FIGURALE SITULEN AUS NOVO MESTO TONE KNEZ D o le n jsk i m u ze j, N o vo m esto T. 1—14, S.: 931—944 Die system atische Ausgrabung der hallstattzeitlichen Grabhügel-Nekropole in Novo m esto1 in den Jah ren 1967—1970 erbrachte m ehrere überraschende Funde u nter denen die m it Figuren verzierten Situlen gewiß die schönsten und attraktivsten sind. Auf der Nekropole im Stadtteil K andija w urden ins­ gesamt fünf Situlen mit Figurenschmuok gefunden und m it dieser Situlenzahl ist nun Novo mesto mit M agdalenska gora die reichste Fundstelle für Bron­ zeeimer m it Figurenschm uck im ganzen Ostalpenraum..2 Diese attraktiven toreutischen K unstwerke w urden anlässlich der aufschlussreichen internatio­ nalen Situlenausstellung3 in den Jah ren 1961—1962 (Padova —■ Ljubljana — Wien) eingehend untersucht, wobei einige ältere Thesen korrigiert und et­ liche Problem e über die H erkunft, Chronologie und Typologie dieses Kunst­ schaffens gelöst wurden. Seit den grundlegenden Studien über die Situlen- kunst von F. Stare,4 Lucke,5 * Frey8 und Kastelic,7 besteht über die autochthone H erkunft d er südostalpinen (U nterkrainer) Situlen kein Zweifel mehr. Alle Situlen aus Novo mesto w urden in ausgesprochen reichen Gräbern, in G räbern hallstattzeitlicher A ristokraten gefunden. Aufgrund der Fund­ um stände in Novo mesto und von anderen Fundstellen8 h er ist bekannt, daß das jeweilige Situlenservice aus dem Bronzeeimer und einer dazugehörenden 1 Novo m esto in der Vorgeschichte (Ausstellungskatalog, Novo m esto [1971]). T. Knez, Novo m esto v davnini (1972) 65 ff. 3 T. Knez, K ronika 20 (1972) 65 ff (nur slowenisch). 3 Vgl. A usstellungskataloge: Situlen- kunst zw ischen Po und Donau (Wien 1962). M ostra dell’arte delle Situle dal Po al Danubio (Padova 1961). U m etnost alpskih Ilirov in Venetov (Ljubljana 1962). 4 F. Stare, Zbornik fit. fak. 2 (Ljub­ ljana 1955) 103 ff. F, Stare, Arh. vestn ik 3 (1952) 173 ff. 5 L ucke-Frey, Die Situla in P rovi­ dence (Rhode Island), Röm.-germ. Forsch. 26 (1962). 6 O.-H. Frey, Die Entstehung der Situlenkunst, Rom .-germ . Forsch. 31 (1969). O.-H. Frey, Krieger und Salz­ herren (RGZM M ainz A usstellungskata­ loge 4 [1970]) 82 ff. 7 J. Kastelic, Situla z Vač (1956). J. Kastelic, S itu len ku n st (1964), 8 Stična: Ložar, Glasnik m uz. druš. za Slovenijo 18 (1937) 7 ff. — Este, Situla B envenuti: L ucke-Frey, a. a. O. 63. — K uf- fem : Lucke-Frey, a. a. 0.82. —• K lein- Klein: W. Schmid, Prähist. Zeitschr. 24 (1933) 260, Abb. 37 und 273, Abb. 47 a-b. Völlig identische keram ische Schöpftas­ se w ie im F ürstengrab IV/3 in Novo m e­ sto aus der Situla 2 w urde in Berem end gefunden. Cfr.: E. Jerem , Acta arch, hung. 25 (1973) 83, Abb. 8: 21, Taf. 19: 3. Henkeltasse bestand, mit der das Getränk aus der Situla geschöpft und den Gästen gereicht wunde. Solche Trinikgesehirre sind auch durch Szenen des Ge- tränkereichens auf den figürlich verzierten Situlen bekannt wie: Vače,9 Magda- ienska gora,1 0 K uffem ,1 1 Welzelach,1 2 Providence1 3 und Sanzeno.1 4 Ein der­ artiges Trinkservice, bestehend aus der Situla und einer schön geformten und verzierten schw arz geglätteten Schöpftasse, wurde in Novo mesto in drei Fällen aufgefunden. W ir nehm en an, daß in den Situlen bei bestimmten Festen bzw. Riten den Gästen höchst wahrscheinlich auf Alkoholbasis zubereitete Getränke ser­ viert w urden1 5 wobei es sich um im portierten gew ürzten Wein aus dem adria- tisch-m editerranem Gebiet gehandelt haben mag, w ie z. B. entsprechende Untersuchungen an der Bronzeflasche aus Dürrnberg bei Hallein1 6 bewiesen haben, oder vielleicht um hausgemachte Alkoholgetränke, die aus ferm entier­ ten G etreidesorten oder Früchten gegoren worden. Die Situlen m it Figuren- schmudk müssen wir als praktisch verwendbare kunstgewerbliche Produkte mit Tendenz zu künstlerischer G estaltung betrachten, ihrem Zweck nach aber sind es repräsentative Trinkgefäße, gewissermaßen Statussymbole der hall­ stattzeitlichen Adelsschicht im südostalpinen Raum. VERZEICHNIS DER SITULEN Zur Zeit des Berichts sind erst drei figürlich verzierte Situlen restauriert, w ährend zwei weitere noch nicht so weit restauriert sind, um der Öffentlich­ keit vorgestellt zu werden.1 7 Das Fürstengrab im Tumulus IV, Grab 3. Das Grab befand sich auf dem Innenrand des G räberkreises im südlichen Teil des Grabhügels, die G rabrichtung w ar fast genau Ost—West, der Kopf nach Osten. Der Tote ist in einem Holzsarg aus Eichenholz beigesetzt worden. Dieses männliche Rei- 9 F. S tare, Vače, Arh. katalogi Slo­ venije 1 (1955), Beilage. Lucke-Frey, a. a. O., Tafel 73. 1 ,0 Lucke-Frey, a. a. O., Tafel 68. 1 1 O.-H. Frey, Die Situla von Kuf- farn, Veröff. a. d. N aturhist. Mus. Wien, N. F. 4 (1962) 5, Abb. 3. Lucke-Frev, a. a. O., Taf. 75. 1 2 Lucke-Frey, a. a. O., Taf. 76. 1 3 Lucke-Frey, a. a. O., Taf. 5. 1 4 Lucke-Frey, a. a. O., Taf. 67. 1 5 G. Kossack, Varia arch. (W ilhelm U nverzagt zu seinem 70. G eburtstag dargebracht), Schriften d. Sektion f. V or- u. Frühgesch. 16 (1964) 96 ff. W. Kimmig, 43-44. Ber. RG K (1962—1963) 103. 1 6 E. P enninger, Der Dürrnberg bei Hallein I, M ünchner Beitr. z. V or- u. Frühgesch. 16 (1972) 124 ff. 1 7 Situla 1 und 2 aus dem F ürsten­ grab (Tumulus IV, Grab 3) w urden in den W erkstätten des Röm.