a. o o O t o Aj f\ o ^ OZootfj- 5 0 Mantua. Otrahlend leuchtet die Junisonne 1866 liber Florenz. ^ In einem Saale des Palazzo Pitti, vor einem mit Karten bedeckten Tische, erklart Theodor Bernhardi, der militarische Bevollmachtigte Preufiens, den preufiischen Operationsplan. «Da ein gemeinschaftliches Handeln Preufiens und Italiens auf demselben Kriegsschauplatze durch die Ent- fernung im Anfang unmoglich ist, so werden sie dafiir in der Gleichzeitigkeit der auszufiihrenden Stofie Ersatz suchen miissen. In dieser Weise angegriffen, wird Oster- reich von vornherein genotigt sein, seine Streitkrafte zu teilen, es wird sich der namlichen Reserven niemals bald gegen den einen, bald gegen den anderen Teil bedienen konnen'. Das System der Kriegsfiihrung flir den bevor- stehenden Feldzug, welches Preufien Italien vorschlagt, ist das eines Vernichtungskampfes. «So wird Preufien nicht an die Hindernisse denken diirfen, welche Natur und Kunst ihm entgegenstellen; es wird den Erfolg, den es erzielen diirfte, in entschlossener Weise bis Wien fortsetzen. i* © 4 ® «Ebenso mufi Italien auf Wien losmarschieren. Um sich des dauernden Besitzes von Venedig zu versichern, mufi es zunachst die osterreichische Macht ins Herz ge- troffen haben.» Schweigend lehnt in einer Fensterecke Usedom, der preufiische Gesandte. Aufmerksam folgt der Re galantuomo Viktor Emanuel der Auseinandersetzung. «C’est un beau plan! —■ An der Donau reiche ich Euch die Hand.» Mit hellem Klange schlugen die Glocken in Mantua die achte Morgenstunde des 20. Juni 1866. Um diese Stunde iiberreichte bei den osterreichischen Vorposten in Le Grazie Oberst Cavaliere Pompeo Bariola (gewesener Zogling der k. u. k. Militarakademie in Wiener- Neustadt), Sous-Chef des Stabes im italienischen Haupt- quartier, ein Schreiben des Generalstabschefs, Generals der Armee La Marmora, enthaltend die Kriegserklarung Ivonig Viktor Emanuels an Osterreich. Der Wurfel war gefallen, die Eroffnung der Feind- seliokeiten bestimmt. O Tags darauf, am 21. Juni, erlieC der Erzherzog - den nachfolgenden Befehl: «Soldaten! Der langst erwartete Augenblick ist endlich gekommen; der Krieg beginnt. © 5 ® «Von neuem streckt der rauberische Nachbar die Hand nach diesem schonen Juwel in der Krone unserer Monarchie, welcher eurem Schutze anvertraut ist. «Die Ehre der Armee, die Ehre jedes einzelnen unter uns ist an die Behauptung dieses Pfandes gekniipft. Ich kann euch keinen kraftigeren Beweis meines Vertrauens geben, als indem ich euch offen sage, dafi der Feind machtig geriistet und uns an Zahl bedeutend iiberlegen ist. «Schwer mag unsere Aufgabe sein, aber sie ist eurer wiirdig. Mit entschlossener Tapferkeit im Kampfe, mit unermiidlicher Ausdauer in Anstrengungen aller Art, mit altosterreichischer Zahigfkeit, die noch nie an sich selbst gezweifelt, werden wir sie mit Gottes Hilfe auch diesmal ruhmvoll losen, denn unser ist das heilige Recht, welches zuletzt siegen mufi. «Was immer sich auch ereignen moge, nichts wird euren feurigen Mut, nichts das feste Vertrauen auf den endlichen Triumph in euch erschtittern. «Verblendet durch leichte Erfolge, die unser Gegner im Bunde mit Verrat, Treubruch und Bestechung gefunden, kennt er in seiner Anmaflung keine Grenzen, vermeint er, seine Fahne auf dem Brenner und auf den Hohen des Karstes aufpflanzen zu konnen; doch diesmal gilt es offenen Kampf mit einer Macht, welche fiihlt, dafi es sich jetzt um Sein oder Nichtsein handelt, welche entschlossen ist, zu siegen oder ruhmvoll zu fallen, wenn es sein mufi. «Mogt ihr den Feind erneuert daran erinnern, wie oft schon er vor euch geflohen. Auf denn zum Kampfe @ 6 @ in Gottes Namen und mit dem weithin schallenden Rufe: ,Es lebe der Kaiser!‘» Die italienische Armee stand am 22. Juni abends mit dem I. Korps (Generalleutnant Durando, 40.000 Mann, 72 Geschiitze) in Cavriano, mit dem III. Korps (General Della Rocca, 40.000 Mann, 72 Geschiitze) in Gazzoldo, wo auch der Konig eintraf; das II. Korps (Generalleutnant Cuchiari, 40.000 Mann, 72 Geschiitze) stand in Castel- luchio, mit einer Brigade vor Borgoforte, die Kavallerie- division (Generalleutnant de Sonnaz, 2400 Reiter, 12 Ge- schiitze) und die Armee-Geschiitzreserve (54 Geschiitze) bei Medole, das IV. Korps (General Cialdini, 80.000 Mann, 3600 Reiter, 168 Geschiitze) in Ferrara, Mirandola und an den Pomiindungen. Am 23. Juni, gleich nach Mitternacht, begann die italie¬ nische Armee den Mincio zu iibersetzen. Um halb 5 Uhr friih riickte die Kavalleriedivision Sonnaz iiber Goito gegen Norden vor. Die iiber den Mincio gegangene Armee bezog dann ihre Stellungen und Biwaks: mit dem I. Korps bei Valleggio, Pozzolengo, Pozzolo, Monzambano und am Monte Sabbione, mit dem III. Korps bei Roverbella, Belvedere und Villa buona, die Kavallerie bei Mozzecane und Quaderni, mit den Vortruppen bis nahe an Villafranca. Das II. Korps iiberschritt den Mincio nicht, sondern hielt die Curtatonelinie besetzt, eine Brigade bei Borgoforte. Der bis auf schwache Kavallerie-Abteilungen ohne Begegnung der k. k. Truppen erfolgte Vormarsch be- das italienische Hauptquartier in seiner Annahme, @ 7 ® dafi die osterreichische Armee hinter der Etsch stehe, daher flir den 24. Juni der Aufmarsch des Heeres teils auf dem Hiigellande bei Sommacampagna, S. Giustina, Castelnuovo, teils in der Ebene von Villafranca beschlossen wurde, um die Aufmerksamkeit des Gegners von dem flir den 26. Juni in Aussicht genommenen Poiibergang Cialdinis Ostliches Festungstor von Peschiera. abzulenken. Zwei der dem Curtatone gegeniiber in Castel- luchio stehende Divisionen des II. Korps erhielten den Befehl, am 24. Juni den Mincio zu passieren und der Armee nachzufolgen. Erzherzog Albrecht, welchem verlafiliche Nachrichten die Zweiteilung der italienischen Armee bestatigten, war entschlossen, die Armee des Konigs in jedem Falle an- zugreifen und dieselbe entweder wahrend des Vordringens an die Etsch in der linken Flanke zu fassen oder selbst iiber den Mincio zu gehen, die feindliche Armee aufzu- ® 8 ® suchen und ihr, gestiitzt auf die Festung Peschiera, eine Schlacht zu liefern. Um den Konig vollig zu tauschen und zu iiberraschen, solite die kaiserliche Armee nach der erfolgten Kriegserklarung in der Stellung hinter der Etsch bleiben, dann aber mittelst einer rasch und geheim ausgefiihrten Bevvegung auf das Hiigelterrain am Mincio Sommacampagna mit Brucke iiber den Kanal sudlich des Ortes. versetzt werden, um den Gegner anzufallen. Die Ver- sammlung der Armee flir den 23. Juni bei Verona war infolgedessen eingeleitet. Die strengste Absperrung der Grenze und eine scharfe Bewachung der Etsch zwischen Verona und Legnago durch die bei den Armeekorpern eingeteilte Kavallerie zur Verhinderung der Kommunikation zwischen beiden Etschufern solite die Geheimhaltung der Angriffsbewegung verblirgen. Die osterreichische Siidarmee unter Kommando des Feldmarschalls Erzherzog Albrecht (Generalstabschef 2 ) 9 ® Generalmajor Baron John) bestand aus dem V. Korps, Generalmajor Gabr. Baron Rodich, 20.835 Mann, 48 Ge- schiitze; VII. Korps, Feldmarschalleutnant Baron Maroičič, 20.236 Mann, 48 Geschiitze; IX. Korps, Feldmarschall- leutnant Hartung, 19.541 Mann, 48 Geschiitze; der In- fanterie-Reservedivision, Generalmajor von Rupprecht, 11.312 Mann, 16 Geschiitze; der Ivavallerie-Reserve, Oberst Pulz, 2949 Reiter, 8 Geschiitze, und der mobilen Streifbrigade, Oberst Zastavnikovič, 6670 Mann, 8 Ge- schiitze. Die Brigade Scudier, welche bisher bei Rovigo gegen die Macht Cialdinis gestanden hatte, wurde mittelst Eisenbahn zur Armee crezogen, und es blieb am unteren Po einer 80.000 Mann starken feindlichen Armee gegen- liber nur das 10. Jagerbataillon und vier Eskadronen des 13. Husarenregiments unter Oberst Szapary zuriick. Als Riickhalt fiir diese Truppe wurde die bisher bei Cone- gliano gestandene Streifbrigade Zastavnikovič nach Padua beordert. Die kaiserliche Armee fiihrte im Laufe des Vor- mittags des 23. Juni die beabsichtigte Konzentrierung durch. Schon um Mittag standen die Reservedivision bei Pastrengo, die drei Korps knapp bei Verona am west- lichen Etschufer bei Chievo, S. Lucia und Massimo. Die Kavalleriebrigade Pulz nahm im Laufe des Morgens gegeniiber dem Vorschreiten der feindlichen Ivolonnen ihre Vorposten vom Mincio zuriick, konzentrierte sich gegen Mittag bei Villafranca und zog sich dann nach- mittags auf Verona zuriick. © 10 ® Der Erzherzog schlofi aus den Meldungen der Ka- vallerie iiber die einzelnen Ubergangsorte der Italiener, dafi diese gegen Verona-Albaredo vorriicken wiirden. Von Cialdini horte man nichts, von Mantua, dafi dort vier Brigaden sttinden. Um 11 Uhr vormittags waren die Korpskommandanten und der Kommandant der Reservedivision ins Haupt- quartier berufen worden, wo ihnen der Erzherzog seinen Entschlufi mitteilte, der iiber den Mincio gegangenen Armee in die linke Flanke zn fallen. Betont wurde: «In den bevorstehenden Kampfen ist die Initiative zu wahren und jeder Angriff rasch und entschieden durchzufuhren.:» Trotz des bereits in gliihendster Hitze zuriick- gelegten Marsches wurde ein Teil der Armee noch am Nachmittag in das Hiigelland verschoben und die Dis- position ausgegeben, dafi die Brigade Weimar vonPastrengo nach Sandra, halbwegs nach Castelnuovo, vorzurucken und diesen Ort zu besetzen habe, das V. Korps um 5 Uhr von Chievo nach S. Giustina, eine Brigade nach Sona zu marschieren und aus der Korpskavallerie eine zweite Kavalleriebrigade (Bujanovics) zusammenzusetzen sei. Die Truppen hatten mit je einem zweitagigen Vorrat beim Manne und in den Proviantkolonnen aufzubrechen. In kurzem stellt sich die Lage am 23. Juni wie folgt dar: Die 71.825 Mann, 3536 Reiter und 168 Geschiitze zahlende Siidarmee, welche im Begriffe war, gegen den •© 11 'S) Mincio vorzubrechen, hatte das fast 80.000 Mann starke Korps Cialdini hinter sich im Riicken und die Armee Viktor Emanuels, ungefahr 120.000 Mann, 7200 Reiter, 282 Geschutze stark, vor sich. Die am 23. Juni, 3 U1 Uhr abends, ausgegebene Disposition flir den 24. Juni setzte