und DIE PREDILBAHN VON LUCANUS /PreisSO kr. Oe. W. Der Beinertrag ist dem Ospizio Marino (See \badeheilanstaU fiir arme sJerophulose Kinder) in Grado geividmet. g 6 r z Druck und Verlag von Paternolli 18 7 4 . ♦ • /• , 'v:', Ego sum vox clamantis in deserto. Evang. Luc. III. 4. Die Weltgeschiehte, \velehe mit Iiecht magistra vitae ge- nannt wird, obwol nicht alle Staatsmanner ikre Lehren beachten ivollen, bezeugt, dass in allen grosseren Staaten und zu jeder Zeit die von dem Mittelpunkte der Regierung entfernteren Provinzen ungereeht behandelt oder wenigstens arg vernachlassiget wurdem. Wenn man aueh von der griiulicken Misswirthschaft assi- rischer Satrapen, persicher Sadrezams und tiirkiscker Vališ absieht, so bietet uns sclion die Proviuzialvenvaltung des miiehtigen und hochcivilisirten romischen Reiches ein so schreekliches Bild der Corruption und der Bedruckung dar, dass es in diesem, troz man- elier schvvarzen Puncte, um so vi el menschenvriirdigeren Zeitaltcr unserem Gefukle \viderstrebt, an die Mbgliclikeit solcher Zustande zu glauben, wahrend dio Vernunft sie auf der Grundlage unwider- leglicher Zeugnisse als wahr anerkennen rnuss. Sclion zur Zeit der romischen Republik ivaren die Klagen liber Bedruckung der in die Provinzen entsendeten Proconsuln nichts Ungewohnliches, (Siehe M. T. Cicero in Verrem — Lex 3, Dig. ad leg: Juliam peculatus) und Vellcjus Paterculus II. 17. sagt von dem spiiter dnrch seine Niederlage im Teutoliurger Walde berlihmt gewordenen Quintilius Varus: „Syriam , cui prefuerat, pauper di- „vitem ingressus, dives pauperem religuit Aber als, ungeachtet der von dem sterbenden Augustus seinen Nachfolgern hintorlasseneu Warnung, sich mit den daniali- gen Griinzen dcs Eeicliefe zu begniigen, der ungemessene Ehrgeiz der Caesaren den Staat in fortwahrende, nicht immer gllickliche, Eroberungsziige venvickelte, und der orientalische Luxus des Ilof- lagers die Bedtirfnisse des Staatsschatzes vervielfaltigte, wurde die Vervvaltung der Grenzprovinzen zu einer unertriiglichen Biirde ftir die Provinzialen, zum Objecte widerrechtlicher Bereieherung des Statthalters und seines Gefolges (officium praesidiale), ivelches 4 nach den constantinianischen Einrichtungen zu einer recht ansehn- lichen und immerfort wachsenden Bureaukratie sich ausgebildet liatte, — so wie der von letzterer unzertrennlichen Steuerpiichter (publicani), welche nach modernen Begriffen den heutigen Griin- dern, Venvaltungsrathen nnd Borsebaronen iiberhaupt entsprechen wurden. Dlesen Officialen und Publicanen miissen die wiederholten und blutig unterdrtickten Aufstiinde der unterjoehten Volker, folg- lich mittelbar aueh die Zerstorung von Jerusalem, (ein Ungliick fiir die ganze Nachwelt) — das Blutbad von Tessalonica u. a. m. zugeschrieben iverden und troz der gegen Kaužiichkeit und Be- driiekung der Beamten von mehreren Kaisern angedrokten stren- hen Strafen (Cod. Teod. L. I. lit. 7. §. 1. — L. VIII. lit. 5. §. 1. 7.) kam es dahin, dass die Bewohner der Provinzen den eigenen Herd flohen und bei fremden Eroberern, die man in Bom Barba- ren nannte, die Sicherheit der Person, des Eigenthumes und des Ervverbes suchten, fiir welche sie in der Heimat keine Biirgschaft mehr hatten. Salvianus (de Gubern. Dei V. pag. 145) berichtet, dass die Eimvohner Galliens massenhaft uber den Bliein zu den Bar- baren fliichteton, um den unertraglichen Zustiinden des vielsprachi- gen rdmischen Beiches zu entgehen: “passim vel adGothosvel ad Bacaudes vel ad alios ubique dominantes barbaros migrant et mi- grasse non poenitet. Malunt enim sub specie captivitatis vivere liberi, quam suh specie libertatis esse captivi. Itaque nornen civium Romanorum aliquando non solum magno aestimatum sed magno emptmn, nune ultro repudiatur ac fugitur; nec vile tantum sed etiam abominabile p9ne habetur" — und nachdem die Besitzenden kein Interesse mehr an der Erhaltung und Vertheidigung des Bei¬ ches hatten, nachdem die Legionen nur mehr aus gepressten Bau- ern (coloni) und Sclaven bestanden, — die Cohorten der Priito- rianer (spater eomitatenses genannt) durch deutsche Soldner ergiinzt wurden, so ward es diesen Letzteren ein Leichtes, den sekon Ieb- losen Cadaver umzustossen und oline Sehwertstreich auf den Triimmern des rdmischen Beiches neue Staaten zu grunden. — Und in einer kaum vergangenen Zeit sehen wir die vene- tianische Republik ihre entfernteren Provinzen durch, aus den ar- meren Mitgliedern ihres regierenden Adels erkorene, Statthalter und deren Gefolge nur zum eigenen und zum Vortheile des hauptstadti- schen Handels ausbeuten, bis sie am 17. Mai 1797 von den Volkern. 5 deren Liebe sie nienials gewonnen hatte, verlassen, ruhmlos und ohne Kainpf unterging, um von dem gallischen Eroberer als Ent- sckadigungsobject verschackert zu werden. Endlich sahen wir noch vor wenigen Jahren das machtige England in die Gefahr versetzt, seine ostindisehen Besitzungen in Folge eines, durch die geavissenlose Ausbeutung der vorbestande- nen ostindisehen Compagnie verursaehten, Aufstandes zu verlieren und die nach Bezwingung des Aufruhrs eingeleiteten Reformen bezeugen, dass England vvenigstens gelernt hat, wie man nieht regieren soli. Wenn nun die Frage gestellt wiirde, welehen Bezug dieser geschichtliche Exeurs zu dem Titel des vorliegenden Aufsatzes liaben kann, so ergiebt sich von selbst die Antwort, dass eben nur aus solehen historisehen Pramissen die Erklarung des sonst unbegreifli- clien Factums sich deduciren lasst, wie so die seit mehr denn zwanzig Jahren angeregte, von vier Provinzon: Triest, Gorz, Kara¬ ten und Salzburg sehnlich erwartete, von mehreren Ministern be- fixrwortete und von anerkannten technischen Auctoritaten entworfene und revidirte Verbindung des Bodensees mit der Adria oder im engeren Begriffe die Isonzothalbahn sieh wie die be- ruchtigte Seeschlange durch so viele Gemeinderaths-Handelskam- mer-Landtags- und andere Sitzungen, Ministerial-Bureaus und teek- nische Aemter hindurehwinden konnte, ohne bis jetzt eine greifba¬ re Form zu erhalten. Und doch, wenn je ein Land besondere Riicksieht und Theilnahme verdiente, so ist es diese Provinz, der seit unvordenk- liehen Zeiten das traurigste Schicksal beschieden war, die nach kurzer Blute unter den nachsten Nachfolgern des Augustus, von den Barbaren als Eingangsthor zu Italien beniitzt, die Verheerun- gen der Markomannen, der Heruler, der Gothen, der Hunnen und Avaren, der Ungarn und Tiirken iiber sich ergehen lassen inusste, — die, durch die gegnerischen Soldatenkaiser so oft zur Aus- tragung ihrer Anspruclie gewiihlt, spiiter den Kampfplatz zwi- schen den Gi-afen von Gorz und den Patriachen, dann zvvischen Oesterreich und Venedig bildete, — die immer aus der Ferne re- giert — sci cs von Rom, von Lienz oder von Wien — ikre Wun- sche und Beschwerden nur durch fremde Ministerialen au die Stufen des Tkrones bringen durfte; — diese Provinz, die nur in der Verwirklichung der durch die Verfassung versprochenen Theil¬ nahme des Volkes an der Gesetzgebung und Venvaltung die ib- 6 liilfe ihrer seeularen Besehwertlen, die Hebung der geistigen und materiellen Cultur envarten konnte. Es mogen sicb einsfiitige Alterthtimler noeh so sehr fur rdmische Einrichtungen und Gesetze begeistern und don Zustand hoehster Bliite, der von Plinius, Strabo, Pomponius M (da, Herodia- nus und andern bezeugt wird, als ewig andauernd vorstellen und spiitere Historiografen im rosigen Liehte ihrer eigenen behabigen Zufriedenheit das Land im bluhenden Zustande und in fortschrei- tender Entwickolung sehen, so ist doch aus I)io Cassius, Amianus Mareellinus, Salvianus und Lactantius zu ersehen, wie bald nach dem Falie der Republik andere Zustande im romisehen Reiche eintraten — so bezeugt der sonst optimistische Oandido, wie wilh- rend des ganzen Mittelalters durch die Einfalle der Barbaren und dureh die Kriege der eigenen Herrscher die Venvustung dos Lan- des. die Verstummclung, Schandung, Tddtung und Abfuhrung in die Sclaverei der Bevolkerung an der Tagesordnung waren. (1) Die gemuthliche Anarchie unterden sclnvaehen Patriarchen und den fast im mer abvvesenden Grafen von Gorz war gewies nicht geeignet, sok*he