265115 sCdost- roHsrarar.Es INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FUR GESCHICHTE, KULTUR UND LANDESKUNDE SUDOSTEUROPAS BEGRUNDET VON FRITZ VALJAVEC IM AUFTRAG DES SUDOST-INSTITUTS MUNCHEN GELEITET UND HERAUSGEGEBEN VON MATHIAS BERNATH IN VERBINDUNG MIT Hans Georg B e c k (Miinchen), Otto B r u n n e r (Hamburg), Charles und Barbara J e 1 a v i eh (Bloomington), Hans Joachim K i s s 1 i n g (Miinchen), Leopold Kretzenbacher (Miinchen), Josef Mati (Graz), Balduin S a r i a (Graz), Stavro S k e n d i (New York), Carlo Tagliavini (Padua), Dmitrij Tschižewskij (Heidelberg), George Vernadsky (New Haven, Conn.) Sonderdruck Band XXXI 1972 R. OLDENBOURG /MUNCHEN uMS 265115 3 ) I M i : w-f 2. V , n /Ou Miltteilungen und Krankenfiirsorge sowie deren Hohe befaBt und zur Klarung der Begriffe „Pension" und „Provision" seit etwa 1569 wesentlich beitragt 19 ), eine Abhandlung liber die erste atmospharische Dampfmaschine auf dem europaischen Kontinent (vom Englander Isaac Pottei von 1720—1722 in Konigsberg/Nova bana bei Schemnitz erbaut) 20 ) sowie eine Ubersicht iiber die Silberproduktion in der Mittelslowakei im 18. Jahrhundert und ihr EinfluB auf die Bergbautedmik (mit zahlreichen Statistiken) 21 ). Zur Geschichte des Antimonbergbaues sind die Arbeiten „Erinnerungen aus der Geschichte der Antimonforderung und des Huttenwesens in der Slowakei" 22 ) und „Beitrag zu den Anfangen des Antimonbergbaues in der Slowakei" 23 ) von I. H e r č k o zu erwahnen, zur Bergbauvolkskunde ein Aufsatz von A. Paulusova iiber „Berg- knappentrachten in den Sammlungen des Slowakischen Nationalmuseums in PreB- burg" 24 ). Eine instruktive Ubersicht iiber die Einflusse des niederungarischen Bergbaues und der an der Bergakademie Schemnitz als Lehrer tatigen Personlichkeiten auf den deut- schen Bergbau bot kiirzlidi H. G. Conrad 25 ). Einblick in die Anfangsstadien der ostslowakischen Miinzstatte Kaschau (Kosiče) vermittelt Emil P e t a c h durch einen Aufsatz iiber einen Rechenbeleg aus den Jahren 1526/27, der das erste Dokument darstellt, das sich auf diese Miinzstatte bezieht und einen Einblick in deren Betrieb gewahrt 26 ), sowie einen weiteren Beitrag, der sich mit den Anfangen der Miinzstatte Kaschau im 14. und 15. Jh. befaBt 27 ). Uber die Stellung der Waldbiirger im Revolutionssturm von 1848 unter AnschluB eines deutschen Protokolls uber eine Konferenz der Waldbiirger berichtet O. Sashegyi in ungarischer Sprache 28 ). AbschlieBend sei nocfa eine Publikation iiber die Geschichte des slowakisčhen Edel- opals von Dubnik, verfaBt von Štefan B u t k o v i č , erwahnt 29 ). 10 ) Der s., Erarne penzie a provizie v banictve na Slovensku do polovice 18. štor.: Historicke studie 16 (Bratislava 1971), S. 193—228 (mit Zusammenfassung in deutscher Sprache). 29 ) Ders., Prvy ohnovy stroj v banictve na Europskom kontinente: Dejiny ved a techniky 4 (Praha 1971), S. 150—165 (mit Zusammenfassung in englischer Sprache). 21 ) Ders., Produkcia striebra na strednom Slovensku v 18. storoči a jej vplyv na rozvoj banskej techniky: Symposium pracovniku banskeho prumyslu: Sboinik piednašek, sekce Stribro v dejindch, tečhnice a umeni 19, Pribram 1971 (Rotaprint). Vgl. dazu auch R. M a g u 1 a, T'ažba striebornych rud a vyroba striebra na vychodnom Slovensku v 19. štor. [Die Forderung von Silbererzen und die Silberproduktion in der Ostslowakei im 19. Jahrhundert]: ebenda Nr. 24. **) I. H e r č k o, Pamiatky z dejin antimonoveho banictva a hutnictva na Slo¬ vensku: Muzeum 15 (Bratislava 1970) 4, S. 262—264. 