Pregledni znanstveni članek (1.02) BV 70 (2010) 3, 405-414 UDK: 27-472:373.3(438) Prejeto: 8/2010 Jozef Stala Lehrpläne und Schulbücher für den Religionsunterricht an den Staatlichen Grundschülen in Polen Zusammenfassung: Der Religionsunterricht an den staatlichen Grundschulen in Polen setzt sich im Unterschied zu den meisten anderen Ländern der Europäischen Union nicht das Ziel, ausschließlich Wissen über die unterschiedlichen Religionen weiter zu geben. Auch will er nicht nur mit der christlichen Wirklichkeit vertraut machen sondern ausdrücklich erziehen und bilden, denn er dient der Entwicklung von Persönlichkeit und Religiosität des Schülers. Der Autor des vorliegenden Artikels stellt den Religionsunterricht an den staatlichen Grundschulen in Polen vor und nimmt dabei insbesondere auf die Lehrpläne und die Lehrbücher für den Religionsunterricht Bezug. Zunächst werden grundsätzliche Überlegungen zum Religionsunterricht sowie Lehrpläne und Schulbücher für den Religionsunterricht präsentiert. Der letzte Teil befasst sich mit den Lehrbüchern für den Religionsunterricht, die unter der Redaktion von Prof. Elžbi-eta Osewska und Prof. Jozef Stala erschienen sind und ein neuartiges Modell für die Religionserziehung aufzeigen. Schlüsselwörter: Religionsunterricht, staatliche Schule, Lehrpläne und Schulbücher Povzetek: Učni načrti in učbeniki za verski pouk na državnih osnovnih šolah na Poljskem Cilj verskega pouka na državnih osnovnih šolah na Poljskem v nasprotju z večino drugih držav EU ni v tem, da bi podajal izključno vedenje o različnih verstvih. Tudi noče seznjati le s krščansko resničnostjo, ampak izrecno vzgajati in izobraževati, kajti služi razvoju učenčeve osebnosti in religioznosti. Avtor članka predstavi verski pouk na državnih osnovnih šolah na Poljskem in se pri tem sklicuje predvsem na učne načrte in učbenike za verski pouk. Najprej so predstavljeni temeljni razmisleki glede verskega pouka ter učni načrti in učbeniki. Zadnji del članka obravnava učbenike za verski pouk, ki sta jih uredila in izdala prof. Elzbi-eta Osewska in prof. Jozef Stala ter prikazujejo nov model verske vzgoje. Ključne besede: verski pouk, državne šole, učni načrti in učbeniki Abstract: Programmes and Textbooks for Religious Education in State Primary Schools in Poland The aim of religious education in state primary schools in Poland is not, like in most countries of the European Union, to exclusively transmit knowledge about various world religions. Nor does it concentrate on Christian reality but on education because it wants to serve the personal and religious development of the pupils. The author of the present article presents the religious education in state primary schools in Poland with special attention given to the programmes and textbooks for religious education. First the basic foundations of religious education as well as programmes and textbooks are shown. The last part of the article deals with the textbooks for religious education prepared and edited by professors Elzbieta Osewska and Jozef Stala as a new model of religious education. Key words: religious education, state schools, programmes and textbooks. In Polen beginnen die Kinder als Siebenjährige ihre schulische Ausbildung in der sechs Jahre umfassenden Grundschule und beschließen diese im Alter von dreizehn Jahren. Ab dem Jahr 2012 wird sich das Alter der Einschulung um ein Jahr nach vorne verschieben, demnach werden von diesem Zeitpunkt an die sechsjährigen Kinder die erste Klasse besuchen, während für die fünfjährigen Kinder die Teilnahme an einer Vorschulerziehung verpflichtend wird. Die schulische Ausbildung umfasst zwei Erziehungs- und Unterrichtsstufen: die Jahrgangsstufen eins bis drei sowie die Jahrgangstufen vier bis