Wmo amat patri am, quia magna, Seti quia Sita! FAUL PIKLOH rmiEIWi« MUCHAR ^-r Slitiskapitulai- zuAilm Die geographischen Verhältnisse im Allgemeinen. 28ährend öer erschütternden Ereignisse der Völkerwanderung, welche im Laufe von fast hundert Jahren das römische Westreich zertrümmert haben, sind auch die geographischen Verhältnisse öer römischen Steiermark nach und nach verändert und bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in die heutige Gestaltung umwandelt und festgestellt worden. Wir wollen diese Veränderungen mit möglicher Bestimmtheit bezeichnen, weil die klare und genaue Kenntnis derselben zur richtigen Auffassung öer Zeitereignisse selbst nothwenöig ist. Bezeichnung und Begrifföes alten großen Jllyrikums verschwinden jetzt ganz in öer mittelalterlichen Geographie, so daß nach dem sechsten Jahrhunderte nicht einmal mehr das untere Steircrland darin begriffen erscheint '). Die Ländernamen Pannonien und Norikum aber bleiben noch feststehend, und bis in die Zeiten K. Karls des Großen wird die obere Steiermark oder das steierische Bcrgland unter den Landthcilen Nvrikums, die untere Steiermark aber unter dem Lande Pannonien begriffen. Früher jedoch und seit öer Mitte des sechsten Jahrhunderts verschwinden die Unterabtheilungcn des westlichen Pannoniens, welche in der römischen Epoche bekannt gewesen sind, Valerien, zwischen dem östlichen Fuße öer cetischen Bergkette und dem Raabflusse, und Savien, Suavien, öer steierische Lanö-thcil zwischen der Drave und Save2). Lange und bis in die Mitte des siebenten Jahrhunderts blieben theils Dalmatien, theils Italien oder das Vcnedigergebiet Italiens die unmittelbaren Gränzländer der Steiermark im Süden, auf der einen Seite durch den Strom der Save, auf der andern durch die Kette der apenninischen und ju- Jornand. de regnor. succes. Edit. Murat. I. 333. — Bibi. SS* Patr. IX. 590. -) Jornand. de reli. Getic. cap. L, — Frooop, bell. Goth. I. cap» 15. lischkarnischen Alpen von ihr getrennt '). Durch die selbstständigere Erhebung der reltischcn Sojer im altrömischen nördliche» Rhätien, im Westen Norikums, durch die Festsetzung der Slo-venen im südwestlichen Pannonien und im südlichen Norikum, und mit dem Vordringen der Hunnavaren über Pannonien herauf seit dem Anbeginne des siebenten Jahrhunderts erscheinen neue geographische Bezeichnungen jener Länder. Der Name Norikum wird immer weiter über die rhätischen Länder bis Alemannien hin ausgedehnt und begreift ganz Baiern (Baioaricn, Bajuvarien, Pcigi-roland) in sich; und weil Baioaricn mit allen im Osten dazu eroberten Ländern durch die mächtigen Franken zum östlichen Gränz-lande ihres austrasischen Reiches erhoben und das mächtige boji-sche Volk desselben unter eigene Herzoge gestellt worden ist, so ward auch die obere mittelnorische Steiermark mit ganz Rhätien unter der Bezeichnung Baioaricn begriffen und von den Bairr-herzogen beherrscht * 2). Wie weit jedoch das steierische Bergland den Namen Baioarien getragen habe, läßt sich durchaus nicht nach bestimmten Gränzen bezeichnen; wenn gleich in gediegenen Quellen in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts der Ennsfluß als Gränze zwischen Baioariern und Aoaren angegeben wird 3). Nach bestimmten Andeutungen aus der Mitte des siebenten Jahrhunderts hatten die austrasischen Franken ihre Herrschaft bis an und über die cetische Bergkette und also auch über das ganze stei-rischkarantanische Bergland her ausgedehnt. Mit Oesterreich unter der Enns also gehörte- damals auch die Steiermark zu den Ländern, welche, nach dem Ausdrucke der fränkischen Jahrbücher, an dem großen östlichen Gränzsaume des austrasischen Frankenreiches gegen Slaven und Aoaren gelegen waren 4). Seit dem achten Jahrhunderte wird der Name Pannonien bis an den Ennsfluß herauf ausgedehnt und das Land Oesterreich unter Paul. Diacon. II. 8. 9. 14. ") Hiesür sprechen unzählige Belege aus den fränkischen und germanischen Chroniken und aus Urkunden. 3) Eginhard, gest. Caroli M. Anno 791. — Annal. Fuldens. et Laurisham. Annalista Saxo. Anno 791. — In einem Dokumente des zwölften Jahrhunderts wird das Stift Admont an der obersteirischen Enns bezeichnet als inter montana Bavariae gelegen. — Canis. Lect. Antiq. HI. P, II. 105. Passio B. Tyemonis. Fredegar. cap. 56. 67. — Vit. S. Junian. ap. Du Chcsnc. I. 542. 579. — Annal. Metens. ap. Du Chcsnc 111. 263. 266. — Perz I. 317 — 320: „Gentes, qu$e circa Umitem Avarorum ct Sclavorum consistunt.“ der Enns mit dieser Benennung, abwechselnd auch von der Enns bis zum Kahlenberg, als Hunnenlanü, Hunnien, und unterhalb der cctischen Gebirge als Avarenland, Avarien bezeichnet *). Ungeachtet die Avaren über die unterfteirischen Lanötheile an der Raab, Mur, Drave und Save einige Leit hindurch gewaltig gewesen sind, so erscheint die untere Steiermark doch niemals als Hunnen- oder Avarenland. Schriftsteller aus der Zeit K. Karls des Großen und die fränkischen Jahrbücher bezeichnen Dalmatien, Carniolien, Carniola, auch Carnien, Crainamark oder Krain und Karantanicn als bestimmte Landstriche neben Avarien und Hunnenland, und die Länder unterhalb der cetischen Gebirgskette werden der Donau näher die avarische oder pannonische Gränze oder Mark, und die an der Mur, Drave bis zur Save hin gelegenen Landtheile die karantanische Gränze oder Mark genannt "). Man ersieht daraus, daß damals die östliche und südliche Steiermark zum Lande der karantanischen (oder auch allgemein genommen: Pannonischen)3) Gränze gehört habe. Daraus allein ergibt sich, daß schon von der Zeit an, als die Benennung Norikum immer weiter nach Westen gezogen ist, das obere oder steirische Gebirgslanö unter Karantanicn begriffen worden sey. Wirklich verschwindet jetzt seit dem siebenten Jahrhunderte aus allen Zeitbüchern und Urkunden die aktrömische Länderbezeichnung Mit-telnorikum; an dessen Stelle erscheinen die Länder zwischen Pannonien und Baioaricn unter der Benennung Karantanicn, Ka-rcntanien, Carnuntum, Carinta, Carnia, Karintriche, Karantanerreich, Karinthia, Land (Provinz) der Slovencu, der Karantancrslovenen, Slovenenland, Sklati in i a 4); und die Gebirgskette, welche heut zu Tage noch das österreichische Land oberhalb und unter der Enns von der oberen Steiermark scheidet, wird noch in den Urkunden des eilf- Annal. Francor. ap. Du Clicsne II. — Aimaj, Franc. Frelicri. Anno 791, — Hl on um. Boic. XXX. I. 381. ") Paul. Diac, Hist, Longob. IV. 7. 40. VI. 24. 51. 52. — Annal. Ber-tlnian. et Francor, Eginhardi ap. Du Chcsnc II. Annis 817. 818. 819. 820. — 829. — Annal. Fuldens. anno 861. — Uglielli, Ital. sacr. V. 56. — Meichelb. Hist. Kris. I. P. I. 573. 5) Juvavia; Anhang 14. 18. 99. 117. — Annal. Metcns. Annis 804. 896. '•) Paul. Diacon. V. 22, — Canis. antiq. Loot. II. P. I. 115. — Juvavia, Anhang p. 10. 13. 61. 98. Jahr 810. p. 96 — 97. Jahr 864. p. 106. p. 148.210. — Annal. Metcns. Ann. 884.892. - Archiv für Südd. p. 213, 214. 215, Jahr 895. 898. — Eichhorn Bkitr. I. 167. u. s. w. ten und zwölften Jahrhunderts (vorzüglich vom Oetscher und dem Semmering bis über Admont hin) alS die Gränzlinie zwischen Ka-rantanien (oder dem karantanischen Berg-, Alpenlande) und zwischen Baiern und der Ostmark bezeichnet '). Den Ursprung und den Grund der so weiten mittelalterlichen Ausdehnung des Namens Karantanien, Karnien oder Kärnten leiten wir aus den uralten, zwischen den Jstriern und Japoden auf der östlichen, und zwischen den Venetern auf der westlichen Seite am adriatischen Meere über die krainerischen und julischnorischen Alpen ins Mit-telnorikum herauf seßhaften celtischen Volksstamm der Earner zurück, deren Geschlecht und Namen sich so in das Mittelalter herab erhalten hat * 2). Wie weit bei der weiteren Ausdehnung des Namens Karantanien die Benennung Baioarien aus dem nordwestlichen Steirer-vberlande nach und nach zurückgezogen worden scy, läßt sich nicht genau Nachweisen. Nach Urkunden des eilften und zwölften Jahrhunderts darf man sich ziemlich an die Kette jener mächtigen Felsen und Tauern halten, welche heut zu Tage noch Steiermark von Oberösterreich und Salzburg, und diesen Landthcil von Kärnten trennen. Damals wurden die Gegenden jenseits des Rad-stattertauerns, und die Thaler der obern Mur und Wöls (Ober-wöls, Katsch, Lind und Kraubath) durchaus zu Kärnten gezählt3). Nach Osten zu war Karantanien auch über die cetische Gebirgskette bis an und über den Murfluß und an der Drave und Save 1) Pez Aneedot. T. I. P. III. p. 56. Jahr 979. T. VI. P. I. 72. — Mei-chelb. Hist. Frising P. I. 226 — 228: Montana; regio montana; in Montanis. — Iterum sursum tendens ad montem Othzan (Oetscher) et inde usque ad terminuni Cherntcn, et ab illo usque. — A termino oc-cidentali a villa Chrellindorf usque in fluvium Zuhaha et ad Rudnicham sieque ad montana, Carintliiam respicientia. — Die Urkunden des Stifts Seitenstätten vom I. 1116 bezeichnen die Sliftsbesitzungen als hart an den Gränzen Karantaniens gelegen: ad occidentem usque ad Karinthi Scheide! so daß die damaligen Gränzen Kärntens gerade dahin gelegt worden, wo sie heut zu Tage noch zwischen Steiermark und Oesterreich sind, bei einem Bauernhause der Pfarre Höllenstein, »die Gschaid« genannt, bis hinauf zum Fränzbache außerhalb Altenmarkt an der Enns. — Siehe auch theilweise: Beiträge zur Lösung der Preisfrage u. s. w. p. 207 — 209. 2) Es ist kein Grund vorhanden, die gänzliche Austilgung des carnischen Volkes, auch nicht durch die eingewanderten Slovencu, anzunehmen; und unsere Ansicht ist weit natürlicher und in der Geschichte selbst begründeter, als alle Etymologien. — Linhart, Gesch. v. Kram, 11. Thl. p. 136. — Gebhardi, Deutsch. Reichsstände III. 348. 3) Meichelb. ibid. p. 206. — Mon. Boic. III. 452. — Passio B. Tycmonis ap. Cauis. III. P. II. 106: per Thaurum montem in Carinthiam iter leget. hinab ausgedehnt; und lasse» sich auch hier keine genauen Gränz-marken bestimmen, fu bezeichnen doch Urkunden des eilften Jahrhunderts ganz wörtlich die Thäler der Mittlern und untern Mur, der Kainach, Laßnitz und Sulm (Friesach, Rein, Peggau, Alger-stätten, Hengsberg, Kapellen an der Sulm, Gumbrechtstätten an der Laßnitz) als zu Karantanicn gehörig ')• Urkundliche Andeutungen aus dem neunten, zehnten und eilften Jahrhunderte sprechen für die gleiche Ausdehnung Karantaniens über die südliche Steiermark, über das weite Gebirge des Bachers, über die Ebenen um Pettau und über das Thal der Saan, der Drave under Save, über Reichcnburg hinab bis zum Wasser der Sottla * 2). Fasset man nun schärfer ins Auge, daß die Salzburger Dokumente und Urkunden des neunten und zehnten Jahrhunderts die Land-theile an der Lafnitz und vom Ursprünge der Sala bis zu ihrer Mündung in den Plattensee, die Sumpfstadt Mosburg oder Sa-lapuigis und die Grafschaft Dudleipa daselbst, alle als in Pannonien gelegen, bezeichnen: so verbürgt sich dadurch, daß Karan-tanirn damals bis an die Mittlern Ostgränzen der heutigen Steiermark ausgedehnt gewesen sey3). Dieser südwestliche Theil der Steiermark scheint jedoch früher noch und seit der Mitte des siebenten Jahrhunderts unter einer besonderen geographischen Bezeichnung begriffen worden zu seyn. Paul Warnefried, der Geschichtschreiber der Langobarden aus den Tagen K. Karls des Großen, erzählt, daß sich die Friaulerherzoge Tasso und Cako um das Jahr 612 alle Slovenen, welche in dem Landstriche Zellia gesessen waren, zinsbar gemacht hätten, und daß diese tributäre Abhängigkeit bis in das achte Jahrhundert fortgedauert habe4). Als bestimmte und besondere Länderthcilc bezeichnet Warnefried Kram (Carnio-la, Carniolia) und Kärnten (Carnuntum, Carantanum). Zellia kann also keiner dieser beiden Landstriche, es muß ein besonderer und von diesen verschiedener seyn. Die Lage der Länder, die Slovenenansiedlungcn bis an den Murssuß herauf, und die *) Juvavia, Anhang p, 246. 250. 251. 2) Archiv für Südd. II. 213 - 214. I. 896. 222 - 223. I. 980. 224-225. I. 1015. 226 - 227. I. 1025. 3) Äuvavia, Anhang 14. 18. 99. 114. ll) Paul. Diac. IV. 40: «Hi suo tempore Sclavorum regioncm, quae Zellia appelktur, usque ad locüm, qui Medaria appcllatur, posscdcrunt. Unde usque ad tempera ltatsehis ducis iitlcm Sc lavi pcnsioncm Foro.ju-lianis ducibus persolvcrunt.“ - - Namensähnlichkeit leiten nun von selbst auf das untersteierische Gebiet des Saanflusses und der uralten Stadt Celeia, Cilia, Cilly, welche von den dort seßhaften Slovenen seit undenklichen Zeiten schon Zelle, Celle genannt wird, und an deren Gebiet sich auch fortwährend und insbesondere in der späteren Markenausscheidung selbstständige geographische Verhältnisse binden '). Noch ein anderes Ereigniß muß hier erwähnt werden, weil es zu einer, die Steiermark betreffenden irrigen geographischen Bezeichnung Anlaß gegeben hat. Hut das Jahr 630 bis 632 sind 9000 aus Pannonien flüchtige Bulgaren von dem austrasischen Frankenkönige Dagobert I. innerhalb der baioarischcn Gränzen seines Reiches ausgenommen, während der Winterszeit aber auf seinen Befehl beinahe alle ermordet worden, den Fürsten Alticeus mit Wenigen ausgenommen, welche sich in die Mark der Winiden gerettet haben “). Neben dem südlichen Kärnten und neben Kram ist die hier genannte Mark der Winiden auch von der slovenischen Steiermark, ja für die Zeit des siebenten Jahrhunderts schon für die viel später erst geographisch seftgesetzte und bczeichnete windi-üische Mark an den krainerischen Flüssen der Kulp und Gurk verstanden worden 3). —- Alles im gänzlichen Jrrthume! Der Ausdruck: „die Mark der Winiden" deutet nach Begriffen und Verhältnissen der fränkisch austrasischen Vorländer im Osten keineswegs auf eine genau ausgeschieöene und festumgränzte Winidenmark, Wendenmark, Slovenenmark; er ist nur eine allgemeine Bezeichnung, wie die Gränze der Avaren und Slovenen in den fränkischen Jahrbüchern 4), und nur von einem solchen und außerhalb der austrasischen Reichsgränzen und Pannonien gelegenen Landtheile, in welchem damals Winiden, Wenden oder Slo-venen angesiedelt waren, zu verstehen. *) Da der von Paul Warnefried angeführte Ort Medaria in dem Gebiete von Zellia nicht mit Gewißheit bezeichnet werden kann; und da für das Wort Zellia verschiedene Lesearten im Texte Warnefrieds bestehen: Camellia, Ag-lia u. s. ro., so haben andere Schriftsteller über die Lage des Gebietes von Zellia andere Ansichten ausgesprochen. — Linhart, Gesch. v. Ärain 11.126 — 128. — Lazii, Respubl. Rom. XII. 1143. — Schoenleb. Hist. Carn. p, 337. ") Alticeus in marca Winidorum salvatus est. Post hoc cum Walduoco, duce Winidorum, annis plurimis visit cum his. Fredegar in Chron. ap. Du Chesne I. 761, oder in Append. Gregor. Turon. L. XI. 71. — Gesta Dagobert, p. 580 — 581. ap. Du Chesne ibid. 2). Linhard, ibid. 128 - 143. — Gebhardi, III. 422 — 423. Gentes, quae circa limitom Avarovum et Sclavorum consistunt. — Gest. Dagob. ap, Du Chesiie. I. 597. Durch die Eroberung aller avarischpannonischen Länder bis an die Mündung der Drave sind dieselben unter der geographischen Bezeichnung: der pannonische Limes, die pannonisch e Gränze, die pannonische Mark begriffen und über die Ostgränzen Karantaniens hinausgeschoben worden. Aber wegen des unmittelbaren Zusammenhangs von Pannonien mit dem Lande unter der Enns und mit den, statt Norikum, jetzt Karantanien genannten Landstrichen hat man die der Donau näher gelegenen Theile anfänglich die aoarische, dann die pannonische Mark oder Gränze, und die Länder an der Raab, Mur und Drave bis zur Save hin die karantanische Mark genannt '); so daß wohl fast die ganze östliche und südliche Steiermark der karanta-nischpannonischen Gränze angehört hatte, bis durch die drohende Festsetzung der Ungarn im alten Pannonien eine neue Ländcrab-theilung nothwendig geworden ist. Bis zum Jahre 830 waren die Oberbefehlshaber und Statthalter in dem karantanischen Gränz- lande (Praefecli limitis pannonici, — auch Marchiones, Duces) die Herzoge Erich (Unroch, Heinrich), Kaöolach und Balüerich gewesen; und als untergeordnete Gränzgrafen, besonders in den slo-venischen Landtheilcn und tin südlichen Pannonien, darf man die in den Salzburgeröokumenten und fränkischen Chroniken bezeichne-ten, wohl auch eingebornen slvvenischcn Woiwoden, Wladiken oder Kursen (Duces, Comites) Wonvmir, Prioizlauga, Cemikas, Ztoi-mar, Etgar, Liudewit, Salacho oder Saladio, Priwina, Hezilo (Chozil oder Heinrich), Brazlavo, Helmwin, Albger und Pabo zählen. Es ist eben so unmöglich, die ambachtlichen Bezirke dieser markgräflichen Gränzcnhüter (Marchiones, Duces) und Grafen geographisch nachzuweisen, als genau zu bestimmen, welche Län-dcrthcile von Istrien und Friaul bis an die Save, Drave und Mur herauf ein jeder jener vier größeren Distrikte umfaßt habe, in welche die große herzogliche Friaulermark oder das karantanische Gränzland nach der Absetzung des Markgrafen und Gränz-statthalters Balderich (I. 828 — 829) getheilt und unter vier besondere Grafen zur Verwaltung und Vertheidigung gestellt worden ist. Daß diese vier Bezirke — Friaul mit Istrien, — Kram mit Liburnien, — Unterpannonien und Karantanien gewesen seyen, gehört mehr kühner Vermuthung, als historisch erwiesenen Vcr- *) Annal. Eginhard. Ann. 825. 826. — Annal. Fuldens. ap. Da Chesn. If. Ann 86t. — Anonym, in Vit. Lud. Fii. ap. Du Chesue II. p. 304 A. 826. hältnissen on '). Nach Balderichs Absetzung waltete die Herrschaft K. Ludwigs öes Deutschen im Königreiche Baioarien, und der königlichen Prinzen Karlmann und Arnulf dermassen gewaltig über Karantanien und das karantanische Gränzland, daß die Macht der markgräflichen Gränzenhüter gänzlich verschwindet. Nach dem Zeugnisse der fränkischen Zeitbücher und salzburgischen Urkunden bestanden aber diese Mark- und Gränzgrafcn in den ihnen zugewiesenen Bezirken immer und in entscheidender politischer Wichtigkeit fort '-)• In der Epoche der ungarischen Einfälle und der dadurch veranlagten Wirren erscheinen als Mark- und Gränzgrafen in den karantanischen Gränzländern der baioarische Heeresfürst Graf Liupold, Bruder Aribos, öes gleichzeitigen Gränzhütcrs in der Ostmark; Sighard und Rathold, Natcr und Sohn, Grafen von Scmpt und Ebersberg (I. 900 — 930). Eben aber der Schrecken vor den Magyaren, deren Einfälle jeden Tag gefürchtet werden mußten und deren Raubzüge mehr denn glaublich waren; die unruhigen Bewegungen der Berengare in den Ländern unter den südlichen Alpen; die Vereinigung Italiens mit Deutschland durch K. Otto den Großen, und die Fcsthaltung derselben; die Ausscheidung einer eigenen selbstständigen Mark gegen die Ungarn in den Ländern unter der Enns; die Trennung Karantaniens von Baioarien, als im I. 976 Heinrich der Zänker, der Herzog der vereinigten Länder Kärnten und Baicrn, wider seinen Vetter und Kaiser, Otto n., Aufruhr erhob, — brachte eine neue Veränderung in der geographischen Gestaltung der Steiermark hervor, welche ihre Selbstständigkeit nach dem heutigen Umfange ihres Gebietes begründet hat. Vorerst (Jahr 960 — 970) ist durch die Ungarn der karantanische Limes bis auf die oben nachgewiesencn Ostgrän-zen Karantaniens schon fast ganz nach dem Ostgränzenzuge der Steiermark zurückgedrängt worden. Alles Gebirgs- und Flachland, welches die heutige Steiermark bildet, wurde sodann zu einer einzigen Karantanermark, auch vorzugsweise sogenannten Mark, March gestaltet * * 3), in zwei Marken abgctheilt, und jede dersel- *) Beiträge zur Lösung der Preisfrage u. s. w. I. Heft. p. 4?. z) Annal. Bertinian. Hincmar. Motens. Fuldens. Rudolfi Annis 860 — 870. — Juvavia, Anhang 17 — 18. — Christ. Pessler in serie ducum Ca-rinthiae, p. 6 — 7. 3) Juvavia, Anhang p. 246. — Meichelbcck, ibid. p. 264. 365. In Mareki a juxta Rabam fluvium Chnniperge; J. 1033. — Dipl. S. Duc. Styr. I. 17. In Martina- Rambrechtsteteir et Ramatsteten. I. 1043. — In bcn einem besonderen Markgrafen, zum stäken Gegengewichte wider die mächtigen Herzoge im eigentlichen Karantanien, zur Verwaltung und Vertheidigung gegeben. Jeder dieser Markgrafen erscheint in den Urkunden und Zeitbüchern als Karantanermarkgraf, Markgraf von Kärnten '). Die Gränzen dieser beiden Marken in der Epoche von der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts bis zu ihrer Vereinigung in das Eine selbstständige Land Steiermark lassen sich nicht mehr mit geographischer Bestimmtheit Nachweisen. Die untere Markgrafschaft wurde auch die Mark von der Saan, an der Saan, die Mark an der Save, die Mark jenseits der Drave, und seit dem zwölften Jahrhunderte allein mehr vorzugsweise die Mark, die Marich, March (und die Bewohner: die Lewte auf der Marich, die Marich-Lewte) genannt Im Norden scheint der Laus des unteren Mur-stromes und der mit der Laßnitz zusammenstießende Bach der Sulm die Gränzen gebildet zu haben. Im Süden und Süstwesten scheint diese untere Mark eine Zeitlang auch die Landtheile des Neustadt-ler- und Laibacher Kreises in sich begriffen zu haben * 1 * 3). Vor allen anderen Geschlechtern treten in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts in der unteren Steiermark die Grasen von Friesach und Zeltschach, Gaugrafen an der Saan, hervor, reichbegütert an der Saan, Save, Sottla, Nirina, an den südlichen Abhängen des ausgedehnten Bachergebirges und im Aömontthale der oberen Steiermark, und von Kaiser und Reich mit allen Hoheitsrechten auf denselben begabt. Zwei Wilhelme, Gaugrasen an der Saan, Vater und Sohn, scheinen seit dem Jahre 970 bis 1035 Urkunden von St. Lambrecht, I. 1060 — 1070: in March a, in March! a.— l'ez, Anccdot. II. P. III. 245 — 248, in der Lebensbeschreibung des Salzburgererzbischofs Conrad I. — Rach einer Banibergerurkunde v. I. 1048 lag Rottenman im oberstcirischen Paltenthale geradezu in Marchia, auch noch im Jahre 1177.— Caesar, Annal. I. p, 711.722: Ministeria-libus per Carinthiam et Marchiam constitutis! 1) Juvavia, Anhang p. 246. — Lamb. Schaffnab. Annis 1062 —1070. — Chron. Austral. Freheri Anno 1128: Marchio Carinthiae, Carentinorum. ") Archiv für Süddeutschl. I. 225, 230, I. 1015 und 1025. Besitzungen an der Save, Saan, Sottla, Nerina u. s. w. gelegen, als geradezu in Marchia. Ob auch die Mark von Pettau, die Mark von Marburg, die Marchia transsylvana, transalpina — ? ist mehr Bermuthung, als urkundlich erwiesen; so wie die Benennung Mark an der Save, Marchia juxt a Souwam, auch zweifelhaft ist, und die dafür angeführte urkundliche Stelle in einem andern Sinne genommen werden kann. Archiv für Südd. II. p. 213. 3) Froelich, Archontolog. Carinth. p. 50 — 57. — Horneck. 237. die frühesten Markgrafen der unteren Karantanermark gewesen zu seyn. Der zweite Wilhelm erlag den Nachstellungen des aufrührerischen Karantanerherzogs Adalbero, aus dem Stamme der Grafen von Mürzthal und Eppenstein, gegen welchen er auf Seite seines Herrn und Kaisers Konrad II. gestanden war. Nach diesem gelangte ein fremder Heldenstamm aus Thüringen zum markgräflichen Ambachte der unteren Karantanermark, mit Wilhelm Grafen von Weimar und Orlamünde, dessen Heldenmuth in den ungarischen Bürgerkriegen sich Sophia oder Jojada, die Tochter des Königs Bela, zur Braut erworben hatte. Nach seinem Tode gelangte die Verwaltung der Mark an Ulrich, den Sohn seines Bruders Poppo, bis zum Jahre 1070. Ihm folgten die Brüder Ulrich II., und dann Poppo, Starchand zugenannt. Dieser mit feinem Bruder Grafen Weriand und mit anderen Landesedlrn der Karantanermark waren im gewaltigen Kampfe zwischen Kaiser und Papst und den beiden K. Heinrichen, Vater und Sohn, wüthige Gibellinen. Sie bekriegten, singen und bedrängten in barbarischer Haft den salzburgischen Oberhirten Thiemo. Da wich ihr Glück; der welfischgesinnte Sponheimer, Graf Bernhard, Schwiegersohn des steirischen Markgrafen Ottokar und Bruder jenes Heinrich Hl-, welcher den Mürzthalergrafen in der Herzogswürde über Kärnten (Jahr 1122) nachgcfolgt ist, trieb sie (bis zum Jahr 1128) von Land und Leuten. Auf Poppo Starchand folgten in der untern Mark Pilgrim der Vater und Günther der Sohn (von Hohenwart zugenannt) aus dem baioarischen Edelstamme der Grafen von Andechs. Günther ist in den steirischen Annalen bekannt als rachesüchtiger Verfolger des Abtes Wolfold von Admont. Auf seinem Todbette zahlte er die an dem frommen Abte verübte beschimpfende Gewaltthat mit reicher Spende von Gütern an der Sulm, Laßnitz und zu St. Martin bei Grätz, und wählte seine Gruft in Admont selbst. Mit seinem Tode siel die Ambacht der unteren Steiermark sammt allen Alloden und den Aquilejcrlehen an den Markgrafen Ottokar VII. von Steier (Jahr 1138 — 1140), den Zeugen und Vollstrecker seines Testaments. Alles steirische Land von der Sulm und untern Mur an bis zu den Zinnen der nordwestlichen Felsengebirge, welche heut zu Tage noch das Steireroberland von Oesterreich ob der Enns und von Salzburg scheiden, gehörte zur zweiten oder zur oberen Karantanermark. Sie trug fast durch hundert Jahre die alleinige Benennung Karantanermark, die Mark; bis sie in die Hand der Grafen von Traungau gekommen ist (Jahr 1055). Diese nannten sich von ihrer Hauptburg Stir, Stire, Styre, Steier '), tun Zusammenflüsse der Steier mit der Euus, Grafen von der Styrc, von der Steier; von woher dann die Bezeichnung Markgrafschast von der Styrc, von der Steier, von Steier zuerst, und seit dem Jahre 1056 auf die obere, und seit dem Jahre 1148 auf die untere Mark übergegangen, und das ganze Land der nunmehr vereinigten Marken das Land von der Styre, von Steier (Jahr 1225), das Land Stir, Stir-lant, Stireland * 2), Steyr, Steyr-Marich, die Steiermark genannt worden ist. Doch wurde dadurch die Unterscheidung der beiden alten Marken selbst nicht aufgehoben, und bis zum Anfang des dreizehnten Jahrhunderts nur dahin festgestellt, daß von jetzt an, der natürlichen Beschaffenheit des Landes entsprechend, der südliche-Theil die Bezeichnung untere Steiermark, die Mark vorzugsweise; der nördliche aber den Namen die obere Steiermark, die obere Mark bekommen und bis auf den heutigen Tag behalten hat 3). Wie weit sich die nordöstlichen Theile der ober» Mark gegen die Ostmark oder das Land unter der Enns ausgedehnt haben, läßt sich für die Epoche des zehnten bis in die Mitte des zwölften Jahrhunderts mit geographischer Bestimmtheit nicht angeben; und man hat keinen Grund, erweitertere Gränzen nachzuweisen, als die oben bezeichnetcn des alten großen Karantanicns, vom Wechselgebirge an den Oetscher und Semmering und an der Gebirgskette fort, welche noch heut zu Tage Steiermark von dem Lande Oesterreich unter der Enns scheidet. Don der Mitte des Wie uralt diese Benennung sey, bewährt der Name des Ortes: Styriate in der Gegend des Pyrnberges und des Flusses Steier auf der Peutingcr'schen Straßenkarte. — Gesch. der Steiermark I Theil p. 87. Daß diese obere Mark auch die Mark an der Raab, Marchia juxta Rabam, genannt worden sey. ist nur Vcrmuthung, weil die urkundlichen Worte, die man dafür anführt, auch noch in einem anderen Sinne genommen werden können. Denn in der Stelle: In Marchia juxta Rabam fiuvium Cliuniperge, kann der Sinn auch so genommen werden: In Marchia, juxta Rabam fiuvium Chuniperge, weil Kainberg am Schockt wirklich sehr nahe am Raabfluffe liegt. -) Ulrich von Liechtenstein. Edit. Lachmann p. 212. — Horneck. Edit. Pez. p. Hl- 3) In einer Urkunde des babenbergischen Herzogs Leopold an den Erzbischof Eberhard II. von Salzburg I. 1220 heißt es: „Cum universitas Cleri archidiaconatus superior! s Marchiae ad conventum in Newnkir-ehen celebrandum convenisset.“ — Marchia geradezu genannt. 1.1138, — Caes. I. 741. zwölften bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts aber bestanden hier andere Gränzmarken, welche jedoch gleicherweise geographisch genau nicht nachgewiesen werden können, und die nicht so sehr in der Ausdehnung politischer Gewalt, als vielmehr in reichem Erwerbe von allodialem Land und Leuten ihren wahren Grund gehabt haben, wie aus Folgendem erhellen wird. Der markgräfliche Ambacht der oberen Steiermark lag seit ungefähr dem Jahre 970 in der Hand der mächtigen Grafen von Mürzthal und Eppen-stcin, Marquard und Adalbero, Vater und Sohn. Nachdem der Letztere zur Herzogswürde über Karantanien erhoben war (Jahr 1012), verwaltete anfänglich Arnold II., Graf von Lambach und Wels, diese Mark allein, dann mit und neben seinem Sohne Gottfried, Gaugrafen im Enns- und Paltenthale, Herrn zu Pütten, dem siegreichen Helden gegen die Magyaren. Nach Gottfrieds Tode (Jahr 1055) kam die Mark an Ottokar V., Grafen von der Steier und Gaugrafen im Traungaue, dessen Vater Ottokar IV'., eine Gräfin von Pütten, Lambach und Wels, Tochter Arnolds I. zur Ehe gehabt hatte. Gottfried schloß den Mannsstamm der Grafen von Lambach, Wels und Pütten. Sein reiches Erbe an Land und Leuten um Hartbcrg und Pütten bis an die Traisen, Piesting und Schwarza in der Ostmark kam an seine Tochter, Mathilde, und durch sie und ihren Gemahl, den baioarischen Grafen Ekkebert H., an das Edelgeschlecht der Grafen von Formbach und Neuburg; einige Theile jenes Erbes in eben denselben Gegenden auch an seinen Verwandten Ottokar V., Grafen von Steier und Nachfolger in der oberen MarkMit Ekkebert m., welcher 15. August 1158 bei der Belagerung von Mailand seinen Tod gefunden hatte, erstarb der Mannsstamm der Grafen von Formbach, Neuburg und Pütten. Ihn erbte der glückliche Markgraf Ottokar VII. von Steier auf, und vereinigte alle dessen Allode zwischen dem Semmering, Wechsel und Hartbcrg bis an die Schwarza und Piesting hinaus mit den Alloden seines Hauses und den Markgrafschaftsgütern von Steier s). Von dieser Zeit an ward der ganze Landstrich von Hartberg, vom Wechsel und Semmering bis an die Schwarza und Piesting, der ganze Bezirk um Glock- l) Rauch, script. Austr. I. 244 — 245. Diese Besitzungen der Steirermarkgrafen in der Ostmark vermehrten sich auch gleich nachher durch die Vermählung Ottokars VI. mit Elisabeth, Schwester Leopold des Heiligen in Oesterreich. Idem, I. 244. iiilj, Neunkirchen unö Neustadt für steierischen Boden angesehen, und, in fortlcbcnöer Erinnerung des alten großen Kärntnerreiches und der Karantanermark, in Urkunden und Zeitbüchern als karan-tanischsteierischer Boden bezeichnet *)• Weiter fort aber vom Semmering und den Quellen der Schwarza blieb die Bergkette zwischen Oesterreich und Steier auch die bestimmte Gränzlinie der oberen Mark, welche Gränzen sich im Ennenkel, jedoch sehr dunkel und verworren verzeichnet sindcn s). Erst nach dem Aussterben der babenbergischen Fürsten von Oesterreich mit Herzog Friedrich dem Streitbaren (Jahr 1246), als die gewaltigen Könige Ottokar von Böheim und Bela von Ungarn um das Erbe so schöner Länder langwierig stritten, geschah im Jahre 1254 die Friedens-einigung dahin, daß die Steiermark nach den Gränzen des alten Karantaniens, vom Hartberg und Semmering, nach der Gebirgskette bis an die Enns herauf, an den Ungarköuig überlassen, der Bezirk um Neustadt bis an die Schwarza und Picsting für immer vom Steirerlande abgetrcnnt und mit Oesterreich unter der Enns vereinigt worden ist * * 3). Und ungeachtet später der siegreiche K. Ottokar Steiermark und Oesterreich wieder mit einander >) Beiträge zur Lösung der Preisfrage u. s. w. p. 204 — 211. Aus der hier vom Jahre 1053 angeführten Urkunde folgt keineswegs, daß damals schon der Bezirk von Neustadt karantanischsteicrischer Boden gewesen sey — Eine Paffauerurkunde zwischen 1246 und 1273 besagt auch: Item ecclesiam apud novam sylvam confert Dietricus da Hohenberg, et fundus estEpi-seopi Decimae ibidem usque ad fines Styriae. — Wien. Jahrb. der Lit. XL. Anh. p. 31. -) Rauch. I. 245 — 246. — Lambacher Interregnum, p. 48. (b). 3) Anonym. Leobiens, ap. Pez. An. 1253 (1254): Otakerus Rex Bohemia; resignavit totam terram Styriae Belae Regi Hungariae tali conditione, ut quidquid esset de terra Styriae ultra montem Semernicum, rema-neret Boheme cum tota Austria, linde exortuni est, ut isti in nova civitate et circum quoque dicuntur Australcs, cum tarnen eadem ci-vitas sita sit in terra Styriae. — Pernoldus, Ann. 1254. — Ottokar von Horneck, Reimchronik Kap. 26. Als Hauptpuncte in der Umgränzung der Steiermark in Urkunden vom eilften bis dreizehnten Jahrhundert erscheinen daher: der Oetscher (Otz-jhan), der Semmering, der Erlafsee bei Mariazell in dem Besitzstreite zwischen Lilienfeld und St. Lambrecht im Jahre 1266, das Kärntnergscheid, — Karinthischeide, — der Fränzbach, der Lausachbach (in admontischen Urkunden) der Pyrnberg, der Gossauerberg, der Mandlingbach, aus dessen rechtem Uftr als auf salzburgischem Boden K. Adolf dem Hochstifte erlaubt hat, eine Weste zu bauen, — die Gegend zwischen Friesach und Schaufling (in den Gedichten Ulrichs von Liechtenstein I. 1225). Um das Jahr 1160 scheint Friedrich I. von Pettau die Landesgränzen an der Peßnitz und um Großsonntag bis zu den heutigen Marken erweitert zu haben» Dipl. sacr. Styr. II. p, 307. If, und für immer vereinigt hatte, blieb es doch für alle Zukunft in Politischer Hinsicht von Steiermark getrennt. Angleich länger aber dauerte es, daß die Ncustadtergegend in Kirchcnsachen der Steiermark untergestanden ist. Salzburg zählte unter seinem Generalvikariate in Steier auch das Erzdiakonat von Neustadt mit zwei dazu gehörigen Dekanaten Kirchschlag und Steinfeld, über welche noch seit dem Jahre 1758 der Pfarrer zu Weitz auf dem Weitz-berge in der östlichen Steiermark die Würde eines Erzpriesters oder Erzdiakons getragen hat. Erst im Jahre 1782, bei der durch K. Joseph II. vollführten Regelung der Diäresen, trat der salzburgische Erzbischof Hieronymus den ganzen Bezirk an der Schwarza und Piesting an das Listhum Neustadt ab, welches bald darauf nach St. Pölten übertragen worden ist *)• Im Nordwesten der Steiermark bezeichnet Ottokar von Horneck den Mandlingbach zwischen Radstadt und Schladming als die Gränzscheidung des Landes gegen Salzburg: „daz er dem Pischolf zu Leid pawt an dem Ge-schaiö hie ze Steyr dez Lannd-Drums vnd da dez Pi-stumbs Herrschaft her anstozzet. Die Gemerkch chlozzt ain Pach, ist Menndlikch genannt." — Im Südosten läßt eben dieser Schriftsteller zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts die ungarischen Lanöesgränzen nahe bei Raökersburg erscheinen * 2). In Beziehung der mittelalterlichen Geographie der Steiermark wäre nun hier auch der Traungau mit der Stadt und Burg zu Steier und die Stadt Enns zu berücksichtigen. Der Traungau war schon um das Jahr 876 im Ambachte eines baioarischcn Grafens Aribo, Bruders des baierischcn Heeresfürsten Luitpold. Bon Aribo, der zugleich unter abwechselnden Geschicken Markgraf in der Ostmark gewesen ist, kam der Traungau (Jahr 906) an seinen Sohn Ottokar 1. und von diesem an alle Erstgebornen seines Stammes, die traungauischen Ottokare, aus welchen Ottokar V. oder Oezo (Ozy) zum Markgrafen der oberen Karantanermark (I. 1056) erhoben worden ist, welcher sich früher von seiner Hauptburg Stir, ©tire, Styre oder Steier, Graf von Styre oder Steyer, und jetzt auch als Markgraf so genannt hat. Bor dieser Epoche hatte der Traungau niemals weder zu Karantanien noch zur obern Karantanermark, er hatte immer zu Baioarien oder zum baioarischen Nori-kum gehört. Aber auch nachher hat derselbe niemals im eigentli- *) Nachrichten von Juvavia, p. 298 — 302. Anmerkung (a). 2) Horneck, p. 250 — 251. chen Sinne mit üer Mark von Styre oder mit der Steiermark, als mit einem selbstständigen Lande, ein einziges Land, eine einzige unter bestimmten Gränzen erscheinende und bekannte Markgrafschaft ausgemacht. Alle urkundlichen Andeutungen, welche auf ein solches Verhältniß bezogen werden konnten, sind allein nur zu verstehen von dem reichen Alloöenbesitz der Ottokare an Land und Leuten in diesem Gaue und von den von ihnen theils gegründeten, und daher mit besonderer Vorliebe begünstigten, theils reichbegabten und beschützten Stiften Traunkirchen, Lambach, Gleink und Steiergarsten. In einer geographischen Karte der Mark von der Styre, als solcher, ist üer Traungau stets wegzulassen. Dieselbe Bewandniß hat es auch mit den Städten Steter und Enns, wenn gleich die erstere der Steiermark selbst diesen Namen gegeben zu haben scheinen mochte. Einer alten Ueberlieserung zu Folge soll Ottokar Hl., Gaugraf an der Traun, der Erbauer von Steier gewesen scyn, d. i. von der Burg Styre, Stir, Stire, Steicr (Styrapuvch — schon in der Zeit Jahr 971 — 991) *) am Zusammenflüsse der Steier mit der Enns, an welcher Stelle sich dann nach und nach das Städtchen Steier selbst erhoben hat. So wie die übrigen Eigengüter tin ganzen Traungaue und unterhalb des Ennsflusses: Bchamberg, Waiöhofen, Ennswalö, Gaflenz u. s. w., gehörte demnach auch die Stadt Steier zu den Hausalloöen der Ottokare, niemals aber als geographischer Theil zur Steiermark, als der geschlossenen Mark von Styre. Bei dem Friedensschlüsse zwischen K. Ottokar von Böheim und K. Bela von Ungarn (I. 1254), wo das püttenische Erbe der traungauischen Ottokare vom Lande Steier für immer getrennt worden ist, kam auch Steier mit allen Zugehörüen an Ottokar und durch ihn an alle nachfolgenden Herzoge des Landes Oesterreich, so daß alle, später bei verschiedenen Ereignissen und Erbtheilungen vorgefallenen Veränderungen mit dem Besitze der Stadt Steier (Jahr 1379, 1407, 1440, 1453, 1458) auf die geographischen Verhältnisse der Steiermark ganz und gar keine Beziehung mehr gehabt haben 2). Die Stadt Enns und Ennsburg ist aus dem Grunde des Stiftes St. Florian und des östlichen Gränzgrafens Aribo, des Ahnherrn der Traungauer - Ottokare, gegen die Ungarn im Jahre 900 erbaut worden. ') Wien. Iahrl». d. $it. XL. Anhang, p. 7. z) Beiträge zur Beantwortung der Preisfrage u, s. w. P- Siv — 221. Gesch. 6. Steiermark, — u. 950, 2 Nach seltsamem Wechsel dem Stifte St. Florian, Heinrich I, Herzoge in Baiern und Bruder K. Ottos des Großen, endlich dem Hochstifte zu Passim gehörig, belehnte K. Konrad H. um das Jahr 1020 Ottokar IV., Gaugrafcn iin Traungaue und Grafen im Salzburggaue mit dem Besitze der Stadt Enns. Unter ihm und seinem Sohne Ottokar V. nahm Enns durch seine günstige Lage zwischen dem Lande ob und unter der Enns und durch lebhaften Handel dermaßen zu, daß die Markgrafen von Steier ihre Hauptmünzstätte in diese Stadt her verlegten, daß sic ihr zum Wappne ihren eigenen markgräflichen Wappenschild mit dem Panter-thicr gaben, und dieselbe ihre berühmte Stadt Enns (Villa nostra Celebris Ennsa) benannten. Fast durch zweihundert Jahre blieb Enns im Besitze der Ottokare von Steier, ging dann bei deren Aussterbrn an die Fürsten von Babenberg in Oesterreich und von diesen an alle ihre Nachfolger über. Auch Enns gehörte also zu den Hausalloden der Traungaurr und Babenberger, und hatte demnach in geographischer Beziehung mit der Mark von der Stir, Stirc, Styre oder Steier, als solcher, gar nichts gemein ')• Die Landesbewohner der Steiermark im Mittelalter und deren geographisches Verhältniß zum australischen und zum deutschen Reiche. Ueber die Fortdauer der uralten celtisch-germanischen Bewohner der Steiermark aus der Urzeit durch die römische Epoche in das Mittelalter herab kann kein Zweifel entstehen; weil kein Ereigniß über dieses Land gegangen ist, welchem eine gänzliche Aus-tilgung der alten Bewohner zugeschrieben werden könnte. Was allfällig von Alanen, Herulern, Turzilingern, Rugiern, Ostgothen -), Wcstgothen und Langobarden, welche theils im fünften und sechsten Jahrhunderte in den Ländern unterhalb der Donau herumschwärmten, plünderten und verheerten, in den pannonischen Land-theilen der Steiermark seßhaft geblieben seyn und sich aus die spä- 1) Beiträge zur Beantwortung der Preisfrage, p. 212 — 219. — Die gleiche Ansicht wegen des Traungaues hat schon Rauch, österr. Gesch. III. p. 150 —167 nachgewiesen. 2) Bon Gothen in Pannonien sind einige Andeutungen übrig in Cassiod, Var. Epist. III. 40. 42. 50., IV. 49. tern Zeiten erhalten habe, kann heut zu Tage nicht mehr nachgewiesen werden. An Körperbildung, Sprachöialekt, Kleidung und Sitten ist zwischen den heutigen Bewohnern verschiedener Thäler oft charakteristischer Unterschied zu bemerken. Jedoch, wer mag daraus mit Bestimmtheit andcuten, ob diese Bewohner dem germanisch -reltischcn Urstamme, oder andern zu demselben wieder zu-rückgefluthcten Trümmern der großen germanischen Völkerbewcgung angehüren? Die allgemeine Verbreitung originalrömischer Familien, in der Steiermark eingebürgert, beweisen die über das ganze Land verbreiteten inschriftlichen Steine und plaftischrömischen Gebilde, von denen manche zuverlässig erst der Epoche nach der Völkerwanderung entstammen. Nur aus dem norischen Lande an der Donau sind zu Ende des fünften Jahrhunderts sehr viele Römer. samilien nach Italien fortgewandert, keineswegs aber aus der pan-nonischen und aus der norischen Steiermark; hier sind sie, endlich bis zur Unkenntlichkeit mit den Urbewohnern verschmolzen, fortwährend und in ihren spätesten Enkeln bis auf den heutigen Tag erhalten, seßhaft geblieben. Manche Verordnungen des oügothischen Königs Dietrich sind ausdrücklich an die ulten Lanüesbewohner und an die in der pannonischen und savischen Steiermark seßhaften Römer gerichtet, und die gerichtlichen Entscheidungen werden an die Lanöesgewohnheiten der Urbewohner und an die Gesetze der Römer gewiesen '). Unter den Bewohnern der die Steiermark im Norden und Westen begränzenden Gaue, im Traungau, itn Attergau, im Salzburggau, bezeichnen die ältesten Urkunden des Hochstiftes Salzburg wortdeutlich noch Ortschaften und Gegenden der Römer und die Römer, die Fremden, die Wallen, Walchen, die Wällschen als Bewohner derselben 2). Von Ereignissen, welche auf bedeutende Veränderung der Bewohnerschaft gewaltig einzuwirken pflegen, ist das Steireroberland vom Jahre 500 bis 1300 fast gänzlich frei geblieben. Mächtig umstaltend wirkten aber ähnliche Ereignisse in der mittleren und vorzüglich in der südlichen Steiermark. Wo und welche der steiermärkischen Urgemeinden an der Raab, Feistritz, Kainach, Lasnitz, Sulm, Mur, Pesnitz, Drau, Drave, Saan und Save bis zum Uebergange der Langobarden nach Italien (I. 568) von den um-herwüthenden Herulern, Turzilingern, Rügen, Gepiden, Gothen, ________________ 2 * Cassiodor. Var. Epist. III. 34., V. 14. ") Juvavia, Abhandlung x. 93 - 94. Anhang p. 21, A3. 32. 37, 41, 43. Alemannen und Franken entweder zur Auswanderung gedrängt, oder'gänzlich vertilgt worden sind, wissen wir nicht. Ohne Zweifel fanden bei dem gewaltigen Vordringen der barbarischen Ava-ren über die Landtheile an der Mur, Drave und Save bis über die julischkarnischcn Alpen nach Italien und über das südliche Mit-telnorikum hin zahlreiche celtischgermanische Volksgemeinöen in den bezeichneten Landstrichen (I. 582 — 670) ihren Untergang; wo sich dann überall die von den Avaren in allen ihren Heerzügen stets voraus getriebenen und von ihrer Herrschaft abhängigen Slo-vcnen niedergelassen haben ‘). Das vielverzweigte, ungemein zahlreiche Volk der Slovencn oder Slaven stammt aus Asien. Arier, Ermanen, Arimasper, Dschcr-manen waren ein und dasselbe Volk, und uranfänglich seßhaft am nördlichen Thore Irans, an den Pässen von Balch und Choros-san, oder im Lande Chorasmia, welches auch Mirchond vor Alters Dschermania genannt fand. In den Berichten der Alten von den Einwanderungen der Szythen nach Europa haben wir zugleich die Berichte von der Ueberwanderung der Dschcrmancn oder Deutschen nach Europa, und zwar bei der Eroberung des westlichen Mens durch die Szythen oder die szythischen Hauptstämme, die Saken, Massageten und Arimasper. Die Szythen hießen auch Arier, und Aria ist der älteste Name des europäischen Szythenlanöes. Syr-maten, Syromeden hießen vorzugsweise alle ältesten gcrmanisch-fzythischcn Völkerschaften an dem Jster, Völker mit weißer Haut, mit starkem blonden Haarwuchse, und nach ihrer Nationalweise größtentheils dunkel gekleidet, auch Melanchlaner genannt. Eine zweite nordische Völkerwanderung brach um das Jahr 633 vor Christus über Szythien herein, und die dadurch veranlaßte Vertreibung der bei den Alten sogenannten Kimcrier, der kimrischen Völkerschaften, brachte neue Völkerverhältnisse im curopäifthen Westen hervor. Bei diesen Ereignissen kam zuerst die große Völkerschaft der Gog oder Magog, der slavischen Sarmaten aus dem inner« Asien an die Gränze, an das Ostufer der mäotischen See und des Tanais, wo sie jetzt ihre Wohnsitze nahmen. Das weitere ff Vordringen der Slaven bis zum östlichen Germanien und an die 1) Aus abendländischen und byzantinischen Schriftstellern nachgewiesen in meinem: Versuch einer Geschichte der slovenischen Völkerschaften an der Donau u. s. w. in der steiermärkischen Zeitschrift VI. bis X. Heft. Donau herab hatte Sann ungefähr mit das Jahr 126 vor Christus Statt; vorher hatte noch kein slavischer Dölkerftainin den Don, die Scheidelinie zwischen Asien und Europa, überschritten. Don dieser Zeit an erscheinen die Slovenen, durch 400 Jahre, theils allein, theils in Berbinöung mit den germanischen Völkerschaften, als Feinde der Römer. Alarich, Rhadagais und Attila, die Geißel Gottes, trieben sie in ihren Dölkerzügen zur Bestürmung und Zertrümmerung des römischen Westreiches vor sich her. Im sechsten Jahrhunderte gebrauchten die furchtbaren Avaren größtentheils die Keulen und Schwerter der Slaven gegen das byzantinische, gegen das Reich der austrasischen Franken und gegen die Langobarden in Italien; und von den Avaren getragen und gehalten sind die Slovencu (I. 600 — 670) in die südliche Steiermark eingeführt und seßhaft gemacht worden. Es ist sehr schwer, ein historisch getreu charakterisirendcs Bild der Slaven bei ihrer Einwanderung in die Steiermark zu entwerfen. Denn mancher slavische Volksstamm zeichnete sich in Hinsicht seiner Bildung und seiner bürgerlichen Einrichtungen, nach den wenigen Berichten der Alten, neben andern wilderen nomadischen Horden des Gesammtvolkcs sehr zu seinem Vortheile aus. Im Ganzen sagen die Andeutungen der gleichzeitigen Alten Folgendes. Die Slaven waren fast alle von hohem und gelenkigem Körperbaue, der ihre besonders gewandte Stärke in allen Kriegen fürchterlich machte. Die großen schlanken slaoischen Männer wurden in Byzanz sehr bewundert und angeftaunt'). Den Charakter der Slaven zeichnete blutdürstige Grausamkeit und unersättliche Rachgierde, Verschlagenheit und Gcwandheit zu jeder List und Verstellung, und im Unglücke meist kriechende Demuth und Heuchelei aus "). Die Körpcrbedeckung und Kleidung der Slaven war gewöhnlich schmutzig und schlecht; jedoch hatte sie ganz besondere, diesem Volksstamme eigrnthümliche Weisen, welche, wie es scheint, von allen Slovenen stets festgehaltcn wurden; die slovcnischc Kleidung war von der fränkisch-germanischen viel verschieden *). Wo die Slaven fest angesiedelt Ackerbau trieben, wohnten sie größtcn-thcils in schlechten, hölzernen, niedrigen Häusern und Hütten l * 3 4); l) Tlieophylact. inter Byzant. T. IV. P. II. 146. z) Procop. Bell. Goth. III. 533 — 555 — 556., IV. 637 — Amin. Marceli. XVI. 78., XVII. 114. - XXIX. 439. - Macnand. de Leg$. 