den Vormarsch der Armee von Abschnitt zu Ab- schnitt fest. Alle Abteilungen hatten um 3 Uhr friih bereit zu sein, die Reservedivision dann mit zwei Brigaden nach Castelnuovo, das V. Korps mit zwei Brigaden nach S. Giorgio in Salici, mit der aus Sona gegen die Bahn und Casazze, das VII. Korps mit einer Brigade nach Casazze, mit den beiden anderen in eine Reservestellung an der Bahn in der Hohe von Sona vorzurlicken, das IX. Korps aber sich in Sommacampagna als Pivot fest- zusetzen und gegen Berettara auszudehnen. Nachdem dieser Aufmarsch erfolgt, solite die Reserve¬ division gegen Oliosi, das V. Korps gegen S. Rocco di Palazzolo, die Brigade des VII. Korps gegen Zerbare vorriicken. Die italienische Heeresleitung war in dem festen Glauben, dafi der Erzherzog nicht daran denke, der italienischen Armee sich entgegenzustellen, und dah es ohne Kampf gelingen werde, am 24. Juni die Positionen von Sona, Sommacampagna und Villafranca zu gewinnen. Zum Vormarsche wurde die Disposition ausgegeben, daC das I. Korps mit einer Division am rechten Mincioufer, gegeniiber von Peschiera, stehen bleibe und mit drei ®> 12 ® Divisionen nach Castelnuovo, S. Giustina und Sona an člen nordlichen und nordostlichen Teil des Hiigellandes vorrlicke. Vom III. Korps hatten die Divisionen Cugia und Prinz Humbert bei Sommacampagna und Villafranca, die Divisionen Bixio und Govone aber im zweiten Treffen nordlich Villafranca Stellung zu nehmen. Die beiden in Sommacampagna von Siiden gesehen. Castelluchio stehenden Divisionen des II. Korps sollten von dort nach Roverbella riicken. Die Kavalleriedivision hatte die rechte Flanke der Armee gegen Verona und Albaredo zu sichern. In der Nacht zum 24. Juni, zwischen 11 und 2 Uhr, ging ein heftiger Gewitterregen nieder, der zwar die herrschende aufierordentliche Hitze milderte und den Staub auf den StraBen einigermafien niederschlug, aber auch die durchgehends biwakierenden Truppen um die notwendige Nachtruhe brachte. © 13 ® Die sich entvvickelnde Schlacht bietet eine Reihe von Rencontregefechten, in welchen die einzelnen Kolonnen der Italiener im Marsche auf die osterreichischen Korps stofien. Brausender Jubel ertonte Iiberall in den Biwaks der kaiserlichen Truppen am Abend des 23. Juni. Seine kaiserliche Hoheit erschien unter seinen Truppen. Alles drangte sich zu seinem geliebten Fuhrer, dem Helden von N o var a, dessen Augen in freudiger Zuversicht erstrahlten, als er die Begeisterung und Opferwilligkeit seiner Truppen sah. Immer tosender, immer begeisterter wurde der Jubel, um zum SchluB in den hehren, erhebenden Tonen der Volkshymne auszuklingen. Uber die Ufer des Mincio sollten die Freudenrufe erschallen, an diesen solite der Gegner erkennen, daC ihn dieselben Truppen envarteten, welche sich die Namen St. Lucia, Custoza, Novara und S. Martino mit flammenden Lettern an die siegreichen Fahnen geschrieben. Jeder Mann fiihlte, da!3 der Vorabend einer ent- scheidenden Schlacht angebrochen. Alles drangte kampfes- lustig zu den Wachfeuern und schwelgte in der Erinnerung an heroische, herrliche Waffentaten, die dieser mit Blut getrankte klassische Boden hervorrief. Auf den Hohen von Sommacampagna und Custoza stehen die unvertilgbaren Denkmale, welche sich Oster- reichs Soline vor 18 Jahren auferbaut. Die Geister der gefallenen Helden jener glorreichen Tage erschienen, ihre @ 14 @ Nachfolger zu Kampf und Sieg zu rufen. — Ein herr- licher, durch das nachtliche Gewitter abgekiihlter Sonntags- morgen mit seiner feierlichen Ruhe breitete sich iiber das iippige Grun der Maisfelder und waldahnlichen Maulbeer- pflanzungen aus. Begeistert zogen Tausende von Streitbaren in den Kampf. Mit ernster aber selbstbewui3ter Miene ziehen die Kolonnen gegen Westen, und ihre straffe, entschiedene Haltung zeigt, dafi sie, von der Bedeutung des Augen- blicks durchdrungen, Osterreichs Ehre wiirden zu ver- teidigen wissen. Das Kampffeld ist eigenartig genug. Zahlreiche, in Form und Richtung durchwegs ganz regellose Hiigel und Kuppen, ohne markierten Zusammen- hang untereinander, bedecken so ziemlich das ganze Terrain, Ortschaften und einzelstehende Gehofte, hier Čase und Palazzi genannt, kronen dieselben. Sie sind durchwegs von fester Bauart und mit leichter Muhe zu Stiitzpunkten einer nachhaltigen Verteidigung herzustellen. Alles Land, das nicht Wald oder Fels ist, tragt die dem italienischen Boden eigentiimliche Kultur. In kleinere Parzellen geteilt, ist jede von der anderen durch Maulbeerbaume getrennt, an denen sich in weiten Girlanden die Rebe schlangelt. Zahlreiche Graben zur Bewasserung, viele Hecken, eigen- tiimliche Tiimpel, die als Wasserreservoirs dienen, er- schweren schon dem Fufiganger das Vorwartskommen, wie erst einem Reiter oder gar einer Bespannung. Und auf einem solchen Terrain wurde der Sieg errungen. @ 15 ® Infanterie- und Kavallerie-Patrouillen waren seit dem grauenden Morgen durcli das in leichte Nebelschleier gehiillte Hiigelland vorgegangen, dorthin, von wo der Feind kommen mufite; da — es war gegen 7 Uhr — blitzte es auf bei Oliosi, ein KanonenschuG erdrohnte dumpf durch die totenstille Landschaft, hundertfach wider- hallte das Echo im Hiigelgewirr — die Schlacht hatte begonnen. Schon in den friihesten Morgenstunden hatte die kaiserliche Reiterei Gelegenheit, ihre altberuhmte Bravour, ihre ungestiime Tapferkeit und Ausdauer zu bewahren. Die Kavalleriebrigade Pulz, welche um 3 Uhr friih aus ihrem Feldlager bei Fort Gisela aufgebrochen war, schlug die Richtung Palazzina, La Casetta, Ganfardine ein. Die Brigade Bujanovics sammelte sich um V* 6 Uhr friih bei Calzoni und riickte in zwei Kolonnen gegen Academia vor. In der Hohe von Caroli stofit ein eklairierender Zug von der fiinften Eskadron des Flusarenregiments Nr. 11 der Brigade Bujanovics auf eine feindliche Eskadron. Ungestiim attackieren der Zug und die nachfolgende zweite Eskadron die feindlichen Reiter, welche wenden und, verfolgt von den kaiserlichen Husaren, gegen Villa- franca zurilckeilen. Hart beim Orte werden die kiihnen Verfolger von dichten Ketten Bersaglieri, auch Geschiitzen, empfangen,. @ 16 © die ihrer Attacke ein morderisches «Halt!» gebieten. Volteschlagend biegen die flinken Husaren ab, gehen zuriick, und die ganze Brigade Bujanovics sammelt sich bei Academia. Mittlerweile hatte Oberst Pulz mit seiner Brigade die Gegend von Palazzino erreicht und daselbst aus der Richtung Villafranca Kanonendonner vernommen. Er ver- mutete, dafi die Brigade Bujanovics bereits im Gefechte stehe, und entschloC sich demnach, derart vorzugehen, dafi er den der Brigade Bujanovics gegentiberstehenden Gegner in der linken Flanke fassen konne. Siidlich Ganfardine erhielt Oberst Pulz von seinen Patrouillen die Meldung von der Anvvesenheit starker feindlicher Kavallerie vor Villafranca. Begeistert sich im Sattel hebend, erteilte er den Befehl zum Angriff. Bald darauf wurde man der feindlichen Truppen an- sichtig. Die eigene Batterie eroffnete das Feuer und das Ulanenregiment Nr. 13 marschierte, dem Befehle gema.13, als erstes Treffen links der Strahe, das Husarenregiment Nr. 1 als zweites Treffen im Staffel rechts riickwarts auf. In kurzer Zeit standen die Regimenter bereit, kampf- begierig den Befehl zum Vorrlicken erwartend. Das Ulanenregiment Nr. 13 nahm in rascher Gangart die Direktion. Jubelnd, mit wehender Adlerfeder auf der Tatarka, die Ulanka keck liber die Bluse, Pike hoch, gingen die Ulanen vor, immer schneller und schneller. Der nach- @ 17 ® gesendete Befehl, das Tempo zu mafiigen, erreichte das Regiment nicht mehr. Die ersten feindlichen Grlifie machten sich bemerkbar; hie und da ward ein Sattel leer. Statt auf feindliche Kavallerie trifft man auf dichte Ketten Bersaglieri mit geschlossenen Infanterie-Karrees dahinter. Doch jetzt ist keine Zeit zu langem Uberlegen. Immer drauf los! ist die Parole. Rasch sind Bersaglieri und Infanterie iiberritten, und wie ein Sturmwind iiberraschend und betaubend brechen die Ulanen auf die zweite Linie der Italiener, auf die Bataillone der Brigade Parma ein. Schleunigst formieren sich ihre Vierecke und Prinz Humbert (nachmals Italiens Konig), um nicht gefangen zu werden, sucht eiligst in einem derselben Schutz. Weiter geht die wilde Jagd. Das Hurra der Ulanen donnert das nachste Bataillon nieder; mit glanzender Bravour, ein heftiges Kartatschfeuer nicht achtend, durchreiten sie die iiber- fallenen Bataillone. Ledige Gaule irren umher und ver- lieren sich in den lagernden Dampfschleiern; oft schleifen sie ihre heruntergeschossenen Herren noch im Btigel nach. Die Gesturzten suchen sich aufvvarts zu reifien; mancher stiirzt, von einer Kugel in die Štirn getroffen oder vom Anprall biigellos geworden. Nicht viel spater als die Trani-Ulanen stiirzen Kaiser - Husaren unter Oberstleutnant Rigyitsky an den Feind. Drei feindliche Eskadronen bei Villafranca ergreifen, sowie sie die Husaren sehen, die F^ucht — sie demaskieren feindliche Bataillone. Mit verwegenem Mute stiirmen die Ftusaren auf sie ein. Manches Viereck zersplittert unter Herrmann, Custoza. 