iRRJIN ZüNKOVli: Wann Wurde Mitteleuropa Von den 5laven besiedelt? Beitrag zur Klärung eines Qeschichts- und Qelehrtenirrtums. N □ i=£a C=®=1 □ C=©=1 Wann wurde Mitteleuropa von den 5laven besiedelt? iqi © M Beitrag zur Klärung eines Qeschichts- und Qelehrtenirrtums. - - © Von MARTIN 2 U N KO VIC, k. u. k. Hauptmann (Mostar), KREJVISIER 1904. Druck und Verlag des Heinrich Slovak.1' C=®=1 □ 1=0=1 =0E= □ C=@=l || Ile Rechte Vorbehalten. Machdruck verboten. tfC Mi -T> fn -wissenschaftlichen Kreisen sowie in allen Geschichtswerken gilt als Grundsatz, daß die Slaven im 6., frühestens im 5. Jahrhunderte Mitteleuropa besiedelt hätten, und daß der Wechsel der Bewohner des erwähnten Gebietes einen Teil der Völkerwanderung ausmache. Trotz der dadurch sehr gefestigten Stellung konnte aber diese Behauptung niemals eine allseitige Anerkennung finden, weil es stets Zweifler gegeben, welche — mehr oder weniger offen — erklärten, daß man der Geschichtschreibung in dieser Hinsicht nicht den vollen Glauben schenken könne, und daß die wahre Tatsache mit der geschichtlichen Meinung in so manchen Stücken im offenen Widerspruche stehe. Und tatsächlich ist es ganz unglaublich, daß eine so widersinnige Sache, wie dieses Begebnis in der Weltgeschichte, durch Jahrhunderte nicht vom Grunde aus erschüttert werden konnte, und daß der einmal ausgesprochene Irrtum, bis auf wenige Adepten, deren Stimme aber keine Hörer fand, stets weiter gefestigt und gelehrt wurde. Es ist daher endlich allen Ernstes notwendig, daß das Spinngewebe der Überlieferung — und es ist tatsächlich nur ein solches — zerrissen werde, denn der Beweis, daß die Slaven schon lange vor der geschichtlich und wissenschaftlich markierten Zeit in Mitteleuropa wohnten, liegt ziemlich klar am Tage, nur gehört eine 1* rückhaltlose Offenheit und der Mut dazu, einer Irrlehre keine weiteren Konzessionen zu machen, lediglich aus Rücksicht, es möchte dadurch eine bereits altehrwürdige Ansicht zertrümmert, und aus Sorge, es könnte eine auf diesem Axiom aufgebaute Kultur wieder erschüttert werden. Doch der rastlose Forschertrieb läßt sich durch derartige Bedenken und Verklausulierungen nicht auf halten trotzdem den Quell der Wahrheit, selbst unter dem hochgeschütteten Trümmergeröll der Vorzeit, weiter zu suchen und wird ihn auch finden, sobald die Macht der Autorität, die Vorurteile und Überlieferungen weniger hoch eingeschätzt werden, als die Gewalt der Gründe. Das Recht nach der Wahrheit zu forschen ist aber ein allgemeines; es mögen sich daher die Fachgelehrten und Historiker nicht daren stoßen, wenn ein Unberufener aus Wahrheitsdrang gleichfalls ihre Domäne betritt, denn es handelt sich hier nicht etwa um einen krankhaften romantischen Patriotismus, sondern lediglich um die durch berechtigte Zweifel erweckte Forschung nach einem realen Bilde der Wahrheit von einem bisher inferior beachteten Standpunkte — und in diesem Sinne wolle die vorliegende Arbeit auch aufgenommen werden! — Das Resultat dieser Forschungen läßt sich in folgenden Satz zusammenfassen: Die Slaven sind allem Anscheine nach ein in Mi tteleuropa autochtones, bis weit in die Diluvialzeit zurück durch sprachliche Spuren nachweisbares Volk. Die in diesem Satze gefaßte Quintessenz langjähriger Untersuchungen und Wahrnehmungen kann ich mit subjektiver Überzeugung als eine Tatsache, der Welt gegenüber aber als eine Hypothese bezeichnen, für deren Berechtigung ich auch Belege erbringen will — denn wer jemand in die Wüste des Zweifels führt, ist ver- pflichtet ihm auch den Weg in ein Kanaan zu weisen — mögen sich manche dieser Behauptungen später in diesem oder jenem Punkte auch, als auf falschen Prämissen füßend, entwirren. — Dem Auf baue jenes kompendiösen Satzes dienten folgende Studien zur Grundlage: I. Die Forschung nach der Entstehung und Bedeutung der topographischen Namen in Mitteleuropa im allgemeinen; II. die Forschung über die geographische Verbreitung der topographischen Namen siavischer Provenienz sowie die Applikation derselben auf die Bodenbeschaffenheit und die geologischen Verhältnisse des Namensbereiches ; III. die Prüfung des Zusammenhanges des Naturmythus und der Volksphantasie mit Einst und Jetzt. &.£> ■ ' ■ ■: ■ >-S A - ■ If < / J ■' i. : m i íá I. '■ . -, ' ' • :■ ‘it .,. ; ; t; . . : ■ A • 1 , .’y..' . • . ‘‘A • >. ■„ A V . ■ ■ - : _ I. Die Forschung nach der Entstehung und Bedeutung der topographischen Namen in Mitteleuropa im allgemeinen. In dieser Hinsicht obwalten noch heute vielfach Ansichten, die geradezu ans Lächerliche streifen. Und schließlich ist dies nicht einmal verwunderlich! Es fehlt auf allen Linien die Erkenntnis für das Unmögliche und Unnatürliche; über so manche geschichtliche Begebenheit stolpert schon die Logik; es entscheiden auch nicht immer die Mittel blanker, objektiver "Wissenschaft sondern entweder eine unfehlbare Kapazität, der subjektive Fanatismus oder ein kritikloses Urteil. Wenn jemand allen Ernstes schreibt: Vindobona bedeute „Die Gutes Verheißende“; Graz habe den Namen nach den „Grazien“ erhalten; Znaim (cech. Znojmo) stamme vom slavischen Zeitworte „znojim“ (= ich schwitze); das romantische Felsgelände Roßtrappe im Harz habe den Namen nach den Hufspuren des reitenden Odin erhalten (statt „rozdrapa“ = zerklüftetes Felsgebiet); Slaven sei gleichbedeutend mit „Sklaven“ und ungezählte Erklärungen dieser Art, — so muß man dies umsomehr bedauern, je höher als Autorität der Erklärer eingeschätzt wird, denn es befinden sich genug Hochschulprofessoren darunter, die ungeprüft oder unbewußt solche unlogische und dabei sinnlose Deutungen aufstellen oder gutheißen. Und auch dieses ist eine natürliche Folge, denn demjenigen, der ewig in demselben Streite steht und stets von demselben Standpunkte aus forscht, ergeht es gar leicht, wie dem Verirrten im großen Walde: er sucht nervös den Ausweg und läuft dabei im Kreise herum; würde er aber das für solche Fälle bewährte Hilfsmittel anwenden, den höchsten Baum des Waldes erklimmen und sich über die Baumwipfel hinweg orientieren, so könnte er den Blick für das Große, Weite und Richtige nicht verlieren. Wer daher zur Erklärung eines topographischen Namens (wozu ich auch alle Volksnamen zähle) schreitet, muß sich vor allem darüber klar werden, welches die älteste noch erhaltene Namensform war, da diese meist noch natürlicher aussieht und weniger Gelegenheit hatte irgendwie verballhornt zu werden; hat er nun mit seinem verfügbaren Sprachschätze das namengebende Wort erkannt, so ist jetzt noch die eigene Besichtigung der Lokalität notwendig, um zu vergleichen, ob der früher sprachlich festgestellte Begriff in einem sichtbaren oder natürlichen Zusammenhänge mit den tatsächlichen lokalen Verhältnissen steht; dies ist aber oft mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil einerseits der Ort im Laufe der Zeiten seine ehmals namengebenden Bedingungen durch die Kultur eingebüßt haben konnte, andererseits haben die Ortsnamen mit den sprachlich bekannten Lautreflexen gebrochen, sobald sie in eine andere Sprache übernommen wurden, sich daher etymologisch schwer nach rückwärts verfolgen lassen. Um weiter den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem grundlegenden Worte und der Lokalität herstellen zu können, ist es auch notwendig, daß der Forscher in allen Reichen der Naturwissenschaft bewandert sei, daß er große Vertrautheit mit den folkloristischen Verhältnissen und den geschichtlichen Begebenheiten der Umgebung habe, und schließlich ein praktisch geübtes Auge für das Erkennen der geologischen und Bodenverhältnisse besitze, und alle diese Hilfsmittel organisch in eine Relation bringe. Nur mit diesem Rüstzeuge, sozusagen mit einer „praktischen“ Etymologie und Autopsie, ist es möglich schwierigere topographische Namen mit der unverkennbaren Richtigkeit zu deuten. Gewiß erreicht man mit dem Studium der Wurzel-formen beim grünen Tische auch manch richtiges Resultat, aber die weit überwiegende Zahl läßt sich auf diese Weise nicht zutreffend erklären; überdies begehen die Theoretiker bei solchen Untersuchungen meist den gewichtigen Fehler, daß sie in dem Worte Feinheiten suchen, die ein natürlich gegebener Name eben nie besitzen kann. Alle topographischen Namen haben nämlich eine ganz natürliche, das Gebiet, auf das sich der Name erstreckt — sei dies nun ein Weiler, Dorf oder eine Stadt; Flur, Wiese, Acker- oder Waldterrain; Bach, Fluß, Teich oder See; Tal, Hügel, Berg oder Gebirge; Volk, Provinz oder Staat — im allgemeinen charakterisierende Bedeutung, und ist die Namengebung aus irgendeiner unvermittelt erkannten Äußerlichkeit des betreffenden Objektes hervorgegangen; zumeist war die Ortslage (Höhe, Tiefe, Ebene, Schlucht, Hang), dann die Beschaffenheit des Bodens (sumpfig, sandig, steinig, bewaldet, kahl), nützliche Mineralien und Gesteine, die Flora mit ihren dem Menschen wichtigeren Vertretern (Baumwuchs, Weide-platz, Arznei- oder Nutzpflanzen) die Fauna mit ihren nutzbringenden oder auch schädlichen Vertretern (Auerochsen, Wisente, Bären, Fischotter, Schlangen) maßgebend; sonstige konkrete Motive kommen schon seltener vor; abstrakte und künstliche Namen waren aber bei der allen Reichen der Naturwissenschaft bewandert sei, daß er große Vertrautheit mit den folkloristischen Verhältnissen und den geschichtlichen Begebenheiten der Umgebung habe, und schließlich ein praktisch geübtes Auge für das Erkennen der geologischen und Bodenverhältnisse besitze, und alle diese Hilfsmittel organisch in eine Relation bringe. Nur mit diesem Rüstzeuge, sozusagen mit einer „praktischen“ Etymologie und Autopsie, ist es möglich schwierigere topographische Namen mit der unverkennbaren Richtigkeit zu deuten. Gewiß erreicht man mit dem Studium der Wurzel-formen beim grünen Tische auch manch richtiges Resultat, aber die weit überwiegende Zahl läßt sich auf diese Weise nicht zutreffend erklären; überdies begehen die Theoretiker bei solchen Untersuchungen meist den gewichtigen Fehler, daß sie in dem Worte Feinheiten suchen, die ein natürlich gegebener Name eben nie besitzen kann. Alle topographischen Namen haben nämlich eine ganz natürliche, das Gebiet, auf das sich der Name erstreckt — sei dies nun ein Weiler, Dorf oder eine Stadt; Flur, Wiese, Acker- oder Waldterrain; Bach, Fluß, Teich oder See; Tal, Hügel, Berg oder Gebirge; Volk, Provinz oder Staat — im allgemeinen charakterisierende Bedeutung, und ist die Namengebung aus irgendeiner unvermittelt erkannten Äußerlichkeit des betreffenden Objektes hervorgegangen; zumeist war die Ortslage (Höhe, Tiefe, Ebene, Schlucht, Hang), dann die Beschaffenheit des Bodens (sumpfig, sandig, steinig, bewaldet, kahl), nützliche Mineralien und Gesteine, die Flora mit ihren dem Menschen wichtigeren Vertretern (Baumwuchs, Weide-platz, Arznei- oder Nutzpflanzen) die Fauna mit ihren nutzbringenden oder auch schädlichen Vertretern (Auerochsen, Wisente, Bären, Fischotter, Schlangen) maßgebend; sonstige konkrete Motive kommen schon seltener vor; abstrakte und künstliche Namen waren aber bei der ersten Bezeichnung einer Ansiedlung niemals im Gebrauche,. weil dies ja auf den ersten Blick widersinnig wäre. Diese Behauptungen mögen nun durch einige typische Beispiele ihre Glaubwürdigkeit finden. a) Namen, wo eine unnatürliche, widersinnige und den Forscher störende Anpassung vorliegt; z. B. aus „Žabje“ (= Froschlacke) wurde im deutschen Gebrauche „Schwabendorf“; aus „Strm breg, Strmec“ (= steiler Berg) wurde „Sternberg“; aus „Ločna ves“ (= Dorf mit feuchtem Wiesengrund) wurde „Latschendorf“ und „Lanzendorf“. b) Beispiele, daß ein sinnloses Wortaggregat kein natürlicher Name sein kann; z. B. „Osterberg“ ist hervorgegangen aus „Ostri breg“ (= spitzer Berg); „Malahorn“ aus „Mala hora“ (= kleiner Berg; daß der Name „Imst, Imsterau, Imsterberg“ in dieser Form bedeutungslos ist, darüber ist kein Zweifel, und ist der Beweis der natürlichen Entstehung erst möglich, wenn man weiß, daß der Ort i. J. 764 noch „Humiste“ (= Ort, Ansiedlung an einem Berge, denn „hum“ bedeutet slav. Berg, „humiste“ eine Gegend am Bergfuße) lautete. c) Beispiele, daß man das Grundwort falsch auslegt, wenn man sich an künstliche oder abstrakte Begriffe hält; z. B. in Deutschland kommt der Ortsname „Werben“ wiederholt vor, und wurde dahin ausgelegt, daß dort Militär ausgehoben wurde; tatsächlich stammt der Name von „vrba“ (= Weidenbaum“), bezeichnet sonach ein Gebiet, wo vornehmlich Weiden wachsen; „Oblat“ bedeutet nicht Ansiedlungen, welche an die Kirche Abgaben für „Oblaten“ leisten müssen (wie ein Forscher der Ortsnamen in Tirol ernstlich behauptet), sondern den bewohnten „Berghang“ (slav. „opiata“) im allgemeinen ; es mußte auffallen, daß der Name „Oblat“ nie für sich, sondern stets in Verbindung mit einem ergänzenden Namen auftritt, der erst entscheidet, welchen „Berghang“ man bezeichnen will (z. B. Sannd Jacobs Oblat, Oblay zn Berchach, Oblat Vierschach u. a.); Dobrovce, Dobers-dorf, Dober dol, Dobrunje u. ä. wurden ans „dobro“ (= gut) abgeleitet und oft zu „Gutendorf, Gutental“ übersetzt, und doch haben sie alle des Wort „dob“ (= Eiche) zur Grundlage und bezeichnen eine Gegend mit „Eichenwuchs“. d) Beispiele, daß man einen Ortsnamen falsch deuten kann, wenn man sich die Lokalität nicht besehen hat; z. B. bei Bruck a./M. ist das Dorf „Zlaten“; man möchte bestimmt annehmen, daß der Name von „zlato“ (= Gold) herrühre, indes stammt er von „slatina“ (= Säuerling), weil sich dort eine solche Quelle befindet; liest man den Namen „Pohlsee“, so denkt man sofort an einen See; der Name bedeutet jedoch nur „poljce“ (= kleine Ebene) und einen See gibt es dort nicht; „Strasseirberg“ ist kein Berg, auf den eine Straße führt, sondern die Stelle, wo einst eine „straža“ (= Wache gegen Feindesgefahr) stand; „Eselsberg“ ist nicht aus dem Begriffe „Esel“ hervorgegangen, in der Meinung, daß dort einst wilde Esel weideten, sondern ist ein Berg mit einem „Wetzsteinlager“, und für den Wetzstein gebraucht der Slovene auch den Begriff „osel“ wie für den „Esel“, was aber zur falschen Übersetzung führte u. s. w. Die topographischen Namen sind erfahrungsgemäß auch keinen tiefen Änderungen unterworfen, da sie zumeist nur an die Sprache angepaßt oder aber übersetzt wurden. So weit bekannt, haben z. B. die Römer weniges übersetzt (z. B. Hrušica: Ad Piros, jetzt „Birnbaumer Wald“ in Krain), sondern sie formten nur die Vorgefundenen Namen so ihrer Sprache zu, daß sie ihnen mundgerechter wurden, wodurch aber diese neuen Formen allerdings ein derartiges Bild erhielten, daß wir sie heute schon schwer wiedererkennen. So schreibt Pomponius Mela ■ (Chorographia III. 80*): Montium altissimi (erg. in Germania) Taunus et Betico, nisi quorum nomina vix est eloqui ore romano; in „Betico“ (Bhätikon) ist wohl bestimmt das noch heute gebräuchliche slovenische „rtje, rtina“ (= hoher Berggipfel, Felszacke) erkennbar, ein AVort, welches für die Börner gewiß schwer wiederzugeben war; der heutige Taunus ist jedoch mit dem obengemeinten Gebirge kaum identisch, da er doch nicht zu den höchsten Gebirgen gehört; auch kann eine etymologische Erklärung dieses Namens in bestimmter AVeise nicht gegeben werden, da eben das Gebirge, welches Mela so bezeichnet, nicht genau erkennbar ist; aber aus Analogien läßt sich schließen, daß er damit die Schweizer Alpen meint und daß der Thuner-See hiebei namengebend war; denn die heutigen sloveuischen Ortsnamen: Tunjice (Nachbarort: Mlaka), Htonjecka ves, Hotinje, Hotunje lehnen sich alle an das slovenische AArort: tonje, htonje**) in der Bedeutung: tiefe AFasserstelle; tatsächlich befinden sich vorbenannte Terraindetails auch bei diesen Ortschaften-Es muß also auch der Originalname für „Taunus“ nicht, wie hier geschrieben, gelautet haben, weil er eben für den Börner schwer auszusprechen war; es muß daher (abgesehen von der üblichen Diphthongbildung: „u“ zu „au“), dem „t“ noch ein Konsonant vorangegangen sein und ich vermute, daß dies ein „h“ war. Auch ist es ganz verfehlt diese Namen im keltischen Sprachschätze suchen zu wollen, da wir ihre für den Börner schwer auszusprechende Form in der slovenischen Sprache noch beute haben u. zw. in der zusprechenden natürlichen Bedeutung, während wir sie im Keltischen erst künstlich konstruieren müßten, um ihnen die Eigenschaft der schweren Aus- *) Allen Berufungen auf P. Mela’s „Chorographia“ lag die Teubner’sche Ausgabe zugrunde. — Mela entnahm seine Daten dem Hanno Carthaginiensis (500 v. Chr.) Hipparchos (2. Jahrh. v. Chr.) und Cornelius Nepos (95—25 v. Chr.). **) Es mag auch sein, daß die Bewohner jenes Gebietes, ähnlich wie heute die Obersteirer, das „o“ wie etwa als „au“ tönend, aussprachen. spräche zu verschaffen; ob sie aber dabei auch eine natürlich zutreffende Bedeutung haben würden, darum wird wenig gefragt.*) Die Eigentümlichkeit der harten Sprache erforderte auch zumeist Yokaleinschiebungen an jenen Stellen, wo-sich Konsonanten häuften; so wurde aus „Trzcje“ (eigentlich: Trgovisce, der Marktplatz) = Tergeste; aus „Selje“ (= Ansiedlung, slov. Celje) = Celeja; aus „Ptuje“ (= fremdes Gebiet) = Petuvio, Petovium; aus „Loceu (richtig: Locje, die nasse Gegend) = Lotodi u. a. Wie man schon aus diesen Beispielen sieht, handelt es sich bei der Anpassung lediglich um solche an slavische Urnamen; dasselbe gilt aber auch betreffs der Übersetzung derselben. Übersetzungen nahmen fast ausschließlich die Deutschen vor — denn die sonstigen Sprachen spielen dabei keine fühlbare Bolle — undbegann dieser Prozess intensiv mit dem Beginne des 12. Jahrhundertes, also in der Zeit der ersten teilweisen Germanisierung der von den Slaven bewohnten Gebietsteile; daß aber diese Namen nicht später von den Slaven übersetzt wurden, wie man allenthalben behauptet, wissen wir daraus, daß uns die ursprünglichen Namen aus den Zeiten vor der Übersetzung ja zumeist in alten Urkun- *) Ich komme bei den Artikeln: Karner, Türken u. a. noch auf weitere Fälle unrichtiger Verweisungen auf das Keltische. Überhaupt macht die Berufung auf diese Sprache bei den verschiedenen Forschern den Eindruck, daß sie alles, was sie nicht zu erklären vermochten, kurzweg mit der Verweisung in das Keltische abtaten. So heißt z. B. in England eine Gruppe von alten Gräbern „cromlech“. Man erklärte sich dies natürlich keltisch, indem man „crom“ als „Kreis“, „lech“ als „Stein“ auslegte, und daraus „Kreissteine“ machte. Abgesehen davon, daß die Steine nicht im Kreise sondern in der n Form geschlichtet sind, weiß man auch, daß es alte Gräber sind; statt nun in allen Sprachen nachzuforschen, wo „alte Gräber“ ähnlich heißen, begibt man sich auf das Gebiet der Phantasie und schafft lieber eine falsche Darstellung der Grabsteinschlichtung, um die sprachliche Auslegung besser zu fundieren. In „cromlech“ ist wohl nur das heute noch bei den Balkanslaven gebräuchliche „groblje“ für „alte Gräber“ zu leseD, dem wieder „grob, Grab“ zugrunde liegt. den, in den Erd- und Salbüchern, sowie Urbarien erhalten sind. Die Anpassung an die slavischen Namen deutscherseits führte auch nicht mehr zu so schwierigem Erkennen des Originalnamens, wie bei den römischen, weil dies etwa 1200 Jahre später geschah und die primären Namen im Volksgedächtnisse leichter die Kontinuität aufrechthielten. Ein ganz ungewöhnliches Beispiel einer Anpassung ist z. B. die deutsche Namensform „Baumöhl“ für ein Dorf in Südmähren; nichtsdestoweniger ist diese sinnlose Entstellung des cechischen „Podmole“ (ein Ort an einer „Talmulde“, was sehr zutreffend ist) hier in keiner Weise irreführend; es ist höchstens zu bedauern, daß der skurille Einfall irgendeinesWitzboldes amtlicheAnerkennungfand. Solche Anpassungen führten aber ansonsten in ungezählten Fällen doch zu irrigen Namensauslegungen, woran freilich nur unser unklares und unmethodisches Denken und Schließen schuld ist, weil wir die Scheingründe mit den Vernunftsgründen allzuwenig in Einklang bringen. — So ist z. B. der Bach „Rienz“, welcher i. J. 973 Rionzum, 1050 Rienza lautete, weil man wahrscheinlich keinen günstigen Anpassungsbegriff im deutschen fand, lieber als „aqua ridentia“ (= heiterer Bach) noch neuester Zeit ausgelegt worden, statt ihm den slavischen Namen „Ribnica“ (dischhältiger Bach, Eorellenbach) zuzuerkennen oder kurzweg zu belassen. Es müssen daher der klare Blick und die logische Denkart in diesem Eorschungszweige obenan stehen, denn alle Gelehrsamkeit muß hier als Phantom zusammenbrechen, wenn sie nicht durch natürliche und persönliche Beobachtung gestützt wird.*) *) Der Werdegang zu den vorliegenden Erfahrungen war gleichfalls bedeutenden Schwankungen und Enttäuschungen unterworfen, denn ursprünglich hing ich gläubig an den Alltagserklä-rungeu, wie ich sie hörte; als ich mich aber überzeugte, daß in dieser Hinsicht keine Logik herrsche (denn „Sternthal“ liegt z. B. in gar keinem Tale) wurde ich Anhänger der Keltomanen ; doch der tiefere Einblick in diese Hypothese überzeugte mich von dem II. Die Forschung über die geographische Verbreitung der topographischen harnen slavischer Provenienz und die Applikation derselben auf die Bodenbeschaffenheit und die geologischen Verhältnisse des Namensbereiches. Die sprachwissenschaftliche Durchforschung der topographischen Namen ergibt das interessante und bisher allzuwenig beachtete Resultat, daß sich die weit überwiegende Zahl dieser Namen in Mitteleuropa auf das Slavische zurückführen läßt und nur in diesem sprachlichen Irrtum, denn die vermeintlichen keltischen Namen hatten stets eine slavische Wurzel; nun irrte ich noch dahin, daß ich nicht immer auf das natürliche Bild beim Namen eines jeden Terrainobjektes drang, was aber schließlich nach vielen Vergleichen und Beobachtungen auch zu den festen hier dargelegten Grundsätzen führte. Ich hatte als Offizier hiezu reichliche Gelegenheit, da ich außer den eigenen Reisen jährlich anläßlich der Manöver durch nahezu ein Vierteljahrhundert stets andere Gegenden der Monarchie kennen lernte, und so vielfach an Ort und Stelle die Relation zwischen Namen und Namenherechtigung selbst überprüfen konnte. Sprachzweige eine Erklärung mit entsprechendem,, natürlichen Sinne ergibt*). — Die nichtslavischen Namen dieses Gebietes bezeichnen, soweit sie auch erforscht und gedeutet sind, zumeist sekundäre Ansiedlungen auf einer bereits früher verteilten Gemeindeflur, welche aber erst nach der politischen Besitzergreifung der slavischen Gebiete durch die Deutschen und die darauf erfolgte Germanisierung ins Leben gerufen wurden, und sich meist als Burgen, Schlösser und Meierhöfe repräsentieren. Diese haben zum Teile auch deutsche Namensformen, welchen entweder die deutsche Übersetzung des daselbst Vorgefundenen slavischen Ortsnamens beigelegt wurde, oft aber auch der Familienname des Besitzers auf den Ort überging, daher solche Ortsnamen von der Regel der natürlich entstandenen Namen abweichen. — Doch auch in dieser Hinsicht muß bei der Erklärung mit großer Vorsicht vorgegangen werden. Es wurde bereits erwähnt, daß die Ansiedlungen namens „Sternberg“ aus „Strm breg“ (= steiler Berg, steiles Ufer) hervorgegangen sind, was die beigegebenen Abbildungen zur Genüge erweisen. Desgleichen ist die Ansicht des malerischen Felsentales „Rosstrappe“ doch bezeichnend für das zerklüftete Eelsgebiet (rozdrapa). „Rossbach“ ist ein Bach, der durch einen Bergspalt fließt, was der Slave mit „rozpoka, razpoka“ bezeichnet und was auch stets in der Natur zutrifft. Man möchte auf den ersten Blick glauben, daß der Name „Rosenberg, Rosental“ von „Rose“ herrührt und zweifellos deutsch ist; dies ist jedoch nicht zutreffend, denn so pflegte man die Fundorte des Feuer- *) Ein typisches Beispiel hiefür bilden wohl die Ortsnamen Palfen, Pölfen, Balma, Pelva u. v. ä., die Ansiedlungen in der Nähe einer Felswand oder eines auffallenden Felsblockes bezeichnen. Die Herkunft des Namens suchte man im Rhätischen, Kymhrischen, Bretonischen, Provencalisehen, Kottis'Aen, in den Mundarten Tirols und der deutschen Schweiz nachzuweisen; daß aher die alten Slaven, — übrigens die (Sechen und Slovenen noch heute, — einen Felsblock „balvan“ nannten, darauf verfiel niemand, steins, jenes ehedem sehr wichtigen Bedarfsartikels, zu bezeichnen; der Slave nennt aber solche „rožen breg, rožen dol“ (= Hornsteinberg, Hornsteintal). Einen Berg oder ein Tal nach einigen „Rosen“, welche einst doch nur Heckenrosen gewesen sein konnten, zu benennen, ist doch unnatürlich da solche in Folge allgemeiner Verbreitung für die Namengebung belanglos bleiben. — Die Namen slavischen Ursprungs lassen sich