118. 3) Tacit, de mor. Germ. 1. 395. — llihlioth. SS. Pair. T. XI. Vestem indutus adinslav Slavornm.4* — F redegar, in Chron. cap, 67. '*) A mm. Marceli. XVII. 118. die nomadisch umherziehenden, zahlreicheren Stämme derselben aber zeichnet schon Tazitus im Gegenhalte der größtentheils seßhaften Germanen auffallend durch die Angabe aus, daß alle Sarmaten auf Wagen und Pferden ihr Leben zubringen, und keine festen Wohnungen zu erbauen pflegen '). Vielmals waren auch diese Barbaren in förmlichen Nomaden-Zügen mit Weibern, Kindern und Viehhecrden in die byzantinischen Länder eingefallen; wo sie dann auf feindlichem Boden mit einer aus ihren zahlreichen Wagen zusammengerichteten Wagenburg ihr Lager befestigten "). Von den häuslichen Einrichtungen, Beschäftigungen, Sitten und Gebräuchen der ältesten slavischen Völker finden wir weder in den römischen noch in den byzantinischen Schriftstellern genügende Schilderungen; das allein nur, daß alle Slaven insgesammt und manche Slavenstämme vorzugsweise bcsondern Sinn und Hang für Musik und Lieder gehabt, und in der wirklichen Ausübung große Geschicklichkeit an den Tag gelegt haben, so daß ein Theil der von den Avaren unterjochten Slovenen auch sogar die avarischcn Volkslieder zu den seinigen gemacht hatte. Ost hörten die byzantinischen Krieger solche Lieder bei den Slaven, und sie überfielen manchmal ihre sorglosen Scharen bei Trinkgelagen und avarischen Gesän-gen * * 3). In dem übrigen inner» Verhältnisse der sloocnischen Völkerschaften ergeben sich aus den Berichten der römischen und griechischen Alten noch drei besondere Hauptzüge. Die slavischen Völker bestanden aus freien Herren und aus leibeigenen Knechten. Metier einzelne kleinere Volksabtheilungcn eines größern Stammes herrschten besonders edle Häupter, deren mehrere zusammen unter Einem königlichen Oberhaupte standen, so daß in einem solchen Stamme oft zwei Könige zugleich neben einander bestanden hatten. Man findet indessen doch auch Slavenstämme in ausgedehnten Land-theilen seßhaft, wo alle zusammen nur Ein einziges gemeinsames Oberhaupt, Einen König über sich gehabt haben. In dem Ge-sammtkörper der Freien bei den schon auf einem besseren Bildungsgrade gestandenen Slavenstämmen finden sich aber auch schon verschiedene Abstufungen derselben, fürstliche Häupter (Herzoge, Woiwoden, Wlaöiken), Edlere (Adelige) und gemeine Freie, *) Tacit, de mor. Germ. p. 302. '-) Theophylact, inter Byzant. 167 — 168. 3) Theopliyl. Symocat. 156. L3 eben so wie bei den germanischen Völkern, ausgeschieden zu eigenen bürgerlich ausgezeichneten Classen des ganzen Stammvolkes *). Man mag daraus entnehmen, wer in den slovenischen Volks-gemeinden bei den wichtigeren Angelegenheiten Aller besonders geltende und entscheidende Stimme gehabt habe. Es finden sich zahlreiche Nachrichten in den Alten, welche dieses Alles hinreichend beleuchten und bestätigen2). Von den, unfern steirischen Slovenen benachbarten Slaven in Dalmatien sagt Konstantinus Porphyroge-nita: Diese dalmatischen Slaven haben keine Beherrscher (sporne?, nach byzantinischen Begriffen); sondern wie bei den übrigen Slaven sind auch über ihre einzelnen Volksabtheilungen alte Männer, Supane (Zounavous gesetzt. Ganz Dalmatien ist in eilf solche Supanien (Zovttxvms) abgetheilt, und der Bann derselben (Bor/cf) hat seinen Sitz in der Stadt Kribasa 3). Diese Einrichtung hatte mit der celtisch-germanischen Grundverfassung große Aehnlichkeit, und sie ist auch bei den steirischen Slovenen mit derselben ganz zusammengeflossen. Man ersieht aber aus dieser Nachricht auch, daß die Slaven bei ihrer Ileberwanderung aus dem Mutterlande jenseits der Donau ihre uralten volksthümlichen Einrichtungen in die neuen Wohnsitze unterhalb der Donau mitgebracht und lange.Zeit unverändert beibehalten haben. Auf Heerzügen erschienen die slavischen Völkerschaften zum Theile halbnackt mit jeder Wnffenart versehen, zum Theile vollkommen gepanzert, mit Schilden und anderer künstlichen Leibesbedeckung wider jede Verwundung wohl verwahrt, und zu jedem Angriffe ausgerüstet. Der größte Theil der Slaven focht aber immer zu Pferde, und in dieser Kampfesart war auch ihre Kriegsweise ausgezeichnet und gefürchtet; zu Fuße hingegen sich zu schlagen, schrieb ihnen schon Tazitus wenig standfesten Math und taktische Geschicklichkeit zu 4). In Kriegen bedienten sich die Slaven meistentheils verschnittener Pferde, der sogenannten Wallachen, damit sie, in Hinterhal- Kusel), in vit. Constant. M. p. 68!). — Anim. Marceli. XVII. ill — 116. — Tacit. Hist. III. 237. — Macnandcv ibid, 765. ") Dio Cass. LXXI. I>. 808 — 80!). — Zosimus, II. 680. — Am. Marceli. ibid. 114— 116. — Jornand. de reb. tlet. cap. 54. — Thcophyl. p. 152. 155 — 156. — Fredegar, cap. 48. 67. 71. 3) Const. Porphyrog. dc administr. Impcr. inter Byzantin. T. XXIV. P. I P- 87. 65. Cliroix. Paschal, int. Byzantin. T. XXII. p. 303. — Tacit, mor. Germ. i>. 302. — Histor. I. 204., 111. 237. ten lauernd, durch das Wiehern der Streithengste nicht zu früh verrathen und durch die Brunst der Vollpferde beim Anblicke oder Gerüche von Stuten nicht auS ihrer Schlachtlinie gerissen würden. Auch führte jeder flovenifche Reiter gewöhnlich zwei Pferde zur Schonung und Ausdauer für beide auf Heerzügen mit sich '). Hebet- alle andern innern Einrichtungen der steirischwenöischen Slo-venen bei ihrer ersten Einwanderung und Festsetzung sind wir nicht gehörig unterrichtet. Durch Gewohnheitsrechte und Gesetze regelmäßig besessenes Eigenthum an Grund und Boden, mit Burgen und Kastellen, Adel, Gemeinfreie und Leibeigene, und unter dem Adel fürstliche Häupter, Grafen und Woiwoden, gesetzliche eheliche Verbindungen, selbst Schrift, Gewohnheitsrechte und Gesetze scheinen sie gehabt und festgehalten zu haben. Wir werden bei den betreffenden Gegenständen die Beweise dafür geben. Es bleibt aber immer schwer, hierin das urälteste Rationale von dem, was sie durch die Oberherrschaft der Franken und Baioarier erhalten haben, zu unterscheiden. Ihr religiöser Glaube und Cultus war zuverlässig auch durch Verbildlichung des Dualismus, eines guten «nd eines bösen Urwesens, einer weißen und einer schwarzen Gottheit, besonders bezeichnet, rote er uns in ungemein vielen Formen des ganzen slavischen Wesens, durch die Hauptabtheilungen in zwei Hauptstämme, Anten und Sklabener, Wenden und Slaven, Winden und Slovenen, und in der Nationalüberlieferung der Slaven, welche ihre Urabstammung auf das große Volk G og und Magog zurückführt, entgegentritt '-). Wir setzen nun nur noch das Gemälde her, welches der byzantinische und mit dem Wesen der Slovenen wohl bekannte Schriftsteller Prokopius von den Hauptstämmen der Slaven, von den Slovenen und Anten entworfen hat, und in welchem auch der religiöse Glaube und die Götteranbetung derselben besonders berücksichtigt und umständlich geschildert ist: „Die Anten und Slovenen werden nicht von einem einzigen Ober-„herrn beherrscht, sondern von Urzeiten her haben sie eine volks-„thümliche Verfassung (h Alle zusammen tragen das „sie betreffende Glück oder Unglück insgemein. Auch in allen Din-„gen haben diese beiden Völkerschaften jetzt noch eben dieselben Ein-„richtungen, welche vor Alters unter ihnen bestanden hatten. Sie Dio Cass. LXXI. p. 805. — Amm. Marceli. XVII. p. 113. -) Siche über Alles: Carl Halling, in den Wien. Jahrbüchern der tilcratui, S3. LX1I1. 118-331. «bekennen und verehren nur einen einzigen Gott, den Erzeuger der «Blitze und Herrn des ganzen Weltalls, und ihm bringen sieStie-«re und andere dergleichen Opfer dar. Vom Fatum haben sie kei-«nen Begriff, und sic schreiben ihm auch keine Gewalt über die «Menschen zu. Sind sie von schwerem Siechthum gedrückt, gehen «sic in die Schlacht, oder sehen sie sich sonst dem Tode nahe, so «geloben sic Gott Gelübde, Thieropfer, und sie halten auch treulich «das Gelobte, weil sie fest glauben, durch das Opferthier sey ihr «Leben erkauft worden. Sonst verehren sie auch Flüsse, Nymphen »und andere Götzen, welchen sie Opfer öarbringen, und bei welchen «Opferungen sie Wahrsagerei pflegen. In Schlachten stürzen sie «gewöhnlich mit Schilden und Sperren zu Fuße auf den Feind. Die «Kämpfer zu Fuße ziehen keine Panzer an; einige haben weder Un-«terhemd noch Mantel, und werfen sich, bloß die Schamtheile mit «einer Schürze bedeckt, dem Feinde entgegen. Sie haben alle ein und «dieselbe rohe Sprache, so wie sie sich alle am Körperbauc gleichen, «sehr groß und sehr stark sind. Aller Slaven Körperhaut ist nicht „sehr weiß, so wie ihr Haupthaar weder ganz blond, noch ganz «schwarz, sondern bräunlich. Sie leben wie die Massageten meist von «trockenen und rohen Speisen, und sic sind wie jene über und über «unreinlich und schmutzig. Uebrigens ist ihr Charakter weder bos-«haft noch betrügerisch; sie haben in vielen Stücken mit großer Ein-«fachheit die hunnischen Sitten beibehaltcnDas uralte Ratio, naleigenthümliche des religiösen Glaubens und Cultus der Slove-nen ist jedoch bei den karantanischsteirischen Wenden so frühzeitig und so ganz in dem Christenthume untergegangen, daß davon Alles, bis auf geringe Spuren alten Aberglaubens, welcher jedoch auch wieder mit dem celtischgermanischen zusammentrifft, verschwunden ist. Heut zu Tage bilden die Höhen der Berge Radel, Remschnik, Pößnitzhöhe, Poßruck und Platsch, deren Abläufe zur Sulm und vom Einflüsse der Sulm in die Mur, der Lauf des Murstromes von Westen nach Osten über Radkersburg, und am linken Murufer fort bis nach St. Gotthard an die Raab hin und über Mu-raköz (Czakathurn) nach Körment und in das ungarische Eisenbur-gercomitat hinein, die genaue Gränzlinie zwischen den Deutschen und Slovenen in Steiermark, so daß im Norden der bezeichneten Gränzen die Eksteren seit der Urzeit, im Süden derselben aber die Letzteren seit dem Ende des sechsten und seit der ersten Hälfte des Procop. Bell. Goth. UI. 498. siebenten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung seßhaft sind'). So wie sich die Slooenen weit hinab über die julischkarnischcn Alpen und an der Drave aufwärts über das südliche Kärnten ausgedehnt und bis heut zu Tage daselbst festgesieöelt behauptet haben; eben so waren die Wenden tut Mittelalter noch viel iveiter über die bc-zeichnete Gränzlinie herauf in der Steiermark theilweise zerstreut seßhaft gewesen, jedoch tin Laufe der Zeit von der übermächtigen germanischen Bewohnerschaft gänzlich wieder verschlungen worden. Eben dieses hatte auch in der südlichen Steiermark zwischen der Mur und der Save einst Statt gehabt; zahlreiche ureeltisch-germanische Bolksgcmeinden im wendischen Lande sind in der anwach-senden slovenischen Bevölkerung untergegangen "). Biele Namen von Thälern, Gegenden, Gebirgen, Bächen, Ortschaften, Feldstücken und Familien, welche nicht bloß heut zu Tage, sondern in alten Urbarbüchern von mehreren Jahrhunderten Vorkommen, geben hievon unwiderlegliche Beweise. Ob die Ausbreitung der Slovene» bis an die Jps, Zwicha, Schala, Url im Lande unter der Enns, bis an den Ennsfluß, selbst über denselben an die Dietach, Steier und Traun hin * * 3) über die Steiermark hinauf und von den steirischen Wenden ausgegangen sey, ist gänzlich unbekannt. In der mittleren und obern Steiermark bestanden tm früheren Mittel-alter urkundlich nachweislich zerstreut angesicöelte Slovenencoloni'en bei Klöch nördlich von Raökersburg, mit Leibnitz, Hengsberg, in den Thälern der Sulm, Laßnitz und Kainach, um Grätz, im Thale bei Rhein, im Mürzthale, um Leoben, Kraubat und tun Rottcn-inonn im Paltenthale 4). .Meine: obangef. Abhandlung in der steiermärk. Zeitschrift. VI. — X Heft. ") So sind am rechten Ufer der Mur (in den windischen Büheln) zwischen Ehrenhausen, Murek und Radkersburg noch einige deutsche Dörfer geblieben. 3) Rettenpaclier, Annal. Cremifan. 34 — 37. 31. 43. — Mon. Boic. Xi. 106. — Juvavia, Anhang. 88. 158. — Pez. Anecdot. I. P. III. 16 56. — Franz Kurz, Seite. II. 486. 500. 529. 534. 535. — Pachmayr, Annal. Cremif. 36. — Mein: Versuch einer Geschichte der slovenischen Völkerschaften, p 76 - 82. Die Hauptstadt Grah selbst wird von Vielen für eine ursprünglich sloveni-sche Niederlassung gehalten; weil Grad, Gradez slovenisch sey, und ein Kastell, eine Burg, Schloß bedeute. Erst später habe K. Karl der Große eine baioarische Colonie in Grätz und dessen Umgegend eingesetzt; von welcher Zeit an statt dem slovenischen Gradez die Benennung Bairisch-Grätz üblich geworden sey, um es von dem Orte Windisch-Gratz im 'Lande der Slovene» zu unterscheiden. — Für die eine sowohl, als für die andere Behauptung mangeln genügende Beweise. — Meine: Geschichte der Uebrigens glaubten frühere Geschichtsforscher, außer deutschen und slooeuischen Bewohnern der Steiermark noch andere, im Laufe des Mittelalters erst hereingebrachte Colonisten zu finden. Bei dem dreißigjährigen Vertilgungskriege K. Karls des Großen gegen die Sachsen spielt die Verbreitung sächsischer Kolonien eine bedeutende Rolle. Wenn nicht gar von jenen Sachsen, welche mit den Longobaröcn nach Italien übergcwandert sind, so will man doch wenigstens von den Sachsen unter K. Karl dem Großen oder aus der Festsetzung und Verwaltung des sächsischen Hauses der Grafen von Weimar und Orlamünde, als Markgrafen der untern Steiermark, die Gründung des heutigen Marktes Sachsenfeld ') im Saanthale bei Neucilly herleiten. Auch fränkische und baioari-sche Colonien verbreitete Karl der Große in seinem ausgedehnten Reiche * 2). So leitet man daher Frankenberg in der Pfarre St. Ruprecht an der Raab, Frankofzen in der Pfarre Friedau auf uralte oder auf karolingische Ansiedlungen austrasischer Franken zurück. Ein K. Frankenjüngling, Kar lot von Chalons, soll aus seiner Heimath fiüchtig in das obere Murthal gekommen seyn, dort bei Katsch im Burerloche die geraubte Tochter eines Sach-scnfürsten verborgen und die Burg erbaut haben. In Baierdorf bei Anger an der Feistritz, Baicröorf bei Grätz, Baierhof im Bezirke Waascn, Baicrhofen bei Bruck an der Mur, Baierdorf beiWcißkirchen nächst Judenburg, Baierüorf bei St. Peter am Kammersbergc und Baierdorf bei Murau muthmaßt man flovenischen Völkerschaften, p. 72 — 77. — Die Mansus Sclavonic! in villa Tram es do rf juxtra Grace. Caes. Annal. I. p. 753. 801. So ist das Kirchlein St. Walburgen bei St. Michael ob Leoben von einer dort seßhaften flovenischen Adelsfamilie erbaut und gegründet worden: Ex robili prosapia ortus Tridizlaw cum uxore sua Zlawa eandem ec-clesiam in honorem 8. Walpurgis in praedio hic fundaverunt, Admonter-Saalbuch, III. p. 146., lange vor dem Jahre 1190. 1) Die etymologischen Grübeleien der Bindomanen leite», wie gewöhnlich, Sachsenfeld ab vom slavischen Savinsko polja, d. i. Savina (San-) selb? Erscheinen doch mitten in Kram und in Kärnten urkundlich edle Geschlechter lebend nach dem salischen Gesetze — professi vivere lege Salica — offenbar erinnernd an die sächsische Sale, den Mutterboden des salischen Gesetzes!! 2) Die Hauptstellc für diese Behauptung wird genommen aus dem Anonym., de Convers. — Juvavia, Anhang, p. 15.: Postquam ergo Karolus, Ilun-nis rejectis,— coeperunt populi sive Sclavi vel Bagoarii inhabitare terram, unde illi expulsi sunt Hunni et multiplicari. — Auch werden die in Urkunden verkommenden Zeugen: Bavaricae — im Gegensätze der Zeugen Sclavicae oder Slavoniscae institutionis angeführt; und Testes, Pro fessi vivere ex natione nostra lege Baiuvariorum! überall uralte Niederlassungen von 23Omanern. Die Hauptstadt Grätz selbst, erst in den Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts auch Baierischgratz genannt, hält man deswegen für eine Niederlassung alter Baioarier aus den Tagen K. Karls des Großen; und man wollte sogar körperliche Aehnlichkeit zwischen den Bewohnern von München und Grätz gefunden haben?? Jedoch alle diese Angaben ermangeln als bloße Sagen und Vermuthungen alles festen historischen Grundes ’)• Alle urkundlichen Beweise fehlen dafür, und eine begründete Geschichte darf auf Sagen keine Rücksicht nehmen. Es sinöen sich indessen in Steiermark, in Baiern, in Schwaben, in der Schweiz und in den Gegenden des Rheins ganz gleichnamige Burgen und Schlösser, wie: Dürnstein, Thiern-stein, Eppenstein (in der Wetterau, am Rhein, in der Schweiz und in Franken), Ernfels, Freiberg, Gutenberg, Helfenstein, Husen (Hus oder Haus), Horneck, Haunstein, Kaisersbcrg, Kirch-berg, Klingenstein, Mannsberg, Neuhaus, Nppperg (Neuberg), Peilenstein, Puches (Pur), Ramstein in der Schweiz, Rotenfels, Stein (in Schwaben, Franken und am Rhein), Tann, Tanne, Tan-hausen, Waldeck, Waldenstein, Thal (Valle, Vallay, Vallai) u. s. 10. Wann und von wem diese Burgen unseres Steircrlanöes erbaut worden sind, vermag Niemand mehr urkundlich nachzuweisen. Möglich wäre es, daß manches deutsche Eöelgeschlccht schon durch die agilolfingischen Baierherzoge, noch mehr aber durch die karlo-wingischen Herrscher im Steirerlande mit Lehengründen begabt worden sey, welche Edelherren dann daselbst gleichnamige Stammburgen, wie die Schlösser ihrer Väter, erbaut haben. Wir aber schreiben den Beginn und das Bestehen vieler unserer mächtigen Landesburgen sogar der celtischen Urzeit zu. Ein ganz vorzüglicher Antheil der Hochstifte und Klöster an der Colonisirung der Steicr- i) Caesar, Annal. I. 316. Dazu fügen wir noch folgende kn Deutschland, schon in älteren Urkunden genannten Orte, Burgen und Gegenden: Arnstein, Berg, Bergen, Büchel, Berchach, Biberbach, Buzinbure, Buch, Eichenberg, Freundsberg, Friedberg, Fürr, Graisbach, Götzendors, Hagenberg, Helfenstein, Heüenstcin, Hauenstein, Hohenburg, Hoheneck, Husenbüchl, Jn-gerisgau. Kamer, Kammerberg, Kapelln, Kcmat, Kcminaten, Kirchbach, Kirchberg, Krumbach, Kunigsberg, Landöberg, Lanzenberg, Linth, Luabon, Loubinberg, Luog, Marburghusen, Mur und Mura, Otterbach, Posrugk, Ramesberg, Rabenstein, Ravinstein, Ramstein, Riute, Rotenmann, Salla, Salach, Salech, Skiltare, Sedinbrunn, Bering, Waldek, Werd, Winedcn, Triebindorf, Waltendorf, Tauchendorf, Ware, Zazzendorf u. dgl., welche tn der Steiermark ganz gleichlautende, oder ähnliche Benennungen finden. _ Mon. Boio XIX. 471. 478. 470. 483. 486. 556., XXX. 30. 53. 253- 309.. XXXI. 337. 477. 487. mark, vorzüglich nach öer Avarenepoche und nach den Einfällen der Ungarn, wie ein solcher im Lande Unterösterreich von Salzburg, Passau, Freisingcn, Regensburg, Alteich, Tegernsee u. s. w. far-tisch ausgesprochen ist '), kann urkundlich nicht nachgewiescn werden, ist aber besonders von Seite des Hochstifts Salzburg nicht unwahrscheinlich. In den mittelalterlichen Jahrbüchern und Urkunden werden die steiermärkischen Slovcnen auch begriffen unter den Bezeichnungen: Die in Pannonien ansässigen Slaven, die in Pannonien an der Drave seßhaften, die östlichen Slaven, die Ka-rantanerslaven, die karantanischen Slaven, die Wandalen in Pannonien, die Winden; so wie die deutsche und slo-venische Bewohnerschaft auch der innerösterrcichischen Länder in Urkunden des achten Jahrhunderts bezeichnet wird mit: Bojer und Karner, Slaven und Avaren,Hunnen und WindenUnter den Slovenen bei Radkersburg finden wir auch urkundliche Andeutungen, daß aus Ungarn Familien rumänischer Abkunft in Steiermark eingewandert und dort seßhaft geworden sehen 1 * 3). Die Handelsverbindungen mit Italien, vorzüglich der Handel mit Venedig, welcher seine Hauptlinie durch das Oberland über Judenburg genommen hatte, oeranlaßtcn frühzeitig schon Ansieölungen von Italienern, vorzüglich Kaufieuten und Krämern in vielen Gegenden des ganzen Landes 4). Da im staatsrechtlichen Verhältnisse alle östlichen Vorländer wenigstens bis zum Eindringen der Ungarn, ganz Pannonien, dann immerfort die Ostmark, die große Karan-tanermark oder die untere und obere Steiermark mit dem eigentlichen Karantanicn selbst zu den östlichen Provinzen, zu den östlichen Reichen des großen fränkisch-austrasischen Reiches (Oriens, regnum orientalium Francorum), zum Reiche Büioarien, ZUM Königreiche Baioarien, zum heiligen römischen Kaiserreiche der Deutschen gehört hatten, und stets in denselben begriffen waren: so werden auch die Steiermärker mit ihrem Lande in 1) Pez, Thes. Anecd. I. P. III. 56. — Hansiz, Germ. sacr. I. 225. 2) Mon. Boic. VII. p. 373. — Juvavia, Anhang, p. 11 —15. — De gest.' Ludov. Pii. ap. Du Chcsne, II. 280. — Annal. Franc or. Eginh. Ann. 817 — 827. — Annal. Bcrtinian. Anno 811. 3) Die barbarischen Kumanen in Ungarn hießen insgemein »die 93alben.« Nun finden wir um das Jahr 1298 in Radkersburg seßhaft: Lube den Bälden. — Admonter Urkunde IV. 24. 4) Im Admonter-Saalbuche IV. 268 liest man unter den Zeugen auch einmal: „Weciletti de Italia, liber homo.“ mittelalterlichen Jahrbüchern und Urkunden unter den allgemeinsten Benennungen, östliche Franken, Osterleute, (Orientales Franci, Osterlinde), Noriker, Baioarier, Karantaner, begriffen '). Eintheilung der steirischen Marken in Gaue und in untergeordnete, kleinere Bezirke derselben. Schon von dem Ende der römischen Epoche her verschwinden aus der mittelalterlichen Steiermark gänzlich die Namen der uralten celtisch-germanischen Völkerschaften, die Latobiker, Colla-tianer, Serapiller, Sereter, Taurisker, Halloner, Noriker. Als celtisch-germanische Ureinrichtung aber blieb die Eintheilung des Landes in Gaue, Grafschaften und kleinere Bezirke, welche aus der unvordenklichen Vereinigung in selbstständige Volksgemeinden oder Markgenossenschaften entstanden waren, und welche auch fortwährend die Grundlage alles innern volksthümlichen Lebens durch das ganze Mittelalter geblieben sind. Diese Landes-abtheilung aller fränkisch -austrasischen Vorländer erscheint frühe schon in allen Zeitbüchern und in den die Steiermark betreffenden Dokumenten und Urkunden 8). Die freien Grunüeigenthümer in einer größern Völkerschaft bildeten eine selbstständige Gemeinde, eine besondere Gesammtbürgschaft, einen Friedborg zur Bewahrung angestammter Rechte; und mehrere solche Gemeinden oder Fried-borgschasten in größeren, von Wässern und Bergen umgränzten Bezirken, eine Mark- oder Gaugenossenschaft. Alles angebaute Land innerhalb dieser Frieöborgen war Eigengut der Edeln und der Gemeinfreien, später auch der Kirche; aller nicht urbare Boden, Wälder, Weiden und Alpen uranfänglich, waren eine Allein ende, gemeinsame Feldmark, von den Markgenossen allein nach selbstfestgesetzten Gewohnheiten und Weisen benützt. Auf dem frei-rigenthümlichen Grund und Boden gestalteten mehrere einzelne grö- Paul Diacon. IV. 12. — Acta Sanctor. Holland. I. Junii. p. 485. (n. 7.). — Annal. Fuld. Anno 838. •— Regnum oricntalium Francorum — erklären die Annal. Bertin. Anno 839 mit: Noreiam, quae nuno Bajoaria dicitur. — Annal. Metens. ap. Du Chesne III. 263. — Chron» von St. Deny bei Bouquet. III. 198. 2) Fredegar in Append, ad Greg. Turon. 71. 73. — Lex Bajuvarum, Edit. Baluz. p. 66. litre Gehöfte (Vicus, auch Sala) mit untergeordneten kleinern Ansitzen oder Vorwerken (Mansus mit Hufen, Hobae) ,'n einem kleinern Bezirke eine eigene Genossenschaft, Dekanic genannt (Oceania) ; zehn solche Dekanien machten einen größeren Bezirk unter dem Namen Eentene; mehrere Centenen eine Vikarie (Vica-ria, Dioecesis judicialis); und aus vielen solchen Vikarien, Centenen und Dekanien bestand der große Bezirk eines Gaues (Gow, Göw, Gouwe, Gawe, Pagus, Provincia absque muro); so daß manchesmal auch mehrere Gaue eine große Markgenossenschaft, einen größern Friedborg, eine Grafschaft (Comitatus; seltener Provincia Marca; deren freie Männer hießen Gauleute, Gaubewohner, Pagenses, Pagensalenses, Comprovinciales) gestalteten. Der Umfang und die Gränzen der Gaue und Grafschaften bestimmte sich nicht willkürlich, sondern nach jenen Gränzen oder Marken, innerhalb welcher sich uransänglich die selbstständigen Volksgenossenschasten, die Markgenossenschaften oder Frieöborge gebildet hatten; wobei natürlich der Lauf der Thäler nach Wässern und Gebirgshöhen berücksichtiget worden ist. In der Urzeit trugen die Gaue ihre Namen von den Hauptthälern, Flüssen oder Bächen, seltener von ihren Hauptorten; als Grafschaften aber von ihrem Gaugrafen, auch von ihrem Hauptgaue, bis nach und nach die Zunamen von den Hauptorten, Burgen, Flüssen und Bächen in Hebung gekommen sind; von welchen sich dann auch die Grafen selbst benannten. Hinsichtlich ihrer Ausdehnung und Bevölkerung gab es größere oder mächtigere, und kleinere Grafschaften (Comitatus fortiores, potentiores und minores). Die ErstertN waren dann oft wieder in mehrere kleine Grafschaften untergetheilt. Ein H erz o gth u m in der frühesten und spätem Zeit, eine Markgrafschaft aber seit und lange nach K. Karl den Großen, bestand aus vielen Grafschaften und Gauen. Mehr als Eine Grafschaft bekam Ein Graf nicht zu verwalten, und zwar nach dem Grundgesetze K. Karls des Großen, aus Rücksicht auf die Sicherheit und Ruhe des Reichs '). In der Grafschaft war der Graf (Grafio, Comes, Comes provincialis, Senior, Judex fiscalis) der erste Mann (Praefectura, Fracsidiatus, Ministerium, der Am-bacht), in der Markgrafschaft der Markgraf (Marebio, Mar- Monach. 8. Galli. De gest. Carol! M. ap. Du Chcsne» II. 112. chicomes), und tm Herzogthume der Herzog (Dux), dlls Oberhaupt und der Heerbannsft'ihrer. Jedem Grafen unterstanden in allen Gauen die Centenenvorsteher und die Dekane als Untergebene '). Mit der vollendeten Ausscheidung eigener Herzogthümer und Markgrafschaften, und mit der Erhebung der Herzoge und Markgrafen .zu selbstständiger Herrschaft schwindet bis zum Ende des eilften Jahrhunderts -mit den Namen der uralten Grafschaften und Gaue auch die Gauenverfassung selbst. Die Grundzüge dieser Ur-einrichtung sind jedoch heut zu Tage noch in der Steiermark kenntlich geblieben. Folgende Grafschaften und Gaue in der Steiermark sind von den frühesten urkundlichen Nachrichten an erweislich; von denen wir auch alle bis zum Schluffe des zwölften Jahrhunderts urkundlich bekannten Wässer, Berge, Gegenden, Thäler, Burgen und Ortschaften angeben wollen. Wir gehen von Süden nach Norden, von der untern Mark in das Oberland hinauf. Der Saangau, Saanthalgau, Comitatus, Pagus Seu-nae, Sounae, Sovnae, Marchionatus Sovne. Der Saangau erstreckte sich von den Quellen der Saan bis an die Sottla, und von der Save bis an die Bergkette öerMatzel-berge, des Donatiberges, des Botfches, und an jene Hügelreihc, welche sich zwischen Gonowitz und Hoheneck von dem Botschberge auswärts an den Bacher anschließt, auf den Höhen des Bacher--gebirges nordwestlich hinab zur Drau bei Buchenstein und Unter-drauburg, und aus der Felsenkette des Ursula-Berges südwestlich hinab bis wieder in das innerste Sulzbach zurück. Im Süden und Süöwesten umgaben den Saangau die Landtheile von Car-niolia oder Krain, oder von der Krainermark, und im Noröwe-sten der karantanische Jaunthalgau. Bon den Quellen der Sottla bis auf die Höhe des Bachers sind die Gränzen dieses Gaues sehr schwer zu bestimmen. Schon seit dem frühesten Alterthume, in der griechischen und römischen Geographie hatten sich durch diesen Theil des untern Steircrlandes die Gränzen zwischen No-rikmn und Pannonien, nach einer nicht mehr genau zu bezeichnenden Linie gezogen, so daß die von dem Bachergebirge nach Süden zu abfallende Hügelreihe zwischen Gonowitz, oder Win- i) Du-Gange, Glossar. II. 825. disch - Feistritz und Hoheneck die ungefähre Thcilung gemacht, und das Städtchen Cilly, die alte Stadt Celcia, immer für eine norische Stadt gegolten hatte. Jenseits dieser Hügclreihe nun im Osten begränzte der Zitilincsfelögau den Saangau. Die urkundliche Topographie des SaangaueS vorn neunten bis in das dreizehnte Jahrhundert ist folgende: In Acht. Alben, in Alben (Alpen, Bezirk Windisch-Feistritz). Berdiz. ßlanchenstcine, Wlancistaine (Schloß u.Vez. Plankenftein). Bonikel (Parochia, Pfarre Po-nigl, St. Martin im Vez. Rei-fenstein). Bontea (ein Vach im Cillierkreise, nach heutiger Benennung unbekannt). Bozonich. Brettenbuch. Bukowiz (Bukowitzberg, in der Pfarre St. Peter b. Königsberg). Ca verz (Wcrza). Cedraz. Chaffen. Char (Karmsgraben). Chestenbach (Kostnitzabach). Chlagmouz. Chlenowa (Klenovobcrg). Chobinlach (bei Gonowitz). Chodingia (Fluentum, Ködnig-bach im Cillierkreise und bei Cilly). Chodinix (Koschnizbach). Chose (Parochia, und Chotse, Kölsch, zwischen Marburg und Windisch-Feistritz). Chotuna (vielleicht Koth, Koth-dorf im Bezirke und Landgericht Gonowitz; oder Ober- u. Untcr-Kötting bei Cilly. Chreinen (Krainschitzka). Chreinen apud Lubozlaw (Lub-nitzen?). Christantal, villa (Kristanverch). Chuetal (auch Chalop in Pro-vincia Tyver). Chungesberch, Chungesperch (Königsberg, windisch: Kuns-berg, Gegend und Ruine eines alten Schlosses nordöstlich von Hörberg, im Bezirke Wifell). Cilic (Pernhardus de Cilie, wahrscheinlich der Ort Cilly, zwischen 1140 und 1165). In Cletich (Kladin). Copriunic (Kopreinitz, St. Maria in (windisch) Kopriunza, im Bezirke Hörberg). Copriunice (Fluentum, Koschnizbach, Kostnizabach, Kostreinitz). Cuom (Kuiuenbcrg). Dachsenperge infer, et super. Banslosdorf. Bobringe (Dobrina). Bobrintendorf (Dobritschcndorf). Bobrovitz (Dobrova). Bolinaeh (Döllach in der Pfarre St. Peter im Saanthale). Bornberch(WeingebirgDornberg). Drinhoven. In Eben. Erlau (vertex montis, GränzHöHe des Sulzbacherthales im Bezirke Oberburg). Erlach. Eseldorf (vielleicht Escldorf im Marburgerkreis). Eschental. Eumiz. Feustritz superius et inferius (Burg Feistritz, Stadt Windisch-Feistritz, und Ober-Feistritz). Frazi au (Ecclesia 8. Mariae, Fraßlau, Marktfleck, an d. Saan). Fridelins hofsteten. Gelowe superior et inferior (Golova?). Gesch. 5- Gteicrmark. — n. 930. Gliniz (Klangberg im Bez. Lemberg; oder Gline im Bez. Sa-neck; oder Glinejame im Vez. Weichselstätten). In Golz (Gollitschhof bei Gonowitz?). Gonovitz, Gonnovitz, Gunivitz, Pagus et Parochia (Marktflecken und Schloß Gonowitz). Graeznich. Grassenich rivus (Graschnitzbach bei Gayrach, oder Gemeinde G rasch itz im Bezirke Gonowitz). Grade (Villa, Gradam-Sa bei Gonowitz). Gravenstul. Gschsitz. Gundramstorf (bei Seiz, vielleicht: Gattersdorf im Bezirke Gonowitz). Gyriüm in Marchia situm (G a y-rach, Geyrach, Ort eines ehemaligen Karthäuserklostcrs, heut zu Tage ein eigener Bezirk mit Pfarre St. Leonhard). Haslach. Heggenberg Schloß bei Franz. Heil eck (vielleicht Heilenstein an der Saan, im Bezirke Neukloster). Heiberg (Hvrberg, Bez. mit gleich-nam. Marktflecken und Schlosse). Hinderberge. Hohenekke (Parochia, Pfarre St. Bartholom«, Marktflecken Hoche-nek zwischen Cilly und Gonowitz im Bezirke Weichselstätten). Holertal. Jurisscndorf (Juritschendorf, Bezirk Burg Feistritz). Lachornitz. Lapniach (Laporie bei Studenitz), Lasnitz Villa (Laßnitzbach ist im Bezirke Stattenberg). 8. Leonardi (Ecclesia — St. Leonhard bei Oberburg?). Lescenech (Leschin im Bez. Stattenberg, oder Ober- und Ilnter-lcschnitz im Bezirke Burg Feistritz). Lcuberch (entweder Schloß Lemberg zwischen Neuhaus und Ho-henek, oder Marktflecken Lemberg im Bezirke Plankenstein). Leunawitz (Levatz?). Lewenbach. Ijeweintham. Loke, superior et inferior (Loka in der Pfarre Trifail, oder Lack, Schloß und Herrschaft). Lonke (vielleicht Loher im Bezirke Landsberg, oder Weichsel-stättcn, oder Lanhof bei Cilly). Lonisperg (Schloß, Marktflecken u. Herrsch. Wind i sch la nds b erg). Losegk (Vertex mentis, Gränz-höhe des Sulzbacherthales). Lubomeriach. Malchen (vielleicht Malikamen bei Kopreinitz im Bezirke Reichenburg, oder Mallahorn im Bezirke Gonowitz?). Makoyr. Marchwartzdorf (apud aquam Oplonitz. Marguisdorf, Gegend der Herrschaft Oplotnitz am Oplotnitzbache). Markowitz (Morchendorf, oder Marchetzkavess). 8. Martini ecclesia (St. Martin am Bacher?). Meran, Gegend bei Seiz. Meroewen (vielleicht St. Marain bei Erlachstein). Monparis (Schloß, Marktflecken u. Herrschaft Montpreis). Neunwendorf (Neudorf in den Bezirken Wisell, Rcifenstein, Plankenstein und Gonowitz). Neplietz. Nirine(Fluentum, vielleicht Neunitzbach oder Nistrabach). Obernburch (Oberburg,Schloß, Marktflecken und Herrschaft im Saanthale). Obernburgk. Odemut (Ottemna, im Bezirke Lemberg). In Oeter (Oedenfeld in der Pfarre Rietz?) Oglati. Ogvania (fluentum, wahrscheinlich Fautschbach zn St. Peter im Dekanate Peillensiein im Eillier-kreise). Oplonitz (Villa Oplotnitz, Schloß und Herrschaft bei Gonowitz am Fuße des Bachers). Oplonitz (aqua , quae dicitur; Oplonitzbach an der Südseite des Bachers). Pabrcsach (Babrisach b. Stndenitz). Praproten (Prapretno in den Bezirken Geyrach oder Pragwald). PJaninich (Villa vinearum, bei Geyrach, wahrscheinlich Planinz im Bezirke Montpreis). Pilstein, Bilstein (Windisch: Pil-sten; Peilenstein, Schloß, Marktflecken und Herrschaft im Bezirke Drachcnburg). Pirch (Villa, Birk und Birkdorf bei Hörberg). Pischoffesperch (vielt. Bischofdorf bei Weichselstätten, oder B i-sch o fsb erg bei WindischlandS-bcrg ?). Poeksruck. Poltschach (Pöltschach). Polž (S. Balkabach b. Pragwald?) Polzenperg. Preitenbuch (Breitenbach im Bezirke Windisch-Fcistritz). Pruzer (Provatz im Bezirke Plankenstein). Pselinitz. Puch (Villa). Pucholochz (bei Stndenitz). Puchperch (Pouchperch b. Sachsenfeld, Buchberg auch bei Tif-fer, Wisest und Oberpulzgau). Puchsen. Purest, Pourche. Ragotz (Villa. Vielleicht Rasko-v etz im Bezirke Gonowitz, oder Ragosnitz in den Bezirken O-berpettau und Wurmberg). Bayne (Castrum, Schloß u. Städtchen Raan an der Save). Reichenstein (Reichenstein,Gegend des Bezirkes und der Pfarre Reichenburg). Retayach. Richenburg, Riechenb. (Schloß, Marktflecken und Herrschaft Reichen bürg an der Save). Rinderspach. Roas, Rohatz (Schloß, Marktste-cken und Hof Rohitsch). Rorlal. Savoe, Savbfluß. Sachsenvelde, circa Saclisenvel-de (Markt Sachsenfeld im Bezirke Neucilly). Scalak, Scalach (wahrscheinlich Skališ, windisch: Sealla, Pf. St. Georgen in Skališ, im Bezirke Wöstan im Schallathale). Schaleck (Schloß und Herrschaft Schalleck im Schallathale). Scheyr (Maria Scheuern im Bezirke Laack, auch Scheuerndorf). Schoema, aqua. Schoenek (Schloß, östlich v. Fraßlau bei Heilenstein). Schoninstein (Schloß, Marktflecken und Herrschaft Schönstein im Schallathale). Schwarzeriprunne (Schwärzend. Bezirk Osterwitz). Seuneck (Schloß u. Herrschaft Sa-neck im Saanthale bei Fraßlau). Sinzinberge (Sittnigberg bei Wi-sell?). Sirdosege. Siz, Size (Villa 8. Joannis de Savina). Sitze, Seits (vormalige Karthause mit der Kirche St. Johann im Johannisthale). Slage. Sleife. Snitzersdorf. Soune, Souna, Sountal, Seuna (Saanfluß). Sowa, Sowe — Sau, Savefluß» Stadeich (Stattend, altes Schloß?). Stacnsendorf (Stenitzen im Bezirke Weitenstein). Steindorf (wahrscheinlich Steindorf im Bezirke Stattcnberg, in der Pfarre Mannsberg). Stragomsdorf (vielleicht eines der viel. Strasche im Cillicrkrcise). Stermitz (in den Bezirken Gono-witz nnd Oberrohitsch). Studenitz (Castrum, Schloß und Bezirk Stud enih im Dranthale am Wotschberge, ehedem Nonnenstist Mariagnadenbrunn, Fons Gratiae). Sulztpach (Sylva quae dicitur, Sulzbach mit eigener Pfarre im Bezirke Obernburg). Sibanich (Sibika?). Teramperch (vielleicht Termoschi-sche, Terkogowa?). Tal major. Thourme (Thurn bei Skališ). Töplitz (Bad bei Ziffern). Torichendorf, Torischend. (To-risko? bei WinLischgratz). Trakenberch (Schloß, Marktflecken Drachenburg, zwischen Peilenstein und Hörberg). Trevul, (Trisail, Provinzia Tre-vul, Ecclesia in Trevol — Tre-vol, aqua, quae dicitur, wahrscheinlich der Trisail ba ch im Bezirke PragwalL). Troge, superior et inferior (Zro-kenthal? im Bezirke Montpreis). Ty ver (Ti ver) (Schloß, Markt Tüffer an der Saan, unterhalb Cilly). Vallis St. Joannis (Kloster Seitz). Vedo vi, unterhalb Seitz. Voytwein (vielleicht Yoglaine im Bezirke Süssenheim). Vudma (vielleicht Videm an der Save, Pfarre St. Rupert, weil es in der Urkunde vom I. 895 neben Reichenburg und dem Sa-vcflusse genannt wird). Wart. Wcidiz, Wides (bei Gonowitz, Weidesch). Windiscligracc (Städtchen Win-Lischgratz an der Mißling). Wisen. Witenstaine (Schloß und Markt Weitenstein). Witwin (Voytwein). Woderis primum et Woderis secundum (Wiederdries im Bezirke Rothenthurm bei Windisch-gratz). Zabel. Zaltz. Zmiritz (Zerowetz in den Bezirken Reifenstein, Erlachstein, Ster-moll). Zode (fluentum) Zolle (Sottla-bach, Sottlaflüßchen am östlichen Fuße des Donatibcrges entspringend, und Gränzscheide zwischen Steiermark und Kroatien). Zuchdol. Zuchedole (Suchadolle im Bezirke Plankenstein). Zwen. Zwigenitz inferior et superior. lieber £>ie Grafen dieses großen und wichtigen Gaues sind wir gar wenig unterrichtet. Um das Jahr 895 ist der karanta-nische Landesedle Walthun in den Gegenden an der Save zu Gurkseld, Reichenburg und bei Videm (in der Grafschaft Luitpolds gelegen) reichlich beschenkt worden. Somit wäre Luitpold der älteste Gaugraf des Saangaues, den wir kennen; wessen Geschlechtes aber dieser gewesen sey, ist unbekannt. Nachher darf man mit einiger Wahrscheinlichkeit den obgedachten Walthun und dessen Nachkommen dazu rechnen; von welchen die Grafen an der Saan Wilhelm I. und Wilhelm II. (3. 970 — 1055), der Gemahl der Grä- fin Hemma oott Pcilcnstcin, angeblich abfiammte»; und welche im J. 1015 und 1028 eben in diesem Gaue an der Saan, Save, Sottla, Nirine und zu Drnchenburg mit Land und Leuten beschenkt worden sind '). Mit der ganzen untern Karantanermark kam endlich auch dieser Gau in die Hand Wilhelms, Grafen von Weimar und Orlamünüe (I. 1062), und der zu ihm verwandten Nachfolger: Ulrich (biszum1.1070), Ulrich II. und Poppo Starch and bis ungefähr I. 1124; wornach die Grafen von Hohen-warth aus dem baioarischen Hause Andechs, Pilgrim der Vater und Günther der Sohn, folgten; von diesen ist sodann die ganze Mark an den Markgrafen von der Stcier, Ottokar VII., I. 1138 — 1148, gekommen. Der Gau Zitilineöfeld, oder der Gau an der untern Drau (Pagus Zitilinesfeld) der Gau von Marburg und Pellau (der Pulsgau). Diesen Gau umschließt die Gebirgskette der Kalles, des Do^ natiberges, des Wotsches, die Hügelreihe zwischen Wiudisch-Feistritz und Hoheneck, der Bacher bis hinauf gegen Buchenstcin und Un-terörauburg und die Drave mit ihrem rechten Ufer bis zur Gränze des Landes bei Sauritsch. In den Tagen der Gaucnverfassung begränzte ihn südlich und südwestlich der Saangau -), westlich der Jaunthalgau Karantaniens. Ob in Noröosten der an der Pinka, Sala, Güns und Kanischagelegene slavinischc Comitat Dudleipa? ist zweifelhaft 3). In Norden selbst begränzte diesen Gau mit dem linken Drauufer das slovenische Hügelland zwischen der Mur und Drave und das weitnusgedehnte Thal der Peßnitz, bis zu deren Einmündung in die Drau bei Frieöau und Sauritsch, oder der sogenannte Potsch g a u. Die mittelalterliche Topographie des Draugaues oder Zili-lincsfeld ist folgende: *) Archiv f. Süddcutschl. 11. 213 — 229. - Eichhorn Brice. I. 180. 186. — Juvavia, Anhang. >>. 166. 2) Diese Zusammengrä'nzung beider Gaue ist in einer Urkunde vom I. 680 bestimmt ausgesprochen. Archiv f. Süddeutsche 11. p. 222. d) Juvavia, Anhang. >>. 16 und 117. In pai-tibus Sclaviniensibus in Cu-mitatu Dudleipa vooalo in Ruginsfeld. — In codem comilatu ad aqaam, quac diciluv Kncsacha (Güns- oder Kanischadach). Aigen, Eigen niajus, minus. Anchenstein (Ankenstein, Schl, u. Herrschaft an der untern Drau, an der kroatischen Gränze). Andrcstorf. Betsech (locus — wahrscheinlich Petschoi-Sa bei Gonowitz). Bleglossa, Blaglossa. Bobrisach. Bosche (wahrscheinlich Poschek im Bezirke Kranichsfeld). Brizlausdorf (bei Pcttau) vielleicht Prezlova, Gegend im Bezirke Großsonntag. Cellentz (Zcllnitz im Bezirke Fall). Chose, Chotse, plebs de Chose (Pfarrort St. Georg. inKötsch bei Marburg im Bezirke Haus am Bacher). Cirkentz. Criescendorf, Criezendorf, Cres-sendorf (vielleicht Krasina, od. Kraisendorf bei Studenitz). Dietzendorf. Doberich (Mons). Ad 8. Dominicam de facto ap-pellatur (Großsonntag). Dominicum in Dominico (G roß-sonntag, Schloß und Herrschaft der Commende des deutschen Ordens, unter Pettau an der Peß-nih). Drasgonwesdorff (Villa, zu Studenitz gehörig). In Ekke supra aquam, quae di-citur Treun (Drau). Ezdemersdorf. Fridau (Schloß, Städtchen und Bezirk Fried au unter Pcttau). Gliniz (Schleinitz unter Marburg, Bezirk und Ortschaft mit eigener Pfarre). Goldarn majus, minus (Golldorf im Bezirke Ebcnsfeld?) Gorisindorf (Goritzen, bei Kra-nichsfeld, Goritzenberg, zu Studenitz gehörig). Gortsach (vielleicht Görtschach, in der Herrschaft Sauritsch). Grede (zu Studenitz gehörig. Gra-Lam-Sa im Bezirke Gonowitz?) Gundramstorf (Villa, bei Seitz und Gonowitz). Gyzubel (Gießgiblberg in der Pf. Teinach, im Bez. Burg Feistritz). Heremus (das einsame Thal der Karthause in Seitz). Hermannsdorf (bei Pettau; wahrscheinlich Hormanetz im Bezirke Frieda»). Hellinsdorf. Jurindorf. Jurissendorf (Juritschendorf in der Pfarre Teinach bei Windischfei-stritz). Lazendorf. Lazindorf (Besitzung eines Nobi-lis viri Laduca I. 960—976, Lanzendorf im Bezirke Tur-nisch bei Pcttau). Lapriach (vielleicht Laporie im Bezirke Studenitz). Losenz (Villa, zu Studenitz gehörig). Lengenperge. Mannsperch (Mansberg, Schloß im Drauthale östlich von Stattenberg). Marchpurch (Stadt Marburg mit ehemaligem Schlosse, die Marchburg ander Drau; vielleichtauch geradezu Marchia genannt? In Enenkels Fürstenbuche: Das Haus zu Marchburg u. der Mark 1188: Oppidum infe-rius, oppidum superius. Ad-monter-Saalbuch III. 226). Marnperch, Heren perch (Schloß, Markt und Herrschaft an der Drau ober Marburg). Mutenberch,Moutenberch (wahrscheinlich Hohenmauten an der Drave). Nebou (bei Pettau?) Villa ultra Drahwam. Pechsendorf, Pechsen. Perweinshube (auf welcher Besitzung nachher Las Nonnenklo- stcr zu Mahrenberg ist gegründet worden: in quo praedictum claustrum cst constructum). Pettovia, Petove (I. 874) Bettowe, Betobia (3.870) Bet-tovia civitas superior et inferior cum ponte. — Castrum minus. — Stadt und Schloß Pet-tau an der untern Drau). Ad 8. Petrum in Tepsowe — St. Peter bei Marburg. In Piker (Pickern, nördlich am Fuße des Bachers bei Marburg). Pocher mons (Las Vachcrgebirge). Podaxendorf. Predansdorf (bei Pcttau, vielleicht Pre wenzen?). Prepühel majus, minus. Prenossain Ztantscliendorf, provinci a, quae dicitur Prenossa (Prennusch, Waldgebiet bei Studenitz mit Weingebirgen?). Pulcka, Pulzgau, Pulzcau (flu-vius — Oberpulsgau, Schloß und Bezirk, am Pulsgaubache zwischen Windisch- Feistritz und Schleinitz am Fuße des Bachers). (^ualosse (in der Kalles, die Kalles); also niemals herzuleiten vom Lateinischen: Coli es. Rachis. Bad van (wahrscheinlich Rothwein). I» a dis d orf;Rad eld y rf im Bezirke Gonowitz in der Pfarre Rötschach). Raitz (Curia in — Ratzerhof bei Marburg). Villa Ragotz (wahrscheinl. St. Peter und Paul, Rag oS nitz im Bezirke Oberpettau). Rccbsach (wahrscheinlich Reed-sach, Aotscha ch, Pfarrort im Bezirke Gonowitz). Rass, Rasse (Naß, Dorf bei Marburg). Bassi a (wahrscheinlich Ort und Pfarre Maria Rast im Bezirke Fall). Razeridorf (Nadeldorf, d. i. Ra-denskavess im Bezirke Gonowitz ; oder Randorf int Bezirke Stattcnberg; oder Razhe bei Kranichsfeld). Razway (Raßwcin) Villa, kömmt in Salzburgcrurkunden schon tut Jahre 953, und dann tut Jahre 1268 im steirischen Rentenbuche vor. Revcnize (Rcifnitz, Reifnig tut Bezirke Buchenstein am Bacher, im Dekanate Saldenhofen). Saldenhoven, Saldenhof. (Markt und Schloß Saldenhvfen an der Drau im Bezirke Buchenstein). Schiernz (mons , bei Großsonntag, vielleicht Gegend Schärding oder Scherowinzen daselbst). Sdresgunesdorf (zu Studenitz gehörig ; StraSkagorza im Bezirke Drachenburg; oder Straschabcrg im Bezirke Wurmberg). Sinzinberg, Sinzinesperc (Jahr 960 — 970 —r Sittnigberg bei Wisell?). Sleuntz, Sluntz (wahrscheinlich Schleinitz, St. Maria Schleinitz, Pfarr und Schloß am Fuße des Bachers zwischen Marburg und Windischfeistritz). Staensendorf. Staniz (mons, StanaSgv, Gegend int Bezirke Studenitz). Stopendorf (Stoperzen int Bez. Stattenberg?) Stoytsendorf (Stoinosellu tut Bez. Oberrohitsch; StoinSko im Bez. Lamberg). Strelz (wahrscheinlich Strelzen im Bez. Pfarre St- Marxen). Tepsowe (Tepsau bei Marburg). Trahendorf, Traskendorf (vielleicht Drafzendorf, zur Herrschaft Ankenstein gehörig). Tregnitz (mons, Tranberg im Bezirke Thurnisch?)