Bezugspreis« Für «Österreich-Ungarn ganzjährig K 6' — halbjährig K 3 — ^ür Amerika: ganzjährig D. 2 — ^ür bas übrige Ausland ganzjährig K 6'50 Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt, Manuskripte nicht zurück-gesendet. Erscheint mit einer illustrierten Beilage „Iüanbermappe/Z am 4. und 19. eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die Werwaltinkg des Kvttscheer Boten in Gottschee Nr. 121. Berichte sind zu senden an die Kchristkeitung des Ksttscheer Moten in Gottschee. Anzeigen (Inserate) werden nach Tarif Berechnet und von der Verwaltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage desGott-scheer Boten erhältlich. Postsparkaffen-Konto Nr. 842.285. Ar. 32. Kottschee, am 19. Movemöer 1918. Jahrgang XV. Unverzagt! Mit lawinenartiger Plötzlichkeit sind in den letztvergangenen Tagen Ereignisse von welterschütternder Bedeutung hereingebrvchen. In Österreich: der Zerfall der Monarchie und ihre Auflösung in Freistaaten, die Abdankung Kaiser Karls; in Deutschland: die Abdankung Kaiser Wilhelms, die Entthronung einer ganzen. Reihe von Landesfürsten, die Republik in Bayern und in den deutschen Staaten. In beiden mitteleuropäischen Staaten: der Verlust des Krieges, ein Waffenstillstand unter schwersten Bedingungen. Und nun ist es, als ob die rote revolutionäre Welle auch in die Staaten der Entente hinüberstuten wollte. Tritt an die Stelle des Weltkrieges nunmehr vielleicht die Weltrevolution? Wir Gottscheer, die wir am altehrwürdigen Kaiserstaate Österreich stets mit treuer Liebe und Anhänglichkeit hingen, sahen dessen Zerfall mit den schmerzlichsten Gefühlen. Die Schmach und die Demütigung, die nunmehr über das große deutsche Volk gekommen ist, hat bei uns selbst Frauen Tränen bittersten Schmerzes erpreßt. Schwer ist es, ein solches Schicksal zu ertragen, nicht zu verzweifeln bei dem furchtbaren Verhängnisse, das über das deutsche Volk hereingebrochen ist. Wir lassen uns trotzdem nicht die Hoffnung nehmen, daß nach dem jetzigen Golgatha für das deutsche Volk einstmals wieder der Tag der Auferstehung kommen wird. An uns Gottscheer tritt nun in diesen schweren Tagen, in diesem Wirbel der Ereignisse die bange Frage heran: Wie wird unser eigenes, künftiges Schicksal sein? Viele von uns sehen die Zukunft in den düstersten Farben. Da und dort greift Verzagtheit um sich. Landsleute, seien wir doch nicht mutlos I Ist denn wirklich ein Grund vorhanden, zu verzweifeln und alles im Stiche zu lassen? Nein und abermals nein! Das Gebiet von Gotrschee hat nach seiner Volkszahl und seinem Umfange zweifellos Anspruch auf Selbstbestimmung und Selbstverwaltung. Es hat diesen Anspruch auch geltend gemacht und wir hoffen zuversichtlich, daß er bei der Friedenskonferenz in irgendeiner Form auch durchgesetzt werden wird. Es entspricht auch den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Billigkeit, daß in der jetzigen Übergangszeit und bis zur endgültigen Entscheidung der Stellung Gottschees bei uns keine Veränderungen im status quo zu nationalen Ungunsten der Deutschen vorgenommen werden. Undurchführbar ist im Gottscheerlande die jüngst erflossene Sprachenverordnung, die keine Ausnahme für. unser Gebiet vorsieht. Man kann nicht in einer Sprache amtieren, die das Volk nicht versteht. Es würde hieraus nicht bloß den betroffenen Gemeinden und Parteien, sondern auch dem neuen Staate selbst schwerer Nachteil erwachsen. Daher muß baldigst Wandel geschaffen werden. Im übrigen fort mit jedem Kleinmut und jeder Verzagtheit I Unsere Vorfahren haben vor Jahrhunderten noch viel schwerere Schicksale erlebt als wir, man denke nur an die schrecklichen Türkeneinfälle mit ihren Verheerungen und Verwüstungen. Haben sie deshalb den Mut verloren, sind sie der Heimat untreu geworden? Nein! Erweisen wir uns also als würdige Nachkommen unserer tapferen Altvordern. Unser Losungswort sei und bleibe: Unverzagt aller Wege! Der Wirtschaftsvertrag zwilchen dem südslawischen Staate und Steiermark. Der steirische Wohlfahrtsausschuß hat mit den Südslawen ein wirtschaftliches Übereinkommen abgeschlossen. Die getroffenen Vereinbarungen erstrecken sich auf das Eisenbahnwesen, aus Patente, Marken und Muster, die Handelskammer, den Rechtsverkehr, die Sozialversicherung, die Sparkassen und das Geldwesen, die Postsparkasse, Gendarmerie, Straßen- und Wasserwege, Post-, Telegraphen und Fernsprecher, die privatrechtlichen Forderungen usw. Hinsichtlich der künftigen Grenze zwischen Deutschösterreich und dem südslawischen Staate wurde bestimmt, daß diese Frage dem Friedenskongresse Vorbehalten bleiben solle. Die noch offenen zwischenstaatlichen Fragen werden durch besondere nachträgliche Vereinbarung geregelt werden. Die getroffenen Vereinbarungen sind sofort in Kraft getreten. Im Namen der südslawischen Nationalregierung haben die Vereinbarung gefertigt der Kommissär für Finanzwesen Vekoslav Kukovec, der Kommissär für Schulwesen Dr. Karl Verstovšek und der National-rat Ivan Kejza, im Namen des deutschösterreichischen Staates Nationalrat Vinzenz Muchitsch als Vertreter des Staatsrates, Wirtschaftskommissär Dr. Viktor Wutte als Vertreter des Staatsamtes für Äußeres, Sektionsrat Rudolf Horrak, Oberinspektor Adolf Be-nirschke als Vertreter des Staatsamtes für Verkehrswesen und Bahnkommissär Dr. Rudolf Scheidl. Dem Übereinkommen entnehmen wir folgendes: Auf den Bahnstationen entscheiden in allen Verkehrs- und eisenbahntechnischen Fragen nur die Eisenbahnorgane. Dies bezieht sich auch auf den militärischen oder polizeilichen Sicherungsdienst, das heißt insbesondere daraus, wann und wo die Assistenz einzu- greifen hat. Die Beschlagnahmen auf der Eisenbahn dürfen nur von behördlich befugten Organen angeordnet werden, welche sich den Bahnorganen gegenüber auszuweisen haben. Den Militär- personen darf ihre Kleidung, Beschnhung, das übrige Handgepäck und der Rucksack (Tornister) inhalt, sowie ein Mundvorrat für etwa 14 Tage nicht abgenommen werden. Den Zivilpersonen ist ihr persönliches Eigentum einschließlich mäßiger Lebensmittelvorräte gesichert. Der durchlaufende ZugSverkehr bleibt aufrecht. Die Verpflegung des ganzen Eisenbahnpersonals samt dessen Familienangehörigen im Süden bis einschließlich Spielfeld obliegt der jugoslawischen Regierung, von da an nördlich der deutschösterreichischen Regierung. Die Militärverköstigungsstationen sind einzurichten in Laibach, Steinbrück, Pragerhof, Marburg-Thesen, Marburg-Kärntner- bahnhof, Graz, Bruck, Mürzzuschlag, St. Michael, Selztal, Neumarkt. Der Verköstigung werden Soldaten aller Nationen unterzogen, bezüglich der Belieferung der Verköstiguugsstationen gilt dasselbe wie bei der Eisenbahn. Die Bergwerke Trifail, Hrastnigg, Sagor, Johannistal, Carpano