aber nicht nur durch die deutschen Gebiete Österreichs und Deutschlands, (was ja ohnehin nicht geleugnet wird), sondern auch in der Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich, Niederlande, nördlich bis J ütland and auf Island nahezu untrüglich verfolgen; daß aber die östlichen und sonstigen südlichen Gebiete Europas zum großen Teile leicht erkennbare slavische vorübergehenden Erwähnung. Namen besitzen, bedarf nur einer Schloß Sternberg in Böhmen. Es wäre für jeden Fall vom hohen Interesse für die Wissenschaft, zumal für die Kulturgeschichte, festzustellen, welches die äußersten Grenzen der topographischen Namen slavischer Genesis sind, da man heute nur mehr auf ■diese Weise ernstlich ergründen kann, wie weit die einstige Besiedlungszone der Slaven, die zweifellos weit größer war als die heutige, gereicht habe. Dies müßte aber eine Arbeit sein, welche nach einheitlichen Grundsätzen und gleichen Vorbedingungen alle topographischen Namen Europas untersuchen und sprachlich feststellen würde; die Lösung selbst erheischt jedoch einen immensen Zeitaufwand, da man manchem Namen jahrelang erfolglos nachforschen kann, und einen großen Stab von Sprach-gelehrten, trotzdem wir in dieser Hinsicht schon einzelne gute Publikationen und Kleinarbeiten besitzen*). Wie erwähnt, sind aber Deutungen von topographischen Namen meist subtiler Natur und kann diesbezüglich nicht genug zur Vorsicht und Rigorosität gemahnt werden, da es sogar weniger schwer ist, die Fiktion bei der Erklärung eines ungewöhnlichen Namens zu nichte zu machen, als das Richtige bei jenem Namen zu treffen, wo die Selbstverständlichkeit jede weitere Nachprüfung für überflüssig hält. Hiefür diene folgendes konkrete Beispiel. Im „Časopis za zgodovino in narodopisje,“ p. 72. Anm. (Marburg 1904) erklärt Universitätsprofessor Dr. Strekelj, daß „Crmnica“ (im Tschermenitzer Graben westlich Marburg a./D.) einen Bach mit rotem (črmna, črvna voda) Wasser bedeute. Dies wäre ja glaubwürdig, wie auch natürlich, wenn das Gestein, welches der Bach passiert, etwa Porphyr, roter Marmor u. dergl. wäre; hier ist dieses jedoch nicht der Fall. Die Erklärung ist vorerst *) Es gibt aber auch Werke über Ortsnamen-Auslegungen, die mit einem bewunderungswürdigen wissenschaftlichen Apparate und mit großer Mühe verfaßt wurden, die aber für die Wissenschaft wertlos, wenn nicht der Irreführung wegen geradezu schädlich sind, weil unter Hunderten oft nicht ein Name richtig erklärt ist. daran gescheitert, daß sich der Erklärer wohl nicht überzeugte, ob die Berechtigung, das Wasser rot zu nennen, wirklich vorhanden ist, da niemand ein Wasser unbeeinflußt als rot bezeichnen wird, wenn diese Eigenschaft nicht bis zu einer für jedermann wahrnehmbaren Grenze zutrifft; aber für den Sprachkenner und Gelehrten lag die zuversichtlich richtige Bedeutung schon im Worte. Und doch ist die Deutung auch von diesem Standpunkte nicht zutreffend; der Bach „Crmnica“ hieß ursprünglich Schloß Sternberg in Mähren. „¿rmnica“, und bedeutet sonach ein Wasser, das über Konglomerat fließt, d. h. das einen Boden ausgewaschen hat, wo man seinerzeit freiliegend das Material zu Hand-, Haus- und Wassermühlsteinen gewinnen konnte. Durch die Darstellung dieses Namens im Deutschen, wo der z-Laut mangelt, ist dieses schwierige Erkennen der Urform verursacht und die Originalaussprache mit der Zeit auch im Slavischen verwischt worden. — Deshalb ist es vielleicht nicht unbegründet, wenn ich anschließend 2* auch die Genesis, wie ich zu dieser Erklärung kam, darlege, weil es manchem Forscher zugleich einen Wegweiser bieten kann, welche Methode in schwierigen Erklärungsfällen schließlich doch zum Ziele zu führen vermag. — Ich konnte für den Namen „Crmožiše“ (Dorf bei Eohitsch in Steiermark) durch Jahre keine natürliche Erklärung finden, da ich fortgesetzt durch die einleitende Silbe „črn“ gebannt war. Eine gründliche Besichtigung jener Gegend machte mich aber auf ein Konglomeratlager aufmerksam, wobei ich mir die Frage stellte, ob nicht etwa von hier die Leute dereinst ihre Mühlsteine geholt haben mochten, da sie doch, wie Ausgrabungen zeigen, Mühlsteine aus Konglomerat anfertigten. Solche Steine heißen aber in Untersteiermark „žrmeljšek“, die Hausmühlen „žrmlje“, und da mir der altslavische Begriff „zrny“ in der gleichen Bedeutung auch bekannt war, so konnte ich nicht mehr im Zweifel sein, daß das hier vorhandene Konglomeratlager in der Umgebung als „žrnožišče“ bekannt war, und diese Bezeichnung später auf die in der Nähe davon entstandene Ansiedlung überging, welche somit soviel als „beim Mühlsteinbruche“ bedetitet. — Dieser Umstand allein konnte jedoch nicht als unbedingt richtig aufgenommen werden, da hier irgendein Zufall im Spiele sein könnte. Ich ging nun daran, mich zu überzeugen, ob bei den ähnlich lautenden v v v Orten wie: Crmlenšek, Crmla Crmnica dieselben Vor- bedingungen obwalten, was wirklich auch zutraf. Nachdem auch „Cernica“ (ein Stadtteil von Mostar) auf einer mächtigen Konglomeratunterlage aufgebaut ist, fand ich, daß auch hier die richtige Schreibweise „zrnica" wäre*). Und ohne alle diese Feststellungen hätte man weiter nie auf die Idee verfallen können, daß z. B. auch der Name *) Da Konglomerat aus lauter abgerundeten Steinchen bestellt, die die Natur zusammengekittet bat, ist es wahrscheinlich, daß das ursprüngliche Grundwort auch „zrn“ (Kern) und nicht „žrn“ war. Einen Unterschied zwischen Konglomerat und Breccie kannten anscheinend die Alten noch nicht. „Crna gora“ (Steiermark) entgegen seinerNamensentstehung unrichtig gesprochen und geschrieben wird. Ich stellte nun auch fest, daß der ganze Berg einen Konglomeratstock bildet, daher der ursprüngliche Name wohl „zrna gora“ lautete, so lange man sich von dort noch den Mühlsteinbedarf holen konnte, denn seit dem Kirchenbaue war dies allerdings nicht mehr zulässig. — Daraus folgt weiter, daß es angezeigt wäre, auch bei den vielen Namen Sternberg in Kärnten. in der Zusammensetzung mit „örn“, als: Črno brdo, Črn potok, črn les, Črnomelj, černovice, Černovir, Černi grad, černin u. s. w. nachzuforschen, ob sich dort kein für die einstigen Kulturbedürfnisse so wichtiges Konglomeratlager befindet, und welche Zonen diese Namensdeutung umfaßt, da der Begriff „črn“ (= schwarz) als Bestimmungswort für eine Lokalität natürlicherweise in den aller- meisten Fällen unbegründet ist*). Es scheint aber, daß in Österreich allein einige Hundert topographischer Namen, die bisher keine natürliche Begründung aufweisen, auf diese Art in Bezug auf ihre tatsächliche Entstehung erklärt sind. So naheliegend es aber auch wäre, beim Hören des Namens „Crmožiše“ auf „žrnožišče“ zu verfallen, so wird man auf diesen doch sehr fernliegenden (Gegenstand erst eingelenkt, wenn man die Fundorte jener Gegenstände sucht, welche die Kulturgeschichte den Urbewohnern als bekannt zuschreibt, da das Vorhandensein solcher schon behufs leichterer Orientierung durch irgendeine sachgemäße Benennung vorausgesetzt werden muß, und wird unsere Vorfahren hiebei wohl derselbe Gedankengang geleitet haben, der auch uns heute maßgebend ist. Dieses Beispiel möge aber jenen Forschern nach Ortsnamen stets vor Augen schweben, wenn sie die Sache ernst nehmen, daß eine Auslegung ohne Selbstbesichtigung der Lokalität sowie ohne stete Rücksichtnahme auf die kulturgeschichtlichen Momente in vielen Fällen fraglich bleiben muß. Die Forschung nach den topographischen Namen im Zimmer ist allerdings die bequemere, aber nicht die — zuverlässigere! — Eine weitere, gleichfalls einen großen Bereich umfassende topographische Namengruppe ist auch jene, welche abgestockte "Waldstellen bezeichnet, weil **) **) So hat man z. B. „Črna gora“ (Maria Neustift bei Pettau) als „schwarzer Berg“ dahin gedeutet, daß die Kirchenmauern schwarz seien und daß dies sogar einem Wunder aus der Zeit der Türkeneinfälle zugeschrieben werde. Die-e Beweisführung ist in jeder Hinsicht hinfällig, denn der mächtige Konglomeratfelsen, auf dem die Kirche steht, war eher als die Kirche; war die Kirche schon als Neubau schwarz, so wäre sie wohl „črna cerkev“ (deutsch etwa in der Form „Schwarzkirchen“) benannt worden; diese war aber zur Zeit der Erbauung sicher nicht schwarz, da der rerwendete Muschelkalk und Sandsteiu nicht diese Farbe haben, und ist ihr heutiges Aussehen, wie bei jeder alten Mauer, nur deshalb dunkel, weil sie eben gar nicht oder nicht rationell getüncht wird. eine Rodung der Gründung eines Wohnsitzes naturgemäß vorausgehen mußte. Namen dieser Art sind außerordentlich zahlreich, denn approximativ geschätzt, gibt es derselben einige Hunderte in Österreich allein. Dieselben haben aber auch je nach der Lage und Größe der Abstockung verschiedene Namen, so z. B. Golnik (Golling), Golica, Golič, Goličava, Goliöina, Gol breg (Colberg, Kahlenberg); Pleša, Plešac, Pleschaitz, Plešovice; Lisac, Lisec, Lisa gora; Trebež (Traföss), Trebenik (Triebbenegg), Trebnik, Trbovlje, Trebinje (röm. Trebunia), Trebje (Trofaiach); Seča, Zeče, Žiče (Seitzkloster), Sečevo, Sekava (Seckau), Sveča; Gerečja ves, Gerlova, Gerlinci, Gersdorf; Krča, Krčevina; Osek, Posek, Vossek; Štorje, Stockerau (röm. Asturia) u. s. w. Aber diese Namen sind, zum mindesten von sekundärem Werte, auch für die Behauptung des Autochtonismus der Slaven in Mitteleuropa. — Wo jemand einen Wald ausrodet, sich daselbst ein Haus baut, einen Acker oder Weingarten anlegt, dort ist er sicherlich auch der erste Bewohner gewesen; und hat diese Ansiedlung nach der Rodung, die hiervorgenommen wurde, den Namen, so müssen diese Ansiedler wohl Slaven gewesen sein, wenn der topographische Begriff ein zweifellos slavischer ist; jeder erste Ansiedler hatte aber vollkommen freie Wahl und Bewegungsfreiheit, und hat sich der Naturmensch gewiß nur dort angesiedelt, wo es ihm am günstigsten schien, was ja vollkommen natürlich ist!Wir finden ja auch in jeder Ortschaft den Beweis erbracht, daß die angeblich älteste Besitzung am günstigsten situiert ist. Diese ersten Ansiedler kamen aber nicht im 5. oder 6. Jahrhunderte, da wir wissen, daß die Dorfflure n( wie später ein Beispiel dartut, schon zu Zeiten der Römer dieselben Umrisse haben mußten, wie heute, und Menschen waren doch zur Zeit der römischen Invasion da, nachdem man sonst nicht wüßte, wer den römischen Waffen dann eigentlich entgegengetreten ist. — Daß Trebinje in der Herzegovina „Trebunia“ bei den Römern hieß, daher Slaven dort angesiedelt waren, dies bedarf keiner Erörterung, denn die Slaven bewohnten zu jener Zeit schon zweifellos den Balkan. Anders ist es mit Asturia. Doch auch dieser Name muß slavischen Ursprungs sein und im Beginne etwa „Štorje“ (Baumstockgegend) gelautet haben, was sich aus den bekannten Namen auch deduziren läßt. Als die Deutschen in die Gegend von Wien vorgedrungen waren, fanden sie den Ort „Štorje“, den sie sprachlich richtig in „Stockerau“ umsetzten. Hätten sie nur den lateinischen Namen „Asturia“ gehört, so würden sie niemals die Bedeutung des Grundwortes erkannt haben, was man ruhig behaupten kann, denn der Name ist ja bis heute weder erkannt noch erklärt worden. Die Römer fanden aber auch die Ansiedlung „Štorje“ vor und bezeichneten sie ungefähr mit „ad storia, ad sturia“, und paßten, da sie die Bedeutung nicht wußten, den Vorgefundenen Namen nur ihrer Sprache an. Haben aber die ersten Ansiedler die dortige Au abgeholzt und die Baumstöcke vermodern lassen, so sah weder der Römer noch der Deutsche später etwas davon, hielt sich daher nur an den Hörnamen der damals noch slavischen Bewohner. Und der erste Ansiedler kann doch nur derjenige gewesen sein, der berechtigt war der Gegend, die er abgestockt und besiedelt hat, den Namen „Štorje“ oder „pri štorju“ (bei den Baumstöcken) zu geben! Ebenso führen andere topographische Namen zu gleichen Schlußfolgerungen. Ich erwähne hier nur drei Orte gleicher Type: Triest, Znaim, Tržeč (bei Pettau). Alle bezeichnen einen Platz, wo Märkte abgehalten wurden. Schon in jener fernen Zeit als es noch kein Geld als Kaufmittel gab und die Yerkehrsverhältnisse noch primitivster Art waren, brachte man zu gewissen Zeiten und an bestimmten Orten seinen Produktionsüberschuß dort zum Angebot, wo an gleichen Artikeln Mangel herrschte und erwarb hiefür im Tauschwege jene Bedürfnisse, die die eigene Heimat versagte. Bei Triest, welches schon bei den Römern den slavischen Namen in der Bedeutung Handelsplatz Rosstrappe, führte, ist darüber kein Zweifel, denn hier tauschten die Festländer ihre Artikel gegen jene der Inselbewohner ein. Bei Znaim ist die Lage eine ähnliche, denn hier befindet sich eine deutlich wahrnehmbare Grenzscheide verschiedener Naturprodukte; während der östliche Teil vorwiegend Wein, Obst und Gemüse produziert, ist die Gegend westlich davon mehr für den Feldbau geeignet und bildet überdies eine ausgesprochene Waldzone. Dieser Teil brachte nun Zerealien, Bau- und Brennholz sowie Holzerzeugnisse zu Markte und tauschte dafür Weinr Obst, Leder und sonstige Industriegegeustände ein. Der Platz, wo dieser Tausch oder Umtausch bei gegenseitiger Berücksichtigung der Entfernungen stattfinden konnte, wird an Stelle des heutigen Znaim gewesen sein, und war die ursprüngliche Namensform dieses Ortes „snem“ (altsl. ci>HBMri.), welches . Markt, Versammlung“ bedeutet. — Wenn man aber bei Znaim gar keinen Rückschluß machen kanD, in welcher Zeit die ersten Märkte daselbst abgehalten wurden, da die älteste Namenserwähnung erst in die zweite Hälfte des Mittelalters fällt, so ist man bei „Tržeč“ (Dorf südlich Pettau) in dieser Hinsicht auf Annahmen angewiesen, denen man eine reelle Fundierung nicht absprechen kann. Das heute ganz bedeutungslose Dorf Tržeč (slav. = kleiner Markt, 1440 Maerktl, 1450 „zum Maergtlein-) war jedenfalls einst der Marktplatz, wo die Produkte des Koloser Gebirges, des großen Draufeldes und des benachbarten kroatischen Gebietes zum Tatische zusammengetragen wurden. Dieser Punkt ist aber schon von der Natur wie zum Handelsplätze geschaffen. Durch den Ort führt die Straße Cilli-Rohitsch-Pettau; von hier zweigt die Straße gegen Kroatien ab; hier ging ungefähr die Nord-Südgrenze zwischen Noricum und Pannonien; die beiden Flüsse Drann und Pulsgau scheiden in der Linie West Ost die Tiefebene der Drau vom Mittelgebirgsstock der Kolos und des Macelj. Und doch ist es für den ersten Blick unerklärlich, wieso diese kleine Ansiedlung als Handelsplatz überhaupt eine Rolle spielen konnte, da ja 6 km nördlich die Stadt Pettau lag, die bekanntlich ein bedeutendes Emporium der Römer war und bereits damals eine ständige Brücke über die mächtige Strombarriere der Drann batte. Es ist aber ziemlich sicher, daß es an dieser Stelle niemals zu einer Ansiedlung mit dem Namen „Tržeč“ gekommen wäre, wenn zu jener Zeit Pettau schon bestanden hätte. Da es bekannt ist, daß die Drann in grauer Vorzeit ihr Bett weit südlicher hatte, als dermalen, und sie hiefür als Zeugen eigene Diluvial-Terrassen zurückließ, ist es wahrscheinlich und sowohl durch die Terrainkonfiguration als auch das noch heute nahe an Tržeč reichende Inundations-gebiet der Drann begründet, daß der Drannfluß diesen Ort nördlich unmittelbar begrenzte. Die Bedeutung eines Handelszentrums verlor es aber, als sich das Drannbett gegen die “Windischen Büheln zu verschob und die isolierte Bergkuppe, heute Oberpettau genannt, zur Schaffung einer verteidigungsfähigen Ansiedlung einlud; es besaß daher der frühere Handelsplatz schon längst vor dem Beginne unserer Zeitrechnung nichts weiter mehr als den slavischen Namen, als alleinige Erinnerung an die einstigen besseren Tage. — Da es sich aber hier lediglich darum handelt, zu erweisen, daß es slavische Namen schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung gegeben, werden im Anschlüsse vorwiegend solche Namen etymologisch erklärt, die in den ältesten Schriftstellern Vorkommen also älter sind, als die dermalige Zeitannahme der Slaveneinwanderung; daß es sich dabei zumeist um Volks-, Gebirgs- und Flußnamen handelt, ist selbstverständlich, weil diese weit beständiger sind, als Ansiedlungen, daher die Namen der letzteren erst in zweiter Linie dieser Aufgabe eine Stütze bieten können. q[ö]ce: Karner. Das Gebiet des heutigen Kärnten und Krain bewohnten einst, wie die Gelehrten behaupten, die „keltischen“ Karner, woher auch die alten Provinznamen „Caran-tania“ und „Carnioliä“, welche so viel als „Gebirgsland“ bedeuten, stammen sollen. Bis auf das „keltische“ der Karner ist diese Behauptung auch richtig; aber das vermeintliche keltische „karn“ (= Berg) ist nichts weiter, als das noch heute im slovenischen Gebrauche übliche „krn“, welches: Bergspitze, Bergkamm bedeutet; der häufige Familienname „Krnec, Krnc“ bedeutet sonach einen Bewohner am Berghange; „krnica“, auch „karnica“ wird eine Höhe am Abschlüsse eines Kesseltales genannt, und kommen solche topographische Namen sowohl in Kärnten, Krain wie auch Steiermark wiederholt vor. Obige Provinznamen haben sich daher aus dem slovenischen Begriffe „krn“ herausgebildet, denn es ist doch undenkbar, daß sich die Slovenen anläßlich ihrer vermeintlichen Einwanderung etwa erst von den Kelten Begriffsnuancen für „Gebirge“ ausgeborgt hätten. — Es ist hier wohl auch am Platze, auf die feinen Unterschiede aufmerksam zu machen, welche die Slovenen in dieser Hinsicht kannten: Kärnten, Krain und Steiermark haben flächere Gebirgskämme, daher auch „krn“, der Rhätikon hingegen sehr zackige Bergspitzen, daher auch „rtje“; tatsächlich stimmt dies auch, denn die Graubündtner Alpen haben wohl ein wesentlich anderes Außere als etwa die Karnischen. Im Allgemeinen scheint es, daß „krn“ nicht so sehr die „Bergspitze“ als vielmehr den „Bergsattel“ bezeichnet, denn die einzelnen Ansiedlungen im Gebirge („krnci“) sind ja höchst selten auf der Kammlinie, sondern zumeist auf dem Sattel oder am Hange. Darin bestärkt uns auch der altslovenische Ausdruck „KpBHOHOCt“, welchen Mi-klosich mit: cui nasus amputatus est — erklärt. Dies dürfte kaum die richtige Erklärung sein, und hat das Riesengebirge, welches cechisch „Krkonosi', — also ein sinnloses Wortaggregat — genannt wird, davon nicht direkte den Namen erhalten. Der richtige Name ist wohl „Krnonosi“ (¡§afafik kennt die Form „Korkonti“) und bezeichnete man damit jene Gegend, wo bei der Bevölkerung das Vorkommen auffällig eingejochter und stumpfer Nasen beobachtet wurde, was ja in einigen Gegenden Böhmens zutrifft; ob dies bei den Bewohnern des Riesengebirges heute tatsächlich häufig vorkommt, kann ich aus eigener Beobachtung nicht bestätigen. Immerhin ist es naheliegend, daß man den Wohnort der „Krnonosi“ später auch mit dem gleichen Namen beilegte, ebenso wie der Name „ceh“, der ursprünglich einen „Rinderhirt“ bezeichnete, später auf eine ganze Nation überging. Man sieht daraus, welchen einfachen Bedingungen der Urname seine Entstehung verdankt, und das Erkennen der primitivsten Form und Bedeutung ist die beste Gewähr, daß man einem topographischen Namen auf den Grund gekommen ist. Kassiterides. Im Lande der Karner liegt auch ein bisher in der alten Geographie unaufgeklärtes Gebiet, über welches Mela (III., 73) schreibt: In Celticis aliquot sunt, quas quia plumbo abundant uno omnes nomine Cassiteridas adpellant. Da der Bleireichtum im sogenannten keltischen Gebiete nur in Kärnten gewesen sein kann, nachdem andere nennenswerte Bleilager nicht vorhanden sind, haben wir die Kassiterides auch dahin als einstige Bewohner zu setzen. Man behauptet zwar, die Zinninseln der Alten (Cassiterides insulae) seien in Britannien gelegen und holten sich die Phönizier von dort ihren Bedarf an Zinn und Blei. Dieses mag ja richtig sein und zeigt uns nur noch, daß auch in Britannien derselbe Ausdruck gangbar war. Das Zinn hieß altsl. „kositer“ und „kositar“; der Slovene nennt es noch heute ebenso, desgleichen die Kroaten, Serben, Polen, Griechen und Rumänen; der Russe ist der einzige Slave, der es „ojiobo“ nennt; „olovo“ ist aber ansonst die Bezeichnung für Blei, welches aber wieder der Russe (wie auch der Slovene) mit „svinec“ bezeichnet. Bis zum 4. Jahrhunderte gab es auch keinen lateinischen Namen für das Zinn, außer „plumbum candidum“ zum Unterschiede von Blei: plumbum nigrum; von dieser Zeit an ist erst „stannum“ bekannt, denn das „stannum“ des Plinius dürfte nicht das „Zinn“ bedeuten. Es scheint daher, daß diese „Cassiteridas“ Slaven waren, welche schon zu Mela’s Zeiten „Zinn“ und „Blei“ wohl unterschieden und damit sicherlich auch Handel trieben. Die bezüglichen Kaufleute oder Händler nannte man mutmaßlich „Kositarji“ und ging dieser Name auf jene Bevölkerung Karantaniens über, die in der Nähe der Blei- und Zinnlager angesiedelt war. Das Zinn war schon im Altertum ein gesuchtes, wertvolles Metall, da es zur Herstellung der Bronze benötigt wurde. Wenn daher weder die lateinische noch die deutsche Sprache den Namen „Kositer“ kennt, und darunter doch nur „plumbum“ zu verstehen ist, so müssen Slaven, welche die einzigen dieses Wort besitzen, schon in der Bronzezeit im heutigen Kärnten ansäßig gewesen sein. Kelten. Die römischen Schriftsteller bezeichneten die Bewohner der Alpenländer zum Teile als „Celtae“ und hoben besonders hervor, daß diese in der Handhabung des Goldwaschens sehr versiert waren; Strabo und Polybius wissen sogar zu erzählen, daß das Waschen von Gold aus dem Sande der Alpenbäehe und Flüße eine der frühesten Beschäftigung keltischer Völkerschaften war. Ich glaube, daß diese Erwerbsrichtung auch für die Entstehung des Namens „Celtae“ maßgebend war, und bezeichnet dieser Name im allgemeinen das Volk der „Goldwäscher“. — Wir wissen, daß dieser Erwerb in den römischen Zeiten sehr angesehen war, denn die Römer hatten z. B. bei den Goldwäschereien an der Drann sogar einen eigenen Aufsichtsbeamten, den „comes metallorum“; es mußten sich also seinerzeit sehr viele Menschen und mit Rücksicht auf die vielen goldführenden Gewässer auch in vielen Gegenden mit dem Goldwäschen beschäftigt haben; und diese Völkerschaften nannte man nach dem anscheinend uralten Begriffe „zeit, zelts“ (= Gold*), wie er sich in der gleichen Form im Lettischen bis heute erhalten, im Lateinischen „Celtae“. — Dieser Ausdruck ist also identisch mit dem heutigen slovenischen „zlatar“ (= Golderer), für dessen Gebrauch aber nunmehr wenig Gelegenheit vorhanden ist, weil dieses Gewerbe, mit der Ausnahme an der Drann, wohl kaum mehr irgendwo im Alpengebiete professionell betrieben wird. Es erinnern aber noch Ortsnamen an Stätten, wo solche wohnten; so bestanden einst an der Drann die Ansiedlungen: Zlatnawes und Zlatendorf; in derselben Gegend ist noch heute das Dorf „Zlatolicje“ (= der Ort, wo man Goldspäne findet) u. a. m. Der Name, der ursprünglich nur einem bestimmten Gewerbe zugedacht war, ging dann auf alle Bewohner über, die sich mit dem Goldwäschen oder auch Goldhandel beschäftigten, und da dies ein umfangreiches Gebiet war, erhielt auch der Name eine erhebliche Verbreitung; daß aber ein Volk den Namen nach seinem *) Das Grundwort dürfte übrigens die slavische Bezeichnung „äolto, zelto“ für „gelb“ sein — oder aber gab as Gold erst den Namen für diese Farbe. — Wir beobachten hier wieder die übliche Metathesis bei einem slavischen Worte, wenn es mit zwei Konsonanten anlautet; also: „zlato“ zu „zalto, zelto“. Haupterwerbe erhält, ist kein vereinzelter Fall, wie dies auch die weiteren Darlegungen erweisen sollen. Man sieht aus dem Namen „Kelten“ wohl bedingungsweise, daß diese der Sprache nach Slaven gewesen sein mußten, nach den Namen der Alpengewässer aber, in denen sie Gold wuschen, muß man mit Bestimmtheit schließen, daß die „Celtae“ der Alpenländer nichts weiter als Slaven waren, weil auch diese Gewässer, so weit ihre Namen geklärt sind, ausnahmslos slavische Namen führen. — Es ist daher befremdend, wenn Männer der Wissenschaft noch stets an dem Dogma festhalten, es haben einst die gewissen „Kelten“ die Alpenländer bewohnt, woher noch so viele topographische Namen herrühren, trotzdem wir längst wissen sollen, daß alle Namen, denen der keltische Stempel aufgedrückt zu werden pflegt, slavischer Provenienz sind, und daß alle jene Gebiete, welche heute die Deutschen bewohnen, nichts weiter als ein großes slavisches Gräberfeld bilden. Noricum. Die aus der römischen Geschichte bekannte Provinz Noricum, welche nach der beiläufigen politischen Umgrenzung etwa die östlichen Alpenländer (Norische Alpen) umfaßte, wird allgemein als von den keltischen Norikern bewohnt angesehen. Daß jedoch die Bewohner keine Kelten waren, gilt so ziemlich als abgetan, da sich alle vermeintlichen Sprachreste derselben stets als slavische Wurzelbegriffe entpuppen. Aber auch der Name „Noricum“, sowie alle damit verwandten Begriffe, sind augenscheinlich slavischen Ursprungs und von den umwohnenden Slaven diesem Gebiete begründeterweise gegeben worden. Das Grundwort dieses Eigennamens ist vermutlich das altslav. norx (= Höhle), slav. nora (kraterförmige Vertiefung), russ. nopä (= Höhle, Loch, Grube) cech. nor, nora., nofe (— Tiefe), norice (= Bilch, ein in den Baumhöhlen wohnendes Nagetier). In einem russischen "Werke (Beryndoj, Kijev 1627) ist „HopT&ifb“ noch gleichbedeutend mit „Slovenus“.