Nro. 79. LaAcher HWR Zeitung. Dienstag den 4. Wcinm. Inländische Nachrichten. N>ien den 28- Kerbfm. Se. K. H> ker Palatinus, ist am ?z. in Ofen mi-gttrofen , und hat sich Tags darauf bey der Sitzung der Septemviraltafel eilige! un-h^. ^_ Sf. Maj. haben zu Folge elnes Hofbcfcheids vom 2uf dm Preis, als auf die Gattung der Waare, vollkommen gesichert seyn wögen. — Derjenige Greiß-ler oder Fragner , welcher auch nur die mindeste Uebervortheilung unternommen zu haben überwiesen werden wird , soll die ersten Male unnachsichtlich mit Arrest im PoUzeyhause , bey mehrmahliger Wiederholung aber mit dem Verluste des Ge-tverds bestrafet werden. Welches hiermit zu jedermanns Wissenschaft bekannt ge-lnacht wird. Wien den 2z. Herbste. i?<)l. vlllach dcn i8. ^ervstm. Heute kam Hr. Arnold Birubach, bürgerl. Wirth von Klagenfurt, begleitet von zweyen sei< ner Mitbürger hier an, verfugte fich zum Bürgermeister, und bat um den ma jistrat-lichen Beistand zur Vertheilung der mitgebrachten Kollekte von 7^0 fl. unt.'r die durch die Feuersbrimsi unglücklich gewordenen Villacher Borger , welche Summe dieser rechtschaffene , gefühlvolle Bürger mit Vorwissen des Klagenfurtcr Hrn. Kreishauptmanns Freyherrn v. Hinqmau nur bey dem vermöglichern Theile seiner Mit-büger einsammelte, und wozu ( wie man niir kraftig betheuerte) jeder sein Gcharf-lein willfährigst beitrug. Freund ! Sie müßten anwesend gewesen seyn, um sich «inen achten Begriff von dieser Szene zu machen, d»e die herrlichste Mischung von der edlesten Theilnahme — ungeheuchelter Rührung , und dem innigsten — aber doch sprachvollsten Danke der getrösteten erquickten Unglicklichen war , und aus oller Augen Thränen lockte, Thränen — nur wie sie die unverdorbene Menschheit zu weinen pstegt. Gewiß war niemand, der nicht dem redlichen Birnbach ob dieser seiner That , die der Abdruck seiner Seele war, stätes Wohlergehen angewün-schet hatte; in den Herzen unserer gesamten Bürgerschaft aber hat er sich ein ewiges Denkmal errichtet, so keine Zeit je zu Vernichten vermag — denn er hat die von so vielen schönen Geistern unserer aufgeklärten Zeit bloß gepriesene Menschenliebe im Werke gezeiget. Nun sind die ohne ihr Verschulden unglücklich gewordenen Bürger Villachs dur h die reichhaltigeUnterstützung der gefühlvollen Klagenfurter doch wieder größtenlheils in den Stand ihres Gewerbebetriebs gesetzt, denn sie erhielten noch von mehrern grossen adelichm Häusern dieser Stadt beträchtliche , sich auf beynahe locxD st. belaufende Beitrage. '»»l,...... .», ,„«,, ««^ Auslandische Nachrichten. Frankreich. Paris den zo. Hcrbstm. Der König hat nun die Konstituzions - Akte un-t-rschrieben , und selbe ncbst einem Schreiben der Nazlonalversammlung übergeben lassen / es lam et also : Meine Hcrren! " Ich habe die Konstitu'.ions - Akte, die Ihr mir zur Annehmung überreichet habt, aufmerksam erwogen : Ich nehme sie an, und weroe sie vollstrecken lassen.