefohle-nen angetroffen, vor dem zum Tod Verurteilten. „Paulus, wie kamst du darauf, mich rufen zu lassen, damit ich dich unterrichte und taufe? Du bist doch ein Heide?" ..Höre. Lebrer des Gebetes! Von deinen Leuten zogen zuweilen einige durch unser Gebiet; da habe ich mich einiaemale heranaesMichen. um su lauschen und zu iorschen. Ich habe gut züashört und manches ist in meinem Herzen geblieben. Willst du mir helfen, ein ©Brist zu wenden? Denn als Heide mag ich nicht sterben. Glaube es mir, es tut mir in der Seele web. dab ich meinen FreinG Kandora ermordet habe." Das Herz des Missionärs fubelte auf. Wie aern war er bereit, den reuigen Sünder auf die heilige Taufe vorzubereiten. Bedurfte doch das Todesurteil noch der Bestätigung durch den Generalgouverneur der Union, und da konnten Wochen vergehen, Ms diese kam. Paulus zeigte nrnüen ©Bei und erlernte rasch Me im’int= sächlichsten Lehren und die notwendigen Gebete. Mit großer Ehrfurcht und Liebe trua er den Rosenkranz um den Hals und hatte ein besonderes Vertrauen zur Gottesmutter. So nahte der Tao der Hinricktnna. Ilm fi Uhr früh wurde der sckilichte Altar in der Todeszelle au.-fqesckilooen. Paulus wurde aelauft und empfing während der heiliaen Messe mit rührender Andacht die erste heilige Missionäre als Straßenbauer. Die Missionäre sind nicht bloß Apostel, Künder der Erlösung, sie sind Handwerker, Gelehrte, Geographen, Arzte -und noch vieles mehr. Auf unserem Bild sehen wir einen Ma-ristenmissionär der Nord-Salomonen (SAdsee) be-1 schäftigt, durch Dynamit-sprengungen einer Straßenanlage vorzuarbeiten. (Fides-Foto.) Kommunion. Eine Weile noch beteten Priester und Neubekehrter zusammen, und dann versprach der Missionär, am Nachmittag wiederzukommen und seinen Schützling auf seinem letzten Gang zu begleiten. „Du bleibst bei itmi, bis >ich gestorben bin, I nicht wahr? Ich habe keine Angst, bin ruhig und zufrieden und nehme den Tod als Sühne für meine Missetat hin." Und so kam es auch. Um 6.30 Uhr schlug für Paulus die Todesstunde. Die Hände auf den Rücken gefesselt, ding er aufrecht, stark und funities wie ein Held zum Strang. Dem Missionär aber war es, als ob wieder die Worte vom Kreuz zu hören feien, heute gum armen Buschmann gesprochen: — „Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein." (Fides.) Mota Saheb? Von Erlebnis zu Erlebnis im Wunderland Indien. Bon Johann Baptist Müller, 8. J. (Fortsetzung.) Wenn früh an: Morgen die vollen Strahlen-garden öer unbarmherzigen Sonne durch die Bäume fallen, ist man bald wieder auf den Beinen. Von neuem beginnt öaä verzweifelte Ringen mit der unentrinnbaren Tageshitze. Nur halb erfrischt, muß man doch wieder Len ganzen Tag über ganze Arbeit leisten, um dann wieder eine andere schreckliche, drückende Glutnacht zu erleben. — Glücklicherweise sind die entsetzlichen Hitzemonate vor Lem Monsuni auch B-atb überstanden, und dann kommt mit dem einsetzenden Regen endlich Lie lang ersehnte Erlösung von den Quoten des Tropen sommers. 16. Ungebetene Sommergäste. Als hätte man nicht schon genug mit Len gewöhnlichen Plagen des Sommers zu tun, stellten sich einmal Lei mir auch andere, sehr unwillkommene, unliebsame Sommergäste, Lie * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Co. in Freiburg (Breisgau), Baden. mit Recht gefürchteten Trope n h o r n i f-f en, ein. Dieselben sind drei Zentimeter lang, oben dunkelbraun und unter dem Leibe hellgelb und viel verwegener, angriffslustiger und giftiger als ihre europäischen Verwandten. Gerade 'iuegen dieser ihrer Gefährlichkeit sind die Marmorfelsen am Narbada-Fluß bei der Garnisonsstadt Jnbbulpore, in deren Spalten und Rissen ganze Kolonien von Hornissen wohnen, so berühmt geworden. Dort sind nämlich schon viele Menschen, die