5tern cJerTSletjer Zeitschrift der Missionare Söhne des Hist. Herzens Jesu Herzliche Bitte Ein Teil unserer Bezieher hat es übersehen, den Bezugspreis für das laufende Jahr einzuzahlen. Wir legen daher für unsere Einzelbezieher in Deutschland eine Zahlkarte bei mit der Bitte, den Bezugspreis von DM 3.— einzuzahlen. Konto nebenstehend. An alle Bezieher richten wir die herzliche Bitte um eine Gabe für die vielfältigen Aufgaben unserer Kongregation, besonders für unsere Neugründung in Spanien. Afrika und die Kirche Aus der Pfingstansprache Papst Johannes' XXIII. Die Christen Afrikas nimmt die Kirche mit derselben Liebe wie alle ihre andern Kinder auf; ist sie doch das gemeinsame Vaterland der Seelen. Diese tiefgreifende Einheit des Menschengeschlechtes immer mehr zu offenbaren, ist Mission der katholischen Kirche. Die Verantwortung dafür obliegt dem Kollegium \ der Bischöfe, die den Platz der Apostel, vor allem des hl. Petrus und seiner Nachfolger, einnehmen und im Lauf der Jahrhunderte gar manchmal ihre Sorge um Afrika gezeigt haben. Wir erinnern an die bedeutsame Enzyklika Fidei Donum Unsres Vorgängers, in der er die Blicke der Gläubigen auf Afrika hinlenkte in der Stunde, da dieses sich dem modernen Leben erschließt und wohl die schwierigsten Jahre seiner tausendjährigen Geschichte durchmacht. Aufs neue möchten Wir euch, wie Wir es jüngst aus Anlaß der Unabhängigkeitsfeier von Togo getan haben, Unsre große Genugtuung ausdrücken, da Wir sehen, wie sich Schritt für Schritt der Aufstieg zur Selbständigkeit vollzieht. Die Kirche freut sich dessen und vertraut auf den Willen dieser jungen Staaten, den Platz einzunehmen, der ihnen im Völkerkonzert gebührt. So weht noch einmal über Afrika der Sturm des Pfingstfestes. Bewegten Herzens dachten Wir daran, da Wir vor kurzem über die neuen Bischöfe die bedeutsamen Worte des Pontifikale sprachen; Accipe Spiritum Sanctum, Empfange den heiligen Geist. STERN DER NEGER Zweimonatsschrift Jahrgang 53 INHALT Prälat Anton Kühner: Herzliches Vergelt’s Gott .......... 73 P. Josef Lang: Prälat Kühner wieder in Tarma ...... 74 P. Lorenz Unfried: Soziale Aufgaben in Cerro de Paseo .. 77; Bilder- aus Pozuzo ................. 81 Saldana en’Madrid................... 82’ P. Adalbert Mohn: Stierkampf in Spanien .............. 83; Br. August Cagol: Zurück in die Heimat (1. Teil) ..... 85 Acht afrikanische Bischöfe.......... 87 P. Oskar Hof mann: St. Willibald, erster Bischof von Eichstätt ...................... 89 Hugo Kocher: Die schwarze Blüte (2. Fortsetzung) ... 90 ; Koko und Poko ...................... 94| P. Willi Kühner: Warum ist die Katze ein Haustier? ... 95| Kurz berichtet ................•.... 96j Stierkampf auf Briefmarken ......... 96] Titelbild St. Willibald, Eichstätt Bestellung Deutschland: Missionshaus Josefstal (14a) Ellwangen/Jagst (Württemberg) Österreich : Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz Italien : Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen Jährlicher Bezugspreis DM 3.---S. 15 — Lire 500 Einzahlung Deutschland: Missionshaus Josefstal Postscheckkonto Stuttgart 540 66 Österreich : Scheckkonto 86211 „Stern der Neger“ Italien: Herz-Jesu-Missionshaus in Milland Bressanone/Brixen C.C.P. 14 / 7392 Trento Herausgeber und Verleger Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu Josefstal bei Ellwangen/Jagst Schriftleitung P. Edmund Schümm, Josefstal Druck : Schwabenverlag AG Zweigniederlassung Ellwangen/Jagst Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern Unsere Bilder: Gg. Klose 1, Jos. Lang 1, Ad. Mohn 1, Joh. Pezzei 2, Joh. Steiner 1 (Titelbild), C. Santos 1, Fides 8. „Jesus und Johannes“ — Ausschnitt aus einem Abendmahlsbild von Andrea del Sarto Die Soiuitagsmesse Der . Eudiaristische Weltkongreß in München ist seiner Sinngebung nach Eucharistie-feier der ganzen Weltkirche, und so werden auch zahlreiche Vertreter aus ,den Missionsländern an den Feiern teilnehmen. Aus diesem Anlaß sollten wir Unsere Aufmerksamkeit audi einmal hinlenken. auf den kleinen eudiaristisdien Kongreß, den jede Pfarrge-meinde allwöchentlich hält, die Sonntagsmesse. Die Feier der Sönntagsmesse ist für eine lebendige Pfarrei und für aufgeschlossene Christen das größte Ereignis, der Höhepunkt der Woche, das große Gemeinschaftserlebnis. Denn nie sind wir so eng miteinander verbunden, als wenn wir um unseren sich hinopfernden und auferständenen Herrn geschart sind und sein Kreuzesopfer mitfeiern. Darum sollte die Mitfeier der heiligen Eucharistie unser festes und schönstes Werk der ganzen Woche Sein. Nie sollten wir so frisch, so freudig bewegt, so aufmerksam sein'wie in dieser Stunde. Wenn wir den Abend des Samstags schon zur Einstimmung auf den Sonntag verwenden, etwa indem wir die Meßtexte besinnlich durchgehen, dann wird uns beim. Ruf der Sonntagsglocken zumute sein wie einst dem Psalmisten, wenn der Tag der Wallfahrt nach Jerusalem angekündigt wurde: Wie freute ich mich, als man mir sagte: Wir ziehen zum Hause des Herrn! Die gleichbleibenden und wechselnden Teile der, hl. Messe bieten einen so reichen Schatz von religiösen Wahrheiten, sind eine so unerschöpfliche Fundgrube der Anregungen fürs praktische Christenleben, daß das Meßbuch unser ständiger Begleiter durchs ganze Leben sein sollte. Prälat Kühner mit seinen Geschwistern. Ganz rechts Fri- Martha, jetzt in Tarma; Prälat Kühner mit den Or- j densschwestern, die aus seinem Heimatdorf Bachenàu hervorgegangen sind. Prälat Kühner wieder in Tarma Von P. Josef Lang Am 24. Mai hatte Prälat Anton Kühner mit seiner ' Schwester Martha, die ihm in Tarma den Haushalt führen wird, auf dem Flughafen Frankfurt/Main die Heimat verlassen und war über die Vereinigten Staaten, wo er mehrere Zwischenaufenthalte nahm, am 4. Juni in Lima eingetroffen. Sr. Johanna Eifel-tinger, Oberin der Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen bei Bamberg, holte sie mit ihrem grünen VW-Bus am Flugplatz ab und beherbergte sie acht Tage in ihrem neuerbauten Kolleg „Santa Maria Goretti". Die Tage in Lima waren ausgefüllt mit Besuchen bei der päpstlichen Nuntiatur, bei der deutschen Botschaft, mit Erledigung der Paßformalitäten und mit Einkäufen. Inzwischen traf audi P. Josef Lang mit seinem VW-Bus aus dem 250 Kilometer entfernten Tarma ein. Als Will-? kommgruß der Blumenstadt Tarma überbrachte er zwei Bukette von roten und weißen Nelken. Eine Einladung zur deutschen’ Familie Moll in Lima gestaltete sich zu einem regelrechten Volks- liederabend: Prälat Kühner begleitete am Klavier, Sr. Johanna mit den beiden Buben der. Familie auf ihren Flöten. Das Ehepaar Moll war vor 33 Jahren aus der Stuttgarter Gegend nach Lima ausgewandert, ihr ganzer Besitz eine Nähmaschine und eine Schreibmaschine. Heute besitzen sie in Peru fünf Metall-und Tuchfabriken. Trotz dieses reichen Segens sind sie einfache Menschen geblieben, und ihre Großherzigkeit kommt den vielen deutschen. Instituten beider Konfessionen zugute. In der Frühe des 12. Juni reisten dann die drei im bis zur Decke vollgepackten Kleinbus von Lima ab. Fräulein Martha war wohl froh, denn das drückend heiße Klima der Hauptstadt hatte ihr ziemlich zugesetzt. „Nun fühle ich mich richtig wohl", sagte sie, als wir gegen 12 Uhr in San Mateo ankamen und bereits die Höhe von 3250 Metern erklommen hatten. Ein tiefblauer, wolkenloser Himmel wölbte sich über uns. Noch 30 Kilometer bis zur höchsten Stelle der Straße. Wir durchqueren einen Friedhof, durch den die Straße gebaut ist, so daß sogar noch vermodernde Särge herausragen. Dann passieren wir die ersten großen Erzlagerstätten. Die Berge stecken ja noch voller Erze aller Art, die jetzt von englischen, französischen und amerikanischen Gesellschaften abgebaut werden. Der deutsche . Forscher Alexander von Humboldt urteilte einst: „Peru ist ein Bettler, sitzend auf einer Goldbank." Kurz vor der Paßhöhe, nahe dem höchstgelegenen Bahnhof der Welt, halten wir und bestaunen zwei Fußballmannschaften, die auf dieser Höhe von 4800 Metern nun den ganzen Nachmittag herumrennen, während wir uns kaum zu bewegen getrauen, um nicht schwindelig zu werden oder Atemnot zu bekommen. Gegen 2 Uhr erreichen wir dann den' Ticlio-Paß mit seinen 4843 Metern Höhe. Wir machen einige Aufnahmen und treffen Deutsche aus Ungarn und Argentinien. So singen wir nun gemeinsam ein Lied, das alle kennen: „Im schönsten Wiesengrunde ...", und das auf Montblanc-Höhe! Als wir dann die Paßhöhe überschritten haben und vorbeifahren an den in Prälat Kühner mit' seiner Schwester Martha' auf der Paßhöhe zwischen Lima und Tarma. Grün und - tiefem Blau schimmernden zahlreichen Bergseen, hinter denen sich wieder mächtige Gletscher erheben, singen wir, ergriffen von all der Größe der Schöpfung: „Großer Gott, wir loben Dich." Gegen 16.30 Uhr erreichen wir den Ort Paccha, 50 Kilometer vor Tarma. Mit Blumen und Spruchbändern werden Prälat Kühner und seine Schwester von zahlreichen Tarmeniern mit peruanischer Herzlichkeit stürmisch empfangen. Ohne langes Verweilen — in Tarma wartet ja seit 17 Uhr die gesamte Bevölkerung — fährt die Kolonne — 15 Autos und zwei vollbesetzte Omnibusse •— in zügigem Tempo über die weite, unbewohnte Hochebene, bis es dann in vielen Serpentinen