und Sebeniko liefern der Südbahn und den Staatsbahnen die Betriebskohle wie bisher. Die Reparatur des Wagenparkes erfolgt in den bisherigen Werkstätten. Ein Zurückhalten von Betriebsmitteln jeder Art ist ausgeschlossen und wird als widerrechtlich erklärt. Die spätere Waggonaufteilung erfolgt nach den Bestimmungen des Friedensvertrages. Zivilgüter auf der Strecke Oberdrauburg-Marburg, Marburg nordwärts, Radkersburg-Spielfeld und nordwärts haben freien Durchzug. Was bezüglich der Berkehrsverhältnisse der Südbahn vereinbart wurde, gilt auch für die Staatsbahn und die Laudesbahnen. Offiziere dürfen nicht entwaffnet werden. Als Entwaffnungsstationen für die Mannschaft werden bestimmt: Laibach, Agram, Pettau, Marburg-Thesen, Marburg-Kärntnerbahnhof, Graz, Neumarkt, St. Michael, Selztal und Bruck, Villach und Klagensurt. Lebensmittel aller Art, lebendes und totes Vieh, tierische Produkte, Brennstoffe, Papier, Zündhölzchen und Lederprodukte sind bahnverkehrsfrei, vis major Vorbehalten. Lebensmittel, welche von einem deutschösterreichischen Aufgabeorte in eine jugoslawische Station oder umgekehrt gerichtet sind, dürfen in keinem Falle beschlagnahmt werden. Es wird gegenseitig unbeschränkte Rechtshilfe im Zivilrechts-Vollstreckungsverfahren und Strafverfahren vereinbart. Bezüglich der Zuständigkeit der Strafgerichte gelten die dermaligen gesetzlichen Bestimmungen ohne Rücksicht auf die verschiedenen beiderseitigen Staatsgebiete. Ebenso bleiben jedenfalls bis zum Friedensschluß sämtliche derzeit geltenden k. k. österreichischen Gesetze in den beiderseitigen Staatsgebieten in voller Kraft. Es wird gegenseitiger voller Schutz des Eigentums und der Person gewährleistet. Die Statuten der bestehenden Sparkassen bleiben aufrecht. Die Rechtsverhältnisse der Spar- und Vorschußkassen bleiben ebenso wie deren Vermögen bis zum Friedensschlüsse vollständig unberührt und unterliegen dann den zu treffenden internationalen Vereinbarungen. Der Postsparkassenverkehr wird aufrecht erhalten. Die volle Verkehrsfreiheit auf Straßen, Wasserstraßen, sowie im Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr wird gegenseitig gewährleistet und insbesondere der Schutz des Briefgeheimnisses anerkannt. Privatrechtliche Forderungen der Bewohner der beiderseitigen Staatsgebiete bleiben vollständig unberührt und es sichern sich beide vertragschließenden Regierungen gegenseitig zu, daß keinerlei gegen die Bewohner des anderen Staatsgebietes gerichtete Zahlungsverbote oder sonstige Ausnahmsverfügungen erlassen werden. Gesandte werden vorgesehen, einerseits in Wien, anderseits in Laibach und Agram. Die Entscheidung über die Grenzen zwischen den vertragschließenden Staaten bleibt dem Friedenskongresse Vorbehalten. Klage? Sie wußten es und haben recht behalten: Franz Ferdinand war Oesterreich. Als er dahingestreckt lag, tot und bleich, Da schlug die letzte Stunde auch dem alten, Schmerzlich geliebten Donaureich. Es war kein Vaterland wie andere Länder, Es war ein Land der Opfer und der Not, Und gab sein Acker auch wie ein Verschwender, Er blieb doch Schlachtfeld, seit die Nibelungen Auf diesem Plan den letzten Kampf gerungen In Not und Tod. 1 Dieses in der „Reischspost" vom 3. November veröffentlichte Gedicht gibt den Gefühlen Ausdruck, die uns jetzt schmerzvoll beherrschen. Wir haben diese Heimat oft geschmäht. Weiß Gott! Doch da es nun ans Scheiden geht, Bricht uns das Herz vor Kummer schier entzwei. Ein Märchen, schön und traurig ist vorbei, Das Lied, das traute, das alte, Ruhmvolle Gotterhalte Bricht ab mit einem schrillen Todesschrei. Nun schimmert wirklich einem Märchen gleich Zurück das arme tote Oesterreich. Es stieg ein warmer, adeliger Bau In dieser kalten, götterlosen Stadt, Die Erde heißt, empor ins Himmelsblau. Was drinnen wogte, sprach m hundert Zungen, War eins und mannigfach, war rauh und glatt, Bedächtig und erhitzt, gehemmt und ungezwungen, Voll Widerspruch und doch in großen Tagen Von einem Willen, einem Schwung getragen. Vom Geiste waren wir emporgerissen, In dem des Blutes Stimme untergeht, Der von den Höhen eines Landes weht, In dem des Weltgeists tiefgeheimes Wissen Der Völker ganzes Glück und Leid versteht. Geborsten sinkt der alte Wunderbau Und drüber streifen Wolken, schwer und grau. Die drinnen hausten, scheiden, Sie ziehen ohne Dank hinaus. Ein jeder baut sein eigen Haus Und will den ändern meiden. - Verlassen, öd und grauenbleich Steht die Ruine — Oesterreich. * Was all die Großen dieser Erde wollten, Als sie des Krieges höllische Lawine Auf die entsetzte Menschheit niederrollten, Als sie des Hasses langgefüllte Mine Auf einmal zur Entzündung brachten, Sich rühmten und lachten, Wenn Länder barsten, Kontinente krachten — Ich weiß es und ahne kaum, Ob Schuldige sind, wer sie wären, Wo mehr der Schuld und wo der Anfang war. Es drückt ja alles Neue ein Lügentraum, Aus dem nur neue Lügen sich gebären. Nur eines weiß ich, eins steht schrecklich klar, Uraltem deutschen Boden droht Gefahr. Gab auch das deutsche Volk sein Herzblut her, Starb Deutschlands Blüte in des Blutes Meer, Nun sinkt herab die fürchterliche Nacht.------------- Es ist vollbracht! * Gekreuzigt hängt das deutsche Volk am Schmerzenspfahl Und stöhnt zum Himmel auf in Schmach und Qual. Langsam erlischt da oben Stern um Stern. Schwer ruht auf uns die Faust des Herrn. Wir sind gebrochen — aber nicht im "Mark! Da drinnen pulst noch treu und stark Die alte Kraft, der alte Mut Und spricht: es wird noch alles, alles gut! Es kommt dereinst der große Tag, Da hellt der Himmel sich mit einem Schlag. Da sproßt aus unserer Heldenbrüder Blut Nach kummervoller Jahre Flucht Vieltausendfach der Todesopfer Frucht. Wir wissen alle: aufrecht gilt's zu steh'n, Denn Deutschland, Deutschland kann nicht untergeh'n. Wir beißen nieder allen Schmerz der Würde Und werfen trotzig selbst in dieser Stunde Den alten Spruch dem Feinde ins Gesicht: Den deutschen Geist erschlugt ihr nicht! An deutschem Wesen Wird doch noch einmal alle Welt genesen. M. Aus Stabt und Land. Gottschee. (Vom politischen Konzeptsdienste.) Der Bezirkshauptmann in Littai Herrn Karl Ekel wurde zur Dienst- leistung bei der Nationalregierung in Laibach einberufen. Die Bezirkskommissäre Herren Eugen Marquis v. Gozani und Dr. Karl v. Foregger sind in den Dienst des deutschösterreichischen Staates iibergetreten und wurden der Landesregierung in Graz zur Dienstleistung zugewiesen. — (Vom Justizdienste.) Der Bezirksgerichtsvorsteher in Gottschee Herr Landesgerichtsrat Ottokar Cern stein wurde zum Gremium des Kreisgerichtes in Rudolsswert einberufen und erhielt einen mehrwöchigen Urlaub. Herr Bezirksrichter Johann Hutter wurde provisorisch mit der Leitung des hiesigen