» —-----------------------------———------------------—--------„ -----—^ Samstag den 2. Azipil 1831. Scenen aus Vem Nriegsleben, ^n gespannter Erwartung lagen mehrere Offiziere verschiedener Truppentheile, sämmtlich zu den Vorposten gehörend, an dem Vorabend der Schlacht an der Katzbach, um ein großes Vivouac-Feuer her, eng in ihre Mäntel gewickelt, und laut über das rauhe, un< freundliche, naßkalte Wetter murrend. Man erwartete für dcn folgenden Tag eine entscheidende Schlacht, denn lange schon stand man dem Feinde, ohne einen bedeutenden Schlag gethan zu haben, gegenüber, und vor wenigen Stunden endlich war der Befehl angelangt, daß das ganze Armeecorps ssch mit dem anbrechenden Tage bereit halten sollte, Über den Katzbach zu gehen, um den Feind anzugreifen. So willkommen auch eine solche Nachricht dem Soldaten, und besonders dem Offizier, der außer Ruhm und Ehre, auch noch das keineswegs zu verachtende Avancement sich winken sieht, jederzeit ist, so kann sie doch auch nicht ermangeln, ihn in eine ernstere, gewissermaßen feierlichere Stimmung zu versetzen. Sobald der Befehl zu einer Hauptschlacht gegeben ist, darf jeder Soldat, ohne daß er deßhalb beben wird, sein Leben als verfallen betrachten, und rettet er es aus der Schlacht, hat er gar das Glück, alle Gefahren unverwundet zu überstehen, so muß er dieß als einen Gewinn betrachten, welcher dem des großen Mooses in der Lotterie wenig nachgibt. Daher wird auch die Fröhlichkeit in den Kriegsla-6"n, mag sie sich in denselben auch für gewöhnlich bis zur Ausgelassenheit, oder wenigstens bis zum lauten ^5 l steigern, am Vorabend einer vorausdestimmten Schlacht sicher verstummen, denn die letzte Nacht, auf die der Soldat dann vor seinem Tode mit Sicherheit technen kann, ist zu wichtig, als daß nicht Jeder sie mit ernsten Betrachtungen, oder doch mit ruhigem Schlaf, um Stärkung für das schwere Werk des kom-menden Tages zu gewinnen, nicht aber bei dem Ve« cher, bei Karten und Würfeln, hinbringen sollte. 1 In solch feierlicher Stimmung nun befanden sich anch^ie erwähnten Offiziere, und nur wenig Worte wurden gewechselt, ehe Einer nach dem Andern ent? schlummerte. Nur zwei blieben wach, zwei innig vertraute Freunde, der Husarenlieutenant v. N., und der Artillcrielieutenant v. K..... »Bruder!« begann der Erstere, sonst einer der heitersten unter den heitern Kameraden, heut aber ungewöhnlich ernst, fast wehmüthig gestimmt,' «Bruder, mir ahnet, daß morgen mein Todestag seyn wird.« »Sei doch kein Thor,« siel v, K. ihm in dieNcd?, »und raube Dir selbst den Muth nicht, mit dergleicheit abergläubischen Grillen.« »Du weißt,« cntgegnete N., «daß ich nichts weniger, als abergläubisch bin/ auch denke ich morgen zu zeigen, daß das innere Gefühl, welches mir meinen Tod verkündet, mir den Muth zum Kampfe ge« gen die gehaßten Unterdrücker des Vaterlands nicht raubt. Fest aber bin ich überzeugt, daß das Gefühl nicht trügt, und so habe ich denn noch eine Bitte an Dich, die letzte ganz unbezweifelt für dieses Leben.« »Sprich sie aus,« sagte K., den des Freundes feierliche Stimmung allmählich auch ernst zu stimmen begann. »Sprich sie aus, und ich gelobe Dir die Erfüllung, wenn sie irgend in meinen Kräften steht.« „Das wird Gott geben,« erwiederte R., indem er dem Freunde herzlich die Hand drückte. Nach einer Pause fuhr er dann fort: »Empfängst Du morgcn d>o Nachricht, daß ich geblieben bin, und der Hinnr," 5? Dir glücklich durch die Gefahren des morgenden TageZ, so suche meine Aeltern — meine Braut,« — die Weh-muth drohte seine Stimme zu ersticken, indem er der Geliebten gedachte, die er nur deßhalb noch nicht Gattinn nannte, weil. er der'Stimme des Vaterlandes ohne Zögern gefolgt war, als es seine Söhne zu den Waffen rißs, — »schnell und schonend von meinem Ende zu benachrichtigen. Erlauben es die Verhältnisse des Dienstes, so bringe ihnen die Nachricht selbst, und sage den Theuern, Lieben, sie sollen nicht um mich trauern, denn ich sei freudigen Muthes gefallen im ehrenvollen Kampfe für das Vaterland, in treuer Erfüllung meiner Pflicht.