Nro. 52. ' ^^«i4N45^ LWllchet «Mi ^euung. Freytag den 1. Heum. 1792. Inländische Nachrichten. N)ien den 25. Brachm. Die Erzherzogin Maria Ludyvika Tochter Setner K. H. des Er her ogs Fran^, aus der «rsien Ehe , ist, nachdem Sie das Alter von 16. Monaten und 5 Tagen erreicht hatte, in der Nacht vom 23. zum 24. d-M. zum tiefen Leidwesen des Hofes, und allgemeinen Trauern des Publikums, verstorben. — Das hier garnisonirende Re-g'mem Preiß hat Ordre erhalten, sich in marschfettigen Stand zu setz«n, und dle Schiffe zur Transportirung desselben lugen am Ufer der Donau bereit. — Nach den neuesten Berichten aus der österreichl-schen Niederlanden ist die Huldigung dcr Stände auf die feyerlichste Art vor sich gegangen. — Ein heerschaftlicher Jäger lustwandelte mit seinem Mädchen im trautesten Einverständnisse im Prater , als sich gahlings das Gesprach des Madchens dahin knktt, daß fit sich seims ftrnern Umganges entledigen müßte. Eifersucht, und Rache entfiamten augenblicklich das Herz des Liebhabers. Er brachte dem Madchen 4 gefährliche Stiche bey. Qb sie gleich nicht auf der Stelle todt blieb, so ist doch kein Anschein zu ihrer Rettung übrig. Die Wache hat sich der Person des Grausamen alsogleich bemächtiget. — Der Fürst Aloys Lichtenstein befindet sich wirklich beßer, seitdem er sich der Heilsmittel eines oberösterreichischen Bauermans bedienet. Die scheinbar möglichsten Wir» klingen, die man bey dieser eingeschlagenen sonderbaren Kur täglich verspüret, lassen die vollkommene Herstellung dieses allgemein geliebten Fürsten erwarten. — Die österreichischen Landstände haben wieder, wie einst den Strassenbau, der durch die Pachter fast in Verfall gerathen, übernommen. Dieser neuen Wegdirekzion ha-bm Se. Mai. aufgetragen, bn) Anstellung bis'nöthigen Perlonalis besonders auf die im Felde gediente, und in Nedukzion gefallenen Beamte vor,«glichen Bedacht zu nehmen. — Blanchard hat nun die Erlaubniß erhalten seine 4Ote Luftfahrt im Prater unternehmen zu dürfen. Auf allerhöchsten Befehl wird dem Publikum bekannt gemacht werden , daß dasselbe, falls auch dieser Versuch wieder mißlänge, an diesem Tag durch ein prächtiges Lust-feyerwerk vom Stuwcr entschädiget werden soll. Uiberhaupt ist Blanchard hier sehr widrigen Zufallen unterworfen. Erst vor zwey Tagen sind ihm plözlich in seiner Hütte zwey mit Vitriolöl gefüllte Faßer zerplazet, ein Schade, der für ihn bey seinen übrigen Unglück äußerst empfindlich ist. — Sonntag und Montag war in Lavenburg Beleuchtung, und Feuerwerk, wo;u jederman der freye Zutritt gestattet worden. Ihce Maf. die Kaiserin findet ein besonderes Wohlgefallen an kleine« deutschen Opern. Man gab daher zweymal den Faßbinder, und den Deserteur. In beyden Singspielen hat sich Hr. Weidmann durch seine Laune ganz vortrefflich ausgezeichnet. Er erhielr von der Monarchin nebst dem höchsten Beyfalle eine prachtige goldene Dose zum Geschenke. — Das Regiment Graven soll in der Gegend Von Mitrowiz das Lager blichen. — Der Herr Qbristhofmeistcr Fürst v. Starhem-berg ist auf seine Besitzungen gereiset. — Man versichert, daß hier ein berittenes Poli^eykorps, dessen Nothwendigkeit täglich Vor Augen lieget , ehestens errichtet werden soll. Auch sollen , wie sonsten bey Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Theresia Zeiten war, die Patrouillen die Nacht hindurch immer einander entgegen gehen, welches dann die Kav.illerie - Pi-quets auf der Chausse thätig zu bewirken haben sollen. <— In der Iagerzeil wohnt in dem Hause zum grünen Kran; ein Frenlder, Namens Iohan Michael Schopp, von Haltenwang aus dem Brisgauilcheli gebürtig , welcher als ein auf beyden Füssen strupirt, und zum gehen unfähiger Mann einen kleinen Wagen selbst erfunden und verfertiget hat,desgleichen noch nicht gesehen worden, und mit welchem er ohne Pferd und anderer Hülfe bequem des Tags 7 bis 8 Stunden Berg auf und ab reisen kann. — Es ist hier ein Webstuhl erfunden worden, der durch fliessendes Was« ser, oder in Ermanglung dessen durch eine vom Erfinder anzugebende Maschine getrieben wird, und alle Arten Gespünnsten, als Wolle, Baumwolle, Leinen, Seide :c. so gut als immer eine menschliche Hand von sich selbst webet. Bey dtesem Webstuhle können füglich 8 Stück