ff M derReW Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Preis ganzjährig: Österreich 2'50 S, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2 50 Pengö, Tschechoslowakei 12 öS, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2'50 Franken, ___________________________übriges Ausland 2 Goldmark,______________________________ Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis dös Generalobern. Äeft 7 Juli 1934 XXXVII. Jahrgang Missionshaus St. Heinrich in Bamberg. Schon feit Jahren herrschte in unserem Missionshaus in Milland bei Brixen ein empfindlicher Raummangel. Trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise, die längst auch die Missionsinstitute erfaßt hat, konnten mir an der Notwendigkeit, das Studentennoviziat anderswohin zu verlegen, nicht mehr länger vorbeisehen. Dank einer gütigen Fügung der Vorsehung wurde zu Beginn des Jahres 1933 unsere Aufmerksamkeit auf Bamberg gelenkt. Ein Professor der dortigem philosophisch-theologischen Hochschule, Hochwürdiger Herr Dr. Kraft, teilte uns mit, daß ein im Mittelpunkt der Altstadt gelegenes Anwesen des Barons Gebsattel käuflich erstanden werden könne, und zeigte sich ailch in hochherzigster Weife bereit, einer Niederlassung unserer Kongregation die Wege zu ebnen. Da der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Jakob von Hauck mit väterlichem Wohlwollen seine Zustimmung zur Errichtung eines Missionshauses erteilte, konnte am 10. Mai 1933 der beabsichtigte Kauf getätigt werden. Seiner Exzellenz schulden wir für das liebreiche Entgegenkommen ehrerbietigsten Dank. Auch Hochw. Herrn Dr. Kraft fühlen wir uns für seine Mühewaltung besonders verpflichtet. Nach Vollendung der notwendigen Jnstandsetzungsarbeiten durften unsere Novizen am 19. April dieses Jahres von dem neuen Heim Besitz ergreifen. Die schöne, ruhige, gesunde Lage auf einer Anhöhe in der Nähe des weltbekannten Domes und der Hochschule sowie.die Möglichkeit, in wenigen Minuten schon das freie Gelände, Flur und Wald, zu erreichen, haben die Herzen der Novizen sogleich für die Niederlassung erobert, ganz abgesehen von den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der kunstsinnigen Stadt Heinrichs des Heiligen mit ihren reichen Erinnerungen aus einer großen Vergangenheit. Nennt man doch Bamberg die Stadt der „Wunder und Träume" aus Stein. Vor allem beherrscht der spätromanische und frühgotische Dom mit seinen vier 81 Meter hohen Türmen das Stadtbild. Er birgt das Grab des Papstes Klemens II. sowie die Ruhestätte des heiligen Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin, der heiligen Kunigunde. Zu Ehren des heiligen Dom-und Bistumsgründers wurde das Haus „St. Heinrich" benannt. Brave und begabte, den Missions- und Priesterberuf erstrebende Studenten, die wenigstens die 6. Gymnasialklasse vollendet haben, können jederzeit Aufnahme finden. Die Adresse lautet: Missionshaus St. Heinrich in Bamberg, Obere Karolinenstraße 7. Möge die neue missionarische Pflanzstätte ' vielen angehenden Glaubensboten Missionshaus St. Heinrich in Bamberg. die zur Erfüllung der apostolischen Sendung unerläßliche religiöse und geistige Ausbildung vermitteln! Um dieses erhabenen Zieles willen haben wir, im Vertrauen auf Gott und die Mithilfe edler Missionsfreunde, die schwere, finanzielle Belastung auf uns genommen; denn ohne Missionäre keine Mission und ohne Mission keine Rettung der Heidenwelt für Christus und seine Kirche. Br. Franz Trzewik t- Am 25. April starb im Missionshaus Milland Bruder Franz Trzewik. Der Verblichene zählte zu den ältesten Mitgliedern unserer Kongregation. Er war am 3. Oktober 1864 in Groß-Golmkau bei Danzig geboren. Seine Jugend verbrachte er im väterlichen Anwesen. Nach Erfüllung der Militärdienstpflicht faßte er den Entschluß, sein Leben dem Missionswerk zu weihen. Am 8. April 1891 trat er zu Verona in die Kongregation der Söhne vom heiligsten Herzen Jesu ein. Viele Jahre war er als Koch, Pförtner und Hausbruder in verschiedenen Niederlassungen der Kongregation tätig. Insgesamt 17 Jahre wirkte er in Ägypten. Sowohl in Kairo-Gesirah wie auch in Heluan und Assuan wurde er vielfach als Präfekt der Knaben verwendet, wozu ihn sein Ordnungssinn, seine musikalischen und Sprach en'kenntnisse sowie sein leutseliges Wesen in nicht geringem Maße befähigten. Da er auch im Umgang mit Auswärtigen große Höflichkeit und Zuvorkommenheit an den Tag legte, gewann er bald einen ausgedehnten Bekannten- und Freundeskreis. Gerne hätte er wohl sein ganzes Leben im sonnigen Pharaonenlande zugebracht. Allein der Wille der Obern und späterhin die als Auswirkung des Weltkrieges erfolgte Abberufung der deutschen Missionäre aus Ägypten und dem Sudan hießen ihn auf den Aufenthalt im schönen Niltal für immer verzichten. Die letzten Jahre weilte er im Missionshaus Milland, wo er trotz der sich immer stärker offenbarenden Alterserscheinungen noch mit Eifer den häuslichen Arbeiten oblag. Seit Oktober des verflossenen Jahres war er an das Krankenlager gefesselt. Die Hoffnung, der Frühling werde ihn wieder zu Kräften bringen, erfüllte sich nicht. — Der Heimgegangene hat durch sein stilles, gesetztes Benehmen und durch eine stets jugendlich-frische Missionsbegeisterung den jüngeren Mitbrüdern allzeit ein aneisern-des Beispiel gegeben. Erwähnung verdient auch seine Liebe zum Gebet. Er beteiligte sich nicht nur an den vorgeschriebenen Än-dachtsübungen, sondern verbrachte auch Arbeitspausen und Freizeiten häufig in der Hauskapelle. R. I. P. Heft 7 Stern der Neger 99 Bamberg. Im Hintergrund der Kaiserdom. » ISP« r Sei' fiifs >« Silbernes Jubiläum der Missionskirche in Mefsendorf. iQeiit dem Jahre 1909 besitzt die Kongregation der Missionäre Söhne vom heiligsten Herzen Jesu in Messendorf bei Graz eine Niederlassung mit öffentlicher, der Schmerzhaften Mutter geweihter Kirche, die von foen Bewohnern der umite«-g end en Ortschaften viel besucht wird. Schon von Anfang an widmeten sich die dortigen Patres mit großer !Hingebung der Schul- und Seelsorgetätigkeit. In der Kriegs- und Nachkriegszeit haben die aus Afrika verbannten Missionäre in zahlreichen Pfarreien der Steiermark und in den Grazer Krankenhäusern eine aufopferungsvolle Tätigkeit entfaltet'. Kürzlich wurde nun eine stilvolle Jnnenerneuerung des Eottes-hauses durchgeführt, nach deren Vollendung am l. Mai die Neueinsegnung stattfand, Über diese Feier veröffentlichte ein angesehenes Grazer Blatt den nachstehenden Bericht : Die langgestreckte, teils an der Straße Sankt Peter —Hausmannstätten gelegene, teils an der Berglehne hingelagerte liebliche Ortschaft M e s-sendorf war am ersten Maientag der Schauplatz eines ebenso schönen als seltenen Festes, des silbernen Jubiläums der Weihe des schmucken renovierten Kirchleins auf dem Hügel. Diese Feier bewies so recht, welcher Wertschätzung und Hochachtung die Patres der Kongregation der Missionäre, Söhne des heiligsten Herzens, die mit großem Eifer den Seelforgeaufgaben obliegen, nicht nur bei den Umwohnern, sondern auch in der ganzen Pfarre St. Peter und darüber hinaus sich erfreuen. Schon am Vorabend fand nach einer stimmungsvollen Maiandacht ein 'Lichterumgang statt, an dem »lehr als dreihundert Personen teilnahmen. Bei eintretender Dunkelheit erstrahlte weit hinaus sichtbar Mer dem Kuppel-kreuz die