Wunden zu heilen und auch naeli der Vereinigung mit Oesterreich sclieint das Sehiksal von Gorz und Gradišča sieh nieht wesent ich gebesscrt zu haben, denn die hiiufigen Kriege, \velehe arm an riihmlichen Thaten sieli mit der Venvustung des gegenseitigen Territoriums und obligater Pltinderung und Brandle- gung oder hochstens mit einigen vergeblichen Berennungen der festen Plittze begniigten, die Seuc*hen an Mensehen und Thioren im Gefolge der Trnppenbewegnngen, periodische Hungersnot und Theuerung, die Verpfandung und Veriiusserung der landesfiirstlichen Abgaben ganzer Bezirke (Gradišča, Flitscli, Oanale, Tolmein), wo der Beden freies Eigenthum der Bauern war, dadurch aber ganz ungerechter W«.ise der hierorts unbekannte Unterthansverband und die Privatjurisdictionen, welebe die Bevolkerung bedriickten und fur ihre Sonderz\vecke ausbeuteten, eingesehmuggelt wurden, \viihrend neue landesfiirstliclie Abgaben vom Grund und Boden eingefiihrt und sogar die Gemeindogrunde zum Vortheile des Aerars verftnssert wurden, (2) die Missbrauche der Steuerpilehter, wel- che zu offenen, blutig geahndeten AufleTmimgen fuhrten, die ubermassigen Aushebungen fur den Militairdienst, welche die Aus- wanderung zur Foige liatten, so dass blos vom Februar bis August 1779, tlieils durch Stellung theils durch Flucht 2500 junge Man- ner der Provinz verloren gingen, (3) und dass man oft fast mir 7 Greise, VVeiber und Kinder in den Ortschaften fand, (4) der Man- gel an Vorkehrungen zum Schutze der Willder und gegen die Ver- \vustungen der Fliisse, so wie gegen die Versumpfung des Kii- stenlandes, die Unzulanglichkeit der Strassen und sonstigen Co- municationsmittel — geben im Ganzen ein trauriges Bild von dem Zustande dieser Provinz bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts. Und dieser Zustand hat si eh aucli bis heute nicht so veriindert, wie es dem allgemeinen europaiscben Fortschjitte entsprechen wiirde, denn noch immer erwarten die Gebirge ver- geblich die Bepflanzung ihrer arg verwusteten Abhange und bilden die traurigste, kalileste Bergparthie in Europa (D. Stur: Das Isonzothal im Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1858) — noch immer venviistet die uneingedammte Wuth der Wildstrome die fruchtbarsten Gelilde des Mittellandes, noch immer ver sum p ft die Tiefebene und die Meereskiiste, welche zur Zeit des Augustus zu den gesiindesten (5) und uppigsten Regionen (6) des rdmisehen Reiehes gehorten. Noch immer steht die Landwirthsehaft, mit Ausnahrae von nur zwei Besitzungen, auf der primitivsten Stufe, wie vor Jahr- hunderten; noch immer fehlen die Verkehrsmittel, weil man im¬ mer nur Geld zur Ausarbeitung grossartiger Plane, nie zur Aus- fuhrung'der projectirten Strassenziige hat, so dass diese noch a n mittelaltorliche Zustande erinnern (Berieht der Handels- und Ge\verbekammer von Gorz 1873.) und wahrend andere Provinzen, von Eisenbahnen in jeder Eichtung durchzogen, welche den Staat mit 16 Millionen jahrlich an Garantievorsehussen belasten, ihre Erzeugnisse vermehren und verwerten, daher auch jeder Anforderung des Staates leicht entsprechen konnen, erliegt fast dieses Land unter dem Steuerdrucke, weil es seine Produete nicht venverten, weil es in Ermangelung einer leichten und di- recten Verbindung mit Kiirnten und mit dem Meere dureli das Isonzothal den Ausfall seiner Ernten dureh die Industrie nicht ersetzen kann. In der vormarzliEhen Zeit und auch \vahrend der Reac- tionsperiode (1851—1861) konnte man wenigstens die gi-enzenlose Yerwahrlosung dem Bureaucratisinus in die Schuhe schieben, der, als Selbstzweck nur die Befriedigung der eigenen Interessen wahr- nehmend. mit gewohnter Schonfarberei uberall bliihende Gefilde, Wohlstand und Zulriedenheit sah und immer noch bereit gewesen ware naeh dem Beispiele Gregor Potemkins (7) gemalte Theater- decorationen imd bestellte Statistea zur Darstellung. niedlicher Porfer tlnd gliicklicher Einvvohner aufzustellen, — dom wir auch das Sprichvvort von don unerschopflichen Hilfsquellen Oesterreichs verdanken, das leider dureh den vorjahrigen Krach sich so sehlecht bevvahrt hat. Aber nachdem dureh die ersehnte Verfassung gleiches Recht fiir Alle versproehen und die Theilnahme des Volkes an der Gesetzgebung dureh seine Vertreter gevvahrt wurde, vvar auch diese kleine und entlegene Grenzprovinz zu der Erwartung berech- tiget, dass ihre heiligsten Interessen nieht ignorirt und noch we- niger absichtlich hintangesetzt vverden, denn naeh don allgemein anerkannten Satzungen des Staatsreehtes soli kein Abgeordneter Kirchthurmpolitik treiben oder gar die eigenen Interessen dem Vortheile des ganzen Staates voranstellen und die Vereinigung der Vertreter aller Provinzen in einem einzigen Korper (Centralismus) erseheint nur dann gerechtfertiget, wenn dieser, gleiehsam als eine vvohlthiitige Central - Sonne wirkend, die Ausstrahlung der Cultur und des Wohlstandes iiber alle Theile des Reiches, nieht aber die Verwendung aller Hilfsquellen der Provinzen zu Gunsten irgend einer augenbliklich lierrsehenden Partei oder einzelner Lilnder zur Folge hat. Demungeachtet liaben sich die Ervvartungen, die man hier an die Verfassung kniipfte, bis jetzt nieht erfiillt, denn, fiir die neuen Opfer an Gehl und Blut, welche der Provinz dureh Parla- mentsbesehliisse seit 12 Jahren anferlegt vvurden, sehon wir noch keine nennenswerte Entsehiidigung und doeh war das, was man von den gesetzgebenden Pactoren verlangte, nieht viel — man pe- titionirte namlich seit einem halben Mensehenalter nur um Gewah- rung einer direeten Fortsotzung der Kronprinz- Rudolfsbahn bis z u m M e e r e. Aber \vahrend die 'nordliehen Provinzen und namentlieh Bohmen von einem engen Eisenbahnnetze bedeekt sind, fiir das man, wie gesagt, eine Belastung des Staatssackels mit 16 Millio- uen jahrlich nieht scheute, findet man die Bevvilligung einiger Millionen zur Vollendung des letzten Gliedes einer Balin, vvelehe den kiirzesten Weg zwischen Indien und England, zvvischen dem Mittelmeere und der Nordsee und noch eigentlieher zvvischen der Adria und dem Bodensee, g a n z a u f oster reichischem B o d e n, herzustellen bestimmt ist, u n m d g 1 i c h !! ! und jene massgebenden Staatsmanner, vvelehe gegen die Concessionirung so f) vieler Eisenbahnen mit reiclilich bemessener Staatssubvention kei- ne Einwendung hatten, bis sie ihrem engeren Vaterlande oder Wahlkreise zu Gute kamen, finden nun, dass die winzige Predil- bahn die Staatsflnanzen zu Grunde richten wurde und setzen ibr bei jeder Anregung dieser Prage ein unerbittliehes non possnmus entgegen. Ja, wir mussten es sogar erloben, dass in der letzten Sit- zungsperiode des selig entsehlafenen indireet gewilhlten Reichs- rathes eine donnernde Pliilippica gegen den Missbrauch des Staats- aackels zu Eisenbahnzivecken gehalten wurde, welche unter obli- gatem Beifall und Gelachter der Parteigenossen in der Behauptung gipfelte: dass die A b s i c h t, d ur c h Oesterreich den k ii r z e s t e n W e g v o n London n a e h Hinterindien h e r z u s t e 11 e n, vom volkswirthschaftlichenStand- p u n e t e (sie) b 1 o s s die menschliche P a n t a s i e z u b e s e h ii f t i g e n im S t a n d e i s t. Wenn abor der so Jeiclit durchftjhrbare Plan dem Welt- liandel den kurzesten Weg liber Oesterreich anzuvveisen und dessen bobe Bedeutung von tonangebenden Personen als eine Utopie ver- spottet werden und nur die gedankenlose Heiterkeit sovieler Par¬ teigenossen erregen konnte, so ist eine solche engherzige Politik tur uns Kiistenlander, troz unserer Bescheidenheit, rein unbegreiflich und, da bei Staatsmannern docb immer die redlicbe Absicbt vor- ausgesetzt werden soli, so miisste man fast die Piihigkeit bezwei- feln, mit solchen Ansicbten die Bediirfnisse eines Grossstaates wahrzunehmen und man vvird versucbt an den beriihmten Aus- sprucb des scbwedischen Staatskanzlers zu denken : Videbis fili mi, qnam parva sapientia regitur mundus. Denn bei dem gegemviirtigen Stande der Cultur wiirde ein nach spartanischen Grundsatzen regierter Staat mit seiner schwar- zen Suppe und seinen pfundschweren Kupfermunzen kaum einen Einlluss in der europaischen Staatenfamilie erringen konnen, viel- mehr zeigt besonders die neuere Gesehiehte, dass, nachdem Raub- und Eroberungsztigo, wie sie von Hunnen, Mongolen und Tiirken ausgefubrt wurden, nicht naehr moglich sind, nur ein reic-her Staat aucb machtig- sem kann und dass namentlicb nur Staaten mit ausgedebnter Meereskiiste eine grosse Eolle in der Weltge- schichte spielen konnen, weil der uberseeiscbe Mandel im Ver eine mit der eigenen Industrie die vorztiglichste Quelle des Ervver- bes bildet. 