23 ) Der s., Prispevok k počiatkom t'ažby antimonitu na Slovensku: Geologicky pruzkum 12 (Praha 1970) 8, S. 236—238. 24 ) A. Paulusova, Banlcke kroje v zbierkačh Slovenskeho narodneho muzea v Bratislave: Muzeum 15 (Bratislava 1970) 1, S. 27—30. 25 ) H. G. Conrad, Einfliisse des niederungarischen Bergbaues im 18. und 19. Jahr¬ hundert auf den deutschen Bergbau: Technikgeschichte 37 (Diisseldorf 1971), S. 310—322. 26 ) E. P e t a c h , Hospodarenie košickej mincovne podl’a iičtovnyčh zapisov v rokodi 1526/27: Historica Carpatica 1 (Košiče 1969), S. 93—111. 27 ) Ders., K začiatkom košickej mincovne: ebenda 2 (Košiče 1970), S. 29—40. 28 ) O. Sashegyi, Banyapolgarok a forradalomban. Az 1848 evi orszagos banya- szati ertekezlet jegyzokonyve: Leveltari kozlemenyek 41 (Budapest 1969), S. 325—352. 29 ) Št. B u t k o v i č , Historia slovenskeho draheho opalu z Dubnika. Bratislava 1970, 267 S., mit zahlreichen Abb. im Text und 2 Kartenbeilagen (mit Zusammenfassun- gen in russischer, englischer und deutscher Sprache). 343 Miltteilungen Milko Kos (1892—1972) Am 24. Marž 1972 erlag einem schweren Herzleiden der emeritierte Univ. Professor Dr. phil. Dr. h. c. Milko Kos, der bedeutendste slowenische Mediavist. Mit ihm ist einer der besten jugos!awischen Geschichtsforscher, ein hervorragender Vertreter der historischen Hilfswissenschaften, ein ausgezeidineter Kenner der Geschichte des Mit- telalters und ein trefflicher akademischer Lehrer von uns gegangen. Er war am 12. Dezember 1892 in Gorz geboren, wo sein Vater, der Historiker Dr. Franz Kos, an der dortigen Lehrerbildungsanstalt tatig war. Der begabte Sohn be- kam sehr friih Einblick in die Werkstatt eines ernsten Gelehrten und veroffentlichte bereits als Oktavaner seine Erstlingsarbeit „Aus Selzacher Urbaren (1630)", dem Selzacher Tale, woher sein Vater stammte 1 ). Dieses Gebiet gehorte zur einstigen Freisinger Herrschaft Lack (Loka), deren Tausendjahrfeier ihrer Begriindung man im nachsten Jahre (1973) festlich zu begehen beabsichtigt. An der Wiener Universitat studierte Kos seit dem Wintersemester 1911/12 Ge- schichte, wobei er sich besonders den Professoren Dr. Emil v. Ottenthal und Dr. Oswald Redlich anschloB. Als Mitglied des Instituts fiir osterreichische Gesdiichtsforsdiung (1915—1917) legte er die Arbeit „Beitrage zum istrianischen Urkundenwesen" 2 ) vor. Mit einer Dissertation iiber den „Aquilejer Patriarcben Berthold von Andechs" 3 ) wurde er am 4. Marž 1916 zum Doctor phil. promoviert. Wahrend seiner Studienjahre be- schaftigte er sich unter anderem mit den Beziehungen der Gorzer Grafen zum kroati- schen Adel im Mittelalter (den Šubici, Baboniči-Blagaj, Frankopani und Grafen von Krbava) 4 ) und zu den serbischen Dynasten Brankoviči 5 ). In den Jahren 1916—1918 war er zur Dienstleistung dem Kriegsarchiv zugeteilt. Načh dem Zusammenbruch der Donaumonarchie kehrte Kos in seine Heimat zuriičk. In den Jahren 1921/22 erweiterte er seine wissensdiaftlichen Kenntnisse an der Pariser Ecole des čhartes und in Munchen. Bald darauf bewies er seine bedeutenden Fahigkeiten auf dem Gebiet der Ouellenforschung durch die Aufnahme der in Slowe- nien befindlichen mittelalterlichen Sčhriftdenkmaler 6 ). Als Frucht dieser Forsčhungen gab er spater ein „Chronicon rhytmicum Hungaricum" aus dem 13. Jahrhundert heraus 7 ). *) Zemljiške razmere po Selški dolini leta 1630.: Carniola 2 (1911), S. 46—51, 260—286. 