abwärts, Richtung Tarma, geht. In Huas-qui, zehn Kilometer vor dem Ziel, begrüßt der Bürgermeister von Tarma den Hoch würdigsten Herrn Prälaten, und Frau Bürgermeister überreicht Fri. Kühner ein herrliches Bukett weißer Gladiolen als Willkommgruß der Stadt Tarma. Langsam bewegt sich die Autokolonne, die inzwischen auf 40 Fahrzeuge angewach- Herzliches Vergelt's Gott Nachdem ich wieder in .meine Pralatur Tarma zurückgekehrt' bin, drängt es mich, allen ein herzliches Vergelt's Gott zu sagen, die mich während meines ^Aufenthaltes in der Heimat so reich beschenkt haben, um es mir zu ermöglichen, wichtige Aufgaben religiöser und sozialer Art in Angriff zu nehmen. Es war für midi ein erhebendes Gefühl, zu sehen, wie groß in weiten Kreisen unseres katholischen'Volkes das Interesse an der weiten Weltkirche ist. Und so ist es auch richtig: Jeder, der durch die Taufe zum Gottesreich gehört, soll sich nicht nur um sein persönliches Seelenheil und daš seiner Familie kümmern, nicht nur für, seine Pfarrei Interesse zeigen, sondern auch am Werden und Wachsen des Gottesreiches in Ost, Süd und Wèst mitarbeiten. Ich denke da auch an die Katholiken Südamerikas, die religiös zum großen Teil unterernährt sind, eine; Folge dèr politischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte. Südamerika hat heute 180 Millionen katholische sen ist. Gegen 18 Uhr erreichen wir die 15Ö00 Einwohner zählende Stadt Tarma, die „Perle der peruanischen Anden". Aus allen Richtungen sind die Menschen herbeigeeilt, Um ihren Oberhirten freudig zu begrüßen. Schüler in bunten Uniformen bilden Spalier und schwenken begeistert ihre Papierfähnchen in den päpstlichen und peruanischen Farben. Von allen Seiten Händeklatschen und Zurufe: „Viva nuestro Prelado!" (Es lebe unser Prälat) und „Biénvenido en Tarma!" (Willkommen in Tarma). Die Blechmusikkapelle der Knabenmittelschule, setzt ein, und unter festlicher Musik zieht der Hochwürdigste Herr in einem wahren Triumphzug durch' die mit bunten Fähnchen in den päpstlichen, deutschen und peruanischen Farben, geschmückte Hauptstraße in die Kathedrale ein, die beim feierlichen levitierten Hochamt bis auf den letzten Platz gefüllt ist.; Generalvikar P. Lorenz U n f r i e d begrüßt in herzlichen Worten den Oberhirten der Prälatur, Der gemischte Chor singt unter Leitung von P. Josef Lang den dreistimmigen Satz von „Christus vincit", die Missa tertia von Haller und die bei- Ghristen, das heißt, fast ein Drittel der ganzen Kirche entfällt auf Südamerika. Aber hier, fehlen für eine j halbwegs geordnete Seelsorge 130 000 Priester! Diesen ■ Bedarf an Priestern kann Südamerika noch auf lange Zeit nicht selbst deckèn, obwohl sich gute Ansätze zeigen. Daruin ist es der , dringende Wunsch der Kirche, daß die alten christlichen Länder einspringèn. Ich wende mich dabei an die katholischen Eltern in der Heimat: Betet, daß der Herr eines Euerer Kinder rufen möge und daß das Kind dem Rufe des Herrn Folge leiste in seinen Weinberg. Zum Schluß danke ich nochmals allen meinen Wohltätern von Herzen, auch im Namen meiner Mitarbeiter hier ' in der Prälatur Tarma. Ich erflehe Euch den Segen des Herrn und grüße Euch mit dem Wunsche 'weiterer, Verbundenheit. Anton Kühner' • Prälat von Tarma den vierstimmigen deutschen Lieder: „Die Himmel rühmen" und „Harre meine Seele", die P. Ünfried und P. Tasch-ler eigens für diesen Zweck ins Spanische übersetzt haben. Nach dem Gottesdienst dankt Prälat Kühner für den herzlichen Empfang, erzählt von seinen'' Eindrücken in Fàtima; Lourdes und Rom, berichtet von der opferbereiten Hilfe der deutschen Katholiken und schließt dann mit' dem päpstlichen Segen, der ihm ans, läßlich seiner Audienz beim Hl. Vater für die Gläubigen seiner Prälatur gewährt worden war. Inzwischen ist in Tarma der Alltag eingezogen. Schon am Tag nach der Ankunft nahm sich FrL Kühner der Fenster an, die, wie sie meint, wohl schon zehn; Jahre lang nicht mehr geputzt worden waren. Die Leiterin der Mädchenmittelschule hat sich in echt peruanischer Höflichkeit angebóten, ihr Spanisch-Unter-rieht zu geben. Wohl kein Besucher des Herrn Prälaten versäumt es, auch seine Schwester zu begrüßen und ihr „Hasta Luego", auf baldiges Wiedersehen,, zn sagen. P. Lorenz Unfried besucht eine „Wohnung“ Rand von Cerro Soziale Aufgaben in Cerro de Paseo Von P. Lorenz U n f r i e d Das wirtschaftliche Zentrum der Prälatur Tarma ist Cerro de Pasco und wegen seiner großen Erzbergwerke einer der bedeutendsten industriellen Mittelpunkte von ganz Peru. Die in 4500 Meter Höhe gelegene Stadt ist vollkommen unterminiert, und Bodensenkungen sind an der Tagesordnung. Noch immer trägt man sich mit dem Gedanken, und die Pläne dafür sind schon seit Jahren aus1 gearbeitet, die ganze Stadt IS Kilometer weiter hinauszuverlegen, denn Cerro de Paseo ist tatsächlich, wenn auch nicht auf Gold, so doch auf gold- und silberhaltigem Grund erbaut. Trotz seiner 35 000 Einwohner würde sich die Verlegung' lohnen, denn im Tagbau würden die Verhüttungskosten wesentlich niedriger zu stehen kommen. Es mögen wohl einige Monate her sein, als ich einmal in Cerro de Paseo durch eine Straße sćhlenderte, in der eben Gräben ausgehoben wurden für die Kanalisation. Eine Menge Halbwüchsiger balgte sich um etwas in einem der Gräben: es war reines Quecksilber, daš sie zusammenlasen und dann in ein Fläschchen füllten, um es mit gutem Gewinn in den Apotheken zu verkaufen. Am Stadtrand ist eine große „Kiesgrube", eine der vielen, mit denen das Stadtgebiet übersät ist. Ih pausenloser Tag- und Nachtschicht arbeiten hier die Bagger und beladen schwere Laster mit rostbrauner Erde und Gestein. Wohin sie denn mit all dem „Dreck" wollten, fragte ich. Man lachte mich aus: „Padre, dieser Dreck enthält 28 Prozent Mineral: Blei, Zink, Silber, Gpld und andere Metalle.“ In drei Schichten wird über und unter der Erde gearbeitet. Pausenlos lassen unterirdische Sprengungen den Boden erzittern, denn auch tief im Erdinnern Arbeiten die mineros ; wie schwarze Spinnen sitzen die vielen eisernen Fördertürme in der Landschaft, unermüdlich spulen die Drahtseile über die eisernen Räder, die Förderkörbe heben und senken sich. Endlose Erzzüge schaffen das geförderte Erz nagh dem 100 Kilometer entfernten Oroya, wo sich die große Konzentrier- und Schmelzanlage befindet, von der man, sagt, daß sie in ihrer Art die vielseitigste in der ganzen Welt sei. Hier jj wird das Erz gereinigt, geschmolzen, elektrisch konzentriert und in Barren gegossen; wieviel und was alles, das wissen bloß die, Eigentümer genau, in diesem Falle, wie fast immer in ganz Südamerika, die Gringos, die Nordamerikaner. Es sollen 15 verschiedene Metalle sein: neben den obengenannten noch Wolfram, Vanadium, Wismut, Thungsten und andere mehr. Oroya ist eine eintönige Stadt, stets in Rauch gehüllt; der ätzende Schwefel- gestank macht das Atmen nodi beschwerlicher in dieser großen Höhe. In Cerro de Paseo gibt es wenigstens noch grüne Flechten und Moose, in Oroya ist alles kahl, und der graue, nackte Stein zusammen mit der rauchgraueri Atmosphäre geben der ganzen Siedlung einen traurigen, ich möchte fast sagen, hoffnungslosen Anstrich. Die giftigen Abgase der Schmelzerei ersticken jegliches pflanzliche Leben. Man muß schon 15 Kilometer hinausfahren, um wieder Grün zu sehen. Doch kehren wir wieder nach Cerro de Paseo zurück. Notwendigerweise bringt diese blühende Hüttenindustrie auch eine Zusammenballung großer Arbeitermassen mit sich, die sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl aus der umwohnenden Indianerbevölkerung rekrutieren, denn niemand kann auf die Dauer diese schwere Arbeit leisten in dieser Höhe, als nur sie, die von Jugend an daran gewöhnt sind. In sogenannten „campamentos“ zusammengepfercht, herausgerissen aus ihrer Dorfgemeinschaft, besteht die große Gefahr, daß sie sittlich entwurzeln. Unbeschreiblich ist oft die Primitivität, in der sie wohnen. 60 Prozent der Gesamtbevölkerung von Cerro de Paseo wohnt zusammengepfercht in Einraumwohnungen, ohne Kanalisation, ohne Aborte, bar jeglicher Hygiene. Das TrinkwaSser ist rostbraun und erzhaltig; es ist das Sickerwasser, das aus den Gruben hochgepumpt wird; längerer Genuß verursacht Leber- und Magenbeschwerden. Man schläft auf dem Boden auf einigen Schaffellen, die man ausbreitet und am Morgen wieder zusammenrollt. Die Ernährung ist einseitig und unzureichend. Da alles herangeführt werden muß, sind die Preise unerschwinglich hoch für die Arbeiter. Fleisch, Milch und Eier werden nur an Festtagen gekauft. Schließlich kann ein Arbeiter nicht einen ganzen Tageslohn hingeben für ein Kilo Fleisch. Darum sind auch Kartoffeln, Mais und Gerste die Hauptnahrung. Der minerò wird nicht alt. Staublunge, Schwindsucht und die vielen Unglücksfälle raffen ihn frühzeitig dahin oder lassen ihn arbeitsuntauglich werden. Doch die Lücken werden aufgefüllt aus : dem unerschöpflichen Reservoir der in-' dianischen Millionenbevölkerung des Hinterlandes. Man könnte Cerro de; Paseo auch die „Stadt der Witwen undj der Waisen" nennen. Von der katholi-| sehen Vereinigung für Verlassene Kin-f der in Cerro de Paseo, deren Präsident der ; Herr Prälat ist, wurde vergangenes Jahr in einem der campamentos mit 382 Familien eine statistische Erhebung durchge-j führt. Darnach hatten diese 382 Familien! 