- Trewina (ti ui L in amnem Tra-vum. — Treune, Trcun, Dran-fiuß im Dranthale). Travus (Amnis) Traa, Drahwa, Draufluß. Tynacli (Pfarre, Tainach im Vez. Windischfeistritz). Usenteyn (höchst wahrscheinlich der älteste aber verstümmelte Name von Grcßsonntag an der Peßnitz; denn in den ältesten Dokumenten wird im Zusammenhänge darauf hingedeutet). Wagrein, Wagreini (bei Pettau, wie es scheint, zwischen Turnisch und der Drau: ex summitate termini, qui Wagreini dici-tur, et ita sicut illud Wagreini tendit, usque dum Trewina (die Dran) iluit in amnem Travum). Wilthausen, Wilthousen, Wildhaus (Wildhaus, Schloß und Vez. an der Drau, zwischen Zell-nitz und Marburg). Apud Würben (ältester Name der Gegend von Wurmberg an der Drau). Zistanesfeld (bei Pettau auf dem Pcttaucrfclde gegen die Drau zu: ,,Sicut duo acervi prope Travum positi sunt, usque dum Trevina inlluit in amnem Travum,“ wahrscheinlich das heutige Ebensfcld, Schloß und Herrschaft auf dem Obcrpcttaucrfelde). Zitilinesfeld (Tagus,vielleicht Kra-nichsfeld, Schloß und Bez. auf dem westlichen Pettauerfelde). Zlatendorf. Zwetcyndorf (Zwettendorf in der Pfarre Kölsch). Von Grafen dieses Gaues kennen wir nur vermuthungsweise einen Grafen Gozwiz, welcher in und um Pettau begütert gewesen zu seyn scheint, und mit Gewißheit einen Grafen Rach win. Die Grafen von der Saan und die Grafen von Mürzthal und Epp enstein waren in diesem Gaue begütert ’). Der Gau zwischen der Mur und Drau in den sogenannten windischen Büheln (Der Potschgau?). Daß die vorzugsweise so genannten windischen Büheln, das fette Land zwischen der Drau und Mur, das lange Thal der Peß-niß von ihren Quellen an den Vorgebirgen des Poßruck und Rem-schnick, bis zu ihrer Mündung in die Drau, zwischen Frieöau und Pettau, einen besondern Gau gebildet haben, ist der allgemeinen Gaueneinthcilung des Landes gemäß, und daher unzweifelhaft; wenn gleich Urkunden mangeln, woraus Namen und Umgränzung dieses Gaues mit Bestimmtheit nachgewiescn werden könnten. Wir sind daher sehr geneigt, in den, mitten in den windischen Büheln, imJahringthalc, vorkommenden Namen Potschgau, Potsch gauberg, die uralte Gau-Benennung wieder zu finden, und diesen Gau zwischen der Drau und Mur den Potschgau zu nennen; welche 1) 61» o». Salisli. Pez, l p- 336. Anno 874. — Juvavia, Anhang p, 16. 114. 210. I. 985. — Archiv f. Süddeutsch!. II. p. 222. 224. Benennung „Potsgawe« noch im steirischen Kammer-Rentcnbuche im I. 1268 vorkömmt. Nach dem schon oben Gesagten scheint cs gewiß zu seyn, daß der pannonische Dudleipagau den südöstlichen Theil dieses ivindischcn Bühelnlanöes berührt habe '). Zwischen den Jahren 830 und 872 liest man in salzburgischen Urkunden von dem im untersten Peßnitzthale (ad Businiza) befestigten christlichen Kirchenthuine; und man darf vermuthen, daß der dort zugleich genannte Ort U senke in (ad Usenteyn, wenn diese Schreibart und Weise die richtige ist?) an der untern Peß-nitz gelegen gewesen sey. Die topographischen Andeutungen in diesem Gaue beginnen in der zweiten Hälfte des eilstrn Jahrhunderts in salzburgischen und admontischen Urkunden -). Airamsdorf (Allramsbors im M. K. in der Birkach). Eelchowe (Wölling, Völka, Bez. Obermureck, auch im Bez. Obcr-gutenhag). Bedenich (Petschne, Bezirk ©tat« tcuberg). Caschowe. Chibitz (vielleicht Gibina, im Bez. Dernau). Chonobe. Chrotendorf (Krotendorf, Bezirk Oberpcttau). Cirkniz, Cirkentz, superius, medium, inferius (Zirknitzthal tut Bezirke Spielfeld). Croncovve, magna, parva (Grajena, Bezirk Öberpettau). Binpelinch. Dobrenge, parva, magna (Dobrenje im Bezirke Langenthal, Pfarre St. Kuncgund). Dratztoniz, Dretztonitz (Dras-sendorf in dem Bez. Kranichsfcld und Thurnisch, d. i. Draßhcnze). Drogescha, Drogetscha (Drago-schitz im Marburgerkreis). Dverberch, Duerberch. Pradelsdorf(Fratten, Frattenbcrg, Bezirk Obermureck). Gaubatha. Gchentz. Genitz. Geroltsdorf. Glanz (Pfarre Leutschach, Glanz). Golotaz. Gomelintz (Gamlitz, Bezirk Eh-rcnhausen). Goztyray inferius, superius, od. major, minor. Granach, inferior, superior. Grillowe. Grube. Gruchel. Grussowe. Gutenhage (Gutenhaag, Obergu-tenhaag, Schloß und Herrschaft). Harde. Jablanach (Jablenach, Gemeinde im Bezirke Gutenhaag). Jaeringe, Jaringen inferius, superius (Jahring zwischen Straß und Marburg). Jamilich. Jaringen, Ecclesia S. Mariae ad (Ort Jahring). Jaringen fluvius (Jahringbach tut Jahringthale). Jazendorf. Jazzonitz. *) Juvavia, p. 17. 117. ") Juvavia, p. 364. — Dipl. Styr. I. 173. 180. 190. 348., II. 183. Lengendorf. Lintoldsdorf. 8. Mariae ecclesia cum praedio ad Jaringen inferius. Megerwoersteten. Megowe. Mettowe (Mettau, Gemeinde im Bezirke Gutcnhaag). Mens Dominorum Mettowe. Mons Ludovici. Mutschen (Gemeinde im Bezirke Gutenhaag; Mutschen). Nebowe. Negowe (Negau, Schloß u. Herrschaft). Ohemgazzen (vielleicht Gotsch od. Mittergastern im Bezirke Obergutenhaag). Pesnicli, Petznitz, Businiza (Peß-nitz - Vach und Thal). Pirch. Platse (Platschberg). Plauers (Platzerdorf, Platze, im Bezirke Oberpettau?). Plintenbach (Blindenbach, Gemeinde im Bezirke Langenthal). Podegractz inferius, superius (Podegratz im Bez. Witschein). Potschgowe, Potzgewe, (Potsch-gau, Gegend und Weingebirge im Bez. Marburg und im Jah-ringthale). Prcteyn (Presetin, oder Stresetin im Bezirke Großsonntag?). Prezek (Prasika im Bez. Malleck?). Pudlach. Puechil. Puechelin. Badwisch (Radersdorf, Badwens-ky im Bez. Oberradkersburg). Beitgusse. Beufnitz. Bitzney (Ritznihberg, Weingebirg im Marburgerkreis). Bobune (Rabcnberg oder Reber-nagberg tut Marburgerkreis). Bochinge. Boresdorf (Rohrdors im Bezirke Großsonntag). Sehitlawe (Schitanzen im Bezirke Obergutenhaag?). Schuttz (Sckuitzendorf, Schitzen im Bezirke Obergutenhaag?). Scnouz (so viel als Seneza, d. i. Zellnitz, in der Pfarre Jah-ring, im Bezirke Spielfeld). Sleuntz (Schleinitz). Spilvelde (Schloß am rechten Mur-ufcr bei Straß). Stamerstorf. Steinbach (Steinbach, Bezirk und Pfarre Ehrenhausen). Stomnitz. Stradalstorf. Sylianz. Syi'inlitz. Tepsowe, Ecclesia 8. Petri in Tepsowe (Tepsau untcrh. Marburg). Uramgoy. Veile (Rolling im Bezirke Obcr-gutenhaag, oder Gemeinde Ve-litschan, Welitschen?). Vlannberch (Lanersberg im Bez. Negau?). Vollenanger (Vollouleg tut Bez. Oberpettau?). Vorey. Vulkovin. Vulkoyn inferius. Vundemut, Vundemout supra. Waitzenhalm. Waltz (Walz, Ober- und Ilnter-tvalz im Marburgerkreis, oder auch Tiwalzen). Wetschein, Betschein (St. An-dxä in Wittschein, Wetschina). Widanz. Widegoy. Winchel. Winterbach (Wintersbach, Gemeinde im Bez. Wurmberg). Wirzekke. Wolsche, inferior et superior. Wourzekia, Würze (Wurz, Gemeinde d. Herrschaft Wurmberg). Zammerkcwa. Zirkelkendorf» Zobutzla. Ztopendorf. Ztclkendovf. Zwcrkendorf (Werkofzen, Wcrio- vetz im Bez. Schachenthnrn ?). Zwetochcn (Zwetkofzen? im Bez. 2ube (Zuberberg, Zuber, im Be- Großsonntag?). zirke Mallcck?). Wir eittiiehmen diese Ortschaften aus einigen Urkunden des Hochstiftes Salzburg und des Stiftes Admont aus dem eilften und zwölften Jahrhundert und aus dem steirischen Rentenbuche; und wir glauben, daß diese letztere Quelle das Bestehen derselben in den Zeiten der Gauenverfasiung zuverlässig bewähre. Bon Gaugrafcn dieses Gaues zwischen der Drau und Mur findet sich kein Einziger namentlich verzeichnet. Vcrmuthungsweise dürften die Edel-herren von Witcnswald, Weriand und Rudolf (I. 1094 — 1120) und deren Borältcrn, als reiche Güterbesitzer im Jahringthale, am Radel und Remschnik, den gaugräsiichen Ambacht im sloveni-schen Pvtschgaue getragen haben. Die Grafschaft Hengest, Hengist, Hengst, oder der Gau an der untern und Mittlern Mur. (Comitatus Hengest I. 1042). Alles Land der inittleren Steiermark nahmen vorzüglich zwei große Gaue ein, der Hengestgau, Hengistgau, Hengsgau und die Grafschaft Duüleipa, Dudleipin (Comitatus Mengest I. 1042, Comitatus Dudlcipa I. 830 — 870): beide sehr wahr^ scheinlich nicht ohne mehrere Untergauc, deren Benennungen jedoch in Urkunden nicht mehr ausbewahrt sind. Der Hengestgau war timschlossen westlich von einem Theile der altcetischen Gebirge, ungefähr von den Quellen der Kainach bis an den Ursprung der Sulm, und von den nördlichen Abhängen der Gebirge des Rädels, des Rcmschniks und des Poßrucks an die Mur her, und an deren linkem Ufer bis über Radkersburg hinab, wo im Osten die pannv-nische Grafschaft Dudlcipa sich herein über die Thäler der Laf-nitz, Saven, Feistritz und Raab erstreckt zu haben scheint. Nördlich bcgränzten ihn der Rung au, Runagaue, oder Reinthalgau; so daß die Berghohen und Hügel zwischen dem Uebelbache und der Kainach bis an die Mur oberhalb Grätz die Scheidung zwischen beiden Gauen machten. Dieser große Gau umfaßte demnach des Landes Steier schönsten Theil, das fruchtbare Murthal von dem Fuße des Schöckelgebirges zu beiden Seiten des Mur stromes bis über Radkersburg hinab. Diese große Ausdehnung läßt mit Grund omnuthcn, daß die von den altcetischen Gebirgen sich herabsenkendeu Thäler der Kainach, Laßnitz, Sulm und Saka eigene Untergaue, vorzüglich den Laßnitzgau gestaltet hatten; daß aber auch der Landstrich von dem linken Murufer bis auf die westlichen und südlichen Anhöhen des Raabthales, bis dahin, wo diese zwischen Fering und Kapfeustern nach Ungarn zu abfallen, gleichfalls einen Untergau, den Bog au gebildet haben; dessen letzte Spur in der Benennung: St. Veit am Foggau (Voggau) übrig zu seyn scheint. Zahlreiche Urkunden geben folgende mittelalterliche Topographie dieses Gaues, welche wir hier insgesammt, ohne genaue Berücksichtigung der Untergaue, des Vogaucs und des Laßnitzgaucs, anführen. Abbatisperge (Abbsberg, in der Pfarre Absthal im Bez. Ober-murck). Abbtessendorf, Aptessend. (Ab-tissend orf, im Bezirke Eggenberg, Pfarre Feldkirchen). Ainode (Einöd, westlich von Grätz zwischen Eggcnbcrg und Straßgang). Alboldisveld (Eibesfeld bei Leb-ring). Albersdorf, Halbersdorf zu Oberdorf (Albersdorf im Bezirke Kainberg, Pfarre Kumberg). Algersteti (wahrscheinlich Algers-dorf bei Grätz). Altendorf (Altdorf im Bezirke Lukafzcn, Pfarre H. Kreuz). Aphaltir (Gegend mit Weinbau bei Voilsberg und Piber). Arnfelse (Schloß und Markt Arn-fcls). Attendorif (Pfarre Moskirchen). Auraham(vielleichtAuersbach tin Bezirke Labeck, oder Waldeck). Ausamsten (Hausmanstätten). A vera (wahrscheinlich Auersbach im Bezirke Labeck, oder Waldeck). Aueramsteten. Awrspach (inferior, Unterau-e rž bad) im Bezirke Waldeck, Pfarre St. Stephan). Azleindorf (Etzersdorf im Bezirke Münichhofcn, Pfarre Weitz). Beblinge (Webling im Bezirke Eggenberg). Berindorf (Bärendorf, in den Bezirken Liebenau, Großsöding,. Waasen). Bisch offech Castrum prope Ei-beswald in Sauathal (Saga-: thal). Bluminowe (Blumau im Bezirke Wildbach, Pfarre Landsberg inter duas Losniz usque ad al-pes). Bobors. Brenstede (Premstätten, Schloß und Bezirk bei Grätz). Chalhochsperge. Chapella, Chapellun — locus prope Sulpam. Char (in Char, primo, secundo, tertio d. i. Oberkarla u. kln-tcrkarla in der Pfarre Hochstraden). Chaynach, Chcinach (fluvius, Thal, Fluß und Ort K a i n a ch) in der Cheyna. Chemenaten (Gegend des Sulm-thales an der Weißsulm). Chirchperge (Pfarre Vogau). Chirichpach, Chirchpach im Bez. Waldeck. Chövelach (villa, Marktfleck. K osla ch im Bezirke Lankowitz). Cholmen major (Pfarre Stifling). Chothansdorf. Choullestorf (Kallstorf eter Kahls-dorf unterhalb Grätz im Bezirke Neuschloß). Chozzem (Pfarre St. Florian). Chremse, Cremis, Crews (Krems, Schloß an der Kainach bei Voits-bcrg). Christeindorf (Pfarre Hengsberg). Chreutsche (Pfarre Hengsberg). Cheypach (Pfarre Piber). Chrotse (bei St. Nikolaus imSau-sal, Grötsch an der Laßnitz). Chrotendorf, Crotendorf (Krot-tendorf bei Grätz, Bezirk Eggenberg). Chulm (zwischen Wildon u. Hengsberg). 8. Crucis ecclesia (Heil. Kreuz bei Waasen). Dietmanstorf (Pfarre St.Florian). Dietenpurch (urkundliche Granze der Pfarre Biber I. 1060). Di trieb sd or f. Dornekke (Pfarre St. Florian). Dwerchensteige (Pf. Grätz). Eberdorf, Ebernd. (Pf. Piber). Eberspach (Forestum apud Li-be nize. Fores tum nostr. Lei-bentz inter Rocluch et Ebenspach). Eigen (Pfarre St. Florian). Ekchenberge, Ekkinperge (Eggenberg, Schloß u. Bez. b. Grätz). Eibeswald , Ibanswald , Iwans-wald, Ybanswalde (Schloß U» Bezirk St. Maria in Eibiswald am Radelberge). Elschenz minor et major (Pfarre Hengsberg). Enderz, Endritz inferior et superior (Antritz, Andritz, Gegend des Bezirkes Gösting, nördlich bei Grätz). Eigen (am Haselbach zu Radkers-burg). Engelhartsdorf (Pfarre Grätz). Eppendorf (Pfarre Stainz). Ernhaus,Ernhusen (Ehrenhau-sen, Schloß, Marktflecken an der Mur). Ettinsdorf, Etinsd. (Ettendorf Bez. und Pfarre Stainz). Eutolssdorf (Pfarre Voggau). Flaguitendorf, (Pfarre Voggau). 8. Floriani ecclesia, ad 8. Flo-rianum (Großflorian). In Fovea (Pfarre Stiffing). Fran owe. Freilant, Frialant, Ecclesia 8. Jacobi in, (St. Jakob im Freilande bei Landsberg). Freusnitz (Pfarre Piber). Frezen (wahrscheinlich Freßen, Fressing im Sulmthale). Gabernich. Garaže (GamS zwischen Stainz und Landsberg). Geiztal (Geißthal im Bez. Rein, St. Jakob im Geisthal). 8. Georgii ecclesia (St. Georgen in der Stifling). Gerollstorf (Gersdorf im Bezirke Herberstein, Pfarre Büschelsdorf und in den Pfarren Mooskirchen und Vogau). Gerwisten (Pfarre Stainz). Gest.ink,Gestnich, Gest nie, Ches-tinich (castrum, Schloß und Bezirk Gösting, oberhalb Grätz). Getanni (Pfarre Stiffing). Geyssvelde (Pfarre Piber). Gezzendorf, Glanzl (Glanz, im Bez. Trautenburg in der Pfarre Leutschach). Glichenberge (Gleichend-, Schloß und Bezirk). Gleintz, Glinitza (Gleinitzbach, Hochgleinitz bei Landsberg und Feilhofen). Gloiach (Gloiach, Gemeinde u. Gegend im Bezirke Labeck und in der alten Pfarre Stiffing). Gnenich, villa superior et inferior. Goggendorf juxta pontem St, Stephani (wahrscheinl. St. Stephan im Rosenthale im Bezirke Waldeck?). Gottenfeld (bei Hirschek an der Pack). Gosnitz, Gozn!ze(Hoch- n. Niedergößnitz bei Graden im Bezirke Lankowitz). Graben (Graben bei Grätz; od. im Bezirke Obermureck). Villa Gracorn (bei Stainz). Gradna, Graden (Graden, Oberund Untergraden, mit einer alten Burg Graden an der Graden im Bezirke Lankowitz). Grazze, Graze, Grez, Parisch-gratz, Bayrischgretz (civitas, urbs,castrum,castra inGraetz; praeter turrim in medio. — Hauptstadt und die ehemalige Veste Grätz). Gratzinstorf. Grading (Pfarre Stainz). Grasvelde (Pfarre St. Florian). Gratschach (Pfarre St. Florian). Greisenech (Schloß und Bezirk Greißeneck bei Voitsberg). Greyle (Pfarre Stainz), Grel au inferior (Pf. Leibnitz, Kralla). Gruennau (Pfarre St. Florian). Grube (Pfarre St. Florian). Gumprechtesten, Gumbrachde-steidem (in proximis superio-ribus ejusdem villae partibus juxta Humen Lonsnice, zuverläßlich im Laßnitzthale). Gule (Pfarre Stiffen). Gundramsdorf (Pfarre Stainz). Gundachersdorf (Pf. Stiffen). Gussenberge (Pf. Mooskirchen). Guzindorf (Güssendorf, im Bez. Waldschach, Pfarre St. Nikolai). Halbenrain (Schloß und Bezirk am linken Murufer bei Radkers-burg). Hamitschach,Haimschach (wahrscheinlich Hempsach bei Leibnitz; sub urbe Libniz, heißt es in andern Urkunden). Harde (Hart, im Bez. Seckau; auch Hart bei St. Martin bei Grätz). Hardekke (Pfarre Piber). Hartwigesdorf (apud ecclesiam 8. Martini, St. Martin bei Grätz). Hartmansdorf (Pf. Mooskirchen). Haselbach (Haselbach in der Pf. Straden). Haslach (Haslach in der Pfarre St. Georgen an der Stiefning, oder Haslachberg in der Pfarre Absthal). Hausdorf (Pfarre Mooskirchen). Huzendorf (Hautzendorf bei Prem-stättcn). Heinrichsdorf (wahrschcinl. Hai-tesdorf im Bezirke Labeck, oder Brunnsee). Hellweinstorf (Pf. St. Florian). Hengest apud ecclesiam 8. Mar -garitae (St. Margarethen bei Lebring), ad Hengista, Hengist, Heingista Castrum (I. 1060); in der Gegend zwischen St. Margarethen bei Lcb-ring, Wild on und dem Orte und der Pfarre St. Lorcnzen in Hengsberg im Bez. Horneck. — Es scheint, daß ehedem der Wildonerberg der Hengs-b e rg, Hengstberg und das Schloß Wildon die Hengistburg, Hengs bürg genannt worden sey. Herwigstorf (Pfarre St. Florian). Hizinchdorf, Hizendorf, Hezin-dorf (Hitzendorf im Bez. Groß-söding bei Grätz). Hirzeg (Hirscheck, Pfarrort tt. Gegend im Bezirke Lankowitz bei Voitsberg). Hochenpurk (Hohenburg). Hollenpach (Pfarre St. Florian). Hof (Pfarre Stainz). Holnek (Schloß Hollneck b. Landsberg). Honichthal (Hvnigthal b. Grätz). Hornekke, Hornek (Schloß und Bezirk bei Preding). Hovesteten (Hofstätten an der Raab im Bezirke Freiberg). Jaegerberch, Jaegerperch (Jägerberg, Gegend und Gemeinde im Bezirke Labeck). Kalitz (Pfarre St. Florian). Kamniz (Waldgegend im Laßnitz-thale). Krumpach, Crumpach (St. Oswald im Krumbach im Bezirke Eibiswald). Kueperge (Pfarre Piber). Kukynne (Pfarre Stiffing). Kumperge (bei St. Lorenzen am Hengsberg). 8. Kunegundis (Ecclesia sita in colic jux ta civitatem Parisch-gratz, dem deutschen Orden gehörig, die Kirche am Lech, oder Lechbache zu Grätz). Lampretensteten (Lannerstätten, Pfarre St. Nikolai, Bez. Waldschach). Lam pvechtsteten (Lanpach, Pfarre Stiffing). Lantschacherbach (Laschbach im Bezirke Eibiswald). 8. Laurentii ecclesia juxta Lista (wahrscheinlich St. Lorenzen bei Eibiswald). Lautmos (Pfarre St. Florian). Lazlawisdorf (Lastelsdorf bei St. Florian). Lebern (Pfarre Straßgang). Lembsnitz (Pfarre Stainz, St. Stephan bei Stainz, oder die Pfarre in Lemsnitz). Leutarn (Pfarre Leibnitz). Leutmos (Lautmos). Leutschach (Markt L rutsch ach im Bezirke Trautenburg). Leybgast, Liubcgast mons (mit Weinbau bei Voitsberg u. Piber). Lewenherch, Libocha (Liboch im Bez. Lanach). Limbberch (Schloß Limb erg bei Schwanberg). Libenz, Libniz castrum (Turris antiqua in Castro Leybenz 1219). — Libniza, Libniz (civitas, urbs. ,,Zuip juxta locum civitatis Libnize“). — Libnize (Marktstecken an d. Laß-nitz im Bez. Seckau, Leibnitz). Liutaldosdorf, Lonch (Lang, Pfarre St. Mathäus in Lang, Bezirk Seckau). Lonsnice, l.uonzniza, Losnice, Losnitz (Laßnitz Fluß, welcher bei Leibnitz in die Sulm, und vereinigt mit dieser unterhalb Leibnitz in die Mur einfließt). I.onsperch (Schloß Deutschlands-berg). Losniz (die Laßnitz). Lubechendorf (Pfarre Stiffing). Ludmeynstorf (Pfarre Stiffing). Lunchwiz (Lankowitz, Schloß und Bezirk bei Voitsberg). Luttenperch (Schloß und Marktflecken Luttenberg im Bezirke Malleg). Lyboch (Liboch). Lychekke (Pfarre St. Florian). Lybull (Pfarre Stiffen). Magersdorf in Marchia (M a-gersbach, Gegend im Grätzer-f reife). Macherstorf (Machersdorf in der Pfarre Absthal). Marchtrenk (Pfarre Stiffing). Makau (Maggau im Bezirke Labeck, Pfarre Wolfsberg). 8. Margareta juxta Voitsperg (bei der Stadt Voitsberg an der Kainach). 8. Margareta juxta Wildoniam (St. Margarethen bei Lebring, südlich am Wildonerberge). Marin (St. Marein am Pickelbache). 8. Martini ecclesia ad Straz-kang (St. Martin bei Straßgang nächst Grätz). Mayrhof, Mairhof (Pfarre Stainz und Mooskirchen). Medweinstorf (Pfarre Stiffing). Melach (Pfarre Stiffen). Meinich (Pfarre Stiffing). Mergeinstorf (vielleicht bei Wilden; oder Merkendorf im Bezirke Gleichenberg, Pfarre Trautmannsdorf). Mergestorf. Merssendorf obet Mcrchendorf. Meureut. Meussiezze (Spfarre Grätz). Mezendorf (Messendorf im Bez. Lieben«», Pfarre St. Peter bei Grätz). Michelsdorf (Pfarre St. Florian). Mitterdorf (Piber). Morns 81'idus (Piber). Mons Ducis (Piber). Mons Pülcher (Pf. Hengsberg). Mora, Muora, Muron, Mura , fluvius, Moronova, Mornova (Murfluß). Moskirchen(ecclesia, Mooskir-d) c it, am Kainaä)flusse, St. Veit in Mooskirchen, Bezirk Großsö-ding). Mochirnowe und Mukirnowe in Marchia juxta Libniz , Leihen tz (Muggenau, ob. St. Nikolaus im Sausale). Muemekka (Pfarre Piber). Mukendorf (Müggendorf in der Pfarre Straden). Murtdorf (Mooskirchen). Murecke, Murekke (M ureck u. Obermure ck, Sck)loß u. Marktflecken an der Mur). Myrneynstorf (Voggau). Nagutendorf (Mooskirdzen). Nazau major, minor (St.Florian). Nazowe, Nazzowe (Nassau im Bezirke Freudenthal oder Obermureck). Nezilnpach (I. 861), Nezelin-pach (Nestelbad)). Neustift (in der Pfarre St. Veit am Aigen). Neundorf (Mooskirchen, und in der Pfarre Grätz). Neureyl (Stainz). Neustift (Ne usti ft, Gegend des Bezirkes Gösting, und im Bez. Halbenrein). Nidrinhof (inderGegend von Leibnitz und Sausal: pariter con-tiguum atque adjacens eidem curti nemus Susil S.usel, Sausal I. 970; also ein Ge- höfte hart am alten Sausaler-nalde gelegen, und in sloveni-sd)er Sprad)e des zehnten Jahrhund. genannt: Uduleniduor). Niwendorf ze Tubnaz, Tub-netsch. Nogeldorf (Pfarre Mooskirchen). Odelisnitz (vielleick)t Oisnitz, Gegend im Bezirke Horncck, Pfarre Preding). Ortplfsdorf (Pfarre Vogau). Otarnica (wahrscheinlich) Otternitz, Gegend des Bezirkes Wels-bergl im Sulmthale, Pfarre St. Martin). Ottransdorf (Pfarre Vogau). Pabrndorf (Pfarre Stiffing). Pableinreut (Pfarre St. Florian). Papenvorst (Pfarre St. Florian). Padeprunne (Badenbrunn tut Bezirke Waldeck, Pfarre St. Stephan). Parnekke (Pfarre Mooskird)en). Parschachesdorf. Payrdorf (alte Pfarre Straßgang). Perndorf (Pfarre Grätz). Perntal (Gegend des GeisthaleS und der Kainack)). Perenwanch (Gegend um Piber und das Kainachthal). Pernowe und Bernöwe (Wein-gcbirgsgegend bei Voitsberg und Piber). Pezmansdorf (Pf. Hengsberg). Piber, Pipera (B i be r, Schloß U. Bezirk bei Voitsberg — cum ecclesia 8. Andreae, Parocbia in Pyber, Pibertall, Pybertall. Pyberalbe (Alpes, quae vocan-tur). Pirchach (alte Pfarre Straßgang). Poake (Pack im Bezirke Ligist, mit eigener Pfarre St. Martin an der Pack). Poltz (Pfarre Hengsberg). Ponich (Ponikl, Ponigl, im Bez. Neuschloß, Pf. Wundschuh). Ponaykel (Pfarre Hengsberg). Pöppendorf (Pöppendorf, Schloß bei Gnas). Posinbach, Bosinbach (Wellige-birgsgegend bei Voitsberg und Piber). Pozendorf in Marchia und Po-sendorf (wahrscheinl. Petze n-dorf im Bezirke Horneck, in der Pfarre Prcding). Prachenrcut (Pfarre St. Florian). Praytenfeld (Pfarre Wolfsbcrg). Predingen major et minor (Pro-ding, Marktflecken im Bezirke Horneck). Pregarien (Pfarre Hengsberg). Preming (vielleicht Prem, Gegend in der Pfarre St. Ruprecht — zu Landsberg gehörig; — oder Premstätten, Schloß und Bezirk bei Grätz). Fringe (Pfarre St. Florian). Primarespurch (Gränzgegend der Pfarre Piber, I. 1060). Primestetten (Prcmstätten). Proskcinsdorf (Prosdorf in der Pfarre H. Kreuz am Waasen). Prunne (alte Pfarre Straßgang). Puchpach (Pfarre Piber). Puebendorf (Pfarre Mooskirchen). Piichel in parochia 8. Georgii in Stiven. Pyrchach (Pfarre Grätz). Pyrpaum (Pfarre Straßgang und St. Florian). Rachcspurch, Rukkerespurch, Rutke.vespurch, Forum Rat-gersburch (Stadt Radkcrsburg an der untern Mur). Rachiniz (Ragnitz, Gegend im Bezirke Labegg, Pfarre St. Georgen an der Stiffing. — Aeußere und innere Ragnitz bei Grätz, Bezirk Commende Lech, Pfarre St. Leonhard). Radila, Radelach, Radilach, Radilaha juxta Travam. Raed-lach (locus Gegend Radlach am Radlberge, Bez. Eibiswald oder Mahrcnberg). Rahatsch (Pfarre Piber). Rakatscha superior, inferior (Pfarre Vogau). Radehowe Alpes (an den Sö-dingerbergcn). Ramatsteten (I. 1043). Ramprcstetten (I. 1043). Ratenpach (Pfarre Grätz und St. Florian). Ratfreut (Pfarre St. Florian). Räuden (Pfarre Stiffing). Rekaych (Pfarre Piber). Rcinhartsperge (Gegend m.Weinbau bei Voitsberg und Piber). Ressendorf. Hetze (Netzhof bei Leibnitz). Reuschniz Villa (wahrscheinlich Retznei im Vez. Seckau, Pfarre Leibnitz). Rirzpezleinstorf (Pf.St.Florian). Ror superius et inferius (Rohr, Schloß am linken Murufer bei St. Georgen an der Stiffing). Rocluch (Waldgränzen 6. Leibnitz). Rorpacb (Rohrbach, wahrscheinlich Gegend b. Maria-Trost b. Grätz). Rosekk superior (Pf. Stainz). Rosental (Stiffing). Rospach (Pfarre Piber). Rotenpach. Routzendorfi Rucelendorf (Nutzendorf im Grätzerkrcise, zur Herrschaft Landsberg dienstbar). Ruelhersdorf (Straßgang). Rugerstorf (Pfarre Vogau). Rychartsdorf (Pfarre Stiffing). Saccach (curia decimalis, im Sagauthale gelegen). Sackatal, Sakotal (Thal des Sa4 gaubaches im Bez. Eibiswald). Schechlach (am Niederschöckl, Pf» St. Veit bei Grätz). Schefstal (S chafthal, Vez. Cvm^ mende Lech in Grätz, Pfarre Maria-Trost). Schilchkeni (in der Pf. Stiffing). Schilingesdorf (Schillings-Lorf, Bez. Commende Lech zu Grätz, Pfarre St. Leonhard). Gcsch. i). Steiermark. — n. Dv. 4 Schirndorf (Schirndorf in der Pfarre Abschal). S edin ga (rivus). Sedinge (villa) Allodium, Bedingen (Großsöding, Schloß und Bezirk bei Mooskirchen an der Kainach). Seideynstorf (Pf. Mooskirchen). Sein (Pfarre Straßgang). Seivsberg (Seiersbcrg, Gegend der Pfarre Straßgang bei Grätz). Sleuntz (Pfarre St. Florian). Smilenperch (Schmiernberg, Burgruinen bei Leutschach). Stacharn (Pfarre Stiffing). Stadeck (Statteck, Gegend des Bezirkes Gösting, in der Pfarre St. Veit bei Grätz). Staindorf (Pfarre Hengsberg). Stalhof villa (Stallyofen, St. Nikolai — ein klassischer Boden voll Römersteine). Stanegorestorf (Stangersdorf bei Leb ring). Stang (Stang, im Vez- Frauenthal im Freilande). Stankendorf (Pfarre Vogau). Starchantgleinz (Pfarre St. Flo-rian). Starcharn (Pfarre Stiffing). Steinz, Steunz (Marktflecken Stainz — Ecclesia 8. Car-tharinae in Steuntz). St. Stephani ecclesia (St. Stephan im Rosenthale im Bezirke Waldcck). Stiunitz (Pfarre St. Florian). Stiven, Styven, Ecclesia 8. Georgii in Styven (Bach Stiffing, bei St. Gorgen an der Stiffing, in die Mur abflicßend. — Auch Marktflecken an der Stiffing). Straden (Hochstradcn) Ztraden, Strazdorf yPfarre Straßgang). Stranzkang, Strazkanch, Stra-zean? Praedium et Ecclesia 8. Georgii ad Strazkanch (Straßgang bei Grätz, im Be- zirke Eggenberg, St. Maria im Elende). Sulba, Sulpa I. 861 (Rakaniz) sicut Sulpa et Luonzniza de alpibus flnunt, fluvius Sulba dictus (Sulm, Schwarzsulm, Fluß, entspringend aus den Schwambergeralpen, und unterhalb Leibnitz sich mit der Mur vereinigend). Sulza, Sulz, Sultz (Sulz im Bez. Landsberg. — Großsulz und Kleinsulz an der Mur, im Bezirke Reuschloß. Susel (St- Nikolaus im Sausal). Svezzenielr (Pf. St. Florian). Swabstorf (Pfarre Stiffing). Swannenberch (Schloß Schwannberg. I. 1246). Sxvarza (praedium in Marchia juxta Libeniz in loco, qui di-citur Swarza). Sybenarn (Stiffing). Sybing (Pfarre Vogau). Sybotendorf (Pfarre Stiffing). Ze Talach (vielleicht: Tulach, Pfarre Piber). Tegneunstorf (Stiffing). Teleyn (Pfarre Piber). Telinmons (Hügel, wo Weinberge waren bei Vvitsberg und Piber). Teukwitz, Tewkwitz aqua — (Dcigitsch, ein Bach, südlich von Koflach, welcher bei Geis-fcld in die Kainach fällt). Thamatzleynstorf (Pfarre St. Florian). Tirbschen (Pfarre Stiffing). Ti vina (vielleicht Stiffing oder Tirfenbachel bei Lankowitz?). Tobel inferior et superior — Tobel, Ecclesia (Dobel, Gegend und Pfarre Maria in Dobel, im Bezirke Lanach). Toblekkc. Tolta (Pfarre Stiffing). Tregusse (Pfarre Piber). Trcmendorf. Tubach (Pfarre Stiffing). Tulach (Pfarre Piber). Tuimaetz (Ober- und Unters Tillmitsch im Bezirke Seckau, in der Pfarre Leibnitz). Turna (Pfarre Skiffen). Uduleniduor (die slowenische Benennung von Niederhof, oder Nidrinhof, am alten großen Sausalerforste, nach der oben angegebenen urkundlichen Aussage). Ungerdorf (Pfarre Mooskirchen). Uraundorf (Pfarre St. Florian). üreidorf (Pfarre St. Florian). Valles dulees'! (Sehr wahrscheinlich nicht richtig geschrieben im Abdrucke des Salzburger-Diplo-mcö. Schwerlich Hönigthal im Bezirke Lech, Pf. EckerSdorf). Vallis (De valle — Thal, Oberthal, Schloß und Herrschaft im Bezirke Gösting. Unterthal, Nuine des alten Schlosses). Yclinge (Pfarre Grätz). Velkis, Velkus (Fölgitsch, Gegend des Bezirkes Waasen, Pf. H. Kreuz am linken Murufcr). Vellkheis minus et majus (Pf. Stiffing). Veitkirchen (Feldkirchcn b. Grätz, Bezirk Eggenberg, eigene Pfarre Johann Baptist. Viehoven (Pfarre Piber). Vocher (Pfarre St- Florian). Vogan Parochia (St. Veit int Vogau). Vohir (Waldgegend im Laßnitz-thale). Vokir (wahrscheinlich Vochera bei Wildbach und Deutschlands-6erg. Auch ein Bächlein). Vorst inferior superior (alte Pfarre Straßgang). Vottsperch (Castrum, Schloßrui-nen beim Städtchen Voitsberg an der Kainach). Waeherein, Wagraim,Wagraym (Wagram, Bezirk Eggenberg). Wageinspach (Pfarre Grätz). Waldek, Waldekke (Schloß und Bezirk Waldeck). Wasen (Schloß, Herrschaft und Bezirk). Weitendorf (Pfarre Hengsberg). Weiting (Pfarre Stiffing). Weizeneck (Weisseneck, Schloß und Herrschaft am linken Murufer, oberhalb Wildon). Wercelsdorf, Wetzlynstorf (Wetzelsdorf im Bezirke Labeck). Werendorf (We r ndorf, Gegend in der Pfarre Wundschuh, Bezirk Neuschloß). Werse (Wernsee). Widinge (Pfarre Hengsberg). Willebrechstorf (Willersdorf in der Pfarre Radigund). Wilpach (Schloß Wilbach). Wind or f. Witenswald (vielleicht der ehemalige Name von Eibiswald?). Wolfesperch (Wolfsberg, Gegend im Bezirke Labeck, und Pf. St. Dionysen in Wolfsberg). Wolvoldisdorf. Wulfingensdorf. Wurzin, Wurzingen (Würzing, Gegend des Bez. Waasen). Ybanswalde (Markt Eibiswald). Zebern (Pfarre St. Florian). Zederniz (Gegend des Bezirkes Piber). Zedlach. Zedlarn (Pfarre Straßgang). Zeltiup (St. Florian). Zesmansperge (Pfarre Grätz). Zesmestorf. Zesmeynstorf (Pfarre Stiffing). Zirkenst (Pfarre Stainz). Zuip, Zuib — „ad Sulpam civi-tatem Zuip vocatam, cum omnibus juste ad earn pcrtinen-tibus, cum quercetis, et cam-pis, sicut ilia fossa, quae in-cipit de Muora et tendit usque ad Luonznizam, et ut Luon-zniza et Sulpa de alpibus flu-unt, quid quid inter duas al- pcs habcmus; (J. 890 it. 970) ct ad civitatem Zuip (Ziub), quae modo suis colonis po-scssa inhabitatur, quidquid in ea nostrae poteslatis vel regiminis esse deprehenditur, atquc juxta Situm locum civitatis Jvipniza vocatum ').“ Zweving (Pfarre Hengsberg). Zwerndorf (P rar re Hengsberg). Zynt (Pfarre Vogau). Als Grafen dieses großen Hengestgaues urkundlich bekannt sind folgende: Markgraf Markward, Graf von Mürzthal und Eppenstein, I. 970. Markgraf Arnold II., Graf von Lambach, Wels und Plitten, I. 1043. Gottfried, dessen Sohn, I. 1042, 1045; und Ottokar V., Graf von Steier und im Traungaue, seit dem I. 1056 Markgraf der obern Karanta-nermark. Jedoch fast bei allen diesen fließt der gaugräfliche Am-bacht mit der Markgrasenwürde zusammen. In den Thälern der Sulm und Laßnitz finden wir zwischen den Jahren 1000 und 1041 ein Grafengcschlecht mit dem vorherrschenden Namen der Wilhelme begütert, und zugleich als Schirmoögte salzburgischer Kirchengüter daselbst. — Dieses führt auf die Bermuthnng, daß jenes Edel-geschlecht (ungewiß, ob eines und dasselbe mit den Grafen an der Saan, und zu Friesach und Zeltschach?) auch Antheil am gaugräflichen Ambachte, vielleicht in dem Ilntergaue an der Sulm und Laßnitz des großen Hengestgaues getragen habe. Gleicherweise ungefähr von dem Jahre 1070 bis 1124 finden wir die Nachkommen der Markgrafen an der Saan, der Grafen von Weimar und Orlamünde, Poppo Starchand, Ulrich und Werigand am Radelgebirge begütert, so wie den Grafen Askuin (I. 1041 — 1060) den Schirmvogten der kirchlichen Institute zu Gurk. — Nicht unwahrscheinlich ist Einer von diesen, eben beim Erlöschen der Gauenverfassung, nach den Wilhelmen, im gräflichen Ambachte des Untergaues an der Sackau oder Sagau, Sulm und Laßnitz gefolgt? Die um Eibiswalö begüterten Eöeln von Witenswald, Graf Weriant und Rudolph, fallen gleichfalls schon in die Auflüsungsepochc der Gaue "). 1) Zuvavia, Anhang, p. 95. 114. 187. 323 - 324. 232. 239. 246 . 251. DieUeberbleibseleiner uralten Stadt, wahrscheinlich Sulp, Sulm, Solva genannt? und unterhalb Leibnitz, bei Wagna, nahe an der Mündung der vereinigten Flüsse Laßnitz und Sulm in die Mur gelegen. 2) Juvavia, p. 187. 223 - 224 246. 250. 251. 253. 282. - Monument. Boic. XXIX. 1. 76. Der Runegau, Runagau, Riungau, Reingau. (Pagus Runa, Rune, lliuna-, Run, Rünia, Rowna, Raina). Der Rungau war im Norden begränzt von dein Leobengauc, im Westen von der cetischrn Gebirgskette, welche ihn zum Theil vom großen Krabatgaue, oder Undrimthalgaue trennte, tut Sü'd-wcstcn zum Theile, und im Süden von der weitausgedehnten Hen-gestgrasschaft; ivie iveit er sich jedoch nach Osten zu (vielleicht bis an die Raab?) erstreckt habe, und wo er mit dem Dudleipagaue-und nordöstlich mit dem Mürzthalgaue und mit der Markgrafschaft Püttcn zusammengetroffen scy, ist aus gänzlichem Mangel urkundlicher Nachrichten nicht mehr nachzuweiftn. St. Lambrcchtcr Ur-kiinöen bezeichnen wörtlich Quelle und Bächlein an der Mur bei Nöthelstein als die Gränzinark des Leobengaucs gegen Süden '). Urkundlich kennen wir im Rungaue folgende topographische Namen: Aertzwaldc (Pfarre Gradwcin). Agriach (Ecclesia 8. Georgii ad. Adriach bei Fronleiten im Bezirke Pfannbcrg). Rarrochia in Adriach. Rer.nthal (Alpengegcnd bei GciS-thal). Brun (in officio Eggen leid trans Mu ram). (Chalehekke (Pfarre Gradwein). ln Cherl (Pfarre Gradwein). phunenberg (Kainbcrg, Schloß und Bezirk am Schöckelberge). (ioII is pulcher (Pfarre Gradwein). DulJgen (in officio Eckenveld trans Murani). ln Eckenpcrge (Pf. Gradwein). EckenvcId (Eggenfeld in der Pf. Feistritz an der Mur bei Peggau). Eisengor et in Erzwald (Erzwald im Bezirke Waldstein, in der Pfarre Feistritz). Erzwald (sylva) Aerlzwald, Feultritz (Pfarre Gradwein). In Feutz (Pfarre Adriach). Foramen. In Foveis (Pf. Grad-lvcin). Friesach (Friesach, Gegend des Bezirkes Peggau), Frisaca (Pfarre Gradwein). Geizthal (Gegend und Pfarre St. Jacob im Geisthal, im Bezirke Rein. — Alpes, ijuae vocan-tur Gcizlhal). Gradwein, Grad win 1187, Villa Gred wein (Marktflecken und Pfarre St. Ruprecht, in Parochial i Ecclesia S. Ruperti in Gradwein, Gradwein bei Rein, im Bezirke Rein). Guckenbach (in der Pf. Rebel-bach). Haeuninge (Pfarre Gradwein). Helfenstein Schloßruinen Helsenstein, zwischen Stübing und Hörgast beim Enzenbache). Henneperge (Pfarre Gradwein) Mo ns Herigoz, Ilerganzze (Pfarre Gradwein). Houlochen (Pfarre Gradwcin). Huntstorf, Huntestorf (Pfarre Gradwcin). Ad Judaeos (Judendorf bei Straß-engcl und Gradwcin). *) Prope fluvium Morani inter fontem jux ta Rotinstein, Mu" Marolitt ct . comitatus Liuliana termin,vntur. (St. Lambrcchtcr Saalbuch.) Kyboch (Pfarre Gradwein). Lever (Leber im Bezirke Gösting auf der Laba, „Leber"). Libul superius et inferius (wahrscheinlich Stibul). ln Losach. Luoge munitio (Ruinen der Burg Lucgg bei Semriach. Mora (fluvius, Murfluß). Moutilistat (Maulstatt am Vrei-tenaubach an der Mur, Gegend im Bezirke Bärneck). Nazzowe (Pfarre Gradwein). Padel (an der Mur, oberhalb Peckau, die Badelwand). Pecah, Peccah, Pekach (Peckau, Schloßruinen und Ortschaft oberhalb Grätz, im eigenen Bezirke). Peschen (Pfarre Gradwein). In Peul (Pfarre Gradwein). Phannenberch, Pfanberg (Schloß und Herrschaft Pfannberg, zwischen Peckau und Fronleitcn). Piscina (Wiare) Milit.es de Piscina (Schloß und Bez. Weier bei Frohnleiten). Plankenwart, Blankenw. (Plan-kenwart, Schloß u. Bez., nordwestlich von Grätz). ln PI es che (aufd. Plesche b. Rein). Posend. In Prunne (Pfarre Gradwein). Habenstein (vielleicht auch Harnstein ? — Rabenstein, Schloßruinen zwischen Adriach u. Feistritz an der Mur). Baeze (Ratz in der Pfarre Kum-berg, im Bezirke Kainberg). Gewisser aber ist: Reze, Retz (villa) in der Pfarre Gradwein (Retzen) Gegend im Rötschgraben bei Peckau. Reysinger (super, Pf. Adriach). Rotenstein, Rotinstein, Rotilin-stein, Retenstein; auch Rotternstein , Routilstein (Ortschaft u. Pf- Rötelstein an der Mur, im Bezirke Weier ober Fronleiten. Rune vallis dieta, Runa, Rune, ltiuna (Locus Praedium. — 8. Maria ad Rune — Rein, Cisterzienser - Stift, mit dem alten Schlosse Run, Runa, oberhalb Gradwein im eigenen Bezirke). Schirneul (Pfarre Gradwein). Bedinge (rivus, Södingbach, dem hintersten Geisthale entfließend). Bedingen (Alodium Großsöding, Schloß und Herrschaft?). Sekkel (Schöckclberg, nördlich von Grätz). Sembriach. Solitudo inferius juxta Steindorf. Sonegorestorf. Stallhoven (Stallhofen, im Bezirke Greißcncck mit Pfarre St. Nikolaus. Steindorf — juxta Solitudinem. Steyndorf (Pfarre Adriach). Strasindl, Strazzingel, Strazino-lus, Strazinola (Straßengel im Bez. Nein, bei Judcndorf und Gradwein, oberhalb Grätz). Stocheim (Slockheim, im Bezirke Kainberg am Schöckel, Pfarre St. Radignnd). Stuebnich, Stubenich (inferior) Stubenick, Stubiach, Steibe-nich (Stübing, Ortschaft und Schloß bei Feistritz an der Mur, Peckau gegenüber. Auch Stübing St. Anna in Stübing, Stübing-graben im Bezirke Waldstcin, in der Stübing). In Talge (Pfarre Gradwein. Sty-czenbach, Pfarre Gradwein). Tibolle (Stiboll — in ipsa villa). Toblecke (Pfarre Gradwein). Tullach (Pfarre Gradwein). Ubelpach (Markt liebelbach im Bez. Waldstein, villa). In Urewitz (Pfarre Gradwein). Varraecke (Pfarre Gradwein). Vclegan (Pfarre Gradwein). Vcrgeunz (Psarr Adriach). Veustrize,V ustriz, W istrice, circa iluvium Mnrum et Stube-nich (Feistritz, Marktflecken bei WalLstcin an der Mur, Peckau gegenüber, am Ilcbelbache im Bezirke WalLstcin). Waltstein (Waldstein, Schloß u. Bezirk im Thale Le6 Uebelbaches). Wcncinstorf (Pfarre Adriach). Weingarten (Pfarre Adriach). In Werde ultra iluvium Muo-ram — bei Stübing und Feistritz. Wiare (Schoß Weyer). Willendorf (Willersdorf im Bezirke Kainberg, Pfarre St. Radegund am Schocket). lieber die Gaugrafcn des Rungaues sind wir urkundlich nur gar wenig unterrichtet; ungeachtet schon um das Jahr 881 ein edler Mann Vodilhelm oder Wilhelm als Güterbesitzer in demselben vorkömmt. Als wirklichen Grafen im Rungaue kennen wir allein nur den Grafen Walt oder Waldo von Rune oder Riune, vom Rcinthale '); welcher der letzte seines Stammes sein väterliches Gut und Stammschloß, das Gehöfte Rune oder Runa, dem Markgrafen von Steier, Ottokar VI., Vater Leopold des Starken, des Stifters von Rein, übergeben hatte (wahrscheinlich nach dem Jahre 1104) I 2). Dieser Waldo oder Wald, Graf von Rein, ist wahrscheinlich der Erbauer des von ihm so zugenannten Schlosses Walöstein? — Der Leubengau, Liubongau, tzeubenthalgau, Leobenthalgau. (Pagus et comitatus Linbana, Leubna, Leoben, Liubinatale, Liupanatale, Leubenthal.) Die Grafschaft zu Leoben. Den Leobenthalgau umgaben im Westen der Paltcnthalgau und der Krabatgau oder Undrimthalgau, im Norden und Osten die große Walömark und der Mürzthalgau, und im Süden der Rungau, mit welchem er an einer Quelle und an dem davon an die Mur abfließenöen Bächlein zusammentraf. Zahlreiche Urkunden von Salzburg, Goß, Admont, Seckau, St. Lambrecht, Traunkirchen , Rott und Bamberg in Baiern geben folgende Topogra-Phie dieses Gaues: I) Im Todtenbuche von Rein wird er genannt: Waldo Marehio, nnus de fundatoribus nostris* Dipl. Styr. II. 338* ') Iuvavia, Anhang, p. 95. 104. 251. — Per., Anecdot. VI. 286. Urkundenbuch von St. Lambrecht, Diplom. Sacr, Duc. Styr. H. v> In Aertzt, Aerzperch (Eisenerz — Jnnerberg, der Erzberg; fca< her auch zusammen die beiden Orte Vordernberg ».Jnnerberg). Aiche (Curtis), In Augia (in der Au, Licsingau). Chamera, Chamere , Kamera. Ecclesia St. Joannis (Pfarr-ort St. Johann in Kammern, im Bez. Ehrenau im Liesingthale). Cheichelwanche, Cheichelwang, Chichelwanche (Pfarrort Kahl-wang an der Liesing, Sk. Oswald in Kahlwang, im Bezirke Ehrenau). Clirump (Krumpenthal in der Pf. Trofaiach). Chumpfmül (Gegend in der Pf. Proleb). Chienainode; „von der Hohinwart und von Chinainode vntz an die;" — also Westgränzcn des Leobnercomitates und Landgerichtes St. Peter bei Leoben. Cletschach (Kletschach und Klat-schach, Gegend des Bezirk. Göß und der Pfarre Proleb). Coah, Cocech Praedium (Gegend in der Pfarre Proleb). Costiza villa (Göß). 8. Dionysii Ecclesia (Pfarrort St. Dionysenb. Bruck a. d. Mur). Dolach (Gegend im Liesingthale. Tolnich curia). Dumerstorf, Dumierstorf, Timerstorf, Tummerstorf (Tin-nerstorf und Timmerstorf, Dorf in der Pfarre Kammern, an der Liesing, im Bezirke Ehrenau). Donewitz, Dumwitz, Tunwitz (Donawitz am Vordernbergerba-che, zwischen Leoben und Trofaiach: „auf der Donawitz!" I)uringstorf,vyrinstorf (bei Kammern). Edlingen (bei Mautern an der Liesing). Eisenerz, Eisenärzt, Eysenärzt interius; Villa (Marktflecken Eisenerz oder Jnnprberg, d. h. innerhalb des Erz- oder Eisen-bergcs, im Gegensätze von Eisenärzt anterius oder Vordernberg). Ern reise (Ehrenfels, Schloßrui-ncn im Liesingthale, zwischenMau-tern und Kammern, nicht weit von den Ruinen der Burg Kam-merstein). Esilberg (Eselsberg in der Pfarre Mautern an der Liesing). Freistein, Freystein (Freistem, Freienstein, Schloß und Bezirk zwischen Leoben und Trofaiach). Gaizpach (im Liesingthale). Gauzinpach (ehemals bei St. Peter bei Leoben). Geudinperg (im Liesingthale). Glasdorf (bei Kammern). Glanz (int Liesingthale). Gnessach (bei Kammern). Goessia, Gossia, Cossia, Gösse Locus, Monasterium 8. Mariae et 8. Andrae. — (Pfarre St. Andrä zu Göß). Goestem (area Muera circum-data). Goestaris (villa. Göß, Pfarrort an der Mur bei Leoben, mit dem Gebäude des ehemaligen Bene-? diktinernonnenstiftes). Gomplach (im Liesingthale). Goyndorf (im Liesingthale). In Gradin (bei Kallwang). Hafnarn, Havcnaren (Hafning, Gegend des Bezirkes Freienftein, der Pfarre Trofaiach, zwischen Vordernberg und Trofaiach). In Haginpach (Hagenbach bei Lie-singau). Hasinveld (bei Kammern). Hessinberge, Hessinperge (Hessenberg, Gegend des Bez. Freienstein). Hohinwarte (Gebirgshöhe; scheint die Westgränze des Landgerichtes St. Peter bei Leoben, und folglich auch des Gaues gewesen zu seyn). Ecclesia 8. Jacobi in Liuben (Kirche «st. Jacob in der Stadt Leoben). Judcndovf (Judendorf im Bezirke Massenberg in der Pf. Leoben). Leibentz (im Liesingthale) Let-schach (im Liesingthale). Leubna locus, Leuben, villa Liu-bina (Stadt Leoben an der Mur; auch Liuben castrum, wahrscheinlich Massenberg?). Leuben rivus (Leobenbach). Leubna vallis, Liupinatale. Liesnicke, Liestnicha , Liezni-cha, Leusnich — iluvius (tie Liesing, entspringend in der Liesing nördlich an den Gaileral-pen, und bei St. Michael in die Mur einmündend). Liestnich (Dorf Liesing bei Kammern. — Auch St. Michael an der Liesing bei Leoben) curia Lysnick. Lombinch, Lomnich (in pago Liubental, St. Nikolaus in der Lobining, bei St. Stephan und Kaifersberg). Lonka (im Liesingthale). Jjonsach (der Lainsachgraben; auch r in Losach). Macwisen (bei Mautern). 8. Maria capella in Leoben, Liuben (Maria Wasen, in der Wasenvorstadt bei Leoben). Massenberch, Masslenb. (Schloß und Bez. Massenberg bei Leoben). Maystein, Meidstein, prope ri-vum Leisnick. Meizzenstein, Meichenst. (Malt-stein, im Bez. Massenberg, oberhalb St. Michael). Mel, Meie, Meel, (Villicatio) Schloß und Gut Mell bei Tro-faiach. In Mellnich (in der Melling bei Kallwang). Michilindorf, Micheldorf — ecclesia 8. Nicolai (Micheldorf bei Leoben). 8. Michaelis,' Parochia in Lies-nich, Liestnich (Pfarre St. Michael der Liesing ober Leoben et matrix ecclesia ecclesiarum. 8. Nicolai in Mautern. 8. Jo-annis B. ad Chamern, 8. Ruperti ad Treviach. 8. Aegi-dii ad Nendingestorf. 8. Georgii ad Chrawat. Capella 8. Salvatoris. 8. Stephani. 8. Walpurgis. 8. Jacobi et 8. Petri apud Liuben, Ecclesia Goessensis, Prielepensis und Tragoessensis). Mons sclavicus (Windischberg im Bezirke Goß). Mora, Muera iluvius. Motschindorf (b. Kammern) Mut ■ schündorf. Mulldorf (Mühldorf und Mühldorfgraben im Bezirke Göß). Moutarn, Mutarn, Mutaren — ecclesia 8. Nicolai (Marktstecken St. Nikolaus in Mautern an der Liesing, im Bez. Ehrenau). Nentingestorf, Ecclesia 8. Ae-gidii — circa Liesnich (besteht heut zu Tage nicht mehr) Nendistorf. Niderntorf (Niederndorf im Friesachgraben bei St. Michael). Nidertrum (Niedertrum, Gegend der Pfarre Trvfaiach, zwischen Vordernberg und Leoben). Oberpach (im Liesingthale). Oberdorf (Oberdorf, Gegend bei Bruck an der Mur und in der Pf. Bruck, im Bez. Landskron). 8. Oswaldi ecclesia in interiorf monte cathmiae ferri — zu Eisenerz am Erzberge. Jnner-bcrg im Eisenerz). Pacharn (Gegend bei Bruck im Bezirke Landskron). Parneck, Pernecke castr. (Bärneck an der Mur, Schloß u. Bez.).' Pfaeffindorf, Phavendorf (Pfas-fcndorf im Bezirke Ehrenau an der Liesing). Perdille (Swaig bei Chetchelwang auf der Perdille). 8. Petri Ecclesia in Liuben (St. Peter bei Leoben, im Bez. Freienstein, zwischen Leoben und Tro-faiach) ad 8. Petrum castrum (St. Peter bei Leoben. — Schloß u. Gut Friedhofen, zwischen Tro-faiach und Leoben). Pretoch (Prelach, Gegend der Pf. und des Bezirkes Göß). Prieleb eccles. 8. Martini (Pfarr-ort St. Martin in Proleb, zwischen Leoben und Bruck an der Mur int Bez. Goß). — Prieleb ecclesia 8. Viti (St. Veit am Veitsberge bei Leoben, Veitsberg im Bezirke Göß). Prukka, Prukke, Prucca (Stadt Bruck an der Mur). Prunne (zwischen St. Michael u. Kaisersberg bei St. Waldburgen). Raunach, Reunach (Ranachgra-ben und Vach im Bezirke Eh-renau an der Liesing). In Rinne (iut Liesingthale auf der Rinn). — Rinne, Ostgränze des Gaues und des Landgerichtes St. Peter bei Leoben; „unser Landgericht von der Hohinwart und von der Chinainvde und an die Rinne bei Roetenstein." Rousnitz, Rute, Route (bei St. Walburgcn zwischen St. Michael und Kaiseröberg). Sawisdorf supra Hessinperge (Hessenberg bei Leoben). Scadelhofen. Seits, Seitsch, Sitse (Sei; tut Liesingthale, St. Benedikt in Seiz, zwischen Traboch und Kammern). Sperwaerspach (tut Liesingthale). Stegwaldis (wahrscheinlich die Gegend Stegemühl oder Stögemühl an der Liesing ober Kallwang). 8. Stephani pons (Brücke über die Mur, zwischen St. Stephan und Kaisersberg). In Teich (in der Teichen bei Kall-wang). Tolnick, Dollnick (Gegend der Pfarre St. Michael an der Liesing bei St. Wallburgen, beim Dollimayer genannt). Treboche (St. Nikolaus in Traboch an der Liesing, Pfarre St. Michael im Bezirke Massenberg). Treuesse (Traföß in der Pf. und im Bez. Bärneck an der Mur). Treviach, Trevia, Trivaiach (ecclesia 8. Ruperti. — Tro-faiach, Marktflecken am Vordern-bergerbache zwischen Leoben und Vordernberg, im eigen. Bezirke). Tryntisperge (ob Donewitz). Tudnich (im Liesingthale). Ugendorf (wahrscheinlich Gegend Ilgenthal, nordwestlich von Bruck a. d. Mur, im Bez. Landskron). Uts, Utsch, Utse (Utschgraben, Utschthaloder lltschbach und Thal im Bezirke Landskron bei Bruck an der Mur). In Veutschier (Feitscherberg bei Jimcrsdorf). Vohenlug (im Liesingthale). Waltenpach, Waltinpach (Wal-tenbach im Bezirke und in der Pfarre Leoben). 