rssrsi EhmstoHh von Naubsv Bischof, Krieger und Staatsmann (1466—1536.) Mit Aorträt urab Icrcfirnile. Ein Geschichtsbild von V» non Radios. Separatabdruck aus der „Ästerr.-Ung. Revue", XXVII. Land, Heft 1 und 2. Wien 1900. Verlag der „G jterr.-Ang. Revne". rssrsi .»» Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Kauber. (1466—1536.) Mit Porträt und Facsimile. Laibach. Von P. v. Radios. nter den Rathgebern der beiden Kaiser Maximilian I. und Ferdinand I. spielte eine der hervorragendsten Rollen der aus Kraiu gebürtige Herr Christoph von Räuber, der sich in den drei gleich wichtigen Stellungen im Staatswesen, als Kirchensürst, als Feldherr, als Staatsmann, um Dynastie und Reich hohe Verdienste erwarb, wodurch er zugleich seinem erhabenen Wahlspruche „dPartam, guam uaetus 68, orua"Z in glänzendster Weise gerecht wurde. Nach den Aufzeichnungen seines berühmten Zeitgenossen und Landsmannes, des Diplomaten Siegmund Freiherrn von Herber¬ stein, des „Wiederentdeckers Russlands" — wie er ob der Heraus¬ gabe der Geschichtsbücher Nestors und seiner eigenen cultur- geschichtlich so wertvollen Werke über Russland genannt wird — wurde Christoph von Räuber im Jahre 1466 in Kraiu geboren und zwar als Sohn des Niklas von Räuber und dessen Gemahlin Dorothea ans dem Geschlechte derer von Lueg, der Besitzer des heute fürstlich Hugo Windisch-Grätz'schen Höhlenschlosses Lueg, unweit der weltbekannten Adelsberger Grotte in Jnnerkrain, in welcher sagenumwobenen Burg kurz vorher der Ritter Erasmus Lueger die oft beschriebene romanhafte Belagerung seiner Feinde, deren Aus¬ hungerungssystem er durch monatelanges Herbeischaffen von Victualien auf unterirdischem Wege aus dem benachbarten Wippacherboden zu¬ schanden machte, ausgehalten hatte, bis er durch Verrath eines Dieners endlich den Tod gefunden. Christoph von Räuber hatte einen Bruder namens Leonhard, stiftischen Hofmeister zu Krems (1514—1520), und eine Schwester Margarete, die sich mit Friedrich, einem Sprossen des berühmten Geschlechtes der heutigen Grafen Brenner vermählte. Christoph von Räuber wurde nach Absolvierung seiner Studien au den Universitäten zu Wien und Padua an letzterer zum y Manuscript der k. und k. Fcimilien-Fideicommissbibliothek in Wien, XI4X, Nr. 42. 1* 4 Nadics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. Doctor promoviert und kam frühzeitig an den kaiserlichen Hof zu Wien, wo er wegen seiner auffallenden geistigen Begabung und seiner sonstigen vortrefflichen Eigenschaften gar bald hohe Gunst erlangte, so dass der dem Lande Kram besonders wohlwollend gesinnte Kaiser Friedrich III., der Stifter des Laibacher Bisthums, nach dem Tode des ersten Bischofs daselbst, des Sigismund von Lamberg (1488), keinen Geeigneteren an dessen Stelle zu setzen wusste als den jugend¬ lichen Christoph von Räuber, den er sofort zum Bischof von Laibach ernannte. Da dieser jedoch bisher die Priesterwürde noch nicht empfangen hatte, musste das Bisthum einstweilen für ihn durch einen Stellvertreter administriert werden, und es erscheint als Administrator der Bischof von Biben (Pedena) in Istrien, Georg Maninger von Kirchberg, zugleich Beneficiat des Hospitals in Laibach?) Nachdem man volle „vier Jahre mit Rathschlägen zugebracht", ergieng unterm letzten Feber 1493 dnrch Dispens Papst Alexanders VI. der Befehl, „es solle Christophorus dem verstorbenen Sigismundo im Bisthum folgen," und Räuber wurde am 14. Juli 1493 zum Priester geweiht und wieder nach vier Jahren (1497) zum Bischof ordiniert sowie mit der Leitung des Bisthums betraut; auf d'ie welt¬ lichen Einkünfte hatte aber schon von 1493 her über kaiserlichen Auftrag ein Verwandter Christophs, der Hauptmann von Triest, Herr Caspar von Räuber, „ein wachsames Auge anstatt des Jünglings."