1162 Kinder unter 18 Jahren; von diesen waren 873 außerehelicher Geburt; 811 waren Halb- und Vollwaisen.'Von die- ■ sen 811 waren 351 vollkommen verlas-;; sen, lebten bei Verwandten oder Bekannten. Die soziale Fürsorge liegt noch sehr im argen, ist erst im Anfangsstä-dium. Die Folge von all dem Geschilderten ist eine sehr hohe Kindersterblichkeit. Der Vollständigkeit halber und zur. Illustrierung will ich die Daten des Ein-’"] wohneramtes von Cerro de Paseo für das Jahr 1958 anführen: Im Jahre 1958; yerzeichnete man 1424 Lebendgeborene, und im gleichen Zeitraum starben 409 Kinder unter zehn Jahren. Das' rauhe Klima mit seinen Temperaturen bis zehn Grad unter Null in den Monaten Juli und August, mit Schnee und Hagelfäll len in den' Monaten Januar bis März, ; die primitiven Lebensverhältnisse, das;, Fehlen jeglicher Heizung in den Hütten, wirkt sich naturgemäß verheerend zuerst •auf die Kleinkinder aus. Ich habe einmal in Cerro de Paseo an einem einzigen Tage sieben Kindersärge eingesegnet. Laut Statistik sind die Haupttodesursachen Erkrankungen der Luftwege, wir würden sagen, Lungenentzündungen (282 von 409). Eine andere Begleiterscheinung der Verlassenheit und der sozialen Not der Jugend von Cerro de Paseo ist die Ju-.. gendkriminalität. Die Statistik des Polizeiamtes von Cerro spricht eine beredte Sprache: Wegen Diebstahl und' Sittlich-;,' keitsvergehen wurden im Jahre 1958 nicht weniger als 137 Jugendliche unter 18 Jahren abgeurteilt; weitere 706 wegen anderer, kleinerer Vergehen, wie Streunerei und kleiner Diebstähle. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß Caritas und der Katholiken der Vereinigein Großteil ohne Familie aufwächst ten Staaten können laufend Lebensmittel oder der Vater fehlt, und sich diese verteilt werden. Vor einigen Wochen Jugendlichen irgendwie selber den Le- wurde für die Armen ein unentgeltliches bensunterhalt suchen müssen, sei es als Konsultoriüm errichtet, das sich steigen-Schuhpützer oder Zeitungsjunge, durch den Zulaufes erfreut, und man teilt/ so-Wäschewaschen für die Arbeiter oder weit vorhanden, Arzneimittel an sie aus. mit anderen kleineren Hilfsleistungen. Dank des Entgegenkommens der Stadt-, Bis jetzt wurde von Seite des Staates Verwaltung konnte ein ein Hektar großes so gut wie nichts getan, und die Minen- Grundstück erworben werden, worauf gesellschaften tun auch nur, wenn sie wir mit der Zeit ein Heim für diese gezwungen werden, gerade das Aller- Kinder und ein soziales Zentrum errich-nptwendigste, wie Bau von Krankenhaus ten wollen. Nach einem Satz des hl. und Schule. Von unserer Seite wurde die Thomas ist „ein gewisses Minimum oben genannte Hilfsorganisation ins Le- materiellen Wohlergehens erforderlich ben gerufen, die von den Patres der für ein frommes Leben". So Gott will, Pfarrei geleitet wird und der P. Andreas wird sich dieser Plan verwirklichen las-Lechner vorsteht. Dank der Hilfe der sen, um die Kinder von der Straße wegzuholen. Zwischenlandung in New York- Im Haus „Kreis deutscher Mädchen" nahmen Pünktlich um 17.10 Uhr befanden wir uns wir das Abendessen ein. Am nächsten Tag über New York, wo sich gerade ein schwe- um 11 Uhr verabschiedeten wir noch zwei res Gewitter entlud. Nach ein paar großen junge Deutsche, die wieder heimfuhren. Am Schleifen ging es dann rasch und steil in die Abend des Himmelfahrtsfestes trafen wir Tiefe. Einige Kinder fingen an zu weinen, uns nochmals im genannten Haus zu Voreinige wenige Passagiere suchten nach den trag und geselligem Beisammensein. Fünf Tüten, und dann sind wir auch schon auf oder sechs der Mädchen sind aus meiner dem Boden. näheren Heimat und einige aus Ellwangen. Ein deutscher Augustinerpater und Fri. Der Flug ging dann weiter über Miami, Pä-Rosl Knecht aus Ellwangen holten uns ab. nama nach Lima. A. K. P. Georg Klose mit Indios hoch über Huanuco. In der Mitte die neue Kirche San Pedro. Bilder Die neue Kirche in Pozuzo; geht der ; Vollendung ènti gegen. Kinder von Herfriann Egg. Von links: Séppele, Celinä und Anderle. Im Urwaldtal von Pozuzö gedeiht vorzüglicher Kaffee. p. Johann Pezzei. Pfarrer von Pozuzo mit einem aus der; Gemeinde hèrvorgegangenen Priester. aus Pozuzo Peru besteht -geographisch aus der Küstenebene im Westen, dem Anden-gebirge mit seinen Hochebenen und tiefeingeschnittenen Tälern in der Mitte und der. I regenreichen Urwaldregion im Ostenj die in das Amazonasbecken übergeht. Vor einem Jahrhundert haben Auswanderer aus Tirol und dem Rheinland in ’einem feuchtheißen, fruchtbaren Ur-waldtal des Ostens die Kolonie Pozuzo gegründet. Der damals vom Staat Versprochene Bau einer Verbindungsstraße nach Pozuzo wurde bis heute nicht ausgeführt, Immer hatte Pozuzo Seelsorger, die das strapazenreiche Leben in dieser Weltabgeschiedenheit mit den Siedlern teilten. 1938 übernahm unsere Kongregation die Seelsorge.' Seitdem wirkten hier vor allem P. Ipfelfcofer, P. Riedl* P. Wagner und seit 1948 P. Johann Pezzei. Verbindungsweg von Pozuzo zur Außenwelt, längs des Rio Huanćabamba (seit 1958). Saldana en Madrid Unter dieser Überschrift brachte die Tageszeitung von Palencia, das Diario Patentino, einen ganzseitigen Bericht anläßlich der.'Unterzeichnung der Verträge unserer Kongregation mit dem spani-schèn Staat, in welchen der spanische Staat unserer Genossenschaft ein fünf Hektar großes Gelände zur Errichtung eines großen Missionsseminars für 250 Buben am Stadtrand von Saldana zum Geschenk macht. Der Festakt fand am 10. Juni in der spanischen Hauptstadt im Beisein vieler führender Persönlichkeiten der spanischen Regierung und des öffentlichen Lebens statt. Am Vortage war unser Generalsuperior P. Richard Lechner zusammen mit vier Patres vom Unterrichtsminister empfangen worden, der bedauerte, nicht selber am Festakt teilnehmen zu können, da am nächsten Tage Kabinettssitzung mit dem spani- schen Staatschef sei. Den Vorsitz führte in Stellvertretung des Ministers der Ministerialdirektor im Unterrichtsministerium, Senor Reyna. Außer ihm hielten Ansprachen der Bürgermeister von Saldana, Don Francisco Gomez, der mit unermüdlichem Eifer die Schenkung in die Wege geleitet und alle sich auftürmenden Hindernisse aus dem Wege geräumt hatte, und der Präsident des Parlaments der Provinz Madrid, der Marquis de la Valdavia, welcher selber aus Saldana stammt. Unser Generalsuperior P. Richard Lechner verlas seine Rede in spanischer Sprache, die bei den über 50 anwesenden Persönlichkeiten mit Begeisterung aufgenommen wurde. Teilweise waren die Festgäste von weither gekommen. So scheute der Gouverneur der Provinz Palencia nicht die 240 km lange Reise nach Madrid, um an dem Ereignis teilzunehmen, und von dem 3Ò0 km, entfernten Saldana war sogar der ganze Gemeinderat, der Pfarrer und die Herren der Gemeindeverwaltung erschienen. Allgemein wurde lebhaft bedauert, daß P. Riedl verhindert war, nach Spanien zu reisen; auf diese Weise war es ihm nicht vergönnt, die ersten Früchte seiner großen Werbeaktion für das Unternehmen „Spanien“ selber reifen zu sehen. Das Ereignis von Madrid erregte in der spanischen Öffentlichkeit ziemliches Aufsehen. Noch am gleichen Tage brachte das spanische Fernsehen elneii ausführlichen Bildbericht. Gleichfalls berichteten der Nationale Rundfunk und die größten Tageszeitungen der Hauptstadt darüber. Dadurch genießt unser Knabenseminar schon ein hohes Ansehen, noch ehe es gebaut ist. Wir alle hoffen, daß das neue Seminar, dessen erster Bauabschnitt bis Oktober fertiggestellt sein wird, den hohen Hoffnungen gerecht wird, die in Spanien von allen Seiten darauf qesetzt werden. A. M. 8 tier kampi in Spanien Von P. Adalbert Mohn -, Spanien ist in der ganzen Welt bekannt als das Land der Stierkämpfe. Viele Ausländer rümpfen deswegen über die Spanier die Nase. Aber einmal ist der Volkssport der Spanier vor allem der Fußball, und außerdem gehen hier in Spanien nicht mehr Leute zum Stierkampf als in Deutschland zu Boxkämpfen. Beim Boxen versucht ein Mensch einen anderen Menschen zusammenzuschlagen, während beim Stierkampf der Mensch nachzuwgisen versucht, daß er gescheiter ist als das Tier. Gewiß sind solche Bräuche noch Überreste aus heidnischer Vorzeit. Aber wahrscheinlich sind die Spanier trotz ihrer manchmal für uns unverständlichen Behandlung der Tiere gesünder und christlicher als wir Deutschen, weil sie weit über das Tier den Menschen stellen und eine große Ehrfurcht vor dem Menschen haben, vor dem Kinde, vor Vater- und Mutterschaft, während in Deutschland in manchen Familien schon ein Schoßhund die Kinder ersetzt, oder die Bisamkatze oder der Kanarienvogel vergöttert wird. Man wird sich immer damit abfinden müssen, daß kein Mensch auf dieser Erde vollkommen ist. Der Stierkampf ist in Spanien das einzige Ereignis, das jedesmal auf die Minute pünktlich beginnt. Trompetenstöße geben das Zeichen zum Beginn. Die Toreros (Stierkämpfer) marschieren Uiit ihrer Quadrilla (Mannschaft) in die Arena vor die Tribüne des Präsidenten, der jedesmal eine hochgestellte Persönlichkeit ist. Sie begrüßen den Präsidenten durch eine Verneigung. Der Präsident wirft den Schlüssel für die Ställe herunter, damit