— Weitere Zusammensetzungen sind: ponor (noHopx = locus, ubi fluvius sub terram absceuditur. Mikl.), ponikva *) (eine Erdsenkung), welches Wort auch sehr vielen Ortsbezeichnungen den Namen gab. Die Bewohner Noricum’s lebten vielleicht einmal in den zahlreichen natürlichen sowie auch künstlichen Berghöhlen, und wurden von den Nachbarn der Ebene mit Rücksicht auf ihre Wohnstätten etwa „norci“ benannt; allerdings dürfen wir diesen Kulturzustand der Alpenbewohner nicht in die Römerzeit versetzen, sondern in eine weit fernere, vielleicht in die vordiluviale Zeit, da es den .Ruschem hat, daß der Mensch die verschiedenen Eiszeiten mit seinen damaligen Nutztieren schon miterlebt hat. Da jedes Kalksteingebiet zur Bildung von Höhlen außerordentlich neigt, und der Karst selbst darin geradezu großartig ist, erfährt diese Namenerklärung hiedurch auch eine natürliche Bestätigung. — Es ist aber zu erwägen, ob nicht gerade die Eisenerzgruben in Obersteiermark die nähere Veranlassung für diesen Namen waren, denn die Noriker lieferten den Römern das „norische“ Eisen; wahrscheinlich ist es aber auch, daß *) Wenn die bekannte Erdsenkung „Macocha“ in Mähren durch die Volksphantasie eine sagenhafte Namenserklärung gefunden, so liegt kein Grund vor diesen Glauben gewaltsam zu zerstören. Dem Etymologen muß aber der subtile Unterschied auffallen, welchen das Volk unbewußt in den Benennungen machte, denn „maöiha“, wie der Name etwa ursprünglich galautet haben mag, bedeutet ein trockenes Gebiet, welches beständig nachgibt, sich also senkt (v. „maöi“ nachgeben, senken), und Punkva, wie der Bach, der durch die Erdsenkung fließt, genannt wird, bedeutet hingegen ein Gewässer, welches sich in die Erde senkt, d. h in ihr verliert. das norische Eisen in andere Gegenden, namentlich in die Balkanländer verfrachtet wurde. Die Hauptstadt der Noriker soll „Noreja“ gewesen sein, welche man bei Neumarkt in Steiermark oder Friesach in Kärnten vermutet; die genaue Stelle ist daher nicht bekannt, daher wir auch nicht wissen, wo die Römer im Jahre 113 v. Chr. von den norischen Tauriskern geschlagen wurden. Es ist aber sicher, daß eine Ansiedlung namens „Noreja“ sowohl im Gebiete der obersteierischen als auch der kärntnischen Eisenerzlager gelegen war; das steierische „Noreja“ muß in der Gegend des heutigen Trofaiach (1080 Treüia, slov. Trebja = abgestockter Wald) gelegen haben, denn dort finden wir noch heute das Gebiet „Nöring“; dort fließt auch der „Nörningbach“ (um 1400 der Erczpach in der Nuring); desgleichen befinden sich in Kärnten noch heute die Ortschaften: Inner-Nöring, Vorder-Nöring und Nördnach, welche wohl alle den Begriff „nora“ zum Wurzelworte haben. — Erwähnt soll hier noch werden, daß auch in Schweden ein bedeutender Eisenbergbau bei der Stadt Nora am Norasee besteht; desgleichen ist der Fluß „Noarus“ des Strabo nicht die Save, wie man zumeist annimmt, da Strabo diesen Fluß auch kennt und nennt, sondern wohl die Laibach, welche sogar zweimal in einer „nora“ verschwindet. — „Noreja“ scheint daher ursprünglich dem Slaven jene Gegend gewesen zu sein, wo sich entweder natürliche Höhlen oder aber, was wahrscheinlicher ist, industriell entstandene Gruben oder Stollen befanden. Das sattbekannte Bezweifeln, als hätten die alten Bewohner unseres Erdteiles, — ausgenommen die Griechen und Römer, — keine eigene rechtschaffene Kultur besessen, ist eine natürliche Ungerechtigkeit, denn jede Kultur ist, sobald sie diesen Namen trägt, nichts weiter als eine Sammlung des Kulturschuttes aus alten Zeiten und Welten, welche umso besser ausfallt, je grösser die Auswahl und je rigoroser die Wahl ist. Es darf uns daher nicht befremden, daß die alten Völker des Alpengebietes in der Gewinnung des Eisens sehr bewandert waren, wenn wir lesen, daß selbst bei afrikanischen Negerstämmeu eine eigene Eisenindustrie vorgefunden wurde, die es auch verstehen in primitiven, kegelartigen Lehmgebilden das Brauneisenerz zweckentsprechend zur Schmelze zu bringen. Desgleichen ist es festgestellt, daß die Härtung des Eisens zu Stahl schon längst vor unserer Zeitrechnung bekannt war. Daß schließlich der Slovene heute mit „norec“ einen „Narren“ bezeichnet, kann einen kulturhistorischen Grund vielleicht darin haben, weil man seinerzeit für jene Konservativen, die ihre Höhlen noch nicht aufgeben wollten, indes sich andere schon künstliche Heimstätten im Freien bauten, noch spottend den alten Namen gebrauchte, daß aber dieser Begriff später eine vom ursprünglichen stark abweichende Bedeutung erhielt; dies geschah wohl auch deshalb, weil der administrativeBegriff „Noricum“ nach dem Zusammenbruche des weströmischen Reiches auch als topographischer Name in Vergessenheit geriet. Ein Analogon bildet auch die Insel Malta. Von dieser heißt es, daß in grauer Vorzeit dem Namen nach unbekannte Volksstämme die Küsten der Insel besiedelten; ihre Wohnsitze waren gewaltige Höhlen, seltsame Riesenbauten ihre Tempel. Die Phönizier*) kamen auf ihren Wanderungen auch auf Malta und nannten es „Horrim“ {= Höhlen) nach ihren Wohnstätten in den Kalkfelsen. Ich glaube, daß beim Worte „Horrim“ durch einen Schreiber das ältere griechische Schriftzeichen H (H) mit dem im Aussehen ähnlichen N (N) verwechselt wurde. *) Ich kann hier meine Vermutung, — wenn man selbe vielleicht auch im ersten Augenblicke belächeln wird — nicht weiter der Öffentlichkeit vorenthalten, daß „Phönizier“ und „Venetier“ wahrscheinlich identische Begriffe sind, wobei nicht nur der Gleichklang der Namen, sondern auch die Geschichte der beiden Völker mit ihrer eigenartigen Paralelle auffällt. Vielleicht bestätigt ein erneuertes Detailstudium meine Vermutungen! 3* Ich habe diese Ansicht über die Bedeutung des Begriffes „Noricum“ wohl niedergeschrieben, da sie zum Teile natürlich erscheint, aber es geschah immerhin gegen meine Überzeugung. Die wahrscheinliche Form ist doch; wie vordem angedeutet „Horici“ oder „Horci“ gewesen und muß sich hier eine Buchstaben-Kollision eingeschlichen haben.*) So nennt der Bewohner des Pettauerfeldes noch heute die Bewohner aller westlich davon gelegenen Gebirge als „Pohorci“ (Gebirgler) und „Gorci“ (Horci, Bergbewohner im allgemeinen). Nach der mündlichen Überlieferung besitzen wir daher die Form „Horci“, nach der schriftlichen „Norci“; ich halte die erstere Form für die richtigere, weil ein analoger Buchstabenwechsel des Namens der heidnischen Göttin „Nerthus“ in „Hertha“ auch dafür spricht. Es ist aber ebenso möglich, daß wir es hier mit zwei ganz verschiedenen Namen zu tun haben, nämlich: „Noreja“ ist der aus „nora“, — nach den dort befindlichen Stollen — erhaltene richtige Name, hingegen sind die „Norici“ der Römer die „Horci“ des heutigen Gebrauches. Die eigentliche Bezeichnung für Höhlenbewohner scheint aber einst „haduk, hajduk“ gewesen zu sein. Im *) Es ist auch völlig undenkbar, daß die über ganz Europa verbreiteten Slaven keine eigene Schrift gehabt hätten, da es in der Natur eines jeden Volkes, zumal mit einer solchen Kultur, wie man sie an den Gegenständen der Grabstätten vorfindet, liegt, besonders wichtiges in irgendeiner Weise festzuhalten. Die alten Slaven schrieben eben auf Felle, wofür alle slavischen Sprachen die Bezeichnung „runo“ haben, und von diesem Begrifl'e wurden wohl erst später die Schriftzeichen darauf selbst zu deutschen „Kunen“. — Auch das sagenhafte goldene „Vließ“ ist anscheinend nur ein „runo“, auf welchem in Goldbuchstaben irgendeine wichtige Abmachung verzeichnet war, — vielleicht das verbriefte Recht des Goldwaschens in den kolchischen Gewässern, welches den Neid anderer Völker erweckte. — Es muß auch angezweifelt werden, ob das Wort „Vließ“ nach seiner undeutschen Lautzusammenstellung nicht etwa aus „vlas“ (in der Bedeutung für rauhgegerbtes „runo“) hervorgegangen ist. Demminer Kreise (Preußen) nennt das Volk jene bösen Geister, die unter der Erde wohnen, noch immer „Haiducken“. — Dieser Begriff dürfte einmal weit verbreitet gewesen sein, und kommt als topographischer Name in höhlenreichen Gegenden ziemlich häufig vor (z. B. bei Ochos im Brunner Kreise: na hadech, Hady Berg); später nannte man jene Bewohner Ungarns, die sich vor den Türken in die Wälder und Höhlen flüchteten und dort einen Räuberkrieg führten „Hajduken“, was mit der Zeit sogar die Bedeutung Wegelagerer annahm. — Dieser Name steht wohl auch in irgendeinem organischen Zusammenhänge mit dem griechischen Hades, wie auch mit den Ortsnamen Haida, Hajdina, Haidach, Ajdovica, Haiding, Haidenöster u. a., woselbst sieh einmal bewohnte Erdhöhlen befunden haben mochten. Pannonien. Die Römer eroberten i. J, 35 v. Chr. den ganzen Komplex des heutigen Ungarn auf dem rechten Donauufer und bildeten daraus die Provinz „Pannonia“. Es scheint, daß vor dieser Zeit das erwähnte Gebiet den gleichen Namen führte, jedoch in viele Kreise geteilt war, welchen „pani“ oder „bani“ vorstanden, sonach in diesem Ländernamen gleichfalls ein slavisches Grundwort zu stecken scheint, umsomehr, als die Verhältnisse bis heute in mancher Hinsicht dieselben verblieben sind. Der höchste politische Beamte für Kroatien und Slavo-nien (dem Titel nach auch für Dalmatien) heißt „ban“; bestimmte Geldstücke heißen „banovac“; die Vaterlandsverteidiger heißen hie und da noch „banovci“; ein Teil des ungarischen Gebietes außerhalb des einstigen Pannoniens heißt noch immer „Banat“. Im Ceehischen heißt ein herrschaftlicher Besitz, dem einst auch ein Gericht unterstand „panstvi“, und der Vorsteher einer „zupa“ in der altslavischen Verfassung hieß „zupan“ (= zupe pan). Daß das Wort „pan“ ein slavisches ist und soviel als „Herr, Hoheit, Spitze“ bedeutet, ist zweifellos; es läßt sich aber der Nachweis erbringen, daß dieser Begriff auch in das deutsche überging, aber später einer Metamorphose seiner Urbedeutung unterlag. Alle deutsche Wörter, die mit „bann“ zusammengesetzt sind, führen das slavische „pan (ban)“ im Grundoder Bestimmungsworte; so z. B. Heerbann, Bannwald, Bannrecht, Bannfluch, Bannrichter u a., welche alle nur Rechte hoher Personen enthalten. Im Begriffe. „Bannrichter“ ist sogar die eingangs gestellte Behauptung noch gut nachweisbar.*) Bis zur Mitte des 19. Jahrhundertes gab es noch zwei Gattungen von Richtern: gelehrte und Laien. Seit der fränkischen Herrschaft war es Brauch, dass schwierige Untersuchungen und große Yerbrechen der Landesfürst durch eigens abgesandte Juristen erledigen ließ; sonstige gerichtliche Austragungen besorgten aber die Laienrichter, die, wie eine alte Quelle sagt (in Pranconia judex et assessores sunt rustici) lediglich Bauern waren. Letztere wurden einfach „Richter“ genannt, und ist bei den Slaven in verschiedenen Gegenden noch heute der Brauch, daß man den Gemeindevorsteher gewöhnlich „rihtar“ nennt, was aus jener Zeit herrührt, wo er noch über kleinere rechtliche Fragen und Straffälle zu urteilen hatte. Kam aber einmal ein vom Herrscher abgesandter Richter, so wurde dieser des Unterschiedes wegen „pan rihtar“ genannt; der lateinische Titel für letztere lautete tatsächlich auch „missi Dominici“ (vom Herrn abgesandte), während sie der Deutsche ursprünglich „gewaltboto“, dann aber kurzweg „Waldbot“ nannte, was sodann auch im slavischen Gebrauche zu „valpot, valpet“ wurde. *) Im althochdeutschen bedeutete „pan“ noch: Hoheit, Herrscher ; daraus formte sich wohl das neulateinische: bannus, bannum und das französische „ban“. Wenn man allenthalben die Auslegung hört, diese Gerichtspersonen hießen deshalb „Bannrichter“, weil sie die freien Handlungen eines Menschen „bannen“ konnten, so muß dies sprachwissenschaftlich als ein Irrtum bezeichnet werden, umsomehr, als man i. J. 1726 z. B. in Steiermark noch „Paan“ = oder „Pannrichter“ schrieb. Die slavisehe Rechtsterminologie ist deshalb auch sehr arm, weil das ganze Rechtswesen mit allen seinen Auswüchsen: dem Faustrechte, den Hexenprozessen, der Foltertechnik u. s. w. ausschließlich in den Händen der Deutschen lag, die bezüglichen Ausdrücke somit alle diesen Ursprung haben; die Slaven haben im ganzen nur einige Rechtsausdrücke aus ihrem früheren, patriarchalischen Leben herübergerettet; alles übrige sind entweder Übersetzungen oder Germanismen. Die Entstehung Pannonien oder der „PanovinaS wie allenthalben dieses Gebiet einst benannt wurde, ist aber schon in jene Zeit zu setzen, als die große ungarische Tiefebene den Meerescharakter zu verlieren begonnen und sich die Fürsten, Heerführer oder höhere Rangspersonen das trockengewordene Gebiet aneigneten; es war dieses Neuland also ein Boden, der den „Herren“ (pani) gehört; u»d aus dieser Zeit mag es schon zum Teile herrühren, daß Ungarn und Kroatien so viele und ungewöhnlich große Adelsgüter besitzen. Türken. Die Eigennamen: Türkei, Türke, Turje, Turjak, Turan, Tur, Turan, Tauern, Taurus, Tauris, Taurisker u. v. a. haben den slavischen Begrif „tur“ (= Auerochs) zur Grundlage, bezeichnen daher ein Gebiet, wo sich Auerochsen vorfinden. — Wenn wir nun heute die Osmanen als „Türken“ benennen, so steckt darin ein gewaltiger Anachronismus, nachdem die Länder, welche heute die Türkei bilden, schon vor Christi Geburt von „Türken“ bewohnt waren, was aus Mela (I. 116) hervorgeht; die bezügliche Stelle lautet: Budini Gelonion urbem ligneam habitant; iuxta Thyssagetae Turcaeque vastas silvas occupant alunturque venando. Daß sich sonach diese Bewohner von der Jagd nährten, welche sich wohl auch auf die Auerochsen erstreckte und daß da ausgedehnte Waldungen vorhanden waren, als Hauptbedingung hinzu, ist aus dem obigen ersichtlich. Die über ganz Europa und zum Teile Asien ausgebreiteten, den Begriff „tur“ zur Wurzel habenden topographischen Namen beweisen, dass die Sprache, die darunter den „Auerochs“ vestand, sehr verbreitet gewesen sein muß, und kann dies nur die slavische gewesen sein, da sie die einzige in allen ihren Idiomen das Wort „tur“*) in dieser Bedeutung kennt. Auffallend ist es, das die zwei nahe verwandten Tiere „Auerochs“ (bos primigenius) und „Wisent“ (bos europaeus), slav. „bizon“, auch in topographischen Namen immer enge zusammen angetroffen werden, was rückschließen läßt, daß einst beide Arten nebeneinander lebten, von der Bevölkerung aber genau unterschieden wurden. So findet man in Mela (II, 22) den Satz: In litoribus Histro est proxima Histropolis, deinde a Milesiis deductis Callatis, tum Tornae et portus Caria et Pristis promun-torium. Fuit hic Bizone, motu terae intercidit; dann (II. 24): Deinde est Bosphorus et Propontis, in Bosphoru *) „Tur“ soll in der nordsemitischen Sprache „Gebirge“ bedeuten ; wenn diese Deutung richtig wäre, so ist sie nur metonymisch (der Ort für die darin befindlichen Tiere) gebraucht, denn auch : Tauern, Taurus, Tauris u. a. bedeuten ein Gebirge, welches aber damit gekennzeichnet ist, daß sich dort Auerochsen vorfanden, daher doch der Name auf diesen Umstand rückzuführen ist. — Weiters behauptet man, daß „tur, taur“ im Keltischen auch „Gebirge“ bedeutete. Es ist höchst eigentümlich, daß dieses Wort ganz willkürlich der semitischen und keltischen Sprache zugesprochen wird, wo man gar keine Beweise dafür hat, aber absolut nicht der slavischen. die diesen Begriff auf allen Linien kennt. Byzantion. Die Ortsbezeichnungen „Bizone“ und „Byzantion“ in der „Türkei“ stehen sicherlich mit dem slavischen „bizon“ im Zusammenhänge, und ist das Alter dieses Begriffes wohl ein sehr hohes, wenn die Stadt „Bizone“ zu Mela’s Zeiten schon lange nicht mehr existierte. Ortschaften, welchen die Begriffe „tur“ und „bizon“ als Wurzel dienen, lassen sich auch nördlich bis Holstein verfolgen; so gibt es bei Stargard (Stargrad) ein „Turze“ und eine „Bisnitz Au“ (1189 als „Bisneze“ und „Bisenci“ geschrieben); auch die mährische Stadt Bisenz (cech. Bzenec) mit ihrem ausgedehnten Doubrava Walde hat von „bizon“ den Namen, bedeutet sonach ein Gebiet, wo Wisente vorkamen.*) Den völlkräftigen Beweis, daß „tur“ nicht „Gebirge“ bezeichnet, bietet uns sowohl der Umstand, daß der slovenische Name „Turjäk“ in das deutsche als „Auersberg“ übersetzt wurde, wonach der Übersetzer doch im Klaren gewesen sein mußte, was „tur“ bedeutet, als auch das sonderbare Zusammentreffen, daß in der Bezirkshauptmannschaft Sclilan in Böhmen zwei Nachbarorte „Bisen“ und „Turan“ heißen, und daß z. B. Tufany in Mahren ganz in der Ebene liegt. Die heutigen deutschen Begriffe „Auer“ und „Ur“ (ergänze „Ochs“) sind wohl auch nichts weiter, als abgeschliffene Formen von „tur“ mit der typischen Diphtong-bildung bei „Auer“; desgleichen ist „Wisent“ die angepaßte Form für „bizon“. *) Denselben Ursprung bat auch der „Bisamberg“ bei Wien, welcher in den alten Namensformen Bisinberg, Pisinberch u. a. lautet. Hellenen. Die Hellenen erhielten ihren Namen, ähnlich wie die Türken, von „jelen“ (= Hirsch), also auch nach einem Tiere, welches sich in Griechenland zahlreich vorgefunden haben muß, was man ja auch gelegentlich in den altgriechischen Schriftstellern sowie in ihrer Mythologie bestätigt findet. Der Reichtum der griechischen Waldungen an Hirschen wurde seitens der Slaven wahrgenommen und war bei ihnen dieser Umstand für die Charakterisierung jener Gegend maßgebend. Der Name „Helena“ lautet im Südslavischen noch heute „Jelena“. Desgleichen ist der deutsche Begriff „Elen“ (= Elenhirsch) nur eine abgeschliffene Form für „jelen“. Die Behauptung, daß die Hellenen von ihrem Stammvater Hellen den Namen erhalten hätten, ist nur eine Mythe und ein Verlegenheitsbehelf im Erklärungsdrange, ähnlich wie der, daß die Deutschen von Tuisco, die Russen von Rurik u. s. w. den Namen erhalten hätten.*) Skythen. Der älteste slavische Name für den Nomaden, ist „skit“ (russ. ckbitb, CKBiTa^egB, slov., kroat., serb. skitac, skitez) in der Bedeutung: Vagabund, Landstreicher. Daß Tch diese Bedeutung in einem ununterbrochenen Zusammenhänge mit den einstigen nomadisierenden Skythen bei den Slaven erhalten hat, ist nicht zu bezweifeln, umsomehr als sie Mela (II, 11) nachstehend *) Die zusammenhängende Lage der ethnographischen Namen zoologischen Ursprungs motiviert die Vermutung, d*ß auch „Thrakien“ den Namen von „trak. drak“ (Drache) erhalten hat und sprechen dafür griechischerseits gleichfalls mythologische Anspielungen. schildert: vagi Nomades pecorum pabnla secuntur, atque ut illa durant ita diu statam sedem agunt. Erwähnenswert ist es aber, daß Mela die „Nomades“ als einen Teil der Skythen bezeichnet und daß den Slaven das ganze Volk der Skythen als ein Volk ohne feste Wohnsitze galt, während in den übrigen Sprachen von heute nur der Eigenname „Nomade“ zum Gattungsnamen für Leute mit wechselndem Aufenthalt wurde. Sarmaten. Die alten Geschichtschreiber wissen von den „Sarmaten“, einem zahlreichen Volke nördlich des Schwarzen Meeres, an der Wolga, am Don u. s. w. zu erzählen und bezeichnen sie als ein den Skythen zugehöriges Nomadenvolk. Da sie der erwähnten geographischen Lage nach in einem wasserreichen Gebiete lebten, erhielten sie mutmaßlich von ihren slavischen Nachbarn nach den noch heute im russischen Gebrauche stehenden Ausdrücken copiia, capsia, welche eine „seichte Stelle“ oder auch eine „Strombarre“ bezeichnen, den Namen. — Es bezieht sich dies wohl auf einen südrussischen Strom, u. z. auf einen Punkt desselben, wo man ohne technische Mittel am leichtesten einen Uferwechsel vornehmen konnte; dies wird jedoch keine Furt gewesen sein, da man ansonsten das Wort „brod“ gebraucht hätte, sondern eine durch emporragende Grundfelsen gebildete natürliche Brücke, welche aber wohl mehrfach unterbrochen und nur bei niederem Wasserstande für den Übergang eines einzelnen passierbar war*). *) Eine ähnliche Stelle bildet die felsige und reißende Naretva (Narenta) nördlich und südlich von Mostar, und wird die nördlich gelegene Stelle auch richtigerweise „Skakala“ genannt; die Einwohner benützen nämlich diese Stelle, wo der Fluß nur durch schmale aber tiefe Felsrinnen fließt, als Übergang, wobei aber der ungeübte Springerauch leicht ums Leben kommen kann. Daß die Kenntnis eines solchen Flußpunktes ehedem, wie auch noch heute, von großer Bedeutung war, — da man einen größeren Fluß doch nicht so oft, als es nötig wäre, überbrücken kann, — ist wohl sehr natürlich, und wird man die Ansiedler an einer solchen Übergangsstelle als „Bewohner bei der Strombarre“, — hier also „Sormati“ oder „Sarmati“ benannt haben, wobei diese Benennung später auf weitere Kreise ausgedehnt wurde. Den gleichen Ursprung hat auch der Name der Stadt Prag. Die Stromstufe in der Moldau hieß „präg“ (Schwelle) und die zunächst entstandene Ansiedlung wurde als ein Ort beim „präg“ bezeichnet. Die herrschende Sage über die Entstehung des Namens ist eben lediglich Sage. Av a r e n. Die Slaven nannten die Avaren „Obri“ d. h. letzteres ist die ursprüngliche Namensform, während „Avaren“ als eine erst durch die lateinische Spracheigentümlichkeit aus „Obri“ entstandene Form bezeichnet werden muß. Die alten Deutschen bezeichneten Leute von hohem Wuchs „Hünen“ (Heunen im Nibelungenliede), woraus in jenen Sprachen, die keinen Umlaut kennen, „Hunnen“ wurde; da aber „Obr“ im slavischen einen Mann von großer Statur, also einen „Hünen“ bezeichnet, sind sonach die als „Hünengräber“ oekannten alten Begräbnisstätten nichts weiter als Gräber aus der „Obr“=, also Avaren=Zeit. Nun kennt man aber die Avaren allgemein als Leute mongolischen Stammes und vom niederen Wuchs; wie kommt es nun, daß die „Hünengräber“ Skelette von Menschen sehr hoher Gestalt enthalten? Es ist wahrscheinlich, daß wir es hier mit einer Slavengruppe zu tun haben, deren Vertrerer von den Deutschen „Kiesen“, von den Nachbarslaven aber „Obri“ genannt wurden; denn der männliche Menschenschlag der Slaven in Krain, auf dem Balkan, dann in den ehmals slavisehen, heute preußischen Provinzen ist in Europa noch heute derjenige, welcher das größte Prozent an Männern von ungewöhnlicher Höhe zählt. "Über die „Hunnen“ sind wir gewohnt zu lesen, daß sie die ärgsten Barbaren waren, die sieb ihr Genußfleisch auf dem Sattel mürbe ritten, klein von Gestalt, häßlich u. drgl. durchwegs abträgliche Beschreibungen, und sollen dabei: Hünen, Kiesen genannt worden sein, denn dem Deutschen sind dies synonyme Begriffe! Es ist eigentümlich, daß die Geschichte über die Hunnen lediglich jenen schriftstellernden Zeitgenossen Attilas Daten entnahm, die über ihn und seine Scharen nur das Gräulichste zu erzählen wußten, während andere, wie Priscus, der die Verhältnisse wesentlich lichtvoller schildert, unberücksichtigt blieben. Tatsache ist, daß uns da Vorfälle geschildert werden, die sich niemals mit der Kritik und Logik werden vereinbaren lassen. Wie ist es z. B. erklärlich, daß ein solcher Barbar par excellence, wie Attila, die Burgunderfürstin Kriemhilde zur Gattin erhält, daß das Hochzeitsfest in Wien durch 17 Tage gefeiert wird, daß die Burgunden den Hof Attilas besuchen, dessen Eesidenz große Paläste bildeten, daß er um Honoria, die byzantinische Kaisertochter werben läßt, wo die Geschichte doch erzählt, Attila habe wenig Kriegsglück gehabt, sei aus Italien unverrichteter Dinge zurückgekehrt, ist i. J. 451 auf den Catalaunischen Feldern fast vernichtet worden, indes er allgemein gefürchtet war, ihm der Kaiser von Byzanz den jährlichen Geldtribut namhaft erhöhen mußte u. a., — alles ein Beweis, daß man es hier mit einem Geschichtsirrtum oder einer Geschichtsfälschung plumpster Art zu tun hat. Überdies hat es stets Standesunterschiede gegeben, und ehedem sicherlich noch größere denn heute, und doch kann sich niemand dermalen bei erweiterten sozialen Ansichten etwa eine ernste Brautwerbung eines besiegten Indianerhäuptlings bei einer europäischen Herrscher- familie vorstellen, War aber Attila ein solcher Wildling, wie ihn die Geschichte hinstellt, so hätte er sich seine ausgewählte Braut wohl mit Gewalt geholt oder hätte selbe rauben lassen; etikettmäßige Brautwerbungen sind aber in diesem Milieu, ganz undenkbar. Gibt man auch zu, daß manches nur eine Sage sein mag, so ist es befremdend, daß gerade die Sage schöne Worte und humane Handlungen für einen Barbaren findet, da sich dies, wenn es nur annähernd so arg gewesen wäre, im Volksmunde und in der Sage nur noch dunkler gestaltet hätte. Es ist daher augenscheinlich, daß die „Hunnen“ der Deutschen und die „Obri“ (Avaren) der Slaven dasselbe u. z. ein slavisches Volk waren, daher auch die geschichtliche Bemerkung, erst die Avaren hätten ihr Dienstvolk, die Slaven, mitgebracht, eine unbegründete ist, und den Zweck sowie die sehr durchsichtige Tendenz hat, in dem Momente, als die Existenz der Slaven in Mitteleuropa schon nicht mehr geleugnet werden konnte, sie wenigstens als inferior hinzustellen.