Der 6. und S. Jahrgang ist noch vorrätig und kann nacbbesteM werden. itaf0osisc0e-Tnissioiis- TeifsfDvifC öer Sö£)Tie Des fjtgst. generis T)esu. Organ CesTTIarifn -Herein fürTtfriftn jEvicbetn. monatlicb einmal und hostet jäbrlid) mit VostzusenSung 2 K — 2 Mk. — 3 franken. ^HVssiVmfehgma ^tHvmN U/>i 1RWv/>v> TTtV^T Ein ganzer Aabrgang, einfach gebündelt, hostet Ikrr. 2.30. SnßaL'f: Port Sudan...............................145 Tagebuch des hochw. P. Stephan Claudius M. Vockcnhuber F. S. C................147 Kayango im Char if (Regenzeit) .... 155 Aus dem Missionslebcn: Die letzten Tage und Tod unseres Bruders Hcinr. Blank 157 Verschiedenes: Protestantische Presse über die Missionen.........................162 Die kulturelle Tätigkeit der Missionen. 163 Ein Mittel gegen die Seekrankheit . . 163 Rundschau in den Missionen .... 164 Gebetserhörungen und -Empfehlungen . 167 Memento, Bitte, Gebet ..... . 168 Abbildungen: Totalansicht von Assiut. — Bereitung von Merissa bei den Golo in Kayango. — Der heilige Baum zum Opfer der Hörner mtb Tierschädel. — Port Sudan. '— Das stationäre Hasenschiff „Mokbir" bei Port Sudan. — Mohammed-Ali-Moschee. Wrieskcrsten der ^eöaätion. Bauernknccht. Natürlich kann man Sic brauchen, sowohl hier, als auch in der Mission. Noch ein Dutzend tüchtiger Bauernburschen könnten Sie mitbringen! Br. L. Die letzte Adresse ist kaum ausfindig zu machen; in Tr. oder in Ros.? P. in W. Die Vermutung ist eingetroffen. Wenn möglich, mach' dir die Gelegenheit zunutze. A.W. Karten erhalten. Hoffentlich alles gesund. H. G. in N. Hat mich sehr gefreut. Gelegentlich folgt schon etwas, vielleicht eine Enttäuschung. Möchte nur wünschen, daß die Abon- nentenzahl in Ihren Kreisen noch zunehme. Gelegenheit wird sich in den Ferien gewiß bieten. W. F. in G. Erwarte das Ausführliche, dann folgt Brief. P. K. Das Tagebuch wird ohne Zweifel viele interessieren. Sie könnten vielleicht schon zu Lebzeiten einen Teil des Ihrigen veröffentlichen; Neues hat doch immer mehr Reiz. Erwarte überhaupt mit Sehnsucht wieder mal einen Artikel aus Ihrer Feder. Redaktionsschluß 15. Juni. Aaöen Verzeichnis vorn 15. War öis 15. Juni 1907. -----------In Kronen. ----------- Opferstock: Alberschwende I. D. 25.—; K. A. B. 1,—; Brixen C. T. 3.—; B. V. 1.50.—; Bruneck 5. 2,—; Cortina Pfr. P. 20.—; Haag B. M. 100.—; Hausen R. S. 7-04; Judendorf P. Gr. P. 10.—; Kematen d. B. M. 200.—; Kirchdorf M. Sch. 1.—; Kramsach L. Sch. 4.—; Kundl ung. 20.—; Lahen Pf. S. 14.— ; Milland Pf. Pl. 1.— ; München B. S. 232.06; v. mehreren 311.45; Pucking N. N. 100.—; Rinkerode St. B. 1.17; Sand i. T. 3.— ; Senghübl F. L. 1.—; Sterzing Legat 214.44; Sattel Pfr. I. G. 1.—; St. Marien von mehreren 100.—; Tettenhausen B. H. 0.65; Untermoi J. M. D. 18.—; Ueberlingen M. St. 14.—; Villanders W. W. 26.— ; Pfr. P. 20.— ; ans Vinstgau 1500.—; Wels N. N. 100.—; Weerberg K. E. L. 5.—; Windischmatrei M. St. 1.—; Wien d. Kindh. Jesu-Verein 1000.— ; zum Dank aus B. 58.50. Für „Lcvitcnklcider": Bayern L. Sch. in L. 11.70; Bozen C. K. 50.— ; Brnck i. Pinzg. Pfr. P. St. 20.— ; Gries b. B. I. Ei. 2.— ; Salzburg B. D. 2.—; Ueberlingen M. St. 4.— . Zur Pcrsolvierung von heiligen Messen sandten ein: Maria Wagner 6.— ; Thomas Zankl 6. —; Rosa Schwaibold 8.19; Josef Leiter 1.20; N. N. Äsers 1.— ; Expos. Jos. Büchel 67.— ; Pfarr. Alois Schmitt i55.16; Astner 2.—; I. Ragginer 10.— ; Gräfin v. Merveldt 14.10; Josefine Rappenberger 14.04; Karl Müller 24.—; Pfr. Ludwig Wagner 52.—; Josef Perthaler 3.— ; Joses Wilfling 10.60; Tertiarschwestern 2.—; Kooperator Lorenz Wernberg 5.—; Fanny Krischanitz 4.—; Freiin v. Nagel 50.54; Domin. Holzknecht 10.—; Ferdinand Kargl 10.—; Psr. Joh. Obersteiner 100.—; Pfarrer Fiebig 2.16; München 10.33; Maria Fiszla 10.—; Pfr. Ludw. Wagner 40.—; Michael Gostner 5.—; Herrn. Fritz 4.—. Für die Mission: P. Martin Hansal 23.62; Henriette Kerchnave 100.—; Karl Müller 4.38; d. Tertiarschwestern 42.—; Robert Franke 2.—; Ferd. Kargl 10.— ; Herm. Fritz 6.—. Für Mo ns. Geyer: D. d. Kath. Missionen 293.70. Für P. Schumann: Für drei heilige Messen Marienhaus 7.02. Für p. Mohn: Koop. Josef Beirer 5.— sam herzl. Gruß. Für Bruder Alexander: P. Georg Peril 10.—; Dorothea Hartmann 4.—. Zur Taufe von Heidenkindcrn: M. Waldbreitbach 23.40 (Heinrich); A. Sch. Kortsch 24.— (Maria). Effekten: Aus Stalitz zwei Chorröcke und Verschiedenes; Alois Mayer ein Bienenschwarm; d. Baronin C. Pillersdorff für die Mission ein Kelch und Patene, ein Metallkrnzifix, sechs Metall-leuchter, zwölf hölzerne Kruzifixe, 44 Kleider und vieles andere. * * * „O Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" ills 11 IS II n dient vornehmlich der Hinter* ftütumg und Ausbreitung der Der „Stern der Neger fldissionstätigkeit der „Söhne des heiligsten «Oerzens jeju” imo zucvi u/ct* strindnis und werktätige Liehe des /HMfstonswevhce in XHHort und Schrift zu fordern. — Das Arbeitsfeld dieser Missionare ist der Sudan (Zcntralafrtka). „Mie sebön find die jfüße derer, Die Den Frieden, Die trobe Jßoticbaft des Deiies verkünden"! (IRöm. 10,15.) 7n/>v erscheint monatlich und wird Wei „2311111 UtV lillyll üom/nMsstongbau0fffi.ülant)bei 3Briien (Süotlrol) herausgegeben. Abonnement ganzjährig mit postvcrsenöimg 2 K = 2 flDh. — 3 Fr. IS 111 IS! dl lld] Mit Empfehlung vieler botibwürdtgster JBiscböte. Dell 7. 3ult 1907. X. Zadrg. Dort Ludan. ort Sudan ist der Name einer neuen Stadt — sie entstand vor etwa 2'/^Jahren — die 30 Meilen nördlich von Suakin am Roten Meere gelegen ist. Die Entstehungsursache dieser Stadt ist die Gefährlichkeit des Hafens von Suakin selbst. Port Sudan ist eine breite Bucht mit doppeltem Meeres arme hinter der Halbinsel, die Scheich Bargut heißt. Scheich Bargut ist der Name eines muselmännischen „Heiligen", der auf der Rückkehr von Mekka starb und auf der äußersten Spitze der Halbinsel, die den rechten Arm der Bucht schließt, begraben wurde. Eine Gubba oder Grabtempelchen bezeichnet den Begräbnisplatz. Mit dem Körper des „Heiligen" wird in Zukunft auch der Name begraben sein, da die Engländer den Hafen und die Stadt mit dem neuen Namen Port Sudan getauft haben. Die Mündung des Hafens ist nicht breiter als 100 Meter. Innerhalb der Mündung öffnen sich zwei Meeresarme; jener rechts erstreckt sich in einem Bogen in einer Länge von drei Kilometern und einer höchsten Breite von etwa 300 Metern: jener links ist kürzer und weniger breit. Die Tiefe des Beckens ist von 60 bis 65 Metern, so daß auch Schiffe vom größten Tiefgänge hier eintreten können. Auf dem rechten Ufer der Halbinsel, welche sich zwischen die beiden Meeresarme zwängt, werden gegenwärtig ungeheure Sprengungsarbeiten zur Entfernung der Riffe und zur Herstellung der Kaimauer ausgeführt. Die Stadt entsteht auf der ganzen Linie, die zum eigentlichen Festlande gehört. Die Halbinsel, die zwischen die beiden Meeresarme tritt, ist 4l/v Kilometer breit und ist hinten — nach einer kleinen Bodeneinsenkung — von einer etwa