Katholische Mifsionszeitfehrift öer Missionäre Söhne ÜBttrn Oes hist. Herzens Jesu Nummer 4 - August 1941 44. Jahrgang dtrTlegcr Spedizione in abbonamento postale. Zum Tilelbild: Die Söhne des Katechisten. Wir sind im Apost. Vikariat Anking in der chinesischen Provinz Anhwei. Der Vater der beiden Kinder wurde als Katechist vor einigen Jahren zusammen mit dem Iesuitenmissionär Manrique von Banditen ermordert. Ein dritter Sohn des Katechisten befindet sich zur Zeit im Seminar. (Fides-Foto.) Inhalt. 3um frommen Gedenken. 6. 49. — Christliche Weltanschauung, 6. 49. — Das Propagandakolleg, 6. 53. — Kolleg auf den Drakensbergen in Basuto.-land, 6. 54. — Er kann warten, 6. 55. — Folgen des japanisch-chinesischen Krieges im apost. Vikariat Amoy, o. 56. — Großes Missionsseminar in Co-, lombia (Südamerika), S. 57. — Missionäre im Dienste der Wissenschaft, 6. 60. — Sitten und Gebräuche bei den Bapedi, 6. 61. — Die reiche Patin, 6. 63. — Abbildungen: P. Franz Favcr Biggel, 6. 49. — Kamps gegen die Gott-losenbewegung in Mandschukuo, S. 51. — Wie wohnen sie? — Unter den Mang-belu von Belgisch Kongo, 6. 53. — Firmung in Ndanda, S. 56. — Wie wohnen sie? — Pfahlbauten auf Alaska, S. 59. — Preis: ganzjährig Italien 8 Lire, Ungarn 2.50 Pengö, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2.50 Franken. Versand durch Missionshaus Millan b. Bressanone, Italia. Missions-Gebetsmeinung für August: Die Bekehrung der Anhänger des Laizismus und des Atheismus. Laizismus und Atheismus sind in den sogenannten christlichen Ländern zuhause, in Europa und Amerika. Diese Gebiete sind tatsächlich wieder Missionsländer geworden, weil viele, deren Vorfahren noch rechtschaffene Christen waren, heute alles Heil vom Kampf gegen Gott und seine Kirche erwarten oder wenigstens glauben die Segnungen der christlichen Religion entbehren zu können. Bon der Missionsarbeit unter diesen Neuheiden hört man wenig, zum Teil weil sie von den zu Missionierenden selbst unmöglich gemacht wird, zum Teil weil sie von den Seelsorgern der Christengemeinden in der Presse und im persönlichen Verkehr still und nebenbei geleistet wird. Es muß da ein Wunder der Gnade geschehen, wenn diese Länder nicht — mit einem Heidenlärm allerdings — zusammenkrachen und ins Chaos zurücksinken sollen. Um dieses Wunder sollen wir beten. Es ist klar, daß auch die eigentlichen Heidenmissionen unter den Auswirkungen des Neuheidentums leiden, da die ehemals christlichen Länder Kolonien besitzen. Das Missionsiverk wird behindert, man sucht es auszuschalten, da man den Eingeborenen dann freier ausbeuten kann. Dieser selbst begegnet dem Missionär zum Teil mit Mißtrauen, weil dieser gleicher Herkunft ist wie ihre Ausbeuter; das schlechte Beispiel der Neuheiden zerstört oft auch noch, was schon ausgebaut worden ist. Gegen den Antichrist, der da wühlt, ziehen wir mit den Waffen des Gebets zu Felde und so wollen wir der Einladung der Kirche in diesem Monat eifrig entsprechen. Wir bitten um das Gebet für die in den letzten Monaten verstorbenen Abonnenten, unter ihnen Frau Gertraud A i ch n e r, ‘Mcereto; Förderin Kathi von Ottenthal, Campo Tures; Maria S t o ck n e r, Millan-Bressanone; Förderin Katharina Wall-nöfer, Valdaora d. Kath. Garben-Seiler, Cluringen, Schweiz; Agnes Gundern, Ernen, Schweiz; Jakob Wäber, Ob. Miihlental, Schweiz,- Lorenz Hcgner, Ruhstel, Schweiz: Anton Plattn er, Rencio-Bolzano. Allen Freunden und Verehrern des Dieners Gottes P. Joses FrernaSerrretz SVD, sowie allen, die lernen möchten, wie man eine „neuntägige Andacht" hält, sei das handliche Heftlein wärmstens empfohlen, das Dr. Johannes Baur bei der Verlagsanstalt Athesia Bolzano veröffentlicht hat: „N o v e n e, A n l e i t u ng zu m s r u ch t-reichen Halten von No venen vor alle in zum Diener Gottes P. Josef Freinademetz S. V. D." Herausgeber: Kongreg. d. Missionäre Söhne d. hlgst. Herzens Jesu, Millan-Bressanone. Schriftleitung: Dr. theol. et phil. P. M. Raffeiner F. S. C„, Millan-Bressanone. Druck: A. Weger's Buchdruckerei, Bressanone. Nulla osta. —■ R. Prefettura, Bolzano — Gab. No. 5087, 28 dicembre 1939—XVIII. Stern -er Neger Katholische Missions-Zeitschrift Kerausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Kerzens Jesu Nummer 4 August 1941 44. Jahrgang Zum frommen Gedenken an unseren lieben Mitbruder Holhlv. P. fruni Alliier Kjggcl F.8.C. Geboren am 6. April 1908 in Schwarzensee (Bez. Lindau), Bistum Augsburg. Am 11. Oktober 1933 trat er in Millan ins Noviziat ein, machte feine Studien in Bamberg und Breffanone, legte am 25. Dezember 1938 die ewigen Gelübde ab und wurde am 29. Juni 1939 in Breffanone zum Priester geweiht. „Opfern und selbst ein Opfer werden, das ist des Priesters Sinn auf Erden." Diese Devise hatte er sich auf seine Primizbildchen drucken lassen. Er starb in treuer Pflichterfüllung den Heldentod fürs Vaterland — wie es nach bisherigen Mitteilungen scheint, am zweiten Jahrestag seiner Priesterweihe, nachdem er noch am Morgen das heilige Opfer dargebracht hatte — und liegt in Litauen begraben. R. I. P. Christliche Weltanschauung. Lehnen wir uns einmal an vier der mächtigsten Pfeiler des Domes christlicher Weltanschatiung und hören wir, was die uns vom Missions-werk zu sagen haben. 1. „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und aus Erden. — G e he t also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes." (Matth. 28, 18/19). Wer ist der Herr im Haus, zu dessen Dienerschaft wir gehören? Wer befiehlt im Land, durch das wir wandern? Christus selbst gibt uns die Antwort auf diese Fragen. „Mir ist alle Gewalt gegeben" spricht er, spricht derjenige, der mit fünf Broten 5000 Menschen sättigte, derjenige, dem das Meer und die Stürme gehorchten, dessen Wort Tote zum Leben erweckte und der selbst in strahlender Lebens- fülle aus seinem Grabe hervortrat. Mir ist alte Gewalt gegeben---------- Was ist's dann mit den Gewalthabern dieser Welt? Die Gewalt, die sie ausüben, ist nicht ihr eigen, sie ist ihnen für bestimmte Zwecke geliehen von Christus und ihm werden sie über den Gebrauch Rechenschaft ablegen müssen. Da sonnt sich wohl einer in Selbstherrlichkeit, läßt sich Herr anreden und ist doch nur ein kleiner Verwalter; manch einer mißbraucht die Gewalt, die nach Christi Plan dem Heile der Menschen dienen sollte, zu ihrem und zu seinem eigenen Verderben. Nun, Christus hat den Tag der Abrechnung schon festgesetzt. Freilich unterdessen sind diese Mißstände traurige Tatsache. Ihnen abzuhelfen, sie, wenn möglich, beseitigen, ist aber zugleich Auftrag Christi an seine Diener, denn er fügt dem ersten Wort sofort das andere hinzu: „Gehet also hin und..." Das ist ja der große Missionsbefehl, auf den sich die Apostel und Heidenmissionäre immer stützen und berufen! Diesen Missionsbesehl Christi ausführen, bedeutet also an erster Stelle mitarbeiten an der rechten Ordnung in der Welt und oitt dem Gottesfrieden untür den Menschenkindern, der sich auf diese Ordnung stützt. Die missionierende Kirche hat den ersten Auftrag von Christus, dem alle Gewalt gegeben ist. Jeder der zu Christus steht, weiß davon und richtet sich danach. 