2 10 Wenn wir auch von Tjrus und Carthago absehen, welche nur ihrer maritimen Lage und der Beherrsehung des Mittelmeeres ihre Grosse verdankten, so ist es jedenfalls bekannt. dass Genu a, Piša, Amalfi und Venedig, die Hansestadte, Portugal, Holland und England ihre Bedeutung nur den gliicklichen Beziekungen zum internationalen Verkehre oder der Endeckung neuer und kiirzerer Handelsstrassen verdankten und sie bald wioder einbussten, wenil der Welthandel eine andere Richtung oinschlug. Wer spricht heute noch von Piša und Amalfi, in deren einst volkreichen Strassen das Gras wachst und welcher Unter- schied zwischen der Bedeutung von Genua und Venedig in der Vergangenheit und in der Gegemvart! — An dem Tage als Vasco de Gama eine neue Strasse um das Vorgebirge der guten Hoffnung entdeckte. war ihr Fali unabanderlieli beschlossen und selbst das machtige England, so wie es Portugal und die Niederlande ver- driingte, ist sclion jetzt dureh die Ooneurrenz jiingerer Seestaaten gezvvungen, die Herrsehaft der Meere mit ihnen zu theilen. Weniger diirfte es bekannt sein, dass naeh dem Ergeb- nisse der Peutingerischen Tafel (8) eine der vorziiglichsten altrd- mischon Handelsstrassen von Aquileja liber die Stationem ad Si- lanos (Kotschach oder Arnoldstein?) Santicum, (Villach) Virunum (im Zollfelde) und Matucajo (Zwischenwassern) nach Ovilabis (Wels) fiihrte und dass Enns und Steyer im Mittelalter venetiani- sehe Handelsniederlagen- besassen, dass folglich aueh damals schon der niiehste VVeg zvvischen der Adria und dem ouropilisehon Nor- den dem Zuge der Rudolfsbahn ziemlich genau folgte. Und Oesterreich, das in seiner herrlichen und langgestrek- ten Kriste und in seinen dreiundneunzig sicheren Hiifen alle Bedingungen eines lebhaften und directen Verkehrs mit allen Welttheilen besitzt, solite sieli die von der Natur gebotenen und dureh die Geschichte bowahrten Vortheile aus Fureht vor einer letzten sehr unbedeutenden Auslage entreissen lassen, solite auf den Gewirm aus dem eigcnen und durchziehenden Welthandel ver- zichten, nadutem die Versuchsreisen \Vaghorn’s und die Thatsache T dass England schon jetzt seine chinesich-ostindische Post' liber Triest bezieht, jeden Unbefangenen iiberzeugen miissen, dass troz aller mehr oder \veniger geistreichen Witze der k ti r z e s t e Weg von London nach Hinterindien wirklieh iiber osterreichisches Gebiet fiihrt. Ja, mit blutendem Herzen muss es ausgesprochen werden 11 — Oesterreich vernachliissiget sein Kiistenland, unterbindet seinen Soehandel und baut Eisenbahnen in Bohmen, das, soviel bekannt, nur von iSheakespeare (9) an dio Meereskiiste versetzt \vird, wo- durch er eben nur den Beweis geliefert bat, dass ein grosser Mann dennoch ein schwacher Geograf oder Nationaldkonom soin kann. Aueh konnte man gerade in Bezug auf die eingevvendete Belastung des Staatsackels sieh die Frage erlauben: wo waren denn die Widersacher der siidlichen Verlangerung der Rudolfs- bahn, als soviele Eisenbalm — Concessionen mit nichlich bemes- sener Staatsubvention ihren Freunden formlich an den Ilals ge- 'vorfen wnrden, nur damit die idillische Eintraelit des vorbestan- denen Burgerministeriums und der Majoritat dos Abgeordneten- liauses nielit getriibt werde? — Es ware ein unbereebtigter Ziveifel an dem Scharfsinne der damaligen Parteifiibrer, wenn man glau- ben wollte, dass ihnen erst am 15. Marž 1873 bekannt \vorden slbi, welcher Missbraucb mit den Concessionen und Subventionen fur Eisenbahnzwecke getrieben wurde und dass dnrch die ortheil- ten Garantien der Staat nicbt nur schwer belastet, sondern in ei- nigen Fiillen sogar iibervortheilt ward. \\ r enn also gegen den Missbraucb des Staatsschatzes ge- donnert wird, nachdem die nordlicben Provinzen mit Eisenbalinen so dicht bespickt sind, dass fiir Concessionen kein Platz und kein Vorwand mehr erfunden werden kann und nur noch um eine letzte von der Regierung selbst zu bauende Bahn petitionirt wird, die fiir den seit Maria Teresia’s Zeiten arg verwahrlosten Siiden des osterreiehiscben Staates eine Lebensfrage bildet — so lieisst das wahrlich den Stali zusperren wollen, nachdem die Kuhe schon entlaufen sind, und um eine so verbissene Opposition zu erklaren, miissen andere Griinde gesucht werden. Wohl kdnnen diese Herrn mit schadenfrober Miene auf das Zerwtirfnis bimveisen, \volches unter den Bewohnern des Kih stenlandes selbst in Bezug auf die Ricbtung der zu verliingernden Rudolfsbahn besteht, aber ist denn eine solche Erscheinung nielit auch boi der Feststellung anderer Eisenbahnlinien vorgekoinmen, oder ist os iiberhaupt in Oesterreich, wo die Verschiodenheit der Spracbo, der Religion und der kleinlichen Interessen so gross, da- gogen cin orleuchteter opfenvilligef Patriotismus so selten ist, zu venvundern, wenn jedes Dorf borueksichtigt sein will, so dass, wenn man alle diese sonderbaren Kirchthurmpolitiker geiviihren 12 liesse, jede Eisenbahn und jede ge\vohnliehe Strasse in ein vvahros Labirint verwandelt vviirde? Dessbaib geziomt es dem erleuchfceten Staatsmanno, alles zu priifen und sich fiir da,s zu entseheiden, was dem Gesammt- staate und unter mehreren Ansichton und Wiinschen den wahren Interessen der Bevolkerung zu Gutc kommt, denn, wenn die Herrn vvarten vvollten, um iiber die Verliingerung der Rudolfsbalm bi« zum Meere schliissig zu werden, bis alle Stimmen liber die Rieh- tung der Bahnlinio einig sind, so vviiro das eben soviel, als wenn ein sehlauer Politiker mit der Einbringung der confessionellen Ge¬ setze solange vvarten wollte, bis alle Bisehofe und Pfarrer damit einverstanden sein und namentlich zur Einfiihrung der Oivil-Ehe ihre Einwilligung ertheilen vverdon. Und vvahrlich, vvenn man die Genesis der Opposition, vvelche erst seit drei Jahren gegen die friiher allgomein bofiirvvor- tete Fiihrung des Eisenbahnzuges iiber den Prodil aufzutreten be- gann, etwas genauer untersucht, so wird man sehr leiclit zu der Ueberzeugung gelangen, das« der Streit zwischen den Anhiingern der Isonzothal- und der Laeker-Linie, durch den Privatvortheil vvenigor Personen angoregt, sicli n ur durch Anfacliung der Lei- denschaften und Vorurtheile in vveitere, nieht ganz nrtheilsfahige Kreise verbreitet hat. Denn es dtirfte allgomein bekannt sein, dass mit dem Go- setzo vom 9. Juli 1868 N. 103 des RGB. das Ministerium zur Ertheilung der O o n e e s s i o n z u m BaueundBetrie.be ein er a n die S ii d b a h n a n s e h 1 i e s s e n d e n Lo¬ go m o t i v - E i s e n b a h n v o n L a i b a c h n a c h T a r- v i s ermiichtiget und dass diese Coneession durch das Gesetz vom 23. Februar 1869 N. 38 der Actien-Gesellschaft der k. k. priv. K r o n p r i n z - R u d o 1 f s b a h n unter den im Gesetze vom 9. Juli 1868 zugesieherten Begiinstigungen und namentlich des Expropriationsrechtes und der Garantie eines jilhrlichen S^tigen Reinertriignisses in Silber ertheilt wurde. Nieht so allgemein bekannt aber ist es, dass vvir die Ein¬ bringung des Gesetzes vom 9. Juli 1868 einem Consortium, dessen Seele ein schon in eine bessero Welt tibergangener Abgeordnote aus Krain war, zu verdanken haben, und damals vvollte die bose Welt wissen, dass die Coneession der oberkrainisehen Eisenbahn eine Belolmung sein solite fiir die eorreete Haltung jenes Abgeordneten und seiner Genossen bei der Abstimmung liber die Gesetze vom 13 24. Dozomber 1867 N. 2, 3, 4 des E GB vom J. 1868, damit der Ausgleieh mit Ungarn, vulgo Dualismus, ermoglicht \verde. Dass durch diosen Ausgleieh die Slaven diesseits der Leita der Hegemonie der Deutschen, jene Transleitaniens der Herrschaft der Magiaren preisgegeben wurden, war natiirlich ein geringer Naehtheil gegen den Grundergevvinn, \velcher von der