-Germ. Zen­ tralm useum s in Mainz, die dritte Situla (Tumulus II, G rab 6) im N arodni muzej in Ljubljana restauriert. Durch das sta r­ ke Einw irken des oxydreichen Lehm ­ bodens w aren die Situlen schwer be­ schädigt und in äußerst schlecht erhal­ tenem Zustand w eil sie teilweise völlig zersetzt waren. F ü r die sehr anspruchs­ volle und erfolgreiche R estaurierung und K onservierung d er Funde sei an dieser Stelle beiden M useen und F rau Ing. N. Sedlar in L ju b ljan a und H errn L. Le- höczky in M ainz herzlich gedankt! Wei­ tere zwei S itulen w erden auch in den W erkstätten des RGZM in Mainz res­ tauriert. Über die R estauriereungsm etho- den der Situlen aus Novo mesto siehe den Beitrag von H .-J. H undt in diesem Band. tergrab ist das reichste G rab auf der gesamten Nekropole in Kandija. Im Grab w urden folgende Funde gemacht: zwei figurengeschm ückte Situlen m it je einer keram ischen Schöpftasse am Boden, eine zweihenkelige, gerippte Bronzeziste mit einer Holztasse am Boden, ein Bronzehelm vom Negauer Typ, drei eiserne Lanzenspitzen, ein eisernes Tüllenbeil, ein kleines eisernes Messer, ein eiserner Gürtelhaken, ein bronzener G ürtelhaken m it drei Ringen, zwei Gürtelbeschläge aus Bronze, eine eiserne Pferdetrense vom Typ Szentes-Vekerzug, drei keram ische Gefäße, drei bronzene Certosa-Fibeln, acht hohle Arm ringe aus Bronze, eine massive Ringperle aus Bronze, eine lange Halskette aus Perlen von Bernstein und buntem Glas, eine H alskette aus Glasperlen m it eisernen Ösen. DIE ERSTE FIGURALE SITULA (Abb. 1 a, b und T. 1, 2) Die Situla ist von glatter konischer Form, ihr Mantel ist aus zwei Bronze­ blechstücken verfertigt und mit zweimal je acht Nieten zusammengenietet. Zwischen den einzelnen Nieten ist jeweils mit sieben kleinen getriebenen Punk­ ten das Andreaskreuzm otiv bzw. das Zeichen X abgebildet. Der Situlenboden ist an den M antel von außen angefalzt und angehämmert. Am unteren Teil des M antels ist die Situla an einer Stelle schon in prähistorischer Zeit be­ schädigt und dürchlöchert und danach m it zwei Nieten und einem Stück Blech geflickt worden. Der Schulterteil d er Situla ist konisch abgerundet und kurz. Der obere Situlenrand ist um eine dünne Holzrute (!) nach außen geschlagen bzw. gebördelt. Der glattrunde Situlenhenkel endet auf beiden Seiten m it stilisierten Entenköpfchen. D er H enkel ist in zwei schlingenförmige rechteckige Attaschen eingelassen, beide A ttaschen sind auf den Situlenm antel m it je vier Nieten befestigt. Die Situla ist m it drei ornamentalen Streifen verziert: den m ittleren 5 cm hohen figuralen Fries um rahm en oben und unten ein 2,5 cm hoher Streifen m it dem Motiv des •sog. »Fischblasenmusters«. Einzelne Strei­ fen sind untereinander m it einer plastischen Doppelrippe getrennt. Auf dem mittleren, figuralen Streifen sind acht nach links schreitende langgehörnte Tiere abgebildet, die Gazellen, bzw. Antilopen ähnlich sind (T. 3). Jedes Tier hält im gehobenen Maul eine stilisierte Ranke mit einem Punkt-Buckel am Ende. Alle Tiere sind schematisch dargestellt, die Köpfe und die Hufe sind stilisiert, vor allem aber die lan g g .; ree'-'ten, disproportionierten Tierkörper. Die Hörner sind bei allen Tieren lang und wellenförmig leicht nach hinten gekrümmt. Die Körperkonturen der Tiere sind von außen m it Hilfe feiner Abb. 1 a. Novo mesto. Fürstengrab IV/3, S itula 1 Sl. 1 a. Novo mesto. Situla 1 iz knežjega groba IV/3 o Gravuren um randet, und auch die Hörner einzelner Tiere sind m it feinen Stichen quergraviert. Die Stellung der Körper und der Füße ist bei allen Tieren gleich. Auch das »Fischblasenmuster« in der ornam entalen Bordüre des Figuren-Frieses ist außen m it einer feinen G ravüre umzeichnet (T. 3). Die Höhe der Situla beträgt m it H enkel 31 cm, ohne H enkel 21 cm, der Bo­ dendurchmesser 12 cm, der Durchm esser an der Schulter 19 cm; das Fassungs­ vermögen 3,811.1 8 Auf dem Boden der Situla w urde eine schwarze keram ische Schöpftasse mit hochgezogenem Henkel gefunden (T. 4). Das Gefäß ist aus feiner Tonerde gemacht, und auf der Oberfläche fein geglättet. Auf dem Bauch ist die Hen­ keltasse m it einem Band dreifacher, eingeritzter Zickzacklinie verziert. Die Höhe der Tasse beträgt m it Henkel 9,7 cm, die B reite 11,5 cm; das Fassungs­ vermögen 3,25 dl. DIE ZW EITE FIGURALE SITULA (Abb. 2 a, b und T. 5, 6) Die Situla ist von konkav-konischer Form m it k urzer und scharf geek- nickter Schulter. Der Situlenm antel ist aus einem Stück Bronzeblech geschnit­ ten und m it neun Nieten zusammengehalten. Zwischen den Nieten ist m it Hilfe fünf getriebener Punkte das Motiv des Andreaskreuzes dargestellt. Der Situlenboden ist von außen angehäm m ert und angefalzt. D er obere Situlen- rand ist um einen Bleiring nach außen geschlagen. Der glatte Situlenhenkel endet auf beiden Seiten in stilisierten Entenköpfchen. D er Henkel ist in zwei schlingenförmige rechteckige A ttasehen eingezogen. Beide Attaschen sind mit feiner G ravure um randet und m it je vier Nieten auf der Situlenschulter befestigt. Die Situla ist m it drei Streifen verziert: in der M itte der Figuren- Fries mit einer Prozessionsszene, die oben und unten von einem Streifen bis zum Äußersten stilisierter B lüten- bzw. einem Palm ettenderivat um randet wird (T. 7). Auf dem m ittleren, bis zu 5,5 cm hohen Figuren- Fries ist eine feierliche Prozession nach