?) Fürstbischof von Laibach, Stiftsadministrator von Admont und Bisthumscoadjutor von Seccau. Hatte Christoph von Räuber als Fürstbischof von Laibach und dann als Stiftsadministrator von Admont und Bisthums¬ coadjutor von Seccau, bedingt durch seine häufigen diplomatischen Missionen und kriegerischen Expeditionen, durch längere Aufenthalte am kaiserlichen Hofe in Wien und durch seine Statthalterschaft von Niedervsterreich, seine gewöhnliche Residenz weder in Laibach noch in Admont oder Seccau, so begegnen wir dem in seinem ganzen Wesen her¬ vorragend versatilen Cavalier trotz der so schwierigen Communications- mittel seiner Tage bald da, bald dort an den Orten seiner dauernden oder 9 Valvasor, Ehre des Herzogthums Kram, II, S. 680. 9 Valvasor ebenda, S. 660. Radies. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. 5 wechselnden Bestimmungen, somit auch an den Sitzen seiner geistlichen Oblie¬ genheiten. Er war eben nach Art außergewöhnlicher Geistesnaturen und unterstützt von der die größten Strapazen leicht überwindenden kräftigen Physis durchaus geeignet, den an ihn von Seite seiner Fürsten und Herren gestellten Anforderungen nach ihrem ganzen Umfange zu entsprechen. Gleich im Beginne seines Wirkens als Fürstbischof von Laibach treffen wir ihn nicht selten in Krain und auf der Dotationsherrschafl seines Bisthums, zu Oberburg im Sannthale der südlichen Steier¬ mark, das er in einem späteren Documentc (von 1533) an den Cardinalerzbischof Matthäus^von Salzburg als seine „gewohnte Residenz" (looo nostrs solita iwsillaimia) bezeichnete, was wohl so anfzufassen ist, dass er, so oft er nur konnte, sich in die idyllische Waldeinsamkeit dieses seines Lieblingsortes — wo er, nebenbei bemerkt, sich auch die „ewige Ruhestätte" selbst erbaute — zurückzuziehen pflegte. Oberburg war Bischof Christophs ausgesprochener Licblings- aufenthalt, trotzdem die Bewohnerschaft der Umgebung, die bäuerlichen bischöflichen Unterthanen, stets zu Renitenz geneigt, gleich in den ersten Jahren seiner Oberhoheit über sie ihren Widerstand gegen das bischöfliche Regiment zu offenem Aufstande gesteigert hatten, so dass wir schon 1495 Papst Alexander VI. über Beschwerde des Laibachcr Bisthums an den Propst und Dechant von Oberburg den Befehl richten sehen, „die widerspenstigen Bewohner des Oberburger Gebietes vorzurufen und nvthigensalls unter Anwendung geistlicher Strafen zum Gehorsam gegen den Bischof zu bringen."