8. Waltpurgac ecclesia— (St. Waldburge, Filialkirche zu St. Michael an der Liesing, im Bezirke Massenberg). Widriach (im Liesingthale). Witsperch (Vcitsberg. Castrum inferius Witsberch, castrum superius ibidem). Wolfbach (int Liesingthale). Wolfgrub (int Liesingthale). Wunsach (bei Kammern). Zlatina locus und l'ivus Zlatina, (Schladnitzgraben und Schladnitzbach). Zuhdol, Zuchedol (Zuckdol bei Leoben; oder Zuckerthal im Bez. und in der Pf. Oberzeyring). Die Gegenden des Licsingthales, des Murthales um Bruck an der Mur, und an der Mürz erscheinen schon in Urkunden des Jahres 861, und Leoben oder Linbina ausdrücklich im I. 890 '). Uralt ist demnach hier überall die Gauenverfassung, bis in die Zeiten Karls des Großen, ja wohl gar in die baioarisch-agilolfingi-sche Epoche hinaufreichend. Indessen treffen wir erst um das Jahr 904 auf einen Grafen Ottokar urkundlich genannt. Dieser war Ottokar I-, Gaugraf im Traungaue, Sohn des altberühm-tcn Aribos i„ Markgrafcns in der Ostmark, bereits begütert um Leoben, wo damals auch sein Sohn Aribo H. von K. Ludwig mit Land und Leuten großmüthig beschenkt worden ist. Da kein Graf in mehreren Grafschaften zugleich, als nur in einer Einzigen, gaugräflichen Ambacht getragen hatte, so darf man diesen Ottokar I. nur so lange als Grasen im Lcobnercomitate ansehen, bis er zur Verwaltung des Traungaucs (I. 906) nach seines Vaters Tod gelangt ist. Um diese Zeit mag ihm dann auch der obengenannte Sohn Aribo li. in dem Gaugrafen-Ambachte in Leoben gefolgt seyn. Nach diesem scheint der Sohn Aribo III. nicht sogleich die Gaugrafenwürde erlangt zu haben; denn um das Jahr 925 lesen wir bei Spende und Gütertausch an der Liesing und Mürz als Zeugen die Grafen Randolph, Gundbolö, Engilbert und Hauwart. Sehr wahrscheinlich war damals von diesen einer der Gaugraf des Leobncrcomitates. Als Herr um Leoben und Kraubat erscheint Aribo III. um die Jahre 955 bis 973. Wahrscheinlich war er damals schon auch Gaugraf zu Leoben. Denn ihm folgte im Ambachte sein Sohn Aribo IV., Psalzgraf in Baiern, Stifter von Scon I. 999 und Mitstiftcr von Goß, welcher von Gicht und Schlagfluß gelähmt, bereits schon vor dem Jahre 1023 die Verwaltung des Leobengaucs seinem Bruder, Graf Eberhard überlassen hatte. Nach der vollendeten Ausscheidung der ober» Ka-rantanermark in der Gewalt der Grafen von Lambach, Wels und Putten, Arnolds II. und Gottfrieds — scheint auf Eberhard kein anderer Gaugraf mehr gefolgt zu seyn; wenigstens ist urkundlich keiner mehr bekannt "). *) Juvavia, Anhang, p. 95 — 114. 2) Juvavia, Anhang, p. 95. 139 — 140. — Ekkhard, Script. Germ. I. 84 — 86. - Mcichelb, Hist Fries. I. P. I. 166. — Dipl. Sacr. Duc. Styr. 1. 3. - B. Pez, Anecd. VI. 403. — Vorzüglich die Saalbücher der Sliste zu Admont, St. Lambrecht und Seckau. ©G Der Mürzgau, Gau an der Mürz, der Mürzthalgau (P agus Muriza, Moriza, Muoriza, Muer za, Murtze) Murzthal, Mörzenthal). Der Mürzgau umfaßte das heutige Mürzthal mit den Sci-tenthälern nach Osten und Westen bis auf die Höhen der Gebirgsketten zu beiden Seiten. Südlich und westlich umschlossen ihn der Leobnercomitat, im Nordwesten das rotite Bergland der alten Wald mark bis an den Ennsfluß und an die Gränzen der Ostmark hin, nördlich und nordöstlich die Berge von Semmering bis loo die Quellen der Feistritz sind, welche Berghöhen ihn von der Grafschaft Witten trennten, und im Osten jener Gau, welchen die obern Thäler der Laffnitz, Feistritz und Raab gestalteten. Urkunden von St. Lambrecht, Göß, Admont und Salzburg geben folgende Topographie dieses alten Gaues: Aripundorf, Arindorf, Armdorf . (Arndorf, Gegend des Bezirkes Kapfenberg, insgemein in der • Laming genannt). Arzt (wahrscheinlich der Eisenerzbau in derGollrath, zwischen Seewiesen und Wegscheiv gegen Mariazell; die Urkunden sagen: Cum Kudure, quod arz dicitur), Äsbach (Bach und Graben Aschbach am Seebcrg und der Roth-soll im Bruckerkreise). Avclance vallis (Afflenzthal). Avoloniz , Avelinze, Avolen-ze, Avoloniza, Ablanza (eccle-sia, ibidem constructa) Thal, Marktflecken St. Peter in Aff-lenz und Bezirk im Bruckerkreise, im Nordwesten des Mürzthales). Cella (Maria Zell, Marktflecken und Wallfahrtsort im Bruckerkreise). Celiam lacus apud (Erlaffsee bei . Maria Zell). Hospitale in Cerewald, Cerwald, Cerewalde, Cerewaldus, Cor-waldis (die Waldgegenden um den Semmering zu Spital am Semmering. Spital am Semmering selbst). Capfenberg, Caplinberg (Marktflecken Kapfenberg an der Mürz). Chapell (Chapellen in Mürz-tlial ; Kapellen im Bezirke Neuberg. St. Oswald zu Kapfenberg, auch Schloß Oberkapfenberg und Bezirk). Crotendorf (Krottendorf im Bez. Wieden, Pfarre Kapfenberg). Chruglach, Chrueglach (Krieglach, Marktflecken, St. Jacob in Krieglach, im Bez. Hohenwang). Chineberch, Chindberch (Kindberg, Marktflecken im eigenen Bezirke). Chrumpen (Krumpen, zwei Thäler (Krumpen) in der Gegend von Neuberg-------In der Krum- pen ist auch ein bedeutendes Thal bei Trofaiach). Chindethal (Kindthal im Bezirke Oberkindbcrg). Dobryn — Nemus. (Waldgegend in der Veitsch. Tobrein ist auch eine Gemeinde im Bez. Neuberg). Domiahe, Domahe (Villa wahrscheinlich Diemlach, Gegend des Bezirkes Unterkapfenberg). Erndorf (Arndorf in der Pfarre Bruck, im Bezirke Kapfenberg). •Foezer (villa in Cerewald; vielleicht Gegend Fotz in der Pf. und im Bezirke Asflenz). Frosclmize (cum Alpe, Gegend des Bezirkes Neuberg in der Pf. Spital am Semmering, Frösch-nitz mit dem Thalbache Frosch-nize amnis — Fröschnitz). Grazniz (villa — Graßnitz, Gegend des Bezirkes und der Pf. Aflenz). Ad Gschaid (Wegscheid in der Weg-scheidc, Gegend zwischen Seeberg und Gußwerk bei Mariazell). Guotenbrunn (Gutenbrunn, südwestlich bei Mürzzuschlag). Halle (Hallthal in dem Bez. und in der Pfarre Mariazell). Hausenberg (bei Neuberg). Hohenwart (bei Neuberg). Kimundi (ad Muorizam — Ein-öd, Gegend des Bezirkes und der Pfarre zu Bruck an der Mur. Wahrscheinlicher noch Einöd, oder der Thörlgraben, dessen Wasser, der Thörlbach, sich in die Mürz einmündet. Lan alpes (Lahnalpe bei Neubcrg). Launach usque (Pillichsteiu, Bcrggegendcn im Thale Tragöß). In Lomen (wahrscheinlich in der Laming, nordwestlich von Bruck, St. Katharina in der Laming). 8. Mariae Ecclesia in comitatu qui dicitur Mürzthal (St. Ma-rein im Mürzthale, im Bezirke Wieden). Mirocendorf (in Murtze — an der Mürz, im Mürzthale). Muoriza, Moriza Kimundi. Ad Moriza cum ecelesiis et de-cimis (Mürzfluß und das ganze Mürzthal). Murzhofen (Mürzhofcn, St. Johann Baptist, im Bez. Wieden). Murze Otakarus Plebanus de Murce. — Muertz Villa et pa-rochia — Murtzuhlage (Mürzzuschlag). Pacte. - . / Parschlueg, Porsenloge (Paschlug im Bezirke Wieden, Pfarre Lcrenzen). Perntal (Gegend bei Neuberg). Pillichstein (Bergnamen im Tra-gösserthale). Pirkenwank (villa — vielleicht St. Andrä zu Langenwang, im Bezirke Hohenwang). Porsenloge, Parschlueg. — Pozzendorf (vielleicht Pötschcn, Pötschach, Gegenden des Bez. Wieden; od. wahrscheinlicher Pal-bersdorf im Bezirke Asflenz). Badisen (aqua et vallis? Bei Neuberg). Retenpergc. In Rudere, Artz (Eiscnerzberg-werk in der Gollrath). Scalchdorf (Curtis in comitatu Mürzthal. Wahrscheinlich im Aff-lenzthale, oder in der Veitsch, wo wenigstens die Gcbirgsbenennun-gen Schalleralpe, Schallerkogel Vorkommen). Schergendorf (Schörgendorf, Gegend und Gemeinde des Bezirkes Unterkapfenberg). Scohitz (Gegend der Pf. Asflenz). Selnitz (Selsnitz, Gemeinde und Gegend im Bezirke Wieden). Semernich, Semerinch, Saeme-rinch (Semmeringberg). Spiegelvelde (Spiegelfeld, nordöstlich bei Kapfenberg, Schloß u. Herrschaft). Stawenz (an der Stainz, Stainz-graben, Seitengraben des östlichen Mürztbales). Tragoesse (Thal und Bach Tragöß im Bez. Unterkapfenberg). Tragösse capella S. Mariae Mag-dalenae in St. Magdalena in Tragöß). Turno, 'I'urnow (Turnau, St. Jakob in der Turnau, im Bezirke Asflenz). , Tychendorf in Mürzthal. — Vitscha (Nemus — Großveitsch Wartperch, YVartenperch (C'tt und Kleinveitsch im Bezirke und und Pfarre St. Erhard in Martin der Pfarre Afflenz). berg im Vez. Obcrkindberg). Um das Jahr 925 erscheinen in den salzburgischcn Saalbü-chcrn bei Bcsitzesveränderungen ans Gütern an der Liesing im Leobenthale und an der Mürz die Namen der Grafen Rantolph, Gundpold, Engilbert und Hawhart; und salzburgische Besitzungen an Land und Leuten zu Bruck an der Mur und an der Mürz schon in den Jahren 861 und 890. Daraus darf man auf das hohe Alterthum des Mürzgaues schließen, und daß einer der genannten Grasen diesen Gau zu Anfang des zehnten Jahrhunderts verwaltet habe. Wahrscheinlich war er aus dem uralten Geschlcchte der Grafen von Mürzthal und Eppensiein, welche seit dem Jahre 970 ungefähr diesen Gau in Ambacht gehabt haben. Gleichfalls aus diesem Edelgeschlechte (vielleicht ein Bruder Adelberts des Herzogs in Karantanicn) war der Graf Turüvgo, welcher vor dem Jahre 1023 als Gaugraf im Mürzthale erscheint. Wer auf diesen gefolgt ist, wissen wir nicht. Um die Mitte des eilften Jahrhunderts verwaltete diesen Gau Marquard II. von Mürzthal und Eppenstein, bis er zur Beherrschung des Herzogthums Karantanien gelangte, und die Gauciioerfassung ihrer Auflösung sich näherte '). An den Mürzthalgau schloß sich nördlich und nordwestlich das weite Walüland, die sogenannte Wald mark an, und dehnte sich jenseits der nördlichen Felsengebirge von den Quellen der Salza und Mürz bis über Hicflau an der Enns und bis an den Einfluß der Lausach in die Enns, und von den Hochgebirgen, welche Steiermark von Unterösterreich trennen, bis an die Felsenketten, welche die Nordgränzen des Leobengaues und der großen Grafschaften des Enns- und Paltenthalcs bilden. Die topographischen Benennungen haben salzburgische und admontische Urkunden aus dem Ende des eilften Jahrhunderts ausbewahrt, welche den ganzen Umkreis dieses weitausgeöehntcn Waldlanües, der heutigen Herrschaft Gallenstein von Süden, Osten und Norden nach den Hauptbenennungen der Gebirshöhen und Alpen folgender Massen bezeichnen: ’) Juvavia, Anhang, p. 18. 05. 115. 126. 130. — Dipl. Duc. Styr. I. p. 14. - Pcz, Anecd. VI. 285: „In pago, qui vocatur Muriza, in comitatu, qui nuper fuit Turdogonis I. 1033. Pladinalpe (auf der Pladen). Jonspach (Thal Johnöbach). Hartwigespach (HartwigSbach). Niwenpurch (Neuburgalpen). Petra, quae dicitur Want (an der Wantau, Wanderbrücke). Wulcisalbe, Laimpach (in Laimbach). Puchperch, Gemze (in ber Gams). Susinbach (Seifenbach). Wildalbe (Wildalpen). Pernwach (Pärnwag). Greideralbe (auf der Greiderin). Grasalbe, Laznichalbe (Gras-alpe und Lasingalpe). Frame alpis (Pramalpe). Kametzenstein (Gamsstein). Ozlichalpe (Oeßlingalpe). Liupachhals (auf dem Hals). Frodniz (in der Franz). Luzach (Lausachthal). Puchowa (auf der Pucbau). Pabenwiesen, Tomveralpe, und Warmperge. In diesem weiten Umkreise bezeichnen die uralten Urkunden auch noch folgende Flüsse und Bäche: Anesis Humen (Ennssluß). Fluvius Jonspach (der Johnsba« cherbach). Laznich minor (die kleine Lassing). Salzach (SalzaflußJ. Laznich rufa (die Rothlassing). Laznich major (die greste Lassing). Monlich fluvius (Mandlingbach). Ozlich fluvius (die Ocßling). Luzach (die Lausach). Ecclesia et Polyandvium 8. Galli in sylva nova (im heutig. Markte St. Gallen) gegründet um das Jahr 1150 '); Castrum Gallenstein (Schloß Gallenstein), erbaut um das Jahr 1280. Uralte aömontische Urbarien geben noch folgende Bezeichnungen, welche fjcuf zu Tage noch die nämlichen sind: Rabenstein. Mulawe, Geswant. ln Steinaech. In der Salzachowe. In dem Winthage, In Puchaech. Ufern Uebergang. In der Gaemz, In Leimpach. In der Sulzaw. Super Souruzil. ln Spitzcnpach, In Fossato. In ponte. In Tumpawe, In campo. In Speichweg. Super Purchstal. In Augia. In Reifnich. In der Gamsowe. In profundo Fossato, In Chripawe, Im Reut. In der Ozzlich. Super Oezlich. Super Scheffau. In Schwavzzinpach. In Angulo. In Haimpach. Super Mulstein. Super Zcmpfreut. Super Hasenreut. In dem Hemermoos. Super Hals, Ufern Hals. f>4 .Undcrm Hals. In Hinterhals. In Haimpachhowe. Super Hohinawe. In der Steinawe. Super Hinterwart. In, Vorwart. In der Hinterawe. In Vorawe. Im Graben. In. Weizenpach. In Oberhof. In Oberreut. In foro (Markt St- Gallen). In dev Steinawe. In der Escheinawe. Antiquum forum (Altenmarkt).' Extra Louzach. Super Louzach. Aus diesen zahlreichen Bezeichnungen der vorzüglichsten Ge-birgshöhen, der Flüsse und Bäche und der bedeutenderen Gegenden in dem ausgedehnten Umfange der sogenannten alten Wald-march (S. Galli in sylva, in Silva nova), welche alle meistens dem eilstcn und spätestens dem zwölften Jahrhunderte angehören, ersieht man klar, wie auch dieser seiner Benennung nach für unbewohnt und verödet zu haltende Th eil der obern Steiermark frühzeitig schon bebaut worden ist, und bewohnt war '). Der Kraubatgau, Krabatgau, der Undrimgau, Undrim-thalgau, der Gau des obern Murthals (Pagus Chrow at, Chrauwati, Crawati, Undrimatala). Der Krabatgau oder Unörimthalgau bildete das ganze obere Murthal mit allen Seitenthälern. Dieser ausgedehnte Gau hatte tm Norden zum Th eil den Leobnerromitat und den Paltengau, einen Untergau des Ennsthalgaues, — im Westen den Lungau und im Süden den Gurkthalgau, den Friesacherromitat, und Truch-scnthalgau Karantaniens. Im Osten und Südosten trennte die Kette der cetischen Alpen den Krabatgau theils vom Rung au, theils vom Hengestgaue. Seit dem Beginn urkundlicher Nachrichten geben die Dorumente und Diplome von Salzburg, Freisingen, St. Lambrecht, Goeß, Admont und Seckau folgende Topographie des fruchtbaren Murgaues: Acozia. 8. Agathae ecclesia in Wenge (Schloßkapelle in der Propstei Zcyring). Aichdorf, Eichdorf (Eichdorf am Polsfluffe in der Pfarre im Bez. Jarrach). Ainoed (bei Knittelfeld). Allransdorf (bei Weißkirchen in der Gegend von Judenburg). Arbendorf, Arpindorf (I. 1060 gegen die Einöde zwischen Friesach und Neumarkt gelegen). t) Admonter Urbarbuch. C. n. 578. Go Arnoltisperch (gegen die Solitu-dinem Friesach — in der Einöde zwischen Friesach und Neumarkt). Baisick Baltsich (scheint Pols, oder Pvlshals zu seyn). 8. Benedicti capelia (St. Benedikten bei St. Lorenzen, in der Pfarre St. Lorenzen und im Bezirke Seckau gelegen). Bodepach, Bodpechach. Breitin uurch. Briwald (bei Murau und St. Lambrecht). Buch, Puoch, Buoch (Buch, M a-ria-Buch bei und im Bezirke Judenburg). Buhela, Puhela. Buissindorf. Bukes (Pux, Schloß und Herrschaft an der Mur bei Frojach unterhalb Katsch). Celtwic, Celtwich, Beivic(Zeltweg im Bezirke Farrach). Ceyrich (Forum) (3eiring, O-berzeiring, St. Nikolaus in Oberzeiring, Marktflecken). Chaisersperch (castrum — Kaisers b erg — altes Schloß und Herrschaft zwischen Kraubath u. St. Michael an der Liesing). Chatissa, Chatsa, Chatze, Katse (castrum — Katsch, Schloß zwischen Murau und Froiach im Bezirke Pux oder Puchs). Chienainode, Chieneinode — ad Chrowat de utraque parte flu-minis usque ad Betenstein, und in einer Urkunde vom I. 1.207: juxta descensum flu-minis Mure ex latere Eppen-stein usque in Chienainode, et Predegoi (Gegend Einöd bei Knittelfeld, Schloß u. Herrschaft ; wohl zu unterscheiden von der Einöde im Bezirke Lind, Pfarre St. Jakob, zwischen Neumarkt und Friesach). Chnutelfelde,Chnutelveld (Stadt Knittelfeld a. d. Mur zwischen Kraubath und Judenburg. Sehr wahrscheinlich hieß dieser uralte Ort ehemals Undrim, Und rima, von woher dann das ganze obere Murthal die Benennung Undrimatale erhalten hatte). Chumbenz , Chumpenza, Chu-benz (Ort und Pfarre Kobenz bei Knittelfeld, am linken Murufer im Bezirke Seckau). Chueperch (mons vaccarum — bei Seckau an der Geileralpe, inter Gradam et Püachschach situs). Chrotendorf (bei Judenburg). Chrawot, Chrowata (villa) Chra-wat (eccles. 8. Georg.) Chrou-vat. St. Georgen in Kraubath im Bez. Kaisersberg). Chrump. Cline (Glein, Gegend des Bez. Seckau, Pfarre St. Margarethen bei Knittelfeld). Colinoso. Corozsou (mons). Cozia (mons). Curolton (mons). Dietrichistorf, Dietrichst, (wahrscheinlich Dietersdorf, Gegend des Bezirkes und der Pf. Fohns-dvrf bei Judenburg). Donplachi. Duchumuzlidorf. Ebenberg, Ebenburch (bei Prop-stei Zeiring und Oberzeiring). Ekke juxta Obedach (Obdachek, Gebirgshöhe bei Admontbüchel). Enzinesdorf, Enzersdorf (in der Pfarre Pols). Eppenstein (Schloßruinen b. Weißkirchen bei Judenburg). Feustritz, Feustriz, Vcustr. (llu-vius et vallis) Feistritzbach im Bezirke Authal und Paradeis (Feistritzbach im Bezirke Seckau bei Knittelfeld). Gesch. D. Steiermark. — II. SO». 5 Feustriz (Nemus in — zur Stadt Judenburg gehörig). Fiustriz (St- Johann der Läufer in der inneren Feistritz im Dekanate Kniltetseld. Feistritz Gut und Gegend bei St. Peter im Kammerthale im Bezirke Rothenfels). Fitwigesakke (cacumen mentis). Flachsaha, Flatscach (juxta Moram. GegendFlaschachdesBez. Spielberg in der Pfarre Schönberg zwischen Knittelfeld und Judenburg). Forwiz (Alpengcgend bei Seckau, an der Geileralpe. Curia pas-cualis Forwiz). Fraunberg (castrum — Schloß Und Herrschaft am linken Mur-ufcr bei Ilnzmarkt). Frezen, Vrezen (rnons pascu-alis; wahrscheinl.Fressenberg im Bezirke Seckau, in der Pf. St. Marcin bei Knittelfeld). Friesach (solitudo — Einöde im Bezirke Lind, Pfarre St. Jakob, zwischen Reumarkt und Dürrenstein an der Hauptstraße nach Kärnten). Froiach i(Fr oza ch, Ort und Pf. St. Andrst zu Frojach, im Bezirke Puchs, zwischen Teuffenbach und Katsch). Ad Furti (Furth, im Bez. Pa-radeis bei Judenburg). Gaevacze (Alpengegend an der Gei- leralpen). _ 1 , Gamner, Decimae in et Obdach, Gamnarwald, Gaemnarwaid (bei Admontbüchel). Gezendorf (Götzendorf, Gem. im Bezirke Rrifenstein, zwischen Zeiring und Judenburg, Pfarre Pols). Geula (Gail, St. Peter in der Gail, Gailgraben, im Bez. Wasserberg). Gaeula (tiuvius - der Gailer- bach). Glanadorf, Glanasdorf. Glin (Cline -— Glein, Gegend Und Vach im Bez. Seckau, Pf. St. Margarethen). Gobernitz, Gowernitz, Gover-nitz (Gobernitz, im Bezirke Seckau, Pfarre St. Margarethen bei Knittclfeld). Goggendorf, juxta pontem 8. Stephani (St. Stephan ob Leoben im Bez. Kaisersberg). Gotestal (Alpengegend zwischen Seckau und dem Lieflngthale). Grada, in Undrim influens aqua (Gradenbach, im Bez. Seckau, in der Pfarre Seckau). Gradna (iluvius). Chraedniz duae, dextern et lae-va, Gradniz (Bach in dem Gebirge bei Admontbüchel am Pre-delberge). Grasekke (mons — Gegend im Bezirke Seckau» aus welcher der Mitterbach fließt). Gravenstein (wahrscheinl-d. Schloß Stein bei Teuffenbach). Gravenwart, a Lavendekk usque Gravenwart et Scobern (an den Judenburger-Alpen). Grazzlup, ist auch Novum forum Ncumarkt. Castrum in Graz-lup. Grazlupp (castrum — Gratz lab ehemals Burg und Herrschaft bei Mariahof im Bezirke St. Lambrecht, ja die gesammte Gegend um St. Lambrecht 1230). Grazlupa, Crazlupa, ecclesia 8. Mariae, et 8. Michaelis in (nach Stciergarstncr - Urkunden als gelegen in Carinthia. Mari ah of bei St. Lambrecht). Gumalachi. Gunthartesdorf (in valle Undri-ma). Gurzhaim, Gurzham, Gurtzheim superius, Villa (Kurzheim, im Bezirke Reifrnstein, Pfarre Pols). In der Helle (südlich am Noten-mannertauern, Hölleralpe). Hessinperg. Hezindorf (in ralle Undrima. Gegend des Bez. u. der Pfarre Fvhnsdorf). Sighart de Hecin-dovf. Hohinvvart (Gebirgshöhe bei Admontbüchel). Horlachbach (inlluit in Choed-driz — Gebirgsbach bei ALmont-büchel). In Hove (cella 8. Mariae et 8. Michaelis in Grazzlupa, ec-clesia in Hof. Maria-Hof bei St. Lambrecht). Houaren (juxta Muram). Hundsdorf (prope Undrin). lluzenpuhil, Huzenpuchli, Hu* cenpuhelen (Hautzenbüchel, im Bezirke Scckau, und in der Pfarre Kobentz bei Knittelfeid). Hyntesdorf sub Castro Frauenburg (bei Ilnzmarkt an der Mur). Jausdorf (im ober» Murthale: De-cima ad Chaets a Fiustriz de-orsum usque ad Murprukke et exin usque ad alpem sur-sum usque ad Jausdorf, oder: Pael, Jaistorf et de curia in Wenge usque in Chienainod). Ad Inheringun, (an der Jnge-ring, Gegend bei Knittelfeid im Vcz. und in der Pfarre Knittelfeld. J n g e r i n g in der Gall, im Bezirke Wasserberg, und in der Pfarre St Peter in der Gall. Jngeringbach im Bez. Spielberg. Jngeringgraben zwischen dem Gail- und Vorwitzgraben). Judenburk, Castrum in Juden-burch. Mercatus Judenburch (Stadt Jud enburg). Civitas Judenburch. Karperch (bet Zeiring). S. Lamberti ecclesia in Sylva, in comiiatu Friesach, in loco et fundo Carinthiae. St. Lam- brecht, Marktflecken und Benediktiner-Stift, zwischen Tcuffen-bach und Neumarkt). Auch 1230: 8. Lamberti convent, in Graz-loup. Lansdorf (an der Mur bei Katsch). De Lapide, Lapis (Gebirgsgegend in valle Murgestal bei St. Lambrecht, auch Gravenst. genannt). 8. Laurentii juxta Lista (St. Lorenzen unter Knittclfeld). Lavendekke (St. Anna in Laventeck, im Bez. Admontbüchcl, in der Pfarre Obdach). Laznich (Ort und Pfarre St. Nikolaus zu Laßnitz im Bezirke St. Lambrecht. Auch da-selbstdcrLaßnitzbach; auch obere oder kleine Laßnitz). Lebenach, Lebeniach. Leista (Leistach im Bez. Se-ckau, in der Pf. St- Lorenzen). Liechtenstein (Lichten st.,Schloßruinen bei Judenburg). Lind (Schloß und Bezirk Lind bei Neumarkt). Linta, Linte,Linthe, Linde, Lin-tus — locus et ecclesia 8. Mar* tini(Lind,St.Martinzu Lind, im Bezirke Spielberg bei Knit-telfeld). Listach (Dccima ad Listach a Summitate Predegoy vers. Go-vernitz usque ad ulteriores lines Judinburch). Leistach, in der Pfarre St. Lorenzen, tut Bezirke Scckau, bei Knittelfeid). Liutzlingarn (bei Lobming). Lobnich, Lobenich. Lomnicha, Lominicha, Himundi, oder: Lomnich (rivus Lobnichpach. Lobmingbach und Lobming-graben bei St. Stephan, im Bezirke Kaisersberg, St. Nikolaus in der Lobming). Lobnich, Lomnich (Groß-lobming, Schloß, Bezirk und Ortschaft. K l e i n l o b m i n g und Mitterlobming ebendort). Longh (Lang bei Judenburg). zu scyn, Stadl und Schieß an S.Lorentii ecclesia (@t. ßcrnv der ober» Mur). ren unter Knittelfeid, im Bez. Mulcnarisdorf, Mulmaridorf — Seckau). Lotterekke (bei Lobming). Malmosia (vielleicht in den Mürzthalgau gehörig, und: Malleisen, Ober- u. Untermalleisen, im Bezirke Hohenwang). Margestal (vallis, bei St. Lambrecht). 8. Mariae ecclesia in loco Fu-strice (St. M arein bei Sc-ckau im Bezirke Seckau). 8. Mariae ecclesia in Prank (vielleicht St. Marcin beim Schlosse Prank, im Bezirke Seckau?). -Mautersdorf (ölauterntiorf im Bez. Reifenstein, Pfarrö Pols). Meinhalmesdorf, Mainhartsdorf (Mainhardsdorf, im Bezirke Rothenfels, in der Pfarre Ober-wöls et circa Oberwelz). Mctwedsdorf, in vicinio castri Liechtenstein (vielleicht M etschend or f bei Judenburg?). Mirotendorf (an der Mur, oder itn Liestngthale). Mitterdorf (Mitterdorf, im Bez. Rothcnfels, Pf. St. Peter am Kammersberge). Mitterperge, mons vaccarum (Mitterberg bei Neumarkt, oder: Mitterbach im Bezirke Seckau, Pfarre St. Margarethen). Morbrukke, in monte Tauern (vielleicht Mödernbrücke?). Mosebach (Moosbach, im Bezirke Zeiring). Muera Humen (Murstuß). Mur, Mure (Mur, im Bezirke Seckau, Pfarre St. Lorenzen. Obermur, im Bezirke Seckau, Pfarre St. Margarethen). Murh (Budigerus plebanus de Murh 1210, scheint Murau (vielleicht Mührdorf, im Bezirke und in der Pfarre Weißkirchen ?). Müllwald (Sylva contigua dem Stifte zu Seckau). Muorprukke (a Yeustritz usque ad — M u rbrücke bei Katsch). Muschniz. In der Musclmiz (ne-mus — zu Judenburg gehörig; vielleicht 3)1 u sch i n g in der Pf. St. Peter bei Judenburg?). Nagelbach (südlich am Rotenman-nertaucrn). Niwcndorf. Novum forum prope Grazzlup (Neumarkt, Marktstecken zwischen Unzmarkt und Friesach) auch Grazlup genannt. Obedach, Obdacum, capella 8. Egidii (Obdach, Marktflecken bei Admontbüchel). Oberwels (Oberwels, im Bezirke Rothenfels). Ofl'enberch (O ffenb u rg, Schloß-ruinen bei Kurzheim bei PölS). 8. Oswaldi parochia in Girico (St. Oswald bei Propftei Zeiring und in diesem Bezirke). Paierdorf, juxta Chatse (Vaier-dorf, Schloßruinen bei St. Peter am Kammerberge, im Bez. Murau, Pfarre Rauten). Poels, Polissa, Pclse, Pels, Parochia 8. Mariae (Maria am Moos zu Pöls, Pfarre und Ort am Pölsflusse, im Bez. Reifen-stein). Ad Pelissam, Pelse, Humen — Pelshalse (Gegend bei Pöls, u. Ilcbergangshöhe in das Murthal). Pcrendorf (praedium, nvrdl. von Unzmarkt an der Mur). Perntal (bei Obdach). Perchach (Por ch a u, zwischen Scheifling und Neumarkt, im Bezirke Neumarkt). Peterndorf,Peterstorf (Petcrs-dorf, tut Bezirke Rothenfels und in der Pfarre St. Peter). Ecclesia 8. Petri sita supra Juden wurch prope 11 uvium Mourant (St. Peter bei Judenburg). Phansdorf, Yansdorf ( Schloß-ruinen und Pfarrort St. Rupert in Fohnsdorf bei Judenburg). Pischoflisbcrg (an der obcrn Mur — wahrscheinlich Bischofsfeld tut Bezirke Seckau). Podiuanniz. Polan (Pöllau bei Neumarkt) und tut Thale der Wels. Pons Mure (zwischen KaiserSbcrg und St. Stephan). Pouminuncliirichum in Undri-matale, Boumchirche (Baum-kirchen, Gegend tut Bezirke und in der Pfarre Weißkirchcn bei Judenburg). Prank (praedium, Schloß P rank bei St. Marein). Pouzzcndorf (Paufcndorf tut Bezirke Spielberg, in der Pfarre Lind, bei Knittelfeld). Praitenfurte, Praitenvurle (tut Welsthale). Predegoy alpis, Solitudo (Pre-degoi ist ein Alpengcbirg bei Seckau). Groß- und Klcinpre-thalgrabcn sind Seitenthäler bei Obdach. Preduol alpis, Predel (P r ethal ist eine Gegend des Vez. Lind, in der Pfarre St. Veit). Der große Predel — Gränzgebirg des Judenburgerkreises gegen Kärnten, und Alpengegend bei Admvntbüchel. Presnitz (Provincia). Puochschachen, Puochschach (ist eine Gegend Wischen Seckau und dem Liesingthale — und Gemeinde im Bezirke Seckau Buchschachen). Pux, Puochskeho, Bukes, Buchse (P u ch s, Schloß und Bezirk an der Mur, zwischen Katsch und Unzmarkt). Baeusnitz, Forestum prope Ju-denburch. Rammstein (am Rotenmanner-tauern südlich). Ratenberg, Raetenberg, Ratten-berch (Rattenberg, Gegend des Bezirkes Farrach, in der Pfarre Fohnsdorf). In Rayswege, Rauswege (alte Straße über Sallegg und das Gebirge nach Weißkirchen). Ricindorf, Ritzendorf (Ritzendo rf, in der Pfarre St. Lorenzen, zwischen Kraubath und Knit-telfcld). Rifenstein, Reyfenstein (Reifen sie in, Schloß und Bezirk im Pölserthale bei Pöls). Rotenslayf, alpis (eine Alpengegend an den Gailergebirgen). Rousniz (Raßnitz, in der Pfarre Koben;). Rute (praedium in valle Graz-lup). Saurau, Saurow (Saurau,Ruinen eines Schlosses zwischen Murrau und Teuffenbach). Saze. Scachen, super Taurum meutern (Gegend am Rotenmanncr-tauern). Scakendorf, Schakendorf (Sach endorf, in der Pfarre Lind, im Bez. Spielberg bei Knittel-feld. Scobern, alpis ad Eppinstein (Schoberalpe bei Obdach und Eppenstein). Sconenwisen (Alpengegend bei Admontbüchel). Schallun (Ruinen eines Schlosses bei Puchs). Scheiben ecclesia 8. Joannis in (Gegend des Bezirkes Frauenberg bei Unzmarkt: St. Johann in der Scheiben). Scratpach (Bach Schirniz, Sum-mitas montium, Alpenhöhe bei Admöntbüchel, in der Gegend von Gamnar u. Admöntbüchel). Schönberch (ecclesia in, Sco-nenberc, Ort und Pfarre St. Stephan in Schönberg, im Bezirke Spielberg). Seccowe, Seccovia, Sckosva (S tf ckau, ehemals Canonikerstift, nun Herrschaft und Bezirk zwischen Judenburg und Kraubath mit linken Ufer der Mur, an den Gaileralpen). • Seetal (S e c th a l indcrSt. Ste-phancrLobming, und Scethal-alp e im Granitzgraben bei Obdach). Seealb, alpis super Judenburch situata (Scethaleralpe). Semita pascualis (Viehsteig). Sirniz major et minor (in den Gebirgen bei Admontbüchel). Sitwigesekke (cacumen montis, eine Vcrgspitze an der Gailer-alpe). , Slifgrueben (prope Undring). Solitudo Friesach (Einöde im Bezirke Lind, in der Pfarre St. Jakob, zwischen Neumarkt und Friesach, an der Hauptstraße nach Kärnten). 8. Stephani ecclesia et paro-chia ad Chrowat (St. Stephan im Bezirke Kaisersberg). Spilbergh (Spielberg, Schloß u. Bezirk, nordwestlich von Knittelfeld). Stainec (alpis, Alpengegeud bei Scckau, an der Gailcralpe). Stein, de Lapide (Ruinen des Schlosses Stein, Grafe n-stein? bei Teuffenbach). Stretwich, Stretbich (Strctt-weg, Gegend des Bezirkes und der Pfarre Judenburg). Suarzdorf. Süblich , Suvelich, Scheuffich (ecclesia S.Thomae in— im Bez. Frauenburg, zwischen Teuffenbach und Unzmarkt, Ort St. Thomas in Scheifling). Swalhental (Alpengegend der Se-ckauergcbirge). Swarzenbach (Schwarzenbach, bei St..Lambrecht und Teuffenbach im Bezirke St. Lambrecht. Auch sind Schwarzenbach Gegenden bei Obdach u Weißkirchen). Tallheim (Thalheim, im Bez. Reifenstcin, in der Pfarre Pöls). Tan,Tanna, Tann (Tan, Tann, Than— Schloß zwischen Knittelfeld und Weißkirchen, im Bezirke Authal, in der Pfarre Weißkirchen). Tesenhut ? alpis (wahrscheinlichdie Gebirgsgegend zwischen Steiermark und Kärnten in der Tur-rach »Eifenhut "). Teufental(Tiefenthal, beiBret-stein, im Bez. Zeiring und Al-pengegcnd bei Seckau an derGai-leralpe). Theodosia aqua (Tejabach und Tejagraben im Bez. St. Lambrecht). Tomtal(Alpengcg.and.Gaileralp-). Tiulinpach, Teuffenbach, Tuif-fenbach (Teuffenbach, St. Margarethen in Teuffenbach, im Bezirke Puchs. Auch Schloßruinen Altteuffcnbach). TrigowlCjSCuWachersperc^ats düngen bei Seckau an der Gai-leralpe). Umgantesdorf prope Muram (wahrscheinl. Ungendorf, Gemeinde des Bez. Seckau). Tuedinge aqua (Bach an den Gebirgen um Scckau an der Gailer-alpe). Undrim, Undrima Vallis, Undring, Undrimtal (vorzüglich die Gegend des sogenannten Murbodens, zwischen St. Lorenzen u. Judenburg. Jngcring ist eine Gegend in der Pfarre Knittelfeld, und in der Gall. J ng e-ringgraben ist zwischen dem Gailer- und Vorwitzgraben). Undrima, adUndrimam (I. 861) ad Inmeringun (I. 930) amnia Undrimtal (Jngeringbach im Bezirke Spielberg). Undring. Ainocde Ct Undring (bei Knittelfeld) '). Vanstorf villa (Ortschaft Föhns-dorf bei Judenburg). Veustrize (Feistritz bei Judenburg, oder bei St. Lorenzen, oder bei St. Peter im Kammerthale). Vischarn (bei Knittelfcld). Vrezen (Vrezen). Yurie (Furth, Gegend bei Judenburg amMößnitzbache imBez. Paradeis). W a 1 d ejr s d o r f (28 a (t f c v 6 6 o r f bei und in der Pfarre Judenburg). Waltersdorf, Walterstorf, ^ usque ad Humen Pelse (Gebirgsgegend im Polserthale). Wargust, a Suarzenbach usque ad alpes; et ad ortum Laz-nich (Alpengegend um St. Lambrecht im Thejathale bis zur Laß-nitzguclle). Wazzerberch, spater Seccoburch genannt (Hueba quaedam circa castrum Seccoburch sita, qui locus antea Wazzerberch vocabatur — Wa s s e rbe rg, Schloß und Bez. an der Gail, oder an dem Gailbache bei Knit-telfeld). Weissenkirchen , Weizzenkir-chcn, Wizanchiricha ecclesia ad (Weißkirchen, Marktflecken und Pfarrort bei Judenburg). Wcliza, Welze, W7else, Velze (Oberwöls, Städtchen im Vez. Rothenfels.St.Maximilian in Niederwöls, im Bez. Puchs). Weimerdorf, Welmarisd., Wul-marisd., Wolmuctstorf (W 6 l-rnerSdvrf im Bez. und in der Pfarre Judenburg). Wenge, ultra Taurum montem villa (St. Agatha in Weng, das heutige Schloß Propstei Zeiring). Ad Wengen ultra llumcn Pelse (Pölsfluß). Curia dicta Wrenge ad montem Zairich. Ecclesia in Wenge, ultra flu-vium Pelse. Wildense lacus (auf den Gebirgen bei Admontbüchel). Wigentesdorf(Weigantalpe ist in Brctstein. Dieser Ort ist vielleicht an der obrni Mur gegen St. Lambrecht hin zu suchen?). Winchel in monte Tauern (am Rotenmannertauern). Winden, Wineden sub Tauro inferiore (Ober winden und U n t erwin d en, Gegenden an der südlichen Seite des Roten-manncrtauern im Bez. Propstei Zeiring). J) Bon diesen Benennungen scheint der Name Undrimthal aus die ganze Gegend des Murbodens von St. Lorenzen bis Judenburg hinauf übergangen , und der ganze Gau selbst so benannt worden zu seyn. Ueberhaupt führen die ältesten salzburgischen Diplome die erzstiftischen Besitzungen m einer solchen Reihenfolge auf, daß man die Gegend Undrima nirgend anderswohin, als auf den Murboden der obern Steiermark versetze» kann, wie im Jahre 861: ad Friesach, ad Graznlpam, ad Pelissam, ad Chuinpenzam, ad ündrimam, ad Lisstinicham, ad Prukkam; — und ebenso im ^ahrc 890: Juvavia, Anhang, p. 05. 115. Winchlarn (im Thale der Wels). Wolvolstorf. Wolfgrueben(@cgenb amLob-mingbache). Zellnik vallis (Zellinggraben, Seitenthal des Feistrihthalcs ober Kraubath). Zettwich (Zelt weg) Celtwic (im Bezirke Farrach). Zozzen mons (Gebirgsgegend bei Admontbüchel. Sy Iva ad Lavant et Scoberon dicta supra Zozzen sita et versus castrum Eppinstein). Zurdoh. Zuric, Zurce, Ceyrich (Marktflecken St. Nikolaus in Zeiring). Zyrich mons, auch Oberzeiring genannt (auch noch Propstei Zeiring, Schloß und Bezirk südlich vom Markte Oberzeiring; sonst auch genannt Weng, St. Agatha in Weng). Zwedlobrado (Vertex montis). Zweklopruc kolpru(mons; vielleicht die Zwicklalpe und der Zwicklwald im Fesnachgraben, ein Seitengraben des obern Mur-thales). Von Gaugrafen dieses uralten, sehr bevölkerten Gaues kennen wir urkundlich folgende: GrasLuitpcrt I. 930; die Grafen Rod-perth, Rcginker, Diotmar und Sigibald, bis um das Jahr 954, 960, 979 der Graf Hartwich oder Hartung, welcher mit dem besonderen Zunamen: Waldpot, Walöpodo erscheint; im Jahre 993 den Grafen Otgar; um die Jahre 1004 und 1007 die Grafen Albero oder Adalbero von Mürzthal und Eppenstein; endlich zwischen den Jahren 1006 und 1041 den Grafen Sigiharö, wahrscheinlich eine und dieselbe Person mit Sigharö, dein Vogt zu Freisingen, aus dein Stamme der traungauischen Grafen von Leoben '), in Aömon-tersaalbüchern Graf Oudalschalch zu Ende des eilften Jahrhunderts. Der Ennsthalgau mit dem Paltengaue und Gaizar-Wald. (Pagus En stal. Pagus Ensitala. Pagus Palta. Paltental). „Die Grafschaft des Enstal." Dieser nördlichste Gau des Steireroberlandes gränzte im Westen an den Pongau und zum Theile auch an den Lungau; südlich trennte ihn die lange Kette der tauriszischen Tauern vom Lun-gaue und vom Krabat- oder Undrimthalgaue; östlich hatte er zum Theil den Leobengau, zum Theil das weite Land der ehedem sogenannten Walömarch, von den Quellen der Mürz bis zur Enns herzu; und im Norden lag der Traungau, von welchem ihn eine IV Juvavia, Anhang, p. 95. 114— 115. 126. 166. 254. 255. — Dipl. sacr. Duc. Styr. I. 5. 6. 7. II. 175. - Pez, Anecd. VI. 402. — Meichel, T. 1. >>'. 1. 206. >03. — Mon. Boic.'III. 557. Kurze Beitr. II. 491. Die Saalbücher von St. Lambrecht, Admont, Seckau und Goß. Kette mächtiger Felsen von St. Gallen und Admont bis über Au-see hin abschied. Er erstreckte sich von dem Mendü'ngbache bis an die Gränzen des Leobengaues. Aus den Urkunden und Saalbüchcrn von Bamberg, Gurk, St. Lambrecht, Rein, Steiergarsten und Admont entnehmen wir folgende uralte Bewohnung dieses Gaues '). Adamunton, Adamunta, Adimun-di, Admundia, praedium et monasterium. Ad Montes mo-nasterium (Admont, Benediktinerstift an der Enns im nu-tcrn Ennsthale). Admunde vallis , Admuntina , Ademundi, Admuntensis, Ade-mundi vallis (Admontthal, der östl. Theil des Ennsthales). Admunt rivus (der Admont-bach, der sich in die Enns bei Admont mündet). In Admont selbst vorzugsweise genannt: „der Vach"). Ahorn (in Aussee, wo selbst die ältesten Salzquellen „zu Ahorn" zugenannt waren: Salina in loco, qui dicitur Ahorn). Aich, Oheraich (cuncta stahu-laria ad superius Hous. Gegend des Vez. und der Pfarre Haus im Oberennsthale: Eich. Am Aigen (im Admontthale). St. Amandi ecclesia (Pfarrkirche St. Amand im Markte Admont). Anasus, Anesus, Enesis (Humen Ennsfluß). Anasi vallis (Ennsthal, von der Mandling, zwischen Radestadt u. Schladming, bis in das Gesäuse unterhalb Admont vorzugsweise so genannt). Anasi mons. Arnich (villa ad, Dorf und Pf. Ardning im Admontthale). Arnich (villa superior, inferior). Aushe (Aussee, Marktflecken 11. Pfarre St. Paul zu Aussee). Ausse (mit den altberühmtcn Salinen). Ausee 1275. In Aussee, Salina (Aussee mit dem Aertzt. In einem alien Lehenverzeichnisse so genannt). Aussee inferior. Balta, ilumen (stehe Palta). Bruckarin, Bruckam,Prukkarn, Pruklarn (Brückern, Gegend des Bez. Gstatt im Oberennsthale, in der Pfarre Gröbming, zwischen Gröbming und Haus). Bucinperge (im ober» Ennsthale). Bulinperge (im obern Ennsthale). Cedelse, Cedilse (Zelzthal, vom Eintritte der Palten in d. Ennsthal bis zu ihrer Einmündung in die Enns). Chasarwalde. Chalwingalbe (Kalbling- od. Kai-blinggebirge auf der Kaiserau bei Admont). Chaserowa, Chayserowe (Kaiserau, Alpengegend bei Admont). Chinowc (im obern Ennsthale). In der Chlachowe (auf derKlach-au). Super Chrcutzpuhil (im Admontthale). Chrumpowe (Krumpau, im Admontthale). Chrungilse (Grundelsee bei Aussee. — Auch bei Jrdning *) Eine Urkunde vom Jahre 1242 deutet noch auf diese alten Gränzcn des Ennsthalgaues: Videlicet comitatum in Enstal, qui a flumine, qui Men-licli nuncupatur, usque ad terminus comitatus Leoben extenditur. Ju-vavia, Abhandlung, p. 363. scheint ein Mooswasscr Krun-gelsee genannt worden zu scyn). Chulm (Kulm auf der Ramsau, im Bezirke Haus). An dem Chulm. inferius, su-perius (Kulmberg im Admont-lhale). Cirminah (der altslovenische Name des Städtchens Roten mann im Paltenthale). Clusa juxta Paltam et Anesum 1160 (Klause, in der Klause — im Admontthale und im Ad-montbezirke, nördlich und südlich an der Enns die Gränzpuncte des Thales und des Bezirkes). Clusa montis Dietmarsperge (1160). Supra Clusarn (im Oberennsthale an dem Mandlingbache). Dietmarisberg (Dietmansberg, auch Lichtmeßberg, welcher das Admontthal von dem Pal-tenthale scheidet). Dietmarsdorf, Dietmaristorf — villa, Diet mannsdorf oder Lichtine ßd orf, südl. am Diet-mannsbcrge, im Bezirke Roten-mann gelegen). Donnerpach (D o n n ersbach, südlich von Jrdning, Schloß u. Bezirk am Donnersbache). Dorf (Dorf bei Hall im Admontthale). Dreswitz, Villa ad Laznich, Tre-switz (D r e schmitz im Bezirke Strechau, in der Pfarre Lassing; genannt: „Dreschmitzmayer"). Eberhartingin (im ober» Enns-thale). Edilsach , Ediltsach, forestum (Waldung im Zelzthale). Edlingen (im Oberennsthale, Gebirgsgegend) usque ad alpem Koniken, Eigilwavin (vielleicht Enzling, Gegend des Bezirkes Haus). Enstall (das ganze Ennsthal). Enswalde (Ennswald, vorzügl. an der obern Enns um Radstadt, ehedem die Gegend so genannt). Friderici clivus (in der Gegend Hall im Admontthale). Frisach, in valle Anasi (Gegend im Oberennsthale bei Weißenbach und Haus). Frodnize, Frodenitza, Uvoud-nize (Frenz, F r e n; bach, Frenzgraben, die nördliche Gränze zwischen Steiermark und Unterösterreich, außerhalb Altenmarkt an der Enns). Fruzpach (inter Glaspach et — im Admontthale). Gaetschen (im Oberennsthale). Gaizarn, Gauzarn (Villa, Geishorn, Dorf und Pfarre an der Palte im Bezirke Rotenmann). Gaizarwalde (Wald, Gegend u. Pfarre St. Kunegund im Wald, zwischen Kallwang und Geishorn im Bezirke Ehrenau). Ecclesia 8. Galli in Sylva (St. Gallen, Marktflecken und Pf. bei Altenmarkt an der Enns). Ad Gamanaron, Gamanara mons (Flatus ferri, quod aruzi dicitur ad. — Ein G a meri n g b e r g ist oberhalb Jrdning imEnnsthale. — Ein Berg Garn e r i n g st e i n ist ein Gränz-berg zwischen Oberösterreich und Steiermark). Gerispevch, Gcvichistorf (wahrscheinlich bei GerSdorf j,nBezirke Gstatt, in der Pf. Gröb-ming zu suchen, bei Gundache-linge"?). Glasipach, Glaisipach (G l a s-b a ch, im Admontthale, zwischen Ardning u. Admont beim Frauen- und Kulmberge). Glibenich, Gleibnich (Gleiming, Gegend im Bezirke Haus). Goutsinperch, Gutsinberc (Gösse N b e r g im Bezirke Haus). GrcLinicha, Grebenich (G r ö b-m ing, Marktflecken im Bezirke Haus, mit eigener Pfarre: St. Maria zu Gröbming). Griezzn villa, Griez. — Grie-scha juxta Humen Palta, Griza Grieß, im Grieß, hart am Ursprünge der Palte). Pains Grimeswitenmoiz (scheint ein Torfmoos im Admontthale gewesen zu sevn?). Grub in Enstal (vielleicht am Grubbach im Bezirke Haus). Parochia Grüscharn , Gruscha-ren, Grauscbarn (Ort und Pf. St- Georgen auf der Burk bei und im Bez. Trautenfels). Gruscharen Castrum (eine alte Burg und von daher der Name Bürk, Purk, auf der Burg, ehemals beide Pfarrort u. Burg, genannt Genschern, Grauschern). Guggenpuhil (in Zelzthal des Ad-moutthales). Mons Gumpensberge (vielleicht Gumpeneck im ober- Ennsthale ?). Gundashcringe villa (im obern Ennsthale). Hartwigespach (in der Gegend der Gebirge JohnSbach bis zur EnnS). Ha genberg, Haginberg (H a ch e n-berg, Hagenberg im Bezirke Wolkenstein, in der Pfarre Iediting). Apudstagnum Haginperch, apud Cimitcrium Haginpcrge. Hall, Halle, Salina in valle ad-montensi; patellae cum pa-tellariis locis. Locus patella-ris Halle. Hall im Admontthale bei Admont mit uralten Salzquellen. Heiminstock, Hemmast. (H e m-m a stock, Berg- und Waldgegend wahrscheinlich von Gräfin Hemma von Zeltschach und Friesach, der ehemaligen Besitzerin des Ad- montthales und der Gründerin des Stiftes Admont so genannt). Hermanesekke (Berghohe in der Gegend Hall bei Admont. Hohenwart, Gränzgegend des alten Ennsthalerlandgerichtes). Hohenvelt (Hohenfeld, östlich von Haus an der Enns). Hinterperge; Montani, qui di-cuntur Hinterperge (Gebirgs-geg. gegen Mitterndorfu. Aussee). Hofmarn (im obern Ennsthale). Hovehaenaren. Hoveheimarin. Husa, Hus, Hues. Parochia Hous Hose (Haus, Schloß, Bezirk und Pfarre St. Johann Baptist zu Haus an der Enns). Hus superius (Oberhaus eben dort mit der Filialkirche St. Margarethen). Hus inferius, in Niederhous (Unterhaus, eben daselbst). Idenich. Parochia Jcdenike, Yd-nich in ecclesia S. Petri (Jrd-ning, Zrning, Marktflecken im Bezirke Wolkenstein, und Pfarre St. Peter und Paul zu Jrdning). Jedenicha, iluvius (Jrdning-b a ch). Jonispach, Ferrum de (uralter Eisenbau nahe bei der Kirche im JohnSbach). Jonispach, Johnsprch (Vallis et iluvius — JohnSbach. Seitenthal des Ennöthales unterhalb Admont). Irminhartisd. (im Obercnnsthal). Irmharstorf (bei Gundachering). Irintal, Irntal und Eierntal (bei Untermanning im Oberennsthal). Koniken alpis (im Oberennsthal an der Muraueralpe). 8. Laurentii parochia in valle Paltental, parochia Paltensis (Dorf und Pfarre St- Lorenzen im Paltenthale, zwischen Ro-tenmanu und Trieben). Lauzach (Laussachbach und Graben im Bezirke Gallenstein). Laznich, Laznicha, Lacznicke, Laeznich Parochia (gaffing, eigentlich Lassingsonnseite, Ort und Pfarre St. Jakob in Lassing im Bezirke Strechau). Lenginclorf, Lengendorf (L eNg-dorf im Bezirke Gstatt). Lichenperch (Leichenberg im Admontthal, zwischen Frauenberg, Admont und Hall). Lonsarn, Luntsch. (Luntschern im Obcrennsthale). Lotersperch (im Zelzth. des Enns-thales gelegen). Loufen (im Admvntthale Laffa-b a u e r). Luezen, Luzin (Lietzen, Dorf im eigenen Bez. an dem Pyrnbache zwischen Admont und Steinach). Luzach, Lauzach (Lausachbach u. Graben). Manlick (Mandling und Mand-lingbach). S.Martini ecclesia in Enstal(@t. Martin an der Salza bei Gröb-ming im Bezirke Gstatt). Menlic iluvius (Mand lingbach oberhalb Schladming, Gränzschei-de der nordwestlichen Steiermark gegen Salzburg). Milowe (M ühlau, Gegend des Thales und Bezirkes Admont an der Oeßling). Mirtscharn, Meirscharn Mirt-scarn in Enstal (Maitschern im Bez. Friedstein, in der Pf. Purk). Mittelendorf (Gegend und Pfarr-ort St. Margarethen zu Mitterndorf, im Bez. Pflinds-berg bei Aussee). Mitterpevge, Mitternberch (Mit-terberg zwischen Gstatt u. Gröb-ming). In Montanis, qui dicuntur Hin-terperge (auf der Klachau gegen Aussee). Mosa, a) Luvavia, Anhang, p. 94, 114. 126. 130. 132 141. 191. 215. 232. 234. 260. 261. — Dipl. Sacr. Duc. Styr. I. 15. Archiv für Siiddeutschland. 225. Die Adnwntcrsaalbücher. Die Gaue an der Pinka, Lafniz, Saven, Feistritz «nt Raab. Ueber die mittelalterliche Topographie jenes Theiles der Steiermark, welchen das östliche Land von den Quellen der Pinka und von der Lasnitz bis an die westlichen Gebirgs- und Hügelhöhen des Raabthales umfaßt, sind wir nur sehr sparsam unterrichtet. Ob dieser Landtheil Einen oder mehre Gaue nach den einzelnen Thälern gebildet habe, ist eben so unbekannt, als die Benennungen dieser Gaue es sind. Im Westen und Süöosten umgaben diesen Landstrich der Rungau und der weitausgedehnte Hcngestgau. Südlich und östlich lag der große pannonische Dudlieparomitat; und vielleicht hat dieser wohl gar herauf bis an die obere Raab gereicht '). Nordöstlich treffen wir den Comitat von Pütten; und auch von diesem läßt sich vermuthen, daß er über die Lasnitz und über Hartbcrg, vielleicht gar bis an die westlichen Höhen des Fei-stritzthales gereicht habe. Bon den Thälern an der Lasnitz, Safen, Pinka, Fcistritz und Raab kennen wir folgende Ortschaften: Alranstörf (Pfarre Weitz). Antlerslengesperge (Pf. Weitz). Arbendorf, Aerbendorf juxta Rabam (Erbe n v orfim Raabthale in der Pfarre St. Ruprecht). Aerzperch, ecclesia 8. Jacobi apud villam, quae Aerzperch nominatur (St. Jako b in Erz-berg, bei Passail im Bezirke Gutenberg an der Raab). Altenburgh, apud fluvium Wi-des. Altenmarkt (bei Fürstenfeld). Altmanstorf (Pf. St. Ruprecht). Alpes usque in Cerewald (alles Alpengebirge am Ursprünge Cor Feistritz am Wechsel- und Pfaffengebirge bis über die Spitaleralpen, welche das Mürzthal und den Semmering vom Fei-stritzthale scheiden). Bis dahin Vorauer Grund und Boden). Berchtoldstein (Verchtoldstein, insgemein Pertlstein bei Fehring im Raabthale im Vez. Stein). Cheustmarn (Pf. St. Ruprecht). l) uebcr die Ausdehnung des Dudliepagaues geben die salzburgischen Urkunden zwischen den Jahren 800 und 870 einige Aufschlüsse, welche immer in Verbindung der salzburgischen Bischossgcwale in den Thälern der Raab, der Lasnitz, der Pinka, Pößnitz, der Sala, der Güns und der Kanischa erscheinen. Juvavia, Anhang, p. 13, 16. 17. 18. 95 96. 113. 117. Darf man annehmen, daß die salzburgischen Besitzungen und Kirchen in den ältesten Urkunden in geographischer Ordnung auch nur beiläufig aufgeführt sind, wie: Ecclesia ad Sabnizam (Safen), ad Nezilnpach (Nestelbach), ad Rapam (St. Ruprecht im Raabthale), ad Tudleipin (wahrscheinlich Gleisdorf), ad Sulpam (an der Sulm, vielleicht Leibnitz): so verräth der Ort Tudleipin von selbst die Ausdehnung des Dudleipagaues über die östliche Steiermark. Chogel, super (Pfarre Weitz). Chaltenprunne (St. Ruprecht). Chapfestein, Kapfenstein (Ka-pfen ste in, Schloß und Bezirk zwischen Gleichcnberg und Fch-ring). Cliirchpach (St. Ruprecht). Chirchperch (Kirchberg a. d. Raab, St. Florian in Kirchberg a. d. Raab. Auch Schloß u. Vez. Kirchberg a. d. Raab. Auch ist Kirchberg am Wald bei Grafcndorf.) Chotschamstorf (Pfarre St. Ruprecht). Cliulm (Berg b- Weitz; u. Kulm, Gegend des Bezirkes). Chundovf (wahrscheinlich Kaindorf im Bezirke Neuberg, St. Jakob in Kaindorf-. Chumcberch, Chunnperge •— (Kumberg, St. Stephan in Kumberg, im Vez. Kainberg am Schocket, in der alten Pfarre Weitz). Chunratsreut (Pf. St. Ruprecht). Cleudnich (Pfarre Weitz). Clobcche (St. Ruprecht). Ootendorf (Krolendorf im Vez. Waasen). Cuinpretstorf (St. Ruprecht). Dcrsenbtrnich (Pfarre Weitz). Diepoldisperge, Dypoltsperge juxta Sek.il (Diepolzberg, in der Pfarre St- Radegund am Schöckcl, im Bez. Kainberg). Dietrichshofstetten (St. Ruprecht). Dingesteten, inferius et supe-rius (Pfarre Weitz). Duringreut (St. Ruprecht). Durrental (Pfarre Weitz). Ebergerstorf (Pfarre Weitz). Elssenpach (St. Ruprecht). Ekerstorf (Pfarre St. Ruprecht). Engsdorf (wahrscheinl. E n g ers-dorf im Vez. Vasoldsberg). Erbendorf (St. Ruprecht). Erbenwiesen (St. Ruprecht). Gcsch. 