Mi k TT / E / I , W1/ Jm Eririjm öra Jfrntitinrofrhftjra üjrrniiDrtrrrrbrn unö urrfaftt uon üjiigo lßiirrtrr L JEanüfdjaftsbiltifr aus Jflirörröftrrrridj Sir JCanittsljauptftaöt örr rjrünrn Ötrirrmarl Bas ßahiiammrrgut £taüt nnö fironlanü Babburg fflns örin ßarntnerlanür ÜDurrtj ßrain iDrurit iinD Brrlnrt Ifllori? frifdj, ööiirn I ißolöfdjiniörtflffr Iii I 9776 I * , au Hai. 31: GELEITWORT. Die vorliegende Publikation hat sich die Aufgabe gestellt, durch anregende Schilderungen und künstlerische Illustrationen sowohl im Texte als auch auf der Außenseite der einzelnen Bändchen im Interesse des Fremdenverkehrs zu wirken. Die in zwangsloser Folge periodisch erscheinenden Hefte werden das reisende Publikum nicht bloß auf landschaftliche Schönheiten, klimatische Vorzüge und interessante Sehens-Würdigkeiten aufmerksam machen, sondern auch dem praktischen Zwecke durch Hinweis auf wirklich empfehlenswerte Gaststätten dienen. Indem wir den ersten Teil unserer Publikation der Öffentlichkeit übergeben, hoffen wir, -daß derselbe eine wohlwollende Auf- • f i , ' 1 {' nähme finden und uns kür! Fdrtsetzung unseres Unternehmens ermutigen wird. WIEN, im Juni 1909 DER HERAUSGEBER. » * % 1* Landschaftsbilder aus Niederösterreich. Indem wir aus technischen und ökonomischen Gründen genötigt sind, die Schilderung der glänzenden Kaiserstadt Wien und ihrer nächsten Umgebung einer besonderen Ausgabe vorzubehalten, wollen wir uns an dieser Stelle damit bescheiden, aus der Fülle der landschaftlich und klimatisch bevorzugten Gegenden des Landes Niederösterreich einige für den Fremdenverkehr wichtige Glanzpunkte hervorzuheben. Semmering-Landschaft phot. Wurthle & Sohn Das Semmering-Gebiet. Wir beginnen mit dem Semmering'g'ebiet, jener vom Schneeberg und der Raxalpe beherrschten Gebirgswelt, deren alpiner Zauber nicht nur für die Bewohner der nahen Residenz, sondern für Tausende von Fremden aus aller Herren Länder mächtige Anziehungskraft ausübt. In wenig mehr als einer Stunde erreichen wir mit dem Schnellzuge der Südbahn die Station Gloggnitz, den Ausgangspunkt der hochinteressanten Semmeringbalm. Von einem imposanten alten Schlosse überragt, breitet sich der als Sommerfrische vielbesuchte Markt Gloggnitz in waldiger Umgebung am Ufer des Schwarzaflusses aus und gewährt hübsche Ausblicke auf den Sonnwendstein und die Rax. Bei Gloggnitz vereinigt sich das Weißenbachtal mit dem Schwarzatal und hier gehen nach verschiedenen Richtungen die Straßen nach Schottwien, in die Adlitzgräben und auf den Semmering, dann gegen Payerbach, % - 5 — Reichenau, Prein- und Höllental. Sehr genußreich ist die Partie nach Schlag und Raach, womit man den Besuch des hochinteressanten Schloßes Wartenstein verbinden kann. Die große Reichsstraße führt von Gloggnitz durch das Weißenbachtal in IV2 Stunden nach Schottwien. Etwa in der Mitte des Weges befindet sich die Sommerfrische Weißenbach in höchst anmutiger, von Fichten- und Tannenwaldungen umgebener Lage. Hier öffnet das renommierte Hotel Pfletschniger, welches vor kurzem in den Besitz des Hoteliers Pohl übergegangen ist, seine gastliche Pforte. Das hübsche Haus enthält freundliche Wohnräume, einen großen netten Speisesaal, Terassen, Garten, Tennisplatz und Kegelbahn. Außerdem stehen den Gästen eine eigene Meierei, Bäder und Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen zu Gebote. In der nächsten Umgebung führen schattige Wald- Hotel Pfletschniger in Weißenbach promenaden zu lauschigen Ruheplätzen und Aussichtspunkten. Der Aufenthalt im Hotel Pfletschniger ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein außerordentlich behaglicher nicht blos für die Saisongäste des Hauses sondern auch als Jausenstation für das in den Sommerfrischen der Umgebung wohnende Publikum. Schließlich sei noch bemerkt, daß in der Station Gloggnitz bei jedem Zuge Omnibusse nach Weißenbach zur Verfügung stehen. Auf der Reichsstraße unseren Weg fortsetzend kommen wir nun nach Schottwien, einem der interessantesten Punkte des Semmeringgebietes, welcher a's Sommerfrische, Touristenzentrum und Wintersportstation große Anziehungskraft ausübt. Ungemein pittoresk ist die Lage des Ortes in einem engen Felsendefile, auf dessen Höhen sich harzduftende Föhren- und Fichtenwa1 düngen befinden, welche genußreiche Spaziergänge und Aussichtspunkte gewähren. Die netten freundlichen Häuser Schottwiens bilden eine einzige schattige lange Straße, an deren Ausgang sich herrliche Landschaftsbilder zeigen. Ein hübscher Fußweg, welcher in der - 6 - Dunkelheit stets beleuchtet ist, führt in etwa 20 Minuten zur Station Klamm der Semmeringbahn. Man kommt auf diesem Wege an der malerischen Ruine Klamm vorüber, welche auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickt und sich jetzt im Besitze des regierenden Fürsten von und zu Lichtenstein befindet. Der verwitterte Wartturm, die Mauern und Gelasse bilden interessante Sehenswürdigkeiten. Den Verkehr zur Südbahnstation Gloggnitz vermittelt ein mit den Zügen korrespondierender Stellwagenverkehr. Dank der rührigen Gemeindevorstehung und des sehr verdienstvollen Verschönerungsvereines hat sich Schottwien zu einer beliebten Sommerfrische und Winterstation entwickelt. Den zahlreichen Gästen bieten sich viele Bequemlichkeiten und Zerstreuungen. Ein Schwimm- und Warmbad, gute Beleuchtung, vorzügliches Scholtwien Trinkwasser. Forellenfischerei, Schießstätte, Volksbibliothek, Musikkapelle, Dillettantenvorstellungen und vor allem ein ungemein reges Sportleben gestalten den Aufenthalt in Schottwien zu einem genußreichen. Der Ort besitzt auch eine Benzin- und Ladestation • • des Osterreichischen Automobilklubs und wird mit Vorliebe als Startplatz für Rad- und Automobilwettfahrten gewählt. Die Umgebung Schottwiens umfaßt eine Fülle von herrlichen Landschaftsbildern und lohnenden Ausflugszielen, zu welchen bequeme Fahrstraßen und gut markierte Wege hinführen. Da sind vor allem die Adliizgräbeti zu nennen, weichein nächster Nähe des Ortes von der Reichsstraße abzweigen. Schroff aufsteigende Felswände umschließen den grünen Talboden und die sich schlangenartig windende Straße und nur selten unterbricht ein einsames Försterhaus oder ein schlichtes Gasthaus die wildromantische Szenerie. % — 7 — % Etwa 25 Minuten benötigt man, um von Schottwien nach Maria Schutz, am Fuße des Sonnwendstein zu gelangen. Der 850 Meter hoch gelegene Wallfahrtsort ist heute eine beliebte Sommerfrische und Jausenstation, besitzt ein gutes Hotel, mehrere Gasthäuser und Villen, sowie ein Vollbad. Reizende Spazierwege führen durch den nahen Hochwald nach schönen Aussichtspunkten. Von Schottwien aus ist das gesamte Semmeringgebiet in bequemer Weise zu durchwandern, der Besuch des bereits erwähnten Schloßes Wartenstein, des Orthofs, die Besteigung des Sonnwendstein, sowie Ausflüge auf die Raxalpe, den Schneeberg, Wechsel, Stuhlek, Kampalpe u. a. m. sind von hier aus leicht zu unternehmen. Die Unterkunft und Verpflegung in Schottwien ist im allgemeinen sehr gut und preiswürdig. An erster Stelle verdient Josef Brauners Hotel „zum Touristen" hervorgehoben zu werden, ein Etablissement, welches nicht wenig zur Entwicklung Schottwiens als Touristenzentrum und Wintersportplatz beigetragen hat. Hotel „Zum Touristen" in Schottwien Das Haus erhebt sich am Ausgange des Ortes in hübscher aussichtsreicher Lage und gewährt in allen seinen Räumen modernen Komfort. Nett ausgestattete Wohnzimmer, elegante Speiselokalitäten, Lese- und Billardzimmer, sämtlich mit elektrischer Beleuchtung versehen, ferner eine große Veranda und ein schattiger Garten bieten den Gästen angenehmen Aufenthalt, wozu auch die anerkannte Güte der Küche und des Kellers (Rathauskellerweine) beiträgt. Im Hotel befindet sich auch ein Voll- und Schwimmbad sowie warme Bäder. Sowohl bei Sommergästen als bei Passanten, Touristen und Sportfreunden erfreut sich das Haus großer Beliebtheit. Speziell für den Automobil- und Wintersport ist hier bestens gesorgt. Garage und Benzinstation des Österreichischen Automobilklub stehen zur Verfügung und werden den Gästen vom Hotelbesitzer auch Rodeln und Skis leihweise überlassen. Sowohl im Sommer als auch zur Winterszeit herrscht im Hotel ,,zum Touristen11 ein ungemein reges Leben und die aufmerksame Führung des Hauses, das freundliche Entgegenkommen jedem Gaste gegenüber ist geeignet die Zahl der Freunde dieser Gaststätte stets aufs Neue zu vermehren. Neben dem Hotel „zum Touristen" ist auch der angesehene alte Postgastiwf zu empfehlen. Wir kehren nun nach Gloggnitz zurück und setzen die Eisenbahnfahrt in das liebliche Schwarzatal fort, in dessen Hintergrund sich der gewaltige Gebirgsstock der Raxalpe auftürmt. An der Haltestelle Schlöglmiihl mit großer Papierfabrik geht es vorüber zur Station Payerbach, wo wir den Zug wieder verlassen. Payerbach Die Sommerfrische und Touristenstation Payerbach, in einer Höhenlage von fast 500 Metern über dem Meere breitet sich an den Ufern des Schwarzaflusses malerisch im Angesichte der imposanten Raxalpe und seiner benachbarten Bergwelt aus und bietet vermöge seiner landschaftlichen Reize und seiner klimatischen Vorzüge einen unvergleichlich gesunden und genußreichen Aufenthalt für alle Jene, welche sich nach nervenstärkender, harzduftender Gebirgsluft sehnen. Vor allen anderen ähnlichen Sommerfrischen hat Payerbach die rasche und bequeme Verbindung mit der Residenzstadt Wien voraus, welche täglich zahlreiche Eisenbahnzüge in 11/2 bis 2 Stunden vermitteln. Wenn auch das Hauptkontingent der Besucher von Wien kommt, so hat doch Payerbach ebenso wie das benachbarte Reichenau in den letzten Jahren den Charakter eines internationalen Sommeraufenthaltsortes angenommen. Natur und Menschenhand haben hier zusammengewirkt, um den zahlreichen Gästen Erholung, Gesundung und % - 9 — Zerstreuung zu bieten. Der reizende Park mit dem hübschen Musikpavillon, zwei Tennisplätze, ein elegantes Warmbad und ein großes Schwimmbassin, endlich die Gelegenheit zur Ausübung des Rudersportes seien hier erwähnt. Insbesondere das letztgenannte Vergnügen, welches durch die Regulierung des Schwarzaflusses bedeutende Förderung erhielt, bildet für das Saisonpublikum eine große Anziehungskraft. Sowohl an der Hauptstraße als auch an der Wasserleitungsstraße befinden sich inmitten von Gartenanlagen schmucke Villen und Landhäuser mit Veranden und Balkons, von denen die meisten elegant möblierte Sommerwohnungen enthalten. Überhaupt lassen die Unterkunftsverhältnisse in Payerbach nichts zu wünschen übrig. Für Passanten sowie für länger verweilende Sommergäste stehen mehrere mit allem Rudersport in Payerbach Komfort ausgestattete Hotels zur Verfügung. Wir nennen das Hotel Payerbaeherhof des Otto Hübner, die Siidbahnrestauration Kam-pitsch mit schön gelegenen eleganten Villen, das Hotel Hiittl und den Gasthof „zur weißen Rose". Außer dem bereits erwähnten neuen Park, bei welchem eine hübsche Betonbrücke über die Schwarza führt, gibt es noch eine große Anzahl schattiger angenehmer Promenaden, zumeist durch würzigen Nadelwald führend. Eine solche verbindet auch Payerbach mit dem Nachbarorte Reichenau. Wie bereits erwähnt, ist Payerbach nicht bloß eine hervorragende Sommerfrische, sondern auch eine Touristenstation allerersten Ranges. Von hier aus werden die Rax- und Schneebergbesteigungen, sowie die Ausflüge nach dem Kreuzberg, Semniering und Sonnwendstein, oder die unvergleichlich schönen Wanderungen durch das Höllen- und Naßwaldtal über Kaiserbrunnen und Singerin unternommen. Wir erwähnen insbesondere die Ausflüge in den Payerbachgraben, zum Hotel Hellbronn, zur Sommerhöhe, zur Stoyerhöhe, zum Kreuzberg, zum Orthof, zur Kapelle Klamm, nach Kiibju zum Hahndlhof, nach Apfaltersbach, Miihldorf, Maria-Taferl, nach Werning zum Rumpier, auf den Grillenberg, nach St. Christof, nach Gloggnitz, in den Stuppachgraben, auf die Bodenwiese und den Schneeberg, nach Schneedörfl, in die Eng, zum Lakaboden, zum Baumgartnerhaus u. a. rp. Über Reichenau geht es nach Edlach und in die Prein. An Sonn- und Feiertagen herrscht in Payerbach ein un-eemein lebhafter Verkehr von Touristen, welche von hier aus O - 9 insbesondere bei der Besteigung der Rax und des Schneeberges die ersten Erfolge des Bergsportes erringen. Aber auch solche Naturfreunde, welche die Anstrengungen des Bergsteigens nicht reizt, finden in Payerbach und dessen nächster Umgebung herzerquickenden Genuß. X 4 Paycrbach gegen die Raxalpe Auch im Winter ist Payerbach infolge seiner windgeschützten Lage für längeren Aufenthalt sehr geeignet, zumal hier alle Arten des Wintersportes eifrig betrieben werden. Der ungemein rührige Wintersportverein in Payerbach sorgt in eifrigster Weise für die Interessen dieses ebenso gesunden als unterhaltenden Sportes, welcher sich hier im Schlittenfahren, Eisschießen, Skifahren und Rodeln auf der prachtvollen 3 Kilometer langen Rodelbahn im Payerbachgraben betätigt. Der genannte Sportverein erteilt auch jederzeit bereitwilligst Auskünfte über Schneeverhältnisse u. dgl. Der von Payerbach etwa 20 Minuten entfernte Kurort Reichenau erfreut sich ähnlicher landschaftlicher und klimatischer Verhältnisse. Gegen Westen und Norden durch die Raxalpe und den Schneeberg mit seinen Vorbergen Gahns und Feuchter geschützt, von Wäldern mit schattigen Spazierwegen umgeben, bietet Reichenau einen ebenso gesunden als angenehmen Sommerauf- enthalt, welcher alljährlich von einem sehr distinguierten Stammpublikum besucht wird. Eine vorzügliche Hochquellenleitung, Apotheke, Schwimmbad, elektrische Beleuchtung und der hübsche Kurpark mit Teich, Spielplätzen und Schießstätte, endlich ein geräumiger Lesesaal stehen den Gästen zur Verfügung. Das Saisonleben mit seinen Promenaden-Konzerten und sonstigen Unterhaltungen ist ungemein lebhaft. Von den zahlreichen Gaststätten Reichenaus verdienen das elegante Hotel Fischer mit großem Park, ferner Hotel Thalhof in berg- und waldumsäumter Lage hervorgehoben zu werden. Auch eine guteingerichtete Kaltwasserheilanstalt ist vorhanden. Die Umgebung von Reichenau umfaßt eine große Anzahl lohnender Spaziergänge und Ausflüge, welche zum Teil bei der Schilderung von Payerbach genannt wurden. Wir besteigen nun in der Station Payerbach wieder den Eisenbahnzug, welcher uns zu den Höhen des Semmeringpasses K H&i # Von der Semmeringbahn hinauf führt. Hier beginnt die von Carl von Qhega in den Jahren 1848 — 1854 erbaute Semmeringbahn, ein Musterwerk österreichischer Technik, welches mit seinen kühnen Anlagen, Viadukten, Tunnels und Einschnitten den Reisenden Einblicke in die großartigsten Alpenszenerien gewährt. Von dem unmittelbar nach der Station Payerbach übersetzten Viadukt genießt man den herrlichen Doppelblick in die Täler von Payerbach und Reichenau. Bei der folgenden Haltestelle Kiib mit hübschen Hotelanlagen, erreicht die Bahn bereits eine Höhe von 600 Metern. Durch mehrere kleine Tunnels geht es dann zur Station Eichberg, wo sich gleichfalls ein neuer Hotel-bau erhebt. Über den Apfaltersbachgraben um den Gotschakogel herum an der steilen Lehne des Weißenbachtals erreicht der Zug nach Passierung von 2 Tunnels die 698 Meter hohe Station Klamm. — 12 — % Tief unter uns erblicken wir in schmaler Talspalte Schottwien, während sich darüber hinaus der Sonnwendstein mit Maria Schutz und Schloß Wartenstein inmitten romantischer Wald- und Felspartien in voller Schönheit zeigt. An den steilen Wänden des Adlitzgrabens steigt die Bahn weiter in scharfer Kurve durch die Gallerie und die Tunnels der fast senkrechten Weinzettelwand, welche ein herrliches Landschaftsbild gewährt. In einer Höhe von 791 Metern erreichen wir die Station Breitenstein, einen günstigen Ausgangspunkt für lohnende Semmeringwanderungen mit Sommerwohnungen, Gasthöfen und der Pension „Erholungsheim". Es folgen nun abermals zwei Tunnels, worauf die Bahn in einem gewaltigen Viadukt die „Kalte Rinne" übersetzt. In fortwährend steigender Trasse erreicht der Zug den Viadukt über den Unteren Adlitzgraben. Noch vorher bietet sich ein schöner Anblick der Raxalpe. Nun geht es durch den Weberkogel-, Wolfsbergkogel-und Karnerkogeltunnel an der Haltestelle Wolfsbergkogel vorbei zu der 895 Meter hohen Station Semmering. Diese gottbegnadete Bergeshöhe mit ihrer landschaftlichen Pracht, der reinen und erfrischenden Gebirgsluft, den ozonreichen Wäldern, dem klaren sonnigen Himmel bildet einen unversiegbaren Jungbrunnen für die durch anstrengende Arbeit und das Leben in der Großstadt angegriffenen Nerven. Nicht blos die Wiener pilgern in hellen Scharen, so oft es nur irgend möglich ist, zu diesen Alpenparadiese, auch alle Fremden, welche die Kaiserstadt an der Donau besuchen, verweilen mit Entzücken am Semmering. Die gleichmäßige Temperatur, das Fehlen von Niederschlägen und Nebel, die reiche Besonnung, das milde und doch kräftigende Klima sind neben den landschaftlichen Schönheiten die Haupt-vorziige, denen der Semmering seine Beliebtheit als Luftkurort und Winterstation verdankt. Aber auch als Touristenzentrum ersten Ranges und als Wintersportplatz hat der Semmering einen angesehenen Rang erreicht. Der wohltätige Zauber der Natur findet eine wirksame Ergänzung in dem modernen Komfort, welche die mit den neuesten technischen Errungenschaften ausgestatteten Hotels bieten. Da ist zunächst das in den letzten Jahren durch Zubauten und Adaptierungen vergrößerte Siidbalin-Hotel hervorzuheben. Die vielgestaltigen Anlagen desselben erheben sich auf einem der allerschönsten Punkte des Semmering, von der Station auf bequemer Fahrstraße in einer halben Stunde erreichbar. Die Aussicht von der großen Hotelterrasse ist entzückend schön und umfaßt die Rax, den Schneeberg, die Adlitzgräben und die Prachtbilder der Semnieringbahn. Sämtliche Räume des großen Etablissement sind glänzend mit vornehmen Luxus ausgestattet und bieten den modernsten Komfort. Im Hauptgebäude ist auch das Post-, Telegraphen- und Telephonamt untergebracht. Zu den Hotelanlagen der Siidbahn gehört auch der etwas höher gelegene „Waldhof", die auf schönen Waldwegen in 20 Minuten zu erreichende % - 13 — Maierei und die noch tiefer gelegenen Dependancen I und II, sowie die Restauration „zum Wolfsbergkogel", welche hauptsächlich dem Touristenpublikum gewidmet sind. In unmittelbarer Nähe derselben erhebt sich seit Kurzem in hübscher Lage der Prachtbau des für Sommer- und Winterbetrieb eingerichteten neuen Kurhauses. Das Südbahnhote bietet nicht nur im Sommer sondern auch im Winter einen ungemein behaglichen Aufenthalt. Außer dem lebhaften Wintersport bieten sich den Gästen des Südbahn- Das Südbahnhotel hotels noch manche andere Zerstreuungen, wie Konzerte, Tanzabende, Vorlesungen u. a. m. Neben dem Südbahnhotel ist das 1025 Meter hoch gelegene Hotel Panhans hervorzuheben. In windstiller und sonniger Lage, umgeben von herrlichen Waldbeständen, zählt dieses großartige Etablissement sowohl was die Ausdehnung, Einteilung und Ausstattung seiner Wohn- und Gesellschaftsräume, als auch die mustergiltige Führung betrifft, zu den allerersten Gaststätten Österreichs. Das Hotel, welches mit einer Bade- und Kuranstalt verbunden ist, gewährt zu allen Jahreszeiten, insbesondere auch im Winter, ein selbst die verwöhntesten Ansprüche befriedigendes Heim. Zu den Stammgästen des Hauses zählen die höchsten Kreise. Zum Besitze des Hotel Panhans gehört auch das an der Einmündung des Hochweges in die Semmeringstraße gelegene Hotel Erzherzog Johann unmittelbar neben den Waldabhängen des Sonnwendstein. Nahe am Waldesrand steht auf einer Wiese das Grenzdenkmal zwischen Niederösterreich und Steiermark. Auch dieses Hotel ist mit allem Komfort ausgestattet und erfreut sich lebhaften Zuspruches. Wie bereits angedeutet eignen sich Klima, Schneeverhältnisse und Bodenbeschaffenheit am Semmering in besonderer Weise zur Betätigung des Wintersportes. An den Hängen des Sonnwendsteins befindet sich eine große ausgezeichnete Rodelbahn, eine zweite reicht vom Südbahnhotel bis in den Adlitzgraben. Zwei Eislaufplätze stehen dem Schlittschuhsport zur Verfügung. Die Schlittenbahnen nach allen Richtungen sind geradezu unvergleichlich. Auch für die Skifahrer bieten sich vortreffliche Terrainverhältnisse. Von der Station Semmering führt eine ganz hervorragend schöne Waldstraße in sanften Serpentinen in einer Viertelstunde zur Wasserheilanstalt „SemmeringDiese Straße gehört ohne Zweifel zu den schönsten Landschaftsbildern. Zwischen majestätischen BaumrLesen öffnet sich bald hier, bald dort ein entzückender Ausblick. Poetisches Waldweben umgibt uns und oft erschauen wir hier in dieser idyllischen Ruhe äsende Rehe. Dies ist der Waldbesitz der Wasserheilanstalt, die wir von der letzten Biegung der Straße zugleich mit dem großartigen Schneebergpanorama erblicken. Malerisch anheimelnd liegen die Gebäude der Anstalt da, zierliche Wohnhäuser, eine einladende Liegehalle, die Turnhalle im Stile eines norwegischen Bauernhauses, mehrere Wirtschaftsgebäude u. a. in. Unwillkürlich sagt man sich, daß hier wohl Leiden aller Art, besonders aber kranke Nerven Heilung finden müssen. Die Anstalt steht unter der Leitung des kaiserl. Rates Dr. V6csei Und verfügt über mustergiltige Einrichtungen. Was immer der fortschreitende Zeitgeist an Behelfen und Apparaten sowie Verfahrensarten geschaffen bis zu den allermodernsten 15 - Radiumkuren, findet hier fachkundige Verwertung. Besondere Würdigung verdienen die ebenso zweckmäßigen als behaglich heiteren Wohnzimmer der Kurgäste, die reichlichen Gesellschaftsräume, die ausgedehnten Luft- und Sonnenbäder, der bezaubernd gelegene Tennisplatz und — last not least — die über alles Lob erhabene Küche. Wer mehr erfahren mag, findet jede Auskunft in dem Prospektbüchlein. Unmittelbar bei der Station Semmering beginnt der 1400 Meter lange Haupttunnel, in dessen Mitte sich der Höhepunkt des Passes (897 Meter) befindet. Der Ausgang des Tunnels ist bereits auf steirischem Boden. Dieser Teil des Semnieringgebietes Wasserheilanstalt „Semmering'' zeigt bewaldete Höhen, sanfte grüne Matten, ein idyllisches Landschaftsbild welches durch freundliche Gehöfte, Hammerwerke und Sägemühlen belebt wird. Wir passieren die Sommerfrische Steinhaus und Spital, letzteres am Fuße des Stuhleck und erreichen in der Station Miirzzuschlag das Ende des Semmeringgebietes. Der Markt Miirzzuschlag-, 676 Meter über dem Meere, an der Mündung der Fröschnitz in die Mtirz in einem dichten Kranze von Hochwäldern und Almtriften gelegen, ist der echte Typus einer stei-rischen Gebirgslandschaft. Zwar finden wir hier nicht die unmittelbare Nähe des gewaltigen Hochgebirges, dessen Häupter nur von der Ferne in das liebliche Mürztal grüßen, auch nicht den übertriebenen Luxus moderner Weltbäder, wohl aber einen das Herz und Gemüt erfrischenden von sonnigen üppigen Matten, kühlen Auen und schattigen Wäldern bedeckten idyllischen Erdenfleck, wo der dem Gewühle des Stadtlebens entfliehende Mensch körperliche Gesundung, geistige Spannkraft, Ruhe und Gemütsfrieden — 16 — findet. Die klimatischen Vorzüge dieses beliebten Luftkurortes bestehen in dem Mangel rauher Luftströmungen und andauernder Niederschläge, in der Staubfreiheit, der kräftigen infolge der nahen Wälder ozonreichen Alpenluft. Mürzzuschlag besitzt vorzügliches Hochquellwasser, schöne Wald- und Aupromenaden, Schwimmbad, Tennisplatz und eine gut geleitete Wasserheilanstalt, es ist der Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichtes, eines Post-, Telegraphen- und Telephonamtes und anderer Behörden. Zu den besonderen Annehmlichkeiten des Aufenthaltes gehören die reizenden Spaziergänge und Ausflüge in der näheren und weiteren Umgebung. Wir erwähnen den Gemeindepark mit Mürzzuschlag dem Scheffeldenkmal, die Au mit den Denkmälern Hammerlings und Brahms an den waldigen Abhängen des Kaisersteins bis zur Wehre, einem herrlichen Ruheplatze, dann Holzerbauer, die grüne Insel, den Brunnsteig, die Ganzsteinquelle, die Kanzel u. a. m. Weitere Ausflüge führen nach Neuberg, Miirzsteg, zum „toten Weib", in die Frein. Auch für die Bergtouristik ist Mürzzuschlag ein geeignetes Standquartier, der Ausgangspunkt zur Besteigung des Wechsel, Sonnwendstein, Nasskör, Stuhleck, der Predulalpe, Schneealpe, der Rax und der hohen Veitsch. Nicht blos als Sommerfrische, sondern auch als Wintersportplatz allerersten Ranges erfreut sich Mürzzuschlag eines sehr lebhaften Fremdenverkehrs. Insbesondere der Skisport findet hier infolge der großen Mannigfaltigkeit der Gelände und der günstigen Schneeverhältnisse ein geeignetes Feld. Auf den Bergen befinden sich Schutzhäuser mit Winterbetrieb wie die Nansenhütte am Stuhleck, die Roseggerhütte auf der >7 2 Predulalpe, die Kleinoschekhiitte auf der Sclineealpe u. a. m. Geübte Skiläufer stehen als Führer zur Verfügung. Außerdem gibt es vorzügliche Rodelbahnen, Hörnerschlittenbahnen und eine acht Meter lange Bobsleighbahn. Auch ein großer Eislaufplatz in schöner Lage ist vorhanden. Alle zwei Jahre finden hier die berühmten „Nordischen Spiele" statt. Den Mittel- J^ A punkt des Sport- lebens bildet das hübsche, durch Zubauten vergrößerte und modernisierte Hotel Post des nicht nur als Hotelier sondern auch als Mitbegründer des Wintersportes und Schriftsteller be- w......kannten Toni Schruf. | /v1' ' |f fjSBr In dieser eine be- ^ / Mm q uem e Unterkunft fr iSaf und vorzügliche Ver- MjRffir pflegung bietenden v Gaststätte herrscht im Sommer und Winter ein lebhafter » Verkehr. Hier ist der Sitz der Rosegger-Wintersport Gemeinde, welche nicht bloß in der begeisterten Verehrung für den größten heimischen Dichter, sondern auch in der Förderung und Unterstützung heimatlicher Dichter ihre Aufgabe erblickt. Ungemein stimmungsvoll ist das altdeutsche Roseggerstiibchen, wo die Bildnisse, Manuskripte und sonstige Reliquien von Ros-egger, Scheffel, Dahn, Hammerling pietätvoll aufbewahrt werden. Vom Hotel Post finden die regelmäßigen Fahrten in Rosegger's Waldheimat statt. 18 « St. Pölten phot. N. Kuß Niederösterreichisch-steirische Alpenbahn. Die sogenannte Mariazell er-Bahn, die in Ober-Grafendorf nach Ruprechtshofen abzweigt, ist in ihrer Ilauptlinie St. Pölten-Mariazell-Gußwerk eine Touristenbahn ersten Ranges. Der Ausgangspunkt der Linie ist die aufstrebende Kreisstadt St. Pölten mit zirka 15.000 Einwohnern. Die Strecke bis Rabenstein ist landschaftlich von geringem Reiz. Station Rabenstein, 341 m. Der gleichnamige Markt liegt in einem anmutsvollem Talkessel und ist als Sommeraufenthalt sehr beliebt. Zahlreiche Ausflüge. Nach Passierung der Haltestelle Steinschal und der Station Steinschal— Tradigist, halten wir in der Station Kirchberg a. d. Pielach, 372 m. Der Markt Kirchberg a. d. Pielach liegt hart am Flusse, hat eine reizende Umgebung und ist eine viel besuchte Sommerfrische. Zahlreich und von großer Schönheit sind die Ausflüge in die Umgebung. Es folgt nun Station Löich, von wo aus schöne Gebirgspartien zu unternehmen sind. Haltestelle Weißenburg. Hier erhebt sich rechts auf einem Felsenblock das geborstene Gemäuer einer einst großartigen Feste, die wir u n te r d e m N a m e n Weißen -Pielachschlucht phot. ]. Boyar burg-Ruine kennen. 19 2* Bei der nächsten Station Schwarzenbach a. d. Pitlach geht die Talfahrt zu Ende und wir treten bei Gillis ins Natterstal. Station Frankenfels, 483 tu, der kleinste Markt Niederösterreichs, liegt zwischen malerischen Felsen und weist recht hübsche Spaziergänge und Ausflüge auf. Von Sommerfrischlern gut besucht. Nun kommen wir zur letzten Station des Tales, nach Laubetibachmühle, 543 m (Bahnhofrestaurant). Die Trasse von Laubenbachmühle nach Puchenstuben mit ihren zahlreichen Viadukten und Tunnels ist ein Glanzpunkt der Mariazellerbahn. Immer umfassender wird der Rundblick, mit jeder Wendung der Trasse zeigen sich neue Bilder. Der Ötscher phot. N. Kuß Haltestelle Winterbach, 718 m. Der Ort, eine Viertelstunde von der Haltestelle ist eine stark frequentierte Touristenstation. Puchenstiibcn ist die letzte Station auf der Natterstaler Seite. Dieser Ort, 841 m, mit einem Hotel und mehreren Gasthäusern, ist die alte Herberge der Mariazeller Pilger. Empfehlenswerte Spaziergänge und Ausflüge: „Zum Wastl am Wald", dann an der linken Lisiere des Waldes mit herrlichen Aussichtspunkten ins Trefflingtal zum Trefflingfall; weiter über Trübenbach (Gasthaus) die grotesken Stierwaschmäuer. In Fortsetzung der Fahrt passiert man den 2368 m langen Gösingtunnel, beim Verlassen desselben erblicken wir mit einem Male zu unserer Rechten den berühmten Sagenberg, den Ötscher mit seinem zerfurchten Antlitz und seinen gewaltigen Felsenrippen, dessen Inneres die größten Eishöhlen Österreichs birgt. 