In dieser Nummer: Prälatur Tarma Aus Memphis Apartheid Neue Missionsstation Noch ist es Zeit September/Oktober 1958 51. Jahrgang - Heft 5 Zeitschrift der Missionare Söhne des Hist. Herzens Jesu Zum Weltmissionssonntag Liebe Missionsfreunde! Wer weiß, wie lange Euere Familie schon mit der Missionsgenossenschaft verbunden ist, die Euch diese Zeitschrift ins Haus schickt! Ihr habt Eueren Anteil an allem Segen, der durch diese Missionare in die Welt getragen wird. Gott nimmt für die Ausbreitung des Reiches seines Sohnes keine Gabe, ohne hundertfältig wiederzugeben. Bis vor wenigen Jahren kamen die Missionare, denen Ihr Euere Liebe zugewandt habt, aus der altchristlichen Kirche der westlichen Welt. Jetzt drängen immer stärker die farbigen Völker und mit ihnen ihre einheimischen Priester auf Selbständigkeit in der Führung ihrer Landsleute. Wir würden das in ihrer Lage auch tun. So füllen sich besonders in Afrika, Südindien und Japan die Priesterseminare mit jungen Männern, die Gott berufen hat, in der Zukunft die Kirche ihres Landes zu tragen. Diese Jungpriester und ein großer Teil der farbigen Bischöfe sind bei aller Hingabe an ihre große Aufgabe in einer viel schwierigeren Lage als die Missionspriester und Missionsbischöfe, die einen starken Rückhalt an ihrer Ordensfamilie in Europa oder Amerika haben. Sie können sich nicht über den Orden an den Kreis von Wohltätern wenden, zu dem auch Ihr gehört. Aber auch sie müssen Bistümer verwalten, Gemeinden gründen, Priesterseminare bauen, Theologen ausbilden und ernähren. Oder sollen sie aus Mangel an Mitteln einen Teil der Berufe zurückweisen? Wegen der Fülle der Priesterberufe in den Missionsländern und der Unzulänglichkeit der Hilfe, die der Hl. Vater ihnen geben kann, bittet er uns in diesem Jahr, besonders zum Weltmissionssonntag, in diesem Anliegen täglich zu beten und es mit unseren Opfern großmütig zu unterstützen. Die Päpstlichen Missionswerke in den christlichen Nationen haben immer den Grundstock der Hilfe für alle Missionsbistümer gesammelt. Gehört auch Ihr zu denen, die gern und regelmäßig als Mitglieder des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung dazu beitragen? Bedenkt, daß von Euerer Freigebigkeit die weitere Ausbreitung des Glaubens abhängt, und daß sich das Antlitz der Erde erneuern wird, wenn die Liebe siegt! Prälat Dr. Klaus Mund, Aachen, Präsident des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung STERN DER NEGER Zweimonatsschrift September/Oktober 1958 INHALT P. Roland Stengel: Freie Prälatur Tarma ............. 97 Br. Kuno Stößer: Marienverehrung in Peru ......... 101 P. Gebhard Schmid: Brief aus Memphis ................ 103 Rassentrennung — ja oder nein? ----- 105 Br. August Cagol: Neue Missionsstation Probeeren ... 107 Ein reicher Strom .................. 108 Joseph Peters: Noch ist es Zeit ................. 110 Klemens Tilmann: Wie beginnt der Missionar? ....... 114 J. A. Otto: Missionskirche muß bodenständig werden ........................... 117 Unsere Neupriester ................. 120 Titelbild Ein Missionsbischof in Indien erteilt das Sakrament der Firmung. Die Gabe der Stärke tut den Missionschristen noch mehr not als uns, besonders dann, wenn der Backenstreich des Bischofs zur körperlichen und seelischen Folter um des Glaubens willen und das Chrisamkreuz zum Kreuz des Martyriums werden sollte. Bestellung Deutschland: Missionshaus Josefstal (14a) Ellwangen/Jagst (Württemberg) Österreich: Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz Italien : Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen Jährlicher Bezugspreis DM 3.---S. 15 — Lire 400 Einzahlung Deutschland: Missionshaus Josefstal Postscheckkonto Stuttgart 540 66 Österreich: Scheckkonto 86211 „Stern der Neger“ Italien : Herz-Ješu-Missionshaus in Milland Bressanone/Brixen C.C.P. 14 / 7392 Trento Herausgeber und Verleger Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu Josefstal bei Ellwangen/Jagst Schriftleitung P. Edmund Schümm, Josefstal Druck Schwabenverlag AG Zweigniederlassung Ellwangen/Jagst Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobem V Postverlagsort : Ellwangen (Jagst) J Am 25. Juli hielt Prälat Anton Kühner, begleitet von Bischof Arce Masias von Huanuco, seinen Einzug in Tarma. Ganz links im Bild P. Roland Stengel, Sekretär des Prälaten. Neues Arbeitsgebiet unserer Kongregation: Freie Prälatur Tarma Von P. Roland Stengel, Tarma Der 25. Juli dieses Jahres wird als denkwürdiger Tag in die Geschichte der Kongregation der „Missionare Söhne des Hist. Herzens Jesu" und ebenso der peruanischen Stadt Tarma eingehen. An diesem Tag übernahm unser bisheriger Superior in Peru, P. Anton Kühner MFSC, als erster Prälat die neuerrichtete Prälatur Tarma. Vorgeschichte Daß die Kirche Perus in kleinere Diözesen aufgeteilt wird, entspricht ganz den Anforderungen der Zeit. Priestermangel ist das Hauptproblem Lateinamerikas. Die Folge davon ist ein rasches überhandnehmen protestantischer Sekten, die ganz Südamerika zu ihrem Missionsgebiet erklärt haben, sowie das ständige Anwachsen des kommunistischen Einflusses in Südamerika. Um diesen Gefahren entgegenzutreten, ließ der Hl. Vater neue kirchliche Sprengel errichten, indem er von den bestehenden Diözesen mit allzu großer Ausdehnung Gebiete abtrennte und verschiedenen Missionsorden und -kongregationen übertrug. Nur so ist es möglich, mehr ausländische Priester ins Land zu bekommen, um die Lücken im einheimischen Klerus allmählich zu schließen. Im März des letzten Jahres wurde in Argentinien mit der Errichtung von 13 neuen Diözesen der Anfang gemacht. Die gleiche Aufteilung in neue Diözesen war dieses Jahr für Peru vorgesehen. Da aber bis jetzt nach peruanischem Recht kein Ausländer Diözesanbischof werden kann, wählte der Hl. Stuhl einen Ausweg, indem er die neuen Gebiete zu Freien Prälaturen erhob. Die Freien Prälaten haben in ihrem Gebiet die gleiche Regierungsgewalt wie ein Diözesanbischof. Prälat Anton Kühner (links) zeigt in seinem Wappen (rechts) das Kreuz der Deutschordensritter, die einst in seiner Heimat wirkten; in den vier Feldern; das Herz Jesu, da er einer Herz-Jesu-Genossenschaft angehört, das durchbohrte Herz Mariä (Prälat Kühner ist ein großer Verehrer der Muttergottes von Fatima), das Abzeichen der Bergknappen von Cerro de Paseo und die Kathedrale von Tarma. Die lateinische Umschrift lautet verdeutscht: „Anton Kühner, durch Gottes und des Heiligen Stuhles Gnade Prälat von Tarma — Im Namen des Herrn.“ So kamen zu den schon bestehenden 23 Diözesen bzw. Apostolischen Vikariaten und Präfekturen zwei neue Diözesen und sieben Freie Prälaturen hinzu, die alle ausländischen Missionsgesellschaften übertragen wurden. Daß unserer Kongregation gerade die Freie Prälatur Tarma anvertraut wurde, die wegen der zentralen Lage und der guten Verkehrsverhältnisse vielleicht als die beste der neuen Prälaturen bezeichnet werden kann, verdanken wir sicher auch der Tatsache, daß wir bisher viel in der Sierra, im Hochgebirge, gearbeitet haben. Die neue Prälatur liegt nämlich ebenfalls auf einer Hochebene. Die Residenzstadt Tarma weist dabei mit 3000 Metern noch die geringste Höhe auf; Cerro de Paseo liegt 4400, Junin 4200 Meter hoch. Einsetzung des neuen Oberhirten Um die Übernahme der Prälatur mit dem Fest der hl. Anna, der Patronin von Tarma, zusammenfallen zu lassen, wählte der H. H. Prälat den 25. Juli, Fest des hl. Jakobus d. Ä., zum Tag seines Einzuges, um am folgenden Tag sein erstes Pontifikalamt zu halten. Dies ist zugleich der Jahrestag der Gründung der Stadt durch die Spanier im Jahre 1538 (schon zwei Jahre nach Gründung Limas durch Pizarro). Alle, die diese Tage miterleben durften, freuten sich über den überaus herzlichen Empfang, den die Bevölkerung ihrem neuen Prälaten bereitete. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Als wir einige Kilometer vor der Stadt ankamen, stand eine Kolonne von zehn Autos bereit, um die hohen Gäste abzuholen und bis zum Eingang der Stadt zu begleiten. Dort hatten sich die Musikkapellen und eine große Menschenmenge aufgestellt, an ihrer Spitze die Behörden der Stadt sowie die kirchlichen Vereine und Bruderschaften mit ihren Fahnen. Nach der Begrüßung zogen alle in freudiger Stimmung zur Kathedrale, die für diese Tage Festschmuck angelegt hatte. Die Straßen waren reich beflaggt und boten ein buntes Bild. Schulkinder mit Blick auf die in einen Talkessel eingebettete Stadt Tarma Kathedrale von Tarma. Davor der „Platz der Armee“. Krankenhaus in Tarma. Es wurde von Präsident Odria erbaut und ist auf das modernste eingerichtet. Fähnchen in den Händen säumten beiderseits den Weg der Prozession und hielten die Straßenmitte von der drängenden Menge frei. Voran schritten die Vereine, dann folgten die Geistlichen, in ihrer Mitte unter einem Baldachin Prälat Anton Kühner und Bischof Arce Masias von Huanuco, beide im Rauchmantel und mit Stab und Mitra. Es folgten die Musikkapellen, die ununterbrochen spielten und immer mehr Leute anzogen, die den Feierlichkeiten in der Kathedrale beiwohnen wollten. Hier stimmte der Bischof von Huanuco das Veni Creator an. Dann verlas der Stadtpfarrer von Tarma die von der Konsistorialkongregation ausgestellte päpstliche Bulle über die Errichtung der Prälatur Tarma. Diese Bulle ist von allen verlesenen Dokumenten das wichtigste. Anschließend verlas der Stadtpfarrer das Schreiben der Apostolischen Nuntiatur in Lima, in dem Bischof Arce Masias von Huanuco zur Übergabe der Prälatur an Monsignore Anton Kühner delegiert wurde. Nun hielt Bischof Arce Masias eine Ansprache an das Volk, worin er die Bedeutung des Tages unterstrich. Es folgte die Verlesung einer zweiten päpstlichen Bulle, durch die Monsignore Anton Kühner zum ersten Prälaten von Tarma ernannt wurde; zuletzt kam noch ein drittes päpstliches Schreiben zur Verlesung, das an Klerus und Volk der neuen Prälatur gerichtet war. Alle diese päpstlichen Schreiben waren von Hand, in Kunstschrift, geschrieben und gesiegelt. Sie wurden dem Volk in spanischer Übersetzung vorgelesen. Nun ergriff Prälat Anton Kühner nach einem eigenen Zeremoniell Besitz von seiner Prälatur. Der Bischof von Huanuco verließ den bischöflichen Thron der Kathedrale zum Zeichen, daß er hier keine Regierungsgewalt habe, geleitete Prälat Kühner mit Mitra und Stab zum Thron seiner Kathedrale und umarmte ihn nach Landessitte. Inzwischen stellten sich die Geistlichen ihrem Range nach vor dem Thron auf und küßten dann ihrem neuen Ordinarius den Ring. Zum Schluß wandte sich Prälat Kühner an das Volk, dankte allen mit warmen Worten für den herzlichen Empfang, den man ihm bereitet hatte, und deutete in groben Umrissen die Aufgaben an, die nun in Tarma zu bewältigen seien. Mit einem mächtigen Te Deum schloß die Feier. Seelsorgliche Verhältnisse Die Prälatur Tarma wurde aus Teilen der Diözese Huanuco im Norden und der Diözese Huancayo im Süden gebildet. Politisch gesehen liegt sie in den beiden Departementen Cerro de Paseo und Junin. Das Gebiet ist 23 000 Quadratkilometer groß und zählt etwa 240 000 Einwohner. Die größte und bedeutendste Stadt der Prälatur ist Cerro de Paseo mit etwa 40 000 Einwohnern; sie besitzt reiche Silberminen. Das Gebiet der Prälatur setzt sich aus den bisherigen drei Dekanaten Tarma, Cerro de Pasco und Junin zusammen. Von den insgesamt 16 Pfarreien ist bis jetzt nur die Hälfte mit Seelsorgern versehen. Die Zahl der in diesem Gebiet arbeitenden Priester beträgt 21, wovon 14 in der Seelsorge tätig sind. Im Dekanat Tarma mit drei Pfarreien sind es elf Priester, davon neun in Tarma selbst (ohne den Prälaten und seine Mitarbeiter), im Dekanat Junin mit ebenfalls drei Pfarreien ist nur ein Priester, im Dekanat Cerro de Paseo mit zehn Pfarreien sind es neun Priester, davon drei in der Stadt selbst. Aus der Tatsache, daß auf einen Seelsorgspriester etwa 15 000 Seelen kommen, kann man ermessen, welche Aufgaben Prälat Kühner und mit ihm unsere Kongregation in diesem Gebiet zu bewältigen hat. Herr, es ist grausam. Andere Kräfte als deine Gnade sind in der Welt am Werk. Du hast Widersacher. Man raubt dir die Völker, während unsere Klugheit das Kinn in die Hand stützt, bedächtig überlegt und berät. Herr, es ist Feuer im Haus! Es hat schon gezündet an allen Ecken und Enden. Erfülle mich mit heiliger Furcht vor drängenden Fristen und nahen Gefahren. (P. Charles de F.) Novizinnen der Schwestern vom Hl. Kreuz in Lima und Aspirantinnen. Die Novizin in der Mitte stammt aus der Pfarrei Mirones. Marien v oreh runi! in Peru Von Br. Kuno Stößer, Lima Der silberne Mond steht verblassend am Himmel, die Sterne verlöschen, leise rauscht das Meer. Eine weihevolle Stille liegt über den Häusern. Nur vereinzelt flammt ein Licht auf. Von Ferne hört man den schrillen Pfiff des Nachtwächters. Langsam geht der blauschwarze östliche Himmel in sanftes Gelb, Rosa und Rot über. Noch verdecken die Bergzinnen der Kordilleren das aufsteigende Tagesgestirn. Zarte Wolken formen sich zu seltsamen Gebilden. Da, plötzlich ein flammender, sich schnell verbreitender Strahlenkranz, und die ganze Pracht des Sonnenaufgangs entfaltet sich in unvergleichlicher Schönheit. Es ist 6.00 Uhr. Auf einem fernen Kirchturm läutet eine Glocke. Ihr weicher Ton wird vom Morgenwind an- und abschwellend zu mir hergetragen, und es ist, als vernähme ich im Glockenton eine mir bekannte Melodie: Nun schmücken wir den Maialtar mit Rosenzier und Lilien klar, und rings die Luft durchwürzen wir mit Weihrauchduft, Maria, dir. Zieht hier in Lima im Mai auch nicht der Frühling ein, so feiern wir diesen Monat doch als Marienmonat. In allen Kirchen und Kapellen finden feierliche Andachten statt. Auch in unserer Pfarrei „Pius X." wird dieser Monat festlich begangen. Eine Fatimastatue wird auf einer geschmückten „Anda" (Traggestell) befestigt und mit einem Lichterkranz umgeben. Abends um 8.00 Uhr versammelt sich die Pfarrgemeinde in der Kirche. Vier Männer nehmen die Anda auf ihre Schultern, und man merkt es ihnen an, daß sie mit Stolz ihre Amtes walten. Unter Marienlob geht es zur Kirche hinaus. Einige Draußenstehende schließen sich an, und so gelangt die Prozession zum ersten Häuserblock. Jeder Block hat drei Sektionen mit je acht Familien, die ihr Möglichstes getan haben, mit Blumen, bunten Tüchern und farbiger Beleuchtung die Muttergottes würdig zu empfangen. Oft konnte man lesen: „Willkommen, meine Mutter!" Die Lautsprecheranlage darf natürlich nicht fehlen. Um die Nachbarn auf den Besuch der Muttergottes aufmerksam zu machen, wird eine passende Schallplatte gespielt, was vor allem die Kinder herbeilockt. Die Statue wird auf dem Treppenbalkon aufgestellt, der Strahlenkranz mit dem Stromnetz verbunden. Nun betet man gemeinsam den Rosenkranz und singt einige Lieder dazwischen. Zum Schluß folgt eine kurze