Mezugsprcise tir Gsierreich-Ungarn ganzjährig K 4' — halbjährig K 2- — Amerika: ganzjährig D. l 25 £iir das übrige Ausland ganzjährig K 5-20 Briese ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt, Manuskripte mcht zurückgesendet. Gsttschkkr | Erscheint mit einer illustrierten Beilage „Wandermappe" eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die Verwaltung des Hottscheer Moten in Gottschee, Hauptplatz Nr. 87. Berichte sind zu senden an die Schrrftleitung des Kottscheer Moten in Gottschee. am 4. und 19. Anzeigen (Inserate) werden nach Tarif berechnet und von der Verwaltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage des Gott« scheer Boten erhältlich. Postsparkassen-Konto Nr. 842.285., Verschleißstelle: Schul-gasse Nr. 75. M. 18. Oottschee, am 19. September 1908. Jahrgang V. Deutscher Nationalismus in Österreich. In einer reichsdeutschen Zeitschrift („Freies Wort") wurde .„.„..ch einmal die Frage erörtert, was man heutzutage unter deutschem Nationalismus zu verstehen habe. Der Kern des deutschen Nationalismus habe nach den großen Siegen der Jahre 1870s 1871 den großen Gegensatz zum Franzosentum gebildet, die Ab-schüttelung der Hegemonie der Franzosen in Europa. Das. gehöre nunmehr der Vergangenheit an; in der Gegenwart und Zukunft sei es nicht mehr so sehr der französische Westen, als der slawische Osten, von dem eine Überflutung drohe, gegen die der deutsche Nationalsinn die Geister wachrufen müsse. — Der Nationalismus in Deutschland mündet also jetzt, wie es scheint, in ähnliche Bahnen ein, wie sie in Österreich schon längst durch unsere inneren Nationalitätenkämpfe gekennzeichnet sind. Doch nicht vom reichsdeutschen Nationalismus wollen wir sprechen; die Bemerkungen der oben erwähnten Zeitschrift waren für uns bloß der äußere Anlaß, um in ein paar schlichten, anspruchslosen Worten unsere Anschauungen über den deutschen Nationalismus in Österreich in Kürze darzulegen. Nationalismus! Das Wort kannten wir Deutsche in Österreich vor ein paar Jahrzehnten noch gar nicht. Während Tschechen, Polen und Slowenen schon längst völkisch gesinnt waren und ihren nationalen Sinn tatkräftigst, ja oft rücksichtslos im politischen Leben betätigten, muffte das deutsche Volk in Österreich bis gegen Ende der siebziger Jahre nichts von nationalem Sinn und nationaler Politik. Das gilt ebenso sehr von den konservativen Deutschen als von den liberalen. Den Liberalen der sechziger und siebziger Jahre war ein bewußtes Deutschtum fast ein Greuel; die Deutschen sollten sich nach ihnen nur als Staatsvolk fühlen, daö Wörtchen deutsch durfte man sich damals nur ganz verschämt in die Ohren raunen. Man nennt heute mit Unrecht die christlichsozialen Deutschen national geschlechtslos; sie sind es nicht. Aber die altliberalen Deutschen waren national tatsächlich geschlechtslos: vor lauter falscher und schließlich übel belohnter Rücksicht aus den Staat vergaßen sie sogar auf das Wichtigste: Die gesetzliche Festlegung der deutschen Sprache als Staats- ober Vermittlungssprache. Nachdem man so mit dem „Staats"-Deutschtum gründlich Fiasko gemacht hatte, kam der Rückschlag. Die Ära Taasje lehrte auch die Deutschen in Österreich, und zwar zunächst insbesondere die Deutschen in .den gemischtsprachigen Kronländern, national denken und fühlen und die Gründung des deutschen Schulvereins bildet einen Markstein dieser Wendung zum deutschen Nationalismus in Österreich. Das Erwachen des nationalen Bewußtseins war bei den Deutschen in Österreich umso 'notwendiger, als sie sonst in den gemischtsprachigen Ländern an ihrem Volkstum noch mehr Einbußen erlitten hätten, als sie ohnehin da und,dort leider schon zu verzeichnen haben. Den übrigen Völkern Österreichs gegenüber, die alle, und zwar ohne Unterschied ihrer politischen Parteien, national dachten und fühlten, war gewiß nur ein national bewußtes Deutschtum imstande, seinen Besitzstand erfolgreich zu verteidigen und zu erhalten. Eine nationale Betätigung in diesem Sinne war ein Gebot der Selbsterhaltung Der Deutsche verfällt aber leider nur zu leicht von einem Extrem ins andere. So ging es auch mit dem nationalen Gedanken. „Deutsch sein heißt lutherisch sein!" hieß es da auf einmal. „Los von Rom 1" rief ein entarteter Nationalismus dem deutschen Volk zu. „Los von Österreich!" und „Heil Hohenzollern!" waren Schlagworte, die von radikalvölkischer Seite ausgegeben wurden. „Durch Reinheit zur Einheit!" predigte ein Schönerer und hat es damit nur wirklich schon zur „Alleinheit" gebracht. Solch krankhaften Auswüchsen des Nationalismus konnte das christlichdeutsche Volk in Österreich selbstverständlich keine Gefolgschaft leisten. Gegenüber der sich deutschnational geberdenden Los von Rom-Bewegung wurde im deutschchristlichen Lager der Treue zum angestammten Glauben begeisterter Ausdruck gegeben. Auch ^ an nationalem „Heimweh" — ein Schlagwort, das erst vor wenigen Tagen in Villach geprägt worden ist — leiden die Christlichdeutschen nicht. Die christlich gesinnten Deutschen in Österreich sind bewußte Deutsche, sie sind stolz auf ihr Volkstum und auf all das Große und Herrliche, was der Ruhm des deutschen Namens bildet.^ Gerechten Sinnes gegenüber den anderen Völkerstämmen des Vaterlandes, deren nationales Recht sie anerkennen und deren Entwicklung sie nicht hindern wollen, glauben die christlichsozialen Deutschen, daß die Deutschen in Österreich eine ehrenvolle geschichtliche Aufgabe auch in der Zukunft zu erfüllen haben, ähnlich wie in jahrhundertelanger ruhmvoller Vergangenheit. Sie betrachten sich nicht als kaltgestellt, sie weifen, von sich eine am Staate verzweifelnde Heimwehpolitik, die in Österreich keine Zukunft mehr erblicken will. Nicht bloße „Ostmärker" wollen die christlichsozialen Deutschen sein, sondern treue Österreicher, die den Glauben an den Staat und an ihre geschichtliche Sendung in diesem Staate nicht verloren haben. Die Schaffung eines mächtigen Großösterreichs ist ihr Ideal, eines Großösterreichs, in dem den Deutschen eine ehrenvolle, im friedlichen Sinne führende Rolle zukommen soll. Große Umwandlungen im Staatsleben erfolgen nicht über Nacht und so hat's auch mit der Schaffung des zukünftigen Großösterreichs gewiß noch seine guten Wege. Aber als Ideal,' als Schwungkraft verleihender Hochgedanke soll' diese Idee festgehalten werden. Indem die christlichsozialen Deutschen, für das Christentum, Deutschtum und Osterreichertum einen schonen, harmonischen Dreiklang bilden, sich dieses Ideal gesteckt haben, und für dessen allmählige Verwirklichung unverdrossen arbeiten, glauben sie ebenso ihrem Staate und Vaterlande in alter, unverbrüchlicher Treue zu dienen wie den wahren Interessen des gesamten deutschen Volkes. Die Tätigkeit des Gottscheer Dauernbundes. (Schluß.) Anläßlich des Zusammentrittes des neugewählten Landtages wurden durch den Bauernbund mehrere Petitionen um Beschaffung non Trinkwasser an denselben geleitet und vom Herrn Abgeordneten Jaklic dem Landesausschusse zugemittelt. Meine Herren! Gerade bei der heurigen großen Dürre hat es sich wieder gezeigt, mit welchem Elende viele Ortschaften unseres Ländchens zu kämpfen haben. Die Brunnen versiegten, das Wasser in den Zisternen war verbraucht. Das Vieh brüllte im Stalle vor Durst; das Trinkwasser für Menschen und Haustiere mußte zur nächtlichen Zeit stundenweit zugeführt werden. Die Leute hatten kaum genug Wasser, um den Durst zu stillen, geschweige