*) Im Jahre 1502 begegnen wir dem Laibacher Fürstbischöfe Christoph in dem romantischen krainischen Oberlande, in der an¬ gesichts des mächtigen Bergdreihauptes Triglav sich dehnenden, von den hellgrünen Fluten der Save durchzogenen Wochein, wo er am 3. October das Kirchlein der heil. Margareta in Jerika feierlich einweiht, eine Filiale der Pfarrkirche St. Martin zu Mitterdorf?) Christophs erlauchter Gönner Kaiser Max überlässt 1504 (Augsburg 27. April) dem Laibacher Bisthum die Kapelle St. Fridolin am Rain zu Laibach, „die des Kaisers und des Hauses >) Franz Mayer, Die ersten Bauernunruheu in Steiermark und den angrenzenden säubern (Separatabdruck aus den Mitth. d. hist. Ver. f. St., S. 122). 2)4. löavtirar, AZockovina Lapuh in rvonovi äeleauzu Raäoliaa (Geschichte der Pfarren und Glocken im Decanate RadmannZdorf), Laibach 1897, S. 125. 6 Radics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. Österreich Lehenschaft war,") welcher Gunstbezeugung 1507 (Lindau 17. August) Kaiser Max die der Jncorpvrierung der Pfarre St. Cantian zu Krainlmrg, der ehemaligen Markgrafeustadt, in das Bisthum Laibach folgen ließ. Große Gnade erwies aber Kaiser Max seinem „geliebten" Bischöfe Christoph dadurch, dass er ihm die durch Brand ver¬ nichteten Stiftungs- und Schenkungsbriefe an das Laibacher Bisthum auf Grund der in der kaiserlichen Kanzlei befindlichen „Register" ohneweiters neu ausstellen, beziehungsweise bekräftigen ließ. Wir lesen diesbezüglich in dem von Kaiser Max ausgestellten Con- firmationsbriefe des Stiftungsbriefes Kaiser Friedrichs III. wörtlich: „Ouin i^itur Vonevabilis Ollristoxllorus Lpiseopus llmbucwnsis, ck6votu8 nostsr äil6Ltu8, lumsntkibili nodis inslnuntlono siAni- ÜLÄvit, nmximunr 86 Iileolosiam suuin clamnum utgno äotri- montuw, 6X kortnito jAlli8 ineonäio PÄ8808 IUI886, omniaguk ip8IN8 Le6l68ig,6 ?rivil6Am, 1it6i'L8, In8trum6llta, äot3.tion68 3,tgu6 llui n 6XU8tg, 6t IAN6 eON8NMptki 6886. Hobi8gU6 llnmjlit6r 8Upp1ioavit 6t 6X R6Ai8tri8 6kill06lIai'iÄ6 ii08tiÄ6 8iimxti8 t6N0i'il)N8 atgN6 60pii8 6g.äom, 8ibi 6t L66l68ia6 8UU6 innovg.16, 3.pprol)g,i'6, eon- llrinai'6 6t ä6 novo 6X Hodaki olomontia, ncwtra eoneoäorv äiAna- roinui', Ho8 i^itnr ip8i Lxi8eoxo 6t L66l68iu6 llmbg,06N8i 8ueoui'- r6r6 uol6llt68 6X pruokntw r6Ai8tri8 llO8tri8 lluiu8M0cki Iit6i'N8 oxtiÄÜi 6t tian886ribi zu88imu8 t6N0N8 8ub86gN68ti8" (es folgt nun der Wortlaut der Stiftung)?) Sosehr Kaiser Max die geistlichen und materiellen Interessen des Bisthums Laibach unter Bischof Christoph zu fördern bestrebt war, hielt er dennoch andererseits das Interesse des Fiscus nicht minder hoch, und es liegt uns als Beweis dafür ein kaiserlicher Erlass ans Innsbruck cläo. letzten September 1514?) vor, worin Maximilian I. dem Landeshauptmann von Krain, Herrn Hans von Auersperg, und dem kaiserlichen Vicedom in Laibach, Erasmus Praunwart, den Befehl ertheilt, darob zu sein, dass der Bischof von Laibach seinen Steuerantheil für Krain entrichte, dessen sich V ^AoäovwsLi Lboroik, Geschichtsbeilage des Laibacher f. b. Diöcesan- blaties 1888, Nr. 3, S. 69. Azocioviusbi 2borniic, Geschichtsbeilage des Laibacher f. b. Diöccsau- blattes 1888, S. 5 f. 2) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Negisterbuch Kaiser Maximilians I. S. 262. Radics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. 7 dieser weigere unter der Vorgabe, „wir haben ihm zugesagt, solchen angelegten Theil der Landsteuer an seinem Dienstzeit abgehen zu lassen," was jedoch nie geschehen werde, im Weigerungsfälle sollten sie (Landeshauptmann und Vicedom) die Güter des Bischofs pfänden und verkaufen. Dazu kam es natürlich nicht, denn der Bischof weigerte sich nicht weiter, zu zahlen. Eine Gnadenbezeugung Maximilians für Bischof Räuber war es, dass der Kaiser ) Ebenda, Fol. öXIIII/s. !) Dimitz, Geschichte Krams, II, S. 13. 