'• faz Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte», Jahrg. VII, 1908. (o o G L f£o Cber die Reflexion der Erdbebenwellen. Von Prof. Dr. J. B. Messerschmitt in Munchen. Das eingehende Studium der Seismogramme lafit die Bedeutung der Reflexe der Erdbebenstrahlen der Mikroseismen immer mehr erkennen, weshalb es nahe lag, zu untersuchen, ob sich nicht auch bei den Makro- seismen deren Einflufi nachtveisen liefie. Hiezu war aber erst die genaue Kenntnis der Geschwindigkeiten erforderlich, mit denen sich die Erdbeben-, wellen fortpflanzen. Durch die Untersuchungen von J. Milne, H. Benndorf R. D. Oldham, E. Wiechert, K. Zoeppritz u. a. ist wenigstens fiir Entfernungen bis etwa 120° die sogenannte Laufzeitkurve schon recht sichergestellt, dariiber hinaus haftet ihr noch eine mehr oder minder grofie Unsicherheit an. Die beiden letzten Untersuchungen von H. Benndorf 1 und von K. Zoeppritz 2 3 stimmen innerhalb dieses Intervalles recht gut iiberein, so dafi anzunehmen ist, dafi auch die extrapolierten Werte bis zum Gegen- punkte nicht sehr weit von der Wirklichkeit abliegen. Danach brauchen die longitudinalen Wellen zum Durcheilen des Erddurchmessers 16 bis 17 Minuten, kehren also in, 32 bis 34 Minuten wieder zu ihrem Ausgangs- punkte zuriick, falls die Erregung stark genug, um die entgegenstehenden Widerstande iibervvinden zu k6nnen. Aus der Zusammenstellung der geftlhlten Erdbeben vom Jahre 1904 konnte nun Herr Oddone nachweisen, dafi bei dem grofien mazedonischen Erdbeben vom 4. April 1904 in dem gleichen Zeitintervall von 34 Min. + 1 Min. nach einem heftigen Stofie ein zvveiter folgte. Die namliche Differenz ergibt sich auch bei anderen grofien Beben, weshalb es wahr- scheinlich ist, dafi die Ruckkehr der Erdbebenstrahlen vom Gegenpunkt im Bereiche eines Erdbebengebietes neue Stčrungen auslosen und die Wiederholung der Erschiitterungen bewirken konne. Herr Oddone (Quelques constantes sismiques trouvees par les macrosisme — VerOffentlichungen des Zentralbureaus der internationalen seismischen Assoziation) fand aber noch eine zweite Periode von etwa 23 Minuten, fur welche ich s zeigen konnte, dafi sie der Zeit entspricht, welche der 1 H. Benndorf: Ob er die Art der Fortpflanzung der Erdbebenwellen im Erdinnern. II. Mitt. d. Erdb.-Komm. Wien, N. F. Nr. XXXI. S. 22. Wien 1906. 3 E. Wiechert und K. Zoeppritz: Ober Erdbebemvellen. Nachr. der Ges. d. Wiss. zu Gottingen. Math.-phys. KI. 1907. * J. B. Messerschmitt: Ober die Wellenbewegungen bei Erdbeben. Naturw. Rundschau. Jahrg. XXII. S. 441. 1907. 2 Reflex von dem zum Epizentrum gehorigen Aquator braucht, um von da zum Epizentrum zurilckzukehren, d. h. von demjenigen Kreise herkommen, der dem groBten Umfang entspricht, also die grofite Anzahl von Strahlen gleichzeitig zuriickwerfen kann. Fiir das Erdbeben vom 4. April 1904 konnte ich ferner noch eine magnetische Storung aus den Registrierungen des Miinchner Observatoriums nachweisen, die dem ersten Hauptstofi um 33 Minuten voranging. Nach diesem lassen sich dann noch eine ganze Reihe weiterer Stofie angeben, die um ein Vielfaches von 34 Minuten, also des Zeitintervalles fiir den Weg des doppelten Erddurchmessers, voneinander abstehen, und zwar hebt sich besonders die 1., 2., 6., 7., 9. und 12. Wiederkehr deutlich heraus. Bei den geraden Wiederkehren kommt noch als verstarkende Wirkung hinzu, daB gleichzeitig auch die zweiten Vorlaufer wieder vom Gegenpunkt eintreffen. Der Reflex des ersten StoBes um 10 Uhr 4 Min. vom Aquator ist um 10 Uhr 27 Min. durch den starksten StoB (bis XII der Skala Forel- Mercalli) bemerkenswert. Auch diesem folgte eine Reihe von Erschiitterungen nach je 34 