«ftwwwwi«w; Katholische millions-Zeitschrift der Söhne des heiligsten Berzens 3elu. -- - - Organ des [Rarien=Vereines kür Afrika. ■-r ■■:■.. »er Heilige Botet Papst Pin» X. hat bet Redaction, den Abonnenten neb Wohltätetn ben apostolischen gegen erteilt. Mit Empfehlung vieler hochwütdigstet Bischöfe. Erscheint monatlich einmal und lostet jährlich mit Post S K — 2 SKI. — s Franken !p' HL Redaktion und AdministrationIMionshaus iHllland bei Briien, Clrol. — Inhaltsverzeichnis: ■■■ — An die katholische Jungmannschast. 145. — Die Giur. 147. — Missionslsinder bei der Arbeit. 152. --Unsere katholischen Brüder im Morgenlande. 154. — Das erste Opfer aus dem Laverianum. 159. — Die Negerjugeud. 161. — Das Fieber, ein ungebetener Reisegesellschafter. 165. — Hndra, die kleine Bekennerin. 168. — Eine Primiz im Reservelazarett. 172. Die Löwenplage am Taugauika. 175. — Eilt chinesischer Pilgrim. 176. — Testament einer kleinen Missionsfreundin. 177. - Eine sonderbare Segenspendung. 177. — Unterhaltendes: Zamira. 178. Abbildungen: Füsilier Alfons Lttmpp f. 159. — Im Bantbuswald Ostindiens. 169. — Marsschule Reservelazarett B in München. 173. •— Zuckerrohrhändler., 185. Zur gefälligen Beachtung! Da infolge des Krieges mit Italien der zu Klagenfnrt zu erhalten, mit ihn unseren ver- Bahnverkehr in Süd- und Osttirol sehr häufig ehrten Lesern zustellen zu können. Wir bitten Störungen unterworfen, ja der Privat-Guter- ' daher alle Freunde unserer Zeitschrift tun gü-vcrkchr bisweilen sogar gänzlich unterbunden tige Entschuldigung, wenn wir einstweilen ihre ist, ist es uns unmöglich, den „Stern der Reger" Leselust auf eine so unangenehme Gcduldprobe immer zur festgesetzten Zeit aus der Druckerei stellen müsse». ßebetserhörungen und Empfehlungen: Dem Gebete unserer Freuirdc und Abonnenten empfehlen wir angelegentlich die im Felde stehenden Soldaten unserer Kongregation sowie jene ans unserem Leserkreise. Insbesondere bitten wir auch inständig, unseres gefallenen Alfons sowie der beiden in Afrika verschiedenen Brüder zu gedenken. Weiter werden dem Memento empfohlen: Herr Major Hermann Jsser, Hall; Herr Laud-tagsabgeordncter Dr. Johann Gratz, Innsbruck; Herr Johann Korber, Nikolsdorf; Jungfrau Notburga Solcher, Trens; Herr Haus Stofen* Hammer, UnterinaiS. Sabenverzeichnis, Opferstock: Afers, ling. 100,—; AlbeiizK, A. . S. 3,—; Altmünster, E. H. 1,—; Bozen, E. R. 688— ;Brixen, Ak. Miss. Ver. 10,—; Ang. 20,— ; N. N. 10,-1 N. N. 50,— ; A. 100,— ; Buchenstem C. K. 2,—; Campill, Dck. P. 20,— ; Pfr. C. 3,— ; Collfuichg, A. Z. 2,—; Dollberg, F. St. 40,—; Eggental, A. P. 10,—; Engers, Fr. H. 3,— ; Flirsch, J. E. 11,— ; Graz, Theo!. Miss. Ver. 30,— ; Gries, J. M. 1,—; Grotz-Krotzenburg, Fr. W. 11,70; Hippach, T. W. 10,— ; Jonsdorf, M. T. 8,— ; Jmmenstadt, A. P. 338,— ; Karlsbad, Dek. L. 3,—; Klein-Hcinrichschlag. A. H. 4,—; Lambach, P. B. G. 15,—; Latzfous, J. T. 10,—; Lahen, Ung. 4,—; Mals, Ben. H. 200,—; Marienzell, A. J. 1,75; Marling, Pfr., P. 10,—.; Millaud, E. S. 2,— ; A. L. 10,—; J. L. 2,— ; Pfr. M. 15,—; Montiggl, A. A. 2,—; Münster, W. 1,—; Münstereifel, Sr. C. 12,50; München, F. M. 10,— ; Nikolsdorf, J. K. 200,— ; Obermais, M. G. 1,—; St. Andrä, V. K. 1,— ; St. Peter, F. M. 16,—; St. Valentin, F. S. 50,— ; Steyr, J E. 5,— ; Telfs, M. G. 1,—; Unter-unis, A. L. 4,— ; Vandans, A. Sch. 2,—; Vicrschach, A. G. 18,— ; Villandcrs, J. P. 20,— ; B. Schtv. 12,—; Villnötz, Ung. 35,— ; Waidbruck, Ung. 10,—; Weistrach, J. M. 20,—. Zur Persolvieruug von hl. Messen sandten ein: Afers, J. G. 2,—; Ahrweiler, E. F. 69,77; Altmünster. E. H. 2,10; Anras, Dr. E. St. 30,— ; Aschach, M. K. 20,— ; Auerbach, M. Tr. 4,60; Augsburg, Er. H. 13,— ; Brixeu, N. N. 8,--; J. T. 6,— ; Ung. 50,— ; Köln, Sta. Mar. 44,82; Engers, Fr. H. 2,60; Feldkirch, Bar. M. M. 20,—; Gufidaun, Pfr. J. M. 203,20; Heiterwang, E. E. 3,—; Hochkretscham, J. M. 103,90; Hondorf, J. J. 39,— ; Kesseling, G. Z. 9,87; Klagenfurt, Dr. J. O. 48,10; Klepsau, F. S. 27,50; Längenfeld, A. G. 25,06; Millaud, M. F. 4,— ; N. N. 14,— ; Montan, M. L. 22,—; Münstereifel, Sr. Const. 311,—; Niederheimberg, Bgm. W. 25,96; Pfun-ders, M. H. 14,40; Rech, M. W. 23,14; Regensburg, F. H. Sch. 131,57; Reichraming, A. 3,—; Sailauf, Pfr. R. 11,70; Schmötzing, Fr. Sch. 20,— ; Schwnuenstadt, Pfr. 200,— ; Ungenannt 2,— ; Vinaders, Pfr. A. 54,— ; Willerscheidt, T. H. 125,-. Zur Taufe vou Heidenkiuderu: Sollt, Sta Mar. 53,75, (Josef und Katharina); 27,30, (Maria Bernard); Gleisdorf, Fr. Ma. 24,— (Emmerich); Hembach-Weiß, M. H. 26,75; Prvhl, Ung. 20,— (Josef Ignaz); St. Jakob i. 91., 24,— . (Jakob Anton); 20,— (Judas Thadd.); Wien, B. M. 26,—, Für Bischof Geher: Brixen, Ben. N. 10,—; Gleisdorf, A. Sp. 9,— ; Lambach, P. B. G. 15,—;. Münstereifel, St. Const. 25,50; Plan (Böhmen). Dech. I. Schm. 40,— ; Taxenbach, I. M. 5,—; Zakopane, Ed. B. 10,—. Für das Werk des Erlösers: 37,80. Briefniarken liefen ein aus Brixen. empfehlenswerte Büdier und Zeitschriften. Frankreichs Versündigungen mit Katholizismus. Unter diesem Titel bringt das neueste Heft (Nr. 29) der „Allgemeinen Rundschau", Wochen- schrift für Politik und Armin Kausen, München (Preis Kultur, Begründer Dr. it, (Preis vierteljährlich Mk. 2,60) einen äußerst - wichtigen, hochint er- M-MM katholjscheMsswnsrejtschnst äerLöhne -es heiligsten kerrms Jesu, (Ordern des Märien-Vereins für Hsrihßj Dient oornehmlich der Unterstützung und Ausbreitung der Iüissionstäfigkeit der Söhne des heiligsten Berzens 5esu und sucht Verständnis und werktätige hiebe des ülissionswerkes in Wort und Sdirift zu Fördern. Das Arbeitsfeld dieser IüissionSre iss der Sudan (Zenfrai-flfrika.) Der „Stern der Fleger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Ulilland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. flbonnemenfspreis ganzjährig mil Postuersendung 2 K — 2 Hlk. — 3 Frc. Der Heilige Vater Papst Plus X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den apostolischen Segen erteilt. Für die Wohl Idler werden wöchentlich zwei heilige Hiessen gelesen. Hüt Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, heitmeritj liinz, Olmüti, Marburg, Crient, Triest und Wien. Heft 7 u. 8. 5uli-fluguft 1915. XVIII. Aalirg. fln die katholische Die Missionsvereinigung katholischer Jünglinge Deutschlands (Zentrale Duisburg, Preußen) richtet in Anbetracht der gegenwärtigen lbedeutunlgsvvllen Stunde für die Sache «Gottes in den Heidenländern einen Appell an die katholische männliche Jungwannschaft Deutschlands, den wir auch den katholischen Jünglingen Österreichs nicht vorenthalten wissen wollen. Wir bringen ihn darum im nachstehenden zum Abdruck: „Lodernder Weltenbrand ringsum! In Waffen klirrt Europa, klirrt der Erdkreis. Ein Kampf um Sein oder Nichtsein! Atemlos folgen wir Däheimgebliebenen dem eisernen Würfelspiel! Eine Frage nur kennen wir mehr, einen Gedanken, einen Wunsch: — Krieg — Sieg! Recht so! Unserer Väter, unserer Söhne Herzblut rötet die Erde; unser Vaterland 3imgmannf chaff! kämpft ja um sein Leben. Doch auch der lauteste Donner unserer Mörser, das unwiderstehlichste Hurra! unserer stürmenden Regimenter kann nicht ganz den Hilferuf aus dem Riesenkampfe übertönen, der in den Missionslanden ausgekämpft wird: «der heilige Krieg gegen das Heidentum und die Barbarei, die Acht-hundertmillionen-Schlacht von Ewigjkeits-bedeutung! Nicht von den Karpathen bis zu Ostpreußens Seen, nicht vom Argvn-nenwald bis zur User nur, nein, von Pol zu Pol, von Alaskas ewigem Schnee bis in Afrikas glühendste Tropenglut, über den ganzen «Evdball hin zieht sich eine einzige, fast lückenlose Schlachtlinie. Feinde ringsum! Was das sagen will — des kurzen Wortes wuchtige Schwere; wir haben sie gefühlt in diesen Kriegswochen. Feinde ringsum! Sieh, wie sie kämpfen müssen nach allen Seiten gegen Buddhismus und Brahmanentum, gegen niedrigen Fetifchdienst und die Barbarei kannibalischer Kannten, wie gegen eine kulturkämpserische Regierung auf 2}tolbia= gaskar und die gemeine Verleumdung durch freimaurerische Beamten im Kongostaat. Feinde ringsum! Und erst die Lage der katholischen Mission inmitten dieses Weltbrandes. Wenig nur dringt bei ber jetzigen Abgeschnittenheit unseres Vaterlandes herüber, einige verlorene Laute aus dem großen Klagelied, einige zerrissene Fetzen ans dem langen Trauer-brief. Doch dies wenige genügt: Gleich zu Beginn hat Frankreich viele Missionäre zur Rückkehr in die Heimat, zum Kriegsdienste gezwungen. Selbst Missionsbischöfe mußten unter die Waffen treten. In vielen unserer Missionen tobt der Krieg. Mancherorts, wie in Togo, wurden die Missionäre mit Gewalt fortgeführt. Verwaist, vaterlos schon so viele Missionen! Und für alle ist die Hilfsquelle in der Heimat ganz oder fast völlig versiegt. Gin großes, banges Fragezeichen steht für uns Wer den meisten Missionen. Aber eines ist jetzt schon gewiß, wenn der Friede wieder ins Land zieht, bann werden viele Missionen einen Anblick bieten wie eine in Trümmer geschossene Stadt. Alles wird wieder neu aufzubauen, die zerstreuten Herden neu zu sammeln sein. Ein einziger Hilfeschrei wird dann aus allen Missionen zu uns dringen, von einem Ende bis zum anderen, wie ihn die Missionsgeschichte selten gehört hat. Über Tod und Ruinen des Schlachtfeldes leuchtet jetzt die Sonne christlichen Edelsinnes in nie geschauter Schönheit. Ganze Scharen von Frauen und Jungfrauen aller Berufe, aller Stände drängen ftdj freudig, den Verwundeten alle, selbst die niedrigsten Dienste zu leisten, die ermatteten Krieger auf bem Marsche zu laben, für die Zurückgebliebenen selbstlos zu sorgen. Wieviel edler Samariterdienst, wieviel Gold, das längst in vielen Herzen schlummerte, gewinnt jetzt eine beglückende Aüswertung. Und soviel Überschuß an Edelsinn und Samariterliebe regt sich jetzt in allen Herzen und sucht sehnlichst ein Wirkungsfeld. Sieh, auch auf dem Riesenschlachtfeld der Missions-länder verbluten jährlich Millionen und Millionen armer Heiden körperlich« und geistig. Auch auf uns, katholische Jünglinge, ist der bange Blick der Missionäre hilfeslehend gerichtet. Sagen wir nicht, wir könnten nicht! Beten können wir jetzt für sie, wie sonst nie; des Krieges eiserne Not hat uns wieder beten gelehrt. Goldene Gaben reifen uns jetzt aus unserem früheren Wirken, aus unseren Gebeten und Opfern für die Missionen. Für den Vater im Feld, für den Bruder bängt dir jetzt. Sieh, am fernen Sambesi streckt ein armes Negerkind, das dein Gebet gerettet, die Hände zum Himmel in dankbarem Gebet für den Wohltäter, und des Kindes Gebet wendet das Todesgeschoß von deines Vaters, deines Bruders Brust. Geben können wir nicht viel, aber Gold wiegt in eiserner Zeit dein Heller für die Missionen. Die Groschen auch der Ärmsten unseres Volkes haben mitgebaut an der Milliardenanleihe. Darum: Zeichnet die Kriegsanleihe der Missionen! Zeichnet, wenn ihr könnt, einen Heller! Tretet der Jünglings-Missionsvereini-gung bei! Erfinderisch macht in unseren Tagen die Liebe zu den Verwundeten: ein Glas Bier, eine Zigarre wirst auch du dir noch gerne für die Missionen absparen. Noch eines: Überwältigend für uns alle war der Anblick der Einigkeit unseres Volkes und der Einheitlichkeit unserer Heeresleitung, ein Plan, im Frieden »bis ins Kleinste ausgearbeitet, eine Kriegskasse, die überall hin nach Bedürfnis verteilt, ein Zentralwille, der von hoher Warte aus leitet, dorthin Verstärkungen schickt, wo der Augenblick sie erheischt. Und willig ordnet sich jeder unter, verzichtet freudig auf eigene Sonderpläne, ans getrenntes, eigenmächtiges Vorgehen. — Ja, ein Verbrechen an der großen Sache erschien das jedem. Und nur durch diese Einheit in Ziel, Kasse und Leitung siegen unsere Millionenheere. Katholische Jünglinge der Missionsvereinigung und ihr alle, die ihr jetzt beitreten werdet, — welch herrliche Rechtfertigung unseres Programmes: Anschluß au den Weltmissionsverein der katholischen Kirche! Kameraden, für die Acht-hundert-Millionen-Schlacht, für die Ewigkeitsschlacht auf dem Weltenschlachtfeld der Missionen muß es auch einen „Großen Die Bereits im September- und Oktoberhefte des Vorjahres brachten wir unter dem Titel: „Afrikanische Kultur und Lebensweise" aus der Feder des Hochw. P. Tappi F. 8. C. einen längeren Artikel über die Giurneger, der uns mit betn Familienleben, den sozialen Verhältnissen, wie insbesondere mit den religiösen Anschauungen dieses Volksstammes bekannt machte. Im Anschluß an diese Ausführungen möchte ich heute abermals Einiges über diesen Dr das Christentum so empfänglichen Negerstatnm der Bahr-el-Ghazal-Provinz berichten. 1. Charakter des Volkes. Die gesamte Vergangenheit iber Ginr ist in ein undurchdringbares Dunkel ge- Generalstab", eine allgemeine Kriegskasse geben, die von hoher Warte aus leitet, verteilt und ausgleicht! Kanteraden! Es tobt die Schlacht. Ka-nvnenschlünde speien Tod und Verderben. Hunderttausende von Blitzen durchzucken die Luft. In das Gebrüll der donnernden Geschütze mengt sich der brausende Schlachtruf der Heere, das dumpfe Röcheln der Sterbenden. Doch nichts hemmt den Siegeslauf unserer Freunde, die Begeisterung der zu Tode Getroffenen! Nur ein 'Gedanke beseelt sie: der Triumph ihrer Fahne. Flattern am Abend die geliebten Farben im Winde auf eroberter Feste, dann vergißt der ermattete Krieger alle Beschwebden, dann stirbt auf der Walstatt der Held mit leuchtendem Blick! Die Fahne hoch im Leben und im Sterben! Das ist ihre Losung! Die Fahne hoch! Das Kreuzbanner unserer Mifsions-vereinigung hoch, in Not und Tod, in Krieg und Sieg! Giiin hüllt. Es existiert keine schriftliche Auszeichnung, es existieren keine anderweitigen Denkmale, welche uns irgendwelchen Aufschluß gewähren würden über die Geschichte des Volkes, seine Vergangenheit und Entwicklung, so daß es nahezu unmöglich erscheint, etwas Verläßliches über die Schicksale dieses Volkes zu erfahren. Nur eine Möglichkeit besteht, um den dichten Schleier, der die Geschichte dieses Volkes verdeckt, zu lüften, das Befragen der Stammesältesten, welche die Erzählungen ihrer Voreltern stets weiter führen, um sie wieder auf ihre Nachkommen zu vererben. Aus diesen Werliefe-rungen erfährt man, daß die Giur vor Jahren unter der Herrschaft der Giallabas standen, vorübergehend auch unter den Franzosen, und schließlich gegenwärtig Untertanen 'tier englischen Regierung sind'. Äußerst bittere Erinnerungen haben die Giur den Giallabas bewahrt, einem Araberstamme, die sich zumeist mit dem Handel abgeben, und von seinem Erträgnisse leben. Während jedoch gegenwärtig Tuch-stosse, Elfenbein, Vieh usw. deren Handelsartikel bilden, bestand zur Zeit ihrer Herrschaft ihr Geschäft zumeist im Menschenraub; unversehens fielen sie über die vielfach wehrlosen Dörfer her, hieben, was sich ihnen in den Weg stellte, zusammen, namentlich Greise, Frauen und Kinder, und führten die Jungmannschast und die kräftigen Männer mit sich fort, um sie gegen hohes Geld- dem Mahdi als Soldaten auszuliefern. Bei solchen Plünderungen verübten die Unmenschen zumeist die rohesten Greueltaten, zumal an den ganz kleinen Kindern, und brannten in wilder Lust alles nieder. Noch heute trifft man Giurneger, die sich schmerzlich noch des Bruders oder der Schwester erinnern, die an ihrer Seite von einem der Räuber erschlagen wurden, oder auch des Vaters, der von diesen fortgeschleppt wurde, um als Soldat für einen Aufrührer zu verbluten. Was Wunder, wenn infolge dieser Roheiten ein grimmiger Haß gegen die Gial-laba in den Herzen der Giur fortlebt, ein Haß, der durch die beständige mündliche Überlieferung stets neue Nahrung erhält. Zahlreiche Kämpfe hatten die Giur auch mit den Denka, den Bungo und den Niam-Niam zu bestehen, Kämpfe, die zumeist in der Raublust oder im Rachedurst des einen oder des anderen ihre Ursache hatten. War der Sieg auf Seite der Giur, so waren diese nicht sparsam mit Hinrichtenlassen der unterlegenen Feinde und manche Alte im Silberweiß der Haare wissen mit vieler Freude zu erzählen von ihren Siegen und ihren Heldentaten, und wie sie unter Kriegsgesängen und Tänzen, mit Beute reich beladen, zurück zum heimatlichen Dorfe die Schritte lenkten. Infolge der kriegerischen Vergangenheit des Stammes kommt der Giur schon mit einem ausgesprochen kriegerischen Blute zur Welt, und mit einer gewissen Vorliebe für den Streit; wer dem Kampf ausweicht oder entmutigt sich zurückzieht, hat für sein Leiben lang die Makel der Feigheit und Schwäche anhaften. Der größte Rühm für einen Mann dieses Stammes ist es, einen seines-gleichen siegreich niedergerungen zu haben, und als größten TrimNph betrachtet er es, einen Löwen oder Leoparden im Walde angegriffen zu haben. Der Giur erwartet nie im sicheren Hinterhalte das Raubtier, sondern furchtlos folgt er dessen Spuren und reizt es zum Kampfe; hin und wieder büßt einer seinen Mut mit dem Leben, aber häufiger noch' gehen sie als Sieger aus dem ungleichen Kampfe hervor. In der Handhabung der Lanze besitzt tier Giur eine überaus große Sicherheit und Gewandtheit; allerdings übt er sich darin schon von frühester Kindheit an. Auf eine Entfernung von 20 bis 30 Meter wirft er den Speer mit einer Sicherheit, die auch einem Gewehrschützen Ehre machen würde. Da er sich seiner Fertigkeit wohl bewußt ist, begnügt er sich nicht mit dem Angriff auf einen Leoparden, er geht auch mit kaltem Gleichmute los auf den Eber, den Löwen, das Krokodil, das Nilpferd und !den Büffel und verfolgt sein Wild stundenlang, bis es von Blutverlüft erschöpft zusammenbricht. Der Giur, welcher nie so recht eigentlich Untertan eines anderen war, verachtet jegliche Abhängigkeit; Unterwür-figkeit ist für ihn soviel wie Sklaverei. Die englische Regierung nimmt Stern der Neger. 149 Heft 7 u. 8. Rücksicht auf dies Unabhängigkeitsgesühl und beschränkt sich darauf, einen jährlichen und äußerst geringen Tribut von ihnen einzutreiben; sich als Träger herbeizulas-fen, wie das die Bellanda, Niam-Niam, Goto usw. tun, hält der Giur als unter seiner Würde. Will man ihn zu einem solchen Dienste Verhalten, so flieht er in den Wald, wo er jederzeit für alle Fälle eine Hütte bereit hält, die ihm Unterschlupf und auch die nötige Nahrung bietet. Darum ist auch ein großer Unterschied zwischen einem Giuvhäuptling und demjenigen anderer Stämme; bei ihnen ist der Häuptling nichts weiter als eine große Null; jeder ist Fürst in seinem Hause. — So ist der Giur mit seinem kohlschwarzen, schon geformten und schlanken Äußern ein Mann mit ausgeprägtem Un-abhängigkeitsgefühl und kriegerischen Anlagen. Weit entfernt, das Ziel seiner Bestreibungen über den Besitz einer Lanze oder eines Schildes aus Tierhäuten hinaus zu erblicken, lebt er zufrieden dahin, ohne Wünsche und ohne Schmerzen. 2. Gastfreundschaft der Giur. Wer einmal zu den Giur käme, würde gewiß höchlichst erstaunt sein über den Geist der Bruderliebe, der unter ihnen herrscht, und der gegenseitigen Hilfe, die sie sich in allen Lagen leisten. Es ist dies ein ungemein schöner Zug an diesem Stamme. Fast nie oder doch nur äußerst selten wird man einen Fall verzeichnen können, daß einer in diesem Punkte es hat fehlen lassen; denn wer in diesem Punkte lässig gewesen wäre, hätte die längste Zeit hindurch die mannigfachsten Verdrießlichkeiten zu gewärtigen. Die Gastfreundschaft gilt ihnen als etwas Heiliges und Uiwer-letzliches. Unternimmt der Giur eine Reise, so fühlt er absolut nicht das leiseste Bedürf- nis in sich, irgendivelches Reisegeld zu sich zu nehmen oder gar für irgendwelchen Mundvorrat zu sorgen. Ist er von der Reise ermüdet oder hat sich der Tag geneigt, so klopft er an die nächstbeste Giur-hütte, und wird wie ein alter, wohlbekannter Hausfreund auf das herzlichste be-willkommt. Die Ältesten, die Seniores der Hütte, bieten ihm als die ersten ihren Gruß an, den er in einfacher und natürlicher Weise erwidert, ohne sich erst in einen langen und gekünstelten Wortschwall zu ergehen. Das Kleinste der Familie kennt schon seine Pflicht, die ihm obliegt, und kommt ihr nach ohne die leiseste Aufforderung: es bringt das schönste Fell herbei und breitet es an dem zum Ausruhen bequemsten Orte aus, damit dem Ankömmling eine recht angenehme Ruhestätte Geschieden wäre. Der Herr des Hauses läßt sich an seiner Seite nieder, jede sonstige Arbeit ruht und man ist nurmehr ganz Aug,' und Ohr für den Gast. Dabei sucht aber die Mutter des Hauses nicht, sich zu erschöpfen in allen möglichen Zweigen der edlen Kochkunst, nein, sondern das allen gemeinsame Essen wird einfach mit dem neuen Gast geteilt. Der Gaftfreund kann sich aufhalten, ein, zwei und mehr Tage, niemand wird ihm sagen, er möge bleiben oder er möge gehen; er wird beständig die gleiche Freundlichkeit, die gleichen Beweise von Freundschaft und Liebe erfahren und ein angenehmes Lächeln auf den Lippen des Hausherrn spielen sehen. Ist er entschlossen, seine Reise fortzusetzen, sagt er einfach: „a gae, ich gehe wieder." Er reist weiter und wird anderswo in gleicher Weise aufgenommen und beherbergt werden. Und während der Giur sich so in fernen Dörfern der Gastfreundschaft erfreut, genießt vielleicht zur selben Zeit ein anderer in seiner Hütte die nämliche Bewirtung, den gleichen Empfang. 