für Aunst, Literatur, Theater «.geselliges Leben Nedigirt von Leopold Kordesch. ^/ :ZO. Montag am M. September Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchenilich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Bogen. Der Preis des Vloltes ist in 3a,bach , ball>ilihr,a <> fl, Durch die f. t. Poü unter lüuuvert i»,I portofreier Zusenduna aanzjahrlg », halbiälirig 4ss, C, M,, und >v,rd dalbjiib,,« ü»>ou!>­ bezahlt. Alle f. >t. Poünmtcr nehmen Pränumeration an. In Laibach pränumerirl man beim Nerleaer a»> Raan, Nr. lyu, >>» crsseu Nlocli. Warkarole. (Nach dem Italienischen,) AV>'lch' ein Sturm rast auf den Fluten Schwarz, wie tiefe Nacht zu sch'n! Ach, wie wird es meiner Varte, Wie wird's meinem Netz' crgeh'n? Sagte 3hrom> zu Nigclla, Die auf hoher Klippe saß. lind sie schmollt mit ihn»: »Du weilest »Hier bei mir und denkst an das?" »»Dachte nicht an meine Netze» »»Dachte nicht an meinen Kahn, ­»„Schmiegtest du, wie jetzt, auch immer »»Bartlich liebend dich mir an!" " »»Doch ihr Schönen gleicht den Wellen, »»Vcidc wechseln, lindern sick, »»Und so blieb' ich ohne Netze, »»Ohne Kahn, und — ohne, dich!"" R." N i g l e r. Krain's Zirkniher See im Jahre 1747. (Nach der Beschreibung des gelehrten P. N. De sing.) Zur Winterszeit lauft der See weit an und über­schwemmt einen guten Theil der an seiner Ebene gelegenen Felder, welche zur Sommerszeit trocken liegen und zum Ackerbau gebraucht werden. Wenn nun diese zum See selbst gerechnet werden, so kann man zwar sagen, daß im See jährlich gesäet und geerntet werde; allein alsdann hat er solches mit vielen andern an Flüssen liegenden Ge­genden gemein. Wenn das Wasser abgelaufen ist, mähet man die häufigen Binsen zum Dünger und zur Streu für das Vieh ab. Bisweilen steht der See von Petri und Pauli Tag bis zu Michaelis trocken, sodann wächst auch zum Futter die­nendes Gras auf dem festen Boden. Er lauft ab bei tro­ckenem Wetter sowohl im Winter als im Sommer. Der See lauft durch Gruben, die fast als Kessel anzusehen, und 18 ^an der Zahl sind. I n 23 Tagen ist er fertig. Die Grube «niniiie wird leer in fünf Tagen; über andere fünf Tage das Loch Vncwuol; wieder über fünf: Nc-liiettn; abermals nach fünf: üolou und noch fünf Tage beviliiy. Während solcher Zeit versieget das Wasser auch in den übri­gen 13 Gruben. Wenn es nur vierzehn Tage im Som­mer trocken ist, fängt er an abzulaufen, und zwei oder drei Tage von starkem Regenwetter füllen ihn wieder. Man hat Erempel, daß er in einem Jahre drei Mal ausgetrocknet ist. Die Grube Vucwnuc hat drei Durchbrüche oderEchlund­löcher, die das Wasser mit großem Brausen verschlingen. Rechter Hand des Sees, wenn man von Planina kommt, beim Dorfe ^e58<-« (so heißt ein Fluß) ist der See am tiefsten, und dennoch läuft er am geschwindesten ab, den Bach ausgenommen, »reicher, nachdem er die Länge des Sees durchstrichen, durch zwei Ausgänge, die mit dem See hori­zontal in die Felsen gehen, stießt. Der letztere, VelKl» Kür­1,»ix!» genannt, kommt bald von dem Orte, wo er sich verlo­ren , auf der Seite gegen 8. <ü!