zu nahe kamen, zu Tode gestochen worden. Kein Wunder, ibtiß die Eingeborenen einen solch heillosen Schrecken vor diesen Hornissen haben. In der Schuthofecke zwischen meinem Wohn-hause und der anstoßenden Kirche stand ein riesiger Eisenbaum (so genannt wegen seines harten Holzes), der mit seiner mächtigen Krone Haus und Kirche überragte. Nun gefiel es einem Schwarm solch brauner Gesellen, sich auf diesem Baume anzusiedeln und unter einem dicken Aste sein Nest zu bauen. So ein Hornissennest ist eine 10 Zentimeter dicke Wabe, die an der unteren Rinde d>es Astes in einer Sänge von etwa 76 Zentimeter befestigt und von einem Ende derselben bis zum andern in kreisförmiger Linie mit starkem Wachs ausgebaut ist, 'so daß das Ganze aussteht wie ein hängender halber Scheibeukäse. Dies eine Hornisseunest blieb aber nicht lange das einzige auf dem Baume. Andere Hornissen zog es auch zu diesem Baume hin, und in ein paar Wochen hingen schon acht Nester an den Ästen. Obschon nun die Hornissen hoch in der Baumkrone wohnten und ihnen niemand zu nahe kam, so schien sie doch alles, was sich unten bewegte, zum Angriff zu reizen. Wenn ich auch noch so langsam über die Terrasse zu meinem Wohnzimmer oder aus demselben zur Treppe ging, wurde ich doch immer von der einen oder andern Hornisse verfolgt. 'Sobald sich unten im Hofe dje Jungen im Spiele tummelten, war ihnen das auch zu viel, und sie fielen einzeln über sie her und jagten sie auseinander. Zum Glücke kam keiner dabei zu Schaden, und der bald einsetzende Monsum machte dem leidigen Terror ein Ende. Einige Waben fielen im Regensturm herunter, und die übrigen wurden leicht heruntergeholt. Der Baum war indes nicht vergessen. Er hatte sich den braunen Gesellen als ganz ideale Hochburg erwiesen. Bei Beginn des folgenden Sommers schwärmten daher die Hornissen in vermehrter Zahl in die Krone hinein, und in kurzer Zeit konnte ich zu meinem Schrecken schon 24 Nester zählen. Jetzt tour be die Sache aber doch Beben Hid). Ich konnte kaum mehr unbehelligt über meine Terrasse gehen, und im Hofe setzten die grimmen Unholde immer feindseliger den Schülern zu. — Eines Tages mußten die Schüler und Lehrer aus dem unteren Schulsaal, in welchem drei Klassen waren, jählings hinaus-slüchten. Was war geschehen? Ein Hornissenschwarm tmr hineingeflogen und hatte sich am oberen Ende eines Schultafelgestells niedergelassen. Was tun? Schleunigst mußten Türen unb Fensterläden geschlossen werden. Nach gegebener Weisung kroch mein Mali (Gärtner) in den Saal hinein, warf vorsichtig ein großes, lose gewobenes Sacktuch über den Köpftet! des Gestells, band es unten schnell zusammen und entleerte oben über das Tuch eine Flasche voll Phenhlsäure. An diesem Schoppen hatten alle unter dem Tuch versammelten Ausflügler genug. Das Tuch wurde losgemacht, und die ganze dreiste Gesellschaft fiel tot zu Boden, und was sich noch regte, wurde zertreten. Nachdem die so vernichteten Störenfriede hinausgeschafft waren, konnte die Schularbeit wieder beginnen. Morgens bei der heiligen Messe schwirrten Hornissen auch in der Kirche herum und beunruhigten die Gläubigen. Besonders aber in den Gottesdiensten am Sonntag verursachten sie viel Störung und Unbehagen. Einmal hätte es sehr schlimm werden können. Kommt da am Samstagabend der Sakristan gelaufen und sagt mir ganz bestürzt: „Swami, ich kann nicht zum Angelus läuten." — „Warum denn nicht?" — „Ja, oben am 'Glockenseil auf der Orgelbühne hangt ein ganzer Schwarm Hornissen! Wenn ich das Seil anrühre, werde ich. gestochen, und der Schwarm fliegt dann in der ganzen Kirche Berum, so daß morgen früh sich kaum einer hineinwagen kann." — Ja, da mußte unbedingt Wandel geschafft und flier Schwarm vernichtet werden. Zum Glücke war es