2 @ 18 © dem wuchtigen Angriff der ungarischen Reiter; zwischen anderen brechen sie durch. Doch schon zu weit ging der Todesritt. Immer neue Bataillone tauchen auf, ein weiter StraCen- graben, der so manches braven Polen Grab wird, hindert das Ausweichen in siidlicher Richtung; die gliihenden Ge- sichter mit Blut iibergossen, geht der Todesritt denselben Weg zuruck, abermals an den feuerspeienden, todbringen- den Vierecken voriiber. Oberst Rodakowski sammelt die Trani-Ulanen bei Casino, kaum 200 Reiter von dem herr- lichen, todesmutigen Regimente. Auch die Schwadronen der Brigade Bujanovics: Wiirttemberg- und Bayern-Husaren, Sicilien-Ulanen, tun es ihren Kameraden nach. Noch vor 8 Uhr morgens ist dieser Kampf, einer der ruhmreichsten Reiterkampfe des Heeres, bestanden. Diese rucksichtslos angesetzten und bewunderungswert durchgefiihrten Attacken der kaiserlichen Reiterei iibten einen vollig lahmenden Schrecken auf die bei Villafranca stehenden feindlichen Massen (Divisionen Umberto und Bixio mit zirka 36 Bataillonen und 36 Geschlitzen); sie beschrankten sich fortan auf die Defensive, und auch' die weit uberlegene italienische Reiterei wagte tagsliber keine o o o grofiere Aktion mehr. Auf der Hohe von Monte bello beobachtet Erzherzog Albrecht den Aufmarsch der Armee; ist er erfolgt, dann soli auf die Riickzugslinie des Feindes vorgebrochen, der Feind auf der garizen Linie von Monzambano bis Somma- O © 19 ® campagna beschaftigt und durch einen Massenangriff von sechs Brigaden auf den am weitesten in der Ebene vor- springenden Punkt Custoza die Entscheidung gebracht werden. Aufmerksam folgt der Erzherzog den Bewegungen der einzelnen Kolonnen. Der Hauptmann des Generalstabskorps Aretin bat die grofie Karte, auf welcher der Schlachtplan markiert ist, auf seinen Knien ausgebreitet. Um den Erzherzog gruppiert sich das Hauptquartier: zunachst Erzherzog Rainer, der Souschef Oberst von Piircker, der Generaladjutant Oberst von Stubenrauch, Artilleriechef Generalmajor von Hutschen- reiter, Oberst Cappy, Baron Hennet usw. Abseits steht sclnveigsam der Chef des Generalstabes, Generalmajor John, und mifit mit seinem geistvollen Auge, wie der Geo¬ meter mit dem Mafistabe, das von ihm uberblickte Terrain. Einen eigentiimlichen Anblick gewahren die oster- reichischen Heersaulen in ihren grauen Manteln auf den wie Bander sich hinziehenden weifien Strafien zwischen dem iippigen Griin der italienischen Felder. Adjutanten kommen und gehen, Befehle werden gegeben und Mel- dungen entgegengenommen, und das alles mit einer Ruhe, als ob es sich um die Abnahme einer Parade handeln wiirde. Mittlerweile war die Reservedivision Rupprecht mit einer Brigade in den Kampf um den Monte Cricol ge- treten. Kaum langte die Tete der Mittelkolonne dieser Brigade am Nordfufie des Monte Cricol an, als sie o 2 * @ 20 ® von der abgeirrten Avantgarde der italienischen Division Sirtori ungestiim angegriffen wurde. Ein eigentumliches Verhangnis schwebte liber der italienischen Division Sirtori. Eine osterreichische Offizierspatrouille unter Kom- mando des Leutnants Josef Stadler war vom Komman- danten des 70. Infanterieregiments des V. Korps wegen des uniibersichtlichen Terrains gegen eine Kuppe bei Roso- latti vorgeschoben worden. Miihsam sich Weg bahnend, gelangte Leutnant Stadler kaum auf seinen Aufstellungs- platz, als er plotzlich in der dichten Bepflanzung auf einem unmittelbar vor ihm vorbeifiihrenden Wegfe einen feind- lichen Offizier reiten sah. Eine Gefangennahme desselben war bei der Sachlage nicht denkbar. Da der Offizier jeden Moment verschwinden und somit auch entkommen konnte, war ein schneller Entschlufl notwendig. Dem nachsten Manne das Gewehr entreiflend, gab Leutnant Stadler auf den feindlichen Offizier Feuer, welcher schwer getroffen vom Pferde sank. Der gefallene feindliche Offizier war der Generalstabs- chef der italienischen Division Sirtori. Beim Aufbruch der Division derselben wie im Frieden vorausreitend, wurde dieser Zwischenfall nicht nur ftir ihn, sondern auch ftir die Division verhangnisvoll; nicht allein, dafi sich die Vorhut der Division verirrte und statt nach S. Rocco nach Oliosi gelangte, stiefien die nachfolgenden Bataillone auf die Brigade Bauer, und die Division, ohne hohere Leitung ins Gefecht tretend, mulite vorzeitig weichen. ® 21 ® In dem sich entspinnenden Kampfe der Brigade Benko gevvannen die kaiserlichen Truppen die Oberhand, die Italiener wurden bis in die Linie Oliosi-Campagna Rossa zuriickgedrangt. Da tritt eine Wendung in der Kampflage ein. Gegen 8 Uhr friih langt die italienische Division Cerale auf dem Gefechtsfelde an. Die Tetebrigade dieser Division greift mit ftinf Bataillonen den Monte Cricol, mit vier Bataillonen Renati an und zwingt die Brigade Benko zum Riickzuge. Der Feind setzt sich auf Monte Cricol und in Renati fest und bemachtigt sich des Ortes Fenile. Mit besonderer Bravour dringen Bersaglieri von Fenile aus gegen die Strafie vor. Unterdessen riickt auch die zweite Brigade Forli der Division Cerale gegen die Hohe von Mongabia vor, so dafi die Brigade Benko eine bedeutende Ubermacht vor sich hat. Eine Krisis dieser Brigade steht bevor. Da tritt plotzlich durch Truppen des V. osterreichischen Korps eine gunstige Wendung ein. Ein beispiellos kiihner Reiter- angriff bereitet diesen Umschwung vor. Bei Corte stand eine Abteilung des Ulanenregiments Nr. 12 unter Oberst Berres als Bedeckung der Artillerie des V. Korps. Dieser Kavalleriekommandant beobachtete die Vorgange bei der Reservedivision und beauftragte den Rittmeister Bechtolsheim, mit drei Ziigen gegen die auf Fenile anrtickenden feindlichen Abteilungen anzureiten. Vom Gegner konnte noch nichts wahrgenommen werden. Man horte nur maCiges Geschiitz- und Klein- ' ®> 22 ® gewehrfguer in der Front und sah an zwei Stellen, und zwar beiderseits der Strafie, iiber den Kulturen der vor- liegenden Hohen Geschlitzrauch aufsteigen. Der Eskadrons-Kommandant entschlofi sich, auf der Strafie offensiv vorzugehen,. und nun sprengten die Ulanen auf den noch immer unsichtbaren Feind los. Die Strafie, rechts und links von tiefen Graben be- gleitet” machte eine geordnete Entwicklung unmoglich, weshalb in dichtem Rudel galoppiert wurde. Alles drangte nach vorwarts. Gleich anfangs wurde an einem nach Osten abzweigenden Wege Oberleutnant Weidenheim mit seinem Zuge: «Direktion linker Geschiitzrauch», abdetachiert, wahrend Bechtolsheim mit seinen restlichen 95 Reitern auf der Strafie weiter vorrtickte. An einer sanft ansteigenden Biegung der Strafie geraten die Ulanen — fiir beide Teile uberraschend — an zum Gefecht entwickelte feindliche Infanterie mit einem abgeprotzten Geschutz. Eine heillose Unordnung entsteht. Dichte Scharen italienischer Reserven eilen heran, die auf der Strafie befindliche Infanterie wirft sich in die Seitengraben; doch bevor sie noch zur Be- sinnung, geschweige denn zur Feuerabgabe gekommen, ist die wilde Jagd durch. Die Bespannung des Geschiitzes rast auf der Strafie vor den zwei Ziigen her. Ein italie¬ nischer Stabsoffizier, Major Stopini, in Flader mit seinem Pferde, wird mitgerissen; unfreiwillig galoppiert er eine Zeitlang auf seinem Schimmel mit, bis er, von einem Lanzenstich im Rucken getroffen, vom Pferde sinkt; dieses rast weiter. ® 23 ® Kaum einige Minuten spater stofit die alles unauf- haltsam niederreitende Schar auf eine dichte italienische Marschkolonne. Freiherr von Bechtolsheim, Rittmeister im Ulanenregiment Nr. 12, iiberreitet mit seiner Schwadron Truppen der Brigade Forli bei Fenile.* Es ist die zweite Brigade der Division Cerale, an der Tete Generalleutnant Cerale und der Brigadier Dho. Im Nu ist die Suite zersprengt, drei Lanzenstiche treffen den General Dho, ein SchuD den Generalleutnant Cerale. Die * Mit Erlaubnis der Verlagshandlung nach Original-Aquarellen von Felizian Freiherrn v. Myrbach aus Dunckers „Erzherzog Albrecht" (Verlag F. Tempsky, Wien) reproduziert. © 24 ® feindliche Kolonne staut sich; in wiistem Durcheinander wird gehauen, gestoCen, geschossen. Viele Italiener fallen, aber auch mancher brave Ulan sinkt vom Pferde, dar- unter Leutnant von Wiirth. Doch mit eingelegter Pike jagt der Rest weiter- Ganze Bataillone fliehen zerstreut in heilloser Panik gegen Monzambano und Valleggio. Auch das Pfercl des Ritt- meisters Bechtolsheim fallt angeschossen; zwar erhebt es sich wieder, doch in dem Knauel von Feind und Freund kann er es nicht mehr ergreifen. In diesem kritischen Augenblick lauft ihm der Schimmel des Majors Stopini zu, und eiligst schwingt er sich auf denselben; bis auf einen Sabelhieb iiber die Štirn ist das Pferd intakt. Die Attacke ist an die Grenze des Menschenmoglichen gelangt, und nun heifit es, mit Ehren wieder heraus- zukommen. Verfolgt von einem morderischen Feuer rasen die Reste dieser Heldenschar denselben Weg wieder zuriick. An jenem Orte angelangt, wo bei der Vorriickung ein italienisches Geschtitz stand, zahlte der Rest der beiden Ziige au!3er dem Rittmeister nur mehr funf Reiter, dar- unter der Wachtmeister Baron Ubelli und der Ulan Kaza- zevič (zuletzt Burgermeister in Markušica bei Vukovar). Bei dem Geschiitze wurden 60 bis 80 Mann versprengter italienischer Truppen, welche zumeist ohne Waffen waren, gefangen genommen. Der abdetachierte Zug des Oberleutnants Weiden- c> heim hatte feindliche Infanterie attackiert, wobei der Zugs- kommandant und die meisten Ulanen fielen. © 25 ® Der Erfolg dieser Attacke, die an Kiihnheit kaum ihresgleichen findet, war ein bedeutender; osterreichischer- seits kam man aber nicht ganz zum vollen Bewufitsein desselben. In der wilden Melee konnte Bechtolsheim nicht bemessen, wie stark der durchrittene Feind gewesen; erst das italienische Generalstabswerk brachte Aufklarung. Wie ein riesiges, dem Schlachtengotte geweihtes Brandopfer stiegen die Rauchwolken aus dem in Brand geschossenen Oliosi empor. Erneuert setzt unsere Infanterie-Reservedivision zum Sturme an, mit Todesverachtung geht das zweite Bataillon des Regiments Nr. 36 vor. Hauptmann Hopels, Kom- mandant der Vorhutdivision, dringt gleichzeitig mit den zuriickgehenden Bersaglieri in Renati ein. Doch wie wenn die Holle losgelassen, prasselt ihnen ein entsetzliches Feuer entgegen. Major Steiger, hoch zu Rol3, sinkt todlich getroffen vom Pferde; Hauptmann Eichenkron iibernimmt das Bataillonskommando. Im Nu fast sind die meisten Offiziere gefallen: Hauptmann Baron Handel - Mazzeti, Leutnants Freiherr von Salis, Schollar. Doch unauf- haltsam dringt das Bataillon vor, Renati ist genommen. Unterdessen beobachtet Generalmajor Rodich, der Kom- mandant des V. Korps, aufmerksam das Gefecht der Reservedivision. Immer mehr italienische Truppen stromen demselben zu. In der Meinung, dafi die Division von tiber- legenen Kraften angegriffen, entschliefit sich Generalmajor Rodich, dieselbe durch einen Flankenangriff zu degagieren. ® 26 ® Hiezu erhalt die Brigade Piret den Befehl. Das flinfte Kaiserjagerbataillon als Avantgarde voran, folgen die Regimenter Graf Crenneville Nr. 75 und Grofi- herzog