Lesung oder sonst ein erbauliches Wort. Die Statue Br. Kuno Stößer blickt seinem Mitbruder P. Lorenz Unfried über die Schulter. Dieser kam aus den Bergen herab hierher in die Hauptstadt Lima und macht sich nun fertig, um beim zuständigen Ministerium für die Restaurierung der Kirche von Llata einen staatlichen Zuschuß zu erwirken. Inzwischen wurden beide von Prälat Kühner in die neue Prälatur Tarma berufen: P. Unfried als Generalvikar nach Cerro de Paseo, Br. Stößer nach Tarma. Schüler aus Huanuco. Die Schüler Perus lieben die Uniformen. wird vom Balkon genommen und ins Haus getragen, wo sie bis zum nächsten Abend verbleibt. So wandert die Statue Abend für Abend weiter zur nächsten Sektion und so weiter bis zum Monatsende. Am letzten Tag des Monats wird die Statue unter großem Geleite zur Kirche zurückgetragen. Dort ist zum Abschluß des Monats feierlicher Segen mit dem Allerheiligsten; P. W e t z e 1, der Pfarrer von Mirones, dankt allen, die zum Gelingen des Marienmonates beigetragen haben, und schließt mit dem Wunsch, daß die Menschheit immer mehr durch Maria den Weg zu Jesus finden möge. Es ist auffallend, daß in Peru trotz des großen Priestermangels eine sehr leben- dige Marienverehrung blüht. Zeugnis davon geben schon die vielen Marien-lieder. Statt des Grußes „Gelobt sei Jesus Christus!" grüßt man sich mit „Sei gegrüßt, reinste Maria!" und antwortet mit „Du Heiligste, ohne Sünde empfangen!" Jede Muttergottesstatue hat ihren eigenen Namen. So sind viele nach berühmten Wallfahrtsorten benannt. Die peruanische Wehrmacht hat nur einen Generalfeldmarschall, und das ist, so komisch es klingen mag, Maria, La Vir-gen de la Merced. Sie trägt den Marschallstab und die höchsten Orden und Ehrenzeichen. Maria zu Ehren wird jedes Jahr eine neuntägige Andacht gehalten Man kann öfter sagen hören: „Soy muy devoto de la Virgen", Ich bin ein großer Verehrer der Jungfrau Maria. Die neueste katholische Kirche von Memphis, 1958 erbaut. Brief oris MtempUis, USA Von P. Gebhard Schmid Maiprozession Der Marienmonat Mai wurde hier nicht so feierlich begangen, wie wir das von der Heimat her gewohnt sind. Von den stimmungsvollen Maiandachten keine Spur, selbst die Natur half nicht, diesen schönsten Monat des Jahres zum Erlebnis werden zu lassen. Die wundervollen Frühlingstage, die blühenden Obstgärten und Wiesen mußten wir uns denken. Jedoch vergaßen wir die Muttergottes nicht ganz. Ihr zu Ehren wurde eine Maiprozession gehalten, die in der Krönung der Gottesmutter ihren Höhepunkt fand. Wir in St. Anthony hatten diese Feierstunde am Nachmittag des zweiten Maisonntags. Nur die Schulkinder, katholische und evangelische, waren aktive Teilnehmer. Die Prozession begann am Eingang der Kirche und führte dann sehr langsam durch die Gänge des Gotteshauses. Während der Prozession erklangen Marienlieder, die zum Teil aus dem Deutschen übernommen sind. Ein Mädchen der achten Klasse, das auf ganz demokratischem Wege die ehrenvolle Aufgabe erhielt, die Gottesmutter zu krönen, bildete den Schluß der Prozession. Der Höhepunkt der Feier war ge kommen, als das Mädchen der Statue dei Gottesmutter eine ' Blumenkrone aufs Haupt setzte. Dann hielt P. Lohr eine schwungvolle Marienpredigt und erteilte den sakramentalen Segen. An diesem Nachmittag kamen nicht nur unsere Katholiken, sondern auch viele Protestanten zur Kirche, denn sie wollten ihre Sprößlinge in der Prozes sion sehen. Für unsere Schwestern war das auch ein großer Tag, denn die Regie der ganzen Veranstaltung lag in ihren Händen, so daß uns beiden Patres wenig zu tun übrigblieb. Fest der Baumwolle Weltlicher Höhepunkt des Maimonats war hier in Memphis der sog. Cotton Carnival, der jedes Jahr stattfindet und eine Woche dauert. Zweck dieser Festlichkeit ist es nicht nur, den Leuten Geld aus der Tasche zu locken, sondern auch, die Baumwollindustrie zu fördern. Da Memphis Metropole eines großen Baum-wollgebietes ist, wurde diese Stadt für den Carnival gewählt. Zu den wichtigsten Vorbereitungen, die schon Monate zuvor beginnen, gehört die Wahl des Baumwollkönigs und der Baumwollköni-gin, die während der Festwoche das Szepter führen. Die Ankunft der königlichen Barke auf dem Missisippi am Abend vor Beginn der großen Woche eröffnet offiziell den Carnival. Feierlich übergibt der Bürgermeister den Königlichen Hoheiten den Schlüssel. Die Entlaßschüler nach der kirchlichen Feier sog. Schönheitsköniginnen, sondern sie muß Köpfchen und Bildung haben, wenn sie ihre Rolle erfolgreich spielen soll. Während der Festwoche findet täglich ein Umzug statt; der am Abend des letzten Tages ist der glanzvollste. Neben vielen geschmückten Festwagen nehmen 40 Musikkapellen teil. Sdmlentlaßieier Ein besonders erfreuliches Ereignis für unsere Pfarrei St. Anthony war der Abschluß des Schuljahres unserer Pfarr-schule. Die Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse fühlten sich wie Könige. Bei der kirchlichen Abschlußfeier marschierten sie mit Caps und Gowns zum Altar, um das Abschlußzeugnis in Empfang zu nehmen. Sie sahen aus, als hätten sie eben den Doktorhut erworben. Es gab auch verschiedene Preise, so für „Bester Durchschnitt im allgemeinen", „Bester Durchschnitt in Religion", „Vollkommene Aufmerksamkeit"; letzteres gibt auch dem Dümmsten die Chance, einen Preis zu bekommen. Wir sahen unsere Achtkläßler ungern scheiden, denn sie waren schulisch und charakterlich wirklich auf der Höhe. Diese Feststellung schließt natürlich einige Blindgänger nicht aus. Mit dem Abschluß des Schuljahres kehrte wohltuende Ruhe ins Pfarrhaus ein, die bis Anfang September dauert. Eine wichtige Rolle spielt auch die Maid of Cotton. Doch beginnt ihre eigentliche Aufgabe nach der Festwoche. Sie bereist die Vereinigten Staaten und auch andere Länder, um für die Baumwolle Reklame zu machen. Begreiflicherweise kommt es bei der Wahl dieser Maid nicht so sehr auf irgendwelche äußere Schönheit an wie bei der Wahl anderer Die beiden Klassenbesten mit ihrem Religions-lehrer p. Gebhard Schmid Rassentrennung, ja oder nein? Wie allgemein bekannt sein dürfte, soll nach Ansicht der führenden Politiker in Südafrika das Zauberwort „Apartheid" (Absonderung) die schwierige Eingeborenenfrage lösen. In einem Schülerheim Transvaals, in dem weiße katholische Jungen, die die staatlichen Schulen besuchen, katholischen Religionsunterricht und katholische Erziehung bekommen, stellte der Leiter des Hauses vor kurzem das Thema zur schriftlichen Beantwortung: „Meine Ansicht zur Apartheid." Zuvor hatte er im Unterricht den Standpunkt der katholischen Bischöfe Südafrikas in dieser Frage dargelegt. 28 der älteren Schüler behandelten das gestellte Thema. Ihre Antworten, die wir nachstehend gekürzt wiedergeben, zeigen uns, daß trotz der klaren Sprache der Bischöfe nicht einmal unter den Katholiken Einigkeit herrscht in dieser lebenswichtigen Frage Südafrikas. Nur fünf der Schüler äußerten sich eindeutig gegen die Rassentrennung, acht sind dafür, 15 sind für eine teilweise Trennung. Gegen Rassentrennung l.Ich halte die Apartheid für die lächerlichste Sache, die je ausgedacht wurde. Der Bahnhof in Pretoria hat eine Eingangshalle, die kein Eingeborener betreten darf. Auf den Bahnsteigen der Züge aber treffen sich Weiße und Schwarze wieder. Die Leute wissen nicht, was sie wollen. Wenn eine weiße Frau in die Stadt geht und dort ihrer eingeborenen Hausangestellten begegnet, scheut sie sich, diese anzureden. Daheim aber, in ihrem Haushalt, spricht und arbeitet sie mit ihr. 2. Es scheint mir nicht recht zu sein, daß die Europäer auf die Eingeborenen wie Knechte herabsehen. Die Eingeborenen haben doch das gleiche Recht, in Südafrika zu sein wie die Weißen. 