20 Station Gösing ist es, in der wir nun halten. (Hotel Gösing mit Restaurant und Fremdenzimmer, Büffet am Bahnhofe, Wintersportplätze.) Von hier erst überblicken wir das ganze herrliche Panorama: Ötsc/ier, Gemeindealpe, Hochschwabgruppe, die Hohe Veitsch, den Großen Koller usw. Gut markierte Wege nach Puchenstuben (2 Stunden), Erlafboden und den Stierwaschmäuern (1 Stunde), Trübenbach, zum Trefflingfall (2l/2 Stunden) und „Wastl am Wald" usw. Von Gösing geht es abwärts, bald durch kurze Tunnels, bald durch tiefe Einschnitte und über Schluchten und Gräben, die von kühn angelegten Viadukten übersetzt werden. Das hervorragendste Bauobjekt ist der 115 m lange und 37 m hohe Saugraben-Viadukt. Station Annaberg, 80G m (Hotel und Gasthaus). Der Ort Annaberg, 1 xjA Stunde von der Station entfernt, ist touristisch bekannt, wegen seiner schönen und interessanten Partien nach Schwarzenbach, Puchenstuben auf den Tirolerkogel usw. Einen Kilometer weiter erreichen wir die reizend gelegene Station Wienerbruch-Josefsberg, 795 m (1 Hotel, 1 Gasthaus), eine stark frequentierte Sommerfrische. Spaziergänge und Ausflüge: Auf den Josefsberg 1 Stunde, auf den Säbel 2l/2 Stunden, zum berühmten Lassingfall eine halbe Stunde. Eine der großartigsten und interessantesten Gebirgspartien aber, ist wohl jene in die Ötschergräben und in die Tormäuer. Die Ötschergräben sind von großartiger Wildheit und fesselnder Abwechslung der Szenerie. Durch die Ötschergräben nach zirka 4 Stunden befindet man sich beim Spielbüchler, nach P/2 stündigem Aufstieg beim Schutzhaus, nach einer weiteren Stunde am Ötschergipfel. Nimmt man den Weg rechts vom Lassingfall, so gelangt man in die hinteren Tormäuer, durch Trübenbach zur Teufelskirche, einem 10 m hohen Felsturm und weiter zum Trefflingfall. Diese Partie bietet unter allen die großartigsten und schauerlich-wildesten Felsenszenerien. Von der Station Wienerbruck-Josefsberg geht es in weitem Bogen nach Westen, den wildromantischen Abstürzen der Erlaf-schlucht, den Zinken zu. Auf der Fahrt ist dies der dritte Glanzpunkt der Bahntrasse mit überwältigender landschaftlichen Schönheit. Haltestelle Erlauf klause. Wie in Wienerbruck so sieht man auch in der Klause die Ingenieure an der Arbeit, die Wasserstauanlagen und Leitungsstollen für das große elektrische Werk anzulegen. Station Mitterbach, 800 m. Der Ort ist an der Grenze Steiermarks, reizend gelegen, elektrisch beleuchtet, hat bedeutendes Torflager, ein Moorbad und ein Flußbad; 2 Gasthöfe und ein Gasthaus sorgen für die Bewältigung des starken Touristenverkehrs. Ausflüge: In einer Stunde zum Erlafsee oder in die Zinken; in gleicher Zeit nach Joscfsberg oder nach Mariazell. Aufstieg auf die Gemeindealpe in 2l/2 Stunden, auf den Ötscher 7 Stunden. War die Reise noch so schön und anziehend, ein Gefühl ganz besonderer Freude durchzieht dennoch unsere Brust, wenn wir den Ruf „Station Mariazell" vernehmen. Der Gnadenort Mariazell ist von einem feinen Hauche der Poesie umgeben und erfüllt. Arme, gedrückte Menschen, geplagt von physischen Schmerzen und seelischen Leiden suchen hier Trost. Wem soll da nicht Stärkung werden, wo die Natur ihr reiches Füllhorn an Schönheit ausgestreut, der reine Odem Gottes über den Bergen liegt und durch die Täler weht? Nicht allein das von Menschen Mariazcll erbaute Gotteshaus zieht Hunderttausende Wallfahrer dorthin, auch der größere von der Allmacht geschaffene freie Tempel dieser schönen Natur ist es, der Legionen von Menschen nach dieser Stätte führt. Für die Unterkunft der Fremden ist bestens in den 30 Hotels und Gasthäusern gesorgt, nebstdem finden die Besucher Mariazells noch in 24 Privathäusern und Herbergen Wohnung, beziehungsweise Schlafstätten. Anmutige Spaziergänge in der Dauer von einer Viertelstunde bis einer Stunde gibt es eine Menge. Halbtagspartien: Bürgeralpl, 1267m l1/« Stunden, Hohenstein V/o Stunden, Erlafsee 1 Stunde, Walster 2 Stunden; Tagespartien: Wienerbruck, Weichselboden, Hochschwab, Zellerhütte. Ausflüge per Wagen nach Kernhof 3 Kronen, nach Neuberg oder Au-Seewiesen 5 Kronen. Von der Station Mariazell 9 Kilometer südwärts liegt die Endstation Gußwerk. — 22 Gußwcrk, 746 m, die Ortschaft mit 950 Einwohnern, hat ihren Namen von der einstmaligen Kanonengießerei. (3 Gasthäuser.) Tagespartien: Erlafsee, Kreuth, Weichselboden, Holl, Bergtouren: Hochschwab, Hohe Veitsch, Tonion, Kräuterin. Die raschen Fortschritte, welche der Bau des Elektrizitätswerkes macht, lassen hoffen, daß im Herbste 1910 der elektrische Betrieb eingeführt sein dürfte. Linie Ober-Grafendorf— Ruprechtshofen. Abseits vom Massenverkehr der Wallfahrer und Touristen, jedoch viel besucht, führt die von Ober- Grafendorf abzweigende Flügelbahn in südwestlicher Richtung durch ein welliges fruchtbares Land. Sowie schon Ober-Grafendorf — ein sehr ansehn- Ruprechtshofen phot. N. Kuß lieber Ort — gern von Sommergästen aufgesucht wird, so finden sich auch in Bischof Stetten, im schön gelegenen Markte Kilb und in den größeren Mank, St. Leonhard am Forst und Ruprechtshofen alljährlich eine grösere Anzahl treuer Freunde ein, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr vermehrt. Mank ist ein sehr schöner Marktflecken mit hübschen Sommerwohnungen und mehreren guten Gasthäusern. Schöne Spaziergänge und Ausflüge usw. 9 Kilometer von Mank ist die Station St. Leonhard am Forst. Dieser Ort (10 Gasthäuser) hat Kirche Post- und Telegraphenamt. Spaziergänge und Ausflüge nach Gassen, Weichselbach, Zel-king bis ins Melktal, auf den Hisberg mit prachtvollem Einblick ins Melktal und Aussicht auf Rax, Schneeberg, Hochschwab usw. In historischer Beziehung ist St. Leonhard ungemein interessant, durch die Reste einer römischen Wasserleitung und prähistorische Grabstätten. Den vorläufigen Endpunkt der Route bildet die Station Ruprechtshofen mit guten Gasthäusern und einer Anzahl schöner Ausflugspunkte. Die Wachau. Zu den hervorragendsten Glanzpunkten Niederösterreichs gehört die „Wachau", jene vielbesungene Talenge des Donau-stromes zwischen den Städten Melk und Krems. Der Hauptreiz ihrer landschaftlichen Schönheit liegt in den Gegensätzen zwischen steilen, mit Nadelholz und Laubwäldern bedeckten Bergen und schroffen Felswänden, lieblichen mit Obst- und Weingärten geschmückten Ufergeländen, freundlichen trauten Ortschaften, malerischen Ruinen und Baudenkmälern einer längst entschwundenen Zeit. Diese herrlichen Landschaftsbilder brauchen den Vergleich mit der Poesie des Rheins nicht zu scheuen. Der Besuch der Wachau ist am besten von der Westbahnstation Melk donau-abwärts zu unternehmen. Schon der Anblick des auf hohem Felsen thronenden Stiftes Melk ist un^emein fesselnd. Im Angesichte der malerischen Ruine Weitenegg fahren wir am Fuße des Jauerling-berges vorbei in dem immer enger werdenden Donautale einer Reihe ungemein anziehender land- £. •. w^fe^iS^iSiS^' (F schaftlicher Szenerien ent- I gegen. Auf kühnem Felsenriff ragt gegenüber dem Orte Ansbach die ro- mantische Ruine Aggstein, ein altes Raubritternest empor. In rebenreicher Lage erblicken wir bald die hübsche Stadt Spitz mit ihrem ch arakteristischen gotischen Münster und ihren einladenden Herber- Aggstein gen. Bald verengtsich wiederdas Tal, auf den Berglehnen zu unserer Linken erblicken wir üppige Weingelände, rechts schroffe Felswände, von dunklen Waldungen überragt. An dem befestigten St Michael vorbei, erreichen wir das ungemein grotesk gelegene Weißenkirchen in einem Gürtel von Ringmauern und Festungstürmen, aus welcher die stattliche Kirche aufragt. Nun beschreibt die Donau einen großen Bogen und in wenigen Minuten werden die beiden Glanzpunkte der Wachau sichtbar, das zwischen lieblichen Weinbergen gebettete Rossatz und die vielgepriesene Ortschaft Diirnstein mit der ehrwürdigen Burgruine, wo einst Richard Löwenherz gefangen saß. Ein selten anziehendes Stimmungsbild gewährt diese alte verwitterte Feste, mit den historischen Erinnerungen aus der Zeit der Hohenstaufen, Schweden und Franzosen inmitten der sonnigen leuchtenden Stromlandschaft. Nach kurzer Zeit erblicken wir das majestätische Stift Göttweig und erreichen das Ende der Fahrt, die hübsch gelegene in moderner Entwicklungerblühende Stadt Krems. - 24 Die Landeshauptstadt der grünen Steiermark, Infolge des besckränkten Raumes müssen wir es uns versagen die zahlreichen herrlichen Punkte des Steirerlandes zu o berühren, doch wollen wir unsere Leser wenigstens in die Landeshauptstadt Graz führen, welche als zweitgrößte und eine der schönsten der deutschen Städte Österreichs, große Anziehungskraft ausübt. Es ist ein ungemein liebliches Städlebild, welches sich, umkränzt von bewaldeten Bergen und Hügeln an beiden Ufern der Mur zu Füßen des Schloßberges malerisch ausbreitet. Sowohl die Murvorstadt am rechten Ufer, als auch die" innere Graz phot. Würthle & Sohn Stadt am linken Ufer der Mur und die sich an dieselbe anschließenden Vorstädte besitzen zahlreiche architektonisch hervorragende Bauten, große Plätze, reizende Gartenanlagen und zeigen durchwegs großstädtischen Verkehr. Zu den großen Vorzügen der an 170.000 Einwohnern zählenden Stadt gehören außer der herrlichen Umgebung das gesunde angenehme Klima, die mustergiltigen Wohlfahrtseinrichtungen und das ausgestaltete Verkehrwesen. Aber auch auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst, der Gewerbe und Industrie nimmt Graz eine hervorragende Stelle ein. Diese glückliche Verbindung zwischen reichen Naturgenuß und hoher Kultur gewährt einen besonderen Reiz und es darf nicht Wunder nehmen, daß die Ansiedelung von Fremden von Jahr zu Jahr zunimmt und sich keineswegs mehr auf Pensionisten beschränkt. Unmittelbar nach Verlassen des Südbahnhofes betreten wir die verkehrsreiche Annenstraße, welche bis zum Murplatz führt. Dort befindet sich das Grand Hotel „Elefant", ein erstklassiges Haus mit elektrischer Beleuchtung, Dampfheizung, Bädern und einem großen schattigen Hotelgarten. Zur Klientel dieses vornehmen Etablissements zählen die besten Kreise des internationalen Grand Hotel „Elefant" Reisepublikums, besonders renommiert sind Küche und Keller. Den Gästen stehen auch Telephon und eine gesperrte Automobil-Garage zur Verfügung. Das Etablissement wird von den Besitzern Jautz & Nowack persönlich geleitet. r-virmiiim ' ""M rj£i:nni!ii! mnm nlfiiu' Grand Hotel Wiesler Bevor man vom Murplatz zur Franz Karl-Brücke kommt, befindet sich zur linken Hand der Lendkai, zur rechten der — 26 Grieskai, welche sich beide am Murufer hinziehen. Am Anfange des Letzteren erhebt sich der elegante Neubau des allrenommierten Grancl Hotel Wiesler, in schöner Lage mit reizender Aussicht. Der Besitzer Anton Wiesicr hat durch die künstlerische äußere und innere Ausstattung des über 80 Zimmer und Appartements enthaltenden Hauses, insbesonders durch die höchst elegante, effektvolle Ausschmückung der Restaurations- und Gesellschaftsräume eine Sehenswürdigkeit geschaffen, welche jeder Großstadt zur Ehre gereichen würde. Dabei ist die Einteilung der zahlreichen Räume ungemein praktisch und der gebotene Komfort musterhaft. Zentralheizung, Lift, elektrische Beleuchtung, Bäder, Lese-, Banket- und Hochzeitssaal, Bürgerstube, Klubzimmer, geschlossene Garage u. a. 111. stehen den Gästen zur Verfügung. Im eleganten Restaurant wird das beste geboten. Das Hotel ist der Sitz des steiermärkischen Automobil-Klub. Hotel Erzherzog Johann « ■ 5 • 'm\ B I« hr~i 1 - Nach Überschreitung der Franz Karl-Brücke, welche den Hauptverkehr zwischen der Murvorstadt und der inneren Stadt vermittelt und eine schöne Aussicht auf den Schloßberg gewährt, betreten wir die innere Stadt. Durch die enge Murgasse gelangen wir auf den imposanten Hauptplatz, wo das berühmte Haus am La egg mit der reichen Stuckfassade unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Schräg gegenüber finden wir das weltbekannte Hotel Erzherzog Johann, das erste Haus der inneren Stadt. Dieses durch Neubau bedeutend vergrößerte und vollständig renovierte Etablissement verfügt über den modernsten Komfort, Lift, elektrisches Licht, Warmwasserheizung u. a. m. In den eleganten Speisesälen sowie in dem äußerst behaglichen Hofgarten findet sich das distinguierteste Publikum zusammen und auf Einheimische wie auf Fremde bewährt sich immer aufs neue die altbewährte Anziehungskraft des Hauses, welches unter der persönlichen Leitung seines Besitzers Fritz Miillcr die Zahl seiner Freunde und Anhänger stets noch vermehrt. Auf dem Hauptplatze, welcher zugleich als Obst- und Blumenmarkt stets lebhaften Verkehr zeigt, erhebt sich der stattliche deutsche Renaissancebau des Rathauses. Vom Hauptplatz läuft die Herrengasse bis zum Bismarckplatz, die lebhafteste Verkehrsader der inneren Stadt, wo zu Mittag und auch abends stets der Korso der eleganten Welt fluktuiert. In der Herrengasse finden wir das im 16. Jahrhundert erbaute Landhaus mit schönem Portal und einem interessanten Brunnen im Hofe. Anstoßend daran befindet sich das aus dem 17. Jahrhundert stammende Zeughaus mit guterhaltener Einrichtung und großartiger Waffensammlung. An der Stadtpfarrkirche vorüber kommen wir zum schönen, von stattlichen Bäumen umsäumten Bismarckplatz mit den Auerspergbrunnen. Grand-Hotel Steirerhof Unweit davon befindet sich der durch regen Geschäftsverkehr belebte Jakomini-Platz, eine Hauptkreuzungsstelle der verschiedenen elektrischen Straßenbahnlinien. Auch hier finden wir ein großes Fremdenetablissement, das Grand Hotel „SteirerhofSeit wenigen Jahren hat sich dieses mit modernem Komfort wie Lift, elektrische Beleuchtung usw. ausgestattete Haus zu einer der beliebtesten Gaststätten von Graz emporgeschwungen. Zu diesem Erfolge hat neben der außerordentlich günstigen Lage die aufmerksame Führung seitens des Hoteliers Winkier beigetragen, welcher nach jeder Richtung hin bemüht ist, die Zufriedenheit seiner Gäste zu erringen. Unterkunft und Ver- pflegung sind hier geradezu musterhaft und der vorherrschende bürgerliche Komfort erhöht die Behaglichkeit des Aufenthaltes. Eine große Anziehungskraft nicht bloß auf Fremde sondern auch auf die besten Kreise der Grazer Gesellschaft übt die vorzügliche Restauration aus, in welcher man nebst feiner Wiener Küche stets auserlesene Getränke, besonders aber stets frisches gutes Pilsnerbier erhält. Nicht weit vom Bismarckplatze befindet sich das vom Erzherzog Johann gegründete Joanneum, welches sich zu einem großen Landesmuseum ausgestaltet hat und reiche naturhistorische und kunstgewerbliche Sammlungen, eine große Bibliothek und Bildergalerie enthält. Auf dem Karl Ludwig-Ring erhebt sich das von Fellner und Helmer erbaute neue Stadttheater. Hier nimmt der ausgedehnte bis an die äußeren Stadtteile reichende Stadtpark seinen Anfang. Die reizenden englischen Gartenanlagen sind mit mehreren kunstvollen Statuen und dem schönen Franz Josefs-Brunnen geschmückt. Auch dem alten Franzensplatz wollen wir einen kurzen Besuch abstatten. Derselbe enthält ein Bronzestandbild des Kaisers Franz I. und ist im Osten von dem ,,Theater am Franzensplatz" und der Kaiserburg begrenzt, wo jetzt die Statthalterei ihren Sitz hat. Sehr interessant und lohnend ist der Besuch des Schloßberges, des Wahrzeichens der Stadt Graz. Auf denselben führt eine Drahtseilbahn hinan, doch ist der Fußweg weit hübscher. Die Befestigungen des Schloßberges wurden gegen die Türken errichtet und im Jahre 1809 erfolgreich gegen die Franzosen behauptet. Am Südabhange steht der alte hohe Uhrturm, dabei der über 90 Meter tiefe Türkenbrunnen. Auch der Glockenturm neben der Terrasse der Restauration ist interessant. Hier bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Stadt, das Murtal und die obersteirischen Berge. Von sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt nennen wir die Universität, die technische Hochschule, die aus dem 13. Jahrhundert stammende gothische Deutsche Ritterordenskirche, die Herz Jesu-Kirche und den im 15. Jahrhundert erbauten Dorn sowie den reichen Barokbau des Mausoleums Kaiser Ferdinand II. Die Umgebung von Graz ist sehr reich an lohnenden Spaziergängen und Ausflügen. Wir erwähnen den Hilmteich mit der aussichtsreichen Hilmwarte, Maria-Trost, Maria-Grün, Kaltenbrunn, Eggenberg, Göstling, Buchkogel, die reizende Bergtour auf den Schöckel, nach Radegund, Tobelbad u. a. m. Wer immer einige Tage in Graz weilt, wird von der Landeshauptstadt der grünen Steiermark die freundlichste Erinnerung mitnehmen. Das Salzkammergut. Für den Besuch des Salzkammergutes wird mit Vorliebe die anmutige gemütliche Landeshauptstadt Oberösterreichs als Ausgangspunkt gewählt. In kaum 3^2stündiger Fahrt bringt uns der Schnellzug der Westbahn von Wien nach Linz, wie im Fluge den Wienerwald, die Donau und die niederösterreichischen Hauptorte St. Pölten, Melk, Pöchlarn undAmstetten berührend. Nach St. Valentin, dem Knotenpunkt der Seitenlinien zur Stadt Steyr und nach Grein an der Donau, übersetzt der Zug auf eiserner Brücke die Enns, den Grenzfluß zwischen Niederösterreich und Oberösterreich und in wenigen Minuten sind wir in Linz. Die hübsche Lage an der Donau, die lohnende Umgebung, das gesunde Klima und die Freundlichkeit der Bevölkerung qualifizieren die Stadt zu einem behaglichen Aufenthalte, zumal auch die Unterkunftsverhältnisse bescheidenen Ansprüchen vollauf genügen. Unter den Sehenswürdigkeiten nimmt der jüngst erbaute gothische Mariendom die erste Stelle ein. Die reichen Sammlungen des Museums, das Landhaus, das kaufmännische Vereinshaus und der städtische Volksgarten verdienen erwähnt zu werden. Auf dem gegenüberliegenden Donauufer befindet sich die durch zwei Brücken mit Linz verbundene Stadt Urfahr. Zu den zahlreichen lohnenden Spaziergängen und Ausflügen zählen der Freinberg, die Franz Josefs-Warte, der von einem Hotel gekrönte Pöstlingberg, auf den eine elektrische Bahn hinauffährt, endlich die interessanten Klöster St. Florian und Wilhering. Von Linz gehen mehrere touristisch bemerkenswerte Bahnlinien aus, so die Mühlkrcisbahn, die Budweiser Linie, die Kremstalbahn mit den Abzweigungen nach Grünau und Bad Hall. An die Kremstalbahn, an welcher der reiche Markt Kremsmünster mit dem berühmten Stifte liegt, schließt sich die neuerbaute Pyhrnbahn an, welche die Verbindung mit dem herrlichen Stoder-tal und dem vielbewunderten Ennstal herstellt. Die Hauptlinie der Westbahn führt uns an der historisch bemerkenswerten industriereichen Stadt Wels vorbei nach Lambach mit dem ehrwürdigen Benediktinerstifte. Von hier geht eine Lokalbahn an dem grotesken Traunfall vorüber nach Gmunden. Wir erreichen in wenigen Minuten die Station Attnang, wo sich die Linie Ried -Schärding—Passau und die Salzkammergut-linie Attnang—Steinach - Irdning kreuzen. Nun stehen wir an der eigentlichen Pforte eines der schönsten österreichischen Alpengebiete, des Salzkammergutes, wejches mit seinem gletschergekrönten Hochgebirge, den lieblichen Tälern, ozonreichen Wäldern, Wiesen und Matten eine seltene Fülle herrlicher Landschaftsbilder gewährt. Hier vereinigen sich die wohltätigen Wirkungen des subalpinen milden und doch belebenden Klimas und der heilwii kenden Quellen und Bäder mit den Segnungen modernen Fortschrittes in Straßen und Wegen, in sanitären und hygienischen Einrichtungen, in vorzüglichen Unter-kunfts- und Verpflegsverhältnissen. Eine reiche Auswahl von Kurorten, Sommerfrischen, Übergangsstationen und touristischen Verkehrszentren bietet sich den Besuchern des Salzkammergutes, dessen Bewohner trotz des Fortschrittes moderner Kultur ihre lebensfrohe Urwiichsigkeit erhalten haben. Von besonderer Bedeutung für den Fremdenverkehr des Salzkammergutes ist die Salzkammergut-Lokalbahn, welche von Ischl aus an den Ufern des Wolfgang- und Mondsees entlang durch wunderbare Landschaftsbilder nach Salzburg fährt. %. % Gmunden phot. Brand Unter den Gebirgen des Salzkammergutes, zu welchem auch das steirische Aussee, das salzburgische Strobl und St. Gilgen zählen, sind vor allem die Dachsteingruppe, dann das Tennengebirge, Höllengebirge, das Todte Gebirge, Sengsengebirge und die Ennstaler Alpen zu nennen. Von den 27 Seen sind die größten und schönsten der Traunsee, Attersee, Wolfgangsee, Hallstädtersee, Mondsee, Gründl-und Altausseersee. Mit Ausnahme des letzteren werden sämtliche mit Dampfbooten befahren. Der Hauptfluß des Salzkammergutes ist die den Traunsee und Hall-stättersee durchfließende Traun. Von Attnang zieht die Bahn durch das Aurachtal in waldreicher Gegend zum Staatsbahnhofe Gmunden hinan, welcher etwa Va Stunde oberhalb der Stadt gelegen, mit dieser durch eine elektrische Bahn verbunden ist. Die Stadt Gmunden, 422 Meter ii. d. M., breitet sich ungemein malerisch im Halbkreise am Nordrande des Traunsees aus. Dieser herrliche See mit seinen klaren, bald tiefblauen, bald smaragdgrünen Fluten, umschlossen von pitoresken Felsbergen, unter denen der Traunstein als Wahrzeichen aufragt, bildet den landschaftlichen Glanzpunkt Gmundens, welches in der schattenreichen Esplanade am Seeufer, der Traunsteinpromenade, der Traunsteinstraße, dem Stadtpark und den Sartorianlagen genußreiche Spaziergänge besitzt. Die mustergiltigen Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt, unter denen wir die Wasserleitung, Schwemmkanalisation, die elektrische Beleuchtung, die modernen Schwimmanstalten, Spital, Armenhaus und Kinderasyl sowie die tadellose Straßenpflege hervorheben, entsprechen den Anforderungen eines Weltkurortes ersten Ranges. Unter den Schulen ist das Mädchenpensionat und Obergymnasium erwähnenswert. Das Saisonleben in Gmunden mit seinem den höchsten Gesellschaftskreisen angehörenden Stammpublikum ist ein ungemein lebhaftes und abwechslungsreiches. Für Zerstreuung sorgen die vorzügliche Kurmusik, das Theater, das Kurhaus mit seinen Lese-, Spiel-, Konversations- und Musiksälen, Konzerten, die Veranstaltung von gemeinsamen Ausflügen, Rundfahrten, Blumenkorso, Regatten, Waldfesten und Tanzreunions. Ungemein lebhaft ist die Beteiligung an den verschiedenen Sportübungen wie Rudern Schwimmen, Segeln, Tennis, Radfahren und Trabrennen. Sogar im Winter gibt es einen Sportplatz für Schlittschuhlaufen sowie gute Gelegenheit für Rodel- und Skisport. Die Unterkunftsverhältnisse in Gmunden sind ungemein günstig. Eine große Anzahl von Villen und Familienquartieren, zumeist mit kleinen Gärten und kompleter Einrichtung, stehen zu Gebote. Die Hotels und Gasthöfe genießen sämtlich einen wohlverdienten ausgezeichneten Ruf. Unter den letzteren nennen wir die erstklassigen Hotels „Austria" und „Bellevucferner Hotel „zum goldenen SchiffHotel Mucha am See, Hotel „zur goldenen Sonne" u. a. m. Als eine Spezialität allerersten Ranges verdient das Sanatorium Gmunden hervorgehoben zu werden, welches eine Kurpension für Kranke, ein Kurhotel für Gesunde und Erholungsbedürftige und eine moderne Kuranstalt für das gesamte Wasser-Heilverfahren vereint. Die hübschen Gebäude dieser Musteranstalt erheben sich am Südabhange des Hochkogels, gegen Norden vollkommen geschützt, inmitten von Gärten und Parkanlagen mit bezaubernder Aussicht auf den Traunsee und das Gebirge. Das durch einen Brückengang mit der eigentlichen Kuranstalt verbundene Kurhotel wendet seine Hauptfront gegen Süden und bietet sowohl in den eleganten Wohnräumen als auch in den Restaurationslokalitäten modernen Komfort und geschmackvolle Ausstattung. Für den geselligen Verkehr stehen ein Damen- salon, ein Billard- und Lesezimmer zur Verfügung. Besonders behaglich ist der Aufenthalt auf der an den Speisesaal angrenzenden Terrasse, ferner die verschließbare Wandelhalle und der Wintergarten. Der hinter den Gebäuden sich ausbreitende Anstaltspark mit schattigen Ruhebänken und Spielplätzen setzt sich in Oertelschen Terrainwegen zum aussichtsreichen Hochkogel fort. Bietet einerseits das Kurhotel als Pension für gesunde und erholungsbedürftige Gäste sowohl in der Unterkunft als in der sorgfältigen abwechslungsreichen Verpflegung einen äußerst angenehmen genußreichen Aufenthalt, so findet der Leidende in der Kuranstalt alle erdenklichen Kurbehelfe der modernen Wissenschaft unter gewissenhafter ärztlicher Leitung. Außer den therapeutischen Abteilungsräumen finden wir hier zwei große Wartesäle, Ruhezimmer, Lesezimmer und die ökonomischen Lokalitäten. Sanatorium und Kurhotel in Gmunden"1 Eine besondere Attraktion bietet das 200 Um große, vollkommen gedeckte Schwimmbassin mit einer Wassertemperatur von 19° R. Alle Arten moderner Hydrotherapie sind in der Kuranstalt erhältlich; ein großes Dampfbad, elektrisches Wechselstrombad u a. m. stehen zu Gebote. Aber auch für die verschiedenen Arten der Mechanotherapie, Gymnastik; orthopädische Behandlung, Massagen, galvanische und faradische Prozeduren ist gesorgt. Es würde zu weit führen, die Einrichtungen dieser klassischen Kuranstalt des Näheren zu erörtern und sei nur noch bemerkt, daß auch für das Inhalationsverfahren nach Bulling, sowie für mikroskopisch-chemische Untersuchungen, ferner für Röntgenuntersuchungen usw. alle Behelfe vorhanden sind. Die Kur- und Badeanstalt steht dem gesamten einheimischen und Kurpublikum zur Benützung offen. Ungemein zahlreich sind die Ausflüge, welche die reizende Umgebung Gmundens gewährt und die zu Fuß, mittelst Ruder- 3 booten, Dampfschiff, Bahn und teilweise auch im Wagen zu erreichen sind. Wir nennen Altmünster, Ebenzweier, Stein, Traun-kirchen, Ebensee, Hoisen, Ramsau, Laudachsee, Mairalm, Lainau-tlial usw. Zu den lohnendsten Partien gehört jedenfalls eine Rundfahrt auf dem See mittelst Dampfschiff, von dem aus die herrlichen Uferlandschaften, die romantischen Gebirgsformationen, die lieblichen Ortschaften und Villen mit Muße bewundert werden können. Einen besonderen Genuß verschafft auch die Fahrt nach dem Traunfall auf einer großen Plätte, welche pfeilschnell und sicher über die Wehren des Flusses hinabgleitet. Von Gmunden führt längs des Sees eine ungemein schöne Kunststraße fast parallel mit der Bahntrasse über Traunkirchen nach dem Südende des Sees, wo sich zwischen hohen Bergen das große Dorf Ebensee ausbreitet. Ebensee besitzt ein großes Salzsudwerk, eine gut eingerichtete Badeanstalt und erfreut sich als Sommerfrische lebhaften Zuspruches. Von hier unternimmt man den Besuch der romantischen, malerisch gelegenen Langbath-seen sowie des Offensees. Während der Bahnfahrt genießen wir in der Station Traunkirchen den herrlichen Ausblick auf den See und die Riesengestalten des Traunstein, Hochkogel und Erlakogel. Ein langer Tunnel führt durch den Sonnenstein zur Station Ebensee. Nun geht es durch das schöne Traunthal an Steinkogl, Langwies und Mitterweißenbach vorüber und bald erblicken wir auf einem Felsblock mitten in der Traun ein großes Kruzifix, das Wahrzeichen von Ischl. An den schön gehaltenen Promenadewegen, den schmucken Villen und Häuschen, den eleganten Spaziergängern merken wir die Nähe des berühmten Kurortes. Bad Ischl nimmt unter den vielen Glanzpunkten unserer Heimat einen ganz besonderen Platz ein. Es ist der Typus eines echt österreichischen Alpenkurortes, einer trotz aller moderner Fortschritte anheimelnd gebliebenen Sommerfrische, einer durch den vieljährigen Sommeraufenthalt der kaiserlichen Familie, durch so manche freud- und leidvolle Erinnerung geweihten Stätte. In einem entzückend schönen Tale gelegen, wo schattige Nadelwälder mit blumenreichen Triften und grünen Wiesen abwechseln, umgeben von einem Kranze reichbewaldeter Berge, welche die Eisfelder des Dachstein überragen, durchströmt von den grünleuchtenden Wellen der Ischl und Traun, geschützt gegen rauhe Nordwinde, gesegnet mit einem milden Alpenklima, mit heilwirkenden Quellen, bevölkert von biederen freundlichen Menschen äußert Ischl eine mächtige Anziehungskraft für jeden Österreicher und auf Tausende aus aller Herren Länder. Mit Stolz blickt Ischl auf ein seit Jahrzehnten treues Stammpublikum, unter dem die glänzendsten Namen der Aristokratie, der Diplomatie, des Beamtentumes, der Generalität, der Kunst, Wissenschaft, Publizistik und des wohlhabenden Bürgertums vertreten sind. Den größten Glanz verleiht aber die alljährliche Anwesenheit des Kaisers, welcher hier Erholung und Zerstreuung von seinen schweren Regentenpflichten und Sorgen findet, des edlen Waidwerkes pflegen und umgeben von seinen Kindern und Kindeskindern die heilsame Ruhe des Landlebens zwanglos genießen kann. Trotz treuen Festhaltens an den Erinnerungen der Vergangenheit und den althergebrachten Sitten hat sich Ischl unaufhaltsam vergrößert und modernisiert. Den zahlreichen Schöpfungen der letzten Jahrzehnte, dem Kurhause, Postgebäude, Schlachthause, der Erweiterung der Kuranstalten, der Hochquellenleitung, Kanalisation, Bad Ischl phot Würthle & Sohn elektrischen Beleuchtung und anderen Wohlfahrtseinrichtungen hat sich im letzten Jahre die Erbauung eines allen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Krankenhauses angereiht. Zu den natürlichen Kurmitteln von Ischl gehören außer dem Klima und den zahlreichen Terrainwegen die beiden kochsalzhaltigen Trinkquellen und die zu Sol- und Schlammbädern verwendete Salzbergschwefelquelle. Den leidenden Kurgästen stehen mehrere Kaltwasserheilanstalten und ein Inhalatorium nach dem System Bulling zur Verfügung. Der ältere Teil von Ischl liegt auf einer von der Ischl und Traun gebildeten Halbinsel, während sich weiter hinaus an den Flußufern die Vororte und Villenviertel erstrecken. Die Straßen, Plätze und Häuser machen einen ungemein anheimelnden Eindruck. Wir erwähnen den Kaiser Ferdinands-Platz mit der ehrwürdigen Pfarrkirche und der stets mit Blumen geschmückten Mariensäule, den Franz Karl-Platz mit dem aus Anlaß des 35 - 3* fünfzigsten Sommeraufenthaltes der Eltern des Kaisers errichteten gotischen Brunnen, den Kreuzplatz mit dem alten Theatergebäude, den Rudolfsgarten mit dem Denkmal für den Erzherzog Rudolf, den Wirerpark, den Kurpark mit dem großen Kurhause, welches inmitten schöner Gartenanlagen eine große Terrasse, ferner Konzert-, Lese-, Spiel- und Restaurationsräume vereinigt. Als Zentrum des Saisonlebens ist die Erzherzog Sophien-Esplanade zu betrachten, wo sich besonders zur Mittagszeit bei den Klängen der Kurmusik das elegante Publikum versammelt. Daß es in einem Luxuskurorte wie Ischl nicht an Zerstreuungen fehlt, ist selbstverständlich. Außer dem Theater und der Kurmusik gibt es zahlreiche Konzerte, Reunions, Parkfeste, Lawn-Tennis-plätze usw. Der wirksamste Zauber liegt aber unstreitig in der Esplanade in Ischl Fülle von Naturschönheiten, welche den bequemen Spaziergänger, sowie den rüstigen Touristen auf Schritt und Tritt begleiten, deren Genuß aber auch den Leidenden von den vielen idyllischen Ruhesitzen, sowie vom Wagen aus möglich ist. Von den zahlreichen Spaziergängen und Ausflügen in der näheren Umgebung erwähnen wir den Park der kaiserlichen Villa mit dem Jainzenberg, die neue Schmalnau, Sophiens Doppelblick, Rettenbachmühle und Wildniß, Siriuskogel, Laufen, Nußensee u. a. m. Ischl besitzt eine größere Anzahl vortrefflicher Hotels und Gasthöfe, unter denen wir das Hotel Elisabeth, Hotel vormals Bauer, Post, Goldenes Kreuz, Kaiserkrone hervorheben. Außerdem gibt es zahlreiche Villen und Wohnungen in freier Lage, zum großen Teil mit Gartenanlagen und vollständiger Haus- und Kücheneinrichtung, endlich auch besteingerichtete Pensionen. Auskünfte in allen Wohnungsfragenerteilen kostenlos und verläßlich die Wohnungsvermittlungsbureaux Berkowit^ch und Heuschober, Die Schilderung von Bad Ischl wäre unvollständig, wollte man nicht einige Worte jener herrlichen Kolonie von Hotel-Pensionen und Villen widmen, welche an einem der lieblichsten Punkte der nächsten Umgebung des Kurortes von dem in weitesten %»*-. • ~ . >v - - . • • Das Kurhaus in Ischl Kreisen bekannten Hotelier Leopold Petter vor Jahren begründet und seither namhaft vergrößert und ausgestaltet wurde. Dieses „Westend"-Viertel von Ischl erstreckt sich von der Esplanade bis Leopold Petters, Restauration, Rudolfshöhe zur Haltestelle Kaltenbach der Salzkammergut-Lokalbahn in einem geschlossenen Areale von mehr als 90.000 Quadratmetern, bedeckt von Wiesen, Fichtenwaldungen und Parkanlagen, zum großen Teile umsäumt von schattigen Alleen. An einer der schönsten 37 Stellen des Parkes erhebt sich bescheiden aber in künstlerischer Naturtreue die von Leopold Peter geschaffene Statue der verewigten Kaiserin Elisabeth. Eine ganze Reihe hübsch gelegener, moderner Etablissements bieten ebenso gesunden als behaglichen Aufenthalt. Das älteste derselben, gewissermaßen das Stammhaus des ausgedehnten Besitzes, ist die von einem großen Garten umgebene Hotel-Pension „Rudolfshöhe", unmittelbar bei der Station Kaltenbach, angrenzend an den Laufner Weg und den schattigen Wald, wo sich der Fürst Metternichplatz mit dem Verlobungspavillon unseres Kaisers ' f'' w t - .. -V —, m Hotel-Pension „Habsburgerhof" befindet. Das mit einem Cafe-Restaurant verbundene Hotel ist elektrisch beleuchtet, enthält mit allem Komfort eingerichtete Wohnzimmer, einen großen luftigen Speisesaal mit gedeckter Terrasse, zahlreiche elegante Gesellschaftsräume, wie Lese-, Musik-, Spiel-und Billardsalon. Im Hause stehen ein interurbanes Telephon, Sol- und Fichtennadelbäder, sowie Equipagen zur Verfügung. Selbstverständlich sind auch Lawn-Tennis- und Croquetspiel-plätze vorhanden. Die „Rudolfshöhe" gehört unstreitig zu den beliebtesten Gaststätten Ischls, wo sich auch das auswärts wohnende Kurpublikum besonders am Abend gerne zusammenfindet. Auch die Hotel-Pension „Habsburgerhof11 an einem der schönsten Punkte der Esplanade mit der Aussicht auf die Schnee-und Eisfelder des Dachstein übt auf das zahlreiche distinguierte Stammpublikum eine große Anziehungskraft aus. Das mit Veranden und Balkons versehene Haus bietet den gleichen Komfort wie die Rudolfshöhe und gewährt den besonderen Vorteil, daß es ebenso nahe dem Walde als dem Zentrum des Kurortes liegt. 