denn, um sich und ihre Leibwäsche waschen zu können! Mit Dank begrüßten wir es, daß sich der neue Landeshauptmann, Herr Hofrat Luklje, kürzlich persönlich von unserer Not überzeugte und auch die Wünsche einzelner Gemeinden bezüglich des Straßenwesens entgegennahm. Es wurde damals mitgeteilt, daß das Land ein großzügiges Programm zur Behebung der Wassernot im Reifnitzer Tale und in den angrenzenden Teilen des Gottscheer Tales ausarbeite, und zwar so, daß eine große Wasserleitung von Ägmariz aus geschaffen werden solle. Und nun zur Landtagsrvastkreform. Obschon die ländliche Bevölkerung in Krain etwa drei Viertel der Gesamtbevölkerung ausmacht, bildeten die Vertreter des Bauernstandes im Landtage bisher trotzdem nur die Minorität, indem ihnen von den 37 Landtagsmandaten nur 16 zukamen. Da diese Ungerechtigkeit von Jahr zu Jahr unerträglicher wurde, erklärten die Vertreter der Landgemeinden, keinen Landtag mehr zuzulaffen, wenn nicht eine gerechtere Wahlreform zustande käme. Nach jahrelangen Kämpfen ist nun endlich heuer eine Wahlrechtsänderung geschaffen worden, die den Vertretern der Landgemeinden eine, wenn auch bescheidene Mehrheit sichert. Die christlichsozialen Vertreter der Landgemeinden werden nämlich nach den noch vorzunehmenden Ergänzungswahlen in der allgemeinen Wählerklasse von nun an über 26 Stimmen verfügen gegenüber den 23 Stimmen der Städte, des Großgrundbesitzes und der Handels- und Gewerbekammer. Der Stadt Gottschee ist ihr Mandat durch die Abtrennung des Marktes Reifnitz vom früheren Wahlbezirke Gottschee-Reifnitz für die Zukunft sicher gestellt worden. Die GottscheerLaudgemeinden hingegen, die eine Bevölkerung von nahezu 18.000 Seelen haben, sind leider leer ausgegangen, es ist ihnen kein eigener Vertreter im Landtage zugestanden worden. Weder der Deutsche, rekte deutschliberale Volksrat hat sich um sie angenommen, noch die deutschen Landtagsabgeordneten. Einzig und allein unser Bauernbund hat Schritte getan, daß bei der Wahlreform auch den Gottscheer Landgemeinden ihr Recht zuteil werde. Der Bauernbund und einzelne (christlichsoziale) Gemeindevertretungen unseres Ländchens haben im Landtag, bezw. im Wahlreformausschusse Petitionen überreicht, in welchen um die Gewährung eines Landtagsmandates für die Gottscheer Landgemeinden in der allgemeinen Wählerklasse gebeten wurde. Befremdend war es, daß die liberalen Gottscheer Gemeindevertretungen in einer für die Landgemeinden so wichtigen Angelegenheit keinen Finger rührten und sich die Zurücksetzung und Nichtberücksichtigung des Gottscheer Bauernstandes ruhig gefallen ließen. Wie der Herr Landtagsabgeordnete uud Landesausschußbeisitzer Dr. Lampe bei der Wanderversammlung unseres Bauernbundes in Mitterdorf mitgeteilt hat, wären die Abgeordneten der christlichsozialen Slowenischen Volkspartei gerne bereit gewesen, den Gottscheer Landgemeinden ein Mandat zuzugestehen. Da aber bei dem zwischen den Landtagsparteien zustandegekommenen Kompromisse die Zahl der deutschen Landtagsmandate, wie bisher, auf 11 festgesetzt wurde, hätten die Gottscheer Landgemeinden nur in dem Falle ein Mandat bekommen können, wenn der Großgrundbesitz von seinen 10 Mandaten eines an sie abgetreten hätte, was jedoch nicht geschah. Übrigens dürfte die heuer durchgeführte Wahlreform ohnehin nur als ein Provisorium zu betrachten sein. Über kurz oder lang wird es zu einer abermaligen Wahlreform kommen, bei der dann hoffentlich auch die Gottscheer Landgemeinden gerechterweise berüchsichtigt werden werden. Als es heuer im Februar hieß, daß das neue Kausierstandetsgesetz, das bekanntlich den nach §16 begünstigten Gegenden, also auch den Gottscheern, Reifnitzern, Pöllandlernrc., wesentliche Vorteile verschafft, demnächst die kaiserliche Sanktion erhalten werde, wurden vom Sekretariate des Bauernbundes behufs Erlangung günstiger Durchführungsvorschriften zu diesem Gesetze Schritte unternommen. In einem Promemoria wurde darauf hingewiesen, daß sich die Hausierbücher der begünstigten und der nicht begünstigten Hausierer in Format und Farbe auffällig unterscheiden sollen, damit die begünstigten Hausierer von den Behörden im Drange der Geschäfte nicht auf gleiche Weise behandelt werden, wie die nicht begünstigten (Juden re.). Ferner wurde gebeten, daß die Südfrüchtenhausierer aus Kram auch fernerhin mit Kanditen und Zuckerwaren handeln dürfen. Diese Waren werden nämlich sonst im allgemeinen mit Hausierverbot belegt. Endlich wurde die Bitte vorgebracht, daß der im Gesetze vorgeschriebene Nachweis der „Vertrauenswürdigkeit" nicht zu umständlich gemacht werden und nicht zu Schikanen die Handhabe bieten möge. Der Herr Abgeordnete Jaklic hatte die Freundlichkeit, dieses Promemoria dem betreffenden Referenten im Handelsministerium zu-zumitteln. Den Kundgebungen gegen die Kinfustr von Wiest aus Serbien, den Balkanstaaten und Argentinien hat sich auch unser Bauernbund angeschloffen. Jetzt, wo wegen der Futternot ohnehin nur Schleuderpreise für das Vieh gezahlt werden, fehlte es uns gerade noch, daß diese niedrigen Preise überdies durch die Einfuhr ausländischen Viehes noch mehr herabgedrückt und unser Viehstand außerdem der Gefahr der Verseuchung ausgesetzt würde. Das Sekretariat des Mauernkundes hat eine rege Tätigkeit entfaltet. Es wurden mehrere Majestätsgesuche und eine Reihe von anderen Gesuchen, Eingaben an Behörden, Empfehlungsschreiben, Rekursen usw. verfaßt, die fast alle erfolgreich waren. Das Sekretariat hat auch die Petition an das hohe Abgeordnetenhaus in der Eisenbahnfrage, das Memorandum zu Gunsten der Hausierer, die Petition um Gewährung eines Landtagsmandates für die Gottscheer Landgemeinden und mehrere Petitionen um Wafferversorgungsanlagen zusammengestellt. Mit dem Sekretariate war zugleich eine Art Auskunftstelle verbunden. In vielen Fällen wurde unseren Parteigenossen bereitwilligst Rat und Auskunft erteilt und so mancher wurde dadurch vor falschen Schritten und vor Schaden bewahrt. In einzelnen schwierigeren und durch die Umtriebe der Gegner komplizierten Angelegenheiten wandte man sich auch persönlich an die kompetente Behörde oder Oberbehörde, um unseren Parteifreunden zu ihrem Rechte zu verhelfen. Selbstverständlich geschahen sämtliche Arbeiten des Sekretariates unentgeltlich. Was die Wersammkungstätigkeit des Bauernbundes anbelangt, wurden im Vereinsgebiete bisher 40 Wählerversammlungen und Wanderversammlungen abgehalten, und zwar in folgenden Ortschaften: in Altlag 9 Versammlungen, in Büchel 1, in Ebental 7, in Gottschee (Brauhaus) 1, in Göttenitz 1, in Klindorf 1, in Langenton 1, in Mitterdorf 5, in Mrauen 1, in Pöllandl 1, in Rieg 2, in Schalkendorf 4, in Seele 1, m Stockendorf 1, in Tschermoschnitz 3, in Schwarzenbach 1. Die bemerkenswertesten Versammlungen waren jene, in welchen Hofrat Dr. Geßmann und Abg. Stöckler sprachen. Im Dezember vorigen Jahres wurde außerdem in Gottschee ein zweitägiger Jnstruktions- kurs für Funktionäre unserer Raiffeisenkassen abgehalten. Der Bundesausschuß erledigte die laufenden Vereinsangelegenheiten in drei Sitzungen Der Bauernbund zählte im Jahre 1907 750 Mitglieder. Im Vereinsgebiete waren im ganzen 48 Bauernräte aufgestellt, denen als Vertrauensmännern des Bundes im Sinne der Satzungen die Ausgabe zufällt, die Zwecke des Bundes nach Kräften zu fördern und demselben neue Mitglieder zuzuführen. Das publizistische Organ des Bauernbundes und unserer Raiffeisenkassenvereine