3. Apartheid ist nicht notwendig, denn die Weißen kamen nach den Schwarzen ins Land. Auch brauchen die Schwarzen Arbeit und Geld der Weißen, um leben zu können. Wenn wir ihnen keine verdienstbringende Arbeit geben, müssen. sie sich aufs Stehlen verlegen, und dann haben wir sie im Gefängnis zu unterhalten. Die Schwarzen sollten die gleichen Rechte haben wie die Weißen, sonst wird Rußland auf ihrer Seite sein, und sie werden uns im Kriegsfall überwältigen. 4. Apartheid ist eins der größten Übel in Südafrika. Es reizt Rußland, seine Nase in südafrikanische Angelegenheiten zu stecken. 5. Die Idee der Apartheid ist für mich als Christen vollkommen falsch, weil unser Herr und Heiland zu den Aposteln sagte, sie sollten zu allen Völkern gehen und sie lehren. Ich bin sicher, er meinte nicht nur die Europäer, sondern auch die Neger. Ein Eingeborener hat doch auch menschliches Fühlen und besitzt eine unsterbliche Seele. Warum sollte es ihm denn nicht erlaubt sein, ein Bürger des Landes zu sein, berechtigt, Grund und Boden -zu besitzen? Für teilweise Trennung l.Ich glaube, Apartheid ist nicht nötig, denn die Eingeborenen sind uns nützliche Mitarbeiter. Doch sollte es ihnen nicht erlaubt sein, unsere Schulen zu besuchen noch mit uns die gleichen Verkehrsmittel zu benutzen. Eingeborene und Europäer sollten nicht miteinander heiraten. 2. Apartheid sollte aufrecht erhalten bleiben, doch sollten die Eingeborenen die gleiche Erziehung wie wir erhalten. Sie sollten gut behandelt werden, denn Südafrika ist ihr Land. 3. Die Eingeborenen sollten etwas mehr Rechte bekommen, sie sollten aber noch für uns arbeiten. Auch sollten sie nicht so herumgeschoben (umgesiedelt) werden, wie es jetzt geschieht. 4. Wir brauchen die Eingeborenen, wir wünschen aber nicht, mit ihnen auf der gleichen Bank zu sitzen. 5. Die Eingeborenen sollten so bleiben, wie sie jetzt sind. Es gefällt mir aber nicht, daß sie wie Hunde behandelt werden. Sie haben das Recht, in diesem Lande zu leben, denn es ist ihr Land. 6. Südafrika ist das Land der Eingeborenen. Mit welchem Recht dürfen die Europäer sie umsiedeln? Die beste Lösung wäre es, den Eingeborenen einen Teil Südafrikas zu überlassen, den ein Europäer ohne Erlaubnis nicht betreten dürfte. 7. Es sollte keine Apartheid geben, weil wir die Eingeborenen zur Arbeit brauchen. Doch sollten sie eigene Schulen haben. 8. Warum die Eingeborenen von den Weißen absondern, nachdem sie so lange mit ihnen zusammengelebt haben? Wenn die Absonderung durchgeführt würde, würden weder die Eingeborenen noch die Weißen et- was dabei gewinnen. Es wäre wohl besser, die Sache zu lassen wie sie ist, und für das Geld, das man durch eine vollständige Absonderung vergeuden müßte, lieber Schulen und Wohnungen zu bauen. 9. Die Eingeborenen machen Fortschritte und fordern mehr Rechte, die wir ihnen früher oder später geben müssen. Die Zeit wird kommen, da sie sich von den Weißen nicht mehr beherrschen lassen wollen. Wenn sie weiterhin unterdrückt werden, werden sie für uns eine große Gefahr, wenn nämlich der Kommunismus in Südafrika zunimmt. Ich denke daher, man sollte den Eingeborenen mehr Rechte einräumen. 10. Jeder sollte die Apartheid vergessen und leben und leben lassen. Die Eingeborenen sollten eigene Schulen und Kirchen haben und für uns arbeiten. 11. Ich glaube, es sollte keine Apartheid geben, denn die Eingeborenen arbeiten für uns. Doch sollten die schwarzen Kinder eigene Schulen besuchen. 12. Wir sollten keine Apartheid haben, denn wir brauchen die Eingeborenen bei der Arbeit. Sie sollten aber in den Städten in Locations (Eingeborenenvierteln) wohnen und nicht mit den Weißen zusammen. 13. Die Apartheid sollte ein wenig abgeändert werden, doch nicht zu sehr. Vollständige Absonderung wäre nicht gut, denn ohne die Hilfe der Eingeborenen würden wir nicht weit kommen. Die Eingeborenen sollten jedoch nicht die gleichen Rechte haben wie wir; denn sie sind weit zahlreicher als wir und würden uns über den Kopf wachsen. 14. Ich halte dafür, daß die Eingeborenen in Südafrika nicht zu schlecht behandelt werden. Sie können aber nicht vergessen, daß sie in ihrem eigenen Lande von den Weißen beherrscht werden. Sie sollten gut behandelt werden, doch ohne vollständige Absonderung. 15. Die Eingeborenen sollten unter uns leben wie bisher, sollten aber nicht unsere Schulen besuchen noch andere Orte, wo die Europäer Zusammenkommen. Vollständige Trennung würde sich nicht bewähren, denn wir können die Mitarbeit der Schwarzen nicht entbehren. Für vollständige Trennung 1. Ich halte es für richtig, daß wir von den Eingeborenen getrennt seien, weil diese kaum etwas von Zivilisation wissen. 2. Apartheid ist die einzig richtige Lösung der südafrikanischen Eingeborenenfrage. Schwarze und Weiße sind vollständig zu trennen. Jeder der beiden Bevölkerungsteile soll seine eigene Lebensweise beibehalten. Diese kleinen Künstler ln einer Missionsschule Belgisch-Kongos stört ihre verschiedene Hautfarbe nicht im geringsten 3. Ich glaube, die Eingeborenen sollten von den Weißen ferngehalten und nur wenige sollten zur Arbeit bei uns zugelassen werden. Es soll aber auf ihr Seelenheil Bedacht genommen werden, denn sie haben wie wir eine unsterbliche Seele und sollen einmal in den Himmel kommen. 4. Die Apartheid sollte aufrecht erhalten bleiben. Die Eingeborenen sollten in eigenen Schulen durch eigene Lehrkräfte erzogen werden. Der Kommunismus setzt sich in unserem Lande mehr und mehr fest, und ständig eignen sich mehr Eingeborene kommunistische Ideen an, die bald die weiße Rasse überwältigen werden, sobald sie sich der russischen Hilfe sicher glauben. Den Eingeborenen sollte es nicht erlaubt sein, mit den Weißen familiär zu werden, weil sie dann denken, sie seien ihnen gleich und könnten die gleichen Rechte fordern. 5. Ich bin der Ansicht, daß Europäer und Nichteuropäer getrennt leben sollen, wie auch keine Eheschließungen zwischen beiden Rassen geduldet werden sollen. Die Schwarzen sollten ihre eigenen Schulen, Kirchen und Kinos haben. 6. Ich bin für Apartheid. Die Eingeborenen werden wohl schlecht behandelt und schlecht bezahlt. Wenn sie aber mit den Europäern auf gleiche Stufe gelangen, werden sie mit uns Heiraten eingehen. Was soll aber dann aus den Kindern werden? 7. Apartheid ist eine gute Sache. Wenn wir sie nicht hätten, wären wir hier in Südafrika unter einer Negerregierung, denn die Eingeborenen sind in der Mehrheit. Die Schwarzen wollen den Weißen gleichgestellt sein. Es ist nicht eine Frage der Hautfarbe, sondern die Eingeborenen sind Barbaren, die Weißen zivilisiert. 