Gesetz- uni» Verordnungsblatt für bat öfterreidjifrij'ifnrilrfjeJlftlleiilftiiö, bestehend aus den gefürsteten Grafschaften Görz und GradiSca, der Markgrafschaft Istrien und der reichSnnmittelbaren Stadt Triest mit ihrem Gebiete. ^abrßfittc) II S t ii cf. AuSgegeben und versendet am 25. Jänncr 1887. 3. Kundmachung der k. k. kustenländischen Statthalterei vom 16. Jänner 1887, toomit die Berordmmg des Ministeriums des Innern tut Einvernehmen mit dem Ministerium Tür Cnltns und Unterricht, dann dem Justiz-, Finanz-, Handels- und Ackerbau-Ministerium 8. November 1886, mit welcher die Bestimmungen der Ministerial-Verordnung vom U. December 1860 Z. 36413 (L.-G.-Bl. Nr. 13 ex 1861) über die Eintheilung der ^khördlich autorisirten Privat-Techniker und die von den Bewerbern um solche Befugnisse beizubringenden Nachweise in einigen Puncten abgeändert werden — vcrlautbart wird. Um bis zur Erlassung eines neuen Statutes für die behördlich aut. Privat-Techniker Bestimmungen der Ministerial-Verordnung vom 11. December 1860 Z. 36413 (L -•-Bl. Nr. 13 ex 1861) rücksichtlich der Kategorien dieser Techniker und der von den cwerberu um solche Befugnisse beizubringendeu Nachweise mit jenen Aenderungen in Einklang zu setzen, welche seither in der Einrichtung des Unterrichtes an den technischen Hochschulen und der Hochschule für Bodencnltnr, sowie dem einschlägigen Prüflings- und Zeugnißwesen eingetreten sind, findet das Ministerimn des Innern im Einvernehmen mit dem Ministerium für Cnltlls und Unterricht, dann dem Justiz-, Finanz-, Handels- und Ackerban-Ministerium in theilweiscr Abänderung der §§ 1, 2, 9, 10 und 11 der erwähnten Verordnung nachstehende Anordnungen zu erlassen, welche mit dem Tage der Kundmachung in Kraft zu treten haben: § 1- Die beeideten, von der Negierung autorisirten Privat-Techniker unterscheiden sich in vier Kategorien: a) Bau-Ingenieure, beziehungsweise Bau- und Cnltur-Jngcnieure (für Straßen-, Wasser-, Brücken- und Eisenbahn-Bauten einschließlich der damit in unmittelbarer Verbindung stehenden Hochbauten, beziehungsweise auch für culturtechnische Arbeiten jeder Art); b) Architekten (für den gesammten Hochbau und insbesondere für baukünstlerische Ausführungen) ; c) Maschinenbau-Ingenieure (für das Maschinenwesen einschließlich der mit den Maschinenanlagen in unmittelbarem Zusammenhänge stehenden Hochbauten), und d) Geometer- beziehungsweise Geometer- und Cultur - Techniker (für Vermessungen, beziehungsweise auch für culturtechnische Arbeiten mit Ausschluß größerer hydrotechnischer Anlagen). § 2. Der Nachweis über die Zurücklegung der vorgeschriebenen technischen Studien ist bezüglich jeder dieser vier Kategorien der behördlich autorisirten Privat-Techniker durch Zeugnisse einer inländischen technischen Hochschule und beziehungsweise der Hochschule für Bodencnltur zu erbringen. Derselbe besteht a) bezüglich der Bau-Ingenieure in dem Zeugnisse über die abgelegte zweite Staats-odcr die Diplomprüfung ans dem Jngenienrbaufache, und wenn auch die Autorisation für das culturtechnische Fach angestrebt wird, über die für dieses Fach in der Ministerin! - Verordnung vom 20. August 1884 Nr. 145 R.-G.-Bl. eingeführte Fachprüfung; b) bezüglich der Architekten in dem Zeugnisse über die abgelegte zweite Staats- oder die Diplomprüfung ans dem Hochbaufache; c) bezüglich der Maschinenbau-Ingenieure in dem Zeugnisse über die abgelegte zweite Staats- oder die Diplomprüfung ans dem Maschinenbaufache, und d) bezüglich der Geometer in den Fortgangs-Zeugnissen über die abgelegte Prüfung aus der gesammten Mathematik und der darstellendeil Geometrie, dann der Physik und der niederen und höheren Geodäsie und bezüglich der Geometer und Cultur-Techniker in dem Zeugnisse über die mit „gutem" Erfolge abgelegte, in der Ministerial-Ver' ordnung vom 20. August 1884 R.-G.-Bl. Nr. 145 eingeführten II. Staats-(Fach') Prüfung für Cultur-Techniker und dem Fortgangszeugnisse einer Hochschule üb^ höhere Geodäsie. Die Anerkennung ausländischer derlei Zeugnisse ist dem Ministerium des Innern einvernehmlich mit dem Ministerium für Cultus und Unterricht Vorbehalten. § 3. Zur Darthuung der praktischen Verwendung ist eine, nach erfolgter Zurücklegung der vorgeschriebencn Studien erworbene fachmännische Praxis auszuweisen, welche bezüglich der Bau-Ingenieure, beziehungsweise Bau- und Cultur-Jugeuieure, Architekten und Maschinenbau-Ingenieure fünf Jahre, bezüglich der Geometer aber drei Jahre zu umfassen hat, und durch befriedigende glaubwürdige Zeugnisse bestätigt sein muß. Diese Zeugnisse müssen eine längere selbstständige Mitwirkung an der Prosectirung und Ausführung einschlägiger Baulichkeiten und