Homiletische Früh - Lehren auf alle Sonntage des ganzen Jahrs «ach dem buchstäblichen Sinne der sonntäglichen Evangelien zur Belehrung des gemeinen Volkes eingerichtet »LN Paul Rotscheer, praktischen Seelsorger des Lavantincr Kirchsprengels. Erste Jahreshälfte. CM 1796, bey Fra 11 j Joseph Jenko- 'D 3. '^5^ Liebe, Lheure, AmLsbrüder! ^)?enschen diesseits und jenseits glücklich zu machen, dieß ist unser grösser Beruf, unsere erhabene Bestimmung. Welche Pflicht kann uns daher heiliger, welche Bemühung angenehmer seyn, als die uns anvevtrauten Schäflein von dem Irrwege des Lasters abzuschrecken, selbe auf die Bahn der Tugend zu leiten, dem Ziele der Vollkommenheit näher zu führen, und für die selige Ewigkeit horzubereiten? Diesem großen, erhabenenBerufentsprechen wir hauptsächlich damals, wenn wir als Volkslehrer in unseren geheiligten Tempeln auftretten, ^ z und Änd den um uns her versammelten Schaaren einen reinen, auf Christus und Vernunftlehre gegründeten Unterricht ertheilen. Allein wer aus uns wird es in der Seelsorge nicht erfahren haben , und einsehen / daß auch der eifrigste Seelsorger sehr oft durch Umstände, die er nicht immer voraus sehen kann, ich will sagen durch häufige Krankenbesuche, durch entfernte Versch-gänge, die ihm oft die ganze Woche rauben, und manchmal auch durch nothwendige Sorgen für seine zeitlichen Zuflüsse, und warum denn nicht auch durch eine seinen Leibes-und Seelenkräften so nothwendigeErholung gehindert wird, sich zu dem sonntäglichen Unterrichte gehörig borbereiten, und einen kraftvollen Unterrrcht geben zu können ? Erwünscht mag also doch manchem Seelsorger ein Buch ftyn, dessen Verfasser ihm vorgearbeitet, und seine sicher schwere Bürde in etwas erleichtert hat. Zn Zu diesem Ende liefere ich gegenwärtige homiletische Frühlchrerr, welche ich in dev Zeit meiner praktischen Seelsorge dem lieben Landvolke, und zwar zu meinem größten Tröste, nicht ohne Nutzen, vvrgetragen habe. Diesmal erscheinet die erste Jahreshälfte, welcher nächstens dre änderte Nachfolgen soll. — Ob ich gleich weit davon entfernt bin, diese homiletischen Frühlehren ändern geschickten Seelsorgern, denen ich in unserm Amtsfache weit zurückstehe, als Muster vorzulegen , oder ihrer besonder« Aufmerksamkeit würdig zu schätzen , so hoffe ich aber dennoch, daß sie denen, die sie in der rechten Absicht zu Händen nehmen werden, nicht unwillkommen seyn dürften, weil ich überzeugt bin, daß ich nützliche, den Bedürfnissen und der Fassungskraft des gemeinen Landvolkes entsprechende Wahrheiten gewählt und vvrgetragen habe. Mögen Mögen daher diese Reden sich unter der Menge schon erschienener Kanzelwerke verkehren, mögen sie auch von einigen, die aufKunst der Beredsamkeit, oder auf neue und auffallende Sachen sehen, nicht gebraucht werden, genug , wenn sich nur hie und da einer derselben bedienet, und sie andurch nur etwas zur Verbreitung unserer heiligsten Religion beytragen, so ist meine vornehmste Absicht der Bekanntmachung derselben schon erreicht, und belohnt. Uebrigens will ich in der Stille das Urtheil billiger Amtsbrüder erwarten, und dieses wird entscheiden, ob die ersten Speisen die ich auftrage, auch die lehten seyn sollen. Der Verfasser. Am ersten Sonntage im Advente. Evangelium Luk. rr. D. 25 —zz. v5/leichwic ein zärtlicher Vater , der »och am Rande seines LebenS mit dem künftigen Wohl seiner Kinder beschäftiget ist, selben alles Nützliche und Nothwen-dige beyzubringen trachtet, eben so sehen wir heute, meine Christen, unsern Erlöser mit seinen Jüngern, ja selbst mit seinen ungcrathenen Feinden, denJudcn. handeln. Noch die letzten drey Tage seines Lebens weicht er ganz ihrem Beßren, er unterrichtet sie sogar von Dingen, die erst nach seinem Tode die Welt erfahren sollte; denn am Mittwoche vor seinem Leiden setzte sich der liebvolle Hepland, nachdem er den ganzen Tag hindurch in Jerusalem zugebracht und am Abend dasselbe verließ, am Oclberge mit seinen Jüngern nieder, an einem Platze, wo man die ganze Stadt übersehen konnte. ' Frnhl- K. Tomitag. A teilte Seine Jünger, welche schon bey einer ändern Gele-gcnheit aus seinem Mnndr die Weissagung von der gänzlichen Zerstörung dieser schönen und prächtigen Stadt hörten, nahmen hier Gelcgenheitihren göttlichen Meister zu fragen, wann dann das fürchterliche Ende der ganzen Welt erfolgen würde? Welche Zeichen dem letzten Lage dieser Welt als Dorborhen vorausgehen, und wie seine zwcylc Ankunft in diese Welt beschaffen seyn werde? Nunsieng der göttliche Lehrmeister an ihre Wißbegicrde zu befriedige», und sie über die aufgeworfenen Fragen zu belehren, indem er sagte: Ueber den Tag und die Stunde,, euch zu belehren, in welcher dieses prächtige Gebäude der Welt seinen Untergang nehmen wird, ist mir vom meinem himmlischen Vater untersagt. Gleichwie aber die Zerstörung dieser schönen und prächtigen Stadt Jerusalem nicht ohne vvrgegan-gene Zeichen und Vorbothe» geschehe» wird, eben so werden auch Zeichen und Veränderungen, welche am Firmamente und auf Erden geschehen werden, daS herannahende Ende der Welt verkündigen; alle Himmelskörper werden ans ihren Kreisen gehoben werden, die Sonne wird ihren Glanz, der Mond seinen Schein oerliehren, die Sterne werden aus ihrer Laufbahn gehoben, vom Himmel fallen, und das ganze Firmament wird eine wichtige und erschreckliche Veränderung an» deuten; aufErden werden sich die großen aufgethürm-tcn Wasserwegen, das fürchterliche Brausen der Flüsse, des Meeres und andere schreckenvvlle Naturbegebenheiten alS Vorbothen des letzten Tages der Welt aufstellen, so, daß die Menschen, welche alle diese schrecklichen Naturveränderungen und Ereignisse mit ansehen, vor Schrecken und Bangigkeit nicht wissen werden. werden, wo sie sich hinflüchten sollten. Aber alsdann-nachdem alle diese Zeichen werden geschehen, und das Ende der Welt schon wirklich wird vor sich gegangen sepn, wird mein» Ankunft erfolgen. Ich werde als höchster Richter der Welt erscheinen, die Todten, welche ehevor ihre Gräber werden verlassen haben, und alle damals lebende Mensche» werden sich hin zu meinem Gerichte stellen »m Lohn oder Strafe nach ihrem Verdienste zu erhalten. Wahrlich, wahrlich sage ich euch, meine Jünger, bekräftigt endlich der liebvolle Hcyland seine Weissagung, dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dieses Alles geschehen wird. Er wollte sagen: gleichwie die Zerstörung Jerusalems viele Leute mit ihrer eigenen Erfahrung bestättigen werden, eben . so wird auch das ganze menschliche Geschlecht nicht eher vergehen, als daS Ende der Welt sich ereignen wird. Dicß, meine Christen, ist der Wortverstand des heutigen Evangeliums. Laßt uns nun sehen, was wir aus dieser schrecklichen Weissagung, welche aus dem Munde unsers Erlösers sclbsten geflossen ist, zu lernen haben. Christen! werden auch wir Zeugen aller dieser Vorfälle seyu? Ja, meine lieben Freunde, und nicht nur allein wir, sondern Millionen und Millionen dev Menschen, die unzählige Jahre vor uns gelebt, und von denen jetzt weder ein Angedenken , noch ein Gebein mehr übrig ist, alle diese werden mit unS anS der Erde, welche ihre Asche schon so lange bewahrte, herfürgcheu. Dieß, meine Christen, ist jener wichtige Glaubenssatz uud dasGchcimniß, welchesderWelt-apostrl Paulus in uiisern Herzen mit unauslöschliche» . Buchstaben einzuprägen suchte, wenn er sagt : DiS' A -r p-sanne Posaune wird schallen, und die Todten werde» unverweslich aus ihre» Gräber» hervorgehen. Das heißt: die Seelen werden sich mit den Leibern, welche sie schon vor Jahrhunderten verlassen, wieder vereinigen, sic werden zum zweyten Leben auferstchen, die Erde betreten — das Lctztcmal betreten ! Tröstliches Geheimniß für euch, ihr Fromme! aber schaudert vor dem Geheimnisse ihr Gottlose! Denn in der That — wie trostreich, wie erfreuend wird nicht Alles bey dieser Ankunft des Erlösers, und bey seinen! Gerichte für cnch Fromme seyn? O wie wird es euch wohl thun, wenn ihr demjenigen, welchem ihr stetö treu angehangcn, treu gcdienet, mit emporgehobeuem Haupte als eurem künftigen Bcloh-ner werdet entgehen sehen können! L> wie wird eS euch erfreuen, wenn ihr dann von dem gerechtesten Richter eine ewige Belohnung erhalten werdet! Welch ein Trost und Erquickung wird cs euch seyn, daß nun im Angesichte der ganzen Welt nicht nur eure äusseren guten Werke, sondern auch eure Innern heiligen Gedanken und Begierden, die bisher vor der Welt verborgen waren, dargestellt, eure guten Mcynunge», mit welchen ihr eure Handlungen veredeltet und znr Verherrlichung deS göttlichen Richters verrichtet habt, entdecket und mit ewigem Lohne gekrönet werben. Aber so trostreich diese zweyte Ankunft Christi für den Frommen auch immer seyn möge, so erschrecklich wird sic für den Gottlosen seyn. Dich mein Sünder, betreffen eigentlich die Worte des Erlösers, wenn er sagt: daß die Menschen gleichsam vor Aurcht und Angst verschmachten werden, wenn sie alle diese Zeichen Zeichen im Himmel und auf Erden sehen werden. Wie bange wird es dir nicht im Herzen scyn, wenn du die Sonne verfinstert, den Mond schwarz, und die Sterne vom Himmel fallen sehen wirst! Wird nicht das Krcuzzeichen, welches sich am Firmamentc zeigen wird, dich erinnern, daß der Tod, welchen der Erlöser an selbem litt, für dich fruchtlos war? Wie wird dich die Person des Richters erschrecken, dessen Befehle du in deinem ganzen Leben verachtet, dessen Gnade du ansgcschlagcn, und vernachlässigt hast? Und dann, wenn der gerechte Richter das »n-wicderruflich entscheidende, für die ganze Ewigkeit entscheidende Urthcil über dich sprechen wird: gehe hin, du vermaledcytcr in das ewige Feuer! Wo wirst dir dann, o Sünder! einen Trost , eine Erquickung finden, wo Gnade suchen? Bey ihm vielleicht, dessen Gebothe du Zeit deines Lebens verachtet hast? zu wem deine Zuflucht nehmen? zu den auserwählten Freunden Gottes vielleicht, deren heiliges Beyspicl du i» dieser Welt ausgelacht hast? Alle diese Wünsche werden für dich vergebliche Wünscht; Scham, Furcht, Schrecken, und Verzweiflung werden dich alsdann ergreifen, auf ewig ergreifen und martern. Darum bitte ich euch, meine Christen! denket doch öfters in diesem Leben an das, was euch in dem Künftigen bevorstehet. Erhebet eure Häupter recht oft in die Höhe, woher ihr einst euren Richter werdet kommen sehen, sey der Mensch gerecht, oder sep er Sünder, dieß ist für ihn immer heilsam. Denn sind wir gerecht, so müssen wir uns allemal gefaßt halten die schweren Prüfungen der Gerechten auSzustehen. A Z Wie Wie erträglich aber und wie leicht werde» sie unS Vorkommen, wenn wir uns an jene Zeit erinnern, die unseren Leib allen Schmerzen entziehet, und uns ans dem Grabe zur Glückseligkeit rufet. Sind wir aber Sünder, welche starke Bewegursache uns aus diesem Stande zu erheben, wird uns der Gedankt geben: Ich sterbe, allein ich werde wieder leben ; und was für ein Leben kan» ich mir alsdenn versprechen, wenn sch in der Sünde sterbe, wie werde ich alsdenn vor dem unerbittlichen Richter bestehen, wenn ich mir denselben nicht jetzt durch die Befolgung seines Mil» lens zu gewinne» suche. Ich muß mich also immer so zu leben befleißen (wirst du endlich mein Sünder schließen) daß ich ohne Furcht von hier abtretcn könne; denn dann wird mir weder die Auferstehung, weder die Ankunft des Richters, noch viel weniger das -cvorstehende Urtheil einen Schrecken verursachen. Amen. Am zweyten Sonntage im Advente. Evangelium Matth, n. D. r —ro. §8ie glücklich wäre» wir doch, meine Christen! wen» unsere Erzieher für unser zeitliches und ewiges Wohl eben so sorgten, als der heilige Johannes für das Wohl seiner Jünger gesorget hat. Er für seinen Theil hatte gewiß keine Ursache seine Jünger in der Absicht zu dem Heylande zu schicken , daß sic rhu befragen splllen, ob er der ihren Vätern versprochene chene Mcssias seye, ober nicht. Denn wie konnte er an der göttlichen Sendung des Erlösers zweifeln? Er, der ihn getauft, und bey der Taufe die Stimme de§ himmlischen VaterS hörte: dieß ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe; er, der den göttlichen Geist in sichtbarer Gestalt aufTbri» stnm herabsteigen sah, er, der die Juden vor seiner Gesangcnnehmnng von Herodes oft versicherte, daß mitten unter ihnen derjenige sich schon wirklich befinde, den sie erwarteten. Johannes also war für sich von der göttlichen Würde Jesu ganz überzeugt. Aber nicht so sehr seine Jünger, welche er eben in der Absicht zu ihm sandte, damit sie sich durch die bey dem Erlöser cingcholte eigene Erfahrung selbst überzeugen sollten, wie wahrhaft alle die Lehren sind , die er ihnen vom Messias beybrachte; er wollte, daß sie auS seinem göttlichen Munde selbst diese Wahrheiten vernehmen sollten. Und worinnen bestund wohl die Antwort, welche der Erlöser den zween Abgesandten Johannis zurück gab? Antwortete er ihnen vielleicht geradezu mit Ja oder Nein? Weder eins noch das andere, sondern er wollte von ihnen aus seinen Werken erkennet werden , denn so lautete die Antwort. mit welcher er die zween Lehrlinge Johannis zurücksandte: gehet hin, sprach er, und saget eurem Meister was ihr gehöret, und gesehen habt, daß durch meine Macht die Blinden sehen, die Lahmen gehen, und die Aussätzigen gereimget werden; saget ihm, Laß aufmein wort Todte zum Leben aufwachen, und denUnwj senden LaMvangrlium geprcdiget werde. A L 'Als Als nun die Jünger Johannis mit dieser Nachricht von Jesu abgcgangen waren, hielt der Erlöser in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung des Volkes seinem Vorläufer eine Lobrede. Diese Lobrede aber wollte er aus Absicht nicht eher beginnen, als seine Jünger schon abgegangen waren, um nämlich das Volk zu überzeugen, daß ihn »ichtSchmeichcley, sondern Wahrheitsliebe zu diesem Lobe verleitet habe. Ihr seyd ja öfters, so sprach der Heyland zu dem Volke, in die Gegenden, wo Johannes predigte, gegangen, sagt daher, was habt ihr an seiner Person bemerket? vielleicht einen unbeständigen Mcnscken, welcher gleich einem Rohre von dem Winde hin und her getrieben wird? ein solcher unbeständiger Mensch ist Johannes nicht, denn er heuchelt und schmeichelt Niemand, er scheuet weder die fürstliche Person des Herodes, noch fürchtet er die Rachsucht seines ehebrecherischen Weibes; er bleibt seinem Amte und seinem Gott auch in Ketten und Banden getreu. Oder habt ihr vielleicht an ihm einen in weiche Kleider eingehüllte» Menschen gesucht? O! da habt ihr euch an ihm sehr betrogen; denn er ist ein Muster der Mäßigkeit, ein Beyspicl der Abtödtung und Selbstoerläugnung. Oder suchtet ihr in der Wüste an ihm einen Propheten? dieß ist er zwar, aber noch mehr als ein Prophet, denn alle die übrigen Propheten sahen den Messias nur im Geiste, er aber sah ihn mit leiblichen Augen, und zeigte ihn den Juden mit seinem Finger. Dieß, meineChristen, istdaS schöneungeheuchelte Lob, welches Christus seinem Diener Johannes bey-kegte. Nun lasset uns sehen, welche nützliche Lehrstücke stücke wir aus dem heutigen Evangelium für uns ziehen können. Also nur aus seinen Werken will der Hcyland von den Abgesandten Johannis erkennet werden; warum denn nur aus seinen Werken ? Warum beruft er sich nicht auf die Erfüllung der Weissagungen der Propheten? Warum nicht ans das Zeugnis Johannes selbst? Darum, meine Christen, weil die Werke fast die einzigen untrüglichen Merkmale sind, ans welchen man auf die Würde einer Person schlies-scn kann. Christen! Wenn aber er nur auS den/Werken erkennet werden will, wird mau seine Gkau-bensgenossenen aus was ändern erkennen? Wenn er sich da, wo die Frage ist: ob er Christus scuc? nur auf seine Werke bernft, auf was werden wir uns berufen dürfen, wenn wir erweisen sollten, dass wir Christen, das heißt, seine Anhänger sind? Und wenn wir unser Christeuthum aus den Werken nicht erweisen können, welche Kühnheit ist es, den thkurcn Namen, den er uns am Krcuhe gab, zu führen. Oder haben wir vielleicht Werke aufzuwciscn, die uns zu diesem theuren Namen berechtigen? Schwerlich meine Christen werden wir damit anfkommen können; denn wo ist die wechselseitige Liebe, durch die sich Christen von Nichtchristen unterscheiden ? Wo ist die Sanfk-muth, von der er uns sich selbst zum Muster gab? Wo ist die Abtödtung, die uns in seinen Lehren so sehr eingcscharfet wird. O wie sehr fürchte ich, meine Christen, dass wir aufhörcn müssen Christen zu heißen, wenn wir unser Christeuthum aus unseren Werken erweisen sollten; denn, seht nur einmal, was das fürchterlichste ist, ftht nur, daß ihr Menschen scyd, denen A F weder s IO ) — § weder Christus, weder sein Gesetz, weder seine Lehre bekannt ist, ja ich gebe euch noch mehr zu, setzt, daß ihr einen ausdrücklichen Befehl und ein Geboth hattet, allem jenem zuwider zu handeln, was das Tvangcli« lim befiehlt; sagt, könnte auch dann das Leben einiger aus uns noch unchristlicher seyn, als es wirklich ist? Könnte ihre Schwelgerey, Eigennutz, Kallfinnigkeit, Habsucht. Stolz, Feindseligkeit wohl noch höher steigen? Könnten sie noch unmässiger, hartherziger, ausschweifender leben, als sie wirklich leben? Be» sinnet euch, meine Christen, über diese Frage, und gebt darüber Gott die Antwort, dem ihr sie schuldig seyd. Ferners hörtet ihr das schöne nngehenchclte Lob, welches Christus dem Johannes gab, nachdem seine Jünger ihn schon verlassen hatten, und zn ihrem Meister zurnckgekehret sind. Seht Christen, so nimmt sich der liebvolle Heyland um die Ehre seines Dieners auch in der Abwesenheit seiner Freunde an, so verwendet sich Christus, die Tugenden, die Johannes sich durch seinen strengen Lebenswandel erworben hatte, ans Tageslicht zu setzen. Welch ein schönes nachahmuiigs-würdigcs Beyspicl haben wir nicht in diesem Betragen des Erlösers, sich immer um die Ehre und guten Namen unseres Nebenmenschen anzunehmcn, besonders wenn selber in Gefahr stehet geschmälert zu werden. Aber zur Schande unseres Christenthums müssen wir es gestehen, daß cs bey uns fast zur allgemeinen Gewohnheit geworden seye der Ehre unseres Nebenmenschen überall nachzustellen, und hat man vsu ihm keine wahre Verbrechen zu sage», so bemühen wir uns falschezu erdichten, und suchen die scheinbaren baren kleinen Fehler in der häßlichsten Gestalt darzu« stellen; ja so weit sind wir mit diesem Fehler schon gekommen, daß es unS gleichgültig ist, auf welche Art es immer geschieht, wenn wir nur unseren Endzweck erreichen, seine Ehre verdunkelt, und seinen guten Namen geschmälert zu haben. Christen, ich bitte euch, sagt doch, welchen Vortheil habt ihr dann davon, wenn ihr cs durch eure verläumdcrische Zunge dahin bringet, daß euer Ncbcn-mcnsch weniger geachtet wird? Scyd ihr vielleicht deßhalb besser geworden? Ist vielleicht darum euer Ruhm gewachsen, weil jener des ändern geschmälert worden ist? O die Erfahrung lehret dasGegcntheil, und zeigt, daß so gesinnte Menschen ebendarum von allen verhasset, verfolget, und verabscheuet werde». Tragt nicht jedermann ein Bedenken, sich mit dcrley Menschen in eine Gesellschaft oder Bündniß cinznlassen? Wenn ihr aber aus euren den Ruhm eures Ncbcn-menschen vcrkleinerendcn Reden keinen Nutzen, sondern vielmehr Nachthcile ziehet, warum habt ihr euch so was zur Gewohnheit gemacht? Wie rühmlicher wäre es für euch , wenn Einer gegen den Ändern so gut gesinnt wäre, daß einer des ändern Rnhm und Ehre nur zu befördern trachte. Darum bitte ich euch, nehmet doch das Bepspicl des Erlösers in dem heutigen Evangelium an, und lernet hieraus von eurem Nächsten allzeit Gutes zu reden; wisset ihr aber nichts Gutes von ihm zu sagen, dann verhehlet auch seine Fehler. Amen. Am Am dritten Sonntage im Advente. Evangelium Johann r. B. 19 — 29. waren zu Zeile» Johannis, die von den Propheten im alten Bunde bis zur Ankunft des Messias festgesetzten und bestimmten Jahre verflossen , als diesen Umstand die Juden merkten, folglich auch ganz zuversichtlich glaubten, daß der Messias schon zur Welt müsse gcbohren sepn. Was sie in dieser Mcy-nnng noch mehr bestärkte, war, daß sich in ihrer Gegend Johannes aufhiclt, aus dessen wunderbarer Geburt, den Wundern, die sich mit seinem Baker bcy seiner Bcschneidniig zukrugcn und strengsten Lebensart sie schließen zu können glaubten , daß vielleicht er der ihnen versprochene und schon so lange erwartete Messias feyn möge. Was war ihuen in dieser verlegenen Sache zu lhun? wie konnte» sie zur Kennkniß des wahren Charakters Johannis gelangen, als durch eine freywilli-gc und freymüthige Bckcnntniß Johannis selbst, welches auch wirklich der jüdische Rath, dessen erste Pflicht es war, sich um die Ankunft des Messias zu erkundigen, und ihre Untergebene zur Kenntniß desselben zu bringen, that. Denn nach dem Zeugnisse des heutigen Evangeliums wurden von dem jüdischen Rathc Priester und Leviten in der Absicht zu Johannis abgesandt, daß sie ihn über die wahre Beschaffenheit seines Charakters befragen sollten. Schon Schon traten die Gesandten bep Johannes auf und legten ihm die Frage des hohen Raths zu Jerusalem vor, ob er nicht der im Gesetze durch die Propheten versprochene Messias scy ? als ihnen Johannes schon auf die erste Frage antwortete, wie sehr fte sich an seiner Person irrten , wenn sie ihn für den Messias hielten; indem er frey und gerade heraus bekennte, daß er der Gesalbte des Herrn nicht sey. Wenn du also der Messias nicht bist, fragten ihn weiter die abgesandtcn Pharisäer, so wirst du doch Elias seyn, dessen zweyte Ankunft in die Welt, die Ankunft des Messias anküudigcn wird? Dder bist du vielleicht einer von den berühmten Propheten nn-fers Alterthums? fage an, wer bist du? Bekenne es, wa-s hältst du von dir selbst ? damit wir denen. die uns zu dir abgeschikt haben, eine bestimmte Antwort zu geben im Stande sind. Allein auch auf diese Fragen erhielten sie anfangs nur die unbestimmte Antwort, daß er weder Elias, noch ein anderer Prophet seye; endlich aber gestehet er ihnen auf ihr dringendes Ansuchen die wahre Beschaffenheit seiner Person, das heißt, erbekennte, welches Be-rufsgeschäst ihm von Gott anverkraucl scy: )eh bin die Stimme des Rufenden in der wüste, sagte er, bereitet die Wege des Herrn. Ich bin jener Borhe des Messias, von welchem Jesaias gesagt hat, daß er seine Stimme in der Wüste erheben, und euch zurufen werde, daß ihr dem Herrn die Wege zubereiten sollet. Auch pflegte Johannes die durch seine Büßpredigten bekehrten Leute in dem Wasser Jordans zu taufen; weil er aber zu dieser gottesdienstlichen Handlung King von dein hoheu Rathe zu Jerusalem keine Erlaub--niß hatte, so erhielten die Abgesandten von Jerusalem nebst dem Austrag, ihn über die Würde seiner Person zu befragen, auch diesen Befehl, daß sie ihm, wenn er nicht Christus, Elias, oder einer aus den Propheten scye, die widerrechtlicheVornehmung dieser Taufhandlung verweisen solle»; denn so lauteten ihre Worte: Warum taufst du denn, wenn du weder Christus, noch Elias, noch ein Prophet bist? Ach taufe mit Wasser, erwiedcrte ihnenJo-hanncs, denn ich bin der Vorläufer des Erlösers, der sich schon mitten unter euch befindet , dessen Diener zu seyn, und Schuhriemen auszulösen ich nicht würdig bin. Er wollte dadurch sagen, daß Messias selbst seine Taufe gutheisse, weil diese eine Vorbereitung auf ihn wäre, da die Leute dabey ihre Sünden bereuetcn, und ein besseres Leben versprachen. Das Betragen der Gesandten des jüdischen Ra-thes sowohl, als auch das Betragen Johannis, gibt uns, meine Christen, so manche nützliche Lehrstücke an die Hand. Ihr hörtet, daß die abgcschickte» Phari-.säcr wegen den unbestimmten Antworten, welche Johannes auf ihre Fragen gab, in etwas ungeduldig und aufgebracht wurden, weil sie gerne eine bestimmte Antwort ihren Herren nach Jerusalem gebracht hätten. Aber vergeben wir ihnen dieß ; denn von ihren Vorgesetzten abgeschickt sich um den Stand und Beruf Johannis zu erkundige» , wollten sic ihren Auftrag genau befolgen; zu diesem Ende blieben sie so lange hartnäckig auf ihren Fragen, bis sie die völlige Auskunft hatten. Wer bist du? sagten sie, bekenn« es, damit wir dein Bckenntniß denen, die »ns zu dir schickten, schickteu, hinterbringen. Nicht unser eigenes Wohlgefallen, oder eine eitle Wißbcgierde trieb uns daher dieses alles von dir zu erfragen, sondern unsere Vorgesetzten , denen wir Gehorsam schuldig sind, diese legten uns alle diese Fragen auf die Zunge, diese verlangen zu wissen, was dein Amt, dein Beruf und dein Thun seye. Ihr christlichen Knechte, Mägde, und überhaupt alle, die ihr von dem Schöpfer in den niedrigen Stand der Dicnstbokhen gesetzt, und zum Gehorsam berufen seyd, könnteich euchhicrnicht diesonstnichtallzurübm-lichen Pharisäer als ein Muster deS Gehorsams darstellen? Könnte ich euch nicht sage», daß auch eure erste und dringendste Pflicht seye, denen, welchen ihr bey eurer AufuahmeTreue und Gehorsam versprechet, willig und genau zu gehorsamen, und ihre Befehle aufs pünktlichste zu befolgen; oder saget euch vielleicht euer Gewissen, daß ihr euch in diesem Stücke nichts vorzuwerfen habt? O befraget doch einmal euer Gewissen darüber, und ihr werbet den lautesten Vorwurf von selbem hören, daß ihr größtentheilö nur Augendiener seyd, daß ihr alles, was euch eure Vorgesetzte befehlen, mit Widerwillen und Murren tbut. Höret doch einmal, wie euch der Apostel PaulnS den Gehorsam gegen eure Herren ans Herz legt: Unechte, so lauten seine Worte, gehorsamer den leibli-chen Herrn mit Furcht und Zittern, sevd nicht Augendiener, wie Leute, die nur Menschen gefallen wollen, sondern wie Unechte Hesu Christi, thut den Millen Gottes von Herzen. 3n dem Betragen Johannis mit den Abgeordneten habet ihr, meine Christen, gesehen, wie gerne er von von seiner Person gering gesprochen, wie gerne er seine eigene Ohnmacht, Dürftigkeit und Niedrigkeit bekennet hat. Welch ein belehrendes Beyspiel für euch Landlcute ist nicht dieses Betragen Johannis! Denn obschon ihr in dieser Welt unter denjenigen welche durch erhabene Würden und Ehrcnstellcn, durch Schätze und Reichthümer großes Aufsehen machen, keinen Platz behauptet, obschon euch die Vorsicht des Allerhöchsten dahin bestimmet hat daß ihr euer tägliches Brod mit dem Schweiße eures Angesichtes verdienen müsset, so sollt ihr deßwegcn doch nicht ungehalten scyn, nicht wider die Vorsicht klagen, oder gar euch eurer Niedrigkeit schämen; o dazu habt ihr wahrhaftig keine Ursache! denn ihr lebet in einem obschon niedrigen, doch zur Erhaltung der menschlichen Gesellschaft höchst nolhwendigen Stande, so zwar, daß ihr auf selben stolz seyn könnet. Denn, woher kömmt wohl Alles, was selbst zur Erhaltung der grö-ßern Stände in der Welt nothwendig ist? Wer bauet bas Feld und verschaffet uns jährliche Aerndte? Wer pflanzet die Eßwaare», und versorget die nothwendigen Thierc? Wer richtet uns schmackhaft die Speisen zu? Wer bauet uns Wohunngen? Wer arbeitet für unsere Bedürfnisse in den Werkstätten? Dicß alles wird nur durch Hände geschlichtet, welche größtentheils eine geringe dürftige und niedere Herkunft aufzuweisen haben. Hat cs daherderWcifestc so verordnet, daß ihr entweder als Landleutc, oder als Taglöhner, oder als Dienstbo-then euer Brod verdienen müsset, so schämet euch eures Standes nicht. Zu eurem Tröste scyc cs hinlänglich gesagt, daß ihr immer in einem Stande lebet, der an sich selbst eben so nothwendig, als jener des Fürsten ist- ist. Uebrigens ftye der Gedanke euer Trost, -aß eure Glückseligkeit sich nicht in dem Umfange dieser Sterblichkeit einschließe, sondern daß ihr hier auf Erden Pilgrimmen gleichet, die mit Sehnsucht ihre Wege in ein besseres Vaterland forlsetzen, und daß ihr in diesem erwünschten Naterlande bey eurer Niedrigkeit leichter als andere einen unaufhörlichen Frieden, und eine unverwelkliche Siegcskrone erreichen könnet. Amen. Am vierten Sonntage im Advente. Evangelium Luk. Z. D. i — 6. d)^anchen unter euch , meine Christen! die von den Schriften der Propheten ganz geringe Kenntnisse haben, mag der Sinn des heutigen Evangeliums dunkel und unverständlich seyn; ihr werdet aber gewiß alles verstehen, wenn ihr auf die Auslegung desselben Acht habet. Sehet also: von der Zeit, als die Juden Aegypten verließen, waren sie ein frcyes, für sich selbst bestehendes Volk, sie zeichneten sich von den übrigen Völkern besonders darinn aus, daß sie ihre Führer, Ricktcr, Gesetzgeber, Könige nur aus ihrem eigenen Geschlechts wählten. Niemand konnte bey ihnen zu einer dieser Werden gelangen, der nicht aus einem jüdischen Geschlechts herstammte. Indessen wurde ihnen doch von Gott durch den Mund mehrerer Propheten vorgesagt, daß ihnen eine Zeit bevorstüude, in der sie ihre Freyheit verlieren, und einer fremdeu Herrschaft gehorsamen Friihl. a. Sonntag. B WÜr- würden, uiiddieserVerliistderFreyheitunddes Ober-gewaltessoll ihiien zu einem Zeichen dienen, daß die Zeit der Ankunft des Erlösers, oder wie ihn dieJu-dcn nannten, des Messias nahe seye. Und so geschah es auch denn wirklich; als Jesus Christus zur Welt gebohrcn wurde, hatten die Juden keinen König mehr aus ihrem Äeschlechtc, sondern der römische Kaiser übte die Obergewalt übcr ste aus, sie mußten von seinen untergeordneten Befehlshabern Gesetze anneh-men und ihre Verordnungen befolgen. Dieses nun vorausgeschikt, wird euch zur leichtern Vcrstandniß des heutigen Evangeliums sehr vieles Licht geben. Der heilige Evangelist Lukas sagt also, daß in dem fünfzehnten Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius , da Pontius Pilatus Landpflcgcr von Judäa war, das heißt: zu der Zeit als Johannes der Täufer, welcher von seiner Kindheit an. bis an das drcpßigsie Jahr seines Alters von allem menschlichen Umgang entfernt, in einer wilden Einöde unter der strengsten Abtödtung seines Leibes lebte, unmittelbar von Gott den Befehl erhalten hatte, seine Ein-öde zu verlassen, und dem jüdischen Volke die wirklich schon geschehene Ankunft des Meßias zn verkündigen. — Zu dieser Zeit also war Liberius schon wirklich fünfzehn Jahr römischer Kaiser gewesen. Landpfleger oder Statthalter des jüdischen Landes war Pontius Pilatus. In Galiiläa herrschte Herodes Antipast als Vierfürst. Dessen Bruder Philippus aber war Vierfürst über zwo jüdische Provinzen , Jtureen nämlich, und Trachonidis; nnd Lisa-riias regierte Abilina. Dieß waren die weltlichen römi- römischen Obrigkeiten, welche damals, als Johannes die Ankunft des Meßias zu predigen anfieng, das Judenland beherrschten. Ferner erzählet der Evangelist Lukas noch die geistlichen Obrigkeiten, oder hohe Priester, welche zu selber Zeit die oberste Herrschaft in Rcligionssa-chen ausübtcn, und sagt, daß eS Annas und Kai-phas waren. Unter diesen geistlichen und weltlichen Obrigkeiten sicng nun Johannes sein heiliges Berufsgeschäft an, und verkündigte den Inden: daß der Meßias, den schon ihre Väter durch so lange Jahre mit so großer Sehnsucht erwarteten, sich schon wirklich unter ihnen befinde. Bereitet, predigte ihnen der eifrige Vorläufer des Herrn, bereitet die Tvege eurem Meßias, inachet eben seine Fußsteige, denn seine Ankunft »ahet heran. Er wollte sagen: sie sollen ihm in ihren Herzen eine an?