2. „Alles ist euer, ihr a b e r s e i d C h r i st i!" (I Kor. 3, 22/23). Ein ganz kühnes Wort des hl. Paulus und Gotteswort! Es ist zunächst an die Christen der griechischen Stadt Korinth gerichtet, spracht aber eiste allgemeine Wahrheit aus, die sie beherzigen sollten. „Der Mensch ist bestimmt, daß er über den Erdkreis herrsche," steht schon im Buche der Weisheit 2, 39. Die ganze Erde ist dem Menschen unterstellt, der Mensch ist zum König der Schöpfung um ihn erhoben. Da schießt ein Jäger einen Hasen, eine Gemse, eine gewaltige Antilope und zerstört damit blühendes kraftstrotzendes Leben. Dort fällt ein kleiner Mensch einen mächtigen Waldriesen, der schon hundert Jahre vor ihm seinen Platz auf dieser Erde innehatte und weitere hundert Jahre die Bewunderung der Naturknndi-gen, der Schutz des Wildes, die Zierde des Forstes fein könnte. Der Mensch hat ein Recht zu solcher Zerstörungsarbeit — alles ist euer! Daß der König der sichtbaren Schöpfung ost auch 'Unfug treibt im Gebrauch der Geschöpfe, wissen wir nur zu gut. Da liegt einer stcrnhagelvoll im Straßengraben und ist am Ende noch der Meinung, es sei der vernünf-tigste Gebrauch des Geldes, sich einen Rausch zu kaufen. Dort schnitzt einer aus einem Stück Holz ein häßliches Götzenbild, um vor ihm anbetend in. den Staub zu sinken; dann wieder werden irgendwo in der Welt Rie-senvorräte an Getreide verbrannt oder ins Meer versenkt, während anderswo Millionen Menschen hungeirn! Und darum heißt es nicht bloß „Alles ist euer", sondern der hl. Paulus hebt warnend den Finger und fügt hinzu „ihr aber seid Christi!" Christi Eigentum, durch ihn überhaupt erst ins Dasein gerufen und von ihm überdies um den teuren Preis seines Blutes und Lebens erkauft. Im Dienste Christi und nach seinem Willen sollt ihr die Geschöpfe gebrauchen. Kein Geschöpf darf trennend zwischen uns und Christus treten. Wäre irgendein Geschöpf dir noch'so lieb, so lieb wie dein Augapfel, wie deine rechte Hand, reiße es aus, haue es ab, mache dich los von ihm, wenn es dir zum Aergernis wird, d. h. wenn es dich von Christus trennt. Ruft Christus dich, dann gehe hin und verkaufe alles, verteile den Erlös unter die Armen und folge Christus. Wer Vater und Mutter, Bruder und Schwester mehr liebt als ihn, ist seiner nicht wert. Jawohl, wenn Christus dich ruft, dann wirst du gar selbst ein Missionär, der seine Lieben, sein Erbe und alles verläßt, und hinauszieht, um den Wilden Christus zu predigen, rohen und ungebildeten Wilden ihre Menschenwürde erst klar zu machen, sie den rechten Gebrauch der Geschöpfe zu lehren, sie zu richtiger Naturbetrachtung, vernünftiger Arbeit, christlichem Leben zu erziehen. Der hl. Paulus sagt mit der angeführten Stelle den Korinthern ausdrücklich: Alles ist euer, eure Bischöfe und Missionäre find auch euer, zu eurem Dienst bestellt, zu eurem Heile gesandt, ihr aber seid Christi. Gehören die Neger, Chinesen, Indianer nicht ebenso Christus wie die Korinther? Gut denn, so soll auch alles euer sein, ihr unglücklichen Heiden, euch zu Christus zu führen: Bahn, Dampfer, Autüj, Flugzeug, das Leben des Missionärs, das Vermögen des Christen der Heimat, alles soll dazu dienen, euch Christus zu eigen zu geben! Wer gibt irgendeinem Menschen das Recht, seinem Nächsten und Mitmenschen die -Möglichkeit seines Heiles zu entziehen oder vorzuenthalten? Wer darf sich herausnehmen die Völker der Erde für etwas anderes zu bestimmen, als wozu sie Christus bestimmt hat? Kampf gegen die Gottlosenbewegung in Mandschukuo. 3m Stadttheater von Tsitsikar warnt P. Hermann von den Schweizer Bethlehem-Missionären vor einer dichtgedrängten Menge von Christen und Heiden vor den Gefahren des Kommunismus, besonders auf religiösem Gebiete. Die städtischen Behörden hatten solche Ausklärungs- und Protepversammlungen für drei Tage organisiert. Einmütig wurde die wichtige Rolle anerkannt, die gerade dem Papsttum in diesem Kampfe gegen die Gottlosen zukommt. (Fides-Foto 1939.) In der Stadt Lydenburg, iu unserer südafrikanischen Mission, hatte ein Protestant über seiner Haustüre gleich neben der Straße in großen Buchstaben das Schriftwort angebracht: Ich aber und mein Haus, wir wollen Gott dienen! Der gläubige Katholik, der nach Kpäften die Missionen unterstützt, verdient sich erst recht den Namen eines Christen, denn er erklärt durch die Tat: Ich aber und mein Haus, wir wollen Christus dienen! 3. Wir wissen, daß die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes besitzen, auch wir seufzen in uns, die Annahme zur Kindschaft Gottes erwartend, die Erlö- sung unseres Leibes. (Röm. 8, 22, 23). Tatsachen sind bockbeinige Dinger. Unsere Erde ist nun einmal kein Paradies mehr und alle Be-mühungen können das goldene Zeitalter nicht zurückrufen. 3m Antlitz der Mutter Erde wird ein schmerzlicher Zug bleiben bis zur Vollendung der Zeiten. Dann ja! Dann wird diese Erde verwandelt werden, einer „neuen Erde" Platz machen, auf welcher die Sünde und ihre schlimmen Folgen keinen Platz mehr haben. „Aber wir blicken vorwärts und halten Ausschau nach neuen Himmeln und nach einer neuen Erde." (Petr. 3, 13). Unterdessen ist es traurige bockbeinige Tatsache: Mißbraucht werden vom Menschen, dem gottgewollten Zwecke entzogen werden, als Handschrift Gottes verachtet werden, als Führer zu Gott abgewiesen zu werden ist jämmerliches Los der sichtbaren Schöpfung, ist Quelle unzähliger Enttäuschungen und Leiden für den Menschen und läßt die ganze Schöpfung unter dem Fluche der Sünde seufzen, aufseufzen auch voll Sehnsucht nach dem Tag, an dem sie wahr werden die Worte des Sehers auf Patmos: „Ich sehe einen neuen Himmel und eine neue Erde." (Offb. 21. 1). Bewußt oder unbewußt seufzt auch die Menschheit nach diesem Tage der Annahme zur Kindschaft Gottes im Vollsinne, wenn der Weizen von der Spreu gereinigt sein wird und Christi Miterben unter ihrem Erbe auch diese neue Erde entdecken und in Besitz nehmen werden! Unter dem Fluch der Sünde seufzt auch.die Heidenwelt, auch ihr Herz verlangt unruhig im tiefsten Grunde nach der Kindschaft Gottes. Dürfen wir ihrem Iammerrufe, ihrem Sehnsuchtsschrei unser Ohr verschließen? Auf! lehren wir sie, die gequälte Schöpfung richtig gebrauchen, zeigen wir ihnen, wo ihr eigenes gequältes Herz Ruhe finden kann, machen wir sie durch Gottes Gnade zu Brüdern und Schwestern Christi, zu Miterben des neuen Himmels und der neuen Erde! Helfen wir den Anbruch des neuen Lebens beschleunigen durch Missionsarbeit. Gälte es auch jetzt in Tränen zu säen, wir werden dann in Freude ernten. 4. Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe. (Ioh. 15, 12). Unser Verhältnis zur Schöpfung um uns zu kennen, die Nolle des Leidens auf dieser von der Sünde ge-brandmarkten Erde verstehen, ist ein großer Segen der christlichen Weltanschauung. Die Schwierigkeiten dieses Lebens liegen zum geringsten Teil im Dienst, den wir Christus schulden — sein Joch ist süß und seine Bürde ist leicht —; sie liegen auch nicht so sehr im Kampf mit der Natur, die ja schließlich in unsern Dienst gestellt ist und dem Schweiße immer to lebet das tägliche Brot liefert. Die größten Schwierigkeiten machen sich die Menschen gegenseitig. Die Lösung dieser Schwierigkeiten liegt aber nicht darin, unsere Ellbogen möglichst ausgiebig zu gebrauchen, liegt nicht darin, daß Uebermenschen gezüchtet werden, die Lösung ist gegeben im Worte Christi von der Liebe. Da könnte die Heidenwelt Geschichtlein erzählen, wie oft und wie grausam das christliche Europa von der christlichen Weltanschauung abgewichen ist. Die Kolonialgeschichte ist das große Schuldkontv der Völker Europas. Da gilt es gut zu machen, was schon gesündigt wurde, sonst darf es niemand wundern, wenn Europa feine Rolle auf andern Kontinenten ausgespielt haben sollte. Unser Trost und unsere Hoffnung sind die aufrechten ehrlichen Christen, die es noch gibt, mit denen Christus noch Großes vorhat, weil sie sein Gebot der Liebe kennen und ausführen wollen. Ausführen — — das ist und bleibt der wichtigste Ausfuhrartikel Euro- pas, christliche Liebe. Für diesen Welthandel sich auch heute mit Macht zu rüsten ist erste Pflicht des Europäers, ist Aufbauarbeit ersten Ranges. So wird dann Missionsarbeit Dienst nicht bloß am Reiche Christi, sondern auch am irdischen Vaterland. (P. S). 3. F. 6. C.) Ä Das Propagandakolleg. Eine der bedeutendsten Erziehungsanstalten der katholischen Kirche besteht seit drei Jahrhunderten in Rom: sie trägt den Namen Colle^ gium Urbanum de Propaganda Fide. Nach unserm Brauch Institute zu bezeichnen würden wir dieses einfach „Urbanum" nennen; es hat den Namen nämlich vom Barberinipapst Urban VIII. (1623—1644). Dieser große Papst wird schon deshalb immer wieder genannt werden, weil die Feinde der Kirche den Galileiprozeß immer wieder aufwärmen werden. Dieses Disziplinarverfahren gegen Galilei fand unter Urban VIII. sein Ende. Außerdem halten eine Stadt Urbania in den Marken, eine via Urbana in Rom, die Kuppel des Petersdomes und andere Baudenkmäler! den Namen des achten Urban lebendig. Seine Regierungszeit war auch gekennzeichnet durch eifrige Arbeit für die Heidenmissionen. Der Papst förderte das schon von Gregor XV. (1572 —1585) eingerichtete „Missionsministerium", die Propagandakongregation, Me wohnen sie? — Unter den Mangbetu von Belgisch Kongo. 3n den Apost. Vikariaten Stanley-Falls, Buta und Nigara wohnt bas mächtige Bolk der Mangbetu. 6ie waren lange als Kannibalen bekannt, doch zeigt unser Bild, daß sie sich allmählich dem Einfluß.des Christentums gebeugt haben. Bon jeher nicht ohne Kunstverständnis schmücken sie ihre Hütten jetzt mit dem Zeichen des Kreuzes. (Fides-Foto.) er schuf die Polyglottadruckerei,zur Herstellung von Büchern in den verschiedenen Missionssprachen, er verhandelte wegen Einigung der griechischen Kirche mit Rom, approbierte zwei Missionsgesellschaften, nämlich die der Lazaristen und die der Töchter der Siebe. Er förderte nicht bloß die kirchliche Reform, fälschlich Gegenreformation genannt sondern gab auch dem Missionswerk in der Heidenwett einen mächtigen Antrieb. Vor allem galt es der Prvpagandakongregation eine zweckdienliche würdige Residenz zu geben und dieser „Ministerialpalast" sollte dann zugleich als Institut dienen, in dem Zöglinge für Missionsaufgaben verschiedenster Art geschult würden. Durch die Bulle „Immortali Dei Filius" wurde also dieses Missivnsseminar gegründet, in welchem Glaubensboten aus dem Weltklerus herangebildet werden zur Verbreitung der Lehre Christi in der ganzen weiten Welt. In der Gründungsurkunde wird eigens bemerkt, daß dieses Missionsseminar bestehen soll, „bis die Zahl der Auserwählten voll und tatsächlich eine Herde und ein Hirt geworden sein würde". Fundiert wurde das Unternehmen zunächst durch die Freigebigkeit eines Monsgr. Johann Bapt. Vives und durch verschiedene Privilegien, die ihm der Papst verlieh. So trat also das Propagandakolleg im Jahre 1627 auf den Plan, zunächst mit 12 Zöglingen. Es hat in drei Jahrhunderten eine ruhmreiche Zahl von Blutzeugen, Glaubensboten, Bischöfen, Patriarchen, Kardinälen gestellt. Im Schuljahr 1940/41 zählte es 229 Zöglinge aus 34 verschiedenen Nationen. Allen Völkern steht dieses Kolleg offen und in alle Welt ziehen von hier die Glaubensstreiter hinaus mit der Sendung von den Lippen des Heiligen Vaters, des Nachfolgers Petri selbst. Kolleg auf den Drakensbergen in Basutoland. Roma (Basutoland, Südafrika). — Ende März 1923 wurde auf den Drakensbergen die erste Kcithol. Mission zu Ehren U. L. Fr. von den Einsiedlern gegründet: die Muttergottes sollte auch in der sog. Südafrikanischen Schweiz ihr Heiligtum haben. Rings sproßten seitdem die Missionsstationen aus dem Boden. Heute sind über 50 Oblatenmissionäre dem bahnbrechenden P. Krieger gefolgt. 1939 hielt S. Erz. Mons. Bonhomme, der Apost. Vikar von Basutoland, den Zeitpunkt für gekommen, um für die Jugend der Berge ein eigenes Kolleg, bestehend aus Lehrerbildungsanstalt und Humanistischer Schule, hier oben zu gründen. Die Söhne der Berge fühlen sich auch in Südafrika weiter „unten" nicht wohl. Bereits waren einige Studenten in Roma, das 900 Meter tiefer als U. L. F. von den Einsiedlern liegt, gestorben. Im zweiten Halbjahr 1939 begonnen, wurde das „Kolleg der Afrikanischen Märtyrer" im Februar 1940 Wirklichkeit,- das Schuljahr begann mit allen Kursen und alles ging mit ruhig festem Schritt voran. 