bezüglich der Geometer die selbstständige Ausführung praktischer Bcrmessungsarbcitcn darthun. Die einschlägige Praxis kann a) im Staats-, Landes- oder Communaldienste, dann bei dem in das Bau-, Maschinenbau- oder Bermessungsfach einschlägigen Dienste der Staats- oder vom Staate betriebenen Eisenbahnen oder einer eoncessionirten Eisenbahngesellschaft, ferner l>) von den Bewerbern um das Befugniß als Bau-Ingenieur, beziehungsweise Bau-und Cultur-Jngenieur, als Architekt und als Maschinenbau-Ingenieur auch bei einem behördlich autorisirten Bau-Ingenieur, beziehungsweise Bau- und Cultur-Jugenienr, Architekten, eoncessionirten Baumeister oder Maschinenbau-Jngenieur (a. P. Maschinenfabrik) ; c) von den Bewerbern NM das Befugniß als Geometer auch bei der Vermessung für Zwecke des Grnndsteuerkatasters und der Grundsteuerregulirung oder bei einem beh. autorisirten Bau-Jngenieur, beziehungsweise Bau- und Cultur-Jngenieur oder bei einem beh. autorisirten Geometer, beziehungsweise hinsichtlich der Geometer- und Cnltnr-Techniker auch im cutturtcchnischen Bureau einer Landwirthschasts-Gcsellschaft zurückgelegt werden. § 4. Die strenge praktische Prüfung, welche schon nach Ablauf der Hälfte der im § 3 vor-gezeichucten Praxis abgelegt werden kann, hat bezüglich der Ban-Ingenieure, beziehungsweise Bau- und Cultur-Jngeuienre, daun bezüglich der Architekten und der Maschinenbau-Ingenieure in einer schriftlichen und in einer mündlichen Prüfung zn bestehen. Die schriftliche Prüfung umfaßt die Ausarbeitung eines größeren Elaborates aus dem bezüglichen Baufache nach einem gegebenen Programme und innerhalb eines fallweise zu bestimmenden Zeitraumes. Die mündliche Prüfung hat sich nur ans die eigentlichen Baufächer (Straßen-, Wasser-, Brücken-, Eisenbahn- und daö cnlturtechnische Fach, beziehungsweise Hochbaufach oder Ma-schinenbaufach), daun auf die in das betreffende Fach einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen zu erstrecken, wobei hauptsächlich das schriftliche Elaborat der Fragestellung zu Grunde zu legen ist. Bei den Geometern hat die strenge Prüfung zn umfassen: l. Die Ausführung von praktischen Aufgaben ans dem Gebiete der Vermessungskunde u. z. sowohl auf dem Felde, als auch auf schriftlichem Wege; 2. eine mündliche Prüfung aus der Mathematik und Geodäsie in allen ihren Zweigen, und 3. eine Prüfung aus den, auf die Evidenthaltung des Grundstencrkatasters, auf die Uebereinstimmnng der Operate des Grnndstenerkatasters mit den Grundbüchern, dann aus die Zusammenlegung der Gnmdstiicke Bezug nehmenden Gesetzen und Verordnungen, in letzterer Beziehung jedoch nur in so weit, als sie das Bermessnngsfach und das Land, für welches die Bestellung deö Geometers erfolgen soll, betreffen. Geometer und Cultnr-Techniker haben überdies noch eine praktische Arbeit aus dem Gebiete des culturtechnischen Faches ansznführen und die mündliche Prüfung aus den in dieses Fach einschlägigen Gesetzen und Verordnungen abzulegen. § 5. Von jenen Bewerbern, welche die Diplomprüfung aus dem Jngenienr-Baufache, dem Hochbanfache oder dem Maschinenbaufache mit Erfolg abgelegt haben, ist zur Darthnnng der praktischen Verwendung blos die Nachweisung einer dreijährigen, nach erfolgter Znrücklegung der vorgeschriebencn Studien vollstreckten fachmännischen Praxis zu fordern. § 6. Die Prüfungen werden im April und Oktober in den Amtssitzen der politischen Landesbehörden, in welchen sich technische Hochschulen befinden, durch eine Prüfungs-Commission, deren Mitglieder durch die politische Landesbehörde hiezu berufen werden, abgehalten. Hiebei sind die bezüglich der Prüfung für den Staatsbandienst vorgeschriebenen Modalitäten sinngemäß in Anwendung zu bringen. § 7. Innerhalb der im § 1 bezeichncten speciellen Berufssphäre kommen den einzelnen Kategorien der bthördlich antorisirten Privat-Techniker alle Berechtigungen zu, welche in der Ministerial-Berordnung vom 11. December 1830 Z. 36413 (L.-G.-Bl. Nr. 13 ex 1831) in Hinsicht des Wirkungskreises dieser Techniker vorgezeichnct sind, und haben in dieser Beziehung die einschlägigen Bestimmungen der vorgedachten Verordnung sinngemäß Anwendung zu finden. § 8. Der Umfang der Berechtigungen der auf Grund der Ministerial-Vcrordnnug vom 11. December 1860 Z. 36413 (L.-G.-Bl. Nr. 13 ex 1861) bereits antorisirten Techniker, bleibt durch die vorliegende Verordnung unberührt. § 9. Die durch die gegenwärtige Verordnung nicht abgeändcrten Bestimmungen der §§ 1, 2, 9, 10 und 11 der Ministerial-Berordnung vom 11. December 1860 Z. 36413 (L.-G.-Bl. Rr. 13 ex 1861) und die sonstigen in derselben enthaltenen Anordnungen bleiben auch weiterhin in Kraft. Pvetis m. p.