neun Kilometer entfernten Bergkette eingerahmt, deren Abhänge langsam gegen das Meer abfallen, in eine Menge von kleinen Hügeln von gefälligem Aussehen verlaufend. Inmitten dieser Hügel sammeln sich die Wasser, die die Brunnen für die Stadt versehen. Sie heißen süße Brunnen, doch ist ihr Wasser merklich salzhaltig und manchmal ganz untrinkbar. Dies ist der dunkelste Punkt für die ^ neue Stadt Port Sudan, nämlich die Schwierigkeit, gutes Wasser zu haben. Artesische Brunnen, die in vielen Punkten zwischen den Bergen gebohrt wurden, gaben bisher spärliche Resultate, obgleich sie bis zu außerordentlicher Tiefe getrieben wurden. Wenn diese Frage gelöst ist, so wird die größte Schwierigkeit für die Zukunft Port Sudans beseitigt sein. Die Stadt ist schon ganz abgesteckt: der Boden ist vollständig eben, ohne die geringste Erhöhung, und etwa vier Meter über dem Meeresspiegel. Im Mittelpunkte wird ein öffentlicher Garten von 450 Meter Länge und 200 Meter Breite eröffnet werden. Parallel mit den Linien des Gartens werden sich die Wohnungen der Privatleute auf quadratischen Grundstücken von lOOXlOO Metern erheben. Die Straßen laufen alle parallel miteinander; die Längs- und Querstraßen schneiden sich rechtwinklig und bilden die erwähnten Quadrate. Die vier Straßen, die den Garten unmittelbar flankieren, haben eine Breite von 50 Metern und behalten diese Breite während ihres ganzen Laufes bei; vier andere Straßen, 300 Meter vom Garten entfernt und parallel mit den erwähnten, sind gleichfalls 50 Meter breit; alle andern sind 25 Meter breit. Bis jetzt sind die Wohnungen der Privatleute und die Aemter in Holz aufgeführt, doch wurde schon mit gemauerten Gebäuden begonnen. Der Palast der Regierungsschulen ist vollendet; der Regierungspalast und das Postamt werden in Kürze fertiggestellt sein. Die großen Magazine des Zollamtes, die, wenn vollendet, zwölf an der Zahl und jedes von 100 Meter Länge und 50 Meter Breite sein werden, gehen auch schon ihrer Vollendung entgegen. Ein großes Elektrizitätswerk wird in Kürze fertiggestellt sein. Dasselbe wird die Stadtbeleuchtung speisen sowie der Trambahn und dem Regierungsarsenal seine Kraft leihen. Das Hospital für die Quarantäne mit allen Einrichtungen ist fertig und wird bei der nächsten Rückkehr der Mekkapilger in Tätigkeit treten. Hinter der europäischen Lckadt, beinahe unter den Bergen, wird die Stadt der Eingeborenen entstehen, gegenwärtig fast nur aus Bischarinen und einer Menge Abessinier gebildet. Welche Zukunft wird Port Sudan haben? Da an Bodenkultur nicht zu denken ist — denn der ganze Boden ist felsig, salzhaltig und ohne Wasser — so wird die Zukunft der Stadt gänzlich vom Handel abhängen. Der Hafen wird die Stadt erhalten und in demselben Maßstabe, in dem die Sudanvölker neue Bedürfnisse kennen lernen und sich entwickeln werden, wird die Lebenskraft Port Sudans wachsen. Die großen Schiffslinien werden dazu beitragen, indem sie die Artikel, die die neue Eisenbahn') aus dem Innern bringt — Port Sudan heißt ja nichts anders als Hafen des Sudan — ausführen und die notwendigen Einfuhrmittel hier ausgeladen werden. Port Sudan wird einstweilen eine Stadt von Handelsagenten und wenigen andern sein, die durch, die Arbeit der ersteren leben werden. Das Klima daselbst ist gesund und die Temperatur ist für gewöhnlich nicht sehr hoch p beobachtet wurde, daß es bei Neumond Tage von drückender Feuchtigkeit und während eiltet großen Teiles des Tages heißen Wind gibt, während die Nächte von köstlicher Frische sind. Die höchste Temperatur, die im Juni 1906 beobachtet wurde, war 38° R.; nachts sind im Durchschnitt 22°. Man sagt jedoch, daß die Temperatur auch auf 45° steigen kann. Die gegenwärtige Bevölkerung kann man auf rund 4000 Einwohner abschätzen. Davon sind an 800 Griechen, gegen 300 Italiener, etwa 70 Engländer, etwa 50 Europäer anderer Nationen, gegen 1000 Aegypter, bei 500 Abessinier und 7' )U Eingeborne. Das Meer, das sich vor Port Sudan öffnet, ist reich an schmackhaften Fischen; besonders reichlich sind auch Krustentiere und Muscheln vertreten. Das Meer ist jedoch auch von Haifischen bevölkert, die nicht erlauben, ein Bad außerhalb einer Umzäunung zu nehmen. So wäre in Kürze gesagt, was Port Sudan gegenwärtig ist, und auch, was es für die Zukunft zu werden bestimmt ist, wenn die Vorhersagungen der Optimisten nicht fehl gehen. Wie dem auch immer sei, unsere Missionäre haben ihren Posten schon eingenommen und werden ihre Pflicht tun. Seit 1. April 1906 konnte die provisorische Kapelle ihrem Zwecke übergeben werden. Dieselbe ist aus Holz gebaut, 8 Meter lang, 5 Meter breit und 7 Meter hoch und wird bald zu klein sein. Die Knabenschule, die wir voriges Jahr eröffnet haben und die bisher die einzige dahier ist, zählt bereits 26 Knaben, von denen mehr als die Hälfte Griechen und die übrigen fast alle Italiener ’) Seit 27. Januar 1906 ist diese Strecke Port Sudan—Berber, welche das Rote Meer mit der Hauptstadt des Sudan, Khartuni, verbindet, dem Verkehr übergeben. Vgl. „Stern der Neger", Jahrgang 1906, Nr. 3, Seite 62 u. ff. sind. — Auch muß hier mit Dankbarkeit des englischen Gouverneurs von Port Sudan erwähnt werden, der hier ebenso geachtet und geliebt ist, wie er es. früher im Bahr-el-Ghazal war, und den Missionären jedwede Hilfe gewährt. Die Missionäre besuchen auch von Zeit zu Zeit die Katholiken des nahen Suakin und versammeln sie dort in der Heiligen Kreuz- Kirche, die von früher her noch besteht. Suakin nimmt jedoch in betn Maße ab, wie Port Sudan wächst. In dieser neuen Stadt nun werden unsere Missionäre nicht verfehlen, den Werken der Mission den größtmöglichen Aufschwung zu geben im Verhältnisse, in dem sich die Stadt entwickeln wird; der liebe Gott wird sicherlich das ©einige tun. {Tagebuch des boclm P. Stepban Claudius LD. IDochenbubet F. S. C. „nt Feste Mariä Heimsuchung ist bereits ein Jahr verflossen, daß unsere Mission an Hochw. P. Vockenhuber eine tüchtige Arbeitskraft verloren hat. Davon gibt Zeugnis das interessante Tagebuch, das der Pater von seiner Priesterweihe an bis zum 23. Juni 1906, d. i. 10 Tage vor seinem Tode, führte. Wir glaubten deshalb, es den verehrten Lesern des „Stern der Neger" nicht vorenthalten zu dürfen, um so mehr, als es einen tiefen Einblick in das Leben des Missionärs gibt. Beredter als jedes Lob spricht aus diesen Blättern der Mut, mit dem er jedes Werk, wenn auch schwierig, begonnen, und der Eifer, den er anwandte, trat das Angefangene trotz aller Hindernisse zum Ziele zu führen. Wir geben seine Aufzeichitungen unver-ändert wieder mit Hinweglassnng jener Stellen, die wir bereits in früheren Jahrgängen') in einigen ausführlichen Berichten veröffentlicht haben. Nur übersichtshalber sollen eine Einteilung und wenige erläuternde Bemerkungen hinzugefügt werden. ’) Der 8. und 9. Jahrgang, die mehrere Berichte vom hochw. P. Vockenhuber bringen, können nachbestellt werden und kosten zusammen Kr. 3; jeder Jahrgang einzeln gebunden ». 