>»t!»nu«! wieder zum Vor­schein, und nach einer Entfernung von einer halben Vier­telmeile verschlürft er sich abermals in einen Felsen bei 8, c?ll»til>uu«, und wenn er dann einen Musquettenschuß weit durch Grotten gebrochen, stürzt er sich ferner in Höhlen und enge Felsen fort. Unter dem Berge, woraus dieser Bach stießt, muß ein reiches Behältniß von Fischen seyn, weil sie häusig und von ansehnlicher Größe mit heraus kommen. Es ist aber verboten in diesem Bache zu fischen. Wenn gleich der See oftmals hintereinander vertrocknet, also, daß er, so zu sagen, keine Gräce hat, so ist er doch bei seinem folgenden neuen Anlauf eben so fischreich wieder, als zuvor, und man fängt immer wieder große Fische von 50 bis ?0 Pfund. Jedoch wenn der Abfluß seltener ge­schieht, so sind die Fische zahlreicher und größer. Der See hat keine gewiße Trockne, sond'ern es kommt auf ein ein­fallendes starkes Regenwetter an, ja auch nur auf heftige Donner und Gewitter. Er liegt in Ansehung der Ge­gend von Planina hoch, und das ganze Land ist durchlö­chert und mit vielen Höhlen versehen. Hieraus urtheilt man leicht, wie es kommen könne, daß der See bei an­haltender Trockne, da er keinen Zufluß von Wasser hat, leer und ledig werde. Weil er aber auf seinen übrigen Seiten mit hohen Bergen umgeben ist, so kann es nicht 543 ermangeln, daß in demselben bei anhaltendem Regen vie­les Wasser in Höhlen und Behältnissen sich sammle, wel­ches durch seine Last das unter dem sichtbaren Boden des Sees sich befindende Wasser dergestalt drückt, daß es ge­gegen die l,ui>e>n«ieu und Flache des Sees in die Höhe steigen muß; denn daß unter dem Zirknitzer See unbe­schreiblich große Höhlen oder vielmehr ein anderer unterir­discher See, der vielleicht noch größer als der obere ist, verborgen liegen, zeigt die Menge des Wassers, das sich vermittelst der oftgedachten Gruben in die Tiefe verlieret, und durch einen Theil derselben auch wieder hervorbricht. Wenn man hiebei die Kommunikation der übereinander liegenden Grotten und eine Art von »^Knui»,»» sich ein­bildet , so kann man sich leicht einen Begriff machen, nicht nur wie die in den Bergen gesammelten Wasser auf den unterirdischen See ihre Wirkung ausüben, sondern auch, wie die durch die Donnerwetter bewegte und zusammenge­drückte Luft in den vielen unterirdischen Höhlen eine gro­ße Gewalt gegen das in der Tiefe verborgene Wasser ge­brauchen könne. Zur Erläuterung dieses Satzes, und wie sich auch der Schall in den tiefsten Kanälen der Erde ver­schlägt, können die zwei Gruben, Mallibnr!»,«!,,» oder die kleine Trommelschlägerin und VL»l»bur!l8/,l>, die große Trom­melschlägerin, dienen, welche ein starkes Brummen wie von einer alten Trommel von sich geben, wenn es am Himmel donnerc. Es ist Schade, daß noch niemand in der Hy­draulik Erfahrner eine genaue Untersuchung der unterirdi­schen Kanäle dieses Sees angestellt hat. Wenn es an­fängt stark zu regnen, so spritzt das Wasser aus den Gruben «uteu, ^n»5ien?,!l und 'l',-k>5te» zwei bis drei Klaf­ter hoch heraus; vermehrt sich der Regen und donnert es stark dabei, so kommt das Wasser aus allen Löchern, wo es eingeflossen, Vei!<«. und ««l^liili-inu/u ausgenommen, und alsdann ist der See in 24, ja wohl in 10 Stunden wieder mit Wasser angefüllt. Etliche Löcher geben nur Wasser, und nehmen keines wieder weg, die andern thun beides. Es kommen auch nicht aus allen Löchern Fische mit heraus, vielleicht weil die Enge der Kanäle oder l^ . Pix»»»!» solches verhindert. Bisweilen werden lebendige Enten mit herausgeworfen, welche grünes Kraut und klei­ne Fische im Magen haben, zum deutlichen Beweis, daß unten ein weitläufiger See verborgen