man die Stiere herauslassen kann. Nun ziehen sich die Stierkämpfer zurück, und der erste 'Stier stürmt in die Arena. Zunächst locken die Peones (Stierkämpfer zu Fuß) den Stier mit großen farbigen Mänteln, die auf der einen Seite rosa, auf der anderen Seite gelb sind. Sobald der Stier sieht, wie die Peones die Mäntel bewegen, stürmt er auf sie los. Das sieht beängstigend aus, da die Stiere für gewöhnlich zehn bis zwölf Zentner schwer sind. Läßt man einen leichteren Stier in die Arena, protestiert die Volksmenge mit riesigem Geschrei, damit der Präsident den Stier zurücknehmen und einen anderen hereinkommen läßt. Jedesmal, wenn der Stier auf den farbigen Mantel losgeht, weicht ihm der Kämpfer geschickt aus, dreht sich blitzschnell herum und stellt sich von neuem dem Angriff des Stiers. Auf ein erneutes Trompetensignal betreten die Picadores die Arena; das sind mit Lanzen bewaffnete Kämpfer hoch zu Roß, die auch wieder eine eigene Mannschaft bei sich haben. Die Picadores winken mit ihrer Lanze dem Stier, der sich gleich auf einen Reiter stürzt und ihn auf seine Hörner zu nehmen sucht.. Die Pferde sind jedoch durch Panzer geschützt, so daß ihnen nicht viel passieren kann. Oft gelingt es dem Stier-zwar, das Pferd zu Boden zu schleudern; aber geschickt entzieht sich der Picador durch einen Sprung der Reichweite des Stiers oder er legt sich platt auf den Boden, weil der Stier ihn dann nur verwundert anschaut, ihm aber nichts tut. Wenn es dem Stier nicht gelingt, das Pferd umzuwerfen, verletzt der Picador mit seiner Lanze, den Stier am Rücken. Das tut dem Stier natürlich weh, und seine Angriffe werden nur um so wütender. Nachdem die Picadores den Stier etwa dreimal verletzt haben, treten die Banderilleros 1 auf. Das sind Kämpfer, die versuchen, zwei bunte Stäbe, die vorne eine Spitze mit Widerhaken haben, im Nacken des Stiers zu befestigen. Das sieht ungemein gefährlich aus. Der Ban-derillero winkt dem Stier mit den Stäben und läuft ihm in einer ' Schlangenlinie entgegen, läßt dann den Stier geschickt an sich vorbeilaufen und stößt ihm dabei die Stäbe in den Nacken. Bleiben sie hängen, erhält der Kämpfer großen Beifall, gelingt es ihm nicht, wird er ausgepfiffen. Beim ersten Mal ist es noch nicht so schlimm. Aber dann versucht der Stier die lästigen Stäbe abzüschüt-teln und wird immer zornigér. Meistens gelingt es den Banderilleros nicht, alle vorgesehenen sechs Stäbe dem Stier anzuhängen, weil er bereits zu wütend ist. Da gibt ein Trompetensignal das Zeichen zur Beendigung des Kampfes. Während der Stier verwundert Schaut, was jetzt geschieht, geht der Matador, das ist der Haupttorero,' dem es obliegt, den Stier zu töten, mit feierlichen Schritten vor die Präsidententribüne, verneigt sich und wirft seinen Hut weg. Dann, geht er mit einem knallroten Tuch, unter dem sein Degen versteckt ist,’ dem Stier entgegen. Auf eine Bewegung des Tuches hin greift der Stier aufs neue an. Geschickt muß der Torero, immer aüswei-chen, damit der rasende Stier ihn nicht mit seinen weit ausladenden Hörnern erfaßt. Endlich wird der Stier der dauernden Reizerei müde. Der Matador stellt sich ruhig mit seinem Degen vor den Stier und zielt auf eine ganz bestimmte Stelle im Nacken des Stieres. Dann stößt er plötzlich den Degen bis zum Heft in den’ Leib des Tieres. Der Stier zuckt noch, einmal auf, macht vielleicht noch .ein, paar Schritte; dann bricht er mit seiner; gewaltigen Körperlast tot zusammen. Hat der Kampf dem Volk gefallen); gibt es bègeisterte Ovationen für den? Torero und seine Mannschaft. Unter dem' Jubel der Zuschauer, die! mit . weißen; Taschentüchern vom Präsidenten das Ohr des Stiers für den Matador fordern,; erhält dieser die Trophäe und macht damit zusammen mit, seiner Mannschaft; eine Runde durch die Arena. Die Men-,? schenmenge wirft Zigaretten und andere1 Dinge für die erfolgreiche Mannschaft hinunter, .aber auch Hüte, die der Matador dann in die Tribünen zurückwirft. V Für? gewöhnlich gibt es bei jeder Veranstaltung sechs Stierkämpfe. Gleich neben der Arena befindet sich ein Schlachthaus, wo die, getöteten Stiere sofort ge^'j schlachtet und weiterverarbeitet wer-; gen, da es sich ja um sehr kostbare Tiere ’ und daher auch um sehr wertvolles Fleisch handelt. In der Arena selber befindet sich auch eine Krankenstäti.on, damit jeder Stierkämpfer sofort behandelt. werden kann, dem etwas Unvorherge-, sehenes zustößt. Heutzutage sind die Stierkämpfe in Spanien eine Hauptattraktion des Fremdenverkehrs., Spanien ist ein armes Land und lebt zum großen Teil vom Fremden- ? verkehr. Da kam kürzlich ein kleiner Postbeamter auf die Idee, wie man dem ständigen Defizit der spanischen Post aibhelfen könne., Er mächte dem Postminister den Vorschlag, eine Briefmai-kenSerie mit allen Einzelheiten des? Stierkampfes henauszubringen. Seitdem;?: gibt es in Spanien also auch einen un-. : blutigen Stierkampf, an dem der spanische Staat schon eine schöne Summe? Geld verdient'hat. Auch diese Stiere aus Papier werden in Spanien „getötet“, denn der Poststempel, mit dem die Briefmarken versehen werden, hat in Spanien den eigenartigen Namen matasello, d. h Briefmarkentöter. Br. August Cagol (2. von 9 rechts), auf der Rückfahrt 9 nach Europa. Br. Cagol, ge^- 9 boren 1879 in Darfeld, West- 9 falen, . stand seit 1904 ■ im 9 Dienst der Mission im Sudan und in Transvaal und hat sich durch sein vielsei- 9 tige<5 Können und unermüd- ® lieh es Arbeiten hervorragende Verdienste um die Mission erworben. Zurück in die Heimat Von Br. August Cagol Nađi etlidien Jahren der Tätigkeit in Englisch. Am Nachmittag hatten die Rei-, der südafrikanischen Mission trat ich, be- senden Rettungsjacken anzulegen, bei gleitet von einem Mitbruder, meine welcher Gelegenheit ihnen die bestimmletzte Seefahrt in die deutsche Heimat ten Rettungsboote zugewiesen wurden, an. die sie. im Notfall zu besteigen hatten. Auf dem 11 400 Tonnen- großen In der Folge hatte die Mannschaft auf- Dampfer „Europa" des Lloyd Triestino, fällig viele Rettungsübungen vórzuneh- traten wir am 27. Januar 1960 unsere men, besonders in Rücksicht auf etwa Reise an. Es war ein herrlicher Sommer- ausbrechendes Feuer, tag und das Meer wenig bewegt. Der Am Morgen des 1. Februar kamen wir Dampfer war gesteckt voll von Reisen- vor Dar-es-Salaam an, das bei guter Beden, die alle guter Laune zu sein schie- leuchtung ein entzückendes Bild darbot. nen. An Bord befanden siđi ein irischer Ich besuchte die Josephskathedrale, die Oblatenpater und ein kanadischer Ob- leider etwas zu kurz geraten ist. Ein latenbruder, die mit uns in Durban ein- freundlicher Kapuzinèr aus der Schweiz gestiegen waren. In Beira, dem ersten erzählte mir, daß unter 130 000 Einwoh- Halteplatz, kam ein englischer Jesuit an nern 20 000 Katholiken seien. Noch in Bord. Im übrigen war die Reisegesell- diesem Jahre 1960 soll das Land (Tangaschaft sehr gemischt; selbst ein ziemlich nyika) eine einheimische Regierung mit gebildeter Zulu befand sich an Bord, der 72 Parlaments-Abgeordneten erhalten, 50 sich zwanglos unter den Weißen be- Eingeborene, 12 Asiaten und 10 Weiße, wegte und sich offenbar der Ferien von In dieser Stadt sind die Mohammedaner der lästigen südafrikanischen „Apart- sehr rührig. Einer der Fahrgäste brachte heid" erfreute. In Beira, einem Hafen von seinem Ausflug in die Stadt mehrere der portugiesischen Kolonie Mosambi- Propagandaschriften mit, deren Titel in que, gibt es keine künstliche Scheidung Übersetzung lauten: Islamitischer Son- zwischen. Weißen und Schwarzen, und ' nenaufgang, Mohammed, der Befreier doch geht alles anscheinend in bester der Frau, Stellung des Islam dem Kom- . Eintracht zu. munismus gegenüber, die Vorzüge des Am Sonntag, 31. Januar, las der Je- Islam. Von letzterer Schrift füge ich hier suit P. Orr die hl. Messe im Salon der einiges an. ersten Klasse und hielt den zahlreich „Der Islam ist die einzige Weltreli-erschienenen Gläubigen eine Predigt auf gion, die die vollkommene Einheit Gottes predigt. Der Islam 1st die einzige Weltreligion mit unverfälschter Heiliger Schrift, dem hl. Koran, der heute genau so erscheint, wie er ge-offenbart wurde. Alle anderen hl. Schriften haben, wie moderne Forschung gezeigt hat, durch Einschiebungen und Verstümmelungen durch die Zeit gelitten. Der Islam ist die einzige Weltreligion mit Schriften, die in Niederschrift während der Lebenszeit ihres Stifters übermittelt und vom Anfang bis zum Ende dem Gedächtnis von Hunderten von Gläubigen in jeder Geschlechterfolge eingeprägt worden sind. Sie ist auch das einzige Bekenntnis mit einem Buche, dem hl. Koran, in welchem das göttliche Versprechen aufgezeichnet ist, daß sein Wortlaut sichergestellt sein wird gegen Betrug und Abänderung. Der Islam ist die einzige Weltreligion mit einem Glaubensbekenntnis und frommen Übungen; die seit den Tagen ihres Stifters, des hl. Propheten-Mohammed, unverändert sind und ein Gesetz darstellen, das bis zum letzten Tage nicht abgeschafft werden kann. Alle anderen Bekenntnisse haben ihre' Glaubenslehren und ihre gottesdienstlichen Übungen im Laufe ihrer geschichtlichen Entwicklung erworben und haben daher den Vorwurf menschlicher Entstehung hinzunehmen. Der Islam ist die einzige