rechts schreitender bew affneter Reiter, Fußgänger und gezäum ter Pferde dargestellt. Beide Streifen m it stilisiertem Blüten­ m uster sind je 2,5 cm hoch. Die Streifen sind am tereinander durch eine pla­ stische Doppelrippe getrennt. Beschreibung des Figuren-Frieses: Die Spitze des feierlichen Umzuges bilden drei R eiter (T. 8) mit rund- ovalen Schildern in der Rechten, auf den Köpfen tragen sie flache barettähn­ liche Mützen. Die Reiterfiguren sind sehr schematisch und ohne Armandeutung dargestellt. Den Reitern folgt ein unberittenes Pferd (T. 9), diesem folgen zwei Fußgänger, der hintere von beiden führt ein Pferd am Zügel. Es folgt wieder ein unberittenes Pferd, danach wieder zwei Fußgänger, von denen der hintere ein Saumpferd, beladen m it vier Säcken bzw. W einschläuchen am Zügel führt (T. 10). Die szenische Anordnung der Prozession ist folgende: drei Reiter — ungesatteltes Pferd — zwei Fußgänger — zwei P ferde — zwei Fuß­ gänger — ein Lastpferd. Bei allen unberittenen Pferden ist deutlich das Zaumzeug abgebildet, deshalb müssen w ir diese Tiere als Reitpferde an- 1 8 Das Fassungsverm ögen der Sitoolen und Schöpftassen w u rd e m it Hilfe von Hirsesam en gemessen. Abb. 2 a. Novo mesto. Fürstengrab IV/3, S itula 2 Sl. 2 a. Novo mesto. S itula 2 iz knežjega groba IV/3 Abb. 2 b. Novo mesto. Situla 2, A brollung des Situlenm antels Sl. 2 b. Novo mesto. R azvit plašč situle 2 sprechen. Die Szenen auf dieser Situla können wir als A nkunft oder Hul­ digung einer G esandtschaft deuten, die Geschenke überbringt: drei Reitpferde und eine Ladung Wein, der in den Schläuchen auf dem Saumpferd am Schluß der Prozession gebracht wird. Alle Fußgänger sind gleich gekleidet: auf den Köpfen tragen sie alle gleiche breite niedrige Mützen wie die Reiter, ihre lange, m antelartige Kleidung reicht bis unter die Knie. Auf den Füßen tragen sie vorne hochgekrüm m te Schnabelschuhe, die stark an Opanken erin­ nern. Auch bei den Fußgängern haben w ir keine A rm andeutung. Die Pferde sind gleich stilisiert dargestellt: alle haben den gleichen Schritt, und alle, sowohl die berittenen als auch die unberittenen haben am Kopf und Hals das Zaumzeug angedeutet: die Riemen, die Trense und die Knebel. Der Mähnenschopf an der Stirn ist bei allen Pferden spitz zulaufend geformt, die kurzgeschorene M ähne auf dem Pferdekam m ist m it feinen Stichen ange­ deutet, der Schweif ist bei allen geflochten und in einen K noten gebunden. Die Ohren sind bei allen Pferden zürückgelegt und haben eine irreale horn- artige Form. Die Körper der einzelnen Pferde sind stark disproportioniert dargestellt: w ährend Hals, B rustpartie und das Hinterteil kräftig und volu­ minös sind, ist der Rücken bzw. die Rum pfpartie sehr schlank und langgezo­ gen, die Beine sind äußerst schlank und hoch. Die Hufe sind stilisiert dar­ gestellt, stark betont aber sind die Fesseln und die Sprunggelenke. Dem zweiten, dritten und dem vierten Pferd hängt aus dem Maul eine zarte Ranke mit einem kleinen Buckel am Ende. H inter dem Rücken des ersten und des zweiten Reiters sind je eine sechs- bzw. siebenblättrige Punktrosette dar­ gestellt. Oberhalb der Kruppen zweier unberittener Pferde hängen je eine Blütenknospe (Knospe im Zwickel), unterhalb der Pferdebäuche aber je ein getriebener Punkt-Buckel. Die K onturen aller Figuren sind an der Außen­ seite m it Hilfe eines feinen, sehr schmalen Meißels eingraviert. Die Höhe der Situla beträgt m it Henkel 30 cm, ohne Henkel 21 cm, der Bodendurch­ messer 13,5 cm, der Durchmesser an der Schulter 22 cm; das Fassungsver­ mögen 4,311. Auf dem Situlenboden w urde eine schwarze keramische Schöpftasse ge­ funden m it einem überstehendem Henkel, den zwei gehörnte Tierköpfe schmü­ cken (T. 11: 1, 2). Das Gefäß ist von sehr guter Qualität, auf der ganzen Oberfläche schwarz geglättet und graphitiert. Auf der Bauchpartie ist die Tasse m it w arzenartigen Buckeln abwechselnd mit vierfachen feinen Kanne- lüren ornam entiert. Die Höhe der Schöpftasse mit Henkel beträgt 11,5 cm, die Breite 13 cm; das Fassungsvermögen beträgt 4,28 dl. DIE DRITTE FIGURALE SITULA AUS DEM MÄNNERGRAB 6, TUMULUS II (Abb. 3 a, b, u n d T. 12, 13) Das Grab w ar auf dem Nordwestteil des Grabhügels angelegt in Richtung Nordost—Südwest, m it dem Kopf nach Südwesten eingebettet. Auf dem Bo­ den der Grabgrube konnten Spuren eines Holzsarges festgestellt werden. Das Grabinventar bestand aus: eine figurale Situla, eine fragm entarisch erhaltene rote Fußwase, Abb. 3 a. Novo mesto. Situla (3) aus dem Grab II/6 Sl. 3 a. Novo mesto. Situla (3) iz groba II/6 ein eisernes Tüllenbeil, ein kleines eisernes Messer, Teile eines Bronzebeschlages, Fragm ente eines schwarzen keram ischen Gefässes. Die Situla ist von glatter konischer Form, mit kurzem Schulterum bruch. Der Situlenm antel ist aus einem Stück Bronzeblech geschnitten und mit neun Nieten zusammengehalten. Zwischen den Nieten ist das M otiv des Andreas­ kreuzes m it Hilfe von fünf getriebenen Punkten geschlagen. Der Situlen- boden ist nur in spärlichen Fragm enten erhalten, doch konnte festgestellt werden, daß er an den M antel von außen angehämmert und angefalzt war. Der obere Situlenrand ist um einen B leikern geschlagen. D er Situlenhenkel endet auf beiden Seiten in stilisierte Entenköpfchen, an die Situlenschulter ist er mit zwei schlingenförmigen