schon dunkel, besonders in der Kirche. Mit einer Stange, an deren Ende ein petroleumdurchtränkter Lappen befestigt war, ausgerüstet, ging ich mit beut Küster auf die Orgelbühne, hielt bei schwachem Kerzenlichte aus einer kleinen Entfernung den Lappen an das Seil im Turme, und flier Küster hob ihn bis unter den Schwarm und zündete ihn dann mit der Kerze an. Sofort schoß eine große Flamme empor und' umhüllte gualmend den Schwarm, der gleich barauf wie ein ,großer Klumpen auf den Boden fiel. Schnell warf der Küster ein Mes Tuch darüber und zertrat alles, was darunter war. Nachdem er allen Unrat entfernt und den Boden gereinigt hatte, konnte er doch noch die Angelusglocke läuten. — Es war also wieder einmal gut gegangen. Das Treiben der braunen Flieger wurde schließlich doch zu bunt. Es mußte etwas geschehen, um sie los zu werden. Man riet mir, Leute aus dem Dschungel kommen zu lassen, die sich auf das Abnehmen von Bienennestern von den Bäumen verstehen. Das tat ich denn auch. Es kamen also am Abend um acht Uhr, wo es schon finster war, vier Dschungelmänner. Ich' versprach ihnen alles Wachs der Waben und noch einen guten Backschisch dazu. Sogleich' wurde eine starke Leiter an den Baum angelegt, und' einer der Männer, der sich Haupt und Hände gut verbunden hatte, stieg nun hinauf. Am ersten dicken Aste angelangt, kroch er denselben entlang bis dahin, wo er die unterste Wabe, die an einem Aste darüber hing, erreichen konnte. Wegen der Dunkelheit konnte ich ihn von meiner Terrasse aus kaum sehen. Er hatte feine Taschen voll Werg. Er nahm eine Handvoll heraus, zündete das Werg mit einem Streichholz an und hielt die allerdings schwache Flamme unter die Wabe. Aber nur zu bald erlosch die kleine Flamme. Dem Hornissenjäger aber war die Last vergangen, die Wabe noch mehr zu sengen. Er fing an, mächtig zu stöhnen und zu wimmern, und kam rutschend den Ast herunter. Die Hornissen hatten ihn gehörig zerstochen, und er war in Gefahr, herunterzufallen. Einer seiner Begleiter stieg die Leiter hinauf, nahm fleu Unglücklichen oben in seine Arme und brachte ihn behutsam hinunter. Dieser aber ließ sich' unten auf den Böden fallen und jammerte und stöhnte. Die drei Männer sagten entschlossen: „Saheb, diese Bienen sind uns zu gefährlich, — gegen die können wir nichts machen. Behalte alles Wachs und den Backschisch und laß uns gehen!" Damit hoben sie ihren Gefährten auf und trugen ihn heim. Hoffentlich ist er nicht infolge der Stiche gestorben! Es war nun klar, daß mit dieser Methode zur Nachtzeit ben Hornissen nicht beizukommen war. Hätte es in der Station eine Wasserleitung mit gutem Druck gegeben, dann wäre es mit Hilfe eines Feuerwehrschlauches ein leichtes gewesen, den Hornissen mit kräftigen Wasserstrahlen schnell den Garaus zu machen. Allein an diesem Hilfsmittel fehlte es ja gerdbe. Und bis zur Regenzeit durfte ich nicht warten. Die gefährlichen Stacheltiere mußten aber werschwinden um jeden Preis. Es war höchste Zeit. Da blieb nur das eine Radikalmittel übrig: den Baum umhauen! Dazu war die Zeit ja auch sehr günstig, denn die Maiserien hatten schon begonnen, und die Schule war geschlossen. Drei Männer machten sich flott an die Arbeit. An einem Tage wurde ein breites, tiefes Loch um den Baum gegraben und die biden Wurzeln durchgehauen. Am folgenden Tage wurde dem mächtigen Stamm mit schweren Äxten zu Leibe gerückt, 'so daß am Abend nur noch ein kleiner Teil des Jnnenholzes übrig war. Aber der Baum wankte noch' nicht. Während der folgenden Nacht wurde ich auf einmal durch ein lautes Krachen und einen dröhnenden Fall aufgeweckt. Schnell sprang ich -auf, und' siehe da, — der herrliche Baum stand nicht mehr. Ziemlich diagonal war er in ben geräumigen Hof gefallen un>d mit dem oberen Teil der Krone dicht neben die Zisternenmauer. Günstiger hätte er gar nicht fallen können. Bei genauer Besichtigung am Moren zeigte es sich, daß die meisten Nester durch en Fall zerdrückt unb alle Hornissen verschwunden waren. Sie haben sich auch' nie mehr sehen lassen. Es tat mir zwar leid um den schönen Baum, aber er mußte unbedingt geopfert werden, um endgültig von der Plage der lästigen stechlustigen Sommergäste befreit zu werden. 