In dieser Nummer: Dank für Euere Hilfe In elfter Stunde Mission vor Gericht Treues Missionspferd Der zerbrochene Dolch Juli/August 1959 Zeitschrift der Missionare Söhne 52. Jahrgang - Heft 4 des Hist. Herzens Jesu Welch herrliche Werke . . . Die Ordensfrauen können nicht bloß leichter und besser für ihr eigenes Heil Sorge tragen, sondern auch der Kirche große Hilfe bringen, sowohl in den christlichen ländern, als auch besonders in den entlegenen Gebieten, wo das Licht des Evangeliums noch nicht aufstrahlte. Wieviel leisten doch diese Ordensfrauen! Welch große und herrliche Werke vollbringen sie, die niemand sonst mit derselben jungfräulichen und mütterlichen Hingebung durchführen kann. Johannes XXIII., Ad Petri Cathedram Herzliche Bitte! Unser Klerikernoviziat in Mellatz geht der Vollendung entgegen. Die Novizen konnten im Mai ihren Einzug halten, sie müssen vorläufig aber noch auf dem bloßen Zementboden wohnen. Schwer lasten auf uns die großen Rechnungen, die noch einlaufen und sofort bezahlt werden müssen. Wir bitten daher die Leser des „Stern der Neger", durch eine nochmalige Spende unsere Sorgen mitzutragen. — Für die Einzelbezieher in Deutschland liegt eine Zahlkarte bei. Wer den Bezugspreis für den laufenden Jahrgang noch nicht eingezahlt hat, möge dies gleichzeitig erledigen. Wer möchte für die Kapelle des Noviziatshauses in Mellatz ein Harmonium stiften? STERN DER NEGER Zweimonatsschrift Juli/August 1959 INHALT Prälat Anton Kühner: Dank für Euere Hilfe ................ 73 Br. August Cagol: Missionsstation St. Michael ......... 77 P. Karl Fischer: Mein treues Missionspferd ........... 79 Br. Gottfried Oberstaller: In elfter Stunde .................... 81 P. Willi Kühner: Mission vor Gericht ................. 82 Südtirol und Mission ................ 83 Fr. Josef Uhl: Weltkongreß der schwarzen Kasse (Schluß) ............................ 90 P. Josef Angerer: Vom eigenen Vater verfolgt .......... 92 P. Adalbert Mohn: Unruhen in Kerala ................... 93 P. Oskar Hofmann: Sankt Kilian, Apostel der Franken ... 94 Erwin U. Mozer: Der zerbrochene Dolch ............... 95 Kurz berichtet ...................... 96 Titelbild Tilmann Riemenschneider Der heilige Kilian - Würzburg Bestellung Deutschland: Missionshaus Josefstal (14a) Ellwangen/Jagst (Württemberg) Österreich: Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz Italien: Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen Jährlicher Bezugspreis DM 3.---S. 15 — Lire 400 Einzahlung Deutschland: Missionshaus Josefstal Postscheckkonto Stuttgart 540 66 Österreich: Scheckkonto 862 11 „Stern der Neger“ Italien: Herz-Jesu-Missionshaus in Milland Bressanone/Brixen C.C.P. 14 / 7392 Trento Herausgeber und Verleger Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu Josefstal bei Ellwangen/Jagst Schriftleitung P. Edmund Schümm, Josefstal Druck : Schwabenverlag AG Zweigniederlassung Ellwangen/Jagst Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern Postverlagsort: Eli wangen (Jagst) V_______________________________________J Dank für Euere Hilfe Der Bittruf „Wir brauchen Euere Hilfe" von Prälat Anton Kühner in der März/April-Nummer dieses Jahres hat ein überraschend gutes Echo gefunden. Noch immer laufen kleine und auch größere Spenden zur Weitergabe an den Hochwürdigsten Herrn Prälaten in Josefstal ein. Dankenswerterweise hat auch das Stuttgarter Katholische Sonntagsblatt den Aufruf übernommen. Besonders hilfsbereit haben sich die ehemaligen Pfarrkinder des Prälaten in Eggenrot bei Ellwangen gezeigt. Ihnen schickte Prälat Kühner ein Dankschreiben, das uns Pfarrer Weiß zum Abdruck zur Verfügung gestellt hat. D. Red. Tarma, den 12. Mai 1959 Meine lieben Eggenroter! Wer hätte gedacht, daß nach zwölf Jahren von meinem ehemaligen Wirkungsort Eggenrot ein Gruß in Form von 717 DM bei mir hier in Peru ein- treffen würde! Ja, die Wege Gottes sind oft wunderbar. Heute vor neun Jahren verließ ich mit dem Schiff Europa und stieg nach einer Fahrt von 25 Tagen in Peru an Land. Ein fremdes Land, fremde Menschen, die eine fremde Sprache reden, empfingen mich. Da hieß es, in manchen Dingen umdenken, umlernen, mit einem Wort, sich anpassen, angefangen beim Wohnen, beim Essen, beim sich Kleiden und anderen Dingen. Andere Völker, andere Sitten. Doch es gibt etwas, das einen schnell mit vielem versöhnt: das ist unser Glaube. Vom vornehmsten bis zum einfachsten Indianer sind sie alle katholische Christenmenschen. Wenn nun auch die religiösen Gebräuche verschieden sind, gehören wir doch alle zur großen Gottesfamilie der katholischen Kirche; und als Seelsorger ist man bald in seinem Element. Den Großteil der neun Jahre befand ich mich im Hochgebirge der Anden und Sie stehen zum Empfang des Hochwürdigsten Herrn bereit. Links der Festmusikant. Prälat Kühner mit seinen Gastgebern Das Schlafzimmer ist sorgfältig mit Zeitungen austapeziert; links hängen Maiskolben an der Wand. Rechts Br. Johann Niederbacher. hatte vor allem die Indianer religiös zu betreuen. Die Seelsorge bei diesen Menschen ist interessant und schön. Doch was idi da alles an Armut und Not gesehen habe, könnt Ihr Euch kaum vorstellen. Die Wohnung ist oft ein einziger Raum ohne Fenster, der bei Nacht auch als Schlafstätte dient. Die Schaffelle, die man zu diesem Zweck auf dem Boden ausbreitet, werden bei Tag an einer Stange aufgehängt, und darunter nimmt dann der Gast Platz. So kann man meist nur gebückt eintreten; denn wo sonst nodi Platz an der Decke ist, hängen die Maiskolben und Kleidungsstücke. Mais bildet neben der Kartoffel die Hauptnahrung der Indianer. In einer Ecke liegt dann je nach der Jahreszeit ein kleinerer oder größerer Haufe Kartoffeln. Es gibt Dörfer, wo in keinem Hause ein Bettgestell aufzutreiben ist. Da muß man sidi’s dann eben in einer Ecke des Zimmers auf Gras und Schaffellen gemütlich machen. Doch wenn es möglich ist, suchen die Leute ein ordentliches Bett, und zwar im besten Hause des Dorfes, und sie tischen auch das Beste auf, was sie haben. Ein Leckerbissen ist da jedesmal ein paniertes Meerschweinchen ; diese Meerschweinchen hausen in der Küche oder im Wohnraum mit den Menschen zusammen. Da die Leute meist kein Brot im Hause haben, können sie den Gast auf der Durchreise kaum zu einer Tasse Tee einladen, es sei denn, man gibt sich mit ein paar Pellkartoffeln zufrieden. Wenn ich Euch im Geist in eine Kirche führe, dürft Ihr nicht erschrecken. Da gibt es keine schöne, einladende Kirchentreppe wie in Eggenrot. Die Tür ist grob gezimmert, die Wände bestehen aus gestampfter Erde, das Dach ist mit Stroh oder groben Ziegeln gedeckt. Bänke findet man meist keine, der Boden ist bloße Erde, und wenn sich bei trockenem Wetter viele Beter auf ihm bewegen, setzt sich der aufgewirbelte Staub in die Kehle. Da die Kirchen meist keine Fenster haben, erhält der Raum nur durch die offene Türe Licht. Der Hochaltar ist, von einigen löblichen Ausnahmen in großen alten Dörfern abge- sehen, oft ein Altartisch aus gestampfter Erde. An der Rückwand hängt ein Kreuz oder steht die Statue eines Heiligen, oder es fehlt alles. Weil die Leute so einfach wohnen, man kann sagen, menschenunwürdig, ist auch eine solche Kirche immer noch viel schöner als ihre Wohnung. Peru liegt zwar nahe dem Äquator, doch in Höhen von 4000 und mehr Metern ist es besonders an Regentagen empfindlich kalt. Da können einem die Kinder leid tun, die oft ohne Schuhe und Strümpfe einhergehen und vielfach unterernähert sind. Die Kindersterblichkeit ist sehr groß, weil es in diesen abgelegenen Gegenden keine Ärzte, keine Apotheken und Arzneien gibt. Freilich könnten die Leute den Arzt auch nicht bezahlen. In diesem Gebiet hat mich nun der Heilige Vater im vergangenen Jahr zum verantwortlichen Prälaten für 225 000 Menschen, die weit zerstreut leben, erwählt. Menschen, die zu allen sozialen Klassen gehören; doch der Großteil sind arme Indianer. Die Leute sind gut, achten den Priester, sind in ihrer Art religiös, und man kann ihnen mit einem Heiligenbildchen oder einer Medaille eine Freude machen — wenn ich nur genug davon hätte! Werde nun den armen Leuten von Tarmatambo, von deren Pfarrhaus ich im „Stern der Neger" berichtet habe, mit Eurem Geld helfen, dieses Pfarrhaus etwas herzurichten, damit dann, wenn ein Pater kommt, sein Heim menschenwürdiger aussieht. Soll ich Euch von meinen sonstigen Sorgen berichten? Noch fehlen mir Priester, Seelsorger für diese armen Menschen. Noch fehlt mir ein eigenes Haus, noch fehlt ein Seminar, um einheimische Priester heranzubilden. Einen besonderen Gruß möchte ich an meine Sänger von einst richten. Mit Freude denke ich noch immer an unsere schönen Gesänge mit den alten Tenören Spang, Rettenmayer, Klozbücher; auch