Varja Cvetko Ljubljana CDU 808-3 ZUR FRAGE DER DEUTUNG DER ARCHA.ISMEN UND INNOV.ATIONEN A.NHAND EINIGER .ARISCH-BA.IJ110SLA.WISCHER BEISPIELE Auf die Problematik besonderer dialektologischer Beziehungen zwischen den arischen und baltoslawischen Sprachen wird ge- wissermassen schon seit Bopp in der indo5ermanistischen sprach- wissenschaftlichen Literatur aufmerksam gemacht. Zahlreiche Beispiele, die in diesem Zusammenhang von einzelnen Forschern angefUhrt werden, sind sowohl den indoarischen als auch den baltischen und insbesondere den slawischen Sprachen entnommen, einige bleiben dennoch auf einzelne Einheiten innerhalb der beiden Sprachgruppen beschrtmkt. Da die Forscher, die sich mit diesen Fragen beschllftigen, von teilweise verschiedenen Stand- punkten ausgehen, bzw. sie in der Praxis nicht immer zweife1s- frei realisiren, scheint es, dass das Material, das hierftir zur Verftlgung steht, einer grUndlichen kritischen Analyse bedarf, was letztlich zu einer starken Reduktion des angenommeneri Iso- glossenmaterials ftlliren muss. Bei dem erwIDm.ten Stand der Forschung und der Voraussetzungen, auf denen sie meistens basieren, und der SchlUsse, die daraus gezogen werden, scheint es angebracht, an dieser Stelle eine Bemerkung anzuftthren, die w. Dressler1 folgendermassen formuliert: "Wenn bedeutende Wis- senschaftler aus demselben Material diametral entgegengesetzte Ergebnisse gewinnen, die Ansichten ihrer Mitforscher zum Teil heftigst kritisieren oder gar in Skepsis verfallen, so wird eine Frage vordringlich: die Methodenfrage". 1 "Methodische Vorfragen bei der Bestimmung.der 'Urheime.t'", Sprache XI (1965), s. 26. 275 Bei einer eingehenden Analyse zeigen sich d8Illl auch solche Probleme, die vorwiegend auf eine teilweise unausgearbeitete ~zw. unge15ste Konzeptbestimmung der indogermanischen Areal- linguistik zurtlckzufUhren sind. In diesem Rahmen sollte folg- lich auf eine m5glichst pr~zise Darstellung und Erl~uterung der folgenden Fragen nicht verzichuet werden: l. Das Problem der mehr oder weniger genauen Rekonstruktion der idg. Grundsprache. Angesichts der oft sehr begrenzten M5glichkeiten, die uns bei der Rekonstruktion des indoger- manischen grammatischen und lexikalischen Fonds zur VerfUgung stehen, als auch der chronologischen Auseinanderhaltung ein- zelner Phltnomene, besteht die Gefahr, dass wir dabei chrono- logisch differenzierte Stufen der Grundsprache auf einen an- geblichen Hauptnenner zurtlckzuprojizieren versuchen, und dem- zufolge nicht eine einheitliche bzw. bis zu einem bestimmten Grade dialektisch differenzierte "Ursprache" rekonstruieren, wie es von einigen Forschern angenommen wird. 2. Von dem Typus der Grundsprache, von dem wir ausgehen, hMngt in bedeutendem Masse die Deutung der Archaismen und Innovationen ab, welches ein wichtiges Kriterium bei jeder dialektologischen Untersuchung vorstellt. Doch diese Frage ist ausserordentlich schwer zu beantworten, was auch erkl!irt, warum hier gr5ssere Abweichungen bei der Wertung der einzelnen PhMnomene vorkommen. Im folgenden sei sie mit einigen konkreten Beispielen belegt und beleuchtet. 3. Im Hinblick auf das Vorgenannte sollte man die angenommenen grammatikalischen Isogloss.en UberprUfen und sodann .typologisch vergleichbare'Prozesse aussohliessen, die m~glicherweise.oder wahrscheinlich im Verlauf einer parallelen unabhMngigen Ent- wicklung zustandegekommen sein ktlnnten. 