« ,Wo aber sinde lch sie?« fragte K. »Wahrscheinlich sind sie — « Da fiel ein Schuß; schnell sprangen die Schlafenden auf, jeder eilte an seinen Posten, und kaum blieb R., ehe er sich auf sein Pferd schwang,, so viel Zeit, den Freund noch einmal voll Innigkeit an die Brust zu drücken; dann sprengte er davon, um zu recognosciren, «nd sie trafen vor Beginn der Schlacht nicht wieder zusammen. Die Schlacht war glorreich gewonnen, aber der Lieutenant v. K. connce sich des Sieges nicht so recht nnt fröhlichem Muthe freuen. N. hatte sich in seiner Todesahnung nicht betrogen. —, Er war ge.fallcn, mit Vtuhm bedeckt. Als dic Schlacht beendet war, erhielt der Lieutenant v. K. mit der von ihm befehligten halben Batterie sein Quartier in einem Dorfc, welches vom Schlachtfeld eben weit genug entfernt war, um nicht durch das Kriegsgelümmcl unmittelbar zu leiden. Der LieutS« nant selbst erhielt das Quartier auf dem Edelsitze, wo cr von dem bejahrten Gutsbesitzer, dessen Gattinn, einer ehrwürdigen Matrones und einem blühenden, ungemein reizenden jungen Mädchen, aller Wahrscheinlichkeit nach deren Tochter, mit der größten Freude und Zuvorkommenheit,, und dabei mit einer Herzlichkeit empfangen ward, wie sie nur dem befreundeten Krieger nach einer gewonnenen Schlacht zu Theil werden kann. Aber so willig sich ihm auch die Herzen der Schloßbewohner geöffnet hatten, so drängte doch sein unverkennbarer Trübsinn, sein finsterer Ernst, jede Freundschaftsbezeugung in ihre Herzen zurück, und sie beklagten es aufrichtig, daß ihney an einem Tage, wie der heutige, wo sie sich so gern mit allen ihren Landsleuten des errungenen Sieges so recht aus vollster Brust gefreut hatten, eine so mürrische, unfreundliche Einquartierung zu Theil werden mußte. Als K. mit seinen Wirthen zu Tische saß, — und der Gutsbesitzer, hatte, das Siegcsfcst würdig zu feiern , das Beste auftragen lassen, was Küche und Kel- ler zu leisten vermochten, ergriff der würdige Greis theilnahmsvoll seines gerngesehenen, wenngleich ungebetenen Gastes Hand, schüttelte sie mit biederherzigem Drucke, und sagte in Zutrauen erweckendem Kummer: «Lieber Lieutenant, was ist es für ein Kummer, der Ihre Brust so sehr belastet, daß Sie an einem Tage, wie der heutige, wo jeder Krieger unseres Heeres lauc jubeln sollte, sich einem so auffallenden Trübsinn hingeben können? — Glauben Sie nicht, daß eitle Neugier mich zu dieser Frage veranlaßt, sondern nur der Wunsch, Sie in heiterer Stimmung zu sehen. Wahrlich, sähe ich meinen Sohn heut in einer solchen Stimmung, — ich müßte irre werden an seiner Vaterlandsliebe.« »Sie haben auch einenSohn bei unserem^Heere?« erwiederte v. K. «Den einzigen,* entgegnete der Edelmann; »meinen Stolz und meine Freude,- die Stütze unseres Alters." Bei diesen Worten reichte er seiner Gattinn traulich die Hand» »Und Sie können sich Ihrer Freude über unser« Sieg so ganz ohne Rückhalt hingeben, noch ehe Sie wissen, ob nicht vielleicht Ihr Sohn denselben mit seinem Leben erkämpfen half?« fragte der Lieutenant. »Für heute kann unsere Freude ungetrübt seyn," erwiederte sein Wirth, »denn mein Sohn steht nichs bei diesem Armeecorps.« "Wohl Ihnen,« sagte v. K., «dann können Sie seines Lebens sich wenigstens noch für heute erfreuen!