Zahl 25 in großen Ziffern in elektrischem Licht, das von ;ber bestbekannten Firma Kiihhas-Plamer in St, Peter ausgezeichnet installiert worden war. Glockengeläute und Böllerschüsse leiteten das Fest, den ersten Maitag, ein. In großen Scharen waren die Gläubigen herbeigeeilt, um an dieser seltenen Feier, die vom schönsten Früh-lingswetter wie von einer wundervollen Melodie begleitet war, teilzunehmen. Um dreiviertel 8 Uhr früh fand von dem durch die Straßenkreuzung gebildeten Platz in Messen-dorf aus der feierliche Einzug statt. An der Abzweigung des Weges von der Straße war eine Triumphpforte errichtet. Die Musikkapelle von Liebenau eröffnete mit klingendem Spiel den Zug, dann folgte der Chor der vierzig Gänger« knaben mit dem Dirigenten Opernsänger F a l k-n er des Konviktes für MMonszöglinge Fatima bei Premstätten, ihnen reihten sich weißgekleidete Jungfrauen und die Geistlichkeit mit Domkuftos Prälat Dr. Puchas an. Den Abschluß bildete eine imposante Anzahl von Männern und Frauen aller Altersstufen. Vor dem Kirchenportal brachte die Ortsvorsteherin Sophie Berghold aus Raaba ein das Jubiläum feierndes Gedicht ausgezeichnet zum Soitnag. Nach dem Einzug in das festlich beleuchtete Kirchlein nahm Prälat Dr. Puchas wie vor 25 Jahren die Segnung des renovierten Gotteshauses vor. Dann las Domkuftos Dr. Puchas unter großer Assistenz ein feierliches Amt, während der Knabenchor des Konviktes Fatima die große Herz-Jcsu-Meffe von Mitterer unter der hervorragenden öei'tunig Falkners zu einer 'künstlerischen Aufführung brachte. Nach dem Evangelium hielt der unermüdliche Rektor des Hauses in Messendorf, Generalvikar Pater Alois Wilfling, die Festpredigt, ein rhetorisches Meisterwerk, die auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Dann richtete Prälat Dr. Puchas einige Worte an die Andächtigen, hob die Verdienste des Generalvikars um das Gedeihen und bas blühende kirchliche Leben in Meffendorf und in der Pfarre Sankt Peter hervor, betonte besonders fein segensreiches Wirken ,in der gangen Diözese, weshalb ihn die kirchliche -Behörde durch tile Ernennung zum f. - b. Gei st lichen Rot ausgezeichnei hat, wie das vom Redner verlesene Dekret hervorhebt. Dann 'wurde der Gottesdienst fortgesetzt und mit feierlichem Tddenm geschlossen. Generalvikar Pater Wilfling legte sodann einen genauen Reche n s ch n st 'sbericht über die eingelaufenen Spenden und deren Verwendung für die Renovierun>gsarb>eiten vor und sprach allen Spendern und Wohltätern der Kirche und d>er Kongregation den herzlichsten Dank aus und bat um ein ferneres Wohlwollen. — Nach deni Gottesdienst trug die Liebenauer Musikkapelle auf dem Platz vor dem 9Eiftous= haus einige Stücke vor, während die Sänger-schar unter der Leitung ihres Dirigenten Falkner mehrere stimmungsvolle Chöre mit schönem Vortrag zu Gehör brachte. Beide fanden lebhaften Beifall. Damit schloß die glänzend verlaufene Jubiläumsfeier, die «in neues Ehrenblatt beifügt der 'Geschichte des schlichten Hauses und seines lieben Kirchleins, das nun im neuen Kleid die Gläubigen einladet zu frommen Gebeten und stiller Einkehr. Der Geist Gottes weht, wo er will. (Fortsetzung.) Von Anna Kayser. Es war am andern Abend. Fran Gor-litta hatte sich den ganzen Tag nicht um ihre Älteste gekümmert. Bis Mittag schlief sie nach ihren Konzert- und Festabenden immer. Wenn sie dann endlich auf staub, war sie schlechter Laune. Alles, was am Abend im glaftenden Leuchten der Kron-lampen und im prickelnden Rausch der Geselligkeit betäubende Lust.gewesen war, sank im Licht des unerbittlichen Tages in graue Öde und Langeweile. Erst, wenn sie wieder Menschen um sich sah oder im Lärm der Straßen untertauchte, ertrug sie sich und ihr Dasein wieder. Abends fuhr sie mit Dorotie, die das Leben zu jeder Zeit als Langeweile empfand imb nichts damit anzufangen wußte, zu einer Tonfilmschau. Elena war allein. Sie hatte eine junge Kranke, die an der Pforte der Ewigkeit stand, besucht. Da hörte sie, daß Arno heimkam. Er war der jüngste Gorlitta und Maler. Ihm ging, im Gegensatz zu Dorotie, ein gewisser Lebensernst nicht ab. Weil ihm aber jeder religiöse Halt fehlte, fiel er nach jedem Feste in einen seltsamen Weltschmerz. Dann suchte er meist Anschluß an Elena. In letzter Zeit aber mied er sie. Seit seiner Südlandreise .verbrachte er alle freien Stunden bei neuen Freunden. Zu keiner Mahlzeit war er am Familientisch. Als sie ihm einmal auf der Treppe begegnete, wich er ihrem Blicke aus und hetzte in sein Zimmer. Sie klopfte. Keine Antwort. Das Hausmädchen berichtete, der junge Herr sei sofort wieder weggegangen. Die Türe war nur angelehnt. Elena trat ein. Die Staffelei war mit Leinwand verhängt. Arno hatte ihr vor vierzehn Tagen gesagt, daß er an einem Bilde male, zu dem er in Mailand die Idee gewonnen habe. Das Werk solle seinen Ruhm begründen. Elena hob das Tuch von dem Bilde — ließ es aber entsetzt wieder fallen. Gott im Himmel — das war — ein Bild der Hölle mußte das sein. Sie ließ sich ans einen Hocker fallen und schlug die Hände vors Gesicht. Schritte kamen die Treppe herausgestürmt. Arno stand in der Tür. „Äh, Elena —!" Sie sprang auf und stand mit flammendem Gesicht vor ihm: „Um Gottes willen, Arno, ivas ist das für ein Bild?" Er runzelte die Brauen und schwieg düster. „Arno, das hast du gemalt?" — „Wer sonst?" stieß er trotzig hin. „Ich kann nicht immer Dorfidylle und schöne Sennerinnen malen. Damit bliebe ich in tonangebenden Kreisen immer ein Waisenknabe." — „Besser ein Waisenknabe als ein Seelenverderber!" rief Elena. „Ich beschwöre dich, Arno, vernichte das Bild! Du bezahlst es mit deiner Seele." — „Seele? Für dieses Wesen hat unsere Zeit bitterwenig Verständnis — und Geld überhaupt nicht. .Der Geist ist es, der lebendig machth steht doch irgendwo fromm und wahr geschrieben. Nun, geistlos ist mein Bild doch nicht." „Schenk es mir, Arno. Alles, was du willst, gebe ich dir dafür." — „Du übertreibst, kleine Heilige. Ich fürchte, du eiferst dich noch pr Nonne. Dann betest du für deinen schlimmen Bruder, gelt?" Es sollte ein Scherz sein, aber es klang gepreßt. Sic standen sich gegenüber wie zwei fremde Welten und zwei gegensätzliche Feuer Stern der Nege r 101 Heft 7 brannten sich aus ihren Augen an. „Versuche Gott nicht!" rief Elena schmerzlich. „Er läßt es sich nicht gefallen. Male ein anderes Bild! Der Teufel hat noch nie einen großen Meister geschaffen." — „Laß den ans dem Spiele", sagte Arno dumpf, „er macht mir so genug zu schaffen. Aber — wer mir bei diesem Werke den Pinsel führt, ist mir gleich. Jedenfalls muß es fertig toerben. Aber, Elena, ich tue dir ein großes Gelöbnis: Wenn ich einmal festen Boden gewonnen habe in den Sphären der Kunst, bann will ich dir zulieb ein anderes Bild malen, ein frommes, meinetwegen .eines vom dustersten Karfreitag. Bist du nun zufrieden, kleine Sittenrichterin?" — „Arno, du darfst nicht!" Sie wollte ihn halten, aber er hatte schon den Hut aufgestülpt. Im Nu war er draußen. Elena ging seufzend in ihr Zimmer. Aber die Enge wollte sie erdrücken. Die Mauern lagen auf ihr. Sie ging in die nahe Kirche, um mit dem Herrgott selbst zu beraten. Was er ihr sagen würde, das wollte sie tun. Er mochte sie gut beraten haben, sie kam unendlich leichter, ja froh wieder. Noch am selben Abend begann sie den Plan