*) Schon die ganze Geschichte der Völkerwanderung ist, wie sie heute dargestellt wird, eine vom Grunde aus mißglückte, kritiklose und einseitige Schilderung einer Zeitepoche, die es in Wirklichkeit solcherart nicht gegeben, wo anscheinend ein und dasselbe Volk unter verschiedenen Hamen geschichtliche Aktionen ausgeführt hat, von denen es selbst keine Ahnung haben mochte.**) Wie leicht dies zu einem Fehler führt, daß verschiedene Schriftsteller ein und dasselbe Volk verschieden benennen, dafür ist der Beweis heute geradeso erbringlich, wie von ehedem. *) Auch der Name „Attila“ klingt slavisch und scheint so viel als „Väterchen“ zu bedeuten; ?um mindesten klingt aber der Name eines der Söhne Attilas, Deugesiö, entschieden slavisch. **) Als kleiner Beweis für die Oberflächlichkeit diene der Umstand, daß die zeitgenössischen Geschichtschreiber Attilas nicht einmal bestimmt sagen können, in wjelchem Jahre und wo die in ganz Europa gefürchtete „Geißel Gottes“ gestorben ist. Wer würde z. B. in 1000 Jahren, wenn alle sonstigen Behelfe verloren gingen, daraus klug werden, falls er eine Zeitung von heute fände, die von „Cechen“ spricht, und eine zweite dasselbe von den „Böhmen“ erzählt; in den deutschen Provinzblättern Steiermarks wird ständig der verächtliche Name „die Windischen“ statt des offiziellen „die Slovenen“ gebraucht.*) Wenn alles dies heute bewußt geschieht, weshalb soll es einst nicht in erhöhtem Maße auch unbewußt geschehen sein! — Solcher Art können daher die Quellen sein, aus denen wir unsere Geschichte schöpfen, und solche sollen nicht ungeprüft zum Dogma erhoben werden; von solchen Kannegießereien und Willkürlichkeiten hängen oft unsere Überlieferungen ab und gelten nachher als Marksteine der Wissenschaft! Ve n e t i. Wir wissen aus den alten Schriftstellern, daß die Veneter, Vinidi, Vindi, Vendi ein überaus zahlreiches Volk waren und es zweifelt geradezu niemand mehr daran, daß sie Slaven gewesen sind. Die etymologische Erklärung aber, welche Entstehung und Bedeutung diese Namen haben mögen, ist schon so vielseitig und dabei so unnatürlich gedeutet worden, daß vielleicht die Ansicht eines Forschers, der schon tausende von topographischen Namen unter Assistenz der Linguistik und Kulturgeschichte gedeutet hat, auch angehört werden könnte. Ich glaube, daß die Grundsilbe „vent“ oder „vend“, wie noch jetzt in den romanischen Sprachen und im *) Die Beilegung und der Gebrauch des Namens „windisch“ kann jedoch, wie ich beim Artikel „Veneti“ darlegen will, historisch richtig sein. Magyarischen, im allgemeinen den Begriff des „Handelns, Kaufens und Verkaufens“ enthält und daß man unter allen obigen Namen nichts weiter als Kaufleute zu verstehen hat/') Die Erkenntnis und der Umstand, daß auch jeder ethnographische Name einen einfachen Ursprung hat, wie der Ortsname, was ja hier für die meisten Volksnamen Europas in natürlicher Weise dargelegt wird — läßt sich aus vielen derlei Namen noch heute deduzieren, weil ihr Ursprung durch kulturgeschichtliche Handhaben klargelegt werden kann. Es fällt wohl auf, daß wir in der ganzen Kulturgeschichte keinen ethnographischen Namen für „Kaufleute“ finden, obschon wir sonst Volksnamen kennen, die aus minderwichtigen Erwerbszweigen, wie z. B. die Eibischhändler (Schlesier), Kassiteriden (Zinnhändler) hervorgegangen sind, denn die Phönizier und Arnauten*) **), die wir als seefahrende Volksstämme kennen, haben wohl kaum europäischen Binnenhandel betrieben; und doch wurde schon einst, in den ältesten Kulturepochen, der Zweck verfolgt, zwischen dem Überfluß und Mangel an *) Ich muß an dieser Stelle erwähnen, daß ich möglicherweise hie und da eine Erklärung als eigene angehe, die schon bereits ein früherer Forscher veröffentlicht hat; trifft dies bei irgendeinem Artikel zu, so wolle mir dies nicht verübelt werdem denn den Fl°iß und Geist eines andern will ich bewußtermaßen nicht ausnützen. Ich konnte aber in Folge Gebundenseins an kleine Garnisonen, welche für solche Studien nur sehr unzulängliche Behelfe bieten, die diesbezüglich vorhandene Literatur nicht durchblicken. Sollte daher in welchem wichtigeren Punkte eine Erklärung gegeben werden, die schon früher vorhanden war, so ist dies für die Läuterung der Frage umso besser, weil auf diese Weise zwei von einander zeitlich und örtlich getrennte Ausleger spontan die gleiche Ansicht vertreten. **) Es ist nahezu kein Zweifel daß die heutigen „Arnauten“ die Epigonen jener sagenhaften „Argonauten“ sind, deren Handelswege bis Kolchis führten; es sprechen dafür der Name wie die geographische Lage ihrer Wohnsitze. Bedarfs- wie auch Luxusgegenständen, auszugleichen. AVer hat nun den Bernstein (glesum) *) von der Nordküste schon zur odysseischen Zeit nach Mykenä vermittelt? AVer hat das Eisen in eisenarme Gegenden gebracht? AVer hat Zinn und Kupfer zur Erzeugung von Bronze oder diese selbst geliefert, da sich die Metalle hiezu nicht überall vorfinden? AVer brachte den Feuerstein und das Material für Steinhämmer, Steinbeile u. drgl. in Gegenden jüngerer geologischer Formation? AVer hat das Salz, das doch eine Lebensfrage bildet, jenen Ländern zugetragen, die keine Salzlager besitzen wie z. B. Böhmen, Mähren, Kärnten, Krain u. a. m. ? *) Ob man unter „glesum“ tatsächlich Bernstein zu verstehen hat, muß einigermaßen aogezweifelt werden. Man weiß, daß alle Slaven den Bernstein als „jantar“ bezeichnen, und er kam doch von der Gegend, wo Slaven wohnten. Da aber der Russe mit „rjia3B“ (glaz) noch heute das Auge bezeichnet und der Vergleich des Auges mit dem Glase sehr nahe liegt, ist es möglich, daß man unter „glesum“ tatsächlich „Glas" verstand. Es mag ja sein, daß mit dem Bernstein auch ein Handel getrieben wurde — doch erst nach Entdeckung des Polierens — und daß nur durch einen Zufall der Begriff „jantar“ seitens der alten Schriftsteller nicht verzeichnet wurde. — Man schreibt allerdings die Erfindung des Glases den Phöniziern zu; aber die in der Bedeutung und Kunst ältesten Glaserzeuger sind doch die Venetier, und es scheint, daß die als extensive Kaufleute und Glaserfinder bekannten Phönizier eigentlich Veneter, Venezier waren und täuscht uns nur der angelernte Gebrauch der griechischen Namensform. — Es ist auch recht wahrscheinlich, daß der als Halbedelstein bezeichnete „Moldavit“ (Vltavit) weder eine Quarzart noch ein Meteorit, sondern ein Überrest alter prähistorischer Glaserzeugung ist, da er gerade in Böhmen gefunden wird, wo gleichfalls die Glasindustrie seit jeher besonders blüht, weil das Rohmaterial hiezu reichlich vorhanden ist. Er ist sehr spröde, hat keinen Wassergehalt und läßt sich schwer schleifen, was alles bei den Schmuckquarzarten nicht der Fall ist; es ist also mutmaßlich ein Hartglas, welches in Tonformen gegossen wurde, und jetzt in Folge der grünen Farbe und des beschränkten Fundortes wegen aufgefallen ist, während man vielleicht weit mehr Glas findet, welches älter ist, aber wegen der gewohnten Farbe nicht beachtet oder als solches erkannt wird. Diese Lücke in unserer ältesten Kulturgeschichte scheinen die „Wenden“ auszufüllen; sie dürften die Volker sein, die jene Naturprodukte im Handels- und Tauschwege ausglichen ; dieses rechtfertigt auch die ungewöhnlich große Verbreitung des erwähnten Namens, da man überall die „Vendi“ traf, sie daher für sehr zahlreich und förmlich als ein eigenes Volk hielt, ohne zu prüfen, ob sie dies auch wirklich sind. Eine Analogie haben wir auch heute bei den Slovaken: kommt ein Drahtbinder oder ■Geschirrhändler ins Haus, so heißt es stets, ein Slovake sei da; ob er es wirklich ist, darum kümmert sich niemand; es genügt sein Gewerbe für die Feststellung seiner Nationalität.") — Wie die Namen zeigen waren die Wenden tatsächlich sehr verbreitet; wir kennen noch die Wend en in Deutschland, die W i n d e n (Slovenen) in den Alpenländern Österreichs, die Veneter in Venetien, die Vindelicier • im Gebiete des Bodensees*) **), die Vendeer in Frankreich. Es scheint, daß auf diese Weise auch die Bezeichnungen Slovenen, Slovaken, Slavonier, wie auch schließlich „Slaven“ entstanden sind. — Wir wissen gar nichts darüber, wer den alten Völkerschaften Salz zugeführt hat, und es ist doch ausgeschlossen, daß diese Leute ohne Salz gelebt haben konnten. Ich glaube daher, daß wir unter obigen Namen jene Kaufleute zu verstehen haben, die vorwiegend mit Salz handelten. Beim heutigen Namen „Slovenci“ (Slovenen) ist dies auch etymologisch *) Ähnliche Namen erwerbstechnischer Provenienz, die hier keine eingehendere Erklärung finden sollen, sind z. B.: Bezjak (in Kroatien) in der Bedeutung Leinwandhändler (bez = Leinwand); Cincar (richtiger Cinßar, auch öanöar) in Albanien, der Schüsselmacher, Töpfer (öinija = Schüssel); Grk (Grieche) bedeutet noch heute in der Baöka (Südungarn) den Kaufmann, Krämer im allgemeinen. **) Die Römer gaben dem Bodensee, welchen die Veneter (Vindelicier) umwohnten und kurzweg mit „voda“ bezeichnet haben mochten, wohl nur zum Unterschiede von sonstigen Seen, das Attribut „Venetus“, weil er eben im Wohngebiete der Bodensee-Veneter lag. nachweisbar, denn „Venci“ entspricht der Form „Nemci“, welches auch aus „Nemeti“ wie jenes vermutlich aus „Veneti“ entstanden ist; das heutige „slo“ ist nur eine Metathesis aus „sol“, denn die altgriechischen Schriftsteller kennen schon die Form „oz'koßevoi“; diese Umstellung der Laute ist aber sehr häufig (vergl. Kras und Karst; klak mit Kalk und calx; breg mit Berg u. s. w.) und besonders typisch in dem uralten, weitverbreiteten und enge verwandten Worte „slatina“ (Salz-, Mineralwasser). Wenn daher behauptet wird, daß das altrömische Flavium Solvense (bei Leibnitz in Steiermark) richtig „Fiavium Slovense“ heißen soll, so ist dies ganz unnötig, da es uns nur zeigt, daß den Körnern die Etymologie des Wortes schon nicht mehr auffiel, weshalb sie nach dem Grundwoifte „sol“ (Salz) auch „Solvensi“ statt „Sal-vensi“ (nach „sal“ = Salz) schrieben. —• Es ist ganz natürlich, daß es in einem engbegrenzten Territorium Volksgruppen mit verschiedenen Namen gibt, die nur einem Stamme angehören, daß man aber hingegen den gleichen Namen in den verschiedensten Gegenden trifft, weil jeder slavische Dialekt bei seiner Namengebung in gleich natürlicher Weise vorging. So kennt man für die Bewohner Untersteiermarks detaillierte Bezeichnungen nach dem Terrain, als: Pohorci, Poljanci, Goričani, Haložani, Savinjčani u. s. w., je nachdem sie das Bachergebirge, das Pettauerfeld, die Windischen Büheln, die Kolosberge oder das Sanntal bewohnen und doch sind sie alle der Sprache nach Slovenen; es wird auch niemandem einfallen die bestehenden Sprach- und Sprechunterschiede dahin zu benützen, um jedem Teile eine eigene Entstehung zuzusprechen. Hingegen führen V olksgruppen gleichlautende Namen, wie Polen, Polanen, Polovzer, Poljanci, Bulaken, die doch nichts weiter bezeichnen, als daß ihre Träger Bewohner von Ebenen sind, gehören aber verschiedenen slavischen Dialekten an. — So ist es auch erklärlich, daß die Namen Vinidi, Veneti, Winden, Wendi u. s. w. in den verschie- 4* densten Gegenden gefunden werden, da jeder slavische Dialekt eine solche Volksgruppe, die unter ihnen Handel trieb, kannte, daß daher die Entstehung und Bedeutung überall dieselbe war ; das gleiche gilt auch für die ethnographischen Begriffe: Slovenen, Slovaken, Slovinzen, Sla-vonier und Slaven (Solavi?) für die Handelsleute in den Salzgewinnungszentren im besonderen, und sind die unwesentlichen Abweichungen in der äußeren Form dieser Eigennamen nur Einflüssen und Eigentümlichkeiten der Dialekte in den verschiedenen Gegenden zuzuschreiben. Man soll es überhaupt vermeiden Etymologie ohne Kulturgeschichte zu betreiben, da jene für sich ohne praktische Applikation zumeist wertlos ist, ähnlich wie die ganze Schädellehre mit der Kraniometrie in die Urgeschichte des Menschen nur eine Verwirrung gebracht und selbst nüchterne Forscher auf Irrwege geleitet hat. — Es ist jedem denkenden Laien geradezu unfaßbar, wie die Anthropologie nach einigen alten, nur in Europa Vorgefundenen Schädeln schon genau begrenzte Gesetze nach Rassen und Sprachen aufstellen konnte, wo wir doch alle wissen, welche Differenzierungen es schon in jeder Familie in Bezug auf Schädelbau, Typus, Haarfarbe, Größe geben kann, und welche Unterschiede sich diesbezüglich schon dem Beobachter der Bewohner eines einzigen Dorfes ergeben, wo fast nur von einer Inzucht gesprochen werden kann. — Wenn aber die Gelehrtenwelt bis heute noch nicht ins Klare kommen konnte, den Autochthonismus der Slaven überzeugtermaßen festzulegen, wo hundert sprechende Beweise vorliegen, wie kann sie hingegen dies auf Basis toter Argumente verneinen! Wohl nur deshalb werden solche einseitige Theorien immer wieder von neuem und umso rücksichtsloser verfochten, je durchsichtiger ihre Haltlosigkeit zu werden beginnt, denn wer Systeme aufbaut auf die subtilen Messungen eines einzigen Schädels (z. B. Neanderschädel), der Tausende von Jahren unter schwerer Erddecke lag und offenkundig deformiert sein muß, ganz abgesehen davon, daß er zufällig einem Kretin angehört haben konnte, der kann nicht ernst genommen Werden! — Jene Wissenschaft aber, die zwischen Wunsch und Wahrheit schwankt, ist eben keine Wissenschaft! Gallier. Schon der römische Geograph Claudius Ptolemäus (2. Jahrh. v. Chr.) erwähnt die um Aussee in Steiermark wohnenden Kelten als Ha Ionen, Halaunen, welcher Name zweifellos nichts weiter als jene Bewohner bezeichnet, welche die Salzsiedereien betreiben. Dieser Umstand, sowie die Tatsache, daß alle Örtlichkeiten des Alpengebietes, welche Salzlager aufweisen, wie: Hall in Tirol, Hall in Steiermark, Hallein, Hallstadt, gleichlauten, berechtigen zum Schlüsse, daß das Grundwort hiezu „hal“ oder „gal“ war. Nun bezeichnet aber der Slovene noch heute das reine Speisesalz als „sol“, jedes bitterschmeckende Mineral aber, ob dies nun ein Alaunit, Vitriol oder Halit ist, als „galica, galicija“ oder „galun“ (letzteres noch speziell für den Alaun); im Handel gebraucht man auch noch den slavischen Ausdruck „Galitzinstein“ für Kupfervitriol und schwefelsaures Zinkoxyd. — Es ist daher augenscheinlich, daß die einstigen Bewohner der Salzdistrikte unserer Alpenländer als „Galici“ oder „Galuni“ bezeichnet wurden, daß dieser Name dann weitere Dimensionen annahm und bei den Römern zu „Gallia“ (adjektivisch gallicus) wurde, worunter sie bereits mehrere Provinzen Europas zusammenfaßten. Weiters unterliegt es keinem Zweifel, daß die österreichische Provinz „Galizien“, wohl das salzreichste Gebiet Europas, aus demselben Anlasse den Namen erhielt; dasselbe gilt auch von der spanischen Provinz „Galizien“, sowie den gleichnamigen Ortsgebieten in Uutersteiermark und Kärnten, obschon heute von einer Salzindustrie daselbst keine Rede ist. Die Verwandlung des „g“ in „h“, welche in den nordslavischen Sprachen allgemein beobachtet wird, brachte es mit sich, daß eben „Galizia“ zu „Halicz“, „galisce“ (= Salzstätte) zu „Hallstatt“ wurde. Namentlich dürfte die Erklärung des letzteren Namens den Archäologen objektiver Richtung willkommen sein, die sich über die große Nekropole daselbst wundern, sowie die der sla-vischen so ähnliche Ornamentik auf den dort ausgegrabenen Tongefäßen mit den vermeintlichen keltischen nicht in Einklang bringen können, und überdies nicht glauben wollen, daß der Name Hallstatt ebenso slavischen Ursprungs ist, wie der aller älteren Ortsnamen in dieser Umgebung. — Auch die griechische Form für eine Salinenstadt ist bekannt, denn der erwähnte Ptolemäus nennt die galizische Stadt Kalusz als „Kalisia“. Hingegen blieb in den südslavischen Sprachen wie im Baskisehen das „g“ unverändert, ja man weiß sogar, daß auch schon die Ureinwohner der genannten spanischen Provinz „Gallaeci“ (jetzt in der Form „Gallegos“) hießen. Unter dem Begriffe „Gallier, Galliker“ haben wir daher ui’sprünglich jene Bewohner zu verstehen, deren Lebenserwerb die Salzsiederei bildete, im Gegensätze zu den Slovenen, Slovaken u. s. w. die im Handel mit dem von jenen gewonnenen Sudsalze ihren Lebensunterhalt fanden. Da aber die Slovenen einst die alpenländischen Salzdistrikte wirklich bewohnten, so kann der ethnographische Begriff „Gallier“ nur diese Entstehung und Bedeutung haben. Markomanen, Mauren. Die österreichische Provinz Mähren bietet für die eingangs aufgestellte Behauptung eine hervorragende Beweiskraft. Die geologischen Verhältnisse dieses Landes lassen uns keinen Moment im Zweifel, daß wir es hier mit einem marinen Gebiete zu tun haben, bei dem nur die höheren Bodenerhebungen einst aus dem Meere geragt haben konnten. Die Umwohner nannten diese unter Wasser stehende Gegend etwa: moravo, morjevo (=dem Meere gleichend) und meinten damit eben kein Meer, sondern ein dem Meere ähnliches Gebiet; die Bewohner bezw. Umwohner wurden von den Nachbarn deshalb auch „Moravani“, also genau so, wie noch heute benannt; und diese „Moravani“ sind die „Markomanen“, über deren Wohnsitze und Sprachzugehörigkeit schon die verwunderlichsten Ansichten geschrieben wurden. Daß ein großer Teil Mährens einst mit Wasser bedeckt war, dieses ersehen wir aber auch aus den topographischen Namen dieses Gebietes, und wer sich der Mühe unterzieht, gewisse Ortsnamen in Bezug auf ihre Berechtigung zu prüfen, wird meiner Behauptung zustimmen müssen. So gibt es bei Misslitz einen Ort „Jezerany“; der Nachbarort heißt „Marsovice“ (hieß wohl ehedem „Mofovice“); diese Ortschaften erhielten sicher noch den Namen zu jener Zeit, als in der erwähnten Gegend noch ein größerer See bestand ; sie. liegen auch um kraterförmige Tiefen, welche noch Wasser enthielten, als in der sonstigen Umgebung schon der Seecharakter geschwunden war. Weiters gibt es daselbst eine Menge Namen, wie: Moravany, Morice, Moravice, Moratice, Moravicany, Jezera, Jezerni, Jezernice, Jezirko, Ostrov, Ostrüvek, Ostrovany, Ostrovacice tt. v. a., die auf den ersten Blick zeigen, daß hier ein größeres stehendes Gewässer sein mußte; das mährische „Mars“-Gebirge hieß einst wohl: Morski hribi — heute nur mehr als „Hriby“ benannt, und ist die Bezeichnung „Mars“ nur aus dem im deutschen üblichen Vokalwechsel (o in a) in der Stammsilbe, wie bei March, Laak u. s. w. hervorgegangen. Daß aber dieses meerähnliche Gebiet schon viele Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung ein geschlossenes, trockenes Gebiet war, müssen wir, abgesehen von den geologischen Verhältnissen, daraus schließen; daß das „Großmährische Reich“ Samos doch nicht aus einigen Uferdörfern bestanden haben konnte, und hätten die „Moravani“ mit den Römern Seekriege führen müssen, wenn ihre Wohnsitze damals noch eine mäßig unterbrochene Wasserfläche gewesen wäre. Die topografischen Namen Mährens sagen uns auch, daß die Deutschen frühestens im 12. Jahrhunderte in Mähren Ansiedlungen gegründet haben konnten, denn alle Ortschaften, deren Gründung nicht in die Zeit der Germanisierung fällt, tragen Namen slavischer Provenienz, und geben jene Punkte, die Hradiste, Hradisko und ähnlich lauten, am untrüglichsten die einstigen Grenzen an, da die fortifikatorischen Punkte jedenfalls mehr oder weniger an der Grenze und an den augenscheinlichsten Einfallspunkten angebracht waren. Alle jene Namen aber, die aus der Seezeit Mährens herrühren, reichen wohl weit hinter die Römerzeit zurück. Ist es nicht sonderbar, daß das 2 km breite Defile, welches die Becva bei Prerau durchbrochen hat, gerade den zutreffenden Namen „Prerov“ (= Durchbruch) führt, was doch nicht erst in historischer Zeit geschehen sein kann, und daß sich hier eine offene Kontinuität des Menschen mit der Beobactung der einstigen wirklichen Vorgänge nicht bezweifeln läßt. Und dieser Durchbruch muß schon lange vorher stattgefunden haben, als z. B. das Mammut lebte, denn sonst hätte man in Predmost, welches in diesem Durchbruche liegt, nicht massenhafte Reste dieses prähistorischen Tieres finden können, weil sie sonst fortgeschwemmt worden wären. Die heutige deutsche Form „Mähren“ ist wohl nur ein Rechtschreibungsfehler für „Meeren“, der uns nicht nur die Übersetzung des slavischen Urnamens, sondern die weitere Bestätigung bietet, daß die Form von „morje“ abstammt; übrigens kommt der Name „Morren“*) sowie *) Schritt der Verordneten der Landschaft Steyr an den Erzh. Ernst (Landes-Reg. Archiv Salzburg, Hofkriegsrechtsakte 1570-1592). „Marhen“ *) für Mähren noch in Urkunden jüngeren Datums vor. Aus dem Namen March des Flusses „Morava“ hat sich auch der deutsche Name „Mark“ für die „Grenze“ eingebürgert, weil eben die March zugleich die Grenze gegen Osten in älteren Zeiten bildete. Dieses wissen wir aus einer Analogie, wo ganz ähnliche Verhältnisse, wie bei Mähren obwalten: es ist dies das Gebiet des großen Draufeldes zwischen Marburg, Pettau und Friedau in Untersteiermark. Während das über 1500 m hohe Bacher Gebirge ein Urgebirge ist, gehören die Höhen, die das Draufeld umgrenzen, u. z. die Windischen Büheln und das Kolos-Gebirge (Haloze) gleichfalls dem marinen Gebiete an. Das Draufeld (auch Pettauerfeld) war einst ein großer See, verbunden mit dem Meere, welches die heutige große ungarische Tiefebene bedeckte, und hieß noch am Beginne des Mittelalters „Zitinesfeld“ (von „sitina“ = Schilfgegend); am östlichen Hange des Bacher Gebirges befindet sich die Ortschaft „Morje“ (deutsch: Mauerbach); die Kirche von Unter-Pulsgau heißt beim Slovenen noch immer: Sv. Štefan ob jezeru, ebenso auch Maxan im Seitentale der Drann: Sv. Andraž ob jezeru.