seyn müsse. Der obere sichtbare See überschreitet bisweilen seine gewöhnli­che Höhe des Wassers mit vier bis sechs Schuhen. Auf den Seiten des Sees aber, einen guten Theil höher, als er selbst ist, sind am Berge zwei weit von einander entle­gene Löcher, Ui-^nn. ^nmll und »eK^uixs zu sehen, aus welchen bei entstandenem Donnerwetter das Wasser mit großer Gewalt und vielem Ungestüm heraus stürzt. Wenn solches im Herbst geschieht, so iommen viele schwarze, fette und blinde Enten mit heraus, welche An­fangs fast ganz nackt sind, nach 14 Tagen aber, oder im October Federn bekommen, sehend werden und davon flie­gen; denn unter der Erde brauchen sie weder offene Au­gen noch Federn, darum werden ihnen die Augenlieder zu­gewachsen seyn, wie den jungen Hunden im Mutterleibe, und eine Zeit nach der Geburt. Ja man hat Erempcl, daß Leuten, die sehr lange in sinstern Kerkern saßen, die Augenlieder zusammen gewachsen sind. I n diesen zwei Oeffnungen kann man weit hinein gehen, es will dies aber niemand gerne wagen, weil man keinen Augenblick sicher ist, daß nicht das klafterdicke Wasser, wie aus einer gewaltigen Feuerspritze, dem Wagehalse entgegen schicsse. Die Vladschpntenbraut. I m Norden Hindostans liegt die Provinz Ajmecre, ein rauher, gebirgiger Landstrich, den kein Eroberer je ganz zu bezwingen vermochte, und der von den kriegerischen Stämmen der Radschputen bewohnt wird. Den übrigen Hindus durchaus unähnlich, sind sie von hohem, kräftigen, riesenstarken Wüchse, rauh in ihrem ganzen Thun und Wesen, und auf nichts bedacht, als auf den Krieg. Sie rühmen sich einer altüberkommenen, nie durch Unterwür­figkeit unter einen fremden Gebiether unterbrochenen Erb­macht und einer langen Ahnenreiche; und selbst die an Macht sie weit übertreffenden Mahrartenhäuptlinge halten es für eine Ehre, mit ihnen in eine Familienuerbindung zu treten. Unruhigen Geistes und gewaltthätig, sind sie dabei dennoch hochsinnig, treu ihrem gegebenen Worte, und feinfühlend im Punkte der Ehre. Das weibliche Geschlecht befindet sich bei ihnen nicht, wie im übrigen Indien, in einem Zustande schmachvoller Herabwürdigung. Ihre Frauen sind unterrichtet, und werden mit jener romantischen Ach­tung angesehen, die eine der edelsten Blüten des europäi­schen Nitterthums war. Nur eine empörende Sitte herrscht unter ihnen.—Viele Mädchen werden nämlich gleich nach der Geburt gecödtet. Als Grund gibt ihr Stolz die Schwie­rigkeit an, für ihre Töchter eine ihrer Abstammung wür­dige Versorgung zu finden. Ein zweiter Grund soll in dem unsinnigen Aufwände liegen, mit welchem, einem un­verletzlichen Herkommen zu Folge, bei ihnen die Hochzeiten gefeiert werden müssen, die oft den ganzen Wohlstand der Familien zu Grunde richten. Einer der mächtigsten Radschputenfürsten ist der Rana von M ewar, eines fruchtbaren Thales an der Ostseite des Arawulli. Seine Hauptstadt Udipur ist stark befestigt; sein Schloß an den Ufern des herrlichen See's, gleicht ei­ner Zauberschöpfung und wird nur von der Pracht eines zweiten, in dem See selbst hineingebauten Pallastes über­troffen, der in ganz Indien berühmt ist, und bei europäi­schen Reisenden nicht weniger, als bei den Eingebornen staunende Bewunderung hervorruft. Berühmter aber als alle Palläste und Schätze des Na­na von Mewar , war die Schönheit und der hohe Sinn seiner Tochter K isch'n Kau er. Auf jeder