auszuarbeiten, zu dem ihr die Anregung wie ein Blitz gekommen war . . . Fast hätte sie darüber den Vortrag des fremden, jungen Missionärs vergessen. Am andern Abend halb acht saß sie, im weißen Kleid und schwarzen Hut, am zweiten Pfeiler der Heilig-Geist-Kirche. Die weiten Schiffe füllten sich mit Menschen. Aber die Nonne, von der die Priorin Mechtildis gesprochen hatte, kam nicht. Elena hätte ihr gern einen Platz freigehalten, aber sie mochte ihn dem weißhaarigen alten Herrn, der ihn eingenommen hatte, nicht wehren. Der sah sie dann und wann so groß und seltsam an, daß es sie beunruhigte. Aber als der Redner, ein junger, neugeweihter Missionär, auf der Kanzel erschien, wandte sie sich mit ganzer Aufmerksamkeit ihm zu. Elena fühlte sich unbeschreiblich berührt von der geistvollen, asketischen Erscheinung und der vollen, tiefen Stimme des Redners, als ginge ein geheimer Strom zwischen ihnen von Seele zu Seele. Einmal schien es, als begegne sein großer grauer Blick dem ihren, da war es, als ob er einen Augenblick verwirrt stocke. Dann aber straffte sich die hohe Gestalt im schwarzen Ordenskleide, feine schmale Rechte umfaßte das Missionskreuz auf seiner Brust, seine Stimme hob sich, sie schwoll an zu heiliger Begeisterung, als er von dem hohen Glück der Erwählung, von den Opfern und Leiden und Freuden des Seelenfischers in den Fußstapfen der ersten Apostel sprach. Elena dachte, so müsse Paulus, der Feuerbrand Christi, Funken in die Seelen werfen, lebte er noch im Fleische. Dazwischen fiel ihr wieder der ehrwürdige alte Herr neben ihr auf. Sein hageres, durchgeistigtes Gesicht glühte in eigener Erregung, sein Atem ging schwer, und immer wieder traf sie sein Blick, tiefforschend und aus seltsamer Ergriffenheit. Auch als sie im Strom der Menge hinausging, war er neben ihr. Sie wollte sich, peinlich berührt, weiterdrängen, da fiel sein Hut vor ihr nieder. Sie bückte sich und reichte ihn zurück. Er stammelte ein „Danke", und da sah sie, wie sein Mund zitterte, wie seine Augen sie mit einem zehrenden Ausdruck Exzellenz Dr Jnkobus von Hauet, Erzbischof von Bamberg. (Trinks & Co., Leipzig.) festhielten. Sie aber drängte sich benommen weiter und lief heim. — In den nächsten Wochen ging sie nur selten aus ihrem Zimmer. Sie entschuldigte sich bei Mutter und Schwester mit einer langwierigen Handarbeit. Frau Hermines Laune wurde mit jedem Tage trüber. Wenn Morten sich nur Dorotie zuwenden wollte. Aber diese war ein Phlegma. Elenas Gaben fehlten ihr ganz und gar. Ihr Gesicht war farblos und reizlos, ihr Wuchs eckig, ihre Augen ohne Ausdruck und Seele. Wäre Elena solch ein Aschenbrödel, mit Wonne würde Hermine Gorlitta sie unter den Nonnenschleier stecken. Immerhin, einen letzten Versuch war ihr ihre eigensinnige Älteste noch wert. * Elena hatte mit Arno zusammen mehrere Jahre bei ausgezeichneten Lehrern ihr Maltalent ausgebildet, für den „Hausgebrauch". Aber seit sie mitten in den hochgehenden Wogen des Berufskampfes stand, lagen Pinsel und Palette müßig. Jetzt stand sie wieder Tag um Dag von früh bis spät an der Staffelei und malte mit heißen Augen und klopfendem Herzen. Essen und Trinken, ja Tag und Nacht vergaß sie über ihrem Werke. Endlich — der letzte Strich. Sie verhüllte das Bild mit einem Tuche, sprach ein Dankgebet und wollte heruntergehen. Da brachte Maria einen Brief. Aus der Klosterstraße? Elena war überrascht. Nie in all den Jähren hatte die Priorin ihr ein Wort geschrieben. Es war eine Einladung, am selben Tage zu ihr zu kommen. Nach einer Viertelstunde stand sie im Sprechzimmer. Statt jeder Erklärung überreichte Mutter Mechtildis ihr ein versiegeltes Päckchen. „Nimm es mit nach Hause, Kind. Und wenn es dich drängt, komm wieder." Sie lächelte geheimnisvoll, und Elena war entlassen. Wie in einen seltenen Traum gesponnen ging sie heim. Sie hatte das sichere Gefühl, als ob etwas Besonderes in ihr Leben kommen wolle. Sie schloß sich in ihr Zimmer ein und löste mit bebenden Händen das Siegel. Es fielen verschiedene amtliche Urkunden heraus. Fremde Siegel. Fremde Namen. Nur der Vorname ihrer Mutter, „Hermine" fiel ihr bekannt ins Auge. Sie griff zu dem beiliegenden Briefe. Die Handschrift war ihr fremd. „Meine Tochter Helena! Vor achtzehn Jahren nannte ich Dich zum letztenmal so. Vor achtzehn Jahren hielt ich Dich, mein Kind, zum letztenmale in meinen Armen. Vor achtzehn langen Jahren riß ich mich von Dir und ging mit meinem kleinen Sohn in die große Einsamkeit meines Lebens. Dich mußte ich Deiner Mutter lassen. Du wirst fragen, warum es so kam. Vielleicht ahnst Du, was uns trennte. Zwischen Dir und Deiner Mutter gähnt ja dieselbe abgründige Kluft. Da stehen sich zwei Pole gegenüber, über die nur Gott eine Brücke schlagen könnte. Ich blieb all die Zeit tot für Dich. Ich hätte Dir sonst nicht nahe bleiben können. Ich bestellte bte Engel Gottes zu Hütern über Dich. Schwester Mechtildis, die Priorin von St. Margareten, zur Mutter und Beraterin. Nicht nur die Bande der Seele verbinden Dich mit ihr, auch die des Blutes. Sie ist meine Schwester. Was ich von ihr über Dein Leben erfuhr, hat mich mit tiefer Freude erfüllt. Ich danke dem Himmel, der Dich mitten in den Wirren der Welt und Deiner Umgebung so stark erhielt. Nun ist endlich die Zeit gekommen, die Dir die Freiheit und mir die Erfüllung meiner Sehnsucht bringt. An dem Tage, da Du diesen Brief erhältst, wirst Du großjährig. Helena, mit dem Rechte und der Pflicht des Vaters sage ich Dir: Komm zu mir! Dir droht Gefahr. Du bist arglos und ahnst nicht die Pläne, die man schmiedet. Morgen, zur Zeit der Vesper, erwarte ich Dich im Pfarrhaus St. Markus zu Nordenfelde. St. Raphael begleite Dich! Dein Vater Gerhard Linther, Professor a. D. Nachschrift: Du hörtest vor zwei Monaten in der Heilig-Geist-Kirche einen neugeweihten Priester über .Kirche und Missionen" reden. Dein Bruder Ludwig war es. Und Dein aufdringlicher Nachbar war Dein Vater. Ludwig rüstet sich zur Fahrt nach Brasilien. Ich möchte vorher meine beiden Kinder segnen. D. O." Elena mußte den letzten Teil zweimal lesen, so wirr gingen ihre Gedanken. Träumte sie denn nicht? Irgendein fremder Mann in einer fremden Stadt nennt sie seine Tochter? Und der Mann, den sie früher Vater genannt hatte, der ihr so un- endlich fremd geblieben war und vor zwei Jahren einfach eines Tages nicht mehr dagewesen war, der war nicht ihr Water gewesen. Sie griff mit zitternder Hand nach den Urkunden. Der Trauschein ihrer Mutter Hermine Elgius mit Gerhard Linther. Dann ihr eigener Geburts- und Taufschein, Helena Linther. Kein Zweifel, das Unfaßbare war Wahrheit. Sie preßte die Hände auf das stürmisch pochende Herz und schritt wohl eine halbe Stunde lang auf und nieder, um sich zu fassen. Wie eine Grenzwand schied diese Stunde ihr bisheriges Leben von dem, das sich wie ein Traumland vor ihr auftat. Nun verstand sie auch die Zerrissenheit und Haltlosigkeit ihrer Mutter. Schon als sie noch ein kleines Mädchen war, überschüttete sie sie in einer Stunde mit stürmischen Zärtlichkeiten, nannte sie ihren süßen Engel und stieß sie in der nächsten Stunde aus unbegreiflicher Abneigung wieder von sich. Noch vor vier Wochen, als der „Sängerkreis" die Moselfahrt machte, hatte man sie ohne jede Ursache in letzter Stunde noch davon ausgeschlossen. Sogar Dorotie, die