2. Bestelladresse: Missionshaus Milland bei Brixen, Tirol. 1. (Priesterweihe und Ortmizfeier. 2. August 1903: Sonntag. Endlich bin ich am Ziele meiner Wünsche! Heute wurde mir die große Gnade zuteil, durch die Hand des hochwst. Herrn Msgr. Lorenz Petris De Dollamare, Titularbischofs von Hesbon, mit anderen fünf Mitbrüdern in unserer Hauskapelle (in Verona) die heilige Priesterweihe zu empfangeit........Es mar ein Tag unaus- sprechlicher Freude. 6. August: Donnerstag. Mit dem Zuge um halb 6 Uhr abends fahren P. Türk und ich von Verona weg. Auf den Bahnhof begleiten uns einige Patres; dort nehmen wir Abschied : von P. Mantica vielleicht für immer, da er für England zur Gründung eines Missionshauses (in Sidcup bei London) bestimmt ist. Noch eine herzliche brüderliche Umarmung und wir bleiben allein. Endlich — nach 1 Stunde Verspätung —-rollt der so sehnsüchtig erwartete Zug heran. Wir steigen ein und schon geht es dahin. Nach und nach fängt es an, dunkel zu werden. In Ala angekontmen haben wir lange Aufenthalt (Gepäcksrevision). Die Türen, die auf den Perron führen, sind gesperrt. Ein preußischer Tourist, des Wartens müde, fängt zu schimpfen an, doch es hilft nichts, er muß sich ins Unvermeidliche fügen. der Neger. Heft 7. tTotalanstcbt von Bsslut. Schließlich können wir doch einsteigen. Um Mitternacht sind wir in Trient. Beim Mondenschein kommen wir an Brixen vorüber und erblicken das weiße Missionshaus. Ein Gruß an unsere dortigen Mitbrüder, die jetzt vielleicht vom fernen Zentralafrika träumen. Endlich graut der Tag. Herrlich ist die Fahrt über den Brenner, aber ziemlich kalt, mich friert. 7. August: Freitag. Um 7 Uhr früh find wir in Innsbruck. Wir begeben uns zu den hochw. PP. Jesuiten, wo wir sehr freundliche Aufnahme finden. Hier diene ich einer heiligen Messe und empfange die heilige Kommunion. P. Türk, der in Innsbruck zurückbleibt, begleitet mich aus den Bahnhof, dort scheiden wir. Ich steige ein. Ich nehme die Strecke über Wörgl und Bischofshofen nach Salzburg, wo ich gegen halb 7 Uhr abends ankomme. Begebe niich auf die Kanzlei der St. Petrus-Claver-Sodalität und von dort fahre ich mit dem Wagen nach „Maria Sorg". Finde daselbst gastliche Aufnahme. Nach Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete lege ich mich getrost zur Ruhe. 8. August: Samstag. Um 5 Uhr bin ich wieder auf den Beinen. Mache meine Betrachtung und bete das Brevier. Um 7 Uhr gehe ich in die Kapelle zur Messe und diene bei derselben dem zelebrierenden Missionär aus Steh! und empfange die heilige Kommunion. Nach derselben gehe ich mit dem Missionär zu dem 7? Stunde entfernten Wallfahrtsort „Maria Plain" hinauf. Von dort genießt man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung. In das Marthahans zurückgekehrt, begebe ich mich zur Frau Gräfin Ledochowska. Sie ist sichtlich erfreut, mich nun als Priester im lieben „Maria Sorg" begrüßen zu können. Ich teile ihr mit, daß ich für Afrika bestimmt bin und im Oktober dorthin abreisen werde. Ich erteile ihr, auf ihr Ansuchen, den Primizsegen. Eine ehrwürdige Sodalin läßt mich sodann die Sehenswürdigkeiten von „Maria Sorg" in Augenschein nehmen. Es ist zum Staunen, welch großen Aufschwung die So-dalität genommen hat. Um 1 Uhr nachmittags bringt mich der Wagen zum Bahnhof. Bald verläßt der Zug Salzburg. In Attnang finde ich meinen Bruder. Nach neunjähriger Trennung umarmen wir uns wieder. Wir steigen wieder ein utld sind um halb 6 Uhr abends in Ebensee. 9. August: Sonntag. Gehe zu Fuß mit Vater und Bruder Franz nach Trann-kirchen, dem hochw. Herrn Pfarrer dortselbst einen Besuch abzustatten. Abends kehren wir mit dem Zug wieder nach Ebensee zurück. In den folgenden Tagen Einladungsbesuche bei Verwandten, Bekannten und Herrschaften inTrounkirchen; unter anderem besuche ich auch Baron Rudolf von Slatin Pascha in der Hofzug-Villa. 14. August: Freitag. Muß nach dem Festprogramm den nachmittägigen Gottesdienst in Traunkirchen halten und hierauf am Speisegitter dem Volk den Primizsegen erteilen. Groß ist der Andrang. Unter den Anwesenden bemerke ich auch mehrere höhere Herrschaften (die auf der Sommerfrische dort sich aufhalten). 15. August: Samstag. Das Fest Mariä Himmelfahrt ist angebrochen und mit ihm zugleich einer der schönsten Tage meines Lebens. Was ich an diesem Tag gefühlt, läßt sich leichter denken, als mit Worten wiedergeben. Was die äußere Feier betrifft, so merke ich hier auf, was die „Salzkammergut-Zeitung" darüber schrieb. (Nur einige Sätze davon sollen hier folgen:) „. . . . Am Vorabend brachte die Musikgesellschaft im Klosterhof dem Primizianten ein Ständchen dar, während Freudenschüsse der Umgebung den kommenden großen Festtag ankündeten. Der Fronleichnamstag in Traunkirchen zieht Hunderte von neugierigen und andächtigen Zuschauern heran, doch der Primiztag zog Scharen von Gläubigen aus der Umgebung heran .... Der imposante Festzug bewegte sich vom Pfarrhofsaal hinab bis zum Ortsplatz und zurück zur festlich geschmückten Kirche. Die Häuser waren reich beflaggt. An dem Festzug beteiligten sich die Schulkinder mit Fahne .... die Musik, die Veteranen, Feuerwehr .... der Katholische Arbeiterverein von Ebensee .... eine große Schar weißgekleideter Mädchen, die Gemeindevertretung, die Geistlichkeit, Verwandte und bei 400 Festgäste .... Die Primizpredigt hatte in Güte der hochwürdige Herr Kanonikus und Dechant Ignaz Treml von Mollu übernommen...............In formvollendeter und zu Herzen gehender Weise zeichnete der Primizprediger die Einsetzung und das Wesen des Ordensstandes (ba seines Erinnerns noch nie ein Ordenspriester hier seine Primiz feierte), ferner den Zweck und die Verdienste desselben um die Menschheit und widerlegte so manche geläufige Phrasen der ungläubigen Welt .... Gegen 12 Uhr war der Auszug aus der Kirche in den Pfarrhofsaal, wo dem Primizianten die besten Glückwünsche zum heutigen Tage und zu seinem zukünftigen schweren Beruf dargebracht wurden .... .... Ein gemütliches einfaches Mahl vereinigte die Primizgäste im Hotel „Post", wobei in üblicher Weise Toaste ausgebracht wurden...........In herrlicher Weise verlief dieses Fest." 23. August: Sonntag. Herz Mariü-Fest. Ich traue in Ebensee am Hochaltar mit freiwilliger Erlaubnis des hochw. Herrn Pfarrers meinen älteren Bruder. Möge Gott diesen Ehebund segnen! 30. August: Sonntag. Im Lokal des Katholischen Arbeitervereins Ebensee-Roith hielt ich einen längeren Vortrag über unsere Mission. 31. August: Montag. Ich besuche auf erhaltene Einladung den hochwst. Herrn Bischof von Linz Franz Maria Doppelbauer in der Anstalt „Charitas" bei Ischl. Der hochwürdigste Herr interessierte sich sehr um unser Werk; er selbst war schon in Kairo. Er ladet mich zu Tisch ein; auch der Herr Prälat von Ischl kommt. Nach dem Mittagsmahl entläßt er mich wohlwollend, nachdem er mir den heiligen Segen und die Erlaubnis erteilt, in Traunkirchen, Ebensee und umliegenden Pfarreien predigen zu dürfen. 