-genehme Wohnung zubereilcn, dieselbe von Sünden reinigen, und mit Tugenden anszieren, denn sie würden bald das Heil der Welt, das ist, den Meßias sehen. Dieß ist nun der kurze Wortverstand des heutigen Evangeliums; laßt uns nun sehen, welche lehrreiche Anmerkungen wir in selbem für unser Verhalten finden. Sehet meine Christen! unter allen Völkern, und Reichen war keines blühender als das Reich der Juden; wir haben zwar in der Geschichte viele Bepspiele von anderen Reichen, welche volkreicher, weitschichtiger, und mächtiger waren, aber an Glückseligkeit mußte jedes dem jüdischen Reiche uach-siehe». Schon der König Salomo brachte den Wohlstand dieses Reiches auf bas höchste; Friede, Ruhe, B 2 Einig. Einigkeit, Aeichlhum waren in vollem Maaße vor-banden. Wurden sie in Krieg mit anderen Völkern verwickelt, halten sie mit auswärtigen Feinden zu thnn, so waren sie immer der siegende Theil, und gewannen dadurch den Vortheil, daß sie am Ende ihren Feinden fürchterlich wurden. Aber wie lange dauerte diese Glückseligkeit? solange, als ihre Tugend, und Gottesfurcht; sobald diese abnahm, so fieng auch ihr Glück an zu wanken; sobald aber diese ganz verfiel, so lag auch ihre ganze Glückseligkeit darnieder; Krieg, Hunger, Krankheiten, Gefangenschaft waren immer die gewissesten Folgen der Laster, welche entweder sie selbst, oder ihre Fürsten begiengen. Sie brachten es durch ihr lasterhaftes Leben endlich dahin, daß dieses Volk, welches sich ehevor durch seine eigenen Gesetze regierte, seine Könige selbst wählte, sich selbst höher als alle übrige Völker achtete, — bald von einem fremden Volke Gesetze annehmen, und sich denen unterwerfen mußte, gegen welche es jederzeit einen unversöhnlichen Haß trug. Wenn aber Gott ganze Völker ihrer Laster wegen so straft, daß er sie im Elende erst ihre Fehler erkennen läßt, rneynct ihr nicht meine Christen! daß er er auch bey uns eben diese Züchtigung beobachte? L>! sehet doch in den Grund der Sache, und ihr werdet das Verderben ganzer Hauser in der Sünde finden! Denn sehet nur jene Leute an, wie sie aus den ansehnlichsten Glücksumständen in das erbärmlichste Elend zurückgesunken sind; sie waren geehrt, reich, mächtig, sie und ihre Kinder lebten im llebcrfluß; nun sind sie es nicht mehr, ihr Ansehen sehen ist gefallen, ihre Habschaften sind unter fremde Hände zerstreuet. Woher meine Christen aufeinmal diese große Veränderung? Ihr könnt mir freylich viele Ursachen davon angeben, ihr könnt sagen: schlechte Aufsicht/Hang zur unmäßigen, unerlaubten Lustbarkeit und Verschwendung sind die Ursachen davon; es mag wahr seyn: aber sind dieß nicht eben Sünden? oder wollt ihr vielleicht (wie es gemeiniglich zu geschehen pflegt) den Verfall dieses Hauses den blinden Un-glücksfällcn beymessen? so sage ich euch, daß eben diese Unglücksfalle der Werkzeug waren, dessen sich Gott bediente um die Sünden dieses Hauses zu strafen. Wie unnöthig ist demnach die Frage, welche sehr oft Leute eines Hauses unter einander führen , wenn sie einander fragen, warum sie bey allen ihren Unternehmungen doch nicht vor sich kommen? Wir thun, sagen sie, alles, was nur in unfern Kräften stehet, und dennoch gelingt »ns nichts, wir kommen nie weiter! O, untersucht doch einmal euren Lebenswandel nnd eure Aufführung, und ihr werdet euch den Zweifel ganz leicht auflösen: denn so viel wisset ihr ja doch, daß euch zu eurem zeitlichen Fortkommen der Beystand, und Segen Gottes nothwendig seye? nun sehet, ob ihr bey eurem Lebenswandel selben verdienet, sehet auf die Uneinigkeit und Zankereyen, die in eurem Hause Vorgehen, und die doch gewiß dem Gesetze Gottes zuwider sind. Der Mann flehet in einer beständigen Feindschaft mit dem Weibe, das Weib lästert über das Betragen des Manns, den Kindern wird alle auch Sitten verderbliche Frcyheit gestattet; sehet auf Bz die die Pflichten, die euch euer Stand, und euer Beruf auferlegt, wie oft werden sie ausser Acht gelassen? sehet auf Gott, wie viel Gewalt ihr euch an-thut, um feine Gebothe zu halten; sehet auf euren Nächste,i, wie wenig Liebe ihr gegen ihn traget, wenn rr eurer Liebesdienste bedarf; sehet auf dieses Alles meine Christen! und ibr werdet alsdann selbst den Schluß machen, daß ihr jederzeit mehr Strafe von Gott, als Segen verdientet; und wenn ihr Strafe verdienet, warum verwundert ihr euch, wenn sie über euch kömmt? Ol nehmt doch diesen meinen heutigen Unterricht zu Herze», er ist hinlänglich euch euer Elend erträglicher zu machen, und euch zugleich zu erinnern dicß zu stieben, wodurch ihr euch die Strafe von Gott, und das Elend in diesem Leben zuziehct. Amen. Am Sonntage in der Oktav der Geburt des Herrn, Evangelium Euk. 2. V. zz —40. Osvcy verebrungswnrdigste Zeugen der göttlichen Sendung Christi, Simeon und Hanna, treltcnin dem heutigen Evangelium auf, deren Zeugenschaft die Bewunderung der Eltern Cbristi Josephs und Maria nach sich zog; denn als Joseph und Maria ihren göttlichen Svhn nach der Vorschrift des mosaischen Gesetzes in dem Tempel dem himmlischen Vater dar- stellten, — l -z ) — stellten. kam zu eben der Zeit der fromme und got-tesfürchtige Greis Simeon, welcher mit größter Sehnsucht auf die Erlösung Israel wartete, und der von Gott die sichere Verheißung hatte, daß er nicht eher sterben wurde, als er mit seinen fleischlichen Augen den Messias scheu werde. — Aus Antriebe des göttlichen Geistes in dem Tempel erkannte er sogleich die Göttlichkeit dieses Kindes, schloß es in seine Arme, segnete es, und sprach: Nun Herr! lasse deinen grauen Diener in Frieden fahren, denn seine Augen haben das Heil der TVelt, den Messias, gesehen. Dann wandte er stch zu seiner jungfräulichen Mutter, und verkündigte ihr, waS für ein Schicksaal ihr Kind i» der Welt haben würde, und was für ein Schicksal sie als seine Mutter zu erwarten habe. Sieh! sprach Simeon zu der Mutter Maria: Dieser ist gesetzt zum Falle, und zurAuferstehung Vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem man widersprechen wird. Deine Seele aber wird beym Anblicke aller seiner beiden, und IVidersprcchungen das Schwert der Schmerzen durchdringen. Der alte, und fromme Greis Simeon wollte damit sagen: Sich jungfräuliche Mutter! dein göttlicher Sohn, den ich heute zu sehen, und in meine Arme zu schließen das Glück habe, ist zwar znm Beßten aller Menschen, um alle zu erbauen, und durch seine göttliche Lehre selig zu machen, auf die Welt gekommen; viele werden diese Gutlhat erkennen, seine Lehre anneh->»cn, und selbe befolgen; an diesn wird er seinen Endzweck erreichen, und ihnen zur Anferstehnug werden; aber ein großer Theil der Mensche» wird B 4 sich sich an seiner armen Geburt, an seinem geringen H-rkommen, an seinem schlechten Ansehen, und an seiner göttlichen Lehre aus Blindheit stoffen; diesen wird er gegen leine Absicht zum Falle dienen, diese werden seine Lehre nicht nur allein nicht annehmen, sondern sie werden ihn anch seiner Lehre wegen tödlen, auf daS schimpflichste tödten^)as heutige Evangelium, meine Christen ? liefert «ns abermals einen neuen, und höchst überzeugenden Beweis von der Göttlichkeit der Person Christi, Durch das Wunder, welches sich aufdcm galliläischen Meere zugetragcn hatte; denn Winde, Meerflutheu, leblose, und Unvernünftige Dinge gehorchten seinem Gebothe, das Meer hörte auf sein Wort auf zu toben, und wurde still. Nachdem der Erlöser den ganzen Tag hindurch in der Gegend der Stadt Kapharnanm vor einem zahlreichen Volke aus einem Schiffe gcprediget Halle , befahl er am Abend seinen Jüngern abzusahren, und das Schiff gegen das jenseitige Ufer der Gcrgeneser zu übersetzen. Bep dieser Uebcrfahrt trug es sich zu, daß ein grösses Ungcwitter auf dem Meere entstund ; denn kaum waren sre gegen die Mille des Sees gekommen, so eulstuuden so stürmende Winde, daß D 2 das das Schiff, worinn sich der Heyland mit scinenJün-gern befand, bald in den Abgrund gezogen, bald in die Höhe geworfen wurde. Wie warm es den Jüngern, welche als Fifcher die Kunst, Schiffe zu regieren, wohl verstünde», bey dieser augenscheinlichen Todesgefahr ums Herz mag geworden seyn, als sie sahen, daß menschliche Weisheit und Geschicklichkeit sie auS dieser Todesgefahr zn retten umsonst seye, mag nur jener beurthcilen, der schon ans einem gros-sen Wasser bey einem Sturme, gefahren ist; jeder Augenblick schien ihnen der letzte ihres Lebens zu seyn. Was war ihnen in dieser augenscheinlichen Lebensgefahr zu thun übrig, zu wem konnten sie ihre Zuflucht nehmen, an wen sich wenden, als an ihren göttlichenLehrmcister, von dessen Macht sie schon so viele Beweise hatten? Jesus, durch die den vorigen Tag anhaltende Arbeit ermüdet, schlief sanft am Ende des Schiffes, und da ihn der fürchterliche Sturm nicht weckte, so näherten sie sich ihm, weckten ihn vom Schlafe ans, und schrieen mit bebender Stimme: Meister! sich doch, in welcher grösser Gefahr wir uns befinden, stehe ans, und schaffe uns Hülse, sonst kommen wir alle »ins Lebe»! Der Erlöser durch das Geschrey seiner Jünger aufgeweckt, sah sich um, sah die nahe Lebensgefahr, nuddoch—das erste Wort, welches man ans seinem Munde hörete, war eine sanfte und licbvolleBestrafung seiner Jünger wegen ihrerKleinmüthigkeit, und geringem Vertrauen auf die Kräfte ihres Lehrmeisters. Wie send ihr doch so kleingläubig, sagte er zu ihnen, wie klein ist doch euer Vertrauen auf meine Kräfte! Wußtet Wußtet ihr dann nicht, daß ich ben euch im Schiffe bi»? Oder glaubt ihr, daß ich euer nicht achte, oder daß es mir au Macht und Gute, euch auch schlafend zu helfen, fehle? Er stund dann auf, und befahl dem Winde und dem stürmenden Meere, daß sie sich legen, und ruhen sollen. Und seht meine Christen ! die Winde und das Meer gehorchten seinem Befehle in dem Augenblicke, -die Wellen stürmten nicht mehr auf das Schiffleiu, und die Winde braußteu nicht mehr; auf einmal herrschte eine gänzliche Stille auf dem Meere, so, daß seine Jsstiger, und auch andere Leute, die mit fuhren, sich darüber entsetzten, und crstauncud ausricfen: Wer muß doch dieser Man» scyn, dem auch leblose Dinge, so mächtige und fürchterliche Elemente gehorsamen. So sprachen die Leute, als sie dicß augenscheinliche Wunder, so Jesus auf dem Meere wirkte, sahen; und wir Christen, die wir täglich noch grössere Wunder von der Güte unsers himmlischen Vaters erfahren, bleiben uubiegsam, mißtrauisch auf seine göttlichen Verhcissnngcn, und undankbar gegen die niannichfaltigen Gnaden, die uns täglich von seiner göttlichen Hand zufliesseu. Ist dieß nicht eine Beschämung für uns? Verdienen wir wegen unscrm geringen Vertrauen auf Gott nicht einen schärfern Verweist, als jener war, den der Heyland auf dem Meere seinen Jüngern gab: warum seyb ihr so furchtsam und mißtrauisch ihr Kleingläubige? Was aber, meine Christen! mag wohl die Ursache seyn, daß wir auch bep den tausendfältigen Gnaden, die wir täglich von Gott erhalten, doch ein so geringes Vertraue» gegen ihn ausscrn? Ich glau-D F be. Le, dieß rühre hauptsächlich daher, weil wir selten oder nie Gottes weise Regierung der Welt betrachten, und unS die Wohlthaten, die wir täglich aus Gottes Hand empfangen, nie lebhaft zu Gcmüthe führen; denn gewiß meine Christen! wenn wir Gottes weise Regierung derWclt bey uns etwas genauer betrachteten, so wurden wir bald einsehen, waS für gute Absichten Gott bey allen seinen Werken, Einrichtungen, und Führungen seiner Vorsehung habe, wie herrlich er sein Vorhaben, alle feine Geschöpfe glücklich zu machen , aussühre, wie selbst manche Uebel, die wir in der Welt antreffen, nur zu nnserm Wohl, zu unserm Beßten abzmccken. Job mußte, vom beßten Glücksstande in die äußerste Ar-mnth gesinrzet, dem Spott seines Weibes, und seiner Freunde ausgeseHt werden, um zweifach höher in Reichthum, Ehre, und Würde erhoben zu werden; Tobias mußte das Gesicht vcrliehren, um ys von seinem Sohne mit weit größerer Freude zu erhalten; Paulus mußte von einem himmlischen Lichte zur Erde gestürzet werden und erblinden, um zu ei-rrein Werkzeug Jesu Christi zu werde». Seht also ,, wie Gott selbst manche Uebel nur zu unserm Beßten zuläßt, wie er eben dadurch sich unS als einen sorgfältigen Vgtcr zeigt; hier schickt er dem Stolzen Erniedrigung, dem Schwelger Armukh, dem Wollüstling Krankheit zu, um ihn von dem Wege des Verderbens zu erretten. Gott läßt also nur kleine Uebcs zu, um uns von größern zu erretten. Dieß alles würden wir leicht einsehen, wenn wir nur auf Gottes weise Regierung aufmerksamer wären. Unser göttliche Heyland selbstbelehrte seine Jünger, daß,wenn sie sich von der Vorsehung Gottes über seine Geschöpfe überzeugen wollten, sie die Geschöpfe selbst betrachten sollen. Gott speiset, sagte der göttlicheLehr-meister, die Vögel unter dem Himmel, kleidet und schmücket die Blumen auf den Feldern, ernähret die wilden Thierc in dem Walde, und macht den für uns so trostreichen Schluß: Umwicviclmchrwird also der himmlische Vater nicht für euch, die ihr viel besser dann diese seyd, sorgen. Und dieser für den größten bis zum mindesten seiner Geschöpft sorgende Vater soll unser ganzes Vertrauen nicht verdienen ? Ja meine Christen ! dieses Vertraue» würden wir ihm gewiß schenken, wenn wir anderst seine weise Regierung öfters betrachtete», und »ns mit einem lebhaften Gefühl an die Wohlthaten erinnerten, die wir täglich aus feinen Händen empfangen. Wirwissen ans eigener Erfahrung, daß, jemchr Wohlthaten uns jemand erweiset, desto mehrZutran-en bekommen wir zu diesem Wohlthätcr. Er muß uns lieben, denken wir beyuns selbst, unserSchick-sal muß ihm nahe am Herzen seyn, und sobald uns ein unglückliches Schicksal trist, so erwarten wir von ihm Hülfe; wir erinnern uns sogleich der Wohltha-tcn, die wir von ihm schon empfangen haben; ja wir fühlen sie noch ganz, und sogleich machen wir den Schluß, er, der uns schon so viele Wohlthaten erwies, so väterlich für uns sorgte, wird auch jetzt nicht gleichgültig gegen unsere mißlichen Umstände seyn, er wird unser Begehren erhören, und erfül-leu. Wn„i wir aber ans diese Art unser Vertrauen darum einem Menschen schenken, weil er uns hie und dg eine Wohlchat erwiesen hat, wie vielmehr D 4 müssen müssen wir nicht von Gott alle Hülse, allen Bey stand erwarten, und auf ihn unser ganzes Vertrauen setzen; denn gehet wohl ein Tag, eine Minute vorüber, ohne daß wir nicht von ihm neue Wohlthaten empfiengen? Jede Minute unseres Lebens haben wir ja nur ihm zu verdanken, ohne seiner Erhaltung würden wir jede Minute in den Staub, aus welchem wir genommen sind, zurückkchren müssen. Jeden Tag gibt erHins hinlängliche Nahrung, indem er unsere Arbeit segnet, und die Erde die z» unserer Nahrung nothwendigc Früchte tragen läßt; er gibt uns die Kleidung, indem er den Stoff daz», nämlich die Wolle dem Schaafe gab. Wie oft hat uns nicht Gott von einer schweren Krankheit befreyct, und eine unerwartete Hülse in der Noth zngcsandt? Wie oft Unser Unternehmen unterstützt, und glücklich ausgcfnh-ret? Wie oft uns von Feinden gcschützet, von Verfolgungen errettet, und manches Unglück, das uns gewiß betroffen hätte, voraus abgewandt? Und hat er uns nicht noch weil grössere Wohlthaten erwiesen, da er uns nach seinem Ebenbilde schuf, mitVerstand, und Willen ausschmnckte? Oder hat uns Gott wohl eine grössere Wohlthak erweisen können, als die war, da er seines eingebohrnen Sohnes nicht schonte, um uns von verworfenen Kindern wieder zu Erben des Himmels zu machen? Christen! Wenn wir «ns dieser Wohlthaten öfters erinnerten, und die Grösse derselben lebhaft fühlten, so muß und wird in uns der Gedanke rege werden: Er, der uns schon so groffe Wohlthaten erwies, wird uns auch ferner seinen Bcystand. seine Hülse nicht versagen, und wir können selbe von ihm ganz sicher erwarten. Lasset Lasset uns demnach heute den festesten Entschluß fassen, künftig auf Gott mehr Vertrauen sehen zu wollen, und um dieses Vertrauen in »ns erwecken zu können, öfters die weife Regierung Gottes dieser Welt betrachten, und unS auf die von ihm schon so viel und oft empfangenen Wohlthatcn erinnern zu wollen, dann werden wir in Zukunft immer in Glück oder Unglück, gesunder und kranker, bcy Verfolgungen und Widerwärtigkeiten, bei) allen unseren Vorhaben und Unternehmungen auf den Herrn vertrauen, und mit dem königlichen Propheten aus-rufcn: BeyGott ist mein Heil, meineEhre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist^rusGott. Amen. Am fünften Sonntage nach der Erscheinung des Herrn. Evangelium Matth, rz- V. 24 —zo. -^aö heutige Evangelium meine Christen ist so klar, und so leicht zu verstehen, daß es fast keiner Auslegung bedarf; denn der Erlöser selbst hat auf dringendes Bitten seiner Jünger das ganze darinn enthaltene Gleichniss erkläret. Der den guten Saamen ausstreuete, ist der Sohn des Menschen; der Acker bedeutet die Welt, der gute Saame aber sind die Rindes öesReiches, das Unkraut sind die schalkhaften Rinder, der Feind, der den boftn- D Z Sa- Saamen ausgestrenet, ist der Teufel. Ans dieser Erklärung des Erlösers selbst entnimmt man, daß er durch dieses Gleich» iß so viel sagen wollte: Er sey in die Welt gekommen um den besten Saaincn seiner himmlischen Lehre sowohl durch sich , als durch seine Junger auszustreuen , dieser Saame seines göttlichen Wortes werde in vielen Ländern der Welt aufgebeii, werde in den Herzen vieler Menschen gute Frückte tragen, so , daß sie an ihn glauben, s> ne Lehre an-gehmen, und ihm als ihrem Herrn und Gott an-hängcn werden. Allem auch sein Feind der Satan wird sich alleMühc geben dieses Gluck von den Menschen abzuwenden, indem er seinen bösen Saamen Vicht allein durch Eingebung böser und schädlicher Gedanken ausstreuen, sondern sich auch bemühen werde das Unkraut durch seine Anhänger, durch böse Gesellen, durch schädliche Lehrer, und verführerische Rede», durch böses ärgerliches Lebe» und andere derlei) verderbliche Arten auszusäcn; und dieser Saame des Satans werde anfgehen , und in den Menschen das verderbliche, schädliche Unkraut, den blinden Unglauben, sträflichen Ungehorsam gegen Gott, Feindschaft, Lügen, Unzucht, Unmas-sigkeit und andere dexley Sünden und Laster Hervorbringen. Diese Ausstreuung des bösen Saamcns des Satans würde geschehen zu einer Zeit, wenn die Menschen für ihr Heil am sorglosesten scpn würden, wenn sie schlafen, das ist, wenn sie sich vor seinen bösen Anschlägen und schlauen Betrügerepci» AM wenigsten in Acht nehmen werden. BeydcSaame», meiner und des Satans, fährt der Heylaiü in seiner Erklärung fort, werden nun auf- aufkeimen und zu ihrem Wachsthume gelangen, und da werden die Diener des Hausvaters, das ist, mancheFrcundedcrTugcnd von Gott begehren, oder wenigstens anS einem unzeitigen Eifer in Geheim wünschen, daß dieses Unkraut des Satans möge ausgesaet werden, daß alle ärgerliche Menschen, glle irrgläubige , und offenbare Sünder mit Ge» walt von Gottes Erdboden mochten vertilgt, nnd ausgerottct werden, allein der himmlische Hausvater wird ihren Wünschen seinen Deyfall versagen , indem er das Endurtheil, und die Hauptentschei-dung in dieser Sache sich selbst Vorbehalten, und nicht seinen Dienern überlassen wird; er wird nahm-lich ihnen sagen: lasset den Gottlosen Zeit zur Bekehrung , lasset mich noch manche Mittel versuchen um sie auf dem Acker dieser Welt zur Besserung zu bringen, damit sie sich über meine schnelle, und strenge Gerechtigkeit nicht beschweren können, vielleicht werden sie in sich gehen, und zur Buße , und Besserung greifen, und dann gut für sie! im Ge-gcnthcil aber wehe ihnen am Ende der Welt! denn dq werde ich meine Engel ausschicken, damit sie die Bösen von den Guten absönderu, sodann werde ich die Bösen in das ewige Feuer werfen, die Frommen aber an den Ort der Freude bringen lassen, wo sie dann in meinem Reiche ewige Freude geuicsscn werden. Aus der ganzen Erklärung dieses Gleichnisses habt ihr meine Christen ganz leicht abgcnommcn, daß von unserem Erlöser nur das Gute allein her-kommc; denn er ist der Sohn des Menschen, der den guten Saamcn auf seinem Acker qusstrcuet, U c 6o) - ist , der diesen himmlischen Saamcn in den Herzen derMenschen mit seiner göttlichcnGnadc befeichtet; nur ' er ist cs, durch dessen heilige Lehre und göttliches Wort hundertfältige Früchten in den Gläubigen hcrvorgc-bracht werden. Wenn auch hie und da zwischen dem guten Saamcn Unkraut auskeimct, so ist er nicht Ursache davon, er weiset uns den Urheber dieses Unkrauts an, indem er sagt, der §cind habe dieses gethan. Dadurch will er sagen, daß, so wenig ein guter Hausvater, wenn er Waizen aus-sact, Unkraut dazwischen streuet, eben so wolle auch Gott in seiner großen Hanöhaltung aufErden nichts als gutes. Aber der Feind, der schon von Anbeginn der Welt dem menschlichen Gcschlechte sein Glück beneidete, dieser kömmt unversehens, säet Unkraut durch falsche Lehren, verkehrte Mepiiuugen , und Reihungen zur Sünde, und trachtet dnrch derlei) Mittel den guten Saamen des göttlichen Wortes in den christlichen Herzen zu ersticken, und das gute zn hindern. Dieß aber thut er zu einer Zeit, wenn die Menschen vor seinen Nachstellungen am sichersten zu scyn glauben, da die Leute schliefen , sagt der Hepland, kam der Feind, saete Unkraut zwischen den waizen, und gieng davon. Er wollte sagen: wenn die Leute träge, und nachlässig in dem Geschäfte ihres Heils sind, wenn sie auf ihre Gedanken, Begierden und Handlungen nicht wachen, wenn sie trage, und verdrossen zum guten sind, wenn sie zu den Fehlern ihrer Kinder, und Untergebenen schweigen , wenn sie sich dem Böfen nicht mit Nachdruck widerfetzen, wenn sie einen Umgang mit bösen Gesellschaften pflegen, da, da kömmt der Feind, be- nützt diese Gelegenheit, und mahlt ihnen die Sünde noch reizender vor, sucht in ihnen das noch wenige Gute zu ersticken, sie recht tief in den Abgrund des Lasters zu stürzen, und ihre Seelen der Glückseligkeit zu entziehen. Wie nöthig ist es daher, meine Christen! daß wir ans diese Nachstellungen des bösen Feindes immer achtsam scyn, und daß wir uns immer wider seine Nachstellungen, nach der Ermahnung Jesu Christi, mit den Waffen des Gcbethes , und unserer eigene» Wachsamkeit rüsten, wachet, und bethet, sagte der Heyland zu seinen Aposteln, als er sie wider die Nachstellungen ihres Feindes sicher stellen wollte, wachet und bethet, damit ihr nicht in der Anfechtung unterlieget. Den nähmlichen Rath geben uns auch die Schriften der Aposteln: Sevd nüchtern, und wachet, sagt Peter, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet herum wie ein brüllender Lowe, und suchet, wen er verschlinge; diesem widerstehet fest im Glauben. Wachet daher meine Christen mit aller Behutsamkeit über eure Seelen, und glaubet nicht, daß ihr von den Nachstellungen eures Feindes jemals sicher seyd. Dicß haben wir von der Ausstreuung des Unkrauts zu lernen. Eine ganz andere Sittenlchre enthält für uns die Art, mit welcher der himmlische Hausvater einst das Unkraut von dem guten Waizen scheiden werde. Ihr habt gehört, daß der Ewige das Unkraut mit dem guten Waizen fortwachsen läßt, bis cs ihm gefällt, Aerndte zu halten, und das Unkraut ansraufen zn lassen, das heißt: crläßtFrvmmcnndGottlose hicnieden bepsammen stehen und leben. Dieß gibt freylich dem Frvm- Frommen oft Gelegenheit zu manchen Leiden, »ul» Widerwärtigkeiten, allein cs gibt ihm auch Gele« genheit zur Ausübung vieler Tugenden , als Geduld, Sanftinuth. und Nächstenliebe. Er fragt sich daher , wie haben sich fromme und rechtschaffene Christen, wen» sie mit Gokkloscit in der Gesellschaft leben müssen , zu betragen? Diefe Frage will ich euch heute auch in kürze beantworten. Ihr fromme Diener Gottes, die ihr äuf dem Pfade der Lugend, Gott stets getreu zu bleiben, euch befleißet, suchet zuerst zur Besserung eurer minder frommen Milchristcn, so viel euch immer möglich ist, beyzutragcu, verzweifelt niemals au ihrem Heile, denn ihr habt fa in der heiligen Schrift, und eigener Erfahrung hundertfältige Bcyspiele, daß Gott auS den größten Sündern die frömmste Busser, und Heilige gemacht habe. Arbeitet daher an ihrer Bekehrung bald durch eifrige Ermahnungen, bald durch dringende Vorstellungen, bald dnrch eigene, bald durch fremde gute Bcyspiele, bald durchDrvhungcn.Vor allem aber bethet für sic, damit sie Gott mit seiner göttlichen Gnade erleuchte, und ihnen den Abgrund, in welchen sie sich stürzen wollen, zeige. Hütet euch Rache über sie zu fordern? denn so ein unzeitiger Eifer mißfällt Gott sehr, daß er ihn einst schon selbst, und zwar mit recht an dem Propheten Jonas getadelt, und unser Erlöser mit Unwillen einigen seiner Jünger verwiesen hatte, welche über die bösen Samariter Feuer vom Himmel fodcrtcn; denn die Samariter lhatett Nach der Hand Buße, und bekehrten sich zu Gott ihrem Herrn. Habt ihr daher nach eurem Amte, Berufe, Und nach euren Kräften, eure minder fromme Mit- chri- christenzu bessern gesnchet, und hat alles Kieses dennoch nichts gefruchtet, so stellet die Sache Gott anheim, welcher nur allein die Nieren und Herzen der Menschen prüfet, kennet, und zu lenken weiß. Ihr Gottlosen aber, die Gott oft nur wegen denen Frommen verschonet, daß er euch nicht durch allgemeine Landplagen strafet, und von seinem Acker ans-tottct, lernet ans dem heutigen Gleichnisse, daß, obwvhlcn der Hausvater das Unkraut auf seinem Acker eine Zeitlang duldete, er es doch am Ende ausran-fen, zusammen b'nden, und ins Feuer werfen ließ, Eben so wird es auch, nach dcmdeutlichen Ausspruche des Erlösers, allen Sündern ergehen, sic werden am Ende der Welt an Händen und Füssen gebunden, und in daS ewige Feuer geworfen werden. O! wie wird es euch zu Murhe sepn, wenn der Engek euch von den Frommen scheiden, auf ewig von einander scheiden, und euch der ewigen Strafe übergeben wird. Nehmet euch daher euer endliches Schicksal zu Herzen, järct das Unkraut des Lasters und det bösen Leidenschaften aus euren Herzen, und säet den guten Saamen der Tugenden hinein, damit ek statt dem Unkraut gute Früchte der Buße, und christliche gottgefällige Werke hcrvorbringen Amen. Am Am sechsten Sonntage nach der Erscheinung des Herrn. Evangelium Matth. iZ. N. zr — zz. E)as heutige Evangelium meine Christen ist eigentlich eine Fortsetzung des euch am verflossenen Sonntage vorgelcsenen Evangeliums; und der Erlöser hat bey dem heutigen Gleichnisse keine andere Absicht , als seine Jünger und alle Christen von der Kraft, und Macht seiner göttlichen Lehre zu überzeugen. Die Veranlassung dazu mag ihm vielleicht die bei) seinen Jüngern wegen der kleinen Anzahl seiner Anhänger, und der ungleich grössern Menge seiner Feinde entstandene Furcht und Zaghaftigkeit gegeben habe», welche er durch das Gleichniß von dem Senftkorn, und Sauerteige überzeugen, starken, und ihnen Muth einflösen wollte, daß, obschon jetzt die Zahl seiner Anhänger ganz gering, dieMcnge seinerFcin» de über ungleich grösser seyn, doch die Anzahl seiner Anhänger mit der Zeit so zunchmen, und seine Religion zu einer so ansehnlichen Größe heranwach-seu werde, die sie sich für jetzt kaum cinbildcn können. Das Himmelreich, unter welchem Worte er seine zu stiftende Religion verstehet, ist gleich einenl Senftkörnlein, welches, wenn es in die Erde geworfen wird , das kleinste unter allen Saamcnkörn-chcn ist, aber sobald es anfängt aufzukeimen, so ivächflt wachst es zu einer solche» Größe an, daß es das größte unter allen Krautern wird; ja cs schießt zu einer solchen Stande empor, daß auch die Vögel auf seinen Zweigen sich niedcrlassen. Mit diesem Gleichnißc wollte der Heyland seine Junger in zwey Stücken unterrichten. Erstens die Kleinheit des Scnftkorns, wenn cs in die Erde geworfen wird, und Zweyrens seinen großen Wachslhum, so bald es von der Erde hcrauskeiwct, indem cs zu einer so hohen Stande empor schießet, daß seine Acstc den Vögeln zum Sitze dienen können. Die Kleinheit deS Senftkvrns, wenn cs in die Erde geworfelt wird, und sein grosses Emporwachseu sollte ihnen zu einem Sinnbilde des geringen Ursprungs, und der mit der Zeit weit und breit zu geschehenden Ausbreitung seiner Religion dienen. Und in der That meine Christen! ein ähnlicheres und passenderes Sinnbild von dem Ursprünge, und Wachsthum der Religion Jesu Christi laßt sich kaum finden, als dieses geringe Senftkörnchen. Denn sehet nur den Anfang unserer heiligen Religion an , wie gering und verächtlich ist sie nicht allen gewesen? — Der Sohn eines armenHandwcrksmann gab ihr den Anfang, wenn sich auch nach der Hand zwölf andere zu ihm gesellten, und seine Lehre annahmeu; wer waren sie? Waren sic vielleicht Männer von großem Ansehen, Geschicklichkeit, oder Gelehrsamkeit? Nichts weniger als dieß; sie waren zwölf arme Fischer, welche weiter nichts als ihr Handwerk verstunden Ihr Meister starb, — starb des verächtlichsten Todes! wer sollte nun nach seinem Tode die Religion fortpflanzen, wer sie unterstützen, wer ihr Frühl.a. Sonntag. E ein ein Ansehen geben? Die zwölfFischcr vielleicht? O! von diesen ließ sich so was nicht erwarten, diese konnten einem solchen Werke nicht gewachsen seyn; denn sic waren Menschen ohne Gelehrsamkeit, Muth, und Erfahrung, und doch bestund nach dem Tode Jesn Christi die ganze Kirche nur ans diesen wenigen zwölf Jüngern. Mehrere, stärkere und ansehnlichere Glieder hatte stc nicht. Seht meine Christen die Religion Jesu in ihrer ersten Kleinheit! hier zeigt sie sich so, wie sie der Heyland im Evangelium beschreibet, in der Aehnlich-kcit des Senftkorns. Aber laßt nun die zwölf verächtlichen Fischer voll des heiligen Geistes in die Weil a.nsgehen, lasset sie die Wahrheiten, die sie von ihrem Meister erlernet hatten, den Völkern verkünden, lasset sie hintrctten vor die Grossen der Erde, vor Könige, und Fürsten, und ihnen das Evangelium predigen; mit einem Worte: Warte man, bis daS kleine verächtliche Senftkörnlein in die Erde geworfen wird, und anfkeimet, o! wir werden sehen, wie cs aufwachsen, und sich ausbreilen, wie cs selbst die Mächtigsten, und Gelehrtesten dieser Erde aufuehmen werde. Wahrhaftig! würde man nicht ans der Erfahrung cingeschen haben, daß alles dieses wirklich geschehen sey, so würde man es für unmöglich halten. Aber nun wissen wir ganz zuversichtlich, daß die Religion Christi in wenigen Jahren sich so verbreitet habe, und hoch empor gewachsen seye, daß sie das Juden-und Heydenthnm , und alle übrigen Religionen, und Sekten größtcnthcils verdrängt hat. Ja, was noch mehr ist: Zu eben der Zeit, da die Wuth der grausamsten, und mächtigsten sicn abgöttischen Kaiser die Religion Jesu am meisten verfolgte, wo man alles, was die unmenschlichste Grausamkeit nur immer aussinnen konnte, als Geiseln, Skorpionen, glühende Zangen, Schwerdter, Räder und Galgen, wo man alles dieses anwcndcte, um die Religion Jesu von der ganzen Erde zu vertilgen, zu eben dieserZcjt hat diese göttliche-Religion vonTage zu Tage so zugcnommen, daß das Blut der Märtyrer der Saame zu einer neuen Christenmenge geworden zu scyn schien. Und nun gehet von Osten bis Westen, von Mittag bis Mitternacht, überall werdet ihr Prediger der Anfangs so gering scheinenden Christus Religion hören. Christen könnet ihr bcy Erwägung dieses bcy der Annahme, und Verbreitung des Evan-liums geschehenen Wunders was anderes sagen und denken als: Der Aerr hat Ließ gethan, und wir können es nicht begreifen, rvre es geschehen ist? Ja, der Allmächtige hat dieses gethan; denn nur er konnte dem Evangelium eine solche Kraft ertheilen, daß dieses göttliche Senstkörnlein in die Herzen der Menschen eindrang, aufwuchs, und so vielfältige Früchte brachte. Wenn aber die Religion Christi einst so erstau-nenswürdige Wirkungen in der Welt hcroorbrachte, wenn sie sich unter Völker zeindrang, welche davon nichts wußten und nichts wissen wollten, wenn sie einst im Stande war, die härtesten Herzen zu erweichen, und eingewurzelte Laster aus ihrem verhärteten Sitze heraus zu heben, wenn sie einen so wirksamen Einfluß auf die Menschen machte, daß sie, so zu sagen, die ganze Welt umkchrte , woher mag es wohl kommen, daß wir von eben dieser Religion E L heut heut zu Tage nicht auch eben diese Wirkungen mehr sehen ? Hat denn die Religion Jcsn Christi ihrc Krasr verlohren? Oder predigen wir euch vielleicht ein anderes Evangelium? Oder achtet Gott die Menschen, welche seine göttliche Lehre schon einmal angenommen haben, weniger als die, zu denen sic zuerst gebracht werden mußte? Wahrhaftig-»eine Christen ! bewei-neuswürdig ist das traurichk Geständniß, welches > ich euch ablegen muß, daß die Religion Jesn unter nus Christen jene vielfältige Früchte nicht mehr htrvorbringe, welche sie einst unter den Heyden und rohesten Völkern hervvrbrachte ; denn sagt mir nur, wo sind jene Christen, und wenn es doch etliche gibt, wieviel sind derer, welche mit Wahrheit sagen können, daß sic nach angchörtcm Evangelium tugeud-samcr, und christlicher geworden sind, als sie es zuvor waren? Wie vielmal hörtet ihr schon jene er-mahnuug, oder vielmehr Drohung deS Hcylandes : Ein jeder, der über seinen Bruder zörnet, ist des Gerichtes schuldig. Was fruchtete aber bei» euch diese Drohung? seyd ihr dcßwegcu jcmahls sanftmüthiger, gegen einander leutseliger, in den Zufällen eures Lebens geduldiger geworden? Gibt es nicht viele unter euch, welche im Zorne sowohl sich selbst, als auch ihren» Nächsten alles Uebel wünschen, vor deren gotteslästerischen Zunge die heiligsten Dinge nicht sicher sind, die Gott selbst in ihrer Rascrey fluchen? Wie vielinal habt ihr den schaudervollen Ausspruch Pauli gehöret: Die Volltrinker werden das Reich Gottes nicht besitzen. Habt ihr euch auf diese Worte gebessert? Habt ihr dein uu-mässigeu Trinken entsagt? Habt ihr den Vorsatz gemacht macht euch zu bekehren? Sieht man nicht noch die nähmlichcn Unmenschen, die ihren Verstand in dem Weine versaufen , und sich durch ihre Betrunkenheit tief unter das Vieh hcrabsetzen, die in ihrer Trunkenheit Flucher, Zänker, Gotteslästerer, Hnrer. Ehebrecher werden, die ein Poltergeist ihres Hauses, ein Schandfleck ihrer Familie, eine Geisel ihrer Weiber, und der Untergang ihrer Kinder sind? Mir gehöret die Rache zu, ich will es vergelten, spricht der Herr. Warum sinnet ihr also noch immer aufMittcl und Wege euch an dem, der euch beleidigte, zn rächen? Warum trägt ihr das Gift in euren Herzen Herum, um dasselbe bep jeder Gelegenheit wider ihn anüznspeyen? Warum freuet ihr ench, wenn eurem Feinde ein Ucbel widerfährt? Warum beneidet ihr ihm jedes Gluck, und lasset keine Gelegenheit aus den Händen, bei) der ihr demselben einen Schaden zufügc» könnet? Ist euch denn jenes wichtige Gesetz, welches aus dem Munde Jesu Christi herkömmt, welches er uns so nachdrücklich einfchärf-te, dessen Vollstreckung er so ernstlich betrieb, unbekannt? Wir sollen näbmlich unseren Ncbcnmcnschen, er ftye Freund oder Feind, wie uns selbst lieben: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Hörtet ihr dieses Gebots) nicht schon hundertmal ans dem Munde eurer Lehrer? Erklärte man euch nicht den ganzen Umfang dieses Gcbothes? Sagte man euch nicht, daß cs alles verbicthe, wodurch unser Nebcnmensch beleidiget wird, und hingegen zu allem dem verbinde, was ihm gefällig, und nützlich seyn könnte? Habt ihr cs beobachtet? Woher kömmt dann eine so schändliche Härligkeit, wenn ihr ihm E Z in in seinen Nöthen beyspringen solltet? Woher eine so lieblose Trägheit, wenn cs inn die Abwendung eines Schadens, oder um die Beförderung eines Nutzens in Absicht auf euren Nächsten zu thun ist? Sehet also meine Christen, und gestehet es, daß bey euch die Anhörung der Lehren der Religion Christi einen geringen , oft auch gar keinen Nutzen bringen. Untersuchet daher, worinn die Ursache dieser geringen Wirkung des göttlichen Wortes liege. Das Wort Gottes, oder was eins ist, die Lehren der Religion haben ihre Kraft nicht verlohrc», der Fehler muß also in euch selbst liegen, und vermuthlich dieser seyn, weil ihr die göttliche Lehre auf euer Leben, Bedürfniß, Sitten, und Stand nicht anwendet; thut einmal dieses, und ihr werdet eS mit Freudigem Herzen empfinden, daß die Lehre der Religion, ihre Kraft, euch dießseits und jenseits glücklich zu machen, nicht verlohren habe. Amen. Am Sonntage Septuagesima. Evangelium Matth. 