Nw. 74. '^^^^^^^^^^ LaAcher ^RA Ztttung. Freytag den 16. Herbstm. Inländische Nachrichten. N)ien den IO. Hcrbsim. Se. Maj. der Kaiser haben d^s in Niederlnad liegende la Tourische Dragoner Regiment zum Chevaurlegers Regiment gemacht, und man Versichert, daß Koblirg Dragoner nach der böhmischen Krönung nach Niedelland ab-warschiren, und allda in Garnison verbleiben solle. — Statt des Milirten Hos-raths v. Matthauer ist ben der Hosrechenkammer über die Münz-und Bergwesens Hofbuchhalterey der Hofbuchhalter v. Weigert zum Hosrath ernannt worden. — Der Graf v. Fries und Kompagnie haben die Qchsenliefelung in die hiesige Residenzstadt auf 6 Jahre erhalten. — Den 29. August ist der f. k. Internunziaturs - Doll-wttscher Timoni mit den türkischen Rati-fikazions - Instrumenten des am 4- August NM der Pforte geschlossenen Friedens hur eingetroffen. Die fererliche Auswechslung dlrsllbtn ist zu Szisiow den 23. August vor sich gegangen. — Man sagt, baß bey der Zusammenkunft der Monarchen, unter andern auch die römische Königswahl auf Se. königl. Hoh-it den Erzherzog' Franz festgesetzet worden, und dieser einer der vorzüglichsten Artikeln der vor» gekommenen Gegenstande gewesen wäre.— Die neuen Polizeudirekteurs /md bereits von Sr. Majestät dem Kaiser selbst ernannt worden, derselben Amtsverrlchtun-gen werden schon mit halben Weinm. ihren Anfang haben, lmd wie n^an vernimh so werden unter jhre Direlzion auch die Markt - Kvtrn issails und Giundrichter zu stehen kon inen, wie sie denn noch förder-jan st, nebst andern mehreren Polizeyge-gensiänden auf dic Backer, Fleischhacker, ,n,d derler, Gtwerben in Zillbetracht der Qualität der Waaren, und des Gewich« t s ein olc«cl>tsames Aug haben sollen, um das Publikum vor allen Betrug zu schützm, der Magistrat wirb al o von manchm aufgehabten Verrichtungen in ZMlnft enthoben seon, zugleich wird die Poli;eywa-che um 50 Mann , vermehret, den Regimencern ist schon der Auftrag gemacht worden, Haldinvallden jedoch von guter Aufführung ben eigener Dafürhaftung abzugeben , auf den Gründen werden mich zur Unterbringung der Polizeywache die erforder ich« Gebäude hergestellet. — Der Herr Hofrath von Eder hat Sr. Majestät dem Ka ser noch vor Dero Abreise nach Prag, über die von dem Qoeroer-walter Pfiug abgelegten Proben im Mahlen und Backen, Bericht abgestattet.' Da dem Staate hieran sehr viel gelegen seyn muß, so hat der Monarch nicht nur dem Hofkriegsrathe, sondern auch der Landesregierung und der Hofrechenkammer aufgetragen , die Sache auf das genaueste zu untersuchen; weil Se. Majestät Willens sind, Ne gleich nach Dero Zulückkunft aus Böhmen in Vollziehung setzen zu lassen. — Se. Majestät wünsch^ nichts so sehr / als alle Gebrechen kennen zu 1er« nen, die etwa in den Einrichtungen der Verschiedenen Qesierreichischen Provinzen noch vorhanden seyn mochten. Höchstdie-selben sollen daher gesonnen seyn, aus jedem Lande einige einsichtsvolle Geschäftsmanner nach Wien zu berufen, welche alles dasjenige, was einiger Abänderung oder Verbesserung bedarf, freynutthig anzeigen , und zugleich nach ihrem Ermessen die öfentlichen Hülfsmittel vorschlagen sollen. — Man sagt au.h, daß der Antrag seo, statt des allgemeinen Krankenhauses in Wien, in jeder Vorstadt ein besonderes zu errichten, weil man aus Uiberzeu-gung es nicht für rathsam halt , das menschliche Elend auf einen Haufen oder Klumpen zusammen zu tragen, sondern für weit besser es in kleinere Massen abzutheilen. — Se. k. k. Majestät haben dell hofkriegsrathlichen Protototlistens - Adjunkten , Joseph Alaray, in Rücksicht auf seine ehehm in Toskana bey dem Milttare gelüsteten, und nun bey dem Hofkriegs« rathe über 20 Jahre fortgefetzte nützliche Dienste, sammt allen seinen Erben und