2 ) Dasselbe Thema behandelte er noch einmal: Aus der Geschichte der mittelalter¬ lichen Urkunden Istriens. Studien zur alteren Geschichte Osteuropas I. T.: Wiener Archiv f. Geschichte des Slawentums und Osteuropas 2 (1956), S. 49—62. 3 ) Etwas umgearbeitet in slowenischer Sprache erschienen: Oglejski patriarhi in slovenske pokrajine do srede 13. stoletja s posebnim ozirom na vlado patriarha Bertolda iz rodovine Andech$: Časopis za zgodovino in narodopisje 13 (1917), S. 1—44. 4 ) Odnošaji medju goričkim grofovima i hrvatskim plemstvom u srednjem vijeku: Vjesnik hrv. slav. dalm. zemaljskog arkiva 19 (1917), S. 282—303. 5 ) Srbski Brankoviči in goriški grofje: Časopis na slov. jezik, književnost in zgodo¬ vino (ČJKZ) 2 (1920), S. 92—97. 6 ) Zunachst sukzessiv im Zbornik za umetnostno zgodovino 4 (1924)—9 (1928) und in Razprave Znanstvenega društva za humanistične vede 2 (1925), dann gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Fr. Stele unter dem Titel „Codices aetatis mediae manu scripti qui in Slovenia reperiuntur", Ljubljana 1931, 248 S. 7 ) Chronicon rhytmicum Sitticense. Scriptores rerum Hungaricarum, II. 599—609, Budapest 1938. 344 Mitteilungen Im Jahre 1924 begann seine glanzende akademische Laufbahn. Zunachst libernahm er die Dozentur fiir historische Hilfwissenschaften an der Belgrader Universitat, wurde aber bereits im nachsten Jahre als a. o. Professor fiir dasselbe Fach an die Zagreber Universitat berufen, wo er auch nur ein Studienjahr vortrug. Trotzdem steuerte er vom Standpunkte der historischen Hilfswissenschaften bedeutende Studien zur Ge- schichte der Serben und Kroaten bei: Privatrechtliche Urkunden des 13. Jahrhunderts aus Durazzo 8 ), Ein Fragment eines Ragusaner Obituariums aus dem 13. Jahrhundert 9 ), Ragusanisdi-serbische Vertrage bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts 10 ), Zwei Urkunden des bosnisčhen Banus Stephan Kotromanič fiir Ragusa (Dubrovnik) 11 ), Uber die In- schrift des Žaren Samuil aus dem 10. Jahrhundert 12 ), Uber den bulgarischen Fiirsten Alciok und den Karantaner Fiirsten Valuk 13 ), Studie zur „Istrianischen Grenzbeschrei- bung" 14 ). Nodi spater kehrte Kos auf den internationalen Kongressen der Byzantinolo- gen (Belgrad 1927, Soha 1935) zur Frage des byzantinischen Einflusses auf die serbische Diplomatik zuriick 15 ). Seit dem Jahre 1926, das heiBt von seinem 34. bis zum 75. Lebensjahre, wirkte Milko Kos an der Universitat in Ljubljana (Laibačh) als akademischer Lehrer (seit 1934 Ordi- narius) fiir historische Hilfswissenschaften, allgemeine Geschichte des Mittelalters und Geschichte der Slowenen und bildete Generationen von Historikern aus. Es ist wohl unmoglich, ein erschopfendes Bild vom umfangreichen Schaffen des Verstorbenen zu geben. Nur die wichtigsten Bereidie und die Hauptphasen seiner wissenschaftlichen Betatigung mochte ich umreiBen. Vor allem ist auf seine Leistungen auf dem Gebiet der