sechs, welche sich in den Grundsätzen von Lehre und Erziehung der Kinder unterscheiden. Deshalb müssen die Lehrpläne und Lehrbücher für den Religionsunterricht im Hinblick auf die Veränderungen der Erziehungsphilosophie ebenfalls umgestaltet werden. Der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen Polens ist ein Wahlfach, an dem mehr als 90 Prozent aller Schüler teilnehmen. Der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen Polens will nicht nur mit der christlichen Wirklichkeit vertraut machen, sondern weist ausdrücklich auch Erzie-hungs- und Bildungsmerkmale auf. Die Ausformung einer christlichen Lebenseinstellung in der Schule ergänzt und vervollständigt die sakramentale und liturgische Katechese, die sich in der Pfarrei vollzieht. Unverzichtbares Element des schulischen Erziehungsprogramms sind daher auch mehrtägige Einkehrtage sowie die Teilnahme der Kinder, Jugendlichen und Lehrer an Gottesdiensten zu Beginn und am Ende des Schuljahres, an Volksfeiertagen und an Patronatsfesten der Schule. Der vorliegende Artikel will versuchen, den Religionsunterricht an den staatlichen Grundschulen in Polen vorzustellen und dabei besonders auf die Lehrpläne und die Schulbücher für den Religionsunterricht einzugehen. Dabei werden zunächst Grundsätze des Religionsunterrichts sowie Programme und Schulbücher für den Religionsunterricht an den staatlichen Grundschulen aufgezeigt, während im Anschluss daran die unter der Redaktion von Prof. Elzbieta Osewska und Prof. Jozef Stala herausgegebenen Lehrbücher für den Religionsunterricht neue Modelle der Religionserziehung präsentieren. 1. Die Lehrpläne für den Religionsunterricht an der Grundschule in Polen Während der ersten Phase der schulischen Bildung (vom 7. bis zum 10. Lebensjahr) werden alle Unterrichtsfächer, außer Religion, integrativ von ei- nem Lehrer unterrichtet und mit Hilfe von Wortgutachten bewertet. Außerhalb dieses Systems findet sich der Religionsunterricht, der mit einer sechsstufigen Notenskala bewertet wird. Dabei muss bedacht werden, dass die Ziele und Inhalte des Religionsunterrichts in dieser Schuletappe der Vorbereitung auf die Erste Heilige Kommunion und den Empfang des Bußsakraments untergeordnet sind. Dies geschieht sowohl im Rahmen des schulischen Religionsunterrichts wie auch in der von der Pfarrei angebotenen Katechese, wo diese Vorbereitung ergänzt und vervollständigt wird. Vo daher konzentriert sich der Religionsunterricht mehr auf die Vermittlung von Bildungsinhalten, die Katechese in der Pfarrei hat dagegen eher die Funktion der Initiation. Das Direktorium für Katechese der Katholischen Kirche in Polen aus dem Jahr 2001 (Dyrektorium katechetyczne Kosciola katolicki-ego w Polsce) weist darauf hin, dass eben diese Vorbereitung in der Pfarrei geschehen sollte, welcher der Schüler angehört, und nicht in der Pfarrei, zu welcher die Schule zählt (Dyrektorium katechetyczne Kosciola katolickiego w Polsce, 107). Grundlegende Aussagen über den Religionsunterricht im Rahmen des ersten schulischen Bildungsabschnittes, die sich auch auf die Initiation und auf die Einführung in die Geheimnisse der Eucharistie sowie des Bußsakraments beziehen, sind im Grundsatzprogramm für die Katechese der Katholischen Kirche in Polen aus dem Jahr 2001 (Podstawa programowa katechezy Kosciola katolickiego w Polsce) (Podstawa Programowa katechezy Kosciola katolickiego w Polsce, 22-23; Kostorz 2003, 76-77; Marek 2000, 48-49) niedergeschrieben. Während der zweiten Etappe ihrer schulischen Bildung durchleben die Schüler bedeutende physische und psychische Veränderungen, welche mit physiologischem, sozialem, emotionalem und kulturellem Wachstum verbunden sind. Diese Entwicklung wird ebenfalls im Religionsunterricht berücksichtigt (Podstawa Programowa katechezy Kosciola katolickiego w Polsce, 34-35). Derzeit stehen übergreifend für das gesamte Land Polen zwei Programme für den Religionsunterricht des ersten und des zweiten schulischen Bildungsabschnittes zur Verfügung: das Programm der Kommission für die Katholische Erziehung der Polnischen Bischofskonferenz und das Programm der Diözese Kielce. In einigen Diözesen werden auch lokale Diözesanprogramme erfolgreich durchgeführt. Die beiden gesamtpolnischen Programme arbeiten in der Regel parallel: Die Schüler, die während der ersten drei Schuljahre an dem einen Programm teilgenommen haben, führen dieses auch in den folgenden drei Jahrgangsstufen weiter. Das Lehrprogramm der Kommission für die Katholische Erziehung der Polnischen Bischofskonferenz gründet sich für die erste Klasse auf der Liturgie und den Riten der Taufe. Gleichzeitig weist es existenzielle Wesenszüge auf: sakramentale Heiligkeit, Einführung in Zeichen und Symbole in Verbindung mit einem tieferen Verständnis der für die Schüler alltäglichen und zugänglichen Zeichen und Symbole. Die Fortsetzung dieses Lehrplans zeigt in der zweiten Klasse gleichermaßen sakramentale wie auch existenzielle Merkmale. Die Themenbereiche beziehen sich auf die Eucharistie und auf das Bußsakrament. Der Lehrplan des Religionsunterrichts in der dritten Klasse bietet die Einführung in die Geheimnisse der Eucharistie an und knüpft an die Struktur der Heiligen Messe an. Parallel zu den oben angeführten Lehrplaninhalten, welche für die Vermittlung auf Schulebene bestim- mt sind, sollen die Schüler ihre Freundschaft mit Jesus durch Zusammenkünfte vertiefen, die von Initiation und Liturgie geprägt sind und in derjenigen Pfarrei stattfinden, welcher die Schüler angehören und wo sie die Erste Heilige Kommunion empfangen. In den Jahrgangsstufen vier bis sechs richtet sich das Programm des Religionsunterrichts darauf, die Schüler in die Heilsgeschichte einzuführen. Die Verteilung der Lerninhalte wurde nach einem an der Trinität und der Geschichte orientierten Schlüssel vorgenommen. So umfasst die vierte Klasse Themenbereiche, die mit der göttlichen Offenbarung verbunden sind, von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Vorhersage des Messias. Die Lerninhalte der fünften Klasse beziehen sich auf das Neue Testament (Geburt, Leben, Lehre, Wirken, Tod und Auferstehung Jesu Christi). Dagegen konzentrieren sich die Themenbereiche des Lehrplans auf die Problematik rund um die Entstehung und Entwicklung der Kirche wie auch auf das Leben als Christ (neues Leben im Heiligen Geist, die Wiedergeburt in der Taufe, die Verbundenheit des Volksglaubens und der Volkskultur mit dem christlichen Erbe, die Aufforderung zur Erfüllung der Aufgaben der Kirche, das Umgehen mit Konflikten im christlichen Geist, die Bedeutung des Gebets und der Gaben des Heiligen Geistes im Leben des Christen). Das Programm der Diözese Kielce (das in Kielce entwickelt wurde) bezieht sich in den ersten drei Jahrgangsstufen auf die Entdeckung der Liebe Gottes zu den Menschen, auf Wege hin zu Gott, auf dessen Erscheinen in Jesus Christus, auf die Feier der Gegenwart Gottes im liturgischen Jahr und darauf, sich im Leben auf Christus und seine Gaben zu stützen. Die Lerninhalte für die erste Klasse konzentrieren sich auf Gott, mit dem die Existenz des Menschen verbunden ist, sowie auf Jesus, der zu den Menschen gekommen ist, den Gehorsam gegen Gott lehrt, der uns an der Freude der Auferstehung teilhaben lässt und mit der Gegenwart seiner Mutter beschenkt. Das Programm wird durch Unterrichtseinheiten ergänzt, die mit dem Erleben des liturgischen Jahres einhergehen. Diese Aufteilung wird in allen Klassen der Grundschule fortgeführt. Der Schwerpunkt des Lehrplans für