3. Die Behausung. Der Giur legt immer seine Wohnung inmitten eines Waldes an; es gewinnt fast den Anschein, als meide er die Gesellschaft der Menschen. Will er sich eine Behausung errichten, sucht er sich ein Stück noch jungfräulichen Bodens uni)1 rodet daselbst mittels Feuer und Eisen den notwendigen Wald aus. Wo er sich niederzulassen gedenkt, da entfaltet er wirklich eine wahrhust alles verwüstende Tätigkeit am Wal-dbestande. um sich einen anbau- und ertragfähigen Boden zu sichern. Wenngleich nunmehr sein Leben getrennt von allen andern Menschen dahinläuft, so Hut er doch nicht die mindeste Furcht vor den Scharen von Affen, die ihm seine Durvahfelder oft arg zurichten, noch vor dem Löwen, der sich mit Vorliebe zur Nachtzeit in der Nähe hören läßt, noch auch vor anderen Tieren; der Giur liebt dieses freiwillge Alleinsein, um ungestört inmitten all der Schönheit einer erhabenen und majestätischen Natur leiben zu können. Außer seiner eigenen Hütte erblickt man auf hem freien, abgeholzten Platze zumeist noch eine zweite, — bestimmt für allenfallsige Gäste; — sie steht fast immer unter einem gewaltigen Baume, um dem Fremdling den Aufenthalt mehr kühl und angenehm zu gestalten. Da der Bau der Hütte in der Regel nicht auf längere Zeit berechnet ist, so ergibt sich- für den Giur die Notwendigkeit, alljährlich große Ausbesserungen an ihr vorzunehmen. Das aber hindert ihn nicht, an der alten, seit Jahrhunderten sthon bestehenden Art und Weise des Hütteubauens festzuhalten, trotz aller Mängel, die eine solche Behausung aNfweist; er ist diesbezüglich streng konservativ und verschließt sich hartnäckiig jeglicher Neuerung. Seine Hütte dient dem Giur nur zum Schlafen und zum Unterstand bei heftigen Regengüssen, während sich Essen, Arbeit, Unterhaltung usw. im Freien abspielen. Eine Rindshaut oder die einer Antilope bilden seine Liegestätte, während zahlreiche Töpfe sowie Wassermelonen das ganze Hausgerät ausmachen. Mitunter gleicht solch eine Giurhütte nicht wenig einer kleinen Arche Noes. Schafe, Ziegen und Hühner geben sich in ihr ein Stelldichein, Hennen mit ihren Küchlein spazieren unter ihnen herum, während Mäuse und Ratten ihre kühnen Sprünge und Tänze vollführen. In jeder Giurhütte trifft man eine Art Oberbdden an, wo die Getreidevorräte, die getrockneten Fische und andere Lebensmittel Aufnahme finden; hier ist das Magazin des Hauses. Etwaige Geldvorräte und Wertgegenstände pflegt man irgendwo im tiefen Wwldesdunkel aufzubewahren oder vergräbt sie im Boden seiner Hütte. Nicht selten sah ich mit meinen eigenen Augen, wie Mütter auch ihre verstorbenen kleinen Kinder in der Hütte begruben, sei es, um das Grab vor Verwüstung seitens wilder Tiere zu schützen, oder auch, um sich das Andenken an ihren früh genommenen Liebling recht frisch und lebendig zu erhalten. Im allgemeinen jebocf> werden die Gräber außerhalb der Hütte, allerdings dann in deren nächster Nähe angebracht. 4. Die Bestattung der Toten. Nicht ohne Interesse sind die mannig-lsachen Gebräuche bei Bestattuug der Toten. Stirbt ein Kind, so fühlt natürlicherweise am lebhaftesten den Verlust die Mutter, die nun lange Zeit hindurch jammert und weint, umsomehr, da ihr ihre heidnische Religion nicht den geringsten Trost zn dieten vermag. Meist trägt sie zum Zeichen ihrer Trauer zwei Schnüre um den Hals, um allen ihren großen Schmerz kunbzntun; oft und oft sah ich Mütter sprach- und tränenlos stundenlang am Grade ihres Kleinen sitzen; hin und wieder hörte ich ihre liebeatmenden Ansrufe: ... Meine Mine Blume ist verwelkt ... Mein teures Vöglein singt nicht mehr... ach, wäre mein Kind nicht gestorben, es hätte einst als kräftiger Jüng-linjg gegen die Feinde seines Vaters gekämpft ... er? hätte die Antilope erlegt, den Leopard ilm Waldesduuskiel getötet, das Krokodil im Flusse mit der Lanze zu Tode getroffen. So aber ist meine Seine Blume gestorben!... Darf die Mutter ihrem Schmerz durch Tränen kundtun, so ist das längere Weinen dem Mater untersagt; es wäre eine Schwäche für -ihn urtlb verriete eine Weichlichkeit, die einem Krieger nicht wohl ansteht; er weint mir ein -einzigesmal, und das am Todestage; die Geschwister dagegen verhalten sich vollständig gleichgültig. Stirbt eiin altersschwacher Gross, so macht man da wenig Aufhebens; Freunde und Verwandte geben ihrer -Überzeugung Ausdruck, der Alte habe nun einmal genug gelebt und darum habe es keinen Wert, sich weiter nur fernen Tod abzuhärmen. Ganz anders dagegen verhalten sich Freunde und Verwandte, wenn es sich- um einen Familienvater handelt. Mit größter Aufmerksamkeit verfolgt man bereits den Verlaus seiner Krankheit. Seine Freund-e besuchen ihn häufig, bedauern -ihn in seinen Schmerzen, sprechen ihm ihre Wünsche baldiger Genesung aus und segnen -ihn, sei es, daß sie ihm auf d-en Kopf spucken oder ihn mit Wasser besprengen. Manche küssen ihm a-uch die Hände oder setzen ihm ihren rechten Fuß auf den Leib. Steht der Kranke seinen Tod allmählich herannahen, so trifft er seine letztwilligen Verfügungen, vertraut seiner Frau oder auch seinen Freunden das auf- gespeicherte Korn, die Schafe und die Ziagen -an, und teilt ihnen auch die Stelle im Walde mit, wo sich seine Ersparnisse an Geld older sonstige Wertgegenstände aufbewahrt finden. Ist das Seftarnent nicht vor Zeugen gemacht worden-, so hat es fernen Wert >uud der vom Verstorbenen eingesetzte Ebbe verliert sein Anrecht, da sich die ganze übrige Werwandtfchast wie ein Mann gegen ihn wie gegen einen Räuber -erheben würde. Stirbt der Familienvater endlich, so ist -es -in der Regel an den Weibern und Freunden IbiejS Toten, ihn zu beweinen. Zahlreich -erscheinen- sie zum Begräbnis -und wohnen demselben unter Äußerungen großen Schmerzes bei. ©lie größte Trauer und allgemeines Wehklagen herrscht aber, wenn ein Giur-jüngling vom Tode ereilt wird. Der Vater betrachtet sich als völlig ruiniert, da ihm die hauptsächlichste Stütze für seine späteren Lebensjahre dadurch entrissen wuüde; die Miutter fist gleichfalls ^trostlos und ll-ä-M sich sofort das Haupthaar kurz scheren urtib bestreut den Kopf mit Asche, während sie jegliche Salbung mit Öl unterläßt, womit sie sonst ihren Laib schwarz und glänzend zu machen pflegte; und es fehlte mitunter nicht viel, so würde sie sich freiwillig den Tod geben; in schier endlosen Klagerufen tut sie ihren Schmerz kund. Die Grabstätten befinden sich in nächster Nähe der Hütte; alljährlich werden dieselben mit Kuhmist überzogen und vermögen so auch dem strömenden Tropenregen lange Zeit standzuhalten. Bei den Giur -herrscht nicht die -Sitte, auf dem Grab-e einen Steinhügel zu errichten, wie dies die Bellanda tun, auch nicht einen Elesanten-zahn oder einen Krug mit Negerbier ans das Grab niederzulegen, wie es Sitte bei den Niam-Niam und Ndoco ist. Die ersten drei Tage, wenn gs ein Mann, die ersten vier Tage jedoch, wenn 152 Stern der Neger. Heft 7 u. 8. es eine Fnaiu ist, verbleiben Freunde, Nachbarn und Verwandte wachehalkend am Gvab>e. Ist diese Zeit um, iso wird rnn frühen Morgen des fotgenlbcn Dages vor der Hütte ein großes Feuer angezündet, um das sich die Wachehaltenden herumsetzen, um ihre Füße etwas erwärmen zu lassen, worauf sie den Heimweg antreten; sie wollen damit ausdrücken, daß ihr Leib, infolge der Wache, igcmg erschlafft, durch die Wärme wieder zu Kräften komme. Sodann stellen sie sich im Kreise um das Gvckb auf und berühren dasselbe mit dem Fuße, was -eine Liebkosung des Toten bedeuten und gleichsam das letzte „Lebewohl" zum Ausdruck bringen soll, das sie dem Abgeschiedenen anbieten. Nach dreißig Tagen, wie auch am Jahrestage, begehen sie dine Erinnerungsfei er an das erfolgte Ableben, wobei besonders das Negerbier eine Rolle spielt, :um dadurch die Seele des Verstorbenen aufzuheitern und zu erfreuen. Die üliHionskinder bei der Arbeit Schon oft wurde von den Missionären hervorgehoben, daß man den Heiden nicht nur die Glaubenswahrheiten, sondern auch die Arbeit lehren und sie dazu anleiten müsse, ihr Brot auf ehrliche Weise selbst zu verdienen. Aber leider lassen die Erwachsenen sehr schwer von der ihnen angeborenen Trägheit ab. Anders verhält es sich mit den Kindern, welche noch biegsam und empfänglicher sind. Das Folgende soll nun ein kleines Bild davon geben, wie aus einer größeren Station bei den vielen munteren Kindern Gebet, Schule und Ar-Beiit miteinander vereinigt wenden. „Mit Gott fang' an, mit Gott hör' auf!" Diesen schönen Spruch in die Tat umzusetzen, werden auch unsere Kinder täglich angehalten. Daher antworten aus den Weckruf: „Gelobt sei Jesus Christus" sofort muntere Stimmen: „In Ewigkeit, Amen." Schnell sind alle in der Höhe, das Kleid — es ist nur ein einziges — ist schnell umgürtet und die Bettstelle rasch in schönen Zustand versetzt. Die Waschung nimmt ebenfalls nur wenig Zeit in Anspruch, denn der Neger liebt am frühen Morgen das Wasser nicht, weil es nach seiner Aussage zu kalt ist. Ist die notwendigste Reinigung beendet, so gehen alle sogleich zum Morgen-gebet in die Kirche. Unmittelbar daraus folgt die heilige Messe, während welcher ein Knabe in ihrer Sprache Meßgebete vorbetet, die der ganze Chor wiederholt. Nach dem heiligen Opfer beginnt der Religionsunterricht für bestimmte Abteilungen. Es mag ungefähr halb 7 Uhr werden, bis das Religiöse seinen Abschluß gefunden hat. Unterdessen sind auch schon die warmen Sonnenstrahlen hervorgekommen, erwärmen den Verfrorenen die kalten Glieder und bringen daher auch heitere Stimmung unter die Schar. Jetzt beginnt sogleich die Arbeik. Gruppenweise verlieren sie sich, indem der eine, und zwar der größere Teil, auf das Feld, andere zum Garten, wieder andere in die Werkstätten marschieren. I n Kinderhof wird es nun leer und nur mehr einige Rekonvaleszenten und kleinere Kinder trippeln herum, welche die leichteren Arbeiten, wie Kehren usw., besorgen. Diejenigen, welche mit Hacken ausgerüstet sind und auf dem Felde arbeiten, haben einen der schwereren Posten. Da hier weder Pflug noch Egge das Erdreich lockert, fo muss diese ganze Arbeit mit der Hacke vollzogen werden. Was die Arbeit oabei noch erschwert, sind die vielen Wurzeln von Bäumen, welche früher gefällt wurden und jetzt noch- immer neue Schützlinge treiben. Eine Abteilung ebnet die Bahn zum Hacken, imbiem sie mit Äxten das ^wuchernde Gestrüpp niedermacht. Bald rinnt allen der Schweitz von der Stirne, auch' die Neger müssen schwitzen, wenn sie sich anstrengen, besonders wenn es noch Neulinge sind, denen das Arbeiten etwas Unbekanntes ist. Gar oft schätzen sie die Zeit ab, wie lange sie noch arbeiten müssen, und sie haben wirklich grotze Übung darin. Doch nützt es ihnen nichts, denn nur das Glockenzeichen ist maßgebend. Es haben sich auch alle daran gewöhnt und verharren unter gegenseitiger Ermunterung bis zu diesem Zeichen. Ein kleiner, aufmunternder Zuspruch des auf-sichtführenden Bruders verfehlt seine Wirkung nie, besonders wenn er ihnen eine kleine Zuspeise bei der nächsten Mahlzeit verheißt. Wie von einem elektrischen Strom berührt, fährt jetzt neue Kraft in die erschlafften ©lieber ob der tröstlichen Verheißung und unter Gesang wird- bis zum Ende ausgeharrt. Ein etwas bunteres Bild bietet sich in der Gartenwirtschaft, in welcher sich die Burschen auch schon einige praktische Erfahrungen mit europäischen Sämereien angeeignet haben. Mit Gärtnersinn richten die einen die Beete her und streuen den Samen aus, andere sind im Begriff, kleine Pflänzchen zu setzen, lütebei andere besorgen das Gießen, was in Afrika immer viel Zeit und Mühe beansprucht; das schnell aufschießende Unkraut wird von weniger Geübten ausgerodet und gar die letzten in der Rangordnung sorgen für die treibende Kraft der Pflanzen durch Herbeischaffung von Dünger. Auf diese Weise wird immer reichlich frisches Gemüse für den sonst einfachen Tisch des Missionärs erzielt. Zur Besorgung unserer Vieh- und Schweineherde ist wiederum eine beträchtliche Anzahl Knaben erforderlich, um die täglichen Arbeiten zu verrichten. Dieses wären die Hauptbeschäftigungen außerhalb des Hauses. Die edlere Art des Handwerks aber reift umschlossen von vier Wänden, besonders ist darunter die Schreinerei zu erwähnen. Eine größere Anzahl Gehilfen und Lehrlinge finden wir emsig darin beschäftigt und auch hier wiederum in den verschiedensten Abstufungen. Die ersteren, welche schon die Lehrjahre hinter sich haben, befassen sich mit Altarschnitzereien, andere mit Türen und Fenstern für Kirche und Wohnhäuser und die letzten mit Bretter,hobeln. Auch diese Arbeit ist sehr schwer für die Kinder, da in Ermangelung jeder Schneidsäge mit Wasser oder Danrpf das harte afrikanische Holz mit der Handsäge geschnitten werden muß. Wirklich eine schwere Prüfung für die Jünger dieses Faches. Noch wäre die Schmiede zu erwähnen, welche ganz von Zöglingen besorgt wird, sowie die Schusterei. Auch in der Küche treffen wir solche schwarze Gesellen, welche ihr Handwerk trefflich verstehen. Wenn sie auch hie und da zu tief in den Salzbehälter greifen und die Essigflasche zu hoch halten, das halten sie nicht für gewichtig, denn sie selbst sind gewohnt, kein genaues Maß in den Gewürzen einzuhalten. Immerhin ist es eine große Leistung von ihnen, welche dem Missionspersonal sehr zugute kommt. Für alle diese arbeitenden Knaben ist die Arbeitszeit bis halb 12 Uhr festgesetzt, doch für diejenigen, welche noch die Schule besuchen, schlägt die erwünschte Stunde schon um 10 Uhr. Dieselben verlassen unter Gesang und Gejauchze ihre Arbeit, ob gerade aus reinem Wissensdrang ist zweifelhaft, bringen ihr Werkzeug an Ort und Stelle und benützen noch die eine Viertelstunde zum heiteren Spiel. Aus den Schall der Hausglocke hin begeben sie sich zur Schule bis halb 12 Uhr. Zur selben Zeit schlägt -auch für die anderen die selige Stunde. Welch eine Freude! Von der vorher anscheinenden Müdigkeit ist jetzt keine Spur mehr. Es wird gesprungen und geklettert, gespielt und getanzt, aber alles in seinen Schranken. Noch lieblicher für sie klingt das Zeichen zum Mittagstisch, dem alle um so bereitwilliger folgen, je größer der Appetit ist. Mit diesem sind sie aber auch immer reichlich gesegnet, denn seit dem vergangenen Wend bis zum nächsten Mittag ist eine geraume Zeit, zumal für jene irtit schweren Arbeiten. Das wissen ihre Obern auch wohl zu schätzen und verabreichen genügende Portionen. Nach dem Tisch ist wieder freie Zeit bis 2 Uhr, denn während dieser Zeit verbirgt sich sowohl der Europäer als auch der Neger vor der heißen Tropensonne. Um 2 Uhr beginnt abermals Schule bis 3 Uhr, während die nicht Schulpflichtigen zu dieser Stunde wieder an ihre gewohnte Arbeit gehen und in gleicher Weise bis halb 6 Uhr verharren. Außer diesen Arbeitskindern weilen hier noch andere, welche die Katechet-enschule be- suchen; auch diese verrichten nach Schulschluß um 4 Uhr noch 1% Stunden Handarbeit ebenfalls mit Hacke und anderen Geräten. Nach dieser Arbeit beten noch alle gemeinsam vor der Louvdesgrotte den Rosenkranz; wer nur immer kann, muß sich einfinden; somit wird die Arbeit mit Gebet begonnen und auch wieder geschlossen. Nochmals wiederholt sich Tisch- und Spielzeit. Nach solcher Verbringung des Tages folgt für alle während der Nacht ein süßer Schlaf, damit sie in der nämlichen Weise am andern Morgen das Tagwerk von neuem beginnen können. So vergeht ein Tag nnd) den andern. Wenn auch für manche der Anfang schwer ist, so daß hie und da einer das freie Leben eines Naturmenschen vorzieht und sich in seine Wildnis begibt, so gewöhnen sich doch die meisten sehr schnell an diese Ordnung und lernen so von Jugend ans arbeiten. . Unsere lieben Wohltäter in Europa sehen aus diesen Zeilen, wie gut ihre Pfennige, die sie zum Unterhalte von Waisenhäusern spenden, verwertet werden und daß keine arbeitsscheuen Menschen erzogen werden, sondern in Christentum und Arbeit geschulte Knaben, welche zur Christianisierung erheblich beitragen werden, und sie mögen1 uns darum in Anbetracht dessen auch in Zukunft ihre milden Gaben nicht entziehen. Untere katholischen Brüder im Morgentande. (Fortsetzung.) Antiochien hatte allmählich aufgehört, eine Stütze des katholischen Glaubens im Morgenlande zu sein, und begann so selbst den Grund zu seiner künftigen Bedeutungslosigkeit zu legen. Anstatt Leuchten des Glaubens zu sein, spielten nicht selten feine Patriarchen die Nolle der Irrlichter: sie verfielen in Spaltungen und Häresien. Im Jahre 330 n. Chr. wurde der katholische Patriarch Eustachius von An- tiochien durch eine arianische Synode daselbst abgesetzt und in die Verbannung geschickt; zehn Jahre später finden wir die Antiochener als eifrige Verfolger des heil. Athanasius. — Nach hundert Jahren bot sich ein gleiches Schauspiel, als der Patriarch J o h a n n e s als heftiger Verteidiger des Nestorianismus auftrat und die katholischen Beschöfe verfolgte. Konstantinopel fing schon an, Antiochien als Patriarchensitz völlig in den Schatten zu stellen, allen seinen Wünschen gefügig zu machen und ihm jegliche Bedeutung als kirchlichen Mittelpunkt zu nehmen. Auch sonst litt die Stadt viel durch Erdbeben, sowie durch die Verwüstungen der Perser. Doch wurde sie durch Kaiser Justinian wieder zu bedeutendem Glanze erhoben und war namentlich zur Zeit der Kreuzzüge unter dem Fürsten B o e -mund von T a r e nt eine namhafte Stadt. Seitdem aber Sultan B i b a rs sie im Jahre 1269 verwüstete, hat sie sich nie mühr zu einer nennenswerten Größe emporgeschwungen. Die jetzige Stadt, A n t a k i a genannt, ist ein öder Ort, an einem Abhang hingebaut, und füllt kaum ein Viertel der alten Tetrapolis. Sie ist im ganzen ärmlich, jedoch ringsum von Gärten umgeben, die mit dem schönsten Grün und unzähligen Mandelbäumen ge-schinückt find. Die noch vorhandenen Ruinen, die von den höchsten 'Bergkämmen bis an den Orontes hinabreichen, zeugen von der ehemaligen ungeheuren Größe und Festigkeit. Am unteren, weniger steilen Hange der Felsen sicht man noch Reste von Kirchen; unter den sichen Toren führt noch eines den Namen Paulstor. Die iStcibt zählt jetzt etwa 10.000 Einwohner, meist Mohammedaner. Die Katholiken, etwa 3000, besitzen zwei Kirchen und gehören verschiedenen Riten an. D i e M e l ch i t e n, Katholiken des griechischen Ritus, haben diese altehrwürdige Stadt als ihren Patriarchensitz erkoren. Ihnen und ihrem Patriarchensitz ist unser Interesse gewidmet; — doch wollen wir zuvor noch den Fall einer anderen stolzen Größe im Geiste miterleben. Es ist Konstantinopel. Nach Byzanz, der von Byzas 650 v. Chr. an der Wasserstraße zwischen dem Schwarzen und dem Marmarameer erbauten Stadt, hatten die römischen Herrscher wegen der schönen und günstigen Lage längst das Augenmerk gerichtet, bis Kaiser Konstantin der Große den Plan verwirklichte, an der Stelle von Byzanz eine neue christliche Hauptstadt des römischen Reiches erbaute und hiemit Europa und Asien, das Schwarze und das Mittelländische Meer verband. Obwohl er diese Kaiserstadt N e u - R o m genannt wissen wollte, gewann doch die Benennung Konstantinopel immer mehr Verbreitung. Die Pracht und Kmrst des Morgen- uttlb Abendlandes wetteiferten im Laufe der Zeit in Aufführung großartiger Bauten, welche jedoch insgesamt durch die vom Kaiser Justinian in den Jahren 532 bis 538 erbaute und der ewigen himmlischen Weisheit — Hagia Sophia — geweihte Kirche überstrahlt worden sind ; denn was immer der Reichtum eines unermeßlichen Gebietes Kostbares und Seltenes aufzubringen vermochte, wurde da in kunstsinniger Weise verbunden. Viermal versammelten sich die Väter der Kirche zu allgemeinen Versammlungen (Konzilien) in der Stadt Konstantins. Gleichwohl aber ist Konstantinopel nie ein Hort des Glaubens gewesen, es stand ihm vielmehr sein trauriges Geschick gleich anfangs an der Stirne geschrieben! Schon die Synode von Konstantinopel im Jahre 381 hatte dem Bischof dieser Stadt, welcher damals noch dem Metropoliten von Herakles untergeordnet war, in ihrer 6. Satzung den Ehrenvorzug nach dem römischen Bischof eingeräumt und ihr Verfahren mit den Worten >&e= schönigt: K o n ft a ntin o p el s e i N eu- Ro m! Obgleich dadurch dem kon-stantinopolitanischen Bischof keine eigentlichen Rechte übertragen wurden und der Papst diese Satzung nicht bestätigte, so erlangten doch die Bischöfe der oströmischen. Hauptstadt durch ihre politische Stellung, ihr Verhältnis zu den tagenden Synoden und ihr freilich oft durch den Zwang der Umstände gebotenes Einschreiten in Angelegenheiten anderer Diözesen, sowie durch die Bemühungen der Kaiser im Laufe der Zeit faktisch Patriarchenrechte. Auf der Kirchenversammlung zu Chalzedon im Jahre 451 wollte die in Abwesenheit der päpstlichen Abgesandten aufgestellte 28. Satzung dem Bischof von Konstantinopel die gleichen Vorrechte tote dem römischen Bischof zugestehen, sowie das Recht, die Metropoliten der Exarchate Pontus, Asia und Thrazien und alle Bischöfe in den von den Barbaren besetzten iGegenden dieser drei Exarchate zu weihen. Papst Leo der Große, dessen Primat von a l-len feierlich anerkannt wurde, verweigerte die von der Synode, vom Kaiser Marzian und vom Bischof Anatolius von Konstantinopel nachgesuchte Bestätigung dieser Satzung. Denn der weltliche Vorrang einer Stadt könne keinen kirchli-cheit begründen, und zudem verletze dieser Kanon die Vorrechte Alexandriens und die von Antiochien. Trotzdem dehnten sowohl Anatolius als auch seine Nachfolger ihre Herrschaft allmählich über den Orient aus, ja der Bischof Johannes der Faster legte sich sogar den Titel „ökumenischer P a t r i a r ch" bei, als er eine Synode nach Konstantinopel berief, um den Patriarchen Gregor von Antiochien zu richten. Gegen diese Anmaßung erhoben wohl wiederum die Päpste Pela-gius IT. und Gregor der Große Einsprache, aber mit wenig Erfolg. Auf diese Weise wurden die Bischöfe von Konstantinopel die allgebietenden Beherrscher der morgenländischen Kirche, deren Bischöfe, Metropoliten und Patriarchen in eine unwürdige Abhängigkeit von dem Bischof der kaiserlichen Residenz gerieten, während diese selbst häufig nur gefügige Werkzeuge der kaiserlichen Politik waren. Die durch solche Gelüste hervorgerufene Spannung zwischen Rom und Konstantinopel wurde noch vergrößert durch die Verschiedenheit des Volkscharakters, des Ritus und der nach und nach sich lockernden Disziplin, namentlich aber durch den Despotisnms der Staatsgewalt und die Herrschsucht mancher Patriarchen von Konstantinopel, welche nach Unabhängigkeit vom apostolischen Stuhle strebten. Darin fanden sie willfährige Bundesgenossen bei den ihnen untergebenen Bischöfen und dem hosfärtigen Volke. Schon aus der 2. Trullanischen Kirchenversammlung im Jahre 692 gab sich eine feindselige Stimmung der Griechen gegen Rom kund. Die Abneigung gegen den apostolischen Stuhl spricht sich aus in mehreren Beschlüssen, namentlich in den Bestimmungen über den Zölibat, über die Stellung des Patriarchen von Konstantinopel, über das Fasten und in dem Verbote der Lammesbilder. Noch unerfreulicher gestalteten sich die Beziehungen des byzantinischen Hofes zum Papste infolge der politischen Veränderungen in Italien, namentlich der Gründung des Kirchenstaates und noch mehr durch die Wiederherstellung des abendländischen Kaisertums, welches den Beherrschern des oströmischen Reiches ein Dorn im Auge war. Heft 7 u. 8. Stern der Neger. 157 Während des Bilder st reites machte sich čet einigen Kaisern und Patriarchen von Konstantinopel eine große Abneigung gegen den Heiligen Stuhl bemerkbar. In jener schandvollen Zeit, des Bilderstreites nämlich, vermaßen sich die oströmischen Kaiser L e o HL, welcher „Kaiser und Bischof" zugleich sein wollte, Konstantin Kabulinus, Leo V. čer Armenier und M i ch a e I H. mit unterwürfiger Mitarbeit der byzantinischen Patriarchen Anastasius, Theodotus, Kassiteras, Antonius von Perge-Syläum und J o h a n nes Grammatik e s, in das Glaubensleben der Kirche einzugreifen, demzufolge es nach uraltem Brauche erlaubt war, Bilder Christi und seiner Heiligen in Kirchen, auf öffentlichen Plätzen und in Privathäusern zur Verehrung aufzustellen; dieser Gebrauch nun sollte aus dem kirchlichen Leben verschwinden. Sie förmliche Trennung von Rom und damit von der katholischen Kirche begann aber unter dem verkommenen Kaiser Michael HI., einem Trunkenbolde und Possenreißer, für den sein Oheim B a r -das, ein ehrgeiziger und wollüstiger Intrigant, das Reich regierte. Durch des letzteren Einfluß wurde der fromme und mutige Patriarch Ignatius als Hochverräter auf die Insel Terebinthus verbannt, hauptsächlich, weil er ihy toegen des blutschänderischen Umganges mit seiner Schwiegertochter vom Empfange der heiligen Kommunion zurückgewiesen hatte. An Stelle des Ignatius, der sich weigerte, seine Würde niederzulegen, wuvde Photius, ein sehr gelehrter und fein-gebildeter Laie, aber voll Ehrgeiz und von höchst zweideutigem Charakter, ernannt. Der Erzbischof von Syrakus erteilte ihm die bischöfliche Weihe und Bardas suchte seine Anerkennung zu erzwingen; die meisten orientalischen Bischöfe erwiesen sich feige und waren der Regierung zu Willen. Nur einige nahmen sich des mißhandelten Patriarchen an, darunter besonders Metrophanes von Smyrna und Stylt an von Neucäsar e a. Um so treuer hielten die Mönche, besonders die Studiten, und das Volk von Konstantinopel an ihrem rechtmäßigen Patriarchen fest und mieden die Gemeinschaft mit dem Eindringling. Sowohl Ignatius als auch der byzantinische Hof und der Pseudo-Patriarch wandten sich an den Papst N i k ola u sI. Dieser aber, obwohl von seinen eigenen Legaten hintergangen, merkte bald das schreiende Unrecht, suspendierte seine Legaten nebst Photius und Gregor Asbestas und forderte die Anerkennung des Ignatius als Patriarchen. Der Kaiser antwortete auf die päpstliche Entscheidung durch ein von Photius verfaßtes, anmaßendes Schreiben. Der Pseudo-Patriarch aber bemühte sich, den Orient in sein Interesse zu ziehen. Die Verhältnisse waren günstig. Die Spannung zwischen Rom und Konstantinopel wegen der Jurisdiktionsrechte über die Bulgarei, die Abneigung des griechischen Klerus gegen die Lateiner, die vielen von Photius geweihten Bischöfe, die Anhänglichkeit des durch Geldspenden gewonnenen Volkes und der studierenden Jugend an den Pseudo-Patriarchen und der Schutz des Hofes erleichterten ihm die Ausführung seines Planes. Er richtete im Jahre 867 ein Rundschreiben an die Patriarchen des Orients, in welchem er gegen die Lateiner verschiedene Vorwürfe erhob und dieselben wegen >des Zusatzes „und dem Sohne" im Glaubensbekenntnisse der Ketzerei beschuldigte. Der lateinischen Kirche warf er vor, daß: 1. sie am Samstag fasten; 2. die erste Woche der Quadragesima von den übrigen Fasten trennten, Milch, Käse usw. genössen und anderer Völlerei sich ergäben; 3. die in rechtmäßiger Ehe lebenden Priester verachteten; 4. die von den Priestern gespendete Firmung nicht anerkannten, und 3. das Glaubensbekenntnis durch falsche Deutungen verfälschten und lehrten, der Heilige Geist gehe nicht allein vom Vater, sondern auch vom Sohne aus. Durch diese letzte Beschuldigung erhielt die Polemik auch eine dogmatische Grundlage. Zu diesen fünf Anklagen traten noch andere Haarspaltereien, so z. B. daß die Lateiner zu Ostern auch ein Lamm aus dem Altare weihen, daß die Kleriker sich nicht den Bart wachsen lassen usw. Gegen den Papst Nikolaus wurde der Bann unb die Absetzung ausgesprochen. Weiter konnte die morgenländische Anmaßung nicht gehen! Es trat jedoch unversehens ein nicht geahnter Umschwung ein. Der Kaiser Michael wurde getötet, sein Nachfolger Ba -si l i u s verwies den Photius in das Kloster Skepe und setzte den Ignatius wieder als Patriarchen ein. Um die Wunden der Kirche zu heilen, wandten sich der Kaiser und der Patriarch an den e i n-zigen über alle hervorragenden und für alle ohne Ausnahme b e st i m m t e n Arzt, an den Nachfolger des A p o st e l f ü r -st e n, Papst H a d r i a n II., welcher aus einer Bischofsversammlung im Jahre 869 die Beschlüsse der Zusammenkunft der Photianer verwarf und für die 8. lallgemeine Kirchenversammlung zu Konstantinopel drei Legaten sandte, welche in ihr den Vorsitz führten. Die Versammelten taten Photius in den Bann, setzten Ignatius in seine Würde wieder ein und stellten verschiedene andere Bestimmungen auf. Aber das gute Einvernehmen zwischen Rom und Konstantinopel war damit nicht hergestellt. Die Abneigung der in ihrem Stolze verletzten Griechen gegen das Abendland dauerte fort, ja der Patriarch Ignatius selbst geriet mit dem Papste in Zwist, weil er ber angemaßten Jurisdiktion über die bulgarische Kirche nicht entsagen wollte. Nach vielen fruchtlosen Ermahnungen bedrohte Papst I o -Hannes VIII. ihn zuletzt mit der Absetzung. Aber bevor die päpstlichen Legaten eingetroffen waren, hatte Ignatius das Zeitliche gesegnet und die Kirche von Konstantinopel den vom Kaiser wieder in Gnaden angenommenen Photius als Nachfolger erhalten. Ihn erkannten die orientalischen Bischöfe an und nach einigem Widerstreben pflichteten diesen auch die päpstlichen Legaten bei. Photius hatte in seiner Verbannung nichts gelernt. Er trat jetzt fast noch dreister auf, und es wäre ihm beinahe gelungen, auch den Papst Johannes hinters Licht zu führen, wie es ihm mit dessen Legaten auf einer Bischofsversammlung gelungen war, welche die von jeher verworfenen und verdammten Beschlüsse annähmen, toeil sie des Griechischen unkundig waren I Es kam aber noch ein Legat, der Kardinal Marinus, nach Konstantinopel, entdeckte Photius' Betrügereien und erstattete darüber Bericht, worauf der Papst feierlich das Anathem über Photius aussprach. Dieser gebärdete sich noch übermütiger, bis er nach deni Tode 'des Kaisers Basilius in einem Kloster seine Wohnung nehmen mußte, woselbst er im Jahre 891 starb. Der Kaiser Leo VT. ernannte seinen Bruder Stephan zum Patriarchen der Hauptstadt. Von nun an ruhte der Streit, bis gegen Ende des 10. Jahrhunderts die Patriarchen S i s i n n j u s II. und Sergius die alten Vorwürfe gegen die Lateiner erneuerten. ( Fortsetzung folgt.) Das erste Opfer aus dem Xaverianum, Oft schon feit Kriegsbeginn drängte sich uns die bange Frage auf die Lippen: Werden wohl unsere lieben Soldaten, bie aus den stillen Räumen unseres Missionshauses hinausgezogen find, um das bedrängte Vaterland zu verteidigen und zu schützen, alle wohlbehalten wieder zurückkehren, oder wenn nicht, wenn der liebe Gott es anders bestimmt haben sollte, wer wird der erste sein, der das Opfer seines Lebens dem Wohle des Vaterlandes wird bringen müssen? — Mehr denn neun Monate hindurch hatte uns Gott der Herr noch immer vor einem so schweren Opfer an Blut und Leben bewahrt, obschon aus unserer Mitte eine stattliche Streiterschar bereits in des Kaisers Rock steckt und manche aus ihr schon seit geraumer Zeit in dichtem Kugelregen gestanden sind und noch stehen. Aber endlich sollte auch für uns der Zeitpunkt kommen, wo wir das junge Leben gerade eines unserer hoffnungsvollsten Zöglinge als Opfer auf dem Altar des Vaterlandes niederlegen sollten. Es war am 20. Juni, als unerwartet ein Schreibett ankam mit den inhaltsschweren Worten: „Unser lieber Sohn Alfons ist in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai bei einem Sturm aus die Lorettohöhe gefallen". 8Ilf0rt§ Lumpp — so hieß der Gefallene — ist also der Erste, der auf blutiger Walstatt den Heldentod fanib, indem eine Granate seinem jungen Leben ein Plötzliches und rasches Ende bereitete. Alfons erblickte am 4. November 1894 zu Ettlingenweier, ■ Diözese Freiburg im Breisgau, als Söhn eines Landwirtes das Licht der Welt. Hier besuchte er die Volksschule mit gutem Erfolge, worauf er 1905 in die Realschule zu Ettlingen eintrat mit d erAbsicht, sich dereinst der kauf-männischenLaufbahn zu widmen. Allein es währte nicht lange, und in seinem Herzen ward immer mehr der Wunsch rege, dem lieben Gott im geistlichen Stande zu dienen. Je länger er darüber nachsann, desto mehrwuchs dieSehn-sucht und das Verlangen, das ihn hinzog zu diesem Berufe. Aber nicht das Leben eines Weltpriesters in der Heimat schwebte ihm als Ziel vor Augen, — nein Heidenmissionär, Negerapostel wollte er werden, um einmal dem göttlichen Herzen Jesu diese unglücklichen Kinder der Wildnis zuzuführen. — Nachdem er sich mehr denn ein Jahr ernstlich geprüft hatte, trat er schließlich eines Tages hin vor seinen Vater und bat ihn um die Erlaubnis zum 160 Stern der Neger. Heft 7 u. 8. Eintritt in unser Missionshaus hier in Millaud. Daß er sich gerade unsere Kongregation auserkor, hatte nicht in letzter Linie seinen Grund darin, weil dieselbe in ganz besonderer Weise dem göttlichen Herzen geweiht ist und den ehrenvollen Namen: „Söhne des heiligsten Herzens Jesu" trägt. Ein Sohn dieses Herzens wollte auch er werden, — ein Ziel, das seinem Geiste nimmermehr entschwand. Erst nach langer nnd reiflicher Merlegung und nur mit schwerem Herzen gab der Vater den Bitten seines Lieblings, ■— denn das war Alfons ihm stets gewesen, — nach, und so trat dieser denn nach erlangter Aufnahinsbewilligung am 22. August 1907 in unser Knabeninstitut „Taverianum" hier in Milland ein, um dann mit dem Schuljahr 1907/08 seine Studien am k. k. Gymnasium zu Brixen zu beginnen. Da Alfons von der Notwendigkeit überzeugt war, daß er einst im Weinberge des Herrn nur dann etwas Ersprießliches leisten toenbe, wenn wahre Frömmigkeit nnd Tugend ihn zieren, so war es ihm vor allem darum zu tun, sich dieselben durch gewissenhafte Erfüllung seiner Standespslichten zu erwerben; und da er wohl wußte, daß bei einem Priester Heiligkeit uns Wissen Hand in Hand gehen müssen, so verlegte er sich gleich von allem Anfang an aus ein ernstes Studium, und seine Zeugnisse legen beredtes Zeugnis ab von dem Fleiß und der Ausdauer, die er hiebei entfaltete. Still und ruhig floß für Alfons ein Studienjahr ums andere dahin. Eben hatte er mit Juli 1914 den 7. Gymnasialkurs mit sehr gutem Erfolge beendet und weilte in seiner Heimat auf Ferien, als der Weltkrieg ausbrach. Schon gleich in den ersten Tagen des August erging an ihn der Assentierungsbefehl, wor- aus er nach erfolgter Tauglichkeitserklä-rung alsbald der Fußartillerie zugeteilt wurde, bei der er bis Dezember verblieb. Am 8. Dezember aber ward er in das Infanterie-Regiment Nr. 40 zu Rastatt überseht, von wo er nach kurzer Ausbildung bereits am 18. Februar mit 300 anderen Rekruten ins Feld mußte. „Bin seit 18. Februar," so schrieb er einige Tage hernach an unseren hochw. Pater Rektor, „an der Front. Wir haben hier eine sehr-schmutzige und gefährliche Stellung; sind nur 400 Meter vom Feinde entfernt, darum geht es hier ganz ruhig zu; nur hie und da fällt ein Schuß. Bis jetzt geht es mir gut." Am 3. März unternahm seine Abteilung einen ersten Sturmangriff auf die heißumstritteneLorettvhöhe. Schon damals hätte es für ihn äußerst kritisch werden können, denn ein Granatsplitter verletzte ihn nicht unerheblich im Gesichte. Doch die Wunde heilte, und so finden wir Alfons nach wenigen Wochen bereits wieder im Schützengraben. In seinem letzten Briefe, den er am 22. Mai an seine Eltern sandte, bezeichnete er die letztverflossenen zehn Tage, vom 12. bis 22. Mai, als ganz besonders heiße Tage; oft stundenlang tourben sie von der feindlichen schweren Artillerie beschossen und namentlich am 18. wollte das Geprassel der gegnerischen Geschosse gar kein Ende nehmen. Endlich gegen 5 Uhr nachmittags ließ das tod- und verdevben-bringeride Feuer nach; Alfons kroch nun vorsichtig aus dem Schiützengraben, um ein wenig Ausschau zu halten, als er zu seinem wicht geringen Schrecken bemerkte, wie ein Trupp Franzosen heranstürmten und ein Abstand von nur wenigen Metern sie noch von der deutschen Stellung trennte. Rasch alarmierte er seine Kameraden, es kam zu einem blutigen Bajo- t 161 £>e|t 7 u. 8. Stern der Neger. nettkampf, in dem es nach hartem Ringelt schließlich den Deutschen gelang, den Feind zurückzuwerfen. Alfons war seinen Ka-liieraden ein rettender Engel geworden. „Heute hatte ich Glück gehabt," schrieb er an diesem Tage in seinem obenerwähnten Briefe. — Es sollte dieses Schreiben sein letztes sein; denn noch in der nämlichen Nacht vom 22. zum 23. Mai starb er den Heldentod fürs Vaterland. Seine Abteilung unternahm während derselben einen erneuten Sturmangriff auf die Loretto-höhe; mutig und mit Todesverachtung ging es die Abhänge hinan, da, mitten im mörderischen Kampfe trifft Alfons eine feindliche Granate und machte seinem jungen Leben ein jähes Ende. — Als Alfons ins Feld zog, da war sein letzter Wunsch, den er seinen Eltern gegenüber äußerte: „Wenn ich fallen sollte, so berichtet es sofort an das Kloster nach Milland; denn Tirol, — das Land des heiligsten Herzens, — ist meine zweite Heimat." Fast in jedem Schreiben kehrte diese Bitte wieder; mit solch inniger Liebe hing er am göttlichen Herzen. Ihm sollten alle seine Kräfte und Fähigkeiten, ja sein ganzes Leben geweiht sein auf dem Schlachtfelde und' im Riesenkampfe gegen das Heidentum und die Barbarei, so hatte er es Bei sich beschlossen. Doch es sollte ihm dies nicht beschieden sein, •— der liebe Gott begnügte sich mit dem guten Willen; — wohl aber nahm der Herr das Opfer des Lebens an, das der jugendliche Streiter ihm gebracht im Kampfe fürs bedrängte Vaterland, und er wird iljm gewiß die unverwelkliche Siegeskrone nicht vorenthalten haben. -i- * * So ruhe dich mm aus, teurer Toter, nach des Lebens Müh' und Leiden, nach des Todes bitt'rem Opfer. Ruhe aus in heiligem Gottesfrieden! Möge der Weltenheiland dein ewiger Lohn sein! Have anima pia! Die IlegerjugencL (Notizen aus dem Missionsleben 1. Die Kindheit. Hat ein Negerkindlein das Licht der Welt erblickt, so erhält es als erstes Ruhebett die bloße Mutter Erde; höchstens wird eine Grasmatte ausgebreitet. Bald nach der Geburt bekommt das Neugeborene ein kaltes Bad; auch späterhin wird stets kaltes Wasser zum Baden gebraucht. Eine Wiege bekommt das Kleine nicht, und wenn es auch der größte Schreihals ist. Als Wiege dient der Mutterarm; die Mutter legt nämlich den Kopf des Kiüdes in die flache Hand, läßt seinen Leib auf dem Vorderarm ruhen, und schaukelt und wiegt so ihr Kind. von DP. Anton Rude l O. 8. B.) Das Negerkindlein ist beim Eintritt in die Familie feiner schwarzen Eltern unv Geschwister auffallend weiß; die schwarze Farbe macht sich aber bald geltend, besonders wenn der kleine Erdenbürger an die Sonne gebracht wird, was meist schon am dritten oder vierten Tage geschieht. Dann hat es den häufigsten Aufenthalt auf dom Rückeii der Mutter und es begleitet dieselbe bei jeder Arbeit, in der Hütte und auf dem Felde, beim Spiel und beim Tanz, sowie auch zum Unterricht und zur Kirche. Die erste Nahrung bietet dem Negerkind im ersten halben Jahre ausschließlich die Mutter. Nach Verlauf dreser Zeit erscheinen die Vorderzähne und daun wird bort Meinen etwas dünngekochter Brei aus Matamamehl gereicht. Derselbe ist ganz einfach ohne Salz und Schmalz oder gar Zucker zubereitet. Mit einem Jähr faltigem die Kleinen gewöhnlich das Gehen cm, Mutternähvung erkhailten sie toertiigftertš bis zum vollendeten zweiten Jahr; bis zu dieser Zeit sind die Negerklejinen unbekleidet, sofern sie nicht schon vorher von der Mission TaufMeidchen erhallten haben. Die Zwischenzeit von einer Geburt bis zur andern dauert bei den Negerinnen gewöhnlich drei oder über drei Jahre. Zwillings binder habe ich iitrt verflossenen Jahre zweimal 'getauft, früher sollen die Zwillinge aus 'abergläubischer Furcht von bm Eltern getötet worden sein. Unter den erwachsenen Negern ist mir nur ein Zwillingspaar bekannt. Auch mißgestaltete Kinder wurden stets getötet; Mißgeburten kommen aber in hiesiger Gegend nicht viel vor; ich weiß wenigstens während meiner vierjährigen Missionstätigheit in Änkuledi keinen Fall; die Kinder sind meistens kräftig und gedeihen auch prachtvoll. Im verflossenen Jahre wurden hier achtzig Kittider im Alter bis zu zwei Jahren getauft; davon sind acht gestorben, also zehn Prozent, was gewiß ein günstiges Resultat ist. Kinderkrankheiten ansteckender Art habe ich noch nicht angetroffen, Ansschläge an Händen und Füßen und aus ibeim Kopse, sowie wehe Augen 'kommen bei den Kindern häusig vor und sind meist von der Mutter ererbt. Die Bekleidung der Kinder ist sehr einfach uTtlb oft mangelhaft. Nach dem dritten Jahre wjird ein Stückchen vom obgetra-genen Meid des Vaters oder der Mutter abgerissen, um dem kleinen Jungen als Kleidungsstück zu hieuen. Das Mädchen bekommt von der Mutter-NegeriNj schon früher ein Stück Zeug um den Leib, das an einer Perlenschnur befestigt ist. Auf diese Perlenringe halten die Negerinnen viel; sie kaufen lieber Perlen für ihr Töchterlein als ein Kleidchen. Ist ein solcher Hüftenring fertig, so wird auch noch ein zweiter und dritter gewunden aus kleinen weißen, schwarzen, blauen dber voten Perlen. Mit dem Wachstum des Körpers werden dann diese HüstenriUge erweitert oder erneuert. Dieselben werden auch noch im späteren Alter getragen zugleich mit dem Streifen Leinwand. 