Bezirksgerichtes betraut. — (Finanzprokuratur.) Der Finanzprokurator Herr Dr. Viktor Pessiack wurde von seinem Amte enthoben; an seine Stelle kommt Herr Dr. Hubert Souvan. — (Stationskommando.) Herr Hauptmann Dr. Stephan Rajh wurde zum Stationskommandanten in Gottschee ernannt. — (Vom Staatsgymnasium in Gottschee.) Am Staatsgymnasium in Gvttschee begann der regelmäßige Unterricht wieder am 18. November d. I. — (Zur Beachtung.) Jene Abnehmer des „Boten", die ihn bisher mit der Feldpost erhalten haben, mögen ihre neuen Adressen, aber zugleich auch ihre früheren Feldpostadressen bekanntgeben, damit ihnen das Blatt richtig zugeschickt werden kann. — (Trauung.) Am 6. Oktober wurde hier der k. u. k. RUO 1. Klasse Herr Otto Binder, Bankbeamter, mit Fräulein Marie Hönigmann, Tochter des Hausbesitzers Herrn Georg Hönigmann in Gottschee, getraut. Trauzeugen waren für den Bräutigam Herr Ludwig Strebel, Privatbeamter, und für die Braut deren Bruder Herr Josef Hönigmann. Herzlichen Glückwunsch! — (Todesfall.) Am 4. November starb hier nach langem, schmerzvollem Leiden, versehen mit den heil. Sterbesakramenten, Herr Heinrich Hofholzer, Realitätenbesitzer, Besitzer der Bronzenen und der Silbernen Ehrenmedaille des Roten Kreuzes mit der Kriegs-dekoration, in seinem 61. Lebensjahre. Der Verstorbene erfreute sich wegen seines entgegenkommenden, liebenswürdigen Wesens der allgemeinen Wertschätzung und Beliebtheit. Durch drei Jahre (1892— 1894) war er auch Mitglied des Ausschusses der Sparkasse der Stadt Gottschee. Als Mitglied der Verwaltung des bestandenen Rekonvaleszentenhauses des Roten Kreuzes in Gottschee hat sich der Verblichene durch seinen hingebungsvollen Eifer um die humanitäre Sache besonders verdient gemacht. Er ruhe in Frieden. — (Vom Wasser- und Elektrizitätswerke.) Es war reichlich rechtzeitig um Zuweisung von Rohöl beim Handelsministerium angesucht worden und dieses hatte auch die gewünschte Menge aus der Raffinerie in Triest angewiesen. Unglücklicherweise war es aber trotz oftmaliger Betreibung nicht möglich, rechtzeitig einen Zisternenwaggon zur Förderung des Rohöls zu bekommen, und gegenwärtig ist der Bahnverkehr nach Triest eingestellt. So muß jetzt der Betrieb unseres Wasser- und Elektrizitätswerkes mit Kohle geschehen, was bedeutende Mehrkosten verursacht. Um zu sparen, wurde die Abgabe von Wasser und elektrischem Strom gedrosselt und auf bestimmte Stunden beschränkt. Die Bewohner der Stadt werden hiemit dringend ersucht, beim Verbrauche von Wasser und elektrischem Strom sich der größtmöglichen Sparsamkeit zu befleißen. — (Große Sterblichkeit.) Im Monate Oktober sind in der Stadtpfarre Gottschee 16 Personen gestorben, und zwar größtenteils an der Grippe und ihren Folgen. Auch im November hält bis jetzt die große Sterblichkeit noch an. Jeden zweiten Tag ist ein Leichenbegängnis in der Pfarre. — (Die G a sthäu ser) dürfen gegenwärtig erst um 11 Uhr vorm. geöffnet und müssen um 8 Uhr abends geschlossen werden. Die Verabreichung von Branntwein ist gänzlich untersagt. — (Die Mahlkarten) wurden aufgelassen und es können die Mühlen nunmehr ohne Mahlkarten Getreide vermahlen.^ — (Briefzensur.) Die Nationalregierung hat bis auf weiteres die Briefzensur eingeführt. Briefe müssen offen aufgegeben werden. Auf Weisung aus Agram (2. November) sind nicht nur alle Privatdepeschen, sondern auch alle Depeschen an deutsche oder ungarische Behörden zu zensurieren. — (Eine Woche keine Zeitungen. — Keine Preßhefe.) Vom 4. November an gelangten eine Woche lang aus Deutschösterreich (Graz, Wien usw.) keine Zeitungen nach Gottschee. Nunmehr kommen sie wiederum regelmäßig. Auch Preßhefe, die aus Klagenfurt bezogen wird, traf hier bisher nicht ein, so daß man kein Brot backen konnte. — (Rückverlegung slawischer Ersatzkörper.) Das Kriegsministerium hat u. a. die Verlegung des IR 17 aus Tol-mezzo, des FJB 7 aus Dogna und des GSchR 2 aus Enns angeordnet. Diese Truppenköcper wurden nach Laibach verlegt. — (Die Truppen der südslawischen Nationalmiliz) werden mit 4, bezw. 5 Kronen entlohnt und erhalten reichliche Verpflegung. Die Offiziere beziehen Gagen in der Höhe ihrer bisherigen Bezüge. Die von der Nationalregierung in Dienst genommene, rund 3500 Mann starke tschechische Legion wird ganz so entlohnt wie die Nationalmiliz. — (Unsere Heimkehrer.) Von allen Seiten strömten sie in der ersten Novemberwoche herbei, unsere lieben Heimkehrer, die jahrelang an der Front so viel zu leiden und auszustehen gehabt hatten. Auch auf der Heimreise hatten die meisten von ihnen noch viel zu ertragen. Von der Piave marschierte ein Trupp mehr als eine Woche lang über Rakek nach Reifnitz, ohne mit Lebensmitteln versehen zu sein. Andere, es waren Siebzehner, mußten von Tol-mezzo eine Woche lang anstrengende Märsche nach Krain zurücklegen. Nun sind sie wieder daheim und sind dessen froh und die Heimat braucht jetzt das Sorgen und Bangen um sie nicht mehr zu haben. Nicht mit Siegesjubel konnte die Heimat sie empfangen, sondern mit schmerzlicher Wehmm, da die Wiedersehensfreude durch das schwere Leid der Zeitennot getrübt ist. — (Der Po st verkehr mit Kärnten.) Von der Post-und Telegraphendirektion für Kärnten ist an alle Postämter in Kärnten die Mitteilung ergangen, daß gegenseitig nach dem Gebiete des Südslawischen Staates nur Briefe, Postkarten, Mustersendungen und Drucksachen jeder Art im Privatverkehr zulässig sind, der private Paket- und Geldverkehr sowie der private Telegraphen- und Fernsprechverkehr in das genannte Staatsgebiet aber unzulässig seien. — (Kriegsküche.) Für etwa durch Gottschee durchziehende fremde Soldatentrupps, die von der Front kommen, um nach Hause (Kroatien) zu ziehen, ist die Einrichtung einer Kriegsküche (Berpflegs-station) in Gottschee angeordnet worden. Es soll dadurch verhindert werden, daß durchziehende Soldaten sich etwa mit Gewalt in der Stadt und in den umliegenden Dörfern Lebensmittel verschaffen und Plünderungen und Gewalttaten verüben. Bis jetzt sind nach Gottschee und in unsere Gegend nur unsere eigenen Heimkehrer gekommen, außerdem einzelne Trainstaffeln, die nach Kroatien zogen. Es war daher bisher nicht nötig, die Kriegsküche in Tätigkeit treten zu lassen. Da gegenwärtig der Abtransport der Truppen aus dem Süden bereits bewerkstelligt ist, steht kaum mehr zu erwarten, daß durch unsere Gegenden noch fremde Soldatentrupps ziehen werden. Es wird daher auch die Kriegsküche kaum mehr notwendig sein. — (Unterhaltsbeiträge.) Nach einer Verordnung der neuen Regierung sind von nun an nur an jene Familien Unterhaltsbeiträge auszuzahlen, auf deren Zahlungsbogen das Gemeindeamt und das Pfarramt bestätigen, daß der Erhalter der Familie entweder in Kriegsgefangenschaft sich