38 - Als weitere Dependancen sind zu nennen: die besonders elegant ausgestattete Villa Westend-Bristol, ein vornehmes Heim für ruheliebende Familien, ferner Villa Johann Strauß, Villa Villa Westend-Bristol Johannes Brahtns, das Radetzky-Stöckl, Kolurnbus-Stockt und Villa Hubertus. Die landschaftliche Schönheit und'gesunde Lage Villa Johann Strauß des gesamten Terrains kommt allen Gästen dieser Häuser im gleichen Maße zu statten; es sind Musterbilder von Pensionen, in welchen man keine Bequemlichkeit entbehrt. Die Leitung des großen Betriebes, welche Herr Petter persönlich in der Hand hat, ist eine mustergiltige und erfreut sich derselbe einer großen Anhänglichkeit von Seite seiner Gäste. Die interessante Bahnfahrt, welche uns von Ischl in südlicher Richtung gegen den steirischen Teil des Salzkammergutes führt bewegt sich unausgesetzt bald am rechten, bald am linken Ufer der Traun. Zunächst passieren wir die malerisch gelegene Ortschaft Laufen. Nach wenigen Minuten erreichen wir die Station Anzenau und kurz darauf Goisern. Hier erweitert sich das Tal und die Gegend mit den üppigen Wiesenfeldern, den freundlichen Gehöften und Häuschen gewinnt einen außerordentlich anmutigen Charakter. Goisern, noch vor zwei Dezennien eine bescheidene Jausenstation der Ischler, zählt heute zu den besuchtesten und beliebtesten Luftkurorten des Salzkammergutes. Und fürwahr, wer auch nur wenige Stunden in dem Weichbilde dieses freundlichen Ortes geweilt, welcher so recht im Herzen des Salzkammergutes an einem der lieblichsten Punkte des Trauntals am Fuße des Dachsteinstockes und des Ramsaugebirges im Angesichte schöner Waldberge ausgebreitet ist, der wird dessen Anziehungskraft auf Freunde echten Naturgenusses begreifen. In einer Höhenlage von 500 Meter ti. M., gegen rauhe Winde geschützt, erfreut sich Goisern eines milden und doch kräftigen Alpenklimas. Selbst zur Zeit der glühendsten Sonnenhitze bietet die erfrischende Luftströmung von den Gletschern des Dachsteins und vom Hallstätter See angenehme Kühlung. Die seit mehreren Jahren erbaute Hochquellenleitung versorgt Goisern mit köstlichem Trinkwasser. Apotheke, mehrere • • _ Arzte und eine gut eingerichtete Bade- und Schwimmanstalt, zur Goiserer Mühle gehörig, ferner eine Kaltwasserheilanstalt stehen den Sommergästen zur Verfügung. Der Verschönerungsverein von Goisern hat sich um die Annehmlichkeit des Aufenthaltes durch Herrichtung und Erhaltung von Spazierwegen, Anlage von Ruhesitzen, Errichtung von Lawn-Tennis-Spielplätzen und in vielfacher anderer Art sehr verdient gemacht. Auch die Sektion des Deutschen und österreichischen Alpenvereins entwickelt auf dem Gebiete der Touristik durch Verbesserung und Markierung von Wegen und Empfehlung verläßlicher Bergführer eine eifrige Tätigkeit. Infolge seiner besonders günstigen geographischen Lage als Station der Staatsbahn, von Ischl 20 Minuten, von Aussee eine Stunde entfernt, ist Goisern der beste Ausgangspunkt für Ausflüge nach allen Richtungen des herrlichen Salzkammergutes. Am beliebtesten und wohl auch lohnendsten ist die Tagespartie nach dem Hallstättersee und ins Gosautal. Eine sehr genußreiche Fußwanderung bietet der schöne Solenleitungsweg bis Gosaumühle. - 40 — Für geübte Touristen empfehlen sich die mehrstündigen Bergwanderungen auf den Sarstein, den Hochkalmberg, das Gams-feld, den Stanizen, den Predigtstuhl und den Sandling. Als glänzende Hochtour steht der Dachstein, welcher sowohl von Gösau als von Hallstatt zu besteigen ist, an erster Stelle. Schon aus den bisherigen Mitteilungen läßt sich entnehmen, daß Goisern sich von dem Trubel moderner Luxusbäder ferne hält, dagegen aber sein Hauptgewicht auf den ungestörten friedlichen Vollgenuß all jener Naturvorzüge legt, welche die landschaftliche Schönheit der Gegend, das heilkräftige Klima und die Goisern Thermen des nahen Erzherzogin Marie Valerie-Bades, von dem wir später sprechen werden, in so reichem Maße bieten. Dabei fehlt es keineswegs an Zerstreuung und Anregung und der gesellschaftliche Anschluß ist hier, wo die Elemente gleichartiger und gleichwertiger erscheinen, ein um so leichterer und ungezwungener. Auch diese soziale Eigenart hat Goisern zahlreiche Freunde und Anhänger gewonnen. Für die Unterkunft in Goisern sorgt eine stattliche Anzahl von kleineren und größeren, gut eingerichteten, zumeist mit Küche und Garten versehenen Sommerwohnungen. In den Hotels und Gasthöfen, die sich sämtlich eines guten Rufes erfreuen, findet man freundliche Zimmer und preiswürdige Verpflegung, auch Pension. Unter den letzteren erwähnen wir besonders die alte Goiscrer Mühle, welche sich sehr modernisiert und durch eine elegante Veranda und einen hübschen Sitzgarten und andere Zubauten verschönert hat. Der gute Ruf, die aufmerksame Be- dienung, die schmackhafte Küche und der bekannte Kaffee sin< sich im Wechsel der Zeit gleichgeblieben. Im Hotel „Post" bei Peter findet man hübsche Zimmer elegante Speisesäle und einen großen schattigen Garten. Dil Qualität von Küche und Keller sowie die reelle Führung der Hauses haben sich unter den Sommergästen und Einheimischer einen großen Anhang erworben. Der Gasthof ,,Zum Bärenim Besitze Eduards von Sydler im Mittelpunkt des Ortes, mit freundlichen Wohnungen um geschmackvollem Speisesalon sowie Gastgarten, ist insbesondert wegen seiner vorzüglichen Restauration renommiert. Ein sehr beliebtes Lokal ist auch das in nächster Nähe de Bahnhofes gelegene, mit schattigem Garten versehene Cafi Restaurant „Ramsauer", dessen Küche und Getränke verdientet Anklang finden. Auch elegante Fremdenzimmer stehen hier zu Verfügung. In nächster Nähe von Goisern befindet sich auf einer vor dichten Nadelholzwaldungen bekränzten aussichtsreichen Anhöht das dem k. k. Forstärar gehörige Erzherzogin Marie Valerie Bad, dessen Thermen in kurzer Zeit einen Weltruf gewonner haben. Die Entdeckung dieser Schwefelquelle ist einem merkwürdigen Zufalle zu danken. Im Jahre 1874 wurden von dei k. k. Salinenleitung Tiefbohrungen zu dem Zwecke unternommen um zu eruieren, ob die Salzlager von Ischl und Aussee einer unterirdischen Zusammenhang besitzen. Unter den verschiedener Versuchsstellen wurde auch der Abhang des Predigtstuhles angebohrt. Bei dieser Gelegenheit wurde in einer Tiefe von 308 // die erste und bei 399 m die zweite Schwefelquelle, endlich ir einer Tiefe von 420 m eine warme, mit obigen zwei Schwefelquellen vermischte Mineralwasserquelle gefunden. Nun wurde die durch die Bohrungen gewonnene Schwefelquelle gefaßt isoliert und zutage gefördert. Diese Schwefelquelle liegt zirke 520 tri über dem Meere am Südabhange des Predigtstuhls und liefert stündlich 58 Hektoliter 19° C warmes, nach Schwefelwasserstoff riechendes Wasser, dessen Temperatur bis zu 20*5° C stieg. Kurze Zeit nach der Entdeckung der Quelle wurde derer Wasser von der einheimischen Bevölkerung zu Badezwecker verwendet und ob ihrer Heilkraft gepriesen. Im Jahre 1884 wurde die neue Schwefeltherme vom Forstärar an eine Aktiengesellschaft verpachtet, welche eine bescheidene Badeanstalt in dei Nähe der Quelle errichtete. Im Jahre 1888 wurden Quelle unc Bad vom Forstärar wieder eingelöst und in eigene Regie übernommen. Bereits im Jahre 1882 hatte das vom Hof rat Professoi Dr. Bamberger abgegebene Universitätsgutachten die Heilkraf der Schwefeltherme wissenschaftlich konstatiert. Dieses Gut achten, welches im Jahre 1895 von den Professoren Dr. Ludwii und Dr. Neusser vollinhaltlich bestätigt wurde, lautete dahin 42 - daß die genannte Schwefeltherme nach ihrer Temperatur und ihrem Gehalt an Schwefelwasserstoff und freier Kohlensäure, ferner an Chlor-, Jod- und Bromalkalien ein sehr wertvolles Heilmittel bilde und an der praktischen Verwertbarkeit nicht gezweifelt werden könne. Die Wirkung erstrecke sich besonders auf rheumatische und gichtische Affektionen, auf Skrophulose, Syphilis und andere chronische Krankheiten. Nun begann die Blütezeit des Erzherzogin Marie Valerie-Bades, welches sich schrittweise, ohne Inanspruchnahme schreiender Reklame, im In- und Auslande seinen Ruf eroberte. Im Das k. k. Erzherzogin Marie Valerie-Bad Jahre 1884 wurde an Stelle der bescheidenen Baulichkeiten die heutige Badeanstalt mit 21 Zimmern und ebensovielen bequemen Badekabinen, einer Trinkhalle und mehrfachen anderen notwendigen Lokalitäten erbaut. Etwa 100 Schritte unterhalb der Badeanstalt befindet sich das geräumige, hübsch ausgestattete Kurhotel mit einer großen Terrasse, elegantem Speisesaal, Spiel-und Lesezimmern. Unmittelbar bei der Restauration steht eine gedeckte offene Halle für den Aufenthalt bei Regenwetter den Kurgästen zur Verfügung. Endlich ist noch die höher am Rande des Waldes gelegene Villendependance zu erwähnen. Das gesamte Hotel- und Restaurations-Etablissement erfreut sich auch bei den Goiserer und Ischler Sommergästen großer Beliebtheit. Dasselbe wird von dem Hotelier Scharsching musterhaft geleitet. In unmittelbarer Nähe der Badeanstalt befinden sich reizende Gartenanlagen und gut erhaltene, mit Ruhebänken versehene Waldwege. Besonders angenehm ist der durch ein Tannenwäldchen und über Wiesen zur Bahnstation Anzenau führende Weg. Die Aussicht, welche sich von der Badeanstalt und dem Kurhotel - 43 bietet, erstreckt sich über das Trauntal bis zu den Höhen des Katreingebirges, des Predigtstuhles, der Ewigen Wand, zun Ramsauergebirge, zum Plassen, Schneiderkogel, zum Krippenstein, Däumling und Speikkogel. Diese landschaftlichen Vorzüge, sowie das gleichmäßige kräftige Klima bilden eine willkommene Ergänzung zur Wirkung der gebotenen Kurmittel und so darf es nicht Wunder nehmen, daß das Erzherzogin Marie Valerie-Bad, welches von der k. k. Forst- und Domänenverwaltung in Goisern in vorzüglicher, aufmerksamster Art verwaltet wird, eine von Jahr zu Jahr steigende Frequenz aufzuweisen hat. Zum Schlüsse kann es nicht genug gerühmt werden, daß trotz der vielfachen, dem Badepublikum und den Sommergästen in Goisern gebotenen Bequemlichkeiten weder dort noch im Erzherzogin Marie Valerie-Bad eine Kurtaxe oder ein Musikbeitrag eingehoben wird. Von der Station Goisern führt uns die fortgesetzte Bahnfahrt nach wenigen Minuten an das Ufer des düsteren romantischen Hallstättersees. Nach Passierung der Stationen Steg und Gosau-mühle kommen wir dicht an den Rand des von massigen Felsbergen umschlossenen tiefgrünen Sees, an dessen Südufer die gewaltigen Bergriesen des Plassen, Hirlatz, Zwölferkogel, und Krippenstein sich auftürmen. Von der Haltestelle Hallstatt führ! uns ein kleines Dampfboot zum Markte Hallstatt. Dieser Ort gehört unstreitig zu den interessantesten Punkten der österreichischen Alpenwelt. An der felsigen Berglehne sind die altertümlichen Häuser malerisch um die hochaufragenden Gotteshäuser, die ehrwürdige katholische und moderne evangelische Kirche gruppiert. Zu den Sehenswürdigkeiten dieses für den Naturfreund und Historiker hoch anziehenden Ortes gehören das keltische Gräberfeld am Salzberg, dessen Funde eine Zierde der Wiener Hofmuseen bilden, ferner das Salzbergwerk, die Fachschule für Holz- und Marmorindustrie und das Ortsmuseum mit keltischen Reliquien. Von Hallstatt, wo das Hotel Kainz und mehrere Gasthöfe gute Unterkunft bieten, führt ein reizender Spazierweg zu den Wasserfällen des Waldbachstrub. Die lohnendsten Tagesausflüge von Hallstatt bilden der Besuch der berühmten Gosauseen, von denen besonders der vordere Gosausee mit dem großartigen Anblick des Thorsteins und hohen Dachsteins zu den herrlichsten Schaustücken unserer Bergwelt zählt. Hallstatt ist auch der Ausgangspunkt interessanter hochalpiner Partien, insbesondere auf den hohen Dachstein. Von der Haltestelle Hallstatt geht es durch das wildromantische Koppental nach Aussee, dem Hauptorte des steirischen Salzkammergutes. Der weltbekannte Markt >4£/ssee, ein durch seine besonders kräftige Sole und sein wunderbares Klima bevorzugter Kurort, bildet mit dem herzerfrischenden Zauber seiner Landschaft, den charakteristischen Bergen, ozonreichen Wäldern und blumenreichen Almen eine mächtige Anziehungskraft für leidende, erholungsbedürftige und gesunde Naturfreunde. Seit Jahren steigert sich der Besuch des den besten Kreisen angehörenden internationalen Publikums, zahlreiche Ansiedelungen, eine förmliche Kolonie von Villen und Landhäusern, Pensionen und Kuranstalten sind hier in kurzer Zeit erstanden. Es würde zu weit führen, auch nur flüchtig die Pracht der Ausseer Bergwelt, deren Wahrzeichen, der Loser weithin sichtbar ist, zu schildern. Bequeme und wohlgepflegte Spazierwege mit zahlreichen Ruheplätzen führen längs der rauschenden Traun durch Markt Aussee würzig duftende Tannen- und Fichtenwälder; zu beiden Seiten ragen groteske Felswände auf und die reichste Alpenflora begleitet uns auf Schritt und Tritt. Die unmittelbare Nähe der Wälder, die hochalpine Umgebung am Grundlsee und Altausseersee, die abwechslungsreichen Promenadewege und Ausflüge bilden eine Spezialität von Aussee. Der gottbegnadete Kurort erfreut sich einer ungemein malerischen Lage in einem windgeschützten Talkessel, welchen ein Kranz schöner Berggestalten umgibt. Da ist vor allem im Norden der 1836 Meter hohe Loser und die Trißel-wand, im Osten der Röttelstein, im Süden der Radling und Hoch-zinken, im Westen der Sarstein und Sandling, alles lohnende Wanderziele für rüstige Touristen, welchen gute Wegmarkierungen zu Gebote stehen. Für andere Sportfreunde bietet die gute Beschaffenheit der Straßen genußreiche Wagen- und Automobil- o o fahrten, sowie Radtouren. Ungemein reich ist das Ausseer Saisonleben an Zerstreuungen aller Art. Die Produktionen der Kurkapelle, ein gutes Theater, Konzerte und allerlei gesellige Veranstaltungen, insbesondere aber das rege Leben und Treiben auf den vorzüglichen Tennisplätzen bieten allen jenen Vergnügen, denen der rullige Genuß der Naturschönheiten nicht genügt. Durch eine Reihe mustergiltiger Kureinrichtungen ist für die Heilung suchenden Gäste gesorgt. Da ist zuerst das Kaiser Franz Josefs-Bad mit allen Arten von Heilbädern, Kaltwasserprozeduren, Massage und Inhalationen, ferner das Dr. Bulling-Inhalatorium zu nennen. Von sonstigen Kuranstalten erwähnen wir das physikalisch-diätische Sanatorium „Alpenheim", das Badehotel „Elisabeth". Mehrere gut eingerichtete Badeanstalten Blick auf den Loser sowie eine Schwimmschule stehen dem Publikum zur Verfügung. Die Unterkunftsverhältnisse in Aussee sind außerordentlich günstig. Allen Anforderungen an Komfort und Luxus, sowie auch bescheideneren Ansprüchen genügen die zahlreichen Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Logierhäuser der verschiedensten Art. Ganze Villen mit Gärten, Balkons und Terrassen und vollständiger Einrichtung, sowie zahlreiche Einzelzimmer sind im Kurorte und seiner weiteren Umgebung vorhanden. Von den Hotels seien besonders hervorgehoben Hackingers Hotel »zum Kaiser von Osterreich", Schusters Hotel »zur Post", Lex' Hotel „Erzherzog JohannGasthof »zur goldenen Sonne" u.a.m. Im Cafe „Vesko" und dessen Filiale in Braunfalk, sowie im Kursalon ist das beliebteste Stelldichein des Kurpublikums. Durch eine Reihe guter und preiswürdiger Kaufgeschäfte ist dafür gesorgt, daßdie Sommergäste alle ihre Ansprüche befriedigen können, auch eine Leihbibliothek und Musikalienleihanstalt sind vorhanden. Den Verkehr zwischen dem Bahnhofe und dem Markte, ferner in die Umgebung, insbesondere nach Grundlsee und Altaussee vermitteln zahlreiche einspännige und zweispännige Lohnwagen, sowie bequeme Omnibusse. Zu den letztgenannten Glanzpunkten führen ungemein reizende Fußwege durch blumenreiche Auen, Tannen- und Fichtenwaldungen längs der rauschenden Traun. Ausseer Trachten # Der Grundlsee, welchen man von Aussee in halbstündiger Fahrt und in einstündiger Fußwanderung erreicht, zählt zu den lieblichsten herzerfrischendsten Landschaftsbildern unserer Alpen. Grundlsee phot. Moser — 47 - Zwar fehlen hier die wildromantischen Felsberge und die gewaltige Gletschrestaffage, dafür zeigen die sanften Uferlandschaften mit den üppigen Nadelwäldern, den leuchtend grünen Almen und Grundlsee-Ansicht Triften ein unbeschreiblich liebliches anziehendes Bild. Nur einzelne Gehöfte, Villen und Gasthöfe unterbrechen die friedliche Ruhe dieser Gestade, deren Hintergrund im Norden und Osten Straße in Grundlsce phot. Moser das ernste düstere Todtengebirge mit dem Trißelberg und Reichen-stein bildet. Die Ortschaft Grundlsee, deren nette Häuser sich malerisch um die neue hübsche Kirche gruppieren bietet einen ungemein behaglichen und gesunden Sommeraufenthalt. Das milde - 48 — nicht allzu trockenes Klima wirkt ebenso wie die erquickenden Seebäder ungemein beruhigend auf die Nerven. Das vorzügliche Quellwasser, die zahlreichen gut gehaltenen Spazierwege, die Gelegenheit zum Fischen und Rudern sowie zu interessanten Seefahrten und Ausflügen, endlich die bequeme Verbindung mit der Station Aussee sowie das Vorhandensein eines Post- und Telegraphenamtes und einer Telephonstelle gewähren den Sommergästen große Annehmlichkeiten, und so mag es nicht Wunder nehmen, daß die Frequenz des Besuches von Jahr zu Jahr steigt. Aussicht von der Terrasse des Hotel Bellevue phot. Moser Der Weg von Aussee führt zunächst zur Seeklause an der Westspitze des Sees. Von hier erreicht man in wenigen Minuten das auf einer Anhöhe ober dem Seerande sich erhebende Hotel Bellevue. Das modern gebaute Haus enthält freundliche gut eingerichtete Wohnzimmer, Speise- und Gesellschaftsräume und ist für längeren Aufenthalt sowie für kürzeres Verweilen vorzüglich geeignet. Eine besondere Anziehungskraft übt die Veranda und große Terrasse vor dem Hotel aus, ein Lieblingsplatz der Gäste des Hauses und der allabendlich von Aussee herpilgernden Kurgäste. Hier bietet sich eine herrliche Aussicht über die ganze Länge des Sees, die lieblichen Ufer und das Tote Gebirge. Nächst der Terrasse befinden sich die stark frequentierten Tennisplätze. Das Hotel Bellevue ist vor Kurzem in den Besitz des von ihrer Tätigkeit a's Direktrice des Badehotels Elisabeth in Aussee allseits geschätzten und beliebten Fräulein Anna Brcintner übergegangen, 51 deren zielbewußtes Wirken im Hause sowie in Küche und Keller eine glänzende Zukunft dieses Etablissements verspricht. Von der Seeklause führt ein reizender Fußweg dem niedlichen Ufer entlang in einer Viertelstunde zum Gasthof Schraml, dem eigentlichen Mittelpunkte der Sommerfrische Grundlsee. Gasthof Schraml phot. Moser Dieses altangesehene Etablissement liegt auf einer Anhöhe knapp am Rande des Sees und gewährt insbesondere von der Veranda und der hübschen Gartenterrasse aus einen ungemein schönen Badehaus Rudolf Schraml phot. Moser Ausblick auf den See und seine Umrahmung. Die bekannt gute Unterkunft und Verpflegung in SchramFs Gasthof hat demselben ein weitverbreitetes Renommee verschafft; das Etablissement ist 50 nicht nur von zahlreichen Saisongästen frequentiert, sondern bildet auch eine sehr beliebte Jausenstation für das Kurpublikum von Aussee. In unmittelbarer Nähe des Gasthofes Schraml befindet sich die ausgezeichnet eingerichtete Badeanstalt des Dampschiff-unternehmers Rudolf Schraml, in welcher sowohl Seebäder als auch warme und Solbäder zur Verfügung stehen. Der Dampfschiffverkehr auf dem Grundlsee erhöht nicht unwesentlich die Annehmlichkeit des Sommeraufenthaltes und gibt Gelegenheit, in bequemer Weise die landschaftlichen Schönheiten Der Toplitzsee phot. Würthle & Sohn des Sees und seiner Umgebung kennen zu lernen. Der Dampfschiffkurs beginnt bei der Seeklause und wendet sich dann zur Landungsstation beim Gasthof Schraml. Von hier aus erreicht der Dampfer in etwa Stunden die am Westende des Sees gelegene Ortschaft Gößl in hübscher Umgebung. Von hier aus, wo die Dampschiffahrt endet, wird gewöhnlich der Ausflug zum Töplitz- und Kammersee fortgesetzt. Man wandert in etwa 20 Minuten zu dem von wilden Felsenmauern eingeschlossenen Toplitzsee, dessen romantischen Zauber man während der Kahnfahrt genießt. Am Westufer bezeichnet ein Gedenkstein die Stelle, wo Erzherzog Johann seine nachmalige Gemahlin zum erstenmal erblickte. Vom Ostende des Sees gelangt man in wenigen Minuten zu dem in düsterer Einsamkeit in einem Felsenkessel ruhenden kleinen Kammersee am Fuße des Toten Gebirges. Die soeben angeführte höchst interessante Drei-Seen-Tour erfordert einen Gesamtzeitaufwand von 3 Stunden und werden die Karten für Dampfschiff- und Bootfahrt bei der Dampferstation Schraml ausgegeben. 53* Alt-Aussee ist ebenso wie Grundlsee in einstündiger Fußwanderung oder halbstündiger Fahrt von Aussee zu erreichen. Der See hat einen etwas düsteren Charakter und zeigt zumeist Hochgebirgsszenerien. Am Nordufer erhebt sich der Loser, im Osten ragt das Tote Gebirge mit der steilen Trißelwand empor. Die größte Auziehungskraft übt der Dachstein mit dem Karls-Eisfeld aus, dessen Anblick man von dem weltbekannten Hotel Seewirt, oder noch besser von der Seewiese am nördlichen Seeufer genießt. Die Ortschaft Aussee enthält zahlreiche Villen und Privatwohnungen, auch einige gute Gasthöfe und eine Badeanstalt. Das Stammpublikum rekrutiert sich aus vornehmen Adelskreisen und Vertretern der haute finance. Zu den schönsten Spazierwegen zählt die Promenade um den See, auf den Salzberg und die Ruine Pflindsberg mit prächtiger Aussicht. Das Verkehrsgebiet der Salzkammergut-Lokalbahn. Um den westlichen Teil des Salzkammergutes kennen zu lernen, vertrauen wir uns der hochinteressanten Salzkammergut-Lokalbahn an, welche an den Ufern des Wolfgang- und Mondsees entlang angesichts herrlicher Landschaftsbilder von Ischl nach Salzburg führt Unmittelbar nach der Station Kaltenbach passiert der Zug einen 695 m langen Tunnel. Wir werfen noch einen Blick auf das schöne Ischler Tal mit dem Hainzell, dem Ahornfeld und der Ziemitz zurück, überschreiten nach der Haltestelle Aschau die salzburgische Grenze und kommen in etwa einer Viertelstunde zur Station Strobl am südöstlichen Strande des Wolfgang- oder Abersees. Hier erblicken wir zuerst im Norden das scharfe charakteristische Profil des Schafberges mit dem Hotel am Gipfel. Das Dorf Strobl, welches sich günstiger klimatischer Verhältnisse und eines köstlichen Strandbades erfreut, hat sich seit Erbauung des modernen mit allem Komfort ausgestatteten Hotels am See aus einem beliebten Ausflugsorte der Ischler zu einer vielbesuchten Sommerfrische entwickelt. In Strobl kann man einen der drei komfortable Dampfer besteigen, um in herrlicher Rundfahrt die pitoresken Uferlandschaften bis St. Gilgen am anderen Ende des Sees zu genießen. Wir aber setzen vorerst die Eisenbahnfahrt fort und gelangen in wenigen Minuten zur Station St. Wolfgang, von wo uns ein kleines Dampfschiff quer über den See zum Markt St. Wolfgang führt. Der malerisch gelegene Ort wird von den steilen Felsabhängen des Schafbergmassivs mit dem Falkenstein [überragt. Während auf der Südseite sanfte Anhöhen mit Wald und Almen den zauberhaften See begrenzen, erheben sich an der Siidostseite die charakteristischen Spitzen des Sperber, der Rettenkogel, die Pieckwand und das Wieslerhorn, im Hintergrunde die Kalkfelsen der Hohen Schrott und des Toten Gebirges. Der alte Markt St. Wolfgang hat sich ungemein rasch in einen blühenden Alpen- - 52 kurortj verwandelt,J', dessen [schmucke^ Villen, moderne Badeanstalten, Gärten und Promenadewege, vor allem [aber dessen gute, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Gaststätten dem zahlreichen distinguierten Publikum alle Annehmlichkeiten eines gesunden behaglichen Sommeraufenthaltes bieten. Dabei ist die malerische Bauart der alten Häuser und Plätze, die urwüchsige schlichte Art der Bewohner gleich anheimelnd geblieben. Interessante Sehenswürdigkeiten bilden die ehrwürdige Pfarrkirche mit dem berühmten geschnitzten Flügelaltar, die Grabeskapelle des heiligen Wolfgang, der schöne aus Glockenmetall gegossene St. Wolfgang phot. Warthle & Sohn Brunnen im Pfarrhofe und die idyllische Kapelle auf dem etwa über eine Stunde entfernten Falkenstein. Neben der Verehrung des heiligen Wolfgang ist es die Erinnerung an den Dichter Viktor von Scheffel, welche der ganzen Gegend anhaftet. Hier erhielt letzterer die Anregung zur herrlichen Dichtung „Die Bergpsalmen". Dank der landschaftlichen Schönheiten von St. Wolfgang, der klimatischen Vorzüge und der zahlreichen geselligen Anregungen und Zerstreuungen, hat sich die Frequenz in den letzten Jahren ungemein gehoben. Schwimmen, Rudern, Musik, Tanz, Tennisspiel, Fischerei und Segelsport werden eifrig betrieben, und so gewährt St. Wolfgang ein sonniges, lebensfrohes und farbenreiches Bild. Das Zentrum des Fremdenverkehres findet man in den Etablissements des um die Entwicklung des Luftkurortes hochverdienten Hoteliers Paul Peter. In erhöhter Lage ober dem Orte erhebt sich der stattliche mit zahlreichen Balkons, Veranden und Terrassen versehene Bau des Hotel und Pension P.Peter, vorm. Peterbräu. Von den Fenstern und der gedeckten Veranda desselben genießt man eine prachtvolle Aussicht auf den See und das Gebirge. In dem ganzen geräumigen Hause herrscht überall jener behagliche Komfort, welcher moderne Ansprüche vollauf befriedigt. Sowohl Küche als Keller funktionieren tadellos, und mit besonderer Aufmerksamkeit ist die Leitung des Etablissements bemüht, die verschiedensten Anforderungen der zahlreichen Gäste zu befriedigen. Das zweite der Peterschen Etablissements ist das Pensions-Hotel „zur Schafbergbahn"an einem der schönsten Punkte am See, unmittelbar beim Landungsplatze der Station Zahnrad- Das Etablissement P. Peter bahn gelegen. Dieses große Etablissement, welches erst vor Kurzem durch schöne Flügelanbauten erweitert und zu einem modernen Prachthotel umgebaut wurde, enthält elegante Wohnappartements, großartige, reich ausgestattete Speise- und Gesellschaftsräume und ein ungemein stimmungsvolles Kaffeehaus. Den Glanzpunkt bildet die ausgedehnte gedeckte Veranda, welche sich in der Terrasse und dem schattigen Restaurationsgarten bis an den Seerand fortsetzt. Hier ist besonders an schönen Abenden und Sonntags bei den Konzerten der Salzburger Militärkapelle der Sammelpunkt der eleganten Welt nicht nur von St. Wolfgang, sondern auch von St. Gilgen, Ischl und der gesamten Umgebung. Hier führt auch der Hauptkorso durch die neu geschaffene herrliche Avenue an den Seebädern und Tennisplätzen vorüber bis zum Leuchtturm und noch weiter auf schöner Straße bis zum Schlosse Frauenstein. Zum Peterschen Besitze gehört auch das als Touristenherberge beliebte Alte Peterbräu mit warmen und Soolbädern, ferner eine große Meierei, mehrere Hoteldependancen und Villen, sowie zwei modern eingerichtete Bade- und Schwimmanstalten. Hotelier Peter ist auch Pächter des der Salzkammergut-Lokal-bahn gehörigen Berghotels auf dem Gipfel des Schafberges, auf welches wir später zurückkommen. St. Wolfgang erfreut sich noch eines zweiten erstklassigen Fremden - Etablissements, des renommierten Hotels ,,zum weißen Rössel". Dasselbe erhebt sich unmittelbar am Hauptlandungsplatze und dem kleinen Hafen für Ruder- und Segelboote. Das unter dem neuen Regime Draßl-Hanemann geschmackvoll adaptierte Haus enthält elegante Zimmer und Appartements, Bäder in jeder Etage, ferner Konversationsräume, Kaffee- und Billardsalon. Den Glanzpunkt bildet die sich an den hübschen Speisesaal anschließende, große, geschmackvoll ausgestattete Terrasse, welche einen wunderbaren Ausblick auf den See und die denselben umschließenden Berge gewährt. Hier findet sich allabendlich, besonders während der wöchentlichen Konzerte der Kapelle vom Theater an der Wien, ein aus den distinguierten Gästen des Hauses, Passanten und auswärts wohnenden Sommerfrischlern bestehendes elegantes Publikum, welches sich im Angesichte der unvergleichlichen Landschaft an den ausgewählten