Budolfs- balmgesellsehaft jenen Herrn aiisgezahlt \verden musste, (man spraeh damals von oiner halben Million Gulden}, den n \vegen eines solchen Plunders konnto hochstens der durcli seine ubertriebene Ehrliehkeitstheorien beruhmt gevvordene Abgeordnete aus Posen zum preussischen Landtage (Lasker) eine Ausstellung wagvn, der sclion \vegen armscliger 20,000 Thlr., die ein dentscher Staatsrath aut' iLhnliche Weise eingestriehon hatte, das ganze Land durch seine Eede vom Februar 1873 in Aufrukr versetzte, aber das alte Oesterreieh ist reich genug, um liber .solclie Kleinigkeiten sich hi- nauszusetzen, wo in kaum vergangener Zeit die Eisenbahnconces- sionen sogar als das beste Mittel betrachtet vvurden, um einfluss- reiche Personen bei guter Laune zu erhalten. Die ganze Welt weiss aueh, dass die oberkrainischc Balin, an sich schon urspriinglich unniitz, eine walire Verlegenheit fiir die Eudolfsbahngesellschaft geworden ist, die ilir hauptsaelilicli das geringe Ertriignis ilires Betriebes zu verdanken bat, welcbes im Jabre 1872 fiir alle damals eroffneten Linien einen Betriebs- iiberschuss von nur 584,978 fl. 45 kr. ergab, so dass der Staat zur Dockung der garantirten 5 percentigen Verzinsung und der Amortisirung des Anlage-Oapitals einen Vorschuss von J,258.2o2 il. 10 kr. in Silber leisten, und obsebon im Jabre 1874 alle in den verschiedenen Concessionen begriffenen Streeken (namentlich Weyer-Rottenmann und Villach-Tarvis) im Betriebe seiu werden, mit Beriicksicktigung der voraussicbtliehen tramu gen Eitgebnisse in dem erst begonnenen Jahre, ein Betrag von 4 Millionen Gulden als Garantiequote in das Staatsbudget fiir 1874 eingestellt iver len musste. Und diesen alten und scbon unheilbaren Krebssehaden will man jetzt nocb dadurch vergrossern, dass man die oberkrai- niscbe Babn in der Eicbtung von Tricst durch eine Lmie Lack- Servola oder Muggia verliingert, wiihrend die einzige Verlangerung, vvelcbe die Existenz der Strecke Tarvis-Laibach nachtraglicb recht- fertigen und die Betriebsergebnisse derselben verbessorn konnte, eine directe Fortsetzung die ser Linie in der Eicbtung von Agram 14 oder Carlstadt, als Mittelglied der ostwestliehen Eisenbahnverbin- dung F ranzensfeste-Sissek ware. Zur Wiirdigung dieses Planeš, seines Ursprunges und sei- ner Motive koratnt uns sehr gelegen eine anliisslieh der letzten unmittelbaren Wahlen in den Eeichsrath veroffentlichte Denkschrift (10) des Herrn V.C. Suppan, Prasidenten der Handels- und Gewer- bekammer tur Krain, der in seiner hodi,st originellen Ausdrucks weise sieh nieht nur zur Mitvaterschaft der Oberkrainer-Eisenbahn bekennt, sondern audi behauptet, an der Spitze des Consortiums gestanden zu sein, und folglich bei der Vertheilung des Gewinnes nieht leer ausgegangen sein wird, und der uns die interessante Tliatsaehe verktindet, dass, nachdeni der Bau der Oberkraiuer-Bahn gesichprt war, am 17. Mai 1869 in seinein Hause und unter sei- nem Vorsitze ein Oomite gebildet und an diesem Tage gleieh die 1 d e e Laek-Triest mit der Ein m ii n d u n g i n M u ggi a festgesetzt w u r d e. Nun ist es zwar leiditer eine I d o e iiber Stock und Stein in der Luftlinie und mit luftigen AVorten, als eine Eisenbahn durdi Wildnisse und iiber das Karster Hochplatteau, namentlich von Bassovizza naeh Muggia, trotz eines Hohonuntersehiedes von 1200 Wiener Schuh in nur S 1 /^ Meilen Entferuung zu fiihren, aber \vas kummert das wieder die Herrn Consorien, wenn nur aueh diese Concession verschaehert und der Gevvinn vertheilt iverden kann? Man sieht wohl dass das Sprichvvort: „L’ apetit vient en mangeant“ sich auch hier bewiihrte. Dass diese Ide e Laek-Triest mit der E i n m ti n- dung in Muggia von ein paar Tidester Zeitschriften in der gleiehen Hoffnung eines Antheiles an dem Griindergewinne bereit- ivillig aufgegriffen und das denkfaule Publicum dafiir dureh Erre- gung des Verdaehtes, dass die Siidbahngesellscliaft dic Fortsetzung der Predil-Bahn vom Kreuzungspunkte bei Gorz bis zum Meere verhindern kiinnte, geivonnen wurde; — dass endlich die Majori- tat des Triester Gemein lerathes dureh die Droliung des Verlustos der, mit Riicksiclit auf die gevviinschte W'i : ederwahl im Herbste 1873, so iviehtigen Popularitilt gezvvungen vvurde, gegen die bes- sere Einsieht in das namliche Horn zu blasen, kann Niemanden iiberraschen, dem die engherzige Selbstsucht der Durehschnitts- menschen uberhaupt und unsere Verhiiltnisse insbesondere be- kannt sind. Aber unenvartet und iiberrasehend ist .jedenfalls die naive 15 Unbefangenheit, mit welcher in der vorbezogenen Denkschrift die iVJLittel enthiillt rverden, deren sich Herr Suppan riihnit, um sich das ausschiiessličhe Verdienst zuzuschreiben, die Ausfiihrung der Predilbahn verhindert zu baben. Nach Voraussetzung des Bekenntnisses, dass schon bei der Bewerbung um die Concession zur Erbauung der oberkrainischen Bahn, „gewisse massgebende Personlichkeiten „seinem Plane von Laibach iiber das Oberi and „n a c h V i 11 a c h cine E i s e n b a h n z u b a u e n, ursprun- ,.glich scharf e n t g eg e n g e t r e ten sind“ und dass auch »hinsiehtlich der Unterkrainer-und Lacker-Bahn „mit einer kloi- „n e n A u s n a h m e eine g e w i s se Passivitat s e 1 b s t bei „d en z u n a c li s t Betheiligten s i c h t b a r v o r 1 i e g t“ so dass er „v o n \V i e n e i g e n s fiireinige T a g e i n s ,,.L a n d z u r ii c k r e i s e n m u s s t e, u m P e t i t i o n e n f ii r „(1 i e La e ker bahn zu erhalten" iiberrascht uns Herr Suppan mit der Enthullung, dass „als schon fur d en 23.—24. „M ii r z 1870 die Predilbahn zur V e r h a n d 1 u n g i m „ A b g c o r d n e t e n h a u s e a u f die T a g e s o r d n u n g z u „s e t z e n b e s t i m m t w ar, u n d k e i n M e n s c h m e h r „z w e i f e 1 n k o n n t e, dass bei s o 1 c h e n V e r h a 11 n i s s en »die Predilbahn vom H a u s e a n g e n o m m e n w e r d e“ es ihm gelungen sei, durch »eine Einlage a n de n h o h e n »Reichsrath mit dem B e d e u te n, dass er eine n o c h »b e s s e r e L i n i e v o r le g e n w e r d e“ die Verhandlung liber den zustimmenden Bericht des Ausschusses fiir die Regierungs- vorlage iiber die Predilbahn „z u h i n t e r t r e i b e n, b i s a m 8. A p r i 1 1870, o h n e d a s s d i e P r e d i 1 f' r a g e i m H a u s e n o c h m a 1 s v o r k a m, in F o 1 g e d e s A u s t ri11 e s der Polen etc. ete. der Reichsrath geschlossen wurde.“ So werden zinveilen rvichtige Ereignisse durch kloinliche Ursachen hervorgebraeht und die unbewusste Selbstkritik des Herrn Suppan diirfte wenigstens zum Theile die allgemein gangbare Ansicht modificiren, dass die Abgeordneten des Kiistenlandes durch ihren Beitritt zum Exodus der Polen und Bukowinaer den Ausfall der schon gesicherten Bewilligung der Predilbahn verschnldet hiitten. Docli konnen die Umtriebe einer so kleinen und selbst- suehtigen Genossenschaft das Urtheil der erleuchteten Staatsman- ner, welche im Reichstage sitzen, nicht so weit beirrt baben, dass 16 siril die itn April des Jahres 1870 im Ausseliusse und im Abge- ordnetenhause far die Predilbahn schon gesicherte Majontiit in eine dieser Unternehmung ungiinstige, ja sogar feindliche Stim- mung venvandelt hatte, denn ein blos summariseher Vergleich der beiden rivalisirenden Projecte Villach-Predil-Triest und Villach- Laek-Triest geniigt, umjeden Unbefangenen zu iiberzeugen, vvelcher Linie, mit Berfieksielltigung aller Verlialtnisse, der Vorzug gebiihrt. Wenn man audi kein GeSvicht daratif legen wollte, dass tur die Linie Gorz-Predil-Tarvis z\vei vollstandig ausgearbeitete Projecte vorliegen und das letzte namentlich von der k. k. Gene- ral-Inspeetion der Eisenbahnen im Jalire 1868 verfasst, durcU einen allgemein als competent anerkannten Fachmann, den Herrn Ministerialrath von Nordling im Jalire 1872 einer Ueberpriifung mvterzogen wurde, wogegen fur die Linie Lack-Triest nur von ei- neni interessirten Consortium gelieferte Arbeiten bestehen, und dass fur die Fortsetzung dieser Linie bis Launsdorf noch garkeinEnt- vvnrf bekannt ist, so stelit jeueufalls so viel fest, dass die Linie Servola-Lack-Tarvis mit minuestens 27,25 Meilen gegen die Linie