Zunge lebte, von jeder Lippe tönte der Preis ihrer Anmuth. Heftige Kämpfe um die Hand der reizenden Fürstentochter hatten das Land ihres Vaters verödet, und nur Eines konnte den Frieden sichern — ihr Tod; Emir Kahn versicherte die-Näthe des Fürsten, dadurch allein könnten sie einen ver­wüstenden Kampf vermeiden, und Kisch'n Kauers Hand könne keinem andern Häuptling zu Theil werden, da sie R43 dem Einen versagt worden sey. Dabei erinnerte er schlau an die Schmach, welche die Familie träfe, wenn Kisch'n Kau er als eine Unuermählre in ihr zurückbliebe. Allein weder die Schlauheit, noch die Drohungen Khans ver­mochten den Vater dahin zu bringen, den Dolch auf seine Tochter zu zücken oder ihr zu rathen, ihn sich selbst in die Brust zu stossen. Dagegen ließ die Schwester des Fürsten, die staats­kluge Tschemd Bhap , sich zum Werkzeuge der Forderung des viclgewünschten Opfers gewinnen. Sie kannte das edle stolze Gemüth Kisch'n Kauers ; sie sparte keine Kunst der Ueberredung; keine Bitte, die Ehre ihres grei­sen Vaters und ihres Stammes zu bewahren; keine Hin­wcisung auf die Schmach, die künftig auf ihr, der Unver­mählten, lasten werde. Als sie Kisch'n Kauer durch die Macht ihrer Rede tief erschüttert sah, da both sie ihr den bereir gehaltenen Gifttrank in einem goldenen Becher. Einen Augenblick kämpfte die jugendliche Lebenslust in der hochsinnigen Jungfrau mit dem Gedanken an die Schmach, die nur der Tod von ihr und ihrem Stamme entfernen konnce; einen Augenblick bebte sie scheu und unentschlossen in sich selbst zusammen: dann richtete sie sich auf, ergriff mit bitzenden Augen den Becher, und sank — ein jammer­volles Opfer des Wahns — im nächsten Augenblick todt auf den Estrich. M. C n l. Durchsichtigkeit des Meeres. (Aus dem österreichische» Morgenblolte.) Nichts kann mit der Schönheit der Durchsichtigkeit des Meeres in Westindien verglichen werden. Sie ist da, wo das Meerwasser nicht durch Strömungen oder Schlamm getrübt wird, am stärksten. Von vorzüglicher Durchsichtig­keit ist die See in der Nähe der westindischen Inseln. Hier ist das Wasser bis auf den Boden bei mehr als 60 Fuß Tiefe von der reinsten Klarheit. Das Boot schwimmt auf einer kristallenen Flüssigkeit, in welcher es wie in der Luft zu hängen scheint. Wer hieran nicht gewöhnt ist, dem schwindelt bei die­sem Anblicke. Auf dem reinsten Sande sieht man unter sich tausenderlei Gewürme, Seeigel, Seesterne, Seeschne­cken und vielartige Fische von den schönsten Farben, die man bei diesen Thieren in Europa kaum denkbar findet. Das brennendste Roch, das reinste Blau, Grün und Gelb spielen hier neben einander. Man schwebt über ganze Waldungen von herrlichen Seepflanzen, von Gorgonien, von Korallen, Alcyonen, Flabellen und mancherlei Schwammgewächsen hinweg, die 'durch vielerlei Farbe das Auge ergötzen und von den Wel­len so sanft hin und her bewegt werden, wie die schönste Vegetation eines der blumenreichsten Gefilde der Erde. Das Auge täuscht sich in Beurtheilung der Tiefe; man glaubt mit der Hand Pflanzen abpflücken zu können, wel­che bei genauer Untersuchung mit einem Ruder von 10 Fuß Länge kaum erreichbar sind. Eben so überraschend und reizend ist die Durchsichtig­keit des Wassers in den nördlichen Meeren. Wenn man langsam über die Oberstäche hingleitet, so sieht man beut­lich den Grund, der insgemein aus weißem Sand gebil­det