17. Ein unerwartetes Krokodilerlebnis. Ungefähr eine Viertelstunde Weges nördlich von meiner Station fließt der kleine Regenfluß Tapti .vorbei. Während der Regenzeit ist er ein reißender Strom und an dieser Stelle breiter als der Rhein bei Köln. An sich ist er ein unbedeutender Fluß, der bei Betul in den Bergen von Behar entspringt und bei Suvat an der Westküste in den Indischen Ozean mündet. Solange er vom Regenwasser hochgeschwol-len dahinranscht, tummeln sich in seinen Wogen viele Krokodile. Da ist es nicht geraten, zu nahe an sein Ufer heranzukommen, weil man leicht von einem dieser Ungeheuer weggeschnappt werden kann. Ein Freund von mir, ein englischer Ingenieur, hatte einen großen Neufundländerhund, der ihn auf seinen Abendspaziergängen zu begleiten pflegte. An einem Abend während des Monsums, wo eg gerade nicht regnete, begegnete ich ihm und war erstaunt, ihn ohne seinen Hund zu sehen. „Wo ist denn Ihr Hund?" fragte ich ihn, „ist er krank?" „Ach nein", erwiderte er mit bewegter Stimme, „den habe ich gestern abend verloren. Als ich drüben am Tapti mit ihm spazieren ging und er bald vor mir, bald hinter mir herumsprang, hörte ich auf einmal hinter mir einen jähen Schrei. Schnell drehte ich mich um und sah gerade noch, wie ein Krokodil mit ihm im Wasser verschwand." Sind einmal die gewaltigen Wassermassen Im Land der Chrysanthemen. Wie die Tulpe zu Holland, so gehört die Chrysantheme . zu Japan. Zwei Franziskanerbrüder aus dem Apost. Vikariat Sapporo, der eine Japaner, der andere Deutscher, sind gerade mit der Pflege der schönen, auch bei uns so beliebten Blumen beschäftigt. (Fides-Foto.) der Regenzeit verronnen, so sieht man vom Tapti nur mod) sein von User zu Ufer weit ausgedehntes felsiges Flußbett und ihn selbst in der mittleren Vertiefung als kleines Flüßchen mit spärlichem Wasser zwischen den Felsen sich hinschläugeln. In der Mitte .des Flußbettes gewahrt man bald rechts bald links die wie kleine Teiche aussehen und vorn Flüßchen gespeist werden. Das sind tiefe Tümpel, in denen sich die Krokodile .während der trockenen Jahreszeit auf galten. Über Tag kommen sie oft heraus, um sich aus den Felsen lang ausgestreckt zu sonnen. «Sie lauern dabei aber auch aus Beute. Da sie ganz regungslos daliegen und biegen ihrer dunkelgrauen Farbe unb des rauhen Rückens von den Felsen kaum zu unterscherden sind, so toerben sie Tieren und Menschen, die zum Tümpel kommen, um zu trinken ober Wasser zu schöpfen, sehr ge-sährlich. Sind diese nämlich nahe genug, dann gibt ihnen das Krokodil einen mächtigen Schlag mit dem Schivanze, daß sie ins Wasser taumeln, und hat sie daun im 9tu gepackt. Hat einmal ein solch ibreitschnauziges Krokodil Menschensleisch genossen, dann sucht es immer solches wieder zu bekommen. Diese Krokodile nennt man Muggur (sprich mög-ger). Weil das Krokod'illeder so geschätzt ist, geben manche Europäer daraus aus, sich ein schweres Krokodil zu erlegen, um sich aus seiner Haut ein .gutes Stück Leder gerben zu lassen. So kam eines Sommertages mitten in 6er brütenden Mittagshitze der Adjutant des Kollektors von Khandesch, der vor der Stadt sein Visilationslager ausgeschlagen hatte, Heraugeritten und brachte mir einen Bries von dem hohen Herrn, worin dieser mich brmgeub bat, schnell hinüberzukommen umb mit ihm an den Tapti