sonst die Verhätschelung ihrer unscheinbaren Persönlichkeit als etwas Selbstverständliches hinnahm, hatte der Mutter Vorwürfe deshalb gemacht, aber sie hatte in Nesseln gegriffen: „Soll sie mir den ganzen schönen Dag verschandeln? Was für Augen sie wieder macht! Ganz wie — er. Ich will mich einmal vergessen!" Elena hatte das letzte nicht hören sollen. Aber sie hatte von jeher Geheimnisse in ihrem Leben geahnt, das hatte sie hellhörig gemacht. __ llrtb dies war nun die Entschleierung. So war es nicht nur der Zug der Seele gewesen, sondern auch die Stimme des Blutes, die sie von Kindheit an so stark zu der Priorin Mechtildis hingezogen hatte. Klar stand noch der Tag in ihrer Erinnerung, als ihre Spielkameradin Beata Blankher sie zum erstenmal mit ins Kloster genommen hatte. Schwester Mechtildis hatte sie merkwürdig tief und lange angesehen und ihre Hände an sich gedrückt und es war, als hätte sie nasse Augen. Danach war bald von diesem, bald von jenem Klosterzögling eine Einladung zu Feiern oder Spielen in der iKlosterschnle gekommen. Rasch hatte sie ans der Verlassenheit des Elternhauses den Weg zu der Klosterfrau gefunden, die für jedes Leid einen Balsam wußte. Auch das begriff Elena nun, warum die Mutter ihr beharrliches Bitten um den Besuch der Klosterschule stets so schroff abgewiesen hatte. Und einen Bruder hat sie, der bereits daheim ist im Heiligtum? Darum fühlte sie sich in der Missionspredigt so von Rätseln eingesponnen. Der ehrwürdige alte Herr, der sie so eigen zehrend ansah, ist ihr Vater? Und er hat sie wie eine Fremde verleugnen müssen, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. Ein warmer Strom wallte in ihr auf. Sie mußte die Augen schließen unter einer Welle von Geborgenheit und Daheimsein, die sie von fern her überflutete. Ihr war, als wäre ihr bisheriges Leben ein Traum-wandeln in einer kühlen Fremde getoefeti und als wäre sie erst jetzt zu einer glückseligen Wirklichkeit erwacht. Der erste Gedanke, der sich hell aus der Strömung hob, war: Zum Kloster! Sie wollte eben den Mantel überwerfen, da klopfte es wieder. Dorotie schob sich ge-heiinnistuerisch herein. „Er ist da. Hast bit sein neues Auto schon gesehen?" Sie zog Elena zum Fenster. Die warf einen halben Blick hinunter und wurde bleich. Morten. „Bist doch ein Dummerchen, Ela. Ich sollte ja nicht plauschen. Aber, pah, was frage ich nach Mamas Launen? Es soll heute abend noch Champagner geben. Du sollst das Lachsfarbige anziehen. Aber, was machst du wieder für ein Gesicht? Wenn du willst, tauschen wir." Dorotie sprach vor Neid und Leid überstürzt. Als Elena keine Antwort gab, ging sie. In der Tür wandte sie sich noch einmal um. „Mutter will Rücksicht auf deine Grillen nehmen. Nur eine diskrete Feier, ganz unter uns." Elena stand wie betäubt, als sie weg war. Was brach in einem einzigen Tage über sie herein! War das die Gefahr, vor der der geheimnisvolle Briefschreiber sie warnte? Mit der Angst wuchs ihr Mut. Ohne Bedenken warf sie ein paar Zeilen auf ein Blatt: „Verzeih, Mutter, daß ich jetzt nicht zu Dir kommen kann. Eine dringende Angelegenheit ruft mich aus dem Hause. Sobald ich zurück bin, komme ich zu Dir. Elena." (Fortsetzung folgt.) Sprache und Unterhaltung der Bapedi. Von Bruder August Cngol. Die Sprache der Bapedi, das Se-Pedi, gehört wie die übrigen Wantnsprachen sum „agglutinierenden" Sprachtypus, Wie diese scheint ifie aus einer Kreuzung Mischen sudanischem, hamitischem und einem dritten, dem westafrikanischen Ful ähnlichen Sprachgnt entstanden su sein. In der sudanischen Sprachfamilie, die den „isolierenden" Typus vertritt, wird der Wortsinn durch die Sprachmelodie bestimmt '(Intonation als lexi'kales Moments, Die hamitische Sprachfamilie, die sum „flektierenden" Typus gehört, ist lautlich, grammatikalisch und im 'Wortschatz mit den semitischen Sprachen verwandt, Much das Se-'Pedi weist die Sprachmelodie auf, wobei Wörter, die sonst denselben Lautbestand haben, durch Tonfall voneinander unterschieden werden. In den „anleimenden" Sprachen besteht der 'Grundsatz, die Bildnngselemente des Wortes schlechthin aneinanderzufügen, Es kommen sowohl Präfixe wie Suffixe in Anwendung, Die Hauptwörter erscheinen in verschiedenen, durch Vorsilben unterschiedenen «Nominalklassen, Die Wor- Missionskirche in Meffendors bei Graz, silbe des Hauptwortes „regiert" im Satz auch die Vorsilben aller darin vorkommenden Wörter,* Das Se-Pedi weist viele Kehllaute auf und erinnert an das Arabische, Trotz der Mischung der Wapedi mit Buschmännern fehlen Schnalzlaute in ihrer Sprache vollständig, Kur Probe gebe ich hier das Vaterunser, den lEnglischen «Gruß und das Apostolische Glaubensbekenntnis in Se-Pedi wieder, Vaterunser: „Taf a rena ea magodimong, leina la gago a le kgethoe, mmusho oa gago a o tie, id ato ea gago a e diroe mono lefaseng byale lea ga legodimong. U re fe mamohla bogobe bya rena bya tjatji le lengoe le le lengoe, u re tsoarele dibe tja rena byale ka ga le rena re tsoarela ba ba re shitetjoego. U se ke ua re isha molekong,. u mpe u re ntje bobeng. Amen.“ Ge grüßet: „Dumela, Maria ea tlet j ego grasia, Morena o na le uena, U lehlogonolo gare ga basadi, me go lehlogonolo ngoana oa popelo ea gago, Yesu Maria e Mokgethoa, Mma Modimo, u re rapelele badiradibe, byale le ka sebaka sa go hua ga rena. Amen.“ Lesen und Schreiben waren den Wapedi vor Ankunft der Weißen im Lande selbstverständlich unbekannte Dinge, Infolge der langjährigen Tätigkeit der lutherischen „Berliner Mission" haben viele jüngere Leute lesen und schreiben gelernt. Die protestantischen Missionäre haben in der Landessprache abgefaßte und gedruckte Bibeln eingeführt, die toon vielen Bapedi fleißig gelesen werden, Wenn die Leutchen einmal lesen und schreiben gelernt haben, find ifie ungemein fleißig im Schreiben «amt Briefen an «Verwandte und Krennde. Die pünktliche Beförderung ihrer oft bedeutungslosen Mitteilungen mit häufig schwierig zu entziffernder Anschrift gefällt ihnen offenbar: denn dadurch gewinnen sie an Ansehen, Infolge des «Verkehres mit W'nren beherrschen ungefähr alle Männer und selbst viele Krauen deren Sprache, das Afrikaans oder Kapholländisch, Manche Männer, die in den Iohannesburger Gold-bergwerken tätig gewesen, verstehen auch mehr oder-weniger Englisch, Wenn abends die Herden versorgt sind und das Spätmahl eingenommen ist, wird im Kraal allgemeine Plauderstunde gehalten. Da erzählen die Alten von Krieaserlebnissen, von Jagden und Meisen, oder sie frischen die Erinnerung an Ereignisse längstverqangener Tage auf, oder sie wiederholen Sagen, Iabeln und Lobqesänge ihres Volkes, Manche Männer und Krauen find bekannt wegen ihrer Kenntnis eines umfangreichen., ungeschriebenen Wissensschatzes von Witz und Weisheit, ScharWnniqkeit und Lift, sowie wegen ihrer vorzüglichen Nachahmungskunst und lebendigen Darstellungskraft, mit der sie die Bolkserzählungen wiedergeben, ^n den Pedi-Aadeln ist n.ewdÄnlich * Ausführungen nach G, P, Lestrade, Praetoria. Missionskirche in Messendorf bei Graz. Blick intdas Innere. nicht der Löwe Set König der Tiere, sondern .meist der Elefant: die Schildkröte ist sehr listin nnd der Hase sehr verschlagen. Die Bapedi haben treffende Sprichwörter: „Die Stärke des Krokodils ist das Wasser." .