Preis ganzjährig: Österreich 2 S, Deutschland 2 Soldmark, Natten 8 hire, ütchechotlowakel 10 SK, Jugoslawien 24 Dinar, Ungarn 24.000 u. K, Schweiz 2 Franken, Amerika 2 Soldmark, Der Befllge Vater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Hpoifolifchen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Meilen geleien. Mit Empfehlung der hochwürdigiten Oberhirfen von Mixen, Brünn, Sraz, tieifmerifz, Mnz, Otmütz, Marburg, Crlenf, Erteil und Wien. Best 10 Oktober 1927. XXX. Jahrgang. X)er allgemeine flMsfionsfonntag. Bon Hochw. P. Heinrich Wohnhaas, P. S. C. Am 23. Oktober wird zum erstenmal der Weltmissionssonntag in allen Diözesen, Pfarreien und katholischen Instituten gefeiert. Er verdankt seine Einsetzung einer Bittschrift, die der Generalrat des allgemeinen Vereins der Glaubensverbreitung im Frühjahr 1926 an den Heiligen Vater gerichtet hat, worauf dann die päpstliche Ritenkongregation die folgenden Bestimmungen erließ: „1. Der vorletzte Sonntag im Oktober soll in der ganzen katholischen Welt als Gebets- und Werbetag für die Missionen begangen werden. 2. Alle Priester müssen an diesem Tage bei der heiligen Messe die Oration für die Verbreitung des Glaubens einlegen; 3. In den Predigten sollen die katholischen Missionsaufgaben gewürdigt und die Gläubigen zum Eintritt in die päpstlichen Missionsvereine aufgemuntert werden. 4. Ein vollkommener Ablaß wird unter den gewöhnlichen Bedingungen jenen gewährt, die für die Bekehrung der Heiden beten. 5. Bei Missionsfesten und Kongressen ist die feierliche Votivmesse für die Verbreitung des Glaubens gestattet." Da der Weltmissionssonntag eine Neuheit darstellt, dürfen wir es wohl nicht unterlassen, auf die Bedeutung und Tragweite dieser Anordnung des Heiligen Stuhles hinzuweisen. Über den Wert und Nutzen eines allgemeinen und gleichzeitigen Missionssonntages auf dem ganzen katholischen Erdkreis äußert sich die erwähnte Eingabe an den Papst folgendermaßen: „Ihre Sorgen, Heiliger Vater, geben dem Missionswerk täglich größeren Antrieb und zielen dahin, alle Gläubigen mit Interesse für die Bekehrung der Ungläubigen zu erfüllen. Der gemeinsame Gebets- und Opfertag für die Missionen wird die Größe und Erhabenheit der katholischen Missionsaufgaben beleuchten, den Eifer der Geistlichkeit und des Volkes beleben und eine günstige Gelegenheit bieten, den Verein der Glaubensverbreitung kennenzulernen und einzuführen; vor allem aber eine sanfte Gewalt auf das Herz Jesu ausüben, um zu erlangen, daß die allgemeine Kenntnis seines göttlichen Königtums eine Beschleunigung erfahre." Sehr treffend wurde der vorletzte Oktobersonntag als Weltmissionssonntag gewählt. Am 1 letzten Sonntag im Oktober begeht die Kirche das 1926 eingesetzte Königsfest Christi. Nun besteht aber ein inniger Zusammenhang zwischen dem Weltmissionssonntag und dem Weltkönigsfest Christi, das uns den Heiland nicht bloß als König der Seelen und Herzen, sondern auch der Familien und Gemeinden, der Staaten und Völker vor Augen stellt. Schon als Gottmensch ist Jesus Christus der natürliche König der gesamten Menschheit. Seine Königswürde ist eine angeborene, unverlierbare, unveräußerliche. Außerdem hat er sich durch sein Erlösungswerk noch ein eigenes und besonderes Recht auf die Weltkönigswürde erworben. Allein wie viele kennen nicht einmal den Namen Christi, ihres Königs! Wie viele Stämme und Nationen leben noch außerhalb seines Reiches! Wie viele Millionen sind noch ausgeschlossen von den Heilsgütern der Kirche! Wandeln ja noch Zweidrittel der Menschheit in der unseligen Nacht und Finsternis des Heidentums! Der Missionssonntag will uns die erschütternde Tatsache von neuem in das Gedächtnis rufen und das christliche Volk in allen Ländern anspornen, an der Ausbreitung der Königsherrschaft Christi mitzuwirken, damit die Zahl seiner Untertanen sich mehre und die Heiden in immer größeren Scharen sich um seinen Thron sammeln; denn „es ist in keinem andern Heil und kein anderer Name ist unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden könnten" (Apg. 4, 12). Alle Gläubigen sollen sich daher im Geiste zusammenschließen zu einem gewaltigen Kreuzzugsheere, das für die religiöse Eroberung der Heidenwelt betet, opfert, leidet und kämpft, damit das Gottesreich sich tatsächlich ausbreite „von einem Meer zum andern und vom Fluße bis an die Grenzen der Erde, damit vor dem Herrn der Herrscher sich beugen müssen seine Gegner, ihn anbeten die Könige der Erde und ihm dienen alle Völker" (Ps. 71). Wie ernst und nachhaltig gerade jetzt dieser heilige Kampf geführt werden muß, beweisen die zeitgemäßen I Missionsrundschreiben Benedikts XV. vom 30. November 1919 und Papst Pius' XI. vom 28. Februar 1926; denn in keinem früheren Jahrhundert bot die Weltmissionierung so günstige Aussichten wie heutzutage, aber auch noch niemals traten so viele Gefahren für das katholische Weltapostolat in die Erscheinung wie in der Gegenwart. Christi Statthalter auf Erden, die Päpste, haben die Wichtigkeit der augenblicklichen Missionsstunde voll erkannt und „sind entschlossen, gar alles zu versuchen, um durch die apostolischen Herolde des Glaubens das Licht der Wahrheit des Evangeliums immer weiter vorantragen zu lassen und dadurch den heidnischen Völkern den einzigen Weg zum Heile zu bahnen" (Missionsrundschreiben Pius' XI.). Ein sehr günstiger Umstand für die Welt-rnissivn ist der moderne Weltverkehr. Die Schienenstränge der Eisenbahn und die Telegraphendrähte durchziehen Wüsten, Steppen und Urwälder. Radio und Flugverkehr scheinen die Schranken des Raumes und der Zeit fast niederzulegen. Länder und Völker, Weltmeere und Weltteile sind einander unvergleichlich näher gerückt. Die geographischen Missionshindernisse früherer Zeiten schrumpfen immer mehr zusammen. Diese Weltoffenheit und Welterschlossen-heit setzen die Missionäre instand, verhältnismäßig leicht und rasch bis zu den fernsten Ländern und Inseln vorzudringen und die frohe Botschaft von Christus und seinem Reiche allen Nationen und Stämmen zu verkünden: eine herrliche, von der göttlichen Vorsehung herbeigeführte Missionsmöglichkeit. Auf den großen Weltverkehrsstraßen hält die europäische Kultur ihren Einzug in die außereuropäische Menschheit. Ein riesenhafter Gärungs- und Umwalzungsprozeß hat die nichtchristliche Welt ergriffen. Mit wahrem Heißhunger streben die Heidenvölker danach, sich möglichst schnell alle irdischen Vorteile der Kultur und alle Errungenschaften der Technik anzueignen. Sollen wir diesen Kultur- und Bildungsdrang der farbigen Rassen nicht benützen zur Einführung des Evangeliums, in dem wir nach christlicher Auffassung den mächtigsten Spender, Förderer und Erhalter der allein echten Kultur erblicken? Neben der kulturellen Umwandlung und nationalen Umgestaltung offenbart sich bei den heidnischen Völkern eine mehr oder minder tiefgreifende Unzufriedenheit mit den überlie- über. Der gesteigerte und verbesserte Weltverkehr unserer Tage ermöglicht es natürlich auch dem modernen Unglauben und dem protestantischen Irrglauben, Eingang in die Heidenwelt zu finden. Und nicht ohne Erfolg. Die Erzeugnisse der ungläubigen Wissenschaft, Kunst und Literatur erzielen in den gebildeten und bildungsuchenden Kreisen der heidnischen Welt massenhaften Absatz und die falschen Grund- Msgr. Mohn, Apostolischer Präfekt, mit den ersten Firmlingen der jungen Präfektur Lydenburg. fetten Religionsformen und ein krampfhaftes Suchen nach neuer religiöser Einstellung und Blickrichtung. Darf die Sehnsucht der Heiden-ivelt nach einer werthaltigeren Religion ungestillt bleiben? Müssen wir sie nicht hinführen zu jenem, „der die Quelle lebendigen Wassers ist, das fortströmt ins ewige Leben" ?