Ouellenedition zur Geschichte des Mittelalters hinzuweisen. Seinem Vater Dr. Franz Kos erwies er sidi dankbar, indem er načh dessen Tode (1924) den V. Band des „Gradivo za zgodovino Slovencev v srednjem veku (1201—1246)" [Materialien zur Geschichte der Slowenen im Mittelalterj redigierte und das umfassende Vorwort und die Register verfaBte 16 ). Ganz besonders gelang ihm die Herausgabe der beriihmten Quelle fiir die friihe slowenische Geschichte „Conversio Bagoariorum et Carantanorum" 17 ). Die darin er- 8 ) Dračke privatno-pravne listine v 13. stoletju: Arhiv za arbanasku starimi, jezik, folklor i etnografi ju 2 (1924), S. 1—10. 9 ) Fragment jednog dubrovačkog obituarija XIII veka: Priloži za književnost, jezik, istoriju i folklor 4 (1925), S. 193—209. 10 ) Dubrovačko-srpski ugovori do sredine 13-og veka: Glas Srpske kralj, akademije 123 (1927), S. 1—65. M ) Dve listini bana Stevana Kotromaniča za Dubrovnik. In: Zbornik za Dubrovačku prošlost Milanu Rešetam o 70-oj godišnjici života. Dubrovnik 1931, S. 33—38. 12 ) O natpisu čara Samuila: Glasnik Skopskog naučnog društva V (1929), S. 209—213. 13 ) O bolgarskem knezu Alcioku in slovenskem knezu Valuku. In: Šišičev zbornik. Zagreb 1929, S. 251—258. 14 ) Študija o Istarskom razvodu: Rad Jugoslav. akad. znan. i umjetn. 240 (1931), S. 105—203. 15 ) Uber die byzantinischen Einfliisse in der alteren serbischen Diplomatik. In: Deuxieme congres international des Etudes byzantines, Belgrade 1927. Compte-rendu 1929, S. 138. Die Byzantinisierung der serbischen Herrscherurkunde. Actes du IV e congres international des Etudes byzantines: Bulletin de 1'lnstitut archeologique bulgare 10 (1935), S. 80. 16 ) Ljubljana 1928, LVIII, 586 Seiten. 17 ) Razprave Znanstvenega društva v Ljubljani 11. Historični odsek 3, Ljubljana 1936, 158 Seiten. 345 Milttailungen wahnte „Carta sine litteris" deutete er in einer eigenen Studie 18 ) als Erkennungs- und Beglaubigungsmittel bei den Bewohnern des alten Karantanien wie das zum selben Zwecke gebrauchte Boten- und Ladesiegel. Mehrere Studien widmete er den „Freisin- ger Denkmalern" [Brižinski spomeniki] des 9. Jahrhunderts und edierte sie gemeinsam mit dem Philologen Prof. Dr. Fr. Ramovš 19 ). In die Cyrillo-Methodianische Problematik griff er mit dem Aufsatz „Uber das Schreiben des Papstes Hadrian II. an die groB- mahrischen Fiirsten Ratislav bzw. Svetopolk und den pannonisch-slowenischen Fiirsten Kocelj aus dem Jahre 869" ein 20 ). Fiir die weitere Entfaltung seiner wissenschaftlichen Tatigkeit war die kritische Edition von mittelalterlichen U r b a r e n , der wichtigsten Quelle fiir die Agrarge- schichte der feudalen Periode, von groBer Bedeutung. Zunachst stellte er in einer Ubersicht alle in Betracbt kommenden Aufzeichnungen urbarialen Charakters zusam- men und eroffnete die von der Laibacher Akademie der Wissenschaften herausgege- bene Publikationsreihe „Die mittelalterlichen Urbare Sloweniens" mit den Banden: I. Urbare des Erzbistums Salzburg (1939) 21 ), II. Urbare des Slowenischen Kiistenlandes, 1. Teil (1948) 22 }, 2. Teil (1954) 23 ). Die einzelnen Bande versah er mit aufschluBreichen Einleitungen. Ferner gab er ein Urbar von den Besitzungen der Herren von Duino (Devin) und Walsee am Quarner aus der Zeit um 1400 heraus 24 ). Leider verblieb auf seinem Arbeitstische noch unvollendet das Manuskript der Urbare fiir die Brixener Besitzungen in Krain. Parallel zu den Editionen der Urbare publizierte er Aufsatze, die die Entstehung derselben erklarten oder ein abgerundetes Bild von den grundherr- schaftlichen Verhaltnissen und der Lage der bauerlichen Untertanen gaben 25 ). Die Be- schaftigung mit Urbaren fiihrte zur systematischen Sammlung von Materialien fiir ein Lexikon der historischen Topographie von Krain und dem Kiistenlande. 