8. September: Dienstag. Fest Mariä Geburt. Meine erste öffentliche und in deutscher Sprache gehaltene Predigt in Traunkirchen. Nach der Predigt halte ich das Hochamt. 13. September: Sonntag. Fest Mariä Namen. Predige in Ebensee und lege den Namen Maria aus. Füge auch gelegentlich einige Abschiedsworte bei. 14. September: Montag. Fahre auf Besuch zum Vetter in Gmunden. Abends im Hanse gemütliche Unterhaltung. 15. September: Dienstag. Früh morgens gehe ich in das nahegelegene Pinsdorf, um dort die heilige Messe zu lesen. Der hochw. Herr Pfarrer (eilt langjähriger Abonnent und Förderer des „Stern der Neger") empfängt mich aufs freundlichste. 19. September: Samstag. Abschied von Eltern und Brüdern. Auf den Bahnhof begleiten mich der Vater und die zwei Brüder. Um 11 Uhr fahr' ich fort. Auf Wiedersehen! (Hoffentlich im Himmel!) Bruder Franz fährt mit mir bis Ischl, wo wir uns verabschieden. Fahre weiter über Anssee nach Johnsbachtal, wo ich übernachte. 20. September: Sonntag. Fahre bis Admont und lese in der Benediktinerstiftskirche die heilige Messe. Abends 7^9 Uhr komme ich nach Bischofshofen. Da höre ich, daß der Zug nur bis Lend-Gastein geht, weil bei Rauris-Kitzloch durch das Hochwasser der Bahndamm ans eine Strecke eingestürzt ist. So muß ich hier übernachten. Der Kassier führt mich zum hochwürdigen Herrn Pfarrer, der mich freundlichst aufnimmt. 21. September: Montag. Nach der heiligen Messe treffe ich im Psarrhof einen Kapuzinerpater, mit dem ich bis Innsbruck fahre. Von dort aus nehme ich den Schnellzug bis Ala und von da bis Verona, wo ich 11 Uhr nachts ankomme. 2. Ank IReisen. 16. Oktober: Freitag. Abends fahre ich von Verona über Udine nach Triest. 17. Oktober: Samstag. InGörzsteigen der hochw. P. Generalobere und P. Firisin ein. Vor der Station Monfalcone sehe ich zum erstenmal das Meer. Um halb 9 Uhr vormittags kommen wir in Triest an. In der Maria Hilf-Kirche lesen wir die heilige Messe, ich am Herz Jesu-Altar. Gastfreundschaft genießen wir bei Hochw. Herrn Dr. Mioni; auch der hochwst. Bischof Dr. Nagel empfängt uns anfs freundlichste. Gegen Abend begeben wir uns zum Hafen und steigen an Bord des Schisses „Amphitrite". (Die folgende Seefahrt ist ausführlich geschildert im „Stern der Neger", VI. Jahrgang, Seite 362 u. ff.) 23. Oktober: Freitag. Um 2 Uhr nachmittags laufen wir endlich im Hafen von Alexandrien ein. Wir begeben uns auf das Zollamt: unterdessen versäumen wir den Zug und sind so gezwungen, hier zu bleiben. Bei den PP. Franziskanern finden wir freundliche Aufnahme. 24. Oktober: Samstag. Um 9 Uhr früh geht's mit dem Schnellzug nach Kairo, Der heilige Kaum zum ©pfer her Dörner unD ©ierscbähel. wo wir mit halb 11 Uhr ankommen. Der elektrische Tram führt »ns zu unserm Missionshaus. Nachmittags gehen wir in die Negerkolonie Gesira. So gelangte ich denn an meinen jetzigen Bestimmniigsort. Gott sei Dank für die glückliche Reise! 26. Oktober: Montag. Interessanter Spaziergang mit P. Huber zur Zitadelle, der Moschee des Mohammed Ali (Siehe Bild Seite 165), und dem „Josefsbrnnuen", zum Schlüsse zu den Mamelukengräbern. 12. November: Donnerstag. Mit Hochw. P. Weiller besuche ich den österreichischen Gesandten Baron v. Braun, der uns sehr freundlich empfängt. Wir statten auch dem erst vor kurzem hier eingetroffenen österreichischen Konsul einen Besuch ab. Er erkundigt sich freundlichst mit den Stand der Mission und verspricht einen Besuch ans der Negerkolonie Gesira. 15. November: Sonntag. Nachmittags trifft wirklich der Herr Konsul mit Frau eilt; er besichtigt unser Haus und das Schwesternhaus. 8. Dezember: Dienstag. Fest der Unbefleckten Empfängnis. Erhalte die Nachricht von dem am 30. November erfolgten Hinscheiden meines geliebten Vaters. „Wie es dem Herrn gefallen hat, also ist es geschehen; der Name des Herrn sei gebenedeiet." R. I. P. An diesem Tage abends hatte ich den Trost, zum erstenmal das Sakrament der Taufe zu spenden, nämlich einem abessinischen Kinde. 17. Dezember: Donnerstag. Ausflug zu den Königsgräbern von Sakkarah. Pater Heymans, Oberer von Kairo, ist auch mit uns. In der Station Bedreschcm nehmen wir Esel und reiten in die Wüste. Besuchen das Sera-paeum sowie die anderen unterirdischen interessanten Gräber. Auf dem Heimwege übersetzen wir den Nil und begeben uns nach Heluan, um wir P. Titz und Dr. Nienhaus treffen. 21. Dezember: Montag. Gegen Abend trifft Msgr. Franz Laver Geyer (zum erstenmal als Bischof) in Begleilnng des hoch-würdigen P. Heymans in Gesira ein. Der Oberedes Hauses,?.Weiller, hielt die Empfangs-rede. Von den Negern tvird er in verschiedenen Sprachen begrüßt. Mit dem hochwst. Herrn Bischof war auch P. Bernard Zorn aus Europa gekommen. 22. Dezember: Dienstag. Nach der heiligen Messe spendete der hochwst. Herr | Bischof zweien unserer schwarzen Zöglinge, einem schwarzen Jüngling der Kolonie und mehreren Negermädchen die heilige Firmung. Ich vertrete bei einem der obenerwähnten Negerknaben die Patcnstclle. 23. Dezember: Mittwoch. Begebe mich mit den Negerknaben nach Kairo. — Abends begleiten wir den hochwst. Herrn Bischof auf den Bahnhof. Znm Abschied haben sich auch zwei Maronitenpatres, ferner der hochw. Pater-Rektor des Jesuitenkollegiums in Begleitung des berühmten P. Jullien eingefunden. Um 8 Uhr entführt uns der Zug unseren Apostolischen Vikar mit seinem Reisegefährten Pater Maggio. Besuche mit den Knaben das städtische Museum. Ist sehr interessant-, schade, daß uns nicht mehr Zeit zur Verfügnng steht, tun alles näher und eingehender ansehen zu können. 6. Jänner 1904: Mittwoch. Fest der Heiligen drei Könige. Nachmittags kommt der hochw. P. Generalobcre nach Gesira. Von den Knaben wird zum Empfang desselben ein Akt von der Geburt Christi sehr gelungen ausgeführt. Zuletzt gelangt die „Stimmen-Musik-bande" zur allgemeinen Erheiterung zur Ausführung. An diesem Tage, an dem die Heiden zur Erkenntnis und Bekanntmachung des Erlösers berufen wurden, bestimmte der hochw. Pater-General jene, welche sich in den Sudan zu begeben hätten. Unter diesen war auch wider Erwnrtcn ich selbst. Obwohl gerade noch nicht nach Willen, so nehme ich doch diese Anordnung gerne aus Gottes Hand an und werfe mich ganz ohne Vorbehalt in die Arme der liebevollen göttlichen Vorsehung, auf die ich m eilt ganzes Vertrauen setze. 8. Jänner: Freitag. Fest des heiligen Severin. An dem Tage also, an dem wir das Andenken jenes großen apostolischen Mannes feiern, der Heimat und alles verlassen, mit sich ganz der Bekehrung der schönen Donauländer hinzugeben, verließen wir auch unsere zweite Heimat, um uns auf das große Bekehrungsfeld Zentralafrika zu begeben. Die Patres von Kairo und einige von Gesira geben uns ans den Bahnhof das Geleite; der hochw. Generalobere führt mit uns bis nach Khartum. Um 8 Uhr abends geht endlich der Zug ab; noch einige Grüße, einige Abschiedsworte und der Zug rollt in die finstere Nacht hinaus. 