(Joh. 4,14.) Konnte man noch vor wenigen Jahrzehnten mit dem vollen Schein des Rechtes und der Wahrheit behaupten, manche Völker seien noch nicht reif für die Annahme des Glaubens, so Zeigt sich nun immer klarer, daß weiteste Flächen des Weltmissionsackers goldig reif sind zur Ernte und der Schnitter harren. Diesen hoffnungweckenden Aussichten stehen aber auch besorgniserregende Umstände gegen« sätze und Lehren werden mit erschreckender Rücksichtslosigkeit auf das Leben ausgemünzt. Atheismus und Liberalismus, Materialismus und Bolschewismus haben während der letzten Jahre in manchen Heidenländern schon ungeheure Verwüstung angerichtet. Es besteht die Gefahr, daß das Neuheidentum sich mit dem Altheidentum verbündet, um den Eintritt der Volksmassen in die katholische Kirche zu verhindern. Nicht geringer ist jene Gefahr, die der katholischen Weltmission von seiten des geldmächtigen englisch-amerikanischen Protestantismus droht, der unter Preisgabe des eigentlichen religiösen Missionszieles, irdisch-kulturelle wirtschaftliche, soziale, humanitäre und selbst politisch-nationale Zwecke verfolgt und die Führerrolle in den Missionsländern erstrebt. Dazu kommt, daß katholischerseits trotz erheblicher Steigerung des Personals und der Mittel die vorhandenen Kräfte fast nirgends ausreichen. Die Feinde der katholischen Mission stehen aber mit so starken Kräften und Mitteln auf der Walstatt, daß manche glauben möchten, der religiöse Wettkampf sei für die katholische Kirche bereits verloren. Er ist nicht verloren, wenn die katholischen Völker in dieser Entscheidungsstunde der Weltmission sich ihrer Missionspflicht und Missionsverantwortung bewußt werden. Die katholische Mission steht eben jetzt vor neuen, riesengroßen Aufgaben. Sie hat zwar räumlich den Erdkreis besetzt, aber von der räumlichen Besitznahme bis zur geistigen Eroberung der Volksmassen, bis zur religiösen Erfassung der Volksseele ist noch ein weiter Weg, der jedoch unverzagt beschritten werden muß. Das Streben der farbigen Völker, sich von der Bevormundung Europas freizumachen und ihre nationale Selbständigkeit mit allen Mitteln zu erkämpfen, verlangt als dringendstes Gebot der Stunde die Heranbildung eines einheimischen Klerus, einer bodenständigen, volk-verwachsenen Geistlichkeit in allen Missionsländern sowie die schrittweise Einsetzung eingeborener Bischöfe. Der starke Bildungsdrang, der sich der Heidenwelt bemächtigt, zwingt die katholische Mission, ein besonderes Augenmerk der Gründung und Errichtung von Schulen aller Art zuzuwenden. Nicht bloß Elementar-und Industrieschulen, sondern auch Mittel- und Hochschulen müssen erstehen, soll die katholische Mission nicht zur ausschließlichen Wirksamkeit unter den niedern Klassen und den Kastenlosen sich verurteilt sehen. Das erwachte Geistesleben der Eingeborenen fordert weiterhin die Schaffung und den Ausbau einer katholischen Presse, einer einheimischen Buch- und Zeitschriftenliteratur. Ebenso erheischen die Unternehmungen der christlichen Liebestätigkeit, der Kranken-, Waisen-und Armenpflege und der missionsärztlichen Fürsorge tatkräftige Förderung, denn auf diesen Gebieten hat der Protestantismus schon vielfach den Vorsprung gewonnen. Und nicht zuletzt muß auch, wie der Heilige Vater in seinem Missionsrundschreiben sagt, „eine viel größere und in verschiedener Beziehung besser ausgebildete Zahl von apostolischen Arbeitern in die unermeßlichen, unbegrenzten Länder entsandt werden, die des Christentums noch nicht teilhaftig wurden." Die Lösung all dieser Missionsaufgaben der Gegenwart ist nun aber nicht möglich ohne vollste Unterstützung der christlichen Heimat. Daher das unablässige Bemühen des Heiligen Vaters, alle Katholiken für das Missionswerk zu begeistern und zu organisierter Missionspstege und dauernder Misstonsunterstützung anzuleiten. Sowohl die religiösen Mittel, Gebet, Messt und Kom-munionempfang, als auch die materiellen Mittel, über die die Katholiken des Erdkreises verfügen, sollen in reichem Maße der katholischen Weltmission zuströmen. Es handelt sich eben nicht mehr darum, ob dieses oder jenes Volk oder Völkchen, sondern ob der Erdkreis katholisch werde oder nicht. Nicht etwa bloß aus die jährliche Erhöhung der Taufziffern kommt es an, sondern aus die möglichst rasche Durchsüuerung der Heidenwelt mit der katholischen Lebensauffassung und Weltanschauung, damit die wahre Kirche auch im öffentlichen Leben der farbigen Nationen jene Stellung gewinnt, die ihr nach göttlicher Anordnung gebührt. Die Einsetzung eines allgemeinen Missionssonntages ist darum in der ganzen gegenwärtigen Missionslage tief begründet; denn er bezweckt nichts anderes als die Sammlung und Zusammenfassung aller Kräfte des heimatlichen Katholizismus für den religiösen Weltentscheidungskamps. Wie der Missionssonntag des nähern zu feiern sei, ergibt sich aus den Weisungen der Ritenkongregation zur Genüge. Er soll ein Gebets-, Werbe- und Opfertag für die Missionen sein. Die Weltmissionierung ist wesentlich eine religiöse Frage und Aufgabe, deren Lösung durch eifriges und anhaltendes Gebet von der göttlichen Barmherzigkeit und Vorsehung erfleht werden muß. Der Missioussonntag sei deshalb ausgezeichnet durch das vereinte und ernste Gebet der katholischen Welt. Er finde alle Kinder der Kirche, Priester und Laien, auf den Knien vor den Altären, bittend und rufend, daß ein neues Pfingsten über die Menschheit komme und das Antlitz der Erde erneuert werde. Das schönste, feierlichste und wirksamste Gebet ist die heilige Kommunion. In allen katholischen Instituten, und womöglich in allen katholischen Pfarreien, sollte eine Missionsgeneral-kommunion stattfinden. Da betet dann nicht mehr das Volk allein, sondern mit ihm vereint Christus selbst, der Begründer und Herr der Weltmission. Weiters soll der Missionssonntag Werbe-chararakter aufweisen. Die Prediger sollen von der Wesensaufgabe der Kirche, der Verbreitung des Glaubens unter den Heiden, zum Volke reden und es zum Eintritt in die päpstlichen Missionsvereine ermuntern. Bei der heutigen Fülle der Missionsliteratur und ihrer leichten Erreichbarkeit kann es auch den mit Arbeit überbürdeten Seelsorgspriestern nicht schwer fallen, dem Wunsche des Oberhauptes der Kirche Folge zu leisten. Besteht in der Pfarrei noch kein Missionsverein, so wäre der allgemeine Missionssonntag wohl der geeignetste Einführungs- und Organisationstag für den Verein der Glaubensverbreitung. Man würde jedoch der kirchlichen Weltmission einen schlechten Dienst erweisen, wollte man die Opferfreudigkeit der.Gläubigen geflissentlich auf den Beitritt zum Xaverius-Verein oder