ist. Selbst an solchen Stellen, wo die Tiefe 20 bis 25 Faden beträgt, sind die kleinsten Gegenstände sichtbar. Ueber das Verdeck sich lehnend, betrachtet man mit freudi­gem Staunen die Landschaften unter dem Meere, welche langsam vor den Blicken vorübergehen. Da, wo der Grund sandig ist, unterscheidet man die verschiedenen Gattungen der Seesterne, Echiniten, ja die kleinsten Muscheln mit bloßem Auge in bedeutender Tiefe. Das Wasser scheint zugleich die Wirkung eines Mikroskops und die eines Te­leskops hervorzubringen, indem es die Gegenstände näher rückt und vergrößert. Auch gewahrt man sehr tief unter sich die steilen Abhänge eines Berges, der zum Schiffe em­porstrebt; sein Fusi ist ohne Zweifel einige Meilen ticf im Meeresgrund verborgen. Obgleich man immer horizontal fortrudert, so läßt doch eine seltsame Täuschung glauben, daß man längs die­ser Höhe aufwärts steigt, und wenn man über den Gipfel wegfahrt, der nur einige Fuß tief uncer dem Boote zu seyn scheint, und den Abhang erblickt, der an einer Seite senkrecht abgeschnitten ist, glaubt man von der Zinne des Berges in den Schlund hinabstürzen zu müssen, der unten sich aufthut. Weiter fährt man über einen mit Wäldern und Wiesen bedeckten Meeresboden, der von Tausenden unbekannter Thiere bewohnt scheint. Oefters sieht man große Fische von ungewöhnlicher Gestalt aus den Gesträu­ chen hervorschillern oder in dieselben hineinschlüpfen, ohne daß selbe auch nur etwas von dem zu ahnen scheinen, was über ihnen vorgeht. Noch weiter in dem Maße, als man vorwärts rudert, ist der Grund nicht mehr sichtbar und die magische Landschaft verliert sich endlich in den dichten azurnen Wogen des Oceans. Realis. Vlevue des Mannigfaltige». Folgende spaßhafte Spihbubengeschichte bildet gegen­wärtig das Stadtgespräch in Königsberg: Zwei Freunde spielten in einem Gasthause Billard. Der Eine hatte vor Kurzem eine Summe von 2000 fl. in Papiergeld erhalten und trug sie in einer Brieftasche auf der Brust bei sich. Da dieselbe ihm beim Spiele hinderlich war, zog er sie heraus und steckte sie in die Hintere Rocktasche. Sein Freund will sich einen Scherz machen, zieht ihm leise die Brieftasche aus dem Rock und steckt sie in seine Tasche. Als die Parthie beendigt ist, will Ersterer bezahlen und vermißt mit Schrecken seine Brieftasche. Sem Freund beruhigt ihn mit der Versicherung, daß er sich einen Scherz gemacht habe, und will ihm das Seinige wieder zustellen. Aber wer ermißt das Erstaunen und Erschrecken des Zwei­ten, als auch er die Brieftasche in seinem Rocke nicht fin­det! Ein Dritter hatte es wahrscheinlich mit dem Zweiten so gemacht, wie dieser mit dem Ersten, und ist gleich dar­auf spurlos verschwunden. Es ist bekannt, daß das über 100.000 st. C. M . ko­stende Gerüste des Wiener Ttephansthurmes zur Abtra­gung von « 1/2 Klafter Höhe der schiefen Thurmspitze söhne Adler und Kreuz) schon längere Zeit fertig stand. Diens­tag am 20. August um 9 Uhr früh nahm diese Abtragung ihren Anfang, und es wurden das Kreuz und der Adler mittelst der auf dem 19. und letzten Thurmgerüste aufge­ R44 stellten Aushebungsmaschine aus der eisernen Helmstange ausgehoben und von außen gegen Osten auf den Gerüsten bis zur Thurmgallerie herabgelassen, von dort aber in das Innere des ThurmeS geschafft. Das Gesammtgewichc be­ trug beiläufig i l/4 Zentner. Die Aushebung währte eine