4. Weiter sei auf das Problem der Aufstellung von lexikalischen Isoglossen hingewiesen. Bei einer nicht genUgend pr~zisier- ten morphologischen und die Wortbildung betreffenden Ausgangs- betrachtung kann es sehr leicht zu einer sog. conclusio ex. 276 absentia kom.men, die bei dialektologischen Untersuchungen der hier besprochenen Art ausgeschlossen oder wenigstens auf ein Minimum reduziert sein sollte. 5. Eingehender, als das in der Praxis normalerweise der Fall ist, sollte festgestellt werden, wieviele Isoglossen nach- gewiesen werden mUssten, um mit relativer Sicherheit auf ein Zusammenleben zwei oder mehrerer Sprachen schliessen zu konnen. Dabei sollte man jedenfalls die historischen Prozesse im Zusammenhang mit der geographischen Lage der einzelnen Sprachen in einer bestimmten Zeitspanne beachten~ 6. Es ist schliesslich in diesem Rahmen noch auf das Problem der Auseinanderhaltung des entlehnten und des urverwandten Materiala aufmerksam zu machen. Die Kriterien fUr eine solche Analyse bzw. Abgrenzung sind nicht immer ausgearbeitet oder aber die untersuchten Phful.omene sind so beschaffen, dass man keine von beiden Moglichkeiten ausschliessen kann. Die Ent- lehnung _mUsste - ausser im Falle der sog. Kulturwortern - auf historisch nachweisbarer geographischer Nachbarschaft beruhen. Eine grllildliche Analyse des Sprachmaterials, das zu Gun.sten engerer Verbindungen zwischen den indoiranischen und balto- slawischen Sprachen sprechen sollte, konnte in bezug auf die oben genannten und noch einige weitere Kriterien positive Resultate erbringen. Wenn sich dabei deutlichere Kriterien ausarbeiten liessen, wUrde diese Analyse die Moglichkeit des Zufalls verringern und das h~ufig angefUhrte irrelevante Ma- terial reduzieren, das sich manchmal deshalb auftUrmt, weil geradezu fanatisch nach Wortern gesucht wird, die in beiden Sprachfamilien einander entsprechen konnten. Im folgenden sei die genannte Problematik mit ein paar etymologischen "quasi Exklusi1risoglossen" veranschaulicht. J. Rozwadowski, Stosunki leksykalne mi~dzy j~zykami sxo- watiskiemi a iratiskiemi, RO I, 1914/15, s. 105, zitiert die Entsprechung des slawischen kajati kaj~ "vermahnen, tadeln", 277 kajati se "Reue emp.finden",.kazn6 "Anordnung, Stra.fe 11 mit - C - awestischen kšy.- "vergelten, bttssen"' kt!.8'a- n. 11Vergeltung 11 • Den slawischen und iranischen Bildungen ist tats~chlich der ~ Vokalismus gemeinsam und auch die Bedeutung, die aber andererseits, obwohl es sich um Bildungen mit einer anderen ~ 2 Ablautstu.fe ha:ridelt, auch sonst vorkommto Wenn man den ge- nennten gemeinsamen Zug im Vokalismus ttberhaupt als eine i.ranisch-slawische Isoglosse interpretieren kann, denn h8ch- stens in dem Sinne, dass sie wahrscheinlich au.f die Zeit der Bildung der indogermanischen Dialekte zurttckzu.ftthren sei. · Dass es sich um eine gemeisame Innovation und nicht nur um die Beibehaltung eines Archaismus (bzw. ev. Weitere~twicklung einer ursprachlich gegebenen MtSglichkeit) handelt, ist nicht zu beweisen. Ahnlich wie in anderen Beispielen dieser Art bleibt die Frage o.f.fen, welcher Status der Grundsprache zu- zuschreiben sei, wie man sie anhand des