6. ©tcictmncf. — n, Be. Erzberg (in Waldbach). Feuchgraben (Pfarre Weitz). Feustritz (Pfarre Weitz). Fladnitz, Fladnitze (Fladnitz-Alt im Bez. Kirchberg an der Raab; Mitterfladnitz, im Vez. Kornberg; Unter fladnitz im Bez. Thanhausen. St. Nikolaus in Fladnitz, im Bez. Gutenberg bei Passail). Fletmirz (Pfarre Weitz). Fledmytz (St. Ruprecht). Franchenperge (St. Ruprecht). Freudenekke (Pfarre Weitz). Freuntsperch (Pfarre Weitz). Friedberch, Civitas Friedberg, Castrum superior. Friedberch (Stadt Friedberg am Fuße des Wcchselgebirges mit eigener Pf. St. Jakob zu FrieL-bcrg). Friedorf ( wahrscheinlich Frie-d o r f im Bezirke Kainberg). Fuinbsinge (St. Ruprecht). Fürs ten velde (Fürstenfeld, Stadt am Feistritzflusse mit der Pfarre St. Johann Baptist zu FürstenfelL). Fustritz, iluvius (Feistritz). Geswentc (Pfarre Weitz). Geygental (Pfarre Weitz). Glattendorf. Gleistorf, Gleystoi-ft (Gleisdorf, Marktflecken, St. Lorenzen in Gleisdorf an der Raab, im Bezirke Freiberg). Glettendorf (Pfarre Weitz). Gotteysperge (Pfarre Weitz). Gottinsperge (Göttersberg in der Pf. Weitz, Bez. Thanhausen). Gotschalchern (St. Ruprecht). Gramen album (Pfarre Weitz). Gravenreutt (Pfarre Weitz). Grillenperge (Pfarre Weitz). Guttenperch, Guttenberc (Gutenberg, Schloß und Bezirk an der Raab). Super Haide (Pfarre Weitz). Hartmansreut (Pfarre Weih). 6 Hartperch, mons (H a rt berg ist auch eine Gegend im Bezirke Bärcneck in der Elsenau). Hartperch (1129), Judicium in —, praedium (H artberg, Städtchen am Lafnitzbache, St. Martin in Hartberg). Hasselpach (Pfarre Weitz). Havenaern (Pfarre Weitz). Heinrichspach (St. Ruprecht). Herhof (Pfarre Weitz). Hermanstorf (Pfarre Weitz). Hertenvelde (Pfarre Weitz). Herweigstorf, Herweinstorf — (wahrscheinlich Herberstorf, Schloß und Herrschaft im Grä-tzerkreise). Hof (Pfarre Weitz). Ilnz, lllenz, Ylez (St. Jakob in 31$, Marktflecken im Vrz. Kahlsdorf). Illenz, fluvius. Capelia 8. Jacobi (bei Vorau) 1216. 8. Joannis Capelia, ecclesia prope Stubenberch, juxta llumen Feustriz (St. Johann bei Stubenberg). Kirchberch. Kokasche inferior, superior — (St. Ruprecht). Langekke (St. Ruprecht). Laventz, Villa in Marchia Sita (Lafnitzviertel an der Lasnih, Bez. Reittenau, Pf. Gra-fcndvrf). Labenza, Laventa, Lavenz, La-venza, Lafenz major, Lafenz alba (Lafnitzbach, Lafnitz-flu ß, welcher durch eine lange Strecke die Steiermark von Ungarn scheidet). Weißlafnitz ist ein Bach im Bez. Thalberg. Labern (Pfarre Weitz). Lern (Pfarre St. Ruprecht). Lengcrskevere (bei Vorau). Lengenpach (St. Ruprecht). Lenkar, super Lenkar (Pfarre Weitz). Lenzenreut (Pfarre Weitz). Linobendorf (St. Florian itt Loigersdorf, im Bez. Welsdorf). Losnitz inferior, superior (St. Ruprecht). Mitternlosnitz, Luminicha juxta Kapar? Lungwize, Lungwiz , ( wahrscheinlich Lungitz-Ober, Gegend des Bez. Reitenau, Pfarre Grasendorf. Unterlungitz, Gegend des Bez. Harkberg). Marchartsdorf (St. Ruprecht). Capelia 8. Margaritae in Cella (in Weingzell). Mairch (Pfarre Weih). Marin (St. Marein am Pickl-bache, Bez. VasoldSbcrg). Masinberch (als Gränze der alten Pfarre Vorau). Merchendorf (Merkendorf in der Pfarre Trautmannsdorf). Minichwaldc (1216). Misenpach (Pfarre Weitz). Munchenhoven, Munechenho-ven (Pf. Weitz). Minichhof. Capella in Minich walde (bei Vorau). Neundorf (St. Ruprecht). Neutperch,Nitperch (N e u berg. Schloß und Bezirk bei Hartberg). Newendorf (Neudorf im Raab-thale, im Bezirke Stadl). Nezelpach, Nezilnpach, Neze-liopach (N e st e 1 bach, Pfarre St. Jakob in Nestelbach, im Bezirke Vasoldsbergl. Nytscau (St- Ruprecht). Oberdorf (St. Ruprecht). Oberndorf (Pfarre Weitz). Paldowe (St. Veit in Baldau, im Bez. Kirchberg an der Raab). Paldungesdorf juxta Rabnitz (Rabnitz, Gegend u. Vach im Bez. Kainberg, bei Kumberg am Schöckel; woselbst also auchPal-dungsdorf zu suchen ist). Paurckke (Pfarre Weitz). Pcininacha, Penninocha, Pinca (Pin g au, Gegend und Bach im Bezirke und -in der Pfarre Friedberg). Perndorf (St. Ruprecht). Petzlinsdorf (Petzelsdorf, in der Pfarre Fehring). Picrpoum (Pfarre Wcitz). Pircha (juxta Guetenberch (Unter b i r ch a, Gegend im Bezirke Gutenberg). Pirckvclde, Pirkfelde (St. P e-t e r und Pauk zu V i r k f e l d, Marktflecken an der Fristritz, im Bezirke Birkcnstein). Plessenrent (Pfarre Weitz). Ponykul (Pfarre Weitz). Poseyle , Pozeil, Puzeil (St. Veit in Passail, Marktflecken im Bezirke Gutenberg). Pr ay ten veld e (Pfarre Weitz). Prepuech (St. Ruprecht). Prodindorf (Brodersdorf, juxta Babam, in der Pf. Eckersdorf, Bezirk Freiberg). Puchperglayn (Pfarre Weitz). In Puccli (Pfarre Weitz). Puesemtal (Pfarre Weitz). Puochleyn (Pfarre Weitz). Puochperge inferior, superior (Pfarre Weitz). Pyrhach (Pfarre Weih). Pyrchein (St. Ruprecht). Pytenau (Pfarre Weitz). Rab, Raab (ecclesia, wahrscheinlich St. Ruprecht an der Raab — bei Gleisdorf, im Bezirke Freiberg). Rabau (Ra abau im Vez. Hainfeld, in der Pfarre FelLbach). Rabenz, Rabnitz (Nabnitz, Gegend und Vach im Bezirke Kainberg und in der Pf- Kumberg). Rapa, Raba (fl um en , I. 801) Raabfluß. Rachatscha superior et inferior (St. Ruprecht). Rainberg, Reinberg (ehemals Schloß bei Voran). Ratensdorf (wenn nicht Schloß Ratmannsdorf bei Weitz; doch Rattensdorfberg zu der mit Münchhofen vereinigten Herrschaft HartmannsLorf gehörig). Ratinperch (vielleicht R a t ber-gen in der Pfarre Kirchberg an der Raab; oder: R a t t e n b e r g, genannt: Pfarre St. Nikolai in der Ratten). Ratten, in der, (an der Feistritz) 1180. Redeiz (Pfarre Weitz). Rinne (Pfarre Weitz). Rorpach (St. Ruprecht). Ad S. Rupertum — S. Rudperti parochia ad Rabam (vielleicht Eins und dasselbe mit Rab, Raab eccles. — St. R up recht a. d. Raab, Marktflecken im Bezirke Stadl). In Rorleyn (St. Ruprecht). Rugcrstorf (St. Ruprecht). Sabniza, Saven, Sauen (Safen-berg im Bezirke Reitenau im Pöllauerthale). Ecclesia ad Sabnizam (wahrscheinlich Ort und Pfarre St. Margarethen in Waltersdorf, im Bezirke Neidau). Sawist (wahrscheinlich Saß bei Semriach am Schocke!, oder Saßbach int Vez. Waldeck). Super Schayt (Pfarre Weitz). Schirnau (Pfarre Weitz). Schirmdinetz (St. Ruprecht). Sekil (Schöckelberg). Schönau (bei Pöllau). Schelleborn (bei Fricdberg). Sighartstorf (Pf. St. Ruprecht). Ad Stadel (Stadl, Schloß u. Vez. im Raabthale bei St. Ruprecht). Super Stadelperge (Pf. Weitz). Stang (S t a ng, in der Pf. Rie-gersburg, im Bez. Gleichenberg). Steynperge (Pfarre Weitz). Stocharn (Pfarre Weitz). Straden (Hochstraden im Glei-chenbergerthale). Strata hungarica (Sursum Hart-berg). Stubenberch (Schloßruinen und Pfarrort St. Nikolai in Stubenberg, im Bezirke Herberstein an der Feistritz). Stucleitz (St. Ruprecht). Sturmberch (Sturmberg, Ruinen zweier Schlösser bei Weitz, im Bezirke Thanhausen). Super Sude (Pfarre Weitz). Sulzbach, a capite rivuli, qui dicitur (Sulzbach im Bez. Väreneck in der Elscnau). Sulz und Sulzpach (Pfarre St. Ruprecht). Schwarzilavenz (schwarze Lasnih). Schwertzen (Pfarre Weitz). Schweinekke (Pfarre Weitz). Techanscbirchen, Techantschir-chen, Tekanskyrichi (St. Stephan in — Dechantskirchen, Pfarrort im Bezirke Thalberg). Tenssenreut (Pfarre Weitz). Teysenperge (Pf. St. Ruprecht). 8. Thomas in Vorowe, 1160 (Stiftskirche in Voran-. Tounhusa (Thanhausen, Schloß und Bezirk bei Weitz). Trautmansdorf (ehedem Schloß Trautmannsdorfb. Gnaß, Pfarr-ort St. Michael zu Traut-mannsdvrf bei Gleichenberg). Apud Tritserium (Pfarre Weitz). Tucha minor (rivus, Tauchen, Gegend und Bach im Bez. Bäreneck in der Elsenau). Tyrsenwegen (Pfarre Weitz). Urigerdorf. Ureseyn (Pfarre Weitz). Urinperge (St. Ruprecht). Urlcugstorf (St. Ruprecht). Ursowe, Ursaw (St. Ruprecht). Vaeringe (Fehring). Vestenberg, Vestenburch (936= stenburg, Ruinen eines alten Schlosses am Wechsel; nunmehr: Pfarrort St. Katharina zu Vö-stenburg). Vlechingen (villa, Flecking, Bezirk Freiberg, Pfarre Gleisdorf). Volcherstorf. Vorhern (St. Ruprecht). Vorowe (aqua, Voraubach bei Voran). Vorowc, Forauwe (praedium, Marktflecken und Pfarre St. Thomas in Voran; und daselbst auch Canonikerstift). Wachsenekk (Wachse neck, Ruinen eines allen Schlosses bei Anger an der Feistritz). Wagrayn (St. Ruprecht). Waldcrperch (Waldsberg in der Pfarre Trautmannsdorf). Walclpach (bei Voran). Walsdorf (wahrscheinlich Welsdorf, Schloß und Bezirk bei Fürstenfeld). Walthersdorf (Walthersdors, Marktflecken mit der Pfarre St. Margarethen in Waltersdorf, im Bezirke Neubau). In Walthynten (Pfarre Weitz). Weides, Widis parochia, VVey-des forum (wahrscheinl. Marktflecken Weitz am Weihbache, im Bezirke Thanhausen). Weinringdorf (Pfarre Weih). Weissenbach inferius et supc-rius (W eissenbach in der Pf. Feldbach). In der Weleyne (Pfarre Weitz). Werwein (Pfarre Weitz). Wetzlinsperge (Pfarre Weitz). Widenstouden. Wides (iluvius, wahrscheinlich der Weitzbach). Wilhahnstorf (Pfarre Weitz). Willebrechtstorf ( W i l f e r s-dorf in der Pfarre Gleisdorf; oder: Großwilfersd orf im Bezirke Kahlsdorf, mit eigener Pfarre). Wingartsperge (St. Ruprecht). Wintsdoi'f (Pfarre St. Ruprecht). Wizilavenz (weiße Lafnitz). Wulkayn (Pfarre Weih). Zelzeynstorf (Pfarre Weitz). Super Wunsche (Pfarre Weitz). Zensclie (Pfarre Weitz). Wunscheydorf (St. Ruprecht). Zeskan (Pfarre Weitz). In Ylnz (Pfarre Weitz). Zwicharzil (St. Ruprecht). Zel verske vere (rivulus , in der Gegend von Vorau). Ist unsere oben ausgesprochene Vermuthung einigermaßen begründet, daß der pannonische Dudleiparomitat bis an die Raab herein gereicht habe; so mögen im neunten Jahrhunderte vorzüglich Priwina und sein Sohn Hezilo, die slovenischen Woiwo-dcn von Salapuigis am Balatonsee, Reginger, Erinbert und Sorto gaugräsiichen Ambacht in den Thälern der Raab, der unteren Feistritz und Lafnitz getragen haben '). Ist schon Arnold I-Graf von Lambach und Wels zum Ambacht der Grafschaft Putten gelangt, und hat sich dieselbe bis über Hartberg, über die Pinka und an die obere Lafnitz erstreckt; so waren dieser und sein Sohn und Enkel Arnold II. und Gottfried, einst über jene Landtheile gewaltig. Weiter sind wir nicht mehr unterrichtet, bis mit der ganzen oberen Karantancrmark auch diese östlichen Theile des Landes in die Herrschaft der tratingauischcn Ottokare gekommen sind. In der alten großen Waldmark, und in den zehn Gauen mit ihren Untergaucn der mittelalterlichen Steiermark finden sich ungefähr von der Mitte des neunten bis in das dreizehnte Jahrhundert urkundlich verzeichnet gegen neunhundert topographische Namen von Flüssen, Bächen, Gebirgen, Gebirgshöhen, Alpen, Thälern, Gegenden, Ortschaften, Städten, Schlössern, Burgen, Pfarrkirchen, größeren Gehöften und einzelnen Ansitzen. Größtcntheils kirchliche Urkunden sind es, die uns solche Aufschlüsse über die mittelalterliche Topographie des Landes geben. Hätten wir über die wendische Steiermark zwischen der Mur und Save, und über das Land an der Lafnitz, Saven, Feistritz und Raab zahlreichere Urkunden; so würden diese Landtheile vom neunten bis in das dreizehnte Jahrhundert eben so belebt erscheinen, wie das Steirerobcr-lanü und der mittlere Theil desselben von der Sakkau und Sulm bis über den Rungau hinauf. Nebenbei aber liegen keine Urkunden über den Besitz so vieler hocheülen, edlen und gemeinfrcicn Geschlechter und Familien vor; auch sind in den vorhandenen Urkunden nach damaliger Geschästswcise, nur die Gegenden und Orte Juvavia, Anhang, x. 16 — 18. 116 — 117. der verschiedenen Besitzungen angegeben, ohne den dort bestandenen großen Höfen, größeren Gehöften mit vielen kleineren Vorwerken, und allen darauf seßhaften Hörigen und ihren Familien. Denkt man dies Alles noch hinzu, so tritt ein lebensvolles Bild einer vollständigen Bewohnung des Landes von dem neunten Jahrhunderte angefangen vor unsere Augen; und außer der großen Waldmark zeigt sich kein Theil des Landes, der damals nicht schon beinahe in dem Maße, wie heute, bewohnt und bebaut gewesen wäre. Hierzu kommt endlich noch die wichtige Erscheinung, daß diese früheste Bewohnung und Cultur fast überall auf Gegenden und Orte fällt, welche durch Römeröenkmale bezeichnet und als uralt bewährt sind ’). So reicht Alles in langer Kette ununterbrochen durch die Römerepoche ganz hinauf in die vorchristliche Urzeit. Wie hochehrwürdig steht nun manch' steierische Burg auf lüftigem Felsengrath, mancher Bauernhof, manches Gehöfte auf grüner Matte des sonnichten Hügels, oder auf üppigem Thalsgrunde am befeuchtenden Bache! Schon in der Urzeit stand es dort in Mitte vorahn-licher Fclösiur an Wald und Quelle — als der unerschütterliche Träger aller besseren, aller edleren Menschenverhältnifse. Hunderte von Familien durch öritthalbtausenö Jahre wohl sogen auf dieser Stelle aus der mütterlichen Erde Nahrung, Gedeihen und Glück, und verkünden aller Nachwelt die ewige Lehre, wie dankbar der heilige Boden den Schweiß und die Sorge seiner fleißigen Pfleger belohne, und wie der Wohlstand und Reichthum aus diesem Schooße gesogen, allein der edelste und menschenwürdigste seye! *) So finden wir bewährt und gar nicht übertrieben die Schilderung der Marken an der Mur, Raab, Fcistritz und Drave in der Lebensbeschreibung des salzburgischen Erzbischofes Konrad I. (I. 1106 —1147): „Sciendum quo-que occasione et fiducia tantae eoncordiae inter Regem (Ungariae) et Arclriepiscopum, non solum Episcopi terrain antique cultui redditam, verum etiam Marcliiam villis, castris, cultoribus ita repletam, sicut in praesentiarum cernitur (Anno 1180), ut melier longe modo esse credatur, quam antiquis temporibus fuerit; cum fertilitate et omni specie utilitatis non multum distare videatur ab Austria; et distraetio et venditio liominum utriusque sexus, quae antiquitus usitata exstitit, nunc rarissima imo inaudita sit.“ — Vit. Chonradi I. ap. Pez, p. 247. Cap. XIV. Der Standesunterschied und die Classen desselben in verschiedenen Benennungen nach verschiedenen Verhältnissen des bürgerlichen Lebens. Im bürgerlichen Vereine und in den festen Ansitzen aller cel-tisch-germanischen Völker gab es freie Männer oder Herren, und Unfreie, Knechte, Leibeigene oder Sclaven. Zwar nicht durch Geburt und Gesetz, mahl aber durch Geist, Klugheit, Tapferkeit und Rcichthum (welche Vorzüge alle die Gunst und Bewunderung derjenigen errangen, die sie nicht befaßen), schieden sich bald aus dein Gcfainnitstandc der Freien — Angesehenere oder Adelige (Nobiles, Edelingi) ') vor den übrigen, den Freien und Freist ev orne It geradeweg (Ingenui, Liberi homines, Frilingi) aus. Auf gleichem Wege durch die Vorzüge des Geistes, Muthes und Reichthuines konnten sich durch Jahrhunderte fort freie Männer in die höhere Stufe dieser Angesehenen, der Adeligen emporhebcn. Neben diesen gab cs auch Freigelassene (Liberti, Lazzi) aus dem Stande der Knecht- und Leibeigenschaft in die Elaste freier Männer erhöht. Eben so traten auch urayfänglich schon Freige-borne, freie Männer in den tieferen Stand der Dienenden, der dinglich Unfreien hinab. Ein sehr großer Theil celtisch-ger-manischer Unfreien oder Dienenden waren keineswegs Leibeigene, mit Hals und Haupt einem Herrn Gehörige und Sclaven, sondern Hintersassen, dinglich unfreie Bauleute, auch Gutshörige genannt, jeder auf einem besonderen größeren oder kleineren Gehöfte eines Herrn, Adeligen oder Freien, rücksässig (Colonus ru-sticus) und daher dem Herrn des Gehöftes, dem Grundherrn, zu gewisse» jährlichen Diensten und Abgaben an Getreide, Vixhe, Klei-öungöstvffen oder Kleidern verpflichtet. Dieser dem Herrn zu leistende bestimmte Theil vom jährlichen Erträgnisse eines Gehöftes hieß Zins (Census); weßwkgen zinspflichtig und dinglich unfrei seyn, Eines waren -). Uranfänglich genossen alle Freien gleiche Rechte; Vorrechte und Privilegien gab es nicht. Alle Freien zusammen wählten aus ihrer Mitte diejenigen zu Häuptlingen und Führern, welche sich in ihren Versammlungen, in. Kriegen und im Die Wurzel des Wortes Adel ist Ot, Od, Ad, And, s. v. «. ein Gut, Besitz, Eigenthum, Reichthum. — Beim Äcvo bedeutet Otaker einen Reichen. 2) Tacit. l)e Mov. Germ. Car. 15. An diese Aussage des Tazitus reihen sich die ältesten Urkunden über Güterbesitz in Deutschland genau an. Leben durch Geist, Erfahrung, Tapferkeit bewährt hatten, und durch Güterbesitz Einfluß behaupteten. Solche freie Männer erscheinen nun in ihren Genossenschaften und Wehrmannien als Könige, Fürsten, Heeresführer (Herzoge), als Vorsteher und Obrigkeiten für die Friedensgefchäftc der Stämme. Die Abstammung von solchen Stammvätern und ihren Edelgefchlcchtern gab aber bald, auch ohne öffentliche Gewalt, besondere Vorzüge: Fähigkeit zu obrigkeitlichen Würden, die Dorberathung in allen, und die Entscheidung in minder wichtigen Dingen, die von der Volksversammlung zu beschließen waren, das Recht, ein Dienstgefolge zu haben, und das Schutzrecht über unfreie Leute. Diese Haupt-vcrhältnisse des germanisch-celtischcn Standesunterfchiedes vor den fränkischen Capitularicn gestalteten und blieben die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft in allen fränkisch - austrasischen oder germanisch-baioartschen Ländern; also auch in der Steiermark, — mit dem einzigen Unterschiede, daß der alteeltisch-germanische Adel des Geistes, Reichthumes, Muthes, Verdienstes, des Ansehens und der Achtung int Laufe der Jahrhunderte auch hier zum Adel der Geburt und der Gesetze, zu einer eigenen Kaste mit rechtsbegründeten bürgerlichen Vorzügen nach verschiedenen Graden sich fort-gebildet hatte. Das altbajuvarische Gesetz, welches auch für die austrasisch-baioarischen Vorländer als Gesetznorm durch Jahrhunderte gegolten hatte, erkennt unter all seinen Völkern den Standesunterschied der freien und unfreien Männer; unter den Ersteren den Adel (Nobiles), und darunter die höchste Fürstenfamilie der Agilolfinger; dann mehre diesen zunächst stehende Adelsgeschlechter, die Nächsten oder die Ersten nach den Agilolffngern (Primi post Agilolfingos, — Genus nobiliuni hominum); endlich die freien Leute (Liberos, Litos), und dann den Stand der Srlaven, Leibeigenen (Servos); und es gründen sich vorzüglich auf diesen volks-thümlichen Standesunterfchieö der Fürsten, des Adels uitd der übrigen freien Stämme die Verschiedenheit des Wehrgelöes, und die meisten seiner anderen Verfügungen im bürgerlichen Leben. So fest bestand das bereits lange schon erblich gewordene und Familienweise fortgepflanzte Adelthum, daß alle anderen Freien unter den Bezeichnungen »andere Leute, mindere, geringere Leute des Volkes, welche frei sind" — erscheinen '). Alle anderen l) Lex Bnjuvar. — Edit. Baluz. pag. 265 — 267. 273. 316. 327. „Com-ponat unicuique secundum Gcnealogiam suam. — Alii homines, Mino-res populi, qui liberi sunt.“ Document?, die fränkischen Zcitbncher, und die Urkunden von Salzburg, Passau, Freisingen, Monsec, Kremsmünster, Tegernsee, Altrich überzeugen uns vollständig von dem entschiedenen Anthcile der fürstlichen Geschlechter, der adeligen Freien und der Gemein-freien an den wichtigsten Geschäften des innern Volkslebens, und an den entschciücnöstcn Ereignissen in allen baioarischcn Vorländern des fränkisch-austrasischen Reiches— am Hofe, auf den Mars-nnd Maifelüern der Könige, in den Pfalzen der baioarischen Herzoge, der Markgrafen an den östlichen Reichsmnrken und der Ka-rantanerherzoge, und in allen öffentlichen Versammlungen der Vornehmsten von Auftrasien, der Fürsten von Baioarien, der Vorderen, der Ersten, der Optimalen der Baioarier, des Volkes, der Ersteren, der Höheren Baioarier, der Ersten der Ostmark, der Landesbaronen, der Geehrteren, der Freigebornen, der freien Männer, — unter den besonderen Bezeichnungen und ausschließenden Titeln: Erlauchte Männer, Herren und Frauen, Hochansehnliche Männer, Ge-walthabcnde Herren und Frauen, — Gute, höhere Personen, — Leute guten Geschlechtes, — Leute aus dem Stamme guten Adels entsprossen u. s. w. ')• Außer dem Vorrechte des Wehrgelöes, und außer der Verpflichtung, dem Könige als Dienstmann treu und gewärtig zu scyn twas auch schon die gewöhnliche Benennung Antrustiones bestimmt genug bezeichnete), unterschied auch jetzt noch die Adelsclasse von den andern Freien nur die Fähigkeit, ein Dienstgefolge zu haben, zri höheren Staatsämtcrn und zu Würden in den Genossenschaften zu gelangen, und auf ihren Höfen (Immunitates) Unfreie zu schützen. In den Dolksgemeinden hingegen genoß der Adel keine Vorzüge. Jene Vorrechte aber waren nun schon vollkommen erblich, und sie konnten in der Regel überhaupt schwerlich anders mehr, als durch Geburt erworben werden. Da jedoch der König durch i) Frcdegar. cap.: 52.53. — Lex, Bajuvar. 272. 316. 325. — Juvavia, Anhang, p. 8. 25. 37. 39. 40. 43. 90. — Archiv für Südd. II. 214 — 216. — Perz, Mon. Germ. 111. 1. 9 — 10, 31. 188. — Eginh. Annal. an. 757. — C'hron. Adonis an. 805: „Proceres Austriae, Proceres in Austria, Principes Bajoarii, Pnmores, Primi, Majores, Optimales Ba-joarioruin, Primi Orientalin Provinciae, Borones terrae, — Honorati-ores, lngenui, Homines Franci, Franci, — Bonae personae, Majores personae, boni homines, boni generis homines, Personae nobiles, Homines progenie bonac nobilitatis exorti; — Viri, feininae illustrcs, Pracclari homines, Viri potestativi, Feininae potestativae“. Beförderung zu hohen Aemtern, durch Schenkungen von Besitzt!,,»», durch Verleihungen von Lehengütern in eine solche äußere Lage versetzen konnte, wie sie der Adel durch Geblirt besaß oder erwarb, so mag auch an einzelne so begünstigte Geschlechter auf diese Weise der Adel gekommen scyn. Nach dem natürlichen Gange der Ereignisse ist nun auch unter den Bewohnern der Steiermark im Mittelalter der Adel nicht eine erst neu entstandene Classe derselben, sondern er hat sich in den altceltisch-germanischen Familien aus der Römerepoche durch die Zeit der ostgothischen Herrschaft erhalten und fortgeerbt. Wir bezweifeln auch nicht im geringsten, daß bei einer so fest erwiese-nen durchgreifenden Romanisirung des ganzen Landes mit diesem ursteierischen Adel zum Theile auch originalrömische Rittcrfamilicn vermischt gewesen sind, welche als einflußreiche ansehnliche Güter, besitzer zum früheren norisch-pannonischen Provinzialadel der Steiermark gehört, sich in die gothische Epoche fortgepflanzt, und bei dem Ilebcrgange der Länder an die austrasischcn Bajoarier und Franken auch sogleich der Dienstbarkeit der mcrowingischen Könige und ihrer agilolsingischen Baierherzoge (als Romani, — convivae regis, ducis) ■) ergeben haben. Mit dem bisher erwiesenen Stan-desunterschicde und dessen Abstufungen unter den rcltisch-germanischen Bewohnern der Steiermark hatte cs auch die ganz gleiche Bcwandtniß bei den pannonisch-karantanischen Slovencu; sie mögen denselben schon uranfänglich mit hergebracht haben, oder durch den Einfluß der austrasisch-baioarischcn Herrschaft dazu gekommen seyn "). Bon den fest ausgebildeten Adelsverhältnissen der fürstlichen Häuptlinge, oder adeligen Woiwoden, Knesen und freier Slovene» mit Srlaven und Leibeigenen überzeugen uns bewährte Dorumentc, des Slovcnen Herzogs Jnguos Mahl, und die in den fränkischen Zeitbüchcrn oft genannten Herzoge, Grafen und Edelherren in den Ländern der Save und Drave. Von eingebornen fürstlichen Geschlechtern, welche einigermaßen auch der Steiermark So findet sich zu Wals an der Saale im Salzburgischcn folgende Andeutung : Adalowint fern in a nobilis in vico Rom anise o. Juvavia. p. 4t. =) Die Urkunden von Salzburg, Aquileja, Freisingen, Brixen und Bamberg enthalten dafür zahlreiche Belege. Juvavia, Anhang, p. 15 — 16. 96-97. 108. 116— 117. 178 — 179. u. s. w. Bon Slovencn im Traungaue heißt *. Exceptis tarnen proprietatibus 11 b e r o rum S ela vo ru in. Rotenbach. Annal. Cremifan. p. 31. Annal. Lauvisliam. Anno 795—799. angehörcn könnten, kennen wir nur die Karantaner Slovencu Herzoge: Boruth, Cacazius, Ceithumar, Waltunk, Ingo (Jn-guo), Wonomir, Priwizlauga, Zeoimar, Cemikas, Et--gar '). Die karantanisch-pannonischcn Gränzgrafen: Goterain, Werinhar, Albrik, Gottfried, Gerald, Salaöio wagen wir eben so wenig einheimischen Geschlechtern zuzuschreiben, als die Herzoge von Salapuigis und von der Moosburg, Priwina und seinen Sohn Hezilo, endlich den pannonischen Herzog Bratzlaw in die Steiermark zu versetzen * 2). Zuverlässig jedoch mögen viele jener Männer, welche in den Verhandlungen zwischen dem Salzburger Erzbischöfe Liupram und Priwina, dem Herzog an der pannonischen Sala, als Zeugen anwesend gewesen waren (I. 850), und in welcher Epoche von neuerbauten Kirchen zu Pettau, an der unteren Peßnitz und zu Groß-sonntag (wie es scheint) Meldung geschieht, den Adelsfamilien deutscher und slovenischer Zunge an der steierischen Drave und Mur angehört haben, wie Chezil, Unzhat, Chotemir, Liutcmir, Zeurben, Siliz, Wulkma, Witemir, Trebiz, Brisnuz, Zwemin, Zeska, Cri-,nisin, Soymer, Zistilo, Amelrich, Altwart, Wellehclm, Friöpertht, Serot, Gunther, Arfrit, Nidriö, Jsanpcro, Rato, Dcoterich, Ma-dolpcrht, Engclhast, Waltkcr, Deodbalö 3). Daß unter den agi-lolfingischen Baierhcrzogen, insbesondere seit der Erhebung des Majordomus Pippin über ganz Austrasien und alle Vorländer desselben zu Ende des siebenten Jahrhundertes, und seit der Avarcn-vcrtilgung durch Kaiser Karl den Großen, mancher germanische Cüelherr auch in der Steiermark mit Besitzthum und Lehengütern beschenkt worden seyn möge, mit seinem Geschlechte dann aus Deutschland und Baioarien hieher gewandert und seßhaft geblieben sey, ist gar wohl glaublich; doch mangeln für einzelne Fälle alle historisch beweisenden Documente, so sehr man auch von diesem Colo-nisirungssysteme K. Karls des Großen Aufhebens machen will! Wir halten uns demnach an das Einfachste und die meisten mit dem Laufe der Jahrhunderte nach Kaiser Karl dem Großen urkundlich erscheinenden steirischen Edlen für Nachkömmlinge des uralten und landcseingeborncn celtisch-germanischen Adels. Nicht genug zu bedauern ist es, daß wir über die steiermärkischen Land- x) Juvavia, Anhang, p. 13 — 15. — Annal. Francor. Eginhardi Ann. 795, ") Juvavia, Anhang, p. 15 — 18. 3) Juvavia, Anhang, p. 16. theile nicht eben so frühzeitig und umständlich durch Urkunden unterrichtet sind, wie uns über die angränzenden norischen Gaue im Lande ob der Enns und Salzburg die Urkunden von Salzburg und Mondsee, Passau und Kremsmünster belehren. Im Pinz-gaue, Salzburggaue, Pangaue, Attergaue, Mattagaue und Traun-gaue erscheint der zahlreichste Adel der landeseingebornen Bewohner schon seit Anbeginn des achten Jahrhunöertes Bei einer Bevölkerung von gleicher Abstammung in der obern und mittleren Steiermark läßt sich mit Sicherheit auch auf das Bestehen desselben Verhältnisses schließen, wenn gleich die beweisenden Documente fehlen. Unter den ältesten steiermärkischen Hochedlcn erscheinen: Graf Witagowo trn admontischen Ennsthale I. 860; der reiche Güterbesitzer Bodilhelm zu Grätz I. 881; Kernia, sehr begütert an der Lobming, in der Einöde bei Knittelseld, an der Perchau, zu Maria Hof und an der Mürz I. 933 — 934 1 2); die Hochedlen Reginhart mit Gemahlin Suanahilt und Söhnen Regin hart und Wilihclm, begütert im Leobenthale an der Liesing und an der Mürz I. 923 — 934 3); der zum Baierhcrzoge Arnulf dem Bösen blutsverwandte Graf Alb rich im Aümontthale I. 931; der Edle Grain m an zu Puochskcho (Puchs, im obern Murthale) und zu Walde 4). Zuverlässig steierische Landesedle waren: Marchwart, reicher Güterbesitzer an der Ingering tut Murthale, vielleicht der Ahnherr der nachherigen Grafen von Ep-penstein und Mürzthal 5); Weriant mit seiner Gemahlin Ada-lasuinde und ihren Kindern Prrhtold, Pernhard, Hilti-gard und Woza zu Haus im obern Ennsthale 6); und Hart-wick, ein Blutsverwandter zum salzburgischen Erzbischöfe Adalbert II., und begütert bei Puch im Murthale 7). Dem einheimisch - steierischen Adel gehört wohl auch der königliche Getreue Walthun an, welchem K. Arnulf im Jahre 895 beträchtliche Güter in der untcrsteierischen Mark, an der Save zu Reichenburg ®) und Videm geschenkt hatte. Gleichzeitig neben 1) Juvavia, Anhang, p. 35 — 43. 2) Juvavia. p. 94. 104. 126. 3) Juvavia p. 129 — 130. — Nobilis vir Reginhart in Liupinatale. 4) Ibidem p. 132. 135. — Nobilis vir Gram an in Pnochskelio. 5) Juvavia. p. 166. — Marchwart, nobilis vir in Undrim. 6) Juvavia. p. 152. 7) Juvavia. p. 133 — 134. 8) Archiv für Süddeutschland. II. 213 - 314. allen diesen ist dem Steirerlande ganz und zum Theile angehörig der Stammvater der Grafen von Steier und Leoben, Ottokar I. als Herr von Land und Leuten im Ennsthale, um Leoben und im Murthal (I. 906); dessen Sohn Aribo II., das Geschlecht der Dynasten und Grafen von Leoben gegründet hatte (I. 973); dessen Urenkel, Botho der Starke, wegen Hochvcrrath seine schönen Besitzungen um St. Martin bei Grätz (I. 1055) verloren hat '). In der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts treffen wir mit Zuverlässigkeit in den Grafen Markward und Adalbero, Bater und Sohn, das einheimische Edelgeschlecht der Grafen von Eppenstein und Mürzthal im reichsten Güterbesitze im Murthale, Mürzthale und in der großen Waldmarkl 2). Zwischen den Jahren 963 und 976 lesen wir einen edlen Slovenen, La-d uka, bei Pettau und den slovenischen Gaugrafen Rachwin im Zitilinesfeldgaue, woselbst ihn K. Otto HI. (I. 985) auf den Ebenen um Pettau und am Bachergebirge mit Gütern beschenkt hatte 3). Dem Geschlechte der Grafen von Leoben der Steiermark gehörte auch an der im Gaue an der Laßnitz begüterte Psalzgraf Hartwig cJ. 1025 — 1041) 4). Wenn gleich vermuthungs-weise nur die Brüder Ruoöker und Ernust im Laßnitzgaue begütert, und Wolfold mit seinem Sohne Irin fried im nämlichen Gaue und auch zu Lobming an der obern Mur leßhast (I. 1041 — 1060) den alten steierischen Adelsgeschlechtern zugezählt werden dürfen; so gehören dazu unwiderfprechlich die ausdrücklich als Edelherren bezeichneten: Waltsried, an der (Sühn, am Hengstberge, um Rein und Kraubath begütert; der Edelherr Ep-P0, Herr von Gütern und Leuten an der Sulm, um Friesach, Algerstätten und Peckau im mittleren Murthale (1. 1041—1060)5). Eben jetzt erscheint auch ein neues Adelsgeschlecht reicher Besitzer diesseits und jenseits des Radelgebirges, zu Eibiswalü und Raö-lach, Graf Askwin, und der zu diesem blutsverwandte Edelherr Wezilo 6). l) Juvavia, p. 240. - :) Juvavia, p. 186 — 187. 215. 3) Juvavia, p. 210. 4) Juvavia, p. 223.: Tradidit idem comes Hartivicus praedium, quod juxta Lonsniza fluvium liabuit. 5) Juvavia, p. 250. 251 : Nobilis vir in Carintia Waltfrid. — In Carinila quidain nobilis vir Eppo» 6) Juvavia, p. 253.: Nobilis vir Wezil, — Portio, quae šibi adhuc in portionem a comite Ascuino devenire debuit. Schon zu Anfang des eilsten Jahrhunderts scheinen die Wilhelme, Grafen von Friesach und Zeltschach in Kärnten, versipp-schaftet mit den Nachkommen des Edlen an der Saan und Save begüterten Walthuns, diese aufgeerbt zu haben, und so gleicher Weise durch überreiches Grundeigenthum an der Zotlla, Nirine, Save, Saan und Enns im Admontthale dem Lanöesadel der Steiermark angehört zu haben '). Die Nachkommen der Markgrafen von der Saan, Markgraf Ulrich II. mit seinen Söhnen, dem Markgrafen Poppo Starkhand, Graf Ulrich und Meriti and, Grafen von Windischgratz, sind in der Steiermark seßhaft und einheimisch geblieben, bis ihr Geschlecht schon in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, wie es scheint, ausgestorben ist Verwandt zu diesen und blühend zu derselben Zeit war das am Radel und bei Jaring in den windischen Büheln begüterte Geschlecht der Hochedeln, Grafen und Brüder, Weriant und Rudolph von Witenswald * * 3). Zu Ende des eilsten und zu Anfang des zwölften Jahrhunderts erscheint ün Rungaue ein eigenes Grafengeschlccht, von ihrer uralten Burg, Run, Ruen, oder Rune, die Grafen von Rune zugcnannt. Sie scheinen mit den Grafen von Leoben und im Traungaue verwandt gewesen zu seyn. Graf Wald, Walt oder Waldo von Rune ist der einzige, den wir aus Urkunden kennen (I. 1104. 1138) 4). Erst im dreizehnten Jahrhunderte treffen wir auf die Grafen Heinrich von Pfannenberg (I. 1224. 1236) und Ulrich von Peckau (I. 1240) 5). Von adeligen Männern und Frauen der Steiermark, welchen insbesondere, so wie den Grafen, dieselbe Bezeichnung: Adelige, Edle Männer, Frauen (Nobilis vir, Nobilis matrona, femina, Vir nobiliter natus et notabilis) zukam, kommen in Urkunden und Saalbüchern unzählige vor. In admontischen Documenten lesen wir: Meginhalm Edler von Hauzenbüchl; Magan, Eöclhcrr von St. Dionysen, 1) Archiv für Süddcutschland. II. 214 — 226. 2) Juvavia, Anhang, x. 282. 3) Hansiz, II. 195.: Quidam homo nobilis Rudolphus, frater Werigandi de Wittenswalt. — Weriandus comes ad Radilach. — Saalbuch von Admont. IV. 4) Saalbuch vom Stifte Lambrecht. — Dipl. Styriae II. 5273: Waldo comes in valle Rune. — Waith, comes de Runia. 5) Dipl. Styr. II. 182. I. 238. Nobilis vir Ilcnricus comes de Phanen-bcrch. II. 184. — Comes Ulricas de Pecca. Ä> 1074; Dietmar und fein Sohn Adilbert, Edelherren von Teuffenbach, 1.1074; Eberhard, Edler von Ocblarn, 1130; Rudolph Edler von Buzenberg, 1144; der Edelherr Ottokar von Eich, dem eigene Vasallen (Milites) dienten, 1094— 1150; Leo Edelherr von Püchl, I. 1170; Gottschalk, Edler von Chro-tendorf, 1170; Adalbero, Edelherr von Baierdorf, Adel-ram, Edler von Fcistritz; Reginhard, Edler von Tunwiz, I. 1170; Werinher, Edler von Chromat (Kraubat), 1130; — die Gößerurkunden nennen: die Brüder Wickart und Walther, Edel-hcrren von Waldstein, 1187; Otto, Edelherr von Leoben, Otto, Edelherr von Krems, Lantfrid, Edler von Eppenstein, Ottokar und Otto, Eöelherren von Grätz, Konrad und Rudolph, Eöel-herren von Kindenberg, I. 1187; das St. Lambrechtersaalbuch enthält: Ulrich Herrand und Leutold, Edelherren und Brüder von Wildon, I. 1253; Otto, Edler von Ernvels, 1272; in Sc-lkaucrmonumcnten finden wir: die edle adelige Matrone Gisila von Owssach (Assach im Ennsthale), 1172; Ulrich und Liutolö, Edelherren von Peckau, 1227; Gcbeharö, Edelherr von Saan-rck, 1237; Fridrich, Edelherr von Pettau, 1277; Kalhoch, Edler von Schrettenstein, 1282; Otto, Edelherr von Leibnitz, 1288; die Reinersaalbücher haben: Theoöerich Edler von Grei-seneck, 1206; Ludwig, Edelherr von Staöeck, 1226; in den Diplomen von Seitz, Geyrach und Mahrenberg lesen wir: die Eöelherren von Gonowitz Ortolf, Ottokar und Luitpold, 1184; Cholo und Konrad, Edelherren von Salden ho sen, 1251. Weiters kommen in Urkunden viele Adelige von besonderen Ortschaften, Burgen, Höfen u. s. w. zugenannt vor, und nicht durch die Bezeichnung Adelig oder Edel (Nobilis) unterschieden, sondern nur allein durch den Beisatz Herr (Dominus) ausgezeichnet. Die Urkunden von Goß haben: Herr Engelschalk von Pols, 1257, Herr Dietmar von Mure, 1257; Herr Dietmar von Gcula (von der Geil), 1279; Herr Dietrich von St. Peter (bei Leoben), 1297; Herr Friedrich von Ließing, 1266; Herr Herrmann von Freiberg, 1280; Herr Scyfrid von Marnberg, 1261; Herr Heinrich von Stubenberg, 1282; — die von St. Lambrecht: Herr Konrad von Katsch, 1249; Herr Ortolf von Strettwich, 1249, mit seinem Bruder Herrn Dietrich von Puchs, 1249; Herr Ulrich von Liechtenstein (bei Murau), 1250; Herr Walther von Piber, 1277 ; Herr Pillung von Kainach 1277. —Die von Admont: Herr Suitharö von Banstorf, 1244; Herr Ortalf von Kirchberg, 1248; Herr Otto von Saurau, 1240, 1286; Herr Wülfing vonTeuffenbach, 1256; Herr Rüöinger und Herr Wülfing von Perch au (Perchach), 1260; die Herren Otto und Ottokar von Utsch, 1257; Herr Konrad von Walt st ein, 1248; die Herren Ulrich und Leutold von W i l d o n, 1250; Herr Wernher von Jllz, 1265; Herr Richer vonPulzgau, 1257; Herr Walther von Luotenberg, 1285; Herr Heinrich von Rotenmann, Ritter, 1254; Herr Wernherr von Haus, 1270; Herr Gottfried, 1266 und Herr Walchun von Tummersdorf, Ritter, 1284; Herr Otto von Kammern, 1275; Herr Gottfried und Hartnid von Marchburg, 1250; Herr Ernst und Leo von Lobming, 1295; Herr Reinbert von Mourekke, 1249. — In den von Seitz: Herr Friedrich von Pet-tau, 1270; Herr Ortols von Plankenstein, 1206; Herr Heinrich vonRohitsch, 1256; Herr Fridrich von Schala, 1213. — Daß jxdoch auch diese Alle dem wirklichen Landesadel angehört hatten, erweiset sattsam eine Seckauerurkunde, in welcher 1.1288 Herr Konrad von Gl eis dors auch ein Adelherr (Nobilis vir) genannt wird '). Wir bemerken hiezu noch Folgendes: daß der angeführten Herren viele schon oben bei den ausdrücklich als Edelherren Genannten vorgekommen sind, und daß also der Titel Herr beiden gemeinsam gewesen seyn müsse, oder daß sie zusammen nur Eine Adelsclasse gebildet haben. Es kommen jedoch in Urkunden von Admont, Göß, Lambrecht, Rein, Seckau, Marnberg, Seitz und Stu-denitz noch viele Männer vor, welche besondere Zunamen von Burgen und Ortschaften tragen, welche später unter diesen gleichen Zunamen als Edelherren und Herren urkundlich wieder erscheinen, und die in den Documenten immer nur in solchen Verhältnissen und in einer solchen Stellung Vorkommen, in welchen nur Adelige und freie Männer erscheinen konnten. Wir führen solche nach der Zeitfolge auf: 1094 Engelschalk und sein Sohn Hartnid von der Mark (Marchia, vielleicht Marburg); Herranö von Ha-genberg (Regilo von Hachenberg 1172), Brun von Perchau (Perichah); 1104 Poppo V0N Schäufling (Suphlich); 1120 Dietrich von Linte (Lint); 1120 — 1130 Dietmar und sein Sohn Meinhalm von Puchs (Pux) Dietmar von Stein; 1129 (1146) Adalram von Waldekk; 1140 Lantfriö von Eppenstein; 1144 Rudbert von Tanne; 1149 Konrad von Strettwich; 1160 Dipl. Seecov. p. 249; und mehrere andere der obengenannten finden wir anderweitig dennoch wieder als Nobiles bezeichnet. Wignnt und feilt Sohn Wigant von Massinberg; 1164 Friedrich von Lonsberg (Landsberg); 1166 Gottschalk von Reutberg; 1170 Otto von Offenberg (Offenburg bei Pöls); Poppo und fein Sohn Poppo von Hengist; 1172 Otto von Wartende rg; 1173 Gebhard von S a neck; 1180 Herrand von Wil-don; 1181 Marchward von Schallun (bei Puchs); Otto von Königsberg (Chungcshevch); 1183 Dietmar von Rifenffein (Reifenstein bei Pols ; 1188 Ulrich von Stubenberg; 1187 Bertholü von Schalekk; 1209 Gebhard von Krumbach und sein Bruder Heinrich von Wildhausen; 1214 Kholb von Wachst e n e ck; 1242 Ulrich von Windischgrätz; 1256 Raspo von Pilstein (Peilenstein); 1275 Otto von Bruck; 1270 Albert Stucho von Trautmannsdorf; 1295 Johann von Ror und stein Sohn Heinrich. Man darf hieraus nun mit vollem Rechte schließen, daß alle diese damals schon dem Gesammtstande des Adels angehvrt hatten. Dieser Standesunterschieö des Adels und der Abstufungen in demselben tvird auch im altüsterreichischen Landrechte nach Grafen, Freiherren und Ministerialen vorzugsweise bezeichnet, und ausdrücklich angeöeutet, daß der Edelmann dem Lanöesherrn dienen solle mit seinem Schilde '). Die nach vollends ausgebilöetem Standesunterschiede der höheren Classen sestgestellte Rangordnung entnehmen wir aus einem Diplome Kaiser Rudolphs I. an alle Bewohner von Oesterreich, Steier und Kärnten im Jahre 1276, insonderheit an alle »Grafen, Freiherren und Ministerialen;" und dann Alle umfassend: »Geistliche und weltliche Fürsten, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, Pröpste oder andere Prälaten, Grafen, Baronen und Ministerialen *)." Nicht anders erscheint der Adel in seinen Stanöesunterschieöen in den Schriften Ulrichs von Liechtenstein, und er unterscheidet: »Fürsten, Grafen (Graven), Freie, Dienstmänner (Dienstmann), Ritter und Knechte;" mit welchem Namen er auch adelige Edelknaben, tut Dienste einer Dame, bezeichnet; er faßt Alle zusammen unter den Titeln: »die x) Ludwig Reliqu. Manuscript IV. 3. und §. 55. -) Suicrm. Landhandftst. ,>. 3 — 4. Ausgabe vom Lahre 1697. Ba- rones terrae sive Nobiliores — in Mou. Boic. XXIX. o2o. «». iwa, XXX. 46. 40. 141. 373. I. 1816. 1286. 1239. 1240., XXXI. oöa. 554. I. 1229. 1232. Hochgcbornen, die Hohen- die Herren und Ritter Eine größere Masse der altcestisch - germanischen Völker bildeten die freien Männer, die Gemeinfreien. Das bajuva-rische Gesetz sowohl, als auch alle andern gleichzeitigen Schriftsteller zeichnen diesen Theil der vollkommen Freien in der Reichs-bewohnerschaft mit den Benennungen: Freie, Fr ei ge borne (Liberi, ingenui, ingenue nati), freie MäNNkr, teilte (Leu-(les, Leodes), freie Leute (Homines liberi, Franci), freie BajuVarier (Liberi Bajuvarii) aus "). Alle jene Männer, welche in salzburgischen Urkunden vom neunten bis in daS zwölfte Jahrhundert Vorkommen, und über ihre in der Steiermark gelegenen Eigengüter mit gewalthabender Hand (mit allodialer Hand, potestativa manu) verfügen, ohne dabei als Adelige und E d e l h e r r e n ausgezeichnet zu seyn, gehören der Classe der Fr e i e n, der Gemcinfreien an: wie Selprad, ein reicher Güterbesitzer im obern Murthale (I. 923 — 934) * * 3). Solche freie und selbstständige Güterbesitzer und freie Männer und Frauen (germanischer sowohl als slövenischer Abstammung) treffen wir mit steigender Zahl der vaterländischen Urkunden aller Orten im ganzen Lande an. Aus admontischen Saalbüchern wollen mir nur folgende ««führen: Wolfram, ein freier Mann von Manöling (de Manlich), I. 1074; Rudiger, ein freier Mann von Hachenberg (de Hagen-berge) im obern Ennsthale, I. 1120; I. 1094 Gunther von Wenge, Azilie von Palta, Marchward von Kammern, Gezo von Ardning, Wilhelm von Grebming; I. 1139 Walther von Püchl, Engilbrecht von Dorf, Markwart von Ruzelen-dorf; Jlsunch, freier Mann vom Mürzthale (de Murze), 1140; Gerhard, Gerhoch, freie Männer von Gö'tzenöorf (bei Judenburg), Hemma von Schachen dors, Engilrain von Pöls, ein freier Mann, 1150; Pilgrim und Richfried, freie Männer von Pfaffendorf an der Liesing, und Reginhard, ein freier Mann von Dunewiz (Donawitz bei Leoben), 1150; Ozi von Tro-saiach, Wieland von Machet, Wald und dessen Söhne, Huch und Adalbert, freie Leute von Glein (bei Knittelfeld), 1170; Engelram von Pöls, ein freier Mann, 1170; Eberhard von *) Frauendienst, p. 66, 68. 294. -) Lex Bajuvar. p. 255. 270. 290. 298. - Luvavia, Anhang, p. 23. 24. 28. 32. — Gregor. Turon. III. 23. — Fredegar. cap. 37, 3) Iuvavia, Anhang, p. 175. Oussa (Assach, im obern Ennsthale) uttö seine Gemahlin Gisila, welche jedoch zu derselben Zeit in Seckauer-Ilrkunöen eine C d elfrau genannt wird, 1170, 1172; Pilgrim von Kammern ander Liesing, ein freier Mann, 1170; Kollmann, ein Freier von Tro-faiach (Treviah), 1170; Purchart von Stein, ein freier Mann, 1170; Kollmann, Goutti, Gotti, freie Leute von Leoben, 1170; Leuthold, ein freier Mann von Peckau, 1216, und 1259 Ulrich, frcitr SSionn (Libertinus) von Peckau; Udalrich, ein freier Mann von Grätz (de Grace), 1170; Ottokar, freier Mann von Waljt chesöorf, Jsingrim von Mitternberg, Chuno von Feldkirchen, Aribo von Oebelarn, Eberhard von Haus; 1189 During von Hall, Meginwarü von Lasselsöorf, Wickpoto von Pru-ckarn, Gerhoch von Sundermanningen, Ludwig von Lam-prechtstetten, Hartnich, Wolfgang und Frowin von Kammern '). Für die untere March finden sich in Urkunden: Heinrich von K er sch b ach, 1252; Johann von Pilzgau, Herborö von Kötsch. Um das Jahr 1180 erscheint eine Frau, Reginhilöe, al§ eine absolut freie Frau (ab omni condilione servili liberrima) l'u Urkunden des Stiftes Steiergarstcn; und eben so eine slooenifche Matrone Kunegunöe (Matrona libera de genere Sclavorum) 2). Der freie Stand aller dieser gründete sich gleichfalls vom frühesten und vorrömischen Alterthume her in dem Besitze der Ge-sammtbürgschaft einer freien Volksgemeinde. Dieser Freiheitszustand sicherte jedem Freien die Rechtsfähigkeit nach Volksrecht zu, insbesondere die Freiheitsrechte, ein höheres Wehrgeld zu fordern, als der Unfreie, — wahres Eigenthum an Grund und Leuten zu besitzen, — in den Volksgemeinöen als Urtheiler, Zeuge und Vorsprecher zu handeln, — Rechtsgeschäfte, welche vor die Volksgemein-öe gehörten, vorzunehmen, — die Waffenfähigkeit und das damit verbundene Fehderecht, — endlich die Theilnahme an allen Verhandlungen in den Volksversammlungen. Nur durch die eheliche Geburt von freien Aeltern konnte diese Freiheit erworben werden, oder durch freiwillige Aufnahme einer unvollkommen freien Person in eine freie Volksgemeinde. Der Adel und diese freien Männer ge- 7 ' *) Admonter Saalbuch. IV. p. 11 — 43. 140. 143 147. 150. 152. 186. 188. 202. 204. 220. 230 245. 261. 285 - 286. 294. Dieser m allen Urkunden des zwölften Jahrhunderts noch sehr zahlreiche Stand der gemeinfreien Saalgüterbesitzer ist durch das nach und nach zunehmende Prckanen-wcsen sehr vermindert und herabgebracht worden. Kurz, Beiträge. II. p, 534 — 535. 529. statteten die große Masse der Wehren, der Wehrmänner, der eigentlichen Staatsbürger; und zahlreiche Urkunden bis in das dreizehnte Jahrhundert überzeugen uns von dem sehr ausgedehnten Besitze allodialcr Güter dieser freien Männer in allen Gegenden der Steiermark. Im Laufe der Jahrhunderte jedoch scheinen sich in dieser ansehnlichen Classe der Freien einige besondere Abstufungen ausgebilöct zu haben, bis wieder zu kennbaren Unterschieden tn denselben selbst. Man unterschied edelgeborne Freie (ingenuos, ingenue Natos) — so zu sagen ritterbürtige Freie, — von einer tiefer stehenden Classe, von den Freien ge-radeweg, von den Gemeinfreien, Freibauern, Gerichtsbauern, Sachbüuern (Liberi homines, Sagebavones, Sachi-barones — in wiefern sie in Sachen ihres Gleichen auch bei Gericht waren). So wie aus der Classe des Adels, waren auch sehr Niete aus dem Gesammtstande der Freien ohne eigenthümliches Besitzthum und Gut. Solche Freie nun erscheinen in Urkunden und Saalbüchern theils durch die Verpflichtung zur Treue im Dicnst-gcfolge- und zwar ohne Nachtheil der Freiheit, als Vasallen, Krieger oder Kriegöleute (Milite* aliorum), oder als Dienst-mänNer Anderer (Ministeriales aliorum), entweder der Könige, Fürsten (Herzoge und Markgrafen), Hochstiste, Stifte und Klöster, des höheren und mittleren Adels (dann auch Vasaiii regii, An-trustiones, Adelschalchi ') genannt, und in höherem Wkhrgelöe gehend), oder selbst auch der ritterbürtigen Freien und der gemein-freien reicheren Grundbesitzer, und zwar entweder im Besitze von Lehengütern oder Beneficicn, und daher dinglich unfrei, — oder als auf den Allodialgütern Anderer förmlich rücksässige Bebauer der Höft und deren Vorwerke, als Colonen, Colon ist en, Gutsbauern, Dicnstbauern, Zinsleute (Colom, Bustici, Homines altcrius, Famuli, Aprisionarii, Familiäres, Familia Curtis, Gasindi) 1 2), daher mcistentheils als Hofhürige, und im Gegensätze ihres gemeinfreien Standes gegen Adelige, welche in Dienst-mannschaftcn und Lehensverhältnissen standen, auch genannt P a r-m(inner, Barschalchen, Parschalken, Parlinge, Bar- 1) Lex Bajuvar, p. 327: Servi Principis dicuntur Ad Eischale. 