halbe Stunde, das Herablassen, so wie die Transportirung in den eingeplankcen Bauplatz aber eine und eine halbe Stunde, wobei jeder Anschein von Lebensgefahr entfernt war. Die Abnahme des steinernen Knopfes hat am 20. August Nachmitttags begonnen. Das Kreuz (Patriarchen­ kreuz) ist aus starkem Kupferblech, von außen im Feuer vergoldet, 4 Schuh hoch und 3 1/4 Schuh breit mit meh­ reren Inschriften. Der Adler ist ebenfalls aus starkem Kupferblech getrieben und broncirt. Auf dessen Brust und in dem Scepter befinden sich Inschriften. Ungeachtet beide Gegenstände durch 152 Jahre den Einwirkungen des Wet­ ters ausgesetzt waren, ist beider Vergoldung noch so gut erhalten, daß man nirgends ein Kupfer durchblicken sieht. Der Knopf, auf welchem der Adler und das Kreuz aufge­ setzt waren, besteht ganz aus Stein und war ebenfalls mir gut vergoldetem Kupferblech überzogen. Sein Durch­ messer beträgt 3 1/2 Schuh, die Höhe 4 Schuh 2 3/4 Zoll. Ein Reisender, der einen Ausflug nach Syrien und einem Theile des westlichen Arabiens gemacht hatte, schreibt: Die große Wüste oder Wildniß, durch welche sich der Weg nach dem Sinai zieht, trägt das Gepräge der größ­ ten Erhabenheit, mit der kahlsten Unfruchtbarkeit verbun­ den. Felsen thürmen sich auf Felsen, von allem Grün entblößt, von dunkler Chokoladenfarbe und so abgeglättet, daß die Sonnenstrahlen, wie das Gesicht und die Hände der Reisenden sich darin spiegeln. Es ist eine Gegend, die den Wanderer mit Bewunderung und mit Entsetzen zu­ gleich erfüllt, und wobei man sich das Murren und die Unzufriedenheit der armen Israeliten leicht denken kann, die hier vor Hunger und Durst beinahe umkamen und schmerzlich an das Land des Ueberstusses zurückdenken muß­ ten, was sie so eben verlassen hatten. — Auf der Höhe des Sinai, gerade auf der Stelle, wo der Herr dem Mo­ ses im feurigen Busche erschien, liegt das Sc. Katharinen-Kloster, welches, mitten unter den ruchlosen Stämmen der Araber, eher den Namen einer Festung verdient. Mi t starken Mauern umgeben, wo man mehrere Geschütze auf­gefahren sieht, hat es nur einen Zugang, der vermittelst eines Seiles bewerkstelligt wird, das von einer großen Höhe der Mauer herabgelassen, und an dem man hinaufgewun­den wird. Doch sind die griechischen Mönche, welche das Kloster bewohnen, sehr gastfrei. — I n Frankreich halten sich gegenwärtig 47.00«, und in Paris allein 20,«0» Engländer auf. Wenn man an­nimt, daß jeder Einzelne täglich nur anderhalb Thaler aus­gibt, so lassen alle zusammen jährlich eine Summe von mehr als 22,000.000 Thaler im/ Lande, die sie ihrem Va­terlande entziehen. I n Frankreich (Marne Departement) ist gebrechlichen und alten Leuten in ihrer Gemeinde wohl erlaubt, förm­lich zu betteln, aber sie müssen einen Schild mit der Auf­schrift: „Bettler" auf der Brust tragen. Unlängst wurde bei einem Heirathsaufgebot in Cambrai der Bräutigam mit dem Prädikate „Bettler" aufgeführt. Die literarische Thätigkeit des jungen Griechenlands ist sehr erfreulich. Sieht man die in neuester Zeit erstan­denen Buchdruckereien und deren Erzeugnisse, so muß man erstaunen, wenn man bedenkt, daß dieselben auf eine Be­völkerung von etwa 800.000 Einwohnern kommen, wozu aber noch die griechische Bevölkerung in der Türkei zu rech­nen kömmt. Auch ist bereks der Grundstein zur Universi­tät am 14. Juli d. I . feierlichst gelegt