Religion liegt in der zweiten Klasse in der Vorbereitung auf die Erstkommunion und den Empfang des Bußsakraments. Weitere Teilbereiche beziehen sich auf die existenzielle Situation der Kommunionkinder, die von der Erwartung Jesu bestimmt ist, und umfassen grundsätzliche christologische, sittliche und liturgisch-sakramentale Fragestellungen, besonders im Hinblick auf die Teilnahme an der Heiligen Messe. Der inhaltliche Aufbau der dritten Klasse bezieht sich auf Leben und Wirken Jesu Christi. Im Anschluss daran bestehen die Ziele des Lehrplans für Religion für die Jahrgangsstufen vier bis sechs darin, die Fundamente der christlichen Morallehre kennen zu lernen, die Heilsgeschichte im Lauf des Kirchenjahres bewusst zu erleben, persönliche Vorbilder in Heiligen zu suchen und die christliche Identität zu entdecken. Die Lerninhalte der vierten Klasse konzentrieren sich auf die Liebe Gottes, seine Vorsehung, seinen Bund mit den Menschen, seine Wege, seine Gegenwart und seine Verehrung. In der fünften Klasse wird der Aufbau des liturgischen Jahres vorgestellt: ausgehend von Themen, welche die Schöpfung betreffen, über den Advent, die Weihnachtsfeiertage, die Fastenzeit, das Triduum Sacrum, den österlichen Festkreis bis hin zu den Sonntagen im Jahreskreis, wo sich erkennen lässt, dass die Heilsgeschichte noch heute fortdauert. Dagegen werden in der sechsten Klasse ekklesiale und sakramentale Themenkreise behandelt. Gesamtpolnische Schulbuchreihen für den Religionsunterricht orientieren sich an einem der beiden vorher besprochenen Programme, die Mehrzahl der Lehrbücher ist nach dem Programm der Kommission für die Katholische Erziehung der Polnischen Bischofskonferenz ausgearbeitet Krakow (Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von W. Kubik und T. Czarnecka, herausgegeben vom Verlag Wydawnictwo WAM in Krakow - 1. Klasse: W domu i rodzinie Jezusa; 2. Klasse: Bliscy Sercu Jezusa; 3. Klasse: Jezusowa wspolnota serc. Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von Z. Marek, herausgegeben vom Verlag Wydawnictwo WAM in Krakow - 4. Klasse: Zaproszeni przez Boga; 5. Klasse: Obdarowani przez Boga; 6. Klasse: Przemienieni przez Boga), Lublin (Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von R. Lis, herausgegeben vom Verlag Gaudium in Lublin - 1. Klasse: Zaproszeni przez Pana; 2. Klasse: W oczekiwaniu na Jezusa; 3. Klasse: Radosc spotkania z Jezusem; 4. Klasse: Wierni Bogu Ojcu; 5. Klasse: Oddani Jezusowi Chrystusowi; 6. Klasse: Uswieceni w Duchu Swietym), Poznan (Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von J. Szpet und D. Jackowiak, herausgegeben von der Buchhandlung »sw. Wojciech« in Poznan - 1. Klasse: W domu Bozym i rodzinie Jezusa; 2. Klasse: Bliscy Sercu Jezusa; 3. Klasse: Jezusowa wspolnota serc; 4. Klasse: Powolani przez Boga Ojca; 5. Klasse: Umilowani w Jezusie Chrystusie; 6. Klasse: Uswieceni w Duchu Swietym), Radom (Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von S. Labendowicz, herausgegeben vom Diözesanverlag in Sandomierz in Zusammenarbeit mit dem Verlag Ave in Radom - 1. Klasse: W domu Bozym i rodzinie Jezusa; 2. Klasse: Bliscy Sercu Jezusa; 3. Klasse: Jezusowa wspolnota serc; 4. Klasse: Powolani przez Boga Ojca; 5. Klasse: Umilowani w Jezusie Chrystusie; 6. Klasse VI: Uswieceni w Duchu Swiety) und Tarnow (Lehrbücher für den Schulunterricht unter der Redaktion von E. Osewska und J. Stala, herausgegeben vom Verlag Biblos in Tarnow - 1. Klasse 1: Jestesmy rodzina Jezusa; 2. Klasse: Jezus nas kocha; 3. Klasse: Jezus przy-chodzi do nas we Mszy Swietej; 4. Klasse: Bog mnie wola; 5. Klasse: Bog mnie kocha; 6. Klasse: Bog mnie przemienia), lediglich eine nach dem Programm der Diözese Kielce (Lehrbücher für den Schulunterricht herausgegeben vom Verlag Jednosc in Kielce - 1. Klasse: Bog naszym Ojcem; 2. Klasse: Jezus jest z nami; 3. Klasse: Wzrastamy w przyjazni z Jezusem; 4. Klasse: Sluchamy Boga; 5. Klasse: Wielbimy Boga; 6. Klasse: Z Jezusem idziemy do Boga). Komplettpakete für den Religionsunterricht enthalten: das Lehrbuch für den Schüler, ein Übungsheft und methodische Anleitungen. Einige Editionen ergänzen dies noch durch einen Arbeitskoffer, der Kopiervorlagen für die Stunden enthält, die an die Schüler verteilt werden, oder auch CDs für den Computer mit zusätzlichen Texten. 