meine berühmten Baßsänger Josef Schips und Alois Dörrer seien nicht vergessen. Meine einstigen Sopran- und Altsängerinnen sollte ich manchmal hierhaben. Zur Zeit bin ich dabei, die Antoniusmesse von Alt in Ermangelung eines Chorleiters selbst einzuüben. Wir haben sie schon einmal in meiner Domkirche in Tarma gesungen. Die Leute sagen, es sei sehr schön gewesen. Und nun danke ich Euch, meine lieben Eggenroter, von ganzem Herzen! Der Herrgott möge Euch Eure Hilfe lohnen. Wie wir drüben während und nach dem Kriege mit einander Kreuz und Leid getragen haben, so hat es mir nun besonders wohlgetan, daß nun gerade Ihr mir beisteht in meiner Verantwortung für meine armen Indianer. Haltet zusammen, vergeßt den Herrgott nicht! Am Altar, wo ich so oft vor Euch stand und für Euch und mit Euch das heilige Opfer dargebracht habe, denkt auch an mich und die mir anvertrauten Seelen, wie auch ich Euer nicht vergesse. Herzlichen Gruß und Gottes Segen Euch allen! Euer f Antonio Kühner Prelado de Tarma, Peru Oben: Schmerzensmutter in der Kirche von Huayllacancha, Pfarrei Llata. — U n t e n : P. Erich Huber, seit 1956 in Peru, versieht die Pfarrei Llata, die aus vielen Dörfern und Weilern besteht. Eine kleine Gemeinde hat sich zum Gottesdienst unter freiem Himmel versammelt. Dem schwarzen Neupriester assistiert der weiße Missionar als Diakon. Am Altar hört jede Rassenschranke auf. Missionsstation St. Michael Von Br. August C a g o 1 Am 15. Mai war es ein Jahr, daß die dem hl. Erzengel Michael geweihte Missionsstation auf Proberen eröffnet wurde. Sie liegt etwa 30 Kilometer nördlich unserer großen Station Gien Cowie. Die Gegend besteht aus Hügeln und Hügelzügen von Granit, die mit Tälern abwechseln. In den Klüften zwischen den absonderlich aufgetürmten Granitblök-ken haben sich Buschwerk und Bäume angesiedelt, deren sommerliches Grün einen schönen Gegensatz zu den rötlichen Steinmassen bildet. Der Boden der Gegend ist grober Granitsand, der sich nicht durch Fruchtbarkeit auszeichnet. Auf der Talsohle stehen einzelne große Bäume, meist zweihäusige Marulas, was der Landschaft ein parkartiges Aussehen gibt, aber den freien Blick hemmt. Von Gien Cowie nach St. Michael Drei Kilometer hinter Gien Cowie fährt man am Dorf Mapott (Häuptlingsname) vorbei, das im Reservat des Großhäuptlings Sekwati liegt. Die Mapot-taner sind der katholischen Mission im allgemeinen nicht gewogen; sie halten es mehr mit der lutherischen „Berliner Mission". Bald folgt die Farm Botha-spruit, auf der ein burischer Schmied sein nützliches Handwerk ausübt. Dann kommt das große Dorf Mooifontein, das auf einem anderen Teil des Eingebo- renenreservates Sekwatis liegt. Hier befindet sich eine kleine katholische Gemeinde von 60 Seelen. Im Dorf Paaschla führt ein weiblicher Häuptling das Zepter. Dann kommt man zur Farm Loop-spruit, auf der der Weg über das steinige Bett des Ngwaritseflusses führt. Das Wasser dieses Flusses ist gewöhnlich nur einen halben Fuß tief, doch nach schweren Regengüssen ist der Verkehr stundenlang aufgehalten, denn einer Brücke hat man diesen Fluß nicht für wert gehalten. Bald sieht man auf der rechten Seite des Weges einen kleinen Wegweiser mit der Aufschrift „Lobethal". Dieses deutsche Wort bezeichnet die lutherische Mission, die drei Kilometer entfernt liegt. Dort ist der Geistliche Wahl tätig, dessen Frau, eine Ärztin, ihm durch ihre Tätigkeit eine ausgezeichnete Hilfe ist. Wir haben ihn nie besucht und er uns nicht, obwohl er oft genug an uns vorbeifährt. Doch trafen wir ihn einmal in Pietersburg, wo er sich recht freundlich gab. Er ist ein noch junger Mann. Es folgt die Farm Proberen, die unserer Mission gehört. Rechts am Weg steht ein Kaufladen — Store sagt man hier—, der einem Inder namens Abu von Pokwani gehört und von einem Schwarzen geführt wird. Von Gien Cowie bis hierher gibt es acht solcher Stores: Zwei gehören dem reichen Engländer Hilliar. zwei dem Inder Abu, die Besitzer der andern sind Schwarze. Einer dieser Läden gehört unserem Häuptling, der ihn durch einen erwachsenen Sohn betreiben läßt. Wir kaufen dort auch ab und zu etwas, als eine Art Friedensopfer. Große Auswahl ist in dem bescheidenen Laden ja nicht zu erwarten. Der Häuptling Nkchon-zeletsche Maschabela ist der Mission nicht sonderlich gewogen. Er hält es mehr mit der „Berliner Mission", die in seiner Nähe eine Schule hat. Kleine Gemeinde Fünf Minuten weiter liegt unsere Missionsstation zum hl. Michael, 200 Meter abseits der staubigen Straße. Das kleine Wohnhaus enthält einen sonnigen Vorraum, ein Sprechzimmer, drei andere Zimmer, Küche mit Speisekammer sowie das Bad. Die kleine Kapelle ist an die Schule angebaut, die seit 1952 besteht und bis zum vorigen Jahr von Gien Cowie aus betreut wurde. Sie brachte bisher erst ein Kind in die katholische Kirche. Die andern Kinder halten getreulich am Heidentum fest. Trotzdem sind wir nicht ganz ohne Gläubige. Da ist einmal der Lehrer, der eigentlich in Mooifontein wohnt, wo er regelmäßig sein Wochenende verbringt, weil seine Frau nicht hier wohnen will. Dann ist da Jakob Mangena, der Katechist, ein Mann von etwa 50 Jahren, mit Familie. Er betrieb früher einen kleinen Handel und machte dabei bankrott. Nun hat er weniger Sorgen ums tägliche Brot. Er ist sehr fleißig und arbeitet auch immer etwas zu Hause, wenn ihm seine katedietischen Rundfahrten freie Zeit lassen. Seine Frau ist jünger und gebildeter als er und dient als zweite Lehrkraft an der Schule. Sie hat eine gute Singstimme und leitet den Gesang in der Kapelle. Das älteste Kind des Ehepaares ist die etwa elfjährige Fannij sie hat noch andere Namen, hört aber gewöhnlich auf diesen Namen. Dann kommt der etwa neunjährige Josef, den die Natur stiefmütterlich behandelt hat: Er ist geistig zurückgeblieben, dabei aber sehr willig, wenn er verstanden hat, was man von ihm will. Andries ist sieben Jahre alt und ein gewecktes Bürschchen; er besucht seit Beginn des Jahres die Schule und wird seinen älteren Bruder bald überflügelt haben. Dazu kommt noch der etwa dreijährige Lukas, das verzogene Nesthäkchen. Immer will er seinen Willen durchsetzen, wobei er wenig Widerstand findet, denn die Eltern sparen die Rute bei ihren Kindern. Bei entsprechender Gelegenheit habe ich einmal dem Trotzkopf den Hintern versohlt; eine Zeitlang schaute er mich dann schief an, aber jetzt sind wir wieder die besten Freunde. Es ist noch ein Kind da, eine Waise aus der Verwandtschaft der Frau, die etwa neunjährige Maschlogi, die vom Ehepaar an Kindesstatt angenommen wurde. Sie ist noch nicht getauft, ist geweckt, aber nicht ganz gesund. Die fünf Kinder leben sorglos dahin, ohne sich in der Schule allzu sehr anzustrengen. Die beiden Mädchen tragen fleißig Wasser auf dem Kopf, und alle fünf fühlen sich geborgen im Schutze der Eltern und des Priesters, dem sie ihre Zuneigung zeigen. Leben auf der Station Die Missionsstation ist ein Idyll der Einsamkeit. Wenn P. B r o s i g auf Unterrichtsfahrt weg ist, bin ich stundenlang ungestört allein. Besucher sind äußerst selten. Einigemal kam ein deutscher Priester der Erzdiözese Pretoria. Er brachte einmal einen lieben Herrn und Erzähler mit, den Stadtpfarrer Weiß von Ulm. Einmal kam sogar der Polizeifeldwebel von Nebo mit einem jungen Polizisten, wahrscheinlich aus Neugier, was wohl die zwei „Römer“ in der Einsamkeit treiben mögen. Wir gaben ihnen Tee. Weinbrand wäre ihnen wohl lieber gewesen. Dreimal wöchentlich kommt der Bahnbus von Middelburg nach Magalies hier durch und bringt uns in einem mit Hängeschloß gesicherten Postsack die Post. Am folgenden Morgen nimmt er den Postsack mit unserer abgehenden Post wieder mit zum Postamt Middelburg. Auch die Leute der Umgebung benützen unseren Postsack für ihre Post. Sie schreiben gern Briefe, kaum daß sie P. Karl Fischer mit seiner Amra, bereit zum Ausritt. Plein treues Plissionspferd Von P. Karl Fischer Viele Jahre lang trug mich mein Reitpferd hinaus über hohe Berge und durch tiefe Täler auf steinigen Wegen und schlüpfrigen Pfaden zu den Hütten der Zuluneger in Südafrika. Es entspricht ihrem Namen — izulu heißt Himmel —, daß die Zulus ihre Hütten auf die Gipfel der Hügel und an die Abhänge der Berge bauen. Keine Wege führen dorthin, nur steinige und oft recht ausgewaschene Fußpfade. Oder flüchten sich die Zulu- neger vor den giftigen Stechmücken der sumpfigen Niederungen auf die gesunden Höhen? Oft mußte ich während der Woche mit meinem Pferd diese Wege machen, wenn die zahlreichen Kranken mich riefen oder wenn auf den Außenstationen Gottesdienst und Katechismusunterricht zu halten waren. Meine gute „Amra", so genannt nach ihrer hellbraunen Farbe — die Schwarzen machten daraus „Hamba", lesen und schreiben gelernt