rechteckigen Attaschen, die m it feiner Gravur um randet sind, befestigt. Jede A ttasche ist an die Situlenw and m it je vier Nieten befestigt. Die Situla ist m it drei Streifen verziert: m it einem Figuren- Fries in der M itte, der oben und unten von einem dekorativen Streifen m it Motiven des »Fischblasenmusters« begrenzt wird. Die einzelnen Streifen w er­ den von einer Doppelrippe getrennt. Auf dem m ittleren 6,5 cm hohen Figuren- Fries sind zehn nach rechts schreitende gehörnte Tiere — »Gazellen« ab­ gebildet (T. 14). Die Tiere schreiten m it erhobenen Köpfen, während der Schrittgang der einzelnen Tiere verschieden ist. Alle Tiere haben lange, wellenartig geschwungene Hörner, die alle m it sehr feinen getriebenen Pünkt­ chen ornam entiert sind. Fünf Tieren hängen aus dem Maul zarte Ranken m it stilisierten, langgezogenen Pflanzenblättern am Ende. Oberhalb der Kruppe des ersten Tieres ist ein hängendes stilisiertes Pflanzenm otiv dargestellt, w ährend unter den Bäuchen des ersten, zweiten, siebten und neunten Tieres ähnliche vegetabile M uster als Füllm otive abgebildet sind. Der Schwanz ist nicht bei allen Tieren angedeutet. Die Konturen der Tierkörper sind an der Außenseite m it feiner G ravur um randet, ebenso das Motiv der »Fischblase«. Der obere und untere Fischblasenm uster-Streifen ist jeweils 4,5 cm hoch (Abb. 3 a, b,). Die Höhe der Situla beträgt mit Henkel 38 cm, ohne Henkel 25 cm, der Bodendurchmesser 13 cm, der Durchmesser an der Schulter 25,2 cm; das Fassungsvermögen 6,60 1 . TYPOLOGIE Die drei bis jetzt restaurierten Situlen aus Novo mesto haben auch drei Neuartigkeiten in den Formenschatz der Situlenkunst eingebracht: die bisher unbekannte dekorative Einfassung durch äusserst stark stilisierte Blütenform, das Tragpferd und die Schnabelschuhe oder Opanken als Schuhform.1 9 Alle diese Elemente finden sich aus der Situla 2 aus dem Fürstengrab (Tumulus IV, Grab 3). Vor uns stehen W erke der Situlenkunst aus der ausklingenden H allstattzeit in Slowenien, als diese K unstart schon ihrem Ende zuging. Zoomorphe und noch m ehr anthropom orphe Figuren auf den Situlen aus dieser Zeit sind sehr stark stilisiert, alle Details sind weggelassen, wohl aber sind die dekorativen Elemente sorgfältig dargestellt und bew ußt hervorge^ hoben. W ährend die menschlichen Figuren betont vereinfacht und steif dar­ gestellt sind, sind die Abbildungen der Pferde und der gehörnten Tiere weit m ehr dynamisch und sorgfältig ins D etail ausgearbeitet. In diesem Zeitab­ schnitt liegt die ikonographische Betonung nicht m ehr auf naturgetreuen er­ zählenden und oft dramatischen Szenen, sondern vielmehr auf der Form und im Dekor. Die realistische Szenerie transform iert sich allm ählich in weit­ gehend stilisierte Figurenstreifen ohne größere künstlerische und historische Aussagekraft, Die figürliche Schilderung ist auf einen einzigen Fries reduziert, dem m ehr eine statische, rein dekorative Funktion zukommt. Der Situlenstil in seiner späten Phase ist nicht m ehr naturgetreu erzählend, sondern wird immer dekorativer, sein Stilwandel in Richtung Stilisation ist deutlich er­ kennbar. Bei der Definierung einzelner Stilstufen des Situleninventars aus Slowenien hat F. Stare2 0 die chronologisch jüngsten Situlen in die Unterstufe seiner zweiten Stilstufe eingeordnet, ihren Stil aber als »ornamentalen Rea­ lismus« bezeichnet. In die jüngste Situlengruppe aus U nterkrain, zu welcher Stare die Situla aus Valična vas, M agdalenska gora (Cambridge, M ecklenburg Collection) und Vače (Oxford, Ashmolean Museum) zählt,2 1 gehören auch alle drei oben be­ schriebene Situlen aus Novo mesto. Zu dieser Situlengrupipe aus Slowenien, möchten wir zur Analogie noch drei Vergleichsstücke des verw andten Stiles und aus dem gleichen Zeitraum, doch aus verschiedenen geographischen Ge­ genden heranziehen: aus Norditalien die Situla Arnoaldi,2 2 aus Tirol die Ziste aus San Maurizio ■ — Moritzing2 3 und aus Niederösterreich die Situla aus Kuffern.2 4 Auf diese Weise haben w ir eine Gruppe von neun Denkmälern der ausklingenden Situlenkunst m it sehr verwandten und sogar identischen M erkmalen bekommen (siehe Tabelle). In diese Gruppe könnten w ir auch die Fragm ente der figuralen Ziste aus M ontebelluno2 5 einbeziehen. Die Form- und Stilcharakteristiken der Situlen aus Novo mesto und der oben angeführten Vergleichsstücke können w ir in technische und formstilisti­ sche M erkmale einteilen. Zu den technischen Kennzeichen der jüngsten fi­ guralen Situlen zählen wir: das m it feinen Pünktchen getriebene Motiv des Andreaskreuzes zwischen den einzelnen Nieten, ein Motiv das allen Stücken, außer der Ziste aus Mo­ ritzing gemein ist, die Tendenz zur konkav-konischen Form des Situlenm antels, der Boden ist bei allen Situlen dieser Zeitstufe von außen angehämmert und angefalzt, die A ttasehenform und die Schulterpartie ist bei allen Situlen gleich­ geformt. Form stilistische Merkmale sind: nur ein figuraler Fries, meistens m it Szenen schreitender »Gazellen« oder Hirsche, 2 0 F. Stare, Z born ik fil. fak. 2 (Ljub- 2 4 Lucke-Frey, a. a. O., 80. ljana 1955) 178. 2 5 O.