2) Capitulare R. Clotharii: De liberis homlnibus, qui proprium non lia-bent, sed in terra dominiea resident. Anno 820. — Perz, III. 354. und 169: De Liberis et Vasall is. gild en (Barscalci, Parscalci. Barschalch, Barschalci) '). So bildeten diese zusammen zwischen den Dollkoininenfreien und den gänzlich Unfreien, oder den Leibeigenen und Knechten, so zu sagen, eine in Mitten stehende Classe der Bewohner, die Classe der Unvollkommenfreien, der Zins - und Dienstpflichtigen, und der Hörigen. Ein großer Theil dieser Zinsleute (Censarii, Censuales) hatte sich bald freiwillig, bald nothgedrungen entschlossen, auf ihre Freiheit zu verzichten, und in den Stand der Zinsschast zu treten; womit ihre persönliche Freiheit, und selbst ein beliebigeres Schalten mit dem zinsbaren Gute gar wohl bestehen konnte. Die Dienstleute im Allgemeinen waren, ungeachtet vieler Abstufungen '-), in ihren Verhältnissen als Rücksässige von den Hörigen nicht verschieden, aber als Vasallen, als Kriegsmänner Anderer, besonders bei Königen, Fürsten, Hochstiften, Stiften, Grafen und Edeln, zum Kriegsdienste verpflichtet, und daher von gemeinen knechtischen Diensten frei. Die Dienstleute oder Ministerialen im eigentlichen Sinne waren zur Verwaltung aller jener Aemter fähig und verwendet, welche keine Gewalt über freie Leute gaben, als Verwalter, Schaffner, Mairr (Villici, Majores) der Höfe ihrer Herren, und dann lvegen der mit den Emunitäten verbundenen richterlichen Gewalt, auch Unterrichter (Judiccs) genannt, als Burggrafen auf den herrschaftlichen Burgen * 2 3); für Ehrenämter am Hofe ihres Dienstherrn; wo sie dann unter den Vorständen der Oberhosämter des MarschallS, des Kämmerers, des Truchsässes, des Mundschenken standen, welchen überhaupt alle andern Hörigen und am Hofe des Herrn Dienstleistenden, unter-gestellt waren 4). Der Lehengüterbesitz begründete bei den Ministerialen das Gefolgeverhältniß der reltisch-germanischen Comitate oder Gelkit-schasten, welches in dieser Epoche förmlich geregelt, und zur Vasallenschaft vollständig ansgebilöet worden ist. Da von Ministevia- 1) BargiUli, Bargildon, i c. libcri homines. Mon. Boi«. XXIX 34, 35, 90. 100. 387. 393., in heil Jahren 1033. 1049. lies. — Juvavia, Abhandlung. p. 555. (gj. Anhang. >>. 28. 120. 128. 177. 179. 22lst — BeUenpach, Annal. Cremifan. p. 34. (Aus der Epoche I. 712 —1041.) - Mon. Boica. I. 33., IX. 359-, XUI 309. 310. 2) Ovilo Ministerialium I. 1158 in Moil. Boi«. XXX. 397. 3) Ottokar von Horneck zählt die Burggrafen zu den geringeren Mimfte-rialen. p. 374, Die Urkunden nennen: Strator, Faber fenavius, Cavpontavius, Poica-rius, Vinitor u. s. w. lität und Dieiistmamischaft weiter unten noch einmal gesprochen werden muß, so führen wir hier nur noch folgende Belege an. Vermuthungsweise schon seit seiner Gründung zu Anfang des siebenten Jahrhunderts, zuverlässig aber seit der Epoche K. Karls des Großen hat das Hochstift Salzburg, anfänglich in der obern, dann auch in der untern Steiermark Land und Leute erworben, und zugleich auch die lange Reihe seiner steiermärkischen Ministerialen begonnen. Alle Besitzesveränderungen und neuen Erwerbungen durch Tausch und Verkauf sind nach damaligem Rechte und nach der Sitte mit Rath und Zustimmung der hochstistischen Ministerialen (consultui fidelium Laicorum) im obern Murthale, im Mürzthale, im Liesingthale, im Admont- und Ennsthale, im SullN - und Laßnitzthale (I. 923 — 934, I. 963 — 976, I. 1025 —1041), und die reichen Spenden an Land und Leuten bei der Gründung des Stiftes Admont sind mit einstimmigem Rathe und Beifalle der hochstistischen Ministerialen vollbracht worden (I. 1074) '), In aümontischen Diplomen und Saalbüchern lesen wir folgende steierisch-salzburgische Ministerialen: Janus und Hart-nid von der March (Mark), 1094 und 1130; Konrad von Rass' au (im Bezirke Lanösberg bei Frauenthal), 1130; Popo von Piber, 1150; Otto von Chulm, 1170; Richher von March-burch, 1188; Ulrich von Mukirnowe (im Sausale), 1197; Rudolph von Holneck, 1190 — 1200; ein Diplom des deutschen Ordens bezeichnet den Friedrich von Pettau (I. 1249) als salzburgischen Ministerial * 2). Wenn nicht viel früher, doch gleichzeitig mit dem Hochstifte zu Salzburg fallen des Patriarchates zu Aquileja Erwerbungen in Steiermark. Sind wir gleich hierüber nicht so umständlich wie aus salzburgischen Urkunden unterrichtet, so bezeuget doch eine einzige Begebenheit es vollständig. Bei der Gründung des Beneöik-tinerstiftes zu Oberburg im Saanthale (I. 1140) sind hundert Dienstleute beiderlei Geschlechtes mit ihren Ansitzen demselben Stifte geschenkt worden mit demselben Rechte und Gesetze, wie sie dem Patriarchate zu Aquileja gedient hatten 3). Neben den Hochstif- 1) Juvavia, Anhang, p. 126. 130. 133. 141. 151. 190 — 200. 222 -231. 262. 2) Dipl. Duc. Styr. p. 211. 3) Dipl. Duc. Styr. 11. 287: „unum molendinum cum suo nianso et ministen alibus utriusque sexus, proprie centum, qui legem et jus aqui- ten hatte der Landes-Markgraf von Steier eine ungemein große Anzahl von Ministerialen tut ganzen Lande; deren Namen wir unten angeben werden. So reich an Grund und Boden, eben so mächtig an Dienstleuten im Murthale, Mürzthale, Aflenzthale und im Kainachthale waren auch die Grafen von Mürzthal und Ep-penstein und Herzoge in Karantanien. Viele dieser Dienstleute sind dtirch sie an das Stift Lambrecht gekommen *). Unbezweifelhaft groß war die Zahl der Dienstleute der Markgrafen von der Saan, oder der untern Steiermark; wir kennen jedoch aus admontischen Urkunden den einzigen Albert von Cchenvelüe als Dienstmann des Markgrafen Günther von Hohenwart, 1140. So wie das Non-nenstift Goß, eben so hatten auch das Stift Admont und alle anderen Stifte des Laitdes eine große Zahl der eigenen Ministerialen -). Nicht minder zahlreich ist der Stand der Vasallen, oder Ministerialen Krieger und Kampf- oder Waffenmänner; welche von den Aüodialherren gewöhnlich mit Verlehnung eines Gutes, und unter eigenthümlichen Förmlichkeiten, von welchen die Leistung des Lkheneides (Homagium, Vasalegium, Sacramenlum iidelitatis) die Hauptsache war, dazu erkieset wurden Die Namen der Waffenmänner des Markgrafen von Steier werden wir unten ange-bcn. Auch die Stifte und Abteien hatten ihre eigenen Kriegsmän-uer. Von Admont kennen >vir den Wczilo, Kriegsmann (Vasall), des h. Blafitls zu Admont (Miles de familia 8. Blasii), 1198. Selbst auch Männer und Familien des minderen Adels hatten ihr eigenes Gefolge von Wehrmännern, wie Sw iker von le jensium Dienstmannioi'uin eorum collaudatione habere cum omnibus possessionibus suis. J) Saalbuch von St. Lambrecht. Dipl. Styr. It. p 270 — 277. (I. 996 — 1104). 2) Dipl. Duc. Styr. I. 26. 36. (1357), 74. (1276), 91 - 92. (1294). 3) Saalbuch von Admont: Pro hu jus praedii pretio Dietmar de Tiuffinbaeh XII. libras argcnti ab Archiepiscopo Gebehardo accepit. Et statim Archiepiscopus recipiens Cum per manus soli to more milite m šibi Tee it, et decimam ad Welmärisdorf, et quidquid Arcliiepisco-pus in liac villa liabuit, et X situlas vini annuatim, et III. situlas mellis, el praedlum, quod ad Puocli, quod Ozie Archiepiscopo ded it , idem Dietmar in benefioium accepit. — Dasselbe geschah auch mit Dietmar's Sohn: „Filium per manus acceptum Archiepiscopus mili— tem sibt fecit.“ — Nach dem Tode des Erzbischofes Gebehard hat sein Nachfolger Thiemo viele an Admont schon geschenkte Güter an salzburgi-scheWaffenmanner gegeben: Ticmo persccutione incumbcnte militum prae-sidia qiiaerens concessit bona; — worüber das Stift Admont Klage erhob, und Recht behauptete. Gösting, 1150, und seine Waffen«»ä»ner (et militcs ejus), Otto von Graze, und Eberhard der Jüngere, sein Wehrnrann; Otto von Leoben, und Albero, sein Waffcnmann; Herrand von Wildon, und Richer und Meinhard, seine eigenen Streitmänner, 1190; Gottfried von Wictingen, ein reicher Grundbesitzer tin Sausale, I. 1150, mit seinem eigenen Kriegsmann Badivin, 1150; der freie Mann Reginhard von Dvnaivitz (Tunwize) und Heinrich und Herbart, seine Vasallen, 1150; Otto, Waffenmann des Otto von Strechau, 1196; Dietmar von Haus, Egilolf und Konrad, Waffcnmänncr vom Ennsthal (Milltes de Enstal), 1190; I. 1249 Hilpranö und Ulrich, Ritter (Milites) von Ro hit sch; I. 1264 Gundacher Ritter von Königsberg; Siboto, Kriegsmaim von Ozilonitz oder Oplotnitz, 1213; Perenger Ritter von Gonoivitz, 1271; und um dieselbe Zeit werden bereits die rittermäßigen Leute als eine eigene Classe im österreichischen Landrechtc bezeichnet '). Die Freilassung erhob aus dem Stande gänzlicher Unfreiheit in die höheren Classen der Landesbeivohner. Die Freilassung geschah gewöhnlich nach gewissen Graden und Bedingungen: Erhebung aus der Leibeigenschaft in die Classe der Gutsbauern, der sogenannten Hörigen (Servorum in Colonos), dann von dieser in die Gilde der vollkommen freien Männer (Colonorum in Liberos), endlich, wiewohl sehr selten, aus diesen sogleich in die Classe des Adels. Jede Freilassung geschah mit gewissen Förmlichkeiten vor dem Könige, Landessürstrn, in der Kirche, oder im Volksgerichte, und meistenthcils durch Ertheilung eines förmlichen Freibriefes. Von daher trugen solche Freigelassene besondere Benennungen, Chartularii, Tabular», Homines denariales s). Die meisten Freigelassenen blieben aber vielfach ohne eigen-thümliches Desitzthum und ohne Lehen, die sic nicht muthen durf- x) Oesterr. Landrccht §. 8. apud Ludewig Rellqu. Manuscript. IV. 2) Libellus perfectac et absohitae ingenuitatis. — Per cartam ingenui-tatis a Domino legitime libertatem consequqtus über permaneat. — De bis, qui überorum conscriptionc ingenui facti sunt — besagen salzburgische Urkunden und die Kapitularien. Juvavia, Anhang, p, 79. — Perz. IH. 114. 188 196 — Georgisch, p. 548. — Bajuvarisches Kapitulare yom s.788: Qui per cartam ingenuitatis dimissi sunt liberi. — Nach Paffauerurkundcn geschah die Freilassung der Hörigen durch Testament, vor Gericht, in der Kirche vor dem Altäre, und durch die Cercmonie des Ausschlagens eines Pfennigs aus der Hand. Jahrb. d. Literatur XLIV. p. 5. teil (corrimcnclare sc in feudum) •); UNd fie lebten fortwährend unter eigenen, bei der Freilassung schon gewählten Schutzherren; oder sie wurden als Schutzhörige des Landesfürsten und des Königs behandelt; in welchem Verhältnisse sie dann auch beständig Schutzbefohlene (commendati) hießen. Mit diesem Schutzrechte eines Freigelassenen hatte dann der Schutzherr das Recht und die Pflicht, denselben vor Gericht zu vertreten, das Wehrgeld für ihn zu fordern, und ihn auch, zwar nicht vor der Descendrnz, aber bis zum dritten Grade zu beerben, und gewöhnlich auch einen bestimmten Schutzzins zu fordern, Alle diese Gerechtsame wurden mit dem Worte Vogtei, Vogtschaft, Mundschaft ( Vdvocatia, Mundium, Mundiburdium) begriffen. Alle Schutz-pflichtigen waren demnach unvollkommen Freie, so wie die Zinspflichtigen. Durch Loskaufung von der Schutzhörigkeit konnte man sich in den Stand der Vollkommenfreien hinausheben 2). Ungemein zahlreich war endlich auch der Stand der Sclaven, der Knechte, der Leibeigenen, beiderlei Geschlechtes, im eigenthüm-lichen Besitze der Könige, Fürsten, Grafen, der Kirche, des mittleren Adels, und selbst der gemeinfreien reichen Güterbesitzer. Der Ursprung dieser Bewohnerrlasse gehört dem celtisch-germanischen Alterthume an, und zwar durch Geburt, wenn auch nur der Vater oder die Mutter leibeigen war, weil immer das Kind der ärgern Hand folgte; durch die Ehe mit einer unfreien Person, welche Cigenthum eines Andern war; durch Vertrag, durch Gefangenschaft im Kriege, Selbstherabdrückung in den Sclavenstand, durch Zahlungsunfähigkeit im Falle von Schulden, und endlich wohl noch durch Verjährung. Alle diese, sie mochten gefronte Leibeigene seyn (Pro innata servitute), oder als früher Freie sich selbst in den Stand der Leibeigenschaft herabgedrückt haben *), waren grö'ß-tentheils familienweise auf den Höfen und den dazu gehörigen kleineren Gehöften reicher Landbesitzer zum Baue derselben rücksässig, *) Bon der untern Steiermark wissen wir indessen doch, daß freigelassenc Hörige auf ihren Gütern belassen worden sind. So gab H. Ulrich von Kärnten im I, 1263 dem Stifte zu Oberburg das Borrecht, alles, was sie von den Ahnen der Freigelassenen erworben hätten, ungehindert und frei zu besitzen: Quidquid in rebus Libertinorum acquisierint, libore possidcat Monastc-l-ium. Dipl. Styr. II. 2.92 — 293. ") Capitular. Carol! IW, Ratisponcns. Ann! 788. — Georgisch. Corp. Jur, Germ, antiqu, 548 — 550. - Mon. Boic. XXX. 83, I 1319; XXXI. 519. 545 , I. 1225 1230. Muntman, 3) Lex Bajuvar. p. 257. 265. — Juvavia, Anhang, p 216 mit Hals und Haupt, mit Weib und Kind ihren Herrn gänzlich zu Eigen, tum ihrem Willen und Winke in Allem abhängig, an das Gehöfte und dessen Grund und Baden festgebundene Eigrn- leute (Glcbae adscripti, Servi manentes, Servus cum colonia sua) *); und sie wurden daher von ihren Herren vielfältig verkauft, vertauscht, verschenkt, verspielt. Die Beweise dafür finden sich von dem altbajuvarischen Gesetze angefangen in zahlreichen kirchlichen und andern Urkunden und Documenten bis zum Schlüsse des dreizehnten Jahrhunderts. Alle Erwerbungen und Veränderungen tm Güterbesitze des Hochstistcs Salzburg auf steiermärkischem Landesboden, zu Mautstadt und Grätz, I. 923 — 934 im Leobenthalc, an der Liesing und Mürz, im obern Murthale bei Knittclseld, Furt und Buch bei Judenburg, zu Haus im obern Ennsthale, I. 970 am Nidrinhofe und bei der Stadt Zuib auf dem Leibnitzerfelüe, I. 1055 zu St. Martin und Straßgang bei Grätz, zu Gumbrechtstäöten an der Laßnitz u. s. w., sind fammt-lich mit dem Erwerbe oder mit der Hindangabe aller auf jenen Gütern haftenden rückfässigcn zahlreichen Leibeigenen oder leibeigenen Eigenleute geschehen (cum utriusque sexus mancipiis) -). J,n Jahre 1025 kamen durch die Schenkung K. Conrads II. an die Familie der Grafen von Eppenstcin und Mürzthal auf Hundert Man-sus Grund und Bodens alle Leibeigenen beiderlei Geschlechts “). Im Jahre 1042 schenkte K. Heinrich in. seinem getreuen Markgrafen Gottfried zwei Mansus königlichen Bodens im Orte Gö-sting bei Grätz snmmt allen darauf rücksässigen Leibeigenen i) * 3 4). Zu E,,de des eilsten Jahrhundertes kam die Kapelle oder Kirche auf dem Schlosse Hengst oder Hengist sammt dem dort angestellten Geistlichen und mit allen Leibeigenen an das Stift Lambrecht a). Die admontischen Urkunden und Saalbücher des zivölften Jahrhundertes liefern viele Beispiele von Schenkungen mit Leibeigenen, Vätern und Söhnen, mit ganzen Familien an den h. Blasius zu Admont (Super All are 8. ISlasii. — Super reliijuias 8. lilasii «). i) Juvavia, Anhang, p. 99. 152. v) Juvavia, Anhang, p. 104. 130. 133. 152 166. 187. 239. 240. 3) Saalbuch von Sk. Lambrecht. 4) Mon. Boica. XXIX. I. 76 - 77. 4) Saalbuch vom Stifte Lambrecht. oj Ldmontischcs Saalbuch IV. — p. 205. Pcrclitoldus de Bongotve dedit quatuor mancipia sua Alachtilde euut dtiobus liliis suis, Togiiio et nerganje. lliltigavde quoque delcgavil ad. quinque-nuntuios ainiuatim per- Das Stift Oberburg im Saanthale gelangte 1140 zu Grund und Boden mit fünfhundert darauf haftenden Eigenleuten und ihren Familien beiderlei Geschlechtes '). Ein reicher Mann Rudolph von Lübgast (Ligist) schenkte im Jahre 1267 dein Nonnenstifte Goß seinen zu Leoben seßhaften Eigenmann Chunger, mit allen Kindern, die ihm aus rechtmäßiger Ehe kommen werden, zum immerwährenden Jahreszinfe von drei Denaren; eben so auch eine andere leibeigene Familie den Konrad von Leoben und dessen Kinder Gertrud, Kunegund, Hermann und Konrad zum ewigen Jahreszinse von drei Denaren -). Im Jahre 1272 gab eine adelige Matrone, Gisela von Veltsperch, dem Stifte Seckau fünf Eigenleute, weder von der besten, noch von der schlechtesten, sondern von der Classe der Waffenmänner mit Söhnen und Töchtern, zum ewigen Zinse von 10 Marken Silbers * 2 3). Im Jahre 1285 schenkten Wülfing von Hannau und Leo von Lobming zwei leibeigene Familien, Hermann von der Ragnitz und seine Tochter Kunegun-de, das Weib eines gewissen Friedrich Wolf, und deren Kinder, dann Leutold, den Bruder Hermanns, und Leutold, den Sohn ihrer Schwester (omne jus, ijuod nobis — tanquam in servis propriis competebat); und in eben demselben Jahre schenkte dann auch Hartniö von Wilöon seinen Eigenmann Friedrich von Voits-bcrg, Wolf zugenannt, dem Stifte Admont4). Im Iah re 1289 eolvendos super Altäre 8. Blasii. — p. 313. Reginherus ministerialis servum suum Hermannm super Altäre 8. Blasii trailidit eo jure, quo sibi serviebat. — p. 314. Sigefridus de Gluze dedit super Altäre 8. Blasii ancillain suam Gisillam etc. — p. 315. Adelheit de Churcen-chirchen delegavit super reliquias 8. Blasii novem mancipia (in par-rocliia Laznich consistent™) — p. 319. Cliolman de Trevia tradidit super Altäre 8. Blasii servum Adelgcrum nomine. — p. 333. 235. — p. 330 — 355 Domina Gisila de Oussa delegavit mancipium suum Gertrud flliam Adalbert! et Hadmutae de Zezzenpercli. — p. 234. p. 250. Hartmannus ministerialis 8. ftudberti delegavit quamdam famulam suam Chunigunt ad Ecclcsiam Grebenich. — p. 260. Rüdiger de Arnicli cum nxore sua Hiltigarde delegavit super Altäre 8. Blasii duodecim man-cipia. — p. 298. 269. Gerunoli de Strcchowe delegavit mancipium suum Elisabetham. p. 12. 97. 288. *) Dipl. Styr. II. 287: Cum quingentis fere alius donationis mancipiis, cum suis mulieribus ac natis — pcrpetuo jure proprietario deserviant. 2) Dipl. styr. I. 55 — 56. 82 — 81. J) Dipl. Styr. I. 333. „Quinque homines jure mihi proprietario attinen-tes, non meliores neo etiam infimos, sed tarnen de genere militari, cum omnibus filiis et filiabus suis, et decem Marcarum redditibus tradidi. 4) Admontcrurkunde A. 22. 23. Dipl. Styr. I. 344. — Nach der Versicherung des Verfassers der Vita Chonradi I. Arcliiep. Salzb. ap. Pez, p. 247. Cap. XIV. hatte die uralte Gewohnheit, Eigenleutc beiderlei Geschlechtes zu zu Wels am 24. Juki schlossen -Herzog Albrecht I. und Otto von Liechtenstein/ Kämmerer in Steiermark, den Vertrag, daß die Knaben beiderseitiger Leibeigenen zwischen ihnen jedesmal gethcilt werden sollten ')• Hinsichtlich der Hörigen und der leibeigenen Un-terthancn deuten die Urkunden auf verschiedene Rechtsverhältnisse gegen ihre Herren hin. Das österreichische Landrecht sagt: Dem Herrn, welchem die leibeigene Mutter gehört, gehört auch das Kind (Partus ventvem sequitur) -). Im Jahre 1168 sprach sich eine Versammlung von geistlichen und weltlichen Personen, welche der salzburgische Erzbischof, Konrad II. zu Friesach deswegen berufen hatte, dahin aus, daß ein von dem Hochstifte beöiensteter Eigenmann mit einem vom Amtserträgnisse erkauften Gute ohne Wissen und Zustimmung seines Herrn nicht willkührlich durch Verkauf, Spende, oder durch Testament verfügen und schalten dürfe * 1 * 3). Der salzburgische Erzbischof Konrad I. stellte im Jahre 1139 die Verfügung zwischen dein Erzstifte und dem Stifte Admont fest, daß bei Hcirathcn von salzburgischen Leibeigenen, oder Hörigen auf admontischen Besitzungen, oder auf salzburgischen Saalgütern, die auf fremden Boden Uebertretenden sammt ihren Kindern dem neuen Herrn zu eigen bleiben sollten 4). Weiters erneuerte der Erzbischof Eberhard II. im Jahre 1209 mit dem Stifte Admont diese alte Ucbereinkunft: "daß, wenn ein Leibeigener des Hochstiftes eine Leibeigene des Stiftes Admont, oder ein admontischcr Leibeigener eine Sclavin dcs Hochstiftes ehrlichen werde, sie mögen Geld- verkauft«, zu seiner Zeit schon sehr abgenommen: et distract™ et vemiitio hominum utriusque sexus, quac antiquitus usitata exstitjt, nitne rarissi-ma, imo ct ijiaudita sit (Anno circiter 1180). 1) Kurz. Oestcrr. unter K. Ottokar. — I. p. 130. 2) Landrecht bei Ludewig §. 15. 3) Admontcrurkunde A. 11. „Convocatis najnquc fidclibus nostris, tarn lai-cis quam clcricis, generalem sententiam quaesivimus, si aliquod ccclc-siae nostrae proprium inancipium in officio nostro constitutum de uti-litatitius ejusdem officii aliquod praedium emeret, utrum idem inanci-pium praedium taliter acquisitum sine nostra manu vel auctoritate posset alicui dare, vel testari. Tališ itaque sententia nobis lata est: quod talil,us personis de hujusmodi praediis non liceret nec testamentum fa-cere, nec venditionem, nec donalionem sine nostro consensu. 4) Statuimus nihiloqiinus, ut omnes feminae, quae de potestate Salzbur-gensis ecclcsiae primitus nuptui traditae fuerint Servis monasterii, vel etiam viri quilibet in potestate vel in possessione coenobii liabitantcs juri ejusdem coenobii cum liberis suis perpetuo mancipentur: ct e convcr-so mancipia monasterii in nostrum jus cum liberis suis siinili condi-tione transcant. Saaibuch III. 99. zinsbar, oder in welch' anderem Verhältnisse seyn, immer das Weib mit beweglichem und unbeweglichem Gute und mit Kindern dem Manne folgen solle '). Im Jahre 1279 schloß Admont auch mit dem Bischöfe Konrad von Freisingen folgenden Vertrag ab, weil die beiderseitigen Saalgüter mit den darauf rücksässigen Hörigen im oberen Murthale und bei Oberwels einander nahe gelegen waren: „daß den beiderseitigen Hörigen für alle Zukunft die Ver-heirathungcn sreigestellt seyn sollen, auf die Bedingung: daß die Kinder solcher Ehen jederzeit zwischen Admont und dem Hochstifte Freisingen getheilt werden sollten; wäre jedoch nur Ein Kind oder eine ungleiche Zahl von Kindern vorhanden, so solle das Einzige, oder das einzeln bleibende Kind dem Besitzer der Mutter zugehä-ren" Im Jahre 1224 schenkte der Kärntnerherzog dem Stifte Göß einen Eigenmann, Otto, Sohn Ottos von Milberg, mit der Bedingung, daß derselbe, wenn er heirathe, in das Eigenthum des Herzoges wieder zurückkrhre, dagegen aber die von ihm erzeugte Nachkommenschaft zu gleichen Theilcn zwischen dem Herzoge und dem Stifte Göß getheilt werden solle * 2 3). Auf gleiche Weise trat Ritter Konrad von Vokkenberg im Jahre 1233 das Eigenthums-rccht auf die auö der Ehe zwischen seinem Eigcnmann Berthold Gauch und Judith, einer Tochter des Konrad von Kalzina, eines Leibeigenen des Stiftes St. Lambrecht, an eben dieses Stift für immer ab 4). Im Jahre 1274 verbot K. Ottokar von Böhmen, daß Niemand es wage, den Eigenleuten der Karthäuser zu Sei; die Freilassung zu rrtheilen 5). Für die Erlaubniß sich zu verehelichen mußten alle Hörigen dem Hofherrn eine Abgabe, Bedemu» ö genannt, entrichten. Traten sie in die Hörigkeit oder in den Schutz eines anderen Hofherrn, so entrichteten sie für die Entlassung aus ihrem Dienste wieder eine Abgabe. Wollte sich ein Höriger in auswärtige Dienste verdingen, so hatte die Gemeinde, zu ») Si duxerit scrvus nostri juris fcminain ecclesiae Admontensis, aut st sive ccusuales auri, sive cujuscunquc conditionis sint viri, — mutua ratiortc, semper virUm femina sequatur in persona, in rebus mobili-bus vel immobilibus, et prolis posteritatc. Admonterurkunde. A- 100. 2) Admontersüalbuch III. 292: „ita, quod pueri tarn masculi, quam femi-nae, qui ex hujusmodi matrimoniis fuerint procreati, inter nostram (Krisingensem) et ipsius abbatis ecclesiam aeqiialiter dividantur, hoc adjeeto etc. 3) Dipl. Stye. I. 38 - 39. 4) St. Lambrechtrr-Saalbuch. 5) Dipl. Styr. II. p. 74, der er gehörte, oder sein Hofherr das Vorrecht, zuvor von ihm den sogenannten Zwangdienst (Vasalldienst) zu fordern. Starb ein Höriger ohne Kinder oder ohne Anverwandte zu hinterlassen, so trat der Hof- oder Schutzherr als sein Universalerbe auf; waren Kinder oder gesetzliche Erben vorhanden, so suchte er sich das Beste von der Verlassenschaft des Verstorbenen aus (Besthaupt). Vielleicht schon aus der celtisch-germanischen Vorzeit herstammend, überhaupt aber milderte der Lauf der Jahrhunderte und der Einfluß des Christenthumes vorzüglich das härtere Loos der Knechtschaft leibeigener Familien und Hörigen. Von diefen konnten sich gar oft, nach Anordnungen menschenfreundlicher Saalherren, die Erstgebornen der Familien um geringes Geld loskaufen und frei machen. So hatte die fromme Gräfin Hemma von Friefach und Zeltschach, die Stifterin von Gurk und Admont, für alle auf ihren zahlreichen Saalgütern in Kärnten und auf beiden karantanisch-steicri-schen Marken seßhaften Eigenleute und Hörigen in ihrer letztwilligen Anordnung festgesetzt: »daß jeder Erstgeborne solcher Familien um ein halbes Pfund und fünfzehn Pfennige sich die Freiheit von gurkijcher Leibeigenschaft erkaufen möge ’)•" Salzburgische Urkunden des eilften Jahrhunderts enthalten Beispiele, daß manche Rücksässigen und Eigenleute des Hochstiftes eigcnthümliche erbliche Güter befassen, und mit denselben Tausch-Handlungen gepflogen hatten. Dergleichen Begünstigungen treffen wir auch schon in steiermärkischen Urkunden an, und zwar als besondere schon zum Gewohnheitsrechte gewordene Verhältnisse, wodurch das Loos der Hörigen jeder Classe dieses Landes vielfach gemildert worden ist. Wir treffen Eigenleute an, welche von ihrem Erwerbe Eigenthumsgüter sich angekauft hatten; wie ein Eigenmann des Markgrafen Ottokar VII. 1156, Wieland genannt, welcher neben den markgräflichen Saalgütern, worauf er rücksässig war, und von welchen er einige mit Zustimmung Ottokars dem Stifte Admont gespendet hatte, ein eigenes größeres Gehöfte erkauft im Besitze hatte. Eben so mußte manchem Hörigen oder Gutsbauern für jenen Ansitz, welchen ihm sein Herr nicht fürderhin zu belassen für gut erachtete, sogleich ein anderes Gehöfte zum Ersätze gegeben werden. Ein stiftadmontischer Maier und Höriger, Namens Gerhoch (Senior de familia 8. Blasii), war rück- l) Eichhorn, Beiträge. I. 183 — 184. Hi saftig auf einem dem Stistsgebäude nahe gelegenen Gute, Obern-hof genannt. Den strengen Mönchen schien die Nähe einer grasten Familie mit Weib und Mägden nicht zuständig. Um sie zu entfernen, übersiedelte man diesen Gerhach auf das Gut am Büchel im Paltenthalc. Auf die Beschwerde Gerhochs aber, daß er durch diese neue Besitzung verkürzt warden sey, mußte er wieder in das Admantthal zurück, und auf einem dem vorigen Gute gleichen Haf, auf das Büchclmayergut am Kulmberge versetzt werden, I. 1092 '). Um das Jahr 1210 waren zwei leibliche Brüder, Ottokar und Heinrich, Muasezechel zugenannt, zu Bachern bei Bruck tin Erbbesitze eines Lehengutes mit dem freien Genüsse des Erträgnisses (ex liereditai'io jure — cum libertate dominii et pro-ventus utilltatc), welches sie mit Einstimmung des Grundherrn dem Stifte Rein für gleiches Besitzthum zu Leuzenstorf vertauschten Eine Classe der freien Landesbewahner bildete, sa wie in allen Ländern des austrasischen Reiches und Baiaariens, auch in der Steiermark, feit der austrasischen Herrschaft, die Geistlichkeit. Hochstifte, Bisthümer, Stifte und Kirchen bewirthschasteten das Grundeigenthum, welches ihnen die christlichen Könige, Fürsten, Adeligen und freien Allodenbesitzer im Ueberflusse mit rücksässigen Leibeigenen, Feldbauern und Zinsen gegeben hatten, auf dieselbe Weise, wie alle anderen freien Allodenbesitzer. Sie wurden dadurch zu Grund- und Gutsherren einer großen Zahl von Hinter-saßen und Zinspflichtigen; und sie übten über alle das Schutzrecht, wie der Laienadel. Diesem Geiste gemäß hat daher K. Ludwig der Fromme für fein ganzes Reich die eigene Anordnung festgesetzt (Frankfurt, 19. Juni 823), und dieselbe dem Salzburger-Erzbischöfe Aöclram zugesenöet: »daß Niemand aus der Classe gemeiner und leibeigener Leute zum Priesterstanöe zugelassen und geweiht werden solle; weil dieses Standes Würde allein nur freige-barne und makellose Männer fordere 1 2 3). — Nach Angabe aller bisher angeführten Quellen gestalteten die geistlichen und weltlichen Fürsten, die Grafen und die Freien, und in diesen die höheren 1) Adnwntersaalbuch IV. 127. 2) Urkunde des Stiftes Rein. 3) Juvavia, Anhang, p. 78 — 79: „Ut abliinc nulla vilis at servil! condition! obnoxia persona ad gradum presbyterii adspirare permittatur. Non solum per mundos et sorde carentes, sed etiam omni praeditos honestate personas debet procnrari. und niederen Edelherren (Ministerialen und Vasallen), die Ritter, die Edelknechte, in Städten und geschlossenen Orten die Bürger, die Gemeinfreien, endlich auch die Bauern, Gebauern und Leibeigenen, die genaueren Abstufungen eines vollkommen ausgebildcten Standesunterschiedes auch in der Steiermark bis zum Schlüsse des dreizehnten Jahrhunöertes. Eigenthum an Grund und Boden. Verschiedene Benennungen desselben nach größeren und kleineren Abtheilungcu und Verhältnissen der darauf Rücksässigcn. Städte und zusammengebaute Ortschaften. Die freien Männer der Germanen und gallischen Celten, welche eigenthümlichen Grund und Boden befassen, wohnten jeder für sich auf der eigenen Feldmark im eigenen Hauptgehöfte (Domus), welches mit mehreren größeren und kleineren zerstreuten Vorwerken der dinglichen und leibeigenen Colonisten ein Einziges großes Gehöfte, und wie Cäsar und Tacitus es nennen, einen Weiler (Views) gestaltete. Zehn solche große Gehöfte mehrerer in Einer Markgenossenschaft lebenden Grundbesitzer bildeten in einem Gaue die Unterabtheilung einer Zehente oder Decanie (Decania), und zehn Decanien den größeren Bezirk einer Hunderte (Centena). Dieses Grundverhältniß des bürgerlichen Vereines der celtisch-germanischen Markgenossenschaften hat sich nicht nur bis in das Mittelalter herab erhalten, sondern ward in diesem Zeiträume noch mehr aus-gebildet und vervollkommnet. Was bei Tacitus ein Weiler hieß, erscheint im Mittelalter als Sallanö, Saalboden (Sala, Saa-la, Terra Salica, Salaricia) »), als Allode 2), und als eilt illt Eigenthume eines freien Mannes stehender geschlossener Grund und Boden (Hof, Herrschaft, Curtis, Curia, Marca, Terra, Villa dominicalis, indominicata) a) mit Feldern, WkidkN UNd Wäldern. Auch jetzt noch bearbeiteten eigene Rücksässige (dinglich Unfreie, oder auch völlig Leibeigene, Colonen, Feldbauern, Hufner, Hub- i j gala, i. e. dominium in Curti. Mon. Boic. XXXI. 484. — Cliron. Lu-naelacens. p. 68. 827. s) Alode, Aloda, Alodium im Z» 839. Mon. Boic. XXXI. 85. 99. 3) Daher heute noch bei manchem Herrschaftssitze die eigens benannten: Hoffelder, Hofwiesen u. s. w. ner, Hobarii, Casati '), einzelne ihnen mit Feld und Weide zu-getheilte Grnndtheile (Jugera) auf eigenen Ansitzen oder Hofstätten (Vorwerken oder Huben, Houestat, Hobae, Hubae, IIou-bac, Casae, Casatae). Zehn solche Saatgüter oder Freihofe mit ihren Huben machten eine Decanie, zehn Deranien eine Hunderte, und mehrere Hunderte eine Bicarie aus diese Unterabtheilungen alles allodialen Bodens gestalteten einen mittelalterlichen Gaugrafenbczirk oder Gau zu einem gemeinsamen Friedborg, einer zu wechselseitiger Sicherheit deS Eigenthums und der Personen zusammengcschworenen größeren Volksgeineinöe. So wie im höheren Alterthume waren auch jetzt noch neben diesen großen Saatgütern sehr zahlreiche kleinere Saalgrhöste, ohne dazu gehörige Vorwerke, aus welchen minder reiche freie Männer saßen und sie mit eigener Hand und mit ihren Familien bebauten, — wie wir oben schon Biele namentlich nachgewiesen haben. Jeder dieser freien Männer war innerhalb seiner eigenthümlichen Feldmark und Ge-höstesschwelle selbstständiger Herr, Richter, Priester und Anführer der ©einigen in Fehden. Nach celtisch-germanischen Weisen wurde bei der Eroberung eines Landes'dasselbe sehr oft, sowohl im politischen als auch im privatrechtlichen Sinne, ein Eigenthum der Sieger; und jeder im Lande und auf seiner alteigenthümlichen Feldmark verbliebene Bewohner wurde ein Eigenmann desjenigen Herrn, welchem er mit seinem Gehöfte zugefallen war. Diese wurden dann von nun an in den freien Volksgemcinden des herrschenden Volkes nur durch ihren Herrn vertreten; für diesen mußten sie das Land bauen, gegen ihn hatten sie kein Recht, und nur durch ihn war ihr Recht gegen jeden Dritten gesichert, weil sein Schutz sie rechtsfähig machte. Diese Alle begreift man dann gewöhnlich unter dem Ausdrucke Lassen, Lite, Gesinde (Lati, Liti, Lazzi), im Gegensätze der freien Familie, der freien Familienglieder, der Sippschaft. Vielmals aber ward nur ein Theil des Landes bei dessen Eroberung mit den darauf seßhaft verbliebenen alten Bewohnern als Eigenthum der Sieger erklärt; wo dann auch das eben be-zeichnete Verhältniß gänzlicher Hörigkeit eingetreten ist. Alle übrigen freigebliebenen Theile des eroberten Landes mit den Bcwoh- ') Rettenpach. Annal. Cremifan. p. 24 — 27. “) Die größeren Abtheilungen des Grundes und Bodens werden in den basti-varischen Gesetzen als Vici, Uecaniae, Humlredi, Ccntcnanae, Pafti vielfach erwähnt. (SfcfH) 6. Steiermark. - n. 3}?. 8 n mi desselben wurden dann nur pflichtig, dem Heeressürsten oder dem Adel des erobernden Volkes eine Abgabe vom Boden zu entrichten, welchen sie als altes Elgenthum behielten. Solchen Zins-pflichtigen blieb dann, wenn nur das Volk tut Ganzen unterthä-nig blieb, ihre Gemeindeversassung, wenigstens in Hinsicht aus das Cigcnthum. Was nun in diesen Beziehungen auf Eigenthui» an Grund und Boden für Veränderungen in der Steiermark nach der Römerepoche in den ersten dunkeln Zeiten der ostgothischen Herrschaft und der fränkisch-baioarischen Besitznahme vorgcfallen sind, kann nicht mehr dargestellt und nachgewiesen werden. Alle früheren Spuren jedoch, so wie die späteren urkundlichen Beweise führen darauf, daß in der pannonisch-norischen Steiermark das gelindere Verhältnis) vorwaltend geblieben sey. Beiweitem im grüßten Theile dieses Landes dauerte der uralte eigenthümliche Grund-besitz ungehindert fort. Alles frühere Staatscigcnthum der Römer an steierischem Grllnd und Boden wurde atlch jetzt von Ostgvthen, Baioariern und Franken als Fiskalgut angesehen und behandelt; und mit diesem wie mit vielen bei so vielen Kämpfen, Raubzügen und Zerstörungen herrenlos gewordenen Landtheilen und Gehöften hatten die Baioaricrherzoge und austrasischen Frankcnkönige Landes genug, um damit die Tapferkeit und Treue ihrer Hcercs-folge und Genossenschaften zu belohnen. Wenige steierische Lan-desbewohner dürften daher damals mit ihren alten Feldmarken auch ihre Freiheit verloren haben; wenige nur mit einer jährlichen Grundabgabe an den König oder an Adelige belegt und zinsbar geworden seyn. Natürlicher Weise sind die reicheren Allodenbcsitzer, welche den volksthümlichen Adel gestalteten, sehr bald in Dienst- oder Ministerialitätsverhältnisse der austrasischen Könige und Baioarier-herzoge gebracht und fortwährend darin gehalten worden. So waren jetzt die eeltisch-germanischen Steirer wieder in ihre Uroer-hältnisse und in die freie Beweglichkeit zur vollkomiiienen Ausbildung derselben zurückgekommen. Von jetzt an erscheint in der Steiermark aller Grund und Boden entweder als öffentliches, als Staats- oder Fiskaleigenthum, oder als Privatgut, Saalgut einzelner freier Landcsbcwohncr '), oder als Gcmeindegut, als Allmenden einzelner freier Markgenossenschaften. Der Fiskus oder die Staatskasse (Aeravium publicum, Respublica, -) Juvavl'a, p. 23. Anmerkung z. Dominium, Fiscus dominitus) ij! zu Folge öer bajuvarischen Gesetze eine altherkömmliche, festgcstellte und geregelte Einrichtung '). Fiskaleigenthum war auch alles herrenlose, oder in dieser Eigenschaft auch unfruchtbar und unbebaut öagrlegcne Land- Ohne Bewilligung des Königs durfte sich kein Freier etwas vom Fiskalboden eigenmächtig zum Besitze zueigncn. Die fränkisch-austrasischen und baioarisch- germanischen Herrscher schalteten mit staatseigen-thümlichem Grund und Boden auch in der Steiermark größtcntheils unabhängig. Im Jahre 881 war viel Boden der heutigen Stadt Grätz germanisch-kaiserliches Tomänengut, welches damals ein gewisser Voöithclm auf Lebenslang zu Lehen trug, nach dessen Tode aber an das Hochstist Salzburg für andere Besitzungen zu Mautstadt an der Mur übergegangen war * 2). Im Ennsthale der oberen Steiermark, Admont, Besitzungen im Paltcnthale, bei Roten-mann, im Liesingthale, im ober« Murthale und Äraubath, und Leoben kamen als Fiskalöomänen (Terra fiscalis, Praedia rc-gis, Mansus regii, oder wie es in Urkunden auch heißt: Res no-strae [Imperatoris, Regis] proprietatis, nostri juris) durch die Großmuth der germanischen Kaiser an die Hochstiftc Salzburg und Bamberg, an die Stifte Göß und Admont, und an die alt-adeligen Geschlechter der Grafen vom Traungaue, von Leoben, von Friesach und Zeltschach, und von öer Saan 3). Ueber Hundert Huben königlicher Fiskalgüter hatten die Urahnen des altberühmten Grafengcschlechts von Eppcnftein und Mürzthal, um Asien; in der Waldmark, im Mürzthale und aus der untern Steiermark, und durch diese das Stift St. Lambrecht erhalten 4). Ausgedehnter Grund und Boden, welcher vom neunten bis in das eilfte Jahrhundert an Freisingen, Göß, Admont, an das ka-rantanische Grafengeschlecht von Friesach und Zeltschach, im obern Murthale bei Oberwülz, Katsch, Lind und Leoben, in den Thä-lern der Laßnitz, Sulm, im Sausale, auf dem Leibnitzcrfelde, von der Mur bis auf die Höhen der cetischen Alpenkette hinan, in den Thälern der Saan, Save, Sottla und Nirine, zu Videm, Lich- 8 * *) Lex Bajuvar. ibid. p. 359. 261. 273. 281. — Mciclielbcck, Hist. Prising. I. p. 48. ") Luvavia. p. 104 - 105. 3) Dipl. Duc. Styr. I. 15 — 16. — Juvavia. p. 04. — Archiv f. Süddtschld. II. 224. — Bambergerurkunde I. 1048. 4) Saalbü'chcr von St. Lambrecht, und Dipl. Styr. II. p. 270 — 27«. tenwald, Reichenburg, Drachenburg und Naan gekommen i]t, war germanisch - kaiserliche Staatsdomäne gewesen *). Niel Land in der östlichen Steiermark an der Laffnitz, Saven, Raab, Feistritz und Pcßnitz, bis an die pannonisch-ungarischen Gegenden Steinamanger und Balatonsee hin, die Stadt Pettau auf dem Pettauer-selüe und im Dranthale, war gleichfalls entweder ursprünglich schon deutsch-kaiserliches, oder im Laufe der Zeit dem königlichen Fiskus verfallenes Staatsgut *). Seine bedeutenden Domänen im Levben-gaue schenkte K. Heinrich II. dem Stifte der Nonnen zu Goß, I. 1023 * 2 3). Man muß erstaunen über die Großmuth deutscher Herrscher, durch welche das fast über 10 Quadratmcilen ausgedehnte Territorium der heutigen Herrschaft Gallenstein an der Enns, Salza, Gams, Mandling und Lausach einstens an das Hochstift Salzburg und durch dieses als Stiftungsgut an den St. Blasienmünster zu Admont gekommen ist 4). Bon seinen Domänen als Markgraf und Herzog von Stcier schenkte der letzte Landesregent, Ottokar, ein ungemein ausgedehntes Wald - und Alpengebirge, zwischen dem Murthale, Palten- und Liesingthale an den Gaileralpcn gelegen, dem Chorherrenftifte zn Seckau im I. 1174 5J. — Aller Grund und Boden des geschlossenen Territoriums Einer freien Gemeinde oder Genossenschaft, in so weit derselbe nicht als urbares und bebautes Land zu den einzelnen allodialen Höfen gehörte, war Ge-sannntcigrnthum, gemeinsame Mark, Allmande derselben zu einem gemeinsamen Friedborg einer zusammengeschworenen Gemeinde. In der altern Zeit gehörten dazu auch alle größer» Waldungen. Später erst, und bei steigender Gewalt der Könige, der Herzoge und Markgrafen, sind sie den Markgenossenschaften genommen und in Bannförste verwandelt worden; fo wie sich dann auch andere mächtige Hochadelige ähnliche Rechte an dem einer Markgenossenschaft gemeinsamen Eigenthume angemaßt hatten. Für Steiermark mangeln jedoch hierfür urkundliche Beweise. <) iMeiclielbeck. I. 216. — Hund. Metrop. I. 141. — Dipl. Styr. I 3. — Juvavia. 114. 187. — Archiv für Südd. II. 215. 224. 2) Zuvavia. 16. 17. 95. 99. 210. 3) Dipl. Styr. I. p. 12. '*) Admontische Urkunden und Saalbücher. s) Dipl. Styr. 1. 162 - 164. Neben diesen Staatsdomänen und Gemeindegründen war der bei weitem größte Theil des Steirerlanöes freies voroäterliches, erbliches Saatgut, Privatcigenthum, reltisch-germanisches Wehrgut, Allodialgut, Alloö (Stlle, Sellunge, Sala, Saala, Terra sa-lica, dominica , dominicalis, Dominicale, Bominicum , Patrimonium , Hereditas a viatica, Proprietas, Substantia, Sors, ö. i. a Lot) '). Schon unter der ostgothischen Herrschaft erscheinen ausdrücklich freie Grundeigenthümer in der savischen Untcrsteier-mark Griindeigcnthum bildet einen HauPtgcgcnstand des baju-varischcn Gesetzes^); und von ftstgestelltem allodialcn Grunöeigen-thume adeliger und gemeinfreier Männer enthalten die hochstistisch-salzburgischen und alle andern Urkunden und Saalbücher der frühesten Zeiten schon unzählige Belege * * * 4). Nach diesen Quellen war aller privateigenthümliche Boden, jedes Feldstück, jede Wiese, jede Weide und Holzung in scstgeregelter Umgränzung durch Erdwällc, Gehägc, Zäunung, Marksteine mit eingehauenen Zeichen (positis saxis terminus justos novalibus praelixit) 5), uralte Bäume mit eingeschnittcnen Markzcichcn, durch Bergrücken, Hügelreihen, durch Flüsse, Bäche, Wege u. s. w. ausgeschicöen und bezeichnet (Mar-cha. Evidentia signa. Forae. Termini — Limites — Confinia). Die Gränzcn des Privateigenthumö waren heilig, und in streitigen Fällen wurden ortskundige alte Männer in feierlichen Eid genommen, welche die Gränzen umgehen, die Marken überall besichtigen und ihr Entscheidungsurtheil aussprechcn mußten 6). Fiskalgütcr Peru, Monum. Germ. HI. 191. — Oapit. Caroli M. Longob. Anni 813. Cassiodor. Var. V. 14. 15. „Universi possessores in Suavia con- stitllti," Lex Bajuvar. 264. 265. 298. 301. 317. u. f. tt>, 4) Zuvavia, Anhang, p. 23. 25. 32. 35. 37. 38. 39. 40. 42. 43. 63. 65. 97 selbst tief in den slovenischen Landtheilen p. 210. — Fez, Script. Austrian 1. 336. Anno 874. — Ludeivig, Script. Germ. I. 1121 — 1122 überall freie Verfügungen der Eigenthümer mit ihrem Grundeigenthume, ihre» Eigengütern „de quibus potestatem haberent; — jure hereditarioy — de proprio suo; — proprietatem suam; hereditates suas; — domini— catum so um; — potestativi, potestativa manu, perpetuo jure dede-runt. — Im Göttweiherstistbriefe vom I. 1083: ,, Allodia nobilium vi-rnrum. Allodium Marchionis. — Das Allodium Gedingen, Söding im Kainachthale gehörte einst dem Stifte St. Lambrecht. Dipl. Honens, p- ,3> und mehrere Besitzungen, welche Markgraf Ottokar im Z. 1146 dem Stifte zu Stein schenkte, nennt er: ,,liaec Allodia ccclesiac illi oonfirmavi. — Dipl. Styr. II. p. 9. c) Saalbuch v. Admont. IV. p. 237. 6) Lex Bajuvar. p. 296. 300. 303. — Zuvavia, Anhang. 45. 90. — Rettcn-pach. Annal. Cremifan. 28 — 30. — Pcz, Anecdot. 1. P. III. 76. oder Staatsdomänen und freieigene Güter erschienen aber nun weiters auch noch in den besonderen Verhältnissen von Lehen, Feudalgütern, Benesicien, Beneficialbesitzungen (Feuda, Beneficia). Den frühesten Angaben des Tacitus entsprechend, enthalten hierüber schon die altbajuvarischem Gesetze, und die frühesten Urkunden und Saalbücher des Hochstiftes zu Salzburg die zahlreichsten Belege Im Jahre 861 erhielt dieses Hochstift vom K. Ludwig dem Deutschen sehr viele Höfe, Ortschaften, Kirchen und ausgedehnten Grund und Boden zu vollkommenem Eigenthu-me, zu Stcinamanger, an der Schwarza, Güns, Pinkau, Safen, zu Nesselbach, an der Raab, Sulm, zu Pols, Kobcntz, an der Jngering, an der Liesing, zu Bruck an der Mur, an der Mürz und zu Straßengel, welche ehedem nur königliche Lehcngüter gewesen waren -). Um das Jahr 931 erhielt der Gaugraf Albrich im Ennsthalgaue tauschweise gegen andere Besitzungen eine Salzpfanne zu Hall tut Admontthale zum Eigenthume, welche er bisher nur als Lehengut vom Hochstiste zu Salzburg genossen hatte* 2 3). Für seine Eigrngütcr zu Hans tut Oberennsthale gewann um dieselbe Zeit der salzburgische Ministerial Deganbert Lehenbesitzungen als Eigenthum zu Perge 4). Zahlreiche Prioatlehen gewann das Stift Admont bei seiner Gründung tut I. 1074, und gab eben so viele stets wieder an Andere, und zwar größtentheils durch Belehnung mit dem Schwerte 5). Nach einem sehr alten Lehensverzeichnisse waren folgende Besitzungen in der Steiermark Saalgüter des Hochstistes zu Salz- Das ausgedehnte Alpen- und Waldgebirge zwischen dem Murthale, Palten-und Ennsthale, so der letzte Herzog Ottokar von Steiermark im I. 1174 dem Chorherrenstiste zu Scckau geschenkt hatte, ließ er zugleich durch Re-ginbcrt von Mureck umreiten, nach den Gränzen desselben genau beschreiben und als ein Allodialterritorium verzeichnen. Dipl. Styr. I. 163—164. Eben dies geschah auch bei streitigen Bcsltzesgränzcn admontischer Güter in den Jahren 1164 und 1184 auf der Schoberalpe. Saalbuch IV. p. 321. Lex Bajuvar. 264. 2) Juvavia. p. 95. „Tradimus ibi istas curtes in proprium, quao antea ibi fuerunt in bencficium ex alicujus dato. — 3) Juvavia. p. 133. Juvavia. p. 141. s) Juvavia. p. 260. — Andere Belege noch: p. 24. 25. 26. 30. 62 — 63. 82. — Saalbuch v. Stciergarsten. — Kurz. p. 487. 500. 