0 Hitzinger, Blätter aus Kram 1860, S. 96. (Nach Manuscript des Laibacher Museums.) 2 l8 Radics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. am Karst" 6. Qctober 1509 hervorhebtU) Seiner erfolgreichen Cooperation vor Raspurg hat aber Bischof Räuber sich nicht ungestört freuen können, indem ein Gegner ihn beim Kaiser verdächtigt hatte, -dass durch seine (des Bischofs) Schuld dem Heere Proviant entgangen sei. Von dieser Verdächtigung befreite sich der Bischof in glänzender Weise unter Darlegung der Verhältnisse in einem offenen und ausführlichen Schreiben an seinen erlauchten Gönner, an Kaiser Maximilian selbst. Da das Schreiben ein vollklares Bild von dem Charakter unseres Bischofes bietet, so wollen wir dasselbe hier in den Hauptstellen folgen lassen. Bischof Christoph schreibt an die römisch kais. Majestät aus dem Lager bei Raspurg 3. October 1509: „Ich bitte E. kais. Majestät in aller Unterthänigkeit mit Gnaden zu vernehmen, daß ich glaublich bericht wurde, wie etlich Personen, so mir unter Augen gut sein möchten, mich zu rukh (hinter dem Rücken) bei E. k. M. versagen und anzeigen, als sollt ich die Schuld haben und Ursacher sein, daß das Volk, so von E. k. M. Niederoesterreichischen Landen versammelt gewest, ungethaner Sachen zergehen hat müssen, nemblichen des Proviand halben. Welches mich hoch und nicht unbillicher bekümert in Ansehen, daß ich mit keinem Grund des oder ander Sachen halben bey E. k. M. verklagt werden mag." Der Bischof drückt dann seine Hoffnung aus, dass der Kaiser „wider sein getreu alt Diener nit leichtlichcn seine Ohren und gemüth zu glauben bewegen läßt". Herr Hans von Reichenburg habe dem obristen Feldhauptmann (dem Herzog Erich) „als einem löblichen und frumen Fürsten, der auch beweglich ist, überredt bewegt und gewennt, daß wir nie kein fuetcrung gethan, deßhalben unsere Pferdt verdorben und E. k. M. nutz hirumb gewendt ist. Ich wais aber nicht, aus was Ursach durch ihu solchs geschehen, wie wol mir etlich sagen, er hab solchs deshalb gethan, damit er mir und doch unverschuldter suchen, auch über das, daß er mir mit Worten gut unter Augen ist und ich ihn allzeit bei E. k. M. mit Treue nach meinem Vermögen gefördert, bei dem gemeinen Mann Unlust und den Zug zu E. k. M. hinterstellig gemacht hat. Und damit E. k. M. destpaß (desto besser) abncmen mögen, worum Reichenburger mir die Schuld zumessen will, zeig ich derselben E. k. M. an, als ich und Landshauptmann in Krain ihn mit seiner und Steierer Rüstung anfänglich her gegen Görz zu uns zu kommen gebeten, und dieses 9 Chmel, Urkunden u. s. w. zur Geschichte Maximilians I. Bibliothek des lit. Ver. in Stuttgart, L, S. 322. Radies. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. 