18 ) Mitteilungen des Instituts f. osterr. Geschichtsforsčhung 62 (1954), S. 97—100. 19 ) Paleografske in historične študije k freisinškim spomenikom: ČJKZ 4 (1924), S. 1—37; Nove študije k freisinškim spomenikom, ebenda 8 (1931), S. 126—146, Brižinski spomeniki, Ljubljana 1937, 32 S. und 10 Blatter Faksimiledruck. 20 ) O pismu papeža Hadrijana II. knezom Rastislavu, Svetopolku in Koclju: Razprave liloz. filol. hist. razreda Slov. akad. znan. in umetnosti 2 (1944), S. 269—301. 21 ) Srednjeveški urbarji za Slovenijo I. Urbarji salzburške nadškofije. Ljubljana 1939, 168 S. 22 ) Srednjeveški urbarji za Slovenijo II. Urbarji Slovenskega Primorja 1. Ljubljana 1948 (Tolmin [Tolmein]), 85 S. **) Srednjeveški urbarji za Slovenijo III. Urbarji Slov. Primorja 2. Ljubljana 1954, 408 S. (Grundherrschaften der Gorzer Grafen, Herrsčhaft Senožeče, Devin [Duino], Prem, Postojna [Adelsberg], Vipava [Wippach]). 24 ) Jedan urbar iz vremena oko 1400 o imanjima Devinskih i Walseeovaca na Kvarneru: Vjesnik državnog arhiva u Rijeci III (1956), S. 347—367. 25 ) K postanku urbarjev iz 1. 1309 in 1. 1322 za salzburško posest v Posavju [Zur Entstehung der Urbare aus den J. 1309 und 1322 fiir den Salzburger Besitz im Save- gebiet]: Časopis za zgodovino in narodopisje [ČZN] 32 (1937), S. 53—61; Salzburško posestvo Cesta na Kranjskem [Der Salzburger Besitz Cesta in Krain]: Glasnik muzejskega društva za Slovenijo [GMDS] 21 (1940), S. 66—73; O nekaterih planinah v Bohinju in okoli Bleda [Uber einige Almen in der Wochein und in der Umgebung von Veldes]: Geografski vestnik 32 (1960), S. 131—139; Haloze po ptujskih urbarjih iz 15. stoletja [H. auf Grund von Pettauer Urbaren des 15. Jhs.]: Zgodovinski časopis 14 (1960), S. 187—192; S kmetskih domačij okoli Kostanjevice pred šeststo leti [Die Bauernhofe in der Umgebung von LandstraB vor 600 Jahren]: Zbornik Kostanjevice na Krki, Celje 1953, S. 53—62. 346 Miitteilungen Allmahlich aber uberwog in der Forsdnmg des Historikers Kos das Interesse fiir die Siedlungsgeschichte des slowenischen Territoriums. Dabei beriicksich- tigte er stets die geographischen Faktoren, die arčhaologischen Funde, das Erbe der Antike, zog geschriebene Quellen heran und lieB auch weitere Hilfswissenschaften, wie Orts- und Personennamenkunde, Sprachforschung, Kirchen- und Rechtsgeschichte, aber auch die Volkskunde zu Worte kommen. So gelang es ihm, den Verlauf der Koloni- sation bei den Slowenen von ihrer Niederlassung bis etwa zum Ende des Mittelalters darzustellen. Er konnte das Gebiet der urspriinglichen slowenischen Besiedelung fest- stellen, auch die Germanisierung der nordlichen Teile des slowenischen Siedlungsge- bietes und die Bildung neuer ethnischer Grenzen bis ins 15. Jahrhundert verfolgen. Jahrzehntelang beschaftigten den unermudlichen Forscher