105 Schüler und etwa 50 Schülerinnen hielten ihren Einzug. Die letzteren werden von den Schwestern vom hl. Herzen von Sherbrooke (Kanada) betreut, die neben den theoretischen Fächern auch Haushaltung lehren. Ein zweijähriger pädagogischer Kurs wird auch von einer Anzahl Lehrer besucht. (Fides 1941.) ra Er kann warten Christus ist König, König der Welt! Er ist zum Fürsten der Völker bestellt! Sein ist das Reich und sein die Gewalt, Vor ihm muß sich jedes Knie beugen; Huldigt, ihr Freunde, ihm, jung und alt, Der Feind wird im Staub für ihn zeugen! „Da kann er lange warten", so höhnen sie jetzt. „Wir stürmen Edens Garten;----------den Himmel zuletzt.. . Den fliegenden Standarten kein Ziel gesetzt! Und Christen aller Arten zu Tode gehetzt!" Christus ist König, König der Welt! Er ist zum Fürsten der Völker bestellt! Sein ist das Reich und fein die Gewalt, Bor ihm muß sich jedes Knie beugen; Huldigt, ihr Freunde, ihm, jung und alt, Der Feind wird im Staub für ihn zeugen! Du Menschlein, Er kann warten! Sein Tag bleibt ewig licht, Er hält nach deinen Fahrten einst über dich Gericht, Er sieht in deine Karten, gewinnen kannst du nicht, Am Schluß spielst den Genarrten, du armer eitler Wicht! Christus ist König, König der Welt! Er ist zum Fürsten der Völker bestellt! Sein ist das Reich und sein dir Gewalt, Vor ihm muß sich jedes Knie beugen; Huldigt, ihr Freunde, ihm, jung und alt, Der Feind wird im Staub für ihn zeugen! „Er wartet oft so lange", ein Freund klaget miib Und bebt und betet bange, weil Christus verzieht Zu nahdi mit starkem Zwange, der Blitze sprüht, — Indeß jhn Christ im Drange mit Kraft durchglüht. Christus ist König, König der Welt! Er ist zum Fürsten der Völker bestellt! Sein ist das Reich und sein dir Gewalt, Bor ihm muß sich jedes Knie beugen; Huldigt, ihr Freunde, ihm, jung und alt, Der Feind wird im Staub für ihn zeugen! Er wartet nie zu lange! O gönne den Narren ihr Glück! Ihr Fähnlein an knarrender Stange, ihr Schifflein kehrt nie zurück. Sie müh'n sich mit glühender Wange — umsonst ihre Kraft, ihr Geschick— Uusehlbar der giftigsten Schlange fährt singend Sein Stahl ins Genick. Christus ist König, König der Welt! Er ist zum Fürsten der Völker bestellt! Sein ist das Reich und sein die Gewalt, Vor ihm muß sich jedes Knie beugen; Huldigt, ihr Freunde, ihm, jung und alt, Der Feind wird im Staub siir ihn zeugen! n Folgen des japanisch-chinesischen Krieges im apost. Vikariat Amoy. R o m. — Einem Brief des Apost. Vikars von Amoy (Fukien-China) 6. E. Monf. Prat, O. S. D., entnehmen wir die folgenden Einzelheiten: „In den nunmehr drei Kriegsjahren haben auch wir Gutes rmd Schlimmes erlebt. Schlimm waren die Fliegerangriffe mit Hren Folgen für die Christen, der Zerstörung von Kirchen und Gebäuden; ebenso die Heimsuchungen der Missionäre und Gläubigen, die von einem Ort zum andern flüchten mußten, vielfach auch Hungers starben. Erbaulich war die Selbstverleugnung und das gute Beispiel der Missionäre, die inmitten so vieler Gefahren und Trübsale aushielten, die Christen trösteten, die Leiden milderten. Die traurigen Kriegsfolgen machten sich zuerst in der Stadt Amoy geltend, die bereits am 3. September 1937 von den Japanern bombardiert wurde und in den folgenden acht Monaten vor allem in ihren Außenwerken heimgesucht wurde. Auch im Innern gab es Opfer und Schäden, wenn auch die Mission Gott sei Dank immer verschont blieb. Mai 1938 wurde die Stadt eingenommen und als einzige Fremde blieben zwei Missionäre und zwei Schwestern. Die Bevölkerung floh auf die Insel Kulangsu, wo der Apost. Vikar residiert, und die auch den Schutz der internationalen Konzession genießt. Ueber hunderttausend Flüchtlinge zusammengepfercht auf der Insel! 1200 Flüchtlinge wurden in den unterir- Firimmg in Ndanda. S. Exz. Abt-Bischof Joachim Ammann von den Missionsbenediktinern von Sankt Ottilien Bayern, spendet Knaben seines weitausgedehnten Sprengels (52.000 qkm., Bayern hat deren 76.400!) die hl. Firmung. Ndanda gehört zum Tanganyikagebiet undHat bereits 21.000 Katholiken, die von 29 Ottilianerpatres, 36 Brüdern und 23 Tutzingcr Missionsschwestern betreut werden. (Fides-Foto 1941.) dischen Unterständen unserer Missionsgebäude vier Monate lang unterge-bracht. Jetzt sind nur noch etwa Hundert da. Auch Chuanchiu hatte mit seinem blühenden Kolleg und seiner schönen Mission viel auszustehen. Als Flugplatz und Sammelpunkt des chinesischen Heeres wurde es zwei Jahre lang bombardiert, bis der Flugplatz zerstört und sämtliche öffentliche Gebäude dem Erdboden gleichgemacht waren. Auch die Zivilbevölkerung hatte viel zu leiden. Am 24. Februar 1938 fielen fünf Bomben auf die Missionsgebäude, töteten drei Christen und verursachten einen Sachschaden im Betrag von mehreren tausend Dollar... Im August 1939 zerstörten zwei andere großkalibrige Bomben Teile der Kirche; sie kosteten zwei Nichtchristen das Leben. Alle Missionen hatten zu leiden und es gibt keinen Missionär, der nicht die Todesgeschosse in seiner Nähe niedersausen sah. Aber kein einziger wurde getötet oder verwundet. Zwei drei Kapellen oder andere Gebäude wurden zerstört. Einige Christen getötet. Seit einigen Monaten herrscht verhältnismäßige Ruhe. Was uns am meisten stört, ist die Verkehrsschwierigkeit, die infolge des Krieges eintrat. Die Japaner verbieten jeden Verkehr Amoys, des Missionszentrums mit dem Kontinent, die Chinesen ihrerseits haben alle Straßen zerstört, um die Invasion aufzuhalten. Wir sind also in Bezug auf den Straßenverkehr schlimmer daran als in den Zeiten des Konfuzius, ohne der Schwierigkeiten zu gedenken, die die Soldaten dem Reifenden in den Weg legen. - '[ ' T : 1 1. Zur See aber herrscht die japanische Blokade. Der Apost. Vikar erzählt sodann, wie er bei einer Seereise von Piraten überfallen und völlig ausgeraubt wurde, sodaß er nicht einmal die Christen aufsuchen konnte, denen seine Reise galt. Der Bericht des Bischofs schließt: „Das Leben ist zehnmal teuerer geworden als in Vorkriegszeiten; der Handel ist lahmgelegt, und viele, darunter auch Christen, sterben schließlich Hungers. Gewiß gibt es auch Lichtseiten in diesem traurigen Bilde. So konnte ich zu Pfingsten.1940 in Chuanchiu vier chinesische Priester weihen,: sie kommen uns umsomehr zustatten, als der Tod uns im gleichen Jahr einen spanischen und einen chinesischen Priester entrissen hat, —“ (Fides.) C£kKp3 Großes Missionsseminar in Colombia (Südamerika). ____ Die Frage der Arbeiter im Weinberg des Herrn wird immer eine vordringliche bleiben. Pius XI. sprach von diesem Bedürfnis auch dort, wo er die Bischöfe und Katholiken beschwört, alle Kräfte im Verein anzustrengen, daß die geweihten Gesandten des Herrn zunehmen und sich vermehren. Auf diesen Worten des Papstes beruht auch der Grundstein eines der schönsten und größten katholischen Werke von allen, die wir auf unserer Reise durch fünf lateinamerikanische Staaten besuchen durften. Bon einem ausgezeichneten Prälaten geplant und ins Leben Lerufen für eine junge erst 1917 errichtete Diözese, übernommen und unterhalten von einer tiefchristlichen Nation mit überguellendem Missionsgeist, steht das Werk einzig da in LateinamerikH wo man bis dato Kanin von solchen Unternehmen wußte. Es untersteht heute der hl. Propagandakongregation. Schon