19 Friauler Reich ohne Schwertstreich eingenommen wollten haben, er wollte nicht kommen mir das Patriarchenthum (Aquileja) zu gewinnen, sondern zu Laibach bleiben. Nun hätte ich gedacht, er hätte nicht mir das Patriarchenthum, dieweil ich E. k. M. nie darum gebeten, sondern E. k. M. das Land Friaul helfen zu erobern. Aus was gemüet oder gründ er solches gcthan, gib ich E. k. M. hohen Bedacht zu erkennen und bitt E. k. M. wollen ihm dies mein Schreiben oder des ein copey zuschicken, damit er diese meine Entschuldigung oder Anzeigen wisse und ob er das verneinen wollt, wollen übermalen E. M. ihn und mich auf einen Tag vor sich fordern lassen, will ich solches und mehreres wider ihn mit Wahrheit anzeigen. "*) Nachdem Kaiser Max seinen getreuen Bischof von Laibach unter dem letzten November 1510 nach Breisach berufen mit dem Befehl, dass er die Compagnie der krainischen Ritterschaft, die aus lauter Edelleuteu und ihren Dienern bestand und von der Landschaft jährlich besoldet wurde, mitbringen solle?) finden wir den „Krieger Räuber" 1511 (September) neuerdings im Felde gegen die Venetianer, wobei er mit den von Christoph Roggeudorf und Lichtenstein geführten Truppen in das Gebiet von Feltre brach und am LI. September das Lager zu Colorita bei Weiden (Udine) hattet) Udine und Gradišča fielen, ersteres nahmen die Venetianer wieder, letzteres belagerten sie und beschossen es heftig. Hier befehligte der tapfere Krainer Hans Apfalterer, ein guter Kriegsmaun, „der nicht verstund, was Furcht oder Schrecken wäre." Von Kramern lagen außer ihm in der Festung Wolfgang von Lamberg von der Ortenegger Linie und Andreas von Weispriach, und unter der 1600 Mann zählenden Besatzung befanden sich auch viele Kramer. Die Belagerten wehrten sich ritterlich, machten wiederholt glückliche Ausfälle, so einen unter dem Lamberger, und schlugen einen Sturm ab, bis die Belagerer abzogen?) Noch einmal leuchtete dem Kaiser sein Glücksstern im siebenten Jahre des venetianischen Krieges (1514). Er erschien in Laibach, um frische Truppen zu sammeln, deren Oberbefehl er dem wackeren Grafen Niklas Salm übertrug. Ein Hans von Auersperg, ein Erasmus Obritschan, mehrere aus dem mannhaften Geschlechte der Räuber, darunter unser streitbarer Bischof Christoph, zogen da mit dem 0 Chmel I. s., S. 820 ff. 2) Valvasor, Ehre d. Herz. Kram, III (X), S. 308f. Chmel I. o., S. 833.. H Valvasor I. o., IV (XV, S. 401. 2* 20 Radies. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph don Räuber. Heere, welches Friaul eroberte. Ein Jörg von Egg befehligte die Besatzung von Görz, ein Felician Pettschacher jene von Gradišča- Der Sieg von Vicenza brachte jedoch keinen Abschluss, und der Krieg schleppte sich auch im folgenden Jahre (1515) matt und unentschieden hin, bis ihn der Beitritt Österreichs zum Frieden von Nohon (4. December 1516) beendete?) Seine kriegerischen Talente hatte Bischof Räuber Gelegenheit auch in seiner Stellung als Commendatarabt von Admont zu bethätigen und zwar aus Anlass des großen Bauernaufstandes des Jahres 1525, als der Aufruhr der Salzburger Bauern und Bergknappen den Weg in die obersteirischen Thäler der Enns und Mur gefunden. Damals belegte Abt Christoph die obere und niedere Klause im Admontthale mit Mannschaft und flüchtete das Wertvollste aus dem Kloster nach der Burg Gallenstein; doch die Aufständischen eroberten beide Bollwerke und überfielen und plünderten das Kloster, da die eigenen Leute, wie Wichner meint?) sich als nicht verlässlich erwiesen und mit den Meuterern gemeinsame Sache gemacht. Der Abt Christoph, nachdem er von