Triest-Gorz-Predil-Tarvis mit 19,16 Meilen um volle 8,09 Meilen liinger wiire; dass selbst, im Fali e an die Verliingerung der ersteren von La c k liber den Seeberg nach Launsdorf gedacbt wird, die Verbin- dung Tricst-Predil-Villach-Lattnsdorf um 1,51 Meilen kiirzer aus- fallen vviirde ; dass die Bahnlinio Servola-Lack-Launsdorf mit Ueberset- zung von wenigstens drei Wassersclieiden mit 2230—2260—2940' Meereshohe durcb fast unbeivohnte Querthiiler und lilngst den der Bora und den Sriineevenvelmngon ausgesetzten Abhiingen des Na- nos-Berges, endlich ftber das wilde Karavanken-Gebirge gefiihrt werden musste, lviihrend die Predilbahn mit nur einer Wasser- seheide in der Hohe von 3048' liber den dicht bevolkerten Vallon und durch das fruehtbare Isonzothal zieht ; dass die Prodillinie rvegen der giinstigeren Stoigungs- verhiiltnis.se auch in Bezug auf die virtuelle Liinge bis Tar- vis mit 41,1 M, gegen 63,37 M. und bis Launsdorf mit 59,69 M. gegen 76,01 Meilen im bedeutenden Vortheile gegen das Lacker- Project siril befindet; dass die Baukosten der Predilbahn mit 22,6 Millionon von den Baukosten der Strecke Servola-Laek, \velche mit Inbegriff des Hafenbaues bei Servola auf ivenigstens 26 ; Millionen veransehlagt 17 iverden, schon weit iiberhohlt werden, oline die weiteren Kosten der Linie Lack-Launsdorf mit wenigstens 18 Millionen zu beriick- sichtigon. (11), Wo liegt also der Vortheil der Laekerbahn gegen die Pre- dilbahn, als in dem Griindergeivinn, den das krainische Oonsortium aus der Abtretung der Concession au die Kronprinz-Rudolfsbahn- gesellscliaft oder an irgend jemand Andern, der auf den jiihrliehen Staatsbeitrag zur Begleichung der Zinsen und der Amortiširungs- raten eine Speculation zu griinden bereit ware? Denn Herr Suppan begnugt sieh ja in seiner mehrenvahn- ten Denkschrift damit, dass „diese Bahn mit der Staats- „garantie oder blo sser Steuerfreiheit gebaut „werde“ und beweist haarscharf, dass man eben nur durch diese „S t a a t s g a r a n t i e in e r s t e r Linie das Volk steuer- k r a f t i g m a e h e n k a n n.“ \Vem fallt hier nicht das beriihmte Quaksalberpulver ein, das zwar fur die Ratten als Gift ivirkte, dagegen aber fur die Mensehen ein Universalmittel gegen ali© mOglichen Krankheiten sein solite? und wenn selbst Herr Suppan auf die Staatssubvention verzichten wollte, was nicht vorausgesetzt werden kann, so moge man nur die gegenwartige missliche Lage der ungarantirten Bah- nen in Oesterreich und namentlicli derjenigen von Leoben naeh Vordernberg in Betracht ziehen, welche, obschon sie eine grossere Berechtigung zur Existenz hatte, als das Lacker Project, diese Tage in Concurs verfallen ist. Dass jedoch aucli Triest sich fur die Laekerbahn begeistern solite, wurde, mit Ausnahme der ivenigen dortigen Gonsorten des Herrn Suppan, nur Mangel das richtigen Verstandnisses voraus- setzen — denn es verdient hervorgehoben zu werden, dass, wiih- rend die Gegner der Predilbahn hauptsachlich die Befiirchtung betonon, dass diese ihren Endpunkt in Gbrz finden, und dort in die Stidbahn eimniinden werde, dieselben bis jetzt immer nur fur die Linie Servola-Lack agitiren und sieh wohl gehiitet haben, eine Concession fiir die Verlangerung dieser Linie bis Launsdorf zu ver- langen, obwohl ohne diese Verlangerung der, einzige Vorwand weg- fallt, der fiir das Lacker Project angefiihrt werden konnte,, namlich eine kiirzere Verbindung von Triest mit dem Norden herzustellen, weil die Linie Triest-Lack-Tarvis, die schon jetzt existirende Ver¬ bindung iiber Laibach durch die Siidbahn in nordivestlieher Rich- 8 18 tung nur ura 2,6 Meilen abkiirzen wiirde — wahrlieh ein zu klei- ner Ersatz fiir clie Auslage von wenigstens 26 Mili. Gulden. Es ist ferner als eine merkwiirdige Verblendung zu be- trachten, \venn diejenigen, die am lautesten gegen das Monopol der Siidbahngesellschaft klagen und ihrer engherzigen Ausbeutung der Situation den Verfall des Triester Handels zuschreiben, sich dem einzigen Mittel \vidersetzen, das diesem Uebelstande wirklieh abhelfen kiinnte, namlich der Erbauung einer Ooncurrenz-Bahn auf Staatskosten — denn, nur wenn der Betrieb dieser Balin von der Regierung selbst ausgeiibt wird, kann diese mit Erfolg auf die Herabsetzung der Tarife eimvirken und in Bezug auf den Betrieb selbst mustergiiltige Einriebtungen scbaffen, die dann von den Pri- vatbabnen angenommen werden miissten. Durcb Coneessionirung von Parailelbabnen allein kann den herrscbenden Missbriiuchen nicht abgeholfen werden, da die Erfah- rung beweist, dass die Bahnvenvaltungen sicb viel leicbter unter sich verstiindigen, als dass eine der andern \virklich Ooncurrenz raachen wurde, oder den Ausfall imGewinne durch engberzige Aus¬ beutung des Publicums und des niederen Dienstpersonals einzubrin- gen sucben, \vas dann die so bilufigen Unglucksfalle zur Folge hat. Man sebe doch auf die Staaten, welche die Anlegung und Erbaltung von Eisenbahnen auf Staatskosten nicht scheuten und man durfte sicb iiberzeugen, dass Belgien die Bliite seiner Indu¬ strie, Preussen und Frankreich die Leichtigkeit, womit sie die un- gebeuren Kosten des letzten Krieges ertrugen, hauptsachlich ibren ohne Riicksicht auf Privatinteressen angelegten Eisenbahnen, Ca- nalen und Verbindungsstrassen zu verdanken haben, wodurch der Wert ihrer Production im Verhiiltnisse zu anderen in dieser Hin- sieht zurilckgebliebenen Staaten bedeutend erhobt wird. Wenn also Triest das Geschenk einer auf Staatskosten erbauten Isonzothalbahn zuruekvveist, um hirnlosen oder egoistischen Projecten seinen Beifall zu spenden, so handelt es gegen den eige- nen Vortbeil in der Gegemvart und, vvas noch bedeutender ist, es zerstort seine Zukunft und verzichtet auf den Beruf, als einziges Emporium Oesterreichs, auch zugleicb ein Hauptplatz des Welt- bandels zu iverden. l)er leider zu friih verstorbene Feldmarscball Lieutenant und Statthalter von Triest Carl Moering behauptete mit Recht, dass, wenn eine Linie vom Obelisk der Kleopatra in Alexandrien zur Kuppel von St. Paul in London gezogen wird, der Leuchtthurm 19 von Triest deren Mittelpunkt bilden wiirde und dass in diese Lime aueh die Predilbahn fallt.— Und doch werden die Vortheile einer so gliioklichen Lage auf eine unverantwortliche Weise vernachlas- siget, denn in einer Zeit, wo die andern europaischen Staaton sich beeilten, die gliickliche Erfindung Stephensons nach Mogliehkeit auszubeuten und ihr Eisenbahnnetz zu vervollstandigen, besann sich Oesterreicb und zogerte bis zum Jabre 1858 mit der Ausfiih- rung der Linie Kufstein-Innsbruck, bis zum Jabre 1859 mit der Erbffnung der Linie Verona-Botzen und erst am 24. August 1867 wurde die Brennerbahn eroffnet, naehdem Venedig sehon fiir Oe¬ sterreich verloren war, folglicb auch die Vortheile, welclie dem Welthandel durch die abgekiirzte Verbindung des Orients mit Siid- deutschland iiber den Brenncr erwaehsen, nur dem neugebildeten Konigreich Italien zu Gute kommen. Und jetzt, wo man den Verlust Venedigs durch Herstel- lung einer noch kiirzeren Linie, welche g a n z a u f dsterrei- c h i s c h e m B o d e n die Verbindung des Rheins mit der Adria, folglich auch der Nordsee mit dem mittellandischan Meere durch den Ausbau der Isonzothal- und Arlerbahn bewirken wiirde, reiehlieh er- setzen konnte, zogert Oesterreicb noch immer die letzte Hand anzu- legen und seinem Strassennetze das notlnvendigste Glied einzufiigen— jetzt wo eine neue Gefahr droht durch Eroffnung der Linie Pon- tebba-Udine, durch welche die Interessen der franzosischen Sud- bahngesellschaft, die sehon genug Stoff zu gerechten Klagen giebt, sich nun vollends dem italienischen Handel zuwenden miissen. — Solite sich denn hior wirklich der Napoleonische Spruch be\vahren: dass Oesterreicb immer um eine Idee oder um eine That znriick- bleibt und will man auch hior, wie gelegentlich der letzten Bor- senkrise, mit dem Einschreiten so lange warten, bis die Hilfe nichts mehr bessern kann ? Wir besitzen miter andern gemeinntitzlichen Einrichtungen auch eine k. k. statistische Central-Comission, aus deren periodisch veroffentlichten Ausweiscn Jederman entnehmen kann, dass seit 20 Jahren, also seit d?,r