Nachkömmlingen beyderley Geschlechts, mit Nachsicht der Taxen, in den ungarischen Adelstand allergnädigst zu erheben geruhet. Prag den 7. Herbstm. Nach oeM am Z l. August gehaltenen feyerlichen Einzug? in Prag haben II. MM. und die gesammte k. k. Familie am 1., 2., und Zten Herbstm. an offener Tafel gespelset, wozu jedesmal bis loc) Personen vom Range geladen waren. — Den 2. nach der Tafel begaben sich sämmtliche allerhöchsten Herrschaften nach den sogenannten pecsianischen Jahrmarkt. Abends er? .schienen Sie, im Aitstadter Theater/ wo ^Oper gegeben wurde. — Am 3. war im -Spanischen Saale Hofball. — Die Huldigung des Königreicks ist am 4. Hrrbstm. auf folgende Art vor sich gegangen. — Früh um 7 Uhr besetzseu zahlreiche Deta-schemente Karabinicr die verschiedenen Plätze der Prager Städte , und besonders den Schloßplatz. — Um 9 Uhr erhoben sich Se. Maj. aus Dero Zimmer, und begaben Sich unter Paradirung der Garden in das Oratorium nach der Schloßkirche. Bey dem Zuge dahin giengen zuerst die k. k. Edelknaben; diesen folgten die Herren Landstände des Herren und Rltterstandes von Böhmen und Mähren, der Klerus, die Kämmerer und die geheimen Räthe. Alsdann gieng der erste k. k. oberste Höft Meister, welchem der Obersilandmarschall mit dem blossen Schwert folgte. Unmittelbar darauf kamen Se. k. k. Maj. wit bedecktem Haupte, imd darauf der k. f. Ob>rst!andeskammerer und die Gardehaupt-leute. — Nach dcr Ankunft Sr. Ma). im Oritorio lfqse der Oberstlandmarschall das Schwert auf einen da stehenden mit rothen Sammet bedeckten Tlsch, und begab sich auf den langen Gang, auf welchem die Minister, der Fürsterzbischof mit dem Domkapitel mid Infulinen, und die Stande, so viel der Raum fassen konnte, sich befanden. Es wurde das: Romm heil. Geist Von dem Domdechant mit der Hofmusik angestimmt. Bey dem Hochamte wurde Sr. Maj> das Evangelienbuch Zum küssen, nach dem Osscrtorium das Inzenslun, während des Agnus Dei das Poutifikale und der Weihsprengel dargereicht, wobey jedesmal der k. k. Hofzeremoniar vortrat. — Nach dem Hochamte nahm der Oberstlandmarschall wieder das Schwert vom Tische, das in der Kirche befindliche Gefolge ging den vorigen Weg zurück. Se. Maj. verfügten sich in den grossen Saal vor der Landesstübe. — In diesem Saale war ein reicher 2 Sttlffen hohcr Thron auf einer überdeckten Bühne , und auf demselben stand ein Armsessel von reichem Stoffe. Auf der linken Seite des Throns war eine Bühne zubereitet, auf welcher die höchsten Herrschaften der Huldigung unbemerkt zusehen konnten. Gegenüber war eine erhabene Kanzel mit rothem und weißem Tuche behängen, für einen Gubernialsekretar und einen landtäflichen Kanzleybeamten besiimt. Se. k. k. Maj. setzten sich mit bedecktem Haupte auf den Thron; rings umher und lm Saale nahmen sämmtliche Hof - und L^ndesbeamte, die hohe Geistlichkeit und die übrigen standischl'n Dcputirten die ihnen angewiesenen Stellen ein. — Der Qberstlandhofmeister neigte sick ehrerbietigst geg.n Se. Maj. und hielt im Namen Sr. Maj. an die Herren Stande eine kurze Rede in böhmischer Sprache, woraus der Oberstburggraf ebenfalls in böhmischer Sprache antwortete. Der Oberste Kanzler näherte sich sodann Sr. Maj. und auf erhaltenes Zeichen / um den Herren Ständen den Erbhulbigungsvortrag zu machen, verfügte sich derselbe wieder an seinen Play, linö vollzog in böhmischer Sprache den allerhöchsten Auftrag. Endlich geruheten S'e. Maj. die Herren Landesstande in deutscher Sprache anzureden , der Qberstburggraf aber dankte dafür ehrfurchtsvoll im Name« der Herren Grande. Endlich wurde von der Kanzel hurch einen Gubernialsekretair und einen landtäfiichen Kanzleybeamten, ilt böhmischer und deutscher Sprache, die Erb-huldigling abgelesen, und sowohl von delt