ist bekanntlich der „Gottscheer Wote". Mit der Gründung des Bauernbundes und der christlichsozialen Partei in Gottschee erwuchsen dem „Boten" im vierten Jahre seines Bestandes neue wichtige Aufgaben. Durch drei Jahre hatte er den Boden für die christlichsoziale Sache vorbereitet und nun galt es, dem Bauernbunds und der christlichsozialen Partei ein kraftvoller Anwalt zu sein. Meine Herren! Wie wären wir zur Zeit des Reichsratswahlkampfes dagestanden, wenn wir den „Boten" nicht gehabt hätten! Wie ein Krieger ohne Wehr und Waffen. In diesem so leidenschaftlich geführten Kampfe hat der „Bote" nie eine schwächliche, zaghaste Haltung eingenommen, sondern hat immer und jederzeit tapfer und unerschrocken seinen Mann gestellt. Daher verdient er auch den Dank und die Anerkennung unseres Bundes. Wie einst im alten Bunde der kleine David mit seiner Schleuder furchtlos auszog gegen den Riesen Goliath, so nahm der „Bote" kühn den Kampf gegen den erbgesessenen Liberalismus aus sich. Er hat zwar diesen Riesen noch nicht in den Sand gestreckt, aber er hat dem Liberalismus schon viele schwere Wunden zugesügt und hofft zuversichtlich, daß ihm einstens dasselbe Schicksal bereitet werden wird, das dem Riesen Goliath beschieden war. Meine Herren! Aus dem vorgetragenen Berichte ersehen Sie, daß der „Gottscheer Bauernbund" in der kurzen Zeit seines Bestandes so manches Nützliche und Ersprießliche geleistet hat. Und doch stehen wir erst am Anfänge; ein großes, weites Arbeitsfeld liegt noch vor uns. In anderen Ländern und Gegenden finden wir fast überall Vereine und Genossenschaften zur Hebung der Viehzucht, der Schweinezucht, Genossenschaften und Vereine für den gemeinsamen Ankauf von Kunstdünger, landwirtschaftlichen Geräten usw. sowie für den Absatz landwirtschaftlicher Produkte, genossenschaftliche Viehverwertung und bergt. Solche nützliche Einrichtungen fehlen bei uns noch gänzlich. Es wäre gewiß gefehlt, wenn wir in einem gewissen Übereifer überstürzt, Organisationen ins Leben riefen, die sich hinterher dermalen vielleicht noch als lebensunfähig erweisen würden. Nur keine genossenschaftlichen Totgeburten! Wenn bei uns durch die erzieherische Kraft der Raiffeisenkassen der genossenschaftliche Geist, der Gemeinsinn, der Gedanke: „Einer für alle und alle für einen 1" einmal genügend gestärkt und gekräftigt sein wird, wenn ferner das Bedürfnis nach solchen wirtschaftlichen Schöpfungen sich im Volke selbst fühlbar machen wird, dann wird auch für uns in Gottschee die Zeit gekommen sein, wo wir an den weiteren Ausbau unserer wirtschaftlichen Organisationen schreiten können. Daß es bei uns noch angestrengterer Arbeit bedürfen wird, um die Landwirtschaft zu heben, als anderswo, wissen wir. Infolge des jahrhundertelang betriebenen Hausierhandels ist ja bekanntlich die Landwirtschaft in Gottschee stark im Rückstand geblieben. Meine Herren! Drei Faktoren sind es, die Zusammenwirken müssen, um die Hebung des um seine Existenz schwer kämpfenden Bauernstandes zustande zu bringen: Staatshilfe, Landeshilfe und Selbsthilfe. Bon letzterer haben wir soeben gesprochen, Wenn ein Bauer müßig die Hände in den Schoß legt und nur im Wirtshaus über die schlechten Zeiten schimpft und räsoniert, so kann einem solchen niemand helfen, weder der Staat, noch das Land, noch unser Bauernbund. Wir müssen eben die helfende Hand auch ergreifen, die uns Staat und Land und unser eigener Bund entgegenstrecken. Staatshilfe. Dankbar begrüßten wir es, daß im letzten Sitzungsabschnitte des Reichsrates mehrere volks- und bauernsreundliche Gesetze beschlossen, bzw. Verordnungen erwirkt worden sind: das neue Meliorationsgesetz, der Unterhaltsbeitrag für die Angehörigen der zu den Waffenübungen Eingerückten, der Entfall der letzten zwei Waffenübungen bei der Landwehr, die Ernteurlanbe. Hiedurch gelangten auch mehrere wesentliche Punkte des christlichsozialen Programmes zur Verwirklichung. Was wir weiter vom Relchsrate erwarten und erhoffen, das find nicht Kulturpaukereien und Wahr-mundiaden, an denen sich nur die Judenpresse und die von ihr beeinflußten Parteien ergötzen. Nicht Steine wollen wir, wir wollen gesundes, nahrhaftes Brot! Sozialreformatorische Arbeit soll geleistet werden, und für diese wird sich in erster Linie die chrfft-lichsoziale Partei mit aller Macht einsetzen. Wir wünschen die Altersversorgung der Kleinbauern und der landwirtschaftlichen Dienstboten, wir wünschen die Bodenentschuldung, d. i. die Befreiung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes von der drückenden Schuldenlast, wir verlangen eine gerechte Regelung der Grundsteuer und des Steuerwesens überhaupt, wir erhoffen gesetzliche Maßnahmen gegen die Kartelle und Ringe, die in ausbeuterischer Profitgier dem Volke viele unentbehrliche Genuß- und Gebrauchsmittel verteuern. Wir erwarten Maßregeln gegen die Landflucht, Meliorationen und auf militärischem Gebiete die zweijährige Dienstpflicht usw. usw. Für das Karstgebiet in Kram, zu dem auch Gottschee gehört erbitten wir die Inangriffnahme einer ähnlichen Hilfsaktion von-seite des Staates, wie sie gegenwärtig für Dalmatien, die Küstenländer und Jtalienisch-Tirol in Aussicht genommen, bzw. bereits in Durchführung begriffen ist. Was die Landeshikfe anbelangt, so darf der krainische Bauernstand jetzt, wo die christlichsoziale Partei die Zügel der Landesverwaltung in ihre Hand genommen und im Landtage und Landesausschusse das entscheidende Wort zu reden hat, endlich bessere Tage erhoffen. Die christlichsoziale Landtags-Partei, welche in der Hebung des Volkswohles und vor allem des Bauernstandes ihre hervorragendste Aufgabe erblickt, ist bekanntlich entschlossen, die stark im Rückstände befindlichen Meliorationsarbeiten zu beschleunigen, die Bewohnerschaft mit gesundem Trinkwasser zu versorgen, das Straßenwesen und die Verkehrswege zu verbessern, Viehversicherungsanstalten unter Garantie des Landes ins Leben zu rufen und eine Landeshypothekenbank zu gründen. Sie beabsichtigt ferner die Abänderung des Jagdgesetzes zu Gunsten der Bauern, die Unterstützung des Genossenschaftswesens, die Einschränkung bes Prozeßführens durch Einführung von Schiedsgerichten, die Sanierung der zerrütteten Landesfinanzen usw. Der christliche Charakter der Schule soll gewahrt bleiben. Durch Einführung von landwirtschaftlichen Winterkursen soll den besonderen Bedürfnissen der Landwirtschaft angemessene Pflege zuteil werden. Dankbar begrüßen wir es, daß der Landesausschnß zur teilweisen Behebung der durch die anhaltende Dürre verursachten Futternot bei der Regierung unverzüglich Schritte unternommen hat. — So wird denn endlich auch für den Bauernstand in Krain eine bessere Zeit kommen. Meine Herren! In einer Zeit, wo christlichsoziales Wesen nicht nur im Zentrum des Reiches, sondern auch im Lande Kram von Tag zu Tag an Macht, Ansehen und Geltung zunimmt, braucht uns um die Zukunft unseres Bauernbundes nicht bange zu sein. Freilich müssen wir selbst jederzeit unsere Pflicht tun. Nie dürfen wir ermatten und erlahmen in der Arbeit für das Wohl des Volkes, erfüllt vom Geiste christlicher Nächstenliebe. Dann wird für unser Ländchen vielleicht einmal in späteren Tagen die Zeit kommen, wo wir werden sagen können: Wir sind keine bloße Partei mehr in Gottschee, sondern in unserem Lager ist das ganze christliche Volk von Gottschee! Heimsparkassen und Schuljparkassen. Im Dezember 1906 brachte die Böhmische