befindet und aus derselben noch nicht zurückgekehrt ist, oder daß er in aktiver Dienstleistung bei der Volksmiliz steht. Diese Bestätigung muß bei jeder Auszahlung erneuert werden. Den Invaliden, Witwen und Waisen nach gefallenen Kriegern wird der Unterhaltsbeitrag wie bisher ausgezahlt. Diese Verordnung ist mit 15. November in Kraft getreten. — (Der Wirkungskreis der Finanzprokuratur Laibach,) ferner der krainischen Advokatenkammer und der Landwirtschaftsgesellschaft wurde auf das ganze slowenische Gebiet ausgedehnt. — (Gendarmerie.) Im Einvernehmen mit dem Nationalrat hat das Landesgendarmeriekommando am 2. November an die Gendarmerieposten den Befehl erlassen, das die gesamte krainische Gendarmerie dem Nationalrat in Laibach unterstehe. Ihr Abzeichen ist das slawische Dreisarb an der Kappe. Die Aufgaben der Gendarmerie sind auf der gleichen Grundlage weiterzuführen wie bisher. Die Dienstsprache ist das Slowenische. — („Im Namen des Gesetzes.") Die gerichtlichen Urteile werden seit.2. November „im Namen des Gesetzes" gesprochen. — (Einstellung der F eld post.) Der Betrieb der Feldpost wurde eingestellt. Es dürfen also keine Felvpostkarten mehr aufgegeben werden. — (Ein überspannter Ritter.) In den ersten Tagen des November kam der Göttenitzer W. als Heimkehrer zurück. Er ließ grüne Zettel drucken, in welchen zur Teilnahme an einer am darauffolgenden Sonntage in Gottschee zu veranstaltenden Volksversammlung ausgefordert wurde. Da einzelne Wendungen in dieser Einladung bolschewistischen, obrigkeitsgegnerischen Charakter trugen, wurde die Verbreitung dieser Zettel behördlich verboten und in den Gemeinden amtlich bekanntgegeben, daß die Versammlung nicht stattfinden dürfe. W. wurde verhaftet und nach Laibach gebracht, jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Für Sountag, den 10. November, war ein größeres Gendarmerieaufgebot nach Gottschee beordert worden. Die Gendarmerie fand aber nicht den geringsten Anlaß einzuschreiten, da sich überhaupt nichts ereignete. Es herrschte vollkommene Ruhe, von einer Versammlung war keine Rede. Das Ganze, das so viel Staub aufwirbelte, war nur der Einfall eines überspannten Menschen. — In einer Korrespondenz aus Laibach des „Grazer Tagblattes" vom 15. November wird die Sache in einer der Wirklichkeit widersprechenden Weise dargestellt. Wenn da behauptet wird, daß die Versammlung in Gottschee durch ein großes Aufgebot von Gendarmen und slowenischen Nationalgardisten unmöglich gemacht worden fei, so entspricht dies in keiner Weise den Tatsachen. Tatsache ist es vielmehr, daß überhaupt kein Mensch zu der im grünen Zettel angekündigten Verfammluug gekommen ist, weshalb auch das Aufgebot dagegen sich als ganz und gar unnotwendig herausstellte. — (Der südslawische Staat) ist nunmehr von der Entente auch formell anerkannt worden und steht seit dem 14. Nov. unter dem Schutz der Entente. Er zählt 13 Millionen Einwohner. — Triest wollen die Italiener den Südslawen nicht mehr herausgeben, was bei letzteren große Erregung hervorruft. — Am 10. November weilte der italienische König in Triest. Minister Barzilai hielt vor der Börse eine Ansprache an die Bevölkerung, in der er erklärte, Italien kann nicht so viele Südslawen ausnehmen, daher wolle es auf Dalmatien verzichten, dagegen müsse Italien Triest und Istrien für sich erklären. —- (Die feierliche Ausrufung der deutfchösterreichischen Republik) und der Anschluß an Deutschland fand am 12. November in Wien statt. — (80 Bahnwagen Feldpostsendungen) sind durch das plötzliche Anshören des Krieges nnanbringlich geworden. — (Versorgung mit Kohle.) Für die Bewohnerschaft der Stadt Gottschee wurden für den Monat November 15 Waggons Kohle zugewiesen. — (Tage der Aufregung.) In den letztvergangenen Wochen kam man aus den Aufregungen gar nicht heraus. Außer den gewaltigen welterschütternden Ereignissen, die an unseren Nerven rüttelten, gab es auch örtlich so manche Anlässe zur Erregung. Eine Zeitlang schlug die Furcht vor dem grünen Kader alles in ihren Bann. Zum Glücke blieben wir von dieser Gefahr verschont. Dann die Sorge um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, der Sicherheit der Person und des Eigentums! Auch diese Befürchtungen blieben glücklicherweise bloße Befürchtungen. Die Geschichte mit dem grünen Zettel, die wir an einer anderen Stelle unseres Blattes mitteilen, löste sich schließlich in ein Nichts auf. Endlich noch die Tnscheleien und Flüstereien über eine Proskriptionsliste, der zufolge eine ganze Reihe von hiesigen Beamten und Lehrpersonen die Amtsentsetzung zu gewärtigen hätte. Auch dabei war mehr Furchtmacherei und Sensationslust als Wirklichkeit im Spiele. Hoffentlich werden wir nicht noch nachträglich diesbezüglich Lügen gestraft werden. — (Schnee.) Der Winter hat bereits feinen Einzug gehalten. Die Erde ist mit einer Schneedecke überzogen. — (Falsche Gerüchte.) Wir erfahren, daß auswärts über Gottschee falsche Gerüchte verbreitet sind. Es wird nämlich in Steiermark und Niederösterreich erzählt, daß bei uns Gewalttaten, Plünderungen, Zerstörungen u. bergt, vorgekommen seien. An diesen Gerüchten ist bekanntlich kein wahres Wort. Es herrschte vielmehr bei uns mehr Ordnung als in vielen auswärtigen Orten. Wir schreiben diese Zeilen zur Beruhigung unserer auswärts wohnenden Landsleute. — (Görz bleibt bei Italien.) Einer in Laibach eingetroffenen Meldung zufolge hat der kommandierende General der reichsitalienischen Besetzungstruppen von Görz in einer in Görz gehaltenen Rede erklärt, Görz werde dauernd bei Italien bleiben. — (Kreishaupt m a n n schast in Marburg.) Die nationale Regierung wird in Marburg eine Kreishauptmaunschaft für das slowenische Gebiet Steiermarks errichten. — (Auflösung der Volkswehren.) Die Staatsregierung in Laibach hat eine Kundmachung veröffentlicht, wonach bie in den einzelnen Gemeinden errichteten Volkswehren mit Rücksicht auf die beendete Demobilisierung der österreichisch-ungarischen Armee bis 20. November aufzulösen sind. Die von den Volkswehren benützten Waffen sind abzuliefern, da sie für bie Bewaffnung der steirischen und kärntischen Slowenen benötigt werden. — (Die Italiener) sind am 15. November bis Bresowitz bei Laibach vorgerückt. Aus Laibach wurden ihnen serbische Truppen entgegengeschickt. Die Italiener behaupteten, militärische Interessen zu verfolgen, worauf die Abgesandten des Laibacher Nationalrates erklärten, wenn die Italiener noch weiter vorrückten, müsse es zu einem Zusammenstoß kommen. Daraufhin zogen sich die Italiener zurück. — (In Deutschösterreich) sind alle politischen Vorrechte aufgehoben worden. Die Delegationen, das Herrenhaus und bie bisherigen Landtage wurden abgeschafft. Die Übernahme der Kron-güter