haben. Bisher betrug das Porto für Inlandsbriefe zwei Pence, seit 1. April ist es auf drei Pence erhöht worden. Die Leute gewöhnen sich nur schwer an eine Neuerung, die ihnen das Geld aus der Tasche holt. Jeden Freitag fahren wir nach Gien Cowie, wo P. Brosig die eingeborenen Schwestern Beichte hört. Wir nehmen dann immer einige Lebensmittel von der großen Mutterstation mit nach Hause. Alle 3 Wochen fahren wir mit unserem Wagen zum Werkstattdienst nach Pietersburg. Von Proberen bis zur Brücke über den Olifants, der die Nordgrenze unserer Diözese bildet, sind es etwa 25 Kilome- ter. Auf dem Weg nach Pietersburg kommen wir an der Missionsstation St. Bernhard der belgischen Benediktiner vorbei. Hier werden eine ganze Anzahl blinder Knaben und Mädchen in allerlei Kunstfertigkeit unterrichtet. Es ist erstaunlich, was für schöne Flechtarbeiten diese Hände, die von keinem sehenden Auge geleitet werden, herzustellen vermögen. Augenkrankheiten und Erblindungen kommen unter den Schwarzen ziemlich häufig vor. Ich schreibe das zum großen Teil dem Umstand zu, daß sie die Fliegen, die allerhand Krankheiten übertragen, ungestört im Gesicht und an den Augen sitzen lassen. d. i. „Lauf!" (das „r" können die Zuluneger nicht aussprechen) kam da oft in Schweiß, aber sie hielt durch, auch wenn der Ritt über drei Stunden dauerte. Ich hatte wohl eine Peitsche und zwar eine sehr starke, aber ich gebrauchte sie nicht zum Schlagen des Pferdes. Sie diente einzig zum Erschlagen der Schlangen, wenn ich solchen begegnete, und zum Vertreiben der Fliegen. Mußte ich einmal Amra zu flotterem Gang ermuntern, rief ich einfach ihren Namen und winkte mit der Peitsche, und das genügte. Ich liebte mein Pferd, wie man ein Tier eben lieben kann. Ich fütterte es am Morgen und Abend mit Mais, putzte es jeden Tag, bevor ich ausritt, auch wenn es schon in der Frühe um vier Uhr sein mußte, was des öfteren geschah. Denn zu mancher Außenstation mußte ich schon sehr früh aufbrechen, um gegen 9.00 Uhr dort zu sein. Das Pferd war deshalb audi stets in gutem Zustand und frei von blutgierigen Zechen. Dank dieser Pflege war Amra immer treu und gut zu mir. Mußte ich das Pferd selbst von der Weide holen, weil die Buben zu faul waren, ging ich auf eine Höhe hinauf, klopfte auf einen Messingring und rief „Amra", worauf es aus seinem Versteck heraus zu mir kam. Und war es einmal zu bequem und klotzte einfach zu mir herauf, dann setzte ich mich einfach nieder, den Rücken ihm zugewandt. Das wirkte. Es kam im Galopp heran und legte seinen Kopf brummend über meine Schulter, als Morgengruß. Diesen Brummer ließ es immer hören, wenn ich nahte. Im März 1958 mußte ich mich von meinem treuen Tier trennen. Wegen Kränklichkeit mußte ich meinen Posten als Missionar aufgeben und zog auf die Missionsstation Maria Trost. Ich konnte Amra nicht mitnehmen und mußte sie verkaufen. Aber einem Tierschinder wollte ich es nicht überlassen. Die Schwarzen wollen Tiere: Ziegen, Schafe, Rinder, Pferde. Aber von Tierpflege haben die wenigsten einen Begriff, und von einer Fütterung der Tiere wissen sie nichts. Sie sollen ihr Futter selbst auf der Weide suchen, audi wenn dort, wie zur Trockenzeit, kaum etwas zu finden ist. Von einem Putzen der Tiere ist noch weniger die Rede. Zum Kauf meldete sich ein schwarzer Lehrer, der eine eigene Farm besaß und selbst Pferde hatte. Er war fortschrittlich eingestellt und pflegte auch seine Pferde sehr gut. Ihm überließ ich Amra schweren Herzens. Zum Abschied sagte ich ihr ins Ohr: „Amra, hamba kahle" — Ziehe in Frieden, gute, alte Amra! Als der Lehrer das Tier fortführte, war es mir zumute wie einem Kind, dem man sein Spielzeug wegnimmt. Im September kam ich wieder nach Natal, um für den dortigen Bischof eine im März begonnene Arbeit zu vollenden; damals wäre sie über meine Kräfte gegangen, doch wie durch ein Wunder erhielt ich durch eine schmerzliche Operation meine Gesundheit wieder. So konnte ich mit dem Bischof die meisten Außenstationen der Diözese besuchen. Wir kamen auch nach Mehlomnyama, wo die schwarzen Schwestern ihr Mutterhaus haben. In der Nähe hatte der Käufer meines Pferdes seine Farm. Das war mir nicht bekannt, sonst wäre ich gewiß einmal hingegangen, meine gute Amra wiederzusehen. Wir blieben im Kloster der schwarzen Schwestern einige Tage, da wir von hier aus einige Außenschulen zu besuchen hatten. Der Weg führte uns an der Farm des Lehrers vorbei, ohne daß ich es ahnte. Auf der Weide gingen einige Pferde frei umher. Da löste sich eines aus der Gruppe und kam auf uns zu. Es blieb vor mir stehen und begrüßte mich stumm. Ich erkannte es gleich wieder, es war Amra! Und wir mußten zum zweiten Mal Abschied nehmen: Amra, hamba kahle! Katechisten Letzten Sonntag konnte ich 20 Katechumenen durch die Taufe in die Kirche aufnehmen. Wenn ich mehr Katechisten hätte, könnten größere Erfolge erzielt werden. Es ist nicht einfach, geeignete Kandidaten für dieses Amt zu finden. Wenn P. Adolf Stadtmüller wieder einen Ausbildungskurs durchführt, hoffe ich, einige geeignete Männer schicken zu können. P. Josef Hornauer, Burgersfort Missionskirchlein in Carolina im Süden der Diözese Lydenburg, erbaut von P. Albin Kladnik 1955. Das Innere des Kirchleins In elfter Stunde Von Br. Gottfried Oberstaller Moses hieß der Glückliche, dem sich noch, wie dem rechten Schächer, in den letzten Stunden seines Lebens die Tore des Paradieses öffneten. Wie bei so vielen Schwarzen konnte man auch bei ihm sein Alter nicht feststellen, aber nach seinem Aussehen und seinen Erlebnissen konnte man berechnen, daß er schon hundert Jahre und mehr hinter sich hatte. In den letzten Jahren lebte er zusammen mit der Familie seines Sohnes auf einer Farm, die einem Deutschen mit Namen Peter Thielen gehört. Da er und seine Familie katholisch sind, wurden wir mit ihm näher bekannt. Er bat uns, bei Gelegenheit einen unserer intelligen- teren schwarzen Katholiken zum alten Moses zu schicken, um Näheres aus ihm herauszubringen. Denn uns Weißen gegenüber will ein Schwarzer nicht viel preisgeben, vor allem nicht so ein Alter. Wir nahmen also eines Tages unseren Katechisten mit und brachten ihn zum alten Moses. Wir fanden ihn am Boden kauernd in einer sonnigen Ecke seines Krals, ein Häuflein Haut und Knochen. Er blinzelte uns mit scheinbar erloschenen Augen an und lächelte sogar ein wenig, so als wollte er sagen: „Na, Buben, was wollt denn ihr von mir?" Wir ließen die beiden allein und besuchten inzwischen die deutsche Familie. Das Resultat war dann, daß Moses dem Katechisten auch nicht viel anvertraute, sidi aber gern bereit erklärte, daß der katholische Umfundisi (Priester) zu ihm komme. Moses gehörte zwar schon einer Sekte der Eingeborenen an, aber diese Sekte konnte ihm wohl nicht viel geben, denn solche Sekten sind ja nur Sprößlinge anderer Sekten, und so ein „Christentum" ist von sehr zweifelhafter Güte. P. Josef Beck, der erst vor kurzem als Pfarrer hier eingetroffen war, ließ die Sache vorerst auf sich beruhen in der Absicht, Moses gelegentlich aufzusuchen. An einen längeren Unterricht war bei einem so alten Mann nicht zu denken. Nach kurzer Zeit kamen wir unerwartet wieder auf diese Farm, und Herr Thielen sagte uns, mit Moses ginge es wohl dem Ende zu. P. Beck konnte erst am folgenden Tag kommen und fand die Angabe des Farmers bestätigt. Nach kurzer Vorbereitung taufte er den Mann auf den Namen Josef, spendete ihm auch gleich die Firmung und reichte ihm dann die hl. Kommunion als Wegzehrung; die erste hl. Kommunion war auch seine letzte. Schließlich erteilte er ihm noch die Krankenölung. Damit hatte der Alte am gleichen Tag vier Sakramente empfangen. Am nächsten Morgen war unser Josef schon tot, und am Fest Christi Himmelfahrt wurde er in der Nähe seines Krals zur letzten Ruhe gebettet. Zur Beerdigung tauchte nun auch der schwarze Prediger seiner Sekte auf, gekleidet in einen alten Talar und einen zerrissenen Chorrock, hatte aber nichts einzuwenden, als P. Beck erschien, um seines Amtes zu walten. Die Angehörigen des Verstorbenen zeigten sich sehr befriedigt, daß ihr Urahn ein so glückliches Ende gefunden hatte. So hat einer, der während eines langen Lebens vielleicht kaum etwas von der katholischen Kirche gehört hatte, noch in seinen letzten Stunden ihre reichen Gnadenmittel empfangen dürfen. Mission vor Gericht Von P. Willi Kühner Der nachfolgende Bericht über eine Gerichtsverhandlung in Pretoria, in der ein heidnischer Vater gegen seine katholische Tochter, die Schwester werden will, auftritt, erinnert an die Worte Jesu: „Ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater... Der Vater wird das Kind in den Tod liefern" (Mt 10,35.21). D. Red. Am 22. Februar dieses Jahres fuhr ich mit Rechtsanwalt Mister Jones nach Basutoland. Dort lebt im Hl.