Verbreitung der Eisenbahnen, sich die Handelsbewegung in Oesterreich nicht in dem gleichen Verhiilt- nisse gehoben bat, als in den andern hochcultivirten Staaton Gross- britanien, Prankreich, dem Zollvereine, Belgien und den Nieder- landen, was augenscheinlich mit dem Umstande zusammenhangt, dass Oesterreich in der Vermehrung seiner Verkehrsmittel und namentlieh der Eisenbahnen gegen diese Staaten zuruckgeblieben ist. 20 Wenn wir aber insbesondere (len Antlieil, den Triest, der einzige nach dem Verluste Venedigs und dom Ausgleiche mit Un- garn Oesterreich verbliebene Seehandelsplatz, in dieser Epocbe an dem Welthandel genommen hat, betraebten, so finden wir, d a s s die Einfuhr a n Colonialwaaren und S ti d f r u e.h t.e n via Triest seit 20 Jahren auf die Halfte gefallen, wahrend die Einfubr dieser Waaren aus Deutschland Jim das sie- benfaeho gestiegen ist, dass der Handel von und nach der Schweiz in dieser Zeit anf ein Zehntel der friiheren Bewegung reducirt, also gleich Nuli wurde (12) und \veleher andern Ursache sollten wir diese Erscheinungen zuschreiben, als dem Umstande, dass, \vahrend Hamburg, Bremen, Danzig und Stettin ihre Eisenbahn- anschliisse, welche durch die Ooncurrenz zu niederen Tarifen ge- zwungen sind, bis in das Herz Oesterreichs vorgeschoben haben, dieser Staat es versiiumt hat, seine Verbindungen nach dem Siiden der Monarchie bis zum Meere zu vervollstandigen, obwohl Triest mit seiner eisfreien und folglich das ganze Jahr zugiinglichen Rhede und seiner Nahe zum Orient augenscheinlich im Vortheile ware gegen jene fernen und der Schifffalirt durch die Eisbildung melir als ftinf Monate jahrlich verschlossene Hiifen. Ist es nicht absurd genug, dass Orangen und Datteln in Oesterreich vom Norden bezogen werden und dass Hamburg die Preise von Caffe und dergleichen dictirt, sowie im Winter, wegen der Unmoglichkeit neuer Zufuhren nach Belieben erhoht, wahrend Triest, bei nur einigermassen besseren und wohlfeileren Yerkehrs- vvegen mit dem Norden, nicht nur ganz Oesterreich versorgen, sondern auch fur ganz Mitteleuropa die Preiso der Coloniahvaaren und Siidfruchte bestimmen kdnnte. Und troz alledem scheint man an massgebender Stelie die Fortsetzung der Rudolfsbahn nach dem Siiden und bis zum Meere als eino secundiire Frage zu betracliten, die auch warten kan n, wenn man nicht gar derselben und dem Welthandel iiber- haupt jede Bedeutung fttr Oesterreichs Wohl von einer gewissen Seite abspricht! \Venn diese Ergebnisse nicht im Stande waren, die nicht durch personliche Interessen bestimmten Widersacher der Ison- zothalbahn zu bekehren, so miisste man annehmen, dass es Man- chen mit der Statistik eben so golit, wie den Bourbonen mit der Geschichte, von denen man sagt, dass sie in der Befangenheit ei- 21 nes engherzigen Gesiehtskreises aus derselben „nichts gelernt, so wie auch nichts vergessen haben“. Am allemenigsten aber solite die Opposition derjenigen ins Gevvicht fallen, die hoffentlich in sehr geringer ZahI, alles dem Gesiehtspunkte des engherzigsten Nationalitatsvorurtheiles unter- ordnen und den Einwohnern der siidlichen Provinzen Oesterreiehs als Verbrechen anrechnen, dass sie nicht von deutschen Miittern geboren wurden. Diese sonderbare Ausdehnung der Theorie von der Erbsiinde hat in dem vielsprachigen Oesterreich um so gerin- gere Berechtigung, als dieses zur Erhaltung seiner Maeht und Un- abhiingigkeit nach jeder Seite keines seiner Tolker entbehren kann, da nach der Neugestaltung Deutschlands und Italiens zu selbst- standigen Staatskorpern der Schvverpunkt der habsburgischen Mo- narchie von dem Po und dem Main an die Donau und Adria ver- legt \vurde, und \venn diese Herrn sich in der Verdachtigung ge- fallen, dass der Siiden des Reiehes es ihnen an Reichstreue nicht gleieh machen kann, so moge die Geschichte zwischen uns ent- scheiden fur die Vergangenheit und sagen, ob das 'Kiistenland jemals von Oesterreich abgefallen sei, oder im Augenblicke der Gefahr mit Gut und Blut einzustehen gesaumt hiitte; fur die Ge- genwart und Zukunft aber biirgt die Betraehtung, dass jeder den- kende Kiistenliinder sich sehr wohl bevvusst ist, wie Triest und Gorz nur im engen Anschlusse an Oesterreich gedeihen konnen, so wie anderseits Oesterreiehs politische und commercielle Bedeu- tung nur durch eine richtigere Wurdigung der an seiner ausge- dehnten Meereskuste schlummernden Hilfsquellen behauptet und ervveitert vverden kann. Diese wechselseitigen Interessen bilden gewiss ein starke- res und unaufloslicheres Band, als die Verfassungstreue derjenigen, die sie als ein Pranumerationsschein auf den ausschliesslichen Besitz aller Aemter und Wiirden, aller Lieferungen undConcessio- nen betrachten und daher jede Auflehnung gegen ihre Anspriiche als Rebellion gegen den Staat darstellen. Jodenfalls aber wiire es ein politischer und nationalokono- mischer Pehler, wenn man die Gewahrung der Isonzothalbahn als eine Belohnung der guten Gesinnung, der mehr oder weniger cor- recten Wahlen und Abstimmungen oder iiberhaupt als Parteifrage betrachten wiirde, weil es sich hier nicht sovvohi um den Vor- tlieil von Triest und Gbrz, sondern des ganzen Reiehes handelt. Denn, wenn man auch die Ergebnisse der Geschichte und der Statistik nicht beriieksiehtigen \vollte, so miisste docii wenigstens die Erfahrung des letztverfiossenen Ungliicksjahres Jedermann ii- berzeugt haben, dass man nielit ohne Gefahr die ganze Zukunft eines Reiches auf das Creditwesen oder ricbtiger auf den Borsen- schwindel grunden und iiberhaupt nur das in neuen Unternehmun- gen anlegen (investiren) kann, was durch die einzigen Quel'ien der Production, Landwirtbschaft, Industrie und Handel, gewonnen und uach Abzug des Verbrauches eriibrigt oder ersparrt \vurde, nitmlich das ivirkliche Capital. Die unerbittliche Statistik zeigt aber hier wieder, dass in Oesterreich seit zwoi Jahren niebt nur die Einfubr im allgemeinen, sondern jene von Verbrauchsartikeln insbesondere zugenommen und der Export im erscbreckendon Masse abgenoinmen hat, dass (13) fol- glieh weniger produeirt und mehr verbraucht, daher nicht nur nichts ersparrt wurde, sondern der offentliehe Reichtbum im Sinken begriffen ist und fortvvahrend sinken muss, \ve nn man nicht den Verbrauch (Staatserforderniss und Privatbediirfnisse) einschrankt oder neue Erwerbsquellen eroffnet. Nun ist aber ein grosser Staat, er mag eine noch so be- deutende Hauptstadt besitzen, hauptsaehlich auf das Ertragnis der Provinze n angewicsen, denn nacli dem bekannten Gleichnisse des Menenius Agrippa (14) miissen die Glieder dem Magen Nah- rung zufuhren, damit er ihnen wieder dio erforderliclie Kraft zur Arbeit einflosst, aber auch nur wenn letzteres \virklich geschieht, vvenn namlich vonCentrum fiir die Extremitaten vorgesorgt wird, kon- nen jenes und diese gedeihen. Das langgestreckte Isonzothal, welches zur Zeit des Au- gustus und seiner nachsten Nachfolger, besouders an seiner jetzt versuiupften Seekiiste die gesundeste Luft, die bliihendste Cultur besass und daher von den romischen Grossen zum beliebtesten Aufenthalte erkoren wurde (15), versieht noch jetzt dio Haupt¬ stadt mit seinem friihreifen Obste und Gemiise und konnte bei gunstigeren Eisenbahnverbindungen und rationeller Wirthschaft den Markt fiir die Erzeugnisse seines Bodens bis an die Nordsee ausdehnen, sowie die unschiitzbare Wasserkraft dos Isonzo in sei¬ nem 17 Meilen durchmessenden Laufe und jene seiner Nebenfliisse als Basis einer ausgedehnten Industrie dienen konnte, ohne \velche Triest nicht lioffen darf, das verlorene Gebiet zuruckzuerobern und mit andern Handelspliitzen zu concurriren, da nur ein bluh- ender Exporthandel die Mittel verschaffen kann zar Bezahlung der Waaren uncl Bolistoffe, welche zur Einfuhr geeignet sind und zur Erzielung einer billigen Fracht fiir die Hin- und Riickfahrt, folglieh zur Erlangung des directen Iraporthandels. Die bessere Verwertung der Bodenproduete und der Er- zeugnisse der Alpenvvirthschaft durcb die Eisenbahn wiirde das nothige Capital zur Verbesserung und Ausdehnung der Boden- eultur herbeischaffen, und das Eisen von Trenta, die Kohle des Kirchheimer Thales, welche jetzt wegen