Materials, das haupt-w slchlich in Pokorny's W8rterbuch gesammelt ist, zu rekonstruie- ren versucht. Es bleibt schwierig zu beantworten, wie man die eventuell chronologisch di.f.ferenzi.erten Schichten derUrsprache, die sich bei solchen Rekonstruktionen wahrscheinlich zeigen, . bestimmen k6nnte. In einzelnen F~len mttsste man wahrschein- lich eine solche alternative Interpretation der herk8mmlichen, die nur von der supponierten Verteilung der indogermanischen Dialekte ausgeht, hinzu.fttgen. Ferner .ftthrt z. B. Arntz in "Sprachliche Beziehungen zwischen Arisc:ti und Baltoslawisch11 , 1933, S.40, No. 86, die Vergleichung von ai. ~' tiiQ.i- "K8cher" und aksl. ~ an. Bailey,·BSoAS 23, s. 33 und FS Morgenstierne s. 8.ff., geht bei seiner etymo- logischen Deutung von der Verbindung mit dem iranischen 2 So u.a. z.B. :l.m Griechischen, vgl. Pokorny s. 636.f.: -k~ei-(t)- "worau.f achten usw.": gr. tisis "Zahlung, Busse, Stra.te, Ra.c~e", poini "Stthne, Stra.fe", t!.ml "Schlttzung, EhTe, Busse, Stra.fe" usw. 278 Verbalsta.mm tav- "to cover" aus.3 Die an.genommene etymologische Verbindung setzt allerdings die GUltigkeit der Fortunatov's Regel fUr das Altindische voraus, was an. sich nicht ohne Schwierigkeiten bleibt. Pokorny, IEW s. 1102, geht von der Rekonstruktion *tuo(u)-: * ~t *tii-1- "R8hre" aus. Der von Bailey vorgeschlagenen Interpretation folgend k8nnte es sich dennoch um eine Erweiterung der Wurzel handeln, die Pokorny s. 1079 als „ ~ mit einer verhll tnism!lssig unbeholfenen Be- deutungsrekonstruktion "in freundlichem Sinne die Aufmerksam- keit zuwenden, aufmerken" ansetzt. Wie einige.Belege (so z.B. m.kimr. ~ "be.decken", ~ "HUlle, Kleid", bret. dial. ~ "Kissenbezug") zeigen, k8nnte man die iran. Wurzel !!!- "to cover" hinzufUgen. Es stellt sich die Frage, welche Be- deutung die ursprUngliche war und in welcher Richtung die Bedeutungsentwicklung verlaufen sollte. Man w!re eher geneigt, die umgekehrte Entwicklung, ntlmlich "to cover" > "schtttzen, beobachten" anzunehmen. Es ist allerdings auff!llig 1 d.ass sich die konkreten Bedeutungen wie 11Kissenbezug 1 Httl.le, Kleid" aus der an.geblich ursprUnglichen abstrakten Bedeutung, wie sie von Pokorny an.genommen wird. 1 entwickelt h!ltte. Der vorgeschlagenen Etymologie folgend k6nnte man dann fUr die sl. und zit. ai. Bildung von einer 1- Erweiterung, wahrscheinlich *toH-l(o)- ausgehen. Solcher Wurzelvokalismus entspricht jedenfalls besser der slawischen Bildung als die Variante, die von Pokorny s. 1102 vorgeschlagen wird. Auch die ai. Dehnstuf e wtlre innerhalb der Fortunatov's Regel erkltlrbar.4 In dem erw!hnten.Kontext ist die ai. Bildung n!.vanitam n. "fri- sche Butter" (TS, Br. usw.) etymologisch interessant9 die von 3 4 \ Vgl. FS Morgenstierne s. 10: "A quiver is the cove~ing of ttie arrows orthe bow with arrows. Thus Khot. tturaka- 11cover11 of the bow has been compared with Old Slav. tulo- "quiver" „ - and Old Ind •. t§l.i- "quiver". Vgl. auch Mayrhofer III 725. Vgl. dazu Thumb-Hauschild, Hdbch. des San.skrit I/l, So 24:;. 