20. V. i —16. ^i» schädliches unter den Juden herrschendes Vor« urtheil, welches darinn bestund, daß sie sich besser als andere dünkten, nnd ein größeres Recht zum Berufe zu haben glaubten als die Heyden, gab dem Erlöser die Gelegenheit, sie mittels der euch jetzt abgelesenen Parabel des Gegentheils zu überzeugen, und zu belehren, wie wenig sie ans ihre Verheißungen, und und andere Vorrechte, in Absicht anfden Himmel, stolz srvn, und andere Völker verachten durften. Lasset nnS daher meine Christen sehen, wie damit der Erlöser zu Werke gieng. Das Himmelreich, so beginnt der Erlöser sein Gleich»,iß, ist gleich einem Hausvater, der in aller früh, schon beym Anbruch des Tages auf den zur Auswahl der Arbcitsleute bestimmten Platz ausgieng, sich Arbeiter in seinen Weinberg zn micchcn. Er aniethete sich wirklich etliche »m ein bestimmtes Geld, und schickte sie in den Weinberg. Um die dritte Stunde wiederholte der Hausvater diesen Gang ans den Markt, und miethetc sich wieder Arbeiter, um einen ihrer Arbeit entsprechende» Lohn, und schickte sie in den Weinberg. Um die sechste, und nennte Stunde that er das nahmlichc. Um die eilfte Stunde aber (nach unserer Stnndenbcrechnnng Abends) gieng der Hausvater noch einmal auf den Platz, auf welchem er zn seiner größten Verwunderung muffig dastehende Arbeiter fand, sie mit etwas schärfer» Worten anredete , und sprach: Was stehet ihr hiev den ganzen Tag über so müssig? Allein da er von ihnen die Antwort erhielt, daß sie nicht aus Trägheit, oder Hang zum Müßiggänge müßig dastnuden, sondern weil sie niemand zur Arbeit gerufen hätte, so sprach er auch zu diesen, daß sie geschwind in seinen Weinberg gehen sollen, wen» sie den ihrer Arbeit entsprechenden Lohn erhalten wollen. Nun wurde es Abend, und der Hausvater erfüllte seine Pflicht, ließ die Arbeiter ans dem Weinberge rufen, und ihnen durch seinen Schaffner den gedungenen Lohn auszahlcn. Die ersten, welche nach E 4 dem dem Befehle des Hausvaters zur Auszahlung des Lohnes gerufen wurden, waren jene, welche am spätesten in den Weinberg kamen, und nur eine Stunde arbeiteten, und doch empfieng ein jeder von ihnen einen Groschen. Als diese großmüthigcBezahlung jene, die am ersten in den Weinberg kamen, sahen, so glaubten sie, daß sie viclmehreres erhalten werden, indem sie den ganzen Tag hindurch in dem Weinberge gearbeitet hätten; allein auch sie bekamen nur einen Groschen. Voll Unwillen über diese Glcich-haltnng mit den spätern Arbeitern, in Absicht ans den Lohn, murrten sie über den Hausvater, und sagten: Herr! wir arbeiteten den ganzen Tag, trugen dcS ganzen Tages Last, und der Sonne Hitze, und doch erhielten wir keine bessere Bezahlung als die letzten welche nur eine Stunde gearbeitet haben. Allein der gerechte Hausvater antwortete diesen Murrern: Freunde murret nicht, denn ich that euch kein Unrecht; ' ich gab euch das , um was ihr mit mir einsgeworden scyd, nähmlich einen Groschen, nehmet daher was euer ist, und gehet; diesen letzten aber will ich so viel geben als euch, weil ich das Recht habe mit dem Meinigen nach beliebe» zu schalten, warum sepd ihr neidisch , und sehet mit scheelen Auge» auf eure Mitarbeiter, weil ich gütig bin? Da ihr meine Christen sowohl den Endzweck, den sich der Heylaud bep dieser Parabel vorsteckte, wisset, als auch das Gleichniß selbst wiederholt gehöret habt, so werdet ihr den Sinn davon ganz leicht verstehen. Unter dem Weinberge verstehet der Hey-land seine sichtbare Kirche auf Erden vdcr die Versammlung der wahren Verehrer Gottes. Der Hausvater Vater dieses Weinberges ist unser himmlischer Vater, und die Arbeiter davon sind alle Menschen, welche in der Welt leben, und zu verschiedenen Zeiten zu seinem Dienste gerufen werden. Gleichwie also der Hausvater des Weinberges zu verschiedenen Zeiten sich Arbeiter für seinen Weinberg miethcte, eben so lhat es auch Gott, welcher in allen Menschen Altern ansgieng die Menschen zu seinem Dienste zu berufen. Den Anfang machte er in den Zeiten Adams bis zur Snndflulh, dieß war die erste Stunde. Er gieng ans in der dritten Stunde, nähmlich in den Zeiten Abrahams. Er wiederholte seinen Ausgang um die sechste Stunde, nahmlich in den Zeiten Moses, in welchen er durch häufige Sendungen seiner Propheten die Menschen zu seinem Dienste ermahnen ließ. Endlich gieng er nm die eilfte Stunde aus, nahmlich in den Zeiten, wo er seinen eingebohrnen Sohn in die Welt sandte, der von dem Augenblicke seines Lebens an, bis zu seinem Tode nicht auf-höretc die Menschen durch Beyspiele, Worte, und Wunder zu seiner Kirche, und wahren GotteSvereh-rung zu berufen. Gleichwie aber der Hausvater des Weinberges am Abende dcS Tages bey der Ans-theilung des Lohnes keinen Unterschied zwischen jenen Arbeitern , die früher in den Weinberg kamen, undjenen, die spater zurArbcit griffen, machte, eben so durften auch die Juden deßwegcn, weil ihnen die wahreVerchrung Gottes durch Propheten eher als den Heyden kund gemacht wurde, ans keine größere Belohnung in demHimmel Ansprüche machen, sondern daß ste sich mit der ihrem Verdienste entsprechenden Belohnung in dem Himmel begnügen, und nicht mit schee- E F len len Augen auf ihre Mitmenschen sehen sollen, wenn Gott, welcher seineGnadcn »ach Willkühr austhcilet, gegen Einen sich eben so gütig, wie gegen den Ändern sich bezeiget. Dieß ist nun ineine Christen der eigentliche Sinn des heutigen Gleichnisses, dieß ist die Lehre, die der Heyland den Juden mittels dieser Parabel verständlicher machen wollte. Nun die Anwendung ans uns, die wir gleich bey dem ersten Augenblicke unseres Lebens von dem himmlischen Vater in seinen Weinberg abgerufen waren, ja die wir von ihm täglich, ja alle Stunde so lang wir leben, zu der Arbeit in seinem Weinberg, das ist, zu seinem Dienste gerufen werden. Gott beruft uns bald innerlich durch seine Einsprechungen nnd Rührungen seiner Gnade, bald äns. serlich durch die Stimme seiner Prediger, nnd gute Beyspielc anderer Leute, hier durch Ermahnungen eifriger Seclenhirtcn, dort durch Zureden guter uneigennütziger Freunde, bald reihet und locket er uns zu seinem Dienste durch Erweisung zeitlicher Güter, nnd wenn diese zu schwach sind, uns zum Guten zu bewegen, so schickt er uns Drangsalen und Widerwärtigkeiten zu, um uns durch selbe zu demülhigcu, und ans den Weg der Gottesfurcht zu bringen, bald stellet er uns das Andenken des Todes, die Furcht vor dem Gerichte, den Schrecken der Hölle vor, und suchet dadurch uns vom Bösen abzuschrecken; bald versuchet er dieß wieder aufeine andere Art und Weise, so, daß ich heute nicht zum Ende kommen würde, wenn ich euch alle die verschiedene Arten hcrsage» wollte, deren sich Gott bedienet, um uns zu seinem Dienste zu berufen. Aber Aber hören wir wohl auch allzeit seine göttliche Stimme an? Befolgen wir seine göttliche Einsprc-chungen? O ! die Erfahrung meine Christen zeiget es, daß es viele ans uns gebe, die eben den Vorwurf, welchen der Hausvater jenen trägen auf dem Platze muffig stehenden Arbeitern machte, mit allem Rechte verdienten, welche von Tage zuTage sehr oft bis auf den Abend ihres Lebens Gott zu dienen verschiebe», welche ihre Jugend , ihre gefunden besten Tage nicht zum Dienste Gottes oder des Nächsten, sondern öfters vielmehr zum Dienste der Sunde verwenden. Viele Christen scheinen zwar durch ihre Sorgen, Bemühung und Arbeiten etwas zu thu». was dem Endzwecke ihres Daseyns, und den göttlichen Einsprc-chnngen entsprechen sollte; allein, da sie dieses alles aber nur für sich selbst, und nicht für Gott bder ihren Nächsten thun, so find sie vor Gott dennoch nur Müssigganger; denn sie gedenken in ihren Bernfsge-schäften selten an Gott, sie unternehmen selten etwaS für diesen liebvollen Vater, der auch die geringste Arbeit für ihn mit unaussprechlich großem Lohne vergilt; dahero sind sie auch nur eigennützige Diener, welche vor den Augen Gottes gar keinen Werth haben. Folget daher meine Christen nicht dem Beyspielc dieser im Dienste Gottes trägen Leute, sondern folget lieber dem Rufe eures himmlischen Vaters, und verwendet euer Leben zu seinem Dienste, zu den Arbeiten in seinem Weinberge, denn groß, unaussprechlich groß ist der Lohn, den er uns dafür mittheilcn will. Zwar könnte der himmlische Hausvater von uns, die wir seine Knechte sind, allen Dienst ohne Lohn fodern ; allein, eben hier zeiget sich seine Güte in ihrer ganzen Größe Größe, indem er von uns nichts umsonst, alles gegen zeitliche und ewige Belohnung haben will. Er beweiset sich hicriunfalls gegen uns wie ein liebreicher Vater gegen seine Kinder, der dieselben, obschon sic ihm Gehorsam schuldig sind, dennoch von Zeit zu Zeit durch Belohnungen aufmuntert, durch Belohnungen, Hegen welche alles zeitliche Glück nichts ist. Christen ! Was ist fähiger euch zum Dienste Gottes aiifjnlunukern, als die Vorstellung dieser großen Belohnung? Was ist fähiger euch die Last und Hitze eurer kurzen Lcbeuötage erträglicher zu machen, als dieser gewiß zugesicherke Lohn? Stehet daher, nach der Ermahnung des Weltapostels, fest und unbeweglich, und nehmet immer zu in de» Werken des Herrn, denn ihr wisset daß die geringste Arbeit, die ihr wegen Gott unternehmet, einen großen Lohn davon trage; scyd unermüdet in dem Dienste des Herrn, arbeitet, so lang eure Hände für Gott arbeiten können, jetzt habt ihr noch Zeit, euch Schätze für die Ewigkeit zu sammeln, gedenket öfters an den großen Lohn, den ihr aus der gükigcwVarerhaud Gottes empfangen werdet, so werdet ihr mit Freude und Vergnügen zu seiner Ehre arbeiten, zu ihm euer Gcbeth verrichten, Werke der Barmherzigkeit üben, euren Berufsgeschäftcn getreu bleiben, mit Geduld ihm zu Liebe etwas ausstehcu. Am Abende eures Lebens kömmt die Krone der Unsterblichkeit, mit der euch euer himmlischer Vater für eure Arbeiten und Bemühungen krönen wird. Amen. LW» Am SonnLage Sexagestma. Evangelium Luk. L. V. 4—15. ^^ente hören wir schon wieder den Hcpland im Gleichnisse sprechen, und zwar zu einer großen Menge Volks, welches sich anS allen Städten und Flecken zn ihm hiadraugte, um die göttliche Lehre aus seinem Munde zu hören; aber eben diese zahlreiche Versammlung des Volkes gab dem Hepland die Gelegenheit, selben z» zeigen, wie wenig es damit ausgerichtet seue, wenn man nur die Bereitwilligkeit zeigt, seine Lehre anzuhörcn, wenn man nicht zugleich das, was man hört, zu befolgen gesinnt ist. Um diese Wahrheit dein versammelten Volke recht anschaulich zn machen, bedient sich dcrHcyland eines genommenen Gleichnißes von dem Saatkorn und dessen verschiedenen Schicksalen, wenn cs in die Erde geworfen wird. Ein Saemann, sprach er, gieng aus zu saen seinen Saamen, und da er sacte, fiel der Saame auf verschiedenes Feld, und hatte daher auch verschiedenes Schicksal. Ein Theil davon fiel, da es gesaet wurde, an den Weg, und wurde entweder von den Wanderenden und Vorübergehenden zertretten, oder von den Vögeln aufgefressen. Ein anderer Theil fiel auf einen fieinichten Boden , dieser gieng zwar auf, allein da er nicht Erde genug hakte, um tiefere Wurzel schlagen zu können, so verdorrte er bald. Der dritte Theil fiel auf ein dornickteS Feld, dieser gieng zwar zwar schon auf, aber die Dornen, welche mit ihm aufgicngcn, und in die Höhe wuchsen, benahmen ihm Raum und Lust, und erstickten ihn. Endlich fiel ein vierter Theildcs Saamens auf einen fruchtbaren Boden, dieser kam zur vollkommenen Reife, und brachte Früchte. Das jüdische Volk sowohl, als anch seine Jünger, welche damals noch nicht von einer höher» Gewalt unterstützt wurden, begriffen dieses Glcichniß in seinem ganzen Umfange nicht, darum bathcn sie ihren Lehrmeister um eine nähere Erklärung desselben, welche er ihnen auch mit diesen Worten gab. Der Saame ist das VOort Gottes, welches Gott ehedem durch seine Propheten anssacn ließ, nun aber seinen eigenen Sohn in die Welt geschicket hat, um selbes durch ihn auszustreuen, damit es in den Herzen der Menschen aufgehc, und Frucht bringe. Beyde, sowohl das Saatkorn haben die Kraft in sich, daß es hervorwachst, und Früchte bringt, als auch das göttliche Mort, daß es die Herzen der Menschen ändere, bessere, und heilige. Gleichwie aber bas Feld, auf welches das Saatkorn fallt, verschieden ist, so sind auch die menschlichen Herzen so verschieden, daß das Wort Gottes unmöglich gleiche Wirkung in denselben haben kann. Das Saatkorn, welches au den Weg fiel, und von dem Wanderer zcrtretten und von den Vögeln aufgefressen wurde, bedeutet jene Zuhörer des Wortes GotteS, welche cs mit ihren leiblichen Ohren anhören, aber ohne Aufmerksamkeit deS Geistes, ohne Andacht, ohne dem Vorsatze, selbes zur Besserung auf sich anzuwcnden; daher geschieht es, daß, gleichwie das Saatkorn, welches auf den Weg Weg fällt und gar nicht in die Erde kömmt, entweder von dem Wanderer zertrctkcn, vder von den Vögel» anfgcfresseii wird, also anch das Wort Gottes bcy dcrlep Zuhörern gar nicht in ihr Herz cindringc, folglich keine Früchte hervvrbringcn kann. DaS Saatkorn, welches auf einen fclsichten Boden siel, und verdorrte, weil es nicht Erde genug hatte, um Wurzel fassen zu können, bedeutet jene Zuhörer deS göttlichen Wortes, welche das Wort Gott§sAnfa»gs mit Freuden anhören, dasselbe aber nur aufciucZcil-laug , uamlich bis zur Zeit der Versuchung behalten, sodann abfallcn, und folglich daraus keine Besserung haben können. Derlei) Zuhörer werden bcy Anhörung des göttlichen Wortes zwar gerühret, erkennen die Häßlichkeit ihres Scclenzustandes, sehen die Gefahr ihrer Seelen ein, fangen an Früchte der Buße her-vorznbringen, aber, weil das göttliche Wort keine liefe Wurzel in ihren Herzen gefaßt, so verdorren gar bald ihre guten Vorsätze, sic breche» das ihrem Erschaffer gemachte Versprechen, unterliegen in der Versuchung, und lassen sich zu verschiedenen vcrbo-lhcucn Handlungen von einer eingebildeten Ehre hin-reiffcn, weil der Saame des göttlichen Wortes ihr Herz nicht durchgedrungen hat. Das Saatkorn, fuhr der Heyland fort, welches auf ein dornichtes Feld siel, anfangs schon aufgieug, aber am Ende von den mit in die Höhe anfgewachsc-nen Dornen ersticket wurde, bedeutet jene geizige und wollüstige Leute, welche an der Anhörung des göttlichen Wortes zwar einen Gefallen haben, selbes in ihr Herz aufnehmcn, allein, da daö Herz mit übermässigen Begierden zum Rcichlhume, und dem Hange zur Wollust Wollust angefüllet ist, so werden die Keime des göttlichen Wortes von den in ihren Herzen schon überhand genommenen Begierden ersticket, und verdorren. Endlich, das Saatkorn, beschließt der Heyland sein Gleichniß, welches in eine gute Erde fiel, und hnnderkfältigeFrüchte brachte, bedeutet jene Zuhörer, welche zur Anhörung des göttlichen Wortes nicht nur ein gutes und empfängliches Herz haben, sondern sich auch bestreben, aus demselben Nutzen zu schöpfen, dem Worte Gottes öfters Nachdenken, ihrcGesinnun-gcn, Reden, und Thaten nach selbem eiurichten, und meine Lehren zur Richtschnur aller ihrer Handlungen machen. Bcy diesen Zuhörern faßt der Saame des göttlichen Wortes Wurzel, kömmt zur Reise, und bringt hundertfältige Fruchte. Dicß ist min, meine Christen, die schöne Auslegung des Gleichnisses, welche uns der göttliche Lehrmeister selbst gab. Laßt uns nun sehen, ob es für uns keine Regeln enthalt, nach welchen wir das Work Gottes anhören müssen, um anS selben einen Nutzen schöpfen zu können. Wie sehr würde cS zu wünschen seyn, meine lieben Christen, daß ihr in die Klasse jener Zuhörer des Wortes Gottes gehörtet, Ley denen sein göttlicher Saame in eine gute empfängliche Erde fällt, zur Reife gelangt, und Früchte bringt. Freylich wird dicß so lange nur ein frommer Wunsch bleiben, solange ihr nicht überzeugt scyd, daß die Anhörung des Wor->es GotteS eure Pflicht und Schuldigkeit seye, oder so lange euch die Art und Weise, wie ihr eS anhören sollet, unbekannt ist. Denn sehr viele Christen gibt es, welche glauben, daß der Schöpfer es ganz ihrer Willkühr und Freyheit überlassen habe, ob fie daS Wort Wort GotteS anhören wollen, oder nicht, und daher geschieht es, daß sie gar nicht ans Lehrbegicrde, in ein oder anderen Sitten und Glaubenslehren unterrichtet zu werden, sondern vielmehr aus eitlen Absichten oder Vorwitze, aus Gefälligkeit gegen den Prediger oder andere Personen, aus Zwang oder Furcht vor ihren Eltern und Vorgesetzten, zur Anhörung des göttlichen Wortes, in die Kirche laufen. — Christen! die ihr so denket, und euch von der Pflicht das Wort Gottes anzuhö-rcn lossprechen wollet, sagt doch: was verstehet ihr unter dem Worte Gottes l Wenn ihr unter demselben die Anleitung und Anweisung verstehet, die uns einst der Goltmensch gab, wie wir seinen himmlischen Vater auf die ihm gefälligste Art ehren, uns selbst aber durch eine getreue Erfüllung unserer Pflichten dießseits und jenseits glücklich machen können, und wenn ihr überzeugt send, daß dieser Unterricht noch heut zu Tage von unfern Kanzeln vorgetragen wird, so könnt ihr selbst ganz leicht den richtigsten Schluß machen, daß es nicht in eurer Frcyheit stehe, ob ihr diesen Unterricht anhörcn wollet oder nicht, sondern daß es eine der strengsten Pflichten seye, in der Kcnnluiß Gottes und eurer Berufsvflichtcn von Tag zu Tag zuzuuchmen, und die Art und Weise zu erlernen, wie ihr zeitlich und ewig glücklich werden könnet. Oder glaubt ihr vielleicht, daß ihr in euren Berufs - und Religionöpflichten scholl hinlänglich unterrichtet seyd, oder daß cs kein ausdrückliches Geboth gebe, dem öffentlichen Kirchen-Unterrichte beyzuwohncn? Wenn ihr dieß glaubt, wohlan! so will ich euch einige Fragen aus dem Evangelium über eure Pflichten, über die Grundsätze der Religion vorlegen, habt ihr aber auch Lrühl. a. Sonnrag. § Mich Muth selbe gründlich zu beantworten? Sehet doch, wie viel euch noch abgehe, und was euch das Aus--bleiben von dem Unterrichte schade; denn wäret ihr bcy dem Vortrag des göttlichen Wortes größtentheils richtig anwesend gewesen, so wäret ihr leicht im Stande jede Frage cheantworten zri können; ihr hättet gewißlich schon von der Kanzel gehört, daß die Anhörung des göttlichen Wortes an Sonn und Fey-ertägen ein eben so verbindliches Gcbokh sey, als selbst die Anhörung der heiligen Messe ist. zööret was der heilige Geist von derlen saumseligen Christen spricht: Wer ans Gott ist, -er höret Gottes Wort; -eßwegen höret ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott sevd- Und an einein ander» Orte heißt cs: Wer seine Ghren abwendet, damit er das Gesetz nicht höre, dessen Gebeth wird ein Greuel fevn. Behaltet geliebte Zuhörer diese zween Spruche genau in eurem Gedächtnisse, und saget zu Hause auch jenen davon, weiche jetzt nicht zugegen sind. Es gibt aber auch Christen, welche zwar von der Nothwcndigkeit und Pflicht das Wort Gottes anzu-hören überzeugt stnd, diese Pflicht auch wirklich mit Vergnügen erfüllen, allein, da sic die wahre Art und Weise Nicht wissen, wie man dasselbe anhören sollte, so kann es unmöglich geschehe», daß sie einen Nutzen daraus schöpfen könnten. Derlep Christen alsofölien sich bey künftiger Anhörung des Wortes Gottes fol-gcndeRegeln und Vorschriften gut zu Gemükhe fassen. Erstens daß sic nicht nur manchmal, sondern meistens und so oft cs nur immer möglich ist, beym Vorträge der göttlichen Wahrheiten zugegen sepn. Diese Regel ist für euch, meine lieben Landbewohner und und christliche Dienstbothcn besonders von großer Wichtigkeit, denn die meisten ans euch hatten das Schicksal, von Eltern gebohren zn seyn, die theils aus Armuth, theils aus sträflicher Nachläßigkeit euch die gehörige Erziehung nicht geben konnten; was bleibt euch also übrig, als daß ihr entweder muthwillig in der Unwissenheit beharret, oder jetzt erst in die Schule gehet, welches von euch, die ihr über dieKindesjahre schon hinaus seyd, zu viel begehret wäre, oder daß ihr zu Hanse aus den Religionsbüchern mittels eigenen Fleißes das ersetztet, was an euch in der Jugend vernachlässiget wurde, welches, sosehr es zu wünschen wäre, doch bey euch unmöglich ist, da ihr meist des Lesens unkündig seyd; cs bleibt euch demnach nichts anders übrig, als daß ihr euch bcy dein öffentlichen Vortrage der Religiouswahrhciten fleißig cinflndct, und dort den so nothwendigen Unterricht überkömmt. ZweytenS müßt ihr das Wort Gottes nicht obenhin, sondern aufmerksam im Geiste und in der Wahrheit anhörcn, das heißt: euer Gemükh muß zur Zeit der Anhörung des göttlichen Wortes von allen anderen auswärtigen Beschäftigungen frcy seyn, euer Herz und eure Gedanken müssen bloß auf das gerichtet seyn , was euch von dem Prediger vorgetragen wird; thut ihr dieß nicht, oder wenn ihr bey Anhörung des Unterrichtes auf eure Hausgeschäfte denkt, wenn ihr in der Kirche schlafet, oder allerlcy Gespräche und Unterredungen habt, so werdet ihr die Kirche eben so seicht am Unterrichte verlassen, als unwissend ihr hinein gegangen seyd. Drittens müsset ihr das Wort Gottes, welches ihr aus dem Munde des Predigers gehöret habt, F 2 nicht nicht auf andere, sondern auf euch selbst anweudem Wider diese Regel verfehlet ihr euch sehr oft. zumal damals, wenn ihr höret, daß der Prediger über Eitern, Eheleute, undDienstbothen, welche ihre Pflichten vernachläßigen, losziehe , und ibnen manche bittere Wahrheit sage, da seyd ihr gleich fertig die Worte des Predigers auf diesen oder jenen auszudcutcn, und zum Beyspiele zu sagen: Schade daß dieser, jener nicht zugegen war, den hat der Prediger recht in die Seele getroffen. Dicß meine Christen ist in der That ein Betragen, welches für jeden Menschen, zumal für einen Christen, höchst unanständig ist. Könnte man euch, die ihr so beschaffen seyd, nicht mit dem Erlöser fragen : was siehst du den Splitter in dem Auge deines Bruders, und den ungleich grdsieru Balken in dem deinigen siehst du nicht? Oder bist du zu dieser Zeit von dem Wege der Tugend nicht ab-gewichen, weißt du für gewiß, daß du in Hinkunft nicht abweichen werdest? bist du aber dessen nicht versichert, warum handelst du mit deinem Bruder auf eine so niedrige und unbarmherzige Art? Viertens und letztens müsset ihr das, was ihr in der Predigt gehöret habt, bey Gelegenheit in geschäftlosen Stunden wiederholen, und Betrachtungen darüber anstellcn. Ihr müsset euch selbst zu Hause darüber befragen, zum Beyspiele: Heute hast du die Predigt angehörel, wie hast du diese Lehre bisher» befolgt? wie oft hast du dich dagegen versündiget? wie hast du dich in Zukunft darnach zu verhalten? und so fort. Ihr müsset aber bey fruchtlosen Betrachtungen nicht bleiben, sondern euren Wandel darnach eiurichten, »ach den Vorschriften des göttlichen Wortes tes eure Worte, Gedanken und Handlungen anstellen, und von euren guten Vorsätzen niemals abweichen. Werdet ihr meine Christen künftig auf diese Art die Predigt anhören, so werdet ihr bald mit inniger Zn-sncdenhcir einsehcn, daß dieser Unterricht bcy euch den gesegnetesten Nutzen und selige Wirkung hervorbringe. Amen. Am Sonntage Quinquagesima. Evangelium Luk. r8. V. Zi. — 4Z. --^)efters sprach der licbvolle Hcyland mit seinen Jüngern von seinem bevorstehenden Leiden und Tode, aber niemals sagte er ihnen etwas von dcnUmstanden und Art seines Todes, als bey seiner letzten Reise die er mit seinen zwölf Jüngern nach Jerusalem machte. Auf dieser Reise sah er sich genöthigt seinem Herzen Gewalt anznlhuu, und seinen Freunden den Tag, die Stunde und die Art seines Todes bis auf den geringsten Umstand zu offenbaren. Sehet meine Freunde, so sprach der liebvollc Heyland in dem freundschaftlichsten Tone zu seinen Jüngern: sehet! nun reisen wir abcrmal nach Jerusalem, nie ist uns da etwaS leides widerfahren, frey und ungehindert konnten wir immer dem Gottesdienste beywohnen, aber nun muß ich euch, die ich als Zeugen meiner Thaten, als Zeugen meines Leidens und meiner künftigen Auferstehung in die Welt zn schicken auserwählct habe, sagen, daß dieß die letzte Reise ist, die ich mit euch nach F Z Jerusalem Jerusalem zu dem Osterfeste mache/ denn in diesen Tagen wird an mir zu Jerusalem alles vollendet werden, was die Propheten von mir geschrieben haben, man wird mich den Heyden überantworten, welche mich verspotten, verschmähen, geißeln, und ans das fürchterlichste tobten werden. Dieses alles sage ich euch darum im voraus, damit ihr durch meine Vorhersagung zu dieser traurigsten Begebenheit vorbereitet werdet, und dann nicht in die Verzweiflung und Unglauben gcrathct, wenn ihr mich als euren Herrn und Meister, als einen Misscthätcr behandelt „yd gctödtct sehet; zaget daher nicht, wenn ihr diese meine ganze Weissagung auf das genaueste an mir in die Erfüllung gehen sehet; denn zu eurem Tröste muß ich euch noch dieses beyfügen, daß, nachdem ich auf das schimpflichste gctödtct und bcgrabeu scyn werde, ich den dritten Tag wieder von den Tobten auferstehn und eurer Gesellschaft und Freundschaft wieder pflegen werde." Meine werthestcu Christen ! wer ist so fremd in den göttlichen Schriften, daß er nicht einsche, daß alles dieses Zug vor Zug a» Jesu eingetroffen scye? Da er am Frcytage als dem Vorabend des jüdischen Osterfestes von den Juden dem Pilatus als dem Laudpfleger der hcydnischcn Römer überantwortet wurde, da er von den Knechten und Bedienten der Hohenpriester ins Angesicht gespieen, von den Kricgsknechlen gegeißelt, mit einer Dornenkrone auf dem Haupte, mit einem Rohr in der Hand, und mit einem Pnrpurmantcl angckleidet, verspottet wurde, und endlich unter tausend Schmerzen am Kreuße seinen Geist aufgab . am dritten Lage aber hernach zum Tröste seiner Jünger wiederum von seinem seinem Grabe anferstand. So weit gehet die Erzählung unserS heutigen Evangeliums von der Ankündigung des Leidens Jesu, die er selbst seinen Jüngern machte. Nun wollen wir sehen was sich ferner aufdie-ftr Reise zulrug. Der Hcyland machte die Reise nach Jerusalem durch die Stadt Jericho, weil durch diese Stadt nach Jerusalem die Hauptstraße gicng. Da nun zu dieser Zeit sehr viel Volk ans dieser Straffe nach Jerusalem zog, so fügte cs sich, daß sich ein Blinder neben dem Weg in der Absicht hingesctzt hakte, um von den vorübergehende!! Leuten ein Almosen zu begehren. Kaum aber als sich der Heylattd der Stadt Jericho näherte, erweckte das Volk ein Geschrep und Tumult wegen seiner Ankunft. Der Blinde, als er den Tumult hörte, fragte was denn dieß bedeute; und als man ihm sagte, daß Jesus von Nazareth der grosse Wundcrthäter nach Jericho komme, sicng er an aus vollem Halse zu sch regen: Jesu du Sohn Davids erbarme dich meiner! Und obschon er von dem vorangehenden Volke wegen seinem ungestümmcn Geschrep bestrafet wurde, so ließ er dennoch nicht nach, sondern schrie noch heftiger: Sohn Davids, erbarme dich meiner! Der Heyland als er näher zu ihm kam, und das Geschrep hörte, wurde sogleich vom Mitleidcn bewegt, ließ den Blinden zu sich führen, und fragte ihn, was er denn von ihm verlange. Sohn Davids! antwortete ihm der Blinde, ich verlange von dir kein Almosen, aber um eine größere Gnade bitte ich dich, gib mir das Licht meiner Augen, daß ich sehen möge! F 4 Jesus JesuS, der barmherzige, mitleidige Jesus, durch das Vertrauen dieses Blinden gerührt, erhörte im Augenblicke die Bitte des Blinden, sprach : EeV sehend, dein Glaube hat dir geholfen! Und der Blinde wurde sehend, und folgte ihm unter Lobprci-sunaen nach. Welche stille Majestät! Alles so ohne Geräusch, ohne Lärm! Aber desto würdiger! desto mächtiger! Der Blinde rief Sohn Davids, erbarme dich! und Jesus antwortete: was willst du, daß ich thue? Dcr Blinde sprach: Herr! mache mich sehend! Und Jesus antwortete: sey sehend! So handelt nur der Mann, der seine Macht suhlt, der sich seiner Würde eineS göttlichen Gesandten bewußt war. Ein Betrüger würde Aufsehen gemacht, Geräusch erreget, Umwege gebraucht, vieles gesprochen, und dabey wenig oder gar nichts gethan haben, aber der Rechtschaffene handelte still und offen, sprach wenig, und that Wunder! Nun lasset unS sehen meine Christen, welche Anwendung wir für uns aus dem heutigen Evangelium zu machen haben. Die Leidensgeschichte unscrs Erlösers . welche der Hauptgegeustand des heutigen Evangeliums ist. ist da§ lehrreichste und rührendste was man lesen kann. In jedem Auftritt von der niederträchtigen That Juda I-skariot, bis zu dem Edelmukh Joseph und Nikodemi sindcn wir den wichtigsten Stoffzu Klughcitsregeln im gemeinen Leben, zu wcisenVorschlagen in schwereuVor-fällen und zu hundert ändern gillenLchren, welche gleich denStützen die man zarten Bäumen zurScite stellt, unsere Tugend und Glück von dem bedrohenden Umstürze der Stürme sichern, denn die Tugenden Jesu, die sich in ' - ^ in seiner Leidensgeschichte auszcichnen, haben nicht ihres Gleichen. SeiueSelbsibcherrschuug,Sanstmilth, Gehorsam gegen Gott, Heldenmuth, Versöhnlichkeit, and Liebe der Feinde, die alles übersteigende Menschenliebe. — Wer hat stc vor Christo in einem so hohen Grade besessen ? Wollet ihr meine Christen diese Tugenden von ihm lernen, v ! so trettet hin ans Kreutz , und ihr werdet selbe alle gleichsam in einem Bilde zu eurer Nachahmung abgemahlen sehen. Er, der hier unter Spott, Hohn, und Martern, die kein Mensch aussprcchcn kann, dahängt, was hat ihn in diese Leiden gebracht? Um welcher Sünden und Missethaten willen wurde ihm dieser schimpfliche Tod zuerkannt? Gehet sein ganzes Leben durch, so werdet ihr nicht einen Schatten eines Fehlers an ihm finden, lasset darüber selbst seine Feinde sprechen, und sic werden ihm das Zeugniß der Unschuld geben; selbst Judas, der ihn seinen Feinden um Geld überliefert hatte, und gewiß um seine That zu