worden, welcher Akt durch die Anwesenheit beider Majestäten verherrlicht wurde. Theater - Nachricht. Wir geben hiermit den Theaterfreunden Laibachs bekannt, daß Herr Josep h Glo g gl , der neue Unternehmer und Direclor des hiesigen stän­dischen Theaters, mit seiner Sänger- und Schauspielern Gesellschaft Dien)« lag am lu. d. M. aus Wien hier eintrifft, worauf dann Sanistag an, 14. unter Beleuchtung des äußern Schauplatzes mit den» N a u er n fei d'sche» Lustspiele : D c r M a ler u n d seine Frau", einem Reperioirstücke der ersten Buhnen Deutschlands, die Wiedereröffnung des Theaters Statt fin­det. De», Stücke wird ein Prolog, gedichtet von M. G. Saphir, voran« gehen. Sonntag darauf kommt Nestroy's Posse: «Nagcrl und Hand­schuh" und Montag (am diesjährigen Landtage) unter Beleuchtung des äußern Schauplatzes Bcllini' s herrliche lyrische! Oper: >,W!«rma" zur Aufführung. Herr Direktor Glog gl ist unser,» kunstsinnigen Publikum bereits vorthcilhaft bekannt, daher wir auch von seinen, Geschmocke und seiner Uni­sicht das Neste hoffe» wollen, und der abermaligen Eröffnung der Schau­buhne mit Ansprüchen und Erwartungen entgegensehen, denen Hr. Glögg l gewiß genügend zu entsprechen sich bemühe» wird. Literarische Neuigkeiten. (W ien.) Bei W allis hau sser erschiene» und erscheinen: »Der fahrende Sänger», Nachbildungen alter Legenden, Balladen und Reime von dem genialen Ioh. Nep. Vogl ; ferner D ei n h ard ste in's »bezähmte Widerspenstige" »ach Shakespeare in gefälliger Auflage. Bei Rohr­mann uud Schweig erd ist unter der Presse: »Heraldische Blumen, Wappenbilder uud Tchildsagcu" von Rcalis . (Prag. ) Die slavische Journalistik nahet sich, statt des Norwärts­schrcitens, vielmehr dem gänzlichen Verfalle, und befindet sich in einer tross­lose» Lage. Sowohl die «böhmischen Blüten" als die »böhmische Biene" werden immer seichter an Gehalt, und nur die »Museuniszeitschrift" behält ihre» Werth und ihr Interesse für den Gelehrten. (Stuttgart.) Bei Colt» erschien: »Das Leben Jesu.« — Evan­gelienharmonie in gebundener Rede, von Friedrich Rüctert . Dieses Wert, von einem der größten jetzt lebenden deutschen Dichter in gereimten Alexandrinern verfaßt, erlebt bereits seine zweite Auflage. (P cst h.) H ammer-P u rgsta II wird bei Hartlcben eine »Ge­schichte der Mongolen" herausgebe». Bei der tiefen Gelehrsamkeit des Au­tors in den orientalischen Sprachen, bei de» unerschöpflichen, nur ihm zu Gebothe stehenden Hülfsquellen über diesen Gegenstand, ferner bei seinen umfassenden, historischen Kenntnissen und der Gediegenheit seines Stnles, läßt sich über die bisher so wenig bekannte Geschichte dieses Volkes ein klassi­sches, rcele» Aufschluß gebendes Wert erwarten. Logogryph. Vier Zeichen nur enthält mein kurzer Name Und es unischließt mich ein gebrechlich Haus; Doch nur in mir gedeiht des Himmels Same, Des Lebens warmer Strom geht bei mir ein und aus. Obgleich ich eine Welt in meinem Schooß verberge, So ruh' ich selber doch, wenn mir mein Erstes fehlt, I m stillen, düstren Schooß der Berge, Von schnöder Habsucht unterhöhlt. Mein Letztes mir geraubt und rückwärts mich gelesen, Irr ' ich durch Wald und Flur, ein niedlich flüchtig Wesen. Ä. I. W. MZ ' Der heutigen Canuolia liegt ein literarischer, Kunst- und Musikalien-Anzeiger des Leopold Pa­ ternolli in Laibach bei. Laibach. Druck und Verlag von Joseph Vlasnik.