Ludwig-Missionsverein beschränken- Nach den neuesten Berechnungen erfordert das heimatliche und überseeische Missionswerk alljährlich etwa 150 bis 200 Millionen Gold-mark. Sämtliche Missionsvereine bringen erst etwa den vierten Teil dieser Summe auf, während Dreiviertel der notwendigen Missionsauslagen durch anderweitige Erwerbs- und Einnahmequellen gedeckt werden müssen. Mit Recht sagt P. Freitag in seiner Missionskunde (S. 33): „In und nach dem Kriege sind manche Missionen und selbst heimatliche Missionsbetriebe fast nur durch Privatkollekten und Meßstipendien erhalten und unterhalten worden. Schon deshalb würde eine allzu starke Organisation und Unterbindung der privaten Sammeltätigkeit sich gegebenenfalls bitter rächen. Sie würde aber auch durch Hineinspannen aller freien Liebestätigkeit in die offiziellen Organe sehr viele Guttaten, die eben nur im Verborgenen getan sein wollen und die sich selbst ihr Ziel suchen, vollständig ausschalten. Und nicht zuletzt würde die beste Werbekraft für das Missionswerk ziemlich aufhören, die individuelle Propagandatätigkeit der Missionäre und Gesellschaften, die durch keine bezahlten Agenten wettzumachen ist. Missionsfeste und Missionsabende haben in der aktuellen Gegenwart durch diese individuelle Propaganda ihren unbestrittenen Erfolg zu verzeichnen." Der Missionssountag ist letzlich auch ein Opfertag im engeren Sinn des Wortes. Obschon keine Missionskollekte für diesen Tag vorgeschrieben wurde, werden sich doch die Gläubigen bei entsprechender Feier des Tages auch zu edelmütiger materieller Unterstützung des Missionswerkes angeregt fühlen. Dem Seelsorger steht das Recht zu, die Sammeltätigkeit zu überwachen und in geordnete Bahnen zu leiten, jedoch unter Rücksichtnahme aus die Meinung der Spender und der von ihnen aus individuellen Gründen bevorzugten Missionen und Missionsanstalten. Den Predigern und Seelsorgern aber muß an diesem Tage als Hauptziel vor Augen stehen, daß ganze gläubige Volk über das Missionswerk aufzuklären und zu hochherziger Missionshilfe anzuregen. Denn viele stehen dem Heidenapostolat noch ziemlich verständnislos gegenüber, viele aus den besseren Kreisen haben die Bedeutung der katholischen Weltmission überhaupt noch nicht ersannt, obschon nicht zu leugnen ist, daß ein krästiges Erwachen zur Missionsbetätigung durch Klerus und Volk geht. Ungezählte aus den ärmeren Klassen erschöpfen sich fast an Opfersinn für die Heidenbekehrung. Der Ernst der Lage gebietet es aber, daß keine Pfarrei und keine katholische Familie mehr sich der Missionsverpflichtung entzieht. Der rückwirkende Segen wird den göttlichen Verheißungen zufolge nicht ausbleiben. So möge denn der allgemeine Missious-sonutag dazu beitragen, alle katholischen Völker des Erdkreises mit jenem Missionseifer zu erfüllen, der eines der erfreulichsten Lebenszeichen der Heimatkirche ist und der den Sieg des Katholizismus über die Mächte des Unglaubens und Irrglaubens in den Heidenländern verbürgt. Firmung in „HMricFCrofK t- Bon Hochw. F. Bernhard Zorn, F. S. C. Obwohl die Apostel gute und fromme Männer waren, von Jesus selbst auserwählt, drei Jahre laug bei ihm in die Lehre, in die Schule gegangen, von ihm zu Priestern geweiht und ausgesandt, der ganzen Welt zu predigen: solange der Heilige Geist nicht über sie gekommen war, blieben sie schüchtern. Ganz andere Menschen wurden sie am Pfiugstfeste: Wie feurige, beredte Zungen verkündeten sie mit wundervollem Freimut und erstaunlichen Erfolgen die Lehre des Gekreuzigten, selbst jeneu, die ihn gekreuziget hatten. Auch in den Missionen wirkt der Heilige Geist heute noch wie am ersten Pfingst-feste. Er ist und bleibt ja ewig derselbe und seine Gaben sind und bleiben ebenfalls dieselben. Am Pfingstfeste 1927 stieg er hier in „Maria-Trost" auf eine ansehnliche Schar Auserwählter hernieder. 49 erhielten vom Hochwürdigsten Herrn Präfekten P. Mohn die heilige Firmung. Es wären 50 gewesen, doch wurde einer kurz vorher krank. Unser Kirchlein war schön geschückt. Die Firmlinge waren gut vorbereitet. Besonders hatte man ihnen die sieben Gaben des Heiligen Geistes ausführlich erklärt und so in ihnen eine wahre Sehnsucht erweckt, selbe möglichst bald zu empfangen. Einige empfingen während der ganzen Vorbereituugsnoveue täglich die heilige Kommunion, damit ihr Herz doch ja eine würdige Wohnung werde für den hohen Gast. Ein braves Mädchen, eine von den besonders eifrigen Schülerinnen Jesu, kam noch kurz vor dem Amte zu mir und vertraute mir etwas schüchtern an, sie möchte wohl noch beichten, aber sie fände absolut nichts, was paßte; — eine Negerin, eine Tochter Chams! Um U? 10 Uhr begann das feierliche Hochamt coram Sanctissimo, zelebriert vom Hochwürdigsten Herrn Präfekten. Das Missionspersonal, Patres und Brüder, assistierte. Der Gesang, ausschließlich von Eingeborenen vorgetragen, den eine Lehrerin von hier, selbst ein Firmling, leitete, war tadellos. Während des Amtes empfingen alle die heilige Kommunion, einige zum ersten Male. Es folgte der sakramentale Segen und nach demselben eine kurze feurige Ansprache über die hohe Bedeutung des Sakramentes, das sie nun empfangen sollten. Andächtig lauschten die Glücklichen; ihre Augen strahlten vor Freude. Sie waren ja immer recht brav in der Kirche, hörten stets andächtig und aufmerksam zu; aber wie heute habe ich sie noch nie gesehen, selbst nicht am Tage ihrer Taufe und ersten heiligen Kommunion! „Der Erdkreis lag in Nacht verhüllt" beginnt ein schönes deutsches Kirchenlied, das ich immer so gerne gesungen habe. Nach dieser Melodie fingen wir in der Zulusprache unser Anrufungslied zum Heiligen Geist. Unmittelbar vor der Firmung wurde es angestimmt: mit solcher Begeisterung, Wärme und Liebe habe ich es noch nie singen hören! Hierauf begann die Firmung. Begreifen kann Bevor ich jedoch meinen heutigen Bericht schließe, möchte ich noch einige Tatsachen erwähnen, welche von dem guten Geiste unserer ersten Christen Zeugnis geben: Am Freitag morgen, oder eigentlich noch „Theresia", eine Lehrerin in „Maria-Trost". (Täufling einer Wohltäterin aus Nestelbach.) (Phot. v. P. Beruh. Zorn, F. S. C.) fr —<\ 1 75) 1: S qp □in f 1 man es ja, daß Monsignore während der feierlichen Zeremonien sehr ergriffen war (ich merkte es an seiner Stimme), da er sie heute zum ersten Male vornahm; doch trug die andächtige und feierliche Haltung unserer Firmlinge auch sicher ihren Teil dazu bei. Ein feierliches Tedeum bildete den würdigen Schluß. in der Nacht, erschienen in meinem Zimmer zwei Burschen und meldeten mir, daß ein Mann, ein naher Verwandter von ihnen, mehr als 50 Meilen von hier, sehr schwer krank und noch nicht getauft sei. Erst kannte ich die Burschen gar nicht, es war ja noch finstere Nacht. Als ich aber Licht machte, bemerkte ich, daß es zwei von den Firmlingen für Pfingsten waren. Ich fragte sie nun besser aus: „Wer ist denn so schwer krank?" — „Unser Onkel."