2. Die Schulbuchreihe für den Religionsunterricht aus Tarnow Die neueste Version von Schulbüchern für den Religionsunterricht in der Grundschule, die in besonderer Weise die Entwicklung der Grundschüler im religiösen Bereich unter den neuartigen gesellschaftlich-religiösen Rahmenbedingungen in Polen (Potocki 2007, 11-100) berücksichtigt, wurde unter der Redaktion von Prof. Elzbieta Osewska und Prof. Jozef Stala herausgegeben. Mit der Erkenntnis, dass der gegenwärtig vorherrschende religiöse Pluralismus und moralische Relativismus in bedeutendem Umfang eine richtiggehende religiöse Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen erheblich erschwert, bemühen sich die Herausgeber darum, die religiöse Wirklichkeit als überaus interessant und faszinierend darzustellen (Mastalski 2007). Der erste Teil der Schulbuchreihe trägt den Titel Das Geschenk Jesu (Dar Jezusa): • Erste Klasse: Wir sind die Familie Jesu (Jestesmy rodzina Jezusa), Hrsg. E. Osewska, J. Stala, Tarnow 2008; • Zweite Klasse: Jesus liebt uns (Jezus nas kocha), Hrsg. E. Osewska, J. Stala, Tarnow 2009; • Dritte Klasse: Jesus kommt zu uns in der Heiligen Messe (Jezus przychodzi do nas we Mszy Swietej), Tarnow 2010. Der zweite Teil trägt den Titel Das Geschenk der Begegnung mit Gott (Dar spot-kania Boga): • Vierte Klasse: Gott ruft mich (Bog mnie wola), Hrsg. E. Osewska, J. Stala, Tarnow 2007; • Fünfte Klasse: Gott liebt mich (Bog mnie kocha), Hrsg. E. Osewska, J. Stala, Tarnow 2008; • Sechste Klasse: Gott verwandelt mich (Bog mnie przemienia), Hrsg. E. Osewska, J. Stala, Tarnow 2009. Die Herausgeber und Autoren der Gesamtpakete für den Religionsunterricht an der Grundschule halten sich an den Grundsatz der Treue zu Gott und zu den Menschen. Dabei wird die Treue zu Gott in den Unterrichtseinheiten durch deren trinitäre und christologische Wesenszüge ausgedrückt. Die Herausgeber und Autoren zeigen Gott, der die Liebe ist sowohl im Schöpfungsakt wie auch in der Fürsorge für sein auserwähltes Volk, das Erlösungswerk und die Heiligung des Menschen. Folglich unterstreichen sie das Geheimnis des Dreieinigen Gottes, der alles geschaffen, erlöst und geheiligt hat. Sie betonen weiter, dass Jesus Christus das Wort Gottes verbreitet, gleichzeitig aber selbst das Wort Gottes ist, dass er im Zentrum des Heilsgeheimnisses steht, in welchem dem Menschen die Möglichkeit angeboten worden ist, die Quellen der Offenbarung zu erkennen und zu interpretieren (Jesus ist das lebendige Zeugnis der Gegenwart Gottes in der Geschichte des Menschen). Es werden Wege aufgezeigt, unmittelbar mit Gott Kontakt aufzunehmen, der von großer Bedeutung bei der Suche nach Sinn und Ziel des Lebens ist, neuartige Glaubenserfahrungen zu sammeln und eine Basis für die Herausbildung bestimmter Verhaltensweisen, Einstellungen und Normen für das Handeln zu entdecken. Mit diesen grundsätzlichen Überlegungen verbindet sich der Glauben eng mit dem Prozess der Erziehung zum Glauben und der Erziehung im Glauben sowie mit der Ausbildung einer gereiften christlichen Lebenseinstellung. Wenn der Grundschüler den Ruf Gottes hört und seine Liebe entdeckt, antwortet er nicht nur mit der Vertiefung seines Wissens, sondern damit, dass der