9. Jänner: Samstag. Es war noch Nacht, als wir Assiut passierten. (Siehe Bild Seite 148.) Am Morgen hatten wir zn beiden Seiten des Nil schöne Landschaften. Die Bauern arbeiten rüstig auf dem Felde und auf den Weideplätzen tun sich junge Kamele und ganz in der Nähe des Bahndammes Herden von Eseln gütlich. Einein derselben fällt es auf einmal ein, mit beut Zug einen vergeblichen Wettlanf aufzunehmen. Wir fahren an Keneh vorüber, berühmt durch seine Gullenerzengung. Fertige Güllen (irdene Gefäße) sind zum Trocknen auf den Dächern der Häuser aufgestapelt, was letzteren ein sonderbares Aussehen verleiht. Um 10 Uhr vormittags kommen wir in Luxor an. Aus dem Palmengrün schauen schweigsam die Tempelrninen hervor. Hier müssen wir den Zug wechseln; die Waggons sind klein und finster. Der Zug setzt sich in Bewegung ; der feine Staub dringt überall herein. Auf den Feldern erheben sich ganze Scharen von Wachteln und Wildtauben. Die Hitze beginnt sich sehr fühlbar zu machen. Für einige Zeit sehen wir noch grüne Felder und Palmenhaine in der Nähe des Nil, dann aber verschwindet dieses bezaubernde und dem Auge wohltuende Bild und der Zug saust durch die Wüste. Fahlgelbe Sanddünen und von der Sonne verbrannte Felsblöcke türmen sich zu beiden Seiten auf. Der Durst wird immer empfindlicher. Hie und da kommt auch Vater-Nil mit seinen grünenden Ufern znm Vorschein und bringt etwas Abwechslung in das öde Landschaftsbild. An den Bahnhöfen und Haltestellen finden sich Verkäufer mit Araberbrot, Obst usw. ein. Um 5 Uhr abends fahren wir in Assuan ein, wo uns schon P. Münch und Bruder-Remigius erwarten. Sie führen uns in unsere hiesige Missionsftation. Wir besuchen zu allererst die schöne Kirche der Unbefleckten Ein-pfängnis, das Werk des verewigten Monsignore Anton Maria Roveggio. Hierauf begeben toil' uns in das Hans der Missionäre. Wir dachten, morgen abends die Reise fortsetzen zn können, nun aber erfuhren wir, daß der Dampfer vor Montag nicht abgeht, und so haben wir. Zeit und Muße, uns die Stadt wie Umgebung anzusehen. 10. Jänner: Sonntag. Vormittags begeben wir uns unter Führung des hochwürdigen P. Münch zu den Bischarinen; nachmittags besuchen wir den Suk (Markt) und sehen uns den katholischen, von unseren Missionären nen-angelegten Friedhof an. 11. Jänner: Montag. Um 2 Uhr nachmittags Abreise von Assuan. Wir fahren mit dem Zuge bis Schellal, das wir in einer-halben Stpnde erreichen. Unser Zug fährt jedoch bis znm Landungsplatz. Hier harrt bereits eine große Menschenmenge auf den Postdampfer. Es sind meist Araber, Griechen und Soldaten. Einige Krämer-bieten allerhand Sachen znm Verkaufe an. Es dauert nicht lange und der erwartete Dampfer plätschert schon daher. Wir gehen an Bord. Der Dampfer ist von mittelmäßiger Größe und führt zu beiden Seiten ein Schleppschiff mit sich, welches die III. Klasse bildet. Da der Dampfer erst um 8 Uhr abends ab geht, so benützen wir die übrige Zeit zil einem Ausfluge auf die gegenüberliegende berühmte Insel Phyle. Wir mieten einen Kahn und drei kräftige Berberinerjungen rudern uns hinüber. Unterdessen ist auch der Expreßdampfer, auf dem der hochw. Generalobcre sich einschifft, angekommen und auf der Rückkehr finden wir ihn in der Nähe des Postdampfers vor Anker liegen. Nachdem wir auch dieses Schiff besichtigt,. begeben wir uns auf die Haltestelle, um die von Assuan kommenden Patres abzuholen. Doch der Zug kommt erst spät und so gehen wir etwas in die Wüste hinaus. Vor uns sind schroffe Felsen, in deren Nähe sich einige elende Wohnungen befinden. Links dehnt sich die Wüste aus, durch welche sich das Bahngeleise windet. Rechts bietet sich dem Auge des Beschauers ein wunderbares Landschaftsbild dar. Ruhig und majestätisch wälzt sich der Nilstrom daher und zwängt sich schäumend und sausend durch unzählige große und kleine Inseln; es ist der erste Nilkatarakt. Indessen wird es Abend und die Sonne ist schon dem Untergange nahe. Ein Berberiner-junge war uns immer auf dem Fuße gefolgt. An seiner ganzen Sprache, Haltung und seinen Gebärden zeigte sich nichts, das auch nur den geringsten Verdacht hätte wachrufen können. Der hochw. Generalobere traute ihm deshalb und gab ihm einige Piaster, um Eier zu kaufen. Doch der Einkäufer kehrte weder mit Eiern noch mit dem Gelde zurück. So ist die Ehrlichkeit und Redlichkeit dieser Leutchen beschaffen! Es war bereits finster geworden und tausend goldene Sternlein glitzerten und glänzten am Firmamente. Sie schienen weit hellleuchtender und größer wie in unserer Heimat zu sein und so nahe, daß man meinte, sie fast mit den Händen erreichen zu können. Wir kehren zum Landungsplätze zurück. Endlich kommt der Zug mit den Patres von Assuan. Nun gibt der Expreßdampfer das Zeichen zur Abfahrt und bald greifen die Räder ein und das Schiff nimmt das Weite. Geraume Zeit darauf stoßen auch wir vom Ufer ab. Wir gehen auf den Oberteil des Schiffes, um die frische Luft zu genießen. 12. Jänner: Dienstag. Die Landschaft ist öde und traurig. Die Ufer des Nil sind niedrig. Der Wüstensand tritt hart an sie heran und erstickt fast alles Leben. Nur hie und da begegnet man spärlichem Graswuchs. In der Ferne zeigen sich aus dem Wüstensande hervorragend dunkle Granithügel. Gegen Mittag wird die Hitze sehr empfindlich. Um 4 Uhr nachmittags wird auf einem Hügel rechts von uns ein weißes Fähnchen sichtbar. Es soll die Stelle einer aufgefundenen Goldmine bezeichnen. Ein französischer Herr steigt hier aus, um sich dorthin zu begeben. 13. Jänner: Mittwoch. Gegen Mittag gelangen wir an eine seichte, gefährliche Stelle. Der Lotse mißt die Tiefe des Wassers, während der Dampfer langsam und mit großer Vorsicht seinen Weg verfolgt. Abends vor Sonnenuntergang bete ich wie gewöhnlich das Brevier auf dem Oberteile des Schiffes, als auch in der Nähe einige Moslems zu beten anfangen. Alles bereitet sich schon ans die Ankunft in W a d i h a l f a vor, doch kommen wir erst dort um Mitternacht an. Hier erwartet uns ein guter Bekannter unserer Missionäre, der Telegraphist Herr Spiriteri. Er hat sich bereits um eilt Quartier für uns umgesehen, nämlich in der Herberge des Griechen Nikolaus Dertilis, der seine Herberge „Hotel Viktoria" nennt. Der Preis für die Nacht war für jede Person fünf Piaster (eine Krone). Hier mußten wir drei Tage geduldig in Erwartung eines anderen Zuges nach Khartum ausharren, da derDampfer zum heutigen Zuge zu spät eingetroffen war. 14. Jänner: Donnerstag. Wir machen einen Spaziergang in die umliegende Wüste. Da wir uns das Essen selbst zubereiten müssen, macht P. Bertola den Koch und P. Firisin den Gehilfen. 