8. Ich denke, Apartheid sollte in allen Teilen des Landes durchgeführt sein. In der Schule wünschen wir nicht, neben einem Eingeborenen zu sitzen. Es wird am besten sein, man sieht eigene Wohngebiete für die Eingeborenen vor, wo sie ihre eigenen Schulen und Kirchen haben können. Diese kurzen Auszüge aus den Aufsätzen weißer katholischer Schüler zeigen, wie vielfältig die Ansichten über das Rassenproblem Südafrikas sind und welche Beweggründe die Stellungnahme bestimmen. Br. August C a g o 1 Neue Missionsstation Probeeren Von Br. August C a g o 1 Am 13. Mai dieses Jahres wurde ich von P. Günter B r o s i g nach Probeeren abgeholt. Probeeren ist eine neue Missionsstation, 29 Kilometer nördlich der Missionsstation Gien Cowie. Sie ist dem hl. Erzengel Michael geweiht. Seit fünf Jahren wurde hier von Gien Cowie aus eine Missionsschule unterhalten. Die Gebäude der neuen Station: Schule, Kapelle, Wohnhaus, Garage, hat Bruder Poznič aufgeführt. Am 15. Mai weihte Bischof Anton R e i t e r e r diese neue Station ein. Der Boden ist roter, eisenhaltiger Sand, die umliegenden Höhenzüge bestehen aus Granit. Das Klima ist warm, die Winter sind frostfrei. So können wilde Baumwolle, Baumeuphorbien, Aloe und Marulabäume gedeihen. Unser Antritt auf Probeeren fiel in eine unruhige Zeit: Die Bapedi befanden sich im Aufstand. Die Polizei von Nebo hatte mit einem starken Aufgebot vollauf zu tun, die Unruhen zu dämpfen. Es gab sieben Tote und 200 Verhaftungen. Die Polizei hätte wahrscheinlich noch mehr Leute eingesperrt, wenn sie ihrer habhaft geworden wäre, doch diese verstanden es, sich zwischen den fast unzugänglichen Granithügeln zu verstecken. Bei den Unruhen handelte es sich um einen jahrzehntelangen Streit um die Königswürde im Pedivolk, der den Stamm in zwei feindliche Lager spaltet. Die Regierung nahm ihren Schützling Sekukuni II. in Schutzhaft und brachte ihn nach Natal in Sicherheit. Wenige Tage nach unserer Ankunft kam auch der für hier bestimmte Katechist Jakob Mangena mit Frau und vier Kindern an. Die Familie war mir nicht unbekannt: Der Mann betrieb früher ein kleines Handelsgeschäft auf der Farm Klipsyfering in der Erzdiözese Pretoria, wo P. Richard H a b i c h e r seinerzeit in der Seelsorge aushalf. An vier Tagen der Woche fährt nun P. Brosig durch die Gegend und unterrichtet die weit zerstreut wohnenden Eingeborenen im Glauben. Ein reicher Strom helfender Liebe ergießt sich aus Herzen der Kirche über die Missio vnlkpr % Linke Seite: Ein indischer Theologiestudent teilt Bedürftige Speisen aus. Diese Schwestern aus Verona nehme sich in Belgiseh-Kongo der schwarze? Kinderwelt an und ersetzen oftmals fehlende oder ihrer Erziehungsaufgaue nicht gewachsene Mutter. Missionsärztliche Schwestern von Phiia I delphia nehmen sich in Südafrika 1 i besonders gefährdeten Arbeiter in deh Bergwerken an. Hier wird ein durS Unfall Gelähmter ins sogenannte „SchrrW terlingsbad“ gebracht. Kamerun: Eine vom Aussatz befalle^ Frau erhält eine Einspritzung. Die japanische Schwester Klara, Ärztin arbeitet am Mikroskop. Rechte Seite: Die andern Aussätzigen haben diesen Kranken aus ihrer Mitte ausgestoßen Aber die Schwester überwindet den Ekel vor dem kranken Leib durch ihre Liebe zur leidgeprüften Seele'. Mit unendlicher Geduld versucht (lie Schwester, diesen taubstummen Mädchen aus Belgisch-Kongo die uns so selbst« verständliche Kunst des Hörens unci Sprechens beizubringen. Hier erhalten indische Schwestern und Laienkräfte Unterricht in Krankenpflege In einem japanischen Kinderkrankenhaus sorgen sich Ärztin und Schwester um dio Noch ist es Zeit Gedanken zum Weltmissionssonntag Von Joseph Peters, Aachen Der älteste einheimische Bischof Indonesiens, Msgr. Albert Soegijapranata SJ, der seine höheren Studien in Europa gemacht hat, erklärte im Juni dieses Jahres einem Korrespondenten der amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur: „Die große und entscheidende Frage ist heute: Werden sich die asiatischen und afrikanischen Länder mit oder ohne die Kirche entwickeln? Wenn die Kirche nicht eine Führungsstellung in der Entwicklung dieser Völker übernimmt, dann muß sie der Möglichkeit ms Auge sehen, diese ebenso zu verlieren wie sie die europäische Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert verlor. Damals hat sie lange Zeit die Arbeiterprobleme nicht ernstlich angepackt. Dies muß für uns eine Warnung sein. Warum wird die Stimme von 450 Millionen Katholiken nicht vernehmbar in der Frage der Entwicklung der asiatisch - afrikanischen Völker?" Arbeit der Kirche Nun, Bischof Soegijapranata, der in der schweren Zeit des letzten Krieges unter wechselnder politischer Herrschaft klug und geschickt die Rechte der Kirche und seines Volkes in Indonesien verteidigte, weiß wohl, daß der Hl. Vater und alle Missionsbischöfe in Asien und Afrika sich in feierlichen Kundgebungen vorbehaltlos für die Rechte der Afrikaner und Asiaten einsetzten, baldmöglichst zur vollen Freiheit zu gelangen und als gleichgeachtete Mitglieder der Völkerfamilie vollen Anteil an den geistigen und materiellen Gütern dieser Erde zu erhalten. Er kennt auch die Taten der Kirche auf diesem Gebiete. Das Missionsschulwesen war in den Ländern des Schwarzen Afrikas und in vielen Gebieten einschließlich Indonesiens der Anstoß und die Grundlage zu der heutigen Entwicklung. Das ganze Ziel der Mission war, den christlichen Menschen zu bilden, der dann an der Höherführung sei- nes Volkes aus christlichem Geiste heraus mitarbeiten sollte. Für eine nunmehr zurückliegende Periode hat sich die Kirche hinsichtlich der Höherführung der farbigen Völker nichts vorzuwerfen. Sie hat in Asien und Afrika dasselbe getan, was sie in der germanischen Welt tat, indem sie christliche Schulen als Grundlage einer christlichen Kultur schuf. Kein geringerer als der schwarze Ministerpräsident des jungen afrikanischen Staates Ghana gab im Dezember 1957 in einer Rede vor katholischen Studenten aus ganz Afrika und aus Europa der Kirche das Zeugnis des Erfolgs ihrer Arbeit: „Für das Erwachen Afrikas sind die christlichen Missionen verantwortlich. Ihrer Arbeit und ihrer Hilfe verdanke ich und andere alles, was wir sind." Neuer Abschnitt Jetzt setzt nun ein neuer Abschnitt in der Entwicklung der Länder Asiens und Afrikas ein. Die Kolonien verschwinden. Die Völker Asiens und Afrikas nehmen ihre Geschicke selbst in die Hand, und zwar in einer Zeit, in der die ganze Welt zu einer äußeren Einheit und zu gegenseitiger Abhängigkeit zusammenwächst. Es fehlt ihnen an'sachkundigen Persönlichkeiten, um ein modernes Staatswesen aufzubauen. Die Bevölkerung dieser Länder wächst unheimlich. Sie müssen sich industrialisieren, ihre landwirtschaftlichen Methoden verbessern, um für die Millionen neuer Staatsbürger Brot zu schaffen. Der Hunger und die Unterernährung wachsen aber ständig in der Welt. Hunger aber führt zur Revolution, zum Kampf der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Die Führung der hungernden Völker aber sucht der gottlose Kommunismus an sich zu reißen. Auch wenn man sich über die Abschaffung der Atombombe einigt, ist der Weltfriede nicht gesichert, solange die Mehrheit der Menschen hungert. Der ungestillte Hun- ger muß notwendig zu einem neuen Weltkrieg führen, der an Grausamkeit nicht seinesgleichen in der Geschichte der Menschheit haben würde. Versagen der Christen Der indonesische Bischof meint diese Lage eines untermenschlichen Lebens von Hunderten von Millionen Asiaten und Afrikanern, wenn er den Vergleich zwischen dem Elend des Proletariats in Europa zu Beginn des Industriezeitalters und der augenblicklichen wirtschaftlichen und sozialen Notlage der Völker Asiens und Afrikas zieht. In Europa haben die Christen damals weitgehend versagt. Die Antwort war der marxistische Sozialismus, der die Massen der „Enterbten" von der Kirche wegführte. Die verbürgerlichte christliche Gemeinschaft hat es damals unterlassen, unter persönlichen