wird durch ein Gesetz durch geführt. Alle öffentlichen Gewalten werden vom Volke eingesetzt. Die k. u. k. Ministerien und bie k. k. Ministerien werben aufgelöst. — (Republik in Ungarn.) Am 16. November würbe im Kuppelsaale bes Abgeordnetenhauses in Budapest die ungarische Republick feierlich ausgerufen. Das Abgeordnetenhaus sprach seine Auflösung aus. — (Triest) ist von ben Reichsitalienern besetzt worden, die sich dort häuslich eingerichtet haben. Es ist sehr fraglich, ob sie Triest beim Friedensschlüsse an den südslawischen Staat herausgeben werden. In diesem Falle würde für den südslawischen Staat Fiume die Stelle von Triest übernehmen müssen, es würde dort ein neues „Triest" erstehen. Der Plan der Verlängerung der Bahn Laibach-Gottschee bis zur Fiumaner Bahn wirb bereits erörtert. — (Das Amtsblatt) erscheint seit 31. Oktober in slowenischer Sprache. * — (Das Gasthaus „zum Stern" in Laibach,) bas bisher von Herrn Peter Krisch betrieben wurde, ist mit 1. November in andere Hände übergegangen. Der bisherige Gastwirt ist in sein eigenes Heim übersiedelt. — (Alle nichtaktiven Offiziere) werden nun nach einer Verordnung ber Regierung entlassen mit Ausnahme beseitigen, bie in bie Volksmiliz eingetreten sinb. Diese Entlassung ist mit 15. November in Wirksamkeit getreten. Ausgenommen hievon sinb solche nichtaktive Offiziere, bie gegenwärtig im Dienste noch notwenbig sinb unb nicht burch aktive Offiziere ersetzt werben können. Es sinb jedoch nur so viele zurückzubehalten, daß der Dienst nicht leidet. In erster Linie sind Professoren, Lehrer, Richter, Notare, Eisenbahn-und Postbeamte, die Reserve- oder Landsturmoffiziere sind, aus dem militärischen Dienste zu entlassen. — (Strarische Pferde.) In den letzten Tagen wurden in Laibach ärarische Pferde der früheren österreichisch-ungarischen Armee im Versteigerungswege verkauft. Auch von Interessenten unserer Gemeinde und der hiesigen Gegend sind auf diese Weise bereits viele Pferde erworben worden. Die Zeit der Pferdelosigkeit, wo wegen Mangels an Zugtieren der Verkehr nahezu ganz unterbunden und auch das wirtschaftliche Leben von empfindlichen Einschränkungen bedrückt war, wird also hoffentlich bald ganz vorüber sein. Die Preise der Pferde schwankten je nach der Güte zwischen 300 und 1500 Kronen und darüber. — In einer weiteren Regierungskundmachung vom 12. November wird daraus aufmerksam gemacht, daß insbesondere in der Umgebung von Loitsch-Bresowitz-Laibach und auf der Straße bis Cilli herrenlose Pferde umherlaufen, die dem aufgelösten österreichisch-ungarischen Heere angehörten. Es bestehe die Gefahr, daß diese Pferde umstehen und dadurch eine gefährliche Epidemie verursachen könnten. Es wird demnach jedermann gestattet, diese umherlaufenden Pferde gegen eine geringe Entschädigung sich anzueignen und als Eigentum zu erwerben. Der ueue Staat wird solche Pferde den Besitzern nicht wegnehmen. — (Die Weiterzahlung der Gehälter und Ruhegebühren.) Aus Wien wird gemeldet: Wie aus verläßlicher Quelle verlautet, hat sich der Kriegsminister an die Regierungen der neuen Staaten gewendet, um die weitere Auszahlung der Gebühren der Militärpersonen, der Pensionisten sowie der Militärwitwen und -waisen sicherzustellen — (Übernahme der Eisenbahnen durch den Südslawischen Staat.) Die Bahnbetciebsleitung Laibach hat an die Eisenbahnverwaltungen folgenden Erlaß gerichtet: Der Nationalrat in Agram hat hinsichtlich der Eisenbahnen dem „Narodni Svet" in Laibach Vollmachten erteilt, selbständig vorzugehen. Der „Narodni Svet" übernimmt hiemit den Betrieb aller Linien und Strecken südlich Ehrenhausen, St. Veit a. d. Glan und Spital a. d. Drau. Die Bahnverwaltungen werden ersucht, dies den Dienststellen bekanntzugeben und wegen Übergabe der Linien sofort das Nötige zu veranlassen. — Pregel. — (Die Gottscheer.) Die „Reichspost" schreibt: „Bon der Neuordnung im Sinne des Selbstbestimmungsrechtes wird auch eine alte deutsche Siedlung betroffen, die Gottscheer. Der „Gott-schewerer" mit dem Hausierkorb, der lange Zeit bis nach Warschau hinauf den Hausierhandel in Südfrüchten beherrschte, war auch in Wien immer eine bekannte und umstrittene Größe. Daß aber dieses kleine Völkchen nicht nur tüchtige Handelsleute hervorbrachte, sondern auch auf anderen Gebieten nicht verschämt zurücktreten darf, ist eine Tatsache. Der „Gottscheer Bote" rückt die Leistungen der Gottscheer Deutschen in das gebührende Licht. Er verweist darauf, daß aus dem Gebiete im 16., 17. und 18. Jahrhundert elf Adels-familien hervorgegangen sind. Im geistlichen Stande verzeichnen die Gottscheer derzeit neben einer Reihe von Priestern einen Domherrn und einen Ordensprovinzial, im Militärstand einen General und zahlreiche Stabsoffiziere. Nahezu 800 Kriegsauszeichnungen haben sich Offiziere und Mannschaften aus der Gottscheer Gegend erworben. Als Maler von Ruf seien Meditz, Stalzer und Ruppe genannt. Auch eine Schachgröße, die ein Pariser Fachblatt vor wenigen Jahren in einem Leitaufsatze feierte, hat Gottschee hervorgebracht: den Schachspieler Braune. Die wenigen Beispiele zeigen, daß dieser südliche Vorposten deutscher Kultur seine Aufgabe getreu erfüllt." —; (DieBesorgnisse wegender Staatsschuld.) Abg. Dr. Steinwender schreibt in der „Tagespost" : „Mit dem Anwachsen der Staatsschuld sind auch die Besorgnisse der Staatsgläubiger und der Staatsangestellten gewachsen. Die alten Staatsschulden erfordern an Zinsen 444 Millionen und an Tilgung 87,8 Millionen Kronen, die Kriegsschulden bis jetzt 2510 Millionen Kronen an Zinsen. Die Kriegsschuldzinsen werden sich noch vermehren teils durch neue Schulden, die wir für den Wiederaufbau und für den Kauf von Rohstoffen machen müssen, teils dadurch, daß wir einen Teil unserer Banknotenschuld an die Österreichisch-ungarische Bank, die nur mit 1/2 Prozent verzinslich ist, in eine Schuld mit etwa 5 Prozent Verzinsung umwandeln müssen. Damit kämen wir zu einem Zinserfordernisse von wenigstens 4000 Millionen Kronen, wozu noch ein entsprechender Betrag für die Tilgung zu fügen ist. Angenommen, wir würden durch eine Kriegssteuer an den Zinsen der alten Schuld und den eigentlichen Kriegsanleihen ein Viertel ersparen, so mindert sich das Zinsenerfordernis um rund 600 Millionen Kronen. Eine weitere Milliarde jährlich ersparen wir, wenn wir durch eine Vermögensabgabe und eine Vermögenzuwachsabgabe 25.000 Millionen hereinbringen. Bleibt also eine Zinsenbelastung von 2400 Millionen. Sie ist von drückender Schwere, aber immerhin erträglich und garantiert den Staatsgläubigern einen wenn auch um ein Viertel gekürzten Zinsenbezug. In der Ordnung und in dem gesteigerten Geldwerte wird übrigens der Staatsgläubiger eine Entschädigung finden." — (Sicherheit