2. Jugendzeit. Auch der Neger hat während der Jugendzeit feine schönsten Tage; ein afrikanischer Wollkopf macht sich freilich auch in späteren Jahren nicht so viele Sorgen wie die gleichaltrigen zivilisierten Menschenkinder, aber in den Jngendjahuen lebt er doch' noch sorgloser als später. Mit sechs bis sieben Jahren sind die Knaben schon ganz wackere Jungens; da ist die Negerhütte freilich viel zu Mein, um ihrem bunten Treiben zu genügen. Doch an Raum fehlt es nicht, die Negerhütten sind weit genug auseinandevgebaut, daß für Spiele hinlänglich Platz ist, und erst die große Wildnis, welche allenthalben die Negerhütten und Dörfchen umschließt! Dahin mm eilen die barfüßigen Schuelläu-fer; gibt es da 'hods immer etlvas für ihre hungrigen Mägen zu erhaschen! Im Dezember uuld Jänner sprossen frische Kräuter aus der neubelebten Erde; der Negerjunge wählt geschickt die besten aus, Bri-nlgt sie in einem kleinen Töpfchen mit Wasser an das Feuer, und wenn es ihm gar gelingt, noch' ein Körnchen Salz zu mausen (stehlen), dann lacht ihm das Herz im Leibe ob des köstlichen Gerichtes. Im Feber und März gibt es viele Waldfrüchte, welche allerdings wegen tilfyret Härte und Rauhleit nur für den Neger-micngen bestilm>mt scheinen; nur eine Sorte, in 'Farbe und Größe ähnlich einer stattlichen europäischen Kirsche, fand ich- grit unid auch für unseren Tisch geeignet. Die Monate April, lMai und Juni locken die Knaben mehr in die bebauten Felder; denn um diese Zeit hat sich die Wildnis mit einer unheimlichen Menge hohen Grases bedeckt, in den angebauten Feldern aber ist der Mnhilndi zur Reife gelangt und unter dem Matama igiB-t es eine Sorte, die zwar keine gute Kernfrucht bringt, aber wegen ihres dicken Stengels, idler -gleich- dem Zuckerrohr ein weiches, süßes Mark enthält, von den Negern sehr gesucht ist. Im Juli und August wird das Gras in ibex Wildnis welk und dürr und dem Feuer übergeben, 'da ist es ein lieber Zeitvertreib der Jungen, die Ratten zu erjagen und auszng-raben, welche wieder treffliche Mahlzeit liefern. — In den späteren Monaten wird dann Tritt Pfeil und Bogen auf die Vögel Jagd gemacht. Ditz Mädchen sind während ihrer Jugendjahre schon etwas mehr an die Mutter gd&unlbm; sie haben öfters ein jüngeres Brüderlein oder Schwesterlein zu bewachen oder bekommen es auch schon frisch aus den Rücken -gebunden!. Beides — die -große Freiheitslust der Kltjaben, sowie das Dienstbarsein der Mädchen für die Mutter — fühlt der Missionär gar unangenehm Ißiqi Errichtung einer Schule; denn es läßt einen regel-nläßiigen freien Schulbesuch der Negerkinder schwer aufkommen. Der Missionär muß in aller Geduld mit diesen Umftänben rechnen und den schwarzen Schelmen wohl einige Versäumnisse nachsehen; mit Schlägen kann er Bei den freien Negerkinderin Nicht viel -ausrichten, dann würden die Jungen eben gar nicht mehr zur Schäle -kommen. In der Tat, eine Züchtigung ist das freie Neger-ki-üd -gar wenig -gewöhnt, to etil -auch Vater und Mutter zur Erziehung ihrer Kinder die Rute nicht gebrauchen; ja nicht einmal mit der Hand wird das Kind geschlagen; deshalb machen auch -die Negereltern gleich einen großen Lärm, wenn eines ihrer Kinder vom schwarzen Lehrer Nur ein wenig geschlagen wird. Ich habe die Eltern schon oft gescholten nNd denselben dargelegt, daß eine kleine Züchtigung den Kindern nicht schade, und daß dieses Zü-chti-gnngsrecht sogar timt Gott den Eltern -gegeben sei. Wenn ich dabei von -der Züchtigung rede, welche den weißen Kindern im GIternhanse und in der Schule zuteil Wi-rlb, so kommt das den wilden Schwarzen barbarisch vor. Gaitz ohne S-tvaftnittel ist indes der Neger nicht, er legt eben alles in seine Worte und kommt mit dem bloßen Tadeln aus. Die Neger sind hierin aber auch tatsächlich sehr empfindlich, und sie fühlen eine Zstrechtweiisnng von feitet i-hver Eltern sehr stark; doch wird auch sie noch viel zu wenig erteilt. Eigentliche Prügelstrafen bekommen die Negerjung-en erst, weitn sie die Unyago-Zeit durchgemacht haben; -erst van da an sollen sie Anstand wissen. Der Missionär läßt die Kinder ob kleinerer Vergehen niederknieu und ein oder zwei Vaterunser beten, dazu kommt unter Unu stäiiden noch Entziehung elites Teiles oder der ganzen Speise bei einer "Mahlzeit. Diese Strafen verfehlen -ihre Wirkung nicht und mit dem Fastet machen sie Mr nicht -gerne Freundschaft. Indessen unterziehen sie sich doch folgsam diesen Strafen, 164 Stern der Sieger. Hefl 7 u. 8. ohne Miene zu madjen, deswegen sortzu-tdiufen oder sich bei ihren Eltern zu beklagen. «Charakteristisch ist bei zahlreichen SZogcrftämmcii für die Jugend beiderlei Glesch lechtes die llnyago-Zeit, das ist die libergangs Periode von den Knaben«- in die Jünglingsjahre. Diese llnhago-Gebräuche bergen in sich manches Abergläubische und das christliche Sittengefühl Verletzende; deshalb ist der Missionär dagegen und sucht wenigstens das Anstößige wegzubringen. Die Alten aber halten unge=-mein zäh daran, daß ihre Kinder das llnyago durchwachen. Die llnyago-Zeit beginnt nach der Ernte und erstreckt sich über die Monate Juli, August und auch noch September. Nach Neigersitte muff jedes Negerkind das große llnyago einmal mitmachen. Am großen oder Jugend-Unhago Beteiligen sich die Kinder im Alter von sieben bis zckhn Jahren und auch- nioch> ältere, die früher etwa durch Krankheit oder Verweilen in einer entfernten Gegend verhindert gewesen waren, daran teilzunehmen. Das eigentliche Wesentliche beim Knaben-Unyago liegt in «der Beschneidung. Wenn Zeit und Ort Des Unyago-Spteles von den Häuptlingen bestimmt sind, bekommt jeder beteiligte Knabe einen erwachsenen Neger als Wakubwa, gleich«-sam als Patron oder Ratgeber für das ganze Leben, und auf diesen Wakubwa halten die Neger sehr viel, fast mehr als auf die Eltern. Nachdem zuerst ein Hahn als Opfer geschlachtet und mit seinem Blute ein Baum bestrichen wurde, halten die ©Item der Kinder, sowie die Wakubwa ein Mahl, wobei der Hahn mjit llgalibrei verzehrt wird. Nach« beendetem Mahl toird noch ein wenig gesungen und getanzt, dann! packt plötzlich ein Wakubwa seinen Knaben und eilt ein Stück in die Wildnis, wo schon der Zeremonienmeister wartet und sogleich die Zeremonie am Knaben vornimmt; alsbald eilt ein anderer Wakubwa mit seinem Jungen dem Zeremonienlmeister nach, -welcher sich, nach jedem Akt auf eine andere Stelle begibt. Den Knaben wird von ihren Wakubwa sehr verwehrt, zu weinen. Nach «Beendigung der Beschneidung an «allen Knaben wird der mit dem Blute des Hahnes beschmierte Baum abgehauen und liegen gelassen; die Knaben «lassen ihre Wunden unverbunlden «und kleiden sich von jetzt an nur mit geschlagener Baumrinde, sie bleiben in kleinen Hütten mit ihren Wakubwa in der Wildnis, IßiiS sie geheilt sind, etwas über einen Monat. Während dieser Zeit dürfen die Knaben keine Weibsperson anschauen; selbst die Mütter stellen d>as Essen in einiger Entfernung von der Hütte nieder, wo es von den Wakubwa abgeholt wird. Die Wakubwa selbst dürfen« keinen Umgang mit ihren Weibern pflegen, weil sonst die Knaben nach Neigerglauben nicht heilten, ja sogar sterben müßten. Bekommt ein Knabe an seiner Wunde ziemlich! Beschwerden, so wird die Schuld «gleich 'auf den Wakubwa geschoben, als ob er sich irgendwie verfehlt hatte, «er wird eventuell durch einen anderen ersetzt. Den Knaben sind bei Beginn des llnyaga die K«opfhaave abrasiert worden; sind dieselben wieldler etwas gewachsen, so wird olberhalb der Stirne nochmals ein Halbkreis abgeschnitten, dann ist die Zeit der ^Beendigung gekommen. Der Wakubwa beginnt nun mit seinem Knaben Anstandsregeln. Es wird dem Knaben sehr eingeschärft, Vater und Mutter und jeden Erwachsenen zu ehren, alte imlb «irrrve Leute nicht zu verspotten, Freu ich e Ißereitirmllig zum Mitessen einzuladen und dergleichen. hicher wäre der Unterricht gut, nun folgt «der noch eine eingehende Erörterung über Dinge, die sie noch nicht zu wissen brauchten, sowie geradezu unmoralische Lehren. Mach der Belehrung werden die Knaben mit schönen Klqidern >ans!gestattet, das Haupt wird mit Öl übergössen, so daß der ganze Körper davon trieft, und dann werden die mündigen Jungen in das Neger-dorf geführt, wo sie mit großem Jubel-geschrei von ihren Müttern und Verwandten begrüßt und zu festlichen Tänzen herangezogen weüden. Die Knaben gehören jetzt in dse Reihe der Erwachsenen; man erwartet von ihnen >aber auch, daß sie ibie empfangenen Belehrungen nach Negersitte gut beobachten. Wenn sich ein Negerbürsch-lein groib dagegen verfehlt, insbesondere beleidigende Schimpfworte gegenüber den Eltern und Erwachsenen gebraucht, so wird er bei seinem Wakubwa verklagt, und dieser Wakubwa ladet sein Klientlein nun ein, ihm in die Wildnis zu folgen; dort wird unter vier Augen dem Bürschchen die Wahrheit gesagt und sein schwarzes Fell wähl das erstemal ordentlich gegerbt. Vor dem Unyago werden die Jungen für die begangenen Fehler nicht hart bestraft, anders aber nach demselben; leider werden aber fast durchwegs nur Verbrechen wegen Beleidigungen so gezüchtigt, während es bei Diebstahl uirid Unsittlichkeit ohne Prügelstrafen abgeht; bei Disbstalhl wird nur Schadenersatz gefordert, welchen mitunter auch der Wakubwa entrichtet. Das Unyago der Mädchen nimmt ge-wöhnlich längere Zeit in Anspruch, zwei bis drei Monate. Als Zeremlonitzn-meifterin waltet hier ein Weib. Die Hauptsache sind hiebei Belehrungen, die zum Teil gut, zum Teil überflüssig oder gar verwerflich) sind. Die Mädchen, welche das Unyago mitmachen, haben etwa das Alter wie die Knaben; für sie werden in der Nähe des Negerdorfes eigene Hütten aufgeschlagen. Sie müssen während dieser Zeit sorgfältig auf der Hut sein, sich vor Mannspersonen blicken zu lassen, und tragen in dieser Zeit außer dem Lendentuch aus Baumrinde noch ein solches über den Kopf, um damit ihr Gesicht zu bedecken, wenn sie beim Verlassen der Hütte zufällig von einer Mannsperson erblickt werden. Der Schluß des Unyago ist der gleiche wie bei den Knaben, die Mädchen gelten nun als erwachsen und werden bald verheiratet. Es herrscht dabei aber die Unsitte, daß die Häuptlinge oder auch andere Männer Unyago-Mädchen als Nebenweiber zu sich nehmen. Gegen diesen alten heidnischen Brauch schreitet die Mission energisch ein. Das Fieber, ein ungebetener Reisegesellschaften „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen." Dieser Satz kam mir gestern abends in den Sinn, als ich nach Sonnenuntergang, mübe von den ausgestandenen Strapazen, vor unserer Missionsniederlassung saß und die Erlebnisse der eben beendeten mehrtägigen Visitationsreise, auf der ich unseren hochwür- digsten Missionsbischof begleitete, an meinem Geiste vorüberziehen ließ, während dichte Rauchwölkchen aus meiner Pfeife zum sternbesäten nächtlichen Himmel emporstiegen; bietet doch eine Reise hierzulande, und mag sie auch nur etliche Tage umfassen, mehr be§ Interessanten und des Überraschenden, als dies 166 Stern der Neger. Heft 7 u. 8. bei einer mehrwöchentlichen Rundfahrt im zivilisierten Europa der Fall wäre. Bei der diesmaligen Reife ist es nun namentlich der vierte Tag, der in mir besonders lebhafte Eindrücke hinterlassen hat. Schon mit dem ersten Hahnenschrei waren wir -an diesem Tage ausgebrochen und befanden uns bereits einige Stunden aus dem Marsche. Wir stiegen eben langsam eine Anhöhe hinauf. Zahlreiche Fußspuren von Giraffen, Zebras und Antilopen weckten in uns das Verlangen, einem von ihnen zu begegnen. Aber keines derselben war zu sehen. Eine Kette 'Perlhühner erhob sich manchmal bei unserer Annäherung; da wir aber leider für sie kein geeignetes Gewehr mitgenommen hatten, mußten wir ruhig zuschauen, wie sie nicht weit von uns längs des Weges dahinsp-azierten, uns ihr prächtiges Gefieder zeigend. Während ich so, durch tausenderlei Anziehungspunkte ganz und gar in Anspruch genommen, in Anschauung versunken war, stürzte auf einmal meine kleine Eselin in ein tiefes Sumpfloch. Solche Löcher sind im äquatorialen Afrika sehr zahlreich und bilden eine ständige Beschwerde der Reisenden in der Regenzeit. Sie sind muldenartige Vertiefungen und mit stehendem Wasser gefüllt, welches, da es keinen Abfluß findet, langsam unter der austrocknenden Hitze der Sonne verdampft. Sie sind daher auch eine ständige Quelle des die Reisenden überkommenden Fiebers. Wir waren also an eitern dieser Sumpflöcher angekommen, ohne es bemerkt zu haben. Ja, wir waren plötzlich in ein solches mitten hineingeraten. Im Nu war ich -abgestiegen, um meinem armen Tier aus dem Schlanrmbad herauszuhelfen. Wer, dessen Esel in eine Grube fällt, würde ihn nicht herausziehen? Das mochten auch meine Christen denken, denn rasch legten sie Hand ans Werk. Sie faßten die Eselin von allen Seiten, am Schweife, am Kops, an den Ohren, und hoben sie so leicht in die Höhe, denn sie war ja nicht schwer. Man hätte einen solchen Anblick sehen müssen, wie diese braven Neger, unter Schreien, Lachen- und fast diabolischen Grimassen, bald mit offenem Munde, bald mit aufgM-äsenen Backen ans Werk gingen; selbst dem ernstesten Philosophen würde es ein Lächeln abgezwungen haben. Was -mir aber noch mehr Vergnügen machte, war folgendes. Ohne ein Wort zu sagen, holten meine braven Neger Kräuter und Blätter herbei, um di-e Eselin, welche allerdings vom Schnurtz -des Sumpfes über und über bedeckt war, abzutr-ockten und- sauber zu putzen. Das arme Tier trnßte nicht, wie ihm geschah, als ein Dutzend- Negerhände, allerdings mit nicht -sanfter Gewalt, es von oben bis unten bearbeiteten. In einigen Augenblicken war feine Montur wieder in Ordnung, schön und rein, bereit, wieder den Marsch aufzunehmen. Als die Sumpfebene mehr und mehr sich -ausbreitete, konnte es keine Frage fein, ich muffte mich wieder auf die Eselin setzen, selbst aus die Gefahr hin, daß sich die Szene wiederholte. Ich B-egaß mich ä la suite der Karawane und suchte nun, so gut es nur anging und wie schwer es auch- wurde, die Morastlöcher zu umgehen. Ludwig, einer meiner christlichen Getreuen, sah meine Verlegenheit und erbot sich, mich auf seinen Schultern zu tragen. Ohne meine Antwort abzuwarten, hatte er mich, umfaßt und auf seinen breiten und kräftigen Rücken geladen, mich leicht und heiter durch Morast und Wasser vovwärtstr agend. Alle anderen beglückwünschten meinen Ludwig zur Ausführung seiner guten Idee. * * * Nachdem ich in einer Ruhepause mich auf die Füße stellte, fühlte ich auf einmal einen Fieberschauer durch meinen ganzen Körper rieseln. Da die Sonne höher stieg, wurde mir der Weitermarsch immer schwerer. Das Fieber zögerte nicht urtlb schon nach Verlauf einer halben Stunde gab es sich durch einen Anfall bund. Zu sagen, wie verdrießlich es ist, das Fieber zu haben, wenn man im äquatorialen Afrika sich unterwegs befindet, ist unnütz. Man geht zu Fuß, steigt auf das Eseleiu, man setzt sich, um auszuruhen, nichts bringt Linderung. Man mag antoenlben was immer, es ist alles vergebens, das Fieber erfaßt einen in allen Gliedern und nicht lange währt es, so fühlt man sich fast ganz entmutigt, die Reise fortzusetzen. Um mir Mut zu machen und ein wenig Kraft zu bekommen, erlaubte ich mir, einen Schluck Wein zu nehmen, den einer meiner Jungen in einer auf den Rücken gebundenen Flasche trug. Silber die erhoffte Kräftigung ließ auf sich warten. Ich seufzte nach Rühe. Endlich traf ich unseren hochwürdigsten Missionsbischof wieder, der nahe bei einem ungeheuren Felsen mit seinen Leuten lagerte. Der prächtige, starke Esel, den er ritt, der Vorgang, der mir in dem Buga passierte, und mein Fieber hatten ihm und dem Gros unserer Karawane einen großen Vorsprung gdnatirt. Er erwartete über nicht, mich krank ankommen zu sehen. Mit welchem Vergnügen hätte ich in meiner gegenwärtigen .Verfassung einen Schluck heißen Kaffees genossen-. Silber was hier inmitten einer ungeheuren Prärie anfangen-? Offenbar war der Bischof sehr be-küinrnert, mich in diesem Zustande zu er-blickeu. Da es sich- darum handelte, wenigstens in einen bewohnten Landstrich zu gelangen, das heißt nach der Grenze von Uuhauyembe, bat ich den Bischof, die Reise gütigst fortzusetzen, da es doch nichts nützen würde, hier länger zu verweilen. So brach man also wieder aus. Kaum hatte ich meine Eselin wieder bestiegen, als mich von neuem ein kalter Fieberanfall erfaßte, welche Empfindungen mich in dieser kurzen Zeit durcheilten. Ich mußte weinen und schweigen. -Schnell trocknete ich- mir die Augen und nachdem das Gebet zu Eude, stand ich schnell auf und fragte die Leute: „Was macht ihr da, Kinder?" „Pater," antwortete Georg, „wir haben zur Mutter Gottes gebetet, daß sie dich wieder heile." „O, das ist sehr gut! Wohlan, brechen wir alsdann wieder auf und versuchen wir, weiterzuschreiten!" Ich machte mich also von neuem auf die Beine, um den hochwürdigsten apostolischen Vikar wieder einzuholen, und tatsächlich ging es mir wieder besser. Ich fühlte meine Kräfte -wieder zunehmen, war aber allerdings noch das Opfer eines brennen- den Durstes. Ich sage zu meiner Umgebung : - „Kinder, ich habe Durst." Kaum hatte ich es ausgesprochen, als auch schon Franz und Ludwig vorwärtseilten, um aus dem Nächstliegenden Dorf Wasser herbeizubringen. Ms unser Oberhirte erfuhr, daß ich mich unter einen Baum hatte niederlegen müssen» kam er schleunigst, um mich zu holen. 'Glücklicherweise ging es jetzt schon viel besser und wir kamen auch schnell weiter. Nach etwa drei Viertelstun-- den kamen meine Christen mit einem Gefäß Wasser zurück. Ich war gerettet. Seit langer Zeit hlatte ich 'das Wasser nicht so gut gefunden. Gegen 10 Uhr waren wir an den ersten Dörfern von Unyanyembe angelangt. Dort ließ mir der Herr Bischof mein Zelt und mein Bett aufstellen und ich konnte in Ruhe mich erholen, während man uns eine gute Hühnersuppe zubereitete. Nachdem ich diese sopare Brühe genossen, legte ich mich- noch für eine Stunde aufs Bett, nach deren Verlaus ich' gestärkt wieder den Marsch antreten tonnte, um mit meinem Vorgesetzten noch an demselben Tage das Reiseziel zu erreichen. ßsldra, die kleine Bekennerin. (Schluß.) Es war etwa ein Jahr seit ihrer Flucht, als Hadra eines Morgens nach einem Brunnen an der nahen Halde ging, um Wasser zu schöpfen. Eben hatte sie den Krug auf ihre Schultern genommen und lvollte umkehren, als sie plötzlich aus dem Gebüsch ihren jüngeren Bruder auf sich zukommen sah. Er trug in seiner .Hand einen Matrak (knotigen Reisestock), den unzertrennlichen Begleiter der dortigen Araber. Es war zu spät, ihm auszuwei- chen. Hadra stellte daher ihren Krug nieder und erwartete festen Fußes ihren unversöhnlichen Bedränger. „Hadra," so schnanbte der junge Araber sie an, „warum bleibst du bei den Christenhunden?" „Weil ich meine Herrin liebe und wie sie eine Christin werden will." „Elende Närrin! das soll dir nicht gelingen. Diesmal eingehst du mir nicht. Auf der Stelle komme mit nach Hause und iß den Kuskus (Nationalgericht der Araber aus Reis und Heft 7 u. 8. Stern der Neger. 