beschönigen, die Fehler Jesu nicht verschwiegen hätte, sagte: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldiges Blut verrathen habe! Hierinn müssen wir meine Freunde demHeyland besonders nachahmcn, nach seinem Beyspielc nns eines unsträflichen Lebenswandels befleißen, und uns von allen Beleidigungen unsers Nächsten hüte» , damit, wenn wir leiden, Unrecht und Verfolgung von anderen dulden, wir die Schuld uns nicht selbst bey-messen müssen, sondern denken können: Gott hat es aus Liebe zu uns so gefügt, daß wir um des Guten und seinetwillen leiden. — Er, der uns diese Last auflud, wird uns auch selbe zu ertragen helfen; alsdann könnet ihr euch bey jedem Leiden bas euch un- § L verschuldet öerschuldet zukömmt, mit der göttlichen Belohnung trösten, welche ihr aber bey einem, durch Laster euch zngezogenen Leiden unmöglich auhoffen könnet. Die Leiden trafen den Heyland nicht als ein Unglück das ihm unvermeidlich war , nein; denn er sah es voraus, daß er allen diesen Mißhandlungen sehr leicht hatte entgehen können, wenn er nur hatte die Wahrheit verlangncn, den niederträchtigen Inden schmeicheln, und seine Lehre widerrufen wollen; aber die Tugend nnd Wahrheit war ihm zu theucr, darum wählte er lieber Kreutz und Tod, und unterwarf sich allen Leiden. Und so meine Christen sollten auch wir gesinnt seyn! Kömmts darauf an, daß wir um Gottes und der Wahrheit willen leiden sollen, und wir könnten diesen Leiden noch entgehen, wenn wir zum Schaden eines ändern reden und handeln sollten, o^ so dürfen wir dieß nicht thun, dürfen nicht Menschcnwohl dem Beyfall Gottes vorziehcn, nicht Fleisch und Blut, sondern Gottes Willen folgen, müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wie betrug sich der Heyland im Tode gegen seine unbillige Feinde und Mörder? Ließ er sie vielleicht seine Verachtung, seinen ganzen Haß spüren? Rief er die Rache des Himmels ans sic herab? Vergalt er Gleiches mit Gleichem? Q! hört was Petrus sagt: Er schalt nicht, da er gestraft und gemartert ward. Selbst am Kreutzc, da er unter tausend Martern dahieng, umgeben von der tvllenSchaar derJuden, die mit Jauchzen seine Qualen an sahen, und sich darüber mit dem bittersten Spott lustig machten, ob er gleich durch sein ganzes Leben sich ihnen als -ihren größten Freund und Wohlthater bezeigt hatte, that er seinen seinen Mund nicht ans zu Scheltwort?» und Verwünschungen/ sondern er that ihn auf sie zu segnen , und für sie zu bitten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun! So betrug sich Jesus gegen die, die ihn nicht kränkender hätten beleidigen können; statt ihnen zu fluchen, flehte er Gnade und Vergebung für seine Tvdesfeinde von oben herab. Sehet meine Christen das Muster und Vorbild zur Nachahmung für uns ! Lasset hier am KrcnHc unS lerne», wie wir uns betragen müssen, wenn wir Feinde haben! Sie mögen uns aufs grausamste und schmerzlichste beleidigen, mögen uns unser Vermögen, guten Namen, ja selbst unser Leben rauben, ihre Beleidigung wird noch lauge nicht so groß seyn, als die war, die Jesus der Unschuldigste und Gerechteste ertragen mußte; darum lasset uns vergeben, so wird unser himmlischer Vater unsere Fehler uns auch vergeben, wenn wir aber hicrinnfalls seinem göttlichen Sohne nicht nachahmcn, nicht ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler von Herzen vergibt, so sind wir nicht Lehrlinge Jesu Christi, und unser himmlischer Vater wird uns auch nichts vergeben. Lasset uns endlich sehen, welch Lin Vorbild uns der Heyland in seinem Leiden in Absicht seinesBctra-gcns gegen Gott seinen Vater hinterlassen hat. Er, der nicht einmal über jene Menschen murrte, die ihm seine grosse Liebe mit einem so schändlichen Undank vergalten, ihn den ausgesuchtesten Martern übergaben, in seinem Leiden verhöhnet und verlachet haben, — hak auch über die Fügungen seines himmlischen gerechtesten Vaters nicht gemurrct, oder sich dabei) ungeduldig betragen, sondern er hat sich vielmehr mir mit Frende» und mit licbvollester kindlichster Ergebung seinem göttliche» Willen unterworfen; denn, als er mit den Sünden der ganzen Welt beladen, im blutigen Schweiße am Oclbcrgc lag, rief er: Mein Vater ! ist es möglich, so gehe dieser Relch voll Leiden von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. In dem unnennbaresten Leiden und dem brennendsten Durste rief er nichts als die zwey Worte : Mich dürstet, und dann schwieg er wieder. Als die Lual noch höher stieg, rief er: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Also jetzt noch, da er sich von Gott ganz verlassen sah, nannte er ihn doch noch seinen Barer. Als er sich den letzten Augenblicken seinesLcbens »nd dem Tode nahe fühlte, rief er: Vater, in deine Aände befehle ich meinen Geist. Du bist doch noch Vater, aus den bangsten Leiden komme ich zu dir, ich habe alles gethan, alles vollbracht, was für das Wohl der Menschen zu khun war; nun kann ich abgehen — — ünd nun verschied er. — Unser Ende sepe wie das Ende dieses Gerechten! Hier, hier meine Christen, lasset uns lernen, wie man sich im Leiden und im Tode betragen, und auch dann nicht murren solle, wenn dic Notham größten ist, sondern nach dem Bepftüel des Hcylandes gelassen unseren Vater im Himmel bitte'», daß der Lei-denskclch bald ausgcleeret würde. Gott! nicht wie wir wollen, sondern wie du willst! — Schweigend und gelassen laßt uns alle Widerwärtigkeiten unseres Lebens, Armukh, Krankheit, Unterdrückung und auch 'den Verlust der liebsten Freunde ertragen, nicht verzweifeln, sondern denken: Gott rst «och immer unser Vater. Daker. Und wenn jene ernsthafte Stunde unseres Lebens, wenn der Tod, und mit ihm jener bange Kampf heranrückt, und die Schmerzen uns beynahe uner-träglich werden, o dann sollen wir von dem sterbenden Erlöser lernen, wie und wem wir unsere Seele übergeben müssen. Vater, in deine Hände vefehle ich meinen Geist. So bethclc der Heyland, als er am Krcutze mildem Tode röchelte, so sotten auch wir bcthen, wenn wir fühlen , daß unsere Seele bald diese sterbliche Hülle verlassen werde. Vater, wir sind überzeugt, daß uns der Tod nur zu dir, »nserm beß-leuVater führe; darum ist er »ns gar nicht schrecklich. Vater, wir stnd überzeugt, daß du unfern Geist nicht vernichten werdest, sondern daß er in deine Hände eile, die ihn ganz gütig anfnehmcn werden, D laßt uns daher auf dieses große Vorbild, laßt uns hinauf sehen aufJesum den Anfänger und Vollender unseres Glaubens , laßt uns ihm Nachfolge», denn der Weg aufdem er wandelte, führt zum Himmel. Kein Zeitalter, keiu Volk kann uns ein erhabeneres Muster der Unschuld, der Heiligkeit, der Demuth und Duldung auch im größten Leiden, selbst im Tode, ausstcllen, als das Muster Jesu des GckreuHigten. Selig, selig stnd wir alle, so wir ihm nachahmcn. Amen. Am erste» Sonntage in der Fasten. ^ Evangelium Matth, g. V. i — n. o^hr wißt, meine Christen, daß der Heyland, ehe er sein Lehramt angetreklen hatte, von Johannes dem Täufer Täufer in dem Flusse Jordan die Taufe verlangte, und auch crbielt; da er aber nnr gar zu gut wußte, daß zur zweckmässigen Vollendung bevorstehender großer und beschwerlicher Unternehmungen eine gewisse durch mehrere Tage daurende Vorbereitung und der göttliche Beystand erfordert werde, so gicng er, che er wirklich sein Predigtamt antrat, aus Antrieb des heiligen Geistes gleich nach der fepcrlichen Taufe in die Wüste, bloß ans der Absicht, um sich entfernt von allen Hindernissen der Andacht einzig mit feinem himmlischen Vater zu unterhalten, von ihm sich Kraft und Stärke zu dem ihm bevorstehenden beschwerlichen Er-lösungsgeschäfke anszubittcn, und sich mittels des Fastens und Gebckhcs zu diesem wichtigen Vorhaben vorzuberciken. Der Satan, der schon "bey der Taufe des Erlösers alles gesehen und gehöret hatte, was mit ihm immer vorgieng, wie ihn uämlich fein himmlischer Vater in Gegenwart aller am Flusse Jordan Anwesenden für seinen Sohn erklärte, diesem Satan, welcher ihn durch alle 40 Tage, die er in der Wüste zn-brachtc, nie aus dem Auge ließ, und alle seine Handlungen nur gar zu gut bemerkte, gelüstete endlich hinter den Grund der Sache zu kommen, und durch verschiedene Versuchungen zu erfahren, ob wirklich eine göttliche Kraft in diesem Manne stecke, und in welchem Verstände er Gottes Sohn seye, denn der Satan wird so bei) sich gedacht hahcn : gelingt es mir, diesen Mann zur Einwilligung einer Sünde zu bringen, so ist es ausgemacht, daß er kein wirklicher Gottessohn sepe, weil sich die Gottheit mit einer sündhaften Seele unmöglich vereinbaren laßt. In dieser Absicht sicht also trat er zu dein Heyland am Ende dieser 4» Tage, wo Jesus von seinem langen Fasten von dein Hunger schon wirklich geplaget wurde, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, (Messias) so spreche, daß diese Sterne zu Brod werden Er wollte sagen: wenn du Gottes Sohn bist, so hast du gar keine Ursache in dieser Wüste Hunger zu leiden, denn es gibt darinn Steine genug, die du durch einen einzigen Machlsprnch zn Brod nmschaffen kannst. Aber der Hepland machte de» Versucher bald zu Schande», indem er ihm ans seine erste Versuchung antwortete: Es stehet geschrieben, der Mensch lebe nicht vom Brode allein, sondern von jedem Vr)orte, das aus dem Munde Gottes kommt. Er wollte sagen, Gott brauche, um den Menschen zu ernähren und zn erhalten, nicht aus Steinen Brod zu schaffen, sondern er dürfe nur ein Wort sprechen, und der Mensch sepe erhalten, so wie einst Moses und Elias 40 Tage ohne Speise von Gott wunderbarer Weise sind erhallen worden. Als der Satan sah, daß er mit der ersten Versu-chungsart nichts ausgerichtet habe, so sann er auf eine zwcyte. Zn dem Ende führte er ihn aus der Wüste in die Stadt Jerusalem und stellte ihn auf einen Flügel der Tempelgebände, welche auf einem so hohen Berge lagen, daß man nicht ohne Schwindel und Schauder hinab sehen konnte; hier dachte er nun Jc-snm entweder zu einem Hochmuthe, zu einer Vermessenheit auf Gottes ausserordentlichen Bepstand und Nersuchuiig Gottes zu verführen, oder von ihm zu erfahren, ob er der Sohn Gottes sene, wenn er sich nämlich von einer solchen Anhöhe ohne Schaden her- abiaffeu ablasseu würde. Zudem Lude sprach er zu Jesu: wenn du Gottes Sohn bist, so laß dich hinab, denn es siebet ja von dir geschrieben: Er hat leinen Engel» von dir besohlen / daß sie dich aufden Händen tragen sollen, damit du nicht etwa deinen Fuß auf einen Stein ftossesi. Es stehet aber auch geschrieben: (so wieß der Heyland den Teufel mit seiner Foderung ab) du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen! Er wollte sagen: eine solche Fode-rung von meinem himmlischen Vater wäre ein thörich-tes Vertrauen auf'ihn; man muß auf dem Wege seiner Pflicht sey», lveiiN man den Schutz seiner Allmacht mit Grunde erwarten kann. Wenn ich mich daher auf deinen Rath ohne Noth m Gefahr stürzte, so würde ich etwas wagen, wozu ich keine Pflicht habe, ich würde Mittel vernachlässigen die ich brauchen sollte, und dieß hieße meine» himmlischen Vater auf die Probe stellen, ob er nämlich allmächtig, allweise, und allgütig sepe. Der Satan, auch durch die fehlgeschlagene zwotc Versuchung beschämt, dachte bey dem Heyland durch den Geitz das auszuführen, was ihm schon zweymal mißlungen hat; darum nahm er ihn wieder in die Wüste zurück, und stellte ihn abermal auf einen sehr hohen Berg, von diesem Berge zeigte er ihm alle Schatze der Wclt r gegen Mittag das fruchtbare Aegypten, gegen Morgen das goldene Arabien, gegen Mitlernach t das schone Syrien, und dort das mächtige Rom. Sieh! sprach der Satan zum Heyland: alle diese Schatze sind mir von Gott gegeben, ohne daß er sich fernerdarumbekümmert; diese alle will ich dir geben, wen» du niederfallsi und mich anbethest! Auf Auf diese höchst unverschämte Foderung eines förmlichen Götzendienstes, solute auch die muthige Antwort vom Heyland: IVeg von mir Satan! denn es ist geschrieben : den Herrn Leinen Gott sollst dir aiibethen, und ihm allein dienen. Jesus sagte dieß mit einem solchen Nachdrucke, daß der Geist derFin-sierniß alsoglcich zu weichen gezwungen wurde, ohne daß er seinen Endzweck erreichet und erfahren hat, ob Jesus der Sohn Gottes sey, oder nicht. Diess meine Christen ist der herrliche Sieg, den der Erlöser über den Versucher, den Satan, erfochten hatte. O könnten wir uns rühmen, daß wir über die Versuchungen , mit welchen wir sehr oft in unscrm Leben ange-fallenwerden, ebenso siegen! wie tröstend würde dieß für uns sey» ! und doch wie leicht können wir diesen Trost haben, wir dürfen ja nichls anders thun, als uns in Versuchungen eben der Mittel bedienen, derer sich der Heyland bediente, und die er uns zu unserer Belehrung hintcrlassen hat. Sehet, in dieser kurzen Sittenlehre will ich euch von den Mitteln mit welchen wir uns wider die Versuchungen waffnen müssen, den Unterricht geben. In der That, wenn wir bedenken , wie vielerley Versuchungen der Mensch immer ansgesetzt seye, so dürfen wir uns gar nicht wundern, daß er so oft falle , und unterliege; bald wird der Mensch von seinen eigenen bösen Neigungen, bald von bös gesitteten Menschen versuchet. DerSatan, der sich zum Gesetze gemacht hat, unser beständiger Widersacher zu scvn, biethet alle seine Kräfte auf, um uns gcgenden Schöpfer ungehorsam und widerspenstig zu machen, damit er uns des Himmels beraube, dessen er sich durch sci-Frichl. a. So»ntag. ^ ^n rien Ungehorsam verlustig gemacht hat. Wer war unschuldiger und heiliger als der Heyland ? und doch getraute er sich über ihn; allein, er leistete ihm allenthalben Widerstand, nm uns dadurch zu belehren, daß auch wir ganz leicht wider den Versucher den Sieg davon tragen können, wenn wir uns anders zurZeit der Versuchung so betragen, und das thun, was er that. Was that er aber meine lieben Christen, um den Satan zu überwinden? Sein heiliges Bepspiel ans dem heutigen Evangelium lehret uns erstens: daß er wahrend der Versuchung den Eingebungen des Satans kein Gehör gegeben, sondern demselben immer tapferen Widerstand geleistet habe, da er sich seinen dreymaligcn Versuchungen immer mitMuth entgegen gesctzet hatte. Folget, meine Christen, zur Zeit der Versuchung diesem herrlichen Beyspicle, gebet dem Versucher kein Gehör, setzet euch demselben immer tapfer entgegen, verbannet seine schädlichen Eingebungen so geschwind als möglich ist, aus eurer Seele, und ihr werdet sehen, daß ihr auch damals, wenn der Feind curerSeele seine Versuchungen verdoppeln sollte, mit Gottes Beystand gewiß obsiegen werdet. Ferner habt ihr gesehen meine Christen, daß der Heyland der dreymaligeu Versuchung des Satans immer eine Stelle aus der Schrift entgegen gesetzet habe, und so mußte der Feind mikSchand und Spott von ihm weichen. Lhut eben so, meine Christen, und die Erfahrung wird eiltch lehren, daß dieses Mittel von ungenrein. groffer Wirkung seyc. Wenn ihr zum Bcyspiele zu dem Lasier der Unzucht versuchet werdet, so erinnert euch sogleich fener bekannten Stelle aus aus der heilige» Schrift: Der Unreinen Theil wird seyn im Teiche, der mit Aeuer und Schwefel brennet. Werdet ihr zur Ungerechtigkeit versuchet, so haltet dem Versucher gleich de» Spruch entgegen: weder Di-be, noch die Räuber werden das Reich Gottes besitze». Steigen euch hoffartige Gedanken, und hochmüthige Begierden im Herzen auf, so stärket euch gleich gagegen mit jener Lehre der heiligen Schrift: Gott widersteht den Hoffartigen, den Dcmüthigen aber gibt er feine Gnade. Nebst allen diesen Mitteln wider die Versuchungen gab uns der Hepland zur Nachahmung eine lebhafte Uebcrzcngnng von der Allgegenwart Gottes , welche er sich immer zu Gemüthe führte, so oft ihn der Satan mit seinen Versuchungen angriff. Von dieser Allgegcnwart Gottes sollten auch wir fest überzeugt sepn, und uns immer derselben erinnern, so oft wir entweder von innen, oder von aussen zu einer Sünde gereiht werden. Machet euch dahcro mit dieser göttlichen Wahrheit recht vertraut, und erinnert euch zurZcit der Versuchung, daß Gvttüberall zugegen, daß er der Durchforschet-der Nieren und Herzen des Menschen, daß er allwissend fey. Werdet ihr euch bep jedem Reitze zur Sünde die Allgc-genwart Gottes zu Gemüthe führen, so werden zur Zeit der Versuchung folgende heilsame Gesinnungen in euch entstehen: Was ich jetzt BoseS khnn, oder auch nur denken sollte, das würde mein Gott sehen, wissen, und einen Mißfallen daran haben ; nnd ist cs wohl der Mühe werth einem so liebvollen Vater, der sich schon so oft gegen mich so barmherzig it»d liebvoll bezeiget hat, ein solches Mißfal-G s len len zu verursachen? Nein, dicß soll nicht geschehen, lieber will ich alle zeitliche Freuden fahren lassen, als sein Wohlgefallen und Freundschaft verlieren. Endlich meine Christen betrachtet zur Zeit der Versuchung die unseligen Folgen, welche jede Sünde nach sich ziehet. Die sinnliche Freude, welche mau bey einer sündhaften That gcnicsset, ist kurz, flatterhaft und unbeständig, aber dann folgt die peinlichste Hcrzensunruhc, und noch andere zeitliche Ue-bel auf dem Fuß nach. Von jenen Strafen, die wegen bösen Thaken dem Sünder in der Ewigkeit Vorbehalten sind, will ich gar keincMclduug machen. So wird der Hochmükhige schon dicßscits durch Erniedrigung bestrafet, der Wollüstige, der Schwelger, der Zorn - und Zanksüchtige von den langwierig - und schmerzlichsten Krankheiten gefoltert, der Müßiggänger, der Verschwender von Noch und bitterer Armuth geplaget, und der Ungerechte und Betrüger mit Schande und entehrender Strafe gebrand-rnarkt. Hauptsächlich aber bitte ich euch jeder Gelegenheit und jedem Anlaß zur Versuchung möglichst auszuweichen; denn der Heyland begab sich nicht freywillig in die Versuchung, sondern der Satan wollte seine Kunst an ihm zeigen. Sich selbst der Anfechtung ausscßen, heißt Gott versuchen, und in diesem Falle unterliegt man größtentheils. Meidet daher jeden vertrauten Umgang mit solchen Personen , welche keine Freunde der Tugend und Rechtschaffenheit sind; denn mit Lösen, sagt die Schrift, wird man eben so leicht böse, wie mit Rechtschaffenen rechtschaffen. Meidet die zügellose Frcyhcit der Augen, gen, und lasset selbe nicht ohne Unterschied auf alle Gegenstände Hinblicken; denn gleichwie ein einziger unvorsichtiger Blick David, den Mann nach dem Herzen Gottes, zu den abscheulichsten Vergehungen verleitet hat, eben so traurige Folgen könntet auch ihr von der zügellosen Freyheit eurer Augen erfahren. Meidet, und höret alle jene Reden nicht an, durch welche der Nächste verlaumdet, die Unschuld geraubet, und die Grundwahrheit eurer Religion angc-fochten werden kann; denn derlei) Schwätzereycn taugen zu nichts ändern, als eure Einbildungskraft mit allerhand gehässigen, und feindseligen Gedanken an-znfüllen. Und so meine Christen habe ich euch die Mittel gezeigt, die uns der Hcyland hinterlassen hat, um alle Anfechtungen zum Böse» glücklich zu überwinden. O! Ich bitte euch, merket euch selbe recht wohl, damit ihr zur Zeit der Versuchung davon Gebrauch machen könnet. Streitet wider die Feinde eurer Seele mit Muth und Herzhaftigkeit, damit ihr einst mit einem heiligen Paulus zu eurem himmlischen Vater sagen könnet: Ich habe einen guten Kampf gestritten, meinen ^.auf vollendet, den Glauben brybehalten, darum wartet auf mich jene Krone der Gerechtigkeit, die du mir gerechtester Richter an jenem Tage gewiß geben wirst. Amen Am Am zweyten Sonntage in dcr Fasten. Evangelium Matth. 17. v. 1—9. Äus den Reden Jesn sowohl, als ans allen seinen Handlungen hatten die Junger des Herrn ganz leicht abnehmen können, daß ihr Meister Gottes Sohn seyn muffe, aber die jüdischen Vorurtheilc hinderten diese Ueberzcugnng an ihnen; sie konnten es nicht begreifen, wie jener der Sohn Gottes seyn könne, an dem man die ganze Menschlichkeit, und alle menschliche Bedürfnisse, eine» Vater, und eine wahre Mutter, einen so elenden Erziehnngsort als Nazareth, daö Znnehmen an Alter und Weisheit nur zu deutlich sieht, und wahrnimmt. Der Heyland, dem es zn viel daran gelegen war seinen Jüngern wahre Begriffe von dcr Erhabenheit seiner göttlichenPerson beyzubringcn, fragte sie daher öfters, für wen ihn die Leute überhaupt hielten, und was sie insbesondere von ihm dachten. Die Jünger sagten ihm: Einige verehren a» dir die Person des im Kerker enthaupteten Johannes, andere glauben, du wärest Elias, und erscheinest im neuen Leben, und wieder andere sind der Meynung, du seycst Jeremias, oder sonst ei» Prophet. Auf alle diese Volksmcynunacn antwortete dcr Heyland nichts. Aber nun mußten sich seine Jünger äußern, für wen sie ihn hielteu; und Petrus führte sogleich das Wort, nnd antwortete im Namen Aller: Du bist dcr Sohu des wahren, ewigen Gottes, über diese Antwort prieß prieß ihn der Heyland selig/ und versicherte ihn, daß ihm der himmlische Vater diese Wahrheit ciuge-gcben habe. Um aber sowohl den Petrus, als auch vielmehr seine übrigen Junger fester zu überzeugen, wie richrig sie von seiner Person urthciltcn, wenn sie ihn für den wahren Sohn Gottes halten, so gieng er acht Tage nach diesem Gespräche in der Begleitung des Petrus, Jakobs uud Johannes auf einen sehr hohen Berg, vermuthlich Thabor genannt, und da er öfters gewohnt war nur einige seiner Schüler mit sich zu nehmen, so machte diese Aus-' wähl gar kein Aufsehen unter seinen Jüngern. Auf dem Berge ergab er sich dem Gebethe, die Jünger aber lagerten sich Gedankenvoll hin, und weil der Heyland in seiner stillen Betrachtung lange ans-harrtc, die Jünger aber vom Bergsteigen müde waren, so überfiel sie ein leichter Schlummer. Aber welch ein Erstaunen bey ihrem Erwachen! So sahen sie nie ihren Rabbi, sein Antlitz glanzte wie die Sonne, seine Kleider schienen weiß zu seyn wie der Schnee, ihm zur Seite ersahen sie Moses und E-lias, die zwecn ansehnlichsten Männer des israelitischen Volkes. Als Petrus alles dieses sah, so kam er ganz ausser sich. Alles war bey ihm auf einmal so vergessen, daß er nicht mehr auf sein Schiff, sein Netz, seine Bekannte, und Freunde dachte, sondern sich fest entschloß auf immer auf diesem Berge zu wohnen; Herr! sprach er zu seinem Meister, hier ist gut sevn, willst Lu, so werden wir drev Hütten aus-schlagen, dir eine, dein Moses' eine, und dein G 4 Elias Elias eine. Kaum sprach Petrus diese Worte aus , so überschattete sie eine lichte Wolke, und sieh! «ine Stimme aus der Wolke sprach: dieß ist mein geliebterSohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe, diesen sollet ihr hören. Die Jünger erschrocken über die so unverhofte, als majestätisch erschallende Stimme so sehr, daß sie gleichsam vom Donner getroffen ans ihre Angesichter zur Erde niederfielen, und in eine Ohnmacht dahin sanken. Aber der Heyland ließ sie nicht lang in diesem Schrecken liegen; denn er trat zu ihnen, rührte sie an, und versicherte sie, daß für sie dahier keine Gefahr sey, fic könnten daher ohne allen Schrecken aufstchen. Als sich nun die Jünger von ihrem Schrecken in etwas erholet, und ihre Augen geöffnet hatten , sahen sie Niemand als Jesum allein, welcher mit ihnen sogleich den Berg verließ, und ihnen im Herabgehen vom Berge den ernstlichen Verboth gab, Niemanden von diesem Gesichte seiner Verklärung so lange was sage», bis er von den Todten würde auferstande» seyn. Diesen Verboth gab er ihnen ans Per Ursache, weil er zur Zeit seines sichtbaren Aufenthaltes auf Erde in dem Stande einer tiefen Erniedrigung fortlcben wollte. Trost-und belchrungsoollcr kann für uns, meine Christen, wohl keine Geschichte seyn, als die von der Verklärung unseres Hcylandes, weil wir aus dieser, und besonders aus der Erscheinung Moses , und Elias lernen, daß auch nach unserem Tode nur der Körper in die Faulniß, unsere Seele aber in ein besseres, ewig dauerndes Leben übergehen werde. Eine Wahrheit unserer heiligsten Religion, dessen sen mächtigsten Einfluß ans unsere zeitliche und ewige Glückseligkeit ich euch in Kürze zeigen werde. In der That, traurig, sehr traurig würde das Schicksal der Menschen hieuiedcn seyn, wenn sie nach diesem sterblichen Leben keine bessere Zukunft zu erwarten hätten, elender als unvernünftigeThiere würden sie ihre Tage durchleben, sie würden erliegen, sie würden sich in ihr voriges Nichts zurück wünschen , und so mit Schauder und Schrecken auf ihre künftige Auflösung warten. Aber Heil uns Christen, wir darfen in einem solchen Zustande nicht leben, wir darfcn so was nicht fürchten, denn wir haben eine Religion, welche uns immer mit einer sich auf göttliches Ansehen und Ucberzeugung gründenden Stimme zürnst: Christ! Traurig ist zwar der Zustand deines Körpers, wenn du gestorben bist, er zerfällt in Staub, und wird der Würmer Speise; aber du selbst, das heißt, deine Seele, die Seele, die das Bild der Gottheit an sich trägt, in diese deine Seele hat der Schöpfer den Hauch der Unsterblichkeit geblasen, die ist ewig, so, wie ihr Schöpfer ewig ist. Aber, ist diese Lehre auch richtig? Ozwei-fclt nicht meine Christen an dieser wichtigen tröstlichen Wahrheit, denn wenn uns davon auch Vernunft und Gewissen nicht überzeugten, so sind uns der Offenbarung, und Jesus untrügliche Worte Bürge dafür. Moses der jüdische Gesetzgeber, und Elias, einer der größten Propheten Israels, bcyde waren schon verstorben, der Eine vor fünfzehn hundert, der Andere vor ungefähr tausend Jahren, ehe die Geschichte mit der Verklärung unseres Heylandes anfdem Berg Thabor sich ereignete, und doch sind G F sic sie nach Zeugnisse des heutigen Evangeliums dem Heylande erschienen/ und haben mit ihm über sein bevorstehendes Leiden gesprochen; ist also ihr Leben nicht ein klarer Beweis , daß unsere Peele nicht sterbe, sondern nach dem Tode des Körpers in ein besseres Leben übergehe. Fürchtet euch nicht, sprach einmal der liebvolle Hcyland zu seinen Jüngern, fürchtet euch nicht vor Menschen, die nur den Leib todten, aber eure Seele können sie nicht tödten, diese tragt das Siegel der Unsterblichkeit an sich, diese wird nach eurem Tode leben, zum Vater gehen, und bcy ihm die Freude der Seligen Gottes gemessen, da wird sie den Lohn ihrer Werke empfangen, da wird jede Thranc versiegen, die einst euer Auge weinte, jeder Schmerz verscheucht, der oft eure Stirne mit granzenloser Traurigkeit umzog; denn ewig ist euer Lohn, ewig die Seligkeit des künftigen Lebens, so wie euer Vater im Himmel ewig ist. Dicß meine Christen ist die tröstliche Wahrheit, von deren Gewißheit uns Jesus untrügliche Worte überzeugen, die uns die Religion immer vvrprcdigt, und mit unauslöschlichen Buchstaben in unser Herz einzugraben trachtet. Und wofür verheisset uns die Religion diese so herrliche, ewig dauernde Belohnungen? Nur gegen dem meine Christen, daß wir daS Böse meiden, und das Gute ausüben. Und wodurch erreicht sie ihren Zweck? Dardnrch, daß sic uns da, wo wir von dem Wege der Tugend abwcichen wollen, bald das ernstliche Bild des Todes zu Gemü-the führt, bald den Abgrund des Verderbens zeigt, au dem wir stehen, und uns auf den zörnenden Richter tcr hinweiset. Dicß sind die Beweggründe und Behelfe, welche wir ans der Religion schöpfen, um uns mit Kraft und Starke ausznrüstcn, und die Sünde hcldenmüthig fliehen zn können. Wie oft war nicht der wankende Christ, durch Wollnstrcitzc geblendet, fchon im Begriffe sich in die Arme der Weichlichkeit zu werfen? Aber mächtig kam ihm die Religion zn Hülfe, sie hieß ihn Hinblicken in die gerechten Gerichte Gottes, nnd alfogleich stund er von seinem bösen Vorhaben ab. Schienen, der wollüstig seine Tage dnrchgefchwelgt, und seine Habe durchgejagt hat, wie er nun in seinem Alter schon von dem Schatten einer Handlung zittert, die den Allmächtigen zur Strafe reihen könnte. Hier kann einer eine einträgliche und ansehnliche Ehrcnstelle leicht erhaschen, er darf seinem Bruder nur eine schlaue Falle anlcgen, ein Laster andichten, und der Bruder ist von seinem Posten hcrabgestürzt; da reihen den Ändern beträchtliche Geschenke, sie sind im Stande ihn aus feiner Dürftigkeit herausznreissen, er soll dafür nur den Armen unterdrücken, oder der Witt-n e ihre gerechte Sache abfprcchcn; und wie leicht ist er nicht unterdrückt der hülflose Arme, nur ein Wort im Richtertone gesprochen, und der Arme ist untergraben! Die hülflofe Wittwc kann ja nur im Stillen über das ungerechte Urtheil klagen, denn sic ist ohnmächtig, zu unvermögend ihr Recht weiter suchen zu können. Und schon ist er gesinnt diese granß-lichen Handlungen auszuübcn, als mit doppelter Stärke ihn die Religion zurückruft: Mensch! Deine Seele ist unsterblich, sey daher ein ehrlicher Mann, thuc Niemanden Unrecht, verdamme keinen, richte kei- keinen, ehre den Greis, warne den Jüngling, helfe dem Fallenden, stütze den Stranchlenden, lasse jedem seine Rechte widerfahren, gedenke, was du wärest, und was du einst seyn wirst! — Und schon bebt er von dem Laster zurück, und betritt mit doppelten Schritten die Bahn der Tugend. Geschieht es aber, daß alle diese Beweggründe der Religion uns noch nicht vom Bösen abhalten , und zur Tugend aufmuntern, da kömmt sic erst mit Bcyspicle», welche eben darum, weil sie anschaulicher sind, auch um so gewisser wirken. Wer ordnet die Schicksale der Menschen so, daß wir hier den Greis mitten in seinen Beschäftigungen, dort unseren Freund bcym Genuß der süssesten Freundschaft, den Jüngling in der Blüthc seiner Jahre plötzlich lodt darnieder stürzen sehen? Wer anders, sage ich, ordnet alle diese Zufälle so, als Gott, und warum, als damit er uns durch selbe zum Guten aufmun-tern, und zur Ausübung der Früchte der Buße bewege? Bep solchen Zufällen beincistert sich die Religion ganz nnscrs Herzens, nnd sagt uns: auch du kannst so unvermuthet von der Welt abgerufeu werden, und wie wenig hast du bishero gethan! Christ! was trachtest du so sehr nach den vergänglichen Schattenbildern? Trachte vielmehr nach Tugend und guten Werke», dieß allein wird dir in der Stunde deiner Auflösung Trost bringen, alles das übrige zerfällt, aber dieß allein bleibt in Ewigkeit. Noch bist d» in deinem Vaterland, eile ihm durch eine genaue Erfüllung deiner Berufsgcschäf-ken nützlich zu seyn. Noch hast du deine Gattin, sey nun ihre Freude, und ihr Glück, daß sie von dir dir einst zenge an dem Tage des Herrn. Noch hast du deine Kinder, eile sie durch Tugend und Rechtschaffenheit zu Gott zu führen, und ihre unsterbliche Seele anszubildcn, wer weist, wie bald du sie verlassen mußt: Noch hast du Arme, und Elende, stenre ihrem Mangel. Jetzt kannst du noch der Wahrheit nnd gerechten Sache Zeugniß geben, wer weiß, wie bald du verstummen, auf ewig verstummen wirst. Seht meine Christen, so bemühet sich die Lrcligion uns zur ewigen Glückseligkeit reif, und würdig zu machen, dieß ist ihre göttliche Stimme, dicß ihr Züreden, wenn wir uns am Rande des Verderbens befinden, dieß ist die tröstliche und belehrende Wahrheit von der Unsterblichkeit unserer Seele, die uns die Religion bei) allen unseren Handlungen immer vor Augen halt. Was jmr frohe Aussichten in die selige Ewigkeit eröffnen sich uns nicht bey reifer Erwägung dieser tröstlichen Wahrheit! O! möchten wir doch alle dereinst dieser seligen E-wigkeik theilhaftig werden! Und wie leicht können wir sie erlangen, wir darfc» ja nur die Stimme der Religion hören, nach Jesu göttlichen Vorschriften unser Leben einrichten , die Sünde fliehen, und uns in den Werkender Gottesfurcht fleißig üben, dann werden wir gewiß an der ewigen Herrlichkeit An-lheil haben. Amen. Am Am dritten Sonntage in der Fasten. Evangelium Luk. n. v. 14-28. Ä^ahrhaftig meine Christen, ich weist nicht was unserer Aufmerksamkeit würdiger seye, die Sauftmnth unseres Heylandes, oder die Bosheit der verstockten Juden; denn was unternahmeu'diese nicht, um Jc-sum entweder gänzlich zu Grunde zu richten, oder ihn wenigstens dem Volke verhaßt zu machen. Was unternahm Jesus nicht, um sic von ihrem nahen Verderben zu retten, und sic selig zu machen ? Dahin zielen die Gnaden, mit denen er sie überhaufet, dahin die Sanftmuth, mit der er ihre Beleidigungen ertragt. Wie liebvoll begegnet er ihnen, da sie nichts als derbe Verweise verdienten, wie gütig widerlegt er ihre gotteslästerischen Vcrläumdungen, die der schär-fcstcn Ahndung würdig waren. Das heutige Evangelium ist ein Beweis von allen dem. Als der Hcyland einmal nach Kapharnaum kam, sammelte si