15. Jänner: Freitag. Man hatte uns gesagt, daß sich hierorts ein Täufling lateinischen Ritus vorfinde. P. Vignato und ich suchen das Haus ans. Es ist eine italienische Arbeiterfamilie. Doch da noch keine Vorbereitungen getroffen waren und die Familie die Taufe feierlich begehen wollte, mußten wir unverrichteter Dinge zurückkehren. Wie wir nun dem Ufer des Nil entlang heimgingen, sahen wir an einer Stelle eine große Menschenmenge auf der Straße oben versammelt und vor uns bei einem Kahne zwei Herren stehen. Ein großes Unglück war vorgefallen. Zwei Engländer, die in jenem Kahne bei heftigem Winde ans dem Nil segelten, kippten mit und einer verschwand in den Wellen, während der andere sich retten konnte. Ika^ango tm Charts (Regenzeit). Don Wender IRavI IRIoöt F. S. C. ie bekannt, liegt das Apostolische Vikariat von Zentralafrika im Gebiete der periodischen Regen. Es gibt eigentlich nur zwei Jahreszeiten: die trockene und die Regenzeit, Charif genannt. Die für den Europäer schöne und gesunde Jahreszeit am Bahr-el-Ghazal beginnt int Monat Dezember und geht im Monat Juni zn Ende. Wie einladend die trockene Zeit für den Europäer zum Reisen und seiner Gesund- heit zuträglich sein mag, so ist die Regenzeit für denselben eine Zeit der Leiden und der größten Unbequemlichkeit. Im Juli machen sich die ersten Gewitter bemerkbar. Der sonst stets wolkenlose und tiefblaue Himmel überzieht sieh immer mehr erst mit weißen, dann mit grauen Wolken. Dann und wann regnet es ein wenig, jedoch die eigentliche Regenperiode hat noch nicht begonnen, der weiße Rabe, der die ganze trockene Zeit hier verweilt, hat seinen Rückzug noch nicht angetreten. Es dauert aber nicht lange, bis der weiße Rabe verschwindet, und dann sagen die Eingebornen, das sei ein sicheres Zeichen, daß der Charis (Regenzeit) da sei. Die Neger fangen nun an, das zu bebauende Land zu reinigen. Die Negerinnen legen zu dieser Arbeit ihren schönsten Schmuck an, als wenn sie zum Rongo (Tanz) gingen, nämlich viele Perlen um den Hals und in die Haare. Es ist für sie die glücklichste Zeit, denn die gute Mutter Natur beginnt nun, sie mit neuen Nahrungsmitteln zu versorgen. Kommt der Regen zu spät oder bleibt er fast ganz aus, wie es hier vor drei Jahren der Fall war, so sehen die Neger einer traurigen Zeit entgegen. Dann gibt es nicht nur keine Merissa (Bier), sie müssen dann wilde Wurzeln und allerhand Gräser essen, um nur nicht des Hungertodes zu sterben. So kann man es ihnen nicht verargen, wenn sie es umgekehrt machen wie die Weißen; sobald der Regen etwas häustger fällt, nehmen die Männer den sogenannten Melutt zur Hand. Dieser Melutt besteht aus einer runden, zirka 10—12 cm im Durchmesser und 7? cm dicken Eisenplatte; zur Handhabung ist an derselben eine lange Stange angebracht wie bei unseren Spaten, nur bedeutend länger. Mit diesem Instrument macht der Neger dann ein 2 cm tiefes Loch und ungefähr 20 cm davon entfernt ein anderes und so fort. Die Frauen gehen hinterdrein und werfen zwei bis drei Körner Durrah (einheimisches Korn) hinein; mit dem Fuße werfen sie dann das Loch zu, um das Korn so unter Erde zu bringen. Ist das Korn eine Spanne hoch gewachsen, so beginnt die Reinigung des Feldes von neuem; der lange Stiel wird vom Melutt (Spaten) entfernt und statt dessen ein kurzer, gekrümmter angebracht. Mit diesem Spaten nun wird das Erdreich gelockert; alles Unkraut und dergleichen wird ans einen Hansen getragen, um es später in der trockenen Zeit zu verbrennen. Wer es sieh bequem machen will, der braucht nur noch einige Körbe Korn zu besitzen, um daraus Merissa zu bereiten, dann kommen bald 20 bis 30 Personen zusammen, um sich freiwillig zur Arbeit zu stellen. Die Neger am Bahr-el-Ghazal bereiten eine sehr gute Merissa, viel besser und sauberer wie die Ägypter und die dort ansässigen Neger anderer Gegenden. Sie bereiten dieselbe and; auf eine etwas verschiedene Art, als ich es in Aegypten sah. Die Zubereitung geschieht folgenderweise: Das Korn wird zunächst aufgeweicht, dann an einen trockenen, schattigen Ort gebracht. Kaum hat dasselbe zu keimen begonnen, so wird es an der Sonne ausgebreitet, damit es wieder hart wird. Danach wird es in einem hölzernen Mörser (ausgehöhlten Baumstamm) mit einer Keule zerstoßen und hierauf zwischen zwei Steinen noch feiner zerrieben. In diesem Zustande läßt es sich dann auch für einige Wochen aufbewahren. Soll nun die Merissa bereitet werden, so wird Wasser gekocht und das Mehl hineingeschüttet, bis dasselbe zu einem Brei gekocht ist. Dann wird ein eigens dazu bereiteter Sack zur Hand genommen; derselbe ist ungefähr 40 cm tief und 15 cm breit. Dieser Sack wird von einer Person gehalten, während eine andere den Brei bis zur Hälfte des Sackes hineinschüttet; dann wird noch Wasser hinzugefügt und vermengt und mit beiden Händen der Saft durch den Sack gepreßt. Man läßt es noch ein bis zwei Tage stehen; während es noch gärt, wird es getrunken. (Siehe Bild Seite 149.) Sind nun die Nachbarn zum Reinigen des Bodens eingeladen, so beginnen sie mit Tagesanbruch, um mittags fertig zu sein; ist zur Mittagszeit noch nicht alles fertig, so dauert es des Nachmittags nicht mehr lange. Ist nun die Arbeit vollendet, so setzen sich die Arbeiter auf den Boden nieder, der Arbeitgeber aber läßt den edlen Saft holen. Einer nimmt ein Gefäß, das ist eine halbe getrocknete Kürbisschale, taucht dieselbe in die Borma (aus Erde gebrannte Töpfe) und reicht sie seinem Nachbar, der dieselbe bis auf den Grund teert. Diesem folgt ein anderer und so fort. Keine Furcht, daß der Austeiler zu kurz kommt! Wenn er das Lied kannte, würde er auch singen: „An der Quelle saß der Knabe." So ist der erste Durst gestillt. Doch der Neger hat immer Durst, solange noch Merissa vorhanden ist. Nach und nach beginnt es lustig zu werden; man fängt an zu fingen, je zwei und zwei schlagen mit der kleinen Schaufel zusammen, andere klatschen mit den Händen, um den Takt zu halten; dabei macht natürlich die gefüllte Kürbisschale immer von neuem die Runde. Ist nun alles vertilgt, so verschwindet der eine nach beut andern, um sich morgen wieder bei einem andern einzustellen. Auch wir wollten unsere Felder auf diese Art schnell reinigen lassen. Wir ließen von den Nachbarn die Merissa bereiten. Da man aber die Gebräuche der Goto nicht genug beobachtet hatte, so fing man noch während der Arbeit an, die Merifsa zu verteilen, in der Hoffnung, es werde flinker gehen, dein Sprichworte gemäß: „Wer gut schmiert, der gut fährt"; aber es kam anders. Die Neger ließen es sieh gut schmecken, es wurde viel geplaudert, aber wenig geschafft. Mittags war die Merissa zwar zu Ende, aber noch lange nicht die Arbeit. Die Schlauköpfe hatten dies wohl gemerkt und am Nachmittag kam keine Seele mehr. Wir waren um eine Erfahrung reicher geworden. Das nächste Mal erst arbeiten und dann trinken! Sind die Felder gut gereinigt, so macht das noch nachwachsende Unkraut dem Korn keinen Schaden mehr. Unterdes regnet es immer häufiger; einen Tag zuvor spürt man eine erdrückende Schwüle. Auch geht dem Regen in der Regel ein heftiger Sturm voraus, der nicht selten Hütten über den § auf eit wirft, wie es in Wau vorkam, wo ein Sturm die ganze Tischlerwerkstätte niederriß und in einer anderen Station ein neues Eisenbleehdach abwehte. Einmal wurde ein Schuppen mit Holzdach in der Länge von 15 m vorn