böhmischen Standen, als den mährischen Deputaten nachgesprochen. Die der böhmischen Sprache kündigen sprachen in der böhmischen, und übrigen ständischen Mitglieder in der deutschen Sprache den Eid nach. Der böhmische wurde zuerst, und nachher der deutsche abgelesen, wobey die Weltlichen die 3 Finger der rechten Hand in die höhe hielten, die geistlichen Stande aber die rechte Hand auf die Brust legten. — Nach geendigtem Eide statteten sämmtliche Stande zugleich mit einer tiefen Verbeugung ihren unterthänigsten Dank ab. Se. Moj. erhoben sich dann vom Throne, und verfügten sich mit eben der Begleitung, wie bey dem Eintritte ilt Höchstdero Zimmer. — Des Abends war die ganze Stadt auf das herrlichste beleuchtet. — Die Krönung ist mit allen dabey üblichen Feierlichkeiten am 6. Herbst-monats vollzogen worden. Eine Beschreibung dieser Handlung wird nächstes nachgetragen. Arünn ben 7. Herbsim. Es ist auf ausdrückliches Bitten der böhmischen Stände geschahen, daß Ihro Majestät die Kaiserin sich entschlossen haben , sick zu Prag gleichfalls krönen zu lassen. Dieß zieht die Folge nach fich , daß , wenn Ihro Majestät die Kaiserin eine Wittwe würden , djp böhmischen Stande gehalten sind/ Höckstdknselben einen anständigen Unterhalt auszuseyen, welchen sonst ejne nicht qe« frönte ssönigin bloß aus der f. f. Familienfasse bczieht. — Man spricht noch stets von Armeen, die gegen den Rhein niarschiren sollen. " Es ist sicher, heißt " es, daß vermöge der mit Preußen ge-" schlossenen Allianz 1)as deutsche Reich " eingeladen werden soll , ein doppeltes " Kontingent zu den gegen Frankreich auf-" zustellenden zwey Armeen stoßen zu " lassen. Die Anzahl der in den k. k. " Niederlanden vertheilten Truppen be-" tragt 45QQO Mann. Von diesen glaubt " man 25OQO Mann entbehren zu kön-^ nen , um sie von der Seite der Festung " Luxemburg einbrechen zu lassen , da " indessen der Uib?rrest als Besatzung im " Lande bleibt. Mit dieser Armee sollen " sämmtliche im Clevischen Gebiete und " im Westphalischen Kreise verlegten preu-" ßischen Truppen sich vereinigen. In " der Gegend von Freyburg in Breisgau " wird sich die zweyte Armee zusammen " ziehen , die aus lc> deutschen und '0 " ungarischen oder Kroatischen Batallio-" nen, dann »o Eskadronen Qesterreichi-" scher Reiterey, endlich aus dem doppel-" ten Brandenburgischen Kontingent, und " jenen der Bayerschen, Schwäbischen, " Fränkischen und Oberrheinischen Kreise " bestehen wird. Fünf Preußische Regi-" menter sotten zu dem Ende über Nachod ^ durch Böhmen marschiren. Die Khur« " hannöverschen und Braunschweigischen " Truppen , nebst jenen der beyden Sach-" slschi'N Kreise werden ein besonderes Aorps " xur Verstärkung oder Ergänzung der 2 " Armeen formiren, und sich bey Worms " Versammeln. „ Wollte man diese ziemlich umständliche Beschreibung auch für ganz gegründet und ausgemacht gelttn lassen , so darf man doch nicht denken, daß der Marsch der Truppen sogleich und in aller Eile vor sich gehen werde; denn da alles dieses große Zubereitungen und nc'he-re Verständnisse mit den Reichskreisen erfordert, so kann vor dem künftigen Frühjahre Von einer wirklichen Vollziehung noch gar keine Rede seyn. Inzwischen hat der k. k. Minister in Paris, Graf v. Mercy Argenteau Befehl , die Uibergabe der so genannten Konstituzion , und den Entschluß Ludwigs abzuwarten, und dann dem Grafen von Montmorin die Forderungen der verbundenen Machte zu wissen zu machen. Ihn werden zu gleicher Zeit die Spanischen , Englischen und Sardinischen Gesandten mit einer ähnlichen Erklärung von Seiten ihrer Höfe unterstützen. Die Antwort hierauf wird alsdann die weitern Maaßregeln bestimmen. Wie man hört/ ist allen unsern Regimentern ein Zug nach Frankreich «ine erwünschte Sache.