ch in seinem zum Lehramt gemietheten Hause eine große Volksmenge. Unter ändern Nothleiden-dcn wurde ihm ein Manu vorgeführt, der nach den damaligen jüdischen Begriffen die traurige Wirkung des Satans in sich fühlte, daß er stumm, und nach dem Zeugnist des heil. Evangelisten Matthäus auch blind war. Der Heyland bcfrcyte diesen armseligen Menschen von seinem abscheulichen Gaste, indem er ihm durch ein einziges Machtwort das Licht der Augen und die Sprache wieder gab. Ganz natürlich ist es, eS, daß dieses Wunder Jesu grossesAnfsehen machen, das ganze Volk über die plötzliche Genesung des Kranken erstaunen, und zu dem richtigsten Schlnße verleiten mußte, daß derjenige, welcher dem Satan mit solchem Nachdrucke gcboth, und den Menschen von seiner Gewalt befreyete, was göttliches an sich haben, und der wahre Messias seyn müsse. Nur die gallsüch-tigen und neidischen Pharisäer wollten sich von der Göttlichkeit dieses WnnderS nicht überzeugen lassen, sondern sagten lieber dem Volke, Jesus habe dieses Wunder nicht aus göttlicher Kraft, sondern durch Zauberkünste und durch die Macht des obersten Satans, nämlich des Beelzebubs, mit dem er in gutem Verständnisse lebe, gewirket. Dieses lispelten sie den: Volke ins Dhr, und brachten die Sache bcy selbem wirklich so weit, daß viele auS dem Volke das Wunder , so Jesus an dem blinden und sprachlosen Menschen wirkte, verwarfen, und von ihm federten, daß er seine Wuuderkraft durch anbcreZeichcn vom Himmel, etwa durch eine schnelle Luftveränderung, Sonnenfinsternis , schimmernde Luftbilder, feurige Wägen beweisen solle. Jesus, der nur zu gut wußte was seine Feinde lispelten, und dem seine und ssincsVatcrsEhre zu sehr amHerzcn lag, konnte diese abscheulicheGottcslästeruug der Pharisäer nicht länger anhören , zeigte ihnen daher den Ungrund derselben, und wollte sie von der Göttlichkeit seiner Person mit folgendem Vernnnftschlusse überzeugen: ein Reich, sprach er, in welchem Par-theyeu herrschen, wo ein Glied wider das andere ist, wird von seinem Verfalle nicht weit seyn;-weun also das Reich der Satanasse in sichzerrheilt ist, wcnn Ei- ^ ner ner seine Macht wider den Ändern anwcndek, so wird ihr Staat von keiner langen Dauer seyn. Wenn ich also die satanische Macht durch die Mitwirkung eines ändern Dämons schwäche, so muß ja ihr Reich zer-thcill, uneinig, und seinem Untergange nicht ferne seyn; über dicß sind ja selbst einige unter dem Judcn-gcschlechte, welchen ihr die Kraft zntrauet, Dämone zu vertreiben; von diesen sagt ihr nicht, daß sie diese Krafkdurch andere Dämone ansnben, warum sprecht ihr also von mir und meinen Werken so übel? Wenn ich aber durch die Kraft Gottes solche Werke verrichte, so sollet ibr euch vielmehr freuen, daß die Macht Gottes euch so nahe ist. Nicht wahr, sagte Jesus ferncrs: nicht wahr, wenn ein wohlgerüsteter Mann sein Hans vor den Anfällen eines etwa kommenden Feindes beschützet, so wird er sich in seinem Hause erhalte», wen» aber der Feind starker ist, so wird er den Herr» des Hauses aus seinem Besitze treibe». Dieß nehmt ihr Pharisäer als eine» Beweiß an, daß meine Werke Gotteswcrkc seyn müssen, und daß eine höhere Macht, als jene des Satans ist, bey mir stehe; weil derselben selbst Satan zu weichen gezwungen wird. Was diese Rede auf die Herzen der gallsüchkigen Pharisäer für einen Eindruck machte, läßt sich leicht denken; das ' Sonderbarste aber dabey ist es, daß , als der Hcy-land diese Rede beschlossen hatte, ein Weib ganz enthusiastisch ausrief: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Der Hcpland aber erwiederke hierauf sogleich: am seligsten sind, die, welche Gotteslehre aus meinem Munde vernehmen, und derselben gemäß leben. Meine Meine Christen! was verleitete wohl die Pharisäer dahin, daß stc sich gar so sehr bemühten, dem geschehenen Wunder alles, was dabei) seltsam war, zu benehmen, dasselbe herabzusetzen, und verab-scheuungswürdig zu machen? Welche böse Neigung, sage ich , verblendete die Pharisäer so sehr, daß sie seine heiligsten und wohlthatigsten Handlungen zu verschwarzen, und bcy dem Volke auf die schlimmste Art auszulegen suchten? wenn nicht der Neid, welcher sie in die ehrgeizige Furcht setzte, es mochte das Volk nach und nach von ihnen absallen, und dem Jesus von Nazareth anhangen. Und düukct cs euch nicht meine Christen, ihr höret Leute unserer Zeit reden, welche aus Neid mit ihrem Nebenmen-schen fast eben so umgehen, wie die Pharisäer mit dem Hcylande? Höret ihr nicht oft, dass Untertha-nen wider ihren Landesoberu, Kinder wider ihre Eltern, Dicnstbothcn wider ihre Herren und Franen, Zirme wider ihre verordnete Versorger die frevelhaftesten, schimpflichsten Klagen fuhren? Wo mag wohl die Ursache dieses verwegenen Frevels liegen? Man höre nur ein wenig dem Geplauder dieser Unzufriedenen zu, und man wird bep den meisten die ächte Quelle davon einzig und allein in ihrem ncidigen Herzen finden. Beschwert sich nicht oft der Sohn, oder die unwillige Tochter: meinem Bruder, meiner Schwester stehet in unserm Hause alles zu Diensten, diese können verlangen, was sie wollen, nie wird es ihnen an der mütterlichen Frepgebigkeit gebrechen, aber ich, der ich das nämliche Recht dazu habe, bekomme kaum die Hälfte soviel, und noch dieses gemeiniglich mit finsterer Miene. Ja, spricht Frithl-a. Sonntag. H dieser dieser Dienstboth hier, sollte ich mich auf das Schmeicheln so trcffich verstehen, meiner fnrwiyigcn Dicnst-frau die geringste Kleinigkeit, die sich i» ihrer Abwesenheit äußert, gleich pünktlich zn wiffcn machen, oder mich gegen meinen Herrn in gewissen Umstanden eben so gefällig, und willfährig als meine Mik-magd bezeigen, ich wette daraus, mein weniger Liedlohn würde bald zu wachsen anfangen. Aber wie thöricht, und wie einfältig handeln doch solche Leute, welche sich dem Fehler des Neides ergeben, wie thöricht und einfältig, sage ich; denn cS gibt schwerlich ein Laster, welches dem Menschen so wenig Freude bringe, im Gegcnthcil aber so viel Verdruß machen könne, als der Neid, so zwar, daß es zu bewundern ist, daß unter tausend Menschen nur noch einen einzigen dasselbe bey sich einnisten, und in seinem Herzen Besch nehmen läßt. Jeder von uns begehet verschiedene Gattungen von Sünde», aber sagt mir, ist unter allen Sünden eine, die euch so wenig Vergnügen verschaffet als der Neid? Ist eine, die ihr so wenig rechtfertigen könnet, als diese? Der Räuber gibt seine Dürftigkeit als eine Ursache an, durch die er sich zur Bcstch-lung seines Nebenmenschen verleiten ließ; der Wollüstling nimmt seine Zuflucht zur Schwachheit des Fleisches, und sagt, daß er nicht im Staude war sich der vielfältigen Versuchung zu widersctzen; der Gcitzige gibt vor, er würde mit seinem Gelde nicht so sparsam zurückhaltcn, wenn er für künftige Zeiten gesichert wäre; der Rachgierige mcyner, er finde in der erlittenen Beleidigung etwas, das ihn zur Racheberechtige. So sucht sich jedweder einen Deckmantel tel für seine Fehler. Wo kann aber der Neidische einen suchen , oder finden? Wo? — Denn wen» ich einen auS euch frage: Höremein Bruder! Warum beneidest du deinen Ncbcumenschen? Warum mißgönnest du ihm das Stück Brod, welches er ruhig, und ohne deinen Nachtheil gcnicssct? Warum beneidest du ihm de» Gewinn, den er bcy diesem oder jenem Handel gemacht bat? Warum die Früchte, welche vorzüglich auf seinem Felde - schön stehen? Warum sprichst du in deinem Herze», oder auch gar mit deinem lieblosen Munde: Es ist Schade, daß er es hat! Er sollte es nicht haben! Warum dieses? Weil du es nicht selber hast? Hast denn du ein Recht dieses zu fodcru? Und wenn du es ihm mißgönnest, hat er cs deßwegen nicht? Schmeckt deßwegen sein Brod sauer, weil du gerne wolltest, daß es sauer schmecke? Mißgönne du deinem Nächsten sein Glück, so laug du willst, reiffe deine Augen, und deinen Mund darüber auf, zerberste auch vor Mißgunst, du hast deßwegen nicht mehr, und er nicht weniger. — Doch nein, du hast dadurch mehr, und er weniger, denn du hast Schmerzen und Plage in deinem Herzen, und diese hat er nicht, du bist unruhig, und er nicht. Dieß ist die Eigenschaft des Neides, daß er Niemand schadet, als dem eigenen Herrn, dessen Herz er eben so auffrißt, wie der Rost das Eisen, daß er zuerst nur den strafet, welcher ihn begehet, nur diesen allein peiniget, und martert. Freplich geschieht es nicht selten, daß der Neider auch aus den Beneideten einen Ausfall wagt, daß er ihn theils durch böse Nachreden, theils durch falsche Beschick» H 2 digun- digungeu, theils durch andere lieblose Rauke des Guten, welches er gcuieffct, zu berauben trachtet; aber handelt der Neider dadurch nicht wahrhaft thö-richt, indem er eben dasjenige thut, wodurch er sich in diesem Leben eben so, wie für die kommende E-wigkeit wahrhaft unglücklich macht? Und dieß ist geradezu die Strafe, welche dem Laster des Neides auf jedem Schritte folget. Was hat der Mensch in dieser Welt für ein größeres Gut, als die Ruhe des GemütheS, und die innerliche Zufriedenheit? Nur diese würzt unser Leben, und bewirket, daß man auch widrige Falle mit nnerschüttertem Muthc auszuhalten weiß; allein der Neidige kann sich dieser süssen Ruhe nicht erfreue», selbst das Gute, welches er genicssct, hat für ihn nichts Erfreuliches, so lange er andere daran Theil nehmen sicht, und Unglücksstreiche sind für ihn um so empfindlicher, weil nicht eben so sein Bruder davon getroffen wird. Was soll ich euch meine Christen erst von dem Schaden, welcher in der Ewigkeit des Neiders wartet, sagen, weil er das größte und vornehmste Gc-both des Hcylaudes Übertritt, vermög welchem er seinen Nächsten, wie sich selbst, hatte lieben, und hiemit sich über das Wohlergehen desselben, wie über sein eigenes erfreuen sollen. Ja, ja, dort erst in der Ewigkeit kömmt über den Neider der Rest der Strafe, indem er jenes ewig lohnenden, unaufhörlichen Reiches beraubt sepn wird, welches der Hey« land nur solchen Christen versprochen hat, die das grosse Geboth der Liebe GotteS und des Nächsten erfüllen. Amen. Am Am viertelt Sonntage in der Fasten. Evangelium Johannis 6. V. i. —15. übermal sehen wir unfern Heyland beschäftigt allenthalben wohl zu khun; abcrmal sehen wir ihn in seinem Wirkungskreise, sehen, wie er seine Zeitgenossen belehret, und anch für ihre leibliche Bedürfnisse sorget, wie das henüge Evangelium uns davon überzeugen wird. Kaum hatte der Hcyland die Enthauptung des unschuldigen Johannes des Tauftrs vernommen, so suchte er sich einen Zufluchtsort, in welchem er in Gesellschaft seiner Jünger vor den Nachstellungen des Herodes sicher zu seyn hyffen konnte, weil Herodes wegen den grosse» Wunderthatcn Jesu glaubte, das; Johannes wieder von den Tod-ten anferstanden , und in der Person Jesu auf die Welt gekommen seye. Zu dem Ende begab sich Je- sus mit seinen Jüngern in ein Schiff, fuhr über das gallilaische Meer bey Tybcrias vorbey in die jenseitige Gegend, und gelangte aus einem zu seinem Zufluchtsort bestimmten Berge an. Eine groffe Menge Volks, welche khcils die Absicht neue Wunder von ihm zu sehen, theils aber um ans seinem Munde die göttliche Lehre zu vernehmen, in seine Gesellschaft lockte, zog ihm ans den Berg nach, und der Heyland war so gütig, daß er das Volk für seine Reise entschädigte, und selbes auf dem Berge H Z den den ganzen Tag hindurch in den göttlichen Wahrheiten unterrichtete. Aber welch ein Anblick war es für den mitleidvollen Heyland , als er am Abend des Tages feinen Unterricht endigte, und die Menge des Volks in einem Orte sah, wo es seine nöthigsten Bedürfnisse nicht befriedigen konnte. Ihr Spcifevorrath . den sie von Hause mitgenommen haben, waransgegangen, und in einer unbewohnten Wüste war nichts zu bekommen. Vom Mitleid durchdrungen sprach er daher zu seinem Jünger PhilippuS, welcher in der nämliche» Gegend, in welcher sich diese Geschichte zutrug, gebürtigwar, und diese ganze Landschaft kannte: Sieh, um uns her ist viel Volk, was denkst du , können wir wohl dasselbe bewirthen? können wir in dieser Landschaft so viel Brod aufbringen, daß alle diese Leute gcsättigct werden? Meister! antwortete ihm Philippus, zweyhundert Denarien (nach unserer Gcldmünze LL. Reichsthaler) ist unser ganzer Geldvorrath, nnd mit diesem können wir nicht so viel Brod anschaffcn, daß jeder auch nur ein kleines Stückchen bekomme; bedenke fcruers, daß wir uns in einer Wüste befinden, in welcher, wenn wir auch wirklich hinlänglichen Vorrath am Gclde hätten, cs dennoch platterdings unmöglich ist, für so viel tausend Leute Brod auftrcibcn zu können. Der Hcy-land, als sehe er die von dem Jünger geahndete Unmöglichkeit so viele Menschen abzuspeisen nicht ein , fragte den Jünger Andreas, ob denn gar Niemand von den Gegenwärtigen einen Vorrath an Speise bey sich hätte? allein auch Andreas antwortete ihm: > Meister! Meister! es ist zwar ein Knab hier, der fünf Gersten Brode, und zween Fische hat, aber was istdieß für so Viele? Nun stand alles in der Erwartung, was der Heyland anjetzo thun, nnd wie er sich aus dieser Verlegenbeit heransreissen werde; allein er, der feine Wunderkraft kannte, befahl, daß sich die Volksmenge auf dem Grase niedcrlasten solle, nahm dann die fünf Gersten Brode, und zween Fische, die er vermuthlich dem Knaben abkaufen ließ, in seine se-geuvolle Hände, erhob seine Augen zu dem himmlischen Vater, dankte ihm, und segnete sie, daß sie sich so vermehren möchten, daß sie zur Sättigung dieser Leute hinrcichen könnte»; nun brach er die Brode, und lheilte die Fische, gab sic dann seinen Jüngern, die sie unter dem Volke austheilen mußten ; und seht Wunder! diese fünf Brode, und zween Fische, vermehrten sich dergestalt in de» mildthäti-gcn Wuttderhänden Jesu, daß fünftausend Menschen nicht nur gesättiget wurden, sondern daß man »och dazu mehr cinsammelte, als man ausgetbeilet hatte. Denn bey der Zusammensammlung der übergeblie-denen Stückchen fand sich, daß damit zwölf ganze Körbe angefüllet wurden, da doch die fünf Gersten Brode ehevor im Ganzen genommen kaum einen Korb anzufüllcn hinreichend gewesen wären. Eine neue Bewegung entstand nun unter dem Volke über dieses Wunder; er ist es, rüste man ihm von allen Seiten zu, er ist es, ans den wir schon so lange gewartet haben; ihm gebührt königliche Verehrung. Der Heyland aber, um keiner Empörung im Lande Gelegenheit zu geben, begab sich H 4 ganz ganz allein auf einen andren Berg, um allda dein Gcbethe wiederum ungehindert obzuliegcn, seineir Jüngern aber, welche ohnedieß einen irrdischcn König an ihm erwarteten, befahl er nach Bcthsaida überzuschiffen, welches auch von ihnen schleunigst vollzogen wurde. So viel Worte, so viele Lehren enthaltet für uns die heutige evangelische Geschichte: sekt! mit eben der Wunderkraft, mit welcher Jesus die fünftausend Mann sättigte, speiset Gott noch täglich über tausend Millionen der Mensche»; dieser unendlich gütige Vater übersieht keines seiner lebenden Geschöpfe, vom Menschen bis zum Wurm hinab gibt er jedem seinen Theil von Speise und Vergnügen ; täglich halt er für Hohe und Niedrige, für Menschen undThicrc offene Tafel, alles kömmt von Gott her, nur daß wir unsere Nahrung nicht unmittelbar ans den Händen unsers himmlischen Vaters, wie die fünftausend Mann aus den Händen des Hey-landcs erhalten, sondern er bedient sich zu unserer Abspcisuug der Elemente, des Wassers, der Erde, dcr Lnst, und des Feuers, und idann der Menschen, durch deren Fleiß die Erde gebauet, geackert, bepflanzet, nnd angesäct wird; aber bey dem allen muß die Hand Gottes zuerst wirken, Gott muß segnen, und segnet er nicht, so ist alles andere unwirksam, fruchtlos, vergebens. Wie auffallend also mag es in den Ohren eineS guten Christen klingen, wenn tnan euch mcineChri-sten, bep einem uncrgibigen Jahrgange auf diese Art sprechen höret: der viele Regen, die grosse Ue-berschweinmung, die zu strenge Kalte, die anhaltende kendc Trockne, die rauhen Winde, die frostigen Nächte sind die Ursache der Unfruchtbarkeit; sind denn alle diese Dinar was anders als Werkzeuge, derer sich Gott bedienet, um unS mehr oder weniger Gutes zu thun? denn, wer befiehlt den Wolken, daß sie den Regen herabfallcn lassen, oder ihn zu-rückhalten, als Gott? Wer hat den Wässern die Schranken gesetzt, daß sie da oder dort überschreiten dürfen, als Gott? Wer laßt die Wolken von dem äussersten Ende der Erde kommen? Wer zieht die Winde aus den Höhlen, wo sie verschlossen liegen, als Gott? Es ist also nur Gott, der seinen Segen zurückhält, wenn wir wenig, und eben nur er, der denselben ertheilet, wenn wir niedreres bekommen. Lernet hieraus, wie unvernünftig ihr redet , wenn ihr die Frucht - oder Unfruchtbarkeit eines Jahres dem JahreSlauf, oder den Planeten zu-schreibct. Einfältige! Wer hat denn diese Planeten erschaffen? nicht wahr, Gott; und die, welche ohne Gott nicht wären, die sollten ohne Gott, oder wider dessen Willen etwas Gutes, oder Vöscs wirken können? und doch seyd ihr so schwach, daß ihr diesen Planeten sogar über den freyen Willen des Menschen eine Herrschaft cinraumet; wollt ihr denn »och immer trotz dem Unterrichte, den man euch hierüber gibt, in eurem Lollsinnc verharren, und eure alten Regeln auch den Kindern zurücklasscn? sagt lieber ; wenn euch etwas Gutes zukömml: das ist von Gott; bekommt ihr nicht, was ihr hoffet, oder verlanget, so saget: Gott wolle cs nicht geben, weil wir cs nicht verdienen. Durch das erste werdet ihr zeigen, daß ihr Gottes Allmacht, durch das zwepte, daß H L ihr ihr eure Unwürdigkeit erkennet; durch beydes aber werdet ihr euch gegen Gott dankbar erzeige» , zu welcher Tugend uns das Beyspiel Jesu Christi süh-ret: denn dieser, spricht das Evangelium, nachdem er cbevor gedankt hakte, ließ das Brod austheilen; wozu diese Danksagung? Warum schickte der Hey-laud das Dankgebeth der Austhcilung des Brodes voraus? Ist er denn nicht selbst Gott? Warum gebrauchet er also nicht seine schöpferische Gewalt, und gebiethet, daß sich die Brodc ohne weiters vermehren? Wahr ist es, dieses alles zu thun wäre Jesus im Stande gewesen, ein bloßes Wort, ein Befehl, ein Wink wäre dazu hinlänglich gewesen; allein er wollte doch zuvor danken, und sich zuGott seinem Vater wenden, um uns Christen den wichtigen Unterricht zu geben, wie nothwendig cs auch »ns seye, für göttliche Gaben dankbar zu seyn. Aus diesem Beyspicle lernten ohne Zweifel die ersten Gläubige», unsere Väter, jene löbliche Gewohnheit allemal vor und nach dem Essen ein Gebcth zu Gott zu verrichten. Fromme Christen behalten diesen anständigen Gebrauch noch immer bey, che sie sich zuLisch nicdersehcn, versammeln sie sich, und ehrerbiethig halten sic bey Gott an, daß er ihre Speise» segnen, und sein Gedeyhen dazu geben wolle; rechtschaffene Eltern halten auch ihre Kinder dazu an. Recht so , meine Christen! ihr verdienet hierüber ei» Lob, fahret fort in dieser überaus schönen Gewohnheit, wenn ihr auch Weniges zu gcniessen habet, so wird Gott durch eure Dankbarkeit bewogen, dieses Wenige so zu segnen, daß cs euch hinlänglich zur Gesundheit, und zu neuen Kräften gedeyhen werde. werde. Dadurch werdet ihr den Befehl des Avo-fiel Paulus , den er den Christen seiner Zeit gab, erfüllen: Ahr moget effcn oder trinken, so thuet alles zur Ehre Gottes, thut alles im Namen Aesu Christi, und danket Gott, und dem Vater durch ihn. Lasset euch also in eurer schönen Gewohnheit durch üble Beyspiele nicht irre machen , sondern denket täglich, daßjedcrAthemzngdurch Gott belebet werde; jede Frucht durch seine Güte reife, und jede Speise durch seine Gnade gedeyhe. Euer Dank stieße aber aus dem Herzen, und scy nicht ein stets gleiches Gebeth, welches ihr in der Kindheit vielleicht ohne Empfindung erlernet habt, und nuu gedankenlos hersagct. Endlich sahen wir meine Christen in dem heutigen Evangelium, daß sich die fünf Brodc in den mildthatigen Wnnderhandcn des Erlösers so vermehrten, daß damit dieser zahlreiche Haufe nicht nur gesättigct, sondern »och von den überbliebenen Stücken zwölf volle Körbe angcfüllet wurden. Dieses solle uns beweisen, daß dasjenige, was wir unserem dürftigen Bruder mittheilen, unser Haus mit himmlischen Segen erfüllen werde, daß wir durch diesen Segen, wenn nicht in diesem Leben schon, doch gewiß in der Ewigkeit mehr einsammcln werden, als wir ausgesael haben; dieses sollte uns lehren, daß das Almosen mit gutem Herzen mirge-theilt, niemals arm, sondern vielmehr reich mache; und daß wir den Abgang dessen, was wir denen leidenden Brüdern aus Barmherzigkeit mittheilen, niemals empfinden werden. Und doch ist dieß cin Hauptvorwand, womit man die Hartherzigkeit gegen die die Armen zu bedecken pflegt. Thcile ich mit, heißt , es, so werde ich endlich selber arm , und muß das Brod aus Noch wieder suchen, welches ich jetzt aus Liebe weggcbe. O ihr Hartherzigen! mcynet ihr denn, die ihr also redet, Christus werde das, was ihr ihm in fernen Armen erweiset, so vergessen, oder gegen euch so undankbar seyn, daß er euch nicht alles doppelt wieder gebe? meynet ihr dann, da ihr Christum nähret, so werdet ihr von ihm nicht wieder genährct werden? zeigt mir doch einen einzigen Menschen, oder nennet mir ihn, der durch die Werke der Barmherzigkeit, wenn er sie anderst nach den Vorschriften des Evangeliums ansgeübet hat, arm geworden wäre. Es ist keiner, und kann auch keiner seyn, so lange die Wahrheit der Worte Jesu bestehet: Gebet, so wird euch gegeben werden. Lasset uns daher meine Christen die Lehren des schönen heutigen Evangeliums recht zu Herzen nehmen; lasset uns hoffen, d/rß der Herr für uns sorge; lasset uns nebst der eigenen Verwendung unserer Kräfte auf die allmächtige Fürsorge unseres himmlische» Vaters ganz gewiß vertrauen; lasset uns unser» Uebcrfluß unser» nothleidendcn Brüdern mitlhei-lcu, so werden wir uns dadurch würdig machen, Kinder unsers himmlischen Vaters genannt zu werden, und jene Seligkeit dereinst zu erhalten, die er nur fühlenden Herzen versprochen hat. Amen. Am Am fünften Sonntage in der Fasten. Evangelium Joh. 8. V-46. —59- heutige Evangelium ist ein Theil jener letzten Unterredung, welche der Heyland mit den jüdischen Schriftgelehrtcn zu Jerusalem auf dem L?auberhükteri -Feste hielt. Zur ewigen Schande ihrer tenfiischen Bosheit stehet diese Unterredung in dem Evangelium ausgezeichnet, und wird bis an das Ende der Welt von den Christen als ein Beweist betrachtet werden, was der Heyland der Well den Menschen zu Liebe an seiner Ehre leiden mußte. Es ist euch bekannt meine Christen, daß die ganze Absicht der Pharisäer dahin gieng, den Heyland bey dem Volke herabzusetzcn, und ihn bcy selbem um sein Ansehen zu bringen. Zn dem Ende rückten sic ihm mehrmalcn grobe Verbrechen vor, sie wollten an ihm solche Dinge wahrgenominen haben, aus denen man ihm seine göttliche Sendung strittig machen könnte; bald sagten sie: dieser Mensch, der den Sabbath nicht hält, ist nicht von Gott; bald beriefen sie sich auf das öffentliche Zeugniß, daß er ein Sünder sey. wir wissen, sagten sie, daß dieser Mensch ciri Sünder ist; bald lästerten sie ihn so frech, daß sicihn einen Fresser und weinsauser, einen Freund der Zöllner und Sünder nannten. Der Heyland, der das innerliche Bcwußlseyu seiner Unschuld fühlte, foderte, ungeachtet aller dieser Beschuldigungen , womit ihn die Pharisäer über-häusten, sie heraus, daß sic ihm ein Laster oder Sünde, de, die er begangen haben sollte, erweisen sollen, wer aus euch , sagte er mit einer ernstvollen Miene: wer aus euch kann mich einer Sünde beschuldigen, oder vielmehr überzeugen? denn daß ihr mir Sünden vorwerfet, dieß heißt noch nicht mich einer Sünde überzeugen; ihr müsset Zeugen hierüber darstellen, ihr müsset die Art, die Zeit, die Gelegenheit, wo, wann, und wie ich sündigte, nennen; ihr müsset das Gesetz vvrlegen, welches ich übertrctten habe; könnet ihr aber dieses nicht, so seyd ihr nicht aus Gott, weil ihr unschuldig meine Person lästert, und weinen Worten, welche doch Wahrheit sind, keinen Glauben beninessen wollet; ihr seyd vielmehr Kinder des Teufels, weil ihr mehr ihm, als Gvtt gehorchet , und als Kinder dieses finstern Vaters, nur Werke der Finstcrniß thnt. Da die Juden, welche immer höchst eifersüchtig waren, wahre Kinder Gottes zu sey», nicht im Stande waren, sich mit tüchtigen Gründen gegen den Heylaud zu verantworte», so nahmen sie ihre Zuflucht zu den Waffen der Lüge, Verläumdung, und Verspottung : Ha! nuu sehen wir, sagten sie, daß wir recht daran sind, wenn wir sagen, daß du ein Samariter (ein Ketzer) bist, und den Teufel habest. Die Pharisäer glaubten de» Hcyland recht empfindlich und boshaft zu schimpfen, wenn sie seine Religion angriffcn . und ihn einen Samariter schalten, oder wenn sie seine Unschuld antasteten, und ihn einen vom Teufel Besessenen hieße». Der Heyland aber, so grob und boshaft die Schmähungen dcrPha-rifäer auch waren, hörte selbe gelassen an, so, daß man billig sagen kann, daß nur ein Gottmcusch eine solche solche Seelengröße besitzen könne; weit entfernt von allein Zorn und Hitze, antwortete er auf alle diese empfindlichen Spöttereyen mit ernstvotter Stimme, und mit einem edlen Bewußtscyn der Rechtschaffenheit: Ich habe keinen Teufel, ich ehre meinen Vater der mich gesandt hat, und ihr Uebelgesinnten entehret mich , den Gesandten des Vaters; mich dürstet nicht nach Titeln und Würden, den» mein Vater ist cs, der meine Vorzüge kennet, meine Ehre suchet, und der euch, die ihr mich entehret, einst richten wird; daher versichere ich euch noch einmal, daß meine Lehre eine göttliche Lehre sey, und daß alle diejenigen, welche meine Lehre annchmrn, und nach selber leben werden, die Bitterkeit des Todes ewig nicht schmecken werden, sondern sie werden in süsser Hoffnung einer fröhlichen Urstände selig entschlafen, und sich eines ewigen Lebens erfreuen. Die Pharisäer, welche thcils aus Mißverstand, theils aus Bosheit diese letzten Worte von dem zeitlichen Tode auslegtcn, glaubten nun denHcyland recht in die Falle bekommen zu haben. Nun sehen wir, sagten sie, daß deine Lehre falsch , und vom Teufel seye; Abraham ist gestorben, die größten Propheten sind gestorben , und dn getrauest dir zu behaupten, daß derjenige, der dein Wort Hallen würde, ewig nicht sterben werde; bist du denn mehr, als unser Vater Abraham , und die Propheten, welche gestorben sind? Was machst du aus dir selbst?—> Ich habe euch schon einmal gesagt, erwiederlc der Heyland aufdiesen einfältigen Einwurf, daß ich mich selbst nicht ehre, denn wenn ich mich selbst ehrte, so wäre meine Ehre verdächtig, sondern mein himmlischer scher Vater ist es. welcher meine Ehre verlanget, und welchem ihr Inden unmöglich angchörcn könnet; denn wenn ihr Kinder meines himmlischen Vaters wäret, sd würdet ihr mich als einen sv heiligen und grossen Wunderthater gewiß nicht so schimpfen und lästern; ihr seyd zwar dem Leibe nach, Nachkömmlinge Abrahams, aber nicht dem Geiste »ach, weil ihr den Glauben und Hoffnung Abrahams nicht habt. Abraham, cuerVater,wärc froh gcwescn,wenn er mich gesehn hatke,crsahmichzmarimGeistc und inderHoffnnng, da er sich ans mich als den Messias vertröstete, und auf den Tag meiner persönlichen Ankunft in die Welt, sich gefreute; ihr aber wollet mich als euren Messias nicht erkennen, mich, der ich euren Vater Abraham kenne, und in der That eine höhere Person bin, als er. Kaum hörten die Inden die kehlen Worte Jesu, als sie sich neuerdings beleidigt fühlten, und dem Erlöser eines Widerspruchs zu überzeuge» glaubten , indem sie sagten : wie es doch geschehen könne, daß er, der nicht einmal vierzigJahralt ist, ihren Vater Abraham habe kennen mögen, der schon etwa vor achtzehn-hundert Jahren gestorben seye; allein der Heyland versicherte sic wieder mit de» nachdrücklichsten Worten, daß er, ehe Abraham gebohren wurde, schon gewesen seye. Nun wurden dicJuden, als sie diesen Beweis von seiner Gottheit hörten, so rasend aufgebracht, daß etliche von ihnen Steine auf,-üben, und ihn zu Tode steinigen wollten; allein der Heyland, für welchen diese Art des Todes von seinem himmlischen Water nicht bestimmt war, verließ den Tempel, und verbarg sich. Aus Aus dieser Erklärung des Evangeliums, könnt ihr meine Christen. leicht von selbst abnehmen, daß uns darin» der Hcpland hauptsächlich von Seite seines guten Gewissens als ein Muster und Vorbild anf-gestellet werde; denn kaum hakte er den versammelten Juden einige treffende Wahrheiten gesagt, daß sie nämlich bey ihrem lasterhaften Leben keinen Grund hatten, sich auf Gott zu getrosten, oder sich aufAbra-Ham , als ihren Stammvater, und auf die demselben gegebene Verheißungen zu berufen, daß sie vielmehr, so lange sie noch in diesem Zustande verharr? tcu, offenbar Kinder des Teufels waren, welcher nach ihrer eigenen Behauptung, vom Anfänge her ein Verfolger desGuteu, und Urheber des Bösen gewesen sey, und nun bricht er in die merkwürdigen Worte ans: TVer aus euch kann mich einer Sünde uberweisen? — Wer aus euch meine Christen, hört hier ans dem Munde des Erlösers nicht die innig ruhige, heldenmü-thigc Sprache eines guten Gewissens? Welcher Christ, wenn er anders nur ein richtiges Gefühl hat, kann sie hören, ohne bey sich selbst zu wünschen, daß er seinem Erlöser auch in Absicht dieses getroste», ru-higcnMnthes ähnlich seyn könnte? Und welcher Mensch, der den Trost eines guten Gewissens schon einmal empfunden hat, wird nicht lieber alles aufopfern wollen, che er dieses köstliche Kleinod wieder dahin gäbe? denn nie können wir bey dem Besitz desselben völlig unglücklich werden, nie einen so großen Verlust an zeitlichen Gütern erleiden, der uns nicht durch ein gutes Gewissen erträglicher gemacht, ja in gewisser Absicht wieder ersetzt würde. Was soll ich euch erst sagen von dem entscheidenden Schritt dieses Lebens ffrühl.a. Sonntag. Ä u> in die Ewigkeit, wo »ns schlechterdings nichts anderes beruhigen kann, als der selige Trost eines guten Gewissens. Ist es also nicht zu bedauern, daß es so wenige Christen gibt, welche ein gutes Gewissen zu erhalten sich bestreben? Ist es nicht zu bedauern, daß viele sich einbildeu es zu besitzen, die doch offenbar gewissenlos handeln? und zu dieser Klasse gehören jene Christen, welche in der Ausübung einzelner guter Handlungen ein gutes Gewissen suchen, ohne wirklich gebesserte Christen zu scyn. Es ist zwar allerdings für jeden Menschen gut, wenn ihm sein Gewissen Zeugnisse der Unschuld in einzelnen und besonder» Fallen ertheilt; doch sind diese Zeugnisse noch nicht der Trost eineS guten Gewissens; wen» Jemand zum Beyspiele mit seinem Nächsten einen Handel schließt, und lhut dabey, was der Billigkeit gemäß ist, so wird er allemal von seinem Gewissen zu seiner Beruhigung gercchtfertiget werden; gesetzt, wenn ihn auch andere des Betrugs heimlich , oder öffentlich beschuldigen wollten. Selbst ein lasterhafter Mensch kann in diesem eingeschränkten Sinne in vielen Fallen ein gutes Gewissen haben, denn Niemand ist so sehr verdorben, daß er nicht zuweilen eine pflichtmässige Handlung unternehmen sollte; mancher Wollüstling, der sich in dieser Absicht der größten Ausschweifungen schuldig macht, kann sehr großmüthige Liebeswerke gegen seinen nothleidcuden Nächsten aüsübcn, und ein anderer erlaubt sich vielleicht die sträflichste Rache an seinen Feinden, ist aber gegen diejenigen, die einmal scinZutrauen gewonnm haben, der standhafteste Freund. Doch Doch so wahr dieß ist, so ist dicß alles doch nicht der Trost des gute» Gewissens, nach welchem der Christ eigentlich trachten soll. Unsere sammcntliche Gesinnungen und ganzes Verhalten müssen mit den evangelischen Vorschriften übcreinstimmen, wenn wir ein christlich gutes Gewissen, und den daraus entspringenden Trost habe» wollen, das heißt, wir müssen wahre, gründlich gebesserte Christen seyn; wir müssen die Sünde und die Welt verläugnen, und dagegen züchtig, gerecht, und gottselig leben, nur dann allein haben wir ein wahrhaft gutes Gewissen; so lange wir aber noch der Sünde ergeben sind, oder uns auch nur zuweilen offenbar lasterhafte Ausschweifungen erlauben, so fehlt uns aus diesem Grunde bas sichere Kennzeichen des Christenthums, mithin auch der daraus entstehende Trost eines guten Gewissens; denn daran sagt Johannes, erkennen wir, daß wir in Gott sind, wenn wir von seinem Geiste den er uns gegeben hat, regieret werden. Auf diese Weise meine werthestcn Christen, erlangt man die herrlichen Tröstungen, durch deren Genuß unser Christenthum so angenehm wird. Unter allen Umstanden unsersLcbens, bey allen Veränderungen welche uns treffen, und für jede Person, vom Fürsten bis zum Taglöhner, bleibt dieses Zeugniß daS herrlichste Kleinod. Eine jede Unternehmung, und selbst die ordentlichen Berufsgeschäfte werde» dnrch daffclbe erleichtert, jeder heilere Lag unseres LcbenS wird noch einmal so heiter, und jeder Genuß irrdischer Freuden viel schmackhafter, wenn wir durch keine heimliche Vorwürfe eines bösen Gewissens beunruhiget werden ; kurz, cs ist in aller Absicht ein wesentlicher I 2 Vorzug Vorzug, wenn man es in seinem Christenlhum so weit gebracht bat, daß man mit dem Bewnßtseyn seiner Redlichkeit zn Gott, als seinem Vater auf-schauen darf. Doch tröstet das Gewissen besonders alsdenn, wenn wir trübe Tage haben, oder wenn unsere Rechtschaffenheit von anderen angesochtcn wird. Welche Beruhigung muß cs dem Leidenden bringen, wenn er weiß, daß er nicht selbst der Urheber seines jetzigen traurigen Schicksals durch vorhcr-gegangene Ausschweifungen geworden sey; oder wenn er doch wenigstens weiß, daß er bcy allem zeitlichen Verlust, und bey allen Schmerzen und Unannehmlichkeiten, die er empfinden muß, doch sichern Antheil an der Gnade Gottes, und dem ganzen Trost des Evangeliums, mithin auch an der zukünftigen Seligkeit habe; wenn endlich dieß gute Gewissen , welches er selbst unter seinen Widerwärtigkeiten zu bewahren sucht, ihn noch besondere Vortheile nud ewige Vergeltungen erwarten laßt, da wir ferner zuweilen in Umstünde kommen, wo unser guter Name von unverständigen und verlüumderischen Leuten angegriffen wird, wo man die beßten Handlungen schief beur-thcilt, oder unser ganzes Christcnthum für Heuchelei) ausgibt, welch ein Trost ist da das Zcugniß eincS gute» Gewissens, wenn man mit Hiob sagen darf: Siehe da, mein Zeuge ist im Himmel! und der mich kennet, ist in der Hohe! Meine Areunde sind meine Spötter, aber mein Auge thronet zu Gott. Wahrlich, dieser Trost ist mehr werlh, als der laute Ruhm des Schmeichlers, oder des unwissenden und von Vorurkheilen geblendeten Hausens! Und nun zuletzt im Tode? — O Christen ! darf ichs auch auch »och beweisen, wie köstlich dann ein gukes Gewissen sepe! jeder wird sichs wünschen mit demselben z» sterben, und jeder, der damit stirbt, wird weder im Tode, noch in der Ewigkeit unglücklich sc pn. Nun noch zum Schluße einige Frage» an euch alle: Habt ihr dieß gute Gewissen? Kennt ihr die Tröstungen desselben aus eigener Erfahrung? O Christen, wenn das ist, so darf ich euch nicht selig preisen, denn euer Gewissen sagts euch selbst, was ihr scyd ! — Oder schmeichelt ihr euch, diesen Trost zu haben, und seyd doch lasterhast, leichtsinnig, roh, und unwissend? Oder gesteht ihrs selbst, daß es euch fehle? Fühlt ihr seinen verdammenden Rich-terspruch, und bedenkt euch doch »och, was ihr thun wollt! — Ucberlegt dieß alles vor Gott nach der Anweisung, die ich euch ertheilet habe; betrügt eure Seele nicht durch falschen Trost, denn ihr habt einen gerechten und allwissenden Richter; wagt cs auch nicht mit einem bösen Gewissen, das euch selbst vcr-urthcilt, vor ihm zu erscheinen, denn er ist ein Gott, der sich nicht spotten läßt, sondern der einem jeglichen vergelten wird nach seinen Werken. Amen. Am Palmsonntage. Evangelium tNatth. 