Darbietungen von Küche und Keller erfreut. Einen sehr angenehmen Aufenthalt bietet auch die zum Hotel „weißes Rössel" gehörige Dependance „zum Kort Isen ", inmitten eines schattigen Gartens am Seeufer gelegen. Dieses Hotel-Etablissement ist insbesondere für Ruhe liebende Familien zu längerem Verweilen geeignet. Den Gästen beider Hotels steht eine Auto-Garage für vier Wagen, eine Benzinstation und mechanische Werkstätte zur Verfügung. Auch eine eigene Jagd auf Hochwild und Gemsen, sowie Gelegenheit zur Fischerei ist geboten. Von den sonstigen Gaststätten in St. Wolfgang erwähnen wir Draßls „Gasthof Zimmerbräu" mit Cafe- und Billardzimmer, insbesondere wegen der guten Weine und des stets frischen Pilsner und Spatenbräues beliebt, ferner Schaders Gasthof „zum Touristen Die Umgebung von St. Wolfgang umfaßt eine ganze Reihe von reizenden Spaziergängen und Ausflugszielen, wie die Dittelbach-wildnis, den Kalvarienberg, den Malersteig, Holzerbauer, Schwarzensee, den Falkenstein mit der Einsiedelei des heiligen Wolfgang u. a. m. Den hervorragendsten Glanzpunkt der Umgebung bildet der Schafbergder „österreichischeRigi". Seit der im Jahre 1893 vollendeten Zahnradbahn ist der aussichtsreiche Gipfel des Schafberges auch für Bequeme leicht und sicher zu erreichen. Die Fahrt selbst ist ungemein genußreich, und an schönen Sommertagen sieht man hier Tausende von Menschen die in rascher Aufeinanderfolge abgehenden Züge benützen. Bald nach Beginn der Fahrt wird auf einem Viadukt der wilde Dittelbach übersetzt, - 55 — dann beginnt die kontinuierliche Steigung, und je höher wir kommen, desto entzückender gestaltet sich der Blick auf den Abersee und das Gebirge. Über tiefe Schluchten geht es dann zur 1360 Meter hohen Schafbergalpe, wo sich die Bahntrasse der Mondseer Seite zuwendet. Wir erblicken die Salzburger Berge, den Hohen Göll, Stauffen, Untersberg, tief unter uns liegt der Spiegel des Abersees mit dem Falkenstein und St. Gilgen, Schloß Hüttenstein mit dem Grottensee. Bald werden auch der Mondsee und Zellersee sichtbar. Die Bahn verläßt die Waldregion und erklimmt in großem Bogen den kahlen Felsrücken. Ungemein interessant ist die Fahrt beim Eingang in den 100 Meter langen Tunnel, innerhalb dessen eine ausgebrochene Öffnung den überraschenden Anblick des Attersees gestattet. BeimVerlassen desTunnels ist der Attersee verschwunden und wir sehen unter uns wieder den Wolfgangsee. Nach ungefähr einstündiger Fahrt erreichen wir die Endstation. Von dort führt ein Fußsteig in etwa 10 Minuten zu dem 40 Meter höher gelegenen Schafberghotel. Dasselbe, welches, wie wir bereits erwähnt, der Salzkammergut-Lokalbahn gehört und vom Hotelier Peter betrieben wird, muß als ein erstklassiges alpinesEtablisse-ment bezeichnet werden. Die Zimmer sind elegant, die großen Speisesäle und Veranden geschmackvoll ausgestattet. Die Verpflegung und Bedienung, welche bei dem häufigen Massenandrang sich oft schwierig gestaltet, wird musterhaft bewältigt, und bei dem gebotenen Komfort vergißt man oft, daß man sich in einer Höhe von 1780 Meter über dem Meere befindet. Geradezu überwältigend ist das Panorama, welches sich hier oben unseren Blicken darbietet. Aus der Riesenwelt der Alpenketten des Salzkammergutes, der Steiermark und Salzburgs ragen in großartiger Schönheit im Süden die Dachsteingruppe und die Übergossene Alm mit dem Hochkönig empor. Nicht weniger als vierzehn Seen sind von hier aus sichtbar, darunter der Aber-, Atter- und Mondsee, der Fuschlsee, der Trumersee und Wallersee. Weit reicht der Blick Die Schafbergspitze gegen Westen ins flache Land über die bayrische Ebene bis ins südliche Böhmen. Im Süden und Osten reihen sich Berg an Berg. Wir sehen vor uns die Ischler Berge mit der Ziemitz, das Höllengebirge, den Traunstein bei Gmunden, das Tote Gebirge bei Aussee mit dem Hohen Priel, die Ennsthaler Berge, das Hochland des Salzkammergutes, über welchen der Dachstein mit seinen Gletschern thront. Dann weiter im Süden die Radstätter und Gasteiner Tauern, das Tännengebirge, das Steinerne Meer und die Übergossene Alm. An diese reihen sich die Berchtesgadner Berge mit dem Hohen Göll und Watzmann, die Loferer Steinberge, der Sagenreiche Untersberg, dahinter die Tiroler Bergwelt, Gasthof Lueg phot. Wilrthle & Sohn aus welcher der Wilde Kaiser bei Kufstein emporragt. Auch der Wendelstein und der Hohe Stauffen sind erkennbar. Es ist ein Anblick von unwiderstehlichem Zauber, der sich dem Besucher des Schafberges bietet, tief ergreift ihn die erhabene Schönheit der Gottesnatur, die er an wenigen Punkten der Welt so bequem genießen kann. Noch erfüllt von dem überwältigenden Eindrucke der erschauten Alpenpracht, steigt er wieder zum Tale hinab, zum gastlichen Gestade des lieblichen Sees, in den Bannkreis des heiligen Wolfgang. Wir nehmen nun Abschied von St. Wolfgang und besteigen das Dampfschiff, um an das westliche Seeufer zu gelangen und die übrigen landschaftlichen Schönheiten des Sees, wenn auch nur im Fluge kennen zu lernen. Zunächst landen wir bei Lueg, wo sich eine Dampfschiffstation und Haltestelle der Bahn befindet % In Lueg erhebt sich seit mehreren Jahren der von der Salzburger Stieglbrauerei erbaute und ihr gehörige Gasthof Lueg. Das mit vornehmer Eleganz ausgestattete Haus mit seinen freundlichen Zimmern, Balkons und Veranden wird mustergiltig geführt und erfreut sich sowohl bei seinen Saisongästen als auch bei dem Publikum der Nachbarorte großer Beliebtheit. An schönen Tagen kommen die zahlreichen Anhänger dieses Etablissement zu Schiff und zu Wagen, mit der Bahn und im Automobil, auf Fahrrädern und zu Fuß in hellen Scharen, um hier den Nachmittag und Abend genußreich zu verbringen. Von Lueg aus genießt man aber auch unstreitig den allerschönsten Rundblick über die ganze Ausdehnung des Sees, gerade gegenüber erblickt man den steilen Abfall der Falkensteinwand mit der dem Dichter Viktor von Scheffel gewidmeten Inschrift. Der Dampfer überquert nun den See bis zu dem idyllischen Uferort Färberg, wo ein ländliches Restaurant zu längerem Verweilen einladet. In wenigen Minuten landen wir in St. Gilgen, einer Hauptstation der Salzkammergut-Lokalbahn. Auch diese Sommerfrische erfreut sich infolge der günstigen klimatischen Verhältnisse, der bequemen Seebäder und der zahlreichen Spaziergänge und Ausflüge großer Beliebtheit. In den letzten Jahren ist an den schönsten Stellen des Ufergeländes und Waldrandes eine Reihe stilvoller eleganter Villen entstanden, welche dieUnterkunfts-verhältnisse des Ortes günstig beeinflussen. Auch hier wird Ruder-und Schwimmsport, sowie Tennisspiel eifrig betrieben. Die vielen Gasthöfe von St. Gilgen erfreuen sich eines wohlverdienten guten Rufes. Wir nennen das moderne Seehotel, den Gasthof „zur Post"> die Seerestauration u. a. m. Die Lokomotive führt uns nun an der ehemaligen Billroth-Villa vorbei, aufwärts durch schattigen Wald. Bald erreichen wir die Station Hütt enstein, wo der schwarze Grottensee und ein hübsches Schloß auf der Anhöhe unsere Aufmerksamkeit erregen. Nach Passierung einiger Tunnels erblicken wir tief unter uns den blauen Spiegel des Mondsees, dessen Ufer wir nicht so bald verlassen. An den Haltestellen Scharfling und Plomberg vorüber eilt der Zug auf kunstvoller Trasse längs der Felsenabhänge des Drachensteins zur Station St. Lorenzen, von wo uns eine Flügelbahn zum Markte Mondsee am Nordwestende des gleichnamigen Sees führt. Der große von 1600 Bewohnern besiedelte Ort zeigt erfrischenden ländlichen Charakter. Zu den Sehenswürdigkeiten desselben zählen die imposante Kirche, das fürstlich Wredesche Schloß, eine ehemalige Benediktinerabtei. In den weitläufigen Wirtschaftsgebäuden der letzteren wird der weltbekannte Mondseer Schachtelkäs erzeugt. Den Sommergästen sind viele Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten geboten, hier sind die Hochquellenleitung, elektrische Beleuchtung, Telephon, die Wasserheilanstalt und vor allem die großen Seebadeanstalten zu erwähnen. Die Unterkunftsverhältnisse sind günstig, eine Reihe von Villen und Landhäusern bieten vollkommen eingerichtete Wohnungen. Die Gasthöfe des Marktes gewähren volle Befriedigung bescheidener - 60 — Ansprüche. Wir nennen das Hotel „Postdie Gasthöfe „Kofier-bräu„zur goldenen Kroneu u. a. m. Das Zentrum des geselligen Kurlebens von Mondsee, den Hauptkorso finden wir in der schönen, mehr als 100 Jahre alten Lindenallee, welche sich vom Markte bis zum Seeufer erstreckt und in dem Franz Josefs-Kai ihre Fortsetzung findet. Den herrlichen Platz beim Ausgang der Allee schmückt die von Rudolf Weyr geschaffene lebensgroße Marmorstatue seiner Gattin, ein ungemein stimmungsvolles Meisterwerk. Wenige Schritte davon entfernt befindet sich der Hauptlandungsplatz mit dem eleganten Dampfschiffstationsgebäude und dem geschmackvoll ausgestatteten See-Restaurant Grill room. Dieses erstklassige Etablissement, welches der Initiative des um Mondsee vielverdienten Dampf- See-Restaurant ,,Grill room" schiffunternehmers zu danken ist, bildet das Stelldichein der guten Gesellschaft, welche hier mit Vorliebe sich den Genüssen des Restaurants und der unvergleichlich schönen Aussicht hingibt. Um die landschaftlichen Schönheiten des Mondsees kennen zu lernen, müssen wir eine Rundfahrt auf einem der eleganten Dampfer unternehmen. Die Fahrt geht zunächst in südöstlicher Richtung nach Plomberg am Fuße der Drachenwand, welche mit dem „Drachenloch" und dem sogenannten „Finger" einen pittoresken Anblick gewährt. Auf der linken Seite sehen wir das Höllengebirge und den hohen Priel. Plomberg, welches auch Bahnhaltestelle ist, besteht aus einer hübschen Villa und einem einfachen Gasthause, dessen Veranda von einer riesigen Linde beschattet wird. Nahe am dichtbewaldeten Ufer geht nun die Fahrt weiter nach Scharfling, einem beliebten Sommeraufenthalte mit angenehmen Seebädern, einem großem Gasthofe und hübschen Spazierwegen durch die Waldungen. Vom Landungswege führt ein etwas steil ansteigender Fußweg in etwa 15 Minuten zur Bahnhaltestelle. Nun durchquert der Dampfer den See und landet am linken Ufer in Pichl-Auhof, dessen Schönheit uns zu längerem Verweilen veranlaßt. Hier bietet sich die anerkannt schönste Schafbergaussicht. Schon während wir uns dem Strande nähern, belehrt uns das am Landungsplatze erwartungsvoll versammelte, elegant gekleidete, distinguierte Publikum, daß es ein besonderes fas-hionables Etablissement ist, dessen gastlichen Boden wir betreten. Geradezu entzückend ist die Lage desselben am Rande einer waldigen Bergeshöhe, umgeben von natürlichen Parkanlagen, welche sich bis zu dem strandartigen Seeufer hinziehen. Zu den Gebäuden dieser Besitzung gehören vor allem das im Schweizerstil geschmackvoll erbaute, mit Balkons und Veranden versehene Hotel mit der Restauration, ferner zwei offene Pavillons und ein Pichl-Auhof großer schattiger Speiseplatz, endlich drei Dependance-Villen, welche gleichfalls mit Veranden ausgestattet sind. Sämtliche Wohnappartements sind elegant und zugleich behaglich und entsprechen ebenso wie die vorzügliche Verpflegung und aufmerksame Bedienung den Anforderungen eines vornehmen Familienheims. Pichl-Auhof bietet unstreitig den schönsten Aussichtspunkt des Mondsees, insbesondere der Anblick des Schafberges und der Kienbergwand kommt hier am besten zur Geltung. Ungemein lebhaft gestaltet sich das Badeleben, welches durch die laue Temperatur des Wassers und das strandartige Ufer besonders begünstigt wird. In der Badeanstalt ist auch Gelegenheit für Sonnenbäder vorhanden. Schwimmen, Rudern und der Segelsport bilden die Hauptfaktoren des ungemein heiteren, regen Gesellschaftslebens zu Wasser. Daß auch der Sport zu Lande, wie Fahrrad, Automobil, Tennisspiel u. a. m. eifrigst betrieben wird, ist selbstverständlich. Überhaupt herrscht unter der zumeist aus Stammgästen bestehenden Gesellschaft in Pichl-Auhof ein unge- - 60 — zwungener, aber sehr distinguierter Ton, und durch die Gleich-artigkeit der Elemente wird auch der Anschluß der Familien am meisten gefördert. In dem eigenen Park und Wald finden sich längs den wohlgepflegten Wegen angenehme Ruhebänke, welche selbst den Allerbequemsten Naturgenuß verschaffen. Das im Hotel befindliche Post- und Telegraphenamt ist für die Gäste des M Hauses, sowie für die Passanten sehr willkommen. Uberhaupt fehlt es in Pichl-Auhof, dessen umfangreichen Betrieb der Besitzer Viktor Rößle persönlich leitet, an keiner Bequemlichkeit für das den besten Kreisen angehörende Publikum. In Pichl-Auhof sind ebonso wie in Mondsee und Kreuzstein Cottage-Anlagen Pavillon der elektrischen Bahn in See käuflich zu erwerben, über welche der Verschönerungsverein und die Dampfschiffahrts-Unternehmung in Mondsee Auskunft erteilen. Der Dampfer wendet sich nun wieder an das rechte Seeufer gegen den dichtbewaldeten Abhang der Kienbergerwand. Am Fuße derselben erblicken wir das eigenartige Waldhotel Kreuz-stein, welchem nach vollendetem Ausbau eine schöne Zukunft blühen dürfte. Schon jetzt ist es infolge der herrlichen würzigen Waldluft von Passanten und Gästen besucht. Wir fahren nun weiter zur Endstation See, einer idyllisch ruhigen Sommerfrische mit einfachem Gasthof. Seit kurzem erhebt sich hier der hübsche norwegische Stationspavillon, der nach Unterach führenden elektischen Lokalbahn, die zu den Rundfahrten, der Mondseer und Atterseer Dampfer Anschluß hat. — 61 — % In Unterach erreichen wir den größten der oberösterreichen Seen, den Attersee, welcher sich in einer Länge von 20 Kilometern von Süden nach Norden erstreckt. An den lieblichen Ufergeländern dieses schönen blauen Sees, welcher köstliche Bäder, sowie Gelegenheit zum Fischen, Rudern und Segeln bietet, herrscht ein mildes gesundes Klima und eine überaus reiche Vegetation. Eine Reihe von reizenden Sommerfrischen, Villen und freundlichen Ortschaften umkränzen den Attersee, an dessen Südrand das zerrissene Höllengebirge und die Schafberggruppe aufsteigen. Unterach phot. Würthle & Sohn Unterach, am Südende des Sees malerisch gelegen, erfreut sich als Sommerfrische und Seebadeort großen Zuspruches. Das milde und doch belebende Klima, die zahlreichen, reizenden Spazierwege und Ausflugsorte, vor allem aber die erquickenden Seebäder und die Gelegenheit zur Ausübung des Segel- und Rudersportes gestalten den Aufenthalt in Unterach zu einem äußerst genußreichen, und ungemein zahlreich ist das aus den besten Gesellschaftskreisen bestehende Stammpublikum, welches sich hier alljährlich dem ruhigen Genüsse der Natur und den Freuden einer nicht allzu geräuschvollen, aber desto angenehmeren Geselligkeit hingibt. Den landschaftlichen Glanzpunkt Unterachs bildet der Anblick des gegenüberliegenden Höllengebirges mit seinem zerrissenen Felsenmassiv. Von den Spazierwegen seien jene nach Egelsee, Stockwinkel, Nußdorf, Burgau erwähnt. Zu größeren Ausflügen bietet die Dampferverbindung günstige Gelegenheit. Der lohnendste und schattigste Abstieg vom Schafberg führt nach Unterach. Die Unterkunftsverhältnisse sind hier sehr günstig, zahlreiche Villen und bequeme Landwohnungen sind vorhanden. Insbesondere ist es die Güte des Hotel- und Restaurationswesens, welche nicht nur ständigen Sommergästen, sondern auch den zahlreichen Ausflüglern und Passanten willkommen ist. Folgende Gaststätten verdienen hervorgehoben zu werden: Hotel und Pension J. Mayer, ein elegantes, altrenommiertes Haus, unmittelbar am See gelegen, enthält hübsche Wohnungen, einen großen luftigen Speisesaal und eine herrliche Seeveranda, wo man eine selten schöne Aussicht genießt. Auch das Verweilen in dem freundlichen Gastgarten ist sehr genußreich. Die nahe Badeanstalt gewährt besondere Annehmlichkeit. Das der Witwe Floymayr gehörige Hotel Post genießt von altersher einen guten Ruf. Wenige Schritte vom Stammhause befindet sich die hübsche, zum Teil in den See gebaute Restauration, ein Lieblingsaufenthalt Einheimischer und Fremder. Neben dem hübschen Garten ist auch noch das bequeme Seebad hervorzuheben. Küche und Getränke sind tadellos. Bei der Post findet man Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen. Gegenüber der Post finden wir den hübsch gebauten einladenden Gasthof „zum goldenen Anker", im Besitze der Frau Hollerwäger. Die freundlichen Zimmer, von denen man eine schöne Aussicht auf den See genießt, sowie die hübschen Speiselokalitäten, vor allem aber die aufmerksame Bedienung und gute preiswürdige Verpflegung, haben diesem Gasthofe einen bedeutenden Anhang gewonnen. Nicht minder verdient Leithners Gasthof lobend hervorgehoben zu werden, wo der Aufenthalt in den geschmackvoll eingerichteten Wohnräumen ein sehr angenehmer ist. Die reelle, aufmerksame Führung des Hauses, welche sich nicht bloß auf Unterkunft, sondern auch auf Küche und Keller erstreckt, hat diesem Gasthofe ein besonderes Renommee erworben. Mitterndorfers Gasthof „zum goldenen Schiff", verbunden mit einer vorzüglichen Fleischhauerei, ein schon von außen einladendes hübsches Haus mit schattigem Garten, eleganten Wohn-und Speiseräumen gehört zu den angesehensten und beliebtesten Gaststätten von Unterach. Insbesondere bildet die vorzügliche Restauration einen Anziehungspunkt für die Sommergäste und Passanten. Wir verlassen nun Unterach, um an Bord eines der schmucken Dampfschiffe die Fahrt bis zum Nordende des Attersees anzutreten. Die erste Station ist Burgau in schöner Lage mit waldreicher Umgebung. Ein neues hübsches Hotel, sowie ein einfaches Gasthaus bieten gute Unterkunft und Verpflegung. Dann erreichen wir die Station Weißenbach, am Eingang in das romantische Weißenbachtal, das zum kaiserlichen Leibgehege gehört. Hier erhebt sich das bekannte Hotel-Etablissement „Post", welches - 63 5* infolge der hübschen Lage trotz der teuren Preise zur Saison von Sommerfrischlern und Passanten überfüllt ist. Von Weißenbach führt eine Fahrstraße mitten durch herrliche Waldbestände zur Station Mitterweißenbach und nach Ischl. In kurzer Zeit wird hier ein regelmäßiger Automobilverkehr fungieren. Auf der weiteren Fahrt berührt der Dampfer die Stationen Forstamt dann Steinach am Fuße des Höllengebirges mit uralter Kirche. Nun durchqueren wir den See und berühren am westlichen Ufer die hübsch gelegenen Sommerfrischen Stockwinkel, Parschallen, Nußdorf und Morganhof\ Hotel Attersee Nach wenigen Minuten landen wir an einem der lieblichsten Uferpunkte, in Attersee. Diese Ortschaft, das Haupt des ehemaligen Attergaus, zählt zu den beliebtesten Sommerfrischen des Salzkammergutes. Ihre Häuser und Villen, an welche sich schattige Parkanlagen und reizende Spazierwege anschließen, breiten sich malerisch am Fuße des reichbewaldeten Buchberges aus. Der Ort ist elektrisch beleuchtet, besitzt eine katholische und eine evangelische Kirche und erfreut sich mustergiltiger Wohlfahrtseinrichtungen, sowie reeller Einkaufsquellen und Geschäfte. Attersee ist der Hauptsitz des Ruder- und Segelsportes. Der hier befindliche Zweigverein des Union-Yacht-Klub veranstaltet alljährlich Segelregatten, welche die Freunde dieses edlen Sportes von weit und breit anziehen. Auch dem Lawn-Tennisspiele wird auf den drei vorhandenen Tennisplätzen eifrig gehuldigt. Auf dem schönsten Punkte des Ortes, unmittelbar am See erhebt sich Hotel und Pension Attersee mit seinen Dependancen und Villen. Das große Etablissement umfaßt über 100 modern eingerichtete Zimmer, einen geräumigen eleganten Speisesaal mit anstoßendem schattigen Garten, ferner einen Damensalon mit Klavier und andere Gesellschaftsräume, endlich gut ausgestattete Wannenbäder. In nächster Nähe des Hotels befinden sich der Dampfschiffslandungsplatz und die Tennisplätze. Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen, sowie eine große Anzahl von Kielboten stehen den Gästen zur Verfügung. Das von dem Brauereibesitzer Hager gegründete Etablissement wird von dem Hotelier Josef Oberndorfer in mustergiltiger Weise geleitet. Die Verpflegung ist eine anerkannt gute und besonders preiswürdig. Dank dieser Vorzüge und des freundlichen Entgegenkommens der Hotelleitung ist der Aufenthalt in diesem Pensions-Hotel ein ungemein behaglicher. Außerdem gibt es in Attersee noch einige einfachere Gasthöfe und stehen für jene Familien, welche selbst menagieren wollen, zahlreiche Villen und Landhäuser, zumeist mit Garten, Boot- und Badehütten und vollständiger Einrichtung zur Verfügung. Zu den lohnendsten Spazierwegen und Ausflügen zählen der schattige Hagerpark längs des Sees, der Besuch des Buchberges mit seinen schönen Waldanlagen, die Partie zum Abtsdorferkeller mit hübscher Dachsteinaussicht, nach Nußdorf und von dort auf das Roßmoos, über Weyregg am Hongar und nach Gmunden, über Steinbach und Großalm zu den Langbatseen, über Weißenbach nach Ischl, über Burgau, die Burgauklamm zum Schwarzen-see und nach St. Wolfgang. Wir verlassen nun Attersee, besteigen wieder den Dampfer und fahren zuerst quer über den See nach Weyregg, einer hübsch gelegenen kleinen Sommerfrische, dann an der Insel Litzlberg vorüber nach Kammer, der am Nordende des Attersee gelegenen Endstation der Dampfer. Kammer bietet seinen zahlreichen Sommergästen in dem • gräflich Khevenhüllerschen Schlosse, sowie in dem großen Hotel angenehmen Aufenthalt, wozu der schöne alte Park, die Gelegenheit zu Seebädern und warmen Bädern, zur Übung des Ruder- und Segelsportes viel beitragen. Unmittelbar bei Kammer zieht sich die ländliche Sommerfrische Seewalchen mit vielen Villen und Landhäusern längs des Seeufers hin. Von Kammer führt uns eine Lokalbahn nach Vöcklabruck, einem freundlichen, hübsch gelegenen Städtchen an der Hauptstrecke der von Wien nach Salzburg führenden Westbahn. Dies ist die Endstation der durch das Salzkammergut führenden Reise. Stadt und Kronland Salzburg. Das Kronland Salzburg vereinigt in seinem verhältnismäßig kleinen Territorium eine reiche Fülle erhabener Naturschönheiten. Hier finden wir die Wunder der Gletscherwelt, würzige Wälder, grüne Täler, kristallhelle Seen, rauschende Bäche und brausende Wasserfälle. Anheimelnd wirkt der biedere Sinn der an der alten Tracht, an ererbten Sitten und Gebräuchen hängenden Bevölkerung, deren Feste und Spiele viel Anziehendes bieten. Eine Reihe mustergiltiger Gaststätten tragen dazu bei, den Aufenthalt im Salzburgischen Lande zu einem besonders genußreichen zu gestalten. Der Fremdenzufluß aus aller Herren Länder ist ein ungemein reger und wird durch günstige Bahnverbindungen wesentlich gefördert. Salzburg phot. Würthle & Sohn Die Landeshauptstadt Salzburg* erreichen wir entweder mit der bereits beschriebenen Salzkammergut-Lokalbahn, welche von Ischl ausgeht und in etwa 3 Stunden über Strobl, St. Wolfgang, St. Gilgen, Lorenzen, Thalgau nach Salzburg führt, oder aber auf der Hauptlinie der k. k. Staatsbahnen, welche wir behufs Besuches des Salzkammergutes in der Station Attnang verlassen hatten. Die Hauptstationen dieser Linie sind nach Attnang: Vöcklabruck, wo die Lokalbahn nach Kammer abzweigt, ferner Steindorf, wo die Seitenlinie über Mattighofen und Braunau längs des Kober-neusererwaldes zur bayrischen Grenze führt, endlich Seekirchen-Mattsee, von wo eine Postverbindung zu den als Seebäder und Sommerfrischen vielbesuchten Märkten Mattsee und Seeham führt. Die Landeshauptstadt Salzburg, „die Perle der österreichischen Alpenländer", ist höchst malerisch zwischen dem Mönchsberg und Kapuzinerberg zu beiden Seiten der Salzacli ...... gelegen. Das herrliche Stadtbild wird von Süden gegen Westen von den schneebedeckten Kalkalpen, dem hohen Göll, Untersberg, dem Lattengebirge und Hohen Stauffen, im Osten von wald- und mattenreichen Voralpen mit dem Gaisberg, im Norden von sanft welligem Hügellande umsäumt, während sich rings um die Stadt eine gartengleiche, mit Ortschaften, Gehöften, Schlössern und Villen besäte Ebene ausbreitet. Den Übergang zu einer modernen Stadt hat die ehemalige ehrwürdige Bischofsresidenz unter Schonung der historischen Erinnerungen und Kunstdenkmäler vollzogen. Durch die Regulierung der Salzach, Erbauung der schönen Kais und Brücken, durch neue Straßenanlagen, Wasserleitungen, durch Erbauung des Kurhauses, des Stadttheaters und Künstlerhauses, durch Errichtung elektrischer Anlagen usw. hat die Stadt allen Anforderungen der Neuzeit entsprochen und sich zu einer vielbesuchten Etappe des Weltverkehrs emporgeschwungen. Diese glückliche Aussöhnung und Vereinigung der historischen und künstlerischen Bedeutung Salzburgs, der natürlichen Vorzüge und landschaftlichen Schönheit mit den Anforderungen großstädtischen Komforts bildet die Hauptanziehungskraft für die vielen Tausende, welche jährlich hierher pilgern. Von den Sehenswürdigkeiten der alten und neuen Zeit können wir in diesem engen Rahmen nur die allerbedeutendsten anführen: die im 17. Jahrhundert im herrlichen Renaissancestil erbaute Domkirche, unweit derselben die marmorne Kapitelschwemme, das zum Teil aus dem 12. Jahrhundert stammende Franziskanerkloster samt Kirche, die noch ältere Benediktinerabtei St. Peter mit der Stiftskirche, dem berühmten St. Peter-Friedhofe mit der in der Mönchsberg eingebauten Einsiedelei und dem anstoßenden populären St. Peterskeller, die alte Residenz mit dem schönen Hofbrunnen, die neue Residenz mit dem Glockenspiel, die Pferdeschwemme am Neutor, die in den Mönichsberg eingehauene Sommerreitschule, das Mirabellschloß mit dem prachtvollen Garten, das Monument der Kaiserin Elisabeth, das Mozartmonument, das Mozartmuseum und Mozarts Geburtshaus, das Pferdeschwemme am Kapitelplatz phot. Würthle & Sohn - 67 5* Museum CarolinoAugusteum, das Stadttheater, das Künstlerhaus u. a. m. Unmittelbar nach Verlassen der neuen ungemein ausgedehnten Bahnhofanlagen finden wir auf dem Bahnhofplatze ein ganzes Netz von Schienen, welche der elektrischen Umgestaltung der alten Tramway gewidmet sind. An dem inmitten einer Gartenanlage hervortretenden schönen Standbilde der verewigten Kaiserin Elisabeth vorüber kommen wir zum Grand-Hotel de VEurope, dem vornehmsten und bestgeführten Fremdenetablissement o Österreichs, dessen zahlreiche Klientel allen Weltteilen angehören. Leider hat die letzte Erweiterung und Umgestaltung dieses großen Hauses den früheren segnoralen Charakter beeinträchtigt. Nicht weit vom Grand-Hotel de l'Europe, gleichfalls in nächster Nähe des Bahnhofes, befindet sich das insbesonders Hotel „Kaiserin Elisabeth" in Salzburg für ruheliebendes Publikum vorzüglich geeignete Hotel „Kaiserin ElisabethDie gesunde freie Lage des hübschen Hauses, an welches sich ein großer Garten anschließt, sowie die entzückende Aussicht auf Stadt und Gebirge sind Vorzüge, welche man selten findet. Dabei ist bei bescheidenen Preisen aller wünschenswerte Komfort geboten, wie Lese- und Musikräume, Bäder, elektrisches Licht, Telephon, Autogarage, Benzinstation usw. Der Besitzer Hotelier Ludwig Engelhardt widmet seinen distinguierten Gästen die größte Aufmerksamkeit. Beim Durchschreiten der Bahnhofallee erblicken wir links das vornehme Parkhotel vormals Pension Nelböck mit der dazugehörigen Villa Savoy. Auf dem weiteren Wege zur inneren Stadt gelangen wir zu dem renommierten Hotel Pitter, welches sowohl zum Bahnhofe als auch zum Zentrum der Stadt nahe gelegen ist. Unmittelbar dabei befindet sich eine Haltestelle der Tramway. Von den eleganten Zimmern dieses mit Lift, elektrischer Beleuchtung, Bädern, Telephon und allem Komfort ausgestatteten Hauses genießt man eine herrliche Aussicht. Die Speise- und Gesellschaftsräume sind elegant und geschmackvoll eingerichtet und insbesondere der schattige Restaurationsgarten ist ein Lieblingsaufenthalt nicht nur für die Hotelgäste, sondern auch für die auswärts wohnenden Besucher. Unter dem neuen Besitzer Alfons Müller, früher Direktor des Hotels Panhans am Semmering, geht das Hotel „Pitter" abermals einer glänzenden Zeit entgegen. Wir begeben uns nun an dem Kurhaus vorüber zum Mirabellplatz mit dem gleichnamigen Schloß und Garten, biegen dann gegenüber der Dreifaltigkeitskirche auf den Makartplatz ein, wo die glänzende Fassade des vornehmen Hotel „Bristol" Hotel Pitter in Salzburg unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. An dem Stadttheater, dem Mirabellgarten und Hotel „Mirabell11 vorbei kommen wir in die Schwarzstraße. Hier erhebt sich der imposante Neubau des • • renommierten Hotel „österreichischer Hof" und nebenan finden wir das vielbesuchte Cafe „Bazar". Wir erreichen die Stadtbrücke, die Hauptader des geschäftlichen und gesellschaftlichen Verkehrs. Nicht weit davon bei der Ecke des sogenannten Platzl sehen wilden Neubau des populären Hotels „zur Traubeu. Bei der Stadtbrücke zeigt sich uns ein reizender Rundblick. Unter uns rauscht die Salzach in sicherem Bette, auf beiden Ufern von hübschen Kais und schattigen Alleen umsäumt. Vor uns die Altstadt mit ihren dichten Häuserreihen, Türmen und Kuppeln, umgrenzt von den Wänden des Mönchsberges, überragt von der Feste Hohensalzburg. Links reihen sich die alten Häuser „am Stein" mit ihren Erkern und Arkaden, darüber der bewaldete mit Mauern umgürtete Kapuzinerberg, in der Ferne der Gaisberg. Rechts sehen wir den Kirchturm von Mülln, den elektrischen Aufzug an der äußersten Abdachung des Mönchberges, dann blühende Gärten und üppigen Baumschmuck. Wenn wir die Stadtbrücke überschreitend, durch den Rathausbogen die innere oder Altstadt betreten, so finden wir rechts vom kleinen Rathausplatz die Getreidegasse, eine der ältesten Stadtteile, die auch heute noch ungemein lebhaften Verkehr zeigt. Hier befindet sich das Geburtshaus Mozarts mit dem Mozartmuseum. Wenige Schritte davon entfernt ist der Eingang zum altbekannten Sternbräu-Gasthof, welcher gegen die Salzach auch eine direkte Verbindung über den Makartsteg mit dem Bahnhofe besitzt. Die Hauptanziehungskraft dieses Gasthofes liegt in dem großen schönen Restaurationsgarten, in welchem man das vor- Salzburg mit Kapuzinerberg und Mönchsberg zügliche Sternbräubier in bester Qualität und gute Küche findet. Hier herrscht ein fröhlicher volkstümlicher Ton, besonders [bei den alle Sonn- und Feiertage stattfindenden Frühschoppenkonzerten, wo man Gelegenheit hat, das urwüchsige originelle Salzburger Volksleben kennen zu lernen. Am Ende der Getreidegasse befindet sich die hart an der Mönchsbergwand stehende Bürgerspitalkirche. An dieser vorbei gelangen wir auf den Griesplatz, wo der elektrische Aufzug auf den Mönchsberg führt. Auf dem Plateau finden wir eine große Restauration mit Terrasse, auf welcher mehrmals in der Woche Militärmusik spielt. Von hier und noch mehr von dem burgähnlichen Aussichtsturm genießt man eine herrliche Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Reizende lauschige Waldwege führen zur Stadt hinab. Wir kehren nun wieder zum Rathausbogen zurück und wenden uns nach links zum Ludwig Viktorplatz, an dessen Ende sich das bekannte Cafe Tomaselli mit Pavillon und Wetterhäuschen befindet. Der nun folgende schöne Residenzplatz wird rechts von der kaiserlichen Residenz, links von dem Neugebäude flankiert, von dessen Turm das Glockenspiel ertönt. Vor uns erhebt sich der majestätische Dom mit dem herrlichen Hofbrunnen. Durch mehrere Bögen schreitend, erreichen wir den stillen Domplatz mit der vor dem Dome aufragenden Marienstatue. Auf der Südseite des Domplatzes steht der malerische Kapitelplatz, in dessen Hintergrund wir die berühmte marmorne Kapitelschwemme erblicken. An den Residenzplatz grenzt der Mozartplatz mit dem von Schwanthaler geschaffenen Standbilde Mozarts. Vom Kapitelplatze führen uns wenige Schritte zur engen Festungsgasse, wo sich die Station der auf die Festung Hohensalzburg führenden Drahtseilbahn befindet. Hofbrunnen am Residenzplatz Am Wege zur Festung finden wir auf einer Anhöhe gelegen den Stieglkeller mit prächtigem Speisesaale, Trinkstuben, dem künstlerisch ausgestatteten Mozartstübchen und dem schattigen stimmungsvollen Gasthausgarten, wo man das Glockenspiel sowie das Hornwerk der Festung deutlich vernimmt. Auch eine reizende Aussicht gewährt der Aufenthalt in diesem beliebten Etablissement, wo sich stets ein zahlreiches Publikum an dem Genüsse des vorzüglichen Stieglbieres und der schmackhaften Küche erfreut. In wenigen Minuten führt uns die Drahtseilbahn zur Festung hohensalzburg, welche hochinteressante Sehenswürdigkeiten enthält. Zauberhaft ist hier der Rundblick über die Stadt, den Kapuzinerberg, das Salzachthal und die Gebirgsketten. Auf der oberen Station der Drahtseilbahn befindet sich der Festungskeller mit Restauration. — 71 — % Zur Festungsgasse zurückgekehrt, wenden wir uns nun zum nahen St. Peter-Friedhof,\ einer viel besungenen poetischen Ruhestätte. Eine Reihe alteraus dem 11. und 12. Jahrhundert stammenden Kapellen, ferner zahlreiche interessante ehrwürdige Denkmäler, endlich die Höhleneinsiedelei des hl. Maximus verdienen besonders Beachtung. Wir besichtigen weiter die Stiftskirche mit sehenswerten Kunstwerken, wenden uns dann in die feuchtfröhlichen Räume der Stiftskellerei mit dem stimmungsvollen Haydnstübchen. In nächster Nähe befindet sich die Franziskancrkirche aus dem 13. Jahrhundert und das Kloster mit dem alle Instrumente nachahmenden Pansymphonikon. Noch wollen wir im Fluge das Hofstallgebäude mit der Winter- und Sommerreitschule und der Pferdeschwemme, ferner den durch den Mönchsberg gehenden Straßentunnel, das „Neutor" besuchen. Ungemein lohnend ist ein Besuch des Kapuziner-berges. Vom sogenannten Platzl und der Linzergasse erreicht man zuerst das Kapuzinerkloster samt Kirche, von dessen Garten sich eine hübsche Aussicht bietet. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Mozarthäuschen mit interessanten Erinnerungen an diesen Musikheros. Auf schattigen Waldwegen geht st. Peter-Friedhof es dann zur sogenannten phot. wurthie & Sohn „Bayrischen Aussicht" und dann weiter hinauf zum Kapuzinerschlößl. Unter den zahlreichen genußreichen Ausflügen in der nächsten Umgebung von Salzburg steht an erster Stelle der Besuch des 1286 Meter hohen Gaisberges, welcher mit der von Parsch hinaufführenden Zahnradbahn in bequemer Art unternommen werden kann. Auf dem vom Hotel „Gaisbergspitze" gekrönten Gipfel bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Salzburger und Tiroler Bergwelt und eine Reihe von Seen. Sehr genußreich ist auch der Ausflug nach Aigen mit dem Schlosse und dem berühmten Park. Auch das kaiserliche Schloß Hellbrunn mit den sehenswerten Wasserkünsten, Schloß Leopoldskron, der Wallfahrtsort Maria Piain verdienen hervorgehoben zu werden. Von den weiteren Ausflügen ist die Partie nach Berchtesgaden mit dem Watzmann, zum Königsee und nach Reichenhall, sämtlich in Bayern gelegen, als hervorragende Glanzpunkte zu bezeichnen. Nun verlassen wir Salzburg und treten die Bahnfahrt in der Richtung gegen Tirol an, welche uns Gelegenheit gibt, die schönsten Punkte des Kronlandes Salzburg kennen zu lernen. Diese als Giselabahn bezeichnete Staatsbahnlinie führt uns zuerst am Fuße des Gaisberges an Aigen und dem schloßartigen Kloster Goldenstein vorüber zur Station Hallein mit der gleichnamigen alten Bergstadt in reizender Gebirgslage. Zu den Sehenswürdigkeiten dieses wegen der starken Solbäder vielbesuchten Ortes gehört das große, sehr ertragsfähige Salzbergwerk Dürrnberg und die bekannte Brauerei Kaltenhausen. Nach Passierung der Station Kuchl kommen wir nun nach Golling, einer der schönsten Sommerfrischen des Salzburgischen Golling phot. Würthle & Sohn Landes. Der alte große Markt Golling hatte schon in früheren Jahrhunderten eine gewisse Bedeutung als Schlüssel jener wichtigen Handelsstraße, welche von Süddeutschland durch Salzburg über die Tauern nach Italien führte. Heute ist Golling vermöge seiner wunderbaren landschaftlichen Staffage, seines gesundes Klimas und der angenehmen Lebensverhältnissenein vielbesuchter Sommeraufenthaltsort, welcher nicht nur von Österreichern, sondern auch vom internationalen Publikum gerne besucht wird. Geradezu unvergleichlich ist die Lage des Ortes an einem der schönsten Punkte des Salzachthales, welches von der Gruppe des Hohen Göll, dem Hagen- und Tännengebirge sowie des Salzburger Vorgebirges umschlossen wird. Der Markt selbst mit seinen schmucken, zumeist mit Giebeldächern versehenen Häusern gruppiert sich malerisch um einen Felsenhügel. Hier' befindet sich das uralte Schloß, in dessen Räumen heute das Bezirksgericht tagt, ferner die gotische Pfarrkirche mit ihrem, schlanken Turme. 3&U& Unter den vielen Vorzügen dieser Sommerfrische sind die staubfreie durch die Nähe des Waldes gewürzte Luft, das köstliche Trinkwasser, die Gelegenheit zum Schwimmen und Baden, vor allen aber die Fülle reizender Spaziergänge und interessante Ausflüge zu erwähnen. Sehr günstig sind auch die Wohnungsverhältnisse; eine Reihe von bequemer Privatwohnungen, zum großen Teile mit Gärten und zum Menagieren eingerichtet, stehen sowohl im Markte als in dessen nächster Umgebung zur Verfügung. Vor allen gewähren die Hotels und Gasthöfe von Golling; vorzügliche Unterkunft und Verpflegung. Wir erwähnen: Hotel „Alte Post" in Golling HotelundPension „AltePost", Besitzer Leo Steinacher. Dieses altangesehene Etablissement bietet mit seinen bequem eingerichteten Wohnzimmern, der anerkannt guten Küche, dem Gastgarten einen behaglichen angenehmen Aufenthalt. Den Gästen des Hauses steht die Gelegenheit zur Fischerei zu Gebote. Hotel and Pension „Gollingerhof", Besitzer C. und K. Kraus, in schöner freier aussichtsreicher Lage, ein neues modernes Haus mit allem Komfort ausgestattet. Elegante Fremdenzimmer, hübscher Speisesaal, Cafe und Billardzimmer, vorzügliche Küche. Equipagen und Bäder im Hause. Von den Zimmern sowie von der Veranda bietet sich eine herrliche Aussicht auf das Hochgebirge. Hotel „Bahnhof", Besitzer M. Steinacher, gegenüber dem Bahnhofe mit hübschen Zimmern und großem schattigen Gastgarten. Gasthof „Neue Post(i, Besitzer Johann Larch. Postfahrtunternehmung nach Abtenau. Gasthof „Zum schwarzen Adler", Besitzer Johann Sommerauer, mit schönen Zimmern, Speisesaal und Gastgarten. Gut bürgerliche Gasthöfe sind weiters Gasthof Josef Eichner, Gallus, Frickh und Karl Voggenhuber „zur Traube". Wohl selten erfreut sich eine Sommerfrische solcher genuß-reicher Spazierwege und Ausflüge wie Golling, der Sitz eines sehr verdienstvollen Verschönerungsvereines. Da ist zunächst der Waldpark zu nennen, dessen Anlagen im Jahre 1871 von einigen Bürgern errichtet wurden, gegenwärtig aber vom Parkverein erhalten werden. - Reizende Waldpfade mit hübschen Aussichts- Hotel „Gollingerhof" in Golling punkten führen zum einsamen Eglsee, zur Antoni-Einsiedelei, auf den Rabenstein und Harberg. Den Glanzpunkt der Umgebung von Golling bildet der Gollinger- oder Schwarzbachwasserfall, eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten der österreichischen Alpen. Über die Salzachbrücke führt der Weg zu dem auf einem Felsen sich erhebenden Kirchlein St. Nikolaus, dann an zwei Gasthäusern vorüber am bewaldeten Abhang des kleinen Göll bis zu jener wildromantischen Stelle, wo der Wasserfall aus der Felsenkluft in zwei Absätzen mit gewaltiger Kraft über eine 62 Meter hohe Wand in die Tiefe stürzt. Gegen Mittag ist die Beleuchtung des Falles am besten. Ein Gedenkstein erinnert an die im Jahre 1805 durch Fürst Ernst Schwarzenberg erfolgte Erschließung. Ein weiterer ungemein interessanter Ausflug führt von Golling • • auf der Straße nach Werfen in 3/4 Stunden zu den Salzach-Ofeny einer großartigen Klamm zwischen dem Tännen- und Hagen- — 75 — % gebirge, durch welche sich die Salzach wild tosend durchzwängt. Hier findet man die neuesten Erosionsbildungen, gletscherartige Auswaschungen. Sichere Treppenwege und Wegweiser führen uns durch die Schluchten. Aus den Salzachöfen gelangt man auf einem Steige zur Höhe der Straße, wo man den Paß Lueg, ein düsteres wildromantisches Landschaftsbild am besten überblickt. Dieser Paß spielte auch in den Franzosenkriegen der Jahre 1805 und 1809 eine bedeutende Rolle. Noch jetzt sehen wir die zuletzt im Jahre 1636 angelegten Befestigungen, welche von den Tiroler und Salzburger Landesschützen gegen eine starke Übermacht unter Führung des Pater Haspinger und desStegenwaldwirtes Josef Struber siegreich verteidigt wurden. Am linken Salzachufer finden wir die sogenannte Kroatenhöhle, ein von überhängenden Felsen gedeckter Raum, der die Aufstellung zahlreicher Streitkräfte gestattete. Bei der Kapelle Maria Bruneck am Eingang des Passes befindet sich das Denkmal an die heldenmütige Verteidigung durch Josef Struber und seine Getreuen. Auch der Besuch der Lammeröfen, wo sich die Lammer durch wilde Felswände durchwälzt und interessante Auswaschungen bildet, ist ungemein lohnend. Die Straße führt dann zum hübschen Aubachfall und weiter nach Abtenau. Endlich sei das vom Hagengebirge und den Felsmassen des Göll eingeschlossene, ungemein stimmungsvolle Bluntauthal erwähnt, welches man von Oolling in l1/., Stunden erreicht. Dasselbe erstreckt sich bis zum Torrener Joch, welches den Übergang zum Königsee bildet. Vor dem Aufstiege zu demselben werden die Höhlbachfälle und der Torretierfall besucht, welche einen bezaubernden Anblick bieten. Auch für die Hochtouristik bietet Golling ein günstiges Standquartier. Es ist der Sitz einer rührigen Alpenvereins-Sektion und einer Rettungsstation für alpine Unfälle. Von den zahlreichen Bergtouren erwähnen wir die Besteigungen des Hohen Göll Gollingerfall phot. Würthle & Sohn (2519 Meter ü. d. M.), des Tristkopf (2107 Meter ü. d. M.), des Tannen- und Hagenbirges, des Roßfeld, Schwarzaberges usw. Wir setzen nun die Bahnfahrt in südlicher Richtung fort. Der Zug übersetzt die Salzach und Lämmer und führt durch den 928 Meter langen Tunnel des Ofenauerberges. Nach Passierung desselben bietet sich ein schöner Rückblick auf den Paßr-Lueg. Es folgen Haltestelle Sulz au in wilder großartiger Umgebung am Fuße der Abhänge des Tännen- und Hagengebirges, dann Concordiahütte mit dem großen Eisenwerk an der Mündung des schönen, wildreichen, 4 Stunden langen Btühn-bachthales. Dieses sowie das daselbst befindliche Jagdschloß ist jetzt Eigentum des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand. Wir kommen nun nach Werfen, einem alten stattlichen Markte in herrlicher Lage, überragt von der aus dem Jahre 1077 stammenden Feste Hohen- Werfen. Diese hochinteressante Burg, welche in früheren Zeiten hauptsächlich als Staatsgefängnis diente, ist jetzt Eigentum des Erzherzog Eugen, welcher dieselbe in stilgerechter Art unter Wahrung der historischen Erinnerungen restaurieren ließ. Von Werfen genießt man einen herrlichen Anblick der „Übergossenen Alm". Etwa eine halbe Stunde vom Orte entfernt befindet sich die Erzherzog Eugen-Klamm mit sehenswerten Wasserfällen. Markt Werfen ist eine vielbesuchte Sommerfrische, besitzt eine gute Wasserleitung, ein Schwimmbad und einige einfache aber gute Gasthäuser. Die nächste Station Bischofshofen bildet den Knotenpunkt für die nach Selzthal führende Bahnlinie. Der alte aus der Römerzeit stammende Markt besitzt drei interessante Kirchen und mancherlei römische Altertümer. Unter den Wohlfahrtseinrichtungen des Ortes sind die Kanalisation, Hochquellenleitung, Versorgungshaus, elektrische Beleuchtung und eine gute Badeanstalt zu erwähnen. Infolge seiner landschaftlichen Schönheit, des gesunden Klimas und der günstigen Verkehrsverhältnisse ist Bischofshofen als Sommerfrische gut besucht, zumal auch geeignete Sommer- Pass Lueg phot. Würthle & Sohn — 103 - Wohnungen und preiswürdige Gasthöfe zu Gebote stehen. In der nächsten Umgebung des Marktes führen angenehme Spazierwege zum Gainfeldbach-Wasserfall sowie zur Ruine Bachsfall mit schöner Aussicht. Bischofshofen ist auch eine Touristenstation ersten Ranges. Das Hochgründeck, der Hochkeil sind von hier aus am besten zu erreichen. Den Glanzpunkt bildet die Hochtour zum 2908 Meter hohen Hochkönig, der höchste Gipfel in den Salzburgischen Kalkalpen. Die Straße führt durch das Mühlbachthal nach Mitterberg mit dem reichen Kupferbergwerk; hier beginnt der Aufstieg auf den Hochkönig, dessen Gipfel das bewirtschaftete Kaiser Jubiläumshaus des Österr. Touristen-Klub krönt. Auf der fortgesetzten Eisenbahnfahrt durch das breite St. Johann im Pongau Salzachthal erreichen wir in wenigen Minuten die Station St.Johann im Pongau. Der gleichnamige Markt ist etwa eine halbe Stunde vom Bahnhofe entfernt. Diejenigen, welche die Hauptattraktion der Gegend, die hochinteressante Liechtensteinklamm besuchen wollen» tun am besten in dem unmittelbar bei der Station befindlichen Hotel Pongauerhof abzusteigen, dessen elegante Wohnräume, Speise- und Gesellschaftslokalitäten allen Ansprüchen modernen Komforts vollauf entsprechen und auch zu längerem Aufenthalt sehr geeignet sind. Einen besonderen Genuß gewährt der Aufenthalt auf der großen kühlen Terrasse an der rauschenden Salzach,, von wo man einen hübschen Überblick auf das Gebirge der Umgebung und den Markt genießt. Im Hotel „Pongauerhof" stehen zu jeder Zeit Fahrgelegenheiten zur Liechtensteinklamm sowie zu anderen Ausflügen zur Verfügung. Der Besitzer Hotelier Reich leitet persönlich den Betrieb dieses von den distinguiertesten Familien besuchten Hauses in aufmerksamster Weise. - 78 Hotel „Pongauerhof" Im Markte selbst befinden sich gleichfalls eine Reihe von Gasthöfen ländlicher Art, welche bescheidenen Ansprüchen genügen. Sehenswert ist die mit zwei Türmen geschmückte gotische Kirche. Die Liechtensteinklamm, welche man auch, ohne den Markt zu berühren, vom Bahnhofe in einer Stunde erreichen kann, gehört zu den großartigsten Naturschauspielen der Alpen. Auf sicheren Stegen und Galerien, zum Teil in Felsen eingesprengt, genießt man den unvergleichlich schönen Anblick der zwischen unheimlichen Felsblöcken sich tosend und schäumend durchzwängenden Ache. Der Klammkessel wird rings von mehr als 100 Meter hohen Felswänden um- Liechtensteinklamm schlossen. Durch eine zweite Klamm kommen wir zu dem 80 Meter hohen Wasserfall, der in malerischen Kaskaden in die Tiefe stürzt. Ein Tunnel führt in den oberen Teil der Klamm und ein Steig hinauf zur Großarierstraße. Von St. Johann i. P. erreicht man in 3 Stunden den Gipfel des eine großartige alpine Rundschau bietende Hochgründeck. Auch der einsame 1762 Meter hoch gelegene Tappenkarsee ist besuchenswert. Hinter St. Johann i. P. nimmt die Bahn westliche Richtung und erreicht am rechten Salzachufer die Station Schwarzach-St. Veit, wo die neue Tauernbahnlinie in das Gasteiner Tal abzweigt. Wir benützen diese landschaftlich und technisch interessante Linie, um Hofgastein und Badgastein unseren Besuch abzustatten. Wir fahren zuerst an der steilen Lehne des Salzachthales, wo wir bei stets ansteigender Trasse schönen Ausblick auf das Tal und den gewaltigen Hochkönig genießen. Nach Passierung der beiden Klammtunnels erreichen wir die Station Klammstein, die unterste Stufe des Gasteiner Tals, auf dessen rechter Seite der Bernkogel aufragt. Im grünen Talboden geht es eben weiter zur Hofgastein Station Dorfgastein und bald darauf zur Station Hofgastein. Den Markt Hofgastein überblickt man erst bei der folgenden Haltestelle Kaltenbach, von wo eine neue Straße hinabführt. Die stattliche Ortschaft Hofgastein dehnt sich an der breitesten Stelle des Gasteiner Tals aus, auf beiden Seiten von hochaufragenden, bis zur Spitze mit Wäldern und Matten bedeckten Bergen umgeben, welche links vom Gamskarkogel, rechts vom Stubnerkogel und Tisch überragt werden. Einen herrlichen Anblick bildet der großartige Tal-abschluß im Süden mit dem Graukogel und der Tauernkette des Anlauftals, unter denen der Hohe Ankogel den höchsten Rekord erreicht. Hofgastein war einst zur Blütezeit des Bergbaues die reichste und angesehenste Ortschaft des Pongaus. Noch manche Merkzeichen, Wappen und Ornamente an den älteren Häusern erinnern an diese längst entschwundene Epoche. Der Grund zur Entwicklung Hofgasteins als Kurort wurde von Kaiser Franz I. gelegt, welcher die Herableitung der Thermalquelle von Badgastein mittelst einer 8482 Meter langen Röhrenleitung veranlaßte. Durch eine Verbesserung, Verdichtung und Isolierung dieser Leitung ist es in den letzten Jahren gelungen, die Temperatur der Therme bis auf 35 Grad R. zu erhöhen und dadurch deren Heilkraft, welche hauptsächlich in der hohen Radioaktivität und elektrischen Leitungsfähigkeit besteht, zu erhöhen. Sowohl in dem öffentlichen Zentralbade der Gemeinde als auch in den Bädern der Hotels und Privathäuser wird im Falle notwendiger Temperierung des Bades nicht gewöhnliches Wasser, sondern abgekühltes Thermalwasser verwendet. Überhaupt wird der Kurgebrauch in Hofgastein, wo Luxus und moderne Zerstreuungen nicht im Vordergrunde stehen, sehr ernst genommen. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß man etwa hier Komfort oder Anregung entbehrt. Im Gegenteil wird von Seite der maßgebenden Faktoren alles aufgeboten, um dem Publikum Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten zu bieten. Hofgastein ist mit einer vorzüglichen Hochquellenleitung, mit elektrischem Licht versehen. Eine Kaltwasser-Schwimmanstalt, eine musterhafte Apotheke, mehrere erfahrene Ärzte, Lesesalons, Tennisplätze, eine gute Kurmusik sind vorhanden, Post- und Telegraphenamt, sowie ein interurbanes Telephon stehen zur Verfügung. Besonderen Genuß gewähren die vom Verschönerungsvereine angelegten und erhaltenen Promenadewege mit Ruhesitzen und Aussichtsplätzen. Wir erwähnen hier den Kurgarten, den beliebten Spazierweg nach der Kaltenbrunnmühle, zum Gesund- oder Fieberbrunnen, auf die durch eine wunderbare Aussicht bevorzugte Pyrkershöhe, zum Weit-moserschlößchen, zur Annakapelle, zum Wasserfall usw. Ein besonderer Vorzug ist es, daß fast alle diese Ausflüge auf ebenen oder sanft ansteigenden Wegen zu unternehmen sind und daher auch von Leidenden gewählt werden können. Daß die Ruhe und die Geräuschlosigkeit des Kurlebens von Hofgastein für zahlreiche Personen sehr erwünscht ist, daß die geringere Höhenlage von vielen Leidenden besser vertragen wird und schließlich auch die mäßigen Preise manchem willkommen sind, bedarf keiner näheren Erörterung. Der Zusammenschluß der Gesellschaft, welche sich aus den angesehensten Kreisen rekrutiert, ist gerade unter solchen Verhältnissen leichter und die Annehmlichkeiten eines anregenden Verkehrs ersetzen anspruchsvolle und teuere Vergnügungen. Für einen behaglichen, gesundheitsfördernden längeren Aufenthalt ist durch eine große Anzahl von Miethäusern, Pensionen und Villen, vor allem aber durch anerkannt gute, preiswürdige Gasthöfe gesorgt. Das altrenommierte Hotel und Pension Moser >,zum goldenen Adler11 in der Mitte des Marktplatzes, nahe dem Kurgarten gelegen, 83 erfreut sich eines von altersher bewährten guten Rufes. Sowohl die freundlichen bequemen Zimmer als auch der hübsche Speisesaal sind mit allem Komfort ausgestattet. Es ist dies eines der ältesten Häuser mit Thermalbädern. Die Besitzerin Frau Elise Moser ist insbesondere auf gute Kiiche und Keller bedacht. Gegenüber befindet sich das elegante Hotel „Zentral" mit einem sehr großen und hohen, geschmackvoll ausgestatteten Restaurationssaal, in welchem auch Konzerte und sonstige Unterhaltungen stattfinden. Die moderne Führung des Hauses mit den hübschen Wohnräumen, Thermalbädern und der vorzüglichen Wiener Küche erfreut sich bei Kurgästen und Passanten großer Beliebtheit. Der vollkommen renovierte, zum Teil durch Neubau vergrößerte Gasthof „zur Post" enthält saubere Fremdenzimmer und sehr hübsche Speiselokalitäten. Besonders verdient der schattige, ungemein behagliche Gastgarten auf der anderen Seite der Straße hervorgehoben zu werden. Hier findet man nebst einer gutbürgerlichen Küche das bekannte Salzburger Stieglbier stets frisch vom Faß. Einst stand hier die besuchteste Taverne des alten Hofgastein. Gasthof Eisl ,,zum Boten", ein großes geräumiges Haus mit hübscher Aussicht und Garten, zu welchem auch der nahegelegene Lesesalon des Marktes gehört. Unterkunft und Verpflegung in diesem gut bürgerlichem Gasthofe verdienen alle Anerkennung. Auch Thermalbäder stehen den Gästen zur Verfügung und ist überhaupt in aufmerksamster Weise für einen angenehmen Aufenthalt gesorgt. Unter den neuerbauten Fremden-Etablissements sind hervor-zuheben: Pension „österreichischer Hof", ein stilvoller schmucker Bau mit Türmen, Erkern und Veranden in freier aussichtsreicher Lage, umgeben von Gartenanlagen. Im Innern sind Thermalbäder und Komfort in allen Räumen zu finden, Miethaus Winkler nächst der Kirche, ein aus 2 Häusern bestehendes Etablissement mit freundlichen Zimmern, Thermalbädern und allen Bequemlichkeiten der Neuzeit versehen. Villa Rainer, ein hübsches Haus in herrlicher Lage am Eingange zum Markte. Behagliche Wohnräume, staubfreie Luft und eine schöne Aussicht auf das Tal und Gebirge. Zuletzt sei der reizenden Villa Tivoli gedacht, eines äußerst geschmackvollen mit architektonischer Feinheit ausgeführten Baues in unmittelbarer Nähe der Haltestelle Kaltenbach und des Waldes. Die gutgeführte Restauration mit den wunderbaren Aussichtsplätzen ist das Lieblingsziel der Kurgäste. Auch für bleibende Gäste ist durch vorzügliche Unterkunft gesorgt. Die Eisenbahnfahrt von der Haltestelle Kaltenbach bis zur Station Badgastein ist ungemein interessant. Fünf große Viadukte und die hoch über Schluchten führende Angerbrücke werden übersetzt, bis der Zug die 1083 Meter hohe Station Badgastein mit ihrem schönen Bahnhof erreicht. Schon während der Fahrt entrollt sich das unvergleichliche Landschaftsbild des an der Mündung des Kötschach-, Anlauf- und Naßfeld-thales an den Hängen zu beiden Seiten amphitheatralisch aufgebauten Ortes, dessen vielstöckige bunte Hotelbauten zu der nächsten grünen waldigen Umgebung und zu den Riesengestalten des Gamskarkogel, Kreuzkogel und Graukogel in lebhaftem Kontrast stehen. Das erste große Objekt von Badgastein, welches schon von weitem unseren Blick auf sich lenkt, ist das an der Kaiserpromenade gelegene hochelegant z Hotel,,Kaiserhof". Der fünf Stockwerke hohe Prachtbau zeigt bereits in seiner schönen, mit Balkons Badgastein und Veranden geschmückten Fassade die Signatur eines für vornehme Gäste bestimmten Hauses. In unmittelbarer Nähe herrlicher Waldanlagen führt an dem Hotel „Kaiserhof" vorüber die Kaiserpromenade zum Mittelpunkt des Badeortes. Auf diesem wohlgepflegten, schattigen und aussichtsreichen Weg fluktuiert alltäglich der Korso des eleganten Kurpublikums. Da erregt vor allem der imposante, mit farbenreichen Fassaden geschmückte Bau des Grand-Hotel „Gasteiner Hof" unsere Aufmerksamkeit. In diesem, von den Besitzern Karl und Hans Windischbauer erstklassig geführten Hause findet man eine die verwöhntesten Ansprüche befriedigende Unterkunft und Verpflegung. Die huschen und eleganten Wohnräume sowie die Gesellschafts- o und Speisesäle sind mit gediegenem Geschmack ausgestattet. In allen Räumen des großen Hauses herrscht moderner Komfort. 6* Einen reizenden Anbau hat das Hotel in dem eleganten Kaffeehaus erhalten, wodurch einem längst empfundenen Bedürfnis des Kurpublikums Rechnung getragen wird. Die graziöse Einrichtung der geschmackvoll dekorierten Räume, unter denen insbesondere der Damensalon Beifall findet und die von den Fenstern sowie von dem Vorgarten sich bietende schöne Aussicht auf das Tal gestalten das Verweilen hier zu einem sehr genußreichen. Seit kurzem haben die Gebrüder Windischbauer in dem von ihnen erworbenen sogenannten Grabenwirtshaus beim unteren Wasserfall eine Dependance für Touristen eröffnet. Wenige Schritte vom Gasteiner Hof erhebt sich die katholische Pfarrkirche, ein edler gotischer Bau mit dem für das Landschaftsbild von Badgastein charakteristischen schlanken Turm. Nun sind wir am Straubingerplatz, dem Zentrum des Kurortes. Hier haben wir Gelegenheit, das eigenartige Badeleben der Gegenwart mit seinem ausgesprochen internationalen Gepräge zu beobachten und uns den Erinnerungen an eine durch bedeutende Persönlichkeiten und historische Begebenheiten reiche Vergangenheit hinzugeben. Am Straubingerplatz steht das altangesehene Hotel „Sttan-binger",in dessen mit allem Komfort ausgestatteten Räumen ein anheimelnder, behaglicher Ton vorherrscht. Die hocheleganten Speisesäle sowie auch die im Souterrain befindlichen gemütlichen Gaststuben vermögen zur Saison die Zahl der Gäste kaum zu fassen, welche der weitverbreitete Ruf der ausgezeichneten Küche im Hause Straubinger herlockt. Hier ist für alle Geschmacksrichtungen und Verhältnisse gleich gut gesorgt, vom exquisiten Diner bis zur einfachen bürgerlichen Mahlzeit. Alle, die im Hotel „Straubinger" verkehren, seien es die Stammgäste aus den Kreisen des Adels, der hohen Beamtenschaft, der Künstler-und Gelehrtenwelt oder distinguierter Bürgerfamilien, finden die gleiche Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit. Allen voran steht in dieser Beziehung der Besitzer des Hauses, der um den Aufschwung Badgasteins hochverdiente Bürgermeister Karl Straubinger, welcher mit seinem Bruder Peter Straubinger den Hotelbetrieb persönlich leitet. Zum Straubingerschen Besitze gehört auch das gegenüber der Wandelbahn und dem Kurhaus gelegene hochelegante Miet- und Badehaus A ustria, welches zahlreiche herrschaftliche Zimmer und Salons enthält und in jeder Beziehung die an ein erstklassiges Hotel gestellten Ansprüche befriedigt. Am Straubingerplatz erregt das gegenüber dem Hotel „Straubinger" mit doppelter Freitreppe sich erhebende Hotel „Badeschloß" unsere ganze Aufmerksamkeit. In diesem historischen Gebäude hat Kaiser Wilhelm I. durch zwanzig Jahre gewohnt. In seinem Äußeren hat sich nichts geändert, dagegen sind die Innenräume renoviert und mit modernem Komfort ausgestattet. In den Speisesälen und auf der hübschen Terrasse findet man ein gewähltes Publikum, welches sich an den vorzüglichen Darbietungen % - 84 5* der Küche und des Kellers und am Anblick des hier am lebhaftesten fluktuierenden Kurlebens erfreut. Wenige Schritte vom Straubingerplatz stürzt sich durch enge Schluchten die Gasteiner Ache in [zwei großartigen Fällen, der obere 63 Meter, der untere 85 Meter hoch, in das Tal. Dieses großartige Naturschauspiel, dessen Schönheit nur von den Krimmler Fällen erreicht wird, erhält an mehreren Tagen der Woche durch elektrische Beleuchtung einen noch erhöhten Effekt. Am besten betrachtet man den Fall von der zur Wandelbahn führenden Brücke. An die Wandelbahn stößt das Kurkasino mit Lese-, Konversations- und Musiksalons sowie einem beliebten Cafe. In unmittelbarer Nachbarschaft des Kurhauses erhebt sich das Hotel „Weißmayrein elegantes, erstklassiges Haus mit schönen Wohnappartements, modern ausgestatteten Gesellschaftsund Restaurationsräumen. Eine besondere Anziehungskraft übt die große Veranda aus, von welcher man eine herrliche Aussicht auf das Gasteiner Tal genießt. Das Etablissement, [welches von seinem Besitzer Rudolf Weißmayr persönlich in mustergiltiger Weise geleitet wird, erfreut sich einer zahlreichen Klientel aus den besten Gesellschaftskreisen. Das vorzügliche Restaurant wird auch mit Vorliebe von den in anderen Häusern wohnenden Kurgästen aufgesucht. Unweit davon erhebt sich der imposante Neubau des Hotel „Europe". Von der Heilkraft der Thermen von Badgastein zu sprechen können wir uns bei dem Weltruf derselben ersparen. Seit dem 7. Jahrhundert waren diese Heilquellen, welche am Fuße des Graukogels mit einer Temperatur von 22—39*5° R. entspringen, bekannt, Tausende und Tausende haben in Gastein Erholung und Gesundung gefunden. Diese Heilkraft wird ergänzt (und unterstützt durch das herrliche Klima, welches sowohl gegen starke Luftströmungen als auch gegen übergroße Hitze" geschützt ist. Geradezu einzig in ihrer Art sind die an Ruhebänken und Aussichtspunkten reichen Spaziergänge. Von der mit einem Denkmal Kaiser Wilhelms I. geschmückten Kaiserpromenade haben wir bereits gesprochen. Die Fortsetzung derselben führt zum „Grünen Baum" und ins Kötschachthal. Auf der östlichen Talseite sind die Schwarzenberg-Anlagen, die Erzherzog Johann-Promenade und die Kaiserin Elisabeth-Promenade hervorzuheben. Von den zahlreichen lohnenden Ausflügen nimmt jener nach Bockstein die erste Stelle ein. Das Anlaufthal mit dem Ankogel und das Naßfeld