Sparkasse in Prag das bis dahin in Österreich noch nicht angewandte Heimsparkassensystem zur Einführung. Die Zentralsparkasse in Wien begann ihre Tätigkeit mit der Einführung von Heimsparkassen am 1. Jänner 1907. In die erstere wurden in den Jahren 1906 und 1907 eingelegt 1,601.703 K 45 h, in letztere im Jahre 1907 über eine Million Kronen. Diese Ziffern sind so beträchtliche, daß dem Heimsparkassensystem als Sparförderungsmittel eine gewisse volkswirtschaftliche Bedeutung zugesprochen werden muß. Bisher standen drei Einrichtungen im Vordergrund der Diskussion: Schulsparkassen, Sparmarken und die Abholung der Sparbeträge. Als vierte ist nunmehr das Heimsparkassensystem hinzugekommen. Die ersten drei sind im Ausland verbreiteter als bei uns, während aber in Österreich die Heimsparkassen an erster Stelle stehen. Das Heimsparkassensystem besteht bekanntlich darin, daß ein Sparinstitut seinen Einlegern Sparbüchsen leiht, ihnen versperrt übergibt und den Schlüssel zurückbehält. Durch die Absperrung wird erreicht, daß der Sparer den Betrag, den er einmal in die Büchse eingelegt hat, nicht mehr selbst herausnehmen kann; er muß die Büchse zum Sparinstitut tragen, hier wird sie vor seinen Augen entleert, der Betrag abgezählt und ihm als Spareinlage gutgeschrieben, die er beliebig durch neue Einzahlungen erhöhen kann. Es ist also ein systematisches Sparen. Die neue Einführung ist nicht nur auf Sparkassen beschränkt geblieben. Auch eine Reihe von Spar- und Darlehenskassen, hier bei uns die Spar- und Darlehenskasse in Mitterdorf, hat sich diese Einrichtung angeeignet und ist von dem Erfolg sehr zufriedengestellt. Eine ungleich größere Tragweite würde jedoch das Heimsparkassensystem gewinnen, wenn es gelänge, auf diesem Weg das in Österreich ganz vernachlässigte Schulsparkassenwesen zu kräftigen. In Österreich wird dem Sparen der Schulkinder zu wenig Beachtung geschenkt. Gegen die Schulsparkassen wird eingewendet, daß der soziale Gegensatz zwischen den Schulkindern verschärft und daß die Lehrerschaft mit einer komplizierten Geldgebarung belastet wird. Ohne diese Einwände, meritorisch näher prüfen zu wollen, soll konstatiert werden, daß die Heimsparkassen das Mittel bilden, beiden auszuweichen. Der Wert der Schulsparkassen liegt darin, daß die Kinder immer wieder von feiten der Lehrerschaft auf die Vorteile des Sparens aufmerksam gemacht und zum Sparen aufgemuntert werden. Dieser Zweck wird auch erreicht, wenn die Schulkinder mit Heimsparkassen versehen werden, sie an irgend einem Tage zur Raiffeisenkasse bringen, wo die Büchsen geöffnet und die Beträge gutgeschrieben werden. Hiebei braucht das Kind nicht zu erfahren, was das andre einlegt, und der Lehrer hat mit der Geldgebarung nichts zu tun. Der Wiederbeginn des Schuljahres steht vor der Tür. Das wäre der richtige Zeitpunkt dafür, daß die berufenen Kreise sich ernstlich mit der intensiven Pflege des Schul- und Heimsparkaffensystems auch in Österreich beschäftigen sollten. Aus Stabt und Land. Hottschee. (Ernennung.) Der Finanzminister hat den Rechnungsrevidenten Adolf Lang of zum Rechnungsrat für den Dienstbereich der Finanzdirektion in Laibach ernannt. — (Auszeichnung.) Dem k. k. Gymnasialdirektor Herrn Peter Wolsegger wurde anläßlich seiner Übernahme in den dauernden Ruhestand der Titel eines k. k. Regierungsrates verliehen. — (Personalnachrichten.) Zum einstweiligen Leiter des k. k. Gymnasiums wurde Herr Professor Hočevar ernannt. — Der Evidenzhaltungsgeometer erster Klasse Herr Franz Witschl wurde von Reisnitz nach Gottschee versetzt. — (Volksschuldienst.) Der k. k. Bezirksschulrat in Gottschee hat zum Schulleiter in Altbacher den provisorischen Lehrer in Nesseltal Herrn Josef Siegmund, die absolvierte Lehramtskandi- datin Fräulein Erika von Vorbeck zur provisorischen Lehrerin an der dreiklassigen Volksschule in Nesseltal ernannt und die provisorische Lehrerin an der Volksschule in Lienseld Fräulein Rosa Er-macora in gleicher Eigenschaft an die Knabenvolksschule in Gottschee versetzt. — (Heubeschassung.) Am 17. September hielt bei der Landesregierung die Kommission für die Beschaffung von Heu eine Sitzung ab. Es wurde beschlossen: 1.) Den Bittstellern wird der Meterzentner Heu um 5 K verkauft werden. 2.) Der Verkauf erfolgt durch die Gospodarska zveza; diese wird durch die Sparund Darlehenskassenvereine, die dem Genossenschastsverbande in Laibach angehören, das Heu abgeben. 3.) Vorläufig werden nur 50 bis 60% der von den einzelnen Bittstellern gewünschten Menge verteilt werden, das Übrige später. — (Aufschwung der christlichsozialen Studentenverbindungen.) Das im Juli erschienene Gesamtverzeichnis des CB. für 1908 gibt ein erfreuliches Bild über den Aufschwung, welchen der Kartellverband (EV.) der deutschen katholischen Studentenverbindungen in den letzten Jahren genommen hat: Der Kartellverband, welcher im Jahre 1869 bloß 4 Verbindungen zählte, hatte 1881 schon 11 Verbindungen mit 780 Alten Herren und 439 Studenten. Im Jahre 1891 war er schon auf 18 Verbindungen mit 1437 Alten Herren und 775 Studenten gestiegen. Im Jahre 1901 hatte der Verband 34 Verbindungen mit 2762 Alten Herren und 1597 Studenten erreicht. Von da ein schnellte er riesieg aufwärts und wies im Juni 1908 die ansehnliche Zahl von 64 Verbindungen mit 5034 Alten Herren und 3046 Studenten auf. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Kartellverband, welcher sich ans Deutschland, Österreich und die Schweiz erstreckt, zählt in Österreich 15 Verbindungen mit 786 Alten Herren und 689 Studenten. Von den christlichen Studentenverbindungen Österreichs entsallen 3 Verbindnnngen auf Prag: Ferdinande«, Vandalia, Saxo-Bavaria; 7 auf Wien: Austria, Norika, Rudolfiua, Kürnberg, Nordgau, Nibelnngia, Rugia; 2 ans Graz: Carolina, Traungau; 3 auf Innsbruck: Austria, Leopoldina, Rhätho-Bavaria. Das Gesamtverzeichnis, welches bei den einzelnen Verbindungen um 1 K 20 h zu haben ist, enthält die christlichen Verbindungen nach Städten geordnet, ferner Namen, Stand und Wohnort der Alten Herren und Ehrenmitglieder, alle studierenden Mitglieder dann die Vorstände der Altherrenverbände das Adreßverzeichnis der Verbindungen, die Toten des Jahres 1907/8, dann eine überaus wertvolle Statistik. Zu wünschen wäre, daß aus der Statistik der Fortschritt der österreichischen Verbindungen leichter erkennbar wäre; denn in den letzten Jahren wurden mehrere Neugründungen vorgenommen. Obwohl an den übrigen Hochschulen die verschiedenen Neugründungen aus-gebaut und gestärkt werden müssen, hat jetzt Innsbruck wieder einen Fortschritt gemacht indem im kommenden Herbste 2. neue christliche Studentenverbindungen ins Leben treten werden. Hoffentlich zieht der Kartellverband auch bald die Ezeruowitzer christliche Verbindung „Frankoma" au sich. — (Alt unsere Landsleute liberaler Gesinnung!) Auf der diesjährigen Hauptversammlung der „Südmark" in Villach kam der Vereinsobmann Professor D. Khul in seinem Amtsberichte auch auf die vielbesprochene bei Egydi in Untersteiermark erfolgte Ansiedlung protestantischer Kolonisten durch die „Südmark" zu sprechen und erklärte unter anderem: „Eine Verbindung mit der Los von Rom-Bewegung kennen wir in der Südmark nicht." Mag sein, daß man eine eigentliche Verbindung mit der Los von Rom-Bewegung in der Südmark tatsächlich nicht kennt; aber, wer beobachtet, wie die „Südmark" in ihrem Kalender, also einem Buch, das für die Familien berechnet ist, die katholische Kirche systematisch herabsetzt, und ebenso systematisch für den Protestantismus Stimmung macht, der wird nicht in Zweifel sein, daß dieser angebliche „nationale Schutzverein" geheime Abfallspropaganda treibt. Ein Beleg hiefür findet sich in den Südmarkkalendern der letzten zwei Jahre. So heißt es im Smk. 1907, Seite 76: „Der Glaube des Menschen ist bekanntlich sein Himmelreich und in Sachen des Glaubens kommt Jahrgang V. Gbüscherr Botc — 3c. 18. Seite 145. an is°- Er- chee der eine der er- iar- m nur nge er» des mg, ten- tell- ntte 139 gen ihre ren irts gen »len sich in ten. Öen da; ,au, auf mt- Oh den ren nbe die stik. ter» iten ohl us- nen iche ieht Mg g!) lach chte lgte zn der tag nn- be- ttch, sich img late :für So hen nnt $ ja nicht darauf ait, ob bas, was man glaubt, auch wirklich inahr sei, sondern, ob man es für wahr halte." (Also Judentum. Islam und krasser Unglaube sind ebenso gut, wie der katholische Klaube!) „Aus Welschland kamen bekehrungssüchtige Klosterbrüder .