und Gemeinschaftsopfern die schwächsten ihrer Glieder geistig und materieU neu zu beheimaten. Als das Übel auf viele europäische Staaten Übergriff, hat Papst Leo XIII. die Heilung der geschlagenen Wunden versucht, indem er eine christliche Soziallehre für das Industriezeitalter verkündete und die Christen an ihre sozialen Pflichten erinnerte. Das hat aber nicht verhindert, daß in einer sich immer mehr von den Grundlagen des Christentums entfernenden Gesellschaft der Materialismus der kapitalistischen Gesellschaft sich weiter entwickelte, die dann ihre gierigen Polypenarme auch nach Asien und Afrika auszustrecken begann. Nicht an seinen echten Leistungen für die farbigen ist der Kolonialismus gescheitert, sondern an der materialistischen Selbstsucht seiner Träger. So endet die Kolonialperiode mit einem schrillen Mißklang und dem Aufbegehren der „enterbten" Farbigen. Gebot der Stunde Die neue Aufgabe der Kirche wird nun erkennbar. Ihre Soziallehre hat sie verkündet. Sie gilt auch für Asien und Afrika. Es kommt jetzt auf die Taten der Christen an. Und was zu geschehen hat, muß schnell geschehen. Es bleiben uns nicht mehr viele Jahre, um die Entwick- lung wirksam zu steuern. Es geht nicht ohne große Opfer, ohne sichtbare Beweise christlicher und menschlicher Hilfe. Und wenn die entchristlichten Massen der Alten Welt in bemitleidenswerter Selbsttäuschung gegenüber dem Hunger von über einer Milliarde Menschen wie hypnotisiert ihren „Lebensstandard" zum Gott erheben, dann müssen die Christen dieser Alten Welt sich durch Taten der Gerechtigkeit und Liebe gegenüber den Völkern Asiens und Afrikas so sichtbar von ihnen absetzen, daß der Ruf dieses Tatchristentums sogar bis — Indonesien dringt. Noch sind der christlichen Mission aus dem Westen viele Tore zur farbigen Welt geöffnet. Manche haben sich geschlossen, andere werden sich schließen, wieder andere werden nicht geschlossen, wenn man unsere christliche Haltung sieht, und einige werden sich auch wieder öffnen, wenn die Lauterkeit unserer Haltung durch Teilnahme an der Linderung der Not über allen Zweifel erhaben ist. Einheimische Führer Die Mission aber muß die kurze noch gegebene Zeit nutzen, um überall einen hochwertigen einheimischen Klerus zu schaffen, der geistlicher Führer der Christen sein kann, sowie eine Laienelite heranzubilden, die den christlichen Geist in die neuwerdenden Staaten trägt und sachkundig auch am Aufbau der weltlichen Ordnungen mitwirken kann. Es kommt entscheidend nicht auf materielle und technische Hilfe für die hungernden Völker an, sondern auf den Geist, der es ihnen ermöglicht, von dieser Hilfe den rechten Gebrauch zu machen. Wenn die Mission nicht hilft, dem christlichen Menschenbild in den neuen Staaten zur Anerkennung zu verhelfen, werden sie nie mit ihren Problemen fertig werden. Im übrigen aber gilt für die kommende Zeit das Wort Pius' XI.: „Asien wird Asien, Afrika Afrika bekehren." Säen wir den christlichen Samen in diesen Ländern heute, damit er morgen aufgeht und neuen Samen ausstreuen kann. Noch ist es Zeit dazu. Aus der Diözese Lydenburg, Südafrika Oben: Hoher Besuch in Middelburg. Der Führer der katholischen Minenarbeiter aus Portug. Ostafrika begrüßt Bischof Anton Rei-terer. In der Mitte P. General Richard Lechner, der mehrere Monate auf Visitationsreise in der Diözese weilte. Links : Schwester Anna macht Girlanden für's Fronleichnamsfest und plaudert dabei mit ihren kleinen Helferinnen über Jesus im Tabernakel. Die Puppe hat schon eine große Reise hinter sich: Nach einer Missionspredigt von P. Lang in Tirol brachte sie ein kleines Mädchen als Missionsgabe. Auch im fernen Südafrika wird's die puppe gut haben — man sieht es dem schwarzen Puppenmütterchen an. Schwester Assumpta von den „Töchtern des Unbefleckten Herzens Mariä“ ist eine tüchtige Lehrerin Unten: Auf der großen Missionsstation Maria Trost treiben die Schüler und Schülerinnen mit Eifer Sport. Hier eine weibliche Basketballmannschaft. P. Superior Matthias Roth (links) und P. Josef Fischer. P. Roth und P. Segeritz, die beide seit zehn Jahren in unserer südafrikanischen Mission wirken, verbringen gegenwärtig die letzten Wochen ihres Europaurlaubs in der Heimat. Wie beginnt der Missionar bei einem fremden Volke? „Vor allem müssen Sie uns erzählen, was ein Missionar tut, wenn er zum ersten Mal zu einem völlig unbekannten Volke kommt. Wir können uns nämlich gar nicht vorstellen, wie man da anfangen soll. Man kann doch nicht plötzlich von Gott reden!" — Das hatte die Abordnung der Jugendgruppen gesagt, als sie den Missionspater zu einem gemeinschaftlichen Abend einlud. Mit dieser Frage begann der Pater auch, als er eine Woche später im überfüllten Pfarr-heim mit der Jugend zusammensaß. Menschen wie du und ich „Ihr möchtet vor allem wissen, was ein Missionar erlebt, wenn er zu einem fremden Volk kommt und wie er dort anfängt", begann der Pater. „Ihr müßt euch natürlich klar sein, daß das so verschieden ist, wie die Menschen und Völker verschieden sind. Es gibt gutmütige, friedliche, ja kindliche Naturvölker, und es gibt kriegerische, bösartige und grausame Stämme. Es gibt auch heute noch primitive Menschen, die noch nie einen weißen Mann gesehen haben, und es gibt hochkultivierte heidnische Völker mit modernen Großstädten. Weiter: manche Völker haben eine schlichte, natürliche Frömmigkeit —- Indien sucht seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden nach Gott —, andere leben in einem niedrigen, dämonischen Geisterglauben, andere beginnen heute, sich einem modernen Unglauben zu ergeben. Aber bei aller Verschiedenheit müßt ihr immer vor Augen haben: sie alle sind Menschen wie wir hier in diesem Raum. Sie haben ein menschliches Herz, sie waren wie wir einst Kinder und sind herangewachsen, sie lachen und weinen, sie lieben das Glück und fürchten das Unglück wie wir. Sie alle stehen vor den Fragen des Lebens, was Recht und Unrecht ist, was Gut und Böse, und möchten wissen, was der Urgrund der Welt ist und wozu sie leben. Bei allen Völkern kichern die jungen Mädchen, wie ihr es tut, ob sie nun zu den Eskimos gehören oder zu den Negern, und überall zeigen die jungen Burschen gern, wie stark und gewandt sie sind, genau wie die jungen Sportler bei uns. Neulich zeigte ein Negermädchen einer unserer Schwestern einen Brief ihres Bräutigams. Er hatte ihr geschrieben: ,In Afrika gibt es nur eine Sonne und die bist Du.' Seht, da habt ihr es. Das ist der einfache Urlaut des menschlichen Herzens, der überall gleich ist." — Bei den letzten Sätzen war etwas Bewegung unter die Zuhörer gekommen. Einige Jungen ließen ihre Armmuskeln vom Nachbar befühlen, die Mädchen Am 8. Juni fügte Bischof Anton Reiterer den Grundstein in die Mauern der neu erstehenden Kirche in White River ein. In der Mitte P. Pius Zeifang, rechts Br. Alois Häring. mußten natürlich kichern, und eine wurde sogar etwas rot. „Aber nun will ich euch Beispiele erzählen aus zwei verschiedenen Ländern und Zeiten", fuhr der Pater fort. „So wird am besten eure Frage beantwortet, wie der Missionar bei einem fremden Volke anfängt. In Ostafrika Das erste Beispiel ist aus Ostafrika. Die Benediktiner von St. Ottilien harten im Jahr 1887 ein großes Gebiet bei Sansibar übernommen. Drei Monate später zog die erste Karawane nach Westen in den Busch, ein Priester, neun Brüder und fünf Schwestern waren es. Nach langem Marsch erreichten