— Ich mache mich verbindlich, sie im In-« nern zu handhaben, sie gegen die Angl'lsfl von ausscn zu vertheidigen , und durch alle Mittel, welche ste meiner Macht einräumt, vollziehen zu lassen. Ich erkläre, daß, überzeugt, wie sehr der meiste Theil des Volkes der Äonstituzion ergeben ist, ich dir Mitwirkung entsage, die ich bey dieser Arbeit verlangt hatte, und daß, da ich nur gegen die Nazion verant.vonlich bin, N'mrland anderer, indem ich darauf Verzicht chue, sich darüber zu beklagen ein Recht habe. — Ich würde jedoch die Wahrheit Verletzen, wenn ich sagte, daß ich in den Mitteln der Vollziehung und Verwaltung alle Kraft entdeckt hätte, welche nöthig ist, um allen Theilen eines so weitlausigen Reiches Bewegung zu geben, und die Einheit beyzubehalten. Indem aber gegenwärtig die Meinungen über diese Gegenstände getheilt sind, so willige ich eiü f daß die Erfahrung allein darüber entscheide. Wenn ich alle Mittel, die mir übertragen sind , mit Redlichkeit werde angewandt haben , so werde ich keinem Vorwürfe ausgesetzt seyn , und die Nazion , dercn Beßtes allein zur Richtschnur dienen soll, wird sich auf die Art erklären, welche die Konstituzion ihr Vorbehalten hat. — Aber, es sind Gegenstände, aufweiche die dringende Pflicht nns auffordert zur Befestigung der Freyheit , zur Daucr der Konstituzion , und zum Wohlseyn jedes einzelnen Franzosen, all unser Bestreben zu richten, und diese sind die Ehrfurcht gegen die Gesetze, die Herstellung der Ordnung, und die Vereinigung aller Bürger. Heute, da die Kon» siituziou entschieden ist , sollen die unter gleichen Gesetzen lebenden Franzosen nur diejenigen, welche sie üdertremn , als Feinde ansehen. Die Uneinigkeit und die Anarchie, diese allein find unsere gemeinschaftlichen Feinde. Ich werde sie aus allen meinen Kräften bestreiken. Es ist nöthig / daß Ihr und Eure Nachfolger Mir mit Nachdruck beystehet. Ohne über di« Meinungen herrschen zu wollen, nimt das Gesetz alle die unter seinen Schutz, die sich demselben in Ansehung ihrer Handlungen nntenverfen. Diejenigen , welche die Furcht vor Verfolgungen und Unruhen aus ihrem Noterlande'entfernt hat, sollen gewiß seyn, lwi ihrer Wiederkehr , Sicherheit und Ruhe zu finden. Und, um alle Feindseligkeiten zu verbannen , um das Uebel zu hmdern , das eine grosse Aevoluzion stäts zur Folge hat , damit das Gesetz von heute anfange , vollkom-lNen vollstrecket zu werden, laßt uns alles Vergangene vergessen, laßt alle Anklagen und gerichtlichen Untersuchungen, welche keinen anderen Grund als hie Ereignungen der Revoluzion haben, in eine allgemeine Versöhnung sich verfiiessen. — Ich rede nicht einmal von denen , welche bloß durch ihre Liebe gegen mich geleitet wurden : könntet ihr m ihnen Strafwürdige finden ! Was diejenigen betrifft, welche durch Vergehen, worin ich persönliche Beleidigung finden könnte, sich die Verfolgung der Gesetze zugezogen haben, so fühle ich auch in Ansehung ihrer, daß ich der König aller Franzosen bin. " Paris den iz. Herbstm. 1791. (Unterzeichnet:) Ludwig. Nachschrift. " Ich habe geglaubt, meine Herren , ich müßte mitten unter den Bevollmächtigten der Nazion und an dem Orte selbst, wo die Konstituzion entstanden ist, derselben feierliche Annehmung erklären. Ich werde mich also morgen um Mittagszeit in die Naz. Vers. begeben. — Wiederhohlte und allgemeine Aeusserungen des Beyfalls und der Freude haben nach Ablesung dieses Schreibens, den Saal der Versammlung erfüllt. — Unmittelbar darauf that Hr. Fayetre den Vorschlag : l) daß allen Personen, die wegen der Abreise des Königs in Verhaft oder Prozeß wären, unverzüglich die Frey, heit ertheilt, und alles gerichtliche Verfahren gegen dieselben eingestellt seyn soll; 2) daß der Konstituzionsausschuß , ein-verstandlich mit dem