„Die lüsterne Wans läuft der Katze in den Rachen." „Der Tod kennt keine Könige." „Ein weinendes Kind erhält Speise." „Slroei Hunde lassen einen Schakal nicht entkommen." „Das Spiel des Kindes endet mit Weinen." „!$)aS schönste Mädchen bekommt oft den häßlichsten Mann." „Wenn der Hund naßgeregnet ist, stößt ihn seder mit dem Fuße." „Ein unaufrichtiger Mann weint mit einem Auge." „Feindliche Heerhaufen, deren Herannahen vorher angesagt ist, sind ungefährlich." „Die Kuh leckt den, der sie leckt." „Töpfe werden gemacht, solange der Don gut ist." „Lügen fressen ihren eigenen Herrn." „Man steigt nicht schnell in die Höhe." „Wenn der Häuptling hinkt, kriecht das Volk." Die Bapedi sind sangessreudiq. Sie haben Sinn für Musik und Verständnis für mehrstimmige Gesänge, das sie befähigt, eine Melodie ohne weiteres, in der eigenen Stimmlage zu begleiten. Die Töne kommen bei ihnen mit voller Bruststimme heraus. Die Prächtigen Bässe der Männer sind im allgemeinen besser als die Soprane der .Frauen, die häufig mit geschlossenen Zähnen singen, was der Stimme einen näselnden Beiklang gibt. Während des Singens Hellen die Gesichter sich, auf: man sieht es den Leutchen an, daß sie bei der Sache sind: auch der Körper nimmt durch unbewußte Taktb ewegungen teil. Knaben und Jünglinge belustigen ftdji mit Meisen, wobei sie gern die Stimmen der heimischen Vogelwelt nachahmen. Junge Burschen lieben es auch, das Brüllen der Kälber Nachnahmen. Die Bapedi fertigen eine Art „Klavier" an. Auf einer Reihe hohler Flaschenkürbisse die als Resonanzboden dienen, sind flache öoIsttMe von verschiedener Länge angebracht. Sie dienen als Tasten, die mittels Meier Holzklöppel mit Kautschukende angeschlagen werden. Kerner haben sie eine Art Pfeife, .„Dinaka" genannt, und bogenförmige Saiteninstrumente, deren.gespannte Schnürchen gerupft werden. Große Tontrommeln dienen sum Taktschilagen. Das Tanzen nimmt einen wichtigen Platz im Leben aller Afrikaner ein. Der Bantutanz ist eine leidenschaftliche Vorstellung von etwas, das im Kriege, auf der 'Jagd oder im gesellschaftlichen Leben vorkam oder vorkommen kann. Er ist voll Witz und Geschick, sum Teil aber auch unsittlich. Die volkstümlichen Dorftänze in mondhellen Nächten gelten der Befriedigung des ungestümen Verlangens nach Belustigung und des Dranges nach Auslassung überschüssiger Kraft. Beide Geschlechter nehmen teil, aber nicht gepaart. Häufig tansen die Burschen allein, während die Mädchen zuschauen und die Tänzer durch Zurufe ermuntern. Wenn eine Person den Ruf eines guten Tänsers oder einer guten Dänserin genießt, mag das allgemeine Verlangen laut werden, sie solle die übrige Gesellschaft mit ihrer Kunstfertigkeit unterhalten. Umschau. Rom. (® i e Kran 1 e n und ihr Beitrag z u d e n M i s s i o n e n.) — Als vor vier Jahren sum erstenmal der Gedanke auftauchte, die Kranken Roms am Pfingsttage ihre Leiden für Papst und Missionen aufopfern zu lassen, konnte man unmöglich! ahnen oder gar voraussagen, daß er ein so nachhaltiges Echo, eine so begeisterte Aufnahme finden würde. Die Veranstalter des „Lei-denstages für die Missionen" mußten irgendwie die tiefe Bedeutung des Ausspruches erfaßt haben, der Bernadette Soubirous, der Seherin von Lourdes, zugeschrieben wird. Als man sie fragte, was sie im Kloster tue, gab sie zur Antwort: „Ich werde dort die Kranke sein!" Die Mission, das Apostolat des Leidens! Mit Unterstützung eines besonderen Komitees, mit Zustimmung der Direktoren der großen Hospitäler, Asyle, Hospize, Privatkliniken und der Pfarrvorstände hatte der Priestermissionsbund für Italien im Jahre 1931 an alle Kranken inner- und außerhalb der Krankenhäuser ein Rundschreiben versandt. Das Schriftstück enthielt die Einladung, am Pfingsttage 34 Stunden lang alle Leiden und Schmerzen zu-gunsten der kathol. Missionen aufsuopfern. Womöglich sollten alle auf den beiliegenden Blättern ihren Namen eintragen, um sie in Form eines Albums dem Heiligen Water su überreichen. Es schien, als ob die Kranken auf eine solche Losung nur gewartet hätten. Uber 7000 aus allen sostaken Schichten griffen begeistert den Vorschlag auf; sie schätzten sich glücklich, auf diese Weise sur Ausbreitung des Reiches Ehristi beitragen zu dürfen. Das große Wort von Msgr. Versus, dem Apostel von Guinea, nahm greifbare Gestalt an: „Wollen wir leiden! Leiden geht noch über das Gebet." Die Krankenhausgeistlichen konnten den Pfingsttag 1931 als „Freudentag für die Kranken" bezeichnen. Die Klamme, der verzehrende Brand, sprang von Rom auf gans Italien über. Pfingsten 1988 wurde die Einladung auf alle Kranken Italiens ausgedehnt. Der Leidenstag wurde in 156 Diö-sesen von 200.000 Krankenhauspatienten und ebenso vielen Hauskranken beqanaen. Der Papst konnte bei solchem Glauben und Edelsinn sich nicht enthalten su sagen: „Herrlich, wirklich herrlich die- ses Band, das die leidenden Kinder mit dem gemeinsamen Vater verbindet." Schön und heilig auch der Plan: Herrlich, da er die fließe sum Papst und den kath. Missionen kennzeichnet! Heilig in seiner göttlichen Wirksamkeit ... So konnte am Pfingstfest des heiligen Jahres 1983 der Priestermissionz-bund den Tag .der engsten Mitarbeiter des Gekreuzigten, der Kranken, besonders feierlich! und umfassend gestalten. Die ganze Größe, der Adel und die Bedeutung ihrer Mission kam den Kranken is um Bewußtsein; denn so drückten es manche im Gefühl ihrer Dankbarkeit aus; „Dieses heilige Beginnen hat sowohl dem Geiste wie auch dem armen, vom Schmers gebeugten Leibe Erleichterung gebracht . . ." Die Lisbe sum Heiligen Vater und su den Missionen feierte ihren Triumph. Die größeren katholischen Tagesblätter, dreißig Missions-Seitfchriften, neunsig Klerusblätter, über zweihundert Pfarrblätter, Zeitschriften aus allen Gegenden, die „Crociata Missionaria“ mit ihrer Auflage von Hunderttausenden von Exemplaren, das wertvolle, feinfühlige Entgegenkommen der Radiostationen von Rom, Mailand, Turin, Genua, Flo-rens, Palermo, Bozen, Bari, Triest stellten den Erfolg sicher: Aus 200 Diözesen 860.000 Kranke auf 1346 Krankenhäuser verteilt und wenigstens 200.000 Hauskranke! . . . Der kleine Same, den man mit zitternder, unsicherer Hand vor vier Jahren in die Erde fallen ließ, ist .su einem riesigen Baume geworden. Auch! für Pfingsten 1934 arbeitete man ebenso eifrig, so daß der „Leidenstag für die Missionen", der schon sur stehenden Einrichtung geworden ist, seinen Erfolg behielt. Die guten Früchte, insbesondere die Bekehrungen, sind schon vielfach so bekannt wie der ausgesprochene Wille des Heiligen Vaters: „Möge die heilsame Einrichtung, die einen unschätzbaren Wert birgt und deren Früchte man nicht nackt menschlichem Maßstab messen darf und kann, auch anderwärts immer mehr aufgegriffen werden und gleich zahlreiche gute Früchte hervorbringen . . .!" Mine große Mifsionshelferin g e-storben.f — Zwei missionsbegeisterte Frauen haben 1689 in Frankreich das Hilfswerk suqunsten des einheimischen Klerus ins Leben gerufen, das Stern der Neger 107 Heft 1000 MM päpstlichen Werk des heiligen Apostels Petrus wurde. Nach der schon länger verstorbenen Mutter ist nun auch die Tochter kürzlich in Elen« gon verschieden. Frau Wigard, Witwe eines Ma-gistratsbeamten . aus der Normandie, hatte sich längst mit ihrer Tochter dem Misstonswevk gewidmet. Da kam der Appell des Apostolischen Wi« kars von Nagasaki, Msqr. Cousin, zugunsten seines einheimischen Klerus. Der Bischof mar aus Mangel an Mitteln daran, sungen Japanern, die Aufnahme begehrten, die Tore seines Seminars zu verschließen. Das durfte nicht qeschöhen, wo ein Fünfzip-Millionenvokk auf das Evangelium wartete. Die beiden Damen widmeten sich jetzt fast ausschließlich der Wereitstellung von Mitteln Mr Heranbildung einheimischer Seminaristen. Ihrem apostolischen Eifer entsprang das Werk vom heiligen Apostel Petrus, so genannt, weil sie Mitglieder der Pfarrei Et. Petrus in Caen waren. 