« „Herr Lieutenant,« begann nun das reizende Mädchen, K's. freundliche Tischnachbarinn, «gewiß, haben Sie durch die Schlacht ein theures Leben eingebüßt; wenigstens weiß ich nur so mir Ihre Stimmung in solcher Zeit zu deuten. — Halten Sie es nicht für Un-beschcidenheit, wenn ich Sie bitte, uns mit der Veranlassung Ihres Kummers bekannt zu machen; Theilnahme erleichtert den Schmerz, und von uns können Sie der aufrichtigsten versichert seyn.« „Sie haben den wunden Fleck getroffen, mein Fräulein,« sagte K., und schämte sich nicht, die Thräne, die er dem geschiedenen Freunde weinte, aus dein Auge zu wischen. «Ja, ich läugne es nichc, der heu-tige Tag hat mich viel gekostet, doch fühle ich es, daß ich Ihnen eine Erklärung schuldig bin, sollen Sie mein Benehmen nicht tadelnswert!) und unartig zugleich finden. — Hören Sie daher, was mich betrübt, und ich, bin fest überzeugt, Sie werden mir Ihrj Mitgefühl in seiner ganzen Ausdehnung schenken.« «Die heutige Schlacht raubte mir meinen besten Freund, ich kann wohl sagen, meinen einzigen, denn nur schwer öffnet mein Herz sich der Freundschaft. — Dennoch aber ist es weniger der Verlust selbst, als die, Art und Weise, wie derselbe statt fand. — Ich hatte 55 MHt melner Batterie in der Reserve gestanden, weil man für nöthig fand, meine Leute und Pferde zu schonen, da wir lange auf Vorposten gewesen waren. Uns war diese Anordnung keineswegs nach Wunsch, denn wir fürchteten, dadurch verurtheilt zu seyn, dem ganzen Kampfe theilnahms^os zusehen zu müssen. Endlich jedoch erhielt ich den Befehl, eine Stellung durch meine vier Geschütze zu verstärken. Freudig sprengte ich meinen Leuten voraus, um den passendsten Platz zur Aufstellung meiner Geschütze zu ersehen, da hörte ich mich plötzlich von matter Stimme beim Namen gerufen. Erschreckt durch den Ton der Stimme, die mir bekannt schien, parirte ich mein Pferd, und sah — meinen geliebten Freund, das Gesicht mit Blut bedeckt, am Boden liegen. „Bruder, erbarme Dich meiner," wimmerte er zu mir herauf. »Ich muß umkommen, wenn ich hülflos hier liegen bleide.« >— »Um Gottes Willen, Du bist verwundet?« rief ich. ->- „Schwer?«,— «Im Kopf und am rechten Arm;«, stöhnte er;, «aber ich muß mich verbluten, bleibe ich noch eine Stunde hier liegen." — Eben^wöllte ich, nur meines Freundes gedenkend , und in diesem Augenblicke alles außeo uns vergessend, von dem Pferde springen, dem unglücklichen Freunde beizustehcn, da rasseltcn mcine Geschütze heran, und ehe ich es hindern konnte —> ach, daß ich es gewesen wäre — fuhr das eine gerade über meinen unglücklichen Freund fort. — Gellend schrie er auf. —. Der Ton schnitt, mir durch die Seele, und unfähig, seine Leiden zu untersuchen, zugleich aber auch von der eisernen Pflicht getrieben, drückte ich meinem Pferde die Sporen ein, und jagte davon. In der^Linie eingerückt, richtete ich ein mörderisches Feuer auf den Feind, aber dessen ungeachtet konnte ich des Gedankens an meinen unglücklichen Freund mich nicht erwehren, und benutzte den ersten ruhigen Moment, der sich nur bot, um einen Unteroffizier, dcr leichtverwundet war, und auf den ich mich übcrdieß verlassen konn^ te, auf dem Wege, den wir gekommen waren, zurück zu schicken, um meinen Freund, dessen Uniform ich ihm nannte, und dessen Person ich ihm noch überdießgenau beschrieb, jedenfalls aufzusuchen, — Er hat ihn gefunden i aber wie? —Beide Schenkel waren ihm durch wein Geschütz gräßlich zerschmettert, und in den Armen deines Unteroffiziers, der vor einigen Stunden erst wieder zu mir stieß, verschied mein armer Freund un-^" den gräßlichsten Schmerzen.« Es erfolgte eine Pause, während welcher Niemand Zu athmen vermochte; dann seufzte K., beide Hände vor das Gesicht hallend; „O Mcin Rudolph, mußte ' ch noch auf s» fürchterliche Art das Werkzeug deines <6odes werden?« "Nudolph hieß Ihr Freund?