Gott liebt und im täglichen Leben Zeugnis für seinen Glauben ablegt. Die Treue dem Menschen gegenüber besteht dagegen nach der Intention der Herausgeber und Autoren nicht allein darin, auf alle Phasen der persönlichen und religiösen Entwicklung des Schülers Bezug zu nehmen, sondern den sich verändernden gesellschaftlich-religiösen Kontext ebenfalls zu beachten, in dem der Schüler aufwächst und der gleichermaßen auf dessen Mentalität und Grundhaltungen einwirkt. Im Hinblick auf die Gefährdungen und Herausforderungen der Gegenwart bemühen sich die Herausgeber und Autoren darum, die Ziele so zu formulieren und die Inhalte, Methoden und didaktischen Mittel so auszuwählen, dass sie das Interesse des Schülers wecken, ihm helfen, Antworten auf die fundamentalen Fragen zu finden, und ihm richtungsweisende Wege bei der eigenen Suche aufzeigen. Besonders im Lehrbuch für den Schüler finden dessen mentale Veränderungen Berücksichtigung, denn dort werden zusätzliche Literatur und Internetadressen angeboten, welche die weiterführende Suche erleichtern. Damit wird dem Schüler kein abgeschlossener Lehrinhalt aufgedrängt, vielmehr wird er zum passionierten Weiterlernen angeregt. Die Herausgeber und Autoren bedenken auch, dass der Wissenserwerb des Schülers eher mit Hilfe grafischer Sinnbilder (Icons) erfolgt, darum wird die Information nicht nur in Form von Textbeiträgen sondern ebenso durch sachkundig ausgewählte Illustrationen und Bilder dargeboten. Darüber hinaus wurde dem Grundsatz von der Treue dem Menschen gegenüber bereits während der Vorbereitung der gesamten Lehrpakete Rechnung getragen. Sie sind nicht nur als theoretische Ausarbeitungen entstanden, denn nach ihrer Vorbereitung wurden sie für einige Monate hindurch, dann auch während des Schuljahres, von Schülern in verschiedenen Regionen Polens (in der Schule, als innovatives Material) »getestet«, nachgeprüft und verifiziert. Eine Vielzahl an interessanten Gesichtspunkten ergaben sich auch aus Gesprächen mit Kindern, die das Material gesichtet und unmittelbar ihre Bewertung abgaben, was interessant sei, was nicht klar, nicht verständlich oder etwas zu schwierig ist dargestellt sei. Gleichzeitig wurden die oben angeführten Pakete den unterschiedlichsten Konsultanten und Rezensenten vorgelegt - Personen aus verschiedenen Bereichen: von Professoren, Konsultanten, Methodikern, Religionslehrern und Praktikern bis hin zu Kindern und Eltern, was schließlich eine letztendliche Verifikation und Vorbereitung der oben angeführten Gesamtpakete ermöglichte. Ein grundlegendes Ziel des Religionsunterrichts in der Grundschule besteht darin, den Schüler zu einer authentischen Begegnung mit Jesus Christus hinzuführen, der in seiner Kirche lebt und wirkt, wie auch ihn für den Heiligen Geist zu öffnen, der die gesamte Kirche und jedes ihrer Mitglieder bestärkt und verwandelt. Gleichzeitig sind die spezifischen Merkmale der physischen, psychischen und religiösen Entwicklung beim Schüler zu berücksichtigen. Jedes Modul besitzt daher übergeordnete Leitziele (zur Bestimmung der Richtung des Bildungs-, Erziehungsund Einweihungsprozesses), die in den einzelnen methodischen Unterrichtseinheiten präzisiert wurden. Festgelegt wurden ebenfalls die Anforderungen auf grundlegendem wie auch auf gehobenem Niveau, was es den Religionslehrern erleichtert, ein objektives Bewertungssystem und spezifische Mittel zur Lernzielüberprüfung zu schaffen. Ausführlich bestimmte Anforderungen an die besprochenen Gesamtlehrpakete bestehen im Grundsatz der Einschätzung des Schülers, was bereits dem grundlegenden Anspruch des neuen Programms »Podstawa pro-gramowa wychowania przedszkolnego i ksztalcenia ogolnego« entspricht und diesem nicht etwa »vorauseilt«, wie auch der entstehenden