Mange! geeigneter Trans- portmittel im Schosse der Erde rulien miissen, wiirden die geeig- nete Verwendung finden. (Siehe Petition der Gemeinden des I- sonzothales vom December 1872.) Mit dem gehobenen Wohlstande aber kbnnte der Staat nicht nur auf die vermehrte Steuerkraft, sondern auch in jeder Gefahr auf die Anhanglichkeit und Leistungsfahigkeit einer fiir den Land- und Seedienst gleich geeigneten Bevolkerung ziihlen. Die Isonzothalbahn ist jedoch nicht nur ein machtiger Factor der inneren Entwickelung fiir Oesterreich, sondern auch der politisclien und commerciellen Machtstellung dem Auslande ge- geniiber, denn es diirfte sich aus dem bisher gesagten augenschein- lich herausstellen, dass, so wie durch die Vermehrung der An- sehliisse in Bohmen an die deutschen Bahnen der oster r eichische M a r k t von Deutschland a b h a n g i g geworden ist, so durch die Vervollstiindigung des Eisenbahnnetzes nach dem Stiden und namentlich durch Einfiigung der Isonzothal- und Ar- lerbahn die Bedingungen der Einfuhr via Triest, besonders fiir Colonialwaaren und Siidfriichte sich den Nordseehafen gegenuber so giinstig stellen wiirden, dass nicht nur das verlorene Handels- gebiet der Schweiz und Siiddeutschlands erobert werden, sondern auch ganz Mitteldeutschland, namentlich in der Winterszoit, von Oesterreichs linporthandel abhangen miisste. Endlich ist der kiirzeste Weg von London zu seinen indo- chinesischen Bositzungen und Factoreien fiir das miichtige Albion so wichtig, dass es an Oesterreich, welches ohnehin keine eigene oder von Englaud verschiedene Colonialinteressen zu vvahreu iiat durch das Bediirfnis des letzteren, sich den Weg zu seinen iiber- seeischen Provinzen stets offen zu lialten, fester gebunden wiire, als es durch die ausfiihrlichsten Vertriige und diplomatische Be- theuerungen je geschehen konnte. Wenn also alle Biicksichten und Griinde der inneren und ausseren Politik fiir die Nothwendigkeit und Dringliehkeit der 24 Verlangerung der Kronprinz-Rudolfbahn bis zum Meere sprechen und die einzuschlagende Riehtimg durch das Isonzothal nicht zwei- felhaft sein kann, so muss es allerdings als eine merkwiirdige Er- seheinung in der Geschichte des Parlamentarismus auffallen. dass nach so vielen vergebliclien Anliiufen, die Ohancen zu Gunsten der Predilbahn sich wahrend der letzten Sitzungsperiode des indirect ge\vii]ilten Abgeordnetenhauses gegen die bekannte wohlwollende Stimmung im April 1870 so bedeutepd verschlechtert hatten, obschon kfein neueingetretener Umstand bekannt ist, der eine Veriinderung in der Sachlage bewirken konnte, als ctwa, dass damals die nordli- chen Provinzen noch nicht so vollstiindig mit Eisenbahnen versehen \varen, dass man die Stimmen der Ooilegen aus dem Siiden zur Erhaltung der noch gewiinschten Concessionen mit Staatsgarantie hatte entbohren konnen, wiihrend jetzt, wo kein Platz mehr fiir Eisenbahnen in Bohmen zu finden ist, man ohne Gefahr fiir die engeren Interessen und fiir das engere Vaterland den Staatssackel in Schutz nelimen und gegen die Staatsgefahrlichkeit der Subven- tionen eifern kann — denn es macht sich so schon und kostet nichts ! Es ware eben nur eine Variante des bekannten Schiller’ schen Spruches: Der Moor hat seine Arbeit gethan, der Moor kann gehen. (16) Nein ! wir wollcn die Moglichkeit solcher Gesinnung nicht voraussetzen, oder wenigstens als seltene Ausnahme betrachtenund, obschon wir verzichten miissten, eine Bekehrung zu erwarten, wo Verurtheil, Egoismus oder Nationalhass den Ausschlag geben, so glauben wir doch hauptsachlich die Unlust der vorbestandenen Abgeordneten, die Entscheidung dieser Frage in Angriff zu nehmen, der Unklarheit zuschreiben zu miissen, welche die Apostel des Lacker Projectes iiber die Situation durch Versprechung e i n e r neuen verbesserten Lime und Einreiehung neuer Vor- schlage und Petitionen zu verbreiten wussten. Jetzt ist aber wieder ein Jahr verflossen, dessen folgen- «eh\vere Ereignisse Jederman iiberzeugen mussten, dass Oesterreich. nicht durch Vermehrnng der Bdrseneffecte, sondern der Production zu dauerndem Wohlstande gelangen kann, jetzt uberlasst selbst der Gemeinderath von Triest der Weisheit des Reichrathes und der Regierung die Wahl der einzuschlagenden Richtung und be- dauert gewiss aufrichtig die dem Lacker Oonsortium geppferten 44000 Gulden, jetzt nachdem die Handelskammern von Wien, Triest, Villach und Gorz, denen die Competenz nicht abgesprochen 25 werden kann, sich \viederholt fur die Isonzothalbahn ausgesprochen haben und die Ueberprufung aller vorliegenden Projecte durch die teclinischen Hilfsamter des Handelsministeriums stattgefunden bat, — jetzt ist die Frage gewiss so reif als moglich zur Entschei- dung; aber audi die grosste Eile in der Entscheidung ist zur Fothwendigkeit geworden und jeder neue Aufschub wiire folgen- schwer, naehdera, aueh ohne an die Durehbrechung des St. Gott- hardberges zu denken, schon der Ausbau der Pontebbabahn den Rest des Triester llandels zu Gunsten Venedigs vernichten wiirde, und man glaube ja niclit, dass, nachdem die Siidbahngesellschaft von ihrem Yorrechte zur Coneession der Linie Udine-Pontebba (9, 2 M.) Gebrauch gemacht bat, ibr die Verlangerung der Frist, fur vvelche sie gegen die Predilbahn Einspracbe zu erheben ver- zichtet batte, schwerfalle, denn sie weiss recbt wohl, dass, \venn einmal die Pontebbalinie bis Tarvis ausgebaut ware, jede Concur- renz der Isonzothalbahn ibr ungefahrlich wurde — sie weiss, dass sie als Entgelt die Erstreekung der Frist zur Vollendung des Triester Hafens verlaiigen kann, (17) denn \vas liegt ibr nunmebr an diesem Hafen, w e n n i b r e S c h i e n e n s t r a n g e s i c h bis Flor en z, bis Suša a n die franzosisehe und bis O h i a s s o a n die S c b w e i z e r g r e n z e schon jetzt er- strecken! Eine Gesellschaft, deren Linien den Mont Ceniš, den Gotthard, den Brenner und die Apenninen beberrschen, braucbt \vabrlicb nicbt sieb um Triest und Oesterreich vi el mehr zu kiim- mern, als insofern aus den bewilligten Subventionen noeb irgend ein Vortbeil gezogen -vverden kann. Aueh ergiebt sich aus dem vorbezogenen Berichte der Handelskammer in Gorz, wie gleich nacb der Abtretung der ve- netianiscben Provinzen an das Konigreicb Italien der Handels- verkehr von Triest, Gorz und Laibacb mit dem angrilnzenden ita- lienischen Gebiete auf ein Minimum gesunken ist und wie boi jedem Verdachte einer Seuche in den entlegensten dsterreicbiscben Provinzen die italienische Grenze durch Eiufubrverbote und Con- tumazanstalten gesperrt wbrde. — Wenn erst dio Pontebbabahn vollendct ist, so bindert nicbs mehr, dass durch solche Mittel, namlicli periodiscbe Grenzsperre und Plaekereien, der an sich schon geringe Verkehr von Triest liber Verona-Franzensfeste mit Kara¬ ten, Tirol, der Schweiz und Siiddeutschland nacb Venedig ganz iibertragen werde und dann klime die Predilbahn zu spat, denn die Handelsgesehichte aller Zeiten belehrt uns, dass abgebrocheno 26 Verbindnngen nie mehr angeknupft mid neu entstandene nieht- leicht gelost vverden konnen. Nun bietet das Gesetz vom 13. Dezomber 1873 Nr. 162, »betreffend d i e Beniitzung d e s o ff e n 11 i c h e n Ore> „d i t e s z u r Beschaffung d e r M i 11 e 1 fur d i e Forde- „r u n g des Eisenbahnbaues ete.“ noch einmal die enviin- schte Gelegenbeit die arg verfahrene Predilbahnfrage einer gluek- lichen Losung zuzufiihren, denn nach Art. 2 des Gesetzes ist das Ministerium ermiichtiget einen Theilbetrag des dort bezogenen Anlehens von achzig Millionen Gulden zur Forderung des Eisen- bahnbaues zu venvenden, und die Venvendung dieses Betrages soli „d u r c h besondere G e s e t z e“ verfiigt werden. Die Einbringung eines Gesetzentwurfes, vvodurch die bald- mbglichste Venvirklichung der Isonzothalbahn ermoglicht wird, ist demnach fur die zunaehst betheiligten Factoren der Gesetzgebung zur Pflicht geworden und Niemand, der es mit Oesterreichs Zukunlt redliek meint, konnte demselben seine Zustiratnung versagen, so- wohl aus dem Standpuncte der Gerechtigkeit gegen die sudliehen Provinzen, als von demjenigen der volkswirthschaftliclien und poli- tischen Machtstellung Oesterreichs. Wir appelliren also von einem ung -niigend beriehteten an ein neues und besser informirtes Abgeordnetenhaus und envarton, dass entwedcr durch Regierungsvorlago oder aus der Initiative des hohen Eeichsrathes selbst diese fur Oesterreichs Zukunft so wich- tige Frage ohne Verzug angeregt, und dass durch die Besehleuni- gung der Erledigung es noch moglich werde, dem in dieser Pro- vinz in Folge des vorjahrigen Misswachses schon vorhandenen und im Friihjahr noch in grosseren Proportionen zu crvvartendon Nothstande durch die Bahnarbeiten unter die Arme zu greifen. In dieser Hofihung schliessen wir die lange Rede mit der kurzen Ausprache, welehe von dem beriihmten Admiral (Nelson) vor der Sehlacht von Trafalgar an die englische Flotte gehalten oder riehtiger signalisirt wurde: „England expects every man to do Iris duh).' 