« fragte der Guts- herr, und krampfhaft zuckten seine Mienen bei dieser Frage; und als erwarteten sie ihr Todesurtheil, schienen die beiden Damen der Antwort zu lauschen. «Rudolph v. N.;« entgegnete K., diese Spannung nicht bemerkend; »seine Aeltern müssen hier — Aber er vermochte den Satz nicht zu vollenden; mit gellenden Angstschrei sielen die beiden Damen in Ohnmacht, und der Herr des Hauses sank gegen die Lehne des Stuhles zurück, und rang in stummer Verzweiflung die Hände. — K. war bei den Aeltern seines Freundes im Quartier, und die er für die Tochter des Hauses gehalten, war die erwählte Schwiegertochter. Zum Schlüsse nun nur noch wenige Worte, die schönen Leserinnen in eine sanftere Stimmung zu versetzen, als sie empfinden würden, wollten wir gleich hier diese durchaus wahre Scene aus dem Kriegsleben schließen. — Mutter und Braut kehrten aus ihrer Ohnmacht zum Leben zurück, und während der zwei Tage, die es K. vergönnt war, bei den Aeltern seines dahingeschiedenen Freundes zu verweilen, gewannen, die bisher sich gänzlich fremden Personen dieses kleinen Kreises gegenseitig die größte Achtung vor einander,-—, K. eroberte durch die Liebe zu seinem verstorbenen Freunde das Herz dessen hinterlassener Braut, ohne daß sie selbst es wußte, oder auch nur ahnete, wie im Sturme, und als er nach beendigtem Feldzuge in der Stadt in Garnison kam, in der ihre wirklichen Aeltern lebten, ward er mit ihr bald so bekannt, daß sie beschloßen, den Rest ihres Lebens in Gemeinschaft zu wandeln. — Bis jetzt soll dieser Entschluß sie noch nichtge-reut haden. -------- ^----------- Ueber Ven May'g ,unv vessen Verbreitung. Vorliegende kl?!ne. Abhandlung enthält die vollständige Geschichte einer der wichtigen Getreideanen, die wir hier um so mehr im gedrängten Auszuge wiedergeben zu müssen glauben, da sie einen neue»; Beweis der unermüdeten und vielseitigen Thätigkeit ihres berühmten Verfassers liefert, und wohl nicht in die Hände aller unsrer Leser gelangen dürfte. Das eigentliche Mutterland des Mayses ist so wie das unsrer meisten Ccrealien bis auf diesen Augenblick noch nicht mit Bestimmtheit ausgcmittelt. Aug. St. Hila ire haczwar in einer in den Annalen des 3^l«nc. nanir. 1". XVI. l829. P. 1^. eingerückten Notiz Gründe angebracht, die dessen Heimach in den feuchten Wäldern Paragap's vermuthen lassen, indessen bedarf dieß noch sehr einer weitcrn Bestätigung. Die Cultur desselben unter den wärmeren Zonen verliert sich in die indischen Mythen, und vor der Entdeckung von Amerika findet sich in keinem europäischen Schriftsteller eine Mel- 56 — »? dung von dieser Getreideart. Zu dcr Zeit, als die Eu- ropäerAmcrika entdeckten, war die Cultur des May-ses bereits von dem südlichen Theile von Chili bis nach Pensylvanien verbreitet, und selbst die entferntesten Nationen besaßen ihn. Einer Tradition der Azteken in Mexico zufolge soll die Cultur desselben im 7ten Jahrhundert unsrer Zeitrechnung von den Tultekcn in Mexiko eingeführt worden seyn. Von da wurde er schon ^ durch Christoph Columbus nach Spanien gebracht, und Oviedo erzählt bereits 1525 in seiner Naturgeschichte von Indien, daß er den Mays in Andalusien, und bei der Kapelle von Antocha unweit Madrid auf Feldern gesehen habe. Doch scheint dessen Anbau hier nicht mit vielem Erfolg betrieben worden zu seyn, indem er nach Hernandez unter Konig Philipp II., 1555— 1589 noch wenig in Spanien benützt wurde. Von da wanderte?r wahrscheinlich durch spanische Krlcgsleute, die damals in Sicilien hausten, nach dem südlichen Italien, und erhielt deßwegen den Namen IVilicum ziculum. In Frankreich, wo derselbe l>I« ä'e8pagne genannt wurde, war er unter Heinrich II.' 1557 —1559 bereits bekannt, wurde aber erst zu Ende des 16tcn Jahrhunderts allgemein angebaut. In Teutschlands Gärten kam er in der Hälfte des Issten Jahrhunderts. 