„gelaufen, gottverzückte Jungfrauen sahen den Himmel offen und weissagten das göttliche Strafgericht, fanatische Kapuziner, die im Vereine mit den Jesuiten als Beichtväter bei dem Volke allen Einfluß an sich gerissen hatten, zogen predigend im Lande umher, der Heiligen- und Mariakult wurde ins Maßlose gesteigert und mit allerhand frommer Wollüstelei (!) ausgeschmückt, jeder erdenkliche geistliche Aberwitz als die Essenz des Katholizismus ausgegeben und an die Stelle berechtigter Gläubigkeit gesetzt, durch Einführung neuer Feiertage, Prozessionen, Wallfahrten und Wunder, das Volk zum Müßigang und zur Denkfaulheit angeleitet, für die Hebung der Volksbildung und echten Religiosität aber so gut wie nichts getan. Der gegenreformatorifchen Idee wurde durch diesen Katholizismus allerdings zum Siege verhelfen, zugleich aber auch jene geistig. Entmannung des Volkes vorbereitet, die ehedem unbekannt war und die ihre verderblichen Wirkungen noch langehin fühlbar machte 1 (Sink. 1907, Seite 72.) „Und gab am Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit endlich anbrechen werde, in der das deutsche Volk nicht mehr durch Bekenntnisse geschieden, in feiner Gesamtheit sich zu jenem geläuterten, recht evangelischen Christentums bekennen werde, das da ist in Wahrheit eine Religion des Lichtes und der Liebe!" (Smk. 1906, Seit 51.) Merkst du, geneigter Leser, die Tendenz der vom Vereine „Südmark" herausgegebenen Jahrbücher? Daß du das Spiel nicht durchschaust, wundert uns. Die Sache ist klar. Doch Sapienti sat, zu deutsch: Wer da nicht sehend wird, der wird's nimmer. — (Schlechte Zeiten für Dienstboten in Amerika.) Die New-Aorker Aufsichtsbehörde für Stellenvermittlungsbureaus berichtet: Die Bureaus sind heute bei dem allgemeinen schlechten Geschäftsgang von Stellenfüchenden überlaufen, während sie vor einem sichre nicht im Stande waren, die Rachfrage zu erfüllen. Die Mcher von 200 Dienstbotenagenturen zeigen, daß für Köchinnen in Privatfamilien die durchschnittlichen Monatslöhne von 175 aus 162 K gefallen sind; Hausmädchen, denen 1907 monatlich 80 bis 125 K gezahlt wurden, erhalten 75 bis 115 K. Die Durchschnitts-löhne, die Köchinnen in wohlhabenderen Familien gezahlt werden, sind von 250 auf 225 K zurückgegangen und in denselben Familien sanken die Löhne für Diener von 275 aus 250 K. In Chicago scheint noch im Dezember das Angebot nicht ausreichend gewesen zu sein, während es im Mürz die Nachfrage weit überwog. Aus Philadelphia und Baltimore hört man Ähnliches. In Washington hat sich die Krisis im allgemeinen weniger fühlbar gemacht, da tin unverhältnismäßig großer Teil der Bevölkerung von festen Gehältern lebt. Mitterdorf. (Hymen.) Am 7. September vermählte sich Herr Lehrer Josef Siegmund mit Fräulein Theresia Rankei von Wmdischdors und am 9. September Herr Schulleiter Viktor Porubski mit Fräulein Magdalena Hönigmann von Mitterdvrs. Viel Glück dm beiden jungen Ehepaaren! — (Jagdliches.) Der Berichterstatter in Mitterdorf erzählt leinen Lesern in den „Gottscheer Nachrichten" verschiedene Geschichten, die den Schein der Unwahrheit an sich haben. Aber nur eine fahre Geschichte, die sich im Monate Jänner d. I. zugetragen hat, verschweigt der Berichterstatter. Deshalb möge sie zum Teil hier erzählt werden. Im Monate Jänner l. I. gingen drei hiesige Jäger auf die Rehjagd — so erzählt einer von diesen dreien — und erlegten ein Reh. Dieses Reh wurde aber dem Jagdpächter 'ucht gemeldet und auch nicht abgeführt, weil, weil .... es ein Neh ohne Geweih war. Warum verschweigt also der glückliche schütze als Berichterstatter der „Gottscheer Nachrichten" diese wahre Gegebenheit? Antwort: Weil die Nachrichten nur lügenhafte Berichte llfifnehtnen. Wenn Herr Berichterstatter damit noch nicht genug hätte, so kann noch genauer gesprochen werden u. zw. an maß- gebender Stelle, denn ein bei genannter Jagd beteiligter Jäger hat die ganze Geschichte verraten. Zum Schluß noch folgendes': Es gingen drei Jäger wohl auf den Nock, Sie wollten erjagen ’nen fetten Bock, Sie schossen aber o Unglück 'ne Geiß, Und schlichen nach Hause ganz still und leis. Ml'ag. (Der Leichenwagen.) Es war vor acht Jahren, da wollte sich unser erste Gemeinderat der rote Kikel, der jetzt in Amerika weilt, besonders anszeichnen, indem er sich mit dem Gedanken befaßte, für Altlag einen Leichenwagen anzuschaffen. Damals waren es gerade die Gottscheer Bürger, die ihn selbst und uns Altlager deswegen auslachten. Nun, nach acht Jahren ist der Gedanke des Kikel zur Tat geworden. Mit Geldern, die er in Amerika zusammengebettelt hatte, ist ein Leichenwagen bestellt und angeschafft und Altlag mit einem Leichenwagen beschert worden. Mit Stolz blicken unsere roten Nachbarn auf diese großartige Leistung und prahlen sich damit, und versichern, kein Schwarzer wird aus ihm zur letzten Ruhe geführt werden. Nun, wir gönnen euch ja dieses große Glück, aber auch die damit verbundene Schande, denn alles lacht ja über den großen Unsinn. Hängt euch alle an diesen schwarzen Gesellen und laßt euch alle ehrlich begraben. Bald kommt die Zeit, da ihr euer politisches Begräbnis werdet feiern können, wo es heißen wird, die Partei des Leichenwagens feiert ihren politischen Triumps, sie fährt zur letzten Ruhe. Mit dem übrig gebliebenen Gelde wird ein Stein angeschafft und auf ihm mit schwarzen Buchstaben geschrieben stehen: Hier ruht sanft die Partei des Leichenwagens — In Frieden! Schalkendorf. (Vereinswesen.) Das l k. Landespräsidium für Krain hat die Bildung des Vereines einer freiwilligen Feuerwehr mit dem Sitze in Schalkendorf bei Gottschee nach Inhalt der vorgelegten Statuten im Sinne des Vereinsgesetzes zur Kenntnis genommen. Wenter. (Schute.)1 Der Deutsche Schulverein will bei uns heuer schon eine Schule eröffnen, zu welchem Zwecke ein Privathaus gemietet wurde. Einige kleine Reparaturen sind an demselben noch notwendig, daher wird der Unterricht erst in einigen Wochen beginnen. Zum Lehrer und Schulleiter wurde Herr Rudolf Tscherne ernannt. Wie notwendig diese Schule ist, muß jedermann ein» sehen, der unsere Verhältnisse kennt. Die Kinder mußten nämlich einen sehr beschwerlichen Weg von anderthalb Stunde nach Tscher-moschnitz in die Schule zurücklegen und konnten daher bei schlechter Witterung, zumal im Winter, den Unterricht nicht regelmäßig besuchen. Notwendig ist die Schule auch in nationaler Hinsicht, da das Dorf vom