1 - Wir ervvarten zuversichtlich, dass Jedermann dies- mal seine Pflicht thun werde. Gorz im Jiinner 1874. Anmerkungen und Citate. 27 1. ) Candidus J, Coimnentariorum Acquilejensium libri 8, 2. ) JEaiserliche Patente vom 9. Oktober 1750 und vom 20. Februar 1745. - 3. ) Morelli Carlo de Schonfeld. Istoria della Contea di Gorizia 111. pag. 146. 4. ) Czoernig Carl Freiherr von : Das Land fforz und Gradišča I. pag. 819. o.) Vitruvius (Marcus Pollio de architectura) L. I. Cap. IV.: Exemplar liujus rei gallicae paludes possunt esse, quae circa Altinum, Ravennam, Aqui- lejam aliaque quae in ejusmodi locis munioipia sunt prosima paludibus; quod liis rationibus habent incredibilem salubritatem. 6. ) Herodianus Hist. rom. L. 1. cap. 1. 7. ) Potemkin (Gregor Alexander Fiirst von) allmaehtiger Minister und Giinstling der Kaiserin /Vatharina II von Russland, liess ihr bei der Reisc nach Taurien im Jahre 1787 durch tbeatralische Aufziige Dorfer und Stadte mit einer gliiekliclien Bevolkerung vorfiiliren, die gar nicbt existirten. 8. ) Tabula Peutingeriana, das einzige uns bekannt geraordene carto- grafisclie Werk aus altromischcn Zeiten, vvahrscheinlicli sclion im Augustaischen Zeitalter entvvorfen und vielfaeh corrigirt, vvurde im Jahre 1265 von eiuem Doininikaner in Colmar in zwolf Pergamentblattern, aber leider mit vielen Feh- lern und Auslassung von Ortsnamen abgescbrieben. Im Jahre 1507 von Konrad Celtes um 40 Dukateu envorben und dem .Konrad Peutinger, einem Augsburger gelehrten Alterthumsforscher vermaclit, kam sie aus dessen Verlassenschaft an den Buclihandier Paul Kuzius in Augsburg, und wurde 1725 zum Vortheile seiner Erben versteigert, von Prinz Eugen von Savoyen um 100 Dukaten erstanden, wird gegenmartig in der k. k. Hofbibliotek iu Wien aufb wahrt. 9. ) Shakcspeares W. The winters tale. Acte III. Scene 111. (Bohemia. A desert country near the sea). 10. ) Die Unterkrainer und Lacker-Eisenbalm mit Bazug auf das a driatische und schwarze Meer von V. C. Suppan, Prasident der Handels - und Gewerbekammer fiir Krain etc. Laibach 1873. 11. ) Die Angaben sind dem technisclien Berichte iiber die Verhalt- nisse der von Launsdorf bis Triest vorgeschlagenen Eisenbahnen — von Baurath Semrad, Triest 1872, entnommen. 12. ) Statistisches Jahrbneh fiir das Jahr 1871, herausgegeben von der k. k. statistischen Centralcommission. Wien 1873. Uebersiohten der Waaren- Ein- und Ausfuhr von derselben und Ržiha Franz, Oberingenieur : Die Beden tung des Hafens von Triest fur Oesterreich- Prag 1879. 13. J Naoh officiellen Daten betrug in den Jahren: 1868 die Einfuhr 387.4 Mili. Gulden, die Ausfuhr 428.9 Mili. Gulden. 1869 „ 420.6 „ „ 438.1 1870 „ 496.- „ „ 395.4 1871 „ 525,- „ „ 498.5 Dagegen in den erston drei Quai talen des Jahres 1872 betrug die Eiiifulir 432.8, die Ausfuhr nur 293.3 Mili. Guld., wiihrend in den ersten drei Quartalen 1871 die Einfuhr 394.8 Mili.; die Ausfuhr 365.9 Mili. Guld. betra- gen hatte. Es war also gegeu das Vorjahr der Gesammthandel binnen 9 Monaten von 760.7 auf 726.1 Mili. Guld., d. i. um 34.6 Mili. Guld. gesunken, und der Ex- port speciell um den enormen Betrag von von 72.6 Mili. Guld. gefallen. Officielle Daten iiber den Ilandelsverkehr des leztverflossenen Jahres sind noch nioht vorhanden; denn die k. k. statistische Central-Commission war- tet mit der Herrausgabe der Uebersicht der Waaren-Ein- und Ausfuhr, bis sie nur noch einen historischen Wert haben. — Es ist ganz dem Sistem gemass, das in dem zwar ungeflugeiten aber bedeutungsschwangeren Worten: ,.wir kon- nen schon warten‘' den richtigen Ausdruck findet. — 28 Man diirfte jedoch der traurigen 'vVahrheit so ziemlicli nahe kommen, wenn man den Riickgang des Exporthandels fiir 1872 auf rund 80 Mili. Guld. und fur 1873 mit Riicksicht auf die industrielle K rise auf das Doppelte veran- sclilagt. *] Dagegen verdanken wir dem Ausweis iiber die' osterreichisch-ungari- sche Handels-Marine aus einer andern nicht so langsam fliessenden Quelle die Gewissheit, dass auch die Schifffahrt in Oesterreieli dem Riickgange des allgemei- nen Handelsverkehrs ganz genau folgt . . denn sie betrug: im Jahre 18G9 — 7959 „ 1870 — 7961 „ 1871 — 7889 „ 187‘2 — 7204 ,, 1873 — 7207 Scliiffe von 368.055 „ 379.169 „ 391.061 „ 353.019 „ 341.467 Tonnen »» >> »» Im umgekelirten Verhaltnisse stieg die SchiffFalirt Italiens nacli Acqui- sition Venedigs von 17.768 Scliiffen mit 815,521 Tonnen im Jahre 1867 auf 18.822 Schiffe mit 1013.038 Tonnen im Jahre 1870 (Triest. Z tg.) — Was sagen wol zu diesen Žalen die Kirehthurm-Politiker, welclie nocli immer dem Local-Verkehr eine grossere Wichtigkeit als dem Welt- liandel beimessen? 14. ) Menenius Agrippa war der Abgesandte des romischen Senates an die Plebeier [496 vor Chr.] welclie sieli durch die unertragliehen Bedriickungen der Patricier bewogen fanden Rom zu verlassen, und sieh auf den lieil. Berg [mons saeer] zuriickgezogen hatten. — Durch das obenvahnte Gleiohnis gelang es dem Menenius cinen Vergleich zu Staude zu bringen, der die Eiusetzung der Volkstribunen zur Folge hatte. 15. ) Ausfiihrlichere Notizen iiber das romische Aquileja sind in dem Aufsatze des Verfassers: Zur Regeneration Aquilejas, Triester Zeitung vom 25. April 1873 Nr, 94 enthaltcn. 16. j Die Versclnvorung des Fiesco zu Geuua, biirg. Trauerspiel voli Friedrich von Schiller. 111. Act. IV. Scene. 17. ] Die Mer ausgesprochene Befiirchtung scheint leider zn schnell der Vervvirklichung entgegen zu gelieu, denn am 3, Februar avurde dem Ab- geordnetcnliause von dem Handelsminister cin Gesetzent\vurf vorgelegt, \vodurch der k. k. privilcgirteu Siidbahngesellschaft, mit Abiinderung des Vertrages vom 13. April 1867 Nr. 69 des R, G. B., die mit Ende Dezember 1873 scliou ver- fallene Frist zur Vollendung des Triester Hafens anf \veitere filnf Jahre, bis 31. Dezember 1878, erstreckt wiirde, Die von der Siidbahngesellschaft als Entgelt ofiferirte Verliingerung des, im vorenviihnten Vortrage enthaltenen Verzichtes auf das ihrim Contracte vom 23. September 1858 [Verkauf der Siidbahn] im 6. Artikel concessionmassig eingeraumte Von-echt Iiezuglich einer Balin, welche von eine m P u nete der Kr on pr inz - Ru d ol f sb a h n nach Gorz oder bis zum Meere etc. ge- baut wlirde, auf weitere sieben Jahre, ist aus obgenannten Griinden ganz wert- los, denn, wenn die Pontebbabahn vor der Predilbahn vollendet wird, und der jetzt schon reduzirte Handelsverkebr von Triest nach Venedig iibergangen ist, vviirde vor Ablauf dieses Tormins schon langst das Gras in den Gasscn von Triest wachscn. Es ist also die hochste Zeit einen Entschluss zu fassen, denn ware schon im Laufe des Jahres 1874 die Gapitalsbeschaffung fiir die Predilbahn ge- sichert und der erste Spatenstich erfolgt, so miisste auch die Sudhahngesell- schaft sich mit einer kiirzeren Frist zur Vollendung des Triester Hafenbaues begniigen, da sie schon jetzt vortragsbriiehig und fiir den Schaden verantvvort lich ist, den Triest und die Monarchie durch ihr Versaumnis erleiden. *] In dem letzten Augenblicke erhielten wir Nachricht von der Uebersicht der VVaaren- Ein- und Ausfuhr des osterr. ungar. Zollgebietes und Dalma- tien, im Jahre 1872. herausgegeben vom statistischen Departement im k. k. Handelsministeriums in Comission boi Ferd. Meyer in Wien 1873., welche Uebersiclit mit den obigen Angaben so ziemlich ubereinstimmt.