-H. Frey, E ine figürlich ver- 2 1 F. Stare, a. a. O., 131, 178. zierte Ziste in Treviso, G erm ania 44 2 2 Lucke-Frey, a. a. O., 59. (1966) 66 ff. 2 3 L ucke-Frey, a. a. O., 68. Die Merkmale der späten Situlen Form — Motiv Fundort Nieten m it Andreaskreuz Konkav-konische Form Figuren nach rechts gewendet Gazellen und Hirsche Fischblasenm uster G eknoteter Pferdeschweif Ranken aus dem Maul Punkte und Rosetten Vegetabile Füllungen N O V O M E S T O S itu la 1 (IV/3) • • • a N O V O M E ST O S itu la 2 (IV/3) • • • • N O V O M E ST O S itu la 3 (II/6) • • • • • • V A L IČ N A V A S • • • • • • • • M A G D A L E N S K A G O R A (C am b rid g e, M ass.) • • • • • • V A Č E (O xford) a a • • • • • A R N O A L D I • • • • K U F F E R N • • • • • M O R IT Z IN G • • • • • nach rechts gewendete Figuren, »Fischblasenmuster« als dekorative Einfassung der Figurenfriese, gebundener Pferdeschweif, aus den Tierm äulern hängende Pflanzenranken. Als Füllung sind unter den Bäuchen einzelner Tiere vegetabile Ornamente dargestellt, w ährend zwischen den einzelnen Tieren Punktbuckei oder Punkt­ rosetten als Füllm uster auftreten. Bei der typologischen Beurteilung der späthallstattzeitlichen (im Sinne der chronologischen Gliederung fü r Slowenien nach Gabrovec) Situlen dürfen w ir nicht den Anteil bzw. den Einfluss der Formelemente aus dem keltischen Kunstbereich auf die Situlenmotive außer Acht lassen. Wie groß der Ein­ fluß dieses Kunstempfindens war, ist heute noch schwer abzusehen, weil der Abb. 3 b. Novo mesto. Situla (3), A brollung des Situlenm antels Sl. 3 b. Novo mesto. R azvit plašč situle (3) Abb 4. Pazyryk. Bestattetes Pferd m it geknotetem Schweif (nach Rudenko) Sl. 4. Pazyryk. Pokopan konj z zavezanim repom (po Rudenku) Großteil des hallstattzeitlichen Fundgutes aus den Nekropolen in Slowenien noch nicht publiziert ist. Zweifellos aber bestanden solche Einflüsse. Den keltischen Stileninfluß auf den Situlen können wir im Motiv des »Fischblasen­ musters«, in der konkav-konischen Eimerform, vor allem aber in der immer stärkeren Stilisierung der Menschen- und Tierfiguren w ahm ehm en, so daß die Figuren allm ählich ornam ental em pfunden werden. Die Mode, das Roßhaar der Pferdeschwänze zu flechten und m it einem Knoten abzubinden, muß wohl dem Einfluß östlicher R eitervölker zugeschrieben w erden (Abb. 4).2 6 Der Einfluß skythischer Pferdeschirrung bzw. Pferdezäumung ist in Reiter­ gräbern der jüngeren Hallstattzeitt in U nterkrain öfters belegt,2 7 und neuer- 2 6 S. I. Rudenko, Frozen Tombs of Siberia. The P a zyryk Burials of Iron Age Horsemen (1970) PI. 72. S. I. Ru­ denko, Der zw eite K urgan von P azyryk (1951) 16. 2 7 V erbreitungskarte der Pferdetren­ sen vom Typ Szentes — Vekerzug bei: E. G.-Jerem , Acta arch. hung. 20 (1968) 190. dings m it dem F und der Trense vom Typ Szentes-Vekerzug aus dem Fürstengrab (Tumulus IV, Grab 3) in Novo m esto neu bewiesen.2 8 Für die ältere, »klassische« Phase d er ostalpinen Situlenkunst ist der expressive Realismus m it starken Elementen des Naturalism us kennzeichnend, w ährend in der jüngsten Phase der Situlenkunst die Betonung auf dekora­ tiver Stilisierung liegt. Die Situlen aus Novo mesto sind gute Beispiele für diese Stilepoche. Die S itula hat zu dieser Zeit ihre einstige rituelle Bedeutung, die nur noch eine ferne Reminiszenz geblieben ist, verloren. In den Situlen aus Novo mesto ist im Vergleich zu den klassischen W erken der Situlenkunst (z. B.: Vače, M agdalenska gora) eine weitgehende Degeneration des Situlenstils klar ersichtlich. M it dem Einbruch der Kelten in den Raum von Slowenien wurde das Schaffen der W erke der Situlenkunst jäh unterbrochen. Dieses historische Ereignis bedeutet zugleich das Ende der überaus reichen Hall­ stattkultur in Slowenien. Die üppige Phantastik fast totaler A bstraktion des keltischen K unstausdruckes und seines Formenschatzes, der aus konsequenter Stilisierung der zoomorphen und anthropom orphen Figuralik entstanden ist, löste den konservativen, archaischen Realismus der Situlenkunst ab. Die Si­ tulenkunst, die in Slow enien ihre Blütezeit in der jüngeren H allstattzeit erreichte, blieb ein singuläres Kunstphänomen, das m it dem Ableben der H allstatkultur auch sein Ende fand. Nebenbei sei die überraschende Tatsache erwähnt, daß w ir östlich von Novo mesto keine Werke der Situlenkunst mehr kennen. Über den G rund dieser Tatsache können w ir vorläufig n u r rätseln. DIE PROVENIENZ DER SITULEN AUS NOVO MESTO Der erste, der bei uns aufgrund typologischer Untersuchungen und stil- kritischer Analyse und technologischer Untersuchungen die Bodenständigkeit unserer Situlen nachgewiesen hat, w ar F. Stare.2 9 In seiner Studie über die prähistorischen M etallgefässe aus Slowenien, hat er zwei W erkstätten der figuralen Situlen in Slowenien supponiert: auf Magdalenska gora und in Vače.3 0 Die ältere These von ihrem Im port in den slowenisch-alpinen Raum wurde widerlegt. Die Problem e ih rer H erkunft und Produktionszentren sind soweit geklärt, daß m an heute schon im stande ist, die Situlen aus dem Ostalpen­ gebiet, speziell aus U nterkrain, einzelnen W erkstätten zuzuschreiben. In die­ sem Sinne soll auch unser Versuch einer stilkritischen Gliederung der Situlen aus Novo mesto und ih rer Provenienz verstanden werden. Es besteht kein Zweifel, daß auf M agdalenska gora eine W erkstatt der Objekte, die w ir u n ter dem Begriff Situlenkunst verstehen, bestanden hat, denn Magdalenska gora ist der vollständigste Fundort dieser toreutischen Produkte in U nterkrain m it dem kom pletten Repertoire der Objekte, vom verzierten Helm über die Situlen und Gürtelbleche bis zu den Ohrringen.3 1 Die W erkstatt in Vače3 2 scheint uns wegen der relativ kleinen Zahl toreuti- 2 8 Vgl. H .