169 Hammelfleisch) mit den Deinen." „Nein, niemals; ich will lieber Suppe essen mit den Franken." Den Kuskus essen heißt so viel als der arabischen Sitte treu bleiben. „ich will Suppe essen und auch Schweinefleisch dazu." Das war zu stark. Schweinefleisch essen ist einem eingefleischten Mos-lim ein Greuel und eine Verachtung einer Im Bambuswald Oltindiens. Riefen der Pflanzenwelt. Photographie von Unterwood & Unterwood, London. 2 as Bambusrohr ist eine Gras art, wächst aber in den Tropen so stark empor wie feste Baumstämme. Riesenhalme von 25 bis 30 Metern sind keine Seltenheit, um 8 bis 10 Zentimeter wachsen dieselben mitunter innerhalb 24 Stunden. In vier bis fünf Jahren ist das Bambusrohr reis und durch Kieselentlehrung so hart, daß Funken stieben, wenn mau es mit dem Beil bearbeitet. Der Bambus findet die mannigfachste Verwendung, man baut daraus Häuser und Geräte, selbst Kochtöpse, Spazierst öcke, Fahrräder usw. Während Suppe essen den Abfall zur Sitte der Fremden Betreutet. „Ha, löu wagst mir das zu sagen!" schrie deshalb der Araber zornig. „Ja, Mnley," erwiderte Hckdra fest, der heiligsten Satzungen des Propheten. Die Zornader schwoll auf Muleys Stirne, er trat einen Schritt näher und führte mit dem knotigen Stock einen furchtbaren Hieb auf das Haupt seiner eigenen Schwester. Hadra tat einen markdurchdringenden Wehschrei und brach lautlos zusammen. Reichliches Blut quoll aus der tiefen Stiruwunde und rieselte über die todesblassen Züge. Allein die Rachsucht des unnatürlichen Bruders war noch nicht befriedigt. In blinder Wut schlug er mit seinem Stock zu wiederholten Malen aus die Kinnbacken und aus die Fußknöchel seines wehrlosen Opfers, letzteres wohl in zornigem Andenken an ihre erfolgreiche Flucht vom letzten Jahre. Als er sah, daß Hadra kein Lebenszeichen mehr gab, floh er mit seinem bluttriefenden Swcke eilig von bannen und verschwand im nahen Walde. Der gelle Schrei, den Hadra ausgesto-ßeu, hatte die Hausgenossen alarmiert und zu der Stelle gerufen Sie fanden das arme Mädchen tn seinem Blute liegend, anscheinend tot, das Opfer eines verruchten Mordes. Man trug sie in das Haus zurück und versuchte alles Mögliche, um das entfliehende Leben zurückzurufen. Endlich schlug Hadra die Augen auf. Infolge der grausamen Schläge aus ihre Kinnladen vermochte sie nur mit Mühe den Namen ihres Übeltäters zu bezeichnen. Herr Reynaud und seine Gemahlin, die das verlassene Kind wie eine Tochter liebten, waren aufs äußerste entrüstet. Auch die übrige Bevölkerung von Beniub zeigte die herzlichste Teilnahme und verlangte laut die ^Bestrafung des niederträchtigen Buben. Wirklich sandte der Ortsvorsteher ohne Verzug einige berittene Polizisten aus, um Muley und die anderen, die mau nicht ohne Grund für die Mitschuldigen hielt, zu verhaften. Sie wurden gefesselt nach Beniub eingebracht, unter Schloß und Riegel gesetzt, damit das Kriminalgericht von Oran über die Schuldigen richte. Als Hadra davon Kunde erhielt, zeigte sie die tiefste Betrübnis. Mit Tränen und flehen- den Gebärden imb einigen mühsam herausgepreßten Worten bat und beschwor sie ihre Gebieterin, Erbarmen zu üben und ihre Verwandten nicht den Händen der Gerechtigkeit zu überliefern. „Aber Hadra", hieß -es von allen ©eiten, „sei nicht töricht, es ist’ notwendig, daß sie bestraft werden; sie ijabm es reichlich verdient." Die Kranke schüttelte lebhaft abwehrend ihren verbundenen Kopf und lispelte, so laut sie konnte: „Ich verzeihe ihnen, ich verzeihe ihnen. Ich werde sterben vor Schmerz, wenn sie meinetwegen ins Gefängnis kommen." Sie ließ nicht nach mit Bitten und Flehen, bis man auf ihre Fürsprache hin die Schuldigen begnadigte und aus der Haft entließ. Lange und schmerzlich war die Krankheit des härtgeprüften Mädchens. Mehrere Wochen war sie in Gefahr, Hungers zu sterben, da es nur mit Mühe gelang, ihr durch ein in eine Zahnlücke gestecktes Röhrchen die hinlängliche flüssige Nahrung beizubringen. Da die unwürdigen Verwandten unter der Hand immer noch Schritte taten, um die junge Glaubensheldin dem Islam wiederzugewinnen, beschlossen Herr und Madame Reynaud, ihrem Schützling an einem entlegenen Orte eine sichere Zufluchtsstätte zu verschaffen. Durch Vermittlung eines Hausfreundes, des Herrn Freydet, den seine Geschäfte öfters nach Beniub gebracht und der eine große Teilnahme an den Schicksalen des Arabermüdchens gewonnen hatte, gelang es, Hadra bei einer christlichen Familie in Bel-Abbes ein neues Heim zu verschaffen. Hier wiederholte sie ihre Bitte, getauft und der Segnungen des heiligen Glaubens teilhaft zu werden, für den sie bereits so heldenmütig gelitten. Unbegreislicher-weise wurde ihr die so wohlverdiente Gnade auch jetzr noch verweigert. So sehr stand man unter dem Banne der dem Islam schmeichelnden Politik. Hadra weinte bittere Tränen und härmte sich im Stillen. Dazu gesellte sich noch ein anderes Kreuz. Als eine Folge der unmenschlichen Behandlung durch ihren Bruder machte sich eine traurige Abnahme des Gedächtnisses bemerkbar, welche zum Vorwände diente, das Ziel ihrer Sehnsucht in eine unbestimmte Ferne zu rücken. Oft brach das arme Kind in heftiges Schluchzen aus, wenn es in der Kirche die anderen Mädchen, ihre Gespielinnen, zum Tische des Herrn hintreten sah. Ach, daß sie dieselben nicht begleiten durfte! Eines Tages konnte sie es nicht länger mehr aushalten. Sie wartete einen Augenblick ab, da niemand in der Kirche war, trat dann zum Weihwasserbecken, goß von dem Wasser über ihre Stirne und sprach: „Hadra, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Voll Freude ging sie dann nach Hause und erzählte triumphierend, daß sie getauft sei. Auf die näheren Anfragen gestand sie mit kindlichem Eifer, wie sie es angestellt. Ach, wie rasch da die schöne Täuschung wieder zerfloß! „Nun wohl," meinte sie, „wenn mich die Menschen nicht taufen wollen, wird Gott selber mich taufen." Da erschienen eines Tages unerwartet zwei Gendarmen mit der Weisung, Hadra als flüchtige Landstreicherin festzunehmen und zu ihrem Stamme zurückzuführen. Das war wieder ein Anschlag des schlauen, ränkesüchtigen Marabut. Hadra protestierte. „Nicht als Landstreicherin," so erklärte sie mutig vor dem Richter, „bin ich nach Bel-Abbes gekommen, sondern als Verfolgte um des Namens Jesu willen, den auch die französischen Gendarmen hier lieben und verehren." Glücklicherweise wurde sie von einem sranzösischen Beamten, der sie in Beniub gesehen hatte, wiedererkannt. Gerührt durch den Heldenmut dieses Kin- des nahm er sich desselben schützend an, und zwar mit solchem Erfolge, daß der Kadi von Bel-Abbes sie von der Vormundschaft ihrer unwürdigen Verwandten frei erklärte und dieselbe an Herrn Freydet in Oran übertrug. So schien endlich glücklich das letzte Hindernis entfernt, das sie von der Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches trennte. Aber auch jetzt noch glaubte man erst warten zu sollen, bis die Aufregung, welche die Geschichte des mutigen Arabermädchens in weiten Kreisen hervorgerufen hatte, sich gelegt. Nun aber gab Hadra eine neue Probe ihres entschiedenen Charakters. Nachdem sie eines Morgens lange und inbrünstig in der Kirche gebetet, trat sie entschlossen vor ihre Herrschaft, nahm mit kurzen Worten von ihr Abschied ' und machte sich mutterseelenallein auf den Weg nach Oran, der alten Felsenstadt an der Küste, um Herrn Freydet, ihren gesetzlich anerkannten Vormund, aufzusuchen. Hier in Oran lernte der Missionär, dessen Mitteilungen wir die meisten vorstehenden Einzelheiten verdanken, diese auserwählte Seele kennen. Durch seine Bemühungen übernahm eine fromme Dame die Vollendung ihres Unterrichtes, und ant 22. April 1876 empfing Hadra Bensi-beniub endlich die so lang ersehnte und durch so viele Opfer und Leiden erkaufte Gnade der heiligen Taufe. Herr Reynaud war ihr Taufpate, eine angesehene Dame von Oran ihre Patin. Am folgenden Tage empfing Maria Magdalena Elisabeth Josefine — so lautet ihr neuer Name — in der Kirche der Jesuiten mit engelgleicher Andacht die erste heilige Kommunion. Wie gerne kam der Heiland in dieses junge, unschuldige und so starkmütige Herz, das aus Liebe zu ihm so vieles ertragen! Am 6. August desselben Jahres wurde Maria in der Kathedrale von Oran ge-firmt. Inzwischen war in ihrer Seele längst 172 Stern bet Neg e r. Heft 7 u. 8. cin anderer stiller Wunsch mächtig erwacht. Sie war einst zufällig in das Klösterchen der Karmelitefsen gekommen. Die Erfchei-nung dieser engelgleichcn Wesen wich ilicht mehr aus ihrer Erinnerung. Sie hatte nur mehr einen Wunsch — wie diese Jungfrauen in heiliger Liebe ihrem Heilande zu dienen. Groß waren die Schwierigkeiten, die sich der Erfüllung desselben entgegen« sehten. Ihr Vertrauen wurde aus wunder-bare Weise belohnt; die Beinwunde, die ihr der grausame Stock ihres Bruders beigebracht hatte, heilte gegen alles menschliche Erwarten; gute Leute legten für sie die kleine Mitgift zusammen, die das Kloster verlangte, und so ist das treue Arabermädchen ein Engel vom Karmel geworden. Eine Primiz im Elf Monate währt bereits das gewaltige Ringen in Europa, tod- und verderbenbringend schreitet der Würgengel des Krieges unentwegt vorwärts aüf blutiger. Bahn, allenthalben furchtbare Ernte haltend, Armeen von immer größerer Ausdehnung stoßen aufeinander, um mit Todesverachtung im mörderischen Kampfe sich gegenseitig zu zermalmen, zu vernichten; — allein über all den entsetzlichen Greueln des Krieges wacht das liebende Vaterauge Gottes und lenkt mit weiser Hand die Geschicke der Menschheit; „er wirkt von einem Ende der Erde zum anderen mit Kraft und ordnet alles lieblich an." (Weish. 8, 1.) So kommt es denn auch, daß wir mitten im furchtbaren Schlachten getümmel trotzdem hin und wieder ein friedliches Bild schauen, das sich von den traurigen Ereignissen in wohltuendster Weise abhebt und uns einige Stunden hindurch die düstere Gegenwart vergessen läßt. Ein solch liebliches Bild möchte ich heute euch, liebe „Stern "-Leser, vorführen: eine P r i m i z, das e r st e heilige Meßopfer eines n e u g e w e i h -ten Priesters aus unserem M i s s i on s h a u s e. Zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit, am 2. Mai, empfing in aller Stille der hochw. Reieruelazaretf. Pater Josef Ettl aus der Diözese Regensburg aus bet Hand des hochwürdigsten Herrn Dr. Franz Egger, Fürstbischofs zu Brixen, das heilige Sakrament der Priesterweihe. Eine ungewöhnliche Zeit war es, über es mußte so sein; hatte der hochw. Pater ja doch schon den Einberufungsbefehl in der Tasche, der ihn bereits für den kommenden Tag, den 3. Mai, beim Militär eintreffen hieß. Darum galt es denn auch, noch am gleichen Tage sich reisefertig zu machen. — Kaum in München angelangt, ward der Neugeweihte alsbald dem dortigen Reservelazarett B in der Marsschule (Bild S. 173) als Krankenwärter zugeteilt, um hier den verlvunde-ten Kriegern Samariterdienste zu leisten. Das genannte Gebäude nun, — in Friedenszeiten eine Volksschule, gegen« wärtig jedoch ein Reservelazarett für die im Kampfe fürs Vaterland verwundeten Helden, — sollte am 9. Mai in seinen Mauern das Erstlingsopfer eines neugeweihten Priesters sich vollziehen sehen. Es war 8 Uhr morgens, als der Primiziant, gefolgt von einigen feiner Verwandten und ben Krankenpflegerinnen des Lazarettes, den geräumigen Turnsaal des Schulhauses betrat, woselbst ein Tisch zu einem Altar hergerichtet war, — mit Blumen und Kerzen reich geschmückt, — auf .Heft 7 u. 8. Stern b e r N ege r. 173 Dem nun das Opfer des Friedens und bei' Versöhnung Gott dem Herrn dargebracht wurde, während zahlreiche verwundete Kriegsmänner auf Stühlen und Trag-baihren mit Andacht und Aufmerksamkeit demselben beiwohnten. — Nach dem Evangelium der stille gelesenen heiligen Messe hielt der hochwürdigste Herr Diöze-sanpräfes der marianischen Männerkongregationen aus München, Monsignore Josef Pichler, dem das Zustandekommen ver Feierlichkeit an erster Stelle zu ver- nen in den Dienst des Vaterlandes stelle. Freudig hat er dem Rufe seines Kriegsherrn Folge geleistet, wenn ihn derselbe seinem Lebensziele auch nicht näher bringt, sondern ihn im Gegenteil weiter von demselben ablenkt. Unser Neopresbyter hat sich nämlich den vornehmsten Beruf zur Lebensaufgabe gestellt: sich mit all seinen Fähigkeiten und voll und ganz der Bekehrung und dem Heile der Verlassen-I sten zu widmen, den armen Heidenvöl-I kern. In der Tat, eine erhabene Aufgäbe ntarsidmle — Retervelazarett B in ITiündien. Sanken ist, eine kürze Primizpredigt, deren trefflicher Inhalt wenigstens im Auszuge wiedergegeben zu werden verdient. „Eine Primiz im Lazarett! Und noch dazu die Primiz eines Priesters, der den Kampf gegen das Heidentum auf seine Fahne geschrieben hat, welch eigenartige Fügung! Kaum daß der Weiheakt beendet ist, entreißt der Krieg den Neugeweihten schon den Händen des ihn konse-krierenlden Bischofs und führt ihn hieher, damit auch er seine Kraft und sein Kön- I harrt seiner, aber auch eine schwere; denn die Pfade, die ihn zur Lösung derselben führen, sind mit Dornen dicht besät; ja „Opfer und Entsagung" hat sich der junge Missionär auf seine Fahne geschrieben, sie sind seine ständigen Begleiter auf des Lebens rauher Bahn; mit einer Opferhandlung im Spital beginnt er darum sein priesterliches Wirken, und selbst sein heutiger Ehrentag entbehrt nicht der Signatur des Opfers. Bedeutet es doch gewiß für ihn kein geringes Opfer, daß es ihni nicht einmal vergönnt ist, den schönsten Tag seines Lebens, den Tag seiner ersten heiligen Messe, im trauten Kreise seiner Angehörigen zn verbringen, sondern in einer Umgebung, die ihm eigentlich fremd gegenübersteht, die er vordem nie gesehen, nie gekannt hat; doch nein, nicht fremd seid ihr ihm mehr, meine lieben Soldaten, die ihr im heldenmütigen Kampfe fürs Vaterland eure Wanden empfangen habt, als Opfer einer schweren Pflicht. Für euch schlägt jetzt sein Herz und das „Misereor super turbani“, das Heilands-Wort: „Mich erbarmt des Volkes", es ist auch ihm aus der Seele gesprochen, und eure Wunden, eure Schmerzen erfüllen auch sein Priesterherz mit Wehmut urtb Mitleid. . . . „Opfer und Entsagung" lautet die Losung unseres Primizianten. Feierlich hal er als Ordensmann den Freuden der Welt entsagt und freiwillig Verzicht geleistet auf die von der Menschheit so überschwenglich gepriesenen Güter: Reichtum, Genuß und Freiheit. — Glauben wir aber darum noch ja nicht, daß sein Leben jeglicher Freude entbehre; nein, er genießt reinere, edlere Freuden, Freuden, wie sie die Welt nicht zu bieten vermag: das Glück, sich eins zu wissen mit seinem Herrn und Gott, mit dem ihn gleiches Ziel, gleiches Streben und gleiche Interessen verbinden; das Glück, täglich ruhen zu dürfen an seinem göttlichen Herzen, sowie das beseligende Bewußtsein, teilnehmen zu können am göttlichsten aller göttlichen Werke, an der Rettung der Mensch-heit, an der Verwirklichung der Erlösung. . . . Soldaten! Ein Priester des Herrn steht vor uns, der heute zum erstenmal das unendlich heilige Opfer des Neuen Bundes Gott dem Herrn darbringt. Vereinigt darum eure Bitten mit den seinigen. Der hochw. Herr Primiziant wird, wenn er nach wenigen Minuten seinen Schöpfer znm erstenmal in seinen geweihten Händen hält, gewiß nicht unterlassen, zu ihm zu flehen, daß er die tapferen Krieger draußen im Felde mit seiner Kraft umgürte, daß er ihnen die Schwere des Kampfes erleichtere, daß er den Verwundeten Trost unib Heilung sei, den Sterbenden Rettung und den Witwen und Waisen ein liebevoller Vater; er wird ferner Bitten, daß der Herr uns sein Angesicht zuwende, uns ein mächtiger Schutzwall sei gegen den Ansturm der Feinde und daß uns recht bald sanfte Friedensglocken das Ende der Zwietracht unter den Völkern Europas verkünden mögen." Nach Beendigung der Predigt nahm die heilige Qpferhandlung ihren Fortgang. Nachdem der Gottesdienst vorüber war, bereinigte älle Teilnehmer ein fröhliches, heiteres Frühstück, wobei dem hochw. Primizianten allseits die lebhaftesten und herzlichsten Glückwünsche entgegengebracht mürben. — Damit endete eigentlich die gmze Feier. Um jedoch auch ihrerseits etwas mit beizutragen zur festlicheren Stimmung nud um den Tag mehr hervortreten zu lassen aus dem Einerlei der übrigen, gestattete die hohe Militärbehörde dem Gefeierten des Tages einen ausnahmsweisen Ansgang bis 9 Uhr abends, während er sonst nur jeden zweiten Tag von 6 bis 10 Uhr und jeden zweiten Sonntag von 2 bis 10 Uhr eine solche Freiheit genießt. Als dann am Abend die Hammerschläge vom Turm des Lazaretts die neunte Stunde herab verkündeten, hatte auch der Ehrentag nuferes Primizianten, Der schönste Tag seines Lebens, seinen endgültigen Abschluß gefunden. Die höwenpicige So oft David von seinen Zügen gegen die Philister als Sieger heimkehrte, waren es die Frauen des Volkes, welche der öffentlichen Freude in ihren Gesängen und Tänzen Ausdruck verliehen. Hierzulande scheint das schwache Geschlecht die gleichen Obliegenheiten übernommen zu halben, wenn die Wafipamannen von ihren kriegerischen Expeditionen zurückkommen. Seitdem das tatkräftige Eingreifen der deutschen Regierung den Einfällen der Ruga-Ruga ein Ende gemacht, ist auch die Heldenzeit für die Wafipa zu Ende; die einzigen ihrer würdigen Gegner sind die Löwen, man darf sogar sagen, daß sie etwas mehr als gefürchtete Gegner sind, sie sind eine wahre Landplage. Wenngleich die Ufer des Tanganika nicht die Heimat des Löwen sind, so steigt doch manchmal „der König der Wildnis" von den Hochebenen Usipaš herunter und sein Erscheinen genügt, die ganze Gegend in Schrecken zu setzen. Hier die Geschichte einer dieser verirrten Größen. Wie Sie wohl wissen, ist die Hauptarbeit unserer Schwarzen nicht die Bebauung ihrer Felder, sondern der Schutz der einmal bebauten Fluren. Tag und Nacht müssen sie gegen Wildschweine und Assen ihre Fluren und Felder schützen und zu diesem Zwecke sich inmitten ihrer Mtamafelder heimisch einzurichten suchen. Eine gute Alte hatte auf diese Weise die Psingstnacht unter freiem Himmel zugebracht. Am frühen Morgen wollte sie, um ihre entschlafenen Geister etlvas auf-züwecken, ihr Pfeifchen anzünden. Sie steigt von ihrer erhöhten Lagerstätte, einer Art Gestell, herunter, um sich eine Kohle zu holen; da plötzlich fühlt sie sich unter den Krallen des Löwen. Mit einem am Tanganika, Hieb hatte sich der unbequeme Nachtwand-lei ein Bein der bedauernswerten Alten nur so abgeknackt. Auf ihre Hilferufe eilten einige andere Frauen 'herbei und der Löwe verschwand in der nahen Steppe. Augenblicklich stürmt die ganze Gesellschaft, während ihre Gefährtin ihrer Wunde erliegt, zur Mission, um Gift zu holen. Während nämlich der Leopard und der Tiger sich nur mit frischem Fleisch zufrieden geben, ist der Löwe weniger anspruchsvoll, gewöhnlich kommt er zurück, um seine Beute aufzufressen. Diese Gepflogenheit spielt ihm gar oft einen bösen Streich. Es liegt eben sehr nahe, mit Gift den frevelnden „König" unschädlich zu machen. Wir schickten sogleich einen intelligenten Burschen, der sich auf die „Behandlung" mit Strychnin verstand, hin. Nachdem er etwas Gift auf ein Stück Fleisch getan und selbiges am Fundorte der Leiche niedergelegt, entfernte er sich, um aus seinem sichern Versteck den Verlauf zu beobachten. Der Löwe, der während des ganzen Vorganges sich in geringer Entfernung aufgehalten, hatte nichts eiligeres zu tun, als heranzuschleichen und von neuem über sein vermeintliches Opfer herzufallen. Es sollte ihm übel bekommen. Bald begann er her-unizutanmeln, er stürzte, um fid), nie mehr zu erheben und nun bald seinerseits das Opfer der ausgebrachten Wafipa zu werden. Man brachte uns das Fell zur Mission. Solch ein Schauspiel hätten Sie sehen sollen. Das Opfer des nächtlichen Überfalls war vergessen, die allgemeine Niedergeschlagenheit hatte der unbändigsten Freude Platz gemacht. Die Frauen des ganzen Stammes umtanzten mit lauten 176 Heft 7 u. 8. S' tern der Netze r. Jubelrufen die Träger der prächtigen | Trophäe. Die