Weltreligion, diè die Apostelschaft aller Propheten, die bei verschiedenen Völkern der Welt auftraten, anerkennt, wie Moses, Jesus und andere. Der Islam ist die einzige Weltreligion, die einen lebendigen Glauben darbietet, denn in ihr ist die Tür göttlicher Offenbarung nie geschlossen worden, und der Mensch bleibt bis auf den heutigen Tag in enger Verbindung mit Gott. Der Islam ist die einzige Weltreligion, die von allem Anfang an Nachdruck auf Gleichheit und Brüderlichkeit legte, und die in ihrer Mitte nie Unterscheidung der Rasse, Farbe oder Klasse duldete. Der Islam ist die einzige Weltreligion, die in ihren Glaubenslehren und Vorschriften durch den Vormarsch der Wissenschaft gestützt wurde, denn jede neue Entdeckung ist eine Bestätigung der Wahrheit des hl. Koran. Der Islam ist die einzige Weltreligion, die in ihren Schriften bestimmte Kenntnis des Lebens nach dem Tode darbietet. Der Islam ist die einzige Weltreligion, die die Möglichkeit der Seelenrettung gottesfürchtiger Anhänger anderer Bekenntnisse zugibt. Der Islam ist die einzige Weltreligion, deren endgültiger Sieg von Gott in unzweifelhafter Weise in ihrem hl. Buche erklärt worden ist." Diese von Lügen strotzenden Sätze stellen ein gefährliches Werben bei einfältigen Menschen dar, wie es die Neger noch meistens sind. Der nächst angelaufene Hafen war Mombasa, der landschaftlich nicht so schön erscheint wie Dar-es-Salaam, aber regeres Leben zeigte. Nicht weniger als 18 Dampfer waren anwesend, die fleißig ein- und ausluden. Die katholische Kathedrale der englischen Väter vom Hl. Geiste ist sehr schön im Innern und weist reichliche Lüftungsvorkehrungen auf, was bei der drückenden Hitze angenehm empfunden wurde. Hier kamen wieder zahlreiche Reisende an Bord, unter ihnen zwei italienische Consolata-Missionare und ein englischer Mill-Hill-Pater. Bald fuhren wir an der öden Küste von Italienisch-Somaliland dahin, das inzwischen die politische Selbständigkeit erlangt hat. Wir liefen die Hauptstadt Mogadischu an, konnten aber wegen der. angebrochenen Dunkelheit nicht an Land gehen. Am folgenden Täge umschifften wir nach Anbruch der abendlichen Däm-' merung das Kap Guardafui, den äußersten Ostpunkt Afrikas. Am frühen Nachmittag des nächsten' Tages kam ein Zipfel von Arabien in Sicht; es war die kleine Halbinsel von Aden. In einem Motorboot gingen wir an Land und befanden Uns damit auf asiatischem Boden. Die Bischofskirche zum hl. Franziskus von Assisi zeigt ein sehr gefälliges Innere. Neben der Kirche befinden sich die Häuser der italienischen Kapuziner-Missionare und der Schwestern von Verona (Pie Madri .della Nigrizia). Die freundliche Schwester Em-manuela, die früher in Chartum gewesen war und daher arabisch sprach, riet mir, ACHT AFRIKANISCHE BISCHÖFE waren unter den 14 Oberhirten aus Missionsländern Asiens und Afrikas, die Papst Johannes XXIII. am 8. Mai dieses Jahres konsé-krierte. Exz. Pierre Poreku Dery Bischof von Wa, Ghana Exz. Josef Kilasara Bischof von Moshi, Tanganjika exz. joset isusimoa Exz. Paul Zoungrana Exz. Franz Xaver Rajaonarivo Bischof von Goma, Belg. Kongo Erzb. v. Uagadugu, Republ. Volta Bischof von Miarinarivo, Madag. Exz. Bernhard Yago Exz. Rene Butibubage Lwamosa Exz. Hieronymus Rakotomalala Erzb. v. Abidjan, Elfenbeiriküste Weihb. von Mwanza, Tanganjika Erzb. von Tananarive, Madag. auch das andere Haus der Schwestern in .Aden aufzusuchen, was ich tat. Nachdem ich dort alles angesehen hatte, führen mich drei Schwestern im eigenen Auto zum Hafen zurück. In. der Morgendämmerung des 8. Februar durchfuhren wir das Bab-el-Man-deb, das Tränentor der Araber, und traten damit, ins Rote Meer ein. Dieser Meeresteil zeigte sich ziemlich bewegt. Die Meeresströmung 1 geht nach Süden, aber ein starker Südwind peitschte die Wellen auf und schmückte sie mit Schaumkronen. Bis zur Hälfte des Weges auf dem Roten Meere blieb das Wetter noch ziemlich warm, dann kühlte • der inzwischen eingetretene Nordwind die Luft bedeutend ab. Das Schwimmbad wurde geschlossen, und die Reisenden legten wärmere Kleidung an. Wir begegneten auffällig vielen Dampfern auf dem Roten Meere, fast alles Öltanker, die, aus der hohlen Gasse des Suezkanals kommend, dem Persischen Meerbusen zustrebten, um sich dort mit der begehrten Ölfracht zu versehen. Es war von vornherein meine Absicht gewesen, die Durchfahrt durch den Suezkanal zu vermeiden, was die Reise zu. zweit ym zehn ägyptische Pfund in Gold verteuert hätte, was einer Mehrausgabe von 362 DM- gleichgekommen wäre. Außerdem reizte es mich, Ägypten nochmals zu sehen, das ich vor 39 Jahren verlassen hatte. So kamen wir denn am Abend des 18. Februar im Hafen von Suez an. Kurz nach Mitternacht würde ich geweckt, da der ägyptische Einreise-Offizier in Begleitung eines Geheimpolizisten an Bord gekommen war. Diese Beamten fanden wohl unsere Papiere in 'Ordnung, wollten aber auch unsere Adresse in Cairo wissen, an die, ich mich nicht mehr erinnerte, was mir später in Cairo klar wurde, da inan eine Unzahl von Straßennamen abgeändert hatte. Nach kurzem Frühstück fuhren wir in einem Boote der Schiffsgesellschaft nach dem ziemlich weit entfernten Suez. Zwei deutsche Damen aus der ersten Klasse, die sich gleichfalls in Cairo aufhalten wollten, fuhren mit uns. In Suez war Paßkontrolle und Ausfüllung eines Formulars. Dann ging es zur Zollstelle. Dort grüßte ich die anwesenden Beamten auf;| arabisch, was gute Luft machte. Nun f hieß es, weitere zwei Formulare ausfül-"| len sowie ein drittes, das der Hayptzöll-_i| ner bearbeitete. Dann wurde das Reise-, j gepäck untersucht. Inzwischen hatte sich ein Autobesitzer an die zwei erwähnten 1 Damen herangemacht und sie zu einer ;| Autofahrt nach Cairo ermuntert. Siel ihrerseits luden uns zwei ein, mit ihnen das Auto zu teilen,-was für die einzelnen die Fahrt verbilligte, weshalb wir auf I den Vorschlag eingingen. Cairo ist von Suez etwa 140 ,Kilometer : Ä entfernt. Die Fahrt ging auf geteerter | Straße mitten durch die sandige Wüste. | dahin. Nach zweieinviertel Stunden ge-|l langten wir in die kairensische - Vor- i stadt Heliopolis mit Kasernen und üben-. J dem Miiitär. Dann folgte das moderne, ' herrliche . Heliopolis, eine belgische Schöpfung, mit wundervollen Bauten in orientalischen Stilen. Daran schloß: sidi die eigentliche Großstadt Cairo mit über j zwei Millionen Einwohnern und über i 500 Moscheen an. Die zwei Damen lie- .V ßen' sich zum Hotel Semiramis bringen, ; während wir zur Herz-Jesu-Kirche der . Veroneser Missionare weiterfuhren. Dort fanden wir herzlichste Aufnahme. Diese ; Kirche ist sehr gut besucht, und zwar von den besten Katholiken Cairos. Am Nachmittag machte ich einen ersten Ausgang ins Straßenleben und verirrte mich dabei im volkreichen Stadtviertel Buläk. 'I Im Gewirr der engen Gassen fand ich eine unglaubliche Anhäufung von Unrat ~ J und Schmutz mit den entsprechenden ' Gerüchen. An einem der nächsten Tage ging einer der beiden Brüder mit uns zur Polizei, wo er uns anzumelden hatte. Dann führte er uns zum Gesundheitsamt. Dort lud uns der Beamte mit orientalischer Höflichkeit zum Sitzen ein, erklärte dann aber, daß wir uns während unseres Auf-enthalts in Cairo dreimal bei ihm vorzustellen , hätten. Auf einmal aber widerrief er das Gesagte, indem er nunmehr erklärte, wir brauchten überhaupt nicht mehr zu kommen, denn wir seien ] Deutsche, wir seien gesund und unser Aufenthalt in Cairo sei kurz. (Schluß folgt) St. Willibald, erster Bischof yon Eichstätt In diesen Tagen richtet sich der Blick aller; Missionare nach Eichstätt. Dort versammeln sich vom 21. bis 28. Juli im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses die Vertreter der Missionen mit den Katecheten Deutschlands und Europas am Grabe 'des hl. Willibald zu ihrer ersten .Internationalen Missionskateche-tischen .Studienwoche. So ist es nicht unangebracht; im Rahmen unserer Heiligenbeschreibungen uns das Bild- St. Willibalds, des Missionars im Gebiet zwischen Altmühl und Pegnitz, vor Augen zu stellen. Willibald war von Geburt Engländer. Er wurde um das Jahr 700 von adeligen Eltern geboren und, in der Benediktiner-Abtei Waldheim zu Essex erzogen. Dort hatte er wohl Gelegenheit, mit wandernden Mönchen und mit Missionaren ins Gespräch zu kommen, Und so erwachte in dem idealgesinnten jungen Mann der Wunsch, es diesen Männern gleichzutun. Schwer wurde es ihm, den Vater zu einer Romfahrt zu bewegen. Doch sèin unablässiges Drängen hatte Erfolg. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder Wunibald machte er sich im Jahre 721 auf den Weg in die Ewige Stadt. Doch unterwegs, in Lucca, stärb der Vater. Sie begruben ihn und setzten ihre Reise .fort. Zwei'Jahre, blieben sie ,in Rom und führten ein zurückgezogenes Leben. Das ungewohnte Klima setzte ihnen mit Krankheiten schwer zu. Als Willibald wieder einigermaßen bei Kräff ten war, gab es für ihn kein Halten mehr. Nachdem er in der Haupfstadt der Christenheit, am Grabe der Apostelfürsten, geweilt, wollte er auch im hl. Lande die Spuren des Herrn verfolgen. Im Jahre 723 trat er mit zwei Gefährten die Reise an und gelangte im November des folgenden Jahtes nach Jerusalem. Drei Jahre brauchte er, um alle ehrwürdigen Stätten in Augenschein'zu nehmen. Dann trat et über Konstantinopel die Rückreise nach Italien an, nicht'ohne auch, in dieser Stadt zwei Jahte verweilt zu haben. Im Jahre 729. bat er um Aufnahme in die Benediktiner-Abtei Monte Gassino,'in der er nun für neun Jahre das Amt des Sakristans und Pförtners- versah. Da geschah es, daß ein Priester sich den Pförtner als Begleiter für seine Romreise erbat. Gerne willigte Willibald ein, um ein zweitesmal den Vater der Christenheit zu besuchen; Inzwischen hatte Bonifatius von Willibald und seinen Pilgerfahrten erfahren und erbat sich diesen als Mitarbeiter : für/sein Missionswerk. Papst Gregror III. ließ Willibald zu sich komrhen und gab ihm den Missionsauftrag für Deutschland. ■ Bonifatius wèihte ihn am 22. Juli 740 zum Priester. Er hatte den Plan gefaßt für den bayerischen Nordgau ein eigenes Bistum zu gründen, und wollte Willibald zu seinem Arsten Oberhirten bestellen. Ein Graf hatte Bonifatius zu diesem Vorhaben den Wälddistrikt Eichstätt überlassen. Hierhin, in/eine bisher ; noch heidnische Gegend, begab sich nun Willi-; bald. Mit der gleichen Energie, mit der er seine Pilgerfahrten unternommen hatte, machte er sich an die Arbeit, das Land zu roden und fruchtbares Weide-und Ackerland zu schaffen. Er baute ein Kloster und führte dort mit. angelsächsischen Gefährten, die ihm Bonifatius zugeschickt hatte, ein Leben nach der Regel des hl. Benedikt. Im Jahrè 741 weihte ihn Bonifatius auf der Salzburg bei. dem jetzigen Bad Neustadt an der Saale unter Assistenz der Bischöfe Bürkard von Würzburg und Witta von Buraburg zum Bischof. Treuer Gefährte in seiner Missionsarbeit war ihm sein Bruder Wunibald; Ihm übertrug er die Leitung des Klosters Heidenheim, das er ebenfalls gegründet hatte, und in dem auch seine Schwester Walpurga lebte. Außerdem gründete er noch das Kloster Solenhofen ■am rechten Ufer der Altmühl. So hatte er überall Zellen geschaffen, von wo aus er seine Gefährten zu Predigt und Seelsorge aussandte. Hochbetagt starb er im Jahre 787. Sein Andenken aber lebt fort im fränkischen Land..Möge es auch immer wieder junge Menschen zu missionarischer Arbeit begeistern! Oskar Hofmann MFSC DU scUwcwze Biute Erzählung aus dier Kongo-mission Nach einer Aufzeichnung von P. Spiegeleer MSC, gestaltet von Hugo Kocher 2. Fortsetzung Die Trommeln dröhnen, werden leiser, um Miangwe, den Vorsänger und Dichter, zu Wort kommen zu lassen. Da steht der rundliche, kurzbeinige Fischer und Bootsbauer, aber sein lautes Prusten, mit dem er zwischen den Strophen Atem holt, wird nicht wie sonst mit verhaltenem Gelächter begrüßt. Ein paar vorlaute Knaben, die halblaut „oi, oi, Flußpferd" rufen, werden mit energischen Püffen zurechtgewiesen. Mjangwe besingt Marga, die junge Mutter. Vers reiht sich an Vers, und mit heimlichem Neid stellen die Frauen fest, daß er noch keine von ihnen so begeistert besungen hat. Kein Wunder, der Plumpe wirft oft begehrliche Augen auf die Frauen anderer Männer,, und die bunt bemalte und so prächtig gekleidete Marga hat es ihm heute angetan. Er will sich bei ihr einschmeicheln. Auch über die kleine Njoli weiß er zu berichten, .und alles lacht und klatscht beifallspendend auf die nackten Schenkel, als sein Lied mit einer trefflichen Nachahmung des Kleinkindergeschreis endet. „Ai, ai, ähäääh", quäkt der Dicke. Geschickt hat er auch Ongas prophetischen Ausspruch in seine Verse eingeflochten. Njoli wird einmal dem größten Häuptling zu eigen werden, so verkündet er, was wiederum den Neid der Mütter und Mädchen erregt. Keiner in der weiten Runde ahnt, daß Mjangwe der Wahrheit so nahe kommt, die freilich weit genug von dem abliegt, was sich ein Neger auszudenken vermag. Das Pfeifen, Keckem, Kreischen und Zirpen in den Baumkronen rings um die Lichtung ist verstummt, ebenso das ferne Trompeten einer Elefantenherde und der Flußpferde dröhnender Baß. Nur die Zikaden schrillen noch immer, angeregt von dem Lärm des Festes. Schon ziehen die ersten Leuchtkäfer ihre Bahnen im Urwalddämmern, die Sonne ist hinter den Wäldern hinabgesunken. Und nun flackern die Feuer. Das ölige Holz brennt mit weicher roter Flamme, läßt den Schmuck der Booli glitzern, die Augen begehrlich funkeln. Der Tanz hat alle durstig und hungrig gemacht. Es beginnt ein Braten und Schmoren. Die Blätterkapseln werden von den Palmweinkrügen geschnitten, und eine fröhliche Schmauserei folgt dem Tanz, Ta-pioka tragen die Frauen herbei, getrockneten Fisch und immer wieder große Stücke Braten, über den die Hungrigen Händevoll scharf riechender - und noch schärfer schmeckender Gewürze streuen. Palmöl wird in großen Blättern gereicht, in das die fettigen Finger Tapiokastücke eintauchen. So ausdauernd wie sie eben noch getanzt haben, essen und trinken sie, jetzt, die Männer, Frauen und Kinder von Doronga, diesem Negerdorf, das wie eine vergessene Insel im Meer der Urwälder liegt. Ingongwa sitzt an der Seite seiner jungen Fraü, die ihm noch viel begehrenswerter und hübscher scheint als je zuvor. Die Mütterlichkeit hat ihrem Wesen einen besonderen Reiz gegeben, etwas von der Ruhe und Gelassenheit der reifen Frau ist in den Monaten der Trennung über sie gekommen. Als eine andere wird sie in ihr neues Leben treten, alle Launenhaftigkeit und Unbeständigkeit läßt sie in der verbotenen Hütte hinter sich zurück. Marga wird ihrem Ingongwa eine gute Frau und ihrer Njoli eine noch bessere Mutter sein. Während sie essen und trinken, sehen sie sich oft in die Augen, und alles ist fast wie damals, als sie sich zum erstenmal unten am Fluß begegneten und der Gedanke wie züngelndes Feuer zugleich in ihren Herzen erwachte, einander angehören zu wollen. Sie haben einander so viel zu erzählen. Ingongwa hat Abenteuer über Abenteuer erlebt. Prächtige Gehörne und mannslange Elefanten- stoßzähne liegen in seiner Hütte. Auf der Jagd und auf Wanderungen zu andern Dörfern suchte er Trost in der Zeit der Trennung. Während er die knusprig gerösteten Ameisen mit einem Schiude Palmwein hinabspült, packt ihn schon wieder die Ungeduld. Er muß seine größte Heldentat, den Kampf mit dem schwarzen Büffel, erzählen. Er will in Margas dunklen Augen Stolz und Freude leuchten sehen. Keiner im ganzen Stamm, auch nicht Kamba, der Häuptling, tut es ihm gleich auf der Jagd und im Kampf. Er beginnt ein wenig umständlich und wirft unauffällige Blicke nach links und rechts. Da werden auch schon die Zunächstsitzenden aufmerksam, und nun kauern schon ein Dutzend Männer uni Marga und Ingongwa im Kreis, immer mehr kommen. Knaben und Mädchen i drängen sich zwischen die Erwachsenen. Und Ingongwa erzählt. Er ist aufgesprungen, unterstreicht seine Worte mit weitausgreifenden Armbewegungen, mit : Augenverdrehen und Fingerschnalzen. Die Männer nicken einander zu, kaum einer nimmt sich die Zeit, nach den zudringlich summenden Moskitos zu schla-I gen. Man hört nur noch Ingongwas Stimme und das Knacken und Prasseln 1 des Feuerholzes, das Schmatzen und [ Glucksen der Schmausenden. „Hulu, hulu rief ich, denn ich glaubte die Schritte meiner Jagdgefährten vernommen zu haben", erzählte Ingongwa, „doch plötzlich war alles still. Und dann i sah ich seinen Schatten. Groß wie ein Elefant stand er in den Büschen, rot brannten seine Augen wie Feuer. Seine j Hornspitzen ragten aus dem Grün wie ! Lanzenklingen und waren weiter voneinander entfernt, als ein Mann klaftern I kann. Er schnaubte, prustete, hob den I Kopf. Da wußte ich, daß er sogleich angreifen würde." Ingongwa warf sich in die Brust und I ließ die rollenden Augen im Kreise laufen. „Jeder andere wäre geflohen, hätte einen > Baum erklettert. Ich aber blieb I stehen und stieß den Kriegsruf des Boolistammes aus. Mein Speer fuhr dem j daherrasenden Büffel in den Hals, gerade j dort wo die großen Adern sitzen. Dann ein Sprung zur Seite. An mir vorbei stampfte der brüllende - schwarze Tod, so nahe, daß mich seine Hornspitzen streiften und mir das Lendentuch zerrissen.“ Der Jäger schob seine Festkleidung auseinander und zeigte das darunter hängende, zerfetzte Lendentuch, deutete auf eine halb verheilte, blutrote Narbe. Immer größer wurde der Waldbüffel, während er schilderte, wie er ihn wieder und wieder speerte, bis der Recke von Blutverlust geschwächt zusammenbrach. Die Stimme des Erzählers dröhnte. So lebhaft war seine Schilderung, daß die mit weit aufgerissenen Augen und offen stehenden Mündern dasitzenden Zuhörer den Büffel zusammenbrechen sahen, sein durch Mark und Bein dringendes Todesbrüllen hörten. Sie standen an der Seite Ingongwas, der dem Gefällten den Schwanz abschlug und ihn als Opfer für die Geister des Waldes in das Dickicht warf. „So tat ich", rief der Jäger, der noch einmal alle Einzelheiten des aufregenden Kampfes durchlebte. „Wie es die Sitte erfordert, warf ich den Schwanz in den Wald, und meine Stimme hallte. Ich, Ingongwa aus Doronga, der Sohn Upong-bongs, des Häuptlings, habe dich getötet, dich, den Leopardentöter, den Hyänen-zerstampfer.