die Gründungsurkunde klingt wie das Hohe Lied der Dankbarkeit und Glorie, der geistigen Eroberungen und wundervollen Hoffnungen. „Am 3. Juli 1927 um 6 Uhr abend war es, daß auf Befehl Sri Exz. Mons. Miguel Angel Builes, des Hochw. Bischofs von Santa Rosa de Osos, mit Dekret vom 29. Juni a. c. und unter de.m Schutz des heiligen Franz Ztaver, des gemeinsamen Patrons der Missionen, der hl. Theresia vom Kinde Fesu, Patronin der Diözesanmissionen, des hl. Ludwig Bertram und der hl. Theresia von Jesus, als der besonderen Patrone dieses Institutes zur größeren Ehre Gottes, im Pamumal (Antioquia) in der Republik Colombia das Missionsseminar sich auftat, auf daß junge Leute herangebildet würden, die mit dem priesterlichen Charakter bekleidet sich der Evangelisation widmen....." Bon Anfang an zeigte das neue Institut den Geist des Franz Ztaver in seinem Streben, die Universalität und Katholizität der Kirche, und sicherlich wollte es so sein hochverdienter Stifter. Bon seiner Weihe im Jahre 1914 angefangen bis zu seiner Erhebung zur bischöflichen Würde im Jahre 1923 hatte der jetzige Nationalpräsident des Priestermissionsbundes in Colombia eine Reihe von Pfarreien mit großen geistigen und materiellen Bedürfnissen geleitet, die sich Hunderte von Kilometern in die Wälder des nordöstlichen Antioquia erstreckten. Tausende von Seelen traf er, die nur von Feit zu Feit den Besuch eines Priesters erhielten. „Flußabwärts rudernd, erzählt der Priester Builes aus jenen Tagen, sah ich die armen Leute wie sie scharenweise flehend ihrle Hände ausstreckten und mich um Brot für ihre Seelen baten: und ich mußte an die Worte Jesu denken: Die Ernte ist zwar groß'... Wenn das aber in Antioquia so, ist, wie wjrd es in andern Gegenden sein? Und ich schaute auf die übrigen Teile meines Vaterlandes: ich sah die weitausgedehnten Ebenen von Sinu und San Jorge, von Atrato und Magdalena, von Peta und Vaypes, von Caqueta und Uraba, von Goa-jira und Chocö, von San Martin und Casanare, von Arauca und Tier-radentro, von Tumaco und San Andres. Bei der rhytmifchen Bewegung der Wellen kam mein Geist im Flug bis zu den entlegendsten Inseln, bis zu den Heidenvölkern des fernen Orients und wieder müßte ich ausrufen: Die Ernte ist groß aber der Arbeiter find wenige. Mehr als tausend Millionen Heiden und unter den Katholiken soviele, die ohne Heiden zu sein, doch als solche leben. Wie in schattenhaften Umrissen entdeckte ich in einem Steinbruch evangelische Arbeiter, die eines Tages der Herr uns schenken wird." 1924 kurz nach seiner Bischofsweihe wohnte der neue Oberhirt von Santa Rosa de Osos in Bogtä dem ersten Missionskongreß von Colombia bei. Berufene Stimmen erklärten dem Volk die Notwendigkeit und die Lage kolumbianischer Missionen: sie bestanden auf der Forderung, liu Lande selbst eine Schar von Aposteln heranzubilden, die in enger Zusammenarbeit mit sovielen tapferen Kündern des Evangeliums allen Landsleuten baldmöglichst die Wohltat des Glaubens bringen sollten. Immerhin vergingen drei Jahre: Der in die Erde gelegte Same wußte erst treiben, 3m Januar 1927 nach Schluß der Exerzitien des Diözesanklerus legte Mans. Builes einigen Vertrauten seine Pläne vor. „Haltet Ihr die Sache für möglich? — Viele Teile des Weinbergs des Herrn liegen verlassen aus Mangel an Arbeitern. — Was für Mitte! stehen uns zu Gebote? — Unser hl. Vater Papst Pius XI. hat erklärt, man solle sich auf die Missionswerke stützen und Gott wird weiterhelfen. — Und die Hilfskräfte? — Wenn Ew. Exz. glaubt, daß wir dienlich sein können, so stehen wir zur Verfügung. — Wann sollen wir anfangen? — Noch heute. — Aber wo? Im Norden von Antioguia liegt als bedeutendster Ort der Diözese Santa Rosa de Osos Parumal, mit gesundem Klima inmitten fruchtbarer Gefilde, eine gastfreundliche christliche Stätte, das Tor für die Diözesau-missionen von Unter-Cauca und die unermeßlichen Gegendeflr von Sinu, mit denen es durch eine Landstraße verbunden ist. Sv trat am 3. Juli 1927 in einer armen verlassenen Behausung das Missionsseminar mit fünf Alumnen ins Dasein. Ein opferreiches Jahr war besonders 1928. Die Bauten waren noch in der Entwicklung, und schon hatte die Missionspflanzschule 45 Bewohner'. Da kam wie ein Trost vom Himmel ein Schreiben des Staatssekretariats Sr. Heiligkeit, woöin der Heilige Vater feine Freude und Genugtung über den Aufschwung des Missionsseminars ausdrückt, das in der Stadt Parumal vor kurzem gegründet worden war. Er wünscht die Gnade der Beharrlichkeit. Der Bischof und die ganze Kommunität des Mifsionssemi-nars erhalten den Apostolischen Segen. Wieder einmal waren die Be- Wie wohnen sie? — Pfahlbauten auf Alaska. Merkwürdiges Land dieses Alaska, wo bald Eis und Schnee, bald Regen und Wasser das Ucbergewicht haben. Reben den Iglu, den aus Eis und Schnee gebauten Hütten in den Kälte-Regionen, finden sich in den großen im Frühjahr meist überschwemmten Talbccken auf Holzgerüsten erbaute Hütten, die den Pfahlbauten nicht unähnlich sehen. (Fides-Foto 1940.) rechnungen der Menschen zli schänden geworden. Man hatte so und sooft erklärt, es würden die Berufe für das Missionsapostolat fehlen. Dabei war schon im Lauf des Jahres 1929 die Zahl der Aufnahmen auf 63 gestiegen und Zwei Dutzend Bewerber mußten aus Platzmangel abgewiesen werden. 1932 wurde das Noviziat eröffnet und 1935 erhielten die ersten sieben Theologen des Kolumbianischen Missionsseminars die Tonsur. 1936 waren es schon 134 Alumnen. Augenblicklich sind es 200: 42 Große Seminaristen, 12 Novizen, 144 Kleine Seminaristen i dazu 2 Laienbrüder. Bereits gingen 13 Priester aus der fruchtbaren Schule von Parumal hervor. Neun von ihnen versorgen von ihren Missionsstationen aus 60 Ortschaften, die zu drei Diözesen an der atlantischen Küste gehören. Bei gleichbleibendem Rythmus werden innerhalb von zehn Jahren aus dem Seminar hundert evangelische Arbeiter zur Verfügung stehen. Ein wertvoller Zuwachs für die 150 Missionäre aus 8 Ordensfamilien und Instituten, die in 12 Sprengeln über 800.000 qkm zerstreut an der Bekehrung von rund 95.000 Indianern arbeiten und eine halbe Million Neubekehrter seelsorglich betreuen. Das Missionsseminar von Parumal ist nach dreizehnjährigem Bestehen ein Werk geworden, das, wie Ss. Erz. Builes selbst sagt, nicht dem Bischof von Santa Rosa, sondern Gott und ganz Colombia gehört. (Fides 1940.) <£WJ> Missionäre im Dienste der Wissenschaft. Auszeichnung für einen französischen Iesnitengelehrten. Peking. — Der bekannte Paläontologe 0. Peter Teilhard von Chardin S. J. wurde in Anerkennung seiner in Asien geleisteten Arbeit von der Französischen Akademie für Naturwissenschaft mit dem Andre E. Bonnet-Preis ausgezeichnet. P. Teilhard von Chardin war mit den hiesigen Känozoischen Laboratorium seit seiner Errichtung im Jahre 1929 verbunden. Bei verschiedenen Forschungsreisen in Asien, vor allem bei der Roy Chapman Andre-Expe-dition nach der Mongolei, der Chinesisch-Schwedischen Expedition Innerasiens, der Nordindischen Paleexpedition und der kürzlich von der Har-warduniversität unternommenen Birmaexpedition hat er hervorragenden Anteil genommen. ' (Fides, Februar 1940.) Christliche Holzschnitzarbeiten an der Pekinger katholischen Universität ausgestellt. Peking. — Mr. Wang Ch'ing-fang, ein junger chinesischer Künstler, der mit Erfolg an der Pekinger Kunstakademie studiert hatte, veranstaltete vom 12.