279 Mayrhofer, AIEW II 143, trefflich als n!va- + -nita- mit fol-- -gendem Kom.mentar gedeutet wird: "••• das zu einer milchwirt- schaftlichen Wz. ni- (etwa "pressen, schlagen, buttern") ge- h8rt, vgl. ai. noch ~ n. "Strick, durch den der Butter- st8ssel in Bewegung gesetzt wird" (Mahabh. u.a.), sowie im Iran. osset. digor iria;fun "to thresh" usw., nominal khotansak. niyaka- "Fett, Butter u.a. 11 ( ••• ), dazu lett. svi@stu nit 11Butter_machen", pa-nijas, pa-ninas "Buttermilch" u.a.m. ( ••• )". Den zitierten Verbalstamm *ni- k8nnte man vermutlich weiter mit der Wurzel *nei(a)-, *ni- "lebhaft bewegt sein, erregt sein, glMnzen" (Pokorny s. 760) verkntlpfen, wobei die konkrete, tran- sitive Bedeutung im Sinne der von Mayrhofer vorgeschlagenen Rekonstruktion (etwa "schlagen, heftig bewegen, werfen") die ursprUnglichere wH.re. Derselben Wortsippe k8nnte man, wie es scheint, auch eine ursprUnglich mit einem Formant bzw„ Determi- nativ erweiterte Wurzel *~ anschliessen, die von Pokorny s. 761 als eine selbstMndige Wurzel in der Bedeutung "Getreide schwingen" verzeichnet wird. Ahnlich wie das litauische niek6ti "(Getreide) schwingen, worfeln", niek6čia nittkot~ "Futter- schwinge, Getreidewanne, Worfel ( ••• ), Mulde", lett. niek~t, -u~t "GrU.tze, Mehl in einer Mulde zur Reinigung von HUlsen schwingen" (Fraenkel, LEW s. 502) k8nnte auch slowenisches ~' načve "Backtrog", russ.-ksl. n'bštvy. "Backtrog" usw. hierhergeh8ren, was andernfalls von Vasmer, REW II 229 (mit Lit.), Uber.die Urform ~n6ktjy, n6ktj'bve mit einer angeblich ursprUnglichen Bedeutung "Waschtrog" von der Wurzel ~ neig~­ "waschen" hergeleitet wird. Nach der oben vorgeschlagenen etymologischen Deutung wH.re es somit angebracht, von einer Wurzel *nei('21)- mit der ursprUn- glichen Bedeutung "heftig bewegen, werfen, schlagen" auszu- gehen, wobei die Wurzel ni- mit entsprechenden Ableitungen im Altindischen und Baltischen existiert, die teilweise den Prozess der Butter-Zubereitung und teilweise das Produkt selbst bezeichnen. Ein fillnliches Bedeutungsverh11J.tnis zeigt auch z.B. lit. sviestas "Butter", lett. svi~sts, svlests: lit. sviesti 280 "werfen, schleudern, schlagen" (Fraenkel s. 933) oder das Syntagma lett. svi~stu nit, slowen. mesti maslo, smetana u.a. Andererseits konnte sich die erweiterte Wurzel r~- bilden, die die spezialisierte Bedeutung "Getreide schwingen" bzw. in Nominalbildungen "GerM.t zum Schwingen von Getreide" annahm (vgl. z.B. d. Worfel, worfeln zum werfen). Ausserdem k5nnte sich schliesslich daraus die Benennung fUr eine bestimmte Art eines GefM.sses, das in der Bauernwirtschaft gebraucht wird, abstrahiert gehabt haben. In diesem Sinne wt!ren die schon erwIDmten Bedeutungen wie "Backtrog, Waschtrog" (vgl. z.B. d. Mulde und lato mulctra "Melkfass") zu erklt!ren. Ein !lhnlicher Zusamni.enhang ist auch beim slowenischen n~čke m8glich.5 Die dargestellten Beispiele illustrieren den problematischen Charakter der Aufstellung bzw. in noch h8herem Masse der Wer- tung der sog. Exclusivisoglossen. In manchen F~llen wird n~lich durch eine weitere, ed..11gehendere Analyse ersichtlich, dass es sich um mehr oder weniger alte Relikte einer Wurzel handeln muss, die wegen ihrer weiterer Verbreitung schon auf die Ursprache zurtlckzuftlhren ist. In solchen FM.llen weisen meist auch die WortbildungseigentUmlichkeiten keine besonderen Merkmale auf, die die Annahm.e einer gemeinsamen Innovation rechtfertigen k8nnten. Auch in den Fltllen, wo eine solche Analyse - sei es wegen des m8glicherweise mangelhaft belegten Materials