— „Kann ich mit dem Pferde noch heute hin und zurück?" — „Unmöglich! Es ist über 50 Meilen (17 Gehstunden) von hier." — „Ich kann also unmöglich mitgehen: ich muß zudem heute und morgen die Firmlinge vorbereiten und beichthören." — „Wenn unser Onkel aber ohne die heilige Taufe stirbt?" — „Unterrichtet ihr ihn so gut als möglich, fragt ihn, ob er die heilige Taufe begehre und taufet ihn, so wie ich es euch gelehrt habe!" — „Gut." Ich schrieb ihnen den nötigen Reisepaß und sie verschwanden im Dunkel der Nacht. — Tags darauf hörte ich, daß ihre Großmutter auch mitgegangen war: Also drei Firmlinge weniger zu Pfingsten! dachte ich mir; es war mir etwas unangenehm, doch ließ sich nichts daran ändern. Doch wie staunte ich, als ich am Pfingstmorgen die drei vor meinem Beichtstühle sah! Am Freitag waren sie hingegangen, in der Nacht zum Samstag angekommen. Ein paar Stunden hatten sie sich beim Kranken aufgehalten und noch in derselben Nacht den Rückweg angetreten. Den ganzen Samstag und einen Teil der Nacht auf Pfingsten waren sie gegangen, um nur ja die Zeit der Firmung nicht zu verpassen! Daß solche Leute die Sache ernst nehmen und lebendigen Glauben haben, braucht nicht bewiesen zu werden. Es war auch in der Woche vor Pfingsten, als ich von einer Neugetauften einen Brief erhielt, worin sie mir mitteilte, daß ein Mann dort schwer krank daniederläge. Sie habe ihn schon etwas unterrichtet, doch würde es gut sein, wenn ich selbst käme und Taufwasser mitbrächte. — Ich machte mich alsbald auf den Weg und zwar im Galopp! — Der Mann war eben noch bei Besinnung und konnte, wenn auch nur mit Mühe, auf alle meine Fragen antworten. Er war Heide. Fürchtend er möge sich durch vieles Reden zu sehr an- strengen/riet ich ihm, meine Lehren und Ermahnungen aufmerksam anzuhören, zu beherzigen, und nur zu sprechen, wenn ich es notwendig fände, ihn zu fragen. — Ich redete ihm mehr als eine Stunde lang zu. — Manche mögen es grausam finden, einen armen Sterbenden so zu plagen! —- Ich selbst hatte auch das Empfinden. — Doch, dachte ich mir und sagte es laut zu den Anwesenden: „Dieser arme Mann hat nur wenige Stunden mehr Zeit, seine Seele zu retten, den Himmel zu gewinnen. — Benützt er sie in geduldigem Leiden, so kann er sich damit die ewige Ruhe und Glorie im Himmel verdienen!" — Der Sterbende nickte zustimmend und bat mich, fortzufahren, ihn zu belehren und ihn doch zu taufen: das bringe ihm Trost, lindere seine Leiden. So fuhr ich denn fort, von Gott und dem schönen Himmel zu reden. Doch seine Lebensgeister wurden Zusehens schwächer. — Ich zündete zwei Kerzen an und begann die Taufzeremonien. Mein Firmling, sein Schutzengel, machte die Taufpatin. —- Ich mußte an die Heimreise denken. Noch ehe die Sonne untergegangen, war unser „Josef" schon im Himmel, wo er sicher schon für uns gebetet hat und uns auch in Zukunft stets ein dankbarer Schutzengel sein wird! Aufgemuntert durch diesen glücklichen Erfolg, suchte das brave Mädchen (sie ist Lehrerin in der Außenschule zu Enkeldoorn) noch andere Kranke auf. Sie brauchte nicht lange zu suchen, bis sie fand, was sie wünschte. Einem schon älteren Manne war vor Jahren ein Wagen über den Kopf gefahren. Ein Auge wurde arg beschädigt, das andere vollständig zerquetscht. Zu diesem armen Manne führte sie mich eines Tages hin. Groß war dessen Freude und nicht geringer sein Erstaunen, als er sah, daß der weiße Mann ihn wirklich besuche und Mitleid mit ihm zeige. Medizinen, die ich ihm mitgebracht hatte, konnten allerdings unter solchen Umständen wenig mehr nützen, schaden konnten sie auf keinen Fall. Andere Medizinen habe ich noch, stets bereit und stets wirksam, nicht für den Leib, sondern für die Seele. Sie kosten nichts und werden mit vollen Händen ausgegeben. Begierig lauschte der Mann auf die frohe Botschaft vom Himmel: Die Liebe Gottes zu allen Menschen, das Erlösungswerk Jesu Christi — die heilige Kirche — die heiligen Sakramente, besonders die Taufe, die uns zu Kindern Gottes macht; das alles war Balsam für seine Seele! — Als ich Abschied nahm, versprach ich, bald wiederzukommen. An den Tagen, wo ich nicht selbst kommen könne, würde ich ihm die Lehrerin senden. Diese nahm den Auftrag freudig an. Als Begleiterin nimmt sie stets ihre Hilfslehrerin mit. Diese ist zwar noch Protestantin, lernt jedoch fleißig den Katechismus. — Als ich ihr sagte: „Doris, wenn du mir so schön hilfst, Seelen für den Himmel zu gewinnen, wird der liebe Gott dir auch sicher noch die Gnade geben, einst eine gute Katholikin zu werden und dich mit ihnen in den Himmel aufnehmen!" —Dieser Ausdruck war ein bißchen gewagt... für eine Protestantin! —- Doch sie antwortete prompt: „Das ist es ja, was ich wünsche, — wonach ich mich sehne!" BB Abreise in die Mission. BB Am 9. August schifften sich in Hamburg zwei unserer Missionäre nach Südafrika ein: Hochw. P. Joh. Riegler, ein Sohn der grünen Steiermark, und Fr. Heinrich Send-ker, der infolge seiner langjährigen Wirksamkeit in Mittelafrika schon den Titel eines Afrikaners verdient. Möge Gott der Herr die beiden glücklich über die See geleiten und sie unter den armen Zulukaffern nicht bloß ein großes Arbeitsfeld finden lassen, sondern ihr Wirken auch mit reichstem Erfolge krönen ! Wir bitten alle Leser des „Stern der Neger" um ein gütiges Momenta in diesem Sinne. ES ES 0 Umschau. Nom. Am 7. August hat der Heilige Vater den König Fuad von Ägypten in feierlicher Audienz empfangen. Die Unterredung zwischen dem Papst und dem Herrscher währte 20 Minuten. In einem Begrüßungsartikel weist der „Osservatore Bomano" (Römischer Beobachter) auf den großen Fortschritt hin, den der Katholizismus während der letzten Jahre int Niltal gemacht hat. Die religiöse Freiheit erlaube denKatholiken der verschiedenen Riten, mit Ruhe und mit wachsendem Erfolg ihre Mission durchzuführen. Die Katholikenziffer sei gestiegen, die katholische Hierarchie mit drei apostolischen Vikariaten, zwei koptischen Bischöfen und einem armenischen Bischof neu geordnet und dem apostolischen Delegaten in der Hauptstadt Kairo eine ständige Residenz geschaffen worden. Das katholische Schul- und Unterrichtswesen entwickle sich immer günstiger im Lande. Seine Majestät König Fuad lasse keine Gelegenheit vorübergehen, um den religiösen Kongregationen für ihre segensreiche kulturelle und soziale Tätigkeit seine Hochachtung und Wertschätzung zu bekunden. König Fuad ist Mohammedaner. Sein Verhalten gegen den Heiligen Stuhl und die Missionäre in Ägypten steht aber in wohltuendem Gegensatz zu dem blutigen Katholikenhaß der Oberhäupter anderer Staaten. Asien. Die von Kardinal van Rossum im Frühjahr gemachte Ankündigung, daß auch Japan einen einheimischen Bischof erhalten werde, ist nun zur Tatsache geworden. Der Heilige Stuhl hat die bisherige Diözese Nagasaki in zwei Bistümer zerlegt: Nagasaki und Fukuoka. Während die Leitung des letzteren Ferdinand Thiry aus dem Pariser Missionsseminar übernimmt, wurde zum Bischof des ersteren der japanische Priester Januarius Hayasaka ernannt. Gleichwie den sechs chinesischen Bischöfen wird auch diesem ersten eingeborenen Bischof Japans der Heilige Vater zu ernten, den seinerzeit der japanische Kronprinz und nunmehrige Kaiser Hirohito dem Papste abgestattet hat. Afrika. In der ersten Julihälfte fand zu Kimberley unter dem Vorsitz des apostolischen Delegaten für Südafrika Monsignor Gyls-wijk eine Konferenz der südafrikanischen Ober- selbst