mit dem Schareck, beide mit Gletschern gekrönt, bilden entzückende Hochgebirgsszenerien. In dem erstgenannten Anlaufthale steigt die Tauernbahn bis zum Eingange des 8l/2 Kilometer langen Tauerntunnels, worin die Bahn ihren höchsten Punkt, 1125 Meter, erreicht. Die erste Station nach Verlassen des Tunnels ist die in Kärnten gelegene Ortschaft Mallnitz. Wir verlassen nun das schöne Gasteinerthal und setzen, nach Schwarzach-St. Veit zurückgekehrt, die Bahnfahrt auf der Hauptstrecke der Staatsbahn fort. In wenigen Minuten erreichen wir die Station Rauris-Kitzloch, von wo man die an malerischen Wasserfällen reiche Kitzlochklamm besucht. Durch die Kitzlochklamm führt der nächste Weg weiter in das durch seine Goldbergwerke bekannteRauriserthal, dessenHauptort das schöngelegene Rauris, viele Sommergäste beherbergt. Eine Stunde davon entfernt liegt das Dorf Wörth. Von hier gelangt man durch das Seiten-winkelthal über das Tauernhaus zum Hochtor hinab nach Heiligenblut. Ein zweiter Weg führt von Wörth zum Goldbergwerk Kolm-Saigurn, dann zum 2341 Meter hohen Knappenhaus und schließlich Ferleiten auf den 3095 Meter hohen Gipfel des Sonnblick, wo sich die meteorologische Station und ein Gasthaus befindet. Wir passieren hierauf die Station Taxenbach und gelangen durch das breiter werdende Tal zu der in hochalpiner Umgebung gelegenen Station Bruck-Fusch. Der Ort Bruck im Pinzgau, wo der altangesehene Gasthof „Lukashansl" angenehmen Aufenthalt gewährt, ist eine Touristenstation ersten Ranges und der Ausgangspunkt für das Fuscherthal, welches den beliebtesten Zugang zum Großglockner und die Verbindung über die Pfandlscharte mit dem Tiroler Pusterthal vermittelt. Der Hauptort des Tals ist das 809 Meter hoch gelegene Dorf Fusch. Dort zweigt die Straße nach den Höhenkurort St. Wolfgang-Bad-Fusch ab. In der Nähe ragen die Gletscher des Hohen Tenns,das Wiesbachhorn, Fuscher-eiskar und der Großglockner empor. Vom Dorf Fusch zweigt in der anderen Richtung die neue bequeme, an Naturschönheiten reiche Ferleitnerstraße nach Ferleiten ab. Ferleiten, 1200 Meter - 86 5* ü. d. M. zählt zu den herrlichsten Standquartieren unserer Alpen. Die überwältigende Schönheit des Talabschlusses mit den zahlreichen Gletschern und Firngipfeln genießt man in bequemer Weise vom Alp engast hof „Lukas ha nsl" aus, welcher elektrisch beleuchtet, mit Post- und Telegraphen- sowie Telephonstelle versehen, den möglichsten Konifortgewährt. Von hier liegt 11/2 Stunden entfernt die 1600 Meter hohe Trauneralpe mit einem gleichfalls dem Lukashansl gehörigen Alpengasthofe. Dies ist die beste Zwischenstation für die Pfandlscharte und den Besuch des Groß glockners. Von Ferleiten können die großartigen Hochtouren auf den Hohen Tenn, das Wiesbachhorn, die Glocknerin, die Bärenköpfe, den Sinnabelek u. a. m. unternommen werden. In wenigen Minuten führt uns die Bahn an dem malerischen Zell am See fürstlich Liechtensteinischen Schlosse Fischhorn vorüber zum Ufer des schönen Zeller Sees, zur Station Zell am See. Der Markt Zell am See (754 Meter ü. d. M.), der Hauptort des Pinzgaus, verdankt seine Entstehung einem bereits im Jahre 926 genannten Kloster „Cella in Pisoncio", an dessen Stelle später ein Chorherrenstift trat. Unter der Herrschaft des Salzburger Bistums erlangte der Markt als wichtige Handelsstation für den Verkehr zwischen Deutschland und Italien große Blüte. Die Bewohner, welche während des Bauernaufstandes treu zu ihrem Landesfürsten hielten, wurden „die getreuen Knechte Ruprechts" genannt. An diese historische Vergangenheit erinnern die alte Pfarrkirche mit dem Bilde „Maria im Walde", das Schloß Rosenberg, deralte Vogtturm, die Marienkapelle auf dem Friedhofe u. a. m. Seit den letzten Dezennien ist Zell am See zu einer der ersten Sommerfrischen und Fremdenstationen Österreichs empo'rgeblüht. Zu diesem Erfolge hat vor allen das kluge Verständnis und die zielbewußte Pflege des Fremdenverkehrs von Seite der Bevölkerung beigetragen. Heute finden die Besucher von Zell am See allen Komfort der Neuzeit und viele Bequemlichkeiten, welche den Genuß der unvergleichlichen Naturschönheiten auch bequemen Sommergästen möglich machen. Das Klima von Zell am See mit reiner staubfreier Gebirgsluft und dem Ozongehalte der nahen Wälder ist infolge des durch die Kette des Steinernen Meeres gebotenen Schutzes gegen rauhe Nordwinde ein außergewöhnlich mildes. Die Sommerhitze wird anderseits durch den erfrischenden Einfluß des nahen Hochgebirges und des Sees gemildert. Eine vorzügliche Hochquellenleitung, elektrische Beleuchtung, mehrere Badeanstalten mit See-, Wannen-, Dampf- und Medizinalbädern, ausgedehnte Alleen, schattige Strandpromenaden mit Ruheplätzen und Aussichtspunkten, Spielplätze, Gelegenheit zur Ausübung des Schwimm-, Ruder-, Segel- und Angelsportes gestalten den Aufenthalt in Zell am See zu einem außerordentlich angenehmen. Für Ausflüge in die reizvolle Umgebung stehen Fahrgelegenheiten, Reit- und Tragtiere, Bergwagen zur Verfügung. Die wohlgepflegten Straßen eignen sich zur Ausübung des'Radfahr- und Automobilsportes. Vor allen ist es aber die Pracht der Landschaftsbilder, der Zauber der Naturschönheiten, welche alljährlich viele Tausende, sei es zu längeren Verweilen oder kurzen Besuche zu diesem gottbegnadeten Erdenfleck hinzieht. Die Abstürze der nördlichen Kalkalpen, die grünen Kuppen des Schiefergebirges und die Eisfelder der Tauern verleihen der Gegend einen besonderen Reiz. Den Glanzpunkt bildet der herrliche See, dessen Schönheiten man bei der Rundfahrt auf dem regelmäßig verkehrenden Dampfschiffe oder auf den zahlreichen Ruder- und Segelbooten in bequemer Weise genießen kann. Von der Mitte des Sees bietetsich ein überraschendes Panorama. Im Osten an der Mündung des Thumersbachthals der Hund-stein, im Westen, den Markt überragend, die berühmte Schmitten-hohe, nördlich die Loferer Steinberge und das Steinerne Meer mit der Ramseider Scharte, endlich im Süden hinter waldigen Vorbergen die gletscherreichen Hohen Tauern, zwischen denen das Fuscher- und Kaprunerthal erscheinen. Hier erblicken wir den Brennkogel, das Inibachhorn, den Hohen Tenn und das Kitzsteinhorn mit dem ausgedehnten Schmiedingerkees. Während am Südende des Sees das Schloß Fischhorn sich erhebt, bildet am Nordrande das imposante Schloß Prielau eine charakteristische Staffage. Dem Seeufer entlang ziehen sich schöne Promenadewege, welche gegen Süden bis Bruck und gegen Norden bis zum Seehäusl reichen. Von besonderem Reize ist ein Spaziergang um die Nordhälfte des Sees nach dem Zell gegenüberliegenden Orte Thiwicrsbach mit dem schönen eleganten Hotel „Bellevue". Abgesehen von seinem landschaftlichen Zauber bietet der Zeller See erquickende Bäder in seinem milden eisenhaltigen Wasser, welches im Sommer - 88 5* infolge der unterirdischen warmen Quellen eine Durchschnittstemperatur von 22° C besitzt. Der Markt, welcher sich zwischen dem Seeufer und den Abhängen der Schmittenhöhe ausbreitet, macht mit seinen zumeist im Pinzgauer Stile erbauten, mit hohen Giebeln gekrönten alten Häusern einen ungemein behaglichen, anheimelnden Eindruck, welcher durch die hübsche Landestracht der 'Bewohner noch m gehoben wird. Im Gegensatze zu diesem ländlichen Charakter des Ortes sind infolge des stetig fortschreitenden Fremdenverkehrs elegante Häuser und Villen, vor allem moderne Hotels, Gasthöfe, Restaurants und Kaufgeschäfte in großer Zahl erstanden. Zahlreich sind die lohnenden Spazierwege in der nächsten Umgebung von Zell am See. Wir nennen die neu geschaffenen Promenaden in den Köhlergraben nach Breitenbach, die Kaiser-promenade, Valeriepromenadef den Weg zum Paraplui, die Rudolfspromenade, Stephaniepromenade, Ebenbergalpc, Fuchslehen, Schmittenbachgraben mit der Genovefaquelle u. a. m. Unter den weiteren Ausflügen ist an erster Stelle die Partie auf die 1968 Meter hohe Schmittenhöhe zu nennen, welche zu Fuß, zu Pferd und auf Sesselwagen erreicht werden kann. Der sanft aufsteigende Weg führt uns durch den Schmittengraben in ll/2 Stunden auf waldigem Pfade zur sogenannten Mittelstation, dem Gasthause „Zum GlocknerhausHier genießt man zuerst den Anblick der Hohen Tauern mit dem Großglockner. In weiteren iy2 Stunden wird der Gipfel erreicht, wo Haschkcs geräumiges Alpenhotel seine gastlichen Pforten öffnet. Die Rundschau, die sich uns dort bietet, ist unvergleichlich schön und umfassend. Im Süden erblicken wir die ganze Tauernkette vom Ankogel bis zum Groß-Venediger, im Vordergrunde das herrliche Kaprunerthal mit dem Hochtenn,Wiesbachhorn, Großglockner u.a.m. Im Norden ragen die Kalkalpen vom Kaisergebirge bis zum Dachstein empor, im Osten die kleinen Tauern. Auf dieser großartigen Bergeshöhe findet alljährlich im August das Rangelfest mit Ringkämpfen der Bauernburschen statt. Ein zweiter, ebenso lohnender, aber nicht so bequem zu erreichender Aussichtsberg ist der 2116 Meter hohe hundstein mit dem Statzerhaus am Gipfel. Auch hier findet alljährlich am 25. Juli ein Rangelfest statt. Einen Glanzpunkt der weiteren Umgebung von Zell am See bildet das Kaprunerthal, wohl das schönste unter allen Tauern-tälern. Sowohl ins Kaprunerthal als ins Fuscherthal geht vom Gasthof Lebzelter aus eine regelmäßige Omnibusverbindung. Durch die in den Jahren 1893 bis 1895 neu erbaute Fahrstraße bis zum Kesselfall-Alpenhause, welcher sich der Reit-und Sesselfahrweg auf den Moserboden anschließt, wurde das Kaprunerthal auch für solche Reisende erschlossen, welche die Anstrengungen einer Fußwanderung scheuen. Diese zu Ehren unseres Kaisers „Kaiser Franz Josefstraße" benannte. Straße, ein Werk des hochverdienten Oberingenieurs Gaßner, zweigt eine halbe Stunde außerhalb Zell am See von der Landstraße ab, führt über das Salzachthal an dem alten Schloß Kaprun vorüber zu dein gleichnamigen malerisch gelegenen Dorf mit der auf einen Felsen aufragenden kleinen Kirche. Nun nähert sich die Straße dem Eingange in die sehenswerte Sigmund Thun-Klamm, welche mit ihrer Felsenstaffage und den großartigen Wasserfällen an die Liechtenstein-Klamm erinnert. Am Ausgange derselben besteigen wir wieder den Wagen. Die Fahrt geht durch die Wüstenei und den Ebenwald an herrlichen Kesselfall-Alpenhaus Waldpartien, Wasserfällen und Felsgestalten vorüber und erreicht das in imposanter Hochgebirgslandschaft gelegene Kesselfall-Alpenhaus der Gebrüder Gaßner. Die reizenden Baulichkeiten dieser Ansiedelung zu beiden Seitender Ache bestehen aus dem Hauptgebäude, dem Touristenhaus, einem Kirchlein und mehreren Ökonomiegebäuden. Das Gesamtbild dieses schönen Erdenflecks mit der hochalpinen Szenerie, den lauschigen Waldwegen und den gastlichen Stätten übt auf jeden Besucher einen herzerfrischenden Eindruck aus. Nicht bloß das Äußere, sondern auch das Innere des Alpenhauses ist im Charakter des Alt-Pinzgauer Bauernhauses stilgerechtausgestattet, dieZirbenholzmöbel, die eisernen Beschläge, das alle Räume erhellende elektrische Licht und der bis ins kleinliche gebotene Komfort erobern sich die Sympathie der Gäste im Fluge. Unmittelbar neben dem Hotel ist der Kesselfall, nach welchem das Etablissement benannt ist. Tosend und brausend stürzt die Ache in einen tiefen Felsenkessel und vereinigt sich - 90 5* dort mit anderen Quellbächen zu einem unheimlich schönen Naturschauspiele, welches bei Einbruch der Nacht durch elektrische Bogenlampen noch wirkungsvoller gestaltet wird. Der seltene Reiz eines Aufenthaltes im Kesselfall-Alpenhause wird am meisten erhöht durch die leichte Gelegenheit zum Besuche des Moserbodens. Selbst schwache kränkliche Leute, Frauen und Kinder können diesen hochalpinen Ausflug mit kleinen Bergwagen ausführen. In 3 Stunden führt der breite Liechtenstein-Weg in stetiger Steigung zum Wasserfallboden, dann durch die baumlose Region in vielfachen Windungen zum obersten Abschlüsse des Kaprunerthals, dem 1968 Meter hohen Moserboden am Rande Hotel „Moserboden" des Karlinger-Gletschers. Hier finden wir eines der großartigsten Hochgebirgspanoramen der Alpenwelt, ringsum ragen das Wiesbachhorn, die Glocknerin, die Bärenköpfe, Riffel, Hocheiser, Grieskogel und das Kitzsteinhorn empor. Auch hier auf dieser erhabenen Bergeshöhe erhebt sich in unmittelbarer Nähe der Eisfelder eine gastliche Stätte, das dem Kesselfall-Alpenhause nachgebildete Hotel „Moser-bodetiwelches seinen Gästen gleichfalls mit allem Komfort ausgestattete Zimmer und eine vorzügliche Verpflegung bietet. Von besonderem Interesse ist die minutiöse Ausbeutung der elektrischen Kraft in diesem Hotel. Durch sinnreiche Anlagen wird außer der Beleuchtung die Beheizung, Küche, Wäscherei, Wassererwärmung, Speisenwarmhaltung und die Temperierung der Bäder elektrisch betrieben. Vom Kessselfallhotel, beziehungsweise vom Moserboden lassen sich eine Reihe großartiger Hochtouren unternehmen. Wir erwähnen die Ersteigung des Kitzsteinhorns (3194 Meter) auf herr- - 91 5* lichem Wege über die neue Krefeld er hätte, des großen Wiesbachhorns (3577 Meter) mit dem Wiesbachhornhause der Münchner Alpen-vereins-Sektion, des Großglockners über die Riffl, der Glocknerin (3425 Meter), der Bärenköpfe, der Hohen Riffel, das Kapruner Thörl u. a. m. Schließlich müssen wir noch des genußreichen Ausfluges zu den berühmten Krimmler Wasserjällen gedenken, dessen Besuch unter Benützung der Pinzgauer Lokalbahn in einem Tage leicht und bequem auszuführen ist. Auch die Hochtour in die Venedigergruppe und die Übergänge in das Ziller- und Ahrenthai sind mit dieser Fahrt zu verbinden. Die Bahn bietet wiederholt Krefelderhiitte schöne Gletscheransichten, insbesondere auf die Venedigergruppe. In etwas mehr als 3 Stunden erreicht man die Endstation Unter-Kriniml. Von hier geht es auf guter Straße zu Fuß oder Wagen nach Ober-KrimmU wo man den großartigen Anblick der Wasserfälle genießt. Die Krimmler Ache stürzt aus einer Höhe von 380 Meter in drei Fällen hinab ins Tal. Auf bequemen gefahrlosen Wegen erreicht man zunächst in etwa 1/dessen persönlichen auf Hebung des Fremdenverkehrs gerichteten tatkräftigen Bestrebungen der Aufschwung dieser vielbesuchten. Sommerfrische zu danken ist. Das große mit imposanten Ökonomiegebäuden verbundene Etablissement mit Schloß und mehreren Villen enthält freundliche bequeme Wohnräume, Lese-und Spielsalon, Tanzsaal, ferner einen Ziergarten, Tennisplätze, i U ; • ' Ä. • \ wt, c^ 5 .. > V . .••• V Seerestauration Krumpendorf Badeanstalt und Bootshütte und ist besonders für Familien als Frühjahrs-, Sommer- und Herbstaufenthalt geeignet. Überhaupt ist der Aufenthalt in Krumpendorf mit seinem milden und doch erfrischenden Klima, seinem echt ländlichen Charakter und seiner friedlichen Ruhe ungemein heilwirkend und angenehm und entbehrt dabei keineswegs geselliger Anregungen und Zerstreuungen. Dazu zählen die Ausflüge zu Lande und zu Wasser, Musikproduktionen und die von den Sommergästen ausgehenden Veranstaltungen aller Art. Maria-Wörth im Winter Der Dampfer wendet sich nun wieder dem Südufer zu und macht in Seekim\ Station, einer hübsch gelegenen Sommerfrische mit mehreren Gasthäusern, Badeanstalt und dem Etablissement des Dr. Heydrich. Längs des Südufers zieht sich hier bis Velden die schattige, schöne Aussichtspunkte bietende Kaiser Franz Josefsstraße hin. An mehreren hübschen Villen vorbei kommen wir nun nach Reifnitz, wo uns das auf einem Felsen erbaute Schlößchen des Konsuls Bercht auffällt. Schattige Spaziergänge umgeben hier das Strandhotel, welches ebenso wie mehrere Villen und Gasthäuser angenehmen Aufenthalt bietet. Auch lohnende Ausflüge sind von hier aus zu unternehmen. Der Dampfer durchquert nun die Reifnitzer Bucht und landet in Maria-Wörth, einer ungemein malerisch gelegenen Halbinsel, deren Felshügel zwei uralte Kirchen trägt. Mehrere Villen und ein Gasthaus bieten freundliche Unterkunft. Maria- Pörtschach Wörth ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner von Klagenfurt und die Sommergäste der benachbarten Kurorte. Der Strand ist bei den hier stattfindenden Konzerten und Segelregatten ungemein belebt. « Nach Passierung von Unter-Dellach mit dem bekannten Etablissement Hugetmann fahren wir an der kleinen Schlangeninsel vorbei durch einen kurzen Kanal nach Pörtschach, dem Hauptorte des Wörthersees. Ungemein malerisch breitet sich derselbe am Nordrande des Sees aus und von der herrlichen Uferpromenade bietet sich ein unvergleichlicher Ausblick auf das westliche Becken des Sees bis nach Velden und die im Hintergrunde aufragenden Görlitzer und Villacher Alpen, die westlichen Karawanken mit dem Mittagskogel und die fernen Julischen und Karnischen Alpen mit dem Mangart, Wischberg und Bramkofel. Dieser Uferspazierweg, welcher sich zwischen den beiden größten Etablissements Wahliß und Werzer hinzieht, bildet zugleich den Korso der eleganten Welt. Ungemein lebhaft — 111 — % und unterhaltend ist das Saisonleben, welches Ruder- und Segelregatten, Theater, Konzerte, Tanzunterhaltungen und Seefeste bietet. Als Luftkurort und Seebad nimmt Pörtschach einen hervorragenden Platz ein und mit jedem Jahre steigert sich die nach vielen Tausenden zählende Frequenz der Besucher. Das milde Klima, die bis in den Spätherbst andauernde Bademöglichkeit, der besondere Komfort, welcher selbst verwöhnte Ansprüche befriedigt, endlich die ungemein günstigen Verkehrsverhältnisse haben seit Dezennien den Weltruf von Pörtschach begründet, welches in jüngster Zeit auch als Übergangsstation und als Nachkur nach den böhmischen Bädern großen Anklang findet. Für Leidende und Erholungsbedürftige ist in den beiden Park-Villa Etablissement Werzer erstklassigen Heilanstalten bestens gesorgt. Insbesondere das Etablissement des Dr. Leopold, welches schon seit vielen Jahren für Kaltwasser- und Badekuren, pneumatische und Massagebehandlung eingerichtet ist, wurde durch die Heilanstalt „Elektron" für Nerven- und Stoffwechselerkrankungen erweitert, in welchen alle modernen Prozeduren zur Anwendung kommen. Zahlreiche lohnende Spaziergänge und Ausflüge zu Wasser und Lande können von Pörtschach aus unternommen werden und die gute Beschaffenheit der Straßen ist dem Radfahr- und Automobilsport besonders günstig. Auch der mit der Südbahn zu unternehmende Besuch der beiden Städte Klagenfurt und Villach, in deren Mitte Pörtschach gelegen ist, bietet ange-nehme Abwechslung. Ganz vorzüglich sind die Unterkunftsverhältnisse. Die Villen und Landhäuser stehen zumeist auf der Halbinsel oder am Walde jenseits der Bahn. Die meisten derselben sind mit Gärten versehen und vollständig eingerichtet. Von den vielen Gaststätten von Pörtschach ist das im Jahre 1866 gegründete Etablissement Werzer das älteste und beliebteste. Dasselbe besteht aus drei großen Hotels im Zentrum des Ortes, sechs reizend gelegenen Villen, einem eleganten Kafeehause unmittelbar am See und einer großen besteingerichteten Badeanstalt. Die sämtlichen Wohnungen sind bequem und freundlich, mit Veranden oder Balkons versehen, von welchen man eine schöne Aussicht auf den See und das Gebirge genießt. In allen Räumen ist moderner Komfort geboten. Eine besondere Etablissement Werzer, Strand-Cafe Anziehungskraft üben die Parkanlagen aus mit ihren Blumenbeeten, Wiesenplätzen, schattigen Baumgruppen und Ruhesitzen. Eine große Sportwiese, Lawn-Tennisplätze, eine Schießstätte und Kegelbahn, sowie andere Spielplätze gewähren angenehme Zerstreuung. In den luftigen Speisesälen mit offenen Veranden, sowie im schattigen Gastgarten findet man stets ein zahlreiches distinguiertes Publikum, denen Küche und Keller von besonderer Güte zu Gebote stehen. Als beliebtester und besuchtester Aufenthaltsort gilt das Cafe Werzer unmittelbar beim Landungsplatze der Dampfschiffe. Von der Veranda desselben überblickt man den schönsten Teil des Sees. Hier führt der lebhafte Strandkorso vorüber, das Stelldichein der eleganten Kurwelt. Hier konzertiert auch die Kurkapelle und finden die Seeregatten, Strandfeste und ähnliche Veranstaltungen statt. 115 Auch das große Etablissement Wahliß, welches sich mit seinen hübschen Villen, Gartenanlagen, Restaurant, Kaffeehaus, Badeanstalt und Spielplätzen über die ganze Halbinsel ausdehnt, erfreut sich stets eines zahlreichen Besuchs. Von sonstigen Hotels sind noch besonders hervorzuheben: Hotel Bahnhof Hotel-Pension Bellcvue, Hotel am See, Hotel Lessiak. Nicht unerwähnt mag es sein, daß auch der Wintersport in Pörtschach eifrig betrieben wird. Von Pörtschach fahrt der Dampfer zuerst längs des Nord-ufers nach Töschling, einem beliebten Ausflugsort mit Bad, dann wendet er sich wieder zum Südufer, wo er bei Bad Auenhof und bei der renommierten Pension „Punäschu" landet und dann seine Fahrt in Velden beendet. Velden am Wörthersee Velden breitet sich in herrlicher Lage am Westende des Wörthersees aus, vom schönbewaldeten Mittelgebirge begrenzt, mit entzückender Aussicht über den See und auf das Hochgebirge der Karawanken. Neben der hervorragenden landschaftlichen Schönheit sind es das milde und doch erfrischende staub- und windfreie Alpenklima, die Seltenheit der Niederschläge und die hohe Temperatur des Seewassers, welche Velden zu einem der beliebtesten und besuchtesten Sommerfrischen gemacht haben. Gerade am westlichen Seende bei Velden ist der Wörthersee reich an warmen Quellen. Hier erreicht die Wassertemperatur schon anfangs Mai 17 Grad R. und steigt später bis auf 22 Grad R. und darüber. Dadurch wird das ununterbrochene Baden selbst bei ungünstiger Witterung möglich. Ein besonderer Vorzug ist es, daß Velden1 trotz aller modernen Fortschritte und ungeachtet der vielfachen Umwandlungen und Verschönerungen seine einfache Ländlichkeit und wohltuende Behaglichkeit bewahrt hat. Die Ortschaft zählt zirka 500 Einwohner, weit mehr als 150 Häuser, darunter viele von Gärten und Waldanlagen umgebene Villen, welche sich zum bequemen Sommeraufenthalt eignen. Die Verkehrsverhältnisse sind sehr günstig, nachdem Velden Station der Südbahn und der Wörthersee-Dampfschiffahrt ist. Vorzügliche Wohlfahrtseinrichtungen, Post, Telegraph und Telephon, mehrere gute Ärzte, eine moderne Apotheke, eine Kuranstalt, Buchhandlung und Leihbibliothek, sowie eine Reihe preiswürdiger Einkaufsquellen sind vorhanden. Unter den vielfachen Zerstreuungen, welche das Saisonleben* bietet, steht die Ausübung des Schwimm-, Ruder-, Segel- und Motorbootsportes an erster Stelle. In den musterhaften Seebadeanstalten Rodelbahn in Velden der ersten Hotels wird Schwimmunterricht erteilt und werden dort auch elegante Kielboote vermietet. Auf den Tennisplätzen herrscht stets reges Leben. Die tadellose Beschaffenheit der Straßen ist für den Fahrrad- und Automobilsport sehr geeignet. Auch die Freunde des edlen Waidwerkes und der Fischerei können in Velden ihre Passion befriedigen. Aber nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter, wenn der See von einer starken Eisfläche bedeckt ist, herrscht in Velden rege Sportlust. Das Eislaufen, Rodeln und Eisschießen wird dann fleißig geübt und zieht ;4 die Freunde des Wintersports aus der Umgebung mächtig an. So vereinigt Velden belebenden Naturgenuß und den Charakter schlichter Ländlichkeit mit dem Komiort eines modernen Kurortes, und es darf nicht Wunder nehmen, daß die Zahl seiner 115 — 8* Besucher von Jahr zu Jahr erheblich steigt. Nicht am wenigsten trägt die vorzügliche Qualität der Hotels und Gasthöfe dazu bei. Da ist vor allem das Hotel und Bad Ulbing zu nennen, welches dem Bahnhof zunächst gelegen ist und eine eigene Dampfschiff-Landungsstelle besitzt. Hier in unmittelbarer Nähe des Post- und Telegraphenamtes und der Apotheke, im Zentrum des Kurortes finden wir das Hauptgebäude und die Dependancen des ganzjährig geöffneten auch bei Wintergästen sehr beliebten Etablissements mit Balkons und Veranden und freundlichen Wohnräumen, welche mit Zentralheizung und Wannenbädern versehen sind. Ein eleganter Speisesaal, offene kühle Veranden und ein schattiger Garten dient zu Restaurationszwecken, während eine Kaffeehalle mit vorzüglichem Drehbrette für Zerstreuung der Gäste sorgt. Besondere Annehmlichkeit gewährt der große schöne Park, welcher sich bis zum See ausdehnt, und die prächtige Strandpromenade, gut gepflegte Tennis- und eigene Kinderspielplätze enthält. Die zum Etablissement gehörige, mit einer Schwimmschule verbundene Badeanstalt bietet auch regulierbare Duschen und Sonnenbäder. Hier sind auch Kielboote zu haben. Ein zweites, dem erstgenannten ebenbürdiges Etablissement ist das gleichfalls im Zentrum des Ortes gelegene Hotel und Pension Wrann. Dasselbe verfügt über elegante Wohnräume, einen großen Speisesaal mit Veranda und schattigem Hotelgarten; daran schließen sich reizende Parkanlagen mit den Tennisplätzen. Die Badeanstalt mit Schwimmschule und Bootshütte ist vorzüglich eingerichtet. In allen Teilen des Etablissements, welches vom Besitzer Anton Wrann mit größter Aufmerksamkeit persönlich geleitet wird, herrscht behaglicher Komfort. Den Gästen des Hauses ist Gelegenheit zur Jagd und Fischerei geboten. Zu den beliebtesten Gaststätten von Velden gehört auch das im altdeutschen Stile erbaute, mit vielen Veranden geschmückten Mößlacher-Haus mit modern und elegant ausgestatteten Wohnungen. Die schattigen Parkanlagen und Waldpromenaden in unmittelbarer Nähe erhöhen die Annehmlichkeit des Aufenthaltes. Zu den vielen Bequemlichkeiten, welche den Gästen geboten sind, zählen Seebäder, Badezimmer, Dunkelkammern, Autogaragen, Tennisplätze u. a. m. Nur einige Schritte entfernt befindet sich der vom Besitzer des Mößlacher-Hauses bewirtschaftete Gasthof „zum Richteru, besonders renommiert ist die Restauration desselben, deren Garten eine herrliche Aussicht auf den See und die Karawanken bietet. Außer den genannten Gaststätten sind noch zu erwähnen das unmittelbar am See gelegene Etablissement Wahliß, Cafe Moro, Kurcafe, Gasthof Kointsch, Pension Pundschu} Exzelsior, Charlottenhof und zahlreiche Privatwohnungen. Ungemein lohnend sind die Spaziergänge und Ausflüge welche von Velden in dessen nähere und weitere Umgebung unternommen werden können. Wir nennen den Teufelsgraben, Kranzeihofen, Winklern, Bäckersteich, Lind; besonders genußreich sind die Ausflüge nach Rosegg mit Ruine und Tiergarten, zum Jeserzersee, zum Forstsee, nach Klein-Sternberg und Groß-Stern-berg mit hübscher Fernsicht, nach Köstenberg, zum Ossiachersee, zum Faakersee u. a. m. Wir nehmen nun Abschied vom schönen Wörthersee und besteigen in der Schnellzugs-Station Velden den Zug der Südbahn, der uns nach Oberkärnten führt. Die Bahn verläßt das Gelände des Sees und passiert die Station Föderlach-Faakersee, ein Ausgangspunkt zum Besuche des Faakersees, den wir an anderer Stelle kennen lernen werden. Wir nähern uns der Drau, welche wir im Angesichte der malerischen Ruine Landskron zweimal überschreiten, um in wenigen Minuten in den Villacher Bahnhof einzufahren. Villach Villach, die zweitgrößte Stadt Kärntens, eine der bedeutendsten Touristenstationen der Ostalpen, liegt in der durch das Zusammentreffen des Drauthales mit dem Gailthale und dem Ossiacherseethal gebildeten Ebene, welche von den Karawanken mit dem Mittagskogel, von den Julischen Alpen mit dem Mangart und vom aussichtsreichen Dobratsch (Villacher Alpe) umragt wird. Von ferne her winken die Berge des Möllthales. Ebenso wie das milde Klima hat auch das Bild der zu beiden Seiten der Drau sich ausbreitenden Stadt südlichen Anstrich. Die herrliche Umgebung, der rege Verkehr, die Freundlichkeit der Bewohner haben Villach zu einem Lieblingsaufenthalt der Fremden gemacht, welche hier mit Vorliebe einige Tage der behaglichen "Ruhe verbringen, zumal die Unterkunftsverhältnisse alle Ansprüche zu befriedigen vermögen. Wenige Schritte vom Südbahnhof finden wir das altrenommierte Hotel „Mosser", welches modernen Komfort mit anheimelnder Freundlichkeit vereint. Dieses erstklassige, von den Besitzern mit gewissenhaftester Aufmerksamkeit geführte Haus enthält elegant eingerichtete Zimmer und große hübsche Speiselokalitäten, auch solche für Nichtraucher. Einen Lieblingsaufenthalt nicht nur für die Gäste des Hauses, sondern auch für die auswärts wohnenden Fremden bildet der schattige, ungemein stimmungsvolle Restaurationsgarten mit Salon und Veranda am Draukai mit schöner Aussicht auf den Fluß und das Gebirge der Umgebung. Im Hotel sind alle möglichen Bequemlichkeiten, wie Telephon, Bäder und Fahrgelegenheiten geboten. Hotel „Mosser in Villach Unmittelbar gegenüber befindet sich das sehr beliebte Hotel „Fischer" mit einer großen Anzahl hübscher und bequemer Zimmer, von denen jene auf der Südseite schöne Gebirgs-aussicht haben. Dieses alte, gut bürgerlich geführte Haus bietet seinen Gästen vielfache Bequemlichkeiten, aufmerksame Bedienung, eine anerkannt gute Restauration, Bäder und Fahrgelegenheiten. Die mit dem Hotel verbundene Brauerei erzeugt ein sehr schmackhaftes Bier, das in vielen kärntnerischen Sommerfrischen großen Anklang findet. Nun überschreiten wir die imposante eiserne Draubrücke, von welcher man eine hübsche Aussicht auf die Berge der Umgebung genießt, und betreten den Hauptplatz, welcher bis zur Terrasse der Pfarrkirche ansteigt. Viele Häuser sind hier mit steinernen Fenstergesimsen und Portalen, mit Erkern und Türmchen geschmückt und erinnern an den einstigen regen Handelsverkehr mit Italien. Auf dem Hauptplatz, welcher die Hauptverkehrsader der Stadt bildet, finden wir das beliebte Hotel „Post". Dieses vom neuen Besitzer Hans Paltinger erst vor wenigen Jahren vollkommen renovierte und modernisierte Haus ersten Ranges enthält eine große Reihe hübscher Wohnzimmer, höchst geschmackvoll ausgestattete Speisesäle und einen schönen schattigen Garten mit anstoßendem Salon. Das Restaurant, in welchem eine exquisite Küche und vorzügliche Getränke geboten werden, ist das Rendezvous der Einheimischen und Fremden. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß dieses Hotel mit modernem Komfort versehen ist. Am Ende des Hauptplatzes erhebt sich die in ihrer heutigen Gestalt im 15. Jahrhundert erbaute Pfarrkirche St. Jakob mit der kunstvollen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kanzel und mehreren interessanten Grabdenkmälern. Von dem 95 Meter hohen Turme bietet sich eine entzückende Rundschau. Von sonstigen Sehenswürdigkeiten finden wir in Villach das Stadtmuseum, ein Relief von Kärnten, die Denkmäler Kaiser Josef II. und des Bildhauers Hans Gasser, das ehemalige Wohnhaus des berühmten Arztes Theophrastus Paracelsus und das Haus, welches dem Kaiser Karl V. auf der Flucht vor Moriz von Sachsen Schutz gewährte. Die Stadt Villach, welche sich musterhafter Wohlfahrtseinrichtungen erfreut, ist auch reich an hübschen Spaziergängen mit Aussichtspunkten auf den Draufluß und die nahe Bergwelt. In nächster Umgebung der Stadt, mit der Staatsbahn in fünf Minuten, mit Wagen in zwölf Minuten und zu Fuß in dreißig Minuten erreichbar, liegt in prachtvoller waldreicher Gegend der weltbekannte Kurort Warmbad-ViUach, dessen in ihrer Heilwirkung an Gastein, Ragnz und Pfäffers erinnernden Thermen schon zu Römerzeiten bekannt waren und auch von Theophrastus Paracelsus wiederholt anerkannt und empfohlen wurden. Heute gilt Warmbad-Villach mit Recht als die schönste und modernste Kuranstalt des Landes. Die hübschen stilvollen Gebäude, wozu mehrere Hotels, Villen und Dependancen gehören, sind elegant eingerichtet und bieten vollendeten Komfort. Von besonderem Interesse ist das ebenso geschmackvoll als praktisch ausgestattete Kurbassin, der größte gedeckte Quellspiegel Mitteleuropas mit einer konstanten Wassertemperatur von 30 Grad Celsius. Auch die Warmbäder, elektrischen Lichtbäder und die knapp beim Bahnhofe befindliche offene Schwimmschule verdienen besondere Erwähnung. Die erwähnten Gebäude sind von einem prächtigen Park umgeben, an den sich Nadelholzwaldungen von zirka 200 Joch anschließen. Als Sommer- und Herbstaufenthalt ist Warmbad-Villach von einem zahlreichen distinguierten Publikum frequentiert, aber auch Touristen und Vergnügungsreisenden bietet es ein lohnendes Standquartier und eine angenehme Übergangsstation. 119 Von Villach führt ein ungemein genußreicher Ausflug über Bleiberg auf den 2167 Meter hohen Dobratsch, auch Villacher Alpe genannt. Knapp unter dem Gipfel befindet sich ein gut bewirtschaftetes Schutzhaus. Die Aussicht, welche sich hier bietet, ist von unvergleichlichem Zauber. Die Hohen Tauern mit der Eispyramide des Großglockner bis zum Venediger, die wilden zerrissenen Karawanken, die Julischen und Karnischen Alpen, die Tiroler Dolomiten, die Kuppen der steiermärkisch-kärntnerischen Alpen, das Kärntner Unterland bis zur Koralpe mit dem Wörthersee, die Umgebung Villachs und der Faakersee, ein Teil des Kanalthals, desGailthals, dieGebirgsmassive des Bramkogel,Wischberg, Mangart und der Triglavgruppe — dies alles unifaßt die großartige Rundschau von der Höhe des Dobratsch. Der Ausflug auf den Dobratsch läßt sich leicht mit einem Besuche des zu Füßen desselben liegenden Luftkurortes Mitterwald verbinden. Faakersee phot. Worthle & Sohn Von Villach gelangt man mit dem nach Rosenbach führenden Flügel der Karawankenbahn nach kaum halbstündiger Fahrt zur Station Faak am Rande des idyllischen Faakersees, welcher auch von der Südbahnstation Föderlach aus besucht werden kann. Der blaugrüne See zählt zu den schönsten Landschaftsbildern unserer Alpen. Unter den malerischen Bergen, welche ihn umrahmen, bewundern wir am meisten den pittoresken Mittagskogel mit dem Kirchlein St. Kanzian und der Ruine Finkenstein zu seinen Füßen. In der Mitte des durch seinen Reichtum an vorzüglichen Fischen bekannten Sees liegt die märchenhaft schöne Insel, deren feierliche Ruhe und Waldeinsamkeit ein Eldorado für solche Naturfreunde bildet, welche dem geräuschvollen Saisonleben moderner Kurorte ausweichen wollen. Hier bietet das aus einem Gasthofe und mehreren Dependancen bestehende Etablissement Schwelle freundliche bequeme Unterkunft und vorzügliche Verpflegung. Zum Hause gehört eine gut eingerichtete Badeanstalt, auch Ruder- und Segelboote stehen zur Verfügung. Den Gästen bietet sich Gelegenheit zum Fischen und Jagen. Der Faakersee ist nicht bloß als Sommerfrische, sondern auch als Ausflugsort von Villach und vom Wörthersee sehr beliebt. Zur Umgebung von Villach zählt auch der mit der Staatsbahn in wenigen Minuten, mit dem Wagen in einer Stunde erreichbare anmutige Ossiachersee, dessen Ufer von einer Reihe angenehmer Sommerfrischen besetzt ist. Die besuchteste derselben ist das Karetablissement Annenheim am südwestlichen Ossiachersee phot. Warthle & Sohn Ufer, überragt von der malerischen Ruine Landskron. Es folgt nun die Sommerfrische Sattendorf am Fuße der Görlitzenalpe. f{ Die nächste Station ist Ossiach, das gleichnamige Dorf mit der ehemaligen Benediktinerabtei liegt am jenseitigen Ufer. An Steindorf vorbei erreicht die Bahn beim Markte Feldkirchen das Ende des dunkelgrünen Sees, von wo das von dichten Nadelwaldungen umgebene Bad St. Leonhard zu besuchen ist. Die weitere Bahnfahrt geht durch das Glanthal über Glanegg nach St. Veit a. d. Glan, der alten Hauptstadt Kärntens, welche wir bei dieser Gelegenheit flüchtig kennen lernen wollen. Ungemein interessant ist der Besuch dieser sich in unmittelbarer Nähe bewaldeter Berge ausbreitenden ehrwürdigen Herzogsstadt mit den Resten der alten Stadtmauer und den zahlreichen historischen Baudenkmälern, welche mit modernen Häusern als Zeugen des Aufschwunges dieses rührigen Städtewesens reizvoll abwechseln. 121 Der mittelalterliche Eindruck wird noch vermehrt durch die zahlreichen Burgen, Schlössern und Ruinen der Umgebung. Vom Bahnhofe aus kommen wir zuerst in die Klagenfurter Vorstadt. Hier befindet sich das Prinzhoferhaus, von kunstsinnigen St. Veiter Bürgern durch einen Gedenkstein ober dem Haustore dem Andenken des hier geborenen berühmten Porträtmalers August Prinzhofer geweiht. Von dem Besitzer des Hauses Herrn Friedrich Knaus wurde hier eine sehr sehenswerte Sammlung von zirka 300 Prinzhofer-Bildern angelegt. Am Ende der Klagenfurter Vorstadt finden wir das neue Gebäude der Sparkasse und daneben Reste der ehemaligen Stadtmauern. Wir betreten nun die an historischen Erinnerungen reiche Altstadt und besichtigen zunächst das Stadtgemeindehaus, in welchem sich das Stadtmuseum mit seinen interessanten Sammlungen befindet. Wir kommen hierauf zum unteren Platz und dann St. Veit an der Glan links davon durch eine schmale Gasse auf den eigentlichem Hauptplatz, auch oberer Platz genannt. Einen eigenartigen Eindruck machen die großen Dimensionen und das mittelalterliche Gepräge dieses Platzes mit seinen altertümlichen Gebäuden, in deren Hofraum man häufig romanische Rundbögen, mächtige Steinmauern und geheimnisvolle Hofwinkel findet. Unsere Aufmerksamkeit wendet sich dem sogenannten „Schüsselbrunne i" zu, einer auf einem Steinsockel ruhenden großen Steinschüssel, in welcher die Gestalt eines Bergmännchens als Wasserspender fungiert. Diese aus einem Stück gehauene Schüssel wurde im Zollfelde gefunden und stammt aus der Römerzeit. Wir wenden uns nun durch eine kleine Gasse der nahen Stadtpfarrkirche zu, dessen romanisches Portal aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Kirche selbst, an deren Außenseite interessante alte Grabsteine eingemauert sind, wurde bereits im Jahre 1162 urkundlich erwähnt.. Auf den Hauptplatz zurückkehrend, begeben wir uns an der Dreifaltigkeitssäule vorüber zum Rathaus, dessen schöne Stukkatur-verzierungen eine Sehenswürdigkeit bilden. Bei dem Tore befindet sich ein aus dem 15. Jahrhundert stammende Metalltafel mit dem alten Wahrspruch „Eins Mans red eine halbe red, man soll sy verhören bed". Das Raihaus ist heute Sitz des Bezirksgerichtes. Noch ist ein hoher Steinbrunnen zu erwähnen, den St. Veiter Bürger vor einigen Jahren errichteten. Wir verlassen nun den Hauptplatz, durchwandern die neuen Anlagen und kommen zu den Gebäuden der Spitals-und der Klosterkirche, welche zu den ältesten Baulichkeiten von St. Veit zählen und zu dem im 14. Jahrhundert errichteten Klarissinnenkloster gehörten. Heute dient ein Teil derselben als Bürgerspital. Wir werfen hierauf einen kurzen Blick auf die Marktwiese, wo zur Zeit des Michaeli-Marktes ein ungemein frohes Treiben herrscht. Vom unteren Platz kommen wir durch ein enges Gäßchen zu dem historisch bedeutendsten Gebäude von St. Veit, zur Herzogsburg. In diesem von mächtigen Steinmauern gebildeten schmucklosen Bau war im 13. und 14. Jahrhundert der Mittelpunkt des politischen und geselligen Lebens Kärntens, der Schauplatz fröhlicher Feste und künstlerischen Schaffens. Im Jahre 1519 hat St. Veit infolge Widerstandes gegen die Stände seine Stellung als Hauptstadt Kärntens eingebüßt. Wenige Schritte vom unteren Platz entfernt befindet sich der Schillerplatz mit der Büste des Lieblingsdichters und dem modernen Schulgebäude. Nun begeben wir uns an den Resten des ehemaligen Stadtgrabens vorüber durch eine schattige Allee zum Spital der Barmherzigen Brüder und hierauf zur „Vitusquelle11, dessen heilkräftiges Mineralbad auf Einheimische und Sommergäste Zugkraft ausübt. Ungemein genußreich und interessant sind die Spaziergänge und Ausflüge in der Umgebung von St. Veit, wo wir eine Reihe sehenswerter Schlösser und Ruinen besuchen können. Da ist im Norden der Stadt das Schloß Frauenstein, das Muster eines mittelalterlichen Burgbaues aus dem 12. Jahrhundert. Nicht weit davon erheben sich die Ruinen der gleichfalls aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Neu-Kraig mit dem Johanniskirchlein und Alt-Kra'g auf stolzer Höhe. Auch das Dorf Kraig mit der alten Probstei ist eines Besuches wert. Besonders reizend ist die Partie durch den neu angelegten Vituspark nach Obermühlbach, Schloß Frauenstein, Kraiger Schlösser, Dorf Kraig. Zur-Umgebung von St. Veit gehört auch die wegen der warmen Seebäder beliebte und vielbesuchte Sommerfrische St. Georgen am Längsee mit dem lieblichen See und einem dem Graf Egger'schen Erben gehörigen Schlosse. Der Besuch der prachtvollen Burg Hoch-osterwitz sowie der Ruinen Liebenfels, der Maltheser Kommende Pulst und der Ruine Hohenstein ist mittels Bahn auszuführen. • v m yu) Ain ^ — 123 - Nun verlassen wir die interessante Herzogsstadt und setzen unsere Fahrt mit der Staatsbahn fort. In wenigen Minuten erreichen wir St. Georgen am Längsee, dann folgt die Station Launsdorf, in deren Umgebung das bereits erwähnte Schloß Hochosterwitz und mehrere andere Stammsitze des kärntnerischen Adels unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. Von Launsdorf führt eine Flügelbahn nach Hüttenberg am Fuße des Kärntner Erzberges, Hauptsitz der Eisenindustrie des Landes. Wir setzen die Bahnfahrt auf der Hauptlinie fort und erreichen alsbald die Station Treibach-Althofen, den Ausgangspunkt der Gurkthalerbahn. Im erweiterten Tale geht es dann im Angesichte der Karawanken und des Triglav an der Station Hirt vorbei nach Friesach, dem Endziele unseres Ausfluges. Friesach Die Stadt Friesach liegt 637 M. ü. d. M. ungemein anmutig im fruchtbaren Tal der Mettniz, umgeben von dichten Nadelwaldungen. Infolge der landschaftlichen Schönheit, der kräftigen nervenstärkenden Gebirgsluft, des gleichmäßigen Klimas und des vorzüglichen Quellwassers, nicht minder wegen seiner angenehmen Lebensverhältnisse genießt Friesach mit vollem Rechte den Ruf als eine der gesündesten behaglichsten Sommerfrischen Kärntens. Auch als Herbst- und Winteraufenthalt erfreut sich die Stadt zahlreichen Besuches. Zahlreiche Bequemlichkeiten und ein gediegener bürgerlicher Komfort stehen hier den Gästen zu Gebote. Dazu zählen die elektrische Beleuchtung, ein gut eingerichtetes Voll-, Schwimm- und Warmbad, Apotheke, verläßliche Ärzte u. a. m. Eine Reihe hübscher Privatwohnungen sorgt für angenehme Unterkunft, worüber das Wohnungskomitee des rührigen Stadtverschönerungsvereines bereitwillig Auskunft erteilt. Unter den Gasthöfen, welche sämtlich sehr preiswürdig und gut geführt sind, erwähnen wir Hotel Petersberg „zum blauen Haus11 mit eleganten Zimmern, vorzüglicher Restauration, Piano, Billard, Benzinstation u. a. m., Gasthof „Primig", „Kaiserhof", „Geiger"r „Rauchenwald". Die Annehmlichkeit des Aufenthaltes wird durch die vielen genußreichen Promenaden und Ausflüge in der Umgebung erhöht. Außerdem sorgen für Zerstreuung die wöchentlichen Promenadekonzerte, Liedertafeln des Gesangvereines, die Schießstätte, Tennis-, Sport- und Kinderspielplätze, Kegelbahnen, Theatervorstellungen und ein sehr reges Sport- und Vereinsleben, an welchen dank der Gastfreundlichkeit der Einwohner auch Gäste teilnehmen können. Die Stadt Friesach, die älteste im ganzen Lande, bietet aber auch mit ihren alten Befestigungswerken, Ruinen und historischen Erinnerungen großes Interesse. Es würde zu weit führen, alle Sehenswürdigkeiten auch nur flüchtig zu berühren, wir müssen uns daher auf die Nennung der hervorragendsten Baudenkmäler beschränken. Wir erwähnen die Ruine der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Geyersberg, die Reste des im 14. Jahrhundert zuerstgenannten Schlosses Lavant, die zum Teil noch gut erhaltene Ruinen des Schlosses Petersberg, welches bereits im Jahre 860 erwähnt wird, die Kirchenruine Vigilienberg, der sogenannte Rotturm, auch Blutturm. An sonstigen Sehenswürdigkeiten besitzt Friesach den aus dem Jahre 1560 stammenden Steinbrunnen am Hauptplatze mit interessanten Steinreliefbildern, den Stadtgraben mit dem spiegelklaren Wasser, das Spital des Deutschen Ritterordens, die Monumentensammlung; die Deutsche Ritterordenskirche, die Dominikaner-Klosterkirche, die Stiftskirche St. Bartholomä, die Seminaroder Heiligenblutkirche, das Stadtmuseum. Es würde zu weit führen, die zahlreichen lohnenden Spaziergänge und Ausflüge zu schildern. Wir verweisen diesbezüglich auf den von H. Hauser herausgegebenen Führer „Friesach und Umgebung". Wir kehren nun wieder nach Villach zurück, um mit der nach Süden gerichteten Staatsbahnlinie einen Besuch von Tarvis zu unternehmen. Die Bahn passiert das uns bereits bekannte Warmbad Villach und kommt zur Station Arnoldstein, dem Knotenpunkt der Gailthalbahn. Diese berührt vorläufig nur das Untere Gailthal bis Hermagor. Die Hauptpunkte der Strecke sind Gailitz mit der Aussicht auf die Julischen Alpen, dem Nötsch am Dobrataga, eine besuchte Sommerfrische, und endlich die an der Mündung des Gailthals reizend gelegene Stadt Hermagor. Das von einem schönen, malerisch gekleideten Menschenschlage bewohnte Gailthal hat auch in seinem oberen, von der Bahn nicht durch-zogenen Teile hochinteressante Punkte, wie Kötschach, den Ausgangspunkt großartiger Hochtouren, den Markt Mauthen, den w / Ij Alpenkurort Plöcketi, dann Jciuken und den Wallfahrtsort Maria-Luggau an der Tiroler Grenze. Die Staatsbahnlinie führt nach Verlassen der Station Arnoldstein in bedeutender Steigung nach Thörl-Maglarn, wo wir eine herrliche Aussicht auf den Raibl und Mangart genießen. Durch zwei Tunnels erreicht dann die Bahn Tarvis, eines derbedeutensten Touristenzentren der Alpen. Der Markt Tarvis, der Hauptort des Kanalthaies liegt ungemein malerisch, umringt von einer großartigen Bergwelt, von dichtbewaldeten Höhen und saftgrünen Wiesen. Gleich vom Hauptbahnhofe aus bietet sich ein unvergleichliches Panorama, welches von den Abstürzen des Dobratsch, dem Massiv des Mangart, den Felsspitzen des Wischberges bis zum waldreichen Bürgerberge und den grünen Matten der Greuther Höhe reicht. Der Markt besteht aus zwei Teilen, dem in einer schmalen Tarvis Einsenkung gelegenen „Unter-Tarvis" und dem an der Höhe der Reichsstraße 751 M. ü. d. M. frei und aussichtsreich gelegenen „Ober-Tarvis". Fast in der Mitte zwischen den beiden Häusergruppen befindet sich der Marktplatz mit der aus dem 14. Jahrhundert stammenden, von einer alten Mauer umfaßten Pfarrkirche. Die hübschen Häuser sind zum Teile mit Vorgärten versehen. Das gesunde Alpenklima von Tarvis und die günstigen Unterkunfts- und Verpflegsverhältnisse üben eine besondere Zugkraft auf Sommergäste und Touristen aus. Post- und Telegraphenamt, Ärzte, Apotheke, verschiedene Vereine und eine reichhaltige Volksbibliothek stehen zur Verfügung. Von den zahlreichen Gaststätten des Marktes sind hervorzuheben: das „ Bahnhofhoteliil Hotel „MörtlGasthof „Gelbfuß" in Ober-Tarvis, Hotel „Schnabl-egger1Gasthof „Teppan" in Unter-Tarvis. Außerdem gibt es eine Reihe freundlicher, gut eingerichteter Privatwohnungen. - 126 5* Ungemein günstig sind die Verkehrsverhältnisse in Tarvis, welche durch ein Netz vorzüglicher Straßen mit den Tälern der Umgebung verbunden ist. Besonders hervorzuheben ist die sogenannte Italienerstraße, ein kunstvoller Bau, welcher das Kanalthal durchzieht. Von derselben zweigt die Görger- oder Predilstraße dem Schlitzateiche entlang nach Raibl und dem Predilpaß ab. Von dort führt die Straße am Fuße des Mangartgebirges nach Flitsch und Görz. Auch die Landesstraße, welche durch das Savethal nach Laibach führt, mögen hier Erwähnung finden. Tarvis ist aber auch Knotenpunkt dreier Bahnlinien, der von Nordost kommenden Kronprinz Rudolf-Bahn, welche Tarvis mit Villach verbindet, ferner der Pentcbabahn, welche von Tarvis nach Raibl Westen bis zur italienischen Reichsgrenze zieht, endlich der Tarvis-Laibacher-Linie, welche nach Laibach führt. Tarvis, welches, wie bereits erwähnt, ein Touristenzentrum allerersten Ranges isl, besitzt in seiner näheren und weiteren Umgebung eine große Anzahl genußreicher Spaziergänge, Ausflugsorte und hochtouristische Wanderziele. Leider müssen wir uns im Hinblick auf den beschänkten Raum damit bescheiden, nur einige besonders lohnende Partien zu erwähnen. Der halbstündige Spazierweg zum Walcherhamtner, der Besuch der nahen Schlitzaklamm, der Weg zum Prisnigboden, zur Greuther-Höhe mit dem Gedenkstein an die im Jahre 1809 gefallenen Landesverteidiger, der Besuch des düsteren Römerthals mit seiner hochalpinen Umrahmung, der Speikalm, der Antoni-Kapelle mit dem großartigen Ausblick au den Mangart und die benachbarte Bergwelt, die alte Straße,' der Einsiedlboden und Anfoniensteig, die Baiaschenwiese mitten im — 103 - Hochwald, der Waldweg in den Bartolograben. Besuchenswert sind auch im wilden Hochgebirgskessel die alte Ortschaft Saifnitz und das 785 Meter hoch gelegene Dorf Wolfsbach am Eingange in das Seiserathalim wilden Hochgebirgskessel von unvergleichlicher Schönheit, mit herrlichem Blick auf den Wischberg, der Ausgangspunkthochinteressanter Bergtouren. Hier bietet die Seiserahütte der Alpenvereins-Sektion Villach Unterkunft. Nun wollen wir noch die äußerst genußreiche Partie nach Raibl erwähnen, welche über das Schlitzathal und Kaltwasser in 1'/aStündiger Fußwanderung oder einstündiger Wagenfahrt erreicht wird. Der 892 Meter ü. d. M. am Fuße des Königsberges gelegene Ort ist Sitz eines regen Bergbaues, außerdem aber auch eine vielbesuchte Sommerfrische und Touristenstation. Den felsumschlossenen Talkessel überragt die prächtige Berggestalt des „Fünfspitz" und der „Seekopf". Eine halbe Stunde entfernt liegt der ruhige träumerische Raibiersee mit dem Ausblick auf das Seebachthal und seinem großartigen vom Prestrelnik und Canin beherrschten Hintergrunde. Von hier auskann man die Paßhöhe des Predil und die aussichtsreiche Nevea- M w AIpe inmitten einer herrlichen Hochgebirgsszenerie besuchen. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß von Tarvis ein bequemer Aufstieg auf den berühmten Wallfahrtsort Luschari führt, zu dessen Gnadenbild alljährlich 50.000 bis 60.000 Gläubige pilgern. Wir setzen nun unsere Fahrt mit der Staatsbahn gegen die italienische Grenze fort. Nach Passierung der Stationen Saifnitz und Wolfsbach, wo wir noch einen Blick auf die Seisera werfen, übersetzt die Bahn bei der Station Uggowitz die Fella und erreicht das malerisch gelegene Malborghet mit dem Fort und dem Denkmal an die heldenmütige Verteidigung desselben. Es folgt die Station Lnßnitz mit einem heilwirkenden Schwefelbad und bald darauf die österreichische Grenzstation Pontafcl. % Wir kehren nun abermals nach Villach zurück und benützen die Pusterthal-Linie der Südbahn zur Fahrt nach Millstatt und ins Möllthal. An den Stationen Paternion und Rotenthurm vorüber erreichen wir Spittal an der Drau, einen wichtigen Knotenpunkt, wo die von Gastein kommende Tauernbahn einmündet. Hier ist der Ausgangspunkt zum Besuche des Millstätter-Sees und des Maltathals. Die Fahrstraße windet sich durch das enge Lieserthal bis- « ~ zur Ortschaft Seebach, wo von der nach Gmünd führenden Reichsstraße die Landstraße nach Millstatt abzweigt. Nach einstündiger Fahrt erreichen wir das nordwestliche Ufer des durch seine landschaftliche Schönheit, sein mildes Klima und seinen Fischreichtum bekannten Millstätter-See. Inmitten üppiger Wiesen,, umrahmt von Nadelholzwaldungen breitet sich die Sommerfrische Seeboden malerisch bis zum Seerande aus. Die günstigen klimatischen Verhältnisse, die würzige Luft und die angenehmen Lebensverhältnisse, die köstlichen Seebäder, der regelmäßige Dampferverkehr mit den benachbarten Uferstationen,. - 128 sowie die gute Gelegenheit für Rudersport und Fischerei üben auf die zahlreichen Sommergäste eine starke Anziehungskraft aus. Unter den Gaststätten von Seeboden verdient das vom Hotelier Hans Nöthebusch persönlich geleitete Etablissement Villa „Seehof1 besonders hervorgehoben zu werden, welches knapp am Seeufer gelegen, von Kastanien, Ahorn- und anderen Bäumen umsäumt, behagliche, heizbare Wohnräume mit Balkons und Veranden enthält. In einem eigenen Gebäude in nächster Nähe befindet sich die Restauration. Außerdem ist noch ein großer Glassalon mit Terrasse vorhanden. Hier bietet sich eine schöne Aussicht auf den See und das Gebirge. Von besonderer Annehmlichkeit für die Gäste ist die große Badeanstalt, sowie die Schiffshütte mit Villa „Seehof" verfügbaren Ruder- und Segelbooten. Endlich sind noch eine Wendelbahn, Kegelbahn, Tennisplätze, Turnapparate, Bibliothek, Klavier vorhanden, so daß es an keiner Zerstreuung und Unterhaltung mangelt. Als lohnende Ausflüge von Seeboden nennen wir den Lindweggraben, Mineralbad, Fichtenwald, Sommeregg, Lieseregg u. a. m. Von Seeboden führt die Straße längs dem See oder der Dampfer nach Millstatt, dem Hauptorte und Zentrum des Fremdenverkehrs amMillstätter-See. Ungemein reizvoll ist die Lage des Marktes auf einer breiten, sanft ansteigenden Landzunge, durch die Millstätteralpe und andere hohe Bergrücken gegen Norden und Osten vollkommen geschützt, gegen Südwesten offen. Infolgedessen ist das Klima ausnehmend mild und insbesondere für Rekonvaleszenten und Erholungsbedürftige geeignet. Auch im Winter ist der Aufenthalt in Millstatt sehr angenehm. Durch gute Gasthöfe und eine größere Anzahl hübscher Villen und Privatwohnungen ist für behagliche Unterkunft gesorgt. Hochquellenleitung, elektrische Beleuchtung, gut gehaltene Promenadewege, 9 Seebadeanstalten, Arzte und eine modern eingerichtete Kaltwasserheilanstalt gewähren den Gästen alle Vorteile eines komfortablen Kurortes. Das in den Sommermonaten sehr lebhafte Saisonleben mit der Kurmusik, Tanz-Reunions, Lawn-Tennisspielen u. a. m. bietet eine Fülle von Zerstreuungen, auch der Schwimm-, Ruder-und Segelsport wird fleißig geübt, endlich gibt es auch Gelegenheit zur Jagd und Fischerei. Für Spaziergänge dienen die Anlagen am Seeufer, der Park mit Aussichtsturm, die Straße nach Dellach und Döbriach, der Weg auf den Kalvarienberg und das Obermillstätter Mittelgebirge u. a. m. Am schönsten sind wohl die Fahrten auf dem grünen klaren See mit dem Dampfer oder mit dem Ruderboot, hiebei gelangt man zum Vollgenusse der landschaftlichen Millstatt ' Reize dieser gottbegnadeten Gegend. Als Sehenswürdigkeit des Marktes erwähnen wir das uralte von Benediktinern gegründete Stift, die gotische Kirche mit dem prächtigen Portale, dem den Klosterhof umgebende Kreuzgang und dem an der Außenseite befindlichen großen Freskogemälde aus dem 16. Jahrhundert. In den Stiftshöfen stehen zwei sehr alte Linden riesigen Umfanges. Unter den Gaststätten von Millstatt heben wir besonders hervor Hotel und Pension „Burgstaller" im Zentrum des Ortes mit hübsch eingerichteten Fremdenzimmern mit Balkons und herrlicher Aussicht auf den See und das Gebirge. Zu den mit elektrischer Beleuchtung und allem Komfort ausgestatteten Räumen dieses altrenommierten Hauses gehören ein eleganter Glassalon, Kaffeesalon mit Wendebillard und zahlreichen Journalen, eine offene Veranda uiid ein schattiger Sitzgarten. Der Aufententhalt in diesem gut bürgerlich geführten Etablissement ist sowohl für Familien als auch für Touristen äußerst behaglich. Hotel „See-Villa", in unvergleichlich schöner Lage, direkt am See, mit prachtvoller Aussicht, von einem reizenden Garten umgeben, enthält eine größere Anzahl hübscher Zimmer mit Balkons und modernem Komfort. Auch die übrigen Lokalitäten des elektrisch beleuchteten Hauses bieten angenehmen Aufenthalt. Der große Speisesalon, die Seeterrasse mit entzückender Aussicht, der schattige Restaurationsgarten, der Kaffeesalon, eine nette Kegelbahn bilden den Sammelpunkt der Hotelgäste sowie des auswärts wohnenden Kurpublikums. Kielboote stehen jederzeit zur Verfügung. Außerdem gibt es in Millstatt noch mehrere empfehlenswerte Gaststätten, wie Kahlhofers Gasthof mit hübschem Speise- Hotel „See-Villa" saal, Veranda und guter Restauration, Hotel „Lindenhof1Gasthof „Post" u. a. m. Wir wollen nun das interessante Maltathal flüchtig besuchen Ifj und setzen die Fahrt von Seebach, wo wir die nach Millstatt abzweigende Landstraße benützt hatten, auf der Reichsstraße nach Gmünd fort. Dies ist der Schlüssel zu dem an landschaftlichen Reizen so reichen Malthathal. Bis zum Alpenhotel „Pflügl-hof" geht die Fahrstraße; hier beginnt die Fußwanderung, welche über den Hochsteg an mehreren großartigen Wasserfällen vorbei zur Traxhiitte und dann zum „blauen Tumpf" führt, wo die Gletscherwässer 20 Meter hoch zu Tal stürzen. Dicht dabei ist der großartige Hochalmfall zu sehen. Unvergleichlicher Hoch-gebirgszauber begleitet uns zur verfallenen Elendhiitte, wo sich das Maltathal im Angesichte der Gletscher und Firnspitzen der Tauern in das Groß- und Klein-Elend-Thal teilt. Von Spittal, wohin wir nach unseren Ausflügen zurückkehren, setzt sich die Pusterthal-Linie der Südbahn gegen Tirol fort. Die Hauptstationen dieser Strecke sind Sachsenburg, der 133 Ausgangspunkt für Wanderungen im unteren Möllthal, dann Greifenburg, der Ausgangspunkt zum Besuche des 926 Meter hoch gelegenen Weißensees, dessen Ufergestade bei Gatschach, Techendorf und Neusach jährlich von zahlreichen Fremden als Sommeraufenthalt gewählt werden. Es folgt nun die Station Dellach in malerischer Lage im Angesichte des Jauken und des Hochkreuz. Auf der weiteren Fahrt treten die Dolomitenformen der Kreuzkofelgruppe mit dem Hochstadel in unser Gesichtsfeld. Nach Übersetzung der Drau erreichen wir die letzte Station auf kärntnerischem Boden, den Markt Oberdrauburg. Dieser alte, einst von drei mächtigen Burgen befestigte Ort, wird noch heute von den Resten gewaltiger Ringmauern umschlossen und erfreut sich einer an Hochgebirgsszenerien reichen Umgebung. Hier beginnt die kunstvolle Gailbergstraße ins Gailthal und nach Italien. Als Sommerfrische und Standquartier für reizvolle Bergwanderungen ist Oberdrauburg viel besucht. Bevor wir Kärnten verlassen, wollen wir noch einen flüchtigen Blick auf die Strecke Spittal-Gastein der neu eröffneten Tauern-bahn werfen. Von Spittal steigt die Trasse allmählich zur Station Pusarnitz und Mühldorf mit der gleichnamigen Sommerfrische. Uber den Mühldorferbach und Rothausergraben kommen wir zur Station Kolbnitz und erreichen nach Übersetzung des Rückenbachs und Passierung zweier kurzer Tunnels die 899 Meter hoch gelegene Station Penk. Die folgende Strecke bis zur Station Obervellach ist eine der interessantesten und schwierigsten, die je ein Eisenbahnbau geschaffen hat. Neun Tunnels, zwei Gallerien und fünf große Viadukte müssen passiert werden. Tief unter uns breitet sich das Möllthal aus, dessen Hauptort Obervellach 360 Meter unter der gleichnamigen Station liegt. Dieser Markt mit seiner uralten Pfarrkirche besitzt eine herrliche Umgebung, deren Glanzpunkt das malerische Schloß Grappenstein bildet. Zahlreiche Fremde verbringen hier den Sommer. Von der Station Obervellach steigt die Bahn durch das Dössenthal, durchfährt den 880 Meter langen Dössentunnel und erreicht in einer Seehöhe von 1180 Meter die Station Mallnitz. Unweit von der Station liegt das gleichnamige Alpendorf, infolge der vorzüglichen Luft und der großartigen Hochgebirgsszenerien eine viel besuchte Sommerfrische. Nun zieht die Bahn durch das malerische Seebachthal im Angesichte des Ankogels, des Felsenkopfes und der Gamskarspitze zum Eingang des 8 Kilometer langen Tauern-tunnels, welcher im Salzburgischen bei Böckstein endet. Wir beschließen die Schilderung des schönen Kärntnerlandes mit dem Besuche von H eil igen blut am Fuße des erhabenen Königs der Hohen Tauern, des Großglockner. Von Obervellach führt die Mölltlialstraße über Flattach und Fragant nach Winklern. Bequemer und genußreicher ist die Fahrt von der Tiroler Südbahnstation Dölsach über den Iselsberg. Über Döllach mit der groß- r \ > v LA H K fr l artigen Zirknitzklamm geht es in dem immer enger werdenden Tal nach der Ortschaft Patschall, wo wir den Wasserfall ,Jungfernsprung" bewundern, dann nach Pockhorn im Angesichte des Brennkogel. Von hier setzt sich die Straße in mehreren Windungen fort und bald erblicken wir zum erstenmal den Groß glockner. Heiligenblut In einer weiteren halben Stunde erreichen wir das weltberühmte Gebirgsdorf Heiligenblut mit dem schlanken Turme seiner aus dem 15. Jahrhundert stammenden gotischen Kirche. Von unvergleichlicher Schönheit ist der Ort in dem mattenreichen Hochtale zu Füßen des Pasterzengletschers und des majestätisch aufragenden Großglockner lagernd. Alljährlich besuchen Tausende und aber Tausende aus allen Zonen diesen gottbegnadeten Erdenfleck, um entweder den Zauber ruhigen Verweilens in dieser köstlichen Sommerfrische zu genießen oder aufwärts zu streben auf den firngekrönten Gipfel des edelsten unserer Alpenriesen. Eine neue Fahrstraße führt von Heiligenblut zu dem 