“ Die Männer nickten. Ja,, so war es recht und gut. Der entweichende Geist des getöteten Büffels sollte die Worte hören und Furcht und Schrecken vor dem starken Jäger im Walde verbreiten. Ingongwa war ein großer Mann, es fehlte ihm nur etwas von der Klugheit seines verstorbenen Vaters, sonst hätte er an der Stelle Kambas stehen können, um über dem Dorf zu wachen und die Schritte der Krieger zu lenken. Nicht alle hatten der Erzählung Ingongwas zugehört, wie dieser mit Stimrun-zeln feststellte. Makangwe, der Schmied, hatte sich des Rates des Fafa, des Paters, erinnert. Es galt’ die Christen des Dorfes während des Festes beisammenzuhalten. Nur gar zu oft kam es zwischen ihnen und ihren heidnischen Mitbrüdern zu Streit und Schlägereien, wenn ihnen erst der Palmwein zu Kopf stieg und die Zungen locker machte. In aller Hast suchte er nach einer Sage, einer Erzählung, um die Seinen zu fesseln. Es gab ja in dem kleinen Urwalddorf, das etwa dreihundert Seelen zählte, bislang nur etwa drei Dutzend Christen, von denen manche immer wieder rückfällig wurden. Der Fafä kam so selten nach Do-ronga und jeder Bekenner des Kreuzes war durch Familienbande mit den heidnischen Dorfgenossen verbunden. Was sollte Makangwe nur erzählen? Die blutrünstigen Abenteuer, deren sich die Heiden rühmten, waren eines Christen unwürdig. Aber wenn seine Geschichte nicht ebenso spannend wurde, .wie die Ingongwas, dann konnte er seine Zuhörer nicht halten. Ein Leuchten ging über Makangwes faltiges, dunkles Gesicht. Gerade im rechten Augenblick erinnerte er sich der Geschichte von David und Goliath. Ja, das war das Richtige. Bei séinem letzten Besüch in Bokeja hatte ihm Bruder Aribert davon erzählt. Auch Makangwe Verstand sich darauf, die Worte mit der richtigen Kraft zu finden. Es war vergnüglich, ihm beim Erzählen zuzusehen, denn die Muskeln unter seiner vom Schmiedefeuer ausgedörrten bronzefarbenen Haut hüpften und sprangen bei jeder Bewegung. Die Augenbrauen konnte er bis zu den Haaren hinaufziehen, und seine Öhren wackelten, zogen sich bei den spannenden Szenen nach vorn, daß sie Sich seitlich abspreizten wie die eines wütenden Elefanten. Aber heute kicherten und schmunzelten' die Zuhörer nicht wie sonst über seine Gebärden. Allzu bildhaft schilderte der Schmied den Kampf zwischen dem Ziegenhirten David und dem Riesen, unter dessen Füßen die Erde erzitterte. Oi, oi, die Geschichte wollten sich alle gut merken und ihren heidnischen Brüdern erzählen, wenn sich diese über die Langweile ihres Christenglaubens lustig machten. Ingongwa hatte schon ein paar ätzend Scharfe Bemerkungen auf der Zunge. Seine Worte sollten Makangwe treffen wie spitze, vergiftete Pfeile. Vielleicht wäre es doch noch zum Streit gekommen, aber gerade noch rechtzeitig sorgten, die Blutsverwand- ten Margas § dafür, daß Ingongwa auf] friedlichere Gedanken kam. Sie brachten^ Geschenke, Ziegen, Hühner : und Enten, legten sie Vor Marga und Ingongwa nieder und dieser wiederum griff mit bei-ben Händen in einen bereitgestellten Korb; um die Geber mit KupferringenJ Messern und Lanzeriklingeri zu besehen-^ ken. Er setzte seinen Stolz darein, sich] als reicher Mann, zu erweisen. In den Nachbardörfern hatte er für seine. Beute,'! für Elfenbein, Felle und, Fleisch vielerlei eingehandelt. Es war ja ärgerlich genug, daß er,, so weite Wege machen mußte;? aber ein Anhänger der alten Heiden-] lphren der Väter konnte unmöglich mit Makangwe tauschen. Freilich, das Eisen des Christenschmiedes war weitaus besser als das der andern Urwaldschmiede; bekam er es doch von Bokela, von der Mission, geliefert. Aber kein Heide nahm es in Kauf, ehe es nicht von Onga| oder einem änderen Zauberer besprochen und mit' dem Rauch des Kräuter-feuers gereinigt worden war. Die Trommeln dröhnten, während sich Marga mit Njoli, die ihr wieder gef bracht wurde, in die Hütte zurückzog, um die Kleine zu stillen. Von neuem be-., gann der Tanz. Höher loderten die Flammen der Festfeuer. Hell und strahlend standen die, Sterne am Himmel? Mondlicht überflutete die Lichtung, im Busch. Fledermausgekicher, Eulenruf und all 'die Laute im Urwalddickicht gingen- unter im Rasseln und Dröhnen der Trommeln;:] Fauchend verschwand der Leopard im Dunkel, der sich anschickte; einen Zie-' genpferćh zu beschleichen; eine Elefantenherde, die auf dem Weg z,um Fluß war, stand lange mit klappernden Ohren und tastenden, Rüsseln auf ihrem Wechsel und verschwand dann in-einer sumpfigen Senke. Der .Tanzlärm war den Dickhäutern zuwider. Allzu beizend drang ihnen der Rauch der Feuer in die empfindlichen Rüssel. Die Booli-Neger aber lachten, schwätzten und sangen. Die' Nacht, vor der sie sich sonst so fürchteten, hatte heüte keine Schrecken für sie. Vor dem fröhlichen Lärm lind Ongas Bannsprüchen flüchteten sich die Geh; ster in das- tiefste; schwärzeste; Dunkel der Wälder. Aber allmählich wurde es. stiller auf dem Platz vor der verbotenen Hütte., Makangwe war es gelungen, seine Christengemeinde früher als sonst dorfwärts zu führen. Viele Tänzer und Tänzerinnen wurde müde, verschwanden einzeln und in Gruppen auf dem Dorfpfad. Nun brannte nur noch ein Feuer. Ein paar Unentwegte trommelten und versuchten mit aufmunternden Schreièn, die Tänzer anzufeuern. Doch die Reihen lichteten sich. Leer lagen die Palmweinkrüge neben den niedergebrannten Feuern. Die\ letzte Tänzerin hatte ihren Lohn, ein paar Kupfermünzen, in Empfaiig genommen. — Aketi, Ingongwäs Bruder, schaffte mit'einigen jungen Burschen die Geschenke zum Dorf. Ihm folgte Marga, die kleine Njoli im Arm, geleitet von dem glücklichen Vater. Noch ein paar Schläge äuf der Trommel. Ein halbwüchsiger Junge, der die ganze Zeit auf die Gelegenheit, gelauert hatte, kauerte vor dem großen, hohlen Stamm. Nur gar zu gern würde er die Kunde über das große Fest den Nächbardörfern verkünden, aber so sehr er auch nachdachte, er brachte, die Worte der Trommelsprache nicht zusammen. Noch einmal versuchte er es, aber, fast erschrocken hielt er inne. Es wurde dunkel, nach einem letzten Aufflackern sank das einzige, noch brennende Feuer in sich zusammen. Der junge Trommler erhob sich, gähnte,-dehnte die tanzmüden Glieder. Ein drolliger Schnarchlaut ließ ihn herumfahren, da lag der dicke Mjangwe, der Bootsbauer und Dichter des Dorfes langausgestreckt auf dem Rücken. Er hatte wie gewöhnlich zu viel Palmwein getrunken und war am Feuer • eingeschlafen. Der jungè Bursche ging zu der elterlichen Hütte, und der Tapzplatz gehörte jetzt wieder ganz den Fledermäusen und Eulen, den fliegenden Hunden und den Hyänen,, die i vorsichtig heranschlichen, um die von den Dorfhunden blankge-nagten Knochen aufzüiesen und mit ihren eisenharten Kiefern zu zerknak-ken. Auf dem Schlaffell aber erfuhr Ingeng-wa das gefährliche Abenteuer seiner kleinen Njoli. Er schauderte bei dem Gedanken, wie nahe sie dem Tode war; Ärgerlich möchte er aufbrausen, als er hörte, daß Marga das Amulett des Fafa an die -Matte gebunden hatte, aber der Palmwein, dem er reichlich zugesprochen hatte, verwirrte, ihm die Gedanken. Ehe er sich seines Zornes bewußt wurde, war er eingeschlafen, den rechten Arm um die Schultern seiner'Marga geschlungen. Am Morgen aber wurde er an das, Geständnis seiner Frau erinnert. Dort auf der Matte seines Kindes blinkte im matten Tagesschein, der durch den niederen Eingang fiel, das Medaillon. Wieder packte Ingongwa der Zorn. War er nicht einer der Getreuen, .ein Verächter der neuen Lehre? Er möchte das Amulett in den Staub treten, er möchte es mit dem eisenbeschlagenen Lanzenschaft zerschmettern. Aber er wagte es nicht. Für Ingongwa hatte alles, was geschah, jeder Gegenstand um ihn her, zauberische, magische Bedeutung. „Wer kann wissen, ob nicht ein Fluch denjenigen trifft, der die Hand gegen das Medaillon erhebt", murmelte er. „Aber es muß fort, aus der Hütte verschwinden", fuhr ,er Marga grimmig an,.,,Wehe, wenn es Onga oder einer der aridem Männer zu Gesicht bekommt. Der Bannfluch des Zauberers wird dich und mich, unsere Njoli treffen." „Aber ich habe dir doch gesagt, daß die gute Frau, die auf dem Medaillon steht, unsere Njoli vor der Hyäne rettete", warf Marga ein. Der Bannkreis, den Ongo Um die Hütte zog,, hat die Räuberin nicht abgehalten, der Zauber des Fafa war stärker.