am 30. Oktober die bischöfliche Weihe erteilen. Monsignore Hayasaka, geboren 1885, studierte am Propagandakolleg in Rom. Nach Japan zurückgekehrt, war er Jahre hindurch in der Seelsorge tätig, bis ihn 1920 der damalige apostolische Delegat von Japan Fumasoni-Biondi zu seinem Sekretär erwählte. Er bekleidete dieses Amt auch unter dem jetzigen Delegaten Monsignore Giardini, dem es vergönnt war, die Früchte des Besuches Hirten statt, die den mexikanischen Bischöfen die innigste Anteilnahme an ihrem harten Lose aussprach. Bischof Eder von Namaqualand war krankheitshalber am Erscheinen verhindert und zwei abwesende Prälaten hatten Vertreter entsandt. Im Gebiete der Südafrikanischen Union wohnen auf einem Flächenraum von 472.347 Quadratmeilen 1,676.660 Europäer und 5,690.000 Neger. Alle europäischen Sekten sind unter der Bevölkerung vertreten und fortwährend entstehen neue, so daß die religiöse Verwirrung von Jahr zu Jahr wächst. Eine amtliche Zählung von 1921 verzeichnet unter den Europäern 838.982 Kalviner, 294.626 Anglikaner, 102.771 Wesleyaner, 74.999 Presbyterianer, 10.598 Kongregationalisten, 19.098 Lutheraner und 62.103 Juden. Die Zahl der weißen Katholiken wird auf 61.246 beziffert. Von den Eingeborenen waren 730.000 Wesleyaner, 420.059 Anglikaner, 276.486 Kalvinisten, 241.807 Lutheraner, 145.723 Kongregationalisten und 115.897 Presbyterianer. Negerkatholiken bucht die Statistik 82.008, so daß die Südafrikanische Union 1921 insgesamt 143.254 Katholiken zählte. Mithin sind erst knapp zwei Prozent der Bevölkerung katholisch. Mehr als die Hälfte der Neger sind noch Heiden. Die katholische Mission ist zwölf Bischöfen und sieben apostolischen Präfekten anvertraut. Das Missionspersonal beläuft sich auf 251 Priester, 305 Brüder und 1774 Schwestern, die 262 Schulen unterhalten. („Osservatore Romano“ Nr. 182). Blühendes christliches Leben in Uganda. Die blühendste Mission der Weißen Väter in Afrika ist die des Apostolischen Vikariates Uganda. Die schwarzen Priester, 26 an der Zahl, leiten mit großem Erfolg schon den sechsten Teil der 219.000 Gläubigen selbständig. Für Priesternachwnchs ist zahlreich gesorgt. 112 Zöglinge sind in der Lateinschule, ebenso viele in den Klerikerschulen, 85 im Priesterseminar. Am 12. Juni wurden wieder fünf Priester geweiht. Die Missionäre leisten dies alles ohne staatliche Beihilfe. Die am 24. August 1926 nach 22jährigem Bestehen bestätigte einheimische Schwesternkongregation der „Töchter Mariens" zählt 134 Schwestern, die im Vorjahr 4524 Kinder von 7 bis 10 Jahren auf die Kinderkommunion vorbereiteten und 5038 Knaben und Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren während ihrer Vorbereitungszeit auf die feierliche Erstkommunion Lehrerinnen, Katechistinnen und Mütter zugleich waren. In den Missionsschulen ist die ganz imponierende Zahl von 31.830 Kindern. Trotz der großen Entfernungen empfingen die meisten Christen ihre Osterkommunion. Nicht weniger als 65.943 Christen nahmen an den geistlichen Übungen zur Vorbereitung auf die Osterkommunion teil. Trotz ihrer Armut brachten die Ugandachristen für den Unterhalt des Gottesdienstes die Summe von 66.518 Mark auf. Obwohl drei gut eingerichtete staatliche Krankenhäuser inderHanpt-stadt sich befinden, drängen sich die Leute zu dem ärmlich eingerichteten Krankenhause der Schwestern, wo im Laufe des Jahres nicht weniger als 45.568 Kranke gepflegt wurden. Einen großen Teil des Erfolges in dieser Mission, deren Blühen einzig dasteht im Leben der katholischen Missionskirche, schreiben die Patres der altbewährten Missionsmethode, besonders dem Festhalten an der gründlichen Katechumenatspraxis zn.(K. K.) Amerika. Nach Blättermeldungen sollen durch die unerhörte Katholikenverfolgung in Mexiko und die Gewalttätigkeiten der Calles-Regierung bereits 10.000 Menschen ihr Leben eingebüßt haben. Sämtliche Priesterbildungsstätten sind geschlossen. In hochherziger Weise wollen sich die spanischen Bischöfe der mexikanischen Priesteramtskandidaten annehmen und haben deshalb in ihren Diözesanseminarien schon 180 Freistellen für mexikanische Theologen gestiftet. Der Priester Thomas Lozano, der mit den ersten 17 Theologen aus Mexiko eingetroffen ist, berichtete, daß bei einer Fortdauer der Verfolgung die Absicht bestehe, alle Seminaristen Mexikos, über 2000, nach Spanien zu bringen und sie dort für das Priestertum ausbilden zulassen. („Das neue Reich", Nr.46.) X)er Zauberer der Gahiri. Eine Erzählung aus Kamerun von P. Johannes Emonts, 8. C. J. (Fortsetzung.) Kurzer Inhalt. P. Breuer hörte int Gehöft Ketams nichts von der eigenartigen Gerichtssitzung. Sie war ihm verheimlicht worden, denn die Bahiri fürchteten mit Recht, daß der Missionär in seiner großen Güte und Milde sich gegen die heidnische Härte und Grausamkeit wenden würde. — Den beiden Kranken ging es von Tag zu Tag besser. Ngemba als der Ältere und Stärkere machte schon nach Ablauf einer Woche die ersten Gehversuche. Sein Bruder Molozo, der ihn jeden Tag besuchte, lernte in den vielen Gesprächen mit dem Missionär diesen als einen sehr liebenswürdigen und freundlichen Mann kennen und lieben. Er bewunderte ihn in seiner aufopfernden Liebe zu fremden Menschen und P. Breuer erkannte bald, daß er an ihm wie auch an Ngemba einen treuen Freund und eine tüchtige Stütze für den Beginn des Missionswerkes unter den Bahiri haben werde. Auch Ulambi hatte sich bald so weit erholt, daß er der Ruhe nicht mehr so sehr bedurfte. Die strengen Schweigegebote wurden aufgehoben, und es wurde im Gehöfte des Bigmannes immer gemütlicher. Der Häuptling, der jeden Morgen den Kranken besuchte, brachte nun auch immer mehr andere Bigleute mit. So lernte der Missionär nach und nach die Großen und Vornehmen unter den Bahiri kennen, knüpfte mit ihnen freundschaftliche Beziehungen an, lachte und scherzte und zeigte sich als ein Mann größter Menschenfreundlichkeit. So erwarb er sich jetzt schon Vertrauen und Liebe und war als Missionär tätig, noch bevor er die Mission gegründet hatte. Endlich konnte P. Breuer dem Drängen des Häuptlings nachgeben und Ulambi in das Gehöft seines Vaters ziehen lassen. Die Übersiedlung sollte mit der größten Feierlichkeit vor sich gehen. Schon früh am Morgen erscholl zum erstenmal wieder die große Sprach-trommel; von den Gehöften der Bigleute kam die Antwort zurück und bald sah der große Platz in Bua-bengi eine bunte, lärmende Menge versammelt. Unter lautem Gesang und munterem Spiel, unter Jauchzen und fröhlichem Johlen ging es dem Gehöfte Ketams zu. Beschuba saß hoch zu Pferde, freilich war das nur ein alter Klepper. P. Breuer, Ulambi und Ketam erwarteten den Zug, der sich singend und spielend und tanzend näherte. Das war alles so bunt, so laut, so farbenreich, daß der Pater seinen Augen nicht traute. So etwas hatte er auch in Opolinda nicht gesehen. Beschuba ließ den Weißen seine Reiterkunststückchen sehen und hielt dann plötzlich mitten in scharfem Ritt vor seinem weißen Freunde, so daß der alte Klepper mit den Vorderfüßeu hoch in der Luft schwebte. Dann gebot er Ruhe und begrüßte mit warmen, herzlichen Worten den Missionär, feierte ihn als den Befreier seines Ulambi