21. v. l—9. naheten sich die hohen und verdienstlichen Leiden,weiche Jesus zuJerusalem zu dulden hatte,schon I Z rückte rückte jene ernstvolle Stunde an, von welcher er vormals sagte: sie ist noch nicht gekommen; schon eilet alleS nach Jerusalem zur Ostcrfeyer, und nun will auch er hin, zwar nicht im Stillen, wie sonst seine Gewohnheit war, sondern mit größtem Aufsehen, und in einem feyerlicheu Einzuge, um sich der Stadt Jerusalem als ihrem wahren MeffiaS zn zeigen, und uns an Tag zu legen, daß er aus Liede zu dem menschlichen Geschleckte freudig und trium-phirend dem schrecklichsten Tode entgegen gehe. Die Gegend von Bethphagc, ein au dem Oelberge unweit Jerusalem gelegenes Dorf, war jener glückliche Drt, an welchem sich der Heyland mit seinen Jüngern, und einer qrossen Menge Volks versammelte, und von da aus seine Anstalten zu seinem feyerli-chen Einzuge in Jerusalem machte. Zu dem Ende sagte er zween aus seinen Jüngern: gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, da werdet ihr eine Eselin und ihr Füllen bey ihr angebunden finden, löset sie ab, und führet sie zu mir; sollte euch jemand fragen, mit welchem Rechte ihr diese Thiere weg-führet, so gebet ihm keine andere Antwort, als daß ich ihrer bedürfe.— Die zween Jünger, auf den ersten Wink ihres MeisterS gehorsam, eilten gleich ohne erst' zu untersuchen, ob die zwei) Thiere auch wirklich da stünden, und ob der Eigenthümer selbe abzulösen gestatten würde, seinen Befehl zu vollziehen, gieugen in den Flecken, fanden nach der Vor-hersagung ihres allwissenden Meisters die Eselin, und ihr Füllen angebunden, und nachdem sie selbe mit Be-gnchmigung des Eigcnthümersabgclöset hatten, führ- ten sie es zu Jesu, zogen dann ihre Kleider aus, legten selbe statt des Sattelsauf, und setzten ihn darauf. Nun gieng der feierliche Zug den Oelberg hinab gegen die Stadt Jerusalem; die eine Menge Volks, die sich mit ihm bey Bcthvhage versammelte, begleitete ihn jauchzend, glückwünschend, und frohlockend, die andere noch größere Menge kam ihm aus der Stadt heraus entgegen; alle Umstände bey diesem Einzuge bewiesen was königliches, und herrliches. Die Menge Volks, die ihm aus der Stadt entgegen kam, hatte Palmzweige als SiegeS - und Trinmphszeichen in den Händen, und die andere Menge begleitete ihn mit eben der Ehrerbiethung , mit welcher die ersten vorangiengen. Die Wege wurden so, wie die Gassen, durch welche derZug gieng, mit grünen Zweigen bestreuet; sehr viele zogen ihre Obcrkleidcr aus, breiteten sie auf der Gasse hin, damit er darüber weggreiten könnte, von allen Seiten ertönte Jubel - und Freudengeschrey, man belegte ihn mit seinem königlichen Namen, man hieß ihn den König Israels, das ganze übrige Volk aber vom Greise bis zum Knaben schrie ohne Unterlaß : Hosianna dem Sohn Davids! gelobt siev, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Alle Gassen und Strassen ertönten von derlei) Glück - und Heilwünschnngen. Unter diesem freudigen Jnbclgeschrsy kam der Heyland bis zu dem Tempel, in welchen er mit grösser Majestät eingieng; aber auch da hatte das Ju-belgeschrey noch kein Ende, denn die Knaben schrieen noch immer fort: Hosianna dem Sohn Davids, I 4 gebe- gebenedevt sep, der da kommt im Name» des Herrn! Dieses freudige Jubelgeschrey der Kinder dauerte im Tempel so lange, daß die neidischen Pharisäer, statt cinznsehcn, daß dieser feycrliche Einzug keine menschliche Anstalt znm Grunde habe, den Heyland ersuchten, er möchte doch den Knaben das Stillschweigen anflegcn; allein er berief sich auf die Schriften der Propheten, welche von ihm sagen: daß er aus dem Munde der Unmündigen das Lob erhalten werde. Dieß meine Christen ist die Geschichte des feperlichcn Einzugs Jesu in Jerusalem ; lasset uns nun sehen, was wir daraus zu lernen haben. Aus allen diesen Ehrenbezeugungen, welche die jüdische Volksmenge dem Heyland bey seinem fcyer-lichen Einzug in Jerusalem anthat, kann man ihre Unbeständigkeit im Guten deutlich einseheu; denn der größte Theil vo» eben diesen Leuten, welche heute Jcsum im Triumphe einführten, schrie in kurzer Zeit hernach: krcutzige ihn, kreutzige ihn! — AuS dem Munde jener Leute, die ihm noch heute freudig Hosauna zujauchztcn, mußte der Heyland etliche Tage darausdie gröbsten Verspottungen, und Verleumdungen anhören; eben diese Leute schlugen den Heyland bald darauf aus Kreutz, den sie jetzt mitEH-renbezeugungen einführten. Seht Christen! Eben so schwankend und unbeständig sind auch wir, wenn wir das Gute thuu, und das Böse meiden sollten. Wie viele gute Vorsätze hat nicht schon jeder vo» uns bey gewissen fey-crlichen Gelegenheiten gefaßt? Wie oft waren manche von euch aus dem Wege der Tugend, und ver- liessen Hessen ihn wieder? Wie oft gicnget ihr in die Predigt, mit dem beßtcn Vorsätze, euch ans Gottesworte zu erbauen, in der Frömmigkeit zu bestärken, und aufzumuntern; der Prediger batte wirklich die Geschicklichkeit die Fehler so manches Herzens aus euch, als Haß, Neid, Geitz, Verlcnmdungssucht, Liebe zur Wollust, auszudccken, er zeigte euch die schrecklichen Folgen dieser Laster so rührend, und überzeugend, daß ihr euch fest entschlossen habt, dieser schrecklichen Gefahr zn entgehen, diese Fehler ab-znlegen, und neue Menschen zn werden; aber wie lange dauerten eure guten Entschlüsse? so lange, als ihr in der Kirche gewesen seyd, denn zu Hause wurdet ihr durch eine Kleinigkeit wieder zum Zorn gerxitzt, so in Geschäfte verwickelt, daß ihr auf alle eure so fest gemachten guten Vorsätze vergessen habt. Oft werdet ihr in trüben Stunden eurer Sünden wegen sehr beängstigt, fühlt ihre schrecklichen Folgen, sehet, wie unglücklich andere durch Verleumdung, Wollust, Verschwendung, und Betrug geworden sind, ihr erschreckt über den plötzlichen oder schrecklichen Tod eines Sünders, ihr zittert vor der Ewigkeit und ihren Strafen, und entschließt euch ernstlich von diesem bösen Weg zurückzukehren. Allein kaum kommt ihr wieder in eine böse Gesellschaft , so werdet ihrdurch dasBepspielandcrer wieder dahin gerissen, fanget an über die heiligsten Dinge zu spötteln, den Nächsten zu verleumden, euch mit Spciß und Trank zu überladen, und Fehler zu begehen, wovon ich nicht einmal eine Meldung machen will. So machen wir cs auch im Unglück, und Krankheiten. Wenn cs uns nicht wohl gehet, wenn wir I 5 Hülse Hülfe nölhig haben, so wenden wir uns an Gott, bestürmen den Himmel mit unserm Gebethc, hassen alle vcrbothencn Freuden, und sind überhaupt nie frömmer, als im Unglücke; wir sprechen da bloß von geistlichen Dingen, und werden Freunde aller Menschen. So machten es ehedem die Juden, wenn sie von Feinden unterdrückt, Hindin der Noch waren, da konnten sie nicht genug Buße wirken, Fasten, Trauersacke anzichen, nnd Leid über ihre Sünden tragen. Kaum aber war wieder eine frohere Aussicht da, so war auch alleS wieder vergessen, und die alte Abgölkerey, und Lasterhaftigkeit wurden fortgesetzt. So machen es auch wir heut zu Tage; in der Angst wirken wir Buße, besuchen die Kirchen fleißig, und die Derter, in denen man sonsten seinen Lüsten diente, bleiben leer; aber mit dem Unglücke verschwindet auch die Frömmigkeit, jeder kriecht aus seinem Winkel wieder hervor, läßt die Kirche» unbesucht, vergißt des Gebethes, und sündigt aufs neue fort. So machen wir es auch in Krankheiten, der verruchteste Sünder schmachtet da nach dem heiligen Abendmahl, kein leichtsinniges Wort ist ans seinem Munde zu hören, mit Abscheu sieht er in sein voriges Leben zurück, und denkt: wenn mir Gott nur erst Gesundheit gibt, so will ich ein ganz anderer Mensch werden, meine Zeit besser anwcnden, nnd meinem Nächsten anderst dienen, ich will die bösen Gesellschaften fliehen, die Sünde soll mich nicht mehr an sich locken, und durch ihren süssen Gift bethören; kanm aber hat er die erwünschte Gesundheit erhalten, so lacht er schon über sich selbst, alle seine guten guten Entschliessiingcn hält er für Grillen seiner Krankheit, er sieht die Melt wieder mit ganz anderen Augen an, will die versäumten Freuden wieder einholen, erlaubt sich um desto mehr, weil er glaubt, er müsse seinem entkräfteten Körper etwas zu Guten thun, und alle guten Entschluß? aber Gott zu dienen sind auf einmal verschwunden. Seht Christen! so veränderlich sind wir, wenn eS auf die Wirkung des Guten ankömmt, und dieser Fehler ist bey uns so allgemein, dass sich nur Wenige davon werden ausschliessen können. O meine Christen! Wenn ihr doch einmal die Schädlichkeit eurer Unbeständigkeit im Guten einse-bcn lerntet, so weiß ich gewiß, daß ihr künftig beharrlicher im Guten wäret: Gott läßt seiner nicht fvotten; denn denkt nur, wenn ihr einem Menschen täglich etwas versprechet, und es doch nie haltet; wenn ihr ihm heute eine Sache angelobet, und morgen wieder das Gegentheil davon lhut. so sieht er euch ja am Ende als schlechte Menschen und Lügner an, ihr ladet aus euch seine ganze Verachtung und Unwillen. Eben so verhält sich die Sache bcy Gott, wenn wir uns so wenig aus ihm machen; wenn wir seine Befehle, und die Achtung gegen ihn alle Augenblicke aus den Angen setzen, so muss er iiothwcndig endlich über uns erzürnet werden, »ns seine Gunst entziehen, und was sind wir dann? » Wenn es uns wohlergehct, so haben wir es ja nur iihm allein zu verdanken, wer kann uns aber versilbern, dass es »ns inilner so gut gehe» werde, wenn wir alle Augenblicke seinen göttlichen Willen über-tretten, und nur unserem eigenen Willen gemäß lebe» ? Den? Wie leicht kann er uns in unserer Unbestän- digkeit, wenn wir gerade dem Verderben zueilen , hinwegraffen! Oder soll er vielleicht warten, bis cs uns wieder gefallt zu ihm zurückzukehren? O meine Christen, erinnert euch doch, daß alles in der Welt veränderlich, und ungewiß seye, daß unser Leib so schwach und zerbrechlich seye, daß er jeden Augenblick zerfallen kann— sagt, wie wurde cs euch zu Muthe seyn, wenn ihr in dem Augenblicke, da ihr von Gott abwcichet, vor sein Gericht abgerufeu würdet? Womit wolltet ihr euch verthcidigcn, und Rettung suchen? Darum haltet, was ihr habt, Hamit euch Niemand die Rrone nehme- Ueberdcnket ferner, daß ihr durch eure Unbeständigkeit in dem Guten eure wirkliche und endliche Bekehrung immer schwerer, ja zuletzt unmöglich machet, denn je öfter ihr von Gott zur Welt zurückkehret, ge öfter ihr von ihren Lüsten kostet, desto mehr gewöhnet ihr euch daran. Das Laster wird Gewohnheit, und Gewohnheiten sind schwer abzulegen, ihr verwickelt euch in lasterhafte Neigungen, und könnt euch desto schwerer davon losreiffcn. Dieß sehet ihr täglich an Trunkenbolden, und Wollüstlingen; welche Mühe kostet es, sie von ihrem Laster abzubrin-gen, sie fallen täglich von neuem wieder darein, oft kann sie nichts mehr davon abbringen als der Tod. So gehet es auch mit der Verleumdungssucht, mit dem Betrug, und mit jedem anderen Laster. Man wird gegen die Stimme Gottes, und seines eigenen Gewissens taub, je öfter man sic hört; unsere Empfindungen zur Andacht werden stumpf, je öfter wir sie obenhin fühlen, desto gewöhnlicher werden den sie uns , desto weniger horcht man auf ihrem Ruf, die göttlichen Wahrheiten vcrliehren ihre Kraft an uns, je öfter wir ste durch die Sinnlichkeit ersticken; wir erschrecken nicht mehr über unser aufwachcndes Gewissen, wenn wir schon oft unser Ohr dagegen verstopfet haben. Am Ende folgt eine gänzliche Verstockung, ans der uns selbst die Stimme Gottes nicht mehr anfwcckcn, oder her-ausrcisscn kann. Seht Christen, in welch schreckliches Verderben uns die Unbeständigkeit im Guten stürze! Lasset uns doch bep Zeiten unser Herz dagegen waffnen, lasset uns nicht stolz und vermessen auf unsere eigene Kräfte seyu, sondern mit Furcht und Zittern arbeiten, daß wir selig werden; scpd nicht wie die Juden, die den Hepland jetzt mit Triumph empsien-gen, und bald darauf verspotteten, verhöhnten, und am Ende ans Kreutz schlugen; lasset uns lieber ihm als unfern Herrn und König treu sepn bis an das Ende, damit er uns einst für getreue Vefolger seines Gesetzes erkenne, und in seine Herrlichkeit aufnchme. Amen. Am -Ostersonntage. Evangelium LNark. i6. N. i — p. ^^tillet eure Thränen meine Christen, leget ab eure Trauerkleider, und stimmet mit mir ein freudiges Halleluja an! Denn sehet, ich verkündige euch eine groffe Freude: Jesus euer Hepland lebt wieder, glorreich 'st ist jener aus seinem Grabe wieder hervorgegaugen, dessen Tod ihr erst vor drei) Tagen mit beklemmtem Herzen und thraueudem Auge beweinet habt. Schon glaubte der hoheRath in Jerusalem, (wie euch auS der Leidensgeschichte des Erlösers bekannt ist) alles sicher gestellt zu haben, da auf seinen Befehl das Grab geschloffen, ein Stein darauf ge-wälzet, der Stein versiegelt, und eine Rotte Soldaten als Schildwachchinzu gcstcllet wurde. Nun, dachten sie, ist der Tvdte im Grabe, und er wird darinn eben so, wie andere Menschen, ein Raub der Verwesung werden. Allein, der Heyland wollte von den Todtcn wieder auferstehen, und so mußte es geschehen, wenn sich auch die g«.nze Welt entgegengeseyet hatte, denn höret: Den dritten Tag nach seinem Tode, meine Christen! wenn ihr so denke», so handeln werdet, wenn ihr so ganz irrdisch gesinnt, mehr den Beyfall der Menschen, als den Beyfall Gottes suchen werdet, so ist die ganze glvrrcicheAnferstehnng Jesu Christi für euch unnütz, ist für ruch eben so viel, als wäre Jesus Christus nicht auferstanden, weil ihr diesem großen Geheimnisse den gebührenden Einst-ß in euer Herz und Leben nicht gestattet. Seyd ihr mit Christo auferstanden tsagt der grosse Weltapostel) so suchet was droben ist, wo Christus ist. Er wollte sagen: Gottes Gnade, und eine selige Ewigkeit sott das letzte Ziel aller Wünsche, Hoffnungen, und Bestrebungen eines wahren Christen seyn, und nicht der Beyfall der Menschen ans Erden; der Christ müsse Gottes Beyfall und Gnade als sein einziges Glück, den Himmel als sein Vaterland, jenes ewige Leben, nach dem Tode dieses Leibes, als seine rechte Bestimmung, sein rechtes Leben ansehen und begehren, nur dahin müssen alle Wünsche, Hoffnungen, und Bestrebungen gerichtet seyn. Lernet daraus, meine Christen, die ihr bisher so oft aus Furcht vor den Menschen und ihren bösen Urtheilen, tugendhafte Handlungen zu unterlassen pflegtet, wie künftig in derley Fallen eure Gesinnungen beschaffen seyn müssen. Trachtet nach dem, was droben ist, das ist: achtet nicht soviel den Beyfall der Menschen, als den Beyfall Gottes bcy eurem tugendhaften Lebenswandel, lasset die bösen Leute auf eure fromme Handlungen spötteln, wie sie wollen, lasset euch von ihnen Heuchler, Gleißncr, und Sonderlinge schelten, schelten, genug daß euer Vater, der im Himmel ist, euch seinen Beyfall zusaget. Werdet ihr künftig so gesinnt seyn, so werdet ihr bald finden, daß euch diese Denkungsart den Neigungen und Sitten der Inwohner deS Himmele ähnlich bilden, und dadurch schon hier zu einem süssen Vorgeschmack ihres Glückes führen werde. In dem Maße, als ihr eure Begierden auf Gott und die Ewigkeit heften, und euer Leben dem gemäß einrichtcn werdet, in dem Maße werden euch auch alle eure irrdische Leiden erträglich werden, die Schrecken des TodeS werden verschwinden und hingegen die Zahl eurer Freuden wachsen. In dem Maße, als ihr bey allen Widersprüchen dieses Lebens nur auf Gott und seine Befehle sehen, und diesem gemäß euer Leben einrichtcn werdet, in dem Maße werdet ihr auch euren Kampf und Lebenslauf mit Ruhe, Zufriedenheit, und Freude fprtsehen, und dann am Ende werdet ihr die Erde, und alles, was hienie-den ist, ganz leicht auf ewig verlasse», und mit der Sehnsucht eines müden Wanderers sterben, um bey Jesu ewig zu leben. Amen. Am ersten Sonntage nach Ostern. Evangelium Job- 20. V. 19. — zr. Um euch meine Christen , vou dem Sinne des heutigen Evangeliums einen richtigen Begriff zu machen, so merket, daß die Jünger des Heylandcs, nachdem sie gesehen haben, wie sehr ihr Meister von den Juden K Z mißhandelt mißhandelt wurde, nach seinem Tode auch das nämliche Schicksal zu befürchten anfiengen. Um sich nun soviel sie konnten, in eine Sicherheit zu sehen, flohen sie alle davon, versammelten sich mittlerweilen wieder, aber keiner ans ihnen getraute sich öffentlich zu erscheinen. Um desto sicherer zu senn, wählten sie sich zu ihrem Aufenthalte einen verborgenen und gut verschlossenen Ort, in der Absicht, sich in selbem so lange verborgen zu halten , bis die Wuth ihrer Feinde erlösche, und sic sich mit Sicherheit sehen lasse» dürften. In diesen verborgenen und gut verschlossenen Ork kam nun Jesus noch am nämlichen Tage seiner Auferstehung Abends , durch verriegelte und ungeöffnete Thürcn hinein, stellte sich in die Mitte seiner furchtsamen Jünger, und sprach : Der Friede se? mit euch! — Aber welch ein Schrecken überfiel seine furchtsamen Jünger, als siedle Gestalt ihres Hcplan-des vor sich sahen, von dem sie noch wirklich glaubten, er liege in dem Grabe; dazu kam noch der Umstand, daß er durch verriegelte Thürcn hereintrat, welcher Umstand sie vollends ans den Gedanken verleitete, baß diese Gestalt vollends ein Geist sepn müsse. Aber nicht lange ließ sie der gütige Hcyland in diesem Jrrwahne, sondern gab sich ihnen näher zu erkennen, indem er zu ihnen sprach : Meine Jünger! ihr scyd verwirrt, weil ihr meynet, es stehe ein Geist vor euch. aber nein! ich bin der nämliche Jesus von Nazareth, der euch zur Nachfolge berief, der nämliche, den man vor drei) Tagen am Kreutze tödtete, und ins Grab legte, nun bin ich wieder auferstandcn, und stehe vor euch. Damit ihr aber dessen durch eigene Sinne Sinuc überzeugt werdet, so strecket eure Hände io. V. n. —16. E^er Hepland stellet sich in dem heutigen Evangelium nnler dem Bilde eines guten, rechtschaffenen, treuen und sorgfältigen Hirten vor. Und indcrThatl Nie hat die Welt einen Regenten gesehen, auf den das durch Alkcrthum, Unschuld, und ReiH sv ehrwürdige, und anmuthige Bild eines Hirten besser gepassel hätte, als anf Jesnm, wovon ich euch auS seinen eigenen Worten sogleich überzeugen werde. Nur lasset uns chcvor sehen, was dem Erlöser Gelegenheit gegeben habe, sich den Juden unter dem Bilde eines Hirten vorzustcllen. Jesus hatte nämlich nach dem Zeugnisse Johannis einen Blindgebohrnen auf der Stelle geheilet, und obschon die Sache unläugbgr war, so wollte l>e ^ sie doch der hohe Rach zu Jerusalem (die so mächtig gen, uud abgesagten Feinde Jesu) nicht glauben-sondern verhörten die Eltern des Blindgebohrnen sowohl, als ihn selbst gerichtlich, nnd ließen Letzter» sogar die Sache abschwören. Nun beschwörte cs der Blinde öffentlich, daß ihn der Machtspruch Jesu auf der Stelle geheilct habe, und der gesunde Menschenverstand belehrte sie, daß so was nicht ohne Wunder geschehen konnte. Dennoch blieben sie Feinde Jesu, dennoch verwarfen sie seine Lehre, und warum?— Jesus, sagten sie, habe den Elenden am Sabbath geheilct, und dieses seye eine so schwere Sünde, daß Nur ein Böscwicht dergleichen thutt könne. Nun fiengen sie an auf alle seine Werke zu schimpfen: sie sagten ihm, er seye ein Betrüger, und führe auch jene in Jrrthümer, die seiner Lehre folgten. Jesus, dem seine und seines himmlischen Vaters Ehre am Herzen lag, vetthcidigtc sich über diese Verleumdung, und sprach: ihr Pharisäer saget, ich seye ein Verführer, und ich sage: ich bin ein guter Hirt, der sich seine Schaafe angelegen seyn laßt, für sie sorget, und sogar sein Leben für sie setzet. Wäre ich nur ein gedungener Hirt, nnd liebte meine Schaafe nicht als meine eigene, so würde ich gewiß jede Gefahr fürchten, und meine Heerde im Stiche lassen, welches ihr doch von mir nie gesehen habt, auch nie sehen werdet: meine Schaafe . ihre Nothdnrft, ihre Krankheiten kenne ich sowohl, als mein Vater mich kennet, und so sehr er mich liebt, so liebe ich auch diese; ich sage euch also noch einmal, ich bin ein guter Hirt, und kenne meine Schaafe, Schaafe, und die Meinigen kennen mich, ich liebe sie, ich sorge für sie, ich mcyue es überall gut mit ihnen; eben so wissen auch meine Schanfe, daß sie mir als ihrem Hrilen, Gehorsam, Liebe, »nd Ehrfurcht schuldig sind. Damit ihr Pharisäer aber nicht mcynet, es seye meine Liebe nur aus euch Juden eingeschränket, so sage ich euch, daß sie sich noch viel weiter erstrecke, sic gehet auch aufjene, die ihr nicht einmal für Schaafe haltet, sie gehet auch auf die Heyden, denn auch diese gedenke ich unter meine Heerde zu bringen. Alle die an mich glauben, mir gehorsam feyn, und mich dadurch als ihren Hirten anuchmen werden, werde ich ohne Unterschied des Geschlechtes, oder Volkes in die Gemeinschast meiner glückseligen Lehre nnd der darauf gegründeten künftigen Glückseligkeit aufuehmen, damit ein Hirt und ein Schaafstall werde. Sehet meine Christen, dieß ist das Bild, welches er uns von einem guten Hirten gibt, so beschreibt der Hcyland die Pflichten, die er erfüllen muß, wenn er anderst ein guter Hirt genannt werden will. Nun wir sind seine so zärtlich geliebte Schaafe, sagt, ließ er uns je von dem allen, was er von einem guten Hirten gegen seine Schaafe fodert, nur das Mindeste ermangeln? stieg er nicht seinen Schaafen zu Liebe vom Himmel herab? nahm er nicht das schwache Fleisch der elenden Menschen an? verkündete er ihnen nicht den Willen seines göttlichen Vaters? Und waS sollte er noch ferner seinen Schaafen thun, um sie entweder bey seiner Heerde bcpzubehalten, oder wenn sie davon abgegangen wären, zur selben zurück;»sich-reu? Wie gütig ist er, wenn er neun und neunzig seiner Schaafe in der Wüste verläßt, um einem einzigen, Hrithl. a. Tountag. L das das sich verirrte, nachzugehen; wie gütig, wenn er wchmüthig rufet: kommet alle, die ihr beschweret scyd, ich will euch erleuchten, trösten, erquicken. Wie gütig endlich, da er sein Blut und sein Leben an dem Kreutze unter den grausamsten Martern für seine Schaafe dargab. Er wollte sterben, damit sie in seinem Blute leben, und in seinen Wunden sollen sic die unermeßliche Liebe lesen, die er gegen sic trug. Christen! Könnet ihr ench eine wärmere Liebe einbilden, als die unseres Hcplandes für seine Schaafe, welche wir sind? Kann der liebrcicheste Vater zärtlicher für seine Kinder sorgen , als Jesus für uns ge-sorgct hat? Aber welche Früchte seiner Sorge und Liebe sammelt er dafür von seinen Schaafen ein? Da er uns so vielfältige Beweise gibt, daß er der gute Hirt seye, welche Beweise können wir machen, daß wir seine willige, leitsamc Schaafe sind? Der Hcyland gibt uns dicßfalls selbst die Anweisung, wenn er spricht: ich kenne meineSchaafe, und meine Schaafe kennen mich. Wollen wir uns also als willige und folgsame Schaafe unsers himmlischen Hirten bezeigen, so ist es unumgänglich nvlhwendig, daß wir trachten ihn eben so kennen zu lernen, als er uns kennet. Es fragt sich daher, was müssen wir von Jesu als unserm Hirten besonders wissen, um ihn wenigstens von der uothwendigern Seite kennen zu lernen? Wie gelangt man zu dieser Kenntniß? welchen Nutzen ziehen wir aus dieser Kenntniß? Was das erste belrift, so müssen wir, sobald wir unfern Verstand gebrauchen können, von Jesu Christo wissen, er sepe von Ewigkeit her Gottes Sohn, habe ehemals auf Erden als Mensch gelebek, gelchrct, unschuldig , schuldig, uns sündigen Menschen zu Lieb gelitten, und einen gewaltsamen Tod ansgestanden; er scye dann wieder in sein himmlisches Reich eingegangei,, regiere mit seinem himmlischen Vater die ganze Welt und besonders die christliche Kirche, und werde dereinst noch einmal sichlbar auf Erde kommen, die Todten erwecken, Gericht über alle Menschen halten, die Frommen in de» Himmel einführen, und die Bösen zur Hölle oerstosscn. Dieses werdet ihr wohl alle von ihm wissen, aber viele Christen ausser dem wenig oder gar nichts; und wahrhaftig, wir sollten damit nicht zufrieden sevn, denn alles, was man von ihm hören, lesen, und erfahren kann, ist für uns wichtig, sein heiligster Lebenswandel ist für uns das Muster, dem wir nachznsolgen berufen sind; seineGebothc sind unser Gesetz, und seine Lehre der Grund unserer Hoffnung, und der Weg zu unserm ewigen Heil. Saget gar nicht, meine Christen, daß eine so genaue und vollständige Kenntniß von ihm zn erlangen, bey euch eine Unmöglichkeit sepö, ihr habt ja eure öffentlichen Gotteshäuser, wo man euch von seinen Gesinnungen gegen uns, von scincnThatcn und Leiden, von seinem nntadelhaften Lebenswandel auf Erden, und von dem Hauptinhalt seiner Lehre und Gebothe ans mancherlei) Weise unterrichtet, erkläret, wiederholet, und zu eurer Belehrung. Besserung und Beruhigung anwendct. D Christe»! Lasset uns doch jene öffentliche Unterrichtsstunden, wozu wir so oft Gelegenheit haben, nicht nachlässig, und unachtsam gebrauchen, lernet aus dem Unterrichte eurer Seelsorger täglich besser kennen diesen anbckhungswürdigstcu Sohn Gottes, diesen liebreichen, und wohlthätigen Freund und Er L 2 rctter rettcr der Menschen, lernet ihm ab seine willige Geduld, mit welcher er uns zu Lieb unschuldig litt, und starb, lernet ihm ab seine Demuth, seine Massigkeit, seine Sanstinuth, seine Ehrfurcht gegen seinen himmlischen Vater, und überhaupt seinen ganzen Lebenswandel, und ihr werdet dann in Kürze bald eine bessere Bekanntschaft mit Jesu erlangen , als ihr jetzt habt. Aber auch das ist nicht alles, was ein Christ zu dem Ende thnn kann, sondern es wird erfodcrt, daß er sich auch um seine liebreiche Gnade, und wohlthä-tigc Freundschaft bewerbe. Entsaget demnach aus Liebe zu Jesu allen lasterhaften Gewohnheiten und vorsetzlichen Sünden, weil ihr wisset, daß ihm diese zuwider sind; sehet bey all eurem Thun und Lassen auf seine Gcbothe und aus sein heiliges Bcyspicl; setzet euer ganzes Vertrauen auf ihn, wenn euch eure Sünden, und die damit verschuldete Strafe bange machen, oder wenn euch sonst eine Trübsal, oderGe-fahr beunruhigt; zu ihm bethet stets in allen Anliegen um Gnade bey Gott, um Hülfe in der Noth, um Bey-stand zum Guten, und um Alles , was euer Herz wünschet. Wer das thut, der wird durch seine eigene Erfahrung inne werden, Jesus seye wirklich unser Erlöser aus allem Sünden - Elende, der unser verwundetes Gewisse» heilen, und uns die Gnade des Allerhöchsten verschaffen kann; dadurch werden wir zur rechten und vollständigen Bekanntschaft mikJcsu gelangen, von der ich euch noch kurz zeigen will, zu waS für einer großen Glückseligkeit sie uns führe. Der Vernünftige nnd Gutgesinnte schätzt sich schon glücklich, wenn er mit einem berühmten, tugendhafte» und viel vcrmö- vermögenden Mann bekannt wird, weil ihm dieß nicht nur Vergnügen macht, sondern auch zu seiner Wohlfahrt beförderlich ist. WaS ist aber der beßke, tugendhafteste Mensch gegen unfern Erlöser, den Inbegriff aller Tugend? Was ist alle Gunst und Zuneigung unserer eifrigsten Freunde gegen die Liebe dessen, der unS bis in den Tod gcliebet, und sein Leben für unS aufgeopfert hat? Was sind alle menschliche Freundfchaftsproben gegen die Hülfe, welche wir von dem erwarten können, der die Quelle des Glücks ist. Wollt ihr, meine Christen, hierüber dem Ausspruch Pauli trauen, so höret, wie er von der Glückseligkeit der Bekanntschaft mit Jesu urtheilct. Er war wegen seiner Gelehrsamkeit, wegen seines Eifers in seiner väterlichen Religion ein sehr beliebter, angesehener und berühmter Mann unter seinem Volke: aber das alles, spricht er, achte ich für Schaden, und für Loth gegen der überschwenglichen Erkemitniß EhristiJefu meines Herrn. Und diese Worte sprach er zu einer Zeit, in welcher er eben wegen seiner Bekanntschaft mit Jesu allen seinen vorigen Ruhm vcr-lohr, und sich bey allen seinen vormaligen Freunden und Verehrern verhaßt und verächtlich gemacht hat. Frcylich wird das Urtheil dieses Apostels nicht nach dem Geschmack so mancher Weltmenschcn seyn, die den Weltruhm und die Gunst der Menschen , auf die leichtsinnigste Art ihrem Gott, der Religion, der Tugend, und ihrem Gewissen verziehen; aber vernünftig und besser denkende Seelen werden erkennen , daß ohne einer rechtschaffenen Bekanntschaft mitJesu, schon auf dieser Welt kein wahres, beruhigendes Glück möglich seye. Schläfert euer Gewissen immer L Z durch durch allerley Zerstreuungen und grundlose Hoffnungen ein, ihr Sünder! es wird doch von Zeit zu Zeit wieder erwachen, und euch ängstigen, bis es durch den Glauben an Jesu wieder befriediget wird. Bildet euch immer c>u, ihr Lasterhafte, als wäre die Wollust und Schwclgerey, Betrug oder Ehrgeih, der Weg zum irrdischrn Gluck und Vergnügen, ihr werdet einstens, wenn es auch erst in der Ewigkeit seyn sollte, doch erfahren, daß nur christliche Gottseligkeit den Menschen glücklich mache; und was hilft cS dem Menschen , der Jesnm nicht zum Freunde hat, wenn er von der an sich beruhigenden Gewißheit, von der genauesten Fürsorge Gottes, über alle unsere Schicksale überzeugt ist, da er fürchten muß, der allmächtige Beherrscher der Weltseyc ihm