**) Das Murfeld heißt bei dem Slovenen „Mursko polje“, denn „morje“ wird hier als „murje“ ausgesprochen; auch die Flüsse „Mura“ (Mur) und „Murica“ (Mürz), welche noch im 9. Jahrhunderte die Form: Mora, Muora, Moriza, Muoriza hatten haben den Namen von „morje“, zweifellos von dem Umstande, weil sie sich seinerzeit direkte in das Meer, — die ungarische Tiefebene — ergossen. Und als *) Landesdefensionsordnung der Landstände ob der Enns i. J. 1591 (Oberöst. Landesarchiv Linz Bd. 584 P. L. 83). **) Es ist gewiß auch keine freie Erfindung, daß in Gegenden welche wirklich einst Seen waren, die Leute noch heute Stellen zeigen, wo Kinge und Hacken befestigt waren, an denen seinerzeit die Vorfahren ihre Kähne und Fahrzeuge anbanden; namentlich ist dies in Bosnien und der Herzegovina vielfach der Fall. Gesamtname dieses ganzen Wassergebietes galt den zeitgenössischen Slaven „Morje“ und blieb so bis gegen das Ende des Mittelalters; denn i. J. 895 hieß Untersteiermark (iuxta So warn) noch „Marchia“ 1025 wird die Cillier, 1125 die Pettauer Gegend so genannt, hatte aber in dieser Zeit schon die teilweise Bedeutung von: Mark, Grenze, — namentlich der Bodenformation wegen, da längs des ganzen Ostens von Steiermark das gebirgige Gebiet in das flache (ungarische Tiefebene) übergeht. Es ist daher zweifellos, daß dieses „Marchia“. aus gleichen Gründen hervorgegangen ist, wie die „March“ in Mähren. — Den Stamm „mor“ und „mar“ führen aber auch Hunderte von Ortschaften, die durchwegs an Flüssen oder in Tiefenlinien liegen, so z. B. Marburg (Marchburg) slov. Maribor, Mahrenberg, Mautern (im Nibelungenliede noch Maren), Marein, Mahrn, Moreč, Mariseben, Meeren u. v. a. Auf diese Weise, d. i. durch genaue Beobachtung der geologischen Verhältnisse und mit der Anpassung der vorhandenen topographischen Namen daran, die doch seinerzeit auch nicht ohne Grund gegeben wurden, läßt sich Wesentliches zur Rekonstruktion des Bildes, wrie unsere heutigen Gebiete in der vorhistorischen Zeit ausgesehen haben, beitragen. Ebenso, wie in „Mähren, March, Marchia“ ist aber auch im Volksnamen „Mauren“ der Begriff „morje“ enthalten uifld bezeichnete man damit jene Dunkelfärbigen, die von Afrika (Mauretanien, auch Morenland) nach Europa (Spanien) kamen, also vorwiegend die Araber. Diese dürften durch den Seehandel mit den Slaven bekannt geworden und von ihnen als jene, die „übers Meer kommen“ bezeichnet worden sein. Der Slovene nennt sie noch heute „zamorc“ (= der hinter dem Meere Wohnende, auch Neger), der Russe „MOpt“ der Čeche „mourenin“, der Italiener „moro“. Der Deutsche hat keine eigene Bezeichnung hiefür, denn das Wort „Mohr“ ist zweifellos ein Slavismus. Die häufigen, mit „morje“ zusammenhängenden etuographischen Namen als: Pommern (Pomoržani = die längs des Meeres Wohnenden), Primorci in Istrien (= die beim Meere Wohnenden), Morisker (Bewohner von Mauretanien), Mauren (vornehmlich die arabischen Spanier) die Halbinsel Morea (etwa: das Land im Meere) lassen darauf schließen, daß einst die Slaven sehr ausgebreitet waren, denn, wenn auch eingewendet werden würde, daß diese Namen dem lateinischen „mare“ entstammen, so ist diese Einwendung mindestens beim Namen „Pomoržani“ (Pommern) bei dem Umstande, daß auf dieses Gebiet die Römer niemals einen Einfluß übten, völlig unmotiviert. Eine analoge Wortbildung finden wir auch beim Heiligenuamen Mauritius, der aus Ägypten nach Spanien kam, und im Deutschen zu „Moritz“, im Cechischen zu „Moric“ wurde. Daß Belizar i. J. 534 dem Reiche der Vandalen mit seinen Truppen, die aus den Völkern der Balkanhalbinsel zusammengesetzt waren, in Afrika ein Ende machte, mag ja geschichtlich richtig sein, daß aber bei dieser Gelegenheit die darunter befindlichen siavischen Krieger irgendeinen Einfluß auf die Namengebung ausgeübt hätten, ist schon deshalb abzuweisen, weil der Name „Mauretanien“, der auch „morje“ zur Grundlage hat, schon Jahrhunderte vorher bekannt war und Mêla (III, 90) den heutigen Gibraltarfelsen „Skala Hannibalis“ nennt, worunter auch schon die siavische Bezeichnung „Skala“ (=Fels) besonders zum Nachdenken herausfordert. Es müssen die sogenannten Kelto-Iberer, welche die pyre-näische Halbinsel besiedelten oder wohl autoehthon bewohnten, Slaven, oder wenigstens Slaven-Mischlinge gewesen sein. Überdies sind auf diesem Gebiete viele sonstige topographische Namen slavischer Provenienz vorzufinden (vergl. : Lusitanien, den alten Namen von Portugal mit Lužice (Lausitz) = nasse Gegend), sowie auch die Sprache des uralten iberischen Volkes der Basken eine Menge ausgesprochen slavischer Ausdrücke aufweist. Deutsche, Nemeter. Die Etymologie des Wortes „deutsch“ gibt uns in Bezug aut die Entstehung einen wesentlich anderen Schluß, als wir ihn durch die bisher autoritative Erklärung G-rimm’s kennen. Die Slaven haben die in ihren festen Wohnsitzen auftauchenden Germanen anfänglich als „tuj, tujec, tujci“ (= peregrinus, fremd) bezeichnet; aus diesem Grunde werden sie später selbst, u. z. im Althochdeutschen „diutisc“ und „tiusch“, im Altsächsischen „thiudisc“, im Altniederländischen „duitsch“ genannt.*) Dies bestärkt auch die Hypothese, daß die Slaven schon längst in Westeuropa ansässig gewesen sein mußten, wenn sie die Deutschen so benannten, weil man in keiner anderen Sprache eine hiezu anpassungsfähige Wurzel in der Form „tujec, tujc“ (der Fremde) findet. Überdies wäre es eine Anomalie und Unnatürlichkeit, wenn etwa der Zugewanderte den festen Ansiedler einen „Fremden“ nennen würde, sondern umgekehrt, und läßt dies wohl den klaren Schluß zu, wer daselbst zuerst wohnte. Im Begriffe „deutsch“ ist aber auch der ohnehin nichtdeutsche Laut „c“ (tsch) auffällig, und daß er sich gerade in der Bezeichnung „deutsch“ vorfindet, dies ist umso überzeugender, daß er fremden Ursprungs sein muß. Übrigens sind anscheinend alle deutschen Wörter mit „c“ fremden Ursprungs; vergleiche: Peitsche, Kutsche, Bratsche, Kartätsche u. a.; sonstige gebräuchliche deutsche Wörter mit diesem Laute entbehren aber jeder tieferen Bedeutung, da sie meist Naturlaute wiedergeben und *) Im bayrischen Dialekt hatte „deutsch“ auch die Bedeutung „Teufel, böser Geist“; weil aber in der Umgebung von Laibach die Slovenen das Wort „taj6“ in demselben Sinne gebrauchen, scheint es, daß dieser Begriff seinerzeit mit den deutschen Kolonisten in Krain Eingang fand und diese Bedeutung annahm, als sich ein gewisser Antagonismus zwischen dem Stammvolke und den Einwanderern entwickelte. vielfach nicht der Schriftsprache angehören; vergleiche: hatschen, quatschen, quitschen, tratschen, pfutsch, lutschen u. a. Grimm behauptet auch, daß man „diutisc“*) in der Bedeutung „volkstümlich“ gebrauchte. Das ist vollkommen glaubwürdig, weil „diutisc“ nur ein substantivisch gebrauchtes Adjektiv ist, dem etwa noch „Leute“ anzuschließen käme; ein ganz ähnlicher Fall bietet sich auch in der slovenischen Sprache, wo „ljudski“ sowohl „volkstümlich“ aber auch „fremd“ zugleich bedeutet, welcher Begriff aber sonst mit „tujec, tuj“**) nicht sprachlich verwandt ist. Die Bezeichnung „deutsch“ seitens der Slaven ist wohl schon uralt, und war der ursprüngliche Yolksname, wie ihn uns die Börner, äußerlich an ihre Sprache zugeformt, erhalten haben: „Teutonen“. Die Mythe erzählt zwar, daß Tiusco, ein Sohn des Kriegsgottes Tiu, der auch den Beinamen Wodan’s bildet, der Stammvater der Teutonen sei. Dies ist eine aus der Erklärungs-Verlegenheit hervorgegangene, posthume Erdichtung, weil man sich die Frage der Namensentstehung nicht anders beantworten konnte. Diese Erklärung heischt aber die Beantwortung der Frage, weshalb die Germanen von den Slaven „Fremde“ benannt wurden. Nach den neuesten Ergebnissen der Forschung sei die Urheimat der Germanen im hohen Norden Europas zu suchen. Die Geschichte behauptet wohl, das der Volkstamm der Teutonen sowohl vor als auch nach der Niederlage bei Aquae Sextiae i. J. 102 *) Lange iehlte auch die Entscheidung, ob es richtiger sei „teutsch“ oder „deutsch“ zu schreiben, Grimm endete diesen Streit damit, daß er entschied „teutsch“ sei niedersächsisch, „deutsch“ aber hochdeutsch, daher das letztere das richtigere sei — wie die Etymologie zeigt, ein sprachlich unrichtiges Schlußwort! **) Daß sich in das Wort „tujci“ später ein „e“ einschob, ist im Deutschen etwas gewöhnliches, da die Sprache die Diph-tonge bevorzugt; vergleiche: Peitsche aus „biü“. Reußen aus „Rusi“, Leute aus „lid“, Mauer aus „murus“ u. s. w. v. Chr. in Holstein seßhaft war, doch ist dies stark zu bezweifeln, denn alle älteren topographischen Namen in Holstein sind slavischen Ursprungs. — Am wahrscheinlichsten ist es, daß der deutsche Volksstamm sich bei seiner nördlich begrenzten Entfaltung südwärts ausbreitete, dort auf die autochthonen Slaven stieß, welche die alten Schriftsteller als ein überaus zahlreiches Volk anführen, und erhielt jener bei dieser Gelegenheit den natürlichen und zutreffenden Namen „Tujci“ (Fremde).*) Dieses Aufstoßen der Deutschen an die Slaven kann aber zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Punkten geschehen sein, daher die Slaven für dieselben je nach der Situation auch noch die Namen: Nemeter (Nemci), Bojer, Bojuvaren und Germanen gebrauchten, welche Bezeichnungen alle der slavischen Sprache angehören. — Sie nannten die Deutschen „nemci“ (Nemeti des Tacitus) von „nem“ = stumm, oder dessen Bede man nicht versteht. Daß „Nemci“ und „Tujci“ dasselbe Volk bezeichnete, darin bestärkt uns auch noch der russische Chronist Nestor (f 1116), der da erzählt, daß „nemec“ soviel bedeutet, als „nemec“ und „tujec“ zugleich, a'so einen „Fremdsprachigen“, — ein Zeichen, daß damals die parallele Entstehung der beiden Namen noch fühlbar war, daß aber die Bedeutungen sich schon deckten. Während nun die einen friedlich kamen, dürften andere Gruppen den Slaven mit Gewalt entgegengetreten sein, woher wohl der Name „Bojer“ und „Bojuvaren“ (== Kämpfer**) für diese stammen können. Ob aber der Name „Germani“, auch „Krieger“ bezeichnet, wie Leo und Grimm behaupten, möchte ich schon deshalb in Zweifel ziehen, weil das Kriterium der Namensentstehung *) Zur weiteren Fundierung dieser Ansicht sei noch erwähnt, daß der südwestliche Kroate den Deutschen auch „Tudesak“, den Fremden (tugj = fremd) nennt, woraus sich auch die italienische Bezeichnung todesco, tedesco für deutsch entwickelte. **) Der Slave hat sich diesen Namen in der Bezeichnung „bojar“ (ursprünglich — Kämpfer, Kriegsheld) bis heute erhalten. als ein zu ephemeres erscheint. Es obwaltet die Ansicht, daß man es hier mit dem keltischen Worte „garmvyn“ = Schreier, schreiender Kämpfer) zu tun hat. Ist diese Entstehungsart richtig, dann ist jenes vermeintlich keltische Wort wieder nur das altslavische und auch noch heute gebräuchliche „grmljani“ (= die Donnernden), denn die Art, wie Tacitus den Kampf der alten Deutschen schildert, berechtigt einigermaßen zu dieser Auslegung; die Einleitung des Kampfes geschah nämlich damit, daß sie mit großem Getöse dem Gegner nahten und den Lärm durch das Heulen in die konkaven Schilde nogh erhöhten, was für den Beginn des Kampfes imponieren oder doch befremden mußte, denn Caesar schreibt, daß seine Legionen beim Kampfdebut mit den Germanen aus diesem Grunde beinahe die Flucht ergriffen hätten. Einen reellen Wert hat diese Auslegimg aber absolut nicht. Sachsen. Das heutige Sachsen (im Altertum „Saxonia“), ein an Nadelholzwaldungen auffallend reiches Gebiet, erhielt aus diesem Grunde von den Slaven den Namen „Sasko“ (die Fichtengegend nach russ. COCHa = die Fichte, slov. sosen = die Tanne, cech. sosna = die Tanne (Lokalismus). Es scheint, daß bei den alten Slaven kein genauer Unterschied zwischen pinus picea und pinus alba eingehalten wurde, obschon spezialisierende Namen bekannt waren, was ja heute auch nicht anders ist, denn die Wenigsten unterscheiden genau zwischen den beiden Baumgattungen. Für diese Erklärung des Namens „Sachsen“ spricht noch der Umstand, daß sich hier auch das „Fichtel-Gebirge“ mit dem „Fichtelberg“ befindet.. Sch lesien. Die beiden Provinzen „Schlesien“ (im Altertume „Silesia“) haben den Namen von der Arzneipflanze „Eibisch“ (althaea officinalis und rosea), sind sonach gleichbedeutend mit „Eibischgegend“. Der Eibisch heißt in allen slavischen Sprachen gleich, so: altsl. CAfet, russ. CJlH3i>, poln. slaz, serb. siez, slov. siez. Man glaubt, daß das Land vom Flüßchen Sleza, jetzt Lohe, den Namen erhielt; ist dies der Fall, so ändert sich die obige Behauptung nur insoferne, als sodann der erwähnte Fluß den Namen nach der eibischreichen Gegend, welche er durchfließt, erhielt. Tatsache ist, daß die offizineile Pflanze in diesen Gegenden noch heute einen verhältnismäßig einträglichen Handelsartikel bildet; wahrscheinlich nannte man auch jene Leute, die mit diesem weitbekannten Arzneimittel Handel trieben, „Slezi“ oder „Slezci“. Unsere Altvordern waren bei Krankheitsfällen lediglich auf sich angewiesen, deshalb auch in der Kenntnis der Heilpflanzen sehr erfahren, legten daher, wie die Hunderte topographischer Namen botanischen Ursprungs beweisen, dem Fundorte eines solchen Arzneikrautes gleich den Namen der Pflanze behufs leichterer Orientierung bei; da es ja früher auch keine Apotheken gab, setzte man von einer fürsorglichen Hausfrau stets voraus, daß sie sich zu jeder Jahreszeit entsprechende Vorräte schaffe.") *) *) Auffallend ist es, daß sich der Ortsname mit dem Wurzelworte „siez“ nur in den nördlichen Provinzen Europas wiederholt vorfindet, obschon die südlichen Bewohner die Eibischpflanze auch kennen ; die Erklärung dürfte darin zu suchen sein, daß letztere als schweißtreibendes Hausmittel eine andere Arzneipflanze, vielleicht den Weiderich (Epilobi ira angustifolium) verwendeten. Russen, Preussen. Es ist eine allgemein verbreite, wissenschaftlich ausgesprochene Ansicht, es hätten die Russen ihren Volksnamen von den „Ruodsen“ (= Ruderern) erhalten, welche i. J. 891. n. Chr. in der Schlacht bei Löwen geschlagen, sich an die Küsten des baltischen Meeres flüchteten und daselbst eine neue Heimat gründeten. Dieses, sowie eine zweite Erklärung, die Bezeichnung stamme von dem Gründer der russischen Monarchie, Rurik, gehört vollends in das Reich der Sage Die Russen wurden von den benachbarten Slaven nach ihrer Haarfarbe „rusi“ (altslov. rus. = flavus) die „Blonden“ genannt. Tatsächlich sind die Weißrussen noch heute flachsblond, im Gebiete von Minsk gibt es sogar auffallend viel Albinos, und wurde ihnen wohl aus diesen Gründen deutscherseits später auch die Bezeichnung „Weißrussen“ beigelegt; war aber in diesem Falle die Haarfarbe maßgebend, weshalb soll sie es beim Grundnamen nicht gewesen sein! Überdies kann der Begriff „rus“ auch „rotblond“ und zugleich nach mancher Dialekt-Auffassung Menschen „mit großem Vollbarte“ (Longobardi?) bezeichnen. Der Volksname „Preussen“ ursprünglich Porusi, Borussi, slav. Prusi, ist wohl nur eine Zusammensetzung von „rusi“ mit dem Adverb „po“ (in der altsl. Bedeutung „nimis = allzu), wonach man darunter „sehr blonde“ oder „hellblonde“ Bewohner zu verstehen hat. Die landläufige Behauptung, daß nur die Germanen blond waren, ist eine unbegründete und einseitige; Tatsache ist, daß bei den Nordslaven, wie: Cechen, Wenden*) *) *) Im Spreewalde findet noch jetzt jährlich ein Haarmarkt statt; die Wendinnen verkaufen dort ihr blondes, reiches Haar, — das gesuchteste und schönste, welches käuflich zu erwerben ist — um einen ziemlich hohen Preis (durchschnittlich 70—90 Mark). Nord- und Weißrussen die blonde Haarfarbe noch heute, trotz Mischungen, stark vorherrscht, Daß bei der Bezeichnung eines Yolksstammes die typische Haarfarbe maßgebend sein konnte, ist sehr naheliegend, da ja dies jedermann zur Äußerung herausfordert, der selbst nicht so gefärbt ist. Ein Teil der Russen führte einst auch den Namen „Roxolani“, und verlegt man deren Wohnsitze zumeist nach Schweden und an die Mündung des Njemen; bei den Finnen gebraucht man angeblich noch jetzt den Namen „Rossolain“. Der älteste slovenische Gelehrte, Sigmund Baron Herberstein, ein gründlicher Kenner Rußlands, behauptete schon um das Jahr 1549, daß auch die Al aräger Slaven waren, und war um diese Zeit jene Behauptung weit begründeter als heute, da die Beweise jünger waren. Es kann dies ja auch nicht anders sein, denn zum mindesten sprechen die Namen dafür. Die „Roxolani“ (Rossolani) sind jene nördlichen Bewohner Rußlands und Skandinaviens, die mit dem Salze des Polareises Handel trieben; dieses Salz heißt in allen siavischen Sprachen „razsol, razsola“; und die Händler mit diesem Salze wurden folgerichtig auch „Razsolani“, woraus „Roxolani“ wurde, genannt. — Die „AVaräger, Waranger, hießen bei den Griechen „Uaoayym“, was wohl nur aus CDgccy/.iu, slav. Vranci, Voronci entstanden sein kann und Leute mit dunklen Haaren bezeichnete.*) Die byzantinischen Chronisten zählen auch die „Dro-miten“ zu den Russen, was auch richtig zu sein scheint, denn so nannte man jenen Teil derselben, welcher die bewaldeten Gegenden des nördlichen Rußland bewohnte (nach Äpoirt) = Dickicht, Windbruchstelle, Waldblöße). — AVenn daher die sonstigen Slaven die Russen als Roxolanen, AVaräger, Dromiten bezeichneten, so waren diese eben Teile der russischen Slaven, und dürften diese Namen ebensolche topographische Entstehung haben, wie '■) Siehe Artikel: Franken. man heute im besonderen Bayern, Sachsen, Hessen u. a. kennt und unterscheidet, und doch sind alle der Sprache nach Deutsche und Bewohner von Deutschland. — Man darf nie die Vorstellung außerachtlassen, daß die einzelnen geographischen Begriffe einst einen sehr geringen territorialen Bereich umfaßten, und daß nur aus irgendeinem zufälligen oder für uns heute nicht mehr erkennbaren Grunde ein Name später die Superiorität über einige Nachbarnamen erlangte. So erzählt Moses von Chorene (7. Jahrh.), daß es in Thrakien allein zu seiner Zeit 25 slavische Stämme gab, die jeder für sich einen eigenen Namen führten, da es einst an der Erkenntnis der sprachlichen Zusammengehörigkeit wie an einer größeren geographischen Übersicht mangelte. Franken. Zum Unterschiede von den blondhaarigen Völkern nannte der Slave jene von dunkler oder schwarzer Haarfarbe allgemein „vranci“ (vom altsl. Bparri = niger). Daß aus dem „Vranci“, später „Franci, Franki“ wurde, ist dadurch begründet, daß es im althochdeutschen Alphabete noch kein „F“ gab. Daß daher Samo, der um 630 n. Chr. das große Slavenreich gründete, ein Franke, daher nichtslavischen Ursprungs war, ist damit keineswegs bestätigt denn die fränkischen Herrscher hatten viele slavische Untertanen, daher sie auch wohl selbst slavisch gekannt haben werden; von Otto I. (936) sagt "Widukind (Rer. gest. Sax. II. 36) ausdrücklich: Rornana lingua Slavanicaque loqui seit. Ein Analogon betreffs der Anfangsbuchstaben findet man auch beim Ortsnamen „Vransko- in Untersteiermark, welches im Deutschen zu „Franz“ wurde, ohne daß etwa der Kirchenpatron, — dieser ist der hl. Michael — dabei maßgebend gewesen wäre; desgleichen „Vranov“ zu „Frain“: „Vranov“ zu „Franowa“. Kroaten. Es ist gewiß kein Zufall, daß sich der Name Karpaten, Chorbaten, Charwaten u. ä. um die ganze ungarische Tiefebene erstreckt. Die „Karpaten“ als Gebirge umfassen im weiten Halbkreise nördlich und östlich, zum Teile auch nordwestlich, die „Horvati“ (Kroaten) als Volksstamm südlich und noch westlich — bis zum Eintritte der Drau auf das ungarische Gebiet — die erwähnte Ebene; die östlichen Grenzgebirge Steiermarks und Niederösterreichs führen zwar nicht etwa den Namen ,,Karpaten“, es sind aber längs der ganzen Linie noch kroatische Ansiedlungen vorhanden, welche bezeugen, daß auch dieser Teil mit dem Namen in einem organischen Zusammenhänge steht. — Die ungarische Tiefebene wrar einst, wie die geologischen Verhältnisse dartun, ein Meer; als dieses zu schwinden begonnen, bildete dasselbe noch lange Zeiten hindurch eine feuchte Gegend mit einzelnen Seen (wie z. B. Plattensee*), Neusiedlersee). Da aber der alte Slave eine nasse, sumpfige Gegend „korba“ nannte, erhielten die Grenzgegenden samt ihren Bewohnern den Namen „Korbati“, was sonach „Ufergebirge“, Ufer-bewohner“ bedeutet. — Das Grundwort „korba“, welches sich bis heute nur noch im Russischen erhalten und auch die Bedeutung wesentlich nicht geändert hat, kommt auch in sehr vielen topographischen Namen, wie: Korpula, Skorba, Karwin, Charvin u. a. vor, welche alle entweder an einem Gewässer liegen oder deren Dorfflur mindestens einen nassen Bodencharakter hat.**) *) Der Plattensee hieß ursprünglich wohl „Blato“, wie der Balkanslave noch heute einen See mit wechselndem Wasserstande nennt; den See „Blatno jezero“ zu nennen, wie es jetzt bei den Slaven gebräuchlich ist, enthält eine Tautologie. **) Am Oberlaufe der Weichsel wohnten einst die „Bialo-chorwati“ (Weißkroaten), welche den Unterscheidungsnamen wohl ihrer Haarfarbe zuzuschreiben hatten. Serben. Die Etymologie dieses Volksnamens dürfte wohl zu wenig motiviert erscheinen, da sie aber natürlich ist, veröffentliche ich sie trotzdem, weil sich dadurch möglicherweise doch eine weitere Klärung ergibt. Im Altslovenischen heißt „Bp'BB'BHB“ = rot, poln. ezervony, cech. cerveny, lün. pol. cervjeny. Alle diese Bezeichnungen haben aber das altslov. „ip'BB’B“ (= Wurm) zum Stamme und scheint bei beiden Begriffen folgender Zusammenhang zu bestehen. Der Farbname bezieht sich im Norden auf die polnische Lackschildlaus (porpliyrro-phora polonica, polnische Kochenille, russ. ’iepBeg'B), welche in früheren Zeiten den Farbstoff der jetzigen Kochenille ersetzte und einen wichtigen Handelsartikel abgab, weil sie allein zur Entfärbung der Wolle, des Leinen und sonstiger Stoffe diente. Es scheint, daß es zwei Ernten jährlich gab: die Haupternte im Juni (daher das Insekt, wahrscheinlich seit der christlichen Zeitrechnung „Johannesblut“ hieß), die zweite, die geringere, etwa eine Nachlese, im Juli. Das ist wohl auch die einzig richtige Erklärung, weshalb die Cechen den Monat Juni „cerven“, die Polen „czerwiec“, den Juli „cervenec“ nennen, da in diesen beiden Monaten das den roten Farbstoff liefernde Insekt auftrat und gesammelt werden mußte; deshalb ist auch die Zeitgradation des Erscheinens dieses Insektes in den beiden Monatsnamen mnemotechnisch zum Ausdrucke gebracht, wie dies auch bei den meisten anderen Monaten der Fall ist. In den südlichen Ländern diente zu gleichem Zwecke das Weibchen der Kermesschildlaus (Coccus ilicis), welches den gleichen karminfärbigen Stoff enthält, wie die echte Kochenille; die Farbe ist allerdings weniger schön, aber echter. Als die Kunst den Purpur zu färben angeblich verloren gegangen war, — wahrscheinlich hat man der Purpurschnecke derart zugesetzt, daß sich die Suche nach derselben nicht mehr lohnte, — da wurde die vom erwähnten Insekte gewonnene Farbe ein wichtiger Handelsartikel. Es muß aber in späterer Zeit, als der rote Farbstoff in der Färberröte (Krapp, rubia tinctorum), einer Pflanze der Mittelmeerländer, entdeckt wurde, die Gewinnung der tierischen Farbe aufgegeben worden sein. Heute verwendet man auf der Balkanhalbinsel dort, wo man nicht bereits chemische Farben benützt, zur Färbung von Reit- und Regenmänteln (struka), Satteldecken, Zaumquasten, Teppichen, soweit letztere rot sind) nur die Krappwurzel. Da aber die Entdeckung der roten Schildlaus auf der Erde leichter war als die rotfarbende Krappwurzelrinde unter der Erde, ist es sicher, daß der Name „cerven“ bereits aus dem ursprünglichen Farbobjekte hervorgegangen ist, denn die Färberröte heißt bei dem Südslaven „broc“, wonach auch die Fundorte als Brocno, Brotnje, Brotnjak, Brocanac u. ä. benannt sind. Nachdem aber der rote Farbstoff nicht überall vorhanden ist, die Färberröte sogar einen mehrjährigen Gährungsprozeß durchmachen muß, um intensiver zu wirken, daher die Farbe auch nicht gleich zur Hand ist, entwickelte sich damit ein reger Handel und dürften jene Händler, die diesen Artikel von Haus zu Haus betrieben, im Munde der Slaven als: Cerveni, Cervi, Serbi, Czorweny, Sorbi u. dergl. benannt worden sein, welche Namensformen dann noch von den Nichtslaven, besonders in der schriftlichen Darstellung, Änderungen erfuhren.*) Es kann sonach dieser Name allen jenen gegeben worden sein, die mit dem roten Farbstoffe handelten, was auch glaubwürdig ist, denn die Serben stehen noch heute im Rufe hervorragender kaufmännischer Talente. *) Die Form „Serbi“, sowie „Servi“ (wobei die Labiales wechselten), dürfte Veranlassung geboten haben, daß man aus „Servi“ im Wege der Übersetzung „Sklaven“ erhielt, da man dieses Wort für ein lateinisches nahm, und dies später noch unwissender — oder boshafterweise — (iahin erweiterte, daß „Slave“ und „Sklave“ identisch seien. Wir finden hier auch eine Analogie mit den bereits beschriebenen „Schlesiern“ und „Cassiteriden“ und haben noch heute in den „Gottscheern“ (Kočevarji) dasselbe Verhältnis, denn man versteht darunter nicht allein den Bewohner der „Gottschec“, sondern auch jeden ambulanten Südfrüchtenhändler, ohne Rücksicht auf dessen Heimat. Daß der Begriff „cerveni“ auch ein alter ist, wissen wir aus Mela (II, 54, III, 89), welcher von „Cerauni montes“ (heute „Cervanj planina“ in Bosnien) spricht, was „rotes Gebirge“ bedeutet. In den nördlichen Provinzen haben sich sogar Kamen erhalten, welche auf den Fundort des erwähnten Farb-insektes schließen lassen. Das Kirchdorf Zarpen im Holsteinischen hieß noch i. J. 1221 Serben, 1263 Cerben, 1274 Scerben; gleichfalls daselbst „Zerben“ in der früheren Schreibweise: Czerven; „Pritzerbe“ in Brandenburg hieß zuvor: Pricervi (richtiger „pri cervich“); die Länderei „Zerbsterbrook“ bei Oldenburg bezeichnet die Gegend, wo die Lackschildlaus vorkommt als „červištje"*) Auch hier muß bei irgendeinem Schriftzeichenwechsel eine Umwandlung des „C“ in „S“, — ähnlich wie das „H“ in „N“ bei Noricum — stattgefunden haben, denn die cyrillische Schrift kennt „0“ nur in der Aussprache „S“, was mit der Zeit den Namen „Cerveni“ in „Serbi“ umformte. Die Begriffe „Kroaten“ und „Serben“, die heute bei den nationalen Partikularisten als Extreme ohne Aussicht auf Berührung angesehen werden, haben mit der Differenzierung von Sprache, Schrift und Religion nichts zu schaffen. Die Bewohner um die große Tiefebene hießen von altersher in topographischer Hinsicht stets „Kroaten“; alles übrige sind ethnographische Teilbegriffe, die sich mitunter auch mit den topographischen decken, und be- *) Nach Dr. Bronisch, Die slav. Ortsnamen in Holstein und im Fürstentum Lübeck. Sonderburg 1903. zeichnet eben der Name „Kroate“ den Bewohner nächst der Ebene, die einst See oder Sumpf war; der „Rasce, Rascan“ den Bewohner der Eichengegenden (rast = Eiche); der „Vlah“ den Walker der Schafwollgewebe sowie Hirten; der „Serbe“ den Händler mit rotem Farbstoffe; der „Bosnier“ den Viehzüchter auf den Weideplätzen längs der Bosna (bus, busovnik = Weideplatz), busna (voda) = das Wasser, welches durch Weideplätze fließt u. s. w. Wenn aber der Slavist Miklosich die Kroaten und Serben auf grammatischen Wege trennt, so muß man dies als sehr gewagt bezeichnen, den für ethnographische Begriffe können nur Wohnort, Beschäftigung, Erwerb, dann sonstige Äußerlichkeiten maßgebend sein, niemals aber sprachliche Nuancen, da dies der Vorstellung des Naturmenschen rundweg widerspricht, weil diesem die Namen das physische und nicht das geistige Auge diktiert. — Jene autoritativ gefällte Entscheidung rief wohl nur deshalb eine unerwartete und dabei so sinnlose Entzweiung hervor, weil sie eine unnatürliche, daher auch keine überzeugende war. Alte Gebirgs- und Flußnamen. Die angeführten ethnographischen Namen dürften den eingangs aufgestellten Behauptungen wohl schon eine mäßige Stütze bieten; außerdem sind auch viele bekannte Gebirgszüge und Höhen mit Namen versehen, deren slavischer Ursprung ziemlich offenkundig ist. Nebst den bereits erwähnten: Tauern, Karpaten, Karnischen Alpen, Rhätikon, Cervanj planina — wären noch anzuführen: die „Apeninnen“ (von slav. „apno“ = Kalk, sonach „apnene göre“ = Kalkgebirge, was auch geologisch richtig ist); der „Schwarzwald“ hieß bei den Römern „Abnoba“, was wohl auch aus „apnova“ (ergänze: gora) entstanden sein dürfte; es gibt ein „Ossa“- Gebirge in Griechenland, an der böhm. bayrischen Grenze, in Bosnien, Steiermark und in Portugal; der Name kann nur desselben Ursprungs sein und bedeutet im Slavischen „ost. osa“ = (etwas Spitzes), also ein Gebirge mit spitzen Formen. Von den Gewässernamen seien nur erwähnt: die bei Münster entspringende und in den Niederlanden mündende „Veelit“, römisch „Vidrus“ genannt; der Name stammt von dem auffallenden Fischotter-Reichtum (vidra = Fischotter) dieses Flußes; — einzelne Schriftsteller nennen auch die Oder „Yiadrus“, welcher Name denselben Ursprung hat.