-Kreuz-Kloster der Menzinger Schwestern ein schwarzes Mädchen mit Namen Regina Ngwana Magasa Madihlaba. Wir suchten es auf, um die Anklage seines Vaters gegen P. K., den Obern unserer Missionsstation Gl. C., zu entkräften. Diese Anklage lautete auf Entführung des Mädchens. Sie war anhängig beim Landesgericht (High Court) in Pretoria, der Hauptstadt der Südafrikanischen Union. Bis zum 25. Februar mußte die Aussage dieser Zeugin und die der anderen Zeugen dem hohen Gericht vorliegen. Das Urteil sollte am 10. März gefällt werden. Was der „Transvaler“ zum Fall meinte Der „Transvaler", das nationale Blatt der kalvinischen Buren, dessen gehässige Einstellung zur katholischen Kirche bekannt ist, brachte am 17. Februar auf seiner Titelseite einen Bericht über den Fall, der als Skandälchen aufgemacht war, wie es solche Kreise von den „Römischen" gern hören. Die Schlagzeile lautete: „Eingeborener fordert seine Tochter von römischem Priester zurück." Weiter heißt es, daß sich heute (d. i. am 17. Februar 1959) P. K. laut Gerichtsbefehl in der Transvaalabteilung des Hauptgerichtshofes zu verantworten habe, warum er den Aufenthaltsort einer minderjährigen Schwarzen nicht angeben wolle. Dann gibt das Blatt einen Auszug aus der Anklageschrift. Der Vater des Mäd-(Fortsetzung Seite 86) Südtirol und Mission Das kleine Südtirol hat nicht nur Kämpfer für sein kleines Reich inmitten der Berge hervorgebracht, sondern hat auch zahlreiche Kämpfer für das Reich Gottes in die weite Welt geschickt. Mit Stolz darf dieses tapfere Volk auf seine 120 lebenden Missionare und Missionsschwestern blicken. Auf der „Missio" war einer großen Karte zu entnehmen, wo überall die Südtiroler Missionskräfte eingesetzt sind. Vier bedeutende Südtiroler Missionare der Vergangenheit und Gegenwart wurden von unserem Künstler Br. Johann Oberstaller, Milland, in Porträts den Besuchern vor Augen gestellt. Es sind: P. Josef Ohrwalder FSC, der im Sudan wirkte, wo er zehn Jahre lang Gefangener der Mahdi war und 1913 starb. — Der heiligmäßige Chinamissionar P. Josef Freinademetz, den P. Arnold Janssen in Brixen für seine Stiftung gewann. Er starb 1908. —- Missionsbischof Johannes Dieser domengekrönte Christus von Br. Joh. Oberstaller erinnerte die Ausstellungsbesucher an die „Kirche des Schweigens“. Greif, Josefsmissionar von Mill Hill, Bischof von Tororo, Uganda. — Missionsbischof Anton Reiterer MFSC von Lyden-burg, Südafrika. Unser Knabenseminar in Milland P. Josef Freinađemetz SVD Bischof Anton Heiterer MFSC P. Josef Ohrwalder FSC Bischof Johannes Greif Br. Johann Oberstaller, der sein vielseitiges Können in den Dienst der „Missio“ stellte, arbeitet hier am Osterleuchter für unser Missionsseminar St. Paulus in Neumarkt. Die Bilder aus dem Alten und Neuen Testament stellen die wichtigsten Ereignisse der christlichen Heilsgeschichte dar. P. Anton Lipp, Bruder unseres Neupriesters P. Konrad Lipp, gab ebenfalls Führungen. Besonderes Interesse fand der Negerpriester aus Uganda. Da er für sein Studium in Rom auch deutsche Werke benützen muß, hat er sich unsere Sprache gründlich angeeignet. P. Anton Lipp wird in den nächsten Monaten nach Südafrika in unser dortiges Missionsgebiet ausreisen. chens behauptet, der Priester habe ihm das Angebot gemacht, seine Tochter einzutauschen oder zu kaufen, um sie zu heiraten. Die Tochter sei erst 18 Jahre alt. Der Vater habe im Februar des vorigen Jahres seine Tochter auf die Missionsstation Clen Cowie gebracht, damit sie dort als Krankenpflegerin ausgebildet werde. Im Dezember habe er dann vernommen, seine Tochter werde als Ordensschwester in einem Kloster festgehalten. Seine Frau, die er zur Mission geschickt habe, habe drei Stunden vergebens versucht, die Tochter mit nach Hause zu nehmen. Am folgenden Tag sei er selbst dorthin gegangen. Der Angeklagte habe ihm einen schwarzen Priester geschickt. Dieser habe ihm erklärt, P. K. sei bereit, ihm 100 Pfund oder eine Anzahl Ochsen in diesem Werte als Lo-bola, Brautgabe, zu geben, was er aber abgeschlagen habe. Ferner sei ein Streit um die Tochter entstanden. Die Polizei sei gerufen worden, aber nicht erschienen. Auf Befehl des Eingeborenenkommissars sei dann das Mädchen mit dem Vater heimgegangen, aber in der gleichen Nacht wieder entlaufen. Seitdem habe der Kläger seine Tochter nicht wieder gesehen und wisse nicht, wo sie sich aufhalte. Der „Transvaler" sagt nichts von einer Stellungnahme des Angeklagten, er gibt ihm keine Gelegenheit, sich zu den Anklagen zu äußern. Damit bekommt der ganze Bericht eine einseitige, antikirchliche Färbung, die beabsichtigt ist und die kirchenfeindliche Haltung des Blattes widerspiegelt. Kein Versuch wird gemacht, den Sachverhalt objektiv darzustellen, wie es Aufgabe einer guten Zeitung ist. Der Rechtsgrundsatz: „Audi der andere Teil muß gehört werden" wird nicht beachtet, und der gegen die katholische Kirche eingenommene Leser wird allzugern die Verleumdung des Blattes glauben. Eine andere Zeitung, der „Star", ein englisches Blatt, brachte einen noch ausführlicheren Bericht unter der Schlagzeile: „Angebot von 100 Pfund für Toch- ter, um Nonne zu werden." Dieses Blatt ist aber wenigstens so anständig, um beizufügen, daß der angeklagte Pater viele der angeblichen Anschuldigungen als falsch zurückgewiesen habe. Auch sei das Mädchen nie in einem Institut seiner Mission gewesen. Der Richter habe die Verhandlung auf den 10. März vertagt, um dem Angeklagten Zeit zu geben, seine schriftlichen Eideserklärungen abzugeben, die bis 25. Februar beim Gericht vorliegen müßten. Reise nach Basutoland So hatte also P. K-.s Rechtsanwalt noch vor dem 25. Februar die beschworene Aussage des Mädchens beizuschaffen. Er entschloß sich, den weiten Weg zum Aufenthaltsort des Mädchens in Basutoland selbst zu machen. Ich sollte ihn begleiten, da ich den Aufenthaltsort Reginas kannte. Da Rechtsanwalt Jones an der Verteidigung des Paters sehr interessiert war, trat er alsbald, obwohl es Sonntag war, die Reise an, denn die Zeit drängte. In aller Frühe fuhren wir mit Mr. Jones’ großem Wagen von Pretoria ab. über Johannesburg, die Goldstadt mit vielen gelben Schutthügeln, steuerten wir dem Süden zu. Bei Vereeniging überquerten wir den Vaal, die Grenze zwischen dem Oranje-Freistaat und 7 rans-vaal. Hinter Winberg, wo wir eine kleine Stärkung zu uns nahmen, verließen wir die geteerte Straße und waren nun stets in dichte Staubwolken gehüllt. In Ladybrand stieg Frau Meyer aus; wir hatten sie mitgenommen, damit sie hier ihre Schwester besuchen konnte. Schon neigte sich die Sonne stark dem Westen zu, als wir den Ca-ledonfluß, die Grenze zum Basutoland, überquerten. Die Formalitäten der Basu-toland-Grenzpolizei war sehr kurz. Sie wollte nur unsere Namen und die Nummer unseres Wagens wissen. Unserer Versicherung, daß wir nichts zu verzollen hätten, glaubten sie ohne weiteres. Wir durchfuhren die Hauptstadt Maseru, die in Wirklichkeit nur ein größeres Dorf ist, und durchquerten dieses englische Schutzgebiet auf der vielge- wundenen Bergstraße von Norden nach Süden. Die Sonne war schon untergegangen, als wir in Mohaleshoek anlangten, wo wir übernachten wollten. Etwa 700 Kilometer lagen hinter uns. In dem friedlichen, einfachen Hotel, dem einzigen des Fleckens, hatte uns müde Wanderer bald der Schlaf umfangen. Am nächsten Morgen fuhr ich allein in die nahe Zebomission, um dort die hl. Messe zu lesen. (Mr. Jones ist nicht katholisch, aber bei katholischen Schulbrüdern aufgezogen worden und der katholischen Kirche sehr freundlich gesinnt.) Nach dem Frühstück fuhren wir zur Missionsstation Heilig Kreuz, wo wir leider weder den Pfarrer noch die Oberin des Klosters antrafen. Doch war die stellvertretende Schwester uns sehr behilflich. Sie ließ uns Tee bringen und dann Regina rufen, zusammen mit einer Novizin aus Johannesburg, Margarita, die als Dolmetscherin dienen sollte, da Regina nicht sehr gut Englisch verstand. Regina trug noch ihre weltlichen Kleider, Margarita aber war in ein einfaches schwarzes Gewand gekleidet und trug einen schlichten Schleier, der ihr sehr gut stand. Sie sprühte vor Lebendigkeit und Freundlichkeit. Mit großem Geschick hat sie sich dann ihrer Dolmetscheraufgabe entledigt. Regina wird vernommen Mr. Jones hatte eine Schreibmaschine mitgebracht, an die ich mich nun setzte, Neue Kathedrale in Ma-zenod, Basutoland. Brücke mit Stauwerk über den Vaal bei Ver-eeniging. um die Aussagen Reginas niederzuschreiben. Zuerst erklärte der Rechtsanwalt dem Mädchen, warum er gekommen sei. Das Gericht in Pretoria wolle sie als Zeugin vernehmen. Sie könne also, wenn sie wolle, mit ihm in seinem Wagen mit nach Pretoria zurückfahren, um