67 22 3 ;| LjufaljansM^^ (Separat-Abdruck aus del logischen Anzeiger« Bd. XXV. No. 673/674 vom 16. Juni 1902.) Neue Beobachtungen iiber die Stridulationsorgane der saltatoren Orthopteren. (Vorlaufige Mittheilung.) Von Dr. Johann Reg en in Wien. Im Jahre 1897 habe ich die Lautorgane der saltatoren Orthopteren genauer untersucht und die Resultate in meiner Doctordissertation zum Theil niedergelegt. Die noch unbekannten Thatsachen wollte ich als Grundlage zu einer ausfiihrlicheren wissenschaftlichen Arbeit benutzen, als mich an der Ausfiihrung dieses Vorsatzes zunachst die Lehramtspriifung, dann meine Versetzung von Wien und schlieBlieh eine langere Krankheit hinderten. Nach Wien zuriickgekehrt, fand ich eine neue Arbeit von A. Petrunkewitsch und G. v. Guaita, tlber den geschlechtlichen Dimorphismus bei denTonappa- raten der Orthopteren (Zool. Jahrbb. Syst. Abth. XIV. p. 4), vor, welche zwar die Ergebnisse meiner Arbeit nicht beriihrt, mich jedoch bestimmt, hier vorlaufig die wichtigsten Resultate meiner damaligen Untersuchungen mitzutheilen und demnachst die ausfuhrlichere Arbeit folgen zu lassen. 1) Psophus stridulus rf bringt nicht nur das bekannte Schnarren wahrend des Fluges hervor, sondern ist im Stande, auch in sitzender Stellung schwache, pfeifende Laute von sich zu geben. Das dabei in Betracht kommende Lautorgan ist von den meisten der bis jetzt unter- suchten Acridier abweichend gebaut, indem die in der Regel bezahnte Leiste der Hinterschenkel hier glatt, dagegen aber eine stark vor- springende laterale (dorsale) Ader der Fliigeldecke mit knopfformigen, am distalen Ende in einen scharfen Kamm auslaufenden Vorspriingen besetzt ist. 2) Der Tonapparat von Pneumora variolosa besteht nicht nur aus einer aus Ouerduplicaturen sich zusammensetzenden Leiste im vor- deren Abschnitt des dritten Abdominalsegmentes, sondern auch aus einem vorgevvdlbten, kurzen Langswulst auf der Iunenseite des Schen- kels, welcher mit stark chitinisierten Querschwielen besetzt ist und der mit Schrillzapfchen versehenen Leiste der iibrigen Acridier ent- spricht. 3) Die Schrillplatten vm Gryllus campestris rf, domesticus rf und Gymnogryllus elegans cf sind trapezformig, am distalen Ende scharfkantig, in der Mitte verdickt und stark chitinisiert, auf beiden Seiten diinn und durchsichtig. Sie sind unter einem bestimmten Winkel gegen den inneren Rand geneigt und etwas gegen die Achse der betreffenden Fliigeldecke gedreht. 490 4) Die tonerregenden Zahnchen von Brachylrypes megacephalus (j' erscheinen als hockerige, in zivei Homer ausgezogene Querschwielen, clie am distalen Ende gerieft und in der Mitte etwas eingesenkt sind. 5) Nicht nur beim Weibchen von Gryllotalpa vulgaris, sondern auch beim Mannchen konnen auBer der Schrillader zuweilen noch andere Adern schwach bezabnt sein. 6) Jene Stelle des Vorderfliigels, die mit der Schrillader in Con- tact gebracht wird, befindet sich bei den Grylliden dicht vor dem Nodus analis, ist durch eine membranose Einsenkung von der iibrigen Elytra getrennt und von den Randadern dreieckig begrenzt (Chan- terelle). I)ie von den Zirpplatten angestrichene Kante (Schrillkante) wird vom inneren Rande der Elytra gebildet, die an dieser Stelle ventralvvarts scharf gebogen und an der dorsalen Seite verdickt erscheint. 7) Bei Nemobius sglvestris cf sind die Zirpplatten der linken Schrillader theilweise, die rechtsseitige Schrillkante hingegen ganz riickgebildet. 8) Von den meisten zirpenden Locustiden wird wahrend der Ton- production nicht etwa der erhabene innere Rand des Spiegels (die Saite der Autoren) von der Schrillader angestrichen, sondern die innere bogenformig gekriimmte scharfe Kante in der Nahc der Fliigel- basis. Formen hingegen, welche Nebenschrilladern besitzen, streichen dieselben mit dem verdickten Rande der dariiberliegenden Elytra an. Die Schrillkante ist ahnlich wie bei den Grylliden gebaut. 9) Bei Phaneroptera falcata (f eTscheint die Schrillader des rechten Vorderfliigels manchmal, die linksseitige Schrillkante dagegen iminer vollkommen riickgebildet. Das letztere ist auch bei der Mehr- zahl der iibrigen Locustiden der Fali. 10) Die meisten Acridier bewegen wahrend des Zirpens die bei- den Schenkel gleichzeitig und in gleicher Richtung, andere hingegen, wie Stenobotlirus lineatus q 4, setzen mit einem Schenkel etwas spater ein, wodurch der Rhythmus ein entscliieden anderer wird als im ersten Falle. 11) Die Mannchen von Grgllus campestris scheinen beim Zirpen, wie man aus dem gleicbartigen Baue der rechten und der linken Schrillader geschlossen liatte, nicht beliebig ivechseln zu konnen. Die Thiere sind durch die Gewohnheit, den linken Vorderflugel mit dem rechten zu decken, gebunden. Da si^ aber unter bestimmten Be- dingungen zum Fliigebvechsel veranlaBt werden konnen, diirften die beiderseitigen Schrilladern urspriinglich auch eine functionelle Gleich- werthigkeit besessen haben. 12) Auch die Weibchen von Grgllus campestris und Grgllotalpa 491 vulgaris erzeugen mit ihren Fliigeldecken ein Geriiusch. Zum Unter- schiede von den Mannchen konnen die Grijllotalpa-W eibchen mit den Fliigeldecken beim Zirpen wechseln. Als Schrillkante functioniert ein kurzer in der Nahe der Fliigelbasis gelegener, starker vorspringen- der Abschnitt der innersten Randader. 13) Wenn zwei oder mehrere Mannchen von Thamnotrizon apterus zu gleicher Zeit zirpen und in der Horvveite sich befinden, beobachten sie dabei auffallenderweise einen bestimmten Rhythmus, indem sie abwecliselnd Zirptone hervorbringen.