von Baden Nr. 50. Der schwierige Vormarsch durch die mit Getreide und Weinreben dicht bewachsenen Felder geschieht mit grofiter Prazision, obwohl die von Baum zu Baum ge- wundenen Weinreben-Girlanden erst mit dem Sabel oder Bajonett durchhauen vverden miissen, um den Massen den Durchzug zu eroffnen. Hauptmann Franz von Hoffern flihrt die 14. Division der Kaiserjager nordlich der StraDe, Hauptmann Freund die 15. Division sudlich derselben vor, \vahrend Hauptmann Eyerl mit der 13. Division als Reserve in der Mitte nachfolgt. Das Bataillon war auf diese Weise bis auf ungefahr 500 Schritte an Oliosi heran- gekommen, seine vorausgeeilten Planklerketten hatten sich bereits in den Graben festgesetzt und standen mit den die Hohen rings um Oliosi besetzt haltenden starken eeoenerischen Abteilunsfen schon in lebhaftem Feuer- eefecht. Der Oberstleutnant de Giorgi hatte zvvar vom C? O Brigadekommando den Befehl erhalten, mit dem weiteren Angriff bis zum Herankommen der Infanterieregimenter zuzuwarten; deren Entwicklung zum Gefecht wurde aber durch die diclite Kultur gleichfalls aufierordentlich er- schwert und verzogert, weshalb Oberstleutnant de Giorgi glaubte, in Anbetracht des immer morderischer werdenden Feuers, mit welchem der Gegner aus seiner dominierenden Stellung das Bataillon iiberschuttete, und im Hinblick auf Prinz Amadeus von Savoyen bei Custoza, von Fattori. Nach einer Photographie von Brogi. @ 29 ® die bereits zahlreichen Verluste mit dem Angriffe nicht vveiter zuwarten zu konnen. Er ordnete im Vertrauen auf die Tapferkeit des Bataillons den Sturm an. Die Ab- teilungen muCten hiebei im heftigsten Feuer den am OstfuBe der Hohen von Oliosi vorbeiflieBenden, in zwei Arme geteilten und mit briichigen Ufern versehenen Tionebach, bis an die Brust im Wasser, durchvvaten und dann erst den steilen, vom Feinde besetzten Hang erklimmen. Hell schmettert Bataillonshornist Unterjager Delugan, obschon verwundet, das Sturmsignal. Mit Todesverachtung sttirmt das Bataillon allerorts dem Feinde entgegen. Den Bataillonskommandanten zu Pferde voran, stiirmen die 13. und die 15. Division gerade auf den Ortseingang los, die 14. Division von Norden und Nordosten. Dem ungestiimen Anpralle der vereinten Krafte gelingt es, den Gegner von den vorliegenden Hohen und aus dem ostlichen Teile des Ortes zu vertreiben. Ein morderisches Gefecht, von beiden Seiten mit gleicher Erbitterung und Zahigkeit gefuhrt, entspinnt sich und wiitet besonders heftig und blutig um den Besitz der Ivirche und der nebenliegenden Hauser. In immer wiederholten Angriffen und Gegen- angriffen, in welche endlich alle Kompagnien vervvickelt werden, wird um jede Hecke, um jedes einzelne Haus gekampft; die Hauptleute Hoffern, Mayer, Freund und Oberleutnant Thaler sind unermudlich tatig, die Ausdauer der Mannschaft anzueifern. Todlich getroffen sinkt am Ortseingange Feutnant Baron Kopal; vergebens bemuht ® 30 ® sich Fiihrer Reis, seinen geliebten Kommaiidanten zuriick- zubringen. Auch der Bataillonshornist DeWan stiirzt, von einer Kugel in die Štirn getroffen, vom Pferde. Trotz eines Streifschusses an der Hiifte und eines Bajonett- stiches leuchtet Oberleutnant Regele seinen Leuten voran. Energisch greifen die Oberjager unterstiitzend ein; schvver verwundet zu Boden gestreckt eifert Oberjager Stoppl seine Leute durch Zurufe zur Ausdauer an. Eine gro(3e Zahl dieser braven Manner besiegelt ihre Pflichttreue mit dem Tode. Im heftigsten Feuer dringt Oberleutnant Potschka mit seinem Zuge nordlich der Strafie vor. Ein feindliches Geschlitz wird erobert. Da, ein Schnauben und Wiehern von Rossen, ein wildes Geschrei bis auf die Mahne gebeugter Reiter — uberraschend donnert eine Attacke heran. Blitzschnell sind Klumpen foriniert und krachen die wohlgezielten Salven. Wie von einer lebendigen Mauer abprallend, wie vom Blitz getroffen sinken Mann und Rofi zusammen. Nur die Besatzung eines grofien, weitlaufigen, neben der Kirche befindlichen Hauses in Oliosi, in Rauch und Flammen gehiillt, ver- teidigt sich mit dem Mute der Verzweiflung. Den Kaiserjagern folgend, dringt die Brigade in den Ort. Ein blutiges Ringen Mann an Mann entsteht. Mit Kolben und Bajonett arbeitend, werfen Kaiserjager und die Ruinanen vom Infanterieregiment Nr. 50 den Feind nach verzweifelter Gegenwehr aus dem Orte. Bis an den Fufi des Monte Vento fluten die Italiener zuriick, heftig verfolgt von den Kaiserlichen. @ 31 ® Da — wie ein feuerspeiender Berg in Rauch und blutrote Flaminen geliullt — donnern 30 italienische Ge- schtitze vom Monte Vento den Kaiserlichen Tod und Verderben entgegen. Der Angriff steht stili. Den italie- nischen Geschlitzen stehen nur vier osterreichische ent¬ gegen, doch nehmen sie den ungleichen Kampf auf. Jetzt erscheinen zwei Batterien unter Major Popovich der Korps- geschiitzreserve und nun kampfen 20 osterreichische Ge- schiitze gegen die 30 italienischen. Das andert die Lage. Die osterreichischen Kanoniere treffen gut, immer schvvacher und matter wird das Feuer der italienischen Batterien. Unter dem Donner der Ge- schiitze unternimmt Generalmajor Piret im Vereine mit der Reservedivision den entscheidenden Angriff auf den Monte Vento. Mit fliegenden Fahnen, unter den Klangen des Sturmstreiches gehen die Truppen mit donnerndem Hurra zum Sturme vor, gleichzeitig stiirmt das erste Bataillon des Regiments Nr. 75 liber Rodolfo gegen den Monte Vento. Die italienischen Batterien protzen auf und gehen zuriick, in Unordnung weicht die feindliche In- fanterie, und kampflos ersteigt der Kern der Brigade den Monte Vento. Der festeste StUtzpunkt des feindlichen linken Fliigels ist crenommen. o Unaufhaltsam dringt nach der Erstlirmung von Renati das tapfere zweite Bataillon des Infanterieregiments Nr. 36 gegen den Monte Torcolo vor. Časa Burato und Cam- pagna Rossa werden mit Sturm genommen. Zahe ver- ® 32 @ teicligt der Gegner den Monte Torcolo. Wiederholte Sturme fluten zuriick; endlich — keuchend, zu Tode erschopft, in der taktischen Ordnung gelockert, fast samtlicher Offiziere beraubt, taumelt dies Bataillon lanesam gegen Renati zuriick. Hand in Hand mit dem Siegeslauf der Brigade Piret greift die Reservedivision Rupprecht auf der ganzen Linie den Monte Cricol an. Die Krainer vom Regiment Hohenlohe Nr. 17 und die Bohmen vom Regiment Degenfeld Nr. 36 gehen gegen Renati, Prinz von VVeimar gegen Fenile, Generalmajor Benko mit den deutsch-banater Grenzern, dem vierten Bataillon des Regiments Nr. 76 und dem 37. Jager- bataillon gegen den Monte Cricol vor. Der fiinften Kompagnie des Regiments Nr. 36 unter Oberleutnant Braun gelingt es uberraschend, in Fenile einzudringen. Doch vorwarts, immer vorvvarts! heifit es. Die kuhne Kompagnie voran, vermehrt durch hinzu- gekommene Versprengte, geht es wie eine Sturmflut gegen Mongabia, voran Oberleutnant Sinkovič, an seiner Seite Fiihrer Reim mit der Fahne des Regiments Nr. 36. Mongabia wird in gewaltigem Ringen genommen. An- erkennend belobt der hinzugekommene Brigadier diese Heldenschar; begeisterter Jubel dankt seinen Worten. Wahrend dieses Vordringens der Reservedivision und der Brigade Piret wehrt sich noch immer verzweifelt die Besatzung des Hauses neben der Kirche in Oliosi. Es schien, als hatten sich die entschlossensten Manner, Herrmann, Custoza. 3 Das Infanterieregiment Hohenlohe Nr. 17 in Oliosi. ® 35 ® Offiziere und Mannschaft, in dem weitlaufigen und starken Gebaude festgesetzt mit dem Entschlusse, dasselbe bis zum letzten Atemzuge zu verteidigen. Um das allgemeine Vorrucken nicht aufzuhalten, wurde ein zur Verfiigung stehender Teil des Regiments Hohenlohe Nr. 17 beordert, den Ort vollstandig zu saubern. Jede Aufforderung zur Ubergabe wurde aus allen Fenstern mit einem Kugelhagel erwidert. Der Oberst Uefi, da ein direkter Angriff auf dieses feste Objekt blutige Verluste gekostet hatte, jeden Winkel, jede Vertiefung des Bodens, jeden Baum besetzen und mit allem Nachdruck das Feuer eroffnen. Aber je langer sich das hinzog, um so mehr wuchs der Ungestiim der Krainer. Immer wlitender wurde das Feuer; da, mit drohnendem Hurra, brechen sie hervor auf die Tore, die sich rechts und links der Hauptfront befinden. Unter ihren Kolbenschlagen brechen sie zusammen; doch umsonst, man ist einem neuen, heftigeren und von allen Seiten kommenden Kugelregen ausgesetzt, und nirgends ein Eingang, nirgends ein Fenster, ivelches zu ersteigen ware. Aus jeder Tiire, gegen welche angesturmt wird, ragen aus kleinen SchieOscharten Gewehre und Bajonette hervor, die unter den Anstiirmenden furchtbar aufraumen. Einer der ersten fallt hier der tapfere Hauptmann Miiller an der Spitze einer Sturmkolonne, von einer Kugel in die Štirn getroffen. Sein letztes Wort, seine letzte Bewegung ist eine Aufforderung an seine Feute, nicht nachzulassen im Kampfe. 