sie einen Hügel. Dort fingen sie einfach an. Zuerst eine kurze Rast, dann erklang das Chorgeber wie im Kloster, dann begann auf dem Hügel ein reges Werken und Schaffen. Die Sichel rauschte durch das mannshohe Gras, mit Hacken und Beilen wurde das Gestrüpp entfernt, aus einem schlanken Baumstamm ein Kreuz gezimmert. Ein Bruder hieb für die Nacht aus einem Dickicht von Wald, Gestrüpp und Schlingpflanzen einen Wohnraum aus; das stehengebliebene Gehölz bildete Decke und Wände, die weder Sonne noch Regen durchließen. Tags darauf begannen sie schon mit dem Bauen von zwei Klösterlein, eines für die Brüder, eines für die Schwestern. Das Neue und Ungewohnte lockte natürlich die Schwarzen herbei. Sie schauten und staunten. Das Wetzen und Dengeln der Sensen klang ihnen wie Musik. Befremdet aber hörten sie das gemeinsame Beten an. Tuschelnd und kichernd steckten sie die Köpfe zusammen. Als sie aber einige kleine Geschenke bekamen, halfen sie gern mit. Ein Garten wurde angelegt, Felder gerodet. Ein Heim für Kinder entstand, die aus der Sklaverei losgekauft waren. Seht, da war es nicht schwer, auf die Fragen der Schwarzen zu antworten, was denn das abwechselnde Sprechen bedeute und warum sie überhaupt gekommen seien; warum sie für die Kinder sorgten und sich auch sonst so viel Mühe gäben. Wenn man das beantwortet, ist man ja mitten in der Missionsarbeit. In Südamerika Aber nicht immer geht es so einfach. Das zeigen die Erlebnisse von Pater Linssens. Er wurde -1929 von seinem Oberen nach Südamerika in den Urwald geschickt. Nach monatelanger Reise durch die ,Grüne Hölle', wie man dieses Land nennt, kam er an das Ufer eines Flusses, der die Grenze zwischen Brasilien und Kolumbien bildet. Der Fluß gehört zum Stromgebiet des Amazonas. Er traf auf einen Indianerstamm und beschloß, hier seine Mission zu errichten. Als er zu dem einsamen Dorf ging, zischten ein paar Pfeile an ihm vorbei. Aber das erschütterte ihn nicht. Er ging in das Dorf und zog einfach in eines der Eingeborenenhäuser ein. Die Hütte starrte vor Schmutz. Die Wilden ließen ihn gewähren. Offenbar hatten sie einige Vorstellungen von Gastfreundschaft, so daß sie ihn nicht belästigten. Aber sie begegneten ihm mit Verachtung, und wenn er versuchte, mit ihnen in freundschaftliche Beziehung zu kommen, so antworteten sie ihm nur mit eiskaltem Schweigen. Was sollte er jetzt machen? Es kam alles darauf an, daß er ihnen irgendwie imponierte. Das erste war, daß er den Jungen zeigte, wie man Angelhaken macht und damit Fische fängt und daß er den Mädchen half, sich Schmuck herzustellen. Da gewannen sie etwas Zutrauen. Das zweite war, daß ein Mädchen sich bei einem Sturz den Arm auskugelte und sich einen komplizierten Armbruch zuzog. Die Medizinmänner der Indianer gerieten in Raserei. Sie hielten eine Heilung für unmöglich. Nun gab es dort die Sitte, daß unheilbar Kranke lebendig begraben wurden. Pater Linssens mußte also sofort handeln. Zum Glück war er früher praktischer Arzt gewesen. Er renkte also den Arm wieder ein und schiente ihn. Nach einigen Wochen war der Bruch geheilt. Das imponierte den Indianern. Das erste Eis war gebrochen. Der Pater wurde in die Dorfgemeinschaft aufgenommen und erhielt den Titel eines obersten Medizinmannes. Aber diese Tat genügte noch lange nicht. Die Indianer waren faule, heruntergekommene Burschen, die sich regelmäßig bei großen Trinkgelagen betranken, die zu faul für eine Jagd waren und sich darum mit Grashüpfern, Ameisen, Raupen und ähnlichen Speisen ernährten. An diese Kost hielt sich auch der Pater in den nächsten vier Jahren. Außerdem begann er dafür zu sorgen, daß jede Familie eine eigene Hütte bekam. Bis dahin lebten nämlich mehrere Familien in einer Hütte zusammen — ihre Bereiche waren nur mix einem Strich auf dem Boden abgegrenzt. Der eigentliche Durchbruch aber geschah, als dem Missionar ein Unglück passierte. Er war dabei, sich eine eigene Hütte und eine ärztliche Behandlungsstation zu bauen. Beim Fällen eines Baumes schlug ihm ein großer Ast auf den Kopf, brach ihm die Nase und riß ihm eine klaffende Wunde von einer Seite der Stirn bis zur Wange. Er stürzte bewußtlos zu Boden. Die Indianer aber brachen in ein hysterisches Lachen aus. Dann holten sie Wasser aus dem Fluß und gossen es ihm über den Kopf. Nach einiger Zeit kam der Pater zu sich, erhob sich und ging in seine Hütte. Er holte einen Spiegel heraus und betrachtete sein Gesicht. Neugierig schauten die Indianer zu. Dann holte er sein ärztliches Gerät, richtete ohne örtliche Betäubung seine Nase wieder ein, fädelte eine Nadel ein und nähte sich sein zerrissenes Gesicht wieder zusammen. Das schlug bei den Indianern durch. Ihre Bewunderung war grenzenlos. Endlich war er anerkannt. Nun konnte er gegen die Trinkgelage vorgehen. Eines Tages, man hatte wieder einen ganzen Baumstamm mit bierähnlichem Getränk gebraut, griff er zu, stürzte den Baumstamm um und ließ den ganzen Alkoholvorrat in den Fluß fließen. Lange Zeit dauerte es, bis er das erste Glaubensgespräch mit seinen verkommenen Wilden führen konnte. Und als er die erste Taufe spendete, waren acht Jahre vergangen." — Gespannt hatten die Jungen und Mädchen zugehört. Bei der Schilderung der Operation wäre es einigen beinahe schlecht geworden. Aber nun wollten sie noch mehr wissen. „Was ist denn nun, wenn die Indianer so wild sind, daß sie überhaupt keinen Fremden herein-lassen?" warf Gertrud, die Gruppenführerin, ein. „Dann kann man doch eigentlich gar nichts machen!" „Mit Mut, Klugheit und Gottvertrauen läßt sich immer etwas machen", erwiderte der Pater. „Natürlich muß Gott das Eigentliche tun; er ist es, der die Herzen aufschließt. Aber den Weg zu - den Menschen müssen wir schon selber gehen." (Aus dem empfehlenswerten Missionsbuch: Tilmann-Dietl, Der Weltweite Ruf, Verlag J. Pfeiffer, München) Missionskirelie muß bodenständig werden Aus der Schrift „Warum Weltmission?" des bedeutenden Missionswissenschaftlers Dr. Josef Albert Otto (—.50 DM. Verlag But-zon Bercker) bringen wir nachstehend einen Abschnitt, der sich mit dem drängenden Problem der Anpassung befaßt. Vieles in der missionierenden Kirche des Westens —- mehr vielleicht, als wir in unserer europäisch-amerikanischen Befangenheit zugeben wollen — ist zeit- und raumbedingt, sollte nicht nach Asien und Afrika exportiert werden, damit das Wesenhafte des Christentums in seiner ganzen göttlichen Neuheit und übernatürlichen Allgültigkeit erkenntlich und wirksam und nicht als westlicher, nur menschlicher Kulturimperialismus mißverstanden wird. Nicht das Gestern ist der Kirche und ihrer Weltmission als Gottesauftrag gegeben und nicht das Europäisch-Amerikanische, sondern das Heute und Morgen, nicht das Menschlich-Alte, sondern das Göttlich-Neue, in welches das Alte immer neu hineinsterben muß, um — gewandelt -—• neu auferstehen zu können, neu in Asien und Afrika, aber auch in Europa und Amerika. Neuer Wein in neue Schläuche (Matth. 