15 e» 2 führt ihn Leonhard Fuchs als aus Griechenland und Asien gebracht, und in den meisten Gärten einheimisch an. 1552 erzählt Nem^ bert Dodonäus, das von ihm sogenannte inilium in6icum würde seit wenigen Jahren in Frankreich, Vrabant und Teutschland gebaut. In Englands Gärten wurde der Mays im Jahre 1565 eingeführt. Um dieselbe Zeit scheint er sich auch aus dem südlichen Italien in das nordliche verbreitet zu habcn. Nach Ago-siino Gallo, soll er im Jahre 1560 zuerst in den Umgegenden von Novigo gebaut worden, und von da erst in das Veneticinische übergegangen seyn, 1571 soll er im Mailändischen Gebiete allgemein verbreitet gewesen, 4590 durch Odorico Pilori nach Velluno, und durch Benedeto Miari nach Friaul gebracht worden seyn. Im Jahre 1610 war dieses neue Getreide bereits ein wichtiger Handelsartikel der Venetianer, so daß der Anbau desselben im Großen am Ende dcs I6ten oder zu Anfang des 17tcn Jahrhunderts begonnen zu haben scheint. Von den Vcnetianern scheint es zunächst auf den griechischen Inseln und im Oriente verbreitet, und von da durch die türkischen Völker nach Ungarn gebracht worden zu, seyn, in welchen Gegenden es heut zu Tage die allgemeine Nahrung.bildet. 16^? wurde es von Verona nach Novered» verpflanzt, die allgemeine Verbreitung im südlichen Tirol erfolgte je- doch ersi in der Halfee des 17. Jahrhunderts, und nun wanderte es allmählig nach Teutschtirol, besonders^« die Umgegend von Innsbruck. Weniger Glück mach5e der Mals'in dem mit Wein und Wiesen gesegneten Theile des südlichen Tirols, indem er hier erst 1757 nach einer furchtbaren Ueberschwemmung angebaut wurde; jedoch keine besondere Aufnahme fand. Nach Steiermark dürfte er erst im I7tcn Jahrhunderte aus Croaticn und Ungarn, nach Kärnten und Krain aber wahrscheinlich aus Obcritalien und Tirol eingeführt worden seyn. In Teutschland, wo das Klima nur in seiner südlichen Hälfte dem Maysbau günstig ist, hat er die Cultur der gewöhnlichen Cerealien nicht zurückgedrängt, wird aber in Würtemberg und den Rheinischen Provinzen noch immcr gebaut, in Oesterreich und Mähren bloß örtlich, ebenso in dcr Schweitz, in Böhmen hat er die Gärten selten mit Erfolg verlassen. -^ Die älteste und zugleich auffallendste Benennung des Maises ist die von I^rulnontum tui-ci" cum 25>lUicuin, die richtigste die von Majthio-lus: I^rumc!nttnn indicum, alle übrigen beziehen sich auf die nächste Provinz, aus welchHtAan den Samen,erhielt. Der Grund dieser Namens,,--und''Va-terlandsvcrwechslung scheint darin zu liegen, daß Columbus das Mexikanische Festland, von ihm lio ^i-H-c'ia genannt, für einen Theil von Asien hielt, und das von ihm daselbst beobachtete Getreide als eine asiatische Frucht vertheilte, woher in der Folge, da die Türken einen großen Theil von Asien inne hatten, die Benennung I^i'ualelUuln turcicum entstand. Wt a r n u n g. Das so berühmte Ohrenöhl (Kulis acusticzuo), von einem O>. Möne Maurice in Paris verfertigt, welches neuerlich in vitten teutschen Blättern ausgeboten wird, ist nichts anderes, als ein, mittelst Alkannawurzel rothgefärbtes, feines Olivenöhl. Wenn ein Gläschen dieses Gcheimwittels, von 2 Loth Inhalt, um 12 Kreuzer verkauft würde, so müßten alle Harthörigen Teutschlands der Menschenfreundlichkeit des französischen Doctors Dank wisseni da dicser aber drei und einen halben Gulden für das Stück sich bezahlen läßt, so scheint mehr eine Pariser Veutelschneiderei, als der wohlgemeinte Nath eines fralizösischen Arztes, uns Teutsche hörig machen zu wollen. Das Oliven-öhl, mit seiner Eigenschaft, nicht auszutrocknen, ist auch den teutschen Aerzten als ein Mittel zur allmäh-ligen Lösung dcs verhärteten Ohrenschmalzes bekannt! NeVatteur: ^r. Vav. Keinrich. Verleger: Ignaz Al. Gdler v. Aleinmazir.