abgeneigt, wenn er nicht durch die Gnade Jesu Christi, auch von der Gnade des himmlischen Vaters versichert ist. Es bleibt also richtig, daß wir auf der Welt keine wahrhaft ruhige, und zufriedene Stunde leben können, wenn wir nicht mit Jesu Christo freundschaftlich bekannt sind. Aber noch viel bedeutender ist, daß wir ohneJesn tinch kein Heil in der Ewigkeit zu hoffen haben, denn es bleibt in Ansehung dessen, daß Jesus Christus als unser Erlöser, und als der Grund unserer Seligkeit, von Gott geoffenbarct mordest ist, dennoch bei) den ansdrücklichen göttlichen Erklärungen: Es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinn wir könnten selig wer-, den , dann allein in dem Namen Jesu. Und wieder au einem ändern Orte: Wer an Jesum glaubt, soll selig werden, wer aber nicht an ihn glaubt, soll verdammet werden. Und nun, wer sollte an Jesum glauben glauben, wenn er ihn nicht kennt? Der Glaube aber, a» den unsere Seligkeit gebunden ist, darf nicht wie bcp so vielen Christen, bloß eine Sache des Verstandes und des Gedächtnisses seyn, sondern er muß unser ganzes Herz mit Liebe gegen die Person Jesu Christi, und Ehrfurcht gegen seine göttlichen Befehle erfüllen, dazu aber wird erfoderk, daß wir Jesnm ans eigener Erfahrung als denjenigen kennen, aufden wir alles Vertrauen setzen, und dem wir zu unserem eigenen Glück und Vergnügen gern und willig gehorchen. Christen! lernt daher euren Heyland nur besser ken-neu, so werdet ihr nicht nur mit Paulus sprechen können, ich weiß an wen ich glaube, und bin gewiß, daß er mir meine Äevlage bewahren könne, bis an jenen Tag, sondern ihr werdet auch unter den vielen abwechselnden, oft traurigen Schicksalen eures zeitlichen Lebens mit getrostem Herzen aufihn vertrauen können. Ihr werdet ein beruhigendes Gewissen, und ein unter allen Schicksalen zufriedenes Gcmükh besitzen. Wohl dem ! der das schon jetzt so bep sich siudct, der kennet seinen Hcyland , und ist durch diese Bekanntschaft mit ihm ein glückseliger Mensch in dieser , und jener Welt. Amen. Am dritten Sonntage nach -Ostern. Evangelium Ioh. 16. V. 16 — 22. Ehe ich euch meine Christen, das heutige Evangelium zu erklären anfangc, so muß ich euch vorläufig L 4 auf auf die Zeit aufmerksam machen, in der cs geredet wurde; es redete aber der Erlöser dieses nicht erst »ach seiner Auferstehung, sondern noch vor seinem Leide» bey dem letzten Abcndmahle, da er mit seinen Jüngern das Osterlamm aß, und von ihnen auf die rührendste Art den Abschied nahm. Wahrhaftig! noch nie hat ein sterbender Vater an seine umstehende Kinder eine so nachdrückliche Rede gehalten, ihnen die letzten guten Ermahnungen gegeben, und sein ganzes Herz vor ihnen so ausgegossen, als cs der Hetzland in seiner Abschicdsredc vor seinen Aposteln that. Da er wußte, daß seineStunde aus der Welt zu gehen, so nahe war, da er die Zurüstnngcu der Juden zu seiner Hinrichtung schon vor Augen hatte, so erhob sich sein grösser Geist über alle Schrecken des fürchterlichen Todes, und fieng au, mit Gelassenheit und Liebe seinen nach etwelchen Stunden erfolgenden Abschied aus dieser Welt den Jüngern vorzusagen. Ueber ei» kleines, sprach er, werdet ihr mich nun »immer sehen, und abermal über ein kleines werdet ihr mich seken; de»» ich gehe zum Hater. MeineJün-ger, wollte er sagen, jetzt habt ihr mich zwar noch unter euch, ihr esset mit mir, ihr fraget mich, ihr höret meine Antworten , aber dieses alles wird bald ein Ende haben, denn es wird jetzt geschehen, was ich euch so oft von meinem Hintritlc voraussagte; ihr werdet nicht nur meinen Umgang, sondern auch mich selbst vcrüehrcn; werdet aber deßhalb nicht traurig, denn meine Abwesenheit wird so lange nicht dauern, ihr werdet mich, che ich zu meinem Vater, der mich gesandt hat, zurückkehre, wieder sehen. Meine Meine Christen! wer kann diese Worte ohne Rührung lesen? — Alles traf pünktlich ein, was der göttliche Heyland hier vorsagte. Er wurde am Abend des nämlichen Donnerstags, wo er diese rührende Ab-schiedSrede hielt, gefangen, nnd Freytags hingerich-let; seine Jünger sahen ihn drcy ganzer Tage nicht, so lang er nämlich im Grabe lag, aber am Ostersonntage Abends sahen sie ihn wieder, gicngen mit ihm vierzig ganzer Tage »in, und nach Verlauf dieser Tage, verließ der Heyland ans immer die Welt, indem er zu seinem himmlischen Vater znrückkchrte. Die Jünger, welche damals noch voll der jüdischen Vorurtheile, und sehr unwissend waren, verstunden Anfangs diese Abschiedsrede des Heylandes nicht, darum sprachen sie unter einander: was ist das, Laß er zu uns sagst, über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und abermal über ein kleines so werdet ibr mich sehen, denn ich gehe zum Oater; was ist das. daß er saget, über ein kleines? wir verstehen ihn nicht» was er redet. Und schon wollten sie ihn um eine nähere Erklärung dieser Worte bitten, als ihnen der Heyland vorkam, und zu ihnen sprach : Ihr scheinet mich nicht verstanden zu haben, da ich euch sagte, über ein kleines werdet ihr mich nicht sehen, und wieder über ein kleines werdet ihr mich sehen; darum sage ich euch noch einmal: nicht lange mehr werde ich mit euch umgehen; denn sehet: schon rüsten sich die Juden, um mich zu fangen und zu tödtcn; nnd wahrlich, wahrlich, sage ich euch! meine Ueberantwortung zum Tode wird euch weinen machen, weil ihr glauben werdet, daß ich nun euren Augen auf immer entrissen bin; allein über eine kurze L .5 Zeit Zeit, nach drey Tagen nämliche wenn ich von den Todten anferstanden seyn werde, werdet ihr mich wieder sehen, nnd dann soll eure Traurigkeit in eine solche Freude verwandelt werden, welche euch nichts in der Welt wird rauben können. Gleichwie ei» Weib in Angst und Traurigkeit fallt, wann sich die Stunde ihrer Geburt nahet, bepm ersten Anblicke ihresKin-dcs aber aller Angst nnd Schmerzen sogleich vergißt, eben so soll auch eure ausgestandene Traurigkeit von euch auf einmal fliehen, wenn ihr mich wieder lebendig , und zwar in eurer Mitte sehen werdet. Je grösser eure Traurigkeit über meine» Tod seyn wird, desto grösser wird auch eure Freude seyn, wenn ihr mich wieder sehen, und erfahren werdet, daß ich durch meinen Tod der ganzen Welt Heil und Segen gebracht habe. Wer aus euch meine Christen, ist in der evangelischen Geschichtess unerfahren, daß er nicht wüßte, daß alle diese Schicksale, welche der Heyland den A-posteln vorsagfe, sich auch richtig ereignet haben? Konnten sie wohl in eine grössere Traurigkeit fallen , als die war, da sie sahen, daß ihnen ihr Meister so plötzlich entrissen, und zu dem Tode des Krentzes ge-schlcppct wurde? Fand sie Magdalena nicht im Heulen und Trauern, alH sic vom Grabe zurückkam? Wie mußte ihr Her; nicht geblutet habe», als sie ihren Meister wirklich deS schimpflichsten Todes sterben, nnd in das Grab legen sah! Aber so groß ihre Traurigkeit bey dem Verluste ihres Meisters war, so herzlich ist auch ihre Freude gewesen, als er ihnen gleich nach seiner Auferstehung zu Jerusalem, an dem See Genezareth, und an mehreren ändern Orten erschien. Am Ende sahen sie fteylich, daß er sic noch nach nach Verlauf vierzig Tage völlig verließ, da er nämlich amOelberge zu seinem himmlischen Vater znrück-kchrte, aber dahin folgten sie ihm nach ihrem Tode bald nach, wo sie alSdenu zn einer Freude gelangten, die kein Sterblicher erfahren, oder empfinden kann. Es ist wahrhaftig bewunderungswürdig, daß der Hcyland so gern und so oft zu seinen Jüngern von seinem Tode redete, da es doch gewiß ist, daß ihme alles, was er bep seinem Sterbe» leiden würde, immer lebhaft vor Augen stunde. Er wußte, und verschwieg es auch vor den Jüngern nicht, daß er verspottet, und am Kreutze gctödtet werden würde, und man sollte denken, daß ihn jeder Gedanke und Aner-iunernng an den Tod hätte betrüben sollen ; aber nein, erdenket an seinen Tod, er redet von seinem Tode, und scheint selben sogar zn wünschen.--------- So ist es uns Menschen nicht, die wir doch zum Sterben gebohren sind; ei» jeder Gedanke, der uns von dem Tode in den Sinn kömmt, schrecket uns, und von demselben zu hören, ist uns kaum erträglich. Warum anders bey dem Heplaude? warum anders bcy uns? Daß unserm liebenswürdigste» Hepland der Gedanke seines Todes nicht allein nicht schreckbar, sondern vielmehr angenehm vorkam, darüber lassen sich zwey Ursachen angeben: die eine gründet sich auf die Liebe gegen uns Menschen, die audere auf die gewisse Belohnungen, welche er von seinem himmlischen Vater hoffte. ES war einmal in dem göttlichen Rathe festgesetzt, daß der Sohn Gottes sterben, und durch seinen Tod das menschliche Geschlecht erlösen sollte; der Sohn Gottes unterwarf sich auch diesem göttlichen chen Rathe, übernahm das Erlösungsgeschäft mit Freuden, und unterzog sich deßwegen dem bitterste» Leiden. Begierig seinen Zweck bald zu erreichen, und das menschliche Geschlecht ehendst zu erlösen, sah er mit Verlangen jenem Augenblicke entgegen, der hiezu bestimmt war. Es war also Liebe gegen uns Menschen eine Ursache, warum er so gerne von seinem Tode sprach. Die andere Ursache war die gewisse Hoffnung der Glorie, die ans sein Leiden und Tod folgen würde. Der Hcyland hatte zwar schon vor seinem Tode alle Hoheiten an stch, die dem wahren Gott zukommcn, indessen verdiente er als Mensch durch sein Leiden und Tod noch eine andere Glorie, die er zuvor nicht hatte. Dnrch seinen Tod verdiente er, daß er als der erste unter allen Menschen, als ein Ucberwinder des Todes ans dem Grabe wieder unsterblich zu einem ewige», keiner Veränderung mehr unterworfenen Leben aufcr-stund; durch den Tod verdiente er den Vorzug in dem Fleische über alle Engel, und eine Erhöhung bis zur rechten Seite seines himmlischen Vaters; endlich verdiente er auch durch den Tod jene unumschränkte Herrschaft über dieLebcndigen und Todtcn, die er zu richten einstens wieder kommen wird. Diese Glorie, welche vor den Heyland bereitet war, und zu der er durch seinen Tod das volle Recht erwarb, machte ihm de» Tod selbst leicht, und dessen Angedenken allerdings angenehm. Schon aus^dem kurz Gesagten läßt sich die Frage auflösen, warum wir Menschen den Tod sosehr fürchten, und kaum dessen Nennung ertragen können. Zesus liebte die Menschen, Jcsus erwartete eine ne gewisse Glorie, darum war ihm der Tod gar nicht bitter. Was aber liebe», was suchen wir? DaS gegenwärtige mit so vielen Armseligkeiten an-gcfüllte Leben, die eingebildete Glnckseligknt, welche sich hin und wieder blicken läßt, diese machet nnS alles das schrecklich, was eine Trennung drohet. Aber sagtmir doch Christen! wenn ihr es einmal mit einer gesunden Vernunft überleget habt, saget! Was hat unser Leben an sich, das uns den Hintritt schwer, oder furchtbar machen könnte? Ist »ichtdic-seS unser so geliebtes Leben ein Meer von Bitterkeiten, Unruhe, Verwirrungen, Kummer, Verdruß, und alles Elendes ? Haben wir einen einzigen Tag so zugcbracht, daß nn'S an demselben nichts Widriges zugestossen wäre? Ist man arm, so ist man in tausend Sorgen, wie man sein Leben erhalten, sich klciden, sich durchdrungen möchte. Ist man reich, so vermehren sich auch die Sorgen, oder man ist in steter Furcht das schon Gesammelte wieder zu ver-liehren. Heute sind wir fröhlich, und halten uns für die Glückseligsten der Erde, morgen überfällt uns eine Traurigkeit, die uns zweifeln läßt, ob für nnS auch noch ein Glücksstern leuchte; heute gehen wir in fester Gesundheit nnserm Gewerbe und Geschäfte nach, morgen trist man uns schon kraftlos in dem Krankenbette an, in das uns eine gählinge Schwachheit geworfen hat. Heute haben wir Freunde, auf deren Hülfe wir uns stützen, morgen erweckt der Neid Feinde wider uns, die allen Trost und Unterstützung uns benehmen. Seht! bicß ist die immerwährende, verdrüßlichc Abwechslung, mit der alle Tage Tage unseres Lebens durchgcwcbet sind, das ist das Leben eines Menschen. Was ist aber das Leben eines Christen, der einen Gott, einen Richter, eine Unsterblichkeit, eine Ewigkeit glaubet?- Von dieser Seite betrachtet ist es noch weit gefährlicher. Denn was heiffet so leben? Es heiffet in einer beständige» Gelegenheit schweben, in verschiedene Sünden zu fallen, und das ewige Heil zu vcrliehrcn, cs heiffet immer am Rande deS Verderbens einherg-hen. und in Gefahr stehen durch einen einzigen Fehltritt hinab zu stürzen. Aber vielleicht würdet ihr euch von dem Tode sogar nicht erschrecken lassen, selben vielleicht noch wünschen, wenn ihr nur wüßtet, welches Schicksal euch nach diesem Leben erwarte; die Sünden, die ihr begiengct, derRichter, der auf euch wartet, das Gewissen, welches euch beunruhigt, die Ungewißheit des Heils, in welcher ihr euch befindet, diese schrecken euch, diese machen euch den Tod fürchterlich. Hierinn gebe ich euch, meine Christen, nicht Unrecht, denn wenn bas Sterben etwas Beschwerliches an sich hat, so rühret dieseS hauptsächlich von der Ungewißheit der Gnade, von der Strenge des Gerichts, von der Gefahr der Verdammnis: her. Allein hören denn diese Gefährlichkeiten nach einem langen, oder hundertjährigen Leben auf? Ist der Hepland nach hundert Jahren der gerechte Richter nicht mehr, der er heute ist? Können wir durch lang fortgelebte Jahre machen, daß das, was geschehen ist, nicht geschehen sep? Ja, sagt ihr, wir werden, wenn wir noch so lange leben, als wir gelebet haben, mis bessern, und uns besser zum Sterben vvrbe- reiten, reiten, als wir jetzt vorbereitet sind. Aber wie hart ist so was zu glauben; denn hat es nicht schon Zeiten gegeben, in denen ihr gedacht, und auch gesagt habt: wäre ich nur in jenen Jahren, in jenem Alter, in jener Krankheit gestorben. Warum wünschet ihr euch damals schon gestorben zu seyu? Dort, antwortet ihr, war ich bereit, ich hatte ein ruhiges Gewissen, seyd ihr denn jetzt nicht mehr bereit, ist euer Gewisse» jetzt nicht mehr so rein? freylich nicht: denn ihr seyd in mehrere Gelegenheiten zur Sünde gekommen, ihr habt euch die Sünde zur Gewohnheit gemacht, ihr habt böse Handlungen ausgeübt, an die ihr ehcvor nicht eiutnal dachtet; und glaubet mir, daß, wenn eure Lebenstage auch noch durch fünfzig und mehrere Jahre verlängert würden, ihr dennoch noch eben solche, und vielleicht ..och größere Sünder seyu werdet, als ihr jetzt seyd; und da euch jetzt der Tod schrecklich vorkömmt, wieviel schrecklicher würde er euch alsdann nach so vielen fruchtlos verstrichenen Jahren Vorkommen. Ich glaube, es wären derlcy Betrachtungen hinlänglich, einein Christen alle Furcht des Todes zu benehmen, und ihn dahin zu bewegen, daß er mit dem heiligen Apostel Paulus ausgelößt, und mit Christo zu seyu wünschte: denn setzen wir, daß dieses Leben wirklich etwas habe, das unser Herz, wo nicht vergnügen, dennoch reitzen könne, so ist cs dennoch gegen dem, was uns versprochen ist, keiner Achtung würdig, ist nicht werth mit jenen ewigen unvergänglichen Gütern verglichen zu werden, denn wer weigert sich eine Handvoll Erde wegzuwerfcn, wenn man ihm dagegen eine Handvoll Geld «nbiethct? Wer verläßt nicht nicht gern eine arnic Hütte, wen» erste mit einem prächtigen Pallaste Umtauschen kann? Und doch zittern wir schon, wenn man nur von dem Tode redet, der doch in der Wahrheit nichts anderes ist, als ein Uebergang von einem elenden, zu einem glückselige» Leben. Nein Christen! fürchten wir uns nicht vor dem Tode, oder wenn wir uns fürchten, so denken wir nur öfter an selben: denn die öftere Erinnerung an den Tod benimmt die Furcht desselben , weil er ein Lehrmeister des christlichen Lebens ist. Amen. Am vierten Sonntage nach -Ostern. Evangelium Johannis i6. V- 5. — ig. ochst schätzbar, meine Christen, muß unS wieder das heutige Evangelium scyn, weil es auch ein Stück von jener kraftvollen Abschiedsredc ist, die der Erlöser kurz vor seiner Gefangcnrichmung an seine Jünger hielt, und davon ich euch vor acht Tagen einen Thcil erklärte. Auch heute legt der liebvolle Heyland seinen Jüngern, um ihre Herzen zu befestigen, und zu der bevorstehenden Trennung zuzuberciten, so heilsame Ermahnungen, und tröstliche Wahrheiten vor, daß Ulan mit Gründe behaupten kann, es habe gegen sie sein Herz niemals so freundschaftlich, und tröstlich gesprochen, als in dieser letzten Ab-schiedsrede, wozu ihm die ausserordentliche Traurigkeit rigkeit der Jünger wegen der herannahcnden Trennung Gelegenheit gab. Der Heyland hatte nämlich die Vorsicht den Jüngern seinen unvermeidlichen Tod noch vor seinem Leiden vorherzusagen, und zwar mit dem Ausdrucke: daß seine Zeit zu seinem himmlischen Vater zurückzu--kehrcn schon wirklich da seye; dicß that er aus der Ursache, damit sie daraus abnchmcn, daß er nicht aus Nolh, oder aus Schwachheit dem Tod uuterle-gen sey, sondern daß er sich freywillig demselben unterworfen, und sein Leben für das Heil der Welt hingcgcben habe; und vbschon er ihnen seinen Tod mit den zärtlichsten Ausdrücken ankündigte, und auf die angenehmste Art als einen Hingang zum Vater schilderte, so sind sie doch darüber in eine so ausserordentliche Traurigkeit verfallen, daß sie über diese so sehr betrübte Sache keine weitere Nachricht verlangten. Nun suchte der liebvolle Hcyland daS äußerst betrübte Herz seiner Jünger dadurch wieder aufzurichkcn, indem er ihnen den Nutzen zeigte, welchen seine Trennung von dieser Welk für sic, und für das ganze menschliche Geschlecht haben würde. Daher sprach er zu ihnen: ich habe euch schon so oft gesagt meine Jünger! Ich gehe zudem, dev mich gesandt hat, und doch ist keiner aus euch so sorgfältig, daß er mich frage» möchte, wo ich hingehe, im Gegentheile seheich, daß ihr darum, weil ich dieß zu euch geredet habe , im höchsten Grad der Traurigkeit verfallen sevd; allein ich sage euch noch einmal, eö ist euch nützlicher, daß ich hingehe, denn wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kom» Friihl.a, Eonntag. M Men, men, wen» ich aber hingehe, so werde ich denselben zu euch schicken. Ich sehe, wollte der Heyland durch diese Worte sagen, ich sehe, daß der Entschluß, den ich gefaßt habe, von euch wegzugehc», und euch allein dahier zu lassen, eure Herze» betrübe, indessen muß er dennoch ins Werk gesetzct werden; denn so angrnehm euch auch meine Gegenwart ist, so ist es dennoch »üblicher für euch, daß ich mich euch entziehe; ich kam nicht in die Welt, nm in der Welt zu bleiben, ich muß wieder zu meinem Vater, der mich gesandt hat, zuruckkehren, ihr aber vcrlichret nichts dabcy, denn cs ist ein anderer bestimmt, der meine Stelle ersetzen wird, nämlich der Tröster der heilige Geist, aber dieser kommt erst alsdenn, und kann nur erst alsdenn lammen, wenn ich zum Vater werde gegangen seyn; dieser heilige Geist wird euch in allen euren Nöthen starken, mit seinem göttlichen Tröste im Leiden erquicken, und durch seine innerliche Salbung s- aufrichten, und ermuntern, daß ihr nicht nur niemals »erzogen, sondern vielmehr durch seinen göttlichen Beystand über alle Verfolgungen stegen sollet, er wird euch und alle, die sich zu meiner Lehre werden bekennen wollen, in jeder Wahrheit den Unterricht geben, er wird euch die wahreErkenntniß Got-teö lehre», dessen heiligsten Willen bekannt machen, und euch in allem, was zu eurer Seligkeit nothwen-dig ist, unterweisen. Dieser göttliche Deist, wenn er kommen wird, spricht ferner der Hcpland, wird die TVeltz der Sünde, der Gerechtigkeit, und des Gerichtes wegen strafen; wegen der Sünde, weil ste an an mich wicht geglaubet haben, wegen der Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe, wegen dem Gerichte aber, weil der Kürst dieser Welt schon gerichtet ist. Er wollte sagen: so tröstlich die Sendung des heiligen Geistes für euch und andere Freunde Gottes sepn wird, so schrcckbar soll sie für die sündige Welt scyn, denn die Welt wird er wegen der Sünde bestrafen, indem er ihr zeigen wird, wie thüricht sie gehandelt habe, daß sie meine Lehre verworfen, meinen Wunderthaten nicht geglaubt, und am Ende mich, ihren größten Wvhlthatcr, ans Kreutz geheftet, und getödtet hat. Er wird die Welt wegen derGerechtigkeit bestrafen, das ist, erwirb der Welt zeigen, wie unrecht sie mir that, als sic mir so viele Laster andichtelc, mich verschrie, und sogar vor den Richtern als einen Freund der Sünde, als einen Verächter des Gesetzes, als einen Aufwiegler des Volkes, als einen Gotteslästerer an-klagte; von diesem heiligen Geiste soll die Welt überzeugt werden, daß ich keinSnuder, sondern die Gerechtigkeit selber war. Er wird die Welt des Gerichtes wegen bestrafen, weil der Kürst dieser Welt schon gerichtet ist. Das ist, durch die Wunderwerke des heiligen Geistes soll die Welt besonders erkennen, daß der Satan als Fürst der Fin-sterniß seine Herrschaft in dieser Welt oerlvhrcn habe, indem die Abgötterei), deren Urheber und Beförderer er war, meiner Lehre wird Platz mache» müssen. Ich habe euch noch Vieles zu sagen, beschließt endlich der Hryland seine trostvollc Abschieds« rede, meine Jünger, ich habe euch von meiner Per« M 3 fvn. — < lZc, ) — so», von meinem Tode, von meiner Auferstehung, Himmelfahrt, künftiger Einrichtung, und Zustande meiner Kirche auf Erde noch Vieles zu entdecken, und zu erklären, allein ihr könnet es anjctzo nicht ertragen, weil ihr dazu unvorbereitet seyd; in diesem allen aber euch den Unterricht zu geben, überlasse ich dem heiligen Geiste; ist dieser einmal über euch gekommen, so folget nur seiner Anleitung, er führet euch gewiß nicht irre; was ihr von mir gehöret habt, das, und noch was mehrercS, werdet ihr von ihm hören, wir widersprechen einander nicht, seine Lehre ist auch die meinige; dieser göttliche -her will ich euch zu eurer Beruhigung heute erstens die Hauptabsichten zeigen, auS welchen uns der Schöpfer so oft mit Widerwärtigkeiten heimsuchet, daraus werdet ihr lernen, daß er es auch dann gut mit uns meyne, wenn er uns leiden läßt. Dann will ich euch den so tröstlichen Unterricht geben. wie ihr künftig in Leiden und Noth gesinuct seyn müsset, oder was eins ist, wie ihr euch darinn zu betragen habt. Der Mensch in dieser Welt ist bestimmt alle seine Handlungen dem Willen des Schöpfers gemäß einzurichtcn, und die Güter dieser Welt nach ihrem wahren Wcrthe zu beurthcilen; dieser Absicht des Schöpfers würde der Mensch sowohl damals zuwider handeln, wenn er die Güter dieser Welt zu gering schätzet, als auch, wenn er sich durch ihren äußerlichen Schimmer blenden läßt; wer lernet ihn aber die Güter und Freuden dieser Welt richtig schätzen, wenn nicht Gott durch Schickung der Widerwärtigkeiten, durch welche er ihn unterrichtet, was die Freuden dieser Welt Gutes an sich haben, und wi« er sich selbe zu erhalten bestreben müsse? Leidender Christ! du befassest vielleicht einst eiu schönes Vermögen, der Schöpfer hat dir selbes genommen, schätzest du nicht jetzt die Wohlthätigkeit an ander», durch deine eigene Erfahrung belehrt, da du vielleicht zur Zeit des Glückes kein Gefühl für das Elend Mz ' des desArmcn hattest? Man hat dich an deiner Ehre an-F?gnffen, deine Redlichkeit verdächtig gemacht, danke der Vorsicht, die dich dadurch belehren wollte, in welchem Grade dir der Ruf deines redlichen Mitbürgers fchahbar seyn müsse, diese, wenn schon bittere Belehrung Gottes, wird dich von allen dem, womit du seinen guten Namen vielleicht selbst untergraben könntest, abschrecken. Man sollte denken, daß die Mensche» durch die täglichen Erfahrungen von der Hinfälligkeit der irrdi-schen Güter belehret würden, und doch sehen wir gerade das Gegentheil; wir sehen täglich Menschen zum Grabe tragen, ohne die Lehre daraus zu ziehen, daß auch uns dieses Loos bald treffen könnte; täglich sehen wir, wie sich Freunde von Freunden trennen müffcn, wie Kinder ihre Eltern, Jünglinge ihre Versorger beweinen, und wir hefte» unser Herz doch so an das zeitliche, als wenn wir ewig leben könnten. Indessen wir so im steten Widerspruche mit uns selbst stehen, vergehet ein Jahr unseres Lebens »ach dem ander», bis endlich der Lod unser ganzes Widerstreben verachtend uns unvorbereitet aus der Reihe der Lebendigen Hinwegraft, und vor dem Angesichte deS Ewigen zu erscheinen zwinget. Christen! Wer kann es Gott verargen, wenn er uns, da Vernunft und fremde Bcyspiele unzureichend sind, durch Widerwärtigkeiten und Leiden, durch Hinwegraffung dessen, was uns am liebsten war, zeiget, daß alles hienieden eitel und hinfällig fege; daß wir nicht da find um leben zu können, sondern um uns zur höhere» Vollkommenheit bilden und vorbereitcn zu können; und daß unsere Seele nicht dem Körper zu dienen, sondern sondern um i» ihm zur Ewigkeit erzogen zu werden, bestimmt ftye. Leiden und Widerwärtigkeit sind, wo nicht das einzige, doch gewiß das sicherste Mittel, Tugend zu befördern, und das Laster, das schon im Verborgenen zn keimen anfieng, zu ersticken. Wo ist der Weift, der fremde Erfahrung zu feiner Belehrung jedesmal so richtig genützet hätte, daß ihm nie die eigene bittere Empfindung der Folgen seiner Fehler nö-Ihig gewesen wäre? Wurde der Prasser je die Tugend der Mässigkeit geschähet haben, wenn ihn nicht das Schicksal durch die Hinwegraffung seines Vermögens den Nutzen derselben gezeigt hätte? Würde der Wollüstling je den Pfad des Lasters verlassen haben, wenn ihm nicht eigene Erfahrung das Schändliche seiner Handlungen gezeigt hätte, sobald sic ihn entnervt ans das Krankenlager hingeworfen hat? Leiden also, und eigene Noth , ist die wahre Erziehung des Menschen zur Menschlichkeit, Mitleid, Bescheidenheit, Sanft-muth, und ändern Tugenden. Oft ist ein Unglück der unmittelbare Weg zu grösserer Glückseligkeit, und man weiß eS aus der Erfahrung, daß nur derjenige endlich sanft ruhen kann, welcher leiden gelernet hak. Sehet meine Christen, wieder eine andere Absicht Gottes, bcy der Schickung der Widerwärtigkeiten nud Leiden, nämlich, selbst durch diese, unsere Glückseligkeit hieniedcn zu vermehren. Der Heyland selbst unterzog sich diesem allgemeinen Loos der Menschen, und seine Religion, welche doch nur zur Beftcligung der Menschen bestimmt ist. welche Mißhandlungen mußte sic erfahren, ehe sie sich durch die Scheiterhaufen der Barbarey , und erstickenden Ucbcl des Aberglaubens hervor wickeln M 4 konnte, konnte, um endlich in majestätischer Einfalt und Rei. nigkeit hervortretten zu können? Leidender Christ? wenn dieß hienieden der gewöhnliche Gang der göttlichen Regierung ist, wenn Glück und Unglück so unter einander gcwcbet sind, daß nur immer eins aus dem ändern erfolge, o so laß dich zu der angenehmen Hoffnung aufmilntern, daß mitten im Schooße deines jetzigen Unglücks ein neues Glück für dich verborgen liege, welches du am Ende von allen Sorge» und Knmincr fre» geniesten , und die jetzigen Stunden deines Unglücks segnen werdest, und daß in de» schwermüthigsten Stunden, da du gegen die Vorsicht am lautesten klagest, diese vielleicht am geschäftigsten ist, Vorbereitungen zu deinem bevorstehenden Glücke zu machen. Diese und noch mehr andere, sind die weisen Absichten GotteS bey Schickung der Widerwärtigkeiten; wer sicht nicht daraus, daß es unser Vater im Himmel mit uns desto bester meyne, je mehr Widerwärtigkeiten er uns zuschickct. D so laßt uns dann, wenn es unserm Schöpfer gefallen sollte, uns mit Widerwärtigkeiten hcimzusu-chen, zuerst zu ihm hinauf blicken , unsere Hoffnung ans seine göttliche Vorsehung stützen, und gedenken, daß die Hand, die uns schlägt, die Hand des zärtlichsten Vaters sey; wie entschlossen, wie standhaft werden wir nicht dann alle Abwechslungen des Glückes erwarte», und selbe de» Führungen der Vorsicht überlassen! Durch unsere Erfahrungen gestärkt, werden wir auch da, wo alles um uns her niedergeschlagen und trostlos seyn wird, mit aufaerichtetem Haupte zu dem hinaufblicken, der bis jetzt unser treuester Freund, unser zärtlichster Vater war, und werden uns «ns fest an die Hand halten, die uns schon in so manchem Ungewitter gedecket hak; wird «nscrm Glücke Gefahr drohen, so wird nns die Hoffnung starken und beruhigen, daß Gott mit Weisheit und Gute die Welt regiere; sollten wir wirklich einen Theil unseres GlückeS verliehren, so werden wir uns vor unserm Schöpfer demüthigen, und rufen : Herr ! du bist unser Gott, und wir deine Geschöpfe, es geschehe nach deinem Willen! Wird endlich unser ganzes Glück mit Elend abwechscln, was soll dann unsere Gelassenheit befestigen, wenn nicht die Ucberzcugung: Gott ist der Allwissende, er kennt unser Elend , und verhängt eS auS Weisheit; er ist der Allmächtige, zagen wir nicht; er ist die Liebe selbst, überlassen wir unS ihm ; er zählte unser Glück und Unglück ehe wir noch waren.