*) .. „Lava“ ist ein fließendes Gewässer, welches ein versumpftes Gebiet passiert; der, Ausdruck ist in diesem Sinne bei den Slovenen noch heute gebräuchlich; lavite bedeutet lettisch: schleichen, langsam fließen, daher Laba, Lava = ein langsam fließendes Gewässer. — In Europa gibt es über hundert Flüsse und Bäche namens „Bistrica“, welchem Namen das slavische „bister“ (== rasch fließend) also Gegensatz von „Laba“ zu Grunde liegt. Die Römer hatten dafür die Form „Bustricius“ und „Hister“. Die Donau selbst führte im Unterlaufe diesen Namen. — Die meisten Slavisten glauben, daß der Name„ Donau“ keltischen Ursprungs sei; dieses ist ein entschiedener Irrtum. Abgesehen von der altindischen Sprache, wo „dhuni“ = Fluß bedeutet, heißtim Siovenischenj noch heute „tonja“ — eine tiefe Stelle im Wasser, im Litauischen „dunojos“ — fließendes Gewässer, „tohü“ im Russischen — tiefes Wasser, ein Platz im Fluße, wo man große Fische fangen kann, also durchwegs Bedeutungen, die an ein größeres Gewässer anspielen. Die Bezeichnungen : Danubius, Dunaj, Donava, Donau beweisen uns auch, daß die Flüsse" Don, Dunajec — denselben sprachlichen Ursprung haben müssen. — Der Sumpfsee „Lugeum“ am „Okra-Passe“ in Krain ist wohl bei den Römern aus dem Worte „luza“ (= Sumpf) *) Mela nennt zwar die Oder „Solinus“. aber dies ist sicherlich eine Verwechslung mit der „Saale“. entstanden, und ist damit der intermittierende „Cirknitzer See“ gemeint. — Der „Lacus lausanicus“ (Genfer-See) ist ebenso wie der daraus hervorgegangene Name der Stadt „Lausanne“ aus „luža“ abgeleitet Es ist auch auffallend, daß der gleiche Name immer auf gleichartige oder organisch zusammenhängende Terrainobjekte umfaßt; so bezeichnet „Bistrica“ immer ein rasch fließendes Wasser, oder höchstens eine Ansiedlung daran, nie aber z. B. einen Berg oder See. — Man kennt eine Menge Namen „Kiek, Klöck“ u. a.; sie bezeichnen alle ausnahmslos Gebirgskuppen,die auffallend guten,zum Kalkbrennen geeigneten Kalkstein besitzen; der Herzegovze und Montenegriner nennt aber noch heute den ungelöschten Kalk: klak, kiek. — Der Name „Karwin“ ist als großes Steinkohlenlager in Ost. Schlesien bekannt; es haben aber auch alle sonstigen Namen dieser Art Kohlenlager,, wenn solche heute auch nicht geöffnet sind; so ist Carvin in Frankreich eine Kohlengrube im Abbaue;*) die Ortschaften Skorba, Korpa, Skorblje (Skrblje) in Untersteiermark liegen alle auf ungeöffneten Kohlenflötzen, was daraus zu schließen ist, daß Bohrungen in der Umgebung diese Behauptung bestätigten. Wie hat sich nun dieser Name erhalten, der an etwas anknüpft, was in der Tertiärzeit zum letztenmale zu sehen war, seither aber von mehrweniger mächtiger Schichtung bedeckt ist. Hat da nicht der Mensch den Zusammenbruch der großen Farnwälder noch mitangesehen und in der konstanten Überlieferung unbewußt den Verkohlungsprozeß derselben erlebt, denn „korb, karb“ bedeutet im Russichen, wo sich das Wort noch erhalten hat, nicht etwa „Kohle“, sondern ein „nasses Gebiet, einen Sumpfwald?- — So kam es vielleicht auch, daß der Kohlenstoff „Carbon“ die Kohle „carbo“ benannt wurde, weil der erste Fundort ähnlich lautete. *) Für Charbin in der Mandschurei konnte ich bisher keine Sicherheit erlangen, ob sich dort gleichfalls Kohlenlager befinden. Daß in jedem Namen ein Stück Wahrheit steckt und daß der Volksinstinkt nur deshalb nicht irrt, weil er den Zusammenhang von Einst und Jetzt niemals verloren oder unterbrochen hat, möge noch folgendes Beispiel zeigen. Den Geologen befremdet es leicht, wenn er in einer Gegend einige vulkanische Gesteinsfragmente findet und sich diese in einem ganz fremden Milieu nicht erklären kann; weiß er aber, daß sich in der Nähe eine kraterartige Vertiefung befindet, die z. B. der Slovene: „zega, zekno, zegar“ (Krater, auch Öffnung des Schmelzoder Kalkofens) nennt, so erhält er damit die Bestätigung, daß hier einmal ein vulkanischer Berg war, und daß diesen der Mensch selbst noch gesehen haben muß; und dies war wohl nicht im 5. oder 6. Jahrhunderte n. Chr. Geb., sondern aller Wahrscheinlichkeit nach noch in der Tertiärzeit, so wie es unbedingt abzuweisen ist, daß diese Erkenntnis den geognostischen Kenntnissen des primitiven Gebirgsbewohners entsprossen sei, wenn sie schon einen Fachgeologen vor ein Rätsel stellt. Die Forschung auf dieser Basis dürfte übrigens noch ganz ungeahnte .Resultate für die Ur- und Kulturgeschichte des Menschen hervorrufen. Da aber ein einzelner nicht so leicht, unbeschadet seiner Berufspflichten oder selbst unter großen Zeit- und Geldopfern, einem Gegenstände nachforschen kann, der z. B. räumlich in ganz Europa verteilt ist, so kann dies nur durch eine gewissenhafte Zusammenarbeit verschiedener Forscher erreicht werden. Ich glaube z. B. daß die Namen : Konjica, Konjice, Konice, Koniec, Koniaczow u. a. nichts weiter als „Pfahldorf“ bedeuten, denn im Kroatischen und Serbischen bedeutet noch heute „konjic“ einen Pfahl.*) *) Es ist möglich, daß die Namen „Stuparji, Stupice, Stupno“ u. ä. gleichialls einen Pfahlort bezeichnen (stup, slov. Pfahl). Er. Bronich nimmt in seinem Werkchen „Die slav. Namen in Holstein und im Fürstentume Lübeck“ auch an, daß Gikau (1-265 Cycowe, 127L Gygkowe) sowie: Kiekow, Kikowo, Kijewo nach (kij - Stab, Stock, Pfablschlögel) auf einen Pfahlort Tatsächlich liegen alle diese Ortschaften tatsächlich in Tiefenlinien, an Flüssen, Bächen oder nassen Stellen; ob sie aber wirklich Pfahlbauten hatten, das müßten erst Ausgrabungen feststellen, und gehört hiezu auch einiges Glück, um auf dem richtigen Platze das Graben zu beginnen, wenn die Voraussetzung überhaupt richtig ist. — Vom Begriffe „konj“ (Pferd), wie diese Namen meist ausgelegt werden, stammen sie entschieden nicht, da diese Namensentstehung nicht nur ganz unnatürlich sondern auch anachronistisch wäre, denn das Pferd scheint erst in der historischen Zeit in Mitteleuropa Eingang gefunden zu haben, daher kein Urtier war, weil die prähistorischen Funde keine Pferdeskelette aufweisen, sowie auch jede Hauptsprache hiefür einen eigenen Begriff hat. Wenn nun in Europa die meisten ethnographischen, sowie viele Gebirgs- und Flußnamen im Altertume, wenn in allgemeinem in Mitteleuropa die meisten topografischen Namen slavischen Ursprungs sind, so müssen sie wohl von Slaven herrühren, denn es konnten doch unmöglich Slaven, wenn sie erst zur Zeit der Völkerwanderung hierher vorgedrungen wären, Jahrhunderte voraus irgendwelchen Einfluß auf die Namengebung geübt haben; und wenn so viele Völker slavische Namen tragen, so müssen ja doch eher Slaven da gewesen sein, um die Gelegenheit zu haben, jemandem einen Namen zu geben ; wenn sie aber später gekommen wären, so hätten sie schon festgelegte Namen vorgefunden und hätte wohl niemand eine neue Namengebung beachtet, ebensowenig wie die Römer und Germanen in dieser Hinsicht wesentlich etwas änderten noch ändern konnten. — Wo sind überdies die Millionen von Menschen hiugekommen, die von den Römern hinweisen. — Es müßten sonach auch Gaya (Kvjov) in Mähren, Kyjovice in Schlesien, Kiev in Rußland u. ä. ein Pfahldori bezeichnen, was aber vorerst durch bezügliche Funde zu erhärten wäre. — unterjocht wurden, zumal diese so staatsklug waren und jedem Volke seine Religion, Sprache und Sitte beließen? Wie kommt es, daß nach dem Sinken der weströmischen Macht auf einmal Millionen von Slaven Mitteleuropa in ungezählten Ansiedlungen bewohnen, und doch gab es auf diesem Gebiete, so lange römische Macht gebot, keine derartigen Vernichtungsschlachten, daß man an ein förmliches Ausrotten der früher in Mitteleuropa ansässigen Völker denken könnte und daß diese Völker sofort und so massenhaft durch Slaven ersetzt worden wären ; in der angeblich verlustreichsten Schlacht auf den Catalaunischen Feldern wurden jedoch die Hunnen, wie die Geschichte sagt, mörderisch geschlagen. Sollte übrigens eine so großartige Umwälzung, daß auf einmal Millionen bodenständiger Menschen durch ebensoviel Slaven abgelöst worden wären, stattgefunden haben, so konnte sich, abgesehen davon, daß ja dadurch ein halber Weltteil irgendwo menschenleer geworden wäre, die Sache wohl nicht so unbemerkt abwickeln, daß es die römischen und griechischen Schriftsteller, welche sonst ganz belanglose Vorgänge verzeichneten, gar nicht wahrgenommen hätten, denn unter den Völkern, die in der bekannten großen Völkerwanderung genannt werden, findet man, wie die der malige Geschichte behauptet, verhältnismäßig wenig Slaven. Wenn man daher so viele geographische Namen in den verschiedensten Gegenden mit slavischem Wurzelworte aus vorchristlicher Zeit kennt, welche die vollkommen zutreffende Charakteristik und die lokale Übereinstimmung mit dem damit belegten Objekte offen dartun, so kann dies, selbst bei krassesten Vorurteilen — an vielen Hunderten von Namen doch keine bloße Zufälligkeit sein; und sollten die wissenschaftlichen Kreise dieses trotzdem negieren, so möge alle diese Arbeit wieder weiter ruhen, bis die Wahrheit offenkundig wird, und — die Wahrheit kann immerhin warten, da sie ein langes Leben vor sich hat! Einen Anhaltspunkt für das ununterbrochene Bewohnen desselben Gebietes durch dieselben Bewohner schon in der vorrömischen Zeit gibt uns aber auch das Studium des Zeitpunktes der Verteilung der Dorffluren. Schon in meiner etymologisch-kulturhistorischen Studie: „Die Ortsnamen des Oberen Pettauerfeldes“ deutete ich auf den augenscheinlichen Zeitirrtum hin, daß die Dorffluren Untersteiermarks etwa in der karolingischen Zeit ihre bis heute gütigen Gemarkungen erhalten hättet^ denn es hat den motivierten Anschein, daß die Verteilung des Gemeindeareales nach den heutigen Umrissen schon vor dem Eindringen der Römer stattgefünden haben müsse. Ich kann für diese Behauptung wohl nur ein typisches Beispiel anführen, da ich mich mit den näheren Studien der Dorffluren nicht befassen konnte; vielleicht ergeben aber die Flurforschungen in sonstigen Gebieten, wo auch römische Straßenzüge nachgewiesen sind, dasselbe Resultat. Wie aus der beiliegenden Skizze zu ersehen ist, kann die römische Straße, welche von Windisch-Feistritz in Untersteiermark (an den Marmorbrüchen vorbei) gegen Haidin (damals Poetovio) führte, von Schikola bis Pettau getreu verfolgt werden, d. h. die Trace der heutigen, die beiden erwähnten Ortschaften verbindenden Landstraße deckt sich vollkommen mit der einstigen römischen Poststraße. Ich behaupte nun, daß z. B. die Gemeinden Pongerzen und Unter-Jabling bei der Verteilung des Bodens nicht relativ so kleine Teile, Ober-Jabling aber gar nur einige Quadratmeter jenseits der römischen Straße zugemessen erhalten hätten, wenn diese Kommunikation zur Zeit der Verteilung schon bestanden hätte, während aber die Dorffluren von Drasendorf und Micheldorf an der benannten Straße enden, bei denen uns die Skizze auf den ersten Blick zeigt, daß es später aufgeteilte, aus dem arrondierten Flurbesitze von Zirkowitz .herausgeschnittene Partien sind; nun ist es aber bekannt, daß der ganze nördlich der Schikola-Haidiner-Straße einst zum Dominium der Herrschaft Studenitz gehörte, und später, wie die Tradition behauptet, von den Inwohnern von Zirkowitz rückerworben wurde.*) Bei der ersten Abtrennung war also die römische Poststraße schon maßgebend, da die Einwanderung der Deutschen und Einführung ihres den Slaven unbekannten Lehenswesens in diese Gegend ältestens in der karolingischen Zeit stattfand. Ansonsten ist es aber wahrscheinlich, daß der Block von Zirkowitz nördlich der römischen Straße, ehe er Dominialgrund wurde, auch an die drei Gemeinden Zirkowitz, Drasendorf und Micheldorf, analog wie bei den sonstigen Gemeinden, in der Längenrichtung des bezüglichen Besitzes, also gleichfalls unbekümmert um die römische Straßenanlage, auslief. Es ist daher mit Grund anzunehmen, daß die heutige Flureinteilung schon vor dem Eindringen der Römer die gleichen Konturen hatte, und daß derselbe Volksstamm ununterbrochen darauf gewohnt haben müße, weil es höchst unwahrscheinlich ist, daß bei einer späteren Verdrängung des Stammbewohners, oder bei einem größeren Interkalare der Bebauung dieses Bodens die Straßenzüge für die Besitzgrenzen nicht maßgebend gewesen wären, zumal es sich darunter um Geringfügigkeiten handelt. Überdies ist es bekannt, daß die römischen Heeresstraßen ziemlich breit waren und daß entlang derselben vielfach die Bestattung der Toten erfolgte; es ist daher die Annahme logisch begründet, daß die Verteilung der Dorf-Huren früher stattgefunden hat, als die römische Straße bestanden, daß daher die heutigen slavischen Bewohner daselbst — die Slovenen — ununterbrochen diesen Boden innegehabt haben mußten. *) Diese Daten, sowie die Skizze sind der interessanten Publikation des Dr. Vladimir Levee: Pettauer Studien. Untersuchungen zur älteren Flurverfassung — entnommen. (Mitteilungen der Antrop. Ges. in Wien 1899.) Sollte man etwa bezweifeln, daß der genannte alte Straßenzug der richtige sei, so braucht dagegen nur erwähnt zu werden, daß niemand in der weiten 500 km* umfassenden, fast einem Tische gleichen Ebene eine den Lisieren der Dorfflur folgenden Straßentrace, — möge es nun welches Yolk immer gewesen sein, — angelegt hätte, da dies nach der Elurskizze eine mäanderartige, die Straßenentwicklung unsinnig verlängernde Linie ergeben hätte, und eine römische Poststraße führte doch bestimmt von Pulsgau nach Pettau oder wenigstens über das Pettauer Feld. Die rotgezeichnete Kommunikation ist die alte römische Strasse. III. Die Prüfung des Zusammenhanges des Maturmythus und der Volksphantasie mit Einst und Jetzt. Auch für die Hypothese der Synchronie der Slaven mit der Diluvialzeit und den Autochthonismus derselben in Europa gibt es einige Anhaltspunkte. Daß wir topographische Namen haben, die aus jener Zeit stammen, da unsere Erde noch kein geregeltes Flußsystem hatte, und jede heutige Ebene noch ein Meer oder See war, wurde bei dem Eigennamen „Mähren“ und „Marchia“ in Steiermark nachzuweisen versucht, denn wenn sich die Kunde an die Verhältnisse einer fernen Zeit bei den dortigen Bewohnern erhalten hat, so kann dies sicherlich nicht der Ausfluß eines Studiums, sondern nur eine ununterbrochene Überlieferung sein. Übrigens haben alle Anspielungen an einen einstigen See auffallenderweise nur slavische Bezeichnungen. Die Slaven ein autochthones europäisches Volk zu nennen, dazu berechtigt auch die altslavische Mythologie, denn es scheint, daß die germanische Religion nicht nur dem slavischen Naturmythus sehr nahe steht, sondern d daß sie geradezu auf derselben aufgebaut ist. Dies bestätigen uns auch — wenn auch indirekte — deutsche Gelehrte, wie Golther, Schönbach u. a., von denen z. B. der erstgenannte meint: „Mehr als die Hälfte des durch J. Grimm zum Aufbaue der germanischen Mythologie angehäuften Materiales ist hiezu unverwendbar, weil es einem späteren und jüngeren Zeitalter entnommen, für diese Epoche daher anachronistisch ist. Und noch mehr ; vieles darunter ist überhaupt nicht deutsch, weil zum Teile die heidnischen Gebräuche von den christlichen verdrängt wurden, zum Teile haben sich aber Mythen alter nordischer Völker als solche deutschen Ursprungs eingereiht. Bei der Untersuchung mythologischer Quellen ist es Hauptsache, sich der unzutreffenden und unbrauchbaren Beweise zu erwehren“. Schönbach geht noch weiter*): „Jene, sozusagen naive Freude zu suchen und zusammenzusetzen, welche seinerzeit J. Grimm fühlte, ist heute zum großen Teile schon geschwunden und mußte einer nüchternen Kritik Platz machen. Wir ersehen bereits, daß der germanische Himmel nicht viele Bewohner besitzt und wissen, daß die üppig wuchernde Mythologie der nordischen Völker und Inseln die ziemlich ärmliche Kenntnis über die germanische Götterwelt ergänzen mußte; wir sind jetzt überzeugt, daß unsere dem Namen nach bekannten Gottheiten nicht genügend umschrieben sind, wir erkennen nicht mehr ihre Gesichtszüge, dürfen daher auch nicht als Wahrheit auslegen, was uns die christlichen Epigonen im Volksglairben zurückließen“. Ich hielt es für opportun diese beiden Ansichten vorauszusenden, auf daß meine diesbezüglichen Behauptungen nicht allzu unvermittelt erscheinen. Was diese Forscher behaupten, ist sicherlich richtig, nur ist da eine Zeitmetathesis eingedrungen, die vor allem richtiggestellt werden muß, denn nicht so sehr die *) Zeitschrift des deutschen und österr. Alpenvereines, 1900. Einflüsse der christlichen Zeit sind diejenigen, welche am wirksamsten für den Aufbau und die Zusammensetzung der germanischen Mythologie waren, sondern wohl schon die Volksreligion der alten Slaven aus der Urzeit, die bei der sukzessiven natürlichen Entwicklung von Sprach-zweigen von dem Stammvolke unbewußt mit- und überging. Daß auf dem organischen Wege der Trennung oder Annäherung sprachliche Splitter, religiöse Ansichten, Sitten und Gebräuche im Wechselverkehre der Völker die normalen Grenzen überspringen und auf fremden Gebiete Wurzel fassen, das ist auch heute unvermeidlich und dabei selbstverständlich, denn jedermann übernimmt gerne vom Fremden — ohne eingehende Prüfung — alles, was ihm daran gefällt, sei dies nun ein Ausdruck, eine Phrase, Mode, Kunstrichtung, Sport u. dergl. Es ist auch kein Zweifel, daß J. Grimm bei der Zusammenstellung der deutschen Mythologie mehr von der idealen Begeisterung als dem ernsten Forschungstriebe geleitet wurde, und sind seine bezüglichen Arbeiten eine geistreiche Kompilation aus den verschiedenen Volkssprüchen und Gebräuchen, deren Provenienz aber nicht kritisch geprüft erscheint, ebenso wie Simrock nach eigener Phantasie die urgermanischenGötter bildete; bei nüchterner Untersuchung schwindet aber fast der ganze germanische Olymp bis auf einige Götternamen und etliche zerstreute Notizen über heidnische Opfer und Feste. Solches schreibt und behauptet man, und doch war es mir bisher nicht möglich nur einen deutschen Forscher zu finden, welcher wenigstens angedeutet hätte, daß die germanische Mythologie durch die altslavische beeinflußt worden wäre, obschon dies ziemlich offen am Tage liegt. Vor allem ist der germanische Allvater „Wodan“ (Woden, Wuotan), wenigstens sprachlich, slavischen Ursprungs, und dürfte überall, wo größere Gewässer waren, besonders aber bei den baltischen Slaven, als „Voden bog, Vodan bog“, also als der Schutzgott des Wassers (voda = Vrasser; voden = zum Wasser gehörig), als Sehirm- 6* herr der Schiffahrt und des Handels verehrt worden sein, und ist als „vodni moz“ oder „vodnik“ (= Wassermann) noch heute allen Slaven bekannt; desgleichen wurde er bei den Germanen auch als Gott der Winde und Stürme, als Schutzherr der Schiffer verehrt und kam nur im Binnenlande zum Range des obersten Gottes, weil ihm daselbst das Patronat über das Wasserelement naturgemäß entfiel. Wann „Wodan“ in den germanischen Kult aufgenommen wurde, ist heute schwer zu entscheiden. Caesar und Tacitus, welche als die ältesten Berichterstatter über die Germanen gelten, erzählen zu wenig Positives, da sie alles nur im Vergleiche mit den römischen Verhältnissen wiedergeben. Caesar erwähnt dieses Thema nur vorübergehend; Tacitus aber, der sich tiefer in die germanischen Kulturzustände einläßt, ist merkwürdigerweise nicht einmal in der Lage einen Götternamen im Originale zu nennen, denn er weiß nur, daß die Germanen den Merkur, Mars und Herkules, die Sueven überdies die Isis verehren. — Merkur und Wodan sind identisch; das beweist uns indirekte Paulus Diaconus, welcher schreibt, daß es schwer sei nachzuweisen, welches Attribut die Römer veranlaßte, Wodan als Merkur zu erkennen, obschon dieses recht einleuchtend ist; war Wodan der Beschützer der Schiffer und Gott der Stürme, so beschützte er dadurch auch den Handel; man mußte ihn daher den Handeltreibenden gewogen erhalten, und wem schadet ein durch widrige Stürme zerschelltes Fahrzeug mehr als dem Kaufmanne, dessen Habe es trägt! Der englische Sprachgelehrte Murray behauptet, daß auch die Meinung, Wodan sei aus Asien nach Europa übertragen worden, eine leere Erfindung sei; Paul Warnefried, ein longobardischer Schriftsteller des 8. Jahrhun-dertes, sagt, daß zu seiner Zeit alle Germanen zu „Wodan“ beteten; ehedem sei er aber auf der Nordgrenze Griechenlands verehrt worden, also vermutlich auch im wasserreichen Gebiete der unteren Donau. Diese Ansichten mögen ja richtig sein, doch sind sie sekundärer Natur; es scheint viel natürlicher anzunehmen. daß „Wodan (= bog)“ die erste und älteste Verkörperung — vielleicht schon im Tertiär oder wenigstens Diluvium — jener unbegreiflichen imd unheimlichen Macht des Wassers war, die den Menschen in sich zieht (das Ertrinken), die Habe, die Wohnung, die Felder zerstört (Sturmfluten, Überschwemmung), welcher man daher im allgemeinen eine überaus wohltätige aber auch die größte strafende Gewalt zuschrieb; so ist die Mythe erklärlich, daß die böse Welt durch das Strafgericht der allgemeinen Überschwemmung*) gezüchtigt wurde, daher auch das Wasserelement stets sehr gefürchtet war. Daß also Menschen vor dem Diluvium lebten, das sagen uns übereinstimmend die Mythen aller Völker, und diese schöpften diese Kenntnis gewiß nicht aus den geologischen Beobachtungen. Wodan ist sonach eine Urgottheit, die sich in Europa von einem Punkte aus weiterverbreitet hat, u. zw. in gleicher Weise, wie sich die Sprachen Europas von einer Ursprache und einem Bildungsherd aus entwickelten, aber in Folge verschiedener Einflüsse auch änderten. Es ist auch auflallend, daß die germanischen Götternamen zumeist sinnlose Aggregate von Lauten sind, was in anderen Religionen doch nicht der Fall ist, umsomehr als wir wissen, daß die menschliche Sprache nur innerlich begiündete, eine Idee in sich tragende, wahrhafte Wörter bildet; es können daher gerade Eigennamen nur aus den in der Sprache schon vorhandenen bedeutungsvollen Wurzelwörtern gebildet sein.