diese Fragen, die er in einer groJBen Anzahl von Publikationen behandelte 26 ). Leider ist ein bedeutender Teil der 26 ) Stari trg in sorodna krajevna imena [Alter Markt und verwandte Ortsnamen] Geografski vestnik 5/6 (1930), S. 160—173; Slovenska naselitev na Koroškem [Die slowenische Besiedlung in Karnten], ebenda 8 (1932), S. 101—142; Topografija starejše stiške posesti [Die Topographie des alteren Sitticher Besitzes]: GMS 18 (1937), S.38—53; Vlahi in vlaška imena med Slovenci [Walachen und walachische Namen bei den Slowenen], ebenda 20 (1939), S. 226—235; Stanje in naloge slovenske kolonizacijske zgodovine [Der Stand und die Aufgaben der slowenischen Siedlungsgeschichte]; ČZN 35 (1940), S. 26—32; Gradišče in Gradec v slovenskem srednjem veku (»Gradišče" und »Gradec" im slowenischen Mittelalter]: GMS 22 (1941), S. 116—124; Vojvoda in knez v krajevnih imenih [Herzog und Graf in Ortsnamen], ebenda 24 (1943), S. 77—83; Slovenska naselitev na Koroškem [Die slowenische Besiedlung in Karnten]. In; Ko¬ roški zbornik, Ljubljana 1946, S. 43—75; O starejši slovenski kolonizaciji v Istri [Die altere slowenische Kolonisation in Istrien]: Razprave Slov. akad. znan. in umetn., razred za zgodov. in družbene vede 1. (1950), S. 53—82; O prevzemu antičnih imen na slovenskem ozemlju [Die Ubernahme antiker Namen auf slowenischem Territorium], Serta Kazaroviana. Izvestja na bulgarskija arheologičeski institut 16 (1950), S. 241—248; Kolonizacija in germanizacija slovenske zemlje [Die Kolonisation und Germanisation des slowenisdien Bodens]: Historijski zbornik A (1951), S. 9—19; Začetki Novega mesta [Die Anfange von Rudolfswert); Kronika 1954, S. 171—177; Odnosi med kolonizacijo in oblikovanjem narodnostnih in etničnih meja [Die Beziehungen zwischen der Kolo¬ nisation und der Bildung von Volks- und ethnischen Grenzen]; Zgodovinski časopis 9 (1955), S. 140—145; Srednjeveška Ljubljana. Topografija mesta in okolice [Das mittel- alterliche Laibach. Topographie der Stadt und Umgebung], Ljubljana 1955, 79 S.; O ime¬ nih nekaterih krajev v Slovenskem Primorju [Einige Ortsnamen im Slowenischen Kiistengebiete]. In: Zbornik Primorske založbe Lipa, Koper 1956, SS. 7—26; Una lettera in volgare spedita verso il 1320 da Lubiana a Cividale: Ce iastu 32 (1956), S. 28—32 (die Laibacher Lombarden Porger); O izvoru prebivalcev Ljubljane v srednjem veku [Die Herkunft der Bewohner von Laibach im Mittelalter].; Zgodovinski časopis 10—11 (1957), S. 7—-30; »Cesta" na Slovenskem v starem in srednjem veku (Les routes en Slovenie dans l’antiquite et au moyen age); Vjesnik za arheologiju i historiju dalma- tinsku LVI—LIX (1954—1957), Split 1959, S. 169—174; K slovenski naselitvi na vzhod¬ nem Tirolskem in Zgornjem Štajerskem [Zur slowenischen Besiedlung in Osttirol und der Obersteiermark]: Zgodovinski časopis 14 (1960), S. 179—186; Srednjeveška nase¬ litev v območju Ljubljane [Die mittelalterliche Besiedlung im Bereičhe von Laibach]: Kronika 12 (1964), S. 94—103; Doneski k historični topografiji Kranjske v srednjem veku [Beitrage zur historischen Topographie Krains im Mittelalter]: Zgodovinski Časopis 19/20 (1965/66), S. 139—147; Vas in selo v zgodovini slovenske kolonizacije [Dorf und Weiler in der Geschičhte der slow. Kolonisation]: Razprave Slov. akadem., razred za