Siegeshymnen uns der Heldenzeit erwachen in aller Gedächtnis. Die laute Lust findet uoch lauteren Ausdruck: „Wer hätte es heute wagen dürfen, hinaus auf fein Feld zu gehen, der Bwana hat unserm Feind vernichtet." — „Wir bringen die Haut des Menscheufressers." — „Unser Bwana wird Mb das ganze Land von diesen Ruhestörern befreit haben." Selbstverständlich gewinnt eine derartige Hilfeleistung uns das größte Ansehen; man sieht uns als die größten Wohltäter des Stammes an und besingt den „Mili" (Verstand) des Bwana. Den ganzen Rest des Tages verbringt man bei Tanz und froher Luft. Die Männer konnten sich nicht satt sehen an der Haut, den ganzen ließen langen Tag umstanden sie das Siegeszeichen und mühten fick) ab an mehr oder weniger gescheiten Bemer- kungen über den „Löwen". „Es ist ein Männchen", hörte ich einen sagen, „das Weibchen kann nicht gar ferne sein." Und die ganze Assistenz zittert wieder vor J Angst. — „Wehe den Spaziergängern." fährt der Sprecher fort; — die Umstehen -j den wagen kaum noch zu atmen. Ihre Angst ist nur zu gerechtfertigt: Vor kaum ' drei Tagen fiel, zwei Tagereisen von hier, ein Spaziergänger dem Löwen zun. ! Opfer — kürzlich blieb einer von unseren ; Briefträgern, von Tabora kommend, etwas zurück, mau sah ihn nicht wieder. — Glücklicherweise vergessen unsere Neger derlei Vorfälle sehr bald, und sind sehr wenig beunruhigt durch die Nähe solch nn-gebeteuer Gaste. Aus dem Auge, aus dem. S'.nn, ist hier wie überall wahr. Der Neger ist halt ein großes Kind, für den die Sinne alles sind. P. D., Ges. der Weißen Väter. Ein chinesischer Pilgrim. P. Edel 8. J. berichtet in einem längeren Artikel über „Chinesisches" unter anderem von einem Pilger, von dem man in der Tat nicht weiß, o!b man ihn wegen seiner Kindesliebe mehr bewundern oder wegen seines unglücklichen Aberglaubens mehr bedauern soll. „Letzten Montag," so teilt der hochwürdige Pater diesen merkwürdigen Vorfall mit, „war auf der Straße von SchiemSchien ein Wunder kindlicher Liebe zu sehen. Ein reicher Mann aus den mongolischen Provinzen, dessen Mutter schon jahrelang schwerkrank darniederliegt, befragte die Bonzen (Priester), was er für die Genesung der guten Frau tun müsse. Man nannte ihm eine berühmte Pagode (Heiligtum) an der .Südgrenze des Reiches, die etwa 800 Stunden von seiner Heimat entfernt ist, dahin müsse er wallfahren, dort ein Rauchopfer der Lau-Mu, der verehrungswürdigen Göttin, darbringen, und im Augenblicke des Opfers werde sich die Genesung alsogleich vollziehen. Also 800 Stunden weit pilgern, und zwar wie! Nicht genug, daß die Nahrung bloß aus Wasser und Brot bestehen darf, muß der arme Pilger auch nach jedem Schritt sich auf die Bnie werfen und den Boden mit feiner Stirne berühren! Auch die kleinste Ameise kommt an einem Tag weiter als dieser bedauernswerte Mensch. Er hat erst etwa den fünften Teil seines Weges zurückgelegt und ist nun schon drei Jahre auf seiner Pilgerfahrt. In einem Tage macht er ungefähr eine Viertelstunde, aber dann ist er gegtoungen, Rasttage zu halten, und muß auch noch Umwege machen, um die berühmteren Pagoden der Umgegend zu besuchen. So quält die Hölle die armen Chinesen, die in Wahrheit mehr für den Teufel tun als wir für Gott. Man hört hier von Bußwerken zu Ehren der Götzen, daß einem die Haare zu Berge stehen, und doch werden die chinesischen Büßer von ihren Religionsge-nossen in Indien und Siam noch weit übertroffen! Wenn diese Leute unsere Religion annähmen, ganz China würde sich in eine ungeheure Thebais verwandeln!" Testament einer kleinen IIMionsireundin, Im August 1913 kam im Missions-Hause H. folgendes Schreiben an: „Euer Hochwürden! Anbei die Kleider unseres lieben Töchterchens Agnes, das am 13. Juli I. I. irrt Alter von 6%, Jahren in die himmlische Heimat abberufen wurde und selbst bestimmt hat, ihre Sachen, außer einem Kleide für ihre Gespielin, alle zur Perweitdung für die Heidenkinder zu schicken, ebenso ihre Ersparnisse." Mit dein Pakete, das die noch gut erhaltenen Kleidungsstücke enthielt, langten auch gleichzeitig die Ersparnisse, im gart= zen 10 Mark, an. Um jedoch der letztwil-ligen Verfügung ihres Töchterchens in allem zu entsprechen, fügten die Sltern außerdem die bei dem Tode desselben fällige Versicherungssumme von 140 Mark bei mit der Bitte, auch diese Summe im Sinne der kleinen Missionsfreundin für die armen Heidenkinder zu verwenden, da ihr Kind, falls es Kenntnis von derselben gehabt hätte, dieselbe auch für den gleichen Zweck bestimmt haben toürfix. Nach Mitteilungen des hochw. Herrn Pfarrers von jenem Orte, in dem alle — 237 — Kinder dem Kindheit-Jesu-Verein angehören, war die kleine Agnes ein überaus aufgewecktes Kind, das ein für sein Alter auffallend klares Verständnis für die heilige Religion hatte. Deshalb ward ihm auch rmd) entsprechender Vorbereitung wiederholt während der langwierigen Krankheit die heilige Kommunion gereicht, nach der Agnes ein großes Verlangen trug. Ihre Gedanken waren zuletzt nur mehr auf den lieben Kinderfreund gerichtet, dessen Bildnisse sie mit kindlicher Freude betrachtete und den sie innig fromm um die Rettung der armen Heidenkinder anflehte. Wie herrlich wird nicht der Lohn sein, den das gute Kind im Himmel für seine große Liebe nun empfängt. Möchten alle kleinen Missionäre der verstorbenen Agnes an Begeisterung für die Bekehrung der Heiden ähnlich sein. P. Cr. Eine sonderbare Segenfpendung« In humoristischer Weise erzählt ein Missionär aus der Gesellschaft der Weißen Väter einen Besuch im Lager der Massaj-Neger im Kilimandscharo-Gebiete. Er schreibt: „Gegen Abend machte ich mich, von unserem Dolmetsch Selim begleitet, aus, um den Besuch des Massaj-Häupt-liugs zu erwidern. Sofort wurde ich umringt, betrachtet und wie ein seltsames Wunder angestaunt. Ich meinerseits schaute auch und staunte. Das waren echte Wilde, wahre Vertreter jener Rasse, welche der englische Forscher Thomson als die schönste und merkwürdigste Afrikas bezeichnet hatte. Nach und nach wurden sie freundlich. Sie reichten mir die Hand und jeder wollte meine weiße ^artib. berühren; bald erkühnte sich eine starke Frau. mir ihr kleinstes Kind vorzustellen. Sie trug dasselbe in einem Sack aus Ziegenfell aus dem Rücken und Bet mich bescheiden um die Gnade, ihrem Kinde auf das Haupt zu spucken. Mein Dolmetsch Selim erklärte mir. daß dies eine Art von Segenswunsch wäre und daß mein Speichel bei den Leuten dieses Stammes einen großen Wert habe. Ich tat es auf das hin recht freigebig, während der Kleine mich mit seinen funkelnden Äuglein anschaute. Alsdann stellten sich die Mütter, die Kin- der und die Greise alle vor mich hin und baten um diesen glücklich machenden Speichel. Ich mußte ihn förmlich verschwenden. Aber der Stamm war zahlreich und bald war mein Mund vollständig trocken. Eine Massaj-Dame bemerkte meine Bedrängnis, lief eilig zu ihrem Zelte und brachte einen großen Kürbis voll Milch, den sie mir darreichte. Scf); trank in vollen Zügen, während Selim in herzliches Lachen ausbrach, und neugestärkt beendigte ich nun die Begrüßung mit einer Freigebigkeit. die mir die Herzen aller gewann. Nur hatte ich nicht die Erwiderung meiner Höflichkeit vorausgesehen: Man faßte mich bei den Armen, streifte die Ärmel zurück und von all den lachenden Lippen ergießt sich nun ein ähnlicher Stegen auf meine abendländische Haut." ^ ^ Unterhaltendes. Zamira, (Fortsetzung.) Einmal, es war in den ersten Tagen, die Thomas im Kontor verlebte, ward er beauftragt, einen Wechsel von 400 Dollar bei dem Kaufmann Labert zu beheben. Thomas brachte die Summe in blanken Dollars und händigte sie dem Kassier ein, der dieselben zählte und dann einstweilen auf bent Wechfeltifche niederlegte. Thomas hatte sich wieder aus der Schreibstube entfernt. Neben der ziemlich geräumigen Schreibstube befanden sich zwei Zimmer, wovon das eine als Empfangszimmer. das andere aber zum Verpacken und Versiegeln der Briefe und Pakete benützt wurde. Eine Viertelstunde, nachdem Thomas den Erlös des Wechsels gebracht hatte, wollte sich einer von den Schreibern ins Verpackzimmer begeben, um einige Briefe zu versiegeln. Als derselbe die Tür äff- nete, quoll ihm ein furchtbarer Qualm von Rauch entgegen, der in einem Augenblick die Schreibstube erfüllte. „Feuer, Feuer!" schrie der erschrockene Schreiber und sprang von der Tür zurück, ohne dieselbe wieder zu schließen. Alle Angestellten fuhren in größtem Schrecken von ihren Sitzen auf und rannten wirr durcheinander dem Verpackzimmer zu, indem jeder aus vollem Halse schrie: „Es brennt, es brennt! Bringt Wasser! Feuer! Wasser!" Der Kassier war der Erste, der ins Zimmer stürzte. Aber nirgends war ein Feuer zu sehen, indes der Rauch sich zum Ersticken mehrt. Schließlich flogen, durch den Luftzug, der durch die geöffnete Tür drang, angeregt, einige Feuersunken aus dem in einer Ecke stehlenden großen Papierkorb emplor und deckten so den Herd des Feuers auf. Mit einigen Kübeln voll Wasser war dasselbe, da nur das Papier im Korb gezündet hatte, ausgelöscht. An diese Szene hatte sich aber noch eiü anderes Ereignis geknüpft, das alsbald alle Anwesenden in ©taunen und Besorgnis setzte. Als Fernandez sich, wie gewohnt, zur Kasse begab, um die eingegangenen Gelder zu zählen, ließ er auch die 400 Dollars durch die Finger gleiten, ein-, zweimal, und endlich gar zum drittenmal — immer langsamer und bedächtiger. . . Es fehlten 16 Stück. — Fernandez fragte den Kassier, ob er das Geld beim 'Empfang gezählt und richtigbefunden fjalfre. Dieser bejahte es. „Es fehlen aber doch 16 Dollars," bemerkte Fernandez, indem er sich bückte und sich auf dem Boden umsah, da er vermutete, es dürsten dieselben bei dem Wirrwarr der feuerlöschenden Schreiber herabgeworfen worden sein. Man fing an, zu suchen, das Staunen und Forschen teilte sich allen Schreibern mit, alles suchte und forschte — die verlorenen Dollars aber fanden sich nirgends. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu," sagte Fernandez; „man rufe mir den Thomas her." Bei diesen Worten verzog Francesco Lopez, der vom Pulte ausstand, um :ben Thomas zu rufen, die Lippen zu einem schelmischen Lächeln, das schalkhafte Schadenfreude verriet. Thomas kam. Fernandez fragte ihn, ob er den Wechsel bei Labert vollständig erhalten habe. „Ja," erwiderte Thomas, „ich habe das Geld zweimal gezählt und die Summe voll gefunden." „Und doch fehlen 16 Dollars," bemerkte Fernandez. Thomas war erstaunt und wußte nicht, was er sagen sollte. Man schickte sich abermals an, nach dem Gelde zu suchen. Thomas selbst schob sein noch leeres Pult, das ganz nahe Beim Wechseltische stand, etwas beiseite, um besser nachsehen zu können. Horch, da klingelt es im Pulte. Alle werden aufmerksam. Thomas selbst öffnete das Pult mit dem daran befindlichen Schlüssel, und siehe, da lagen die 16 Dollars wohlbehalten auf dem Boden der Schatulle. „Da sind sie," sagte Thomas, vor Entrüstung erglühend, „das geht aber nicht mit rechten Dingen zu. Ich stand heute nie am Pulte und war, seitdem ich das Geld dem Kassier eingehändigt hatte, nicht mehr in der Schreibstube. Folglich müssen diese 16 Dollars — sei es aus welcher Absicht immer — hier hineingelegt worden sein." Alle sahen sich verwundert an und jeder schien die Frage stellen zu wollen: „Meint ihr mich?" Fernandez jedoch wollte jetzt keine nähere Untersuchung anstellen, sondern ging über die Sache hinweg, indem er lächelnd sagte: „Der verlorene Groschen hat sich wieder gefunden, reden wir nicht weiter davon; nur möchte ich ein für allemal warnen," fügte er ernster bei, „daß solcher Witz, falls er es sein sollte, künftig unterbleibe." „Herr Chef," hob indes der Kassier an, „die Sache ist so wichtig, daß es mir nicht gleichgültig sein kann, wer diesen böswilligen Spaß verübt hat. Es muß fast einer der Angestellten hier sein; denn in der Zwischenzeit war kein anderer Mensch im Kontor. Ich wollte in der Tat lieber meinen Platz räumen, als, wenn sich Ähnliches wiederholen sollte, die Verantwortung in dieser Weise zu trugen." Diese Erklärung rief einen wahren Sturm von Erklärungen hervor, keiner billigte die Tat, keiner aber wollte dabei beteiligt sein. „Beruhigt euch darüber," wiederholte Fernandez nochmals, wohl einsehend, daß eine Untersuchung höchst schwierig sei. „Dieser Fall ermahnt uns selbst zu größerer Wachsamkeit, und damit haben wir aus dem Schlimmen eine gute Lehre gewonnen." Damit war denn auch das Gespräch für diesmal beendigt und jeder setzte sich wieder an seine Arbeit. Dem Kassier aber war die Sache nicht recht. Er war Familienvater und für die Währung seiner Ehre besorgt. Sein Verdacht fiel augenblicklich auf Francesco, sowie er den Brand im Papierkorb augenblicklich mit der Verlegung der 16 Dollars in Verbindung brachte. Da er mit Francesco in dem gleichen Hause, aber in einem unteren Stocke, wohnte, so gedachte er, zu Hause die Spur weiter zu verfolgen. Neben der Wohnstube des Francesco und feines Vaters befand sich ein kleiner Speicher, der von der Stube nur durch eine dünne Bretterwand abgeschlossen war. Der Speicher wurde zu dieser Zeit nur zur Aufbewahrung von Holz verwendet und blieb selten verschlossen. Kaum war Francesco znm Nachtessen heimgekommen, so schlich sich der Kassier in den Speicher und versteckte sich hinter die Holzscheite, um abzuhorchen, was derselbe seinem Vater über die heutigen Vorgänge im Kontor erzählen werde. Er traf den rechten Moment. Kaum sah sich Francesco mit seinem Vater allein in der Wohnstube, so ließ der Kleine seinen Unmut über den schlechten Erfolg seines Planes aus; Fernandez habe wie ein blinder Mann gehandelt, denn obwohl die 16 Dollars richtig im Pulte des Thomas aufgefunden worden seien, sei dennoch kein merklicher Verdacht auf denselben gefallen. „Aber," fragte der Alte unwillig, „wie hast du denn die Sache angestellt?" „Ich hatte eben ein kleines Paket zu versiegeln, und so benützte ich den Anlaß, das Stück Zunder, das Ihr mir mitgegeben habt, am Lichte anzubrennen und in den Papierkorb zu werfen. Eine halbe Stunde später brach der Spektakel los, alles lief wie wahnsinnig durcheinander; ich sprang und schrie mit, soviel ich konnte, eilte dann aber, als die Aufmerksamkeit aller vom Kontor abgewendet war, an den Wechseltisch und schob 16 Dollars in das Pult des „Kupferroten". Alles ging nach Wunsch; der blinde Filz aber war froh. die verlorenen Silberstücke wieder zu besitzen, und ließ den „wilden Bettelhund" ungeschoren." Der Kassier wußte nun genug. Er eilte zu seinem Prinzipal und erzählte ihm alles, was er gehört hatte. Am anderen Tage erhielt Francesco sofort seinen Abschied. Unter entsetzlichen Schwüren der Rache gegen Thomas verließ er seine Vaterstadt und wanderte nach Providence zu einem Bekannten des alten Lopez. Nach einem kurzen Aufenthalte daselbst fand er bei einem Schneidermeister ein Unterkommen als Rechnungs-führer. Wie erwünscht war ihm zwei Jahre später die Ankunft des Thomas in der neuen Fabrik zu Providence, wie gelegen der Ort und die Zeit, um seinem Rachegefühl zu folgen! All die Neckereien und heimtückischen Beschädigungen bei der Fabrik des Thomas, von denen früher ausführlicher erzählt worden ist, waren sein Werk. Bei der Untersagung der Brückenladen im Hofraume der Fabrik hatte der kaum fünfzehnjährige Bube eine solche Schlauheit und Kunst -entfaltet, deren sich ein ergrauter Bösewicht hätte rühmen können. Er hob jedesmal in den Mitternachtsstunden die außer der Hofmauer angebrachte Abzugsfalle empor, wodurch das Wasser des Kanals in einen Nebenkanal abgeleitet wurde. So drang er dann unter der Mauer hin in den Hofraum ein und vollzog feine verwegenen Streiche. Nach der Tat ließ er dem Wasser wieder seinen Lauf, und niemand ahnte in ihm den Verbrecher. Als die Fabrik, wie wir bereits wissen, nach der Entfernung des Thomas an Lorenz Waltert überging und dieser seine Angestellten vermehrte, da trmrbe er auch ’mit Francesco bekannt, der ihm einmal die Schneiderrechnung seines Prinzipals überbrachte. Die zierliche Schrift und das geschmeidige Wesen des angehenden Jünglings gefielen Waltert so sehr, daß er ihn sofort in seinen Dienst nahm. Während vier Jahren hatte sich Francesco durch seinen beharrlichen Fleiß, seine Geschicklich- keit und seine anscheinende Treue die volle Gewogenheit Walterts zu erwerben gewußt. 13. Der schwarze Tod. In diesen Tagen gelangte die Nachricht über den Ausbruch des Krieges auch nach Newport; die schauderhaftesten Gerüchte kamen in Umlauf, denn von Ort zu Ort vermehrten sich die Sagen über die furchtbaren Greuel der Verwüstungen und die Mord- und Brandszenen, -welche die Indianer verübt hätten. Viele, die nicht den eigenen Herd und eine Familie zu beschützen hatten, flüchteten sich weiter; die Behörden von Massachusetts, Connecticut und Rhode-Jsland zögerten aber auch nicht, sofort das Volk zu kräftiger Abwehr der Feinde aufzufordern. Von allen Seiten zogen die Freiwilligenkorps herbei und stellten sich unter die Fahne und unter das Kommando der betreffenden Regierung. In den Reihen der Krieger von Newport befanden sich auch Waltert und Francesco. Es würde zu weit führen, all die Streitkräfte -aufzuzählen, welche zu dem Feldzuge gegen die Wilden sich vereiuig-ten. Die Truppe, bei welcher sich Waltert befand, hielt sich mehr nordwestlich auf Plymouth zu, um sich mit größeren Zuzügen zu vereinigen. Die Hauptmasse der bereits auf 10- bis 12.000 Mann angewachsenen Indianer hatte sich inzwischen vor Hartford in zwei Heere geteilt, die sich, ohne einen ernstlichen Angriff auf diese Stadt zu wagen, rechts und links tiefer ins Land hinein -zogen. Das Gerücht über die Einnahme von Hartford erwies sich hernach zwar als unwahr, der Wahrheit entsprechend aber waren die Berichte über die Greuel an einzelnen Höfen und kleinen Dörfern, die die wilden Horden bis dahin ungestört plünderten und dann den Flammen Preisgaben. Irr öer Nähe von Plynwuth kam es zum ersten Treffen zwischen den Truppen der Vereinigten Staaten und der einen Heeresäbteilung der Indianer, worin die letzteren, nach kurzem Widerstände und unter Zurücklassung von einigen hundert Gefangenen auseinanderstoben. Mehr Kriegsglück schien die andere Heeresäbteilung der Wilden zu begleiten, die säst unaufhaltsam nach Rhode-Jsland — dem Meeresufer zu — vorrückte. Ein kleines Streifkorps der Weißen zog sich vor der Übermacht der Indianer zurück, die dann unerwartet und mit beispielloser Schnelligkeit vor Newport stand, während die Truppen von Rhode-Jsland über Plymouth hinaus dem Feinde entgegengezogen waren. Man denke sich den Schrecken der Umwohner von Newport, als eines Morgens die Rauchsäulen aus den benachbarten Ortschaften die Zerstörungswut und die Nähe der Feinde verkündeten, und die flüchtenden Bewohner, welche den Flammen und dem Schwerte entkamen, mit ihrem Jammer und Wehklagen über den Verlust von Hab und Gut und die Ermordung von Frauen und Kindern die ganze Stadt erfüllten. Die größte Angst und Besorgnis erfüllten auch Beata, die mit der Familie, von wenigen Dienern umgebet:, den Hof in der Nähe von Newport hütete, während Wal-tert, ihr Gatte, bei den entfernt kämpfenden Truppen stand. Im Ungewissen über das Schicksal Wal-terts und in der augenscheinlichen Gefahr, bald von den erbitterten Hopden überfallen zu werden, gelang es ihr noch mit genauer Not, sich in die Stadt Newport zu flüchten. Wenige Stunden hernach war der fchöire Hof Walterts ein Raub der Flammen geworden, wo alles, was das Feuer verschonte, den wilden Horden in die Hände fiel. Doch da trat den zorn- und. racheschnau-benden Indianern ein ganz unerwarteter und furchtbarer Feind entgegen: die Blattern oder der schwarze Tod. Diese verheerende Seuche kain damals über diese unglücklichen Söhne der Wildnis ur einer Weise wie niemals zuvor und verwandelte ihre todten Jagd gründe tote ihre stillen Wnlsiedlungen in kurzer Zeit in öde, unabsehbare Leichenäcker, da sie sich mit unbeschreiblicher Schnelligkeit nach allen Seiten hin verbreitete. Ebenso schrecklich wie die Verbreitung war auch der Charakter der Krankheit. Ter von ihr befallene Kranke beklagte sich über fürchterliche Schmerzen in Kochs und Rücken, und in wenigen Stunden schon war er eine Leiche. Augenblicklich wurde der Körper schwarz und schwoll nicht selten ums Doppelte an. Die mächtigsten Stämme wurden infolge dieser Seuche dezimiert, ja mitunter ganz ausgerottet. Gerade zu der Zeit nun, als das Treffen bei Plymouth stattfand und Newport bedroht wurde, schritt der schreckliche Würgengel unter den zügellosen Jndia-nerhorden und begann den Vernichtungskrieg in ihren Reihen. Bald war die Prärie ein einziger großer Totenacker, auf welchem die unbeerdigten Leichen umherlagen, Pest und Verwesung ringsum verbreitend. Nun wich die letzte Spur von Ordnung und Zusammenhalten. Alle im Kriege begriffenen Stämme suchten dem Würgengel nach allen Seiten zu entfliehen. Doch vergebliche Mühe; wohin sie auch gingen, er ereilte sie. Schließlich schien jedes Gefühl gegenseitigen Mitleids und zärtlicher Gesinnung geschwunden. Jeder floh den andern, Weiber und Kinder strichen in der Prärie umher, nach kümmerlicher Nahrung suchend. In wenigen Tagen starben über tausend Zelte aus. Anfangs war zu befürchten, daß die wilden Hocken, welche vorzüglich nach Newport, wo sie neuen Zuzug erwarteten, vorgerückt waren, ihren verheerenden Krieg fortsetzen und ihre schwindenden Kräfte sämtlich gegen die Weißen vereinigen würden; brachte doch jeder Tag Kunde von neuen Zurüstungen und dem unersättlichen Rachedurst. gegen die Weißen. Aber es war alles umsonst, die Blattern warfen sie nieder, den Tapfern wie den Schwachen, und wer tum diesem Gift einmal befallen war, erstand nicht mehr. Ja, es ereignete sich, daß verschiedene KriegAhor-den, die zum Kampfe ausgezogen waren, sämtlich unterwegs starben, so daß nicht einer davon zurückkehrte, um die Kunde seinem Stamme zu bringen. So ward im Laufe weniger Wochen ihre Macht und ihr Mut gebrochen, und nichts war mehr zu hören als das gräßliche Totengeheul aus dem Lager. Jeder Gedanke an Krieg verschwand, und die wenigen Überbleibsel wurden demütig und zahm. Keine Zunge ist imstande, ein Bild der Verwüstung zu entwerfen, welche der Anblick des Landes darbot. Wohin man auch blicken mochte, man sah nichts als traurige Spuren der Verwesung und menschlichen Elends. Noch aus vielen Hügeln standen Zelte, aber keine Rauchsäule stieg als Zeichen des Daseins menschlicher Wesen empor, und kein Laut, außer dem Ge-krächz des Raben und dem Geheul des Wolfes, unterbrach die schreckliche Stille. Im Buche des Schicksals schien es unabänderlich geschrieben zu sein, daß der rote Menschenstamm ganz aus einem Land vertilgt werde, welches er einst mit jugendlicher Kraft allein beherrschte, bis die Habsucht der Weißen die fernhin tötende Feuerwaffe, den entnervenden Feuertrank und das alles verheerende Blatterngift an feine Ufer brachte.