auf die Anklagen ihres Vaters selbst Rede und Antwort zu stehen. Doch sei sie dazu keineswegs gezwungen. Es stehe ihr ganz frei, in die Union nach Transvaal zurückzukehren oder hier in Basutoland zu bleiben. Regina antwortete, sie wolle nicht nach Transvaal zurück, denn sie fürchte, ihr Vater würde sie töten, wie er es ihr des öfteren angedroht habe. (Auch vor andern, so vor P. K. und dem schwarzen Priester Lephaka, hat Reginas Vater in seinem rasenden Zorn geschworen, er werde seine Tochter umbringen, auch wenn er dafür gehenkt werde, das mache ihm gar nichts aus. Der Mann ist noch Stockheide; manche sagen, er sei sogar Zauberer. Daraus erklärt sich die Abneigung gegen den Klosterberuf seiner Tochter. Die Mutter Reginas und ihr Bruder sind zwar katholisch, doch ist die Furcht vor dem Vater so groß und ihr Glaube so schwach, daß sie mit ihm gegen Regina arbeiten.) Nun galt es festzustellen, ob sie wirklich volljährig war, wie sie dem Obern der Mission und auch dem Bischof gegenüber erklärt hatte. Um die Gründe befragt, warum sie glaube, sie sei am 17. März 1937 geboren, erklärte sie; „Der Vater hat daheim ein großes Buch gehabt. Darin hat er die Geburtsdaten aller Kinder eingetragen. Mein Geburtsdatum hat auf den 17. März 1937 gelautet. So hat es mein Bruder mir gesagt und ich habe es auch selbst gelesen, als ich später lesen lernte. An diesem Tag haben wir auch immer meinen Geburtstag gefeiert. Nun hat aber der Vater das Blatt des Buches, auf dem die Geburtsdaten geschrieben standen, herausgerissen und sie auf ein anderes Blatt des Buches eingetragen, wobei er mein Geburtsjahr in das Jahr 1940 fälschte, so daß ich noch als minderjährig gelten sollte. Ich habe einige Fetzen des zer- rissenen Blattes auf der Flucht mitgenommen und der Mutter Oberin in Clen Cowie gezeigt. Als ich aber sah, daß mein Geburtsdatum darauf nicht ersichtlich war, habe ich sie weggeworfen." Mit dieser Aussage Reginas stimmt die eidesstattliche Erklärung der Mutter Oberin Consiglio in Clen Cowie überein. P. K. hat vor Gericht zwar einen Taufschein vorgelegt, der als Geburtsdatum den 17. März 1937 enthielt. Doch ist sie erst 1956 getauft worden und hat damals das Geburtsdatum selbst angegeben; somit ist das Geburtsdatum des Taufscheins nicht über jeden Zweifel erhaben. Der Anwalt wollte von Regina weiter wissen, warum sie von zu Hause weggelaufen sei und ob sie von jemand gezwungen worden sei, nach Basutoland zu gehen. Das Mädchen erklärte, der Grund ihrer Flucht sei der Wunsch gewesen, Schwester zu werden. Der Vater habe sich diesem Wunsch immer unerbittlich entgegengestellt. Ja, er habe sie deswegen öfters geschlagen und mit dem Tode bedroht. Am letzten Abend, als sie auf Befehl des Kommissars mit dem Vater nach Hause gegangen sei, hätte ihr Vater zu ihrem Onkel wörtlich gesagt: „Mit dem Kind muß etwas geschehen. Es hat keinen Platz mehr in meinem Herzen.“ Regina habe das mit früheren Drohungen verglichen und es so verstanden, daß sie getötet werden solle. Deshalb sei sie noch am gleichen Abend, so gegen acht Uhr davongelaufen. Ein Auto hätte sie auf die Missionsstation mitgenommen. Der Besitzer des Wagens sei ein gewisser Mabusa gewesen, Eigentümer eines Kaufladens in der Nähe ihres Krals. In Clen Cowie habe ihr der Obere gesagt, sie müsse doch am Montag vor dem Kommissar erscheinen, warum sie dann davongelaufen sei. Sie habe unter Schluchzen erzählt, was zu Hause vorgefallen sei und habe um Schutz und Hide gebeten. Die Oberin habe daraufhin, wie schon früher, erklärt, sie könne Regina nicht in ihr Kloster aufnehmen, da ihre Familie so nahe wohne und gegen den Schwesternberuf ihrer Tochter so ab- Anfang Mal tagte in Rom die jährliche Generalversammlung der Leiter der Päpstlichen Missionswerke. Kardinalpräfekt Fumasoni Biondi bei seiner Begrüßungsansprache, rechts neben ihm Kardinal Agagianian, links Erzbischof Sigismondi. Die 17 Millionen Dollar, die im letzten Jahr vereinnahmt werden konnten, reichen bei weitem nicht aus für die Bedürfnisse der 700 Missionsgebiete. weisend eingestellt sei. Da habe Regina gebeten, ob sie nicht anderswo Schwester werden könne. Daraufhin habe der Obere dem P. Br. gesagt, er möge sie nach Witbank zum Bischof bringen. Der Bischof habe sie gefragt, ob sie volljährig sei, was sie bejaht habe. Auch habe er ihr gesagt, sie solle lieber zu ihrem Vater zurückkehren und warten, bis sie seine Zustimmung zum Ordensberuf erhalte. Doch habe sie nicht zurückkehren wollen und ihn um Hilfe gebeten, damit sie anderswo eintreten könne. Der Bischof habe sie dann auf eine Missionsstation bei Witbank gebracht, und von dort sei sie zu einer Familie gegangen und habe gewartet, bis zwei Missionare zu einem Kongreß nach Basutoland fuhren. Diese hätten sie mitgenommen, und seitdem sei sie hier. Niemand hätte sie gezwungen, hierher zu kommen, und niemand zwinge sie, hier zu bleiben. P. K. und P. St. hätten sie nur gegen die Drohungen ihres Vaters in Schutz genom- men. Es sei nicht wahr, wenn ihr Vater immer behaupte, sie sei in Gien Cowie als Schwester aufgenommen worden. Die Oberin habe sich immer geweigert, sie in die Gemeinschaft der „Töchter des Unbefleckten Herzens Mariä" aufzunehmen. Sie habe in der Küche und im Krankenhaus gearbeitet. Inzwischen war es Mittag geworden. Die gastfreundlichen Schwestern luden uns zum Essen ein. Wir hatten ursprünglich gehofft, noch vor ein Uhr in Moha-leshoek zurück zu sein, um vor dem Distriktskommissar die Unterschrift Reginas beglaubigen und ihre Aussagen ihr nochmals durch einen amtlichen Dolmetscher übersetzen zu lassen. Dazu war es nun zu spät. So nahmen wir denn die Einladung der Schwestern an und setzten unsere Arbeit alsbald wieder fort. Als wir fertig waren, nahmen wir die beiden Mädchen mit zum Distriktskommissar. Dieser behandelte uns sehr entgegenkommend. Sein amtlicher Dolmetscher übersetzte für Regina nochmals Satz für Satz, was ich niedergeschrieben hatte, über fünf Seiten. Dann gab die Zeugin vor dem Kommissar unter Eid die Erklärung ab, daß die Niederschrift wahr sei und daß sie nicht nach Transvaal zurück wolle, sondern aus freiem Willen in Basutoland bleibe. (Basutoland ist englisches Schutzgebiet und gehört somit nicht zum Machtbereich der Südafrikanischen Union.) Dann nahmen wir Regina und Margarita mit zur Zebomission, wo sie übernachteten und am nächsten Tag mit dem Autobus zurückkehrten. Wir beide legten auf der staubigen Bergstraße die 150 Kilometer nach Maseru zurück und übernachteten in „Lanzers Inn". Zurück nach Witbank Am nächsten Morgen wollte ich mit des Anwalts Wagen, den er mir zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hatte, zur neuen Kathedrale fahren, um dort die hl. Messe zu lesen. Die andern Gäste schliefen noch alle. So versuchte ich, den Motor so leise wie möglich anzulassen, um niemand zu stören. Aber kaum hatte ich den Zündschlüssel umgedreht, da ertönte zugleich mit dem Geräusch des anlaufenden Motors die Autohupe. Erschrocken stellte ich den Motor ab. Was hatte ich falsch gemacht? Ich versuchte ein zweites Mal, den Motor möglichst leise anzulassen, und wieder dieses nervenerregende Getute. Auch das Schalten in einen anderen Gang nützte nichts. Also abschalten I Schon hatte ich mich entschlossen, den Wagen stehen zu lassen und zu Fuß zur Kirche zu gehen, da eilte Mr. Jones aus dem Hotel herbei, im Schlafanzug, barfuß, mit beiden Armen gestikulierend. Ganz außer Atem, entschuldigte er sich, er habe gestern Abend vergessen, die Schutzvorrichtung gegen Autodiebe abzustellen. Mit einem kurzen Griff war das jetzt geschehen. Mit Rechtsanwälten ist wirklich nicht zu spassen. Lassen die einfach die Hupe mit dem Motor verbinden, so daß der nächtliche Autodieb bei seinem heimlichen Werk alles aufweckt und die Polizei herbeiruft. Ein Glück für mich, daß die Basutopolizei nicht gleich zur Stelle war und mich als Autodieb abführte. Schon einmal war ich mit einem fremden Wagen unter unaufhörlichem Gehupe zur nächsten Tankstelle gefahren. Dann gingen wir zum Landgericht, um die Unterschrift des Kommissars von Mohaleshoek beglaubigen zu lassen. Das war bald erledigt. Der lange staubige Heimweg führte uns wieder über Lady-brand, wo wir Frau Meyer wieder mit-nahmen, Kroonstadt, Johannesburg nach Pretoria. In Pretoria sagte ich Mr. Jones Lebewohl und dankte ihm für seine freundliche Hilfe. Dann fuhr ich die 100 Kilometer nach Witbank zurück, wo ich spätabends müde ankam. (Schluß folgt) Weltkongreß der schwarzen Rasse in Rom Von Frater Josef Uhl, Rom (Schluß) Afrika bereit machen für das Evangelium Für die Kirche und ihre Mission darf es also kein Hindernis bedeuten, wenn sich die afrikanischen Völker eine neue Kultur schaffen, die die europäischen