9, 17). Kirche ist weder ein Museum für asiatische und afrikanische Altertümer noch eine Exportfirma europäi- scher Güter, sondern die immer neue Gegenwärtigkeit Christi in jeder Zeit und in jedem Lande. Anpassung heißt darum nicht Konservierung sterbender Kulturformen, sondern Berücksichtigung und In-Dienst-Stellung der schöpferischen, gottgeschenkten, arteigenen Formkräfte jedes Volkes und jeder Zeit. Als Gotteswerk, das heißt in dem gottgewollten Wesen ihrer Dogmatik, ihres Rechts, ihrer Liturgie, ihrer Frömmigkeit, darin —• soweit gottgewollt — ist die Kirche immer und überall unwandelbar die in jedem Volk und in jeder Zeit, darin kann und braucht sie nicht angepaßt zu werden, weil sie darin der Schöpfer aller Völker und Zeiten, der ja auch der Stifter der Kirche ist, schon selber angepaßt hat, für jedes Volk und jede Zeit passend gemacht hat. Aber als Menschenwerk, das heißt in ihrer geschichtlichen Ausprägung durch Menschengeist und Menschenherz, darin ist die Kirche wandelbar, darum anpassungsfähig und anpassungspflichtig, wenn sie in ihrer Botschaft nicht an Völkern und Zeiten vorbeireden, sondern in jedem Volk und in jeder Zeit lebensmächtige Wirklichkeit sein will und nicht exotischer Fremdkörper aus fremdem Land und fremder Missionsrosenkranz Im Rosenkranzmonat beten wir auch für die Missionen. Besonders eindringlich wird für uns dieses Gebet, wenn wir einen „Missionsrosenkranz" benützen, dessen verschiedenfarbige Gesetzchen (weiß, schwarz, rot, blau, gelb) die verschiedenen Erdteile versinnbildlichen. Gegen ein Almosen (etwa 2.— DM) zu beziehen vom Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung, Aachen, Hermannstraße 14, Postscheckkonto Köln 148 74. Anleitung liegt bei. ' ' Zeit. Zunächst mag es vielleicht bequemer, sogar notwendig sein, fertige Formen des religiös-kirchlichen Lebens aus Europa nach Asien und Afrika zu übertragen. Werden diese volksfremden Formen das Christentum auf die Dauer nicht hindern, mit der inneren Wesensart eines Volkes zu verschmelzen? Wird das Christentum nicht leicht als etwas äußerlich Angelerntes, darum in seiner Existenz auch ohne Verfolgung ständig Gefährdetes bleiben? Weil das eigentlich Indische, Japanische, Chinesische, Afrikanische . . . der einheimischen Seele von einem zu europäisch geformten Christentum nie ganz ausgefüllt wird und darum leicht anderswo, nicht selten in Schisma, Sektierertum, Schwarmgeisterei, Rückkehr zum heidnischen Brauchtum seine Befriedigung sucht. Ob hier nicht vielleicht auch ein Grund liegt, warum die Missionskirchen Asiens und Afrikas — außer Märtyrern — noch keine einheimischen Heiligen hervorgebracht haben, weil sich im Tiefen-Ich, dem eigentlichen Personenkern des Asiaten und Afrikaners, ein zu europäisch durchformtes Christentum nicht ungehemmt auswirken kann? Erst recht nicht, wenn manche dieser ausgeprägt westlichen Formen in ihrer eigenen Zeitbedingtheit auch im Westen erneuerungsbedürftig sind, weil sie auch für den europäischen Christen von heute nicht mehr der erlebnismäßige Ausdruck seines Christenglaubens sind? Christentum als gelebte Wirklichkeit ist ja nicht nur objektiver Glaube: die unwandelbare Gegenstandswelt der im Dogma ausgesprochenen Heilstatsachen, sondern auch subjektive Gläubigkeit und Frömmigkeit, mit der ein Volk oder eine Zeit diese unwandelbare Welt objektiver Wirklichkeit erfaßt und sich zu eigen macht. Diese subjektive Gläubigkeit — Religiosität im Unterschied zu Religion — ist nach Volk und Zeit wandelbar, also: anpassungsfähig und darum anpassungspflichtig. Darum sollten weniger fertige, zuweilen sehr erneuerungsbedürftige Formen (Katechismen, Gottesdienstgestaltung, Kirchenlieder, Gebetsformen, Ordenstrachten, Kunststil...) aus Europa den jungen Kirchen Asiens und Afrikas gebracht, als vielmehr deren arteigene schöpferische Gestaltungskräfte zur Ausformung ihres Christseins angeregt und weise gelenkt werden. Die neuen Völker in der neuen Zeit fordern also von der Kirche in ihren Missionen eine doppelte Anpassung: an die gemeinsamen Grundzüge einer neuen, globalen Weltkultur, die sich vom Wesen her unaufhaltsam über Ozeane und Erdteile hinweg aus dem gemeinsamen Lebensgefühl des wissenschaftlich - technischen „Atomzeitalters" zu bilden beginnt, und an die von Volk zu Volk wechselnden Besonderungen dieser kommenden Weltkultur, also an die neuen Kulturdialekte. In ihnen wird sich die gemeinsame Formensprache der neuen Weltkultur ausgliedern und sich die Sonderart jedes Volkes so oder so ausdrücken. In diesen verschiedenen Kulturdialekten wird das alte Erbe Asiens und Afrikas neugewandelt weiterleben, wie im Europa des 20. Jahrhunderts das alte Erbe des Griechentums, Römertums, Germanentums gewandelt weiterlebt. Die praktische Lösung all dieser Fragen wird nicht vom ausländischen Missionar kommen. Die Einschmelzung des Christentums in die einheimische Seele ist immer eine Neuschöpfung, die sich unter Führung des Heiligen Geistes und unter der Wachsamkeit der kirchlichen Autorität nur in der Seele des Einheimischen selbst vollziehen kann. Der ausländische Missionar darf nur raten, abraten oder zuraten, was vom Europäischen oder Einheimischen, vom Alten oder Neuen angenommen oder abgelehnt werden soll; aber die Entscheidung muß der Einheimische immer selber treffen. Diese Verantwortung kann und darf ihm der ausländische Missionar nicht abnehmen. Erst wenn Mission als passive Hinnahme des Christentums durch die farbigen Völker aus der Hand des westlichen Missionars zur aktiven Christianisierung Asiens durch Asiaten und Afrikas durch Afrikaner wird, finden die Fragen der Anpassung des Christentums an die einheimische Art ihre letzte Lösung. Dr. J. A. Otto Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz Rechts: P. Rektor Paul Vogel mit den drei diesjährigen Abiturienten, den ersten seit Wiedereröffnung des Missionshauses nach dem letzten Krieg. Unten: Die zukünftigen Missionare werden auch in Gesang und Musik ausgebildet. An ihrem Pater Rektor (links im Bild) haben sie dabei einen tüchtigen Lehrmeister. Drei Neupriester wurden uns in diesem Sommer geschenkt. Links: P. Alois Starker erhielt die Priesterweihe am 29. Juni in Bri-xen. Gegenwärtig bereitet er sich auf die Ausreise nach Peru vor. Rechte Seite: Oben: P. Anton Lipp mit seinen Eltern. Unten: P. Peter Schmid mit Eltern, Geschwistern und Verwandten. P. Lipp und P. Schmid empfingen die Priesterweihe am 27. Juli in Bamberg. Sie sind inzwischen in Milland, Südtirol, eingetroffen, wo sie als Erzieher unserer dortigen Missions] ugend wirken werden. Im Wettlauf um die Seele der Heidenvölker ist der Priesternachwuchs bei den missionierenden Orden vielleicht der entscheidende Faktor. Keine Berufung für den Weinberg des Herrn darf verloren gehen. Die Pforten unserer fünf Missionsseminare stehen weit offen für jeden Jungen, der Missionspriester werden möchte. Missionsseminar St. Josef, Ellwangen (Jagst), Württemberg; Missionsseminar Ritterhaus, Bad Mergentheim, Württemberg; Missionsseminar St. Paulus, Neumarkt, Opf.; Missionshaus Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz; Herz-Jesu-Missionshaus Milland bei Brixen. Eintritt zum Beginn des Schuljahres, doch auch während des Jahres, da notfalls Hausunterricht gegeben wird. Ellwangen und Unterpremstätten versenden auf Wunsch gern ausführlichen Prospekt. Unsere Bilder: J. Fischer 1, K. Fischer 1, K. Lohr 3, J. Neher 3, R. Stengel 5, K. Stößer 3, F. Strobel 1, P. Taschler 1, P. Zeifang 2, Fides 11, Archiv 3. Überall ln der Welt gibt es Optimisten und Pessimisten, auch unter den Jugend Südafrikas. Wenn die beiden einmal groß sind und an einem Biergelage teilnehmen, dann wird die eine in ihre Kalebasse blicken und freudig ausrufen: „Ah, noch halb voll!", die andere aber wird prüfend in ihren Biertopf schauen und traurig feststellen: „Oh, schon halb leer!“