Wind aufgehoben und über 10 m weit weggeschlendert. Dann ein gewaltiger Regen, er schien einem Wolkenbruch ähnlich! Man sollte meinen, das Weltende wäre da. Ein Loch von 70 Kubikmeter sah ich von dem heranfließenden Gewässer in 35 Minuten überfüllt werden. Wehe dem, der da auf der Reise ist! Fällt der erste Tropfen, so kehrt einer, der auch nur fünf Minuten vom Hause entfernt ist, pudelnaß zurück, so Plötzlich kommt der Guß. Um das Haus herum scheint ein See zu sein. Die Luft wird nun auch immer feuchter und die Feuchtigkeit bringt in den best-verschlossenen Kasten. Zucker, Salz, Seife u. dgl. sind ganz durchwässert. Hat man nicht auf seine Kleiderkiste acht, um dieselbe recht oft an die Sonne zu bringen, zu trocknen und zu lüften, so ist alles in kurzer Zeit schimmlig und muffig. Die Natur bildet wie im Flug ein ganz neues Panorama. Die Ebene, noch vor kurzem kahl und von der Sonne ausgedörrt, steht im vollen Festschmucke da. Die Gräser erreichen in kurzer Zeit eine Höhe von 3 bis 4 m. Wohl eine enorme Höhe! Die Bäume des Urwaldes sind mit neuen Blättern geschmückt und wie zur Zierde schlängeln sich die verschiedenartigen Schlingpflanzen an denselben empor. Auch die Tierwelt scheint hocherfreut ob dieser Veränderung in der Natur. Man sieht ganze Rudel von Gazellen und Antilopen hüpfend und springend sich nach langer Dürre an frischen Gräsern laben. Die Vögel, in einer unzählbaren Menge mit den verschiedensten, prachtvollsten Gefiedern (etliche ändern in dieser Zeit auch ihre Federn, z. B. ein Vogel, grau wie die Lerche, bekommt blutrote Federn), hüpfen von Ast zn Ast und fingen dem Schöpfer ihr frohes Lob. Käfer und Insekten der mannigfaltigsten Art verlassen ihre Wohnung in der Erde. Besonders eine Art von Ameisen, ungefähr in der Länge von 2 cm und beflügelt, die sich in gewissen Hügeln befindet, verläßt besonders abends nach einem Regen zu Milliarden die Schlupfwinkel und verbellet dabei ein eigentümliches Geräusch mit den Flügeln. Sobald die (Singebornen dies vernehmen, eilen sie mit einem Arm voll trockenen Grases zum betreffenden Hügel, legen das Gras um denselben und stecken dasselbe in Brand. Diese Schwärme von fliegenden Ameisen, welche die Golo Bu nennen, eilen dem Lichte zu, wobei sie sich Flügel und Füße verbrennen und zu Boden fallen. Die Neger scharren diese Tiere dann zusammen und tragen dieselben in Körben nach Hause. Nun werden diese Ameisen auf einer eisernen Platte 311111 Rösten über Feuer gestellt und hernach werden sie noch im kochenden Wasser gesotten. Nach kurzer Zeit wird das Wasser abgegossen. Zu faustdicken Ballen zusammengedrüL, werden sie dann als besonderer Leckerbissen verspeist. Nach eigener Vcrsuchsprobe muß ich gestehen, daß das Gericht nicht gar so übel wäre, was. den Geschmack Betrifft, wenn nur nicht das Geknirsch wäre, als wenn man Sand kaute. Im Fall einer Hungersnot würde man auch wohl dies übersehen, um die Magenfrage zu beschwichtigen. Unsere Negerknaben sind gar nidjt so heikel im Fleischgenuß: Ratten, Mäuse u. dgl., alles ist ihnen gute Gabe Gottes, wenn cs nur Fleisch ist. Eines Tages verendete eine Ziege, wie dieses während der Regenzeit sehr häufig der Fall ist. Unsere Krausköpfe machten sich gleich bnrmt, das Tier abzuhäuten, was sie mit einer Geschicklichkeit verrichteten, als hätten sie alle die Metzgerei gelernt. Magen und Eingeweide wurden gewaschen, gekocht und am selben Tage verzehrt. Den andern Tag wurde ein Viertel von der Ziege vertilgt, den nächsten Tag wurde wieder vom selben Fleische gekocht. Welch ein Fest! Wenn nur alle Tage eine Ziege stürbe! Am vierten oder fünften Tage nach besagter Tat betrat ich gegen Mittag die Küche, um zu sehen, ob mein schwarzer Koch auch seiner Pflicht nachkomme. Aber welch einen Geruch nahm ich beim Eintreten wahr! „Was gibt's da?" fragte ich. „Welch ein Geruch!" „Nichts," antwortete der flotte Koch, „es ist nichts verbrannt." Dies ist bei ihm zwar keine Seltenheit, ebenso wie es ihm nichts macht, wenn ein Stück Fleisch auf dem Wege von der Küche bis zum Wohnhaus in den Schmutz fällt; schnell aufraffen und wieder auf den Teller legen, ist eins; er denkt sich: „Dreck macht fett." Ich schaute umher und sah einen Sack in einer Ecke, der mir verdächtig schien. „Was ist denn darinnen?" „Fleisch," war die Antwort. Was, Fleisch? Woher? Mach' auf! — O weh! Hinaus damit, um niemand den Magen zu verdrehen. Schwamm darüber! Die Neugierde hat einen andern Knaben herbeigezogen. Dieser nahm die Delikatesse schnell in Empfang, schlug dieselbe ein paarmal kräftig an einen danebenliegcndcn Baum- stamm, so daß die Würmer davonftoben, als wenn es hagelte. Zu Abend taten sich 18 unserer Anvertrauten gütlich daran. — De gustibus non est disputandum. Sehen wir noch ein wenig auf die klimatischen Verhältnisse zurück. Der Regen fällt noch immer häufiger und stärker; in den tieferen Stellen des Landes bilden sich große Sümpfe und Regenbäche füllen sich und noch regnet es weiter bis in den Monat September. Zu dieser Zeit kehrt die liebe Sonne von Europa zurück, dem Äequator zu. Kayango liegt nämlich unter dem 7. Breitegrad, somit nimmt die Hitze wieder stark zu im Lande der Golo. Die senkrecht fallenden Sonnenstrahlen mit einer fast unausstehlichen Hitze bringen die Durrah bald zur Reife und in den Sümpfen entsteht durch das faulende Wasser eine Unmenge von Stechmücken. Nun treten auch die Fieber häufiger und stärker auf als je, besonders das Malariafieber, welches auch oft int Schwarzen Fieber endet. Diese Zeit ist die kritische für den Europäer. Am 16. September vorigen Jahres lagen wir unser vier Missionäre alle fieberkrank darnieder. Ein Glück, daß diese Zeit nicht gar zu lange dauert. Ende Oktober find die Regen vorüber und Ende Dezember ist fast das ganze Land wieder trocken. Die dürren Gräser werden, wo ein menschliches Wesen hinkommt, in Brand gesteckt, so daß man des Abends häufig ein wahres Flammenmeer vor Augen hat. Korn, Durrah, Kürbis, einheimische Gurken n. dgl. werden heimgetragen. Für den Europäer ist wieder die Möglichkeit zum Reisen, Botanisieren und so fort. Der Neger hat wieder Korn für Merissa und Assida (Mehlbrei). Für Fleisch sorgt der Urwald zur Genüge. „Mit dem Pfeil, dem Bogen . . . kommt der Schütz gezogen." Alte europäische Waffen gibt es auch hie und da, toemt nur immer Pulver und Blei vorhanden wäre. Mit diesem ist die Regierung wohlweislich sehr zurückhaltend. Die Lanze wird auch nie vergessen. Außer der friedlichen Jagd auf Gazellen und Antilopen fehlt cs auch nicht an abenteuerlichen Jagdstückeu beim Zusammentreffen mit Wildsckstveinen, Elefanten, Löwen und Leoparden. Kommt der Neger glücklich von der Jagd nach Hanse, so dankt er seinen Göttern nach seiner Art und Weise, indem er einen Kopf ans der erlegten Beute unter einem dazu geheiligten Baume röstet, das Fleisch verzehrt und den Schädel und die Hörner am Baum aufhängt. (Siehe Bild Seite 152.) V.L (S Bus dem Missionsleben. =2/1 Die