Christen fremd anmutet. Auch der afrikanische Kulturboden wird zum Acker, in den sich göttliche Wahrheit und Gnade einsenken wird. Schließlich hat Gott diesen Völkern ihre besonderen Anlagen gegeben, nicht damit sie brach liegen bleiben und verkümmern. Auch im Kunstwerk eines Afrikaners spiegeln sich Gottes Schönheit und Reichtum, auch afrikanische Dichtung und Musik sind Werke des menschlichen Geistes, der ein Abglanz des Geistes Gottes ist. Die Kirche muß darauf bedacht sein, daß die junge afrikanische Kultur von echten Werten getragen ist. Afrika darf nicht, nachdem es mehr und mehr die vielfältigen Formen eines primitiven Aber- glaubens ablegt, andern Formen des Aberglaubens verfallen, wie sie etwa der Islam enthält; noch weniger darf Afrika dem großen Unglauben und Aberglauben unserer Zeit, dem Marxismus, verfallen, der, abgesehen von seiner gottlosen Einstellung, wichtigste Grundtatsachen des Geistes und des menschlichen Zusammenlebens einfach nicht gelten läßt. Für die Kirche und die Mission ist es von größter Bedeutung, daß auch in Afrika Werte gelten, die der Menschheit heilig und heilbringend sind: daß immer mehr die wahre Würde des Menschen erkannt und beachtet wird; daß die Grundrechte des Menschen auf Leben, Freiheit, Besitz anerkannt werden. Diese Grundrechte des Menschen anzuerkennen und zu schützen, wird eine besondere Aufgabe der afrikanischen Gesetzgebung, des Schulwesens, der Presse, des Films und Fernsehens sein. Auf dem Boden einer solchen Kultur wird sich das Gnadenleben der Kirche leicht entfalten können. Was sind die Zehn Gebote anders als diese natürliche Sittenordnung, erhoben in die christliche Heils- und Gnadenordnung? Anderseits wird das Christentum das dortige Kultur- und Volksleben segensreich befruchten und veredeln. Es wird dem afrikanischen Menschen bewußt machen, daß er in eine vom Schöpfer festgelegte Lebensordnung hineingestellt ist. Nur so kann die Gefahr gebannt sein, die jeder glaubenslosen Kultur droht: daß sie sich ganz und ausschließlich im Diesseits einrichtet, daß sie nur auf einen möglichst hohen Lebensstandard abzielt und so dem Materialismus zutreibt. Afrikaner unsere Gäste So harrt der Kirche heute in Afrika eine gewaltige Aufgabe. Alle Christen haben Anteil an dieser Verantwortung und müßten nach ihrem Vermögen am Aufbau eines christlichen Afrika mit-arbeiten. Hier nur ein Beispiel, eines der wichtigsten: Wie viele schwarze Studenten, die später einmal die Kultur und Politik ihres Heimatlandes mitbestimmen werden, erhalten ihr Ausbildung an europäischen, auch deutschen, Hochschulen. Hand in Hand mit der wissenschaftlichen Ausbildung geht die menschliche und religiöse Bildung oder auch Mißbildung. Entscheidend ist da die menschliche Umgebung, in der sie jahrelang leben. An der Universität Mainz sind rund ein Fünftel der eingeschriebenen Studenten, etwa 500, Ausländer. Sie werden unbewußt, aber nachhaltig von dieser deutschen Stadt geformt. Sie bilden sich ihre weltanschaulichen Urteile nach den Erfahrungen mit ihren Lehrern und Mitstudenten und mit dem kirchlichen Leben der Stadt. Insgesamt studieren gegenwärtig mehr als 15 000 junge Ausländer an westdeutschen Hochschulen, viele davon aus Afrika. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß sie nicht nur einen guten Eindruck von uns mit nach Hause nehmen, sondern auch in den besten abendländischen .Idealen gefestigt und, wenn sie katholisch sind, in ihrem Glauben bestärkt werden. Der „Rheinische Merkur" schrieb kürzlich in einem Artikel über die ausländischen Studenten in Deutschland: „Männer wie Mao Tse-tung und Tschou En-lai haben einmal in Deutschland studiert. Wie würde wohl heute die Weltpolitik aussehen, wenn diese Männer das Gastland so erlebt hätten, daß sie nicht in der Ablehnung der europäischen Welt das Heil ihrer Völker sehen müßten?" Man kann auch so sagen: Sicher ist, daß diesen Männern in ihren Studienjahren auch das Christentum begegnet ist. Wie stünde es heute um die kulturelle und soziale Ordnung bei den 600 Millionen Chinas, wenn sie in Europa das Christentum so erlebt hätten, daß sie in seiner Annahme und Förderung das Heil ihrer Völker sehen würden? Bald wird die Zeit kommen, wo die afrikanischen Kongresse nicht mehr in Europa, sondern in Afrika stattfinden; wo Afrika die Erziehung seiner Führerschaft selbst in die Hand nimmt. Wenn dann Afrika nicht vom christlichen Geist geprägt wäre, hätte das christliche Europa die Schuld eines gewaltigen Versagens auf sich geladen. Darum: „Wirket, solange es Tag ist!" Vom eigenen Vater verfolgt Von P. Josef Angerer In einem heidnischen Negerdorf in Südafrika war eine Jahresgedächtnisfeier für einen vor Jahren verstorbenen angesehenen Sippenangehörigen angesagt. Bei solchen Feiern geht es ganz geheimnisvoll zu; alle möglichen abergläubischen Gebräuche werden eingehalten: Opfer- und Geisterbeschwörungen unter feierlichen Tänzen und Gesängen, eindrucksvoll, leise und ernst. Auch der Vater eines jungen Christen war als Sippenmitglied eingeladen. Nach Stammessitte sollte sich auch der schon volljährige Sohn beteiligen, und der Vater bestand darauf. Aber der junge Mann hatte seinen Katechismus gut gelernt, und sein Gewissen sagte ihm, es verstoße gegen das erste Gebot Gottes, an einer rein heidnischen religiösen Feier teilzunehmen. So erklärte er seinem Vater mit Entschiedenheit, er wolle nicht dabei sein. Der Vater, einen solchen Widerstand von Seiten seines sonst immer willigen Sohnes nicht gewohnt, geriet in Zorn und drohte seinem Sohne mit dem Tod, wenn er sich nicht füge. Dieser lief von zu Hause weg und trieb sich eine Zeitlang in der Gegend herum. Er wußte, daß sich das sein Vater nicht bieten lassen und er ihn überall suchen würde. Wehe ihm, wenn er seiner ansichtig würde! Es wäre um ihn geschehen. Einen Kampf mit seinem eigenen Vater aufzunehmen, ging ihm gegen alles natürliche Gefühl von Achtung gegen Ältere und gegen sein eigenes Blut. So floh er von Ort zu Ort, bei Tag in der Wildnis wie ein verscheuchtes Tier umherirrend, des nachts bei unverdächtigen Freunden Nahrung und Ruhe suchend. Eines Tages kam er hungrig und müde auf unsere Missionsstation. Er erzählte sein Geschick und erhielt eine Stärkung. Der Obere der Station nahm ihn zu sich aufs Zimmer, damit er sich ausruhen könne. Es dauerte nicht lange, da sah man schon den Vater wutschnaubend daherrennen, mit Lanze und Speer bewaffnet. Der Flüchtige hatte seinen Vater sofort erspäht, lief eiligst aus dem Zimmer des Obern ins Zimmer nebenan, in dem ein anderer Pater wohnte. Dieser nahm ihn auf, entschlossen, den Heiden entsprechend zu empfangen, wenn er es wagen sollte, gewaltsam einzudringen und dem Verfolgten etwas zu leide zu tun. Der Vater suchte den ganzen Hof ab. Er muß seinen Sohn gesehen haben, als dieser zur Missionsstation heranschlich, gedeckt zwischen Bäumen, Hütten und Gebäuden der Mission. Da der Mann den Gesuchten draußen nicht fand, kam er zum Wohnhaus der Missionare, zum ersten Zimmer, das der Obere bewohnte, und verlangte gebieterisch Einlaß. Der Pater ließ ihn ruhig sein Zimmer betreten und es durchsuchen. Der alte Schwarze hielt den Speer fest in der Hand, bereit, seinen Sohn zu durchbohren, gleichviel, ob dieser sich zur Wehr setzte oder nicht. Da er ihn nicht fand, ging er zur nächsten Tür, die in das Zimmer des Paters führte, in dem sich der Gesuchte versteckt hielt. Der Pater öffnete ihm und ließ ihn eintreten. Vorher aber hatte er dem Jungen gesagt, er solle sich hinter die Türe stellen, die nach innen aufging. Er solle unbesorgt sein und ihm das Weitere überlassen. Der Pater war entschlossen, den Alten, sobald er die Waffe erhöbe, mit einem raschen Griff kampfunfähig zu machen. Der Missionar stellte sich breit in der Türe auf und lud den angriffswüti-gen Neger mit unschuldiger Miene ein, nachzusehen, ob der Gesuchte im Zimmer sei oder nicht, überall fiel der Blick des Alten hin, nur nicht hinter die Türe. Dann ging er verärgert zur nächsten Türe. Keine Ecke, kein mögliches Versteck ließ er unbesehen und mit dem Speer unaufgestöbert. Man kann sich denken, wie Misisonar und Flüchtling erleichtert aufatmeten, als die nächste Gefahr vorüber war. Der Vater bog dann um die Ecke des Hauses in den Hof ein, erbost und grim- mig drohend: Du mußt hier irgendwo sein, Bürschchen, diesmal entkommst du mir nicht! Als der Pater den Verfolger dann auf der andern Seite des Hauses verschwinden sah, bedeutete er dem Jungen, er solle jetzt schnell in entgegengesetzter Richtung davonlaufen, gegen den Fluß, wo er im hohen Gras und Gebüsch genug Deckung fände. Das tat der Flüchtling. Unterdessen ging der Vater noch mehrmals suchend im Hof und Haus der Mission umher. Ihm schien es