—14. Januar 1940 an der Fu Jen-Universität eine Ausstellung Christlicher Holzschnitzereiarbeiten. Ohne Christ zu sein versuchte sich Mr. Wang seit zwei Jahren an christlichen Stoffen. So sind gut zweihundert Schnitzereien aus seiner Hand hervorgegangen, die Szenen aus der Heil. Schrift, Bilder der Päpste und der Glaubenslehren darstellen. Kenner sprechen mit hoher Anerkennung von seinen Arbeiten. (Fides. Februar 1940.) Sitten und Gebräuche bei den Bapedi. (P. M. R. F. S. C.) 2.) Die Burschen in der Stammesschule, a) Bodikane (Fortsetzung.) Bekommt der Häuptling einen hohen Besuch, währenddem die Bodi-kane tagt, so gehört es zum guten Ton, daß dieser den Häuptling ersucht, er möge die Schüler vom Nachtgesang während seiner Anwesenheit dispensieren, was jedesmal bereitwilligst gewährt und der Schule durch einen Boten verkündet wird. Wenngleich dieser nächtliche Gesang zum Schulprogramm gehört, so verfolgt er doch noch einen anderen sehr praktischen Zweck. — Habe schon oben bemerkt, daß der abgelegene Ort, in dem die Schule errichtet wird, nicht außer Hörweite des Dorfes sein darf. Sobald nun die Angehörigen der Bodikaneschüler den Gesang vernehmen, haben sie für dieselben das Essen zu bereiten, und an einen vorherbestimmten Platz zu bringen aber außerhalb Sicht der Mphato (Schule). Jungen Mädchen obliegt die Aufgabe, es an Ort und Stelle zu trageiß Sie tun es mit viel Anmut, die Töpfe schön balanzierend auf ihren Köpfen, ohne selbe mit den Händen zu halten. Die Wächter — miditi — nehmen die Sachen in Empfang und bringen sie zur Schule, die Grasringe, die den Töpfen als Unterlage dienen — Kgari — werden nicht mit nach Häufe genommen, sondern auf einen Stock am Ablieferungsplatz aufgehängt, wo sie unberührt bleiben bis sie verfaulen oder ein Feuer sie vernichtet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Iungens in der ersten Zeit an Speise keinen Mangel zu leiden haben, d. h. bis sie vollkommen ausgeheilt sind. Was dann die spätere Periode anbelangt, so lauten die Aussagen widersprechend. Jedenfalls hängt die Verproviantierung auch vom Schulmei-ster ab, ob er eine Hungerkur auch ins Lehrfach einschließt oder nicht. Tatsache ist, daß bei der letzten Bodikane in Mapote die Burschen aus pir» lauter Hunger Jagd auf die Paviane machten — eine große Affengattung — deren Fleisch die Bapedi sonst verschmähen, selbst bei normaler Hungersnot. Eine hervorragende Stelle in der Bodikane-Schule nimmt Herr „Haslinger" ein. Es wachsen in Sekukuniland zwar keine Haselnnßstauden, aber biegsame und ungemein haltbare Stöcke liefert das Gebirge in Ueberfchuß. Wir hatten als Schulbuben wenigstens das Privileg, dem gestrengen Herr-Lehrer dieses Erziehungsmittel der guten alten Zeit selbst liefern zu dürfen und haben es stets mit feinen Einschnitten versehen, so daß es selten mehr als zwei Kostproben abgab; aber bei unsern lieben Schwarzen machen sich die Aufseher die Stöcke selber zurecht. Diese Aufseher sind stets mit einem derartigen recht biegsamen-hiebkräftigen Instrument bewaffnet und machen den Schülern gegenüber bei jeder Gelegenheit davon recht fleißigen und saftigen Gebrauch, um die Iungens an schmerzliche Kleingikeiten zu gewöhnen, sie abzuhärten, in der Geduld zu üben, Männer aus ihnen zu machen, die die Härten des Lebens zu meistern wissen. Deshalb gibt es auch keine Klagen, keinen Widerspruch, noch weniger eine Interpellation beim Schullehrer oder gar beim Häuptling. Cs ist nun einmal eine Schulübung, der sich jeder Bapedijunge zu unterziehen hat, wenn er ein Mann werden und nicht sein Leben lang ein Weib bleiben will. In kultivierten Staaten hat man diesen Sport wohl deswegen längst ausgeschaltet, weil die Schul- buben bas Kommando führen. Möglich ist es auch, daß diese in Schule und Haus kommandieren, weil zu Haus im Herrgottswinkel keine Rute mehr steckt und der Herr Lehrer aus Kurzsichtigkeit keinen Haslinger mehr findet. Außer den — sagen wir gewöhnlichen, täglichen Kostproben, die den Jungen verabreicht werden und die einen rein praktischen Zweck verfolgen, gibt es noch eine außerordentliche Portion und zwar in dreimaliger Auflage. Sie unterscheidet sich von der gewöhnlichen einmal dadurch, daß sie an einem bestimmten Tag verabreicht wird; dann, daß die ganze Schülerzahl zugegen ist. — drittens daß der Stock kräftiger und öfter geschwungen wird, viertens gibt die Anwesenheit des Schulleiters selbst mitunter auch hoher Besuche der Handlung eine höhere Weihe und endlich hat sie einen hervorragend didaktischen Zweck, d. h. wenn jemand nicht griechisch versteht, es sollen den Schülern damit Lehren eingeprügelt und eingeprägt roerben, die sie nie vergessen sollen. Die erjte außerordentliche und doch ordentliche Prügelportion wird jedem verabfolgt um dem angehenden Iung-mann einzuschärfen, dem Häuptling stets zu gehorchen, ihm immer und überall die schuldige Ehrfurcht zu erweisen und davor zu warnen, je das ihm von diesen geschenkte Vertrauen zu mißbrauchen. Sie1 zweite feierliche Tracht Prügel wird ausgeteilt, um den Burschen den schuldigen Gehorsam und die kindliche Ehrfurcht gegen den eigenen Vater oder stellvertretenden Onkel einzuprägen. Die dritte Portion endlich hat merkwürdigerweise die Aufgabe, den Geprügelten die Lehre beizubringen, der Mutter nicht zu gehorchen. Auf den ersten Blick scheint ein derartiger Unterricht unnatürlich und pietätlos. Doch die Sache ist nicht so schlimm, wie sie ausschaut. Fürs erste wird damit nur angedeutet, daß sie als künftige Iung-männer nun der mütterlichen Autorität entzogen und gänzlich der väterlichen unterstellt sind. Sodann hat man dabei einen besondern Fall vor Augen. Da bei den Bapedi die Vielweiberei in Brauch ist, kann es leicht vorkommen, daß eine der Frauen einmal einen eifersüchtigen Anfall bekommt und in die Versuchung fällt ihren Sohn gegen den Vater aufzuhetzen; das gilt besonders bei einer Häuptlingsfvau — wo dann die Folgen um so schlimmer sind. Für den Fall gilt nun die Prügellehre: du