und der anderen Gefangenen und ernannte ihn schließlich zum Medizinmann des ganzen Stammes: „Wahrhaftig, der Weiße ist ein wirklicher Medizinmann, während unser Medizinmann von Medizin noch weniger versteht als ein Affe. Wer krank ist, soll zu ihm gehen! Ich will es! Wer es nicht tut, soll bestraft werden. Wir freuen uns, daß der Weiße unser Medizinmann geworden ist, und deshalb singen und spielen und tanzen wir. Und singend und spielend und tanzend führen wir ihn und den vom Tode gum Leben Erstandenen in mein Gehöft, wo alles bereit ist." Nun mußten P. Breuer und Ulambi die bereitgestellten Tragbahren besteigen und fort ging es unter Gesang und Tanz dem Dorfe zu. Das war ein Triumphzug, wie ihn der bescheidene Missionär nicht erwartet hatte. Auf dem Häuptlingsplatz angekommen, endete der Zug mit einem wirklichen Freuden- und Ehrentanz. Beschuba wies die schönste Hütte dem Missionär als Wohnung an. Solange es ihm gefiele, solle er dort bleiben. Für Lebensmittel hatte der gute Mann in geradezu verschwenderischer Weise gesorgt. Für P. Breuer war es nun an der Zeit, an die Errichtung der Mission zu denken. Eines Tages bat er den Häuptling, sich einen Platz für diesen Zweck aussuchen zu können. „Nächste Woche feiern wir das große Friedensfest," antwortete der Häuptling, „und wenn das vorbei ist, wird dein Gehöft gebaut. Mache dir keine Sorgen, Weißer, was ich einmal gesagt habe, bleibt gesagt. Ich habe noch nicht vergessen, was ich dir versprochen habe. Das ganze Bolk wird dir an deinem Gehöft helfen." So mußte der Pater sich gedulden. Unterdessen machte er gute Fortschritte in der Bahirisprache, lernte Sitten und Gebräuche immer besser kennen, was ihm alles für die Zukunft von großem Nutzen sein konnte. Die Frage nach den beiden Verbrechern beantwortete Beschuba immer ausweichend, sie seien in einem entfernteren Dorfe in Gewahrsam gehalten. Hätte der Pater geahnt, daß nicht sehr weit von ihm in einem Abteil des Gehöftes der Zauberer gefangen lag, er hätte ihn gewiß besucht und ihm Erleichterungen zu verschaffen gewußt. So aber ahnte er nichts von dem, was geschehen war und welche Grausamkeiten alltäglich an ihm vorgenommen wurden. Die angesagten Festtage rückten heran; ganz im stillen, ohne daß der Pater etwas ahnte, wurden die Vorbereitungen getroffen. 11. Kapitel. Ein Friedensfest der Bahiri. Kurz vor Sonnenaufgang! — Gespensterhast schleichen schwarze Gestalten durch das Häuptlingsgehöft, huschen fast unhörbar zum Tor hinaus und schauen erwartungsvoll gegen Osten. Leise flüstern sie sich zu: „Jetzt — jetzt — jetzt muß sie kommen!" Da funkelt der erste goldene Strahl über das Gebirge, er blitzt und gleißt den Wartenden in die Augen: das Zeichen zum Beginn des Festes 1 Der große Gong dröhnt über das Gehöft in langanhaltendem Wirbel, zunächst allein. Dann setzt ein zweiter ein mit hellerem Klang, dann ein dritter, ein vierter, ein ganzes Dutzend! P. Breuer wacht erschreckt auf, reibt sich den Schlaf aus den Augen und horcht: „Ach ja, das Dorffest! Mein Ehrenfest! Es wäre mir freilich lieber, wenn die Bahiri mir behilflich wären, meine Mission zu bauen!" Das Gebrumme und Gesumme verstummt. P. Breuer erhebt sich von seinem Feldbett. Bevor der eigentliche, vom Häuptling so geheimnisvoll angedeutete Festrummel losgeht, möchte der Missionär seine Morgenandacht verrichtet haben. Kaum hatte er die Boys mit einigen Schlügen au die Tür geweckt und ihnen Eile anbefohlen, als die brummenden Gongschläge wieder ertönen. Bei diesem zweiten Tusch geht es schon schneller und lauter als beim ersten. Nach sechs bis sieben Minuten wird alles ruhig. Das gemeinsame Morgengebet beginnt. Die beiden Boys und der Pater knien auf den Leopardenfellen. Ulambi sitzt im Reisestuhl des Paters. Im Hintergrund stehen die Träger, die seit einigen Tagen auch die täglichen Gebetsübungen stehend mitmachen. Sie sind von selber gekommen, ohne daß der Missionär sie aufgefordert hätte. Nach dem Morgengebet lieft der Missionär die Messe, bei welcher der schwarze Majiko und Kembä ministrieren. Die Musikanten tun ihre musikalische Pflicht mit immer größerem Eifer, sie hämmern und klopfen sehr unsanft auf die gespannten Gongfelle, schütteln ihre verschiedenartigen Nesselkörbchen und Steinkästen und trompeten auf ihren langen Bambusrohren. Nach einer Pause setzten auch die eisernen Doppelglocken und der Glockentornister mit den eisernen Schellen ein und vollführten einen wahren Höllenspektakel. — Ein Glück, daß der Pater mit seiner Messe zu Ende war! Eine Stunde ungefähr hatte das Morgenkonzert gedauert, dann trat wieder die tiefste Stille ein. Auf dem kleinen Häuptlingsplatz nebenan beginnt es sich zu regen. Wenn P. Breuer sich nicht täuscht, so ist Beschuba draußen bei der Morgentoilette; vor der Tür stehend, gießt er sich eine halbe Kalabasse Wasser über den Kopf und den Leib und pustet und schnauft, klatscht und patscht. Die schwarze Majestät scheint heute das Reinigungsgeschäft besonders eifrig zu betreiben. Bald nachher hört man ver-hallenes Schimpfen, und es ist — es kann freilich Täuschung sein — als ob Fußtritte ausgeteilt würden; ein leises Seufzen und stöhnen wird hörbar, man vernimmt eine zornige Männer- und zwei leise Weiberstimmen. Endlich wird die Verbindungstür zwischen den beiden Nachbargehöften zurückgeschoben, Beschuba tritt über die hohe Schwelle, streckt dem Pater, der gerade sein Brevier betet, die beiden Hände entgegen und spricht: „Weißer, das Fest hat begonnen, es ist dein Fest. Heute sollst du sehen, daß ich dir die Rettung Ulambis gebührend zu vergelten weiß." — „Wenn ich nicht die schöne Morgenmusik gehört hätte, müßte ich an deinem Kleid den Festtag erkennen. Ich war ganz erstaunt heute morgen, als ich erwachte und die Musik hörte." — „Hat's dir^ gefallen?" — „Das will ich glauben I So eine Morgenmusik habe ich in Opolinda noch nicht gehört." — „Opolinda versteht keine Feste zu feiern. Das können nur die Bahiri, das versteht nur Beschuba. Du wirst heute noch mehr sehen und staunen." — „Ja, Häuptling, gestaunt habe ich schon, und jetzt bewundere ich dein Festkleid, da wird jeder sehen, daß du- der große und mächtige Häuptling aller Bahiri bist." — „Den Hut hab ich mir nach meinen eigenen Angaben von den Haussah anfertigen lassen." Der Häuptling war wirklich köstlich anzusehen. Das war ein Festkostüm, wie man nur selten Gelegenheit hat eins zu sehen: ein großes faltenreiches Haussahgewand mit farbig gebordeten Rändern, an denen das Rot besonders grell hervorstach, rote Ledersandalen, feuerrote Strümpfe und ein riesiger Haussahstrohhut, dessen Kuppel so weit und groß war, daß der ganze Kopf darin versank, dessen Rand sich wie ein Rad um die Schultern legt. Damit man sehen könne, war dieser Riesenhnt an der Vorderseite fensterartig durchbrochen; und um das hervorschauende Gesicht war er mit hellrotem Tuch verziert. Von der rechten zur linken Schulter ging eine rote Schärpe, an deren Ende ein langes, mit dicken Quasten verziertes Haussahschwert hing. So stand die schwarze Majestät vor dem Missionär, der alle Anstrengungen machen mußte, ernst zu bleiben. „Heute ist eigentlich dein Festtag!" sagte nun