1893 lenkte Leo XIII. die Aufmerksamkeit der Welt aus die Frage des einheimischen Klerus. Jetzt begannen die Damen Bigard in ganz Frankreich ihr Wfevk auszubreiten: eine Reihe von Bischöfen erkannte seine Bedeutung. 1901 erhielt das Werk in der Person von Msgr. Pechenard, damals Rektor des Kath. Institutes in Paris, durch Vermittlung des Kardinals Richard seinen ersten Direktor. Von der Kirche offiziell anerkannt, nahm das Werk seinen Fortgang. Allerdings ging es 1604, nach dem Tod von Frau Bigard und infolge einer schweren Krankheit ihrer Tochter, in die Hände der Franziskaner - Missionarinnen Mariens über. Einem Appell Papst Benedikts XV. entsprechend, wurde es 1616 von der Propagandakonqregation übernommen und nach Übertragung der Zentrale von Paris nach Rom zum Range eines Päpstlichen Werkes erhoben. Mit Fräulein Bigard, die nach dreißigsähriger Tätigkeit im Dienst der Missionen ihren Lebensabend im Stift der St.-Iosef-Schwe-stern zu Alenxon verbrachte, ist eine edle, opferwillige Seele dahingegangen. Ihr ganzes Vermögen hat sie dem heißgeliebten Werke vermacht. Heute werden durch das Apostel-Petrus-Werk 16.000 Studenten in 400 Seminarien Asiens, Afrikas und Ozeaniens unterhalten. In Europa Mutter Gottes in der Kunst des Kongos. — Ein neu bekehrter einheimischer Künstler aus Belgisch-Kongo hat das Bild aus Elfenbein geschnitzt. Mutter und Kind sind in dem Missionsmuseum des Päpstlichen Werkes der Glaubenöverbrcitung zu Aachen aufgestellt. (Fides.) und Amerika werden jährlich zu diesem Zwecke nahezu zweieinhalb Millionen Mark aufgebracht. (Fides.) Der letzte Franziskaner von Texas.* Eine geschichtliche Erzählung (Fortsetzung.) lR^vruck „Laßt es genug sein, Mister Jackson", sagte er, indem er begütigend seine Hand aus des Mannes Schulter legte. „Ihr seid mir als Gast willkommen, solange Ihr wollt. Aber mäßigt Euren Zorn und vergeltet nicht Gleiches mit Gleichem. Bis Nacogdoches bleibt, wie es ausgemacht ist, der Indianer bei uns, und ich werde ihn * A. Laumannsche VerlagsbuchhandInng in Dülmen in Westfalen. von Robert Streit, O. M. I. verboten.) auslohnen, wie es die Gerechtigkeit erheischt. Gentlemen, wir haben bis zum Morgen noch einige Stunden; ich schlage vor, dieselben gut auszunützen. Good night!“ Die Wachen wurden abgelöst, und die Männer hüllten sich wieder in ihre Decken. Der Indianer tat wie die übrigen. Als alles ruhig geworden und lautes Schnarchen den guten Schlaf der Leute anzeigte, erhob er sich geräuschlos. Aufmerksam spähte er nach den Wachsn. Diese bemerkten ihn nicht, und lautlos, wie ein Schatten, verschwand er in dem Gebüsch. 7. Zwei Verräter. Der Indianer schlich an das Ufer des Sabine-Rivers. Dort, an der Stelle, wo man den Trapper aus den Wellen gezogen hatte, blieb er stehen und beugte sich vorsichtig über das Wasser. Der Baumstamm, auf welchem Mister Jackson seine Fahrt gemacht hatte, lag dicht am Uferrande, und die durchschnittenen Stricke hingen in die Flut hinab. Der Indianer zog sie herauf, und mit scharfem Auge prüfte er die Entfernung der beiden Knoten, mit denen der Strick um den Stamm geschlungen war. Ein zufriedenes Lächeln glitt jetzt über das gebräunte Gesicht. „Die Augen der Bleichgesichter", murmelte er vor sich hin, „sind mit Blindheit geschlagen. Die Arme und Beine dieses Bleichgesichtes waren zum Rudern frei. Es ist ein Verräter." Hierauf wandte er sich dem dichteren Buschwerk zu, das oberhalb des Flusses ansetzte, legte seine Hand an den Mund und ließ dreimal den Ruf einer Eule ertönen. Es währte nicht lange, bis ein Kanoe sich aus dem Schatten des gegenüberliegenden Ufers löste und herübersteuerte. Der Ruderer des Fahrzeuges war gleichfalls ein Indianer, und er legte in der Nähe der Stelle an, wo der Rufer wartete. Derselbe stieg ein, und geräuschlos trieb der leichte Kahn wieder über den Fluß. „Sind die Krieger der Kichis bereit?" begann am jenseitigen Ufer der Indianer, der soeben aus dem Lager des Mister Allen gekommen war. „Die Brüder Quayhamkays lagern dicht an der Schlucht, durch welche die Bleichgesichter ziehen werden. Wunnestou hat sie herbeigeführt und in dem Walde verborgen, denn seit gestern streift eine Anzahl Bleichgesichter oben am Flußufer umher." „Uff! Uff!" rief Quayhamkay. „Wieviel Männer hat mein Bruder gezählt?" Der Indianer öffnete und schloß zweimal die Hände und hielt drei Finger empor. Also dreiundzwanzig Mann. Dann fügte er bei: „Sie verbergen ihre Spuren, unb sie sind Feinde jener Bleichgesichter dort drüben." Quayhamkay nickte befriedigt und sagte: „Es find die Bleichgesichter vom Grenzfluß der weißen Männer (Calcasieu-River). Die Männer von Nacogdoches aber sind-mit Blindheit geschlagen und sehen ihre Feinde nicht. Quayhamkay jedoch hat sie erkannt, den Mann in Natchidoches, den sie zum Führer nahmen, und den Mann, der auf dem Wasser zu ihnen gekommen ist. Die Bleichgesichter, seine Freunde, haben ihn selber auf den Baumstamm gebunden, und nicht die Kichis; sie wollen die Männer aus den Steinhäusern von Nacogdoches täuschen. Quayhamkay, der Häuptling der Kichis, aber wird sich rächen. Er wird dem Bleichgesicht, das gegen den roten Mann gesprochen hat, von den Squaws die Zunge durchstechen lassen. Wunnestou möge die Krieger den Tag über verborgen halten und morgen abend mit ihnen die Schlucht nach Sonnenuntergang belagern. Mein Bruder kennt den Weg. Kein Bleichgesicht soll . . Der Häuptling hielt plötzlich inne. Vom Flusse her wurden abermals Ruderschläge hörbar. Beide Indianer wandten ihre scharfen Blicke auf das Wasser. „Uff! Uff!" entfuhr es voll Staunen den Lippen Quayhamkays, welcher zuerst die Insassen des Fahrzeuges im hellen Mondlicht erkannt hatte. „Die beiden Bleichgesichter! Mein Bruder folge mir!" Geräuschlos erhoben sich die Indianer und verschwanden in dem dichten Waldgestrüppe. Unterdessen stieg der Kahn ans Ufer, und zwei Männer stiegen an das Land. Es waren die Mister William und Jackson. „Hier sind wir sicher", begann ersterer, „und selbst diese elende Rothaut, die mich in den letzten Tagen auf Schritt und Tritt verfolgt, kann uns hier nicht belauschen. Es wird die höchste Zeit, daß wir sie uns vom Halse schaffen. Sie verfolgt eigene Pläne, aber auf jeden Fall durchkreuzt sie die unsrigen. Ein verrückter Gedanke war es von Mister Allen . . ., doch sagt, was bringt Ihr für Nachrichten, Jackson?" „Kurz gesagt die, daß wir morgen abend den Handstreich wagen. Der Kapitän hat seinen Plan geändert. Er will Nacogdoches vorläufig in Ruhe lassen, um sofort den Beim mittcmiict)tlics)cu Mahl gestört. — Einem katholischen Missionär der Kenya-Kolonie ist das Bild zn danken. Der König der Tiere ist daran, sich an frischem Zcbrafleisch zu laben. Er tont nicht über den ersten Bissen hinaus, denn sobald