sollst deiner Mutter nicht gehorchen! Zst ein Häuptlingssohn unter den Schülern, so bekommt er in diesem Belang die dreifache Ration Prügel zugewiesen, was in diesem Falle billig und recht ist, da ja die Großen an den Gütern dieser Welt reichlicheren Anteil haben. Es wird wohl selten vorkommen, daß ein Schüler aus Angst vor den Prügeln Reißaus nimmt. Einmal ist es schwer auszubrechen, weil die Wächter es zur Ehrensache machen, niemanden durchlaufen zu lassen und dann ist es eine Schande für den Kandidaten, sich von der Furcht übermannen zu lassen. Immerhin ist ein Fall bekannt, daß es einem Schüler gelang, durchzubrennen. Ep hielt sich einige Tage im Gebüsche versteckt, wo er von den miditi in vollständig erschöpftem Zustande aufgefunden wurde und mit einer so entzündeten Wunde, daß er sofort ins nahe Ein-geborenen-Spital gesendet werden mußte, was bei Nacht geschah. Aber! er blieb nicht lange bort; denn kaum war die Wunde im Heilzustande, wovon die Schulwächter durch eine Vertrauensperson benachrichtigt wurden, so erschienen einige von ihnen in dunkler Nacht im Spital, rmibten den Flüchtling und brachten ihn zur Schule zurück, wo er dann in geeigneter Zeit die Portion Prügel in verbesserter und vermehrter Auflage erhielt. 3m übrigen verbot der Häuptling, welchem der seltene Fall gemeldet werden mußte, irgendwie davon zu sprechen, wahrscheinlich, damit seine Untergebenen nicht als Feiglinge verschrien würden. 5)iß rctd)6 ^ßctfin. Von Maria Buol. (Schüch.i Reserl aber hatte den freundlichen Blick der alten Frau aufgefangen und war überzeugt, daß nun alles in Ordnung sei. Und wenn die andern Schulmädchen sie fragten: „Wer ist denn deine Gotl?" dann versicherte sie ganz unbefangen, die Gnädige in der Billa Märzenblüh werde ihre Patin sein und von der werde sie ein schönes Kleid bekommen und eine Uhr! und ein goldenes Halskettlein, denn auf all diese Herrlichkeiten hatte ihr die Mutter Hoffnung gemacht. Bald sprach es sich int. Städtchen herum, daß das Grasmaier Reserl die steinreiche Märzenblüh zur Firmpatin hjabe, und es gab viel Gerede und auch viel Neid. Aber zum Neid war wahr» hastig kein Grund. Der Mutter Grasmaier wurde es ja von einem Tage zum andern schwüler. Schon hatte der Firmungsunterricht begonnen, schon hatte der Katechet die Kinder aufgefordert, ihm so bald als möglich die Namen ihrer Patinnen mitzuteilen, damit er dis Firmzettel ausfüllen könne, und Frau Grasmaier schwebte noch in völliger Ungewißheit. Da half es nichts, sie mußte nur wieder irach der Villa Märzenblüh — diesmal allein. Der Diener in Livree fertigte sie kurz ab, sie aber fragte ganz bescheiden nach der Kammerzofe der gnädigen Frau und versprach, das Fräulein nicht zu belästigen: nur zwei Worte wolle sie ihr sagen. Und dann hieß es warten, ivarten ohne Ende, so daß der geängstigteit Frau die Sorge, kam, der betreßte Diener habe ihre Botschaft gar nicht ausgerichtet. Endlich, endlich aber erschien das Fräulein, ärmellos, in kurzem Röckchen, fesch und schick, den Kopf zurückgeworfen. „Sie wünschen?" näselte sie. Und schon wollte sie der Frau ein Zehithellerstück reichen. Die prallte zurück. Glutrot das Gesicht, die Augen voll Tränen, fragte sie, ob sich das Fräulein denn nicht mehr erinnere... Ach ja, dem Fräulein dämmerte etwas. Etwas von einer Kleinen und einer Firmpatenschaft. Aber die Frau Baronin werde sicher alles vergessen haben. Selbstverständlich! eine solche Dame hat zu viel zu denken. „Ich möcht' halt nur schön bitten und fragen, ob die gnädige Frau^ Baronin wirklich so gut sein möcht'________" sagte die Grasmaier mit einer Stimme, die vor Erregung zitterte. Und damt ging das Fräulein weg und es hieß attfs neue warten, ach, und mit so bangem Herzen, denn die unglückliche Grasmaier konnte es sich gar nicht ausdenken, was geschehen müßte, wenn die Märzenblüh Nein sagte. Nun, so schlimm kam es nicht. Baronin Märzenblüh ließ melden, sie werde die Patenschaft übernehmen, allerdings nicht selbst bei der Firmung erscheinen, sondern sich durch ihre Kammerzofe vertreten lassen. Fräulein Olga Hübsch, so hieß die Zofe, fügte bei, das Kind solle sich nur zu rechter Zeit an Ort und Stelle einfinden, an ihr werde es nicht fehlen, und damit huschte sie hinaus. Der Firmzettel konnte nun endlich ausgefüllt werden, sonst aber ließ die reiche Patin nichts von sich hören. Die Grasmaier hoffte auf einen hübschen Kleiderstoff, als aber nur mehr zwei Tage zur Firmung fehlten, mußte sie doch zu einem Entschlüsse kommen. Sie lief voir einer Schneiderin zur andern, deren im Städtchen leicht ein halb Dutzend waren: die aber hatten vollauf zu tun und schenkten ihr kein Gejhör. Da half es nichts, sie mußte nur selber Hand anlegen und Reserls Sonntagskleidchen in die Kur nehmen, ein blaues Wollkleidchen mit weißen Tüpfelchen. Das Kind war seit einem Jahre tüchtig drausgewachsen und der Katechet hatte es den Schülerinnen eingeschärft, sie müßten die Kleider bis unters Knie haben. Zum Glücke war noch übriger Stoff vorhanden und so saß die Mutter wohl mehr als eine halbe Nacht über der Arbeit und war.schließlich ganz zufrieden mit ihrer Schneiderkunst. Aber du lieber Himmel, als sie ihr Meisterwerk beim hellen Tage besah, merkte sie, daß das Kleidchen arg abgeschossen war, so daß die eingebesserten Teile seltsam davon abstachen. Sie versteckte das Kleid und hoffte, Reserl würde in der Erregung des großen Tages die Sache übersehen. Aber da hatte sie sich schwer getäuscht. „Was, das muß ich anziehen,?" hieß es, und das Blut schoß der Kleinen in den Kopf und die Trän lein in die Augen. Aber es half nichts und die Verheißung der Mutter, die reiche Patin werde schon ein Riesengeschenk spenden, war in diesem Augeblick nur ein schwacher Trost für das weinende Kind. Und während sie an der Mutter Hand durch die festlich beflaggten Straßen schritt, verfolgte ihr Auge wehmütig die weißen Gestalten ihrer Schulgefährtinnen, die mit ihren Patinnen einhertrippelten. Sie war die einzige, die ohne Patin ging. Von Fräulein Olga Hübsch war weit und breit nichts zu sehen. Nun hatten sie das Städtchen hinter sich und standen draußen vor der großen Sterzinger Pfarrkirche. Ja, vor der Kirche! Die andern, Buben und Mädeln trafen ohne weiteres ein, dis hatten ja alle ihre Paten und Patinnen. Schon hörte man drinnen verdächtiges Schlüsselgerassel, als sollte die Kirche gleich gesperrt werden. Frau Grasmaiers Gesicht zuckte nervös und krampfhaft umklammerten Reserls Fingerlein die Hand der Mutter. Da endlich, gerade vor Torschluß kam Fräulein Olga Hübsch auf hohen Stöckeln bedächtig herangetrippelt. „Lauf dem Fräulein entgegen", befahl Frau Grgsmaier ihrer Kleinen und dann wendete sie sich an