Beschuba, „und so mußt auch du ein Festkleid haben. Weißer! Komm mit mir!" Der arme Missionär mußte mit in die königliche Garderobe, in eine der Hütten des Häuptlingsgehöftes, in der die Kleidungs- und Schmuckstücke Be-schubas aufbewahrt wurden. Einfach gearbeitete Bambuskästen wurden aufgeklappt. Da lagen wild durcheinander: Hüte, Haussahkleider, Sandalen, Perlenstickereien, unsagbar weite Haussahbeinkleider, Lendentücher, Schwerter, Dolche mit verzierten Griffen und Scheiden, Amulette und sonstige Schmuckgegenstände, die der Häuptling ganz gewiß gegen Frauen und Bahirimädchen eingetauscht hatte. Die Tücher und Kleidungsstücke schillerten in den buntesten Farben, in denen das Rot den Vorzug hatte. Alles war zerknittert, gedrückt, bestaubt und zer-bogen. Altes lag derart mit Neuem zusammen, daß man in einem Trödlerladen zu sein glaubte. Nun galt es, aus diesem Trödlerkram das rechte Festkleid für den Pater herauszufinden. Alle Ausreden halfen nichts. Endlich gelang es dem bestürzten Missionär, einen Ausweg aus dieser unangenehmen Lage zu finden, indem er sagte: „Dem Manne Gottes, dem weißen Lehrer und Gebetsmann, steht nur ein Kleid, wie ich es trage, und der weiße Sonnenhut. In den anderen Kleidern würde ich ohnedies derart schwitzen, daß ich mich schon nach wenigen Minuten vom Fest zurückziehen und umkleiden müßte." Das sah der Häuptling ein, aber da er sich nun einmal in die rote Farbe vernarrt hatte, mußte wenigstens etwas Rot dem Weiß zugefügt werden. Eine rote Schürze mußte P. Breuer nehmen; außerdem wurde ihm ein rotes Tuch, von dessen vier Quasten eine fehlte, von seiner Majestät so über den Tropenhut gehängt, daß zwei der Quasten rechts und links vom Gesicht, die dritte aber hinten auf dem Rücken herunterbaumelte. „Ein Glück," dachte der Missionär, „daß kein Weißer hier zu erwarten ist! Wenn jemand mich in diesem Auszuge sähe, wäre ich in der ganzen Kolonie unmöglich." Im Nebengehöft warteten die beiden Boys und Ulambi in neuen, farbigen Lendentüchern. Sie gingen zum großen Empfangsplatz vorauf. Da wimmelte es von Menschen, die sich auf ihre Weise festlich geschmückt, rot bemalst und mit Amuletten und drolligen Zauberdingen behängt hatten. Da sah man Schwarze mit rotbemaltem Gesicht, andere mit roten Beinen oder mit ebenso bemalten Armen; man sah sogar rote Längsoder Querstreifen, die an irgendeiner Stelle des Leibes angebracht waren, rote Punkte und Kreise, Vierecke und sonstige Figuren seltsamster Art, wie nur ein Schwarzer sie malen und und schön finden kann. Niemand kann sich auch nur annähernd einen Begriff machen von dem bunten Bild dieser eigenartigen Versammlung mit all den wilden Bahiri, die mit Lanzen, Kriegsschilden, mit Pfeilen und Bogen, mit breiten Buschmessern und blinkenden Dolchen, mit Masken und sonstigen Vermummungen sich zum Feste eingefunden hatten. Und wenn man dazu an die ohrenbetäubende, wilde, unsagbar eigenartige und unbeschreiblich mannigfache, herz- und steinerweichende Musik denkt, die in dem Augenblick einsetzte, als der Häuptling mit dem Pater und den drei Buben auf dein Platz erschien, dann bekommt man wenigstens eine kleine Vorstellung von dem Erstaunen des guten Paters, der auf so etwas nicht gefaßt war. Eine ganze Weile noch lärmten die Musikanten, dann brachen sie plötzlich ab, damit der große Beschuba die Versammlung eröffne. „Bahiri!" begann er feierlich, auf die Lanze gestützt. „Heute ist das Ehrenfest dieses Weißen, der uns das Geheimnis der Kesang ke bänu enthüllte, der uns Tufa, den Mörder und Verbrecher überlieferte und mir meinen Ulanibi zum Leben erweckte. Dem Weißen gebührt unser Dank, der Dank des ganzen Stammes. Ihm gebührt eine Ehrung, ein Festtag. Doch was sage ich? Ein Festtag ist zu wenig: acht Tage lang wollen wir feiern. Wir wollen spielen, singen und tanzen, wir wollen lustig und fröhlich sein! Wer mir eine Freude machen will, bei, wird den Weißen ehren. Ich erkläre ihn hier vor allem Volk als meinen Freund, als meinen Bruder! Ja, noch mehr! Höret, wie hoch ich den Weißen schätze! Ich erkläre, daß der Weiße von heute ab acht Tage lang euer Häuptling ist, ich aber will sein erster Bigmann sein. Das ist mein Wille! Ich, das große Oberhaupt aller Bahiri, will es!" Alle hörten erstaunt diese Worte und sahen dann, wie der große Beschuba vor den Weißen hintrat, eine leichte Verneigung machte, dreimal in die Hände klatschte und ein lautes „Nzon" (Majestät) in die zusammengelegten hohlen Handflächen hineinsprach. Das war der Gruß an den Häuptling. „Ja, der Weiße sei unser Häuptling!" ries es jetzt aus der Reihe der Bigmänner, und dann kam es wie mit einer Stimme aus der Männerschar hervor: „Der Weiße sei unser Häuptling!" Es erhoben sich nun der Reihe nach die Bigleute und Dorfgroßen. Sie schlossen sich dem Vorgehen Beschubas an und taten wie dieser. Die zahlreichen Dschindar waren dann an der Reihe; darauf die achtzig Frauen des Häuptlings. Die Kapelle hielt nun auch nicht mit ihrer Huldigung zurück und vollführte einen wahren Höllenspektakel, so daß P. Breuer Angst bekam, sein Trommelfell würde das allzu begeisterte Ehrengeton nicht ertragen. Da, hielt es ihn nicht länger, er erhob sich von seinem Ehrensitz und hielt seinerseits eine Rede an das versammelte Volk, in der er dem Häuptling und allen Bahiri für ihr großes Vertrauen banste und sie bat, ihm doch nicht zuviel des Guten anzutun. „Wie soll ich euer Häuptling sein, da ich mich als Häuptling nicht einmal zu benehmen weiß! So lege ich denn die Würde des Häuptlings wieder in die Hände Beschubas zurück und bitte alle, nicht mich, sondern ihn wieder als Oberhaupt anzusehen. Ich, der Weiße von Opoliuda, habe gesprochen." Beschuba ließ kaum die letzten Worte verklingen, als er auch schon seinen Leuten zuries: „Der Weiße ist wirklich allzubescheiden. Er mag nun wollen oder nicht, er bleibt acht Tage lang unser Häuptling! Darum schnell Palmwein herbei! Man beginne mit Gesang und Spiel! Man singe Loblieder auf den Weißen!" Die Bahiri, ganz außer sich vor Freude, gebärdeten sich wild und ausgelassen, sangen oder vielmehr brüllten tolle Jubelverse auf den neuen Häuptling und ließen alle tragbaren Instrumente in ohrenbetäubender Weise dabei erklingen. Die Nachmittagsfeier war auf dem großen Marktplatz, denn nicht nur die Torfgroßen des ganzen Stammes, sondern auch alle anderen Männer waren dazu eingeladen und fast ausnahmslos erschienen. Ein wuchtiger Kriegstanz mit donnernder Musik leitete die Feier ein. Als besonderer Punkt im Festprogramm erfolgte die Verhöhnung des gefesselten Tufa. Schlimm war es dem Verbrecher in seiner Gefangenschaft ergangen, schrecklich war er zugerichtet. Sein Haß war ihm selber zum Unglück geworden. Striemen und blutige Narben bedeckten seinen ganzen Leib. Ein Auge hatten seine Rächer ihm genommen und das zweite war blutunterlaufen. Beschuba, der Häuptling rief in die Volksmenge hinein: „Seht hier den Mörder seiner Stammesbrüder! Die Strafe hat ihn ereilt. Eine Spott- und Schreckgestalt ist er geworden. Man binde ihn zum abschreckenden Beispiel dort an den höchsten Ast! Während zweier Tänze soll er dort am rechten Arm aufgehängt bleiben und uns die Macht seines