letzten Tage und Tod unseres Wender Detuned Blank. Fast kein Europäer, der sich längere Zeit im Sudan aufhält, bleibt vom Malariafieber verschont. Manchmal gesellt sich noch eine andere Krankheit dazu, wie Dysenterie oder auch Schwarzwasserfieber, und dann ist der Mensch ans der Wagschale zwischen Leben und Tod. Unser Bruder Heinrich, der hier auf der Station Lul schon zwei Jahre tätig und noch niemals krank geivesen war, klagte seit einigen Monaten, daß er Seitenstechen, Dysenterie und Erbrechen habe. Da er viel von der Medizin verstand, kurierte er sich selbst und versah seinen Dienst als Oekonom, Arzt und Krankenwärter-weiter. Es war ein anspruchsloser, liebenswürdiger Bruder. Als ich ihm manchmal sagte, er solle sich schonen, antwortete er mir: „Ich kann nicht; es tut mir leid, die armen Neger nach Hanse zu schicken, ohne ihnen etwas zu helfen. Sie kommen von weitem her und wenn ich ihnen keine Medizin gebe, kommen sie nicht so leicht wieder." Deswegen war er bei den Schilluk sehr beliebt und sie nannten ihn nicht anders als Mada (Freund) oder Hakun, Pascia (Gelehrter, Arzt). Er hatte manchmal sein Zimmer voll von Negern; dies Gemach diente ihm zugleich als Werkstätte und Apotheke. Die meisten Kranken hatten Augen- oder Zahnweh, viele auch Hautkrankheiten und Wunden. Bruder Heinrich hatte für alle ein gutes Wort und einen trefflichen Rat. Zuletzt beschenkte er die Alten mit Schnupftabak, die Kleinen mit Zucker und Datteln. In den Nachmittagsstnnden erteilte er den Kindern Katechismusnnterricht. Zuweilen wurde er in die Dörfer gerufen, um Kranke oder solche, die von einer Schlange gebissen wurden, zu heilen. Einmal erzählte er mir folgende Begebenheit: „Wir fuhren mit dem Kahn ans dem Nil, um einige Kranke zu besuchen. Ich hatte mit mir vier Neger, alles gesunde, starke Kerls. Als wir gemütlich dahinfuhren, verfinsterte sich ans einmal der Himmel und in wenigen Augenblicken kam ein tüchtiger Regen, der uns nötigte, ans Land zu steigen und unter einem Baume Schutz zu suchen. Die Neger kauerten sich zusammen, ich spannte meinen Regenschirm auf und suchte mich vor dem Regen so gut als möglich zu schützen. Doch dies half wenig. Wir waren nach dem Gewitter bis auf die Haut durchnäßt. Nun ruderten wir aus allen Kräften dem Dorfe zu. Sogleich brachte man uns warme Milch und Bier. Dann machte man ein Feuer; wir trockneten unsere Kleider und erwärmten unsere kalten Glieder, Nachher besuchte ich die Kranken im Dorfe und begab mich dann, da es schon spät war, zur Ruhe; auch meine Begleiter schliefen bald eilt. Auf einmal hörte ich ein Geschrei. Ich sprang, auf und fragte, was denn los wäre. Da wurde mir eine Frau zugeführt, die ein Skorpion gebissen hatte. Ich zündete meine Kerze an, die überall Verwunderung erregte. Ich zog dann mein Messer heraus, tat zwei Schnitte in Krenzform über den Biß, rieb die Wunde mit Ammoniak ein und gab der Frau ein paar Tropfen zu trinken. Als sich wieder alle zurückgezogen hatten, begab auch ich mich wieder zur Ruhe und stand erst auf, als mich schon die Sonne begrüßte. Am Morgen versammelten sich noch die Leute, um mir für den Besuch zu danken. Ich mußte ihnen das sonderbare Licht noch zeigen und es ihnen erklären. Sie taten einen Ausruf der Verwunderung und sagten: Bon jo nadri gogi bene — e parke dziog (der Fremde weiß alles gut zu machen — er ist wie Gott). Es ist bei den Negern der Brauch, daß sie alles, was sie nicht begreifen, gleich einem höheren Wesen zuschreiben. Nun ging es nach Hause zur allgemeinen Freude." Indessen wurde auch ich krank: ich hatte nämlich den Fcrcntit, sudanischen Wurm, der meine Füße in grausamer Weise zernagte. (Diesen bekommt man in faulem, stehendem Wasser.) Ich sollte an die Pumpe ein paar Rohre ansetzen und da mußte ich barfuß fast eine Stunde lang im Schlamme stehen. Nach zwei Wochen spürte ich Schmerzen wie Rheumatis-mus, in der Folge schwollen meine Füße ziemlich stark an und an manchen Stellen öffneten sich kleine Wunden, durch welche Eiter hervorquoll. Unser Bruder Heinrich erkannte gleich die Krankheit und das rechte Heilmittel. Es wurden Leintücher in Bleiwasser getaucht und dann umgewickelt. Ich erneuerte diesen Verband öfters und das half, wenigstens verminderte es den Schmerz. Lugten die Scheusale hervor, so wurden sie auf ein Streichholz aufgewickelt, bis sie ganz heraus waren. Man muß sehr achtgeben, daß man sie nicht abreißt, sonst hat man große Mühe, sie ganz herauszubringen, denn sie vermehren sich schrecklich. Ich hatte deren 18, teils tote, teils lebende; sie sind so dick und stark wie eine Violinseite und können auch ein Dieter lang werden. Wehe, wenn einer in die Eingeweide eindringt, dann ist der Mensch verloren! Ich lag drei Monate im Bette, hatte viele schlaflose Nächte zugebracht, bis ich endlich den letzten herausgezogen hatte. BruderHeinrich weinte manchmal an meinem Lager, weil er mir nicht helfen konnte. Bald sollte er selbst auf das Krankenbett kommen, doch nicht auf lange Zeit, er fühlte es selbst. Er sollte sich niederlegen, um nie wieder aufzustehen. Bevor er sich zu Bette legte, ging er mit dem Obern auf den Friedhof, bezeichnete ihm die Stelle, wo er ruhen wollte, und sprach: „Wenn ich mich ins Bett lege, so werde ich nie wieder aufstehen. Mein Vater ist auch an dieser Krankheit gestorben!" Es war Nierenkrankheit, zu der sich noch Fieber und Dysenterie gesellten. Wir halfen und bedienten ihn, so gut wir konnten, doch das Fieber stieg immer höher, bis es 41 Grad erreichte. Da fing er an, zu phantasieren und zu singen — in seiner Jugend war er Chorsänger. Zuletzt sagte er, es gehe nicht mehr, er habe keine Stimme. Als ich ihm sagte, er solle Geduld haben, es würde sich schon ändern, erwiderte er: „Ja, es wird sich schon ändern in der andern Welt." Er bewahrte eine große Heiterkeit bis zum letzten Atemzuge. Samstag, den 21. Oktober 1905 hauchte er seine Seele aus im Alter von 42 Jahren. Ich machte ihm den Sarg und wir legten ihn hinein. Da ich aber das erste Mal einen Sarg machte, nahm ich das Maß ziemlich groß, so daß ich noch Platz darin gehabt hätte. Viele von den Negern kamen, um den Bruder zum letztenmale zu sehen. Einige sprachen mit ihm, als wäre er noch lebendig, bewunderten den Sarg und die Blumen und sagten: „O wie schön begraben die Weißen ihre Toten!" Zuletzt kam eine Zauberin und rief mit lauter Stimme: „Fakun i kedi kuna amenauatodijad? llaroi, jaroi!"(Schmerzens-rnf.) „Doktor, wo gehst tut hin, wer wird uns jetzt Medizin geben?" Einige von den Negern boten sich freiwillig an, ihm das Grab zu machen. Sonntag in aller Frühe wurde die heilige Messe gelesen und dann unter Beteiligung vieler Neger die Leiche in das Grab gesenkt. Nun ruht er in fremder Erde nahe bei der Schwester Josefa und wartet hier auf den Auferstehungstag. von Wrudcr Bleianbet F. S, C. *> !> ♦ 1/2 Seite 20 K - 1/4 Sette 12 K - l/S Seite 7 K - II ll^v V^Vvlly Vvl^v ♦ 1/16 Sette 4 K — beiMUederbolungen bober IRabatt.