der Bezüge.) Unter dieser Aufschrift veröffentlichte Abg. Dr. Orto Steinwender in der „Tagespost" (6 Nov.) einen Aufsatz, in welchem er die Zuversicht ausspricht, daß der Staat, bezw. die Staaten des ehemaligen Österreich bei Wiederherstellung der finanziellen Ordnung in die Lage kommen werden, ihren Verpflichtungen gegenüber den aktiven Beamten und den Pensionisten nachzukommen. „Für das laufende Jahr sind an Pensionen (ohne die Staatsbahnbediensteten) 158 Millionen Kronen eingestellt. Die Weinsteüer allein kann einen solchen Betrag aufbringen: auf jeden Fall aber wird der Staat Mittel finden, seiner Pflicht nachzukommen. Eine große Schwierigkeit wird es allerdings haben, die Pensionisten auf die einzelnen Nationalstaaten aufzuteilen, und es wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als die Pensionen zu behandeln wie eine andere Staatsschuldverpflichtung und nicht die Pensionisten, sondern die Beiträge zu den Pensionen aufzuteilen. Die aktiven Beamten dagegen müssen auf die Nationalstaaten aufgeteilt werden. Eine gewisse Erleichterung wird darin gelegen sein, daß in den letzten Jahren wenig Neuanstellungen erfolgt sind und daß die sozialen Einrichtungen und vielleicht auch manche Verstaatlichungen zahlreiche Kräfte in Anspruch nehmen werden. Allerdings werden absolvierte Hoch- und Mittelschüler in Zukunft weniger Aussicht auf Versorgung haben, denn voraussichtlich werden die Nationalstaaten weniger auf Zeugnisse und Prüfungen als auf Befähigung schauen. So wird es z. B. gewiß nicht mehr Vorkommen, daß die Post- und Eisenbahndirektionen mit Juristen überfüllt sind. Das wird aber kein Unglück für die jungen Leute sein, denn die unumgänglich notwendige Steigerung jeder Produktionstätigkeit wird ihnen andere lohnendere Stellungen eröffnen als der Bürotisch. Schwieriger wird sich die Lage der Offiziere stellen, denn es kann wohl als sicher gelten, daß der vom Heere und der Landwehr noch übrig bleibende Milizdienst mit weniger als einem Viertel der Offiziere das Auskommen finden wird. Die invalid gewordenen Offiziere müssen natürlich so gut wie irgend möglich versorgt werden. Die übrigen pensionsreifen Offiziere machen auch keine Schwierigkeit, ebenso die jungen, die sich leicht in einen anderen Beruf hineinfinden werden. Dagegen wird es schwer sein, für Offiziere im mittleren Lebensalter passende Stellungen zu finden, und vielfach werden Bedenken und Vorurteile überwunden werden müssen. Ohne Zweifel werden aber die Nationalstaaten tunlichste Rücksicht üben. Wir gehen schweren Zeiten entgegen. Wenn es aber Zeiten der Arbeit sind, in denen jede Tüchtigkeit zur Geltung kommt, so werden die Alten sich abfinden und die Jungen sich durchschlagen." — (Ankündigung von Lebensmittelhilfen aus den Vereinigten Staaten.) Der Vertreter des Tel.-Korr.-Bur. erfährt von der amerikanischen Gesandtschaft, daß sich der Nahrungsmittelverwalter der Vereinigten Staaten, Herbert Hover, in einigen Tagen nach Europa als Spezialvertreter des Präsidenten Wilson einschiffen wird, um mit den alliierten Regierungen die Mittel zu beraten, wie den Völkern in Österreich und in Ungarn Nahrungsmittel und andere Vorräte geliefert werden könnten. Hover wird diese Staaten besuchen und die ihm möglich erscheinenden Schritte unternehmen, um den Bevölkerungen, die von Hungersnot und Nahrungsmangel heimgesucht sind, beizustehen. Die Hauptsache sei, daß die eingesetzten Behörden respektiert werden und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten bleibe, damit den leidenden Völkern schnelle und wirksame Hilfe guteil werden könrme. — Auch aus Argentinien ist Getreide zu erwarten. — (Warnung vor dem übereilten Verkauf von Kriegsanleihen!) Der Zusammenbruch Altösterreichs und die Gerüchte über einen Staatsbankroit haben so manchen Besitzer von Kriegsanleihe mit Sorgen und Mißtrauen erfüllt. Viele Leute wollen ihre Papiere loshaben. Dazu wird vom steirischen Laud-wirteverband geschrieben: „Es ist nicht ausgeschlossen, daß Spekulanten die Bauern unter Verbreitung von allerhand Gerüchten zu beeinflussen suchen, die Kriegsanleihe unter allen Umständen und mit Verlust zu verkaufen, um nicht später noch größere Verluste zu erleiden. Solche Kriegsanleihemakler verfolgen natürlich den Zweck, die Wertpapiere den Bauern billig abzudrücken, um sie sogleich anderroartig mit Gewinn wieder weiter zu verkaufen. Landwirte! Laßt euch von Spekulanten nicht beunruhigen, teilet solche Fälle stets dem Verbände der landwirtschaftlichen Genossenschaften, Graz, Bismarckplatz 3, mit, welcher gern bereit ist, euch in allen die Kriegsanleihe betreffenden Fragen zu beraten." — (Rückkehr zur Friedensarbeit.) Der Krieg ist zu Ende, der wirtschaftliche Wiederaufbau muß sofort in Angriff genommen werden. Viele, viele Jahre wird es noch brauchen, um in harter, entsagungsvoller Arbeit die Kräfte des bis zur Ausblutung erschöpften Volkskörpers zu erneuern. Von den großen Industrien ist keine durch den Krieg so einschneidenden Veränderungen unterworfen worden wie jene Gruppe, die sich mit der Verarbeitung der Baumwolle beschäftigt. Schon seit zwei Jahren ist die Textilindustrie aller neuen Bcmmwollzufuhren entblößt und mußte sich aus die ihr verbliebenen mageren Reste von früher beschränken und sich auf die Verwendung von Ersatzstoffen aus Papiergespinsten entrichten, die teils im Lande selbst hergestellt, teils aus Schweden zugeführt wurden. Die Beschaffung neuer Rohstoffe hat ihre Schranken an der geringen Menge der Vorräte in den überseeischen Gebieten und in dem in allen Ländern mit gleicher Stärke hervortretenden Versorgungsbedarse. Die Ernte der Vereinigten Staaten an Baumwolle beträgt Heuer nur 11 bis 12 Millionen Ballen und auf diese geringen Mengen werden sich das eigene Land sowie die sämtlichen durchaus ausgehungerten Industriegebiete Europas stürzen. Dte italienische Baumwolle lagert in Mailand und wird (im ehesten herangezogen werden können. Die Möglichkeit von Bezügen aus den Vereinigten Staaten wird nach' dem Friedensschlüsse aufleben, doch ist mit der Erlangung größerer Mengen in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Der vorhandene Schiffsraum wird für die ersten Monate ausschließlich der Herbeiführung von Lebensmitteln dienen müssen und es wird Monate dauern, bis die Sendungen von Baumwolle aus dem Westen bei uns Eintreffen werden. Eine Reserve birgt der Osten; Turkestan hat erhebliche Lager von Baumwolle, doch auch von dorther dürfte die Heranziehung dieser Vorräte wegen der großen politischen und Verkehrsschwierigkeiten gleichfalls erst nach geraumer Zeit möglich sein. Die heimische Industrie wird demnach noch für längere Zeit an der Verarbeitung von Papiergarnen fefthalten uud sich