Minuten und ist besonders die L, 2., 6., 9., 10. und 11. Wieder- holung sicher zu erkennen. Uberdies sind neben anderen Reflexen noch haufig Intervalle von etwa 23 Minuten vorhanden, die also der Zeit des Reflexes vom Aquator entsprechen. Solange nun diese Zeitunterschiede nur fiir einen Bebenschvvarm nach- gewiesen sind, kann es sich auch um ein besonders giinstiges Zusammen- treffen handeln, dem noch keine Bedeutung beizumessen ist. Es schien mir daher wichtig, noch einige weitere Belege beizubringen. Hiezu boten das groBe Erdbeben von Laibach am 14. April 1895 und die sachsischen Erdbeben ein giinstiges Material. Fiir das Laibacher Erdbeben 4 liegt aus Adelsberg (1. c. S. 614) eine schone Beobachtungsreihe vor. Derzufolge war das Hauptbeben um 11 Uhr 19 Min. Die folgenden Beben traten nun \vieder vielfach zu Zeiten auf, die mit den Zeiten von Reflexen, sei es vom Gegenpunkt oder vom kehr des Reflexes vom Gegenpunkt vom Hauptstofi entsprechen. 4 E. Suefi: Das Erdbeben von Laibach am 14. April 1895. Jahrbuch der Geolog. Reichsanstalt. XLVI. 1896. S. 411. Wien 1897. 3 Eine groGe Zahl Beispiele lassen sich den sachsischen Erdbeben ent- nehmen, 5 von denen die Anfiihrung einiger weniger Angaben geniigen, um auch fur dieses Gebiet das namliche Gesetz nachzuweisen. Hiebei ist zu beachten, daG fur die schwacheren StoGe meist nur ganz angenaherte Zeiten vorliegen, wie man aus den Abrundungen auf Viertelstunden oline vveiteres erkennt. Am 23. Februar 1903 erfolgt um 4 Uhr 32 Min. ein kraftiger StoG (1. c. S. 437), dem 6 Uhr 14 Min. ein zweiter folgt, d. i. nach 3 X 34 Min., also nach dreifachem Reflexe vom Gegenpunkt. Der nachste StoG 6 Uhr 32 Min. ist der Reflex von der ersten Ecke des gleichseitigen Sechseckes. Am 24. Februar folgte dem HauptstoGe von 9 Uhr 37 Min. der 2., 6., 8. und 10. Reflex vom Gegenpunkt um 10 Uhr 45 Min., 13 Uhr 1 Min., 14 Uhr 19 Min. und 15 Uhr 17 Min. Am 25. Februar folgten dem HauptstoGe von 1 Uhr 22 Min. um 1 Uhr 58 Min., 3 Uhr 5 Min., 6 Uhr 26 Min. StoGe, die um die 1-, 3-, 5- und 8fache Zeit von 34 Min. abliegen. Auch die Zwischenzeiten von 23 Min. treten haufig auf, z. B. 1 Uhr 22 Min. und 1 Uhr 45 Min., dann 8 Uhr 22 Min. und 8 Uhr 45 Min. Am 26. Februar HauptstoG 0 Uhr 12 Min., dem 23 Min. spater, 0 Uhr 35 Min., mehrere leichte folgten. Um 0 Uhr 45 Min. kehrte der erste StoG vom Gegenpunkt zuruck usw. Am 3. Marž fanden um 12 Uhr 40 Min., 13 Uhr 48 Min., 14 Uhr 10 Min., 15 Uhr 54 Min. (HauptstoG), 17 Uhr 0 Min. und 17 Uhr 30 Min. usw. Beben statt, die wiederum Vielfachen der Laufzeit des Erddurchmessers ent- sprechen. Ebenso am 5. Marž um 1 Uhr 50 Min. starker StoG, dem 24 Min. spater als Reflex unter 90° ein weiterer heftiger StoG folgte. Die nachsten starken Erschiitterungen waren 11 Uhr 40 Min. und 12 Uhr 5 Min. und 7 Min., also wieder nahe das gleiche Zeitintervall; ebenso um 15 Uhr 5 Min., 30 Min. und 52 Min. Auch die beiden heftigen StoGe um 16 Uhr 49 Min. und 17 Uhr 51 Min. liegen nahe um die doppelte Zeit auseinander, die fur den Weg zum Durchlaufen des Erdbalbmessers notig ist. Es konnten diese Beispiele noch um viele vermehrt werden und ich habe sie auch fur die japanischen Beben gepriift und bestatigt gefunden, sie durften aber geniigen, um zu beweisen, daG in der Tat die Reflexe der Erdbebenstrahlen im Innern der Erde haufig neue Erdbeben auslosen, ein Ergebnis, das sowohl fur die Praxis wie auch fur die Theorie nicht oline Bedeutung ist. 5 H. Credner: Der Vogtlandische Erdbebenschwarm 1903. Abh. der math.-phys. KI. d. k. Sachs. Ges. d. Wiss. Bd. XXVIII. Leipzig 1904. Buchdruckerei Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg, Laibach.