Ausschüsse in Krimi« nalsachen, am folgenden Tage bey Eröffnung der Sitzung, ein Dekret zu Abstellung aller in Beziehung auf die Revolu-zion anhangig gewordenen Processe, vor-lcgcn soll; z) daß ebtnfalls am folgenden Tage ein Dekret verfaßt werden soll, um den Gebrauch dtr Passe aufzuheben, und alle Bande zu löscn, welche der Heitum-stände wegen, der dmch die Konsiuuzion gesicherten Freyheit im Königreiche auslind einzuziehen , angelegt worden sind. Sämmtliche diese Vorschlage wurden einhellig defretiret. — Hierauf schlug Herr Goupil die Ernennung einer Deputation von 6c> Gliedern vor, um Sr. Maj. die Dankgefühle der Vers. zu bezeigen. Auch dieses ward gleich angenommen. Alle Glieder strebten nach der Ehre, zu der Depu-tazion ernannt zu werden. — Gan; Paris theilte die Freude des Tags; alles schwam in Jubel und Abends war die Stadt durchaus beleuchtet. — In der Sitzung am 14. Herbsim. erstattete Hr. Chapellicr Bericht von der gestern an dcn König gesandten Deputazion. Se. Maj. nahmen dieselbe mit allen Aeusserungen der innigsten Rührung und Zufriedenheit auf, und antworteten ohne vorbereitete Rede, bloß nach den Gefühlen Ihres Herzens. Man unterschied besonders die Worte: "Nun ist der Augenblick gekommen, wo wir alle zusammen nur eines ausmachen müssen." Und als die Königin ihre beyden Kinder an der Hand führend, in dem Saale erschien , sagte der König : " Auch di? Kö-nigin und meine Kinder, theilen mit mir diese Gesinnungen der Zufriedenheit. „ Dieses bestattigte die Königin mit der Zusicherung: auch sie würde aus allen Kräften mitwirken, daß die Konsiituzion befolget werde. Italien. Den 3. Herbsim. versammelte sich zu Genua der große Rath zur Wahl eines Doge aus den 6 von dem Rathe der Zweihundert vorgeschlagenen Kandidaten, und die Wahl fiel auf den Edlen Michael Anqelo Cambiaso. Derselbe ward gleich hierauf mit den herzoglichen Kleidern angethan , und auf den Thron gesetzt, wo ihm von dem gangen Rathe gehuldiget wurde. — Den 6. empfing derselbe von den auswärtigen Ministern, dem Erchj-schofe und allen Vorstehern , die Glückwünsche , und am 7. stand er ;um ersten Mahle dem Rathe vor. — Der Spanische Hof hat, demVernehmen nach , ben der Republick sich darüber beschwert , daß sie die Beglaubi« gungsbriefe des neuen Französischen Gesandten , Hrn. v. Semonville , wenige Tage nach der an dem Könige von Frankreich verübten Gefangennehmung anerkannt, und demselben mit der Nazionalkokarde zu erscheinen gestattet habe , und andere Schritte machte , welche dem Spanischen Hofe nicht anders als mißfallig seyn könnten. ^aibach den 4. Meinmonar. AM Verflossenen Sonntage führte die hier neu angekomene drutsche Schauspielergesellschaft unter der Direktion des Hrn. Franz Xav. Felder uim erstenmale: Friedrich von Oesterreich , ein Schauspiel in 5 Auszüge« von Hrn. Istand auf, dann ward ein Ballet, die Erstlinge des Dankes , oder das zerstörte Gpfer des Herkules gegeben, und beyde Stücke wurden zum Ruhm? der Gesellschaft von den zahlreich versamelten Zusehern mit ungetheiltem Beysalle aufgenommen. Heute wird der Taubstumme ein Lustspiel in 3 Aufzügen von Hrn. Hunius gegeben, zum Beschluß folgt ein Ballet, die verzauberte Rose, oder die spröden Mädchen. Wird alle Dienst - und Freytage nachmittags um 4. Uhr auf dem Platze Rro. l8Z. in der von Kleinmayerschen Buchhandlung ausgegeben.