er den toten Leib berührte, flackerte automatisch das Blitzlicht für die Kamera ans, die man gerade vor ihn hingepflanzt hatte. Vom Schrecken gepackt, stürmt der Löwe in die Dschungeln zurück. (Fides.) Mister Allen aufs Korn zu nehmen. Er schickte mich, um Euch die nötige Weisung zu bringen." „Hm! Hm!" machte William. „Ihr seid auf recht sonderbarliche Weise gekommen." Jackson lachte. „Wißt, William, es gibt kein besseres Mittel, sich bei den Leuten einzuführen, als das Mitleid. Da steht sofort Herz und Türe offen." „Trotzdem war es unklug, sehr unklug", sagte kopfschüttelnd der andere, „sofort mit dem Indianer anzuzetteln." „Pah! Die Rothaut wird uns nicht mehr lange hinderlich sein", erwiderte Jackson geringschätzig. „Wißt Ihr auch, was mir der Kerl ins Ohr flüsterte? ,Das Bleichgesicht ist ein Verräter", zischte er. Ich weiß nicht, ob er schon irgendwo meine Bekanntschaft gemacht hat; aber jedenfalls wird man jetzt im Lager auf ihn achtgeben, und das wollte ich gerade. Heute und morgen werden sich die da drüben nach den Rothäuten die Augen ausschauen, und dann werden sie der Vorsicht müde sein und nachlässiger fein, wie nie zuvor. Wißt, William, das Laster ist nie schlechter, als wenn es faulgewordene Tugend ist." „Wo soll der Überfall stattfinden?" „Ihr kennt die Davis-^Schlucht? — Gut. — Morgen nachmittag müßt Ihr sie erreicht haben. Ein offener Handstreich wäre zu ge- fährlich, denn Mister Allen und seine Leute verkaufen ihre Häute nicht billig. Wir aber können nur auf unsere Mannen zählen; auf die Tschirokesen ist kein Verlaß. In Nacogdoches blieben sie aus, deshalb mag wohl auch der Kapitän sich anders besonnen haben. Eine Dummheit war's überhaupt, sich mit den Tschirokesen einzulassen. Ich hasse das gesamte rote Gesindel. Uns hat das nichts anderes eingebracht, als die Feindschaft der Kichis, die mit jenen auf dem Kriegspfade sind, und dem armen Melton hat es das Leben gekostet." „Wie, Melton ist tot?" rief William. „Drüben in der Prärie überfiel uns eine starke Bande dieser Kichis. Wir waren unser nur sieben, und so suchten wir unser Heil in der Flucht. Der arme Teufel von Melton stürzte mit seinem Pferde, und die Rothäute werden ihm wohl die Kopfhaut abgezogen haben." „Wieviel Leute zählt der Kapitän?" „Wir sind hier dreiundzwanzig Mann an der Zahl. Die Hälfte davon wird Euch in gemessener Entfernung folgen, um in der Schlucht als Riegel für die Mausefalle zu dienen. Ein anderer Teil lagert bereits am Ausgang der Schlucht. Der Kapitän, mit einigen Auserwählten, wird dann vom Walde herab die Front nehmen. Von der großen Schwarzeiche, welche den Berggipfel krönt, und die weithin sichtbar ist, wird das Angriffszeichen gegeben werden. Ihr, William, habt also nur die Aufgabe, Mister Allen mit seinen Leuten glücklich und heil in den Talkessel zu bringen. Schwerlich kommt er wieder heraus, und eine Freude werdet Ihr erleben, wenn Ihr diese Mäuse pfeifen hört." „Alle Wetter, ein Pferdehuf", rief William aufspringend. „Hört Jhr's?" Auch Jackson war aüfgesprungen und schlich an den Rand des Buschwerkes. Das Ufer fiel hier auf dieser Seite ziemlich steil ab. Während nämlich nach Norden hin ein hügeliges Waldland sich hinzog, setzte nach Süden eine grasbestandene Ebene, der Ausläufer der Prärie, ein. Durch diese führte der Weg von dem Sabine-River an den Raches. Nur an einigen Stellen berührte er das beschwerliche Waldland. Vom steilen Uferrande konnten die beiden Männer bequem die Straße überschauen. Sie spähten aufmerksam aus dem Gebüsche und erblickten einen Reiter, der sein Pferd zu raschem Laufe antrieb. Jackson hatte zuerst den Reiter erkannt, und ein Fluch entschlüpfte seinen Lippen. „Verdammt!" rief er, „das ist der braune Kuttenträger, den wir vergebens in Nacogdoches suchten. Er reitet ja seinen elenden Klepper schier zu Tode." „Was mag der hier wollen?" frug William. „Auf keinen Fall darf er in das Lager hinüber", antwortete Jackson. „Es ist ein alter, schlauer Fuchs, und ich will nicht Jackson heißen, wenn er nicht irgendwo etwas gewittert hat. Umsonst schindet er seinen Gaul nicht so ab. Sieh, er lenkt zum Flusse. Dort muß er durch den Hohlweg. Weiter darf er nicht kommen." 8. Gefangen und erlöst. Pater Diaz trocknete die schweren Schweißtropfen von der Stirne. Die Augen wollten ihm schier vor Müdigkeit zufallen, aber mit Gewalt hielt er sich im Sattel aufrecht, und immer von neuem spornte er sein Pferd. „Heilige Madonna, hab' Dank!" murmelte er jetzt, tief aufatmend. „Ich bin am Ziele." Der Weg begann allmählich zu steigen, und er gewährte den Ausblick auf den Sa- bine-River. Hell schimmerten durch die Morgendämmerung die weißen Lagerzelte vom jenseitigen Ufer herüber. „Sie sind noch am Leben, also auch noch zu retten. O Gott, schütze die Bedrohten! Wie herrlich, Allmächtiger, hast du die Erde gebaut, und ach, die Bosheit der Menschen macht sie zur Hölle!" Der Mönch seufzte schmerzlich bewegt, und er blickte wehmütig zum fernen Osten, wo das erste Morgenrot den Himmel mit glänzendem Purpursaum umwob. Pater Diaz hielt jetzt sein Pferd an und stieg ab; es hatte ja seinen Dienst getan, und es war nichts mehr zu versäumen. Der Weg lenkte nunmehr in einen Engpaß ein, der das steile Ufergelände durchbrach. Der klare Wasserspiegel des Flusses wurde bereits sichtbar. Langsam schritt der Franziskaner voran.. Da, ein Knacken und Rascheln in den Gebüschen. Er blickte auf. Die Zweige wurden geteilt, und zwei Männer versperrten ihm den Weg. Es war Jackson mit William. Sie hatten ihre Bowiemesser aus dem Gürtel gerissen und riefen: „Mönch, ergib dich! .Du willst dort hinüber, um sie zu warnen. Du bist verloren!" „Wollt ihr sie verderben?" fragte Pater Diaz furchtlos, und er richtete einen ernsten Blick auf die Angreifer. „Die Hände her!" herrschte Jackson den Missionär an. „Wir haben keine Zeit zu verlieren, und halte dich still. Beim ersten Ruf, Mönch, stoße ich dir das Messer in die Kehle. Laß deine Freunde drüben ruhig weiter schnarchen, die werden Schlaf für ihre Reise, die sie bald zu machen haben, nötig haben." Während William das Pferd beim Zügel ergriff, trat Jackson auf den Franziskaner zu'. „Was habt Ihr vor?" „Das sollst du gleich gewahr werden." „Fürchtet Gott und seine Gerechtigkeit!" „Die Predigt spare dir, Kahlkopf; unsere Zeit ist kurz." William hatte die Zügel des Pferdes losgelassen und war hinter den Missionär getreten; ein Ruck — und Pater Diaz lag am Boden. Die beiden Männer schnürten ihm die Hände zusammen, und als der Gefangene einige Anstrengungen machte und um Hilfe rufen wollte, rief Jackson: Stern der Neger 111 Heft 7 „Haha, Mönch! Du erinnerst uns an das, was wir vielleicht vergessen hätten!" Er kniete dem Gefesselten auf die Brust und steckte ihm einen Knebel in den Mund. Dann trieben die beiden den armen Pater vom Boden auf. „Jetzt, William", sagte Jackson zu seinem Gefährten, „machst, daß Ihr hinüberkommt, damit sie Euch nicht vermissen. Auf mich werden sie nicht so. sehr achten; sie haben vor dem Aufbruch genug zu tun. Wenn man nach mir fragt, so erfindet irgendeine Ausrede; sagt, ich wäre meine Fallen suchen gegangen, oder lügt sonst etwas zurecht. Verzögert die Überfahrt der Leute, bis ich wieder da bin. Höchstens eine gute halbe Stunde wird es dauern." William verschwand zwischen