übrigen Gottschee fast ganz abgeschlossen mitten unter slovenischen Nachbarn liegt. Wie man hört, soll auch heuer schon aus Kosten des Deutschen Schulvereines die Schule in Stalldors errichtet werden. Werdreng. (Drei Leichen in einem Hause.) Den Besitzer Paul Jonke von Nr. 5 vulgo Schmiedisch^ traf am 22. August ein hartes Geschick; er verlor die ihm erst im September vorigen Jahres angetraute brave Gattin Josefa geborene Högler aus Zwischlent mit den neugeborenen Zwillingen, zwei Mädchen. Die Frau erlag den Folgen einer Schwergebnrt trotz Hilfeleistung des Dr. Schreyers und der Hebamme aus Mosel. Von den Kindern erlangte das eine die Nottaufe, das andere wurde zwar noch in der Pfarrkirche in Mosel getauft, starb aber bald darauf zu Hause, so daß der junge Ehemann und Vater drei seiner Lieben als Leichen im Hause hatte. Die fromme Frau war vorbereitet aus die unersorschliche Fügung Gottes; drei Wochen zuvor war sie noch bei den heil. Sakramenten in Mosel. Sie wurde am 24. August unter allgemeiner Teilnahme feierlich zu Grabe getragen, nachdem für ihre Seelenruhe ein Requiem zelebriert wurde. Sie ruhe in Frieden! Kornöerg. (Dämon Alkohol.) Josef Zekoll, 28 Jahre alt, aus Hornberg Nr. 40 starb infolge übermäßigen Branntweingenusses am 9. September. Man gab demselben, der ohnedies etwas schwachsinnig war, im Wirtshause des Grünseich in Hornberg soviel Schnaps zu trinken, daß ihm übel wurde. Man brachte ihn deshalb, anstatt nach Hause, in eine Hütte daselbst. Mit etwas Laub deckte man ihn noch zu und überließ ihn dann seinem Schicksale. In der Früh fand man ihn tot in der Hütte. Masern. (Opserstockmarder.) In der Nacht vom 30. auf den 31. September l. I. wurde der Opferstock bei der Kapelle Mariä sieben Schmerzen in der Nähe von Masern aufgebrochen und ausgeraubt. der Täter ließ eine etwa 30 cm lange eiserne Stange mit eingravierter römischer Ziffer X am Tatorte zurück. Die Stange wurde dem Gendarmerie-Kommando in Reifnitz behufs Ausforschung des Diebes übergeben. Der besagte Opferstock wurde heuer schon zum zweitenmale ausgeraubt. — (Überfallen.) Vor kurzem wurde ein Mann aus Oberbüchelsdorf bei Reifnitz aus der Straße in der Nähe von Hirschgruben von zwei kroatischen, bei der Dampfsäge in Hirschgruben beschäftigten Arbeitern bei hellichtem Tage überfallen und auögeraubt. Die flüchtenden Strolche wurden in der Nähe von Schweinsberg im Walde von der Gendarmerie eingeholt und verhaftet. Wösek. (In Amerika gestorben.) Die Eheleute Josef, und Maria Perz von Nr. 23 haben alle ihre Kinder in Amerika. Am 13. August starb ihnen die jüngste Tochter Julicma, erst 22 Jahre alt, in New-Uork an Lungenschwindsucht und wurde auf dem dortigen Raimoudsfriedhofe begraben. Die Verstorbene suchte bei den geschicktesten Ärzten Hilfe und befand sich in letzterer Zeit auf dem Berge Liberty, einem berühmten Luftkurorte. Vor sieben Jahren ging sie voll Hoffnung nach Amerika, nun hat der unerbittliche Tod sie samt ihren frohen Zukunftsträumen vernichtet. Sie war eine gute und hilfreiche Tochter ihrer Eltern, denen sie nach Möglichkeit mit ihren Ersparnissen aushalf. Möge ihr die amerikanische Erde leicht seinl — (Überfahren.) Am 28. August entging der 7jühnge Knabe Matthias Maichiu von Nr. 12 knapp dem Tode. Ein Kohlen-fnhrwagen fuhr schnell durch das Dorf und streifte den Knaben ziemlich stark, doch kam dieser nicht unter den Wagen und erlitt zwar große, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen. — (Eine Filiale) der landwirtschaftlichen Gesellschaft wurde am 23. August in Mosel gegründet, welcher bereits mehrere Mitglieder beigetreten sind. — (Die Jahresversammlung) der Ortsgruppen des Deutschen Schulvereines und der Südmark in Mosel wurde am 6. September abgehalten. Die Mitgliederzahl hat bedeutend abgenommen. Die Ortsgruppe des Vereines Südmark in Reintal hat sich aufgelöst, die in Verdreng hat die eingezahlten Mitgliedsbeiträge gar nicht eiugesaudt. — (Eine Raiffeisenkasse) ist vom Bauernbunde auch hier gegründet und vom Kreisgerichte in Rudolfswert unter der Firma „Spar- und Darleheuskasfeuverein, reg. Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung", in das Genossenschaftsregister eingetragen worden. Der Anfang der Geschäftstätigkeit der Kasse wird rechtzeitig bekannt gegeben werden. Mit der neuen Raiffeisenkasse in Mosel ist endlich die Lücke ausgefüllt, die der Bauernbund im vorigen Jahre hatte noch offen taffen müssen. Die Südmarkpartei hat es nicht einmal im liberalen Mosel durch eigene Juitiatioe zu einer Raiffeisenkasse gebracht. Httervach. (Trauung.) Johann Meditz von Nr. 30 heiratete am 13. September Maria Köhler von Nr. 15. Hiemtak. (Besitzwechsel.) Franz Wolf von Nr. 18 verkaufte feine Gastwirtschaft mit dazugehörigem Grund feinem Bruder Peter Wolf in Lienfeld um den Preis von 13.300 K und gedenkt auf einige Zeit zu feinem Schwager Krische nach Amerika zu Übersiedeln. chöttemtz. (Schadenfreude der Roten.) Von dem traurigen Ereignis in der Nacht des 30. August, verursacht durch zwei Burschen, ist bereits berichtet worden. — Gewiß werden die Schuld-tragenden ihre gerechte Strafe erhalten. Daß jedoch der Artikel-fchreiber der „Nachrichten" hiebei schadenfroh sich der hämischen Bemerkung erlaubt, „die Beteiligten seien Schwarze gewesen", hat uns überrascht. Der Betreffende täte vielleicht besser, lieber darum besorgt zu sein, was aus seinen eigenen Kindern noch werden könne. Denn auch die Söhne der Roten scheinen nicht überall ans bestem Holze zu sein. Wir kennen vielmehr bereits öfters abgestrafte Individuen und Landstreicher von sehr schlechtem Leumund, ^iefür jedoch eine kaum ein Jahr bestehende politische Partei verantwortlich zu machen, ist uns nicht im mindesten eingefallen. Mermoschnitz. (Markt.) Am 2. d. M. war bei uns Markt. Obwohl das Wetter sehr schön war, so war derselbe doch nicht besonders gut besucht und ist seinen Vorgängern nicht gewachsen gewesen. Es wurden bei 150 Paar Ochsen und 60 Kühe aufge-triebeu. Der Handel war schwach. Die Preise hingegen sind gestiegen, wenn sie auch ihre frühere Höhe noch nicht erreicht haben. — (Sterbefälle im heurigen Jahre.) Matthias Samide von Fichtenbüchl 21. Jänner 83 Jahre. — Mathias Spreizer von Masche! 14. Februar 77 Jahre. — Magdalena Schmuck von Fichten-buchel 19. Februar 83 Jahre. — Mathias Maußer von Tscher-moschmtz 16. Februar 62 Jahre. — Elisabeth Schober von Unter-blaschewitz 17. März 6 Jahre. — Franz Matzele von Neulabor 29. März 13 Jahre. — Ursula Vidmar von Reuter 3. April 71 Jahre. — Margaretha Matzele von Rußbach 12. April 72 Jahre. — Ursula Kump von Resen 1. Mai 84 Jahre. — Johann Wallitsch von Rußbach 22. Juni 64 Jahre. — Ursula Kump von Drandul 6. Juli 84 Jahre — Franz Hutter von Tschermoschnitz 26. Juli 18 Jahre. — Christine Matzele von Gaber 7. August 7 Wochen. •— Abram Leopold, Oberlehrer in R., 15. August 67 Jahre. — Franz Grill von Altsag 31. August 2 Monate alt. Weukag. (Schadenfeuer.) Am 15. dieses Monates entstand im Hause des Franz Fink in Neulag um Mittag am Dachboden ein Feuer, dem das Haus des Fink, seine Mühle und zwei andere Häuser und zwei Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. — Der Schaden beträgt gegen 15.000 K. — Durch das wackere Eingreifen der Altlager Feuerwehr gelang es, das Feuer zu isolieren und die Ortschaft zu retten. Auch die Scheune des Fink und das Nachbarhaus des Fink samt Wirtschaftsgebäude konnten gerettet werden. — Ein