Schutzgeistes zeigen!" P. Breuer wollte sich dem Befehle Beschubas entgegenstemmen und die grausame Strafe verhindern, aber schon war die Rotte der Wächter hinweg zum Strafbaum, schon saßen zwei Bahiri oben in I den Ästen, die Liane ging hoch, der Zauberer hing zappelnd an einem Arm hoch in der Luft. Das Volk sang Spottlieder, die Instrumente sämtlicher Ortschaften spielten auf zum großen, wilden, tollen Freudentanz. Was nutzte es, daß der Missionär in den lauten Lärm hineinrief! Niemand sah und hörte ihn. So drängte er sich denn durch die tanzende Menge hindurch, stellte sich auf den herbeigeschleppten Thronstuhl Beschubas und löste mit einem Schnitt seines Messers den Verbrecher vom Strick. Tufa lag auf dem Boden zu seinen Füßen. Der Tanz war beendet. Stumm schauten die Bahiri sich an und schüttelten die Köpfe, aber der Weiße rief zornig und aufgeregt: „Ich will nicht, daß man diesen Mann noch weiter mißhandelt. Mau bringe ihn sofort in seine Hütte und morgen sollen er und Buzu hier vom ganzen Volke gerichtet werden. Wenn das Urteil auf „Tod" lautet, dann soll er sterben und ich werde der Gerechtigkeit ihren Gang lassen, aber quälen soll ihn niemand mehr. Ich, der Weiße von Opoliuda, den ihr zu eurem Häuptling gemacht habt, ich will es." Niemand wagte sich zu widersetzen, selbst Beschuba nicht, der es aber nicht über sich bringen konnte, den Zauberer ohne eine verächtliche Bemerkung wegführen zu lassen. Er trat vor Tufa hin und rief: „Das hast du, Scheusal, dem Weißen zu verdanken. Solcher Güte bist du nicht wert, du gemeiner Brudermörder! So sollst du nun morgen dein Urteil hören! Bereite dich auf deinen Tod vor!" Da richtete sich Tufa empor, schaute voll Haß auf den Weißen und den wütenden Häuptling und indem er verächtlich auf den Boden spuckte, sagte er mit fester Stimme: „Es wird sich zeigen, ob meine Stunde morgen schlägt oder ob ganz Bahiri vor mir und dem Kebia kein ketavin zittert und bebt! Morgen beginnt der Kampf gegen diesen Weißen, der Bahiri ins Unglück stürzt. Wehe den Freunden des Weißen! Dreimal wehe ihnen!" — „Du redest irre, Tufa! Dein Kebia hat dich vergessen!" — „Morgen wirst du sehen, daß ich nicht irre rede und daß der Schutzgeist an mich denkt. Ich hasse den Weißen, er muß sterben!" Beschuba wollte noch weiter des Zauberers und seiner Ohnmacht spotten, der Weiße hielt ihn jedoch ab und gab den Wächtern Befehl, den Gefangenen fortzuführen. Die Festfreude war durch diesen Zwischenfall etwas gestört, und es dauerte längere Zeit, ehe der Trubel und Jubel wieder einsetzte. Die einzelnen Dörfer mit ihren Musikkapellen und Maskentänzen traten auf, wetteiferten miteinander in wüstem, wildem Spiel und unbeschreiblichen Tänzen. Der Palmwein floß in Strömen und dann war der Zauberer wieder vergessen Bis in die späte Nacht hinein tobte der ausgelassene Festjubel, der, wie Beschuba dem Weißen zum Abschied sagte, mit jedem Tag wachsen würde. 12. Kapitel. Eine Schreckensnachricht. Der zweite Festtag begann wiederum mit einem dröhnenden Konzert, während die öffentliche Morgenfeier erst eine Stunde später anfing als am ersten Tage. Der weiße Häuptling wurde von tanzenden Jnjus abgeholt. Häuptling und Bigleute hatten ihre Tracht geändert. Die Art der Begrüßung war wieder anders, die Tänze verschieden von den gestrigen. Es spielten heute drei Musikkapellen statt einer, und der festliche Höllenlärm war dementsprechend. Lanzenschleuderer traten auf, die nach kurzen Scheinkämpfen und gemeinsamen Tänzen sich plötzlich wie verrückt gewordene Menschen gebärdeten und ihre Lanzen mit aller Wucht in die Menge schleuderten; dort aber wurden sie von geschickten Partnern aufgefangen und im Triumph dem weißen Häuptling übergeben. Ein Umzug durch den Häuptlingspalast beschloß die Morgenfeier. Am Nachmittag holten die vermummten Roßschweifträger den weißen Häuptling zur Versammlung ab, die jedoch bald ein jähes Ende finden sollte. Gerade wollte Beschnba den Befehl geben, Tufa zu holen, als ein Diener in aller Eile vor den Häuptling hintrat, sich auf den Boden kniete und tiefgebeugt der Aufforderung zum Sprechen harrte. „Du hast etwas Wichtiges zu melden?" fragte Beschuba. „Ja, großer Häuptling." —„Weißt du nicht, wer dein Häuptling ist?" Der Mann war anfangs ganz verlegen, sagte aber dann in festem Tone: „Ich weiß es, aber der Auftrag, den ich zu überbringen habe, ist für Beschnba und nicht für den Weißen." — „Gut, was soll ich denn?" — „Ich weiß es nicht, aber da hinten steht eine Frau, die winkte mir mit der Hand, als habe sie mir etwas zu melden." — „Eine Frau? Was kann eine Frau Wichtiges zu melden haben?" — „Ich ging hin, und da sagte sie mir, daß sie einen Auftrag von Tufa, dem Zauberer, erhalten habe, den sie an Beschuba ausrichten müsse und zwar noch heute." — „Es wird eine Verrückte sein. Tufa ist gefangen und wird gleich hier auf den Platz gebracht, um sein Todesurteil zu hören." — „Sie aber behauptet, daß sie ihn selber gesehen, ja sogar mit ihm gesprochen habe." — „Wer ist denn die Frau, die diese Nachricht brachte?" fragte Beschuba ungläubig. „Abendi, die Frau deines Kolabehüters Dschengo aus Elimba. Sie ist in größter Aufregung und zittert am ganzen Leibe, weil sie deinen Zorn fürchtet, der sich auf sie entladen möchte, wenn sie die Botschaft ausgerichtet habe. Darum bat sie mich, dir doch ja zu sagen, daß sie unschuldig sei." Beschuba glaubte noch immer, daß die Frau verrückt sein müsse, und wollte soeben zwei Dschindar ausschicken, die die Frau bestrafen sollten, weil sie es wage, die Festfeier zu stören. „Tue das nicht, Häuptling!" bat der Weiße, dem die Sache verdächtig vorkam. „Erinnere dich an die Worte, die Tufa gestern hier so zuversichtlich aussprach. Ich möchte die Frau sehen und mit ihr sprechen." Der Häuptling entsandte nun den Dschindar, die Frau herbeizuholen. Die Bahiri schauten sich fragend an und sprachen von Tufa, der gestern allerdings drohende Worte vom beginnenden Kampf gegen den Weißen und von einem bevorstehenden Unglück in Bahiri gesprochen hatte. Gestern hatte niemand Wert darauf gelegt, weil Tufa gefesselt war. Jetzt überkam alle die alte abergläubische Angst und Furcht vor dem mächtigen Kebia ke Tufa, vor dem Schutzgeist Tufas. Sollte der Zauberer doch die Wahrheit gesagt haben? „Bist du sicher, daß Tufa gut bewacht wird?" fragte P. Breuer den Häuptling. „Zweifellos. Bevor ich zur Versammlung kam, habe ich mir die Gefangenenhütte angeschaut. Die Wächter standen vor der festverschlosseueu Tür. Tufa hat nicht entkommen können, es sei denn, daß sein Schutzgeist ihn durch die Luft davongetragen habe." — „Das letztere wird gewiß nicht der Fall sein, daran könnte nur ein Bahiri denken. Aber wie steht es mit Buzu? Sind die beiden zusammen in derselben Hütte?" — „Nein." — „Wo ist denn Buzu? Ist er noch im Fambeo?" — „In Fambeo? Nein, er ist tot und hat seine gerechte Strafe schon gesunden." (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger- Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgasse 10. Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Krönst einer, Misstonsbruder in Graz, PauluStorgasse 10. — Universitiits-Buchdruaerei .Styria" in Graz.