Oberburg aus in den Pfingsttagen mit 41 Pferden und 46 Fußknechten nach Judenburg gekommen war und dieselben bis zum Überfall vou Schladming gehalten hatte, „hat nach derselben Überfüllung weiter gehalten aus Vergunnen des obristen veldhaubtmanns graf Niclas von Salm 40 Pferd und 46 Fußknecht in Veld und zu Admundt in einer Landschaft Sold bis zu Ende des Krieges, das ist auf Montag nach Gallig . . . Bemelter Herr von Laibach hat in nächsten Auspot außer Landes für (vor) Rastatt gehabt 38 Psärdt, 60 Fu߬ knecht." Es ist damit der Zug nach der vom Probst Graf gegen die aufständischen Bauern (1526) hartnäckig vertheidigten Stadt Rad¬ stadt gemeint, in welchem Kampfe ein Verwandter des Abts Christoph, Herr Caspar Räuber, von den Bauern gefangen und enthauptet wurde?) Das Jahr 1528 führte den Bischof-Abt Christoph Räuber neuerdings ins Feld, diesmal gegen die Anhänger des Stephan Zäpolya vor Agram, dessen Bürger sich für den 1526 zum König von Ungarn erwählten Habsburger Erzherzog Ferdinand erklärt ') Dimitz, Geschichte Krams, II, S. 17 ff. 2) Geschichte des Beiiedictinerstiftes Admont, IV, S. 81 ff. b) Ebenda, S. 83, nach einer Aufzeichnung in Oberburg (Lrnaveers stö^vr rsMuuz). 4) Ebenda, S. 85. Nadics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. 21 hatten, während der Bischof Simon von Agram, der Anhänger Zäpvlyas, unterstützt von einer Anzahl Adeliger aus Slavouien, die bischöfliche Residenz gegen die Stadt Agram in festen Vertheidigungs- zustand setzte, nachdem der Vertheidiger der Stadt, der Krainer Graf Niklas Thurn, durch die Zerstörung der Canonicatshäuser einen Theil der Domherren zu sich herangezogen hatte. Obschon Graf Thurn nut 1000 Mann nach Agram gesandt wurde, erwies sich diese Zahl doch zu gering gegenüber den Belagerern, und weil den Bürgern schon nach einmonatlicher Belagerung durch die Zäpolyaner der Proviant zu mangeln begann, war die Stadt bereits zur Übergabe bereit. Da erschien Bischof Räuber mit seiner zwar nur schwachen Entsatztruppe und gefolgt von Leonhard Puller. Die Züpolyaner, nun fürchtend, von Räuber im Rücken angegriffen zu werden, gaben die Belagerung der Stadt auf und retirierten an die Drau. Inzwischen rückten 7000 Mann deutsche Eutsatztruppeu für Niklas Thuru herau, wie auch Getreide auf der Save herankam und die Burg des Agramer Bischofes umzingelt wurde. Doch war deren Vertheidigung durch den tapferen Vagerovich eine so starke, dass schließlich bei der nahenden großen Türkcngefahr, zumal die Agramer Domherren mit Bitten und Flehen den König Ferdinand bestürmten, Graf Niklas Thurn den Befehl erhielt, von allem Weiteren in der Belagerung der bischöflichen Residenz abzustehen und nach Wien zu eilend) Über Bischof Räubers persönliche kriegerische Antheilnahme beim Türkeneinfall 1532 in Niederösterreich sprechen wir später. Dieser Türkeneinfall in die österreichischen Länder im Jahre 1532 brachte die Heerhaufen des Kassim Beg bis Enns und Linz. Die Absicht desselben, von Weyer aus längs der Enns in Steiermark ein¬ zubrechen, wurde aber von dem Landstürme der Admonter Herrschaft Gallenstein am Pfaffensteig und Sattclhag blutig vereitelt. Durch den Zug des Hauplheeres unter Suleiman, der besonders in den Windischen Büheln seinen Marsch mit Mord und Brand kennzeich¬ nete, litten mehrere Kirchen und Besitzthümer des Stiftes Admont in arger Weise, das außerdem durch Plünderungen und Verwüstungen der dem deutschen Reichsheere beigesellten spanischen und italienischen Hilfstruppen nicht geringen Schaden empfieng; so wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, der Admonter Hof zu Krems von den Spaniern y Xsr«söI1vtl, llistorlrrruw OiUüsärsIis Lsslssias AaZrMsiisis ksrs I, 1'om. 1, S. 216 f. 22 Radies. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. eingeäschert.st Am 1. Jänner 1533 stellte Abt Christoph einem Hans Fugsperger einen Schuldschein über 424 Pfund Pfennige aus, welche für die stiftische Kriegsrüstung ihre Verwendung fanden, indem er den Gläubiger bezüglich der Verzinsung an den Waldzins und Hauerdienst zu St. Gallen wies, und am 2. Februar desselben Jahres gab er zu Kaufrecht dem Wolfgang Panz die Taverne und Niederlage (mit Ausnahme der Maut) am Weißenbache?) Diplomat und Staatsmann. Noch jung an Jahren war Bischof Räuber von seinem erlauchten Gönner Kaiser Maximilian I. in mehreren namhaften diplomatischen Missionen verwendet worden, „weil gedachter Bischof," wie sich Valvasor?) in der ihm eigenen drastischen Redeweise ausdrückt, „ein ehrlicher und geschickter Herzensraubcr war, der sich zu wichtigen Verrichtungen und Absendungen wohl bequemte und mit seiner an¬ nehmlichen Rede fürnehme Gemüther zu fassen wusste." So war er schon im Jahre 1504 vom Kaiser das erstemal in politischer Mission nach Rom gesandt und bei der Zurückkunft 1505 „von dem Kaiser als ein Abgesandter an verschiedene Reichsfürsten abgefertigt worden und hat dadurch ein solches Ruhm-Gerücht erlangt, daß Albrecht, Herzog in Bayern, an welchen er keinen Befehl vom Kaiser hatte, durch Schreiben sich beschwerte, warum er (Räuber) auf seiner Reise durch München im Hin- noch im Herwege bei ihm (dem Herzoge) nicht eingekehrt, anbey seine (des Herzogs) Sache bei dem Kölnischen Reichstage recommandirt het".H Kaum hatte er diese Gesandtschaft rühmlich zu Ende gebracht, erhielt er von Kaiser Max schon wieder Befehl, nach Rom zu gehen, und empfieng hierbei als Reisegeld 400 fl.st Im nämlichen Jahre beorderte ihn der Kaiser, mit dem erprobten und geschmeidigen Lucas de Nenaldis zu Ferdinand von Aragonien nach Neapel zu gehen, um mit demselben über die Verwaltung Castiliens zu verhandeln, an der Max im Namen seiner Enkel theilnehmen wollte, aber hauptsächlich um Ferdinand von der Politik Frankreichs abzu¬ wenden und für die des Hauses Habsburg zu gewinnen; zu dem Zwecke wollte Maximilian mit Ferdinand die Kaiserwürde theilen st Wichner 1. s., S. 100 f. y Ebenda, S. 101. -) Ehre d. Herz. Kram, III (X), S. 308. r) Ebenda, II (VIII), S. 662 f. -) Ebenda, III ) Siehe mein „Grabdenkmale zu Oberburg in der unteren Steiermark" Mittheilungen der k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. 