2101 Meter am Rande der Pasterze gelegenen Glockner hause. Über die Franz Josefs-Höhe und die 2443 Meter hohe Hofmannshütte geht es zur Adlersruhe und von dort in 11/a Stunden auf den Gipfel des Großglockner, welcher 3798 Meter hoch in den Äther ragt und eine überwältigende Aussicht gewährt. I % — 133 - fr • • • Laibach mit den Steiner Alpen Durch Krain. Zu den Ländern, welche durch die neuen Alpenbahnen in die erste Linie des Verkehres gerückt sind, zählt das Kronland Krain. Die mächtigen Arme der neuen Tauern- und Karawankenbahn vereinigen sich an der Grenze dieses Landes zu einer Weltverkehrsstrecke, die nach Triest führt und dem Reisenden die blaue schimmernde Adria eröffnet. Vor der Einfahrt in diese südlichen Gestade baut sich die Obcrkraitier Alpenwelt mit dem Bergriesen Triglav auf, von dessen schneebedeckter Spitze man bereits das adriatische Meer erblickt, während von Norden her die gesamte Alpenwelt herübergrüßt. Den Hauptgebirgszug Krains bilden die Jütischen Alpen, an welche sich im Osten die Kara-wanhen und die Sannthaler Alpen anschließen. In diesem herrlichen Gebiete finden wir schöne Sommerfrischen und eine Reihe wunderbarer Seen, wie den romantischen Wocheiner-See, den lieblichen See von Veldes, die hoch im Gebirge liegenden Trig-lav-Seen und den Doppelsee von Weißenfels. Gegen die Landeshauptstadt Laibach flachen sich die Alpen ab und es beginnt das Gebiet des Karst mit seinen Grotten, Höhlen und unterirdischen Flüssen. Der Fremdenverkehr hat in Krain in den letzten Jahren dank der zielbewußten Tätigkeit des dortigen Landesverbandes für Fremdenverkehr große Erfolge erzielt, namentlich in Oberkrain und Adelsberg, wo die heimische Bevölkerung für die moderne Entwicklung der Fremdenindustrie das größte Interesse betätigt. Die Landeshauptstadt Laibach. Im Zentrum des Landes Krain, im Mittelpunkt der Haupt-und Lokalbahnen, die sternförmig nach allen Richtungen auslaufen, liegt an beiden Ufern des Laibachflusses im Angesichte eines herrlichen Alpenpanoramas die Hauptstadt Laibach (Ljubljana). - 124 5* Einem Phönix gleich hat sie sich aus dem Schutte des letzten Erdbebens im Jahre 1895 in glänzender verjüngter Gestalt erhoben, neue Straßenzüge und Plätze mit prachtvollen Gebäuden und mustergiltigen Wohlfahrtseinrichtungen sind erstanden und auf Schritt und Tritt begegnen wir den Anzeichen einer modernen Stadtentwicklung, wie sie nicht vielen Provinzstädten zuteil wurde. In der Mitte des Häusermeeres ragt der alte Schloßberg auf, den eine mittelalterliche Burg krönt und welcher einen schönen Rundblick auf das fruchtbare Laibacher Feld und die Gebirgswelt von Krain gewährt. Eine besondere Zierde der Stadt bilden die zahlreichen Alleen, Gärten- und Waldanlagen, wie die Sternallee am Kongreßplatz, die Anpflanzungen längs des Laibach- Dcr Scliloßberg in Laibach N flusses, die Lattermannsallee mit den 100jährigen Kastanienbäumen, die Tivolianlagen, der Stadtpark und die Waldpromenaden des Siska- und Rosenbachberges. Die Fremden finden während des Sommers in Laibach alle Naturgenüsse und Annehmlichkeiten einer Sommerfrische und alle Vorteile und Bequemlichkeiten einer modernen Stadt. Vorzügliche Kanalisation, tadellose Wasserleitung, elektrische Beleuchtung und eine elektrische Straßenbahn bezeugen die energische zielbewußte Fürsorge der welche sich die Assanierung der Stadt, die Förderung gemeinnütziger Bestrebungen auf dem Gebiete des Schulwesens, der Armen-und Krankenpflege, der künstlerischen und gewerblichen Tätigkeit sehr angelegen sein läßt. Laibach ist ein lebhafter Handelsplatz und der Sitz bedeutender industrieller Etablissements und angesehener Bankinstitute. Insbesondere das Sparkassewesen ist stark entwickelt. Neben der Krainischen Sparkasse, der Zweitältesten — 103 - in Österreich, welche eine großartige humanitäre Wirksamkeit entfaltet, sind die Städtische Sparkasse, die Laibacher Kreditbank, die Kmetska posojilnica u. a. m. zu nennen. Landschaftliche Burg in Laibach Wir wollen es nun versuchen, die Hauptverkehrsadern der Stadt Laibach flüchtig zu berühren. Vom Südbahnhofe zieht sich Rudolfinum in Laibach die Siidbahnstroße gegen das Innere der Stadt. Links schließt sich die Wiener Straße an, am Ende derselben finden wir das Hotel „Elefant" und das moderne Gebäude des Post- und Telegraphenamtes. Rechts zweigt die Franz Josefstraße ab, wo sich an der Lattermann-Allee mehrere imposante öffentliche Gebäude — 103 - befinden, wie das landschaftliche Theater, das slovenische Volkshaus Narodni Dorn und letzterem gegenüber das Landesmuseuni Rudolfinum, vor dem sich ein Standbild des krainischen Geschichtsschreibers Valvasor erhebt. Die Sammlungen des Landesmuseums sind ungemein interessant und umfassen Pfahlbautenfunde, römische und slavische Altertümer, Erzeugnisse der Hausindustrie, ethnologische Objekte u. a. m. Durch die an die Wiener Straße sich anschließende Schellen-burggasse gelangen wir zu dem großen Kongreßplatz mit der berühmten Sternallee, welche eine Büste Radetzkys schmückt. Am Kongreßplatz befinden sich die prächtige landschaftliche Burg mit dem durch zwei Etagen reichenden Landtagssaal, ferner das Deutsche Kasino, die Tonhalle der philharmonischen Oesellschaft. Der Marienplatz in Laibach. Bei dem Postgebäude nach links einbiegend, führt uns die verkehrsreiche Preserngasse zu dem architektonisch vollendeten Marienplatz, welcher von der freskengeschmückten Pfarrkirche Maria-Verkiindigung und mehreren glänzenden Privatgebäuden flankiert wird. In der Mitte des Platzes erhebt sich das reizende Denkmal des krainischen Dichters Presem. Wir überschreiten nun die Franz Karlbriicke und betreten den stets sehr belebten Rathausplatz mit den vom Meister Robba geschaffenen Brunnenobelisken. Das alte Rathaus mit Balkon und Arkaden sowie einem fünfeckigen Urturm enthält einen prachtvollen Beratungssaal mit einer Kaiserbüste und mehreren hervorragenden Kunstwerken. Nicht weit vom Rathausplatz befindet sich der Domplatz mit der Domkirche St. Nikolaus, welche herrliche Fresken und Statuen besitzt. Von sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt nennen wir die hübsche Jubiläumsbrücke, zur Erinnerung an das 40jährige Regierungsjubiläums des Kaisers errichtet, den Monu- mentalbau der Krainischen Sparkasse, des Palais der Landesregierung, die Oberrealschule mit der bedeutsamen Erdbebenwarte, das Kaiser Franz Josefs-Asylhaus, das Landesgerichtsgebäude, die Stadtpfarrkirche St. Jakob, die deutsche Ritter Ordenskirche, die alte Pfarrkirche St. Peter u. a. m. Von den vielen reizenden Spaziergängen Laibachs ist jener zum Schloß Tivoli, dem einstigen Besitztum des Feldmarschall Radetzky, hervorzuheben. In wenigen Minuten erreicht man durch die L atterm ann- Allee d i e schönen Parkanlagen, welche das genannte Schloß mit dem Monument des großen Heerführers umgeben. Knapp hinter demselben erhebt sich das von der Stadtgemeinde im altkrainischen Stile erbaute Waldhotel „Tivoli", dessen vielbesuchte Konzertabende das Rendezvous von Fremden und Einheimischen bilden. Jubiläumsbrücke in Laibach Entsprechend den gesteigerten Anforderungen des Fremdenverkehres hat das Hotelwesen in Laibach eine hohe Stufe erreicht. — 103 - Rathausplatz in Laibach Wir nennen hier das Grand-Hotel „Union", einen modernen Prachtbau mit Speisesaal, Kaffeehaus, Konzertsaal usw. Besonders empfehlenswert ist das altangesehene Hotel „Elefant" in zentraler Lage unmittelbar gegenüber dem Post- und Telegraphenamte. Dieses mit Telephon und elektrischer Beleuchtung versehene Haus ersten Ranges mit seinen bequemen Wohnräumen, eleganten Speisesalons und dem großstädtischen Kaffeehause bietet einen äußerst behaglichen Aufenthalt und ist infolge seines soliden Komforts, der aufmerksamen Führung und des vorzüglichen Restaurants sehr beliebt. Mit dem Hotel steht die große, musterhaft eingerichtete Badeanstalt in Verbindung, in welcher die in ihrer Heilwirkung Franzensbad gleichenden Laibaeher Eisen-Moorbäder, ferner Dampf-, Dusch- ELL fANr rrrrrrrrpT ~K t STAUDA» »O», p| Hotel „Elefant" in Laibacli und gewöhnliche Wannenbäder zu Gebote stehen. Die Badeanstalt steht unter der Leitung des Prof. Dr. v. Valenta. Von den übrigen kleineren Gasthöfen nennen wir Hotel „Lloyd" mit Dependance, Hotel „lllyria", „Stadt Wien" mit Variete, „Siidbahnhof". Viel besucht ist auch das Pilsner Bier-Restaurant „Zur Rose". Unter den Badeanstalten sind außer jener des Hotel „Elefant" noch zu erwähnen das städtische Bassinbad „Kolesia" sowie die Militärschwimmschule. In sanitärer Beziehung sind außer dem neuen Landeskrankenhause das Sanatorium „Leoninum" und die Wasserheilanstalt „Hygiea", sämtlich an der Peripherie der Stadt gelegen, beachtenswert. Viele tüchtige Ärzte, darunter sehr renommierte Spezialisten, stehen den leidenden Fremden zu Gebote. So bietet denn Laibach, welches infolge seiner zentralen Lage auch ein vorzüglicher Ausgangspunkt für Hochgebirgspartien ist, alle Voraussetzungen einer bedeutenden Fremdenverkehrsstation und steigt auch von Jahr zu Jahr in rapider Weise die — 103 - Frequenz der Besucher. Große Verdienste um diesen Aufschwung hat sich der Landesverband für Fremdenverkehr erworben, dessen neues Bureau in der Miklosicstraße gegenüber dem Hotel „Union" eine permanente Ausstellung von Ansichten, Reiseschriften und Prospekten enthält. Hier werden auch den Fremden bereitwillig und unentgeltlich Auskünfte erteilt. Oberkrain. Um die landschaftlichen Schönheiten des Alpenparadieses Oberkrain kennen zu lernen, benützen wir die von Laibach nach Tarvis führende Staatsbahnlinie. Wir passieren die industriereiche Stadt Bischoflack, dann die schön gelegene Stadt Krainburg, den Ausgangspunkt zum Besuche der Sannthaler Alpen und erreichen die Station Radmannsdorf. Die gleichnamige gewerbefleißige Stadt mit einem schönen Schlosse besitzt eine hübsche Umgebung und bietet gute Unterkunft. In der Nähe befindet sich der von der Haltestelle Ototsche zu erreichende berühmte Wallfahrtsort Brezje. Es folgt nun die Station Lees, welche vor Eröffnung der Wocheinerbahn Lees-Veldes hieß. Noch heute ist der schön gelegene Ort der beliebteste Ausgangspunkt zum Besuche von Veldes. Aber auch als Sommerfrische wird Lees infolge seiner landschaftlichen Schönheiten, der gesunden Luft und der idyllischen Ruhe von distinguierten Familien mit Vorliebe aufgesucht. Die gute Hochquellwasserleitung und eine neu gegründete Bierbrauerei sind zu erwähnen. Einen besonders angenehmen Aufenthalt bietet das rühmlichst bekannte Hotel „Legat" mit mehreren Dependance-Villen. Man findet daselbst äußerst behagliche mit allen Bequemlichkeiten ausgestattete Wohnräume und eine vorzügliche preiswürdige Verpflegung. Fern von dem anspruchsvollen Luxus und dem geräuschvollen Treiben sogenannter Weltbäder, kann man in Lees und insbesonders als Gast des Hauses Legat in ruhigem friedlichen Naturgenusse seiner Gesundheit und Nervenerholung leben. Dabei braucht man keineswegs auf gesellschaftlichen Anschluß und Zerstreuung zu verzichten. Insbesondere die Wanderungen und Fahrten in die schöne Umgebung bieten großen Genuß. Da ist der Ausflug nach Vigaun und Politsch zu nennen wo die Hotel-Pension „Sturm" ihre gastliche Pforte öffnet. Die Hotel ,,Legat" in Lees beliebteste Wagentour führt in etwa einer Stunde nach Veldes, welches wir an anderer Stelle näher kennen lernen werden. Im Angesichte der Karawanken und Steiner Alpen setzen wir nunmehr die Bahnfahrt fort und erreichen das reizend gelegene Dorf Scheraunitz und die Ortschaft Jauerburg mit Hochöfen und Werkanlagen der krainischen Industriegesellschaft, welche die Zentrale ihrer weit ausgebreiteten Fabrikation in der folgenden Station Aßling besitzen. Bei der Station Aßling, wo die Staatsbahnlinie Laibach—Tarvis von der neuen Wocheinerbahn gekreuzt wird, teilt die Save die Karawanken von den Julischen Alpen. Hier erheben sich die Bergriesen Triglav (2865 Meter), Crna prst (1845 Meter), Golica (1854 Meter), Mangart (2768 Meter) Kronau und Stol (2236 Meter) und laden den Hochtouristen auf ihre himmelanstrebenden Kuppen. Oberkrain ist das Land der Hochtouristik und ist für dieselben durch zahlreiche Schutzhütten des Deutschen und österreichischen Alpenvereines, sowie des slovenischen Alpenvereines, ferner durch gut markierte Wege und autorisierte Bergführer bestens gesorgt. Wir setzen vorläufig die Fahrt auf der Staatsbahnstrecke gegen Tarvis im oberen Savethale fort und passieren die Station Lengenfeld. Diesem Orte gegenüber liegt Mojstrana} der Ausgangspunkt zur Besteigung des Triglav. Es folgt nun die Station Kronau. Der gleichnamige Ort erfreut sich einer großartigen alpinen Lage am Eingange des Pisencathales, welches von den mächtigen Gestalten des Prisanig (2555 Meter) und des Raxor (2601 Meter) umragt wird. Die landschaftlichen Schönheiten und günstigen klimatischen Verhältnisse haben den Ruf Kronaus als Sommerfrische und Luftkurort begründet. Auch die nächste Station — 103 - Ratschach-Weißenfels ist eine besuchte Sommerfrische und Touristenstation. Von hier führt ein herrlicher Weg zu den einsam im tiefen Walde an den Abhängen des Mangart gelegenen Weißen-felser-Seen. Hier haben wir die Grenze zwischen Krain und Kärnten erreicht. Wir kehren nun zur Station Aßling zurück, um mittels der hochinteressanten, an hochalpinen Szenerien reichen Wocheinerbahn die beiden Glanzpunkte Oberkrains, den Veldeser- und Wocheiner-See kennen zu lernen. Die erste Station nach Aßling ist Dobrava, eine reizend gelegene Sommerfrische, von welcher man die berühmte Rotweinschlucht am bequemsten besuchen kann. Nun folgt nach Passierung des 1178 Meter langen Rotwein- Veldes mit Inselkirche und Schloß tunnels die Station Veldes am südwestlichen Ufer des gleichnamigen Sees. Überrascht blicken wir auf das herrliche Panorama zu unseren Füßen, auf den reizenden See, aus dessen Mitte uns das weiße Wallfahrtskirchlein, einst ein Tempel der Göttin Ziva, mit seiner Wunschglocke grüßt. Ein Kranz blinkender Villen und größerer sowie kleinerer Hotels umgibt den See, welcher von einer auf der Nordseite aufragenden Burg, einst Eigentum der Brixener Bischöfe, beherrscht wird. Während man von dem unterhalb der Station liegenden Dorfe Veldes den See zum gegenüberliegenden Ufer durchquert, genießt man mit Entzücken die Naturschönheiten der von den wildzackigen Karawanken und der großartigen Bergwelt der Julischen Alpen umrahmten hellschimmernden Wasserfläche. Der Kurort Veldes erfreut sich einer vor Winden geschützten Lage und einer durch die Nähe des Meeres gemilderten Alpenluft. Neben diesen klimatischen Vorzügen sind es die erquickenden Seebäder und die heilwirkenden Thermalbäder, welche den Aufenthalt für schwach entwickelte Kinder, nervenleidende und erholungsbedürftige Personen besonders zuträglich erscheinen lassen. Von den sieben Thermalquellen, deren es warme und kalte gibt, werden nur vier benützt. Unter den warmen Quellen ist zunächst die zu Bade- und Trinkkuren verwendete Louisenbad-Therme zu erwähnen. Die Anziehungskraft des seit jeher ungemein beliebten Kurortes hat seit Eröffnung der Wocheinerbahn und Einbeziehung in den Weltverkehr bedeutend zugenommen und die Tätigkeit der rührigen Kurkommission im Vereine mit den Bestrebungen der Hotelbesitzer versteht es, allen Anforderungen des gesteigerten Fremdenverkehrs gerecht zu werden. Das Saisonleben in Veldes ist Veldes mit Stol gemütlich und ungezwungen und bietet den Kurgästen angenehme Zerstreuungen, wie Musikproduktionen der ständigen Kurkapelle, Konzerte, Tanzunterhaltungen, Lawn-Tennisspiele u. a. m. Selbstverständlich wird der Schwimm- und Rudersport fleißig geübt. Kurarzt, Apotheke, Post- und Telegraphenamt stehen dem Publikum zur Verfügung. Das hübsche Kurhaus, welches der Kurkommission gehört, enthält einen großen Konzert- und Tanzsaal, Lesezimmer mit in-und ausländischen Journalen, Konversationslexikon u. dgl., ferner einen Musik- und Damensalon, Cafe mit Billard, Lawn-Tennis-plätze und einen großen schattigen Kurpark mit vorzüglichem Cafe-Restaurant. Von sonstigen Etablissements sind zu nennen die Naturheilanstalt des Arnold Riklis Erben mit Luft- und Sonnenbädern, Hotel „Louisenbad" mit großen Gartenanlagen, eigenem Seebad und vorzüglichem Thermalbad, Hotel „Maliner" mit Garten- anlagen, Hotel „Steidl", Hotel „Triglav" und Hotel „Europa."r die beiden letzten in nächster Nähe der Bahnstation. Besonders hervorzuheben ist das Hotel „Petran" am schönsten Punkte des Seeufers mit entzückender Aussicht auf das Schloß, die Inselkirche und den majestätisch aufsteigenden Stol. Das Etablissement enthält hübsche Zimmer, Wannenbäder, einen eleganten Salon und eine große Seeterrasse, den Lieblingsaufenthalt der im Hause und auch auswärts wohnenden Kurgäste. Eine eigene Seebadeanstalt mit Schwimmschule sowie Schiffshütte mit Booten stehen zur Verfügung. Das Hotel „Petran", welches vom Besitzer M. Gerne in aufmerksamster Weise persönlich geleitet wird, gewährt behaglichen bürgerlichen Komfort k Hotel „Petran" in Veldes und verdient in jeder Richtung wärmstens empfohlen zu werden,, zumal auch Küche und Keller selbst verwöhnte Ansprüche zu befriedigen vermögen. Endlich gibt es noch eine große Anzahl von Villen und Privathäusern, in denen man entsprechende Unterkunft findet. Außer der an Ruhesitzen und Aussichtspunkten reichen Promenade, welche um den See herum zur Station führt, finden wir noch viele genußreiche Spazierwege und Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung von Veldes. Für Hochtouristen bietet sich ein angenehmer Ausgangspunkt zur Besteigung des Triglav, Mangart, Stol usw. Aber auch minder geübte Touristen haben in Veldes Gelegenheit, ohne Anstrengung lohnende Bergtouren zu unternehmen. Mit größter Leichtigkeit sind selbst von Damen und Kindern die Golica mit ihrer großartigen Aussicht auf die Tauern und das ganze Kärntnerland, ferner die wegen ihrer Alpenflora weltberühmte Cr na prst zu ersteigen. So bietet Veldes für Kranke, Erholungsbedürftige und Gesunde einen ebenso heilkräftigen als genußreichen Aufenthalt und wer eine elegante vergnügungsreiche Sommerfrische im Kreise eines distinguierten Badepublikums wünscht, wird in Veldes volle Befriedigung finden. Nun verlassen wir den schönen See von Veldes und begeben uns in die herrliche Wochein. Wir besteigen in der Station Veldes wieder den Zug der Wocheinerbahn, welcher uns durch zahlreiche Tunnels und Kunstbauten an großartigen Landschaftsbildern vorüber, zuerst zur Station Wocheiner-Vellach und hierauf nach Durchsetzung des 1300 Meterlangen Oberne-Tunnels und Passierung der Station NeumingwaohWocheiner-Feistritz, dem Hauptorte der Wochein führt. Vor uns erhebt sich majestätisch Wochciner See der gewaltige Gebirgsstock des schneebedeckten Triglav, umgeben von den Gipfeln des Bogatin, der Rodica und Cr na prst. Der neue moderne Teil des Ortes nächst der Station enthält eine ganze Reihe von Hotels und Gasthöfen, welche den zahlreichen Besuchern dieses herrlichen Tales gute Unterkunft bieten. Wir nennen das Gr and-Hotel „ Triglav" mit 2 Dependancen, Park und Veranda, Hotel „Rodica" gegenüber dem Bahnhofe, Hotel „Markes", Hotel „Bistrica", Hotel, „Mencinger" und „Tourist". Der ältere Teil der Ortschaft mit der hübschen Pfarrkirche und den reinen netten Häusern macht den Eindruck eines idyllischen Alpendorfes,welches so recht zu der hochalpinen Umgebung paßt. Nach halbstündiger Wagenfahrt oder einstündiger Fußwanderung erreichen wir den unvergleichlich schönen Wocheiner See. Die krystallhelle, spiegelglatte Wasserfläche wird allseits von Bergwänden umrahmt. Zur Rechten erblicken wir das 147 Schneehaupt des Triglav mit seinen Vorbergen, gegenüber den Persivec und im Hintergrunde den Bogatin mit seinen Nachbarn; von der Südseite ragen die Felsgestalten des Vogel, der Cma prst, die Rodicci und der Raskovec auf. Am Ostende des Sees finden wir das gut geführte Hotel „St. Johann" mit Badeplatz und modernem Komfort. An diesem Ufer steht auch das alte Kirchlein „zum heil. Geist". Am äußersten Westende des Sees bietet das Alpenhotel }}Zlatorog"g\\iQ,\J\\iev-kunft. Von hier aus gelangt man in einer guten Stunde zum gewaltigen Savica-Wasserfall, dem Ursprung der Wocheiner Save. Von Wocheiner-Feistriz führen mehreregenußreiche Ausflüge in die Umgebung, so nach Mitterdorf im oberen Feistrizthal, zum Feistriz- Wasserfall, nach Wocheiner-Vellach u. a. m. Auch für längere Touren und Bergbesteigungen ist hier der günstigste Ausgangspunkt. Wir nennen als solche hochtouristische Ziele die Crtia prst, Rodica, den Triglav, Bogatin, die 7 Triglav-seeti u. m. a. Unterkrain. Die Unterkrainer Lokalbahn führt in östlicher Richtung nach kaum einstündiger Fahrt zur Station Großlupp und von dort nach Rudolfswert, dem Hauptorte der fruchtbaren Gegend mit den schon aus der Römerzeit stammenden Rebenanpflanzungen, welche vorzüglichen Wein liefern. In der Nähe von Rudolfswert befindet sich das Fürst Auerspergsche Thermalbad Töplitz mit heilkräftigen heißen Quellen, in neuester Zeit in moderner Weise erbaut und viel besucht. Von Großlupp zweigt ein Bahnflügel zur Stadt Gottschee ab, einem anmutig gelegenen Orte inmitten grüner Waldberge. Die deutsche Bevölkerung betreibt Viehzucht, Holzwarenfabrikation und Hausierhandel mit Südfrüchten. In der Mitte der Stadt erhebt sich das imposante Schloß des Fürsten Auersperg. Bevor wir uns den Wundern Innerkrains zuwenden, müssen wir noch die Stadt Stein am Fuße der Steiner Alpen erwähnen, — 103 - Ursprung der Save welche man von Laibach in 1 V2stüncliger Bahnfahrt erreicht. Hier befindet sich die renommierte Kaltwasserheilanstalt mit einem Kurhause, Bad und mehreren Villen. Innerkrain. Die Südbahn betritt bald nach der Station Steinbruch die krainische Grenze, führt durch das romantische Savethal gegen Laibach und bringt uns über den kolossalen Viadukt von Franzdorf in das Gebiet des Karstes. Die Schilderung des Glanzpunktes desselben, der Adelsberger Grotte, überlassen wir nun einer berufenen Feder. Die weltberühmte Adelsbergergrotte. Vom Höhlenforscher G. A. Perko. Eines der eigenartigsten Höhlengebiete, vielleicht auf dem ganzen Erdenrund, birgt das österreichische Kronland Krain in seinem südlichen, von den zerrissenen und zerklüfteten Karst durchzogenen Teile. Der auf der Südbahn von Wien kommende Reisende durchfährt in der Richtung nach Triest große Strecken dieses öden, unfruchtbaren, rauhen Kalksteingebirges, das sich durch starke äußere und innere Verwitterung, durch jähe Einstürze und trichterartige Versenkungen, vor allem aber durch Bildung tief eingewühlter unterirdischer Wasserläufe und räumlich ungewöhnlich ausgedehnter trockener Aushöhlungen kennzeichnet. Allein im südlichen Krain zählt man mehr als 200 Grotten und Höhlen; die berühmteste und bekannteste ist die „Adelsberger-grotte", welche eine Ausdehnung von über 21 Kilometer hat, wovon fast 6 km dem großen Publikum zugänglich sind. Heute nimmt die Adelsbergergrotte dank ihrer vielen Vorzüge — kolossale Ausdehnung, unbeschreibliche Mannigfaltigkeit der Tropfsteine, Reinheit der Luft (13° C), elektrische Beleuchtung, Rollbahn, treffliche Wege, an der Hauptlinie der Südbahn gelegen — unter allen Grotten und Höhlen der Welt den ersten Rang ein. Verläßt man den Adelsberger Bahnhof, so findet man zahl-reiche Omnibusse und sonstige private Fahrgelegenheiten, die den Reisenden nach nur wenigen Minuten zur Grotte bringen. Für jene, welche in der auch als Sommerfrische beliebten Ortschaft Adelsberg länger verweilen wollen, nennen wir das große, aber teure Hotel „Adelsbergerhof", das behagliche Hotel „zur ungarischen Krone", ferner Hotel „National" und „Ribnik", Die Grotte kann täglich vom 1. März bis 31. Oktober um IOV2 Uhr vormittags und um 3l/2 Uhr nachmittags, außer der Saison täglich um 10l/2 vormittags bei elektrischer Beleuchtung besichtigt werden. Eine schattige Parkanlage liegt vor dem Grotteneingange. Gewiß werden jene, die noch nie eine Grotte gesehen und somit 147 10* noch nie einen Blick in die märchenhafte Unterwelt des Karstes gemacht, nicht ohne spannende Erregung das gotische Höhlenportal überschreiten und täten sie dies mit den kühnsten Erwartungen, sie fänden sich hier in nichts getäuscht. Bei dem Grotteneingange angelangt, versäume man nicht, die unweit zur Linken in beträchtlicher Tiefe gelegene Poik- Die gotische Säule schwinde zu besichtigen, die an sich eine bemerkenswerte Erscheinung darstellt. In der Grotte selbst überrascht uns zunächst der riesige, durch elektrische Bogenlichter taghell erleuchtete ,,große Dom". An seinem Eingange finden wir uns zu unserer Überraschung am linken Ufer des Poikflusses, der tief unten, am Grunde der weiten Halle dahinrauscht. Bis zum Jahre 1818 bildete der große Dom und die heute wenig besuchte „alte Grotte" alles, was man von dem Höhlensystem Adelsberg kannte und doch 148 hatte die Grotte schon damals einen Weltruf erlangt. Im Jahre 1818 aber erfolgte die Entdeckunng der Ferdinands-Grotte. Unmittelbar am Eingange der Ferdinands-Grotte erinnert eine Gedenktafel an den am 17. August 1819 erfolgten Besuch der Grotte durch den damaligen Kronprinzen, nachmaligen Kaiser Ferdinand. Wenige Schritte weiter und wir stehen am Beginne der 1872 angelegten 1600 Meter langen, bis an den Fuß des Kalvarienberges führenden schmalspurigen Eisenbahn, deren viersitzige kleine Wagen die bequemste Gelegenheit zu müheloser Besichtigung der Grotte darbieten. Während der große Dom noch verhältnismäßig spärliche Tropfsteingebilde erkennen ließ, sehen wir dieselben in der Ferdinands-Grotte in großer Menge und Mannigfaltigkeit. Manche ahmen verschiedene Gestalten mit größerer oder geringerer Treue Kaiser Fcrdinands-Grottc nach und sind daher mit verschiedenen mehr oder minder passenden Namen belegt worden. So macht man uns im Beginne der Ferdinands-Grotte auf die Kanzel, die Fleischbank usw. aufmerksam. An den kleinen Wasserfall, dem Löwenkopf\ Taufstein, Sarkophag, St. Peters-Stuhl usw. vorüber gelangen wir zu dem größten Raum der Ferdinands-Grotte, dem „Tanzsaal". Nicht bloß am Pfingstmontag, sondern auch gelegentlich anderer Grottenfeste spielt hier eine Musikkapelle und wird sowohl von Einheimischen als Fremden eifrig getanzt. In den weiteren Strecken der Ferdinands-Grotte nimmt die Mannigfaltigkeit der Tropfsteingebilde in Form und Farbe wesentlich zu, das Marienbild, der schiefe Turm von Pisa, der Rachen, die Schildkröte, die Fahne, die Palme, der Adlerflügel, der Kohlenmeiler, die Ruine, der Heuschober, die Zypresse und manche andere mehr oder minder auffallende und treffend benannte Tropfsteingebilde werden uns von den unermüdlichen Führern gezeigt. Am Grabe einer einem niedrigen Baldachine ähnlichen großen Tropfsteinmasse teilt sich der Weg, wir wenden uns links zur „Kaiser Franz Joseph- und Elisabeth-Grotte": Es ist dies ein Teil der Höhle, welcher mit den herrlichsten, teils blendend weißen, teils in mannigfachen Farbentönen, gelb, fleischfarb, bis zum dunkelsten rot sich darstellenden Tropfsteingebilden geschmückt ist. Der kleine Kalvarienberg, die gotische Säule, der Regenguß, das Krokodil, das schlafende Mädchen, die Eiszapfen, die Trauerweide, das Demokiesschwert mögen als besonders bemerkenswert hervorgehoben werden. Am Ende dieser Grotte befinden wir uns an einem der schönsten Punkte der ganzen Adelsberger Höhle, dem mit Recht gerühmten Der Brillant „Belvedere", einem kleinen Plateau, das nun einen prächtigen Ausblick gestattet und in einigen sanften Serpentinen mühelos erreicht wird. Hier befindet sich auch das Denkmal, welches daran erinnert, daß das Kaiserpaar am 11. März 1857 die Adelsberger-grotte besuchte. Vom Belvedere aus gelangen wir über den „Loiblpaß" und über den „Semmering" durch die Maria Anna-Grotte\ welche sich durch mehrere der prachtvollsten Tropfsteingebilde auszeichnet, zum Fuße des „Kalvarienberges". Das Gehänge desselben ist ziemlich steil, der trefflich in Serpentinen angelegte Weg läßt uns aber die Höhe von 45 m mühelos gewinnen. Wir wandern dabei nicht durch einzelne, sondern durch Tausende von Säulen, unter welchen viele durch kolossale Dimensionen, alle aber durch verschiedenartige Gestaltung und Farbenpracht sich auszeichnen. Erst auf der Höhe des Kalvarienberges gewinnen wir eine Vorstellung von dem ungeheueren Raum, in welchem der riesige, von Stalaktiten bedeckte Trümmerberg sich aufbaut. Auf der anderen Seite steigen wir wieder zum ebenen Boden herab, wir passieren dabei unzählige kleinere Stalagmiten, dann Gruppen von mächtigen Säulen, welche den Namen „Mailänder Dom" erhalten haben, endlich die größte Tropfsteinsäule der Grotte, welche nicht weniger als 10 m hoch emporragt. Am Fuße des Kalvarienberges sind wir am Endpunkt der Rollbahn angelangt, die wir jetzt gerne aufsuchen, um nach längerer unterirdischer Wanderung rascher wieder zur Oberwelt zurückzukehren. Unser bequemes Gefährte trägt uns sicher durch die englische Kirche und die Säulenallee, und weiterhin unter der umgestürzten Säule dahin. Später nimmt die Aufmerksamkeit in vollem Maße der „Vorhang" gefangen, eine überaus zarte Tropf- Qrottenpostamt Steinbildung, welche unter allen Schönheiten der Adelsberger-grotte stets an erster Stelle genannt wird. Bald gelangen wir wieder zu dem bereits erwähnten „Grab", und in uns schon bekannte Höhlenräume und nun geht es rasch dem Ausgange zu. Wir verlassen die Grotte mit dem Gefühle, Naturwunder gesehen zu haben, wie sie in gleicher Weise kein anderer Ort der Erde vereinigt. Nicht nur die Oberwelt mit ihrem sonnigen Glänze bietet dem Auge alles, was der Begriff Schönheit in sich vereint, sondern die gütige Mutter Natur dachte auch an ihre Stiefkinder an die tief im Schöße der Erde in ewiges Dunkel gehüllten Labyrinte, und schmückte sie mit ungeahnter Pracht und Herrlichkeit. Treffend brachte die Dichterin auf dem rumänischen Königsthrone diese Empfindung in dem Ausspruche, den sie anläßlich des Besuches der Adelsbergergrotte in deren Ehrenbuch niederschrieb, zum Ausdrucke: „Unter der Erde hat Märchen noch ein Reich!" - 151 Narodna in uniuerziieina knJiznica © ♦ ¥ % • ■