oder sei es wegen der etymologisch undu.rchsichtigen Bildungen bzw. mehrdeutigen Formen - nicht durchfUhrbar ist, muss man mit der M5glichkeit einer entsprechenden Sachlage 5 Vgl. Slovenski pravopis, Ljubljana 1962, s. 477: nekaj nečruc krompirja. Zur Bildung von slowen. n~čke usw. (offenbar wie slowen. p~čka usw.) vgl. Vaillang, Gra.mm. comp. ~V s. 352f. und zum russischen n6čva ibid. s. 710: "Un type abondaiilment repr€lsent€l de: mots ! finale -~ r€lsulte du remaniement du type ath€lmatique f€lminin en *-!I, -uv- ( ••• )". 281 rechnen. Die Pr!lzisierung der vor allem slawisch-iranischen rsoglossen und deren Anwendung im Sinne einer ausftthrlicheren Bestimmung iranisch-slawischer (oder ev. arisch-slawischer) Sprachbeziehungen wird dennoch durch einige weitere Faktoren erschwert. Es scheint angebracht, in diesem Zusammenhang auf folgende Punkte aufmerksam zu machen: Die M8glichkeiten, die Uberwiegend iranisch-slawischen Ent- sprechungen in bestimmte semantische Felder einzuord.nen, sind gering. Eine Ausnabme bildet anscheinend nur der Komplex mehr oder weniger wahrscheinlicher Isoglossen aus der religi8sen Terminologie, die gesammelt in der einschl!lgigen Literatur angeftthrt werden. Sehr schwierig ist weiter die chronologische Einreihung der postulierten iranischen Entlehnungen im Hinblick darauf, wie sie ins Slawische Ubernommen sein k8nnten. Toporov-Trubačev6 schlagen das folgende Schema vor: (1) Die llteste Schicht der Iranismen stellen die Entlehnungen aus dem Sk;ythischen vor. (2) Zum Osten hin erh8hte sich die Anzahl der Iranismen. Wegen bestimmter phonet~scher Merkmale k8nnte man (ihrer Interpretation nach) auf das Sarmatische schliessen. (;) Die jUngste Schicht stellten sodann die Entlehnungen aus dem (Alt)Ossetischen dar. Die gebotene Verteilung ist zwar ttbersichtlich und scheinbar klar 9 dennoch ist sie in der Praxis schwer zu realisieren. So ist sie nicht einmal von Trubačev7 selbst systematisch auf seine Beispiele appliziert worden. Die Schwierigkeiten, die dabei zum Vorschein kommen, wM.ren im wesentlichen folgende: (a) Nach der Meinung der meisten Forsch&r seien die S)cythen die.Vorfahren der Osseten, und somit transponieren sie die Vergleichungen, welche auf der 6 7 "Lingvističeskij analiz gidronimov verxnego Pod.neprov6ja", Moskva 1962, s. 229. "Iz slavjano-iranskix leksičeskix otnošenij", Etimologija 1965/67, s. 3-81. 282 iranischen Seite nur die ossetische Vertretung aufweisen, automatisch in den Ml.teren, d.h. in den altiranischen Zustand - ungeachtet des grossen zeitlichen Unterschieds in der tfber- lieferung des ossetischen und der sprachlichen Relikte des Skythischen.8 Auf diese Weise werden praktisch die UnteD- scheidungsm8glicbkeiten zwischen dem Punkt (1) und (3) ver- wischt. Ausserdem zeigen einige verh!ltnism!ssig exakt durch- geftthrte und gut argumentierte Untersuchungen, dass die sprachlichen Relikte aus SUdrussland aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf eine einheitliche Herkunft zurUckzufUhren sind, wie das Ublicherweise angenommen wird.9 (b) Wegen der splr-.. lichen Uberlieferung eines Teils der iranischen Dialekte sind die tatsltchlichen iranischen Ausgangsformen oft schwer zu bestimmen. Aus diesen GrUnden basieren die verfUgbaren Ver- gleichungen gr8sstenteils auf mehr