3 * @ 36 ® Der Regimentsadjutant Neubauer, welcher zu Pferde in den Hof gesprengt war, sinkt, von sechs Kugeln ge- troffen, mit seinem ebenfalls zu Tode getroffenen Pferde. Ruhig halt der Oberst auf einem Felde vor dem Hause, um mit kaltem Blute seine Dispositionen zu treffen. Der Hof, diese feuerspeiende Holle, wird geraumt; Zimmer- leute, von Schlitzen unterstiitzt, bearbeiten mit ihren Axten die Tiiren. Doch auch dieser Versuch scheitert an den gewaltig verbarrikadierten Eingangen. Da schwingt sich ein Fahnenfuhrer, die Fahne hochhaltend, auf ein Vordach und von diesem auf den Heuboden. In wenigen Minuten steigt Rauch auf und Flammen schlagen empor liber die Kopfe der tapferen Verteidiger. Gleichzeitig stiirmt alles auf das Haus. Endlich werden weifie Tlicher an den Fenstern sichtbar; die Italiener, 8 Offiziere und 90 Mann des vierten Bataillons vom Regimente Nr. 44 unter Hauptmann Baroncelli, geben sich gefangen. Eiligst ver- sucben noch im Orte zerstreute Italiener zvvischen den Hausern und Feldern zu entkommen. Oliosi ist vom Feinde vollstandig gesaubert. Tapfer kampfte die Nachbarbrigade Oberst Bauer (V. Korps) gegen die italienische Division Sirtori. Zwischen 8 und l / 2 9 Uhr morgens setzte sich das Prager Regiment Benedek Nr. 28 gegen die Hohen von Feniletto, den markanten Zypressenhiigel links lassend, das zweite und dritte Bataillon im ersten Treffen, das erste als Reserve folgend, in Bewegung. Bei Aspern war es, der morderischen Schlacht, in welcher der unsterbliche Feldherr Erzherzog Karl den grofien Korsen besiegte. Damals hing das Schicksal der © 37 ® Schlacht an einem Haare. Seine ganzen Reitermassen warf Napoleon gegen das osterreichische Zentrum. Un- erschiitterlich, wie ein Fels im Meere, stand das Regiment Nr. 28 unter Oberst Mecsery. In diesem entscheidenden Augenblicke sprengte Erzherzog Karl vor die Front des Regiments: «Oberst Mecsery, ich verlasse mich auf Sie!» Wie ein klassisches Heldengedicht klingt die Erinnerung an die damaligen Taten. Der Genius des Vaters seines jetzigen Feldherrn umschwebt das Regiment, stili gelobt jeder Mann, es seinen Vorfahren gleich zu tun. Wahrend des Vorriickens des Regiments erscheint plotzlich unvermutet feindliche Infanterie bei Jese, das Regiment in der linken Flanke angreifend. Es sind die Truppen der italienischen Division Sirtori, zwei Bataillone vom Regiment Nr. 20 und das ganze Regiment Nr. 16 nebst vier Geschiitzen. Unter ganzlich veranderten Verhalt- nissen hat das Regiment Benedek eine neue, schwierigere Aufgabe zu losen; ihre gliickliche Durchfuhrung erfordert einen hohen Grad von Umsicht und Entschlossenheit der Fiihrer, von Disziplin und Tapferkeit der Mannschaft. Nicht nur, dafi das Regiment dem neu aufgetauchten Feinde gegeniiber unter dem beherrschenden Feuer des Gegners eine fast rechtwinklige Frontveranderung gegen Siiden vollflihren mufi, es ist gezwungen, so rasch als moglich die Hohen zu nehmen, will es nicht vvahrend der Be- wegung als wehrloses Opfer den feindlichen Geschossen zum Ziele dienen. Jede Minute des Zogerns kann dem Regimente Hunderte seiner Soldaten kosten. Dem schnell gefafiten Entschlusse zum Sturm lafit Oberstleutnant Ritter von Bouvard in der Tat die Ausfiihrung desselben auf ® 38 ® dem Fufie folgen. Das dem Gehofte zunachst befindliche erste Bataillon unter Hauptmann Kolb stiirzt, ohne auch nur einen Augenblick zu zogern, in raschem Anlaufe mit dem Bajonett auf den Gegner und gewinnt den Kamm der Hohe westlich Jese; als erster erklimmt den Hang Gemeiner Soltes. Nicht minder tapfer und entschlossen, nachdem es in grbCter Ruhe und Ordnung die Frontveranderung vollfiihrt hat, schreitet das zweite Bataillon unter Major Scholze zum Sturm auf die Hohe von Feniletto und erklimmt ohne Aufenthalt den bebuschten Hang, die vierte Division unter Hauptmann Dittl dringt in die Flanke des Gegners, alle drei Divisionen erreichen den Kamm der Hohe. Furchtbar raumt das Feuer der Verteidiger unter den Angreifenden auf, tot oder schwer verwundet bedecken die meisten Offiziere und Unteroffiziere den blutgetrankten Boden. Entschlossen reifit Gemeiner Heiduk die Mannschaft vorvvarts. Das dritte Bataillon unter Major von Goffin hat den weitesten Angriffsweg zuriickzulegen und bleibt am langsten dem Feuer des Feindes ausgesetzt, trotzdem tiberwindet es mit gleicher Bravour und mit demselben Erfolge wie die drei anderen Bataillone den Widerstand des Gegners, es nimmt den Hohenkamm nachst Fenilone. Die Italiener haben auf allen drei Angriffspunkten den hartnackigsten Widerstand geleistet, ihre gut gezielten, morderischen Salven den Sturmenden empfindliche Ver- luste beigebracht; dennoch sind die Angriffe des Re- giments Benedek nicht ins Stocken geraten, die Hohen ® 39 ® genommen, die Aufgabe des Regiments scheint gliicklich und erfolgreich gelost. Indessen hat sich der Gegner auf dem siidlichen Hange der Hohen wieder gesammelt, Ver- starkungen herangezogen und gleichzeitig starke Ab- teilungen durch die Einsattlung bei Jese gegen die linke Flanke des ersten Bataillons dirigiert. In Front und Flanke von feindlicher Ubermacht angegriffen, wird es noch auf beiden Fliigeln von feindlicher Reiterei, Cavallegieri di Lucca, attackiert. Prazise, mit unerschtitterlicher Ruhe formieren sich die Vierecke und Klumpen und verderbenbringend krachen die Salven in die Reiterei; eine Menge Reiter und Rosse walzen sich am Boden. Unterdessen senden die italie- nischen Geschutze ihre Geschosse in die dichten kaiser- lichen Massen und alle Aufopferung der Truppe ist ver- geblich, die Ubermacht zu grofi; das Regiment, dezimiert, mufi weichen, den mit blutigen Opfern erkauften, mit iibervvaltigender Tapferkeit erkampften Posten verlassen. Da — Hornerschall! Vom Brigadier Oberst Bauer personlich gefiihrt, erscheint das 19. Jagerbataillon in der Flanke der Italiener. Mit klingendem Spiel geht es gegen die Hohe von Jese vor. Unerschiitterlich steht noch die vierte Division unter Hauptmann Dittl am Zypressen- hiigel. Erneuert geht das Regiment Nr. 28 zum Angriff auf die Hohen vor. Trotz der aufierordentlichen Er- schopfung aller und trotz der bisherigen Verluste, die die Reihen des Regiments bedeutend gelichtet haben, trotzdem der Gegner, starker als zuvor, in Siegeszuversicht seine © 40 ® behauptet. Fluchtartig weicht der Gegner zuriick, hart an den Fersen die 28 er. Bei Feniletto noch ein kurzes Standhalten — imponierend steht das Regiment Nr. 28 auf den Hohen von Feniletto. * Mit Erlaubnis der Verlagshandlung nach Original -Aquarellen von Felizian Freiherrn v. Myrbach aus Dunckers „Erzherzog Albrecht” (Verlag F. Tempsky, Wien) reproduziert. giinstigen Positionen tapfer verteidigt, gelingt dennoch der Angriff des Regiments; vor seinen Bajonetten weicht der Feind, der ganze Hohenriicken wird genommen und Oberst Bauer fiihrt das 19. Jagerbataillon vor.* ® 41 ® In Waffen starrt der Hohenzug des Monte della Croce und Monte Torre. Uber La Marmoras personlichen Befehl hat Generalleutnant Brignone diesen Hohenzug mit seinen Kerntruppen besetzt: sardinische Grenadiere und das 37. Bersaglieribataillon, Lucca-Cavallegieri und die lombardische Grenadierbrigade in Reserve. BeeinfluCt durch das Kampfgetose bei Villafranca, das die Brigaden Pulz und Bujanovics hervorgerufen, wurde die Front mehr gegen Osten genommen, bis General Brignone durch das Geschiitzfeuer der kaiserlichen Brigade Weckbecker auf seinen Irrtum aufmerksam wurde. Feldmarschalleutnant Hartung, der Kommandant des IX. Korps, hatte den Angriff auf die dominierenden Hohen des Monte Croce und Monte Torre angeordnet. Die Brigade Weckbecker mit den Infanterieregimentern Bayern Nr. 5 und Don Miguel Nr. 39 sovvie den Tiroler Jagern vom vierten Bataillon hatte die Direktion auf den Nordabhang des Monte Croce, die Brigade Bock mit den Ungarn vom Regiment Toscana Nr. 66 und den Siebenblirgern vom Regiment Niederlande Nr. 63 auf Cavalchina. In musterhafter Ordnung wird im heftigsten feind- lichen Geschiitzfeuer das Staffalotal durchschritten. Uniiber- sichtliches, nicht nur dicht bedecktes, sondern auch von Schluchten und Erdrissen vielfach durchschnittenes Terrain erschwert den Aufstieg ungemein. Erschopft durch den raschen Vormarsch und die gliihende Hitze, erreichen die kaiserlichen Truppen nicht gleichzeitig und in gelockerter Ordnung die Hohe und werden mit einem lebhaften Massen- © 42 ® feuer empfangen. Geschlossene Abteilungen werfen sich ihnen mit dem Bajonett entgegen. Nach kurzem, erbittertem Kampte miissen die einzelnen vorgeprellten Teile der Kaiserlichen den mit Ubermacht durchgefiihrten, energi- schen OffensivstoCen der Italiener weichen. Das vierte Bataillon Kaiserjager durchschreitet im heftigsten feindlichen Granatfeuer das Staffalotal; auch Staffalo mit der Straflenkreuzung. die Bersaglieri haben es unter Feuer genommen. Aber trotz enormer Verluste erklimmt dasselbe nach dem voranleuchtenden Beispiel der Offiziere in musterhafter Ordnung den steilen Hang. In der Ebene rticken feind- liche Abteilungen gegen die linke Flanke vor. Flauptmann Troiloj statt des todlich getroffenen Hauptmannes Mayr das Divisionskommando fuhrend, wirft sich ihnen entgegen; auch er sinkt todlich getroffen; Oberleutnant Flaun flihrt die Division vorwarts. Nach Erreichung der Hohe stiirmt ® 43 ® das Bataillon auf den Gegner los. «Jetzt gilts, Jager!» Mit «Hurra!» stiirmt Oberjager Kuhbacher als einer der ersten voran. Leutnant Schediwy, dessen Sabel zer- schmettert, wird von mehreren Gegnern angegriffen. Todes- mutig wirft sich Patrouillefiihrer Salcher den Angreifern entgegen, mit seinem Leibe den Offizier schiitzend; durchbohrt von Kugeln und Bajonetten fallt er. Stumm, tranenden Auges drlickt Schediwy seinem sterbenden Retter die Hand. Das fiinfte Regiment erklimmt mit bewundernswerter, seltener Bravour unter Ftihrung des Obersten Dosa den Monte Croce. Von der sengenden Hitze erschopft, sinkt so mancher Soldat zur Erde. Die italienischen Grenadiere, in Linien aufmarschiert, senden ihre Salven den Kaiserlichen entgegen. Die Offiziere voran, stiirzt sich das Regiment auf den Feind. Die auf der Hohe befindliche feindliche Batterie fahrt schleunigst ab. Ein Geschiitz verzogert sich und wird unter tosendem Jubel der Mannschaft ge- nommen. Erneuert dringt der Gegner tibermachtig vor, ein morderisches Ringen Mann an Mann entsteht. Um die Fahne des kaiserlichen funften Regiments, die von der nervigen Faust des Fahnenfiihrers Demeter hoch- gehalten wird, wirbelt ein wtistes Durcheinander; es beginnt ein furchtbares Drangen; niemand weicht zuriick, alles drangt der Fahne zu. Durch das umfassende Feuer zusammengepreflt, verschlingt sich alles wie zu einem Knauel. Und nun wird’s grauenhaft, jetzt halt der Tod die reichste Ernte! — Hoch iiber allen flattert das Panier, -© 44 ® Fahnenfiihrer und Fahnenoffiziere heben es vereint in die Liifte mit dem lauten Rufe: «Es lebe der Kaiser!