“ Darüber mußte nun Ingongwa lange nachgrübeln, aber, er fand keine Lösung des Rätsels. „Der Christenzauber - muß aus den Hütte verschwinden, ich will ihn nicht mehr sehen", knurrte er schließlich und griff nach dem Wässerkrug, denn unerträglich quälte ihn heute der Durst. Ihm war, als wäre ihm ein Schwarm der winzig kleinen Sumpfmücken in Mund und Hals geratend es brannte im Gaumen wie von tausend Stichen. Vielleicht hätte er sich in einer friedlicheren Stimmung zu Margas Ansicht bekehren, lassen, die seit dem Vorfall mit der Hyäne in abergläubischer Verehrung an dem Medaillon hing. Fortsetzung folgt Un sre frommen Missionare haben nun schon manche Jahre eine große Landwirtschaft! die erfordert viele Kraft. Neulich grub man in die Erde eine Grube mit Beschwerde, und die Brüder legten dann eine Jauchegrube an. Damit niemand in sie stürze und das Leben sich verkürze, brachte Bretter man zuhauf,; diese deckte man darauf. Neben diesem Jaucheloch stand ein schöner Baum jedoch, dessen Früchte "unsem Knaben lange schon gefallen haben. Und schon stehn sie auf den Brettern, langen aufwärts zu den Blättern, nach den Früchten süß und fein; doch die beiden sind zu klein. Und wie sehr sie sich auch recken, bald schon merken sie mit Schrecken, daß die Früchte so geschwind leider nicht zu haben sind. Und sie hüpfen, und sie ; springen, denn es soll und muß gelingen, daß sie einen Zweig erreichen mit den Früchten ohnegleichen. Und mit einem Riesenschwung tut der Poko einen Sprung, als im gleichen Augenblick Koko auch versucht sein Glück. Und in dem Momente IM- ach! —•• gibt der Boden plötzlich nach,, und es purzeln die zwei Buben alle beide in die Gruben. Während digser ganzen Zeit stand ein Bruder gar nicht weit, schaute sich die Sache an; dieser eilte jetzt heran. Erst lacht er sie tüchtig aus, doch dann läßt , er sie heraus: Mit der Hilfe von zwei Brettern dürfen sie nach oben klettern. Ach, was soll ich noch berichten? Nichts gab's von den schönen Früchten.. Fort, ja fort war aller Mut, und. sie rochen gar nicht gut. ADAM Warum ist die Katze ein Haustier „Wißt ihr,-warum die Katze gerne zu Hause bleibt?" , „Nein, wir wissen es nicht, Mutter." „Wollt ihr die Geschichte davon hören?" „Ja, erziähle sie uns doch!" , „Gut, ich werde sie euch erzählen. Vor langer, langer Zeit, als die Katze noch ein Tier der Wildnis war, lebte sie immer mit dem Hasen zusammen. Diese beiden waren große, dicke Freunde und gingen immer miteinandèr. Eines Tages nun kam der Hase, in Streit mit dem Duiker . (Antilopenart). Der geriet in fürchterlichen Zorn und tötete den Hasen mit seinen Hörnern." ' Als nun die Katze sah, daß sie ihren Freund verloren hatte, und daß der Duiker stark ist, denn er hatte ja den Hasen getötet, da befreundete sich die Katze mit dem Duikerbock. Doch es dauerte nicht lange, da wurde der von einem Leoparden aufgefressen. Was sollte die Katze nun tun? Wirklich; sie schloß Freundschaft mit dem Leoparden,'denn sie meinte, der sei das starke Tier der Wildnis. Wieder ging eine kurze Zeit vorüber. Der Leopard, der Freund der Katze, traf mit dem Löwen zusammen, dem König aller wilden Tiere. Sie maßen ihre Kräfte im Kampf, und;der Löwe besiegte den Leoparden. Ei der Kuckuck, die Katze hatte keine andere Wahl, sie schloß sich nun an den Löwen an. Beide gingen auf die Pirsch, hinein in den Busch. Da stießen sie auf einen Elefantentrupp. Der Elefantenbulle sah den Löwen, sprang ihn an — welch ein Getöse es war! Der Löwe blieb auf der Strecke liegen. Die Katze freute sich gar sehr, als sie ihren neuen Freund sah, der so groß und Eine Schnecke wollte die Welt endlich auch einmal von oben, sehen. Zu diesem Zweck entschloß sie sich zu einem Ausflug auf einen Aussddits-turm, auf einen zehn Meter hohen Telegraphenmasten. Sie machte es nach Schnék-kenart gemütlich: Jeden Tag kroch sie zwei Meter hoch. Aber, o weh, nachts rutschte sie im Schlaf jedesmal um einen Meter zurück. stark war. Nein, nun kann es nichts ' mehr geben, das noch stärker sein könnte als dieser mächtige Dickhäuter, der sogar den Löwen besiegt hatte. So dachte die Katze. Stets folgte sie nun dem Elefanten. Den kann niemand mehr töten! So durchstreiften denn die beiden Gefährten das Land, sie jagten und freuten sich des Lebens, sie fraßen und wurden satt. Da kam der Jäger, der Mensch, der mit Giftpfeilen schoß. Der Elefant starb auf der Stelle, Die Katze dächte in ihrem Sinn: Das ist doch eine wunderliche Sache, das kleine Menschlein überwältigt solch ein Riesentier. Ja, dann ist der wohl der König aller Dinge. Und so Wurde sie mit ihm freundlich. Sie folgte dem Jäger bis zü seiner Behausung. Dort saß sie auf dem Hüttendach. Jetzt war sie ein Haustier des Menschen. Wie sie so dasaß und vergnüglich schnurrte, hörte sie auf einmal einen Heidenspektakel. Was ist los? Da sieht sie den Mann, den Herrn des Hauses, wie er mit großer Geschwindigkeit das Weite suchte,, gefolgt von seinem Weib, das ihm nachsetzte, den Rohrstock in der. Hand schwingend, um ihm Mores zu lehren. Da schau mal einer an, dachte die Katze: Jetzt habe ich jene gesehen, die alle übertrifft. So kommt es denn, Kinder, daß die Katze nun immer zu Hause bei der Frau bleibt. Wo hast Du diese Geschichte gehört, Mutter? Ich habe sie von einem Mann des Bembastamm.es vernommen, der mitten im Herzen Afrikas wohnt. P. Willi Kühner Wieviel Tage brauchte sie, bis sie die Aussicht genießen konnte? Des Rätsels Lösung Die zwei Väter und zwei Söhne im letzten Heft konnten die Fahrt unbehelligt mit drei Fahrkarten machen, denn sie waren nur zu dritt: Großvater, Vater und Sohn. Der Vater war ja zugleich Sohn des Großvaters. KURZ BERICHTET Fünf Neupriester Am 29. Juni erhielten im Dom zu Brixen vier Diakone unserer Kongregation die Priesterweihe. Es sind: Karl Kuppelwieser aus St. Walburg / Ulten, S.üdtirol, Herbert Oberhofer aus Katharinaberg / Sdmals, Südtirol, Fidelis Pezzei aus Kampill, Südtirol, und Josef Pfänner aus Scheffau, Kreis Lindau. In. Bamberg wurde am 17. Juli Hilmar Gulba aus Ratibor (Oberschlesien) -zum Priester geweiht. Silbernes Priesterjubiläum Am 29. Juni konnte P. General Richard Lechner sein silbernes Priesterjubiläum begehen. Nach seiner Priesterweihe 1935 in Brixen wirkte er bis 1955 in der Missionsdiözese Lydenburg, Südafrika. 1955 wurde er zum Generalsuperior gewählt. Nach Südafrika ausgereist ist Mitte Juli P. Vitus Grohe aus Weigental,] Gdel Oberkessach, Württemberg., Mit ihm fahren1 in die, Mission zurück die Brüder Johann Merz und Xaver yogel. Gebetsapostolat Bischof Anton, Reiferer. führte in seiner Diözese Lydenburg das Gebetsapostolat : ein und ernannte P. Günther Brosig zu seinem Direktor. 95. Geburtstag Br. Alexander Cygan konnte in Transvaal bei guter Gesundheit • seinen 95. Geburtstag feiern. Seit 1894 wirkt er als Missiohsbruder in Ägypten, dem Sudan und in Transvaal. ;|| Am Pfingstmontag,, der lit Spanien kein Feiertag ist, konnte in Saldana durch p. General der erste Spatenstich zum neuen Seminar erfolgen. Zu seiner Rechten P. Josef Würz, zu seiner Linken P. Rektor Franz Kieferle. Inzwischen] schreitet der Bau rüstig voran. Stierkampf auf Briefmarken 15 cts: Kampfstier — 20 cts: Stiere auf dem Feld — 25 cts: Die Stiere kommen aus dei Landwirtschaft in die Klausur, wo sie besonders abgerichtet werden. 5 ptas: Stierkampfarena 30 cts: Der Stier stürmt in die Arena — 50 cts (correo aereo);] ' , Der Peon reizt den Stier mit dem bunten Mantek — 50 cts: Der Peon läßt den Stier geschickt an sich vörbeilaufen. 70 cts: Der Banderillero versucht dem Stier zwei weitere bunte Stäbe (Banderillas) anzu-hängen; der Stier trägt bereits zwei Bandefilläs1.80 ptas: Stierkampf zu Pferde; Äußerst selten wird der ganze Stierkampf auch zu Pferde durchgeführt; hier stößt ein Banderillero zu Pferde dem Stier zwei Banderillas in den Nacken -^1 pta (correo aereo); Der ,;Brindisfl: Der Gruß des Matadors vor der Präsidententribüne; in der Rechten die erhobene Mütze, in der linken das rote Tuch und der Degen; nach diesem Gruß beginnt die Endphase des Stierkampfes. 1.40 ptas: Der Torero lockt den anstürmenden Stier mit dem roten Tuch; die größte Kunst ist es, bei diesen Angriffen des Stiers mit geschlossenen Füßen den Stier an sich vorbeilaufen zu lassen.;] ^4" 1 pta; Der Stier stürzt auf das Tuch zu; stößt mit seinen Hörnern hinein und läuft dann am Torero vorbei ins Leere, g- 1.50 ptas: Ebenfalls große Kunst ist es, gleich nach dem Vörbeilaufen den Stier wieder zur Umkehr zu bewegen, daß ein Angriff des Stiers immer direkt auf den andern folgt; dabei kann der Matador vor allem beweisen, was er kann. — 80 cts: Andere Phase des Endkampfeg zwischen Matador und Stier. Prälat Anton Kühner mit drei Schülern unseres Ellwanger Seminars, die aus seiner Heimat Bachenau stammen. „Flugzeugführer oder gefeierter Sportsmann will ich werden* so lautete mein Wunsch als kleiner Junge schon. Gott aber hatte etwas Größeres mit mir vor. Ich wurde mit seiner Hilfe Priester und Missionar. Eine herrliche und, erlebnisreiche Aufgabe hat der Missionar! Auf ihn warten die Neger unseres Gebietes in Südafrika oder in der Großstadt Memphis im Süden der USA. Unser H. H. Prälat Anton Kühner, den du im obigen Bild mit drei Missionsschülern aus seinem Heimatort siehst, wirkt und arbeitet unter dén Hochlandindianern in Peru, Südamerika. All diese oft sehr armen Menschen wollen unsere Missionare zu unserem katholischen Glauben führen. Diese Glaubensboten müssen doch schneidige Männer sein! Mich hatte ihr Beruf alsbald sehr begeistert. Ergeht es Dir nicht ebenso? Vielleicht will auch dich Gott als seinen tapferen Glaubensboten haben! Komm doch zu uns ins Missionsseminar St. Josef, Ellwangen (Jagst) 90 muntere Jungen sind schon hier. Wenn du ordentlich begabt und in der 4. oder 5. Volksschulklasse bist, kannst auch du zu uns kommen. Bist du aber schon über zwölf Jahre, dann besteht für dich die Möglichkeit, im Seminar die unteren Klassen noch nachzuholen. Deine Eltern haben sicher nichts dagegen, denn sie wollen ja auch, daß du einmal viel Gutes wirken darfst für ärmere Menschen als wir sind. Unsere Jungen besuchen das Gymnasium der Stadt Ellwangen. Hast du Lust und Neigung, Missionar zu werden, dann schreibe uns noch vor Weihnachten! Wenn du aber lieber ein rechtes Handwerk erlernen willst, um als Bruder und tüchtiger Fachmann dem Missionar bei seiner Arbeit beizustehen, dann schreibe an das Missionshaus Josefstal bei Ellwangen (Jagst)'