Glück war es auch, daß der Wind östlich zog. — Große Gefahr drohte aus der Mühle, wo sich in dem Motor noch 20 kg Benzin befanden. Die Gefahr einer Explosion war zu erwarten. Trotzdem arbeitete die Feuerwehr aus Altlag, mit Dem Alois Kmkops als Spritzenobmann an der Spritze, dem wir ein besonders ehrendes Zeugnis ausstellen müssen, mit Todesverachtung, so daß die Gefahr einer Explosion beseitigt wurde. — Die Altlager wurden auch durch Weißensteiner und Langentoner verstärkt, die ebenfalls kräftig zur Arbeit griffen. Auch Hiitacher erschienen und beteiligten sich an der Rettungsarbeit. — Vergessen dürfen wir auch unsere Frauen und Mädcyen nicht, die in sehr großer Anzahl erschienen waren und recht fleißig und wacker Wasser trugen. — Wir danken allen recht herzlich und sagen aus barkbarem Herzen: Vergelt's Gott! Da sich die Abgebrannten in großer Not befinden, empfehlen wir sie guten Herzen zur Unterstützung. Die Spenden mögen an die Redaktion des „Boten" geschickt werden. Anterkag. (Bauernbundversammlung.) Es ist horrend, was sich die „Gottscheer Nachrichten" in ihrem Berichte über unsere 33auern6unbverfammlung am 30. August an Lüge und Entstellung leisten. Es ist einfach alles, aber gar alles erlogen. Eine Luge ist es, daß der Herr Abgeordnete gesagt hat, er sei seine Wähler besuchen gekommen, eine Lüge, daß es deren nur drei waren, ettte Lüge, daß sich auf Befragen des Bürgermeisters herausstellte, daß die Versammlung nicht ordnungsgemäß angemeldet wurde, eine Lüge, daß nur gegen sieben Schwarze anwesend waren, daß ste angetrunken gewesen sind, daß sie sich wie rasend gebärdeten. Erlogen ist es, daß man die § 2-Versammlung mied und erlogen, daß sich die Roten korrekt und anständig benahmen. Der wahre Sachverhalt ist dementgegen folgender: Um 3 Uhr Nachmittag eröffnete Bundesausschußmitglied Herr Johann Ruppe die Versammlung und nachdem er die Anwesenden begrüßt und feiner Freu» über das Erscheinen unseres Abgeordneten in unserer Mitte AM druck gegeben, erteilte er diesem das Wort. Aber schon im ®1,V Markt. ) nicht wachsen aufge-nb ge-haben. 5mnibe ,er von ächten-Dscher-Unter-utabor irit 71 Jahre. randul ). Juli Zöchen, re. — ntstand )en ein andere - Der greifen ttb die achbar-len. — Große 20 kg varten. ikinkopf >rendes Gefahr ; durch ttg zur sich an Frauen waren it allen Gott! en wir an die orrenb, unsere stellung Lüge n, eine te, daß i, eine vaß sie tt. Er- rlogen, wahre smittag e Ver-Freude e Aus-n §in- qdttge seiner Rede wurde er von einem jungen Manne von Graflinden, der sich mit Papier und Bleistift an die Wand hinstellte, immer wieder unterbrochen. Dieser Störefried wäre aber bald zum Schweigen gebracht worden. Da erschienen mehrere Studenten aus Ksttschee und Mosel und diese fingen derart zu stören an, daß ein Weiterreden einfach nicht mehr möglich war. Endlich erschien die Gendarmerie. Aber statt Ruhe zu schaffen, wandte sich der Posten-sichrer an den Herrn Abgeordneten mit dem gänzlich ungerechtfertigten Verlangen, die Bestätigung über die geschehene Anmeldung der Versammlung vorzuweisen. Nachdem ihm Bedeutet worden, daß dies nicht zu geschehen brauche, behauptete er, die Versammlung hätte müssen drei Tage vorher angemeldet werden und da dies nicht geschehen sei, schließe er die Versammlung. Alles Dawiderreden, cs genüge, wenn die Versammlung 24 Stunden zuvor angemeldet wird, half nichts. Der Postenführer hat hier vollkommen gesetzwidrig gehandelt, da eine Vereinsversammlung, und um eine solche handelt es sich hier, nur 24 Stunden zuvor angemeldet zu werden braucht. Ja, der Postenführer verlangte sogar, daß die Versammlung auch beim Gemeindevorsteher in Unterlag hätte angemeldet werden müssen und wirklich trat auch unser Gemeindevorsteher mit dieser albernen Behauptung auf. Jener junge Mann von Graflinden verlangte das auch noch für das Gemeindeamt in Graflinden. Es wurde nun eine § 2-Versammlung in den Pfarrhof einberufen und auch dieser wurde mit der widerrechtlichen Forderung einer Anmeldung wider-j sprachen. Und da die Gegner noch drohten, mit Gewalt zur Ver-, sammlung einzudringen, da der Pfarrhof ihnen gehöre und sie sich wirklich vor dem Pfarrhofe versammelten, die Gendarmerie aber keine Miene machte, schützend einzuschreiten, mußte diese Versammlung ' ebenfalls unterbleiben. So, meine lieben Nachrichten, steht die Sache. Wo waren da die „ganz Gescheiten"? Wie kann man da von einer ungesetzlichen Versammlung schreiben? Welche waren diejenigen, die sich korrekt und anständig benahmen? Ein lustiger Tag war es, schreibt Ihr, ja lustig, weil es dem korrekten und anständigen Benehmen eurer Nachtrabanten mit Hilfe der Gendarmerie gelungen ist zu verhindern, die Wahrheit zu hören. Heil! — (Bauern, emanzipiert euch!) Ein Gradmesser der Kultur eines Volkes ist unter anderem gewiß die Toleranz, mit welcher man seine Mitmenschen, mögen sie welcher Konfession oder Nationalität immer sein, in der Freiheit ihrer religiösen und politischen Überzeugung nicht behindert. Welch hohe Kultur hat in dieser Beziehung England. In London selbst wurde vom 9. bis 13. September? ein internationaler eucharistischer Kongreß abgehalten, an welchem die Teilnehmer ihren Glauben an das allerheiligste Altarsakrament bekannten. Mitten in London fand am 13. September eine Prozession statt, an der über 150.000 Katholiken teilnahmen. An so großer öffentlicher kirchlicher Festzug ist noch nirgends in christlichen Ländern erlebt worden und es kam auch keine Störung lind Beleididung dabei vor. Dem päpstlichen Legaten, Kardinal Linzenz Vanutelli aus Rom, wurde ein derart glänzender Empfang itt London bereitet, daß er der ungeheuren ihm zujubelnden Volksmenge zurief: „Ich danke Ihnen für Ihren warmen Empfang in dieser Stadt, in dem großartigen London, und ich werde nicht verfehlen, dem heiligen Vater von dem warmen Willkommen zu berichten, der mir in diesem Lande der Freiheit und der Duldung zuteil wurde." Die große nichtkatholische Zeitung „Westminster Gazette" bespricht sogar die öffentliche Kundgebung des Glaubens to den eucharistischen Heiland in lobender Weise und verteidigt die freie Glaubensäußerung mit den bezeichnenden Worten: „In diesem Sunde sind wir mit Recht stolz darauf, daß wir die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Meinungen besitzen." Wie geht es fl&er in Österreich zu? Kann man noch von Zivilisation, Kultur Und Bildung sprechen, wenn keine katholische, politische oder nicht» politische Versammlung abgehalten werden kann, ohne von Leuten, die Bildung zu haben vorgeben, in roher Weise gestört zu werden? Im Namen der Freiheit unterdrücken unsere Freisinnigen die Frei-anderer; im Namen der Freiheit stören sie in aufhetzerischer die staatsgrundgesetzliche Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Ist das nicht Kulturschande? Hans Jonke, der in Mosel für sich alle Freiheit in Anspruch nimmt, knechtet mit seiner Gewaltpolitik nicht bloß seine hasenherzige Mösler, er vergönnt auch uns Unterlagern nicht die freie Meinungsäußerung. Als er hörte, daß Abgeordneter Jaklic am 30. August in unserer Bauernbundversammlung sprechen will, sandte er gleich einige Briefe an unsere urteilslosen Liberalen, um sie zur Gegendemonstrationen zn veranlassen. Er scheint auch die Ursache zu sein, daß die Studenten wie ein Regiment der Gasse nach Unterlag eilten, um ihre akademische Roheit gegen den verdienstvollen Landtags- und Reichsratsabgeordneten