* Da reifien Kartatschenschiisse furchtbare Liicken — der Knauel lost sich in blutende Glieder und unter rasendem Feuer beginnt ein schrecklicher Riickzug. Ein kleines Hauflein lost sich von der flutenden Menge und verlaCt langsam, stolzen Schrittes das Leichen- feld. In der Mitte flattert hoch die Fahne. Das feindliche Feuer lichtet selbst auch diese kleine Schar, aber immer wieder erganzen herbeigeeilte Leute, selbst Verwundete, die treue Fahnenwacht. Feindliche Ab- teilungen nahen und uberschiitten sie mit morderischen Geschossen; wieder sinkt ein Mann nach dem andern. Ruhig und gelassen, an sterbenden Kameraden vorbei, gehen sie mit hochgehaltener Fahne. Da liegt Hauptmann Bittmann tot, dort haucht Leutnant Artner sein junges Leben aus. Wie ein Rasender verteidigt allein noch Ge- meiner Vadasz den Fahnenfiihrer und die Fahne. Bereits ist der Fahnenbusch zerrissen, schon zerren mehrere Feinde an der Spitze, da nimmt Demeter alle seine Krafte zusammen und macht sich durch einen heftigen Ruck frei. Die Stange in die Erde stemmend, schwingt er sich in gewaltigem Sprunge iiber die Feinde — unver- sehrt flattert die Fahne. Mit Ingrimm wirft sich neue Mannschaft auf den Gegner, die Fahne ist gerettet. Abermals dringt eine Kolonne des Regiments Nr. 63 auf den Monte Croce und erzielt augenblickliche Erfolge, @ 45 ® ein Geschiitz wird genommen; doch auch sie mufi vor der Ubermacht weichen. Zehn Kompagnien des Infanterieregiments Erzherzog Rudolf Nr. 19 von der Brigade Scudier unter Befehl des Obersten Rath, die sich zu weit ostlich hielten, erklimmen, dem Gefechtslarm folgend, gleichfalls den Monte Croce. Unter wiederholten Bajonettangriffen wird die Kuppe ge¬ nommen; vier Geschiitze werden erbeutet; bis zu den Cascinen des Monte Torre dringt der glanzende Angriff. Ein grimmiges Handgemenge entspinnt sich mit den Grenadieren und Bersaglieri. Frische Truppen vom italie- nischen Regiment Nr. 64 greifen in Front und Flanken an. Die Unterstlitzung einer Division des Regiments Nr. 63 kommt zu spat. Mit Ingrimm auf den braunen Gesichtern mlissen die Tapferen die eroberten Geschiitze zuriicklassen, und zogernd ziehen sich die braven Rudolfer unbelastigt zuriick. Ohne Verfolgung von seiten des Feindes, der selbst in hochstem Grade erschopft ist, gehen die kaiserlichen Truppen zuriick. Der Monte Croce bleibt in den Handen des Gegners. Das kaiserliche Infanterieregiment Nr. 66, bei Ma- scarpine vollkommen isoliert, riickt auf den Befehl des Obersten Syrbu, um eventuell die rechte Flanke des Korps selititzen zu konnen, mit dem ersten und dritten Bataillon auf den Hohenzug von Molimenti, mit dem zweiten Bataillon direkt gegen Cavalchina vor. Die Hohen von Molimenti werden erreicht, doch dem weiteren Vor- © 46 ® dringen stellen sich immer groOere feindliche Abteilungen entgegen. Durch die vielfach verzweigten, rasch wechseln- den, mitunter sehr steilen Unebenheiten des Bodens sowie durch zahlreiche Heckenreihen werden jedem ge- schlossenen Vorgehen die grofiten Schwierigkeiten ent- geg e ng ese tzt. Dennoch dringt die achte Division gegen Palazzo Bafti. den Palazzo Baffi, ein aufierst festes Objekt, vor. Durch die dichte Kultur gedeckt, kommt sie bis unmittelbar an den Palazzo heran, wird aber von einem verheerenden Feuer aus allen Stockwerken empfangen. Von Graben und Barrieren aufgehalten, sieht sich die Division zu einem zuwartenden Feuergefechte bemiifiigt. Da — brausendes Eljen! Das erste Bataillon greift in den Kampf ein. Bis an die Mauern des Palazzo Baffi dringt der Angriff. Un¬ mittelbar vor dem Flaustore fallt todlich getroffen Ober- leutnant Kirkovič. Doch an dem fest verrammelten Gehofte ® 47 ® scheitern alle Versuche, in dasselbe einzudringen. Aus den Fenstern spriiht den Angreifern ein entsetzliches Feuer entgegen und von Gorgo her ruckte ein neues Bataillon zur Unterstlitzung des Feindes heran. Sukzessive und unter grofien Verlusten, fast aller Offiziere beraubt, zogen sich die kaiserlichen Bataillone gegen den Molimenti zuriick. Der Feind hatte so bedeutende Verluste, dafi er nicht wagte’ nachzurticken. Der Koinmandant des italie- nischen Unterstiitzungsbataillons, Cavalieri Ferri, war tot und Prinz Amadeus, der Kommandant der feindlichen Brigade Lombardia, schwer verwundet. Nicht minder hartnackie und in vieler Hinsicht noch denkwiirdiger gestalteten sich die Kampfe des zweiten Bataillons und der bei ihm zunachst stehenden neunten Division. Infolge der dichten Kultur stieCen die Kaiserlichen ebenfalls unvermutet auf Cavalchina, einen umfangreichen, geschlossenen Meierhof. Todesmutig stiirmte die sechste Division nerade auf das Gebaude los, wahrend die ftinfte Division es rechts umfaCte. Hauptmann Schiller sprengte das grofie Tor personlich; die lange Einfahrt war an- gefiillt mit Feinden. Ein blutiges, verzweifeltes Hand- gemenge entstand, doch nach kurzem, erbittertem Ringen wich der Gegner, nur etwa flinfzig Mann zogen sich ins obere Stockwerk zuriick und hielten es besetzt. Heran- riickende bedeutende Verstarkungen sowie der Wider- stand der noch im Gebaude befindlichen Besatzung machten den Aufenthalt im Hofraume unmoglich, und so @ 48 ® drangen mit unwiderstehlichem Mute Oberleutnant Pazalt mit Mannschaft, die ihm zur Hand war, und Hauptmann Schiller mit Teilen der sechsten Division ofesren den heran- riickenden Gegner und drangten ihn bis zum StraCen- knotenpunkte von Gorgo zuriick. Unter der energischen Leitung der Hauptleute Wibiral und Schiller wurde ein heftiges Feuergefecht gegen das 13. Bersaglieri-Bataillon und das dritte Bataillon des Grenadierregiments Nr. 3 gefuhrt. Da der Gegner noch ein Regiment einsetzte, mufiten die zu Tode erschopften und sehr gelichteten Reihen der 66er weichen; sie zogen sich langsam gegen Cavalchina zuriick. Infolge der Hemmnisse im Terrain trennte sich die zehnte Kompagnie, bei der die Bataillons- fahne eingeteilt war, vom Gros. Ubermachtig stiirmten die Italiener gegen die kleine Abteilung. Feldwebel Leichtag verteidigte das Panier mit aufopferndstem Todesmute, Cavalchina, an der Strafie von Sommacampagna nach Custoza. ® 49 ® bis er, aus vielen Stich- und Schufiwunden blutend, nieder- sank, die Fahne wurde jedoch durch die Tapferkeit der Abteilung gerettet. Wahrend die sechste Division ihren Heldenkampf mit dem ubermachtigen Gegner fiihrte, hatte der Feind durch sein viertes Grenadierregiment Cavalchina wieder besetzen lassen. Uber Befehl des Brigadiers versuchte die neunte Division das Gehoft nochmals zu sturmen. Ver- nichtendes Feuer prasselte den Stiirmenden entgegen. Der Kommandant der Division, Hauptmann Haag, fiel, von einer Kugel mitten in die Štirn getroffen. Oberleutnant Zitterer, obwohl durch den Arm geschossen, rifi ungeregelte Teile der 17. und 18. Kompagnie mit sich fort und drang beim westlichen Tore in das Innere des Gebaudes. Der Rest der Division mufite sich jedoch in diesem Moment gegen feindliche Abteilungen wenden, die von der ost- lichen Seite heran kamen. Nur Oberleutnant Zitterer kampfte mit seinen Leuten im Innern des Gebaudes und trieb die feindliche Besatzung von Stockwerk zu Stock- werk. Da flutete die zuriickgehende sechste Division des Regiments Nr. 66, vom Gegner heftig bedrangt, gegen Cavalchina heran. Osterreicher und Italiener stiirzten, in einen wiitend kampfenden Klumpen zusammengedrangt, gleichzeitig in den Hofraum, in dem ein erbittertes Ge- metzel entstand. Der italienische Generalleutnant Brignone sandte zwei weitere Bataillone des Grenadierregiments Nr. 1 unter Oberst Boni gegen Cavalchina vor. Die kaiserliche Division ist umzingelt, kein Mann besitzt mehr Herrmann, Custoza. 4 ® 50 ® eine Patrone, alles ist zu Tode erschopft, und obgleich manche infolge Erschopfung tot zusammensanken, bahnte sich die Division den We°f zum Riickzuoe mit dem O o Bajonett. Unter \viitenden Einzelkampfen ging der Riickzug gegen die Hohen von Molimenti. Unterwegs traf Ober¬ leutnant Prantner den Fahnenfuhrer des zweiten Bataillons des kaiserlichen Infanterieregiments Nr. 39, welcher sich zwischen Haufen von Leichen allein noch gegen italienische Lucca-Cavallegieri verteidigte. Er befreite ihn und brachte die Fahne in Sicherheit. Nach kurzem Kampfe wurden die noch im Hofraume befindlichen Kaiserlichen nieder- gemetzelt. Unterdessen tobte im ersten Stockwerke des Ge- baudes der Kampf mit ungeschwachter Kraft weiter. Oberleutnant Zitterer, durch einen PrellschuB am Auge sowie am Arni und an der Brust verwundet, wehrte sich heldenmiitig gegen die von allen Seiten andringende Ubermacht. Die urspriingliche feindliche Besatzung wurde auf den Dachboden gedrangt und abgesperrt. Eine Sturide schon dauerte dieser heroische Kampf, da endlich nalite die Hilfe. Das osterreichische Regiment Nr. 48 riickte gegen Cavalchina vor und Leutnant Blaschke stiirmte mit zwei Ziigen in den Hofraum. Oberleutnant Zitterer, im Vereine mit Leutnant Blaschke, brachte den Kampf hier zum endgultigen Abschlusse. Haufen von Gefallenen be- deckten den Hofraum. Die feindliche Besatzung — der italienische Grenadier-Hauptmann Cragnotti, noch drei Offiziere und 54 Mann — wurde gefangen.genommen und @ 51 ® drei schwerverwundete kaiserliche Offiziere und mehrere Leute befreit. Das 15. Jagerbataillon der Brigade Bock wurde an- fanglich bei Boscone zuriickbehalten. Obwohl ungeduldig, muBte es im feindlichen Feuer ausharren, bis es endlich der Befehl, das Staffalotal zu iiberschreiten und gegen die Ftohen von Monte Croce vorzudringen, erloste. In Divisionsmassen mit nur schwachen Plankler- ketten riickte das Bataillon unter lebhaftem feindlichen Feuer vor. Unaufhaltsam geht es trotz der numerischen (Jberlegenheit des Gegners weiter unter Fuhrung des Bataillons-Kommandanten Hauptmann Hambeck, der durch Ruhe und Umsicht seiner Truppe ebenso blindes Ver- trauen einflofite, wie er auch im entscheidenden Augen- blicke seine tapferen, kaltbliitigen Salzburger Leute zur Begeisterung zu erheben wuCte. Durch das aufopfernde Beispiel seiner Offiziere hingerissen, erstiirmte das Ba¬ taillon vorerst mit bewundernswerter Hingebung das im Tale gelegene und von Bersaglieri hartnackig verteidigte Časa Staffalo und gelangte dann —- wohl nach zahl- reichen Verlusten, aber ungebeugten Mutes — an den Abhang des Monte della Croce. Der Mut war entfacht, die Kampflust entfesselt, als es nun galt, die steile Hohe zu den Feinden hinanzuklimmen. Mit unwiderstehlichem Ungestlim, blind gegen jede Gefahr, brach