damit begnügen müssen, die Erzeugnisse der Papierfaser mit denen der Baummoäe zu mischen. Auch die Herstellung von Wäsche und Kleidern sür die Heimkehrer wird vorerst der Papierstoffe nicht ganz entraten können. Auch andere Rohmaterialien sind aus der Ferne zu beschaffen: Schafwolle, Hanf, Jute, Kupfer, manche Metalle und Chemikalien. Die Erwerbung der Rohstoffe erfordert auch eine Verständigung über die Wege der Bezahlung. Eine internationale Begleichung durch Ausfuhrwaren wird nur in sehr beschränktem Umfange gelingen, da die heimische Volkswirtschaft von Gütern entblößt ist und wir für die Ausfuhr nur über unzureichende Mengen verfügen. Es werden also die Käufe im Ausland unter Inanspruchnahme des Kredits erfolgen müssen. Privatkredit wird aber für fo große Zahlungen nicht zureichen und feiner Ergänzung durch den Kredit der Gesamtheit, der Verwaltung des Staates bedürfen. Ein Finanzplan, der die Wege zur Begleichung der Kriegsschulden, zur Abbürduug der Kriegsanleihen und zur allmählichen Einengung des Notenumlaufes bei voller Wahrung der Gläubigerrechte weist, ist auch das geeignetste Werkzeug für die Erlangung zureichender Auslandskredite, für die Beschaffung der Rohstoffe und die Wiederaufnahme der industriellen Arbeit. Auch auf den Märkten der Wertpapiere bildet der Übergang zum Frieden einen entscheidenden Wendepunkt. Die Märkte nehmen auch einen höchst ungünstigen Frieden, dessen Umrisse bereits mit einiger Deutlichkeit hervortreten, mit einer Befestigung ihrer Haltung aus. So war es auch früher schon immer bei ähnlichen Katastrophen. Die Börsen lassen sich eben nur von wirtschaftlichen Erwägungen beeinflussen. Für die Börsen schafft nach den zahllosen Erschütterungen der letzten Jahre auch ein schlechter Friede eine gesicherte Grundlage. Für das Kapital bricht ein neuer Zeitabschnitt der Betätigungsmöglichkeit an. — (Wilson gegen die Pläne der Karageorgevic.) Dem „Daily Telegraph" wird ans Rom berichtet: In slawischen Kreisen Roms ist "man über die Frage, ob das geplante südslawische Reich eine monarchische oder republikanische Staatsform erhalten soll, noch unsicher. Unter den bisherigen Dalmatinern, Kroaten und Slowenen gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Man hält es jedoch in Kreisen der sich augenblicklich in Rom anhaltenden Bewohner Fiumes nicht für unwahrscheinlich, daß die Dynastie Karageorgevic sich bald in den Vordergrund drängen wird. Die diplomatischen Kreise, die der amerikanischen Botschaft in Rom nahestehen, sind der Ansicht, daß Wilson für eine solche Lösung der Staatsform des neuen Staates nicht zu haben feinjvirb. — (Deutsche ft erreich und die deutschen Sprachinseln.) Am 14. November Beriet die Deutschösterreichische Nationalversammlung in Wien über die ABgrenzung des Staatsgebietes» Nach dem Berichte des Versassungsansschusses sollen zu Deutschösterreich vorbehaltlich der endgültigen Abgrenzung des Staatsgebietes durch Vereinbarungen mit den übrigen Nationalstaaten, bezw. vorbehaltlich der Abgrenzung aus dem Friedenskongreß gehören r Niederösterreich einschließlich Deutsch-Südmährens, Oberösterreich samt Deutsch-Südböhmen, Salzburg, Steiermark, Kärnten mit Ausschluß der geschlossenen jugoslawischen Siedlungsgebiete und Tirol und Vorarlberg mit Ausschluß des geschlossenen italienischen Siedlungsgebietes, ferner die neu aufgerichteten Provinzen Deutschböhmen und Sudetenland. Die deutfchen Sprachinseln bleiben einstweilen unter der Hoheit des Staates Deutschösterreich und bilden dessen zeitweiligen Rechtsbereich. Berichterstatter Kuranda erörterte die vom Ausschüsse cm den beiden Vorlagen vorgenommenen Änderungen. Der Entwurf wurde dahin abgeändert, daß in den Deutschösterreichischen Staat auch die Gebiete von Brünn, Olmütz, Jglan und Gottschee einbezogen werden sollen, die im ersten Entwürfe nicht enthalten waren, ebenso Cilli. Staatskanzler Dr. Renner sagte, diese Gebiete könnten, weil sie mit dem deutschen Siedlungsgebiete örtlich nicht verBundeu seien, nicht unter die volle Siedlungshoheit gestellt werden. Doch tritt er der Meinung entgegen, daß man diese Gebiete dadurch sür das Deutschtum verloren gebe. Der Staatskanzler gibt zu bedenken, daß es ganz unmöglich sei, die Sprachinseln zu verwalten, und empfiehlt, die Vorlage des Staatsrates wieder herzustelleu. Abg. Dr. Groß wendet sich gegen die Ausführungen des Staatskanzlers. Staatskanzler Dr. Renner erklärt, es sei nicht richtig, wenn gesagt wird, Brünn, Olmütz, Jglan und Gottschee werden preisgegeBen. Es handelt sich darum, in welcher Form und inwieweit sie noch zu erhalten sind. Wir wollen sie nicht fallen lassen, wir hoffen für sie durchzusetzen, daß sie deutsch bleiben können für alle Zeiten, wenn auch nicht im Verbände des Deutsch« österreichischen Staates. Der Gesetzentwurf wurde schließlich an den Ausschuß rückverwiesen. m Sti Wi ber wii cho me der erq ein an lich trej Ka rep jug teil seit Hel Ao uni des nta Ko Mi Ko Tn geb tu ei for Be sini Sö ber ote: So oer Pr: Ob Sc mit UNö art So Or Or erk! To bri< Ker an tigi St, Pri auf zun Iw Fle ftm — (Zur Abdankung des Kaisers Karl) schreibt die „Zeit" : Wer an seiner Stelle hätte sich stärker erwiesen? Wer sich frei von Schwächen; wer sich erhaben über alle menschlichen Bindungen und Willensfesseln fühlt, werfe den ersten Stein auf ihn. Der Billigdenkende wird ihm menschliches Mitgefühl nicht versagen. Klagen wir nicht an, verdammen wir nicht, heulen wir nicht mit im Rachechor! Überlassen wir das Gerichthalten einer späteren Zeit, Oie mehr wissen und weiter blicken wird als wir und die Perspektive der Unbefangenheit besitzen wird, die uns mangelt. Es ist ein unerquickliches Schauspiel, in einem Lande, wo es vor kurzem noch einen Wetteifer an dynastischem Empfinden gab, jetzt einen Wetteifer an Jakobinertum zu sehen. Das letztere mögen sich gewisse bürgerliche Kreise gesagt sein lassen, die an Jakobinertum alles zu übertreffen suchen. Das „Neue Wiener Tagblatt" widmet dem scheidenden Kaiser folgende Worte: Auch wer tiefinnerlich demokratisch, ja selbst republikanisch fühlt, wird nicht ohne Ergriffenheit das Schicksal eines jugendlichen Herrschers begleiten, der der Erbe einer uralten, glanzreichen Krone ist und nunmehr erlebt, daß jenes Ländergebiet, das seit jeher als Grundpfeiler Der habsburgischen Macht galt, den Uebergang zur republikanischen Staatsform verkündet. — (Der gmeinsame südslawische Nationalrat in Agram) hat zum Kommandanten des ersten Befehlbereiches (Kroatien und Slawonien) den Generalmajor Plive lick, zum Kommandanten des zweiten Befehlbereiches (österreichische südslawische Gebiete) Feld-marschalleutnant d. R. (aktiviert) Nikolaus v. Jstvanovic, zum Kommandanten der operativen Abteilung