-J. H undt, Arh. vestnik 24 F. Stare, a. a. O., 190. (1973), T. 10. 3 1 Vgl. Lucke-Frey, a. a. O., 71 ff. 2 9 F. Stare, Z bornik fil. fak. 2 (Ljub- 3 2 Lucke-Frey, a. a. O., 78 f. ljana 1955) 189 f. 21 A r h e o lo š k i v e s t n ik 321 scher Kunstwerke etw as problematisch, was aber natürlich die Bedeutung und die Geltung des Fundortes Vače in keinem Fall vermindert. Aufgrund der Form - und Stilanalyse, chronologischer Einheitlichkeit und überraschend hoher Zahl von fünf figuralen Situlen auf einer relativ kleinen Nekropole, sind w ir zu der Überzeugung gekommen, daß die in Novo mesto- K andija ausgegrabenen Situlen sehr wahrscheinlich in ein und derselben W erkstatt, möglicherweise in Novo mesto, erzeugt wurden. Die Merkmale dieser späthallstattzeitlichen toreutischen W erkstatt, die w ir m it gewisser Re­ serve in Novo mesto lokalisieren könnten, sind: 1. der geschlossene Bilderstreifen schreitender gehörnter Tiere (Gazellen oder Hirsche) als zentraler figuraler Situlenfries, 2. die dekorative Einfassung der figuralen Streifen in Form des »Fisch­ blasenmusters«, 3. aus den Tierm äulern hängende vegetabile Ranken, 4. vegetabile Füllm uster unter den Bäuchen einzelner Tiere. Das sind die Kennzeichen dieser spätesten Situlen, die w ir vielleicht als »Typ Novo mesto« bezeichnen dürften. Zweifellos stammt die Situla 3 aus Novo mesto (Tumulus II, Grab 6) aus derselben W erkstatt bzw. von demselben M eister wie die Situla aus Valična vas (Narodni muzej, Ljubljana, Inv. Nr. 11790), beide weisen verblüffende Ä hnlichkeiten auf. Derselben W erkstatt können w ir mit großer W ahrscheinlichkeit auch die Situla aus Magdalenska gora (Cambridge, Mass. Mecklenburg Collection) und die S itula aus Vače (Ashmolean Museum, Oxford) zuweisen. Bei dieser Gelegenheit möchten w ir die engste Verwandschaft zwischen dem M aterial aus der Nekropole in Novo mesto-Kandija und den gleich­ zeitigen späthallstattzeitlichen Funden aus Valična vas3 3 betonen, denn das Fundgut aus beiden Fundstellen ist typologisch und chronologisch einheitlich und paßt in den Horizont der Negauer Helme im Rahmen d er H allstattzeit in Slowenien (nach Gabrovec).3 4 Diese engste Verwandschaft bekunden außer den figuralen Situlen m it schreitenden Hirschen auch der N egauer Helm und Certosafibeln in verschiedenen späten Varianten. Neben diesen Ähnlichkeiten im Grabinventar, kennen w ir sowohl in Novo mesto als auch in Valična vas noch einen identischen historischen rituellen Brauch: auf beiden Fundplätzen folgen den späthallstatzeitlichen G rabhügeln m it K örperbestattungen in un­ m ittelbarer Nähe die Flachbrandgräberfelder aus der M ittellatenezeit. Es besteht kein Zweifel, daß die Situlen aus Novo mesto in die Schluß­ phase der H allstattzeit in Slowenien, in den Horizont der N egauer Helme und der Periode der Latene-Einflüsse (nach Gabrovec), nach der mitteleuropäischen Chronologie aber in die Phase Latene A — Latene B eingereiht werden müssen.3 5 Für diese Zeitstellung spricht schon die technische Herstellungs­ weise und die neue Gedankenwelt der reduzierten Figurenfriese auf den Situ­ len, der Negauer Helm der entwickelten alpinen Variante, und entsprechende späte Formen der Certosafibeln. Eine feinere chronologische Gliederung ist zur Zeit unseres Berichtes noch nicht möglich, weil das ganze Grabinventar 3 3 Vgl. B. T eržan, Arh. vestnik 24 3 4 S. Gabrovec, G erm ania 44 (1966) 37. (1973) 660 ss. 3 3 S. Gabrovec, a. a. O., 25. m it den Situlen noch nicht restauriert ist, obwohl klar ist, daß die Funde in den Rahmen des 4. Jahrhunderts vor u. Z. zu setzen sind. Vom typologi- schen Standpunkt aus, ist die Situla Nr. 2 m it dem Prozessionszug aus dem Fürstengrab (Tumulus IV, Grab 3) älter als die Situla Nr. 1 aus demselben Grab. Es muß noch betont werden, daß das G rabinventar in dieser späten H allstatt-Phase in Novo mesto nicht einheitlich, sondern ziemlich heterogen ist, denn w ir finden im Inventar sowohl Form elem ente aus dem Ostalpen- als auch aus dem Este-K reis. Diese Verschiedenartigkeit kann vor allem bei eini­ gen keram ischen Form en beobachtet werden. Die geographische Lage des Südostalpenraum es m it vorwiegend hügeli­ gem Gelände, seine (klimatischen, geologischen und nicht zuletzt die geo- morphologischen V erhältnisse w aren maßgebende Umstände bei der Gestal­ tung der hallstattzeitlichen Zivilisation und K ultur auf den subalpinen Höhen im heutigen Land Slowenien. H ier haben sich auf den G rundlagen der reichen U rnenfeldertradition eine hochentwickelte Technologie der M etallverarbeitung und zugleich ein K unsthandw erk entwickelt, das in den W erken der Situlen­ kunst gipfelt. Die H allstattkultur Sloweniens ist in ihren Grundzügen aus­ gesprochen alpin gebunden. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, daß die Bewohner U nterkrains zur Hallstattzeit, nennen w ir sie Illyrer,3 6 vom 8. Jahrhundert vor u. Z. an diesen Raum intensiv kolonisierten und ihm den Charakter einer K ulturland­ schaft verliehen haben. Die äußeren, weit sichtbaren M erkmale dieser eisen- zeitlichen Zivilisation sind die strategisch wohldurchdacht angelegten Ring­ w älle (Burgwälle) als Siedlungstyp der Illyrer und die Grabm onum entalität ihrer Träger, repräsentiert durch die Sippen- bzw. Fam iliengrabhügel mit K örperbestattungen. Die Illyrer haben auch einige W irtschaftszweige geför­ dert (z. B.: Bergbau, Rinder-, Schaf- und Pferdezucht), die jahrhundertelang nicht wesentlich v erändert wurden. Die Situlenkunst ist ein integraler Bestandteil der europäischen prähisto­ rischen K ultur und ein w ichtiger Beitrag der eisenzeitlichen Einwohner un­ seres Raumes zur Zivilisation des kontinentalen Teiles Europas an der Schwel­ le der protohistorischen Zeit, am Rande antiker Hochkulturen. Die Situlenkunst m it ihren figürlichen Schilderungen ist ein spezifischer Ausdruck des südost- alpinen Raumes, m it welchem seine Schöpfer die autochthone Lebensweise ihrer Aristokratie, die Träger aber ihren Reichtum und ihre K auf- und W irt­ schaftskraft sichtbar dem onstriert haben. Die D arstellungen auf den Situlen sind außerdem, daß sie in den Bereich des Kunstschaffens eingereiht w erden müssen, auch wertvolle kulturgeschicht­ liche Quellen fü r die Auffassung und Deutung der H allstattzeit und ihrer Nobilität. Die Bildszenen auf den Situlen ersetzen uns gewissermaßen die schriftlichen Quellen der H allstattzeit. Sie führen uns die »höfische« Lebensart der illyrischen Nobiles im Kreise Gleichgesinnter und Gleichgestellter vor, deshalb dürfen w ir die Situlenkunst m it einigem Recht als »Hofkunst« der H allstattzeit im Südostalpenxaum bezeichnen. 3 6 Ü ber die ethnische D eutung der la delim itation territoriale et chronolo- Bevölkerung zur H allstattzeit in Slow e- gique des Illyriens ä l’epoque prehistori- nien vgl. S. Gabrovec, Sym posium sur que, (Sarajevo 1964) 230 ff. Figuralne situle iz Novega m esta P ri raziskovanju halštatskega gom ilnega grobišča v Novem m estu v letih 1967—1970 je bilo odkritih pet figuralno okrašenih situl. S tem številom je sedaj Novo mesto skupaj z M agdalensko goro najfoogatejše najdišče figuralnih vedric v celotnem vzhodnoalpskem prostoru. Vse novom eške situle so bile n ajd en e v izrazito bogatih grobovih. N a podlagi najdiščnih okoliščin v Novem m estu in z drugih najdišč je znano, da situlski servis tvorita vedrica in ročajasta skodelica, s k atero so zaje­ m ali pijačo iz situle. T ak situlski servis je p o trjen tudi z upodobitvijo podajanja pi­ jače v prizorih gostij n a več situlah (Vače, M agdalenska gora, K uffern, Welzelach, Providence, Sanzeno). Domnevamo, da so v situ lah ob določenih p raz n ik ih ali obre­ dih servirali pijačo, ki je bila n ajb rž p rip rav ljan a na alkoholni bazi. Figuralne situle so praktično uporabni um etnoobrtni izdelki, p ri katerih je čutiti željo po um etniški izpovedi, po svojem nam enu p a so reprezentativne pivske posode. Z aenkrat so restav riran e šele 3 situle, m edtem ko ostali dve še n ista restavri­ rani. Dve situli sta bili najdeni v bogatem knežjem grobu (gomila IV, grob 3): Situla 1 (sl. 1 a, b in T. 1—3) je gladkokonične oblike, plašč je izdelan iz dveh kosov bronaste pločevine in d v ak ra t spojen s sedmimi zakovicami. M ed zakovicami je motiv A ndrejevega križa. V spodnjem delu plašča je bila situla n a enem m estu že v prazgodovinskem času poškodovana in predrta te r nato zak rp an a z dvema zakovicama. Situla je okrašena s trem i ornam entalnim i pasovi: srednji, 5 cm visoki figuralni pas obrobljata zgoraj in spodaj po 2,5 cm visoka pasova z m otivom »rib­ jega m ehurja«. Na srednjem , figuralnem frizu, je upodobljenih osem v levo stran stopajočih rogatih živali, 'ki so še najbolj podobne gazelam. V saka od njih drži v dvignjenem gobcu stilizirano vejico z bunčico n a koncu. Vse živali so upodobljene shematično, k ar se najbolj kaže v oblikovanju glav, parkljev in v nesorazm ernih, razpotegnjenih tru p ih . K onture teles so izdelane s pomočjo fine g rav u re in tudi rogovi posam eznih živali so izredno drobno prečno gravirani. Višina situle z ročajem je 31 cm, brez ročaja 21 cm; prem er dna je 12 cm in prem er situle na ram enu je 19 cm. — N a dnu situle je bila najdena črna keram ična skodelica - — ■ zajem alka s presegajočim ročajem (T. 4). Posoda je izdelana iz fine gline in po vsej površini zglajena do sijaja. N a največjem obodu je okrašena s pasom tro jn ih plitvih kane- lu r v cikcak črti. V išina posode z ročajem je 9,7 cm, širina posode je 11,5 cm. Situla 2 (sl. 2 a, b in T. 5—10) je konkavno-konične oblike s k ratk im in ostro koničnim ram enom . Plašč situle je izdelan iz enega kosa pločevine in zakovičen z devetim i zakovicami. Med vsem i zakovicam i je izdelan motiv A ndrejevega križa. Situla je okrašena s trem i pasovi: na sred i je figuralni friz s prizorom sprevoda, ki ga zgoraj in spodaj obroblja pas močno stiliziranega cvetnega m otiva. Na sred­ njem, do 5,5 cm visokem figuralnem frizu je upodobljen svečani sprevod v desno stran stopajočih oboroženih konjenikov, pešcev in konj. Oba pasova stiliziranih cvetov sta visoka po 2,5 cm. Opis figuralnega friza: na čelu sprevoda so trije ko­ njeniki, oboroženi z rahlo ovalnim i ščiti v desnici, na glavah nosijo nizke, baret­ kam podobne čepice. Figure konjenikov so izdelane zelo shem atično in brez naka­ zanih rok. Trem jezdecem sledi neosedlan konj. Temu sledita dva pešca, zadnji od njiju