mit einem Rad in Bewegung gesetzet , alle 8 von einer einzigen Perlon versehen, und damit in einem Tage mehr ausgerichtet werden, als eben so viele Webergesellen in der nämlichen Zeit zu arbeiten nicht im Stande sind. Der Erfinder hat auch eine Landwirthschaftsmaschine erfunden, mittels welcher steinigte Felder von den gröbsten und schädligsten Steinen leicht und bequem mehrere Schuhe tief nach und nach gereiniget, und somit urbar gemacht werden können. Brunn den 22. Vrachm. Es schei« nen zwar die letztern aus S ißtow eingegangenen Berichte ganz beruhigend zu senn; dennoch aber wird auf k. k, Seite, selbst auf Einrathen des Freyherrn von Herbert mit allen Vertheidigungsanstalten fortgefahren , die in der Geschwindigkeit möglich sind. Das nähere werden Se. Maj. der Kaiser nach D?ro Zurückkunst bestimmen. Eine Abtheilung der in Wien befindlichen Pontomners ist eiligst nach Belgrad abgeschifft worden, und verschiedene Offiziere von der Artillerie, nMt Bombardircrn, sind ihnen seitdem nachgefolgt ; wie denn nächstens nock 4 Kompagnien Artilleristen dahin abgehen sollen. Das Regiment Belgiojoso hat gleichfalls in aller Eile von Temeswar nach Orsova, und das Wallachisch - Illyrische Gren.re-giment nach Lladova aufbrechen müssen. Prcßburg den 22. Brachm. Um unseren Lesern von den Truppenmarschen und übrigen Bewegungen, die dermalen vor sich gehen , nichts vorzuenthalten, wollen wir alles, so wie es uns wissend ist, mittheilen. Der auf die Regimenter, welche nach der untern Grenze zu mar-schiren haben, sich erstreckende Befehl lst für bas hier in Garnison liegende E. H. Ferdinandische Regiment am verflossenen Freytag um 9 Uhr Abends mittelst emer ' Gtassette hier angelangt, worauf am folgenden Tage sogleich die nöthigen Vorkehrungen zur Abreise getroffen wurden. Die Herbeyschaffung der Schiffe besorgte der Hr. General von Magdeburg , wel» cher hier anwesend war. Morgen wird also dleses tapfere Regnn mt von hier nach den untern Grenzen abfahren. — Eben diese Woche hat auch das in Pest gelegene Infanterieregiment Iordis den Marsch bereits nach den unteren Gegenden angetret-ten. Das in Ofen liegende Regiment Laterman rückt ebenfalls ab. — Das Regiment Alvinc y ist schon am io. d. von Belgrad aufgebrochen, und hat seinenMarsch nach Weißkirchen genommen, wohin der Hr. FeldmarschM und Ftsiungskomman-dant lu Belgrad, Graf v. Wallls, ebenfalls abgegangen ist; die in Semlln gelegene Fuhrwefensdivision ist aber nach Orsova ftbmarfchitt. Vier in Siebenbürgen gesiandene Negimeeter sind nach der Wal-lachn) vorgerückt, deren Platz die aus Ungarn marschirende Regimenter ersetzen sollen. Ein Theil dieser Truppen ist.bestimmt dcn Posten bey Kalefat zu verstärken, Auf gleiche Art sollen auch alle übrigen Posicn verstärket werden. — Vermöge allerhöchster Entschließung wird künftighin eine Iournalpost von Mausenburg über Kürlsburg und Temekwar bis Wien gehen. Gent den 9. Vrachm. Gestern kam ein Bürger aus dem hiesigen Zuchthause, welches unter der Verwaltung/ eines gewissen von Rossmi steht. Dieser Mann stand ehedem als gemeiner Soldat bey Clairfait, ward in der Folge Feldwebel, Adjutant und Lieutenanr, und kommandirte nachher wahrend der Revolution die hiesigen Patrioten. Obgchachter Bürger erzählte einem Soldaten von der hiesigen Besatzung, daß seit der Entfernung des Generals der Patrioten, Baron Köhler, in dem Zucbthause eine Menge Waffen und Mumzion aufbewahrt würden. Auf die An;eige hievon schickte der General von Corty sogleich einige Mannschaft mit dem Generalprokurator und zwey Beamten da» hin, die aber die Thüren verrammelt fanden. Es wurden noch lovo Mann mit den Zimmerleuten des Regiments nach dem Zuchthause beordert , die nach und nach 28 Thüren erbrachen. Man fand daselbst einen erstaunlichen Vorrath an Monti-rungssiücken , Dreypf, nder, z^oo Flinten, und 85OdO scharfe Patronen. Der van Rossem wurde sogleich nach der Citadelle gebracht. Petcrwardrin den 12. Vrachm. Der Marsch ter vorrückenden Bataillone geht zuerst bis WeisNrchen , woselbst sie djj l weitere Order abwarten müssen. Gchcch tzat bas Regiment Alvin;y seinen Marsch von Belgrad aus, nicht nach der äußersten Grenze, wie -lös« in de« von Kleinmayerschen Buchhandlung ausgegeben.