1 Folge 1862 S. 243 ff. 32 Radics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. getrewen dienst Jme vnd seinem stift Laybach vnnd vmb seinen willen allen nachkomenden Bischouen daselb zu Laybach mit vnsere gnaden zu erscheinen. Haben demnach mit volbedachten muet, gnetem willen Und zeitigem Rat gedachten Cristoffen gegenwärtigem vnd vmb seinen vnd seiner dienst willen darnach einem yeden kunfftigen Bischof des Stiffts Laybach mit dem Titel Fürsten gnedigelich begabt vnd dartzue Jme in sein vnd des Stiffts Laybach Haws oder Hof in vnnser Statt Laybach gelegen vnd das die Phalltz durch vorgedachten Unseren Herrn Anherren Kaiser Maximilian genennt worden ist, Fürstliche Freyung gegeben. Thun das auch hiemit wissentlich vnd in Krafft diß Brieffs Also das gedachter Cristof Bischoue zu Laybach vnd sein nachkomen daselb nun hiefür von vns den Titel (vnnser Fürst) haben Inen auch aus allen vnnseren Hof Oesterreicher vnnd anderer Land Canntzeleyen derselb Titl, vnnseren Fürsten geschriben vnnd gegeben werden. Vnnd dartzu so sein oder seiner nachkomen Hofgesynd in unser stat Laybach ainich fräuel oder Unzucht anfahen vnd triben vber Sy nyemands weder Er vnd sein nachkomen, vnnd wem sy es weitter beuelhen zu richten oder zu strafen, vnd solcher vnd anderer muetwilligen Handlungen halben sonst anch all ander die in seinen vnd des Stiffts Hof Phaltz genant fliehen, darin bis zu Recht' freyung haben sollen. Doch aus¬ genommen was Todslag, Mort, Rauberey, prand vnd vergleich vnthaten antreff. Vnd sich des obgeschriben Titls Fürst wie ander vnser Und Unserer Ocsterrcichischcn Land geistliche Fürsten Auch der fürstlichen freyung in dem Hof zu Laybach phaltz geuant, obgemelter massen freyen, gebrauchen vnd geniessen Auch all und yeglich Ere, gnad, Vortail, Recht, vnd gerechtigkait dartzue haben, die ander vnser geistliche Fürsten die mit der gleichen gnad vnd titl, auch die mit solcher sreyung in iren Hewsern oder Höfen begabt vnd fürsehen sein, haben, sich derselben gebrauchen vnd genyessen von recht oder gewonheit von allermeniglich vnverhindert. Doch dass sich vorbemelter Cristof Bischone zu Laybach vnd sein nachkomen am selben Stifft nicht minder gegen vns und vnsern nachkomen Landsfürsten in Krain alzeit gehorsamlich, ge- trewlich vnd allermassen wie ander vnser gehorsam Bischof vnd Prelaten halten vnd sich von solcher freyhait vnd Fürsten-Titls wegen aus vnser gehorsam Obrigkait, Jurisdiction, Gepoten oder verpoten mit nichte ziehen vnd vns an Unseren vnd vnseres Hawss Oesterreich freyheiten, gerechtigkaiten vnd gewonnhaiten allenthalb vnuergriffen und vnschedlich sein soll ungeuerlich. Radics. Bischof, Krieger und Staatsmann Christoph von Räuber. 33 Gebieten darauf allen vnd jeden vnnsern Ambtleutcn, vnndcrthanen vnd Jnwonern vnserer Niederocsterreichischen Lannde in was wirden Stands oder wesens die sein hiemit Ernstlich Und willen, das Sy bemelten Cristoffen Bischouen zu Laybach vnd sein nachkomen daselbs bey dein Titl Fürsten vnd der frcyung des Stisfts Hof phaltz genant berneblich belciben vnd der geniessen lassen, dawider nit dringen noch besweren, noch des yemannds andern Ze thnn gestatten, sonnder dabey vcstigclich handhaben. Das meinen wir Ernnstlich Mit Vrkhundt diss Briests Besigelt mit vnscren kuniglichcn anhangundem Jnsigl. Der Geben ist in Unser Statt Wienn den Sechsvndzwaintzigisten Tag des Monats Atay Nach Christi vnseres lieben Herrn gepurdt im funf- zehenhundert vnd drcyvndrcissigistcn Bnserer Reiche des Römischen im dritten vnd der andern im Sibenden Jar?) l) Agoäovinski Zbornik, Geschichtsbeilage des f. b. Diöcesanblaties, Laibach 1888, Nr. 3, S. 33 ff. -S4 SSSSS481788