vodi konja n a povodcu. Sledi spet neosedlan konj in zopet dva pešca, od k a ­ terih zadnji vodi n a povodcu konja, otovorjenega s štirim i vrečam i ali mehovi. Prizor lahko tolm ačim o kot prihod nekega odposlanstva, ki prinaša darila: jezdne konje in najbrž vino v mehovih, ki jih nosi tovorni konj na zaključku sprevoda. Figure vseh štirih pešcev so enako oblečene: n a glavi nosijo enaka široka nizka pokrivala kot jezdeci, ogrnjeni so v dolga, pod kolena segajoča, plaščem podobna oblačila. O buti so v spredaj navzgor zakrivljena obuvala, ki močno spom injajo na opanke. Vsi konji so enako stilizirano upodobljeni in vsi im ajo z drobnim i gravu­ rami nakazano jezdno oprem o na glavah in vratovih. Rep je pri vseh spleten v kito in zavezan v stiliziran vozel (sl. 4). Višina situle z ročajem je 30 cm, brez ročaja pa 21 cm, prem er dna je 13,5 cm, prem er na ram en u pa 22 cm. — N a dnu situle je bila najdena črna keram ična zajem alka z visokim ročajem, ki je okrašen z dvem a rogatim a živalskim a glavicam a (T. 11). Posoda je zelo kvalitetno izdelana in po vsej površini zglajena do sijaja in grafitirana. Na največjem obodu je zajem alka okrašena krog in krog z bradavičastim i izboklinam i, vmes pa s četvernim i drob­ nimi kaneluram i. V išina posode z ročajem je 11,5 cm, širina pa 13 cm. Situla 3 — gomila II, grob 6 (sl. 3 a, b in T. 12—14). Situla je gladkokonične oblike s k ratk im ram enom . Plašč situle je izdelan iz enega kosa pločevine in spo­ jen z devetim i zakovicami, m ed katerim i je upodobljen m otiv A ndrejevega križa. Situla je okrašena z enim figuralnim frizom v sredini, ki ga zgoraj in spodaj ob­ roblja ornam entalni pas z m otivom »ribjega m ehurja«. Na srednjem , 6,5 cm visokem figuralnem frizu je upodobljenih deset, v desno stran stopajočih ro g atih živali — »gazel«. Živali stopajo z dvignjeno glavo, m edtem ko je položaj nog p ri posamez­ nih živalih različen. Vse živali im ajo dolge, valovito ukrivljene rogove, ki so okra­ šeni s finim i iztolčenim i pikicam i. Peterim živalim visijo iz gobca ta n k e rastlinske vejice s stiliziranim , podolgovatim listom na koncu. Pod trebuhi nek aterih živali so upodobljeni vegetabilni m otivi kot polnila. Z gornji in spodnji pas ribjega m ehurja je širok vsakokrat 4,5 cm. V išina situle z ročajem je 38 cm, brez ročaja 25 cm, pre­ mer dna je 13 cm, n a ram enu pa 25,2 cm. Z aenkrat šele tr i restav riran e situle od p etih so prinesle v oblikovni zaklad situlske um etnosti tu d i tr i novosti: doslej neznano okrasno borduro v obliki močno stiliziranega cveta, podobo tovornega konja in opanke kot obliko obuvala. Pred seboj imamo prim erke situlske um etnosti iztekajočega se halštatskega časa, ko je ta način um etniškega izražanja že v zam iranju. Živalske in še bolj človeške figure na situlah v tem času so močno stilizirane, izpuščeni so vsi detajli, skrbno pa je izdelan in poudarjen okrasni element. M edtem ko so človeške figure naglašeno poenostavljene in toge, pa so upodobitve konj in rogatih živali dosti bolj dinamične in v podrobnostih skrbneje izdelane. V tem obdobju ikonografski poudarek ni več ne zgodbi, tem več n a form i in okrasu. Zgodba je reducirana n a en sam figuralni friz, ki dobiva vse bolj okrasno funkcijo. S itulski stil v svojem poznem obdobju ni več pripoveden, am pak vse bolj dekorativen. Značilnosti poznih situl so naštete na tabeli na stran i 319. P ri tipološkem opredeljevanju poznohalštatskih situl ne smemo prezreti deleža oziroma vpliva, ki ga je imelo keltsko likovno izročilo na situlske oblike in motive pri nas. K eltski vpliv n a situlah morem o videti v m otivu »ribjega m ehurja«, v konkavno-konični obliki vedric te r v vse večji stilizaciji človeških in živalskih figur. V m lajši fazi situlske um etnosti je poudarek n a dekorativni stilizaciji. V novo­ meških situlah je opazna očitna degeneracija situlskega stila v p rim erjav i s starejšim i klasičnimi deli (Vače, M agdalenska gora). Z vdorom Keltov pa je sploh bilo pre­ trgano ustvarjanje situlskih spomenikov. Na podlagi oblikovne in stilne analize, kronološke enotnosti in presenetljivo vi­ sokega števila petih situ l na razm eram a m ajh n i nekropoli, m enim o, da so situle, izkopane n a grobišču v Kandiji, bile izdelane v isti delavnici, ki bi jo morda lahko locirali v Novo mesto. Značilnosti te poznohalštatske torevtične delavnice so: 1. sklenjeni pas stopajočih rogatih živali (»gazel« in jelenov) kot osrednji figuralni friz; 2. dekorativna bordura »ribjega m ehurja«; 3. iz živalskih gobcev viseče ra st­ linske vejice; 4. vegetabilna polnila pod treb u h i živali. Izdelek iste delavnice je zanesljivo tu d i situla iz Valične vasi (N arodni muzej, Ljubljana, inv. št. 11790), n aj­ brž pa tudi situla z M agdalenske gore (Cam bridge, M ecklenburg Collection) in situla iz Vač (Oxford, A shm olean Museum). To so značilnosti teh poznih situl, ki bi jih m orda lahko im enovali »novomeški tip«. Novom eške situle sodijo tipološko in kro­ nološko v zaključno fazo halštatskega obdobja v Sloveniji (Ha D 3), ki jo je Ga­ brovec označil kot horizont negovske čelade in obdobje keltskih vplivov, po sred­ njeevropski kronologiji pa v fazo L aten A — B. S tipološkega stališča pa je situla 2 s prizorom sprevoda iz knežjega groba (gom ila IV, grob 3) starejša od situle 1 iz istega groba.