zu fahren. Er habe den ganzen Morgen einen Subadar (= eingeborener Unteroffizier) am Flusse aufpassen lassen, ob sich ein Muggur aus den Felsen lege. Nun sei gerade .einer herausgekommen unö liege an der 'Sonne, und den wolle er sich schießen. Ich sagte gleich zu, und bald war ich draußen beim Kollektor. Der zweispännige Ponh-karren stand schon bereit. Der Herr legte seine Flinten hinein, wir stiegen aus. und im Galopp ging's an den Fluß. Der kleine Terrier, der born neben dem Fuhrmann saß, war außer sich vor Freud>e und bellte in einem sort. — „Den Muggur muß ich unbeb-mfit haben", sagte der sonngebräunte Kollektor, der als .guter Schikäri (— Schütze, Jäger) bekannt war, „denn ich will mir noch einige gute Krokodilledertaschen machen lassen, bevor ich Khandesch verlassen muß. Heute ist die Gelegenheit günstig, lind da ich dachte, es wäre für Sie als Naturw issenschastler interessant, ein solches Biest in nächster Nähe in seinem Bereich zu sehen, so habe ich Sie rufen lassen. Das Betreten der Felsen im Flußbette ist zwar nicht ohne Gefahr, im& wir müssen schon vorsichtig sein. Ich habe aber eine Anzahl Leute dorthin bestellt, die gut Bescheid wissen, unb ich bin sicher, alles wird gut verlausen." Es war gut, daß wir bald am Flusse anlangten, denn da der Karren auf einem Flurwege zwischen den Baumwollfeldern dahin-rollte, waren wir ständig in dicke Staubwolken gehüllt. Als wir abstiegen, wurden wir von einer Schar von dienstfertigen Eingeborenen begrüßt, die des Kollektors wegen einen besonders tiefen Salaam machten. „Wo. liegt der Muggur?" fragte der Kollektor den .Subadar, der zur 'Stelle war.. „Da drüben, Durchlaucht, aus dem langen Felsen hinter dem großen Tümpel", antwortete der .G.efragte, indem er mit dem Finger auf die Mitte des Flußbettes wies. „lind wo stelle ich mich am besten hin, um ihn gut treffen zu können?" forschte der Kollektor weiter. „Da vor dem großen' Tümpel aus dem Felsen, aus dem jener dicke Block liegt, Huzur. Da steht Eure Hoheit sicher und kann aus nächster Nähe zielen." „Gut. Sind. auch die Felsen und die kleinen Tümpel aus dem Weg dahin frei von Krokodilen?" „Ja, Huzur, da ist gar nichts zu fürchten." Nun wählte der Kollektor die vier stärksten Männer aus, die uns beide hinübertragen sollten. Je zwei derselben faßten sich ifeft die Hände, mtf die wir uns setzten, und mit den freien Händen hielten sie uns sest in der sitzenden Stellung und- trugen uns so recht behutsam durch das seichte Uf-erwasser, über die Felsen und die kleinen Tümpel hindurch zum bezeichneten Standorte. Daraus zogen sie sich schweigend zurück. Der Kollektor lud seine Doppelflinte schwersten Kalibers, beäugte dann den gegenüberliegenden Felsen und sagte zu mir im Flüstertöne: „Sehen Sie, da liegt er, — ein mächtiges Tier!" — Nur mit Mühe gelang es mir endlich, die Umrisse des Muggur zu erkennen, so sehr schien er ein Stück mit idem Felsen zu sein. Regungslos lag er da wie tot in seiner ganzen Sänge. Durch den Block gut gedeckt, legte der Kollektor an, zielte eine Weile unb- drückte los. Der Schuß -krachte gehörig und hatte an der richtigen Stelle leingeschlagen. Die Wirkung war großartig. Der Muggur regte sich nicht. Er war erledigt. Ein dicker Blutstrahl aus der Einschlagswunde hinter dem linken Ohr am Hals strömte in den Tümpel hinab. Der Sicherheit halber gab ihm der Kollektor noch einen zweiten Schuß, so daß noch mehr Blut floß. Der anigrissslustige Terrier bellte und bellte vor unbändiger Freude, sprang in den Tümpel und schwamm zum toten Muggur hinüber, stellte sich bor ihn Hin und klässte ihn mörderisch an. Wir aber ließen uns nach einer Weile aus einem Umweg zum gegenüberlie-gendeu Felsgrat tragen, um den Muggur näher zu untersuchen. (Fortsetzung folgt.)