oder weniger wahrschein- lichen Rekonstruktionen. (c) In den meisten FMllen fehlen konkrete (u.a. die Phonetik und die Wortbildung betreffende) Indizien, die eine prazisere Abgrenzung.der von Trubačev an- genommenen Stufen erm8glichten. Dennoch ist in einigen Bei- spielen (selbstverstthldlich in einem sehr begrentzen Umfang) 8 9 So z.B. ,-4.baev, OJaF S. 41: "Skifskij jazyk, s odnoj storony, i sovremennyj osetinskij s drugoj, - otražajut dve stupeni razvitija etoj skifo-sarmatsko.j vetvi, otdelennyje drug ot druga promežutkom okolo 2000 let". Vgl. dazu z.B. J. Harmatta, Studies in the language of the Iranian Tribes in South Russia, AOH I (1950), s. 261-314, an mehreren Stellen, so u.a. s. 263: 11 ••• though it is possible that etbnically the Ossetes are descendants of an. Iranian tribe in South Russia, it is hardly likely tbat a strikingly large number of Iranian tribes from South Russia, appearing in different names in the course bf history, could be regarded as Old Ossetian, i.e. as an earlier stage of the Ossetian language". 283 d.iese M6glicbkeit gegeben (so z.B. das Verhtutnis -r~- : -~r-,, d.ie Sonorisierung von -~ usw.). Problematisch ist weiter auch das Verhllltnis zwischen den vermutlich alten Entlehnungen aus , dem Iranischen ins Slawische und den etwaigen rsoglossen an- derer Art, besonders in den F1lllen, wo auf der slawischen Seite d.ie Belegbarkeit verh~ltnism~ssig begrenzt ist (hierher wttrden d.ie meisten Beispiele geh8ren, die von Trubačev (1965/ 67) als ein Bund sog. slawisch-iranischer Isoglossen angenommen werden, verglichen z.B. mit der allgemein anerkannten iranischen Entlehnung toporb, d.ie ttber das ganze slawische Teritorium ver- breitet ist). In bezug auf die erwIDm.ten Schwierigkeiten und angesichts der Tatsache, dass die vorgeschlagenen Etymologien aus dem postulierten Komplex der sog. iranisch-(balto)slawischen Isoglossen doch in grossem Ausmass strittig sind bzw. ihre Gttltigkeit nicht eindeutig bewiesen werden kann, scheint zu- n!chst der f olgende Schluss berechtigt: So lange auf Grund des Forschungstandes der iranischen Philo- logie eine m6glichst prllzise und detaillierte Bestimmung wie auch Abgrenzung der iranischen Dialekte hinsichtlih der ein- zelnen Phasen ihrer Sprachentwicklung nicht durchzuftthren ist, k6nnen auch die Versuche einer eingehenden Bestimmung und Datierung der iranisch-slawischen sprachlichen Einflttsse (einer Materialsammlung also, d.ie schon an sich in mancher Hinsicht unsicher ist) nur in den Grenzen einer Hypothe.se bewertet werden. Dabei bleibt auch die Frage nach der Deutung der Archaismen und eventueller gemeinsamer Innovationen weiterhin offen. 284 Povzetek K VPRAŠANJU POJMOVANJA ARHAIZMOV IN INOVACIJ V LUČI NEKAJ INDOIRANSKO-BA.IJrOSLOVANSKIH PRIMEROV Teoretične možnosti določitve oz. razmejitve arhaizmov in ino- vacij so ponazorjene s tremi etimološkimi povezavami, ki zaje- majo zabeležbe na indoiranski in baltoslovanski strani. V obravnavanih primerih analiza kaže na to, da jih je verjetno treba tretirati kot že arhaične, torej prajezične tvorbe, ali pa vsaj nastale na osnovi jasnih podedovanih zakonov oz. tendenc. Čeprav bi omejena zabeležba načelno omogočala dom- nevo, da gre za kasneje nastale tvorbe oz. za skupno inova- cijo, pa le-ta ni dokazljiva. 285