das Bataillon, in Divisionsmassen entwickelt, im Sturmschritt gegen die feindlichen Linien vor. Von einem Hagel von Kugeln uberschlittet, stand es bald unmittelbar vor dem Bajonett- 4* ® 52 ® wall am oberen Saume der Hohe. Die letzten Krafte wurden zusammengerafft. Mit blanker Waffe standen die Jager dem Feinde gegeniiber. Die Gegenwehr war kurz, denn meisterhaft handhabten die braven Salzburger Ba- jonett und Kolben. Bei dieser Gelegenheit war es auch, dafi Jager August Brandt von der flinften Kompagnie mit staunenswerter Verwegenheit mitten durch die feind- lichen Linien brach und einen berittenen Offizier vom Pferde stach. Der Hohenkamm war geraumt, doch noch nicht die etwa 600 Schritt entfernte Kuppe, wo der Feind teilweise Stellung nahm. In dieser Situation bedrohten das Bataillon plotzlich in der linken Flanke heranriickende feindliche Kolonnen. Zu ihrer Abwehr wurde Hauptmann Anselm beordert, dem es auch gelang, den Gegner im Vorriicken aufzuhalten. Inzwischen gingen drei Kompagnien unter Fiihrung des Bataillonskommandanten gegen den Hohenzug des Monte Croce vor. Nach grofier Anstrengung wurde der Gegner geworfen und zog sich schleunigst liber den Abhang gegen Custoza zuriick; auch die feindliche Artillerie wich zuriick. Zwei Geschiitze wurden genommen und gewendet, und von Offizieren bedient sandten sie ihre Kartatschenladungen in ihre eigene zurlickgehende Truppe; leider war nur noch wenig Munition in den Munitionskarren. Da das Fort- schaffen dieser Geschiitze in diesem Terrain mangels einer Bespannung unmoglich war, wurden sie von den Jagern den steilen Abhang des Berges hinabgestiirzt. Von Custoza ® 53 ® aus ruckte der Gegner erneuert vor. Iinmer machtiger wurden die gegen das Bataillon dirigierten Massen. Die Gefahr, abgeschnitten zu werden, und der beginnende Riickzug der kaiserlichen Regimenter Nr. 63 und 66 zvvangen auch dieses tapfere Bataillon zum Zuriickgehen. Dieser Riickzug, welcher in vollster Ordnung ausgefiihrt wurde, erfolgte unter dem Schutze der ersten Kompagnie unter Oberleutnant Rainer und dem trotz zweiinaliger Vervvundung im Gefecht verbliebenen Leutnant Anton Lefeber. Durch wiederholte kraftige Offensivstofie wurde der nachdrangende Gegner zum Stehen gebracht, bis das Bataillon unter starken Verlusten das Staffalotal passieren und auf den Hohen siidwestlich von Časa Berettara sich wieder vereinigen konnte. Dumpfes, immer naher kommendes Getose wurde zuletzt als donnerndes Hurrarufen erkennbar, mit dem die anriickenden kaiserlichen Truppen ihren geliebten Feld- herrn begriifiten. Die Brigade Scudier erhielt vom Armeekommando den Befehl, von Zerbare aus gegen Godi vorzuriicken. Schon wahrend ihres Aufmarsches dem feindlichen Artillerie- feuer ausgesetzt, ruckte sie, das Regiment Erzherzog Ernst Nr. 48 im ersten Treffen und das Regiment Kronprinz Rudolf Nr. 19 im Staffel, mit flatternden Fahnen und unter den begeisternden Klangen des Radetzkymarsches in bewundernswerter Flaltung vor. Ein verheerender Kugel- © 54 ® regen schlagt den Kaiserlichen entgegen. La Bagolina war von drei Bataillonen des italienischen Grenadier- regiments Nr. 3 besetzt, die mit ungeschvvachter Kraft Widerstand leisteten. Doch die Aufopferung der Fiihrer spornte die kaiserlichen Truppen zu wahrer Todesverach- tung an. Geschlossene Massen hielten die Vorwarts- bewegung in Flul3 und mit hoch geschwungenem Sabel vorausstiirmende Offiziere setzten sich ein blutiges Denk- mal der Aufopferung. Tamboure an der Seite ihrer Haupt- leute schlugen ununterbrochen den Sturmmarsch; die schmetternden Klange der kaiserlichen Regimentskapellen schallten weit liber den blutgetrankten Boden und feierlich, hinreifiend erklang die Volkshymne: «Gott erhalte unsern Kaiser», ubertont noch vom Hurra der Truppen. Unge- heure Dampfwolken lagerten iiber den Stiirmenden. Floch schwang Fahnenfiihrer Stephan Novak, dessen Brust schon die Tapferkeitsmedaille fiir Solferino zierte, die Fahne, und mit dem Rufe: «Eljen a csaszarb stromte die Waffen- vvoge nach Bagolina hinein. Ein fbrmlicher Wettlauf ent- stand. Alle Hindernisse wurden genommen. Auf den Zuruf ihrer \venigen noch im Gefechte befindlichen Fiihrer stiirmten Mannschaften der Regimenter Nr. 19 und 48 gemengt in den Ort. Der wiitendste Kampf tobte hier, wo Hof fiir Hof einzeln renommen werden mufite. Bereits o wehten die kaiserlichen Fahnen, zerfetzt und zerschossen, im Innern Bagolinas, und nun sah sich der Gegner zum Riickzuge gezwungen, der in wilde Flucht ausartete. Un- aufhaltsam ging der Siegeszug weiter. Belvedere wurde ® 55 ® erstiirmt, und eine Division unter Hauptmann Szabo drang in Custoza ein. Im Gevviihl des Kampfes schlug der Gemeine Paul Boha einen feindlichen Offizier, der seinen Revolver gegen Hauptmann Szabo erhob, zu Boden. Auch Hauptmann Heinzelmann drang mit einer Division vom Regiment Nr. 48 in Custoza ein. Custoza mit der alten Kirche. Da raffte sich der Gegner auf, um mit starken Massen frischer Truppen den Ort wieder zu erobern. Obgleich aufs hochste erschopft, leisteten die kaiser- lichen Truppen zahen Widerstand. Immer starker wurde die feindliche Ubermacht. Die italienische Brigade Alpi und das Infanterieregiment Nr. 51 drangen in der Front, andere Abteilungen in den Flanken vor; selbst im Riicken erschien feindliche Reiterei. Unaufhorlich iiberschiitteten die feindlichen Batterien am Monte Torre die uner- schrockenen Verteidiger Custozas mit einem Hagel von ® 56 ® Geschossen. Dem 34. Bersaglieribataillon gelang es, in den Ort einzudringen. Die Brigade Scudier, infolge ihrer weit vorgeschobenen Stellung durch feindliche Ubermacht heftig bedrangt und dem verheerenden feindlichen Geschiitz- feuer, dem kein einziges Geschiitz entgegengestellt werden konnte, ausgesetzt, war gezwungen, sich langsam, Schritt flir Schritt, gegen Zerbare zurtickzuziehen, wo sie von der Brigade Welsersheimb aufgenommen wurde. Entsetzlich brannte die Sonnenglut. Die Truppen waren durch stundenlanges blutiges Ringen erschopft. Es trat eine fbrmliche Ruhe im Ge- fechte ein. Da im Hinblick auf die Erfolge der Brigade Piret ein Riickschlag nicht mehr zu befiirchten war, ordnete der Kommandant des osterreichischen V. Korps um 1 Uhr nachmittags das Vorrucken der Brigade Moring gegen S. Lucia an. Kraftiges Hurra belehrte den Gegner liber das Herannahen frischer kaiserlicher Truppen. Das 21. Jagerbataillon voran, ging die Brigade, auf dem rechten Fliigel das Regiment Grueber Nr. 54, in der Mitte das zweite und dritte Bataillon Nagy und auf dem linken Fliigel das Regiment Erzherzog Leopold Ludwig Nr. 53, zum Angriff vor. Beim Vorrucken der Brigade raumten die Italiener Časa Pernisa. Einige feindliche Ab- teilungen, die das Gehoft nicht schnell genug verlieOen, •© 57 ®> wurden gefangen genomrnen. Trotz des heftigen feind- lichen Artilleriefeuers riickte die Brigade ohne namhafte Verluste bis an den Tioneflufi vor, durclnvatete ihn und erklomm in grofiter Ordnung die sehr steilen, mit niedrigem Eichengebiisch dicht bevvachsenen Hohen, welche von etwa fiinf Bataillonen der italienischen Regimenter Nr. 65 und 66 ohne besonderen Nachdruck verteidigt wurden. Zwei feindliche Geschiitze wurden von Mannschaften des kaiserlichen Regiments Nr. 54 unter Leutnant Schiele genomrnen. Um 3 Uhr vvaren die Hohen von S. Lucia im Besitze der Brigade Moring, die sich auf denselben festsetzte. Die Verteidiger des Monte della Croce, welche ebenso wie die kaiserlichen Truppen erschopft und in Unordnung geraten waren, zeigten auffallend passive Haltung. Auch mit Riicksicht auf die durch das Zurlickgehen der Brigade Scudier befiirchtete Liicke in der Schlacht- linie fiihlte sich der Kommandant des IX Korps, Feld- marschalleutnant Hartung, bewogen, erneuert die Offensive zu ergreifen. In der Hoffnung, durch eine Diversion gegen Custoza den auf dem Monte della Croce stehenden Gegner um seinen Ruckzug besorgt zu machen, ihn dadurch zu schwachen, und nach Sammlung der Brigaden Bock und VVeckbecker einen erneuerten Angriff auf den Monte della Croce unternehmen zu konnen, ordnete Feldmarschall- leutnant Hartung nach 11 Uhr das Vorgehen des bei Berettara stehenden Regiments Graf Tinin Nr. 29 gegen 58 ® © das Belvedere an. In heftigem feindlichen Feuer drang das Regiment vor. Das nur schwach verteidigte Belvedere wurde genommen und zum zvveitenmal das heifi umstrittene Custoza erstiirnit. Doch hier wurde dem Angriff ein Ziel gesetzt. Dem Feuer mehrerer Batterien ausgesetzt, in der Flanke und im Rticken von feindlicher Kavallerie bedroht, sah sich Oberst Gyurits infolge eines von Custoza Belvedere. aus erfolgten energischen Angriffes des 34. Bersaglieri- Bataillons gezwungen, den Riickzug gegen Berettara an- zuordnen. Beim Zurlickgehen wurden die Truppen von Foggia-Lanzieri widerholt ungestiim attackiert. Nur etwa vier Kompagnien unter Flauptmann Helmburg, die der Befehl zum Riickzuge nicht erreichte, verblieben beim Belvedere. Mit eherner Standhaftigkeit standen die Banater Soldaten und wehrten sich verzweifelt gegen die an- drangende Ubermacht. Der umsichtige Generalstabschef des IX. Korps, Oberstleutnant Pielsticker, der zur Rekognos- ® 59 •© zierung mit bewundernswerter Kiihnheit bis zum Belvedere vorritt, traf dieses Hauflein Helden im Verzvveiflungs- kampfe. Mit ziindenden Worten ermunterte er sie zum weiteren Ausharren, dann sprengte er zuriick, um Ver- starkung heranzuholen. Sieben Kompagnien des kaiserlichen Regiments Nr. 5 unter Major Fabrici antreffend, forderte er diesen zur Unterstiitzung der hart bedrangten Verteidiger des Bel¬ vedere auf. Unverweilt riickte das Bataillon vor und durcheilte im Laufschritt das offene Terrain bis zum Gefechtsorte. Als es noch dreihundert Schritte von dem- selben entfernt war, wichen jedoch die Verteidiger, da ihnen die Munition ausging und sie von der Ubermacht heftig bedrangt wurden, teilweise zuriick. Unwiderstehlich alles mitreiCend, stiirmte das Bataillon unter Fiihrung des Oberstleutnants Pielsticker gegen das Belvedere, das Haupt¬ mann Drandt als erster an der Spitze seiner Division erreichte. Ein furchterlicher Kampf um die Hohe ent- brannte. Vier frische feindliche Bataillone griffen ein, und nun mufiten trotz aufopferndster Tapferkeit die Kaiser¬ lichen den Ruckzug- antreten. 