* Gerade in den ersten Tagen des Aus-bruches der Pocken fand unweit Plymouth das Treffen statt, von dem wir bereits wissen, daß die Indianer zersprengt wurden. Das Lager der Indianer stand aus einem kleinen Hügel am Saume eines Waldes, und war in der Eile gegen plötzliche Überfälle durch Gräben, Dämme und Barrikaden von Holzstämmen befestigt worden. Kaum eine Stunde davon entfernt, bereiteten sich die Truppen der Weißen zum Angriff für den folgenden Morgen vor. Man beabsichtigte, mit Hilfe einer Batterie, die in der Nacht dem Lager nahe gebracht werden sollte, in früher Morgenstunde dasselbe im Sturm zu nehmen. Die Indianer hatten am Tage zuvor ■gute Beute gemacht, und einem Händler, 'her nach Plymouth fuhr, mehrere Fässer Branntwein samt sechs Pfecken abgenommen. Heute war nun frisches Leben im Lager. Die erbeuteten Viehherden lieferten frisches Fleisch zu süßem Braten, und in dem reichlichen Branntwein ersäufte 'sich der letzte Funken von Verstand; denn, wie bekannt, lieben die Wilden dies Getränk leidenschaftlich. Beim Gerassel und Dröhnen einer Art von Trommel tanzte und sprang alles herum, indes die Krieger ihre Kriegslieder erklingen ließen. So * Es ist geschichtliche Tatsache, daß die Blattern durch einen Reisenden unter die Indianer gebracht wurden, der den Indianern die Tauschartikel der Pelzhändler übermitteln sollte. Die Blattern teilten sich mehreren Bootsleuten mit und kamen durch diese unter das Volk. Nach authentischen Berichten belief sich die Anzahl der von den Blattern hinweggerafften Indianer der Westgrenze der Vereinigten Staaten auf mehr als 60.000 Menschen. wurde getanzt, getrunken und gejubelt, bis die Nacht hereinbrach und fast das gange Heer betrunken und besinnungslos aus dem Boden lag. Auf jener Seite des Lagers, die an den Wald stieß, war eine Art Krankenspital errichtet worden, worin schon über 150 Personen unter einem Dache von künstlich geflochtenen Ästen auf ihren harten Lagern schmachteten. In dieser Nacht vor dem Angriff der Weißen starben bereits 50 Erkrankte an den Blattern. Kaum war der Tag im Osten erwacht, als die ersten Kanonenschüsse aus der Batterie der Weißen das berauschte Heer der Indianer aufschreckte. Schon die ersten Kugeln richteten merklichen Schaden cm; von der Verwirrung aber, dem Geheul und der Bestürzung der Wilden kann man sich keinen Begriff machen. Wer sich aufrecht halten konnte, griff zu den Waffen. Ungefähr eine Viertelstunde dauerte der Widerstand, dann löste sich das ganze Heer in wilder Flucht auf. Langsam und vorsichtig rückten die amerikanischen Truppen heran und nahmen nun Besitz vom Lager, das von der verlassenen Beute der Wilden noch angefüllt war. Unter den Ersten, die das Lager betraten, befand sich auch Waltert, als Chef einer Kompagnie. Rasch drang er mit andern zum Lazarett der Wilden vor. Doch welch ein entsetzliches Schauspiel bot sich da seinem Blick dar! Über 50 Leichen lagen in grauenvoller Entstellung auf oder neben ihren Lagern umher, und eine weit größere Anzahl rang unter fürchterlichen Schmerzen mit dem Tdde. Waltert schrak vor diesen grausigen Wirkungen der Pocken zurück; allein plötzlich rief ihm in englischer Sprache eine Stimme zu, die ihn beim Leiden Christi beschwor, statt Schwert und Wunden ihnen Schonung und Beistand zu bringen. Verwundert über diese Anrede nahte sich Waltert jener Seite, woher die flehende Stimme kam. Wie stieg aber erst sein Staunen, als ihm ein schlanker, hagerer Priester mit einem Kruzifix auf der Brust, entgegentrat, ihn bei der Hand faßte und bat, man möge hier verschonen, wem die schauderhafte Krankheit noch nicht ans Leben ge-kommen.Es war Pater Rechberg, der Begleiter des Thomas, seiner Kinder und der Dorfgenossen von Florida. „Wie finde ich hier," redete Waltert den Priester an, „Europäer, die im Dienste der Wilden stehen?" „Unsere Religion kennt keinen Unterschied in der Hautfarbe," erwiderte Pater Rechberg, „wo es sich um das Heil der Seelen handelt." Waltert war beschämt und betroffen durch diese Antwort. „Lassen wir das gut sein," sagte er schnell gefaßt, indem er einem Lager sich näherte, das von einem jungen, zarten Knaben und einigen kupferroten Wilden, deren Augen in Tränen schwammen, umstellt war. In diesem Augenblick sank der Knabe vor dem Lager nieder und rief mit schluchzender Stimme, die das Herz durchdrang: „O mein Gott, erhalte doch meinen Vater am Leben, oder laß mich mit ihm sterben!" Nach diesen Worten umfing der junge neunjährige Knabe den Hals eines Mannes, der, von den Blattern über und über bedeckt, auf einer Matratze lag und, wie es schien, bereits mit dem Tode rang. „Gutes Kind, mäßige dich," sagte Pater Rechberg, indem er eilig, herbeisprang und den Knaben von dem Kranken weg-nah,m. Waltert sah dieser Szene mit tiefer Rührung zu; von einer inneren Stimme gedrängt, fragte er, an Pater Rechberg sich wendend: „Wer ist dieser Kranke, da ihm alle hier so viel Teilnahme schenken?" 185 Heft 7 u. 8. Stern der Neger. „Es ist Thomas - Koziunba," cWiiberte der ehrwürdige Priester, indem eine Träne in seinem Auge erglänzte. „Wie? Was sagt Ihr? Thomas? Mein Gott, was muß ich da hören? Also mein Schwager ist es, der Mann der seligen Florida, und in diesem Zustande? O, welch ein Wiedersehen!" Thomas schien seine Worte verstanden euren Onkel, der euch an meiner Stelle Vater sein wird." Bei üefen Worten blickte er um sich, seine Kinder suchend, sah aber nur Zamira, während Thomas nicht zu entdecken war. „Wo ist Thomas, mein Kind?" stammelte der sterbende Vater. Jetzt erst wurde auch Pater Rechberg und die Um- Zuckerrohrhdiidler auf einer Station der Uiambarabahn in Deutichoitafrika. Photographie ti. Gebr. Hacket, Berlin. Das Deutsche Reich besitzt in seinen Kolonien in Ostafrika eine der interessantesten Eisenbahnen des Erdballs. Große Mengen afrikanischer Produkte werben durch dieselben aus dem Innern des Landes gebracht, darunter viel Elfenbein, Zuckerrohr usw. Auf den Stationen dieser Eisenbahn erklingen überall deutsche Laute, auch die Neger suchen ihre Produkte, die sie in die Stationen bringen, in deutschen Worten zu verhandeln. Die mächtigen Zuckerrohrstangen, die wir in den Händen ^—g-g—5-obiger Ostafrikaner erblicken, werden von beit Negern ganz roh verzehrt. ----------- zu haben, denn mit dem Aufgebote aller seiner Kräfte erhob er sich und streckte Waltert beide Arme entgegen, mühsam die Worte hervorbringend: „Gott, ich danke dir, daß du mir einen Retter sendest, dem ich meine Kinder anvertrauen kann. Nun will ich gerne sterben. Kommt, meine Kinder, Thomas und Zamira, seht hier stehenden gewahr, daß der Knabe verschwunden war. Man suchte und forschte nach ihm, doch blieb vorderhand alles Suchen vergeblich. Der kleine Thomas war verschwunden. Die Nachricht, daß Thomas nicht zu finden fei, warf den kranken Vater ermattet auf das Lager zurück. Schließlich ge- lang es der Überredungskunst des Priesters, ihn zu überzeugen, daß der Ver-mißte sich wohl werde bald wiederfinden lassen. Nach einer Weise winkte Koziunöa dem Waltert und bat die Umstehenden, man möge ihn einige Augenblicke mit ihm, Pater Rechberg und Zamira, allein lassen. Nachdem man seinem Wunsche willfahrt hatte, sagte er mit schon ersterbender Stimme zu Waltert: „Schwager, vernimm die letzte Bitte eines Sterbenden. Thomas, meinen Sohn, haben wahrscheinlich meine Stammesgenossen mit sich fortgeführt, aber noch bleibt mir Zamira, meine Tochter, da; sie trägt KnäbeNkleider zum Schutze ihrer Unschuld; wir nennen sie seither Korban; ich bitte dich nun, Waltert, sei du ihr Vater und Retter ... Doch halte sein Geschlecht vor den bösen Menschen verborgen bis zur Volljährigkeit.. ein Gelübde verbindet mich dazu..... denn..." Da setzte das Todesröcheln ein. „O Jesus und Maria!" brachte er noch mühsam hervor, worauf seine Seele den von den Blattern entstellten Leib verließ. Da schloß Waltert die jammernde und trostlose Zamira in seine Arme und sprach : „Korban, ich will dir Vater sein, Gott ist mein Zeuge." Aber auch seine Stimme erstickte in einem Strom von Tränen, denn er gedachte seiner eigenen Kinder, und seiner Fran, die jetzt vielleicht schon den größten Gefahren preisgegeben waren. 14. Korban. Am folgenden Tage ließ Waltert die Leiche seines Schwagers Thomas Ko-ziun'ka in Plymouth feierlich zur Erde bestatten. Noch eine halbe Stunde nach der Beerdigung kniete Zamira, oder Korban, wie wir sie von nun an nennen werden, mit gefalteten Händen am Grabeshügel ihres Vaters, und Waltert und Pater Rechberg hatten Mühe, sie torn Kirchhof wegzubringen. Inzwischen waren die zersprengten Wilden nach mehreren Richtungen verfolgt worden; sie hielten nirgends mehr stand. Die Blatternseuche hatte die Fortsetzung des Krieges übernommen, auf eine ebenso schauderhafte als grausame Weise. Auch die Truppen der Vereinigten Staaten wurden darum wieder entlassen, die einen froh, ihren heimatlichen Herd vor Gefahr beschützt und bewahrt, andere schmerzlich betrübt, statt ihrer Wohnungen leere Brandstätten und unter den Trümmern derselben vielleicht auch manches teure Menschenleben begraben zu finden. Waltert hatte nicht die geringste Ahnung von der Einäscherung seines Hauses und der übrigen Gebäude bei Newport, denn er nmßte und glaubte nicht, daß die feindlichen Horden bis dahin gedrungen wären. Mit liebender Sehnsucht nach Frau und Kindern eilte er mit dem verkleideten Korban der Heimat zu. Die Abendsonne hatte eben ihre letzten Strahlen von den Bergspitzen zurückgezogen und sich mit ihrem Glührot, wie es schien, in das unermeßliche Meer versenkt. Waltert sah diesem herrlichen Schauspiel von einem kleinen Hügel aus, unweit seines Hauses zu. Ein kleines Wäldchen verhüllte seinem Blicke das Haus, worin er seine Lieben gesund und freudig — bald zu umarmen wähnte. Mit pochendem Herzen näherte er sich der Stätte, wo ehedem seine stattlichen Gebäude gestanden. Man denke sich nun den Schreck, als er den schönen Garten zerstört, und statt des Hauses die leere Brandstätte, die schaurigen Trümmer erblickte. „Mein Gott," schrie er, von der tiefen Besorgnis ergriffen, „wo finde ich Frau und Kinder?" — Wie rasend stürzte er um den schauerlichen Trümmerhaufen herum; allein nirgends zeigte sich eine Spur menschlicher Wesen; nur einige Nachtvögel flatterten, durch seinen Aufschrei geschreckt, aus ihrem finstern Versteck. Der sonst so besonnene und mit vielem Gleichmut begabte Waltert wußte sich einen Augenblick nicht mehr zu fassen. Er rief nach Be-ata und seinen Kindern, eilte hin und her, und rang nach einem Gedanken, der ihn auf die Spur seiner Lieben führen sollte. In diesen Augenblicken stieg der Mond aus einer gebrochenen Wolke hervor und beleuchtete mit mattem Schein den Trümmerhaufen; unwillkürlich erhob Waltert seinen Blick nach jener Himmelsgegend hin, woher das neue Mondlicht kam. Ruhig glitt der Mond seine Bahn über den Türmen von Newport bolim. Da drang auch plötzlich der beruhigende Gedanke in seine Seele, daß seine Leute vielleicht in der Stadt sich gerettet finden möchten. Wir übergehen die Szene des Wiedersehens, wie den folgenden Zeitraum von fünf Jahren. Der Verlust der Gebäude und vieler Habe war vergessen. An Stelle der rauchenden Trümmer erhob sich jcht ein viel schöneres Haus mit den nötigen Ökonomiegebäuden. Ein großer Garten mit den schönsten Anlagen, wie er in der Umgebung nirgends zu finden war, bildete die Zierde des herrlichen Landsitzes. Die noch immer männlich gekleidete Zamira war 14 Jahre alt geworden und stellte als Korban einen bildschönen Jüngling dar, wie ihn ein Pinsel des Raffael nicht lieblicher hätte Malen Wunen. Ihr Geheimnis war außer Waltert und seiner Beata, welcher er Mitteilung gemacht hatte, noch niemandem bekanntgeworden. Waltert versäumte nichts, was die liebenswürdige Zamira bilden konnte. Sie wurde den zwei Kindern Walterts, Alfons und Berta, in allen Dingen gleichgehalten. Zamira, oder vielmehr Korban, wie sie stets genannt wurde, ließ sich aber auch so gut an, daß er den zartesten Wünschen seiner Pflegeeltern stets zuvorkam. Alles liebte den wunderschönen Knaben mit seinen blonden Locken und den hellen blauen Augen. Noch lieblicher und schöner aber erstrahlte das Bild seiner Seele. Sein Leben war das eines Engels, voll Sanftmut uni> Liebe. Nie hörte man ihn mit seinen Geschwistern streiten, immer war er sanft und nachgiebig und verzichtete anderen zuliebe gern auf alles. BesoUders aber war ihm ein ungewöhnlich sinniges Wesen eigen. Er liebte die Einsamkeit, sprach wenig und hieltsich gern im Garten und in der freien Natur auf. Die erhabene Schöpfuirg war ihm ein offenes Buch, aus dem er Gottes Wort zu lesen verstand. Die drei Kinder liebten sich innig. Auch verstanden sie es, ihren Eltern, wie gegenseitig unter sich, auf die sinnreichste Weise Freude zu machen. Korban übertraf den Alfons an Schärfe des Verstandes; mit dem zwölften Jahre schon hatte sich in ihm eine wahre Vollkommenheit von Tugenden entwickelt, wobei Kenntnisse, Geschicklichkeit und eine besondere Anmut nicht fehlten. Alfons konnte ohne seinen Bruder Korban gar nicht leben; wenn er einen Tag ihn nicht sah, nicht mit ihm reden konnte, so war seine Seele betrübt: es fehlte ihm etwas, und er suchte Korban aus, wo er sich immer befand. Auch Korban wartete oft mit Sehnsucht, bis Alfons sich bei ihm einfand, und doch hielt ihn das natürliche Verhältnis, das durch die Bewahrung des Geheimnisses bedingt wurde, immer mehr zu- 188 Stern der Nege r. rück. Diese freilich etwas sonderbare Lage gab seiner frommen Seele allmählich eine ernstere und vom gewöhnlichen Leben abgehende Richtung an und zog ihn vom Getriebe und den lockenden Freuden der Welt immer mehr ab. Die seltene Schönheit, die ausgezeichneten Gaben des Geistes und Körpers machten Korban nicht stolz; er schien dieselben nicht zu ahnen. Wenn auch die Umgebung ihn bewunderte, wenn allmählich alles, was ihn kannte, unwillkürlich sich ihm zuwandte, wenn er aller Herzen gewann, ohne es eigentlich zu wollen, so siegte doch seine Bescheidenheit über jeden Anflug menschlicher Eitelkeit, ja, alles dies vermehrte nur seine Vorsicht, seine Neigung zur Einsamkeit und zur stillen Übung in Tugend und Gebet. — Eines Tages ereignete es sich, daß Waltert aus der Schar seiner Angestellten zwei wegen Diebstahls entlassen mußte, und Franzesko, als dem Geschäftsführer und Vertrauten Walterts, ward der Auftrag erteilt, an ihre Stelle zwei Neger aufzunehmen. Dieser Auftrag sollte nun dem Heuchler Gelegenheit bieten, seine schwarzen Pläne zu verwirklichen. Von hem Augenblick an, als die verkleidete Zamira im Lager der Indianer vom fterbeüden Water Waltert anvertraut wurde, brütete Franzesko über seinen Racheplänen. Er hatte den Thomas wiedererkannt und wußte, daß Zamira, oder nunmehr Korban, dessen Kind wäre; Grund genug, um dasselbe mit feinem glühendsten Hasse zu verfolgen. Dieser Haß steigerte sich noch, als er zusehen mutzte, wie Korban bald der Liebling aller im Hause war. Das konnte seine Eifersucht nicht ertragen. Schon lange sann er darum auf Mittel und Wege, um ihn zu verderben, aber nie bot sich ihm hiezu eine passende Gelegenheit. Da führte ihn endlich die bevorstehende Reise seines Herrn Heft 7 u. 8. in die Schweiz aus den Gedenken, seinen Racheplan so großartig als möglich auszuführen. Nicht bloß Koriban, sondern auch Waltert selbst mit seiner Familie, die Tochter Berta ausgenommen, sollten seiner Rache geopfert werden. Berta sollte erhalten bleiben, um durch sie das Vermögen und bie großen Besitzungen Walterts zu gewinnen. Soweit war sein Entschluß bereits gereift, als er den schon erwähnten Auftrag erhielt, zwei Diener in Walterts Hausdienste aufzusuchen. ©q§ war günstiges Wasser auf seine Mühle. Es gelang ihm, zwei verschmitzte Neger, Rikar und Selin, seinem Herrn vorzustellen, die von Waltert alsbald in Dienst aufgenommen wurden. Franzesko verstand es nun, die Sache so einzurichten, daß der eine von ihnen, Selin, der weit kräftiger und begabter war als Rikar, Bestimmt wurde, seinen Herrn auf der Reife nach der Schweiz zu begleiten. Selin fveute sich auf die Reise ungemein, und glaubte diese Anordnung wirklich dem Wohlwollen Franzeskos verdanken zu müssen, weshalb in seinem Herzen auch die verführerischen Vorschläge desselben vollen Beifall fanden. Das Ende einer mehrwöchentlichen Unterhandlung Franzeskos mit Selin war, daß er seinen Herrn auf der Reise mit aller Aufmerksamkeit bedienen und dessen Gunst erwerben solle. Während des Aufenthaltes in der Schweiz oder auf der Rückfahrt auf dem Schiffe werde es ihm wohl gelingen, denselben einmal entweder über einen Felsaibhang oder über Bord des Schiffes zu stoßen, unter dem Scheine, der Zufall oder ein Fehltritt hätten es getan. Für diesen Dienst versprach ihm Franzesko 4000 Dollars und die Freiheit dazu. Selin ge- Heft 7 u. 8. Stern der Neger. 