unmöglich, daß sein Sohn seinem scharfen Auge hätte entgehen können. Aber nach langem, vergeblichem Suchen verließ er die Mission und ging, überall umherspähend, seinem Dorfe zu. Monate waren vergangen, und man hatte seitdem nichts mehr von dem flüchtigen Jungen gesehen und gehört. Da tauchte er wieder einmal in der Gegend auf. Er mochte glauben, die Sache sei nach so langer Zeit im Sande verlaufen und der Zorn seines Vater verraucht. Aber eines Tages traf er draußen in der Steppe unerwartet mit seinem Vater zusammen. Jetzt ist's aus, dachte er und blieb stehen. An ein Entkommen war nicht mehr zu denken. Er erwartete mit Weltmission in der Tagespresse: Unruhen in Kerala Kerala ist derjenige Bundesstaat der Indischen Union, in dem am meisten Katholiken wohnen. Es liegt an der Südwestküste Indiens und hat 13 500000 Einwohner. Etwa acht Millionen sind Hindus, zwei Millionen Mohammedaner und der Rest verteilt sich auf die christlichen Bekenntnisse: zwei Millionen sind katholisch, 950 000 sind orthodox (Jakobiten) und 650000 Protestanten. Die Katholiken gehören drei verschiedenen Riten an: 730 000 dem lateinischen Ritus, 1240 000 dem syro-malabarischen Ritus und 93 000 dem syro-malankarischen Ritus. Die beiden letzteren Riten haben als Kirchensprache das Altsyrische, welches sehr verwandt ist mit dem Aramäischen, das der Heiland und die Apostel als Muttersprache gesprochen haben. Die Christen- Ergebung einen Zornesausbruch seines Vaters und eine Lanze in seinem Leib. Aber da geschah etwas Unerwartetes: Der Vater kam freundlich auf ihn zu, legte Lanze und Speer auf den Boden zum Zeichen, daß er sich nicht verstelle, grüßte seinen Sohn herzlich und sagte: „Bub, hab keine Angst, ich tu dir nichts. Jetzt habe ich gesehen, daß du tapfer bist und ein ,Mann‘, ein guter Vertreter unseres Stammes. Ich bin stolz, einen solchen Sohn zu haben. Du magst ruhig deiner Religion folgen, denn ich habe gesehen, daß dein Gott die Menschen gut und tapfer macht. Aber jetzt komm heim zu mir, bleib bei mir und deinen Stammesgenossen. Und wenn alle werden wie du, dann können wir gut Zusammenleben." Die beiden gingen stolz nebeneinander her, dem heimatlichen Dorfe zu, der Vater Lanze und Speer stramm erhoben, der Sohn mit Dank gegen Gott im Herzen. Der tapfere junge Mann blieb ein treuer Christ und trug durch sein Beispiel viel dazu bei, daß noch weitere Kameraden und Stammesgenossen, die früher weniger tapfer waren, den katholischen Glauben annahmen. heit in Kerala ist schon uralt; das beweist ja vor allem die Tatsache, daß sie eine so alte und seltene Kirchensprache haben. Nach alter Überlieferung soll dort der hl. Apostel Thomas zuerst das Evangelium gepredigt haben. Leider ist Kerala der einzige indische Bundesstaat, der gegenwärtig eine kommunistische Mehrheit im Landtag und daher eine kommunistische Regierung hat, obwohl in Kerala fast die Hälfte aller indischen Christen wohnen! über 90 Prozent aller Schulen gehören der katholischen Kirche, obwohl nur 15 Prozent der Einwohner katholisch sind. Die kommunistische Regierung versucht nun nach und nach, alle Freiheiten zu unterdrücken, das gesamte Schulwesen an sich zu reißen und jede Opposition auszu- schalten. Viele Tausende sind schon eingekerkert worden, zahlreiche Menschen verloren bei den Zusammenstößen mit den Kommunisten ihr Leben. — Der Ministerpräsident der Zentralregierung, Nehru, hat zwar einen Besuch in Kerala gemacht, jedoch nichts unternommen, um die Freiheit im Lande wiederherzustellen. Die Katholiken stehen in ihrem Kampf um die Freiheit nicht allein, sondern finden kräftige Unterstützung auch von seiten aller anderen Bekenntnisse. Da die indische Zentralregierung vorerst nichts zu unternehmen gedenkt, werden die blutigen Unruhen wohl noch eine Zeitlang andauern und sich vielleicht auch noch erheblich verschärfen, da keine der streitenden Parteien nachzugeben bereit ist. P. Adalbert Mohn Sankt Kilian - Apostel der Franken Zum Titelbild „Wir rufen an den teu’ren Mann, Sankt Kilian...“, so schallt es jedes Jahr im Monat Juli am Grabe der großen Frankenapostel, und Männer, Frauen und Kinder aus den Diözesen Würzburg, Bamberg, Freiburg, Paderborn, Mainz, Eichstätt, Speyer, Fulda und Rottenburg kommen voll Dankbarkeit nach Würzburg zu den Männern, die einst in ihrem Lande den Samen des Gotteswortes ausgesät und mit ihrem Blute getränkt haben. Irische Mönche verließen ihre Heimat, ihre Eltern, Geschwister, ihr Hab und Gut und sind dem Rufe des Herrn gefolgt, den Franken das Evangelium zu verkünden. An ihrer Spitze stand Kilian, der Wanderbischof. Freundlich wurden sie von Gozbert, dem Herzog der Franken, willkommen geheißen und in ihrer Tätigkeit in keiner Weise eingeengt. Man wies ihnen sogar eine Wohnung am Fuße der Wirceburg an. Nun hätten sie eigentlich mit der Missionsarbeit beginnen können. Kilian aber wollte für sein Werk zuerst die Sendung und den Segen des Vaters der Christenheit. So pilgerte er mit seinen Gefährten nach Rom. Heimgekehrt ging er mit ihnen, dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan, ans Werk. Viele ließen sich taufen, unter ihnen der Herzog selbst. Treu dienten sie dem Herrn. Eines Tages aber kam es Kilian zu Ohren, daß der Herzog ja mit der Frau seines verstorbenen Bruders verheiratet sei. Kilian stellte ihn zur Rede und verlangte von ihm, wie einst Johannes der Täufer, daß e diese Ehe, die nach römischem und christlichem Recht damals nicht erlaubt war, auflöse. Gozbert versprach ihm, dies zu tun, sobald er von seinem Feldzug gegen Friesland zurückkehre. Gailana, die Gemahlin Herzog Gozberts, wußte diese Zeit zu nutzen. Sie dingte Männer, die die Mönche ermorden sollten. In der Nacht, als Kilian mit seinen Gefährten am 8. Juli 689 beim Gebete weilte, wurden sie überfallen und meuchlings ermordet. Wo sie gestorben waren, wurden sie in einem Pferdestall eingescharrt. Sankt Burkard ließ ihre Gebeine im Jahre 752 feierlich erheben und über ihrem Grabe eine Kirche bauen. Das Wort, das Kardinal Julius Döpfner im Jahre 1952 als Bischof von Würzburg seinen damaligen Diözesanen zurief, dürfte wohl uns alle an Sankt Kilian und seine Gefährten erinnern und uns Ansporn zu neuer Missionsarbeit sein: „Wehe jener Diözese, wehe jenem Land, das an sich selbst genug hat und nicht mehr an die Ausbreitung des Gottesrei-dies auf Erden denkt! Hätten wir das große Glück erhalten, Jesus Christus, unser Eigen zu nennen, wenn nicht unsere Frankenapostel ihre Heimat verlassen hätten und zu uns gekommen wären? Wir wären daher schlechte Söhne und Töchter unserer Heiligen, wenn nicht unsere ganzen Sorgen den vordersten Reihen des Gottesreiches gelten würden, wo mutige Apostel den Auftrag Jesu Christi erfüllen." Oskar Hofmann MFSC dec ‘zubcocUttoZ Dolch Von Erwin Ulrich M o z e r Das albanische Volk, das einst unter türkischer Herrschaft lebte, jetzt zum Bereich des Sowjetsterns gehört, setzt sich der Religion nach zu zwei Dritteln aus sunnitischen Mohammedanern und zu einem Drittel aus Christen griechisch-und römisch-katholischen Bekenntnisses zusammen. Von alters her galt in Shqi-puia (Skipetarenland), wie Albanien in der Landessprache heißt, das Gesetz der Blutrache; sie ist praktisch eine endlose Kette von Mord und Totschlag. Ich war unterwegs von Gjinokastra hinüber nach Janina und wollte im albanischen Südzipfel von zwei mir liebgewordenen Menschen Abschied fürs Leben nehmen, von Mutter Athina und ihrem Sohn Nikolas. Sie hausten in einem einsamen Weiler, und ihr Häuschen war dessen Einkehrstätte. Der verstorbene Ehemann und Vater war Waffenschmied gewesen und kurz vor seinem Ableben mit einem Moslem namens Mehmet Shimir in Blutrache geraten, wobei dieser getötet wurde. Da somit beide Väter tot waren, ging die Blutsfeindschaft automatisch auf Shimirs Sohn, den in der entfernten Stadt Berat tätigen Achmed, gegen Mutter Athinas Sohn Nikolas über. Nach meinem Eintreffen am Abend schloß Nikolas den Gastraum, und wir setzten uns in der danebenliegenden Kammer ans Bett der schlaflosen Mutter, die an bösen Herzanfällen litt, ihrem Ende zuging und das auch wußte. Als tieffromme griechisch-katholische Christin trug, sie ihr Leiden aber ohne Murren und gottergeben. Jetzt erfuhr ich, daß jener Achmed unerwartet in sein Vaterhaus in der nahen Ortschaft Libo-hova zurückgekehrt war. „Nun wird der Rächer kommen wie ein Dieb in der Nacht", meinte die Kranke sorgenvoll. Und er kam! Er kam in dieser Nacht, meiner letzten auf albanischem Boden. Die Fügung Gottes ließ mich Zeuge eines für unsere Begriffe seltsamen, aber seelisch ungemein packenden Geschehnisses werden. Plötzlich zersplitterte das Gaststubenfenster, Schritte näherten sich, die angelehnte Kammertür wurde aufgerissen, und