**) *) Von wissenschaftlichem Standpunkte betrachtet, gab es wohl kaum eine gleichzeitige allgemeine Sintflut, sondern der Wasserstand wechselte nur in den einzelnen Gegenden. **) Überhaupt gibt es ursprünglich keine Eigennamen in grammatischer Hinsicht, sondern nur durch längeren Gebrauch zu solchen gewordene Gattungs-, Stoff- und Sammelnamen. Nur dadurch, daß man einer bestimmten Person oder Lokalität ständig denselben naturgemäß motivierten Namen beilegte, wurde dieser zu einem Spezialnamen. (Vergl. Hussen, Franken, Eosstrappe u. a.) Man behauptet allerdings, daß Wodan den Namen von „vä“ (= wehen) erhielt, sei daher die Personifikation (aber nur eine künstlich entstandene) für Sturm und Wind; diese Auslegung ist jedoch sprachlich unrichtig, denn das Charakteristische ist hier das „o“ in der Grundsilbe, welches in allen bekannten Formen beibehalten ist, sowie nicht minder das „d“ (t), welches nicht unmotiviert allen Namensformen anhaftet, — aber auch kulturhistorisch unglaubwürdig, denn die alten ackerbautreibenden Bewohner am Unterrheine verehrten auch einen Gott, namens „Vodanaz“, die alten Pommern den „Wode, Wodk“, worin wir unbedingt den Begriff „voda“ sehen. Dieses Grundwort haben wir auch in vielen topographischen Namen des heutigen deutschen Gebietes, so: Bodensee, Bode („warme“ und „kalte“ als linker Nebenfluß der Saale). Bodenbach (a. d. Elbe), Bodenheim (a. Rhein), Bodenwerder (a. d. Weser) in der Bedeutung: Weideplatz am Wasser, Bodden (mehrere Strandseen und Buchten der Ostsee), Botnischer Meerbusten u. a., welche alle mit „voda“ einen lokalen Zusammenhang haben. Desgleichen erkennt man den Namen „Walküre“ nach seinem Wurzelworte „valka“ (= Krieg; als einen ursprünglich slavischen Begriff, und ist dies die feminine Form von „Valkun, Walchoun, Valchunus“ (wie er häufig in lateinisch verfaßten Urkunden vorkommt), in der Bedeutung „Krieger“; für die weibliche Person wird die analoge Form etwa: Valkuna, Valkina (= Kriegerin, Amazone) im Slavischen gelautet haben, ist sonach ursprünglich nichts weiter als ein weiblicher Vorname gewesen; daß sich nebstdem seinerzeit auch Frauen am Kampfe beteiligten und auf diese Art ein höheres Ansehen genossen, ist ja möglich, und wäre auf diese Art ihre bevorzugtere Stellung auch für ihre feierlichere Bestattung vom Einflüsse gewesen, wenn wir schon für die wiederholt mit großem Tamtam begleiteten Entdeckungen von „Walkürengräbern“ eine ephemere Erklärung finden und den Entdeckern eine kleine Freude gönnen wollen. — Aber einen tieferen, wissenschaftlichen Wert hat diese Auslegung nicht, da die ganze Wallkürenmythe eine künstliche zu sein scheint, denn sie entbehrt des Eindruckes einer natürlichen Entstehung. Wahrscheinlich hat die Walkürenmythe folgenden sehr einfachen und prosaischen Ursprung. Die Bewohner, welche Schafzucht betrieben, erzeugten seinerzeit, wie noch heute, selbst Stoffe aus Schafwolle und ließen diese, da sie ohne den Walkprozeß als Kleidung wertlos sind, walken. Die Besitzer solcher Walkmühlen oder die dabei Beschäftigten nannte man: Valchar, Valchaf, Yalah, Vlach, Vloch, Valjavec, Walker, Wälcher, daher wir auch so viele mit „Walch“ zusammengesetzte Ortsnamen haben.4) Es ist augenscheinlich, daß diese Walker zu Wodan als dem Schutzgotte des Wassers beteten, wenn er z. B. im Frühjahre gar zu lange das Eis nicht auftauen lassen wollte; dieses Eröffnen der Walkarbeiten scheint stets ein großes Fest gewesen zu sein, welches bei den Römern am 19. März gefeiert wurde; dieser Tag dürfte auch später beibehalten worden sein (denn der 19. März, der heil. Josef, gilt auch jetzt als Feier des Landespatrons für die Alpenländer); aber in der heidnischen Zeit verschaffte dies Wodan, vielleicht durch irgendeinen Tanz der Walkerinnen bei diesem Feste, seine mythologische weibliche Begleitung. Ebenso sind die „Nomen“ (im Slavischen etwa in der Form „norinje“), nichts weiter als mythische Frauen, die in der Erde wohnten; und alle Bewohner unter der Erde, in Höhlen oder auch Schluchten brachte der alte Slave mit „nora“ (siehe: Norikum) in direkte Verbindung; der Ausdruck bedeutet sonach etwa: Erd- oder Bergnixen. — Der Todesgott Widharr wohnte im Gebüsch der Weiden. Der slavische „vitar, vitrar“ ist ein Mann *) *) „Valka“ erhielt wohl die Bedeutung „Krieg“ erst später mit Rücksicht auf die Ähnlichkeit mit dem Walken oder Prügeln; der Deutsche gebraucht daher noch heute den Ausdruck „Durchwalken“ für weidlich durchprügeln. der Weidenruten (vita, vitra) schneidet, um unfolgsame Kinder zu strafen. Auch der deutsche „Schratt“ (Kobold) stammt wohl vom slavischen „skrt, škrat, škratelj“ Waldgeist, der das Knarren den Waldbäume verursacht); ebenso ist die Bezeichnung „med“ (Met, Honigwein) für den Nektar der germanischen Götter bestimmt ein Wort slavischen Ursprungs. Überdies haben sich manche Gebräuche, wie z. B. das Versorgen der Spinnräder und die Abnahme des Werges von der Kunkel für die Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstage („die bösen Zwölf“), weil sich sonst die „vehtra baba“ („Perchta“) zum Spinnen einfinden konnte, als Erinnerung an die stürmischeste Zeit des Winters, die Zeit der „wilden Jagd“ erhalten; ich fand aber diese Volksmythe im Kolos-Gebirge und auf dem Pettauer-Felde in Untersteiermark, also in einer rein slovenischen Gegend, wo es ganz ausgeschlossen ist, daß man etwa Grimm gelesen und dann sofort die Lektüre allgemein ins Praktische übertragen hätte; es ist dies ein alter heidnischer Brauch, der sich gerade beim sprachlich nicht gemischten slavischen Volke ununterbrochen bis heute erhalten hat; — und wenn Weber in „Dreizehnlinden“ vom Brauche erzählt, daß man den letzten Apfel auf dem Baume, die letzte Weizenähre auf dem Felde als „Vogelzehent“ zurücklassen müsse, auf daß sie im nächsten Jahre noch besser gedeihe, so ist in der vorerwänhnten Gegend genau derselbe Brauch zu finden, wo selbst eine Beere von der letzten Traube unter gleichem Segenswunsche auf den Weinstock aufgelegt wird: alles wohl Beste einer aus der Urzeit her stammenden Naturreligion! Auf dem gleichen Gebiete fand ich auch die Redensart: trpim ko črna gruda! (= ich stehe so viel aus, wie die schwarze Scholle); und diese Redensart ist nichts weiter, als der Nachklang des Rechtssymboles, wie er unter der Form „chrene chruda“ in der Lex Salica vorkommt. Welchen Wert die Auslegungen Grimm’s haben, sieht man in diesem Falle, denn er deutete obigen fremd- klingenden Begriff* als ¿reines Kraut“, obschon die darin genau beschriebene symbolische Handlung diese Auslegung vollends unmöglich macht. Doch dieses ist eine uralte slavische Rechtssatzung, welche die salischen Franken von den Slaven übernommen haben dürften, und die sehr alt sein muß, denn die Lex Salica wurde schon im J. 490 n. Chr. in barbarischem Latein kodifiziert.*) Und man kann sich das Vorkommen eines so exotischen Spruches in zwei derart entfernten Lokalitäten doch nicht anders erklären, als daß dieses Rechtssymbol einmal bei den Slaven allgemein bekannt war. Mit tiefem Bedauern muß daher die Wissenschaft die Tatsache verzeichnen, daß so mancher bedeutungsvolle Begriff* und Brauch, der Völker sterben, Reiche untergehen und ganze Götterwelten in Konkurs geraten sah, hiebei seinen Geburtsschein einbüßte; wenn sich aber trotzdem einmal ein solcher Begriff* oder Brauch durch Jahrtansede erhalten hat, so ist es wohl Sache der Gelehrtenkreise, ihm objektiv seine Priorität in der Kulturgeschichte zu wahren, damit er zur Lichtung der *) Ich wies, wie ich glaube, als erster, iD meinem Werkchen : Die Ortsnamen des Oberen Pettauer Feldes. Marburg a. D. 1902. auf die slavischen Ausdrücke in der Lex Salica, welche wohl auch ein Beweis sind, daß die Slaven schon längst vor der Verfassung dieses Gesetzbuches am unteren Bheine gewohnt haben müssen. — Vergleiche p. 121 der Lex Salica, ed. Behrend. — Die Erklärung der „chrene chruda“ des Pastors Frenzei in seinem Schriftchen „Der Belus oder Sonnendienst in den Anden“ aus dem Keltischen ist der Bedeutung wohl näher gekommen aber doch ebenso anfechtbar, wie seine Auslegung von „kemenatt“ aus dem keltischen „caoimhe“ (= Genossin) und „nad“ (= Wohnung), also eine Art „Frauengemach“ grundfalsch ist, da das Wort doch zweifellos das slavische „kamen, körnen“ (= Stein) zur Grundlage hat, und jenen Raum im Hause bezeichnet, wo man Feuer anzumachen und zu kochen pflegt, was naturgemäß eine Auslegung der betreffenden Stelle, bezw. eines Teiles der Wand, wenn das Haus aus Holz ist, mit Steinen erheischte. Der Russe gebraucht noch heute den Begriff ,.KOMHaTa“ für: Wohnraum, Zimmer. heutigen Ansichten über unsere Kulturverhältnisse gegen die Urzeit zu beitrage, ehe er selbst dem Lose des Vergessenwerdens anheimfällt. Eine beweiskräftige Stütze für den Autochthonismus der Slaven bietet auch die Lokalsage vom Zlatorog auf dem Triglav. Die alten Slaven besaßen eine sehr ausgebildete-Mj'thologie, was sich damit erhärten läßt, daß sie für die meisten Naturkräfte eine eigene Gottheit hatten. So saß ihnen in den Julischen Alpen, auf dem höchsten Punkte dieses Gebirges der „Triglav“. Allgemein glaubt man, daß der Gebirgsstock von drei Zinken oder Spitzen den Namen habe, und fühlt zugleich, daß dies sinnfällig ist, weil selbst eine ungewöhnliche Phantasie nicht behaupten kann, daß man hier drei einigermaßen auffällige Spitzen bemerken könne, wie dies schon die beigegebene Ansicht zeigt. Der Urslave hat einst diesem Gebirgsstocke dadurch unbewußt den Namen gegeben, daß er auf die höchste sichtbare Bergkuppe den Sitz seines Gottes „Triglav“ (= Dreikopf) verlegte, welcher hier (auch heute an der Grenze von Krain, Kärnten und Italien) eine besondere Fernsicht habe und so auch das Tun und Treiben der Menschen überblicken könne, umsomehr als ehedem die Höhe als nicht ersteigbar, also als unkontrolierbar galt. Hier war wohl einmal der südsla-vische Göttersitz und hier auf dem höchsten Punkte des Gebirgsstockes lebten in einer blühenden und üppigen Szenerie der Triglav, die Yila’s, die Rojenice (Schicksalsgöttinnen), der Škrat, Zlatorog u. a. m. — Hieher dürfte sich der Slovene gewendet haben, wenn ihn Mühe und Sorge drückten, und hieher blickte sein Auge, wenn sich das Herz froh und glücklich fühlte; daher kommt es, daß der Triglav als Berg sowie seine ganze Umgebung*) *) Es muß zwischen Triglav, Wochein und Veldes in mythologischer Hinsicht irgendein organischer Zusammenhang sein und glaube ich, daß Bohinjsko (Bogin sko, Wochein) einen besonderen Göttersitz, Bled, Bleško (richtiger Veleško, Veldes) den Ort, wo der „Veles, Velež“ (Hirtengott) verehrt wurde, bezeichnen will. Man findet Analogien z. B. in der Herzegovina: Velež (Hoher Berg), Sveta gora (Heiliger Berg), Bogoviäte (Göttersitz) liegen in unmittelbarer Verbindung: ein ähnliches Kultus entrum ist auch in Mähren zu finden: Modla (Gebetberg), Buhlava (buh hlava — das Gotteshaupt) und Velehrad. — Hiebei darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß „Veles, Velež“ ursprünglich einen großen, noch, heute dem Slovenen wie ein Heiligtum erscheinen, ohne das er für dieses Gefühl eine besondere Begründung wüßte. Es ist aber möglich, daß jene Höhe einmal, — vielleicht in einem Zeiträume, wo dieses Gebiet der Erde im Perihelium stand, — wirklich üppig bewachsen war; als hierauf eine Glazialzeit folgte, wurde allmählig die Kuppe sowie der ganze Gebirgsstock zu einem Steinmeere. Die Sage vom erzürnten Zlatorog, welcher die blühenden Hochflächen im Zorne zerwühlt und zu einem zerklüfteten Felsgebiet gemacht, dürfte wohl nur eine an sich unfaßbare, daher mythische Erklärung sein, wie sich der prähistorische Slave diese überraschende Umwandlung auf dem Wege vieltausendjähriger Überlieferung erklärte. Wollte aber doch jemand glauben, daß die Sage vom Zlatorog*] erst nach dem 5. oder 6. Jahrhunderte, als die Slovenen nach der bisherigen Ansicht die Alpenländer besiedelten, entstanden sei, so ist dies, ganz abgesehen von der möglichen eigenen Beobachtung, — denn "der Triglav war zu dieser Zeit gewiß keine blühende Alpe, sondern schon ein Pelsmeer — nicht möglich, weil dies ja schwer zugänglichen felsigen Berg bezeichnet und daß wir darin das slavische Wort „vele“ (groß, erhaben) angewendet finden- Es ist möglich, daß man solche Felshöhen mit dem Hirtengotte „Veles“ identifizi rte, weil er von seinem erhöhten Standpunkte leicht das verlaufene Weidevieh überblicken konnte, man daher bei Abgängen des Viehes zu ihm betete; die weibliche Form von „Veles“ war wohl die als altgermanische Sybille bekannte „Veleda“ (= die hell Sehende), deren Spuren aber in der slavischen Mythologie schon stark verwischt sind. — Alle Örtlichkeiten namens „Veles“ weisen aber tatsächlich einen hohen Felsberg auf, wovon ich die Situation in der Herzegovina und in Krain persön ich kenne, Veles in der Türkei, Veles Bianca, Veles Rubio. Veles Malaga auf der pyrenäischen Halbinsel, Veles de la Gomira bei Marokko aber durch Beschreibungen als Felsburgen oder Felskastelle bezeichnet finde. *) Die Sage vom Zlatorog wurde deutsch von R. Baumbach, slovenisch von A. Aškerc u. z. von beiden episch meisterhaft bearbeitet. niemand geglaubt hätte, und obendrauf die christliche Lehre schon im 4. Jahrhunderte längst über Aquileja vorgedrungen war, es daher wenig Aussicht gehabt hätte, Anhänger für eine ad hoc künstlich aufgebaute Mythologie zu finden. Wie sollen wir uns daher die reinslavi-schen Namen „Triglav“ und „Zlatorog“ erklären, wenn in der heidnischen Zeit hier noch keine Slaven wohnten, ein natürlicher Beweis, daß die Kelten der Alpen-1 än d er eben Slaven waren. — Auch gibt es im Triglavgebiete einen „Veliki Bogatin“ (= großer Reicher), „Mali Bogatin“ (= kleiner Reicher) und den „Zlatnik“ (= Goldgrube). Alle diese Namen sind auch nicht grundlos entstanden und sind manche der im genannten Gebirgsstocke befindlichen Höhlungen menschlichen Einflüssen zuzuschreiben; eine wissenschaftliche Untersuchung dürfte wahrscheinlich ergeben, daß dereinst hier nach Gold gegraben wurde; als aber später die goldführenden Adern endeten und sich der Bergbau nicht mehr lohnte, verfielen die Stollen, irgendein Erdbeben verschüttete alle sichtbaren Zeichen einstiger montanistischer Tätigkeit und nur noch die Sage pflanzte im romantischen Kleide die Kenntnis fort, es befänden sich in den Höhlen des Triglav Goldmassen, die man mit „700 Fuhrwerken“ nicht wegschaffen könne.*) Ein weiteres Hilfsmittel, die Slaven als europäische Autochthonen zu bezeichnen, bieten uns die zahlreichen Drachensagen. Nichts berechtigt dazu anzunehmen, der Urmensch könnte nur in Asien entstanden sein und habe dann die Wanderung angetreten, da wir dann schon einmal nicht *) Dass es vor der Gletscherzeit bereis einen Bergbau gab, dafür findet man auch Beweise im Rauriser-Tale (Hohe Tauern). In dem heutigen Hüttwinkel kamen mit dem abschmelzenden Gletscher alte Bergwerksstollen und Ruinen von Knappen!äusern hervor. wüßten, wieso auf die später entdeckten Weltteile Amerika und Ozeanien Menschen gekommen wären. Weshalb soll aber die Natur, die vollendetste und allmächtigste Meisterin, nicht in Europa dasselbe hervorgebracht haben können, was sie in der vermeintlichen „Wiege des Menschengeschlechtes“, sowie auf den verschiedenen unzugänglichen Südseeinseln hervorzubringen vermochte! Wieso kommen wir nun dazu, von Drachen zu sprechen und ihr Aussehen schon in einer Zeit zu kennen, wo von geologischen Kenntnissen in dieser Hinsicht noch keine Rede war; wie kommen ganz bestimmte Lokalitäten dazu, daß sich die Erinnerung an Drachen daselbst wacherhalten hat? — Eine ziemlich erklärliche Antwort: die Sage ist eben keine Sage, sondern der Mensch hat die Saurier der Jura- und Kreidezeit noch gekannt und ■wahrscheinlich ist auch der Urmensch derjenige, der dieser verhaßten Fauna selbst, — bis auf das Krokodil und die sonst unschädlichen Saurier als: Leguan, Chamäleon, Basilik u. a. —■ ein Ende bereitet bat. Zu allen Zeiten standen nützliche, wie auch schädliche und gefährliche Tiere auf dem Index; ebenso wie wir heute dem Bären, Wölf, Luchs, Steinbock, Biber Löwen, Tie er, der Wildkatze u. a. nach Möglichkeit an den Leib gehen, den Auerochsen (bis auf einige Parkexemplare in Rußland), den Wisent u. a. aber schon als ausgerottet betrachten müssen, weil die Jagd nach ihnen zu intensiv war. und sie sich in Folge ihrer Größe selbst, sowie auch ihrer Brut leichter finden und vernichten ließen, wie etwa die Giftschlangen, denen die Erde Zuflucht und Vermehrungsschutz bietet, oder die Krokodile, die sich als Wassertiere der Verfolgung leicht entziehen können und sich trotzdem nur deshalb erhalten haben dürften, weil sie bei den Ägyptern Schonzeit von amtswegen hatten, so kann es auch den Drachen ergangen sein. Und weshalb soll einer derartigen Sage nicht Reales zugrunde liegen, wo wir jetzt Lebenden schon so manche • Sage in Wirklichkeit umgewandelt sehen mußten! "Wir Älteren entsinnen uns noch der Knabenjahre, wo wir im Homer lesen. Unsere Professoren erzählten uns, die Ilias sei die Fassung einer Reihe von Yolkssagen, und man sei längst darüber klar, daß es kein Troja oder gar einen Palast des Priamos gegeben; das ganze stelle nur einen langwierigen Kampf um die Oberhoheit zwischen Griechenland und Kleinasien dar; die Odyssee sei gar nur ein Märchenbuch eines phantasiereichen Dichters. So betete einer dem andern nach und so glaubte man es. Aber es kam einer, der es nicht glaubte, und dieser Zweifler war Schliemann. Der zähe Norddeutsche grub an der vermeintlichen Stelle von Troja und fand die Phantasterien Homer’s als Tatsachen dargestellt. Der Bauplan von Troja entspricht der Schilderung in der Ilias: die geringfügigsten örtlichen Angaben in der Odyssee stimmen äußerst genau mit der Wirklichkeit überein, und ist dieses Gedicht eines der schönsten und besten Seefahrerbücher. Aus ganz demselben Grunde kann auch angenommen werden, daß der Mensch bereits ein Zeitgenosse der Saurier war und daß die Drachensagen ununterbrochen bis heute fortgetragene Erzählungen sind, die in den Zeiten der realen Wahrheit ihren Beginn ansetzten, und muß der Mensch in jener Zeit schon eine solche Geistesstufe erreicht haben, daß er imstande war die Erinnerung an diese Tiere in Überlieferungen zu erhalten. Wir finden aber auch an sehr vielen, weit von einander entfernten Orten die gleichen Drachensagen, u. zw. vornehmlich solche, wo die Menschen durch freiwillige Gaben, nicht nur in Tieren, sondern auch in Kindern, Jungfrauen bestehend (wie z. B. Lindau, Krakau, Blagaj (Hereego-wina), Gonobitz (Steiermark u. a.), die Drachen zu besänftigen pflegten; es mag dies daher rühren, daß sich solche in einzelne Höhlen flüchteten und mau ihnen daselbst nicht beikommen konnte; wahrscheinlich war aber dies erst eingetreten, als die Saurier schon sehr selten waren, das menschliche Auge an ihren Anblick nicht mehr gewohnt, daher jedes solche Tier außerordentlich gefürchtet war. Daß sich die menschliche Phantasie irgendwelche Fabeltiere ausgedacht hätte zu einer Zeit, wo noch niemand wissen konnte, daß es ähnliche Tiere tatsächlich einmal gegeben, ohne hiezu Vorbilder gehabt zu haben, ist sehr unwahrscheinlich und dies jetzt umsomehr, als wir wissen, daß diese phantastischen Tiere wirklich lebten; man hatte über sie übertriebene Vorstellungen, sie erhielten mit der Zeit bizarre Beigaben, aber im allgemeinen sind die Angaben für das Äußere dieser Tiere doch recht zutreffend. In letzter Zeit gelangte man anscheinend zu weiteren Beweisen des Tertiär-Menschen ; man fand in einer Höhle Schottlands Zeichnungen von Menschenhand aus der vordiluvialen Zeit, und in unberührten Tertiärschichten in Deutschland platte Lamellen des Feuersteins, die auf künstliche Spaltung schließen lassen. Professor E. Stasi hat auch festgestellt, daß in den Erdhöhlen der Provinz Terra d’Otranto schon zur Zeit der Biesensäugetiere in Italien Menschen gelebt haben. Erwähnenswert ist auch eine Stelle aus Saxo Gram-maticus (Hist. Danica) über Berge, wo sich Drachen aufhalten: ibi que (Island) in montes Blesone reperisse dracones alatos, galeis ornatos et gladios sub pinnis pe-ctoralibus gerentes. Es fällt hier auch der Gebirgsname auf, welcher wahrscheinlich einst „Plesa“ (slav. kahler-Berg) hieß; auf Island haben wir auch „Thule“ zu suchen,, welches im Slavischen (russ. Tyjia, slov. tulj, tuljava) noch heute: versteckter Ort, Schlupfwinkel bedeutet. Auch der Begriff „Drache“ muß von einem einzigen Volke ausgegangen sein, da in Europa alle Sprachen diese Tierfamilien in der ungefähren Form „drak“ kennen,, während z. B. die slovenische Sprache nebstbei mehrere Spezies unterscheidet; außer „drak“ als allgemeine Be- Zeichnung, kennt sie noch den „zmaj“, d. i. jenen Drachen, der in Berghöhlen wohnt und bisweilen, wenn er böse wird, den Berg erschüttert; es ist darin wohl die primäre Erklärung des Erdbebens enthalten; sie kennt den „ses“, den Drachen, der dem Menschen nur das Blut aussaugt; den „pozoj“, ein Drachenungeheuer, den „molavar“ einen Drachen mit Schlangengestalt, und vielleicht noch andere, die mir aber nicht bekannt geworden sind. Die Wahrnehmung, daß ein Volk so viele Unterscheidungen eines Tieres kennt, ein anderes aber nur einen Ausdruck hiefür hat, welcher obendrauf dem ersteren eigen ist, läßt vermuten, daß eben dieses Volk einst Gelegenheit hatte, die Unterschiede bei eigener Beobachtung zu machen; welches Volk aber dies war, ist in dieser Hinsicht völlig gleichgiltig, aber ein mehr oder weniger homogenes Volk muß in einer Gegend einmal ein allererstes gewesen sein, darüber ist kein Zweifel. Was einst Natur war, daraus wird heute Kunst und noch diese Kunst wird zur Künstelei herabgedrückt; uns gelten noch immer Phantasie und strenge Forschung als Gegensätze schärfter Art und trotzdem machen wir immer wieder die Erfahrung, daß die Phantasie Dinge denkt, die der Forscher später staunend in der Wirklichkeit, in der Natur entdeckt, denn jede Phantasietätigkeit hat auch ihr tiefinnerliches Gesetz. Das erste bekannte und illustrierte Werk über die Drachen („Schlangenbuch“ von Xonrad Gesnern) ist bereits i. J. 1589 in Zürich gedruckt erschienen, also zu einer Zeit, wo die Geologie noch keine Ahnung von einer Saurierzeit hatte, und doch sind die verschiedenen Typen dieser „Tracken“, wie sie dort genannt werden, den Spezies der später ausgegrabenen und rückkonstruierten Saurier und fliegenden Reptilien im allgemeinen ähnlich dargestellt. Der Verfasser meint auch, daß sie „al lei orten diese schlimme Erde unsicher machen, besonders abei India und Morenland*), aber auch im lieben Alpengebirge sind sie anzutreffen, wo sie sich am Eingänge von südwärts gelegenen Höhlen zu sonnen pflegen.