den Feldinarschalleutnant Michael Mihailovič mit dem Sitze in Agram ernannt. Dem Kommando in Agram ist der Aufenthaltsort aller slowenischen Truppenteile, aber auch jener nichtslowenischen Armeekörper anzugeben. die auf slowenischem Boden stehen. Es wurden alle slowenischen Männer vom 17. Lebensjahre an zur Meldung aufgefordert. Aus ihnen wird eine Nationalwehr gebildet werden. — (Schafwolle, Werg, Leinsamen.) Die bisherigen Beschränkungen im Verkehr mit Schafwolle, Werg und Leinsamen sind außer Kraft getreten. Witterdorf. (Den vierten Sohn verloren.) Drei Söhne des Schneidermeisters Georg Erker in Windischdorf sind bereits als Soldaten gestorben; der Krieg hat ihm jetzt auch den vierten genommen, indem vor kurzem der jüngste, 21 Jahre alte Sohn Georg als Korporal in Laibach an Lungenbrand (Grippe) verschieden ist. Nur starker, lebendiger Glaube vermag solch schwere Prüfung in Ergebenheit hinzunehmen. — (Ein neues Opfer des Krieges.) In Enns in Oberösterreich ist am 11. November der 27 jährige Feldwebel Ant. Sami de aus Malgern Nr. 7 gestorben. Er hinterläßt die Frau mit einem erst 14 Tage alten Kinde. — (Ein roher Bursche.) Seit zwei Jahren genießt unter uns die Flüchtlingsfamilie Fajt Gastfreundschaft. In ganz eigenartiger Weise hat sich hiesür jetzt der aus dem Felde zurückgekehrte Sohn genannten Flüchtlings bedankt. In Oberloschin schlug er die Ortstafeln herunter und, darob zur Rede gestellt, bedrohte er die Ortsinsassen mit dem Erschießen. Zu seinem rabiaten Vorgehen erklärte er, von einem Vereine in Laibach ermächtigt zu sein. Seinem Toben setzte die Gendarmerie durch Wegnahme des Gewehres ein Ende. — (Durch einen Granatsplitter getötet.) Nach brieflicher Mitteilung soll der 17jährige Eduard Lobisser aus Kerndorf 13 an der italienischen Front durch einen Granatsplitter an der Stirne tödlich getroffen worden sein. Eine amtliche Bestätigung hierüber ist noch nicht eingelangt. Weg. (Seltene Jagdbeute.) Am 7. November erlegte Stephan Krak er auf der Tiefeubacher Jagd in der Gegend von Präsuln mit einem wohlgezielten Schrotschusse einen Wolf von außerordentlicher Stärke. Der Wolf maß von der Schnauze bis zum Rutenende 1 m 55 cm, war 75 cm hoch und wog 39 kg. Im Magen hatte er das ganze Ohr, Herz, die halbe Lunge und Fleischstücke von einem Reh, dessen Reste unmittelbar bei Pröse gesunden wurden. Aktkag. (Sterbefall.) Am 10. November starb der zügler Josef Eppich (der alte Böhmer) von Altlag Nr. 24. Er erreichte das hohe Alter von 94 Jahren und war der älteste Mann in der Pfarre. —• (Grippe.) An der Grippe sind hier zwar viele erkrankt, gestorben sind aber nur zwei Kinder. Wösek. (Rückkehr der Soldaten.) Mit wenigen Ausnahmen sind nun fast alle Soldaten in die Heimat zurückgekehrt und freuen sich, bei ihren Familien von den Strapazen sich zu erholen und zu kräftigen. Ein Überblick über die Gefallenen und Vermißten wird erst in einem späteren Zeitpunkte möglich sein, wenn vollständiger Frieden eingetreten sein wirb. — (Pferde) hat Mosel selbst in Friedenszeiten nicht soviele gehabt als jetzt. Jeder, der nur kann, kauft sich ein, zwei oder sogar noch mehr Militärpferde. Einige kommen nach Hause wie hohe Herrschaften in Kutschen und Equipagen. Neben dem Bedürfnis wird auch das Geschäftemachen mitbestimmend sein. — (Holzhändler Jessacher f.) Lorenz Jessach er war ein ruheloser Mensch. Geboren in Niederdorf im Pustertal, Tirol, kam er nach vielen Wanderwegen nach Gottschee, heiratete in Seele, kaufte sich in Oberpockstein an, übersiedelte nach Otterbach und starb da am 6. November an der spanischen Grippe Er beschäftigte sich mit Holzhandel und Kohlenbrennerei und war in Gottschee wegen Brennholzlieferung gern gesehen. Schakkendorf. (Todesfall.) Am 9. November starb hier nach langem, schmerzvollem Leiden, versehen mit den heil. Sterbesakramenten, Fräulein Marie Kresse, Tochter der Realitätenbesttzers und Gastwirtes Herrn Anton Kresse in.Scha!kendorf, in ihrem 21. Lebensjahre. Die Verstorbene war das Muster einer braven, fleißigen Tochter und eine Perle im Haushalte und in der Führung der Wirtschaft. Am Leichenbegängnisse beteiligte sich eine sehr große Anzahl von Teilnehmern, auch aus der Stadt. Auch das Marienheim erwies der Verblichenen die letzte Ehre. Sie ruhe in Frieden. Danksagung. ^iir die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme anläßlich des schmerzlichen Verlustes, den uns das Zinscheiden unserer vielgeliebten Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Marie verursacht hat, bitten wir, unseren herzlichsten und wärmsten Dank entgegenzunehmen. Schultendorf, im November W8. Isamilie Kresse. Achtung! 3ch warne jedermann, meiner jrau Maria Kropf ohne meine Einwilligung etwas zu borgen, da ich nicht Zahler bin. Schalkendorf Nr. % Andreas Kropf. Bauparzelle und zwei Wagen sind in Gottschee verkäuflich. — Näheres, gegen Beischluß einer 20 Zeller-Marke, durch die Verwaltung des Blattes. Jahrgang XV Nr. 22. Gottscheer Bote Seite 176. Bei einmaliger Einschaltung kostet die viergespaltene Rleindruckzeile oder eren Baum \0 Heller, bei mehrmaliger Linschaltung 8 Heller. Bei Einschaltungen durch ein halbes )ahx wird eine zehnprozer tige, bei solchen durch das ganze )ahr rine zwanzigprozentige Ermäßigung gewährt. Anzeigen. Die Anzeigengebühr ist bei einmaliger Einschaltung gleich bei Bestellung, bei mehrmaliger vor der zweiten €ttv-schalmng zu erlegen. — Ls wird höflichst ersucht, bei Beste!, lungen von den in unserem Blatte angezeigten Zirmen sich stetr auf'den „Gottscheer Boten" zu beziehen. Herein der Deutschen a. ßomcbee in Wien. Zitz: i., Himmelpfortgasse Nr. 3 rootjui alle Zuschriften 511 richten sind und Landsleute ihren Beitritt anmelbeti können. Zusammenkunft: Jeden Donnerstag im Wereinslokate „Zum roten Jget", 1., Alörechtsplatz Mr. 2. Achtung! Telegramm! Achtung Kaufe jedes Quantum echten Schleuderhonig, stelle Kannen zur Füllung franko jeder Station, daher ist jedem Gelegenheit geboten, seinen Honigvorrat gut zu verkaufen. Auch benötigt jedermann Waschseife. Versendung in 5 Kilo-Postkistchen. Ebenso echten Pfeffer zur Wursterzeugung für den Haushalt. Seife und Pfeffer erhalten nur Honig= licferanten. ID er etwas an Honig abzugeben hat, erfährt preis und nähere Bedingungen bei 3—4 Anton Mtsche in Oraz, Jakominiplatz Wr. 22. K /3 /& gemischt, jeder Art, Schweinshaare, Ochsen- und Pferde-llrtflr FIS Schweifhaare, Felle von Wild jeder Art, kaufen zu besten ■ II Preisen W. Hhorinek und Ko. in Hilli. Abonnieret und leset den Gottscheer Boten! Reichhaltiges Lager der besten und billigsten Tabrräder und Nähmaschinen für Familie und Gewerbe. Schreibmaschinen. Langjährige Garantie. 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