192 Tote und Schwer- verwundete bedeckten den Kampfplatz. Fern von einer Entscheidung' war man um die Mittags- stunde auf dem Schlachtfelde bei Custoza. Der Kampf wogte wie ein vom Sturm gepeitschtes Saatfeld hin und her. Unaufhorlich erbebte die Erde vom Donner der Geschutze, in welchen sich die heiseren Hurras der © 62 @ denn dies waren die Schliisselpunkte der italienischen Schlachtstellung, von deren Besitz das Schicksal desTaoes O' o abhing. Um 3 Uhr nachmittags entschlofl sich Feldmarschall- leutnant Maroičič, der dem Laufe der Ereignisse auf- merksam gefolgt war, aus eigener Initiative zum Angriff auf Custoza und gab den Brigaden Toply und Welsers- heimb Befehl zum Vorriicken. Unter dem vorbereitenden Feuer der gesamten Artillerie des VII. Korps und der Geschiitzreserve des IX. Korps wurde der Befehl um 4 Uhr nachmittags ausgefuhrt. Die Brigade Welsersheimb ging im Staffel iiber M. Molimenti und die Brigade Toply liber M. Godi und La Bagolina gegen den mit Zypressen be- wachsenen Hligel Belvedere vor, wahrend das Regiment Maroičič Nr. 7 der Brigade Welsersheimb zur Linken zum Angriff gegen M. Croce dirigiert wurde. Ziindend traf der Befehl alle Truppen, und jubelnd griff auch der jlingste Soldat zum Gewehr. Begeistert durch den EinfluC des ritterlichen und allverehrten Brigadiers Oberst Graf Welsersheimb drang dessen Brigade vor. Von La Bagolina aus lichtete Geschlitz- und Gewehrfeuer die Reihen der vorrlickenden Kaiserlichen, die groCe Terrainschwierigkeiten zu iiber- winden hatten. Besonders verheerend wirkte das feindliche Geschlitzfeuer, das ganze Llicken in die vordringenden Massen rifi. Und doch versagte keinen Augenblick die Mannes- zucht der kaltbliitigen Truppen, denn heifie Vaterlands- Feldmarschalleutnant Maroičič riickt zum Sturme auf Belvedere vor. ® 65 ® liebe und soldatisches Ehrgefuhl beseelten jeden einzelnen, den General wie den letzten Soldaten. Diese Gefuhle hatten die Kaiserlichen schon oft zu Sieg und Ehre gefuhrt und zeitigten auch heute die traditionelle, echt osterreichische Tapferkeit, so dafi in keinem der todesmutigen Krieger die Besorgnis um sein dem Kaiser und der Ehre ge- weihtes Leben aufkam. «Vorwarts!» tonte es laut durch die Reihen und unaufhaltsam drangen sie vor. Doch je naher die Tapferen an den Feind herankamen, desto fiirchterlicher war die Wirkung der feuerspeienden Holle. Verwundete, am Boden liegend, rochelten mit ihrem letzten Atemzuge: «Vorwarts!» Dem Gegner mochte die Linie der unter klingendem Spiel und mit flatternden Fahnen heransttirmenden Divisionsmassen doch zu imposant er- scheinen, denn er raumte rasch Bagolina und zog sich auf Belvedere zurlick. Zwolf bis vierzehn italienische Bataillone nebst Geschiitzen standen den Kaiserlichen gegeniiber. Lauter Trommelwirbel trieb die Truppen zu erneutem Angriffe vor. Hoch zu Rol3 fuhrte der alte Held von Vicenza, Feldmarschalleutnant Maroičič, mit gezogenem Sabel seine Soldaten gegen den Feind. Unbeschreibliche Begeisterung erfullte die Truppen, als sie ihren Kom- mandanten mitten unter sich sahen. Den Tschako tief in die Štirn gedriickt, das Gewehr mit nervigen Fausten krampfhaft haltend, so erklommen die Kaiserlichen mit todesmutiger Bravour den steilen Hang des Belvedere. Oberst Dormus, zu Pferde, traf an der Spitze seines Regiments Grofiherzog von Mecklenburg-Strelitz Nr. 31 Herrmann, Custoza. 5 @ 66 @ am Belvedere ein. Tollkiihn stiirzte sich der Gemeine Wallnofer vom 3. Kaiserjagerbataillon in die feindlichen Reihen, alles niederstechend und niederschlagend, was sich ihm entgegenstellte. Abteilungen von Kaiserjagern unter Oberleutnant Belschan, vom 7. Jagerbataillon unter Unterleutnant Baron Schmidburg und vom Regimente Palazzo Maffei mit diirftig ausgebesserten Schufi- und Zerstorungsspuren. Erzherzog Ludwig Viktor Nr. 65 eroberten ein feindliches Geschlitz, das Leutnant Baron Schmidburg und Unter- jager Molk als erste erreichten. Nach tapferer Verteidigung zog sich der Gegner gegen Custoza zuriick. Oberjager Kosatzky lieC sich von seinen Leuten die geladenen Gewehre reichen und sandte seine Kernschiisse in die weichenden Reihen. Der Feind, fast gleichzeitig auch vom Infanterieregiment Baron Paumgarten Nr. 76, das den Palazzo Maffei erstiirmte, gegen Custoza zuriickgeworfen, nahm in und bei diesem Orte seine letzte Aufstellung. © 67 ■© Zum drittenmal vvurde Belvedere durch die Kaiser- lichen ersturmt, und um 4 7* Uhr nachmittags wehte die kaiserliche Fahne — nunmehr dauernd — auf dem Zypressenhiigel. Feldmarschall Maroičič liefi die infolge der sengenden Flitze und des erbitterten Kampfes um die Hohen er- Anstieg gegen Custoza vom Norden. schopften Truppen vor dem entscheidenden Angriffe auf Custoza ausruhen und sich ordnen. 40 Geschiitze, die die Mannschaft des kaiserlichen Regiments Nr. 31 mit ubermenschlicher Anstrengung die steilen Hange des Belvedere hinaufgeschleppt hatte, be- reiteten den Angriff vor. Seit 12 Uhr beobachtete Erzherzog Albrecht von der Plohe San Rocco di Palazzolo die Entwicklung der Schlacht und die einzelnen Pliasen dieses Riesenkampfes mit dem klaren und ruhigen Blicke des Feldherrn. 5 "“ ® 68 ® Um 3 Uhr nachmittags erliefi der Feldherr den Befehl zum allgemeinen Angriff auf Custoza, den der Kommandant des VII. Korps schon aus eigener Initiative begonnen hatte und zu welchem auch der Kommandant des V. Korps Vorbereitungen traf. Die Erde erzitterte unter dem unaufhorlichen Donner der Kanonen; man horte nicht einzelne Schiisse, sondern ein fortwahrendes Donnergerolle, das, verbunden mit dem Pfeifen und Rasseln der sausenden und krepierenden Granaten, einen betaubenden Larm verursachte. Feierlich ertonte die Volkshymne und begeisternd erschallten die Klange des Radetzkymarsches, als die Kaiserlichen unter Trommehvirbel und mit flatternden Fahnen zum Sturme vorgingen. Ein unbeschreibliches Schnellfeuer, untermischt mit dem Prasseln von Kar- tatschen, empfing die Stiirmenden und mahte ganze Reihen nieder. Mit schrecklicher Heftigkeit feuerten die Geschiitze; es schien, als habe die feindliche Artillerie ihre letzte Kraft fiir diesen Sturm aufbewahrt. Ein GeschoC platzte mitten in den Massen des Regiments Nr. 53. Verwundete und Sterbende walzten sich am Boden, aber ruhig und geschlossen, ohne auch nur einen Augen- blick zu stocken, ging es in voller Ordnung vorwarts. Unwiderstehlich fluteten die osterreichischen Sturmsaulen in wuchtigem Anprall heran, jeden Zoll gevvonnenen Bodens mit ihrem Blute rotend. Endlich gelang es dem Generalmajor Moring an der Spitze von neun Kompagnien des Regiments Erz- © 69 ® herzog Leopold Nr. 53 unter ihrem Obersten Dahlen mit den Kroaten, den Nachkommen der alten Panduren Trencks, in Custoza einzudringen. Unaufhorlich tonte der Sturmmarsch, wahrend sich das feindliche Feuer zur aufiersten Heftigkeit steigerte. Im Orte, wo jeder Hof einzeln genommen werden muBte, Osteingang von Custoza. tobte der wi.itendste Kampf. Die Pioniere unter Ober- leutnant Ellerich durchschlugen und offneten das Haupttor des inmitten des Ortes liegenden Palazzo Bevilaqua. In blutigem Handgemenge kampfte man wlitend mit Kolben und Bajonett; aus den Hausern spriihte verheerendes Feuer; da schlucfen Flammen aus dem Pallazo, dessen Hofraum mit Leichen bedeckt war; wildes Geschrei der Kampfenden ertonte, in das sich das Wimmern der Verwundeten und das Rocheln der Sterbenden mischte. Unter tosendem Idurra stiirmten die Regimenter Mecklenburg-Strelitz Nr. 31 @ 70 ® und Paumgarten Nr. 76 in den Ort, in dem die Mauern brennender Hauser krachend einstiirzten. Von Hand zu Hand wanderten die zerfetzten und von Kugeln durch- locherten Fahnen, deren Trager gefallen waren. Erst ein letztes, grimmiges Wiirgen bei der Kirche beendete diesen schrecklichen Kampf. Da ertonte «Halt!», denn feindliche Alte Kirche unterhalb Custozas vom Norden. Abteilungen (356 Mann), von Kaiserlichen umringt, gaben sich gefangen; andere wieder ergaben sich nicht, sondern liefien sich lieber unter den stiirzenden Mauern begraben. Custoza, der letzte und wichtigste Stutzpunkt der italienischen Armee, war erobert. Nicht endenwollendes Triumphgeschrei verkiindete den Erfolg. Donnernde Vivats, in die sogar die Ver- wundeten einstimmten, erschallten, und unter den Klangen der Regimentskapellen jauchzte es im Chore: «Gott erhalte unsern Kaiser!» @71 ® Erneuerter unbeschreiblicher Siegesjubel, welcher sich von Hligel zu Hligel fortpflanzte, verkiindete, daG auch der vielumstrittene Monte della Croce von den kaiserlichen Truppen ersturmt war. Mit Handschlag und warmen Worten dankte Feld- marschalleutnant Maroičič dem Obersten Dahlen fur das rechtzeitige Eintreffen und die tatige Hilfe des Regiments Nr. 53. Das Regiment Maroičič Nr. 7, welches \vahrend des Tobens der Schlacht bis 4 Uhr nachmittags untatig ge- standen war, erhielt um 4 J A Uhr den Befehl, vorzurlicken und den Monte Croce anzugreifen. Dieser Befehl wirkte elektrisierend auf die Mann- schaften, die darauf brannten, mit dem Feinde auf offenem Felde zu kampfen. Er erloste ja auch das Regiment aus seiner Untatigkeit, denn es ware nur dann zur Verwendung gekommen, wenn die Schlacht zu Ungunsten der kaiser¬ lichen Truppen ausgefallen ware. Im heftigen feindlichen Geschiitzfeuer formierte sich das Regiment mit tadelloser Prazision zum Angriffe und stiirmte dann, mit dem Kommandanten Oberstleutnant Wallenweber an der Spitze, trotz eines Hagels von Ge- schossen wie eine brandende Woge unaufhaltsam bis an den Hang der Hohen. Doch jetzt galt es, im furchter- lichen Feuer des gedeckt stehenden Gegners den steilen, ganz kahlen Abhang hinaufzukommen. Kurze Zeit ruhend, bereitete sich das erschopfte Regiment zum letzten An- sturm. Drilckend und beangstigend wirkte die unheimliche, ® 72 ® Gefahr verkiindende Stille auf den Gegner. Plotzlich durch- brauste ein machtiges