“ Tatsächlich ist dies auch eine typische Eigenschaft der Krokodile und Eidechsen, was daher wohl der ganzen Sippe eigentümlich war. Daß sich daher solche Sagen und Schilderungen so ad hoc, ohne welche vorbildliche Anregung entwickelt hätten, daran ist nicht mehr zu glauben. *) Unter „Morenland“ versteht der Verfasser wohl die Ufer des Mittelländischen Meeres; wohin er Indien verlegt, bleibt unklar. Die Etymologie von „India“ ist bisher ungelöst geblieben; es muß aber irgendeine in Europa gleichfalls giltige Bedeutung haben, da wir auch hier ein „Indjija“ (Ort in Sirmien) und „Innichen“ (in Tirol) kennen, welches im Mittelalter „India, Indica, Indiha“ lautete. Es ist unvermeidlich, daß in einer solchen synthetischen Arbeit, zu welcher wohl viele, aber meist verwitterte Bausteine zugetragen werden mußten, Irrtümer und falsche Fundierungen unterlaufen können; der große Bereich des in Erwägung gezogenen Stoffes erheischt daher noch eine intensive Detailarbeit, da vorläufig nur die eigene Beobachtung und die daraus gefolgerte natürliche Erklärung das Hauptwort sprechen. Von den Hilfsquellen konnte ich auch nicht einen ausgiebigen Gebrauch machen, drängte aber auch nicht dazu, da ich befürchtete, dadurch wieder in das Geleise jener ausgetretenen Wege zu geraten, die bisher zu keinem Ziele führten; ich trete hier mehr weniger als Eklektiker auf, indem ich die Beantwortung der gestellten Frage auf ein größeres Gesichtsfeld und auf weite Forschungsräume basiere. Nachstehend sollen nun noch jene Anhaltspunkte hervorgehoben werden, die einige der vorausgesandten Behauptungen kommentieren sollen, da ansonst so mancher Schluß als zu wenig begründet und zu unvermittelt er- 7* scheinen dürfte. Ich glaube daher, daß es angemessen ist auch die subtileren Gründe hier am Schlüsse zu offenbaren, auf daß sich der Gedankengang des Lesers mit dem des Autors leichter assimiliere. Die Tatsache läßt sich nicht ableugnen, daß die Sprachwissenschaft ehedem sehr einseitig arbeitete, weil die Forscher oft die erforderlichen Sprachkenntnisse nicht besaßen, und namentlich die slavischen Sprachen fast gar nicht in den Kalkül zogen; was aber diese Adepten als Dogma hinstellten, das führte die späteren Forscher zum Irrtume, denn diese setzten wieder ihre Studien dort ein, wo sie bereits ein geläutertes Gebiet vorzufinden glaubten. Und darin steckt der Hauptteil unserer geschichtlichen Irrtümer, daß wir ein Volk immer erst die Weltbühne betreten lassen, sobald dessen geschriebene Geschichte beginnt, — ein Fehler vergleichbar mit dem, wie wir auch alle einst im naiven Kindersinne glaubten, daß die Sonne unmittelbar hinter dem nächsten Gebirge unseres Horizontes aus dem Ozean steige. Aber in der Entwicklung eines Volkes, welches plötzlich agierend auftritt, muß eine, nicht einmal annähernd in Zahlen bestimmbare vorbereitende Zeit vorangegangen sein, und daran denkt man oftmals nicht. — Man spricht auch gar so gerne von der Unkultur unserer prähistorischen Vorfahren, wo man sich dagegen beschämt fühlen müßte, wenn man die Kultur von einst mit der vermeintlichen Überkultur der Jetztzeit vergleicht*). Fragen wir uns nur, ob heute wohl ein Prozent der ganzen lebenden Menschheit die Zusammensetzung der Bronze, die Gewinnung des Eisens, die Herstellung des Glases kennt; *) Man kann sich heute gar nicht vorstellen, wie jemand ans einem Handstücke Syenit, Jadeit, Nephrit oder Eklogit eine Axt mit der Ausnehmung für die Handhabe ohne mechanische Vorrichtungen herstellen könnte; es ist aber auch ganz undenkbar, daß unsere Vorfahren dies ohne welche technisch-mechanische Vorteile zustande gebracht hätten; sie halfen sich eben auch mit Vorrichtungen, die eine langwierige Handarbeit ersetzten. wie viel Arzneipflanzen kannte ein jedes Bauernweib noch vor einem Menschenalter, die heute nicht mehr ein zünftiger Pharmazeut mehr kennt; die Geologie ist oft in Verlegenheit ein Gestein bestimmter Struktur zu determinieren, aber ein alter Winzer weiß hieftir sehr detaillierte Unterschiede und nennt alle Abstufungen der Gesteine seines Weingartens mit zutreffenden, altererbten Namen, die aber leider alle schwinden, weil die Theorie auf allen Linien die Praxis verdrängt*). — Aber das wenige, was sich durch Zufall und unbewußte Kontinuität erhalten hat, das ist der uralte Stammbaum der Wörter und Begriffe für unsere Länder-, Volks-, Berg-und Flußnamen aus einer grauen Zeit; dieses sind die einzigen lebenden Zeugen, die den Wechselfällen unserer Erdbe vohner getrotzt; diese haben auf ihrer angestammten Scholle das Andenken an jenes Volk erhalten, welches sie zuerst gebraucht hat, und ersetzen uns heute den Mangel einer geschriebenen Geschichte unserer Vorzeit. Die Summe so vieler topographischen Namen Europas mit ihrem slavischen Wurzelworte spricht nun dafür, daß die slavische Sprache als die Ursprache,**) wenigstens in Mitteleuropa, angenommen werden muß, denn weiter als bis zur Tertiärzeit läßt sich wohl eine Sprache nicht verfolgen: überdies macht es den Eindruck, daß das heutige slovenische Idiom, welches von den Sprach-gelehrten ohnehin als die Grundsprache der großen *) Im Kolos-Gebirge in Untersteiermark lernte ich z. B. nachstehende Determinationen kennen: sipor, škipor = Mergelsand; peščec = bröckliger Sandstein ; živec = fester (grauer) Sandstein ; prodnica = Griessand. **) Man kann diese Ursprache aber ebensogut mit einem anderen Namen belegen, nachdem der Begriff „slavlsch“ gewiß nicht zum Urwortschatze gehörte; da wir aber vorläufig keinen anderen prägnanteren Namen für diese Ursprache haben und die Bezeichnung „indogermanisch“ ganz unzutreffend ist, kann sich die wissenschaftliche Terminologie nur an jene Ausdrücke halten, die mit Rücksicht auf die heutigen Verhältnisse am anpassungsfähigsten und natürlichsten sind. slavischen Völkerfamilie angesehen wird, in diesem alten Wortschätze noch heute die meiste Stammverwandtschaft findet; es mag dies darin seinen Grund haben, daß die Alpen von den Slovenen seit jäher ununterbrochen bewohnt, als Urgebirge oder doch älteren Formationen angehörend am wenigsten geologische Katastrophen mitgemacht haben dürften; es scheinen daher vor allem die Alpen einen natürlichen Einfluß auf die erste Entwicklung und den Werdegang des Urmenschen in Europa gehabt zu haben, da alle tiefer gelegenen Gebiete ob ihres Wassercharakters hiezu nicht förderlich gewesen sein konnten; erst dann, als die Existenzbedingungen in den tieferen Lagen günstiger wurden, zog er sich allmählig hinab. Es muß daher jener Gelehrte, der den europäischen Urmenschen „homo alpinus“ benannte, den überaus klaren und richtigen Blick für die ideale Lokalität gehabt haben, wo sich in Bezug auf die geologischen Verhältnisse der Mensch überhaupt entwickeln und erhalten konnte. Hier waren auch die Lebensbedingungen, retrospektiv betrachtet, sicherlich günstig: ergiebige Jagd und Fischerei; saftige Weideplätze für den Betrieb der Viehzucht; große Salzlager in den Norischen Alpen, aber auch Seesalz; kupferhältige Erze (Kupferzeit); Lager von Blei und Zinn zur Erzeugung der Bronze; Eisenerzlager bester Qualität (norisches Eisen); Berggold (Norische Alpen) und Waschgold (in allen Alpenflüssen) u. s. w. — daher alle Bedürfnisse, welche unsere Funde der prähistorischen Zeit rechtfertigen. — Das hohe Gebirge ist auch dasjenige, wo der Urmensch zur Zeit hoher Wasserstände oder Hochfluten Schutz suchte und fand, sich daher auch gelegentlich der „Sintflut“, wenn in Europa irgendwo möglich, nur in den Alpen retten und erhalten konnte. Ich glaube aber auch in Bezug auf die Entstehung der verwandten Sprachen und Dialekte eine Hypothese anführen zu müssen, die man nicht so gleichgiltig bei Seite stellen soll. Die Wandlungen unseser europäischen, allgemein „indogermanisch“ benannten Sprachen scheinen durch die Präzession der Erde sehr beeinflußt gewesen zu sein. Daß der Neigungswinkel der Erdachse gegen die Ebene der Erdbahn nicht konstant ist, gilt als erwiesen; die Anziehungskraft des Mondes wie auch der Sonne auf die äquatoriale Anschwellungszone bringen es mit sich, daß in einem Zeiträume von etwa 21.000—26.000 Jahren die beiden Hemisphären das Perihelium und Aphelium vollends wechseln; daß dies schon mindestens einmal der Fall gewesen sein muß, darüber ist kein Zweifel, weil in der tropischen Zone, wie z. B. in Afrika, in den Kordilleren, die Vergletscherung und die Eiszeit in den Erdschichten ebenso vorhanden und nachgewiesen ist, wie in der gemäßigten Zone; die Kälteperioden, die man daher in allen Formationen der Erde zu erkennen glaubt, sind durch die Präzessions-Rhytmen in den erwähnten approximativen Zeiträumen volkommen begründet.*) Es ist daher ziemlich sicher, daß der Mensch schon einen Teil der Tertiärzeit unserer Erdgeschichte miterlebt, daß er die Epoche zwischen dem Tertiär und dem Diluvium, die Glazial- und Interglazialzeiten überdauert hat. Und weshalb soll der Mensch seinerzeit solche klimatische ----------- % *) Es sei z. B. der Name Pasterzen-Gletscher erwähnt. Der Name bedeutet im Slavischen „Weideplatz“. Der frühere Weideplatz auf der Alpe wurde jedoch in der Eiszeit zum Gletscher, aber der Name verlor sich damit nicht. Und dieser Gletscher befindet sich auf dem Großglockner, welchen der Slave „Veliki Kiek“ nennt. „Glöckner“ ist wohl aus „Kiek“ entstanden, nachdem auch die einzelnen Teile dieses Bergstockes slavische Namen haben (z. B. Brusnica, Laprovje, Tiänica u. a.) Im Mittelalter schrieb man noch: Grosskleckner, später Grossklöckner. — Am Nord-ostkap Asiens, also am nördlichen Eismeere befindet sich beim Dorfe Dudinskoje vortreffliche Steinkohle in reichen Mengen und am Tage liegend, so daß eine bergwerksartige Gewinnung unnötig ist. Wie kommt nun dorthin ein Lager von Kohlen ältester Formation, wo es ja fast keinen Baumwuchs gibt; — ein Beweis, daß es aber einst hier bei einem milderen Klima einen sehr üppigen gegeben haben muß. Extreme nicht überwältigt haben, da er dies noch heute erweist, und wir viel kleinere und niedrigere Wesen kennen, wie z. B. die Höhlenkäfer, die die Glazialzeit in den meisten Gegenden überlebt haben. Wären aber z. B. die Saurier der Tertiärzeit lediglich der Glazialepoche wegen zugrunde gegangen, so wären wohl die meisten oder alle übrigen Lebewesen zugleich umgekommen; und doch kamen die übrigen fort und nur die gefährlichen Saurier — ausgenommen das Krokodil — endeten, wie bereits erwähnt, wahrscheinlich aus ganz anderen Gründen. Es wäre daher auch zu erwägen, ob nicht diese Präzessions-Rhytmen einen maßgebenden Einflus auf die Bildung von Dialekten und Dialektmischungen übten, weil auch die Sprache seitens des Klimas gewisse Veränderungen erfährt, auf diese Weise daher auch Rassen-, Sprach- und Kulturmischungen entstanden sein mögen. Die Berechtigung zu dieser Vermutung gibt uns auch die etymologische Betrachtung der drei europäischen Hauptsprachzweige: slavisch, germanisch und romanisch. Die heutigen Sprachunterschiede sind tatsächlich bedeutend ; geht man aber weiter zurück in jene Urzeit, wo es noch keine abstrakten Begriffe gab und der Mensch mir jene Objekte in der Natur zu benennen hatte, die ihn umgaben oder zu seiner Existenz in irgendwelcher Beziehung standen, so sieht man, daß diese noch heute bei allen erwähnten Sprachen nahezu gleichlautend sind. Man findet, je weiter man zurückgeht, ein konzentrisches Zusammenfließen aller jener Begriffe, die augenscheinlich dem Urmenschen bekannt sein mußten. Es ist doch unmöglich, daß die Menschen im Urzustände, sobald sie der Sprache mächtig waren, nicht einen Ausdruck für jene Objekte oder Handlungen gehabt hätten, mit denen sie in ständiger und unvermeidlicher Berührung waren oder die ihnen besonders auffielen, als: Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sonne, Mond, Meer, Wasser, Salz. Drache, Auerochs, Licht, Nacht, arbeiten, flechten u. a., und gerade diese haben zumeist in allen indo- germanischen Sprachen den gleichen Stamm, ja mitunter noch äußerlich die gleiche Form, ein sprechender Beweis, daß sie alle von einer Zentrale, einer Sprachquelle und einem Sprachschätze ausgegangen sind, daher man die Sj'nglosse, d. h. den gemeinsamen Ursprung der einzelnen Sprachgruppen durchaus nicht als ein Phantasiegebilde hinstellen soll. Es erscheint uns dies wohl rätselhaft, aber wie alle Welträtsel so lenkt auch dieses unentwegt auf eine monistische Lösung hinaus, denn die Vereinigung der Empirie und Spekulation, d. i. der sinnlichen Erfahrung und des logischen Denkens neigt auch bei dieser Frage zur Naturphilosophie der Einheit des Ursprungs. |Es ist aber dies auch ganz natürlich, denn der Mensch benennt die Gegenstände immer nach dem Eindrücke, den sie auf ihn machen, und diese Empfindung und Wahrnehmung ist allerorts nahezu die gleiche.*) Aber diese eine Ursprache muss bei der Weiterverbreitung Änderungen erfahren haben, welche mit der Entfernung wuchsen; und dieses kann uns nicht befremden, da wir ja noch heute wahrnehmen, daß sich schon in zwei benachbarten Dörfern geringe Wortunterschiede finden; welche Differenzen ergeben sich aber bereits zwischen gleichsprachigen Bewohnern, die ein größerer Gebirgszug trennt! Welche Wandlungen sind in den Sprachen im Laufe der historischen Zeit vorsichgegangen, welche die Wissenschaft noch festgestellt hat, und was geschah erst in den Zeiträumen, die sich der Erforschung entziehen! — Die Gelehrten beobachten ihre Objekte der Forschung zumeist mit gefärbten und nicht mit achromatischen Gläsern, und ist es selbst beim Einsätze bewußter Objektivität auch hier, wie auf jedem Gebiete, so paradox es allenthalben klingt, das Einfachste zu erkennen auch das A11 erschwierigste. Die Sprache des Urvolkes *) Mit der Systematik des Ursprungs und der Urbedeutung der Wörter sowie der Einheit der Sprachen beschäftigt sich neuester Zeit Dr Anton v. Velics in Budapest mit sehr beachtenswertem Erfolge. hatte einen beschränkten Wortschatz, wie auch das hinterlassene Inventar desselben mit wenigen Begriffen erschöpft ist. Aber diese wenigen Urbegriffe zogen weitere Kreise, verloren dabei das ursprüngliche Aussehen in dem Maße, als sie sich im Gebrauche von ihrem Stammboden entfernten, ähnlich dem Steine, der ins Meer geworfen eine Kreisbewegung hervorruft, die sich in immer schwächeren Wellen in der Unendlichkeit des Meeres verliert, so daß schließlich der Erreger dieser Bewegung nicht mehr erkannt oder beachtet wird. Die Begriffe aber, welche der Mensch im Urzustände bildete und gebrauchte, sind nur in einer Form allen „indogermanischen“ Sprachen eigen, daher man eigentlich im Zweifel sein sollte, welchem Sprachzweige die Priorität zuzuschreiben wäre; da aber die meisten und ältesten unveränderlichen Objekte wie: Länder, Flüsse und Gebirge Namen führen, die auf den ersten Blick als solche slavischen Ursprungs erkannt werden müssen, umsomehr, als die grundlegenden Begriffe hiezu die slavischen Sprachen allein heute noch kennen, so kann die Sprache des „homo alpinus“ *) wohl nur die heute als slavisch bezeichnete gewesen sein. *) Diese Bezeichnung ist in Bezug auf die Zeit nicht logisch zutreffend. Die „Alpen“, welcher Name auch den Kelten zugeschrieben wird, ist ein weit späterer, in der römischen Zeit gangbar gewordener Gesamtname, da die Urvölker für ein so großes Gebiet sicherlich keine Einheitsbezeichnung hatten, weil sie es auch nicht übersahen, sondern begnügten sich mit den bekannten Detaßnamen ; tatsächlich gebraucht und kennt der heutige Land- oder Gebirgsbewohner den Namen „Alpen“ nicht. Die Römer bezeichneten aber von ihrem Standpunkte die schneebedeckten Berge, die Italien nördlich begrenzen, allgemein als „montes albi“, was dann später, namentlich durch di« römischen Schriftsteller begünstigt, in allgemeinen Gebrauch überging. Daß dem so zu sein scheint, kann man auch daraus schließen, daß der Berg „Snežnik“ in Krain bei den Römern tatsächlich als „mons Albius“ (= weißer, schneebedeckter Berg) bezeichnet wurde. — Welche Gründe maßgebend waren, daß aus „b“ ein „p“ wurde ist ebenso unbekannt, wie der Übergang des „ban“ in „pan“ bei Pannonien. Allerdings darf es nicht unerwähnt bleiben, daß uns hier auch schon ein mehr oder weniger historisches Material vorliegt und daß uns die ältesten Sprachreste trotz ihrer scheinbaren Einfachheit bereits in einer so reichen Ausgestaltung Vorkommen, daß wir die Urformen nicht immer mühelos und mit positiver Sicherheit auslösen können. Wir wissen nichts Exaktes darüber, welche Wandlungen die Begriffe von der Grenze der historischen Zeit bis zu den Uranfängen der Sprachmechanik durchgemacht haben, verfügen aber immerhin über genug Anhaltspunkte für das Erkennen der Urform, denn sind wir nur einmal bei einem einsilbigen Worte angelangt, so berechtigt dies zur Annahme, daß diesem nicht mehr viel Schlacken aus der prähistorischen Zeit anhängen können, denn schließlich erschöpfen sich die Laut-Permutationen einfacher Silben doch eher als die Beihe jener Objekte, die der Urmensch zu benennen hatte. Und eben diese Urformen finden den meisten Gleichklang mit jenen Begriffen des slavischen Sprachschatzes, die wir als die ältesten in den topo- und ethnographischen Namen Europas erkennen und deren reale Harmonie uns auffallt. Es ist wohl kein Zweifel, daß dieser äußersten Grenze des historischen Erkenntnisses noch viele Jahrtausende vorausgegangen sind, ehe der Mensch die durch die Natur des konkreten Gegenstandes suggerierten, stets auf eine äußerst subtile Onomatopöie anklingenden Laute zum erstenmale aussprach, für deren kausale Berechtigung wir aber jetzt in Folge unserer Vielseitigkeit das natürliche Erkenntnisvermögen eingehüßt haben. — So fühlen wir allenthalben in der Silbe „os“ etwas Scharfes, Spitzes, Hohes, daher die Begriffe: os (Spitze, Schneide, Achse; frz. hausse = Bewegung zur Spitze), ost (scharfe Spitze, Stachel), osa (Wespe, spitzer Berg), osat (spitzig, scharf, Distel), oster (scharf) u. s. w.; in dem Begriffe „prenu hingegen lauschen wir bereits vergebens dem Naturzustände die Berechtigung ab. Und doch wissen wir, daß man einst in ganz Europa damit eine Alpenweide unter gewissen uns unbekannten Voraussetzungen bezeichnte und trifft die Berechtigung überall, wo dieser Name im Gange ist, auch zu. So können wir die Prenj planina in Herzegowina, dann auf der Balkanhalbinsel vielfach als Teilbenennung eines Gebirges, in Steiermark die Preinalpe, Prem, Prennhube, in Niederösterreich Prein, in Kärnten Preining, in Tirol Brenner u. ä. — Wahrscheinlich ist auch der Name Pyrenäen, wo die Basken (= Hirten) wohnen, slavischen Ursprungs und gleichfalls aus „pren“ entstanden; zum mindestens spricht dafür der bekannte Reichtum an Weideplätzen dieses Gebirges. Man behauptet wohl das Wort sei illyrischen Ursprungs, gibt aber nicht immer zu, daß die Illyrier Slaven waren; doch darüber ist jede Diskussion belanglos, weil uns niemand zu sagen vermag, was sie dann eigentlich waren. In den jetzigen Hypothesen, welche unsere europäischen Hauptsprachen auf das Sanskrit basieren, sehen wir nur wieder die krankhafte Eigenart des Menschen, alles Unfaßbare stets in weite Ferne und in noch unbekanntere Gebiete zu verlegen, indes die Erklärung und die Wahrheit selbst unmittelbar vor den Augen liegt. Die Präzessions-Theorie macht uns aber auch die Abzweigung der Inder erklärlicher. Dieselben dürften ihre einstigen europäischen Sitze, als die Glazialzeit in diese Gegend heranrückte, verlassen haben, übersetzten den Bosporus oder umgingen den Kaukasus und rückten mit der Zeit in ihre heutigen Wohnsitze, wo ihnen schließlich wieder das Meer, so wie den in Europa Verbliebenen eine Grenze setzte, vor; die sprachliche Verbindung mit Europa wurde jedoch durch fremde Sprachkeile im Rücken unterbrochen. Wäre umgekehrt das Sanskrit und das Volk der Inder der Ausgangspunkt der europäischen Sprache und Bevölkerung gewesen, so bliebe es völlig unerklärlich, weshalb ganz Europa durch sie bevölkert worden wäre, sie aber selbst auf ihre nächsten Nachbarn in Asien gar keinen Einfluß genommen hätten, und müßte die Sprache der Inder geradezu ganze Länder semitischen und mongolischen Sprachgebietes übersprungen haben-Dieses klimatische Rotieren oder Oszillieren dürfte es daher verursacht haben, daß unsere bisher als „indogermanische“ bekannten Sprachgruppen zu so vielen Sprachzweigen gekommen sind, weil mit der Zeit jeder weitere Kontakt mit der Ursprache verloren ging und für jene Begriffe des Fortschrittes, die der Urmensch noch nicht kannte oder gebrauchte, auf verschiedenen Punkten verschiedene neue Wörter entstehen mußten. Wie nun aus alledem ersichtlich, wurden hier Beispiele, Hypothesen und Belege genug vorgebracht, welche die offene Bekämpfung eines augenscheinlich großen geschichtlichen Irrtums rechtfertigen; vielleicht gibt diese Arbeit Männern der Wissenschaft einen kräftigen Impuls zur eingehenden Nachprüfung des gegebenen Beweismateriales. — Es ist einmal Tatsache, daß wir bereits mit Strahlen nach allen Richtungen feste Körper durchleuchten; das Licht des Auges späht tausendfach ver_ stärkt in unendliche Himmelsgefilde hinaus; aber den Schatten, der auf unserer Vergangenheit liegt, sind wir nicht imstande zu durchdringen. — Soll daher diese wichtige Frage gelöst werden, so muß vor allem die Gelehrtenwelt den untrüglich vorhandenen Widerspruch gewisser Naturgesetze zu den derzeitigen Ansichten zugeben, die starren Satzungen ihrer despotischen Doktrin entkleiden und die Gesamtforschung dem Geiste natürlicher, schrankenloser Wahrheit unterwerfen. Es ist aber eine bedenkliche Voreingenommenheit* wenn spezifisch fachliche Kreise irgendein Wissensgebiet als ihre unantastbare Domäne betrachten und niemand dreinreden lassen, als ob es unbekannt wäre, daß auch viele sehr einschneidende Erfindungen und Entdeckungen durchaus nicht von Fachleuten herrühren, denn alle Wissenschaft ist ihrem Wesen nach nichts weiter als mitgeteilte Erfahrung.*) Wenn aber solche Mitteilungen nicht immer ruhig aufgenommen werden, in Wissenskreisen oft regelrechte Revolutionen hervorrufen; wenn man seinerzeit die Urheber auch für Ketzer hielt und sie auf dem Scheiterhaufen enden ließ, so wurden aber die Hörer dann doch zum Nachdenken herausgefordert und oft mußten erst späte Epigonen zugeben, daß der kühne Pfadfinder kein Phantast oder Irrlehrer war. — Die herrschenden Vorurteile werden auch die Grundzüge meiner Erfahrungen nicht schlankweg für spruchreif erklären, was ja richtig ist, denn die Wahrheit vor den Augen des einzelnen heischt noch notwendigerweise das Überzeugtseins einer Mehrheit. Ich bin daher nicht vollends sicher, ob das vorliegende Gesamtrüstzeug zum schweren und entscheidenden Waffengange dermalen schon ausreichen wird, doch habe ich den Mut vor jedem Forum auch den Alleinkampf auf diesem vielumstrittenen Gebiete fortzuführen, sowie auch die Einsicht erwiesene Fehler einzusehen, weshalb ich meine Beweisführung auch genau in Behauptungen und Vermutungen teile. Ich behaupte unentwegt, dass der verlässlichste Führer in die Urzeit unserer Vergangenheit nur unsere Sprache sein kann, da wir das Jluffinden schriftlicher 'Beweise aus jener Zeit nicht mehr zu erhoffen haben, und bildet die Summe aller jener Begriffe, die ein Volk dereinst seinen Jinsiedlungen, Bergen, Flüssen, Seen, Tieren, Pflanzen, Mineralien, dann Gebrauchsgegenständen, sowie schliesslich seinen Gottheiten beilegte, dessen Ursprachschatz, welcher zugleich dessen älteste *) Es ist wohl menschlich erklärlich, daß sich so mancher Gelehrte, der das ganze Lebensalter hindurch auf falscher Basis geforscht, schon aus subjektiven Gründen dagegen wehrt, die Frucht seines Schaffens plötzlich zur Makulatur geworfen zu sehen; — aber der Fortschritt kennt keine zarten Rücksichten, und würde er sie kennen, so ständen wir schließlich noch heute auf Homer’s Scheibengestalt der Erde! Geschichte repräsentiert. Jenes Volk aber, dem die grundlegende Mktion dieser Urbenennung, namentlich aller noch beute unverändert bestehenden Terrainteile seiner jetzigen Wohnsitze zufiel, muss auf diesem Boden auch das llrvolk gewesen sein! Ich vermute hingegen, dass es auf der Erdoberfläche wohl etliche Sprachentstehungs-herde geben kann, die jedoch nicht in die Tiefenlinien sondern in den 'Raum der höchsten 'Bodenerhebungen eines grösseren Territoriums zu verlegen sind, dass aber alle sichtlich verwandten Sprachen doch nur einem solchen Herde entstammen; ich vermute weiter die ununterbrochene Begleiterscheinung des Menschen während der Bildhng der Kohlenlager; die Selbstbeobachtung einst tätiger und wieder erloschener Vulkane sowie die gleichzeitige Existenz des Menschen mit den tiiesen-Sauriern; schliesslich das Passieren mindestens zweier Präzessionsrhythmen vor den Mugen des europäischen Menschen und die Entstehung desselben in Europa selbst. Diese Vermutungen tragen einstweilen wohl noch den hypothetischen Charakter, weil der erfolgreiche Durchbruch neuer Ideen durch die bisherigen starren, von Religion und Wissenschaft verschiedenseitig eingeengten Systeme eine entsprechende, oft auf lange Zeit wirkungslose Vorbereitung und Aufklärung erfordert; aber auch hieflir gibt es ein tooezcxi /¡fiagl“ INHALT. Seite Vorwort.......................................... 3 I. Die Forschung nach Entstehung und Bedeutung der topographischen Namen in Mitteleuropa im allgemeinen...................................... 7 II. Die Forschung über die geographische Verbrei- tung der topographischen Namen slavischer ProvenienzunddieApplikation'derselben auf die Bodenbeschaffenheit und die geologischen Verhältnisse des Namensbereiches ...............15 Karner.......................................28 Kassiterides.................................29 Kelten.......................................30 Noricum......................................32 Pannonien....................................37 Türken.......................................39 Helenen.................................... 42 Skythen .....................................42 Sarmaten................................... 43 Avaren.......................................44 Veneti.......................................47 Gallier......................................53 Markomanen, Mauren.....................54 Deutsche, Nemeter............................60 Sachsen................................... 63 Schlesien....................................64 Russen, Preußen..............................65 Franken..................................... 67 Kroaten ................................... .68 Serben.......................................69 Alte Gebirgs- und Flußnamen .................72 III. Die Prüfung des Zusammenhanges des Natur- mythus und de- Vo 1 k s p h a n tasi e mit Einst und Jetzt.......................................81 Schlußwort..................................... .99 Inhalt........................................ 112 Domoznanski oddelek ŽUNKOVIč D. Wann wurde 2174 94(4) 0601541 -Z o o o o o 'V ZINKOGRRPHIE BGCHDRGCKEREI CHROMOTYPIE h. 5L0VRK, KREM51ER (MRHREN). m -11-T _r~ "v