5.36: Dominicate unum. Casa Dominicata. — Quod ex causa dominica benefieiatum fuit. — Bencficium dominicum. — Admontersaalbücher: Ense ab abbate nostro est inbeneficiatus! Wahrscheinlich ist der öfters verkommende Ausdruck: Militem sibi fecit, auf diese Belohnungsweisc zu beziehen. burg, und von diesem (Heils an die Herzoge von Oesterreich und Steicr, theils an andere Edelherren des Landes als Lehen verliehen worden: Die Grafschaft des Ennsthales von der Mandling bis an die Grafschaft zu Leoben mit Mauten, Zehenten, insonderheit Aussee mit dem Salzerze, Rotcnmann mit der Maut, das Dorf Liehen, viele andere Güter und Renten in der Grafschaft, und alle Neste» daselbst, init Ausnahme der Saalgütcr bei Grau-fchcrn (auf der Bürck); die obere und untere Neste Strechau fammt dem Berge, wie sic mit dem Tode Heinrichs von Erenvels, Wülfings und Ortolfs von Traunstein dem Gotteshaufe ledig geworden waren; das ganze Landgericht zwischen Hohenwart, Ra-gclbach, Illmsberg und Mannling; die Voglei zu Admont; die Insel, genannt Lutenwerd l Luttenberg), mit Vesten und mit aller Zugrhorung; die Stadt Neumarkt sammt der Veste daselbst; die Neste Arnfels mit allem Zugchöre ; mehrere Dörfer um Leibnitz und Pcttau; und die Zehenten um Hartberg, Rugersburg, St. Marcin und Grätz '), Die Zehenten im Passailcrthale hinter dem Schöckelgebirge besaß der Hochcdlc Poppo von Pcggau vom Hoch-stiftc Salzburg zu Lehen, I. 1245, und um dieselbe Zeit sind ansehnliche salzburgische Lehen in der untern Mark in Wvgendorf und Raan durch den Tod Reinberts von Murcck ledig geworden, im I. 1249 und gegen die Ansprüche des Konrad von Trakenbcrg an das Bisthum von Seckau gekommen Freisingische Feudal-guter an der Laßnitz im obersten Murthale gingen um das Jahr 1181 vom Dietmar von Liechtenstein an das Stift Lambrecht über * * 3 4), Um das Jahr 1146 erhielt das Stift Rein einige Lehengüter um Söding und Fcistritz vyn K. Konrad IL, welcher sie selbst erst aus dein Feudulbesitze der Fürsten, Ottqkar Markgrafen von Steicr, und Herzog Heinrich von Baicrn lösen mußte J). Alle Stifte der Steiermark, so wie sie selbst viele Lehengütcr befassen, gaben wieder an Andere dergleichen Lehen. Non den Nonnen zu Goß trugen zu Lehen: Richer, der Pfarrer zu Tra-güß, Feldstücke, 1255; Herr Erchanger und sein Sohn den Hof auf der Mell/ 1256; Herr Otto von Bruck und sein Sohn Hein- v) Juvavia, Abhandlung, p. 387 — 388. Archiv für Südd. II. 265 — 266. ') Dipl. Styr. I. 316. 333. 3) Saalbuch von St. Lambrecht. 4) Dipl. Styr. II. p. 11. rich von Utsch Güter bei Bruck an der Mur, 1260; die Zehenten bei Rotternstein derselbe Heinrich von Utsch, 1271; die Güter in der Veitsch Herr Otto von Liechtenstein, 1292; und eine Hube zu Trofaiach der Pfarrer dieses Ortes Herr Ulrich Mault, 1338; und andere Güßrrlchen hatten im I. 1312 Leutold von Bruck und der Pfarrer von St. Dionysen '). Bei der Stiftung des Nonnenklosters Mahrenbcrg verwendete Sigfried von Mahren-berg viele Lehengüter, welche er von den Domänen der Landesherzoge in nt gehabt hatte, I. 1251 — 1263 -). Ungemein ansehnlich waren die Besitzungen des Patriarchates von Aquileja in der untern Steiermark, welche die Patriarchen stets als Lehcngüter zu vergeben pflegten. Differ und Windischgrätz waren Aglaierlehen; und die Zehenten um Saldcnhofen, Fraßlau, Praßberg und Oberburg waren um das Jahr 1140 an die Edlen von Chagern verlchnt* * 3), später an die Grasen von Cilli. — Auch einzelne reiche Privat-saalherren gaben manche ihrer Besitzungen lehenweise hindan. So erhielt der Bürger zu Grätz, Walker und sein Sohn Volkmar, im I. 1247 von Friedrich Wülfing von Stubenberg das Gehöfte Wirtstorf mit allem Zugehöre, Bergrecht sowohl als Marchsutterdienste, so wie dieses früher Friedrich von Salzburg 4) zu Lehen getragen hatte. Das Grunöeigenthum war nach bestimmten Maßen ausgemessen; und von diesen Grundmaßen und von andern darauf gegründeten Verhältnissen trugen sowohl ganze größere und kleinere Gehöfte und Ansitze, als auch Feldstücke besondere Benennungen. Der celtisch-germanische Weiler, rin HauptgrHöfte, umfaßte mehrere Vorwerke, Colonien, Huben, Hufen genannt. — Nach dem Gesetzbuche der Baioarier 5) und den salzburgischen Urkunden umfaßte jede ordentliche Hufe eine mit Meßstab oder Meßruthe (Pertica, Virga, bald ju 10, bald zu 26 Fuß Längt) nach Jochen, Jaucharten, Tagwerken, oder Pflugwerken (Jugera, Jurnales, Ara- *) Dipl. Styr. I. 70. 77. 93. 105. 115. 119. 133. ") Dipl. Styr. II. 333. 3) Rubels, p. 761. - Schrötter. III. 384. — Dipl. Styr. II. 388. '«) „Villam in Wirtstorf, quam quondam Fridericus de Salzpurch a me habere dignoscebatur, Walkero civi in Greez nee non Volkmaro Klio suo cum omnibus attinentiis tarn jure montano, quam etiam March-dicnst contuli sub titulo justi feodi pcrpctuo possidendam.“ Senkenberg , Selecta juris etc. V. 349. — s) Lex Bajuvar. 263. n am) ') bemessene Grundfläche, gemciniglich von 36 Jochen, jedoch nicht ohne Ausnahmen -). — Dieser Hufengrund bestand aus Ackerland, Wiesen und Weiden, und umfaßte das Haus und die Wirthschaftsgcbäude mit dem darauf seßhaften Feldbauer oder Co-lonisten, dessen Weib, Kinder und Gesinde * * 3). Die frühesten Spen. den an das Hochstift Salzburg im I. 890 auf steierischem Boden mären einige ausdrücklich nach Hufen bemessen, wie 100 Hufen mit 10 Weingärten zu Zistancsfelü bei Pettau, und im Jahre 970 das große Hauptgchvfte Nidrinhof bei Leibnitz mit fünfzig königlichen Hufen 4). Jedoch nicht alle Hufen hatten ihr vollständiges Maß, als ganze Hufen (Hoba plena); es gab neben diesen (Ho-bae plenae cum pleno servitio) auch zahlreiche halbe Hufen mit dem halben Jinse (Hobae dimidiae cum dimidio servitio). WeiterS lesen wir in einheimischen Urkunden auch noch einen bestimmten Grundtheil bezeichnet mit dem Namen Hof, Stadcl- hof (Curtis, curia und Curtis, curia stabularia, quam vulgo Stadelhof dicimus), und auch diese wieder theils als ganze Höfe (Curia plena) und als halbe Höfe (Curia dimidia). Einen ganzen Hof achten wir einem heut zu Tage so genannten ganzen Bauern gleich. Der Stistbrief von Admont, I. 1074, enthält zwei Stadelhöfe am Grieß im Paltenthale, und zu Tres-witz im Lassingthale; und beide Ansitze bestehen heut zu Tage noch als ganze Bauernhöfe, zum »Griesmayer im Paltenthale," und zum ,'Dreschnitzmayer bei Lassing hinter Strechau" r>). Manche dieser größeren Gehöfte oder Höfe waren als Zehenthöse (Curiae, Gurtes decimales) von den Grundherren ausgezeichnet worden ; nicht als Höfe größeren Grundmaßes, sondern weil deit Schaffnern oder Rücksässigen auf denselben das Geschäft der jährlichen !) Juvavia. p. 40. 43. 64. 149. 168. 224. Territorium ad aratruin unuin. 2) Juvavia. p. 193: Hobani plenam XXX et VI jugera li ab entern. — Bei der Gründung von Goß wird an den gespendeten Fundationsgütern das für jede Hube altherkömmliche Grundmaß schon vorausgesetzt. Dipl. Styr. 1. 3 - 4. 5. 3) Juvavia. p. 31. 81. 97. “) Juvavia. p. 106. 113. 114. 175. 187. 260. s) Juvavia. p. 260. — p. 309 — 312. In Urbarverzeichnissen bestand also eine Abtheilung oder ein Amt (Officium) von zinspflichtigen Untertanen aus ganzen Höfen, halben Höfen, ganzen Hufen und halben Hufen. Im Rationario Styrlae kommen auch Curiae villicales vor, wenn wahrscheinlich mehrere Höfe Eine Billa bildeten. Zkhenlbehebung aufgetragen war '). Es finden sich endlich auch nach Höfe bezeichnet als Schwaighöfe, oder geradezu als Schwaigen (Curia pascualis, sive Schwaiga, Villa peeuavia, auch Vac-caria, quae vulgariter Swaige dicitur). Sic trugen diese Benennung allein nur in landwirthschaftlicher Hinsicht, weil auf derlei Gehöften (größtentheils auf den Alpen befindlich) allein nur Viehzucht getrieben worden ist; daher deren jährliches Erträgniß vorzüglich Käse geliefert hatte. In Urkunden und in den ältesten Urbarbüchern finden sich solche Schwaigen und Schwaighöfe sammt ihren Rücksässigen, Schwaigern (Schwaigarii), größtentheils im steierischen Oberlande, im Liesing-, Palten-, Admont- und Enus-thale Eine gewisse Anzahl von Höfen und Hufen bildete einen ausgedehnteren Grundbesitz unter der Benennung Mansus oder Mause (Mansus, wahrscheinlich von mauere, wohnen: eine Wohnung) i) * 3). Wie jede Hufe, eben so hatte auch jede Manse ihr altherkömmliches festgesetztes Flächenmaß, woran alle Gerechtsamen, welche der freie Theilhaber in gemeinsamer Feldmark haben sollte, daher auch die Jagd, der Fischfang und der Holzungsbann hafteten 4). Ein solch' ausgedehnteres Besitzthum scheint auch manchmal mit der einfachen Benennung Eolonie (Colonia) bezeichnet worden zu seyn. So schenkte K. Ludwig der Deutsche tut Jahre 865 dem Hochstifte Salzburg acht vollständige Mausen an der Laßnitz und zu Wisitindors in der östlichen Steiermark und in den angränzen-den pannonischcn Landtheilen, so, daß jeder Colonic, d> i. jeder i) Nettestes Admonterurbar. 2. 572. — Caesar. Amtal. I. 767. !) Admontersaalb. HI. 255. 296. 321. 327. — Dipl. Styr. I. 26». — Rationa-riurn Styriac. — Man kann hier auch noch bemerken, daß manche Grund-theile in Urkunden mit dem Ramen Area bezeichnet erscheinen, und darin selbst mit dem Sorte Hofstatt erklärt werden. Doch gibt es auch hierin verschiedene Formen. Die Area Gocstein bei der Billa Göß (tiocstaris) ist wahrscheinlich ein Maierhof gewesen; eine weidereiche Stelle hieß Pennt, Point, und wird in Urkunden erklärt mit: Area gram in is, quod vulgo voeatur Pinnt. Ndmonterfaalbuch IV. 3» 1198. Dipl, blaer. Styr. I. 3 — 4. 3V So sind im Dranthale die Grundmaße der Villen durchaus nur Mansi, — Diplom. Styr. II. 299-301. I. 1263. 4) Dipl. Styr. I. 15 — 16. — Juvavia- P- 210: XV mansus regales in villa Razwai dicta situs, si ibi inveniantur; si autem ibi inveniri non pos-sunt. in proximis villis ubi suppleri valeant, tollendos — et in pago Zitilinesfeld — auf dem Pettauerfelde, — cum omnibus ad cos rite per-tinentibus — venationibus, piscationibus, silvis. — 217. 242. 246. ___ APehw file Siidd. II. 225. 233: „Quinquäginta regales mansus sibi praccipiinus meiisurave.66 dieser Manftn 90 Joche urbaren Grundes, und Waldung eine Meile im Umfange zugemessen scyn solle '). — Viele urkundliche Belege verbürgen cs, daß mehrere Mansus auf Einem Territorium zusammen einen mittelalterlichen Weiler, eine Villa gebildet hatten. Man kennt aus Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts größere und kleinere Villen (Villa major, Villa minor), so, daß diese oft aus mehreren Genossenschaften bestanden, wie die Ville Britzlausdorf bei Pettau zwei Supanien umfaßt hatte. Aus diesen sind nach und nach durch eigenes Wcihbilö und durch schließende Umpfählung Städte und Marktflecken entstanden * 2). Weiters werde» sehr oft und mit Bestimmtheit Hufe und Manfen nach bajuvarifchen oder deutschen, und nach slovcnischen auch italienischen Maßen unterschieden (Hobae, Coloniae Sclavaniscae, Scla-vonicae, mristcnthkils in den Landtheilen der Slovencn, in der steierischen Mark, in Kram und im südlichen Kärnten; und Mansi Sclavonic!, bawarici, metae bawaricae), Es kllNN demnach kein Zweifel scyn, daß das Flächenmaß beider, der bajuvarifchen und der slovcnischen Hufen und Manftn, oder daß wenigstens die ba-juvarischen und slovcnischen Maße von einander verschieden gewesen scyen 3). Nach dem Verhältnisse ihrer Cultursbeschaffenheit *) Juvavia. p. 99: ,,De terra exartata, parata scilicet ad arandum, man-sos integros VIII, id est, ad unamquamque coloniam jugera XC, et de silva undique in gyrum milliarium unum.“ Von den Grundmaßen der Manftn finden sich in einheimischen Urkunden mehrere besondere Bestimmungen. Die Manseritia Sclavonics, Mansericia, Masscricia von Gütern in Krain und des Hospitals am Semmering scheinen bloße Hufen zu seyn. — Meichelb. I. P. II. 521. — Hormayr. Taschenb. Z. 1813. p. 15«. Ungewiß ist, was man unter Syntmansen zu verstehen habe? im Stifts briese von Oberburg 2- 1140: „et decem mansus, et duos Syntmansos cum suis mansis ncmorum et forestarnm cum uno manso nemori ad-jaccnti. Dipl. Styr. II. 287. — In den Mon. Boic. XXVIII. 135 UM das Jahr 903 erscheint die Andeutung: Sin dm an ui pertinentes ad curtein Vcringa! — ") Iuvavia. p. 20 — 31. — Dipl. Styr. II. 76. Seizerurkimde. — 3) Dipl. Styr. II. p. 3: „Tradidi quoddam praedium in Hartperch Bava-ricae metae, decem videlicet mansus et octo, sursum versus s tratam Hungaricam.“ — I. 1129. „Quatuor mansos Bavaricos in villa Brenstcde sites. I. 1210. ibid, p. 19. — Quatuor mansus Slavonic! in villa posita juxta Groze. I. 1161. ibid. I. 151. — Admontersaalbach IV. „Choloman liber homo de Trcviaoh tauscht an Admont molcndinum unum apud Treboch et tantum agri, quod cum molendino mans um unum Sclavonicum appreeictur. J. 1160 — 1170. — „Ut omnis decima Jn valle Rune redempta sit duobus bavariois mansis.“ 2. 1139. In Urkunden des Stiftes Rein erscheinen die Mansus Bavarici noch im Jahre 1210 zu Pacharn bei Bruck, zu Leuzcndorf bei Grätz und zu Premstatten. In den Gauen an der Saan, Drave und Geil komme» urkundlich auch Hobae italicae metae vor. — Indessen ist im Zusammenhänge urkundlicher oder ihrer Eigenthümer wurden Hufen und Mausen endlich auch noch unterschieden als: angebautc, von rücksässigen Coloni-sten bewohnte und cultivirte Mansen, und ungebaute, an Colonistcn nur pachtweise, oder nur auf eine gewisse Zeit überlassene Mansen (Mansus vestitus, habitatus, und Mansus apsus, territorium apsum); königliche oder fiskalische Mansen (Mansus regales, Fiscales), Mansen im Cigenthume adeliger oder geineinfreier Männer (Mansus ingenuiiis), Mansen, welch e tributpflichtig waren (Mansus servilis, tributa-lis), und Man sen, auf welchen persönlicher Heerüanns-dienst des Rücksässigen lastete (Mansus exercitalis) '). Frei-eigenthümliche Besitzungen werden sehr oft auch schon in den ältesten 'Urkunden Höfe, Hosmarkcn, Herrschaften, Herr-schaftsbezirke, St unter genannt (Curtis auch Curia. Hofmar-chia. Districtus et Dominium. Provincia. Oflicia) * 1'). Zuerst ist hier wohl eine Curtis das Hauptgehöfte eines freien Mannes, die Burg und der Hof eines Herzogs, Markgrafen, Sldeligen, ja selbst eines gemeinfreien und reichen Mannes, mit allen dazu gehörigen Vorwerken, Hufen, Mansen, mit allen darauf Rücksässigen, selbst mit Kirchen, mit Zehenten, mit Jagd und Fischbann, ohne gerade ein vollkommen geschlossenes Territorium um sich herzu habens). Eine solche Curtis, ein solcher Hof, Aüelssitz (Curves nobilium), Burg, ein solches Hauptgchöfte aber hatte ihren genau ausgemurkten und umfriedeten Boden zunächst um sich her; und eine frevelhafte Verletzung dieser heiligen Feldmark war sehr schwer verpönt *). Wie viel an Flächenmaß, Grundes und Bodens, wie Stellen genau zu unterscheiden, ob Meta im Begriffe eines Bodenska-chenmaßes, oder ob als ein bestimmtes Getrcidemaß, oder im Begriffe von Gränzc genommen sey, wie in folgender Stelle: „Arno],Ins comes de Strygan schenkt an Großsonntag praedinm, ubi Dobron resi-det in metis Teutoniac situm.“ — Dipl. Styr. II. p. 214. als bestimmtes Getreidemaß in Mon. Boic. IV. 26: „ut eidein denen, Mett as tritici persolvat.“ — i) Juvavia. p. 20-24. 28. 60. 94. 210. 242. 246. — Hansiz. II. 13. Z) Lex Bajuvar. p. 269 — 270. 296. 398. — Juvavia. p. 34. 37.105. 113. 135. 144. 146. 155. 166. 187. 192. — Admontcrsaalbuch Nr. IV. Curtis in Tolnik, quae quatuor mansus habet. — Dipl. Styr. I. 342. II. 141. — Mon. Boic. II. 445. — Mon. Boic. XXXI. 513. I. 1222: Hof-niarchia ad Dominicalia pertinens. *) Solche Gurtes oder Höfe und Hofmarken erhielt das Hochstist Salzburg zu Eigen schon im Jahre 861 an der Schwarza, Pinkau, Giins, Saven, Sulm, Mur, Jngering, Liesing, Mürz u. s. w. Juvavia. p. 95. 113. -i) Lex Bajuvar. 269 -370. 398- 301. 304. PAUL PERICI - Ifcjfii A' ‘j? A viel Hufen und Mausen zu einem solchen Hanpthofe, zu einer solchen Hofmark mit geschlossenem Territorium erforderlich waren, lässt sich nicht bestimmen '). Manchmal begriffen aber die Urkunden unter Curtis, Hof und Hofmark, ein ausgedehntes nach Bergen, Hügeln, Bächen und Flüssen, Markzeichen und Marksteinen umfriedetes, bezeichnetes und geschlossenes Territorium (ubi evidentia signa — in niontibus, fluminibus, arboribus — apparent) * 2), so daß ein solcher Herrschaftsbesitz von fünfzehn bis fünfzig und sogar bis zu dreihundert Mausen oder Hufen war. So gibt das Hvchstist Salzburg im I. 930 einem hochadeligen Manne Marquard für Besitzungen zu Undrim seine Hofmark (Curtem) zu Furt und Dischofesberg tut oberen Murthale mit allen Hufen und den darauf rücksässigcn Cigenleuten. Im Jahre 970 schenkt K. Otto I. dem salzburgischcn Erzbischöfe Friedrich I- die königliche Hosmark Nidrinhof bei Leibnitz mit 50 dazu gehörigen Husen (Curtem — theatisce Nidrinhof nominatam et quinquaginta regales hobas ad eandem curtem pertinentes). Die Hosmark zu Pettau, welche im Jahre 890 vollständig an das salzburgische Hochstift gekommen zu seyn scheint, umfaßte neben anderen Gütern hundert Hufen und zehn Weingärten zwischen der Drave und Dran am Pettauerfelöe. Und zu derselben Zeit besagen die Urkunden, daß die pannonisch-salzburgische Hof-mark an der Sala von den steierischen Ostgränzen bis Salapui-gis am Plattensee 300 Hufen und Weingärten umfaßt habe 3), Auffallend ist auch die große Hofmark von Tisfer, welche aus vier großen Hofmarken oder Aemtern der vier Schephonen bestand, und toelche dem Grafen von Heunburch jährlich 300 Marken von 524 und einer halben Hufe ertrug 4). Aller zu solch' einer Hosmark gehörige Grund und Boden, und das Territorium einer geschlossenen Hofmark selbst hieß dann vorzugsweise Sali- !) So besaß das Stift Admont um das Jahr 1180 bei St. Michael eine Curtis in Tolnik, zu welcher 4 Mansus gehörten „quae quatuor mansus batet.“ Saalbuch Nr. IV; so das Stift St. Lambrecht als Fundationsgut, I. 1103, die Kirche St. Martin zu Lind mit der Billa, mit Bäckerei, Mühlen, mit dem Stadelhofe und mit dem Fischbanne, — Dipl. Styr. 11. 372. 2) Lex Bajuvar. p. 298. 301. 3) Juvavia. p. 96. 113 - 114. 166. 187. 4) Item in Tiver redditus treceiilanim Marcarum. De officio quatuor Sche-phonum, in officio Schephonum Gerdei, in officio Schephonum Lcu-toldo, in officio Schephonum Juri/.la, in officio Schephonum Zaschiz. Lambacher Interregnum. Anhang, p. 176 — 177. scher Boden, Saalgrund, Herrschaftsgrund, Herren- grund (Terra Salica, Terra tlominica, Dominium , Districtus, Dominicale, Provincia, Villa indominicata, Casa dominicata')* und die dazu gehörigen Vorwerke und Ansitze hießen Hofgründe, Hofmarkbehausungen, Herrengrünöe (Casae, Hobae indo-minicatae. Curtilia. Loca curtilia, curtifera), auf Welchen dann nicht bloß Feldbauern, sondern auch Handwerker (Casati) als Hörige und unter dem Schutze des Hofherrn seßhaft waren'). Allo-öialer Grundbesitz endlich erscheint in den frühesten Urkunden häufig auch bloß unter der allgemeinen Bezeichnung Gut, Landgut, Präöium (Praedium). Nach dem Zusammenhänge der Stellen in Urkunden und Saalbüchern hat man hierbei wohl zu unterscheiden. Sehr oft bedeutet Praedium nur einen einzelnen kleineren Ansitz, ein kleineres Gut und höchstens einen ganzen Stadelhof, ein ganzes Bauerngut 2). Eben so oft ist Praedium ein Hof, eine mäßige Hofmark mit mehreren dazu gehörigen Mmssus und Hufen; endlich auch eine große ausgedehnte Hoftnark, Herrnmark, und selbst mit geschlossenem Territorium 3), wie das salzburgische Präöium Liutolöasöorf und der Sausalerwald an der Laßnitz, I. 1045; wie das Gut und die Kirche Straßgang zu St. Martin mit dazu gehörigem Besitzthume zwischen Straßgang und dem Mur-stromc mit Jagd- und Fischbanne, I. 1055; wie das salzburgische Präöium zu Gumbrachtestätten an der Laßnitz drei königliche Man- 's Juvavia. p. 34. 37. 135. 155. 193. 196. Ucker die ungemein ausgedehnten Hofmarken selbst gemeinfreier reicher Güterbesitzer gebe» eben die angeführte Juvavia p. 63 — 64, und vom Hofbesitze der Kirche Perz, Mon. Germ. III. 176. 177. sehr merkwürdige Belege. -) Juvavia. p. 333 - 334. Wie die einzelnen Vorwerke und Praedia um Straßgang an der Mur, welche Graf Hartwiek durch Abtretung eines andern Prädiums an der Laßnitz an Salzburg von den kirchlichen Zehenten befreite I. 1025-1041, oder die einzelnen Prädien des Gemeinfreien Waldfried zu Kraubat und Stein, welche er I. 1041-1060 von den kirchlichen Zehenten durch Abtretung seines Gutes zu Kapellen an der Sulm befreite, ibid. p. 251; oder das Prädium zu Gundhartsdorf im Undrimthale, und ein Prädium von derselben Große, ejusdem mensurac, zu Hezindors eben daselbst, p. 254; die Gössergüter zu Diemlach im Mürzthale und an der Lobming. — Dipl. Styr. I. 12—13; das Prädium Puhel (Pichelmayrgut) im Admontthale I. 1090. Saalbuch Nr. IV. 3") So umfaßte das Praedium ad Radilach, welches durch den Grafen Weri-gand an Salzburg und vom Hochstiste an Admont gekommen war, mehr als 100 Hufen: ,,Hujus praedii quum priinitus fuerint plus quam centum hobae, magnam ejus partem modo habend fratres de 8. Paulo. Admontersaalbuch. IV. p. 138. m fen umfassend mit Fischerei und Jagd, I. 1056 '); wie die güf-ser'sche Hofmark von drei Königsmansen im Enns- und Palten-timte, I. 1042; das gösser'sche Prädium zu Praunleb mit Malereien und Hofstätten, I. 1187 -); wie das bischöflich -freisingische Prädium in Katsch mit Gehöften, Hörigen, Jagd- und Fischbann; wie das Prädium Admunta im Aüinoutthale, mit Hörigen beiderlei Geschlechtes, mit Salzquellen und Salzpfannen; die größere Hofumrk zu Kraubat mit dreißig Mausen im Besitze der Stifter von Reichersberg am Jnnftrvme, I. 1080 1 2 3). Lon frühzeitigen Hofiimrken und Prädien mit ganz geschlossenen Territorien dürfte neben den salzburgisch-steierischen Besitzungen der Herrschaftsbezirk des Stiftes Admont im Admvntthale und in der Waldmark zu Gallenstein das älteste urkundliche Beispiel, I. 1095, fct)it4). Die ausgedehnteren und viele zerstreut gelegene Vorwerke umfassenden Hofmarken des Kirchengutes, der Hochstifte und Stifte, und die Verwaltung derselben kommen häufig unter der Benennung Propsteien vor (Pvacposituvae, statt Gurtes); welche Bezeichnung aber auch die Pfalzen mit eigenen Hofmarken der Markgrafen in Steier, zu Marburg, Naökersburg und Tiffer getragen haben Im Privatbesitze der Fürsten, Bischöfe und Stifte sind auch etnzelne Hose und Vorwerke, ganze Hofmarken, selbst auch Kirchen und Pfarreien mit ihren Stiftungsgütern für Küche und Tisch der Cigenthümer unter dem besonderen Titel Kücheneigen, Ti sch guter, Mensalgüter ausgeschieden worden. So gehörten nach ihrer Urbestimmung die Pfarren Vonstorf, Leibnitz, Vo- 1) Zuvüvka. p. 233. 339. 213. 2) Dipl. Styr. I. 15 — 19. 3) Meichelbeck. I. p. 207. — Juvavia« p. 215. Oninem justitiam et jurisdictionem, quam primitüs ecclesja luliavcnsfs per Hemmam Comitissam habuit in valle Admuntina cocnobio S. Bla-sii potestative et plenarie confirmavit. — Totuin Dominirale — usque in Lauzach. Juvavia. p. 281 — 283. — Zweifelhaft ist cs, ob hiehcr zu beziehen fei) die Provincia Lobnik, Provincia Treveiach im steierischen Rcntcnbuche vom I. 1265; und Grüf Ulrich von Hcunburg sagt in einer Urkunde für die Karthause in Geyrach I. 1278: ,,in Provincia nostra Tyver situatas villas.“ — Und im Jahre 1287 sagt eine Urkunde: D i-st rictus et Dominium W i 1 d o n i 6 n s e.“ Dipl. Styr. 1. 342. II. 141. — In districtu nostro Semriach sagt im Jahre 1288 Ulrich Graf von Pfannbcrg. Idem. I. 248. s) Admontersaalbücher. In einer Seitzcrurkunde vom Jahre 1182 sagt Herzog Ottokar: „Nos vero hacc addidimus cutes et peiles omncB, quarum carnes consummimus in tribus Praeposituris Marclipurch, Rakers-purg et Tyver. — Dipl. Styr. II. 68. gau, St. Ruprecht an der Raab (und Glcisdorf), St. Georgen an der Stiefning zu den Mensalgütern der Dischose von Seckau '). Auf jedem Hofe und herrschaftlichen Grunde konnten sich endlich auch Handwerker aller Art als Hörige oder Schutzpflichtige aufhalten, welche dann Casati hießen. Zu dem öffentlichen Grundbesitze im Lande gehören auch noch die Schlösser und Burgen, die landesfürstl. Pfalzen, die öffentlichen Weiler und Flecken, und die Städte (iim-gi, Castra, Castella. — Palatia, Pracpositurae. Villae, Villae publicae. Fora. Oppida. Civitates, Urb es) -), das iss überhaupt alles innerhalb geschlossenem Umkreise. — Viele Städte schreiben sich noch aus der Römerepoche her; viele sind daraus und aus anderen römischen Ortschaften überhaupt und dadurch erwachsen, daß sie mit ihrem Territorium Kir-chenallod der Hochssifte und Stifte geworden waren und auf diese Weise zum kirchlichen Weihbilde und zur Emunität eines geschlossenen Kreises umher gelangt sind. In vielen Orten hatten auch Kaiser, Herzoge, Markgrafen und reiche Dynasten ihre Pfalzen , Burgen oder Haupthvfsitze. Nach und nach, wie man die Wichtigkeit solcher Burgen, Pfalzen und Hofsitze überhaupt, und insbesondere zur Rettung und Vertheiöigung bei feindlichen Ueberfällen, in den Zeiten der Hunnaoaren und Ungarn vorzüglich (später auch der Türken), vollends kennen gelernt hatte, wurden alle um die Burg oder den Hofsitz nach und nach entstandenen Gebäude mit Gräben, Erdwällen, Psahlwerken und Mauerdämmen beschirmt, und den also geschlossenen Orten auch das Stadtrecht (Jus civitatis), das Weihbildrecht, oder das Recht eines zur sicheren Erhaltung ihrer Gemeinschaft und Selbstständigkeit geschlossenen und von der Gau-grasenschast befreiten Bezirkes oder Territoriums gegeben. Wie roh und ungekünstelt auch anfänglich die Wälle, Gräben, Pfahldämme, Mauern und Thürine der ersten geschloffenen Orte gewesen seyit mögen: die persönliche Freiheit aller innen Wohnenden, die Vorrechte, die Vereinigung und Festbindung von Handel und Wandel, vermehrten sehr bald die Bewohnerschaft; mit ihnen brach die Morgenröthe der bürgerlichen Freiheit an; uitd ein nettes Lebenselement begann mit ihnen in jedem Lande. Von solchen Ortschaften, uranfänglich Burgen, hießen dann die Bewohner Burger 1) pipl. Styr. I. 301 und 319. I. 1218 und 1248. 2) Caesar, Annal. I. 41. 704. (Burgenses, und zwar in dem allmählig genauer noch ausgebildeten Begriffe Gives). Schon in den altbajuvarischen Gesetzen und in den frühesten auf Steiermark bezüglichen Urkunden werden Burgen, Schlösser (Gurtes nobilium), Pfalzen (Gurtes ducis), Flecken und Städte erwähnt und von einander unterschieden. Burgen und Schlösser in Steiermark sind eben so alt, als die norisch-pan-nonischen Völkerstämme, oder die Urbewohner derselben; und selbst auch bei den neu eingewanderten innerösterreichischen Slovcnen sind sie bekannte und gewöhnliche Schutzbauten geworden *). Viele Burgen und Schlösser in der Steiermark sind uralt, und führen ihren Ursprung in die celtisch-germanische Vorzeit zurück. Viele sind in der austrasich-baioarischen Epoche unter den Karolingern und in der Ungarngcfahr erbaut worden, und sehr wahrscheinlich alle jene vorzüglich, welche mit den darauf seßhaften adeligen Dynasten im zwölften Jahrhunderte schon als alt bestehende Burgen urkundlich Vorkommen, und über deren erste Gründung keine schriftlichen Nachrichten mehr übrig sind. Zu diesen darf man zählen die Burgen und Schlösser zu: Pettau (Castrum minus in Bettovia) 1 2), Großsonntag, Saneck, Hengest, Hengist oder Wil-don, Leibnitz, Güsting, Grätz (Suburbanum castri Grez), Ruen oder Rune, March bürg, St. Martin bei Grätz, Massenberg bei Leoben, Kaisersberg, Strechau, Purgstall bei Admont, Cppenstein, Judenburg, Grazlupp bei Ncumarkt, Landskron zu Bruck an der Mur, Teuffenbach, Katsch, Drachenburg, Peilenstcin, Win-dischlandsberg, Hörberg, Wcitenftein, W indisch grätz, — dann Rann oder Ray», Rcichcnburg, Differ, Plankenstcin, Königsberg, Sachsenwart, Oplotnitz, Gonawitz, Obernburg, Schalleck, Rohitsch, Stattenberg, Studenitz, Salöenhofen, Murekk, Radkersburg, Lut-tenbcrg, Guttenberg, Deutschlandsberg, Tobl, Greißencck, Krems, Piber, Seding, Statteck, Kainberg, Waldeck, Walöstein, Rabenstein, Helfenstcin, Peckau, Pfannberg, Wachsenek, Stubenberg, Sturmberg, Kapfenstein, Berchtoldstein, Reutberg, Kapfenberg, Ernvelß, Kammerstein, Lobming, Tann, Prank, Frauenburg, Puchs, Lichtenstein zu Judenburg und Murau, Rciffenstein, Offenburg, Zeiring, Strettwcg, Saurau, Wolkcnstcin, Steinach, Hachenberg, Pichlern, Neuhaus (Novum castrum) zu Trautcnfelß, Grauscharn, 1) Paul. Diacon. VI. 24. Dipl. Styr. II. 210. Gcsch. d. ©tcicntmvf. — II. Vd. oder Pürk (die Burg Unterburg), Pflinsberg und Grosi-sölk I 2). Und neben diesen hatten zuverläßig noch gar viele burgenartige Eöelsitze adeliger und gemeinfreier reicher Herren bestanden. Viele dieser Burgen und Schlösser waren während der Gaucn-verfassung die Hofsitze der Gaugrasen gewesen, einige aber später insbesondere noch die Pfalzen a) der Landesmarkgraftn und Herzoge in der unteren und oberen Mark, wie sehr wahrscheinlich Saaneck (nachher Cilly), Marburg, Radkersburg, Grätz, Leoben, Judenburg; welche dann auch theils noch von der Römerzeit her, theils eben der markgräflichen Pfalzen wegen zu geschlossenen Orten, Städten erwachsen, und sowohl von den Landesherren selbst, als auch von Kaisern und Reich mit besonderen Freiheiten und Rechten begabt worden sind 3). Als die frühesten Städte in der Steiermark erscheinen urkundlich folgende Ortschaften: Pettau, auf altrömisch -classischem Boden, mit der näheren Bestimmung der oberen Stadt und der unteren Stadt, mit Mauthbann und Brücke über den Draoefluß im Jahre 890 4). Die ebenfalls aus der römischen Epoche noch herstammende Stadt Zuib an der Sulm zu Wagna bei Leibnitz, und zwar vermuthungsweise schon im Jahre 861, wörtlich bestimmt in salzburgischen Diplomen aber im I. 890 5), welche später mit dem nahe gelegenen Orte Leib- !) Wir beziehen uns hierüber auf unsere Erzählung der wirklichen Ereignisse im Lande und auf das steierische Rentcnbuch. 2) Pfalz ist das verderbte lateinische Palatium> und gleichbedeutend mit Palen;, Pfalenz, Phalenz. 8) Landhandvest. Ausgabe vom Jahre 1697. p, 3. 4) Juvavia. p. 114.: „Ad Pettoviam ecclesiam Cum «teciina, et du as partes c.ivitatis, Cum bannis theloncis et poute, quae antecessoribus no-stris illo tradita fuerunt; et ex parte nostra addimus tertiam partem civitatis — id est in superior! ci vi ta te in orientali parte civitatis ipsius curtilcm Ibcum, ubi nova ecclesia inccpta est, at— que in inferiori civitate in occidcntali parte civitatis ipsius — curtilia loca. — I. 979 ad Pctoviam c ivitatem. p. 205.; I. 1051. p. 237 — 238.; I. 1277: „literam rogavi sigilli civium de Pettav munimine roborari;u und I. 13201 ,,Der Brief ist geben zu Petow in der Statt." — Dipl. Styr. II. p. 212. 216. s) Juvavia- p. 95. kömmt unter anderen hochstistischen Besitzungen auch jene an der Sulm vor, ad Sulp am; welche nach dem Zusammenhänge der Urkunden keine andere, als die uralte Stadt Zuib seyn kann. I. 890: „Ad Sulpam civitatem Ziub vocatam cum omnibus juste ad ean-dem civitatem pertinentibus“ u. s» w. p. 114. Im I. 970: „ad civitatem Ziub, quae modo suis (d. i. ecclesiae Salisburgensis) co-lonis possessa inhabitatur, quidquid in ea nostrae potestatis vel regi-minis esse deprehenditur, atquc juxta situm locum civitatis Lip-niza vocatum,“ p. 187. — Im Admontcr-Saalbuche IV, 248, liest man nitz, welcher zur selben Zeit gleichfalls auch schon als Stadt bestanden hatte, in Einen Stadtort zusammengeschmolzen zu seyn scheint. In Urkunden vom I. 1240 ist genannt Wolfker, Burger von Leibnitz. Von der heutigen Hauptstadt des Landes, Grazze, Gr atz, Grez, Grätz, findet sich um das Jahr 881 die erste Erwähnung in salzburgischcn Diplomen als eines Ortes, als einer Gegend ohne besondere Auszeichnung. Die auffallende und in die Augen springende Lage des Schloßfelsens, die römisch-plastischen und inschriftlichen Denksteine in Grätz und am nordwestlichen Fuße des Schloßbcrgcs lassen natürlich hier eine frühe Ansiedelung vermuthen'). Erst in den Jahren 1129, 1140, 1146 und 1164 erscheint dann dieser Ort mit seinem gleichnamigen Schlosse (Suburbanum castri 6i-es) wieder urkundlich als Gracz, Graeze, Greze und Grez, und von nun an 1172, 1189, 1233, 1278, 1360 als Stadt Greze, Gräze, Grez (abwechselnd Forum, Urbs und Clvitas), und zum Unterschiede von Gr atz (Windischgratz) im slovenischen Lanöes-theile, auch als Parischgretz, B ayrischgretz, P airisch e Gretz a); so wie einzelne Bewohner dieses Ortes namentlich als Bürger von Grätz (Gives) angeführt werden. Urkundlich versicherte Staötrechte und Verfassung besaß Grätz schon seit den Ottokaren und den ersten babenbergischcn Lanöesherzogen * * 3). Schon frühzeitig und im zwölften Jahrhunderte hatten die Markgrafen des Landes aus dem Schlosse, oder auf ihrer Burg Gretz, eigene Ministerialen, als Burggrafen (Comites) und als Schloßhauptleute oder Castellane (Castciiaui). Salzburgerurkunden nennen um das Jahr 1190 Ottokar den Castellan von Gretz, und 9 * vom 3. 1172: Actum in Castro Libniz, Rudolfus ipsius urbis prae-fectus.“ i) Juvavia. p. 184: K. Ludwig, Sohn K. Ludwigs des Deutschen, sagt in einer Urkunde für Salzburg: „Conccdimus Arcliiepiscopo quidquid Vo-dilhelmus Addis »oster in Grazze habere visus est. — Vodilhelmus proscriptas res in Grazze diebus vitae suae habeat. z) In Admontcr-Saalbüchern Nr. IV. p. 256. Urbs Graece. — In Seckaucr-Urkunden. Dipl. Styr. II. 4. 12. 15. 17. 24. 177 -178. 189. 197. — Ln der Stift Reiner-Urkunde sagt H. Ottokar VIII. „in urbe mca Graece.“ 3) I. 1129. Helmhard, Fridericus, Udalricus, Ditmarus de Gracz. 1146 Ulricas de Greze. 1164 Engelfrid de Grez. 1189 Otaker de Grez. 1202, 1206 Otto, Ottokar de Grez. 1271 Rüdiger civis Grezensis. 1277 Volkmarus civis graecensis. Volcmar, Ulricas Wackereil Gives de Graetz. 1290 Vir distinctus Volchmarus civis de Greiz. 1309 Chun-eat Dreiling, Burger zu Gratz. — Dipl. Styr. 11. p. 4- 12 1"- 1^ Is-28. 197., I 239. 1.32 Reinerurkunden, welche im 1. 1256 den Burggrafen von dem Castellan von Gretz genau unterscheiden, im Jahre 1287 den Al och, Castellan von Grätz. Schon im I. 1261 hing der Stndlrich-ter Volkmar das der Stadt Grätz eigcnthümliche Wappen (Pantherthier) an die in seinem Gerichte ausgefertigtcn Urkunden für das Stift Rein. Die ältesten Bürger in Grätz finden sich mit dem Beisatze Gives verzeichnet in einer Urkunde des Stiftes Rein vom Jahre 1229; Henricus cognomine Dux, Wullingus Tinner mann, und iit einer Stubenberger-Urkunde vom 1.1227, Walker, civis in Grcez, Volkmar filius ejus, Albertus Venter, Iiudolfus frater suus, Hermannus Hosel, Gentlinus, Fridericus Salzburins (der auch in Grätz ein eigenes Haus besaß), Permemlinus pel-lifex, Liupoldus filius, Walker et alii quam plures l). Weiters kommen nach chronologischer Reihe der Urkunden folgende Grazer bürger vor: 1.1261 Otschlin, Herrman Spenel, Ochslin, Chuon-zo, Pouch, Pilgrin, Flagoy, Menlin, Heinrich Herzog (Concivcs mei, viri providi — in einer Reinerurkunde); I. 1261 der Münz-mcister Otacher (civis de Graz. Rein); I. 1259 und 1271 Rudiger zugenannt Pfannenberch, Lehensmann des Ottokar von Grätz (civis de Graetz. Rein); I. 1271 und I. 1277 Volkmar, Herrmann von Winöischgrätz, Konrad Pouch (Venter, Bauch), Leu-pold Wakerzil, Konrad Oechslo, Otto genannt Oechsel (cives Grezenses. Rein); 1287 Ulrich Wakerzil (Stainzerurkunöc); 1289 Mathias und sein Sohn Hartwik, Prcmanz zugenannt, und Otto Watmanger (cives Graeccnses. Rein). Der Bürger Volkmar, mit Gattin Adelheid und Sohn Heinrich, war ein sehr reicher und begüterter Mann, führte eigenes Wappen tut Sigille, beschenkte das Stift Rein reichlich mit Weinzehenten und Bergrechten zu Straßengel, am Kcglberg, im Velgau, zu St. Stephan, Maiern, am Luegschlofse auf der Taschen, zu Peul, Waltendorf, St. Peter, Lybul, Michelgraben, und erhielt dafür die Grabcsstättc im Stifte Rein. Die eigene Munizipalverwaltung dieser Stadt geht über das zwölfte Jahrhundert hinauf. Die Richter der Stadt Grätz Wakkerzil (judex de Graetze), Volkmar (dictus Judex de Graetz), Konrad vom Thale und Konrad Bauch zugenannt (Chunradus de Valle, et Chunradus cognomento Venter, Judices Graecenses — et Universitas civium Graecensium) erscheinen in Urkunden des Senkenberg, Selects Juris V. 319 — 351, Stiftes Nein in den Jahren 1244, 1261 und 1289, auch ein Schreiber von Grätz: Wigand (I. 1251: Scviba de Gi-aetze). Im I. 1293 erhielt das Stift Rein kaufsweise von der Grätzer-Bürgerin Wolfhilde, Witwe des Konrad Strahfaek, eine Hofstatt in der Villa Tall bei Grätz und eine Besitzung mit drei Aeckern in der Ledcrer-straße unter dem Burgberg in derselben Stadt. Im I. 1277 erscheint in einer Marburgerurkundc »Martin, Richter zu Grätz (Judex Graecensis)," Zu Wien am 27. Februar 1277 ertheilte Kaiser Rudolph I. der Stadt Grätz die Bestätigung, der seit den Herzogen Friedrich und Leopold besessenen Rechte, das Niederlagsrecht, das Recht der eigenen Richter und das Recht der gegenseitigen Manth-befreiung. Diese Majcstätsurkunde ist von Herzog Albert I. zu Grätz am 25. Mär; 1291 bestätigt worden *). Leoben war um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts schon ein so bedeutender, geschlossener alter Ort, eine Stadt mit eigenem Stadtrichter und zwölf geschworenen Rathsbürgern, daß die Bewohner sich gezwungen sahen, die Mauern abzureißen und an der Seite von dem Berge entfernter zu erweitern 2). Dies sehr hohe Alterthum von Leoben ivird gar wohl begreiflich durch den frühen Alloöialbesitz der Traungauergrafen, durch die Lage dieses OrtcS an der Mur, an dem VereinigungSpuncte mehrer Thä-ler, vorzüglich vom Erzbcrge, von der Liesing und von der oberen Mur her, so ivie durch die nahe gelegene Pfalzburg der Traungauergrafen von Leoben auf dem Masscnbcrge. — Wir haben int ersten Theile dieses Werkes das hohe Alterthum des Eisenbaues am Erzberge und der beiden Ortschaften vor- und innerhalb dieses wichtigen Berges, Vordernbcrg und Jnncrnberg, oder Eisenerz vorzugsweise genannt, zu erhärten gesucht. Eben der ungemein lebhafte Betrieb öeS Eisenbaues hat Eisenerz frühzeitig schon zum geschlossenen Bergorte erhoben. Zwar fehlen nähere urkundliche Belege; und in Diplomen öeS JahreS 1293 wird dieser Ort nur genannt »Dorf im inneren Eisenerz (Villa in interior! Eisenärtzt).« Allein eben in diesen Urkunden wird diesem Orte eine Weihbildsumgränzung, PurgrcchtSgränze zugeschrieben und da- Wartinger, Privilegien, p. ?. ') 3m Admontex-Saalhuche III. p. 318. in einer Urkunde vom 3- 1284 heißt e$: „Nos Wcvnhardus judex et XII jurati, ac Universitas civiuni in Lauben.“ — Und: „Sigillo nostrae communitatis firmatum.“ J 34 mit unsere Vermuthung vollkommen bewährt '). Im Admonter-urbarbuche aus Sem Ende des dreizehnten Jahrhunderts lesen wir den Ort Altenmarkt an der Enns, als den alten Markt (antiquum forum) bezeichnet; weswegen man auch diesen als geschlossenen Marktflecken der älteren Zeit ansehcn darf "). Eben so wie Eisenerz hat sich der Bergort an der Zeyring (Zurica, Zurca) uralt erhoben. Man hat Spuren von seinem Bestehen in der römischen Seit und tut zehnten Jahrhunderte. Urkunden des Jahres 1286 bezeichnen ihn ausdrücklich als Marktflecken (Forum Ceyrich) * * 3). Nach der Ausörucksweise int Stistbriefe von <3t. Lambrecht, I. 1104, zu urtheilen, in der Erinnerung der Lage und der römischen Denksteine bezeichnet sich Judenburg selbst schon als einen uralten celtisch-römischen Ansitz und als einen im eilsten Jahrhunderte sehr belebten Marktplatz, dessen Mauthstätte wegen des lebhaften Zugs von Maaren und Reisenden eine nicht unbedeutende Jahresrente abwarf4). Schon Herzog Leopold der Glorreiche von Oesterreich und Steier, und Friedrich der Streitbare erthcilten diesem Orte wichtige Freiheiten und Vorzugsrechte, welche Kaiser Rudolph I. von Habsburg bestätigte; woraus man mit allem Rechte schließen darf, daß Judenburg, eben so wie Grätz, schon zu Ende des zwölften Jahrhunderts eine Stadt (Urbs) gewesen sey 5), so wie sie wirklich auch lange vor dem Prioilegt'umsbrt'efe K. Rudolphs I. eine Stadt (Urbs), und ihre Bewohner Bürger genannt werden I. 1259. Urkundlich kennen wir als Bürger von Judenburg: 1257, Vasold, Eitzo, Eberhard (cives de Judenburch), I. 1259, Wisent, den Fleischhauer, Konrad Lagelreut, Gymbert, Otto, Otmar den Krämer, Heinrich den Sattler, Jakob Klosterman, Dietmar Schatzlauer 6). Das Staötrecht, von den früheren Lanöes-herzogen versichert, haben bestätigt und vermehrt K. Ottokar von Böhmen, zu Prag am 9. September 1276 mit dem Stappelrechte für alle italische Maaren und Kausteute; und K. Rudolph I. zu Wien am 19. Jänner 1277 mit neuen Ordnungen für dieses Stap- 1) Dipl. Styr. i. 106 — 107. — Admonter-Urkunden. A. 28. 2) C. 578. im Admonter-Archive. 3) Dipl. Styr. I. 246—247. '>) Mercatum (Markt) Judenburch cam usu, qui muta dicltur, thcloneo et praetereuntium merce. Dipl. Styr. ll. 272. — Alpis supra Juden-burch. Z. 1191. Dipl. Styr. I. 120. s) Dipl. Styr. I. 240. — Caesar, Annal. I. 528. A) Lambacher, Anhang, p. 45 - 46. — Admontcr-Urkunde. 0. 3. pelrecht, für die Münzstätte, für die Wechsler, für den Eisenhandel vom steierischen Erzberge her, für das Handels- und Wechselgericht, für den Besitz städtischer Alpcngegenöen und Gehölze, und für Mauth und Zölle aller nach Wien und von dort nach Judenburg zu führenden Waaren ')• — Die uralten und römischen An-sicdlungen um Murau sind erwiesen * 2). Kaum darf man daher zweifeln, daß dieser Ort gleicherweise im zwölften Jahrhunderte schon ein geschlossener Ort mit Stadtrechten gewesen scy, wenn man gleich auch urkundliche Beiveise dafür nicht Vorbringen kann. Werter herab im Murthale begegnen wir im Scitenthale der Wels dem Orte Obcrwels, als einem Markte oder geschlossenem Orte (Forum Welz. Forum Oberwelz) mit einer eigenen Mauthstätte, ln admontischcn Urkunden von den Jahren 1264 und 1269 3). — Auch Vanstorf bei Judenburg war im dreizehnten Jahrhunderte ein Marktflecken; ist im Jahre 1288 im Kriege zwischen Herzog Albrecht und Erzbischof Konrad IV. von Salzburg zerstört und nicht wieder erhoben worden. — Knittelfeld rücken die dort und rund umher gefundenen Römersteine in hohes Alterthum hinauf; und Urkunden von den Jahren 1288 und 1296 bezeichnen diesen Ort auch wirklich als eine Stadt mit geschlossener Bürgergemcinde. (Universitas civium de Chnutelvelde I. 1275). Als Bürger fin-den wir verzeichnet I. 1233: Walchun, Dietmar, Werianö, Hart-lnunö, Gunöacher (Burgenses de Chnutelfelde), I. 1242 Rudolph , Dietmar (cives de). Erweiterte Stadtrechte erhielt Knit-tclfeld vom Herzoge Rudolph m. um das Jahr 1302 4), — In Urkunden des Stiftes St. Lambrecht finden wir Neumarkt oder Graßlupp in den Jahren 1240, 1252, 1268, 1287, als geschlossenen Marktort »der neue Markt" genannt (Novum forum); und H. Friedrich der Schone nennt diesen Ort ausdrücklich »Stadt Neu markt" im Jahre 1318 in seiner Nerpfändungsurkunde an Salzburg. — Uebcr das römische Alterthum des Städtchens Notenmann im Paltenthale kann kein Zweifel obwalten 5). Das *) Seifner, Monographie von Judenburg, p. 5 — 7. 2) Erster Theil dieses Werks, p. 88 - 89. 3) Admonter-Urkunden R. 3. 14. *) Universitas civium in Knutelvelde; und Forum ChnutclfeVt 12!)6, Dipl. Styr. I. 253; und die urkundlichen Nachrichten über die Gegenden umher vom Jahre 861. Juvavia, Anhang, p. 95. s) Erster Theil dieses Werks, p. 87 - 88. steierische Kammerrentenbuch im J. 1267 nennt Rotenmann einen Marktplatz (Forum), einen geschlossenen Ort, eine Stadt, wie sie Ottokar von Horneck auch ausdrücklich bezeichnet '). Als eine Stadt bezeichnen Urkunden schon unter Herzog Friedrich dem Streitbaren den Ort Bruck an der Mur, dessen anderweitiges Alterthum sich über das Jahr 861 zurückschreibt1 2). Unbekannt jedoch, durch welch' ein besonderes Ereignis herabgebracht, wurde Bruck von dem böhcimischen Könige Ottokar um öaS Jahr 1260 neuerdings wieder erhoben und erweitert; wozu jener gewaltige Herr allen Allodialboden deS Stiftes Admont bei Bruck gegen andere Besitzungen im oberen EnnSthale gewonnen hatte3). Im Jahre 1270 heißt Bruck in admontischen Urkunden »Forum Bruck"; und K. Rudolph I. ertheilte dieser Stadt am 25. August 1277 die Bestätigung aller von H. Friedrich dem Streitbaren erhaltenen Rechte und daS Stappclrccht für alles Salz zunächst nach Rotenmann, so wie dessen Veräußerung in hölzernen Kufen. Am 21. April 1293 bestätigte H. Albrecht I. diese Rechte neuerdings 4). Gleicherweise heißt auch Kapfenberg in admontischen Urkunden deS Jahres 1269 ein Marktort (Forum Chapfinberch) 5); und zu Wien am 9. Mai 1281 erth eilte K. Rudolph I. auch dem Orte Kinöbcrg im Mürzthale öaS Recht eines Jahrmarkts zu St. Peter und Paul mit gleichen Freiheiten, wie die Stadt Grätz 6). VoitSberg entstand, als Ortschaft geschlossen, um öaS I. 1200. Um die Mitte deS dreizehnten Jahrhunderts, und in Urkunden der Jahre 1273 und 1277 wird VoitSberg ausdrücklich eine Stadt (Civitas), und eben so von Ottokar van Horneck genannt, mit geregelter Communalverfassung seiner Bürgergemeinde (Uni- 1) Horneck, i>. 260. „zu Rotenmann für die Stadt." 2) Juvavia. p. 95. Unter den salzburgischen Besitzungen erscheint Bruck un-läugbar nach dem Zusammenbange des urkundlichen Textes: „Ad Pelisam (Pöls), ad Chumpenzam (Kobcntz bei Knittelfeld), ad Liestinicham (@t. Michael an der Liesing), ad Prukkam (Bruck an der Mur), ad Morizam (an der Mürz; Ort im Mürzthale). 3) Udmonter-Urkunden und das Saalbuch Nr. III. p. 179 sagen im 1.1263: „Quuin sercnissimus D. Rex Romanorum illustris Dux Austviae et Styriae Marchioque Moraviae novellam plantationem oppidi de Prukke in terra sua Styriae fieri vellet et praeciperet etc. — Oppidum Prukke in terra Styrensi. 4) Wartinger, Privilegien, p. 1—5. s) Admonter-Urkunde. R. 3. 6) Joanneums-Urkunde. versitas civium) '). Die RStnerbenkmcchle im Orte selbst, in Piber, in Krems und im Oswalögraben der Kainach rund umher, wie auch die Sage von einer dort ehemals bestandenen großen Stadt, endlich auch die Pfalzburgen, wahrscheinlich des Untergaues, in den Thälcrn der Sööing, Graden und Deigitsch, Obervoitsberg und Greißeneck, machen Voitsberg aus den ältesten Zeiten her wichtig. — Der nahe gelegene Ort Köflach heißt um die Mitte des zwölften Jahrhunderts eine Dille (Villa Chövelach). Im Jahre 1170 gab K. Friedrich I. dem Stiftsabten zu St. Lambrecht Gewalt und Vollmacht, denselben zu einem geschlossenen Markte zu machen (Forum ordinäre) und mit Marktrechten auszustatten (Forensia jura in eo constituere) Auch Wild 0 N erreichte schon vor der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts Marktrcchte und Bürgerthum. Denn in einer Urkunde für das Stift Rein nennt der Edelherr Ulrich von Wildon einen sicheren Wezilo, Inwohner desselben Ortes, der dem Stifte Rein ein Haus schenkte, seinen Bürger zu Wildon (civis noster in Wildonia). Seit dem Jahre 1233 heißt in Urkunden des dortigen Chorherrnstifts der Ort Stainz ein Markt (Forum Steunz), mit bürgerlicher Communalverfassung und mit eigenem Marktgerichtc (1298: Rudiger, cives de Steunz). Zu Bruck an der Mur mit 6. Mai 1278 ertheilte K. Rudolph den Bürgern zu Lanösberg, zu Schwanberg und zu Eibiswald Rechte und Wappen; und in der Tauschurkunde mit Wildon im Jahre 1294 nennt Herzog Albrecht I. den letzteren Ort ausdrücklich einen Markt '). — In den Nachrichten vom Jahre 1148 nennt Ennenkel im Fürstenbuche die Burg Marburg, und den Markt Marburg zugleich; und tut Jahre 1209 bezeichnet Herzog Leopold der Glorreiche Marburg als „seinen Markt Marburg" (in Foro nostro Mareh-purch): Beweises genug, daß dieser, rund umher mit Romeröcnk-malen bezeichuete Ort von uralter Wichtigkeit, wohl schon vor dem zwölften Jahrhundert mit eigenem städtischen Weichbilöe am Fuße der alten markgräflichcn Hauptpfalz der untern March bestanden habe l * 3 4). I. 1243 steht in Urkunden Ulrich, Staötrichter in Mar- l) In Urkunden von Stein, I. 1224: Hcriandus, Geraldus Castellan: de Voitsberch, Z. 1259 Ulrieus Spiler de Voitsberch. z) St. Lambrechter - Saalbuch. 