189 Mate, getreulich zu vollführen, was er von ihm verlange. Der Tag der StB reife Walterts nach, der Schweiz war gekommen. Mit mancherlei Waren uud Wechseln im Betrage von 20.000 Franken, zum Geschenk für seine bedürftigen Eltern bestimmt, schickte er sich nun an, für mehrere Monate seine Lieben in der Neuen Welt zu verlassen, um nochmals die ferne Heimat, den väterlichen Herd und das Land seiner Jugendträume zu betreten. In der Stunde des Abschieds entströmten den Herzen aller die Ausdrücke kr zärtlichsten Liebe und Besorgnis. Be>ata und Berta konnten sich fast nicht von seinem Halse losreißen. Alfons war ein besseres Los beschieden, er durste den Vater bis nach Philadelphia begleiten. Beata über, wie von einer schweren Ahnung ergriffen, war beinahe untröstlich. Es war ihr, als hätte er das letztemal die Hand in die ihrige gelegt, als hätte sie das letztemal das Bild ihrer Seele in seinem offenen Auge, wie in einem Spiegel, wiedergefunden; sie fühlte sich gar so verlassen und wie allein auf der Welt. Diese Umstände machten Waltert die letzten Augenblicke schwer, unB er mußte alle Kraft zusammennehmen, um in seinem gewohnten Gleichmut auch die Seelenrühe seiner Lieben aufrechtzuhalten. Mit lbesonderem Nachdruck er seine Familie wie die Leitung seiner Geschäfte der getreuen Obsorge des Verwalters Franzesko, der wie vernichtet schien in diesem grenzenlosen Vertrauen seines Herrn. . Ob -in diesem ernsten Augenblick nicht mehr als ein guter Engel zu seinem heuchlerischen Herzen geredet, wissen wir nicht; wohl aber, daß einen Tag später der Dämon seinen Sieg darin feierte. Wir lassen sie ziehen, Vater, Sohn und den Neger Selin, alle zu Pferde, und senden ihnen mit Beata und Berta tausend Segenswünsche nach. 15. Das Glück ist uns günstig. Am meisten litt Korb-an beim Wschied Walterts. Er hatte die heuchlerische Seele Fvanzeskos durchschaut. Ihm allein war es nicht entgangen, daß derselbe mit den Negern Selin und Rikar häufig geheime Unterredungen hatte. Verdächtige Blicke und Worte, die er diese drei im Garten, wo er unbemerkter Zuschauer war, wechseln sah und hörte, gaben ihm einigen dunklen Aufschluß über ihr boshaftes Beginnen. Er hatte auf bloßen Verdacht hin nicht gewagt, Anzeige zu machen; jetzt aber reute es ihn, daß er jegliche Andeutung unterlassen. Es war zu spät. Kaum aber waren Vater Lorenz und Alfons seinen Blicken entschwunden, so schlich er in den Garten hinab in seine zierliche Blumenkapelle und warf sich vor dem mit Blumen geschmückten Bilde ‘her heiligen Jungfrau Maria nieder, wo er lange, in Tränen gebadet, um himmlischen Schutz für die Familie, um Heil und Wiederkehr des Vaters und des so teuren Brud-ers Alfons bat. Selbst die Vöglein, die -ihn sonst mit ihrem frohen Gesänge begrüßten, und abwechselnd mit der frommen Jungfrau im Männergewande das Lob des ^Schöpfers verkündeten, schienen zu trauern. Korban hatte im Gebet Erleuchtung und die Anregung empfangen, mit aller Vorsicht die Schritte Franzeskos zu überwachen, und wenn die Gefahr sich 'vergrößern sollte, sofort der Beata Kenntnis von ihren Wahrnehmungen zu geben. Diese Gelegenheit fand sich sehr bald. Von Unruhe und Sorgen gequält, war 190 «Stern der Nege r. Heft 7 u. 8. Korban in der folgenden Nacht, weil kein erquickender Schlaf feine Augen schloß, schon um 2 Uhr aufgestanden. Er begaib sich in den Garten, um in der freien Lust Erquickung zu finden. Noch war kein Vöglein wach, alles still ringsum. Der süße Duft der Blumen erquickte ihn und die Stille lud ein zum Gebet. Schon eine Stunde mochte Korban vor dem Bilde des Gekreuzigten und der heiligen Jungfrau Maria gebetet haben, als sich ganz nahe ein Geräusch und daun das Geflüster von Männerstimmen hören ließ. Wenige Schritte vor der Blumenkapelle befand sich ein Pavillon; in diesem verlor sich alsbald das Geräusch, das Flüstern aber dauerte fort; allmählich wurde das Gespräch eifriger und darum auch laut und hörbar. Korban erschrak anfänglich, das Abhorchen war i'h«m zuwider, darum wollte er aufstehen und sich entfernen. Sogleich fiel ihm der Gedanke ein, daß, wenn es Franzesko wäre, dieser argen Verdacht schöpfen könnte, und daß vielleicht boct)1 das Wohl der ganzen Familie auf dem Spiel stehe. Teils Furcht, teils die Absicht, lieber zu sterben, als eine Gelegenheit zur Rettung der Familie Walterts unbenutzt verstreichen zu lassen, hielten ihn an seiner Stelle fest. So horchte er mit pochendem Herzen. In diesem Moment fand nun die Ver-schwörungsszene zwischen Franzesko und dem Neger Rikar statt, von der wir im Eingänge unserer Erzählung eine kurze Schilderung gegeben. Allmählich brach bec Tag an, und eben drangen die ersten Strahlen der Morgensonne durch die Blätter. In diesem Augenblick sah Korban, wie Franzesko einen blinkenden Dolch gegen Rikar zuckte und ihn zum Schwur bei Siva aufforderte. Das Entsetzen darüber machte Korban zittern wie Espenlaub, und beinahe wäre ein lauter Schrei seinem Munde entfahren, wenn nicht der Geldanke, sich in dieser Stellung als Horcher zu verraten, ihm die Lippen plötzlich geschlossen hätte. Das war denn eben auch der Augenblick, als Franzesko ein Geräusch vernahm und den Dolch daher wieder in seinem Busen verbarg, wie wir aus dem Eingänge der Erzählung bereits wissen. Wenn indes Korban auch nicht jedes Wort verstand, so hatte er doch soviel gehört, daß es wirklich dem Verderben der Familie Walterts galt. Die Art und Weise jedoch, wie die Verschwörung ausgeführt werden sollte, kannte er nicht; bctrüfier mußten die Verschwörer vorher geredet h«aben. Zum besseren Verständnis muß inbeS noch bemerkt werden, daß Franzesko mit den Worten: „Denke an Nina und deine Freiheit!" den Rikar ködern wollte, weil er wußte, daß der häßliche Neger seine Luchsaugen ans die junge Tochter des alten Gärtners geworfen hatte. Wenn er ihm nun die Freiheit und damit die Tochter des Gärtners versprach, mußte er die Zweifel Rikars, den Schwur bei Silva nicht leisten zu dürfen, wohl überwinden. Die Neger dachten sich in Silva einen welt-zerstöreriden Gott, der falsche Eide und Schwüre mit furchtbarer Rache bestrafe. Daher kam es, daß Rikar sich anfänglich weigerte, den Schwur zu leisten, bis Franzesko vermittels des blinkenden Dolches den Worten „Nina und- Freiheit" Eingang verschaffte. Ms Franzesko und Rikar die Laube verlassen hatten, um auf den schlängelnden Wegen durch die künstlich angelegten Wald- und Baumgvuppen dem Hause zuzugehen, schickte sich auch Korban an, seine Blumenkapelle zu verlassen. Er zitterte am ganzen Leibe, denn ein furchtbares Geheimnis hatte sich ihm enthüllt: ein schreckliches Verderben bedrohte die gute Familie Walterts. „Lehre mich Weisheit, o Mutter der Gnaden!" seufzte Korban, als er den scheidenden Blick auf das schöne Bild Mariens warf. Langsam schritt er nun den Blumengarten hinab, der seiner besonderen Pflege anvertraut war, und tat, als wolle er einige Stellen von Unkraut reinigen, eine Blume aufrichten oder eine Pflanze versetzen. Nach einigen Minuten war er dem Hause nahe gekommen, zu welcher Zeit auch Franzesko und Rikar auf weiteren Umwegen üm engern Hof-raume anlangten. Da war es nun, wie wir früher erfuhren, baß Franzesko Verdacht schöpfte, Korban möchte ihn in der Laube belauscht haben, und deshalb in vorlbissenem Ingrimm halblaut zu sich selbst sagte: „Ich will den Burschen unschädlich machen zu rechter Zeit." Mit diesen Worten, die ein teuflischer Blick auf Korban begleitet hatte, eilte er mit Rikar ins Haus. Korban erwog das Gefährliche und Schwierige seiner Stellung, und überlegte einen Augenblick, was er tun solle, ob sofort zur Frau Beata gehen und ihr die drohende Gefahr enthüllen, oder warten,. bis Alfons wieder heimgekehrt wäre. Da er aber wußte, daß Alfons vor drei bis vier Tagen nicht zurück sein könne, so entschloß er sich, beim ersten besten Anlaß der Beata alles zu entdecken. Er begab sich deshalb auf sein Zimmer. Während er seine Gedanken sammelte, um in kurzer Darstellung die furchtbare Verschwörung Franzeskos klar zu machen, kam Franzesko zufällig an seinem Zimmer vorbei, die Tür war nur angelehnt, nicht geschlossen. Korban warf durch die kleine Öffnung seinen Blick auf Franzesko, der sich uirbelauscht hielt. Dieser Anblick überschüttete ihn mit einem unheimlichen I Schauer, denn aus dem Gesicht des Fran-zesko strahlte eine gewisse Freudigkeit, die das Gelingen seines Unternehmens bekundete. „Das Glück ist uns günstig," sagte er haMaut vor sich hin und eilte von bannen. Nun ertrug Korbans weiches Herz diesen entsetzlichen Hohn, diese schauderhafte Gefahr nicht mehr, es drängte ihn fort, dem Wohnzimmer Beatas zu. Er klopfte an die Tür — sie öffnet sich und heraus tritt die Kammerfrau mit verweinten Augen und blaß wie der Tod. Ein Schauer durchlief Korbans Seele. Die Worte Franzeskos: „Das Glück ist uns günstig," hatten gleichsam Leben und Gestalt angenommen, die durchwachte Nacht, die aufgeregte Phantasie und 5er namenlose Kummer um das bedrohte Ldben und Glück der Familie Walterts ließen ihn auf einmal alles Schreckliche wie in fidjtfiaren Bildern und Szenen erblicken. Dazu nun die traurige Erscheinung der Kammerfrau. „Was ist Euch, warum weint Ihr?... Ich muß zu Beata!" rief Korban halb verwirrt durcheinander. „Beruhige dich, Korban, die Gefahr ist nicht so groß, es wird schon wieder besser werden, sie schläft ein wenig, wird sich bald wieder erholt haben." So erwiderte die Kammerfrau, wodurch das Mißverständnis noch größer wurde. „Wer ist denn krank?" unterbrach sie Korban, von einer neuen Ahnung ergriffen. „Ach, Beata, unsere gute Frau," antwortete schluchzend die Kammerfrau. „Um Gottes willen, so laßt mich zu ihr, ich muß sie sprechen!" „Es darf nicht sein, lieber Korban; Franzesko hat mir aufs strengste verboten, daß ich außer dem Doktor keinen 192 ■Stern der Neger. Heft 7 u. 8. Menschen und' namentlich keine männlichen Personen zu ihr lasse." „Es muß fein, Iieibe Frau," rief Korban in der höchsten Seelenangst, „ich muß sie sprechen, sie ist in der größten Gefahr, und ich bin ja lunch kein ... Mann ..." Mit diesen Worten stürzte Korban ohnmächtig vor der Kammerfrau zusammen. Die ebenso sehr erschrak als staunte. Aus ihren willkürlichen Schrei um Hilfe eilten die Mägde herbei und zuletzt auch Fran-zesko. Korban erholte sich schnell wieder. Als er die Augen aufschlug, befand er sich aus dem Bette seines Zimmers, und vor ihm stand neben den Mägden Franzesko. Ein teuflisches Lächeln saß aus seinen Lippen, aus den Augen über leuchtete der Zorn wie ein zuckender Blitzstrahl. (Fortsetzung folgt.) V. neben kommt uns auf Umwegen die traurige Nachricht zu von dem bereits vor Pfingsten erfolgten Ableben zweier Profeß-brüber unserer Kongregation, die nun im heißen Sande Afrikas dem Tage der Auferstehung entgegenharren. Über das „Wann, wo und wie sie der Tod erreichte" fehll jede Nachricht. Wahrscheinlich sind sie dem Schwarzwasserfieber zum Opfer gefallen. Die beiden Brüder sind: Christian platz Severina Consolaro ans der Diözese St. Gallen. aus der Diözese Vicenza, Geboren am 25. Februar 1870, trat er am 4. November 1892 in unsere Kongregation ein und war seit 1899 in der Mission tätig. der gleichfalls schon seit etlichen Jahren drüben im fernen Afrika weilte. Wir empfehlen die beiden teuren Verstorbenen recht angelegentlich dem Gebete unserer Freunde. R. I. I>. \ Verantwortlicher Schriftleiter Rektor P. Dr. M. Raffeiner F. S. C. — St. Josef-Vereins-Buchdruckerei, Klagenfurt, Kärnten. c ff anten Artikel von Hofrat Dr. Eugen Jacger, Mitglied des Reichstages, den wir unseren Lesern zu eifrigem Studium angelegentlich empfehlen, Auch der übrige Inhalt dieser Nummer bietet wieder eine Fülle gediegener, hochaktueller Beiträge. Wir nennen die Titel: Eine Unterredung mit Papst Benedikt XV. Von Dr. Julius Bachem. Die fünfzigste Schicksalswoche. Von Fritz Nienkemper. — Die Völkerschlacht. Von M. Herbert. — Deutsche Abwehr französischer : Angriffe. Von Dr. Paul Maria Baumgarten. — j Klerus und Schule. Von Benefiziat Götzel. ' — Kriegsgedächtniskirche zur Ehrung des Heldentums der Frauen und Mütter im Weltkriege. Von Pfarrer Ficchtner zu St. Maximilian, München. — Chronik der — Aus- i stellung der Münchener Ostprcußenhilfc. Von : Dr. O. Doering. — Vom Büchertisch. — Büh- j neu- und Musikrundschau. Von L. ©„ Oberlacn-der. — Finanz- und Von M. Weber. — Auf diese den gebildeten Katholiken nicht genug zu empfehlende, vornehme Wochenschrift werden für das Vierteljahr Juli-September nach jederzeit Bestellungen entgegengenommen von jedem Postamt, jeder Buchhandlung und dem Verlag in München, Galeriestraße 35 a | , GH. Probennmmern sind vom Verlag in belie- | biger Anzahl jederzeit kostenfrei zu erhalten i Im Felde wird die „Allgemeine Rundschau" auch sehr gerne gelesen. Hierfür ist ein praktisches ! Feldabonnement eingerichtet. Ludwig llhlands Gesang uun der verlorenen Kirche. Vortrag von Dr. Josef Wittig, Universitäts-Professor in Breslau. 32 S., 24° mit fünf Illustrationen und dem Bildnis des Redners. Preis 10 h. Verlag der St. Petrus Claver-Sodalität, Salzburg. Tiefer Glaube, umfassendes Wissen, eine werktätige Nächstenliebe und die lieblichste Dichtung strahlen dem Leser aus diesem Werkchen entgegen. Der Vortrag wurde von dem hochw. Herrn in dem Breslauer katholischen Frauenbund gehalten und erfreute sich eines begeisterten Beifalles. Wer wieder einmal aufleben und sich an der reinsten Quelle der religiösen Dichtung laben will, möge diesen Vortrag lesen. Auch der alte deutsche Glaube und Glaubenseifer finden 1 darin reichhaltige Nahrung. Das Büchlein wird besonders der verehrten Geistlichkeit empfohlen. Zu beziehen von der St. Petrus Claver-Soda- ; litnt, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12, und durch alle katholischen Buchhandlungen. Die Pflichten der Franc» im Kriege behandelt in verschiedenen trefflichen Artikelist die „Illustrierte Frauenzeitschrift Elisabethblatt" (Preßverein Linz, jährlich 12 Hefte, Preis 2 K, mit Post 2 K 24 h, nach Deutschland 2 Mark 20 Pfennig. Außer diesen Kriegsartikeln bringt das Juni-heft einiges über die Bekämpfung der kindlichen Untugenden von P. Ri eckhoff, die lehrreiche Erzählung Das garstige Kind, Kreuz und Lorbeer, ein Blatt aus der Kunstgeschichte von Hermine Proschko, Wie sorgen wir in diesen ernsten Zeiten am besten für die Zukunft unserer Mädchen, die farbenreiche imb- geistvolle Reisebeschreibung, In der Sonne des Südens .von Anna -Esser, Der Keuchhusten vom ärztlichen Ratgeber Dr. : Mayer, Kinderaufsicht und Kinderpflege, Kriegs- ! kost, Für Haus und Hof, die, höchst interessante - Wcltrundsch.ru für die Frauen, der Mode und Handarbeitsteil, der durch seine einfachen und praktischen Vorlagen dem Luxus möglichst entgegenarbeitet. Die Zeitschrift kann besonders in dieser Kriegszeit den Frauen wärmsiens empfohlen werden. Tic spanische Gralbnrg, die hochromantische Wallfahrt Monserrai schildert in der beliebten Familienzeitschrift „Ave - Maria" i jährlich 12 Hefte 2 K, nach Deutschland 2 Mark) die reichillustrierte Reisebeschreibung „Ins Wunderland Spanien" von Pesendorfer (mit fünf Illustrationen). Außerdem enthält Heft 6 die Fortsetzung des „Marienlebcn" von Wernher von Tegernsee, Oft mahlen Gottes Mühlen schnell, Fronleichnam, Die deutschen Burgen von P., Soldatengrundsätze, eine kurze Biographie des Marienvcrehrers P. Georg Kolb 'S. J., Kindessorgen von Gutmandlberger, Das MuttcrgotteS-bild auf dem Schlachtfeld, Ein Brief eines Feldgeistlichen, Kriegsbilder, Hindenburg und das Gebet, einen hübschen Aufsatz über die Rose, mehrere Erzählungen, Aus Welt und Kirche, Gedichte: Gemäldefenster des neuen Domes mit Illustrationen; Gesamtzahl der Bilder 20, darunter das Vollbild: Kaiser Franz Josef besucht die Spitäler. GeneralfeldmarschaU von Hindenburg. Der Verlag für Volkskunst, Rich. Keutel, Stuttgart, bringt in seinen für das Volk und besonders für die Jugend bestimmten Kunstblättern auch ein Bild des gegenwärtig wohl populärsten deutschen Mannes heraus, des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. (Preis auf Karton in Vielfar-bendruck nur 20 Pfennig.) Das Bild stammt von dem ausgezeichneten Münchner Künstler Karl Bauer, der in seinen Gemälden und Zeichnungen deutscher Charakterköpfe schon so manchen wertvollen Beitrag zur Kenntnis berühmter Männer gegeben hat. Was Hindenburg in den sieben Monaten, seit sich vor unsern Augen das gewaltige Ringen der Völker miteinander abspielt, geleistet hat, ist so groß und wunderbar, daß sich keine beliebige Formel dafür finden läßt. Und das Bild des genialen Heerführers steht in den Schaufenstern und voll Ehrfurcht tritt man davor. Und jedes neue Bild, und ist es auch das bescheidenste, das uns das Antlitz dieses Mannes vor Augen führt, wird mit der gleichen Bewunderung willkommen geheißen. .Diese wird man wohl auch dem Bilde entgegenbringen, das Karl Bauer uns geschenkt hat. Das ganze schlichte, aber von ungeheuerer Willenskraft erfüllte Antlitz des Generalfeldmarschalles blickt uns so lebendig und lebensvoll an, als wolle er mit uns sprechen. Jede Pose fehlt, nicht anders, als der einfache Mann, den sein Kaiser zur höchsten militärischen Stellung berief und der sie ausfüllt, wie selten einer in der Geschichte, so steht er vor uns. Das rein malerische Werk ist auf ein weniges beschränkt. Aber gerade darum ist es für unsere Jugend so geeignet und stellt es über vieles, was sich bei gebens bemüht, dem Wesen und Charakter dieses Mannes das Beste und Wichtigste abzulauschen. Möge es bei unserer Jugend die Aufnahme finden, die cs verdient und möge das Bild ihr immer vor Augen stehen und sic mit Dank und Bewunderung erfüllen, was er und unter seiner Leitung ihre Väter für das Vaterland getan haben. Klöstern und Instituten empfehlen wir für ihren Bedarf an Reis, Kaffee und Bülfenfrüchfen die Firma 3oL 3anaulekek, Wien II! :: ßrofjmarkthalle :: I um sonn, eumuf urFSil ü liffionsreifen in zentral-Mika. j| I Von Jran3 Laver Geyer, Titulnrbischos von ! Trocmndä ». Slpoft. Bikar v. Zentrol-Afrikn. jj I Im Selbstverläge des Verfassers. Adresse: J [J Missionshaus Milland bei Drixen, Tirol. !! j Preis Mk. 8 50 (10 K) mit Postversendung. j ::sssss=ssi:s:=s55ss==:: zahle Ihnen, wenn Ihre Hühneraugen, Warzen, Hornhaut Riabalsam in 3 Tagen samt Wurzel nicht schmerzlos entfernt. Preis 1 Tiegel samt Garantie-Brief K V—, 3 Tiegel 2 und 4/a Kronen, öTiegel 4 und 1/.z Kronen. Kemeny, Kaschau(Kassa)I.Post- MM fach 12/213. Ungarn. (24) m Seilte ES: Lllndleute usw. Aden als Laienbrüder Aus-——'———— im lilfionsöES in lilnnb hei Briten. Niemand versäume den Beitritt und die rechtzeitige Anmeldung in die St Zosef - Bücherbruderschaft in Klagenfurt (Kärnten). !»»«»»! Die 21. 3al)resgabc, die im Sommer ober Herbst 1915 erscheint, enthält folgende Bücher: 1. Bunte Btlbcr’aus dem Bescheider Technik. Ein auch für den kleinsten Mann wertvolles, durch und durch praktisches Buch eines gewiegten Fachmannes. 2. Oie heiligezSchrist. 6. Lieferung. 3. Bunte Geschichten. Enthält Geschichten und Bilder von dem jetzigen Stiege. 4. (Ein „lserz-Jesu-Tebeiduch". Wird infolge seiner Belehrung und seines reichhaltigen Gebetsteiles allen Mitgliedern besondere Freude machen. 5. St. Maria- und St. Zoses-Balendcr 1916. Außerdem könne» bezogen werden: 6. Der Roman: „lHariciiritter" von Felix Nabor. 60 Heller. 7. flluer durch Nordamerika. Reiseschilderungen. 60 Heller. Bei beiden? Gaben kann das 6. ober 7. Buch (broschiert) auch an Stelle des geb unbenen Gebetbuches gewählt werden. Jede Jahresgabe zu fünf Bücher, das Gebetbuch gebunden, kostet 2 Kronen 40 Heller, das Postporto für die post-freie Zusendung einschließlich der Verpackung 60 Heller. Name, Adresse und Postort sind recht deutlich zu schreiben. Ist bereits ein Sammler-Mandatar für die Biicher-bruderschast im Bestellorte anwesend, so ist es empfehlenswert, sich bei diesem zu melden, ansonst bestelle man einzeln oder trachtet, selbst eine größere Gruppe von Bestellern zusaninien-zubringen. Auch die 20. Zahrezgabe Ist noch zu haben — sie enthält folgende Bücher: l ; Die französische Hcooliition. Bon Franz Zach. 2. Die heilige Schr'isl. 5. Lieferung. 3. Bunte Geschichten. 4. Beten und (Leben. Gebet- und Betrachtungsbuch von P" ! W. Lerch. 5. St. Maria- und St. Ioses-Aalender 1915. Außerdem können noch bezogen werden: 6. „Oes Nächsten Gut" und „Iltis getrennten) wegen". 'Zwei ergreifende Erzählungen in einem Bande. 60 Heller. 7. Über Erziehung und Umgang mit Hindern. 60 Heller. Unentbehrlich für jedes Mitglied der St. Josef - Bücherbruderschaft ist die Bestellung des Eprachorgancs derselbe»,'! ber Biertel-jahrsschrist: „Glück ins Ijaus". „Glück ins Haus" muß von jedem Mitgliede Bestellt werden. Es erscheint viermal im Jahre, jedes Vierteljahr zwanglos ein Heft und tostet| für Mitglieder jährlich nur 40.kHeÜer, "für Nichtmitglieder 80 Heller. Der erste und zweite Jahrgang kann zu den genannten Preisen noch bezogen werden.