den mit dem Kirchenschlüssel bewaffneten Mesnerknecht, der ihre Bitte um Verzögerung brummend erwiderte. Aber er wartete eben doch, bis Reserl mit ihrer Patinstellvertreterin in die Kirche hineingeschlüpft war. Jetzt war der Mutter Grasmaier ein Stein vvm Herzen: bis zum Abend brauchte sie sich um ihr Kind nicht mehr zu sorgen, das würde schon die reiche Patin tun. Froh kehrte sie nach Hause zurück und braute sich einmal einen kräftigen Kaffee ohne Zutat, denn nach den Aufregungen der letzten Zeit und besonders des heutigen Tages brauchte sie etwas für die Nerven. Ihr Kind mochte sich inzwischen in der Villa Märzenblüh einer herrlichen Jause erfreuen. Die Firmung war vorüber; mit strahlenden Mienen strebte das Jungvolk ins Freie, die Buben mit weißen Sträußchen auf der Brust, die, Mägdlein schneeweiß wie Engelchen. Sie erwarteten sich allerlei Gutes und Schönes; hatte sich doch jeder Pate, jede Patin längst ausgedacht, was sie mit ihren Patenkindern ansangen sollten. Solche, die kernige Christen waren, schlugen den Weg zum Gnadenorte Trens ein und dazu gehörte auch die Thumhoferin. Vor dem lieben Muttergottesbilde wollte sie mit den zwei Briefträgermädchen einen Rosenkranz beten, damit es nicht vergessen werde, daß dies ein heiliger und gnadenreicher Tag sei; darnach sollte es im Gasthause eine ordentliche Märende geben. Ganz froh und stolz schritt sie dahin zwischen den zwei Kleinen, denen die weißem Kränzchen und die neuen Kleidchen so gut standen; sie mußte nur immer vom Zenzele zum Kathete und vom Kathete zum Zenzele hinüberschauen, sie wußte nicht, welche ihr besser gefiel. Da, während sie den Kirchhof qnerte, erblickte sie ein kleines Mädchen, das ihr Gesicht gegen die Kirchhofmauer preßte und ganz in Tränen und Schmerz aufgelöst schien. Du meine Güte, war das nicht_______? Ja freilich, das Kleidchen kam ihr bekannt vor, blau mit weißen Tüpfelchen. Das Grasmaier Refer! war's! Und mutterseelenallein! „Jetzt muß ich decht schaugen", wandte sie sich an ihre Patenkinder und schritt über die Grabhügel hinweg auf das blaue Kleidchen zu. „Ja, Reserl, was ist denn?" Da wandte sich ihr ein Kindergesicht zu, ein tränenüberströmtes. Und jetzt war die Thumhoferin ganz Mitleid. „Ja, in Gott'snamen, was hast denn, du Hascherle?" Was das Reserl hatte? Das war bald gesagt. Die Patinstellvertreterin hatte nicht viele Umstände gemacht. Kaum bei der Kirche draußen, so hieß es: „So, Kleine, jetzt kannst du heimgehn!" Und dann war das fesche Fräulein mit ihren hohen Stöckeln davongegangen, der Billa Märzenblüh zu, und so war das Reserl eben zurückgeblieben und schämte sich zum Versinken, so ganz allein ohne Patin und weinte sich fast das Herzlein heraus. Nun, die Thumhoferin war eine gute Trösterin. „Jetzt sei grad still", mahnte sie und wischte mit ihrem Taschentuche —sie hatte heute sogar ein weißes mitgenommen, — dem Kinde die Tränlein vom Gesichte. „Ich geh jetzt mit meine Gotlkinder nach Trens und du gehst grad mit uns bald's gar gebetet habt's, nachher kriegt's alle drei einen halbgeschlagenen Butter." Nun war Reserls Jammer bald besänftigt; ganz vergnügt trippelte sie hinter der Thnmhoferin und den zwei Briefträgermaidlein her; nur freilich, hinter ihnen, denn der Wiesensteig war eng und die Gotlkinder hielten jedes eine Hand der Thnmhoferin, was ja ihr gutes Recht war, und weil die Thumhoferin nur zwei Hände hatte, blieb eben keine fürs Reserl übrig. Am Beten und an der Märend aber nahm sie Teil wie die andern und war munter und froh, denn Kinderschmerz vergeht wie Frühlingsschnee. Beim Zudunkeln kam Reserl zurück und hatte ihren Kummer so ganz vergessen, daß sie der Mutter gar nichts davon sagte, sondern gleich mit der Tür ins Haus fiel, die Thumhoferin sei wohl eine recht liebe Fran und habe ihr Schlagobers gegeben. Ganz verdutzt schaute die Grasmaier drein. Die Thumhoferin und Schlagobers? was sollte das bedeuten? Erst nach vielem Fragen wurde sie aus dem Gerede des Kindes klug, aber jetzt wurde ihr ganz elend zu Mute und sie murmelte ein ums anderemal: „Da legst di nieder! da legst di aber wirklich nieder!" Zwar hoffte sie noch immer auf ein verspätetes Firmungsgeschenk aus der Villa Märzenblüh, aber Tag um Tag verging und es kam nichts. Die Mitschülerinnen fragten das Reserl mehr als einmal: „.Was hat denn dir deine reiche Patin geschenkt?" Ganz unbefangen fragten sie, doch als sie merkten, daß Reserl jedesmal feuerrot wurde, da erwachte die Bosheit und jetzt fragten sie erst recht bis das Refer! meinte. Ein Glück, daß es Sommer war und die Schulzeit zu Ende ging! so hörte das Fragen end^ lich auf. An Baronin Märzenblüh hat sich Frau Grasmaier nach solchen Erfahrungen nicht mehr herangemacht; die vornehme Dame hatte das arme Reserl sicher längst vergessen, sie hatte ja an so vieles zu denken, wie; Fräulein Olga sagte. Und kurz und gut, gegen säumige Schuldner kann man wohl gerichtlich vorgehen, aber gegen säumige Firmpaten nicht. Und so mußte es Frau Grasmaier erfahren, daß eine Firmung kein Geldgeschäft ist und keine Spekulation. Ihre Spekulation war jedenfalls gründlich mißlungen. (Schluß.) Bruder Meinrad hilft. Durch die Fürbitte des Dieners Gottes Hot sich meine Krankheit gebessert, nachdem Medizinen nicht helfen konnten. F. 6., Kt. St. Gallen. Dank dem guten Bruder Meinrad, der einer jungem Frau in einem lebensgefährlichen Anfall auffallend schnell geholfen hat. 'TH. B., Kt. St. ©allen;.1 Dem Enkel einer Frau war das Belo gestohlen morden. Alle Nachforschungen blieben erfolglos. Man betet zu Bruder Meinrad, verspricht eine hl. Messe.für seine Verherrlichung und Veröffentlichung: Unverhofft steht das Velo an feinem Plat;. A. F., Kt. Luzern.' „Bruder Meinrad hat unserer plötzlich erkrankten Tochter sehr bald geholfen. Wir hatten Novene und Veröffentlichung versprochen. Dem Diener Gottes sei Dank!" Fain. E. B., Kt. 6t: Gallen. Man ist d r i n.g end gebeten, Erhörungen durch Bruder Meinrad zu melden an P. C e l l e r a r, Kloster E i n s i c d e l n. Gebets-Erhörungen und -Empfehlungen. Gebetserhörung durch Fürbitte des Bruder Meinrad: Mutter hatte sehr schwere und starke Kopfschmerzen; Bruder Meinrad hat geholfen. Man bittet um Veröffentlichung. A. S., Brunico. Man bittet um eifriges Gebet für einen bei der Wehrmacht befindlichen Soldaten, auf daß er fz. wieder heil und gesund in die Arme seiner Eltern zurück k enh ve n möge. (Spende Lire 100.—.) „Arme Seele", Brunico. P. S. — Wir erlauben uns, dem ungenannten und unbekannten Wohltäter in Brunico, der sich als Arme Seele zeichnet und andere glücklich und reich machen will, an dieser Stelle unfern Dank auZzusprechen. Vergelts Gott! Missions-Haus Millan-Dressanone, Stalin.