zgod. in družb, vede 5 (1966), S. 77—98; Kolonizacija med Dravo in Rabo pa 347 Miitteihingen Forschungsergebnisse nur in Form von handschriftlichen Aufzeichnungen fiir das Lexikon der historischen Topographie und die Synthese der Siedlungsgeschichte des slowenischen Raumes im Nachlafi erhalten. Sein profundes Wissen ermoglichte es ihm, in der .Geschichte der S 1 o w e - n e n von ihrer Ansiedlung bis zum 15. Jahrhundert" 27 ) ein grundlegendes Bild vom Leben der Slowenen im Mittelalter zu vermitteln und Werke zu scbaffen, die ihn in breiten Kreisen bekannt machten und die dank ihrer vielfaltigen Aspekte groBen Ein- fluB ausiibten. Zehn Jahre nach der Griindung der Slowenischen Akademie der Wissenschaften in Ljubljana/Laibach errichtete Milko Kos an derselben das Historische Institut (1948). Er zog einen kleinen Kreis von wissenschaftlichen Mitarbeitern heran, die auf Anregung der Historikertagungen den Plan einer enzyklopadischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Slowenen von ihrer Ansiedlung bis zum zweiten Weltkrieg aus- arbeiteten. Unter der Leitung von Professor Kos begann man mit der ersten Gruppe: die Agrarverhaltnisse. Nadi Jahrzehnten emsiger Kleinarbeit, an der sich eine Reihe auswartiger Mitarbeiter beteiligte, wurde der erste Halbband (die Agrarwirtschaft) 28 ) fertiggestellt. Auch hier steuerte Milko Kos fiir das Kapitel der Kolonisation und Population einen gediegenen Beitrag bei 29 ). In gesonderten Abschnitten wurden die Formen des bauerlichen Grund und Bodens, die einzelnen Zweige der Urproduktion, das Bauernhaus mit seinen Wirtschaftsgebauden und der bauerliche Wirtschaftsbetrieb behandelt. Die Drucklegung des zweiten Halbbandes, der die sozialen Verhaltnisse der Urproduktion, die Fragen des personlichen Rechtsstandes, die bauerlichen Lasten, die Grundherrschaft und die sozialen Bewegungen innerhalb der bauerlichen Bevolkerungs- schicht (Bauernaufstande) darstellen soli, erlebte Professor Kos nicht mehr. Wer das Gluck hatte, jahrzehntelang im kleinen Team der Institutsmitglieder an den Arbeits- tagungen teilzunehmen, wird sich mit Wehmut daran erinnern, wie trefflich es der Verstorbene verstanden hat, die Diskussionen zu leiten und bei groBeren Meinungs- verschiedenheiten vermittelnd einzugreifen und die Entscheidung herbeizufiihren. Die Tatigkeit an der Universitat war oft mit verantwortungsvollen Funktionen ver- bunden. Aufopfernd war er audi als Generalsekretar der Akademie der Wissenschaften vom Jahre 1950 bis Marž 1972, als wir von ihm Abschied nahmen. Seine wissenschaft- liche Arbeit wurde von mehreren auslandischen Akademien durch Verleihung der Mitgliedschaft gewiirdigt. Herzliche Freude bereitete ihm das im Jahre 1966 in Wien krajevna imena na -ci [Die Kolonisation zwischen der Drau und der Raab und die auf -ci endenden Ortsnamen]. Svet med Muro in Dravo, Maribor 1968, S. 256—264; Neka¬ tera krajevna imena na Gorenjskem [Einige Ortsnamen in Oberkrain]: Onomastica jugoslavica 1 (Ljubljana 1969), S. 5 —9. Naselitev Gorenjske v ranem srednjem veku [Die Besiedlung Oberkrains im friihen Mittelalter], Arheološki vestnik (Acta archaeo- logica) XXI—XXII (1972), S. 7—16. 