Novelisierung des Programms »Podstawa programowa katechezy Kosciola katolickiego w Polsce« sowie dem Lehrplan »Program nauczania religii« (Verfügung des Staatlichen Bildungsministeriums 2008, 198-546). Die Vorbereitung umfasst Testvorlagen für die Schüler der ersten bis zu sechsten Klasse und einen didaktischen Plan für den Bereich der Jahrgangsstufen eins bis sechs der Grundschule. Das Gesamtlehrpaket für die Jahrgangsstufen eins bis sechs (Lehrbuch für den Schüler, Übungsheft für den Schüler, methodische Anleitungen, Koffer mit didaktischen Hilfsmitteln) wurde entsprechend dem Lehrprogramm der Kommission für die Katholische Erziehung der Polnischen Bischofskonferenz ausgearbeitet. E. Osewska und J. Stala beziehen sich auf die bedeutende Rolle der Erfahrung im Prozess der Entwicklung des christlichen Glaubens. Erfahrungen, die im täglichen Leben des Kindes eingebettet sind und im Familienkreis (Stala 2004; Osewska, Stala 2003; Osewska, Stala 2002; Stala, Osewska 2000; Stala 1998) oder in der Klassengemeinschaft interpretiert werden, führen es zur Gebetsbegegnung mit Gott sowie zur Teilnahme an der Heiligen Messe hin. Auf diese Art und Weise kann sich im Kind allmählich das Gefühl für die Allgegenwart Gottes herausbilden, für die Erklärung aller Erlebnisse im Licht des Glaubens und der dauerhaften Beziehung mit Gott (Osewska 2002, 2; 16-29; 39-42; 66; 72-73). Um dem Religionslehrer Hilfestellung zu leisten, haben die Herausgeber eine methodische Anleitung vorbereitet, die das Szenarium von Religionsstunden umfassen. Jedes Element einer Unterrichtseinheit wurde so ausgearbeitet, dass der Religionslehrer es im Hinblick auf seine eigenen Möglichkeiten und die seiner Schüler unter Berücksichtigung der didaktischen Basis modifizieren kann. Nach den Grundsätzen der Erziehung in Polen ist jede methodische Einheit auf 45 Minuten ausgerichtet und enthält in der Regel folgende Teile: Hinführung, Aktivierung, Reflexion, Realisierung und Abschluss. Die Struktur der methodischen Einheit ist von E. Osewska und J. Stala als Autoren konzipiert. Entsprechend der Bedürfnisse des Schülers in der gegenwärtigen Zeit und im Hinblick auf seine entwicklungsbedingten Möglichkeiten bereiteten die Herausgeber ein Lehrbuch vor, in dem sich jede Unterrichtseinheit auf zwei nebeneinander liegenden Seiten befindet und Folgendes umfasst: Thema, Bibeltext, Schlüsselwörter, Worte von Menschen, die Gott geliebt haben, Reflexion und Zelebration, aber auch eine existenzielle Situation, etwas Spannendes sowie Lesevorschläge und Internetadressen. Im Hinblick auf die Bedeutung von literarischen Texten, Beispielen und Zeugnissen haben die Herausgeber und Autoren nicht nur in der methodischen Anleitung sondern auch im Schülerbuch eine reichhaltige Bibliographie und anspruchsvolle Texte angefügt: Worte des Papstes, von Heiligen und Seligen, Verweise auf bedeutende Publikationen und Internetseiten. Auf diese Weise eröffnet sich dem Schüler der Zugriff auf eine umfassende Bibliothek. Im Vergleich mit früheren Gesamtlehrpaketen betonen Religionslehrer und Eltern, dass die wissbegierigen Schüler besonders die Internetseiten schnell nachprüften und damit den Weg zu weiteren Texten und Quellen fanden. Jedes einzelne Ele- ment ist mit einem entsprechenden »Icon« gekennzeichnet, diese werden im Lehrbuch für den Schüler erläutert. Dem Kind begegnen zwei Hauptfiguren: Zuzia und Piotrek. Das Schülerbuch erlaubt es, dieses in doppelter Hinsicht einzusetzen: im Verlauf des Religionsunterrichts in der Schule und während der selbstständigen Arbeit zu Hause. Das Gesamtlehrpaket gibt Informationen weiter, die sich wechselseitig mit den Lerninhalten aus anderen Fächern wie Polnische Sprache, Geschichte und Erdkunde ergänzen. In Übereinstimmung