Jaklic zu dokumentieren. Herr Hans Jonke hat der Gemeinde Unterlag viel geschadet, aber noch mehr der Gemeinde Mosel, denn der Herr Jaklic ist auch beim Landesausschusse tätig und die christlichsoziale Volkspartei, deren Mitglied der Abgeordnete ist, wird sich den politischen Kannegießer gut merken. Wie politisch unklug doch der Gemeindevorsteher von Mosel ist, einerseits sich beim Landesausschusse einschmeicheln zu wollen, anderseits aber dessen Referenten in so intoleranter Weise entgegenzutreten I Die Mösler scheinen aber bereits eiuzusehen, daß ihr jetziger Vorstand das Ansehen der Gemeinde überall nur in Mißkredit bringt; es beginnt bereits unter ihnen zu gähren an. Hans Jonke hat bisher aus der Schüssel der Volksgunst gegessen. Das ruhig denkende Volk wird mit ihm noch abrechnen. Es läßt sich auf die Dauer nicht irreführen. Ein Vorsteher, der sich von unreifen Studenten beeinflussen läßt, gibt sich ein großes Armutszeugnis, und ein Volk, das sich von glaubenslosen Studenten belehren läßt, die selbst lernen sollten, um es im Leben einmal zu einer Stellung zu bringen, wird sich seine Lage nur verschlechtern. Anstatt daß die Studenten an den Hochschulen friedlicher wissenschaftlicher Arbeit obliegen, sehen wir sie als Agitatoren jahrelang (wie den berüchtigten Studenten aus Mosel) auf dem Schauplatze der Parteikämpfe. Die Hohlheit und Heuchelei ihrer täuschenden nationalen Phrasen haben aber auf die Dauer keinen Erfolg. Der nationale Radikalismus wird das Volk nicht retten. Dem Volke muß wirtschaftlich geholfen werden. Bei uns in Österreich gehört die Zukunft dem Sozialismus. Darum ist jeder, der noch ein christliches Gefühl in sich hat, verpflichtet, Anhänger des christlichen Sozialismus zu sein und dem Bauernbunde beizutreten. Darum, Bauern, emanzipiert euch, das heißt macht euch los vom tönenden Phrasentum des intoleranten Liberalismus und nationalen Radikalismus, denn diese sind eure Feinde. Werdet stramme christlichsoziale Bauernbündler! Laiöach. (Verschiedenes.) In der letzten Oktoberwoche wird in der hiesigen Domkirche eine deutsche Mission (Erneuerung der im Mai vorigen Jahres gehaltenen Mission) stattfinden. Die Leitung derselben hat der den Laibachern nicht mehr unbekannte Wiener Kanzelredner und Preßapostel P. Kolb aus der Gesellschaft Jesu übernommen, dem zwei andere Patres aus dem gleichen Orden als Mitarbeiter zur Seite stehen werden. — Am 14. d. M. starb hier nach kurzem Schmerzenslager der Bürger und Hausbesitzer Karl Rom, der sich durch Fleiß und Sparsamkeit ein ansehnliches Vermögen erworben hat. Er war ein gebürtiger Gottscheer,, der seit dem großen Erdbeben vom Jahre 1895 ein stattliches, zweistöckiges Haus am Polanadamm aufgeführt hat und sich mit dem Gedanken trug, auch an Stelle des gleichfalls ihm gehörigen Nachbarhauses ein großes ansehnliches Haus zu bauen. Der frühzeitige Tod hinderte ihn an der Ausführung seines Planes. Er hinterläßt eine Witwe und einen Bruder Josef, Major d. R., der vor einigen Jahren in den Adelstand erhoben worden ist und in Wien lebt. Wim. (Die Machenschaften gegen das Kompromiß im Waldviertel.) Wie wenig die sogenannte „Stimmung der Wählerschaft" das Zusammenführen der deutsch-bürgerlichen Parteien zur Abwehr der internationalen sozialdemokratischen Gefahr ablehnt, sondern vielmehr von anderer Seite und durchaus nicht aus der Mitte der Wählerschaft Niederösterreichs stammende Machenschaften es sind, welche die Notierungen aller deutsch-bürgerlichen zu hintertreiben suchen, beweist folgende Tatsache. An den Bürgermeister Weinmann von Horn lies folgendes Telegramm ein: Bürgermeister Weinmann, Horn. Wir erhalten aus den Kreisen der freisinnigen Bevölkerung Niederösterreichs zahlreiche Kundgebungen, welche das Ergebnis der montägigen freiheitlichenVertrauensmännerversammlung freudigst begrüßen. Wir ersuchen Sie höflich, sich diesen Kundgebungen anzuschließen und uns telegraphisch eine Meinungsäußerung über das abgelehnte Kompromiß und über eine selbständige, tatkräftige Wahlarbeit der Freiheitlichen Niederösterreichs zukommen zu lassen. Ergebenst „Neue Freie Presse". Auf dieses Telegramm der Neuen Freien Presse antwortete Bürgermeister Weinmann wie folgt. „Neue Freie Presse", Wien. Bezugnehmend aus Ihre freundliche Einladung teile ich Ihnen mein Erstaunen mit, daß die deutschnationale Bewegung Niederösterreichs von einem großkapitalistischen, gewiß nicht deutschnationalen Blatte inszeniert wird. Welcher politischen Richtung immer wir im Waldviertel angehören mögen — Gott sei Dank leben wir in Horn, Deutschnatiouale und Christlichsoziale, derzeit in gutem Einvernehmen — wir werden uns gewiß alle bestens dafür bedanken, unsere Wahlangelegenheiten durch ein uns ganz ferne stehendes Blatt besorgen p lassen und uns so zum Werkzeuge uns gewiß nur schädlicher Machenschaften herabzuwürdigen. Hochachtungsvoll Bürgermeister Weinmann, Horn. Der Horner Bürgermeister hat mit dieser Antwort das richtige getroffen. Die Stimmung der Wähler ist bis auf wenige Ausnahmen sowohl im Horner Bezirke in den Städten und Märkten als auch in den Landgemeinden für das Kompromiß. Gehetzt wird von außen. Die Deutschbürgerlichen wollen ein Einvernehmen in den heimischen Körperschaften wie auch im Parlament. Sie wollen auch keinen konsesionellen Zank, sondern positive wirtschaftliche Arbeit für das gesamte veutsch-christliche Volk und deshalb sind und bleiben sie für die Einigung. ^ Briefkasten. — e. Ja, Moritz ist noch am Leben. Dieser Wunderknabe hat die Hoffnung, den Liberalismus in Gottschee zu erhalten, den „Klerikalismus" aber auf das Haupt zu schlagen; deswegen belehrt er seme Klienten so oft über Politik, daß sie es gar nicht abroarten. Geschichtlich merkwürdig ist es, daß der „Klerikalismus" mit Moritz I. nach Gottschee kam. Besten Gruß! Bei einmaliger Einschaltung kostet die viergespaltene Kleindruckzeile oder deren Raum *0 Heller, bei mehrmaliger Einschaltung 8 Heller. Bei Einschaltungen durch ein halbes Jahr wird eine zehnprozentige, bei solchen durch das ganze Jahr eine zwanzigprozentige Ermäßigung gewährt. Anzeigen. Die Anzeigengebühr ist bei einmaliger Einschaltung gleich bei Bestellung, bei mehrmaliger vor der -weiten Einschaltung zu erlegen. — Es wird höflichst ersucht, bei Bestellungen von den in unserem Blatte angezeigten Firmen sich stets auf den „Gottscheer Boten" zu beziehen. verein der Deutschen a. 6omclm in Wien. M: I., Nauhensteingasse Nr. 5. wohin alle Zuschriften zu richten sind und Landsleute ihren ‘ Beitritt anmelden können. Zusammenkunft: Jeden Donnerstag im Hlereinstokake „Zum roten Jgev', I., Mrechtspkatz Wr. 2. HAUS 1 Stock hoch, solid gebaut, 15 Minuten von Gottschee, mit großem Garten; gutes Trinkwasser; gegenüber befindet sich ein zweiter Garten mit großer Scheuer. Der zum Hause gehörige Grund (46 Joch) besteht aus großen Fichten- und Buchen-Waldanteilen, 10 Äckern, Wiesen, Bauplätzen mit Nutzwasser (Zisternen). Alles wird sofort verkauft. Auskunft erteilen Springers Hröen in Grafenfeld bei Gottschee Nr. 40. Keil-Lack vorzüglichster Anstrich für weichen Fußboden Keils weiße Glasur für Waschtische 90 h Keils Goldlack für Rahmen 40 h. Keils Bodenwichse 90 h. Keils Strohhutlack in allen Farben. Stets vorrätig bei: Franz Loy in Gottschee. Idria: Val. Lapajne. Sagor: Rieh. b. Michelčič. Abonnieret und leset den „Gottscheer Boten“! 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