dem Buschwerk. Jackson aber schwang sich aufs Pferd des Missionärs und ergriff den Strick, mit dem Pater Diaz gefesselt war. Fluchend und scheltend trieb er Pferd und Gefangenen voran. Er ritt erst eine kurze Strecke den Weg, auf welchem Pater Diaz soeben gekommen war, zurück; dann schwenkte er nach links ab, wieder dem Flußufer zu. Das Terrain wurde immer schwieriger. Während nach Westen hin die Ebene sich ausdehnte, setzte in der Nähe des Flusses wieder dichtes Waldgestrüpp ein. Hier und da hatte der wilde Strom das Ufer durchbrochen und breite Wasserrinnen durch den Wald-grund gezogen. In üppiger Fülle wucherten Schilf, Farnkräuter und Schlingpflanzen durcheinander. Der Boden war feucht, stellenweise sumpfig. Es war gefährlich, sich hier hineinzuwagen. Nur langsam ging es voran, und Jackson wetterte und fluchte, wenn das ermüdete Pferd nicht mehr vorwärts wollte, oder wenn es über eine morsche Baumwurzel stolperte. Er schlug es wütend in die Weichen, so daß sich das Tier hoch aufbäumte und den armen Pater in Lebensgefahr brachte. Derselbe befand sich in einem jammervollen Zustande. Die Kleider waren zerrissen, mit Staub und Schlamm bedeckt, Hände und Gesicht von den spitzen Dornen blutig aufgerissen. Die Füße bluteten bereits aus mehreren Wunden. Aber kein Laut der Klage kam über die Zunge, die vor Durst wie Feuer brannte. Heiliger Frieden und tiefe Gottergebenheit lag über das Antlitz des Priesters gebreitet. O Kreuz! O Leid! Wie leicht wird die Bürde, wenn euch die Liebe zu Gott träat! Jackson fühlte mit dem armen Missionär kein Mitleid; immer schneller ritt er durch das dornige Buschwerk, dessen Zweige erbarmungslos das Gesicht des Gefangenen peitschten. Unruhig ließ Jackson seine Äugen umherschweifen, und er schien das Gesuchte jetzt gefunden zu haben. Er hielt das Pferd an und stieg ab. In der Nähe stand ein großer, wilder Mesquitebaum. Hierher führte er den Gefangenen. „So, Mönch", sagte er, indem er die Arme desselben um den Stamm zog und festband. „Vielleicht wirst du inzwischen Langweile bekommen, .tut mir leid, aber der rote Jack will dich persönlich kennen lernen, sonst hätte ich mit dir kürzeren Prozeß gemacht und mir diese Mühe erspart. Doch die Zunge will, ich dir lösen, damit du uns nicht vorher erstickst. Wir sehen uns bald wieder." Er bestieg von neuem das Pferd. Mit ernstem Blicke rief ihm Pater Diaz zu: „Denkt an Eure Seele! Gott sei ihr gnädig. Wir werden uns nicht Wiedersehen." Jackson lachte höhnisch auf, aber es war ein erzwungenes Lachen. Ein seltsamer Schauer hatte ihn bei den Worten des Priesters erfaßt. „Pah! Wahnwitz und Aberglauben", sagte er sich und hieb auf das Pferd. So war denn Pater Diaz allein und verlassen in der weiten Wildnis. Voll Erschöpfung drohte er zusammenzubrechen,, doch die Stricke hielten ihn gewaltsam aufrecht. „O Gott, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe", betete er mit ermatteter Stimme.. Ringsum begann sich neues Leben zu regen. Die ersten Strahlen der ausgehenden Morgensonne zitterten durch das Baumgeäst. Die Vöglein reckten, vom Schlafe erwachend, lebensfreudig die Flügel und schmetterten mit heller Stimme dem kommenden Tag entgegen. All das kleine Getier in den Sträuchern und Gebüschen wurde lebendig. Am Boden liefen geschäftig die Ameisen, die Schmetterlinge gaukelten um die süßen Blumenkelche, und flüchtig huschte zwischen den Farnen die schimmernde Eidechse. Pater Diaz fühlte sich zum Sterben irtübe. Was sollte nun aus ihm werden? Welcher Tod wartete seiner? War es durch den schnellen Dolch der Mörder, war es durch die schreckliche Pein des Hungers? Und seine Freunde? Ahnten sie die Gefahr? — Aber der hohe Opfermut und Opfersinn, den er seit Jahren geübt, zeigte sich auch in dieser Stunde stark. „Nimm hin, o Gott", so betete er, „nimm hin dies sterbliche Leben, und gib mir und den mir Anvertrauten das Leben der Ewigkeit mit seiner Wonne, mit seiner Seligkeit, welche du selber bist." Plötzlich war es ihm, als wenn sich seine Fesseln lösten. Träumte er? Nein, er träumte nicht. Seine Hände und Füße waren frei; er konnte sie bewegen, die Stricke waren gefallen. Einen Augenblick erhob er in stiller Andacht die blutenden Hände zum Himmel, dann wandte er sich um. Vor ihm stand Wunnestou, der Späher der Kichis. „Manitu, der Große Geist", begann der Indianer, „hat Wunnestou ein dankbares Herz gegeben. Der Beter hat ihm das Leben gerettet, hat ihm die Freiheit gegeben. Wunnestou gibt das auch dem Beter zurück; der Beter ist frei." Voll Dankbarkeit ergriff Pater Diaz die Hand des Indianers: „Wie kommt Wunnestou, mein roter Bruder, hierher?" „Wunnestou war in der Nähe der Bleichgesichter. Er weiß, Mas sie wollen. Er hat gesehen, wie sie den Beter gefangennahmen, und er war hierher gefolgt." „O möge der Große Geist meinen Bruder .segnen und ihn zu seinem Kinde machen. Aber weshalb späht Wunnestou nach den Bleichgesichtern?" Der Indianer schwieg einen Augenblick, dann sagte er: „Die Bleichgesichter schleichen wie Schlangen durch die Wälder. Aber der rote Mann wird die Schlange zertreten und die Beute in seinen Wigwam führen." „Kennt Wnnnestou die Bleichgesichter von Nacogdoches, die jetzt am Sabine-River lagern?" „Wunnestou kennt sie." „Sie sind bedroht." „Wnnneston weiß es." „O mein Bruder, gehe, warne, rette sie!" Der Indianer schüttelte den Kopf. „Was Wunnestou tun konnte, das hat er getan; mehr darf er nicht tun. Er muß den Befehl seines Häuptlings erfüllen. Die Kichis hassen die Bleichgesichter, und nicht ohne Grund hat der Große Geist dem roten Manne den Tomahawk gegeben und seinen Arm stark gemacht. Der rote Mann wird sein Recht fordern und alle Unbill rächen." „O dann muß ich selbst zu ihnen. Die Unglücklichen! Sie sind verloren. . . . O Gott! Weshalb nahmst du nicht mein Leben, um das ihrige zu schonen?" Der Missionär wollte fort, aber der Indianer hielt ihn zurück. „Der Beter darf nicht zu ihnen, sonst ist er verloren; er kann sie nicht retten. Kennt der Beter das Steinhaus dort am Ende der Prärie?" „Ja, es gehört dem Mister Bordon." „Dorthin möge sich der Beter begeben, dort wird er bald von seinen weißen Brüdern hören. Wunnestou muß jetzt gehen." ,/O möge der Große Geist meinen roten Bruder führen", rief Pater Diaz. Er umarmte den Wilden und zeichnete ihm das Zeichen des heiligen Kreuzes auf die Stirne. Wunnestou ließ es geschehen. 9. Der überfall. Von den warmen Strahlen der Morgensonne geweckt, hatten die müden Schläfer am Sabine-River neues Leben in die Lagerzelte gebracht. Die Feuer wurden angefacht und die Wasserkessel aufgesetzt. Die Knechte trieben die Tiere zur Tränke, dann wurde zum Aufbruch gerüstet. Ein jeder hatte die Hände voll Arbeit, und keinem war die Abwesenheit Mister Jacksons aufgefallen. Erst als der Zug sich in Bewegung setzte, traf derselbe mit Mister Allen zu-zusammen. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des heiligsten HerzensJesu. Verwaltung 'Missionshaus „Maria Fatima", Post Nnterpremstätten b. Graz, Stmk. Verantwortlicher Redakteur für Österreich: P. Alois Wils-ling, F. S. C., Generalassisteut, Missionshaus „Maria Fatima", Post Unterpremstärten bei Graz; für Deutschland: P. Heinrich Wohnhaus, F. S. C„ Missionsseminar St. Josef, Ellwangen.Jagst, Württemberg. — Universitäts-Buchdruckerei „Styria", Graz.