mit den Bedürfnissen vervollständigt der Religionsunterricht das Wissen der Schüler, welches in den anderen Fächern nicht vermittelt wird, z. B. gibt er die biblischen Bezeichnungen des Vaterlandes Jesu weiter, bezieht sich auf das Alltagsleben in einem palestinensi-schen Dorf zur Zeit Jesu, erläutert den Aufbau eines palestinensischen Hauses oder ergänzt die historisch belegten Zeugnisse über das Leben Jesu. Er lässt den Schüler ebenfalls andere als die gewöhnlich Sichtweise der gegebenen Wirklichkeit entdecken: In den Schulbüchern erscheint z. B. häufig das Gemälde »Das letzte Abendmahl« von Leonardo da Vinci, das Jesus zusammen mit den Aposteln am Tisch sitzend zeigt. Im Schülerbuch für die 5. Klasse (S. 87) ist jedoch eine Darstellung von Jesus und den Aposteln während des Letzten Abendmahls in halbliegender Position abgedruckt, die den historischen und biblischen Gegebenheiten entspricht. Über die Art und Weise der Arbeit mit dem Schülerbuch entscheidet der Religionslehrer. Am Ende des Schülerbuchs befinden sich die Lieder und Gesänge, die in den Katechesen vorkommen, sowie der Katechismus. Die angebotenen Lieder sind Vorschläge, die in den Szenarien vorkommen, der Religionslehrer kann aber oder soll sogar auch andere Lieder und Gesänge verwenden. Dagegen sind die Inhalte des Katechismus weder als verpflichtendes Material zu behandeln, das aus dem Gedächtnis zu beherrschen ist, noch als »Aufgaben« für die Schüler der ersten bis zur sechsten Klasse, vielmehr stellen sie eine Hilfe zur Erinnerung und zur Wiederholung dar. Als neuer, interessanter und noch nie da gewesener Vorschlag wurde das Übungsheft für den Schüler durch drei für gewöhnlich separat geführte Teile ergänzt: ein Übungsteil für die selbstständige Arbeit (für die Aufzeichnung von Notizen), ein Arbeitsheft sowie Karten für die Selbsteinschätzung, die mit dem Erleben des Kirchenjahres in Verbindung stehen. So muss der Schüler nur ein einziges Heft führen. 3. Schluss Die Erstellung und Ausarbeitung von Lehrbüchern für den Schulunterricht gehört zu den anspruchsvollsten, verantwortungsträchtigsten aber auch kompliziertesten Vorhaben sowohl der Autoren als auch der Herausgeber. Es scheint, dass im Kontext mit einem derartig hoch gesteckten Anspruch ein Autor allein nicht im Stande ist, eine komplette Serie von Unterrichtspaketen zu erstellen. Dazu sind vielmehr Teams von Autoren und Mitarbeitern vonnöten (darunter Fachleute, die sich mit der Erziehung und Bildung in Theorie und Praxis beschäftigen und aus verschiedenen Landesteilen und Lebensumfeldern kommen), die von Herausgebern mit einer klaren Konzeption und Vision vom Ganzen angeleitet werden. Referenzen Direktorium für Katechese der Katholischen Kirche in Polen [Dyrektorium katechetyczne Kosciola katolickiego w Polsce]. 2001. Krakow: WAM. Grundsatzprogramm für die Katechese der Katholischen Kirche in Polen [Podstawa progra-mowa katechezy Kosciola katolickiego w Polsce]. 2001. Krakow: WAM. Kostorz, Jerzy. 2003. Katecheza dzieci w mlodszym i srednim wieku szkolnym. In: Jozef Stala, Hrsg. Katechetyka szczegolowa. Tarnow: Biblos. Marek, Zbigniew, Hrsg. 2000. Bog w przedszkolu i szkole. Krakow: WAM. Mastalski, Janusz. 2007. Samotnosc globalnego nastolatka. Krakow: PAT. Osewska, Elzbieta. 2002. Katecheza dzieci w wieku przedszkolnym. Lomza: Osrodek Doskonalenia Nauczycieli. Osewska, Elzbieta, und Jozef Stala, Hrsg. 2002. Drogi katechezy rodzinnej. Poznan: Sw. Wojciech. ---. 2003. W kierunku katechezy rodzinnej. Kielce: Jednosc. Potocki, Andrzej. 2007. Wychowanie religijne w polskich przemianach. Studium socjologiczne-pastoralne. Warszawa: UKSW. Stala, Jozef. 2004. Katecheza o malzenstwie i rodzinie w Polsce po Soborze Watykanskim II. Proba oceny. Tarnow: Biblos.