— So musscn wir in Trübsalen denken, wen» wir fromme, und auf Gott vertrauende Christen scyn wollen. Sollte es aber dem gütigsten Gott gefallen , unS noch ferner, vielleicht gar bis zum Ende unseres Lebens mit Trübsalen kämpfen zu lassen, so müssen wir denken, daß wir eine Seele haben, die ewig zu lebe» bestimmt ist, und daß die tugendhaft Leidenden sehr oft erst iu der Ewigkeit von der göttliche» Gerechtigkeit belohnet werden; und welch ei» Gewinn für Leidende ist es nicht, die Hoffnung einer soll hen Ewigkeit! einer Ewigkeit, wo der Tugendhaft e belohnt, der Heuchler entlarvt, der Lasterhafte nach' Maße seiner Sünden gezüchtiget wird! o wie werde n wir dann die Stunden segnen, in denen wir hier uniker der Last der Trnbsale niedersanken, indem wir di e Nvrtheile M L aller aller unserer hienicden ausgestandencn Leiden einärnd-tcn werden! Christen! Soll die Hoffnung einer so glückliche» Ewigkeit nicht mächtig genug seyn, uns alle Lrübsale der Erde zu erleichtern, die Thräncn des Kummers abzutrocknen, und selbst den Tod nicht zu furchten? Danken wir daher der Vorsicht, wenn sie uns Leiden zuschickel, übergeben wir uns dem göttlichen Willen, wenn »ns Elend und Kummer drückt, und denken wir ganz sicher, daß dicß zu unserm zeitlichen Glücke vortheilhaft ist. Hören aber die Trübsale noch nicht aus, unser ohncdieß schon beklemmtes Herz »och mehr nicdcrzuschagen, dann soll uns die Ueberzcugung beruhigen, daß uns in der Ewigkeit die süße Ruhe, als der Lohn jeder ausgcstandenen Arbeit, der Preis jedes tugendhaften Kampfes erwarte. Amen. Am fünften Sonntage nach Ostern. Evangelium Ioh. r6. V, r?, — zo. ^nch indem heutigen Evangelium, meine Christen, ist der Heiland beflissen, seine wegen seinem nahen Ausgang aus dieser Welt betrübten Jünger zu trösten, und ihnen solche Trostgründe anzugcbcn, welche ganz gewiß im Stande waren, sie in ihrer großen Traurigkeit aufzurichten. Nachdem er ihnen schon vieles von den Gefahren, die ihnen bevorstünden, von dem Geiste, dem Tröster, den er von dem Vater über sie senden, und von dem, was dieser göttliche Geist in ihnen wirken würde, gesagt hatte, so sehtc er zu ihrem noch noch größeren Tröste hinzu: Wahrlich, wahrlich sage ich euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um ewas bitten werdet, so wird ers euch geben: bis jetzt habt ihr um nichts in meinem Namen gebethen. Bittet daher, und ihr werdet empfangen , damit eure /sceude vollkommen sep. Sagt selbst, meine Christ >i> konnte wohl für die niedergeschlagenen Herzen der Jünger ein trostvollereS Versprechen gedacht werden, als diese feyerliche, aus dem Munde der ewigen Wahrheit selbst gemachte Versicherung , daß sie nach seinem Ausgange aus dieser? Welt atteS erhalten sollen, um was sie seine» himmlischen Vater in seinem Namen werden gebethen haben. Zwar hatte der Hcyland seinen Jüngern schon ein an-dersmal die Pflicht des Gcbethes z» seinem himmlischen Vater ans Herz gelegt, da er sie nämlich so be-then lernte: Vater unser, der du bist im Himmel, aber nie die Erhörung desselben so theuer versichert, als heute, da er die Zusage , daß ihr Gebeth allzeit solle erhöret werden, mit einer doppelten Betheurung bekräftiget hatte. Nun konnten die Jünger das unaussprechliche Vergnügen gemessen in allen ihren Nöthen und Anliegen ihre Zuflucht sicher, wie ein Kind zu seinem Vater, zu ihrem himinlischen Vater nehmen zu dürfen. Nun konnten sie sicher hoffen, daß, wenn sie ihre Klagen und Nöthen vor ihm werden ausge-schüttet haben, sie von ihm alles, was sie nach dem Hintrilt ihres Meisters recht glücklich machen könnte, erhallen werden, besonders, da sie der Heyland auch unterrichtete, wie sic zu seinem Vater bethen sollen. Bis jetzt, sprach er ferner zu ihnen, habt ihr in meinem Namen um nichts gebethen, bittet dg? hex, her, und ihr werdet empfangen. Was soften diese Worte heißen ? Sotten sie etwa ein Verweis sey», den der Heyland seine» Aposteln gibt, als wären sie bis dahin im Gebethe saumselig gewesen? Das nicht, denn schon zuvor sagte er ihnen, baß er sie verlassen, daß er von dieser Welt zum Vater gehen werde, folglich war in den Herzen deokIünger anders nichts, als Traurigkeit, Klrinmuth undZaghaftigkeit. Wer wird uns helfen, konnte» sic denken, wenn wir unser» Meister verliehren? Wer wird uns vor unser» Feinden beschuhen, wenn uns der starke Arm, der bisher über «ns hielte, verläßt? Hier kömmt nun sogleich Christus mit einem Tröste vor, und sagt ihnen, bis jetzt habt ihr von meinem Vater nichts begehret, ihr hattet es auch nicht uöthig, dem- ich war immer bey euch, ihr trautet auf mich, und ihr müsset gestehen, daß ich jederzeit eure Hülfe in den Nöthen, euer Erretter in den Gefahren gewesen bin; nun aber könnt ihr euch auf meine leibliche Gegenwart nicht mehr verlassen, allein ihr habt meinen himmlischen Vater, von diesem begehret, (aber in meinem Namen) und ihr werdet erhalten, damit eure Freude vollständig seye. Glaubet nicht, daß ich, da ich von euch scheide, auf ench vergesse, oder keine Sorge mehr für euer Beßtes trage; nein, ihr seyd t-efin meinem Herzen eingeschrieben, darum zeige ich euch,auch, wo ihr nach meinem Tode Rath, Bepstand, Hülfe herholen sottet; nur merket euch wohl, daß, wen» ihr euch mit dem Ge-bethe zu meinem himmlischen Vater wenden werdet, ihr dasselbe auf meine Fürbitte gründen, euer Vertrauen auf euren Glauben und meine Verdienste bey ihm setzen sollet, und ihr werdet dann erfahren, daß ihr nicht vergebens gebethen habet, und da wird eu-^ re Freude erst vollkommen werden; denn ihr werdet euch selber überzeugen, daß mein Vater nicht weniger für euch besorgt ist, als ich. Wie sehr diese Trostgründe des Hcylands ans die niedergeschlagenen Herzen seiner Jünger gewirkt haben müssen, können wir uns desto leichter einbilden, je mehr wir aus der evangelischen Geschichte überzeugt sind, daß er nie ein Wort ohne Nutzen und gehöriger Wirkung zu ihnen gesprochen habe. Allein da die Jünger noch nicht den gehörigen Begriff von seiner göttli« chen Person, von seinem Leiden, Tod, oder Auferstehung, und vielen anderen Geheimnissen, in welchen er sie, zurZeik seines Umgangs mit ihnen, größtcntheils nur durch Gleichnisse und dunkle Redensarten unterrichtete, hatten, so wollte er sic auch von dieser Seite trösten, indem er ihnen eine hellere Kcnntniß aller dieser Wahrheiten verspricht: bisher, so sprach der liebevolle Meister zu seinen Schülern, bisher Hab ich in Gleichnissen und dunkeln Sprichwörter» zu euch geredet, allein künftig will ich>mich gegen euch nicht mehr dieses dunkeln Vortrages bedienen, sondern alles klar und deutlich sagen, und vom Vater verkündigen. Dieses nämlich würde er theils selbst nach seiner Auferstehung khun, thcils aber verwies er sie auf die Ankunft des heiligen Geistes, welchen er ihnen aus dieser Absicht zu senden versprach, damit er ihnen ein neues und größeres Maß der Er-kcnntniß mittheile, durch welches sie ihn weit besser erkennen würden. Der Hepland hielt auch in der That sein Wort, indem er noch indem Augenblicke vier der wesentlich. sten sten Geheimnlffc seiner Lehre, die alles dieß, was sie von seiner Gottheit, Menschheit, Tode und von seiner künftige» Glorie zu glauben hatte», klar, und dcut-lich in sich enthielten, offenbarte. Ich bin vom Vater ausgegangcn, sprach er, hiedurch wollte er sie belehre», daß er von Ewigkeit her mit seinem himmlischen Vater der uämlicheu Natur, Wesenheit und Vollkommenheit, und folgsam wahrer Gott sepe. Ich bin in die IVelt gekommen. Hier halten sie daS Gehcimniß der Menschwerdung ihres Meisters, der vom Himmel Herabstieg, die menschliche Natur an sich nahm, als ein Mensch gebohrcn wurde, und unter ihnen wandelte. Ich verlasse die Vvelt. Hier wurde ihnen das Geheimniß der Erlösung entdeckt, welches darinn bestund, daß ihr Meister in der menschlichen Natur sich zu einem Opfer für die Sünden der Welt machte, und durch seinen Tod der göttlichen GerechtigkeitGenugthunng verschaffte. Ich geheznm Vater zurück. Hiedurch deutete er auf seine Himmelfahrt und ans die Glorie, die er sich durch sein Leiden und Tod bey seinem himmlischen Vater verdienet hatte. DaS sind die vier wichtigen Geheimnisse seiner göttlichen Lehre, die er seine» Jüngern noch in der nämlichen Abschiedsrede so klar offenbarte, daß sie auf der Stelle das Bckenntniß von der Göttlichkeit seiner Person und Lehre ablegten, und sagten: Nun hast du deutlich gesprochen, und eben ans dieser Deutlichkeit schlossen wir, daß du alleS weißt, und nicht nöthig ist, daß dich jemand frage; deßwcgcn glauben wir dir auch mit völliger Gewißheit und Ueberzcugung, daß du von Gott dem Vater ausgegangr», und sein wahrer Sohn sepest. Lasset Lasset uns nur, meine Christen, über diese Erklärung des heutigen Evangeliums eine kurze Betrachtung anstelle«, und sehen, in wie ferne auch wir an der groffen nud trostreichen Verheißung von der Er-hvrnng unseres Gebethes, welche in unserm Evangelium eigentlich die Apostel angehct, Lhcil zu nehmen hoffen dürfen. Eben jener Jesus, der heute seinen A-postelnjene besondere Zusage gab, hat auch sonst bey verschiedenen ander» Gelegenheiten, wo er nicht mit seine» Jüngern, sondern mit dein Volke zn thnn halte, dasGebeth anfdas kräftigste empfohlen, unddieBe-reitwilligkeit seines Vaters zur Erhvrung desselbeit ausser Zweifel gefetzt, nur federte er, daß mandas Gebcth immer nach seiner Anweisung dem himmlischen Vater vortragen solle. Es fragt sich daher, welche sind die Anweisungen, die uns der Heyland zur Befolgung bey nnserm Gebethe hinterließ? und ich antworte darauf: die Anweisungen, die uns der Heyland zur Befolgung bey unscrin Gebethe hinter-ließ, gehen theils den Inhalt und Vortrag des Gedeihes, thcilS die Zeit und Ort, wo es verrichtet werden kann, theils endlich die dazu erfoderliche Gemüths-verfassuug an. Ueber alle diese Punkte werde ich euch meine Christen, nach dcrLchreJesu näher unterrichten. Was den Inhalt des Gebethes bekrist, so müssen wir, wenn wir bethen, auf unsere besonder» Umstande ein besonderes Augenmerk nehmen. Ich verwerfe zwar die Gebethe eines allgemeinen Inhalts nicht, weil cs sehr viele allgemeine Wohlthaten Gottes gibt, für welche wir alle zu danken schuldig sind ; und eben so gibt es auch gewisse allgemeine Bedürfnisse, die jedem zur Demüthigung vor Gott Anlaß geben könne«; neu; aber der Christ muß doch billig nie dabey allein bleiben, sondern er hat viel mehr nach seinem beson-dernZustand und Bedürfnissen sein Gebeth abzufasse»; denn wo ist der Mensch, der nicht manche besondere Möhlthaten von Gott empfieuge, und wer hat nicht seine besondere Anliegen, mit welchen er seine Zuflucht zu dem Allmächtigen nehmen muß? Hat daher jemand neue Wohllhaten von Gott empfangen, so muß auch Dank und Lob Gottes dafür den Inhalt seines Gedeihes ausmachen; findet er diesen oder jenen Mangel, wo er Gottes Fürsorge braucht, oder befindet er sich in Noch und Gefahr, wo er des Allmächtigen bedarf, nun, so verstehet es sich von selbst, daß er um Abi Wendung dieser Fälle besonders zu bitten habe, Lernet daraus, meine Christen, wie gut es in dieser Absicht seye, wenn man jedesmal vor dem Gebethe seinen eigenen Zustand betrachtet, und nach selbem das Gebeth einrichtet. Bey unfern leiblichen Bedürfnissen wird dieseRegel leicht beobachtet, aber bey de» Bedürfnissen unserer Seele, worauf doch so vieles beruhet, ist diese Uebcrlegnng ungleich schwerer. Und mithin um desto nöthiger, weil das WachSthum im Guten nichts so sehr fodert, als wenn wir jedes geistliche Bedürfniß zum Hauptinhalt unseres GebethcS machen. Empfindest d» etwa, mein Christ, Aufwallungen des Zorns, und der Rachgierde bey dir, so Haft du kein besseres Mittel zur Dämpfung dieses unordentlichen Feuers der Begierde, als wenn du dich vor dem Geber alles Guten dcmüthigest, und ihn um ein sanftes und dcmüthiges Herz anflehest; du wirst »ach Vollendung des Gebethes einschcn, wie viel du jetzt dabey gcwvulien, und immer gewinnen werdest, wenn du immer immer deinGcbeth nach deinen jedesmaligen Umstanden cinrichtest. Uebrigcns ist eine trostvollc Lehre des Evangeliums, daß uns keine rechtmässige Angelegenheit so groß oder so klein scheinen könne, über welche wir uns nicht mit dem Allerhöchsten nntcrrcdcn dürften; sicher darfen wir alle unsere Sorgen, mithin auch die geringeren ans den allgemeinen Versorger hin-werfcn, welche den Sperling ans dem Dache eben so ernähret, als den vernünftigen Menschen, und dem es eben so leicht ist Königreiche auszutheilen , als dem ärmsten Laglöhner sein tägliches Brod zu beschcercn. Nu. ermahne ich euch: trachtet bep eurem Gebethe nicht so sehr nach dem, waS ihr essen und trinken, und womit ihr euch kleiden werdet, bittet nicht allein um irrdische Gaben, begehret »och weniger von Gott grosse, ausserordentliche Dinge, als Reichthnm, Hoheit, und dauerhaftes irdisches Glück, sondern bedenkt vielmehr, daß ihr einen unsterblichen Geist in euch habt, dessen Begierden mit den Gütern der ganzen Welt nicht befriediget werden. Bittet also um wahre Weisheit, um Schätze der Seele, um Güter, welche euch ewiglich bleiben, oder wie sich der Erlöser ausdrückte: Trachtet in eurem Gebethe am ersten nach dem Reiche Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit. Wie aber muß man dieß alles Gott vertragen? Diese nicht unerhebliche Frage beantwortet uns der Geist Gottes, wenn er sagt: das verlangen dev Elenden hörest du o Herr' ihr Herz ist gewiß , daß dein Ghr daraufmerke. Also kömmt cS nicht auf Worte an, man kann ihm also sein Anliegen Frühl, a. Tenmag. bloß durch Verlangen der Seele bekannt mache». Wie tröstlich sind diese Worte für dich , meinChrist, der du von tiefer Betrübnisi des Herzens, oder vor Schmerzen dcS LeibeS, deine» Mund nicht öffnen, nnd deine Billen vornehmlich vortraaen kannst. Warum wolltest du verzagen, so lange du »och denken, nach Gott verlangen, und zu ihm seufzen kannst, dach bei) dem allen ist eS bei) den Christen, die das Vermögen der Sprache besitzen, sehr anständig nnd ost norhweudig, daß sie ihr Gebekh in Worte ein-kleidcn, und laut mir ihrem Münde zu Gort bethcn ; dabei) kömmt es aber weder auf viele, »och auf schöne Worte an. Gegen das lange, heydnische, und pharisäische Plappern erklärt sich der Hepland sehr nachdrücklich in seiner Bergpredigt, Matth. 6, 7. Pvenn ihr bethet, so sollt ihr nicht viel plappern , wie die Heyden, denn sie glauben , sie werden erhöret, wenn sie viel Worte machen. Noch viel weniger kömmt es auf einen schöne» Zusammenhang der Worte an, denn Gott merket bey nnserm Gebelhe vielmehr auf unser Herz, als ans den Zusammenhang der Worte. Möchtet ihr euch, meine Christen, doch einmal gewöhnen eure Anliegen mit eigenen Worten Gott vorzurraacu! Ihr habt ja keinen strengen Kunstrichter vor euch, vor welchem ihr jedes Wort auf der Goldwaage abwagen müßet, es ist euer allsehendcr Vater und Freund, der cS ohnehin schon weiß, was euch fehlt, und der eure Schwachheit, und Stärke weit besser sieht, als ihrs ihm vortragck, ihr könnt also auch durch die schlechteste Zusammensetzung der Worte um seine Gunst , und die Erhörung bitten; trachtet nur dahin, daß der der Jnbalt cures Gebethcs mit der Wahrheit übereinstimme, dieß ist die Hauptsache. Ich komme nun zur Betrachtung der rechten Zeit, und des reckten Ortes zum Gebetd. Auch hier ist eigentlich nichts Gewisses von unserm Erlöser vorge-schriebcu worden. An allen Orten , und zu allen Zeiten haben wir frcyen Zugang zu dem Gott, der seinen Geschöpfen beständig nahe ist, und cs ist eine der vornehmsten Lehren Jesu Christi, daß Gott an allen Orten angebetdet werden könne, und daß er beständig nahe sene denen, die ihn suchen. Seine Unterredung mit dem samaritischen Weibe kläret diese Wahrheit ans das vortrefflichste auf. Johann 4. An welchem Orte dir dich immer befinden magst, mein Christ, da kannst du dein Herz zu dem Allmächtigen erheben, und dich getrost seiner Leitung empfehlen; selbst unter dem Geräusch deiner Geschäfte findet sich vielleicht irgend ein stii'er Augenblick in dem Innern deiner Seele, wo du deine Gedanken zu dem Himmel richten, und um neue Stärke zum christlichen Verhalten seufzen kannst. Am bequemsten find aber doch die einsamen Stunden, in welchen äußerliche Stille herrscht, zu den Unterredungen und Umgang mit Gott; selbst Jesus zieht ein solches Gebell) dem öffentlichen vor, indem er seinen Jüngern den Rath gibt. Matth. 6, 6.: wenn du be-thest, so gehe in deine Aammer, schließ die Tdürezu, und bethe zu deinem Vater im Verborgeneu, und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dira vergelten öffentlich. Gewiß ein sehr bewährter Rath! Uebrigens so wahr cs überhaupt bleibt, daß man zu allen Zeiten, und a» N 2 allen alle» Orte» zu Gott bethen könne, so bleibt es doch auch wahr, daß cs den Christen zum Wachsthum im Guten sehr förderlich ist, wenn für stc gewisse Zeiten besonders zu dieser Andachtsübung bestimmt werden, und dafür sorgte unsere allgemeine Mutter, die katholische Kirche, da sie uns unter einer schweren Sünde die Pflicht auflegte, die Sonn - und ge-bolhencn Feyertage der Andacht, und zwar in den Gotteshäusern zu widmen; dieß sind die zur Andacht besonders bestimmten Tage, diesem Befehle müssen wir desto heiliger nachlebcn, je sicherer wir im Gc-gentheile nach der Lehre Jesu vor Gott als Heyden, und Publikanen angesehen würden. Was die innerliche Geinüthsverfassnng des Be-thcnden betrift, so müssen wir nach der Anweisung Christi mit einem demüthigcn Geiste bethen; denn wollen wir Gott recht verehren, so müssen wir nicht bloß im allgemeinen wissen, daß er unser Schöpfer und Herr, und wir seine Untergebene sind, sonder» unsere Begriffe von seiner Hoheit müssen ihm anständig, und der Wahrheit gemäß seyn, und eben so uothwendig ist es, seine eigene Abhängigkeit von Gott so lebhaft zu erkennen, daß man jedes Gute, was man hat, und erhält, nicht sich selbst, sondern der gnädigen Wirkung dieses höchsten Wohlthäters zuschreibe; dieß ist auch die Lehre der Aposteln des Herrn: Daß Gott den Demüthigen Gnade gebe. Und das von unserm Erlöser angeführte, und euch allen bekannte Bcyspiel des bußfertigen Zöllners bewältigt eben das. Und in der Thak, wie können wir nur den ersten Gedanken fassen, vor den Allmächtigen hinzutrctten, ohne zugleich den großen Abstand zwischen zwischen ihm und uns/ seine Grösse und unsere Niedrigkeit, seinen Reichlhum und unsere Armnth aufs lebhafteste zu empfinden? Nur unwissende, und leichtsinnige Menschen können es wagen mit einem gewissen Stolze zu Gott zu bcthen, und sich mit jenem Pharisäer ihrer Verdienste vor ihm zu rühmen. Die letzte Eigenschaft endlich eines guten Gcbe-IheS ist die kindliche Zuversicht, oder das Vertrauen des Herzens zn Gott, das heißt, unsere Zuversicht zu Gott in unseren Unterredungen mit ihm soll ungezwungen, und so zu sagen, kindlich seyn. Jesus wollte cS, daß seine Junger aus solche Art bcthen solle», darum lehrte er sie Gott mit dem süssen Va-ternamen anrcden, darum stellte er ihnen denselben auch sonst als ihren liebreiche» Versorger, der alle ihre Bedürfnisse kenne, vor Augen. Dieses kindliche Vertrauen aber, meine Christen, müssen wir »userm Vater im Himmel vornamlich dadurch beweisen, daß wir nichts von unsern geheimsten Anliegen vor ihm zurückhalteu. Was selbst unsere vertrautesten Freunde nicht wissen dürfen, das sagen wir getrost «userm Vater im Himmel; aber überlassen wir ihm auch dabey, in wie ferne er unsere Bitten zu erhören für gut findet; denn dieß ist der deutlichste Beweis unseres herzlichen Vertrauens zu ihm, wenn wir unsere Schicksale ganz seiner Regierung überlassen; mache es mit mir, wie dirs gefallt, wird es dann bcy jeder besonderer Bitte, die wir vor ihn bringen werden, heißen, und werden wir auch unter dem Druck des Leidens zu ihm rufen, so wird eben diese Zuversicht zu Gott unsere Klagen mäßigen; ja, wenn wenn wir anch in der finstern Stunde der Angst mit Lhranen zu ihm bethcn müssen, so sind es dochThra-ncn des Kindes, das auch noch weinend auf die Hülfe des VaterS vertrank. Ich habe euch also, meine Christen, die Haupt-eigenfchaften eines guten Gebcthcs nach der Anweisung Christi erklärt. Ucberzengt euch euer Gewissen, daß ihr bisher das Gebekh entweder gänzlich ver-nachläßigt, oderdoch nicht auf die angegebene christliche Art getrieben habt, so bitteich euch, lernt eure Bedürfuiße erkennen, und ich versichere euch, daß ihr sodann auch bald die Nutzbarkeit des Gedeihes einschcn werdet; lernt das Vatcrherz Gottes durch Christum kennen, so wird es euch künftig nicht mehr so lästig fallen, vor ihm bethend zu erscheinen; mit einem Worte, es werde euch Ernst selig zu werden, so wird es euch auch nicht an gute» Trieben fehlen, täglich bey dem Urheber alles Guten dasjenige zu suche», was ihr zur Erreichung eurcS Hauptzweckes gebraucht. Amen. Am sechsten Sonntage nach Ostern. Evangelium Joh. iZ. D- 26. — 27. u- l6. V. r — 4. 9^achdem der Heyland kurz vorher s vermuthlich auf seiner letzten Reise von Bethanien «ach Jerusalem ) seinen Aposteln seine eigene Schicksale, daß er näm- nämlich von dm Judon werde gehastet, verfolget, und nächster Tagen geiödket werden, vorher bekannt gemacht hatte, so vrophezevhte er auch ihnen eben dieses traurige Schicksal, welches sic nach seinem Tode von den Inden zu erwarten hätte». Am Ende dieser traurigen Weissagungen fügte er z» ihrem Tröste hinzu: Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch von dem Vater senden werde, der vom Vater ausgehet, so wird derselbe von mir Aeugnist geben, aber auch ihr werdet Zeugniß von mir geben, weil ihr vom Anfänge bev mir gewesen sevd. Der Heyland wollte sagen: dcrTrö-stcr, den ich euch nach meiner Rückkehr z» meinem himmlischen Vater senden werde, wird die Juden mit handgreiflichen Beweisen so überzeugen, daß sie selber werden gestehen müssen, es seye von ihrer Seite nichts als Bosheit gewesen, daß sic mich ihren Lehrer und größten Guuhaler aelödtct haben; aber auch ihr meine Jünger werdet von mir das nämliche Zeugniß geben: denn ihr werdet von mir das reden, was euch der heilige Geist eingeben wird; so schwach ihr jetzt z» senn scheinet, so stark werdet ihr durch ihn werden, er wirb euch Muth, und mit diesem auch eine Beredsamkeit erlheilen, welcher Niemand widerstehen wird; was ihr von mir vom Ansauge gesehen habt, und was euch der Tröster noch ferner sagen wird, werdet ihr unerschrocken vor der ganzen Welt verkündigen. Wie es Christus seinen Jüngern versprach , so geschah es auch; bald, nachdem der heilige Geist über sie gekommen war, redeten sie, der grausamsten Drohungen ungeachtet, das Wort mir aller Zuversicht, Vorsicht, und mit einem so glücklichen Erfolg, daß viele aus jenen, die Jesum Christum lödtetcn, an ibn glaubten, und zur Bekcnntniß seines Namens sich selber dem Tode darbothcu. Mit dieser fröhlichen, und angenehmen Nachricht von der Sendung des heiligen Geistes mildert der Heyland die Vorherverkündigung der Trübsaleu, die die Aposteln nach seinem Tode von der Welt zu erwarten hätten. Gleich einem klugen Arzte, der die Bitterkeit einer heilsamen Arzney durch einen süssen Zusatz mildert, damit sie desto leichter eingcnom- ' men werde, so milderte auch der Erlöser die zwote betrübte Nachricht durch die erste angenehme Weissagung. Meine Jünger! so sprach der liebvollc Heyland, trotz den Gaben des heiligen Geistes, mit welchen ich euch ausrüsten werde, wird man entlauf daS hartnäckigste verfolgen; die Juden werden euch aus euren Synagogen stossen, man wird wider euch Gewalt brauchen, eurem Leben nachsteller,, euch tödten, ja was noch schrecklicher ist, man wird sich diese an euch verübte Grausamkeit zum Verdienste vor Gott aurechncn wollen; und dieses alleS werden sie euch thun, weil sie nicht werden glauben wollen, daß ich der Sohn des wahre» Gottes, und folgsam auch wahrer Gott seye. Zwar habe ich ihnen hievon die stärksten Beweise gegeben, allein sie wollten weder meinen Worten, weder meinen Handlungen, »och meine» Wundern glauben; was sie mir nicht glaubten, das werdet ihr ihnen verkündigen, und dieses wird eure ganze Schuld seyn, dieses wird sie wider euch aufbringe», wie es sie auch wider mich anfbrachte; man wird euch mit Wahr- tzVahrhcit kein Verbrechen vorrücken können, und nur ich, dessen Namen ihr verkündigen werdet, werde jederzeit Hie Ursache eurer Verfolgung, eures Leidens, eures Todes scyn.—- Aber ich werde auch enre Belohnung seyn, indem ihr hier auf Erden leidet, flechte ich euch im Himmel die Krone eurer Leiden; erinnert euch also immer in den Stunden, in welchen euch diese Leiden wirklich treffen werden, an meine Worte. Dieses werden sie euch thun, weil sie wedev den Vater, noch mich erkennen. Die Nichlkcnnt-niß Gottes von Seite der Menschen also war der Grund, aus welchem, nach dem Ansspruche des Erlösers, der ganze Verfolgungsgeifl der Welt gegen die Jünger des Herrn quellen wurde. Meine Christen! Ist nicht eben diese Unwissenheit Gottks die Quelle so vieler Ucbeln unter uns, und im Gegcntheile, eine thatige Kcnntniß desselben der Grund unseres zeitlichen, und ewigen Glückes? Und doch bestreben sich so Wenige zu einer solchen thätigeg Kenntlich Gottes zu gelangen! Es ist zwar wahr, mciueChri-sten, daß vielleicht Niemand unter euch sepe, welcher zweifeln sollte, daß wirklich ein solcher Gott lebe, der Himmel und Erde, und alles, was darinn ist, erschaffen hat, und noch bis jetzt erhalte, und versorge; denn gesetzt auch, daß er daran zwei» feln sollte, so würden eben diese Werke der Schöpfung ihn vollkommen davon überzeugen. Wenn ich rin Haus sehe, so kann ich nicht au den Ursprung desselben gedenken, ohne mir den Baumeister vorzu-stcllen, und eben so erzählen die Himmel die Ehre Gottes, und die Veste verkündigen seiner Hände Werk, so wird Gottes nnstchtbares Wesen erkannt ^ Hriihl-a. Sonntag. ^ und wahrgciiomincn an den Werken der Schöpfung, sie können unmöglich von sich selbst, und ohne Hülfe eines ändern entstanden ftp», so wenig als sich ein Haus von sechsten bauet. Allein, so gewiß es ist, daß vielleicht keiner an dem Daftyn eines solchen Gottes zweifelt, so sicher ist es auch, daß die Meisten ihn bloß nach seinem Dasepn keiuien, und sich wenig um seine Eigenschaften, um seine Verheißungen und Befehle, um seine Rathschlüssc in Sachen der Seligkeit bekümmern, nach welchen Gott um seines Sohnes willen sich der Menschen zu erbarmen, und durch ihn ihnen die Seligkeit wieder zu schenken, beschlossen hat. Und doch, weh euch, meine Christen! wofern euch diese Erkennlniß fehlet: denn cs ist in keinem ändern Heil, als allein in dem Namen Jesu; weh euch! wenn jhr euren Vater im Himmel bloß nach seinem Dasepn, und nicht auch nach seinen Eigenschaften, Vcrhciffungen und Befehlen kennet, euer Glaube ist nichts, ist ein blosser Schall ohne Wirkung; denn wie könnet ihr bey dem bloßen Glauben an das Dasepn Gottes, seine Majestät verehren, feinen Befehlen gehorsamen, für seine Wohlthatcn danke», auf ihn Hoff nung und Zutrauen setzen, und ihn über alle Dinge lieben, wenn ihr von seiner Grösse, Allgegenwart, Gerechtigkeit, Güte, Fürsorge und anderen Eigenschaften keine Begriffe habt? Oder habt ihr vielleicht bisher eine solche thätige Erkcnntniß von Gott gehabt? Und wenn es nicht an dem ist, werdet ihr von nun an selbe zu erlangen suchen? — Damit ihr aber desto leichter dazu gelanget, so ertheile ich euch folgenden wohlmeyncnden Rath: Nebst dem, -aß ihr euch mit fleißiger Anhörung des göttlichen Wortes Wortes beschäftiget, gebet auch als Laudesleutc auf eure und anderer Leute Begebenheiten Achtung, wie Gott nämlich manchen Menschen wundcrbarlich leite und führe; wie er Regen und Soniienschein zu seinerzeit gebe, aber auch durch dicElcmcnte die Menschen strafe; wie alles so schön und künstlich hervorwachse, und wie Gott die Menschen, Thiere, und den kleinsten Wurm speise und versorge! — O! überall wird euch Gott als ein Herr bekannt werden, der tödten und lebendig wachen kann. Nutzet besonders, zur Kenntniß Gottes zu gelangen, die Stunden der Trübsalen, sie sind eine der beßten Gelegenheiten, mit Gott bekannt zu werden; denn wenn Trübsal da ist, so sucht man ihn, und wenn er uns wieder geholfen hat, so heißt es : Der Allmächtige war jener, der uns wieder aufgeholseir hat; und im Falle, wenn er uns auch nicht aus gewissen , nur ihm bekannten Absichten Helsen wollte, so ist es ein unschätzbares Glück, ein süsser Trost für einen Christen, wenn er sich mitten in seinem Leiden mit Wahrheit den Zuspruch machen kann: ich leide, aber ich leide nur, weil dicß der Wille Gottes ist; es ist dieß der nämliche Trost, mit dem auch der heilige Apostel Petrus seine Christen ermunterte, zu denen er also redete: Allerliebste! lasset euch die Aitze der beiden, welche euch zur Prüfung fcv» mag, nicht befremden, als wenn euch etwas ungewöhnliches begegnete, sondern erfreuet euch, wenn ihr an dem beiden Christi einen Theil habet, damit ihr euch auch bey öer Offenbarung erfreuen, und frohlocken moget. Endlich seyd auch selbst nicht bey dieser Sache faul und träge, sondern gebt euch sehr viele Mühe, O 2 Gott Gott immer mehr zu erkennen. Sagt um Gotteswik-len nicht: zu was darf ein Landmann so viel wissen» ich bin ja kein Gelehrter, und ich weiß schon genug, wenigstens so viel als mir nöthig ist. Es wäre zu wünschen, daß ihr das Nöthige wüßtet; aber höre lieber Landmann ! -höre! was in der heiligen Schrift auch für dich geschrieben stehet: "Wachset in der Gnade und Erkenntniß unscrs Herrn und Heilandes Aesu Christi. Bedenke die schwere Rechenschaft, die du vor dem Richkerstuhlc Jesu darüber abzulegeu hast; denn da wirst du »ach Zweyerley gerichtet werden, erstlich nach dem, was du mehr hättest wissen können , wenn du gewollt hattest, aber zu saumselig warst, es zu thun, und die Gelegenheit verachtetest» welche dirGoktdazu gegeben hat; zwcntens nach dem, was du gewußt, und als von Gott befohlen, mit Uc-berzeugung erkannt, aber nicht in die Ausübung gebracht hast. Betrachte ferner den grosscn Nutzen, den du davon hast, wenn du Gott recht erkennst; erstens wirst du, wenn du Gott so kennest, wie er gekannt werden will, manche schwere Sünde vermeiden, die du gewiß begangen habe» wurdest , wenn dir diese Kcnntniß abgienge. Werdet doch einmal nüchtern und sündiget nicht, sagt der Apostel, denn etliche wissen nichts von Gott. Was heißt das anders, als daß ihr eben darum, weil ihr nichts von Gott wisset, oder ihn nach seinen Eigenschaften und Befehlen nicht so kennet, wie er erkannt scyn will, wie bctrunkue Leute sortlcbet , und aus einer Sünde in die andere verfallet. Ist es also uns nicht höchst ersprießlich, durch die Erkcnntniß Gottes und seiner Befehle von manchen Fehlern bewahret zu werden? Oder wie Petrus sagt, dadurch dem Unflath der Welt zu entfliehen? entfliehen? Haben wir nicht von der Gottesfurcht den größten Niltzen? Hat sie nicht die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens? Werden wir nicht darium eine desto größere Seligkeit erlangen, je mehr Tugenden wir in unfern: Glauben erreichen? Zweitens werden wir uns durch die Kenntniß Gottes, unser ganzes Christenthum erleichtern. Wer kennt nicht die Sprache der saumseligen Christen? Es ist unmöglich, sagen sie, alles zu khun, was Gott von uns verlangt, der Befehle sind zu viel, wer kann sic alle erfüllen ohne sich zu martern, und die aufferste Gewalt anzukhun ? Würden sic aber wohl so sagen wenn sie Gott recht kennten, wenn sie wüßten, daß Gott nie unmögliche Sachen von uns verlange, daß er zufrieden seye, wenn wir nur das thun, was wir können, und wozu wir Gelegenheit haben, daß er, um unfern Eifer in der Gottseligkeit zu erwecken, gerade die durch Jesum erworbene Seligkeit nach »»fern Verdiensten mehr, und geringer austhcilen werde? Würde uns eine solche Erkenntniß von Gott nicht Math pnd Fertigkeit, den Willen Gottes stets zu vollbringen, einflößen? Unser Glaube würde uns bald ein sanftes Joch, eine leichte Last werden, die Liebe zu Gott würde uns die Gebothc Gottes halten lernen, und uns selbe erleichtern; Gutes wurden wir Jeder? mann thun, weil wir der Verheißung Gottes tränkten, daß wir deßhalb zu seiner Zeit ohne Aufhörcn arndken sollten. Ferner ist die Kennkniß Gottes der Grund unseres Trostes hieniedcn in Trübsalen und Widerwärtigkeiten, denn, wenn ich Gott als ein allmächtiges, weises und gütiges Wesen erkenne, welches alle Trübsale seiner Geschöpfe zu einem guten Ende hiuauszufnhren weiß, weiß, werde ich da wohl in der Noch verzagen? —> Wennich Jcsum als meinen Erlöser erkenne, durch dessen Verdienst ich mit Gott versöhnet worden, wird die Furcht vor dem Tode, wird das Andenken an jcneE-wigkeit mir mein Sterbbette wohl unerträglich, und mein Ende schwer machen? — Wenn ich den heiligen Geist als einen Tröster kenne, der alle meine Handlungen so einzurichtcn weiß, daß sie Gott gefallen, der mich imGebelhe, und wenn mein Glauben ansängt schwach zu werden, mit seiner göttlichen Kraft unterstützet, werde ich da wohl zweifeln, ob mein redliches Herz Gott gefalle? — O Christen, wie glücklich seyd ihr, wenn ihr Gott recht erkennet! Der Nutzen, der euch aus der rechtschaffenen Er-kenntniß Gottes zugehet, erstrecket sich endlich bis in die Ewigkeit; denn ihr werdet für alle diese Wahrheiten, dir ihr schon hieniedcn von ihm glaubtet, auch Gott »m so gewisser in dem Himmel von Angesicht zu Angesicht anschauen, und aus seinen Händen für eure Treue und Bemühung die Krone des ewigen Lebens erhalten. Lasset uns dahero liebe Christen, immer nach einer so nützlichen Erkeuntuiß streben, und mit Paulus sagen: Unser Wissen ist unvollkommen, und unser Weissagen ist auch unvollkommen, wenn aber daS Vollkommene kommen wird, so wird das Unvollkommene aufhören. Wir sehe» jetzt undeutlich, alsdann aber von Angesicht zu Angesichte. Amen. Ende der ersten Jahreshälfte. Inhalt. Am ersten Sonntage im Advente. Evangelium Luk. 2i, v. 2L —-ZZ. Seite i — 6. Am zweyten Sonntage im Advente. Evang. Matth. 11, v. 2 — io. Seite 6 — 11. Am dritten Sonntage im Advente. Evang. Joh. i, v. 19 — 29. S. 12 — 17. Am vierten Sonntage im Advent. Evang. Luk. z, v. 1 — 6. S. 17 — 22. Am Sonntage in der Oktav der Geburt des Herrn. Evang. Luk. 2, v. ZZ. — 40. S. 22 — 28. Am Sonntage nach der Beschneidnng Christi. Evang. Matth. 2, v. iy — 2Z. S. 28 — Z2. Am ersten Sonntage nach der Erscheinung des Herrn. Evang. Luk. 2, v. 42. — F2. G. Z2 — Z8. Am zweyten Sonntage nach der Erscheinung des Herrn. Evang. Joh. 2, v. 2 — ii. G. Zy — 4Z. Am dritten Sonntage nach der Erscheinung Christi. Evang. Matth, z, v. 1 —>12- S. 44 — § 1. Am vierten Sonntage nach der Erscheinung Christi. Evang. Matth. 8, v. 22 — 27. S.Li — 27. Am fünften Sonntage nach der Erscheinung Christi. Evang.Matth. 12, v. 24— 20. S.27 — 62-Am sechsten Sonntage nach der Erscheinung Christi. Evang. Matth. 12, v.Zr — 2L- S. 64 — 70. Am Sonntage Septuagesima. Evang. Matth. 20, v. 1 — 16. S. 70 — 76. Am Sonntage Sepagcsima. Evang. Luk. 8, v. 4 — >§. S. 77 — 8L. Am Sonntage Quinquagesima. Evang. Luk. 18, v. 21—42. S. LL — 9Ä- Am ersten Sonntage in der Fasten. Evang. Matth-4, v. i — 1 1. S. YZ — ioi. Am zweyten Sonntage in der Fasten. Evang. Match. 17, v. i — 9, G. 102 — 109. AM dritten Sonntage in der Fasten. Evang. Luk. 11, v. 14— 28- G. 110 — 116. Am vierten Sonntage in der Fasten. Evang- Joh. 6> v. 1 — 1.5. 6. 1 > 7 — 124. Am fünften Sonntage in der Fasten. Evang. Joh. 8, v. 46 — F9- S. i2L »ZZ- Am Palmsonntage. Evangelium Matth. 21, v. 1—> 9- S. iZZ — 141- Am Ostersonntage. Evangelium Mark. 16. v. 1 — 7. 6. 141 — '49- Am ersten Sonntage nach Ostern. Evangelium Joh. 20, v. 19 — Zi. S. 149— >.59. Am zweyten Sonntage nach Ostern. Evangel. Joh. IO, v. 11 — 16. S. IL9 167. Am dritten Sonntage nach Ostern. Evang. Joh. 16, v. 16 — 22. S. 167 — 176. Am vierten Sonntage nach Ostern. Evangelium Joh iü, v. A — 14. S. 176 — '86. Am fünften Sonntage nach Ostern. Evang. Joh. 16, v. 2Z ZO. S. 186. — 198. Am sechsten Sonntage nach Ostern. Evangel. Joh. iL, v. 26 — 27. und 16, v. 1. — 4- E-198 — 206.