in ihrem Rahmen stand ein hochgewachsener Mann mit einer Büchse über der Schulter und einem Dolch in der Rechten. Nikolas sprang empor, die Mutter erhob sich mühsam und keuchend. Sofort war ich entschlossen, eine Bluttat an Nikolas mit allen Mitteln zu verhüten, und schon lag die Pistole entsichert in meiner Hand. Aber es sollte anders kommen, ganz anders! Unter minutenlangem, in der explosiven Atmosphäre geradezu zermürbend wirkendem Schweigen bohrten sich die Augen der schwachen, wehrlosen Frau in die des starken, bewaffneten Mannes. Mit einem-mal schrie sie: „Stas, stas — halt, halt, Ahmed Shimir, weich zurück, du sollst der Mutter den Sohn nicht töten! Ich werde zu Gott gehen, den du Allah nennst, und ihm sagen, daß du die Rache begraben hast!" Erneutes minutenlanges Schweigen. Ich sah, wie es in Brust und Miene des Moslems kochte. Dann, ganz impulsiv, verneigte sich der Mann vor der Frau und sagte ein einziges Wort: „Armem — eine Mutter!" Er warf den Dolch zu Boden, zerschlug ihn mit dem harten Büchsenschaft in zwei Stücke, behielt das eine und reichte das andere Nikolas. Zusammen schritten beide durch den Gastraum, hinaus in die Nacht. Völlig erschöpft und in Schweiß gebadet sank die Kranke auf ihr Lager zurück, ergriff aber noch meine Hände und keuchte mir stoßweiße zu: „Herr, sie graben die Dolchstücke draußen in die Erde zum Zeichen, daß kein Blut zwischen ihnen fließen wird. Achmed wird einen Blutpreis fordern und ihn morgen wieder schenken, denn er ist reich. Nicht ich habe zu dem Mann gesprochen, das unendlich gütige, helfende Herz des Pantokrators (d. h. des Weltenherrschers Jesus Christus) hat mir die Worte in den Mund gegeben. Ihm sei Preis und Dank!“ Am frühen Morgen fanden wir Mutter Athina entseelt auf ihrem Lager, ihr entkräftetes Herz hatte die unbeschreibliche Erregung nicht mehr ertragen. Sie muß ganz still ins Jenseits hinübergegangen sein, denn wir hatten auch nicht einen Laut gehört. Die gläubige Mutter im Winkel des Skipetarenlandes hatte ihr letztes Opfer gebracht,' sie hatte sich selbst geopfert, um ihrem Kind den Frieden zu geben. KURZ BERICHTET Neupriester Am 29. Juni erhielten im Dom zu Brixen durch Bischof Gargitter vier Diakone die Priesterweihe: P. Konrad L i p p aus Stillau, Pfarrei Tannhausen bei Ellwangen (Gymnasium in Ellwangen, Noviziat in Bamberg, Theologie in Brixen); P. Albert Pfänner aus Scheffau, Kreis Lindau (Spätberufenen-seminar und Noviziat in Bamberg, Theologie in Brixen); P. Jakob Wellenzohn aus Kortsch bei Schlanders, Südtirol (Gymnasium in Dorf Tirol, Noviziat in Bamberg, Theologie in Brixen); P. Franz W i e s e r aus Prad im Vintschgau, Südtirol (Gymnasium in Brixen, Noviziat in Bamberg, Theologie in Brixen). Das Silberne Priesterjubiläum konnten begehen: P. Stephan Linter-mann in Josefstal; P. Alois Rädlinger in Neumarkt; P. Anton Ru pp und P. Alois S c h a d t in Bamberg. Besuch eines Negerpriesters Mit dem Primizianten P. Konrad L i p p traf in Ellwangen auch der Negerpriester George William Kiyingi aus Uganda ein und besuchte uns im Missionsseminar St. Josef und in Josefstal. Die beiden hatten bei der Missionsausstellung in Bozen mitgewirkt und dort Freundschaft geschlossen. Durch seine edle Art und feine Bildung gewann Father Kiyingi schnell die Herzen unserer Missionsschüler. Der jetzt 27 Jahre alte Negerpriester, der gegenwärtig in Rom studiert, stammt aus Kampala, der Hauptstadt von Uganda nördlich des Viktoriasees, das Sitz eines katholischen Bischofs ist. Uganda zählt 5,5 Millionen Einwohner; davon ist ein Drittel katholisch. Father George ist das älteste von zehn Kindern, die alle studieren. Seine Großeltern waren noch Heiden, sein Vater, der Arzt ist, wurde mit 15 Jahren getauft. Er selbst kam mit 12 Jahren in das Kleine Seminar in Kampala; nach Abschluß der Gymnasialstudien und der Philosophie schickte ihn sein Bischof als ersten Eingeborenen seiner Diözese nach Rom ans Propagandakolleg, wo Father George vor drei Jahren die Priesterweihe empfing. Im Herbst wird er in Rom den Doktor der Theologie machen und dann in seine Heimat zurückkehren. Neben seiner Muttersprache spricht er Englisch, Italienisch, Deutsch und Französisch. Beim Primizamt von P. Konrad Lipp assistierte er als Subdiakon. Anschließend fuhr er nach Essen, um dort für drei Monate eine Kaplaneistelle zu versehen. Auf großer Fahrt Für die 64 Schüler von Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz, die täglich mit dem Omnibus „Pro Juventute" ans Akademische Gymnasium nach Graz fahren, ging am 11. Juli das alte Schuljahr zu Ende. Sie machten sich alsbald auf große Fahrt nach Süddeutschland, wo Jugendkapelle und Jugendchor am 14. Juli in Ellwangen im Rahmen der dortigen Heimattage ein Gastkonzert gaben. Father Kiyingi mit Schülern unseres Missionsseminars in Ellwangen Richtfest in Huänuco Jeder erste Samstag des Monats hat in Huänuco einen besonderen Klang, seit P. Anton Kühner, der einstige Pfarrer von Cristo Rey und heutige Prälat von Tarma, den „Kreuzzug der Jungfrau von Fatima" eingeführt hat. Um 5.30 Uhr zieht die Statue der Virgen de Fatima von St. Peter aus nach Cristo Rey. Dort ist dann Prozession mit Fatima-Rosenkranz, anschließend Betsingmesse mit Gemeinschaftskommunion. Der erste Samstag im April sah als besonderes Ereignis das Richtfest der neuen Kirche St. Peter, deren Rohbau nach vierjähriger Bauzeit nun abgeschlossen ist. Der Bischof weihte am Nachmittag das 2,30 Meter hohe eiserne Turmkreuz, der Bürgermeister der Stadt stand Pate. Das Kreuz wurde hochgezogen und einbetoniert, geschmückt und elektrisch beleuchtet. Bischofswechsel Exzellenz Arce Masias, der bisherige Bischof von Huänuco, hat nach zweijähriger Wirksamkeit Huänuco wieder verlassen und das Bistum Piura an der Nordküste Perus erhalten, und der dortige bisherige Apostolische Administrator, Exzellenz Ignatius Arbulu Pineda, kam als Bischof nach Huänuco. Bischof Masias hat seine Diözese so bald wieder verlassen, weil seine Gesundheit die Höhenlage und das Klima der Sierra nicht verträgt. In den zwei Jahren konnte er keine einzige Firmungs- und Visitationsreise unternehmen, Hundertjahrfeier Am 26. Juli feiern die Bewohner von Po-zuzo das hundertjährige Bestehen ihrer Kolonie. Vor hundert Jahren gelangten ihre Vorfahren aus Tirol und dem Rheinland nach unsäglichen Strapazen und vielen Enttäuschungen in ein von der Welt abgeschnittenes Urwaldtal im Osten Perus und gründeten die ausgedehnte Siedlung Po-zuzo. Bis heute haben sie ihr Volkstum bewahrt und alle verstehen noch die deutsche Sprache. Bewahrt haben sie auch ihre tiefe Gläubigkeit. Täglich wird in den Familien der Rosenkranz gebetet. Die neue Kirche, die nun im Rohbau fertig ist, wird dem heiligsten Herzen Jesu geweiht werden. In ihren Mauern werden in zwei Jahren zwei Primizen gefeiert werden. Die beiden Pozuziner studieren gegenwärtig in Verona bei den Kamillianern. Seelsorger der Gemeinde ist P. Johann P e z z e i. Unsere Bilder: K. Fischer 1, E. Huber 1, A. Kühner 5, W. Kühner 2, G. Oberstaller 2, P. Schmid 9, Foto Zirllk 1, Fides 3. Die Missionsaufgabe der Kirche ist groß, die Zeit drängt, die Missions-Felder sind reif zur Ernte. Kein Missionsberuf, den Gott in ein junges Herz gesenkt hat, darf verloren gehen. Auch unsere Kongregation beteiligt sich am Werk der Heidenbekehrung und bildet Missionare aus. Wer in unserer Kongregation Missionspriester werden möchte, findet Aufnahme in einem unserer fünf Missionsseminare: Missionsseminar St. Josef, Ellwangen (Jagst), Württemberg Missionsseminar Ritterhaus, Bad Mergentheim, Württemberg Missionsseminar St. Paulus, Neumarkt (Oberpfalz) Missionshaus Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz Herz-Jesu-Missionshaus Milland bei Brixen, Provinz Bozen. Schüler mit Reifeprüfung wenden sich an den P. Novizenmeister im Missionshaus Mellatz, P. Opfenbach über Lindau i. B. Missionsbrüder werden ausgebildet im Missionshaus Josefstal, Ellwangen (Jagst), Württemberg, im Missionshaus Maria Fatima und im Missionshaus Milland. Eintritt in der Zeit von der Schulentlassung bis zum 30. Lebensjahr, in besonderen Fällen auch noch später. Mädchen, die einmal in unseren Überseegebieten als Missionsschwestern wirken möchten, wenden sich in Deutschland und Südtirol unter Bezugnahme auf diese Zeilen an das Mutterhaus der Franziskanerinnen in Dillingen/Donau. Sie werden nach der Profeß in unseren Seelsorgsgebieten in Peru verwendet; in Österreich an die Mutter Provinzialoberin der Schulschwestern, Graz, Franz-Josef-Kai 16. Die Grazer Schulschwestern arbeiten seit 1939 in unserer Diözese Lydenburg in Südafrika. Gebe Gott, daß eine immer größere Legion von Jungen und Mädchen den Ruf der Mission hört. Pius XII.