27 ) Zgodovina Slovencev od naselitve do reformacije. Ljubljana 1933, 256 S., Zgo¬ dovina Slovencev. Od naselitve do petnajstega stoletja. Ljubljana 1955, 426 S., Istorija Slovenaca od doseljenja do petnaestog veka, Beograd 1960, 409 S. (Istoriska biblioteka, kolo 1. knj.3); In der ..Zgodovina narodov Jugoslavije" I (Ljubljana 1953) verfaBte M. Kos das Kapitel „Die Slowenen vom 12. bis zum 15. Jahrhundert". Das Karantaner- reich stellte er im Sammelband „L'Europe au IX e —XI 8 siecle", Varsovie 1966, S. 123 bis 132 (L'Etat Slovene en Carantanie) dar. 28 ) Gospodarska in družbena zgodovina Slovencev [Wirtschafts- und Sozialge¬ schichte der Slowenen] I. Zgodovina agrarnih panog [Gesdiichte der Agrarzweige], 1. Halbband: Agrarno gospodarstvo [Die Agrarwirtschaftj. Ljubljana 1970, 651 Seiten. 29 ) S. 29—127. 348 Mitteilungen verliehene goldene Doktordiplom. Im Verlaufe dieses Festaktes hielt der Jubilant einen Vortrag iiber sein Lieblingsthema -— die Kolonisation. SchlieBlich darf ich die menschlichen Vorzuge des Verstorbenen nicht uner- wahnt lassen. Schon als Študent erwies er sich seinen jiingeren Kommilitonen gegen- iiber stets entgegenkommend und hilfreich. Als akademischer Lehrer brachte er seinen Schiilern personliche, herzliche Anteilnahme entgegen. Auch freute er sich, wenn von seiten seiner Schiller kritische Entgegnungen zu seinen Ausfiihrungen vorgebracht wurden. Dies erinnert mich an den Ausspruch meines verehrten Lehrers Allons Dopsch-. Non in verba magistri iurare! Kranj, Slowenien Josef Žontar Bericht iiber das IV. Internationale Sommerseminar in Ohrid Vom 19. 8.—1. 9. 1971 fand in Ohrid unter der Leitung von Prof. Božidar Vidoeski das vierte von der mazedonischen Universitat in Skopje veranstaltete Internationale Seminar fiir mazedonische Sprache, Literatur und Kultur statt, an dem 77 Interessenten aus 17 West- und Oststaaten teilnahmen. Das Programm umfaBte neben praktischen Sprachkursen vor allem Vortrage, die in die diachronisch-synchronische Problematik der literarischen Sprache und der mazedonischen Dialekte einfiihrten und die Entwicklung der mazedonischen Literatur bis zur Gegenwart aufzeigten. Daneben wurden jedoch auch andere Gebiete behandelt, wie Volkskunde, Geschichte, Archaologie und Wirtschaft. Vortragende waren der auch als Dichter bekannte Prasident der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Blaže Koneski, ferner die Akademiemitglieder Ch. Polenakovik und D. Mitrev sowie eine stattliche Reihe wissenschaftlicher Mit- arbeiter der Akademie und Professoren und Dozenten der Universitat Skopje, u. a. der Rektor der Universitat K. Penušliski, B. Vidoeski, R. Ugrinova, A. Spasov. Den Kursteilnehmern wurde wiederholt Gelegenheit geboten, die neuesten Aus- grabungen zu besichtigen sowie Kloster, Kirchen, Archive, Museen und Bibliotheken zu besuchen, die wertvolles Material zur altesten Geschichte des Slawentums bergen. Konzerte, Theater- und folkloristische Vorstellungen sowie einige offizielle Empfange durch die Stadtverwaltung von Ohrid und den Rektor der Universitat rundeten das Programm ab. Zu den eindrucksvollsten kulturellen Erganzungen zahlte jedoch die sich nun bereits zum zehnten Mal jahrende Dichtertagung in Struga, auf der fiihrende jugo- slawische Dichter aus ihren neuesten Werken vorlasen. Chicago Elisabeth Pribič-Nonnenmacher 349 NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA 00000522518 \