3) Urkunden im k. k. Gub. Archiv zu Grätz. ') Dipl. Styr. II I>. 138 — 141. etc. burg, und 1229 finden sich die Namen von Marburgerbürgern: Mazlin, Heinrich, Marquard, Lekbnizer (cives). Studa von Chal-men, Gemahlin Conrads von Chalmcn, erscheint schon I. 1249 als Bürgerin von Marburg. Im Jahre 1257 heißt Marburg ausdrücklich eine Stadt (civitas). Der erste Beweis, daß die Bürger steiermärkischer Städte lehenfähig waren, findet sich in einer Urkunde des ungarischen Prinzen und Statthalters der Steiermark, Stephan, worin im I. 1259 dem Bürger Eberhard zu Marburg zur Belohnung treuer Dienste zu Lehen für ihn, seine Sohne und Enkel mehrere Güter zu Wolzium, Kost und Uöol gegeben werden. Vom 18. Februar 1277 haben wir einen Lehenbrief des K. Rudolph I. für eben diesen Marburgerbürger Eberhard und dessen Sohn (wahrscheinlich) Martin (cives de Marpurg) mit Gütern in Puttine, Ulkune und Pickern, welche sie schon von den früheren Landesherzogen getragen hatten Aus Studenitzerurkunden kennen wir die Stadtrichter zu Marburg I. 1282, 1283 Marquard (Judex), und 1294, 1295 Rudolph, und die Geschwor-nen mit der Gemeinde der Bürgerschaft daselbst (Universitas ci-vium et Jurati). Von den Jahren 1289 und 1294 kennen wir die Bürger dieser Stadt: Heinrich von Weinz, Rudolph Arwert, Martin Sloygir, Wülfing, Liebharö, Rudolph, Leupolö. Wann und durch wen die uralte Celeia, Cilli, auf seinen classischen Römerruinen zur mittelalterlichen Stadt erstanden sey, wissen wir nicht. Einen einzigen urkundlichen Beleg aus der Epoche 1140 bis 1160 bietet ein Admontersaalbuch, wo in einer Schenkungsurkunde unter anderen Zeugen auch gelesen wird: Pern-hardus de Cilie * 2). — Gonowitz bewährt sich als Markt und geschlossenen Ort durch seine in Studenitzerurkunden, I. 1237 — 1243 genannten Bürger (cives) Raimar, Cancia», Heinrich und Otto, und durch seinen Richter Ortolpl) (Judex de Gonwiz) im I. 1271, und 1.1281 Martin, Richter von Gonoioitz. — Urkunden des Nonncnstiftes Marcnberg nennen die dabei gelegene sehr alte Ortschaft Redlach schon im I. 1268 einen Marktflecken (Forum Redlach); aus dem Grunde so genannt, weil auch das 1) Urkunden im k. k. Gub. Archive zu Grätz. — In einer Reiner - Urkunde vom Jahre 1276 erscheint der Civis de Marburga, Otto Herbersteiner. — Das Stadtwappen vom I. 1288 wird an Reiner-Urkunden geschildert: Duae Tunes, hitra uiocnia, in liis porta, Aquila! 2) Admontcr-Saalbuch. Nr. IV. p. 263. Kloster Marenberg als am Fuße des Berges Nedlach oder Radelach gelegen in den ältesten Urkunden bezeichnet wird. Statt der Benennung Red lach ist seit Anbeginn des vierzehnten Jahrhunderts Marenberg üblich geblieben. Desgleichen sind wir von W in d isch fei stri tz nur wenig unterrichtet. Im Nentenbuche der steiermärkischen Landesherren erscheint die Benennung Feustriza ohne allen Beisatz, woraus die bestimmten Verhältnisse dieses Ortes entnommen werden konnten. Aber in Urkunden von Seiz und Studcnitz werden gelesen I. 1240 Bezzelin, Richter zu Feustritz, und I. 1297 Vollmar, Richter zu Feustritz, und Lupold, Bürger daselbst. — Von Windischgrätz wissen wir, daß zu Ende des eilf-ten Jahrhunderts Graf Werigand von Weimar und Orlamünde, der letzte Enkel der Markgrafen an der Saan, oder in der unteren Steiermark, aus diesem Stamme, seine Hauptpfalz hier gehabt habe. Wir lesen dann diesen Ort weiters noch (Windisken-graetze) in Urkunden der Jahre 1163, 1164, 1187, 1206, '), zum Beweise von dessen fortdauernder Wichtigkeit. Die Burg Windischgrätz mit dem Markte (Castrum cum Foro) Windischgrätz gelangte im I. 1251 an das Hochstift zu Aquileja; und alle späteren Urkunden reden von diesem Orte nur als von einer Stadtl 2 3); und im I. 1314 sind Stadt und Burg Windischgrätz vom Kaiser Heinrich VII. an den kärntnerischcn Edelherrn Konrad von Auffen-stein verpfändet worden. — Urkundlich werden im I. 1279 und im 'Anbeginne des vierzehnten Jahrhunderts die Bewohner von Differ und von Sachsenfeld (Forum) Bürger genannt/'). — Den Ort Lutenberg bezeichnet das steierische Kanuncrrenten-buch, eben so wie Radkersburg (Rakleinspurch, Rakaspurch, Rachkerspurg auf der Marich) 4), als Marktort, als Forum (I. 1265). Fürstenfelö muß schon um das Jahr 1200 als geschlossener Ort bestanden haben; weil Kaiser Rudolph i. zu Wien am 24. Februar 1277 den Bürgern in Fürstcnfeld ihre uralten, von Herzog Leopold dem Glorreichen, und von dem Bv'hmenkönig Otto- l) Dipl. Styr. II. 58. 87 — 89. ") Caesar, Annal. II. 255. 3) Lambachcr, Anhang, p. 177. — Dipl. Styr. II. 144. 4) Horneck. p. 236 — 240. kar erhaltenen Vorrechte bestätigt hat '). — Weit) am Weihbache finden mir um das I. 1267 im steierischen Kammerrentenbuche als geschlossene Ortschaft (Forum Wcydes). — Wenn in Urkunden des Jahres 1309 ein Richter von Pöllau, Lcupold der Zwickl, erscheint, so darf man die Erhebung dieses Ortes zum Markte und Bürgerthume wohl auch in das dreizehnte Jahrhundert hinaufsetzen "). — Der Ort Hartberg besitzt römisch-inschriftliche, plastische und mittelalterliche Denkmäler, welche dessen hohes Alterthum verbürgen. Wohlbegreiflich erscheint daher Hnrt-berg schon um das I. 1166 urkundlich als Marktflecken (Forum Hartperch) 1 2 3). — Um das Jahr 1288 wird unter den urkundlichen Zeugen auch genannt der Pfarrer des Marktes Voran (PF-banus nosni Fori). Wahrscheinlich hat sich dieser Ort seit der Entstehung des Chorherrnstifts zu einem Markte erhoben 4). — Das Entstehen des Ortes bei dem alten Schlosse Friedberg wird dem Ende des zwölften und Anfänge des dreizehnten Jahrhunderts zugeschricben 5). Ohne nur die Sage zu berücksichtigen, daß diese Ortschaft durch die Lösegeldcr des Königs Richard Löwenherz als eine Stadt auferbaut worden scy, bewähren Fried-bcrgs Stadtverfassung und Bürgcrthum Urkunden vom I. 1252, in welchen Erhard Fuß, „Stadtrichtcr zu Fricöberg" genannt wird (Erhardus Pes Judex civitatis Fridberg) ti). — Das steierische Kammcrrentenbuch nennt endlich auch Uebelbach einen Marktflecken (Forum). Die römischen Denksteine umher zu Wald-stein, Adriach und im Gcisthale diesseits, und zu Knittclscld und St. Margareten an der Glcin jenseits der altrctischen Gebirge, an deren südöstlichem Fuße Uebelbach gelegen ist, und die alte Sage, daß Uebelbach ehemals ein Vergort gewesen sey, bewähren dessen , frühe Wichtigkeit und Erhebung. Die Erhebung der meisten geschlossenen Orte in Steiermark, von welchen wir auch dies durch keine urkundlichen Andeutungen Nachweisen können, hatte schon unter den früheren Markgrafen begon- 1) Jyanncums-Urkunde». — Auch die Bestätigung des Herzogs Albrecht I. Grätz 25. März 1291. 2) Caesar, Annal, II. p. 568. 3) Dipl. Styr. I. 156. 4) Caesar. II. 563. 4) Annal. Lcol). — Pez. I p. 708. A) Caesar, Annal. II. 523. 573: „Ottachcr, Richter in der Stadt zu Fricdbcrg." neu, vorzüglich aber unter Herzog Leopold dem Glorreichen. Sie sind auch hier durch bürgerliche Freiheit, sclbstcigcne Waffen, Antheil an Ehre und Vorzügen der Vasallen, Lehensfähigkeit, Asylrecht und ruhiges Scyn unter selbftgewähltcn Obrigkeiten und Gerichten, im Gegensätze des rohen Adels und der Ritterschaft, und so vieler dinglich unfreien und gänzlich leibeigenen Untcrthancn, die Wiege der Geselligkeit, der Künste und Wissenschaften, des Handels, Gewerbffeißes und Wohlstandes in dein Mittelstände geworden. Die Stadtobrigkeik oder der Stadtmagistrat ward aus der Mitte der Bürger von ihnen selbst gewählt und führte die Aufsicht über das Wohl, die Ruhe, Ordnung und Sicherheit der Staütgemeinöe durch die Pflege des Gerichts, der Polizei und der Ockonomie, durch Staütrichter imö durch Rathshcrren (consules, civcs jurati). Diese bildeten aus den adeligen Ansässigen, aus den wohlhabenderen Bürgern den inneren Rath für die wichtigsten Stadtgeschäfte. Für minder wichtige Dinge waren im äußeren Rathe geringere und ärmere Bürger, auch bezeichnet als die Genannten; öfters war die Berufung und Stimme aller Bürger nothwenöig. Selten nur griff der Landesherr, der Markgraf oder Herzog in die Gerichtspflege der Städte ein. Die Verthcidigung ihrer Stadt übernahmen die Bürger selbst, und führten sie nicht wie feile Söldner oder leibeigene Bauern für einen raubsüchtigen Anführer und Zwingherrn, sondern für ihre persönliche Freiheit, für ihre Angehörigen, Stadtverfassung und Cigcnthum. Gewisse Stadtgefälle wurden zur Besserung der Mauern und Gräben, zur Beischaffung von Waffen und Kriegsmaschinen, und für die Stadtwachen verwendet. Es sind Urkunden und Andeutungen hinlänglich vorhanden, daß schon frühzeitig die Stifte und der Adel des Landes in den Städten Grätz, Raökersburg, Marburg, Hartberg, Pettau, Bruck, Judenburg, Leoben, Rotenmann, Hofstätten und Häuser erworben und sich unter Bürgern zum Theile ganz niedergelassen, oder doch immer einen großen Theil des Jahres daselbst zugebracht haben. Frühzeitig schon war in diesen Orten, wie in Grätz, Leoben, Bruck, Judenburg, die Communalverwaltung mit geschworenen Bürgern und deren Vorstand geregelt, welche für das Wohl der Gemeinde und jedes Einzelnen thätig war. So mußte im I. 1295 im Stadtgerichte zu Grätz, Ortolf, der Spitalmeister vom Semmering, dem Stifte zu Rein Gewähr leisten, daß sein Anbau aus und an eines zum Reinerhaust gehörigen Hauses demselben nie zum Nachtheile gereichen solle Fast alle steiermärkischen Städte (insbesondere sprechen Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts von Grätz, Bruck und Judenburg) erhielten wegen Handel und Gewerben für Gastwirthe, Bäcker, Fleischer u. s. w. für Verkehr mit Eisen, Salz und italischen Maaren das Stappelrccht und das sogenannte Meilen recht (den Besang, Bi fang, Bannmeile, Bannleuca, Bannilega), welches wenigstens zu ihrer anfänglichen Ausnahme und Erweiterung viel beigetragen hat; wenn eö gleich später dem Handel nachtheitig und für alle Andern drückend geworden war. — Die Umwandlung von Pfalzen und Burgen in größere geschlossene Orte, in Städte, oder der freien offenen Bauten in geschlossene und befestigte Ansitze, die Erbauung neuer Bur. gen und Schlösser, konnte nur mit Vorwisscn der Gaugrafen, der Markgrafen und Landesfürstcn und mit Bewilligung und brieflicher Zusicherung des deutschen Neichsoberhauptes geschehen Kaiser Rudolph gab hierüber (Wien 3. November 1276) folgende nähere Bestimmungen: Niemand solle zum Nachtheile eines anderen innerhalb einer Meile eine neue Burg, oder eine Befestigung nufbauen: und wo dies wirklich geschehen wäre, sollen derlei Bauten durch die kaiserlichen Richter sogleich wieder abgethan werden. — Alle jene Burgen und Schlösser, welche gegen alle Rechtsordnung und ohne gesetzlichen Grund durch den Böhmenkönig Ottokar gebrochen und abgethan worden sind, sollen mit kaiserlicher Erlaub-niß wieder aufgebaut werden, so wie alle auf diesen Gegenstand bezüglichen Verbote des Böhmenkönigs widerrufen und nichtig seyn. — Burgen, welche in Folge ritterlicher Aussprüche gebrochen worden sind, dürfen ohne besondere kaiserliche Bewilligung nicht wieder erhoben, und in allein hieher Bezüglichen sollen die alterprob-ten Landesgcwohnheiten, die Freiheiten und Bcsonöerrcchte der geistlichen und weltlichen Herren und Dienstmannen in Steier vor Augen gehalten werden s). Diesem zu Folge mußte der Abt Heinrich von Admont die kaiserliche Bewilligung nachsuchen und erhalten, um auf stiftischem Grunde die Veste Gallenstein erbauen zu dürfen (1282 — 1288), und eben so um einige Jahre später der Erzbischof von Salzburg zum Aufbaue der Ennsburg an der Manö- 1) Reiner-Urkunde. 2) Juvavia. p. 118 — 119. — Resch, Aimal.Sabion. II. 307 — 308. 3) Landhandvest, Ausgabe 1697. p. 4. ling. — Burgen und geschlossene Bauten an denselben umher waren gewöhnlich mit eigenen bewaffneten Diensrmannen besetzt, vorzugsweise Burgmannen, Burgsolöaten, Burgenhüter genannt (Castrenses, Burgenses), welche für ihren Dienst der Bewachung und Vertheidigung eigene Lehengüter und Lehenrechte, Burglehen genannt (Fcuda, Beneficia castrensia), genossen; so wie auch die innerhalb des Burgbezirkes und der Befestigung Wohnenden und Beschützten dafür eine besondere Abgabe (das Burgrecht, Jus castrense, Jus forense) zu entrichten verpflichtet waren. Unter den Renten eines steiermärkischen Landesherrn führt das Rentcnbuch von Steiermark (Rationarium Styriae I. 1265) von mehreren Städten und geschlossenen Orten des Landes aus. örücklich die Burgrechtssteuer, oder Marktrechtsgabe (Jus forense) an, so wie dies auch im ältesten Urbarbuche von Admont sich verzeichnet findet >). Die wesentlichen Verhältnisse und Rechte des Eigenthuines an Grund und Voden. — Die ältesten Grundbesitzer in Steiermark bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts. Alles wahre und vollkommene Eigenthum an Grund und Boden konnte nur von freien Männern erworben, und denselben durch eine feierliche Erklärung im Volksgerichte übertragen werden. Durch eine solche gerichtliche Ucberantwortung (welche gewöhnlich durch eine symbolische Handlung, durch Uebergabe eines Zweiges, traditio per festucam, begleitet wurde) ward der freie Mann förmlich in den Besitz selbst eingewiesen; von diesem Augenblicke an war die Erwerbung unter den Schutz des Volks-rcchts und des Volksgcrichts gestellt, und dem Erwerber die völligste Sicherheit oder Gewähr, Festigung und Befestigung gegeben (Investitura, Vestituva). Bon diesem vollendeten und ächten Eigenthume (Res mca. Patrimonium. Substantia, Allodium, Wertsaigen) 2) muß aller mittelbare und abgeleitete Besitz in Händen C. i>. 578. 2) BaiuvarischcS Gesetz, p. 285. — Dipl. Styr. I. 91. — Zn den Gößer-Urkunden I. l208 — 1280 üntcrscheldct man Güter, als: Wertsaigen, — Fco dal ejus, — Leibgedingc. Anderer, Unfreier, Höriger, Schutzbefohlener, wenn gleich damit die Ausübung von Eigenthumsrechtcn verbunden war, genau un-terfchieden werden; und zwar nach verfchiedenen Abstufungen, welche das Recht des Schutzherrn oder das Vogtrecht enthielt. Aus einem vollkommen cigenthümlichen, gewöhnlich nach bestimmten Grän-zcu ummarkten und bezeichneten Grunde und Boden ■) war Alles ein Eigenthum des freien, rechtlich erklärten Besitzers, Erde und Steme, Wald und Gestrippe, Weide und Feld, Gewässer und Salzquellen, Steinbrüche und Bergwerke, Holznutzung, Jagd, Fischerei, und das Recht, Mühlen aufzubauen. Bergwerke und Salinen wurden erst seit dem zwölften Jahrhunderte als Regalien, das ist, als den landesfürstlichen Hoheitsrechten vorbehaltene Gegenstände behandelt -). Der Grund des freien Eigenthums war nach den altbajuvarischen Gesetzen ein heiliger Boden, und heilig war dessen Umgränzung; jede Verletzung der Gränzmarken war schwer-verpönt, und ein gewöhnlicher Diebstahl auf Eigenthumsboden mußte neunfach; Diebstahl aus einem Gebäude aber, das seines Zweckes wegen stets offen stehen mußte, wie Kirche, Hofburg des Landesherr» (Curtis Ducis), Hanöwerksstätte, Mühle, dreimal neunfach gebüßt werden 1 2 3). Jedes Allodium war ein gefreiter Bezirk, ein Herrschaftsgrund mit Emunität; kein Beamteter der Volksgemcinde oder des Lanöesfürsten durfte innerhalb der Allod-granzen eine Gewalt ausüben, so lange der Allodialherr bereit stand, für alle darauf Befindlichen und Nücksässigen zu Recht zu 1) Lex Ilajuvar. p. 298. — So heißt es auch im I. 1150 in einem Admon-ter- Saalbuche: Positis saxis terminos justos novalibus ipsis praefixit. 2) In den frühesten Urkunden, I. 748. 770. 788. u. s. ro., lautet der Text über vollständig eigenen Grund und Boden folgender Massen: „Omnes situs silvavum et camporum, culta et inculta, omnis utilitas, quae in— quiri potest. — Viliam cum omni marca atque jaccntiis suis, casa-tis, servis vel Iiberis, mansis, mancipiis, campis, pratis, vineis, aquis aquarumve decursibus, vel quidquid ad ipsam villain pertinere vidc-tur, totum et integrum. — Ut iidcm praelibati ministri eorumque suc-cessores praediorum suorum cum familiis utriusque scxus, et cum areis, aedificiis, terris cultis et incultis, viis , inviis, exitibus, redi-tibus, quaesitis et inquirendis, rebus mobilibus et immobilibus, aquis earumve decursibus, molis, molendinis, piscationibus, silvis, vcnatio-nibus, pascuis, paludibus, alpibus, vallibus, planitiebus, omnibus rebus juste et legaliter ad eorum proprietatem respicientibus liberam habeant potcstatem tenendi, possidendi, commutandi, vel quidquid šibi libeat omnibus modis inter se inde faciendi.“ — Obren. Lunaelae. 4. 9—10. — Resell, Annal. Sabion. I. 669. — Aetas millenar. p. 22 —26. — Juvavia, Anhang, p. 56. 62. 81. 88. 104. 3^ Bajuvar. p. 288. 302—304. 306. 314. sichen. Nur der Alloöialheer vertrat alle feine Schutzhörigen, Rück-sässigen und Eigenleute in dem Gerichte der Markgenossenschaft; Patrimonialgerichte im späteren Sinne gab es in der ältesten Zeit noch nicht. lieber seine eigenen und hofhörigen Leute richtete der Gutsherr in Folge seines Schutzrechtes nach Hofrecht, und bestrafte ihre Vergehungen gegen ihn selbst und gegen ihre Genossen. Mit seinem allodialen Grund und Boden konnte der Gutsherr nach Gefallen schalten, selbst wenn derselbe als Lehen in der Hand eines Hörigen oder Zinspflichtigen war *)• Auf den Alloden haftete das natürliche Erbrecht von dem Vater auf den Sohn, und dieser hatte darauf bezüglich selbst gegen den Vater rechtliche Ansprüche. Das Erbrecht der nächsten Verwandten und der wirklich lebenden Abkömmlinge durste durch Verkauf oder durch Tradition eines ganzen Allods nicht beeinträchtigt werden. — Grundeigenthum gelangte weiters au einen anderen Besitzer durch Tausch und durch Verkauf, beides nach gepflogener Verhandlung vor Gericht, und frühzeitig schon mittelst urkundlicher Handvcsten * 2). — Grundeigenthum konnte endlich auch durch Verjährung ersessen werden nach gerichtlich erwiesener Besitzesfrist von 60 Jahren 3), Das Recht der Veräußerung ganzer Alloöe zum Nachthcilc der rechtmäßigen Erben, wie die Vcrschcnkung von Grundeigenthum hatten in den ältesten Zeiten an dem Geldmangel und an der späteren Ausdehnung des Kirchenthums große Hindernisse. Später jedoch, vorzüglich seit Anbeginn des eilften Jahrhunderts wurden die Schenkungen bedeutender Allvde an die Kirche sehr häufig. Bald endlich verschwanden auch die kleineren Allodialgütcr gemeinfreier Lex Bajuvar. p. 282. — Seine Hufen bei Bärendorf im Paltenthale hatte das Stift 2£bmont im I. 1150 dem Hartnid von Ort zu Lehen gegeben. Nun fand es Ulrich der Stiftsgustcr nützlich, auf dem dortigen Stistsboden Waldung und Gestrippe weiter auSzurottcn, und so den Grund urbar zu machen. Hartnid von Ort hinderte dies mit Gewalt (ipsam villam beneficij jure tenens violenter runcationem illam proliibuit). Jedoch der Landesmarkgraf Ottokar entschied für das Recht des Stiftes als Grundherrn. Admontersaalbuch. N. IV. Z) Lex Baj uvar. p. 310. 3) Admontersaalbuch. Nr. IV. 1.1227. Herzog Leopold entscheidet den Streit zwischen Admont und den Brüdern von Kinbcrg um das Gut Berchach für Admont: ,,quod ecclcsia Admontensis per annos plusquam LX et usque ad nostra lempora possideret. Sed cum Abbas ct fratres P' ac_ scriptione temporis et omni exceptione majorcs praedictorum Lhin-burgensium impetitioni obviare voluissent.“ I. 1245.: ,,Plae mm, quod in valle Anasi apud (ileibinich (Gleiming) — ecclcsia Admontensis sexaginta annis et ultra possederat pleno jure.“ Gesch. D, Steiermark — ii. 53». 10 Männer, welche sich durch den Druck von Seite der königlichen Beamten, vorzüglich bei Ausübung der Amtsgewalt über Hcer-bannpflichtige, und auch der Mächtigen und Großen gezwungen sahen, ihr kleines Eigengut an übermächtige, geistliche und weltliche Dynasten und Herren abzutretcn, und dasselbe wieder von ihnen, als Lehen oder Bencficium, als sogenanntes Prekariengut (Praecaria. Praecarium. Praestavia) zu nehmen. Im Lause der Zelt kamen besonders auf die Allode des Adels und der Kirche, der Fürsten, Markgrafen, Grasen, Hochstifte, Bischöfe und Aebte auch noch alle, sonst nur dem Fiskus auf den Territorien fälligen Einkünfte, wie die Freda, öerCensus, Mauthrecht, Markt-recht, Münzgerechtigkeit, und eine erweiterte Gerichtsbarkeit über freie, auf selbsteigcner Feldmark Rücksäfsige, und über Hörige für Fälle, welche sonst die andern Richter der Abtheilungen einer Markgenossenschaft betroffen hatten, später auch für Fälle des ordentlichen Gaugerichtes, endlich auch noch die Befreiung von der öffentlichen Last des Zuzugs oder Vorspannes für sich und für alle Allodialinsassen. Auf allodialem Gebiethe konnten auch alle Gewerbe betrieben werden, sie mochten auf Landbau Bezug haben oder nicht *). Wo kein wahres Allod, sondern nur abgeleitetes Besitzrecht war, wie bei Hörigen, Zinspflichttgen, Prckaristen und bei Eigenleuten, rücksässig auf den einzelnen, zu einem großen Herrnhofe (Hofmark, Curtis) gehörigen Vorwerken, bestand dasselbe vorzüglich bei unvollkommen Freien in dem Frucht-genusse des Wehrgutes und der damit nach Hofrecht verbundenen Rechte gegen getreue Leistung der vertragsmäßig übernommenen Naturalabgaben und Dienste. Solche Güter auf die natürlichen Leibesdesrendenten erblich kommen zu lassen, brachten viele in der Sachlage schon gegründete Verhältnisse frühzeitig in Gebrauch und Sitte. Auf das bewegliche Vermögen seiner Hörigen und Pflichtigen siel in der späteren Zeit dem Allodialherrn auch noch das sogenannte Toöfallsrecht (Mortuarium) zu; vermöge dessen die nach Hofrecht erbfähigen Erben die Erbschaft mit einem Theile derselben aus den Händen des Herrn lösen mußten. In Fällen des Mangels rechtmäßiger Erben fiel die ganze bewegliche Erbschaft dem Grundherrn zu. l) So hatte im I. 1287 Leutold von Wüdon einen leibeigenen Schneider fammt Familie, Haberschneck genannt, in seiner Hofmark zu Neumarkt (in novo foro), Saalbuch von St. Lambrecht. Wir wollen es hier versuchen, in so weit urkundliche Andeutungen reichen, die germanischkaiserlichen Staatsdomänen und die Allodialherren geistlichen und weltlichen Standes in der Steiermark, von der frühesten Epoche des Mittelalters bis in die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts nachzuweiscn. Kaiserliches Fiskalgut und königliche Domänen in der Steiermark waren ehedem: Besitzungen I. 861 an der Güns, Pinkau, Safen, Raab, zu Lumnich an der Raab, zu Rezilnbach, an der Sulin, im Grazzlupthale bei Neumarkt, an der Pols, an der Jngering, zu Kobentz, an der Liesing, an der Mürz, zu Bruck an der Mur, zu Straßengel '), zu Großsonntag an der Peßnitz, zu Pettau "); I. 865 an der Laffnitz, zu Wisitindorf * 2 3); I. 890 die ganze Stadt Pettau, mit Kirchen, Zehenten, Mauthbann, mit hundert Husen und zehn Weingärten, zu Zistanesselö die ganze Fläche bei Pettau von der Drau bis an die Dran, die Stadt Zuib (Sulm) an der Sulm, die Ebene von der Mur bis an die Laßnitz, die beiden Thäler der Sulm und der Laßnitz von ihren Quellen auf der cetischen Gebirgskette an bis zu den Mündungen beider Flüsse, der ganze Bannforst Sausal, Kirche und Hofmark an der Saven mit fünfzig Mausen, Schäufling, Tcuffenbach, Katsch, Lint, Leoben 4 *); I. 904 das ganze Thal des Leobenbaches bis zu dessen Mündung in die Mur, sammt dem Hauptgehöfte Göß und der Hofmark Göstaris daselbst3); I. 927 Ein öd im Mürz-thale und Rotenmann im Paltenthale 6 7); I. 954 Hufen in Zei-ring und im Krabatgaue"); I. 960 in demselben Gaue die Hofmark Dulchsisse und das Territorium zwischen den Gebirgen Curalton, Akozia, Zwecklopruk und Kolpru 8); um das I. 1000 hundert Mausen in verschiedenen Gegenden Steiermarks (im Kainachthale vorzüglich) 9); I. 1005 das Hauptgehöfte Aöamunta im Admont- 10 * x) Luvavia. p. 95. 2) Luvavia. p. 16 — 17.: Rex Ludovicus concessit ei (Priwinnae) totnra in perpetuum, quo4 prius hal,uit in beneficiuin. 3) Juvavia. p. 99. *) Luvavia. p. 113 — 115, s) Dipl. Styr. I. 4. 6) Luvavia. p. 136. 7) Dipl. Styr. I. 5. S) Ibid. p. 7. y) Saalbuch von St. Lambrecht. thale mit Salzpfannen und Salzc,ueUkn '); I. 1023 das Haupt-gehöste Domache (Dieinlich) im Mürzthale, und in der Lobming bei Leoben I. 1025 hundert Manfus im Afflenzthale 2 3); I. 1042 königliche Hufen im Paltenthale und tin Ennsthale 4); I. 1043 Ramprechtstetten und Rarnatftetten 5); I. 1055 Kirche und Gehöfte Straßgang mit der Fläche bis an die Mur 6); I. 1059 das Hauptgehöfte Gmnbrechtstättcn im Laßnitzthale 7 * *); I. 1056 Olsnitz in der unteren Steiermark, das Gehöfte zu Zuwarendorf, anfänglich Lehen des fteierifchen Markgrafen, dann Fundationsgut I. 1144 des Stiftes Rein s); I. 1146 ausgedehnter Grund und Boden zwischen dem Feistritzbache (Uebelbache) und dem Söding-bache bis auf die Höhen der crtischcn Alpen, einige Zeit im Le-hensbesitzc der Traungauer Landesrnarkgrafen und Herzog Heinrichs von Baiern, dann seit 1145 ein Eigenthum des Stiftes Rein)«); I. 1260 viel Grund und Boden im oberen Ennsthale bei Oeb-larn, Strastetten, Konikenalpe, Radmerthal u. s. w. l0 *). Bei dem in Steiermark seit dem zehnten Jahrhunderte reichbegüterten Geschlechte der Traungauermarkgrafen ist immer schwer zu unterscheiden, was ihre Familienallode, und was landes-fürstliches Domäncngut gewesen ist. Die Traungauermarkgrafen befassen in der Steiermark ehedem: I. 1074 Eichöorf bei Zeiring, Hauzcnbüchel bei Kvbcntz und Aröning im Admontthale"); 1129 Grund und Boden an der Saven, Lungwitz und Laffnitz, und das Gehöfte zu Zazzenberg im Oberennsthale 12); 1146 das Haupt-gchöste Werendorf, zwei Salzpfannen zu Ahorn im Ennsthale (in Aussee) mit Gütern zu Mitterndorf, Hartberg, und Gehöften bei Rätze, Judendorf und Straßengel"); 1160 die Kirchen St. Ma- 2) Juvavia. x. 215. 2) Dipl. Styr. 1. 14. 12. 3) St. Lambrechter- Saalbuch. '•) Dipl. Styr. I. 15. 5) Ibid. 17. ft) Juvavia. p. 239. 7) Juvavia. p. 246. 3) Hormayr, Beiträge» I. Band. II. Abth. p. 49. 9) Dipl. Styr. II. p. 11. 10) Admontersaatbuch. 11) Admonterstiftbrief. 12) Dipl. Styr. II. p. 3-4. 13) Ibid. p. 8. 9. rio und St. Michael zu Graßlupp bei Neumarkt, das große Al-pengebirge zwischen Cppenstein und Kärnten (die Schoberalpe, den Babenbergerwald, Horbach u. s. w.) '); I. 1164 Hofhuben in der unter dem Schlosse Grätz gelegenen Stadt 1 2); 1160—1164 die Höfe Wiöes, Molchen, Kvbilenbach, Lonke (bei Gonavitz) und Güter bei Windischgrätz 3); I. 1171 das weitläufige Alpengebirge zwischen dem Murthale und den Thälern der Liesing und Palte (die Gaileralpen, Jngeringalpc, Seethal, Gotsthal, Forwitz, Teu-fenthal, Trigaul, Wachersbcrg u. s. to.) 4 5 6); 1170 Saalgüter zu Traboch und Scitz im Liefingthale; I. 1172 die Kirche zu Schv'n-berg im Murthale, mit anderen Güter» zu Eich, Prcitenfurt, Ra-tcnbcrg, Flasach, Zeltwich, Weiffendorf a); 1173 die ganze Gerichtsbarkeit zwischen der Liesing und Graden (Gradcnbach bei Seckau an den Gaileralpen) u); 1174 das ungemein weite und zum Thcile nach Kärnten gehörige Territorium an der Nordseite der cetischen Alpen vom Feistritzbache bei Judenburg bis über den Erzwald, bis Eisengor unter dem Berge Waltcnstein und an die Quellen und das Thal der Laßnitz an der südlichen Alpenseite hin7 * * 0); 1182 Renten und Hufen zu Scitz, Rngotz, Oplottnitz, das Fischwasser der Oplottnitz und Dran, zu Sachscnfeld, Dicrnstein, Le-szenach, Judenburg, Salzanthcile zu Grnuscharn (Aussee), zahlreiche Güter und Renten zu den lanöesfürstlichen Hofmarken oder Probsteien in Radkersvurg, Tiffer und Marburg gehörig s); I. 1188 die Kapellen St. Peter und St. Jakob bei Leoben »); I. 1191 die Hufen von Waltcnsdorf bis an den Pölsbach, und die Seealpe ober Judenburg ,0); überhaupt endlich alles Fundations-gut, welches bei der Stiftung von Voran, Sei; und des Hospi- 1) Saaldücher von St. Lambrecht und von Admont. -) Dipl. Styr. II. 15. 3) Ibid. II. 58. 4) Ibid. I. 158. 5) Ibid. p. 159. 103 — 165. 6) Dipl. Styr. I. p. 160. ') Dipl. Styr. I. 163— 165. s) Dipl. Styr. II. p. 67 — 69. y) Admonteruekunde. Familimgut. Ottokar sagt nämlich: quas mihi primogenitures in ei libcras tradiderunt — in praedio men fundatas. I0) Dipl. Styr. I. 170. tals im Cerewald bei Spital mn Semmering ist verwendet worden Mode und lanöesfürstliches Besitzthum in Steiermark gingen von den Traungauern auf die Babenbergerherzoge über; in deren Besitze urkundlich gekannt sind: 1195 die Höfe Rachis, Ve-öoai, Rogatz und Roßbach 1 2); 1207 die Höfe bei Pettau zu Britz-lausdorf, Predansdorf, die Ncubrüche an der Pulzgau am Gehöfte Rogatz und ein großes Gehöfte jenfeits der Dran, Rcbou genannt 3); 1210 das Alpcngcbirge Gottenfeld bei Hirfcheck und das Gehöfte Brenstede4); 1237 die Zehenten in den Pfarren Go-novitz, Kötsch, Schleunitz und St. Leonhard 5); 1200—1205 der Forst Müllwald genannt und Eisenantheile am Erzberge bei Leoben 6); 1209 Weinberge und Hufen zu Planinich und im Grasch-nitzthale bei Geyrach 7); 1233 die großen Gehöfte Schillingsöorf, Schafthal, Rorbach, Neustist, Mackau, Plechingcn, Wulfingers-dorf, Messendorf bei Grätz 8); 1239 das Patronatsrecht und alle anderen Rechte an der Kirche St. Peter bei Judenburg 9 10 11); 1241 das Patronatsrecht an der Kirche zu Tobl bei Grätz t0); 1242 das Gehöfte in Passail bei St. Jakob am Erzberge genannt “); 1245 das Schloß Wachseneck mit den dazu gehörigen Hufen und dem Gerichte. Die Kammergüter der traungauischen und babenbergischen Landesmarkgrafen und Herzoge, so wie die Lehengüter der Hochstifte 1) Wie bedeutend das Besitzthum der Traungauermarkgrafen in Steiermark gewesen sep, mag zum Theile erhellen aus Herzog Ottokars Aeußcrung in einem Diplome für Borau, I. 1184: Cogitavimus terram Styriae di-lecto consanguineo nostro Leopolde Duei Äustriae ex nim/a corporis nostri infirmitate venundare proprietarie cum omnibus suis pertinen^ tiis, excepto quingentos mansos pro salute nostra ad co en obi a, quae felicissimus pater noster Ottotarus Marchio funda-vit, videlicet Vorowe, Seides una cum Hospital! in Zerewalt — ad prae-dicta loca largissime distribuendo. — Dipl. Styr. II, 311. 2) Dipl. Styr. II. 75, 77. •1) Ibid. II. 19. 4) Ibid. II. 83. s) Ibid. 17. 189. 6) Idem. 137. 139. 7) Idem. 178. s) idem. I. p. 310. f) Idem. I. 315. 10) Idem. I. 314. 11) Ibidem. 311 — 316. Salzburg, Freifingen u. s. ro. sind nach Sem Jahre 1277 größtenteils aufK. Rudolphs i, Sühne, Albert, Hartmann und Rudolph übergegangen ')• Seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts finden sich alle Domänen der Landesfürsten in Steiermark im sogenannten Rentenbuche Heilwiks nach eigenen Haupthofmarken oder Aemtern (Of-ficia), Graß, Fürstenfcld, Radkersburg, Pettau, Differ, Sachsenfeld, Marburg, EibisMld, Witdon, Weitsberg, Feldbach, Birk-fcld, Bruck, Mürzthal, Leoben, Judenburg, Reumarkt, Enns- und Paltenthal, Aussee und Eisenerz genau verzeichnet, von welchen wir bei einer andern Gelegenheit umständlicher sprechen werden. Viele von den oben vcrzeichnetcn uralten germanisch-kaiserlichen Domänen in Steiermark sind thcils damals schon, theils in der Zeitfolge als vollkommene Allode in den Besitz der Kirche und des höheren Adels gekommen, zuerst an das reiche Geschlecht der Grafen und Markgrafen von Mürzthal und Eppenstein, Herzoge in Kärnten. Ihnen gehörte noch vor der Mitte des eils-ten Jahrhunderts das ganze Thal der Taja bei St. Lambrecht (cx palevna heredilate), die Kirche St. Maria zu Mariahos und zu St. Martin in Graßlupp, die Gegend und die Gebirge um Reumarkt und in die Einöde gegen Friesach und bis an die Mur und gegen Zeiring hin, Weissenkirchen, St. Martin in Lint, Judenburg, St. Georgen in Lobming, Mulmarsdorf, Bischofsberg, Arpindors, St. Marein und der Stadelhof zu SchalchdorfimMürz-thale, das Afflenzthal, St. Georgen zu Adriach und zwar mit allem Grunde und Boden an der Mur bis an die Quelle zu Ro-tenstein, und in der Einöde, Steindorf, Piberthal, St. Andrst und St. Margarethen, Kainachthal, Söding, die Zedernitzalpe, die Pibcralpe, Otarnitz, und das Schloß Hengst oder Heingest s); endlich ein Gut am Leichenbcrg und eine Salzpfanne im Admont-thnle, überhaupt der größte Theil der Fundationsgüter des Stiftes zu St. Lambrecht. Nach diesen befassen die Knrantanerherzöge aus dem Hanse Sponheim-Ortenburg, Markgrafen in Istrien und Herzoge von Dalmatien, in der Steiermark I. 113.0—1140, Lasselsdorf in der unteren Mark, 1170 Waltcnbach bei Leoben, zu Liesing int Liesingthale, 1187 —1204 Windischgrätz, 1256 sieben Mansus in *) Lambacher, Interregnum, Anhang, p. 138. 3) Saalbiieher von St. Lambrecht ». Admont. — Dipl Sivr. II. -J*.t — 2T7. der Hofmark zu Schäufling im oberen Murthale, und 1250—1260 Meinhardsdorf bei Oberwäls und die dazu gehörigen Hufen im Thale der Wöls, andere Güter bei Schäufling, welche 1256 an das Stift Rein gekommen sind, und die Hofmark Parfchlucg im Mürzthale, welche anfänglich das Stift Viktring in Kärnten, dann das Stift Rein besaß '). Was die Markgrafen an der Saan aus dem Stamme Weimar und Orlamünde seit der Mitte des cilften Jahrhunderts in der unteren Steiermark besessen haben, darüber mangeln urkundliche Aufschlüsse; tum den letzten Sprößlingcn dieses Fürstengeschlechtes, Grafen Weriand und Ulrich, wissen wir, daß sie bedeutende Besitzungen am Raöelgebirge und bei Windischgrätz gehabt hatten, I. 1090—1125 8). Die Nachfolger dieses Stammes in derselben Mark befassen in der unteren Steiermark I. 1120— 1140 die Kirche St. Martin bei Grätz sammt Höfen zu Hamitschach bei Leibnitz, Hartwigesdorf, Wczelsdorf, Hofstaten, Pode-gor, Reifnitz und Geresdorf l) * 3). Zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts gehörten Burg, Stadt, und das ganze Weihbild von Windischgrätz dem Grafen Dertholö von Andechs, Herzogen in Dalmatien und Markgrafen von Istrien, und sind nachher an das Aglaierpatriarchat gediehen 4). In der Hand der frommen Gräfin Hemma von Friesach und Zeltschach vereinigte sich um das Jahr 1036 nicht nur alles Besitzthum ihres Gatten, des Grafen Wilhelm von der Saan, und seiner Vorältern seit dem Ende des neunten Jahrhunderts, sondern auch ihr eigenes väterliches Erbe aus dem reichen Allodenfchatze der Gaugrafen zu Leoben und im Traungaue, an der Saan, Zott-la, Nirine, Save, zu Reichenburg und Videm 5), zu Trachenüorf, an der Kopriuniza, Kodingie und Ogvanie in der unteren Mark (I. 895. 1015. 1025), worunter die Schlösser und Hofmarken von Drachenburg, Hörberg, Olimie und Winöischlanösberg begriffen waren, Salzpfannen mit Salzrechten und mit dem Gerichte zu l) Dipl. Styr, II. 33. 87. — Admontersaalbuch und Urkunden. — Reinersaalbuch. ") Juvavia. p. 253. — Saalbücher von Admont und St. Paul. 3) Saalbücher von Admont und St. Lambrecht. **) Caesar, Annal. II. 93. 235. 5) Archiv f. Süddtschld. II. 313 - 314. 336 - 228. Hall bei Admont und den größten Theil des Admontthales, mit Leuten und Hufen '). Gleichzeitig befassen Zehenten und Alloöe in der Chieneinöde, im Gaizarmalöe und trat Gradwein die Grafen von Su nilburg * 2). Zu Ende des eilften und zu Anfang des zwölften Jahrhunderts ivar Lungwitz, Soncgorestorf (Stangersdorf) und das ganze Thal von Rein väterlichs Allod und die große Hofmark des Grafen Waldo von Rune. Dort, wo heute das schöne Stift erbaut ist, sieht man noch die Ruinen von Waldos Ahnenburg 3). Bernhard Graf von Marchburg, aus dem Gefchlechte der Grafen von Sponheim-Ortenburg, besaß zu allodialein Eigen die Marchburg, und den Ort Marburg mit reichen Hofmarkgütern, Lasselsdorf und Güter an der Sulm zwischen Freßen und Kemmaten, I. 1100 — 1145, Tiffer und Geirach; welches alles später dem reichen Allodenschatz der traungauifchen Markgrafen in der Steiermark zugeflossen ist 4). Die Grafen auf Pfannberg hatten ihre Alloüe in den Hof-markcn Pfannberg und Semriach, zu Traboch, und das Schloß zu St. Peter bei Leoben, I. 1190, 1288 5). Ein großer Thcil des Cerewalöes und der Hufen um Spital am Semmering war allodiales Eigenthum der baioarifchen Grafen von Neu bürg, Formbach und Putten, und zur Stiftung des HospitaleS daselbst mußte Markgraf Ottokar Yin. jene Besitzungen erst vom Grafen Cckbert HI. von Putten cintauschen; welcher kinderlos im Jahre 1158 vor Mailand gefallen war; und wir iveröen keine irrige Behauptung aussprechen, wenn wir sagen, daß diese Allode und noch andere Güter an der Laffnitz, Saven, um Hartberg und bis an die Fcistritz herein aus den Hausalloöen der Markgrafen und Grafen von Lambach, Wels und Pütten, durch Mathilde, Tochter Gottfrieds, des letzten Grafen von Lambach, Markgrafen der obcrn Steiermark (1055), und Gemahlin Egberts I., Grafcns von Neuburg und Formbach, dahin gediehen seyen 6). Viele dieser Allode hatte Eckbert II. an das Lieblingsstisk *) Stiftbrief von Admont von den Jahren 1074. 1139. 1160. 2) Saalbuch von Admont. IV. und von Rein. 3) Dipl. Styr. II. p. 6. *) Beiträge zur Lösung der Preisfrage. II. p. 175 — 176. — Saalbuch von Admont. 5) Dipl. Styr. I. p. 248. — Admontcrsaalbuch. 6) Dipl. Styr. II. p. 313. ihres Stammes, Formbach, geschenkt, mie' altes Waldgebirge 510U schen den beiden Bächen Voran und Laßnitz von der Grafengränze bis zum Zusammenflüsse beider Bäche, I. 1145 '). Begütert in der unteren und oberen Steiermark waren die Grafen von Plain, zu Leidnitz, an der Stiffing, Pößnitz bei Seckau, Traboch, St. Benedikten in Seitz und zu St. Stephan bei Kaisersbcrg; sie sind die Gründer und Stifter der Kirche und Pfarre St. Georgen an der Stiffing, I. 1160, 1220, 1253 -). Die Grafen von Zeltfchach (Poppo comes de Celsach et frater ejus Rudolphus) kennen wir im Gütcrbesitze um Dürnstein und Reit im Thale der Einöde und um Neumarkt; welcher größtcnthrils durch K. Ottokar von Böhmen im Jahre 1254 an das Stift zu Seckau gediehen ist * * 3). Die Grafen von Schala, Heinrich und Sieghard, Blutsverwandte zu den Ottokaren, Landesmarkgrasen von Steier (Me- morabiles Domini nobis quoque sanguine proximi, sagt Ottokar VII ), befassen zu Ligist, Söding, Münichhof und zu Kallstorf bei Grätz Hofmarkcn, I. 1179 4). Zu den Alloden der Grafen von Heunburg gehörten die Gehöfte Khunthal, Chalop und die große Hofmark der vier Schc-phonen (Officium quatuor Schephonum) im Bezirke Differ (in provincia Ti ver), I. 1278, die Burg Cilli und zahlreiche Allode um dieselbe her bis zum I. 1331 5 *). Schon seit dem Jahre 1130 erscheinen in Admontcrsaaldü-chern die salzburgisch-österreichischen Grafen von Pillstein als Besitzer von Land und Leuten in Steiermark, zu Podegor, Baier-öorf, Stübing, Feistritz und Werde, an der Mürz und zu St. Maria bei Leoben, welche Kirche eigentlich auf dem Allodialboden der Edelherren von Glaink stand, I. 1150, 1210 °). Die Grafen von Horburg hatten Besitzungen zu Weissenbach im Obcrennsthale, so wie die kärntnerischen Grasen von Treffen Güter im Graßluppthale bei Ncumarkt 7). *) Mon. Boic. IV. 59. 2) Dipl. Styr. I. 307. 325 - 326. 3) Admontersaalbücher. III. 102. IV. 4) Dipl. Styr. 11. 15. 16. — Saalbuch des Stiftes Rein: praedium Lub-gast cum silva a sunimo inter duo flumina Kistriz ct Lubgast. 5) Dipl. Styr. II. Hl. — Lambacher, Interregnum. Anhang. 176 - 177. *) Dipl. Styr. I. 34 - 38. ') Admontcrsaalbuch. IV. 15S Ungemein ausgedehnt und reich war bas altkirchliche Ei-, genthum an Land und Leuten in Steiermark. Die ersten Erwerbungen des Hochstiftes Salzburg in der Steiermark liegen im Dunkel zu Ende des siebenten und zu Anfang des achten Jahrhunderts. Die agilolfingischen Baierherzoge, die karlowingi-schcn und die deutschen Kaiser beeiferten sich, auch in diesem Lande mit fürstlicher Großmuth jenes Hochstift zu begaben und zu bereichern. Zu Salzburgs ältesten Erwerbungen gehören zahlreiche Güter im Enns-, Palten-, Liesing- und im obern Murthale; I. 811 Graßlupp/ an der Pöls, Kobentz, an der Jngering, an der Liesing, an der Mürz, zu Druck an der Mur, Straßengel, an der Sulm, an der Raab, zu Rezilnbach, an der Saven, und an der Pinkau '); I. 881 Mauthstadt an der Mur, zu Grazze 8); I. 890 die Stadt Pcttau mit Mauthbann und allem Zugehörenden, mit 100 Hufen und 10 Weingärten, Zistannsfelü und die Pet-taucrebene von der Drau bis an die Dran, die Stadt Zuib an der Sulm mit allem zugehörigen Boden von der Mur bis zur Laßnitz, die beiden Thäler der Sulm und Lußnitz, den Dannforst Sau-sal, Lumnich an der Raab und Glcistorf, Schäufling, Tcuffenbach, Katsch, Lint und Leoben * * 3j; I. 927 die Einöde im Mürzthale und Lobining bei Knittelfeld, Rotenmann 4); I. 931 eine Salzpfanne tin Aöinontthale, eine Hufe am Gamanaronberge und eine Eisengrube mit Schmelzofen 5); I. 930 im Orte Haus im Ober-ennsthale 6); I. 930 zu Buch, Furt und Bischofesberg im Murthale 7 8 9 0); I. 935 Baumkirchen im Murthale8); I. 970 die große Hosmark Ridrinhof mit 50 königlichen Hufen und alles königliche Domänengut im Sausalerforste und bei der Stadt Leibnitz ®); I. 1005 das Hauptgehöfte Adamunta im Admontthale sammt Salzpfannen 10); I. 1025 — 1041 Güter bei der Laßnitz und Straß *) Juvavia. p. 95. *) Juvavia. p. 104. 3) Juvavia. p. 114. 4) Juvavia. p. 126. s) Juvavia. p. 132. 6) Juvavia. p. 141. 7) Juvavia. p. 166. 8) Juvavia. p. 175. 9) Juvavia. p. 187. l0) Juvavia. p. 215. on der untern Mur '; I. 1045 daS Gehöfte Liutoldasüorf und ein Theil Saufalerwaldung an der Laßnitz a); I. 1055 Kirche und Gut zu Straßgang und viel Grund und Boden zwischen Straßgang und dem Murflusse * * 3); I. 1056 die königlichen Mausen zu Gumbrechtstätten an der Laßnitz in der Mark4); 1.1041 — 1060 an der Laßnitz, Kapellen an der Sulm, zu Raölach am Radl-berge, zu Gunthartsdorf und Hezendorf im oberen Murthale 5 *); I.1060 — 1070 die Zehenten zu Weißkirchen, Graßlupp, Adriach, Piber, in der Lobming, Kraubath, Rein, Frisach, Algerstätten, Heugist G); I. 1074 ein Theil des Admouterthales und das ganze uralte ausgedehnte Waldgcbiet der heutigen Herrschaft Gallenstein vom Zelzthale bis in die Franz und Laussach zu beiden Seiten des Ennsflusses, an der Salza, Laßnitz, Mandling, Gams und Laussach 7); Salzpfannen und Salzanthcile zu Hall bei Admont, Land und Leute zu Dittmannsdorf, im Triebenthale, zu Singstorf, Winklern bei Strechau, Höfe und Zehenten zu Lasting, Lietzcn, im Paltenthale, zu Bruckarn, am Gerisberg, Jrmhartisdors und Semen im Ennsthale, Soll im Sölkerthale 8); I. 1074 Zehenten und Hufen bei Feistritz im Kammcrthale und zu Katsch, Buch bei Judenburg, Zehent von Prettach über die Einöde bei Knittelfcld bis über Judenburg und an der Pöls zu Gezenöorf bisTeuffen-bach, zu Wölmersdorf und Puch, die Zehenten zu Kraubath von Kicneinöde bis Rotenstein, die Wohnzehentcn von Gaizerwald und Kieneinöde, Mausen zu Glasdorf und Trofaiach, die Zehenten sammt der St. Georgenkirche zu Straßgang, das Hauptgehöfte fmnint den Zehenten zu Jaring in den wiudischen Büheln:I); I. 1094 Salzpfannen, das Gericht und das Salzrecht (Salzzehent) zu Hall bei Admont, die Kirche St. Amanö und die Pfarre mit ollen Wäldern im Zelz- und im ganzen Aömontthale I. 1159 *) Juvavia. p. 223. z) Juvavia. p. 232. 3) Juvavia. p. 239. 4) Juvavia. p. 242. 246. 5) Juvavia. p. 250. 251. 253 — 254. 6) Juvavia. p. 250 — 251. — Saalbuch von Sr. Lambrecht. 7) Juvavia. p. 282. 8) Juvavia. p. 260 — 261. y) Juvavia. p. 261 — 262. lü) Juvavia. p. 281 — 283. eine Salzquelle bei Hartberg; I. 1160 alle Zehenten zwischen der Pinka und Laffnitz; I. 1150 alle Zehenten im Thale Rein ; I. 1169 die Pfarre St. Lorenzen im Paltenthale, oder die große Paltenpfarre mit Zehenten und dem ganzen Funöationsgute, und die ungemein ausgedehnte alte Liesingpfarre, oder St. Michael an der Liesing mit ihren vielen Filial- oder Tochterpfarren und Kirchen; I. 1170 die Hofmark zu St. Agatha in Weng, oder Zei-ring jenfcits des Rotenmannertalierns, und Dietersdorf bei Fohns-dorf; 1.1160 das vollständige Zchentrecht in der Pfarre St. Georgen an der Stiffing; I. 1170 alle Zehenten von Schwarzenbach im oberen Murthale bis aus die Alpenhühen von Wargust und bis an den Ursprung der Laßnitz bei St. Lambrecht; I. 1190 alle Zehenten zu Erbendors, Prodindorf und Neundorf im Raabthalc; Zehenten und Saatgüter zu Lictzen und in verschiedenen Gegenden des oberen Ennsthales I. 1094—1160 die Zehenten aller Ncubrüche im großen Territorium Gallenstein, die Zehenten im Paltenthale und bei Wöls "). I. 1184— 1190 die Kirchen zu Kallwang, Mautern, Kammern, Traboch, Trosaiach und St. Michael im Liesingthale sammt allen dazu gehörigen Funöationsgü-tern l) * 3); I. 1160 — 1190 Saalhöfc und Güter der unteren Steiermark zu Velkitsch, Lasselsdorf, Wurzingen, Sulz, Percha, alle Zehenten zwischen der Laffnitz und Pinkau, zu Techantskirchcn; I. 1207 die Zehenten zu Obdach, und I. 1220 die Zehenten zu Schäufiing 4); I. 1240 und 1246 die Zehenten sowohl von Wein als Getreide im Saggathale und an der Sulm 5 *); I. 1248 das Patronatsrecht der Kirche St. Georgen an der Stiffing “); I. 1249 die Gehöfte Wagrinftorf und Tulmätz bei Rann, mit dem Schlosse zu Rann 7); I. 1256 die Zehenten zu Hirschegg an der Pack 8); 1260 die Kirche sammt dem Stiftungsgute derselben zu Gradwein 9); 1260 das Schloß Helfenstein zwischen Stübing und l) Admontersaalbuch. III. — Dipl. Styr. I. 150, 168 — 169, 305. -) Admontersaalbuch und Urkunden. 3) Admonterurkundc. ',) St. Lambrechtersaalbuch. Dipl. Styr, I. 312. 317. A) II,id. p. 319. 7) II,id. p. 323. 323. 8) Ibid. 326. Ibid. 218. Rein '); 1284 der Zehrnthof und die Hofmark in der Pfarre Mürz i) 2). Das Hochstift zu Freisingen besaß schon seit den Jahren 1007 eine große Hofmark tut Thale öer Wöls zu Obcrwöls (Forum Welz), zu Katsch und zu Lint, wozu auch noch (I. 1181) andere Erwerbungen an der Laßnitz bei St. Lambrecht gekommen sind 3). Schon um das Jahr 1048 hatte das Hochstift zu Bamberg seine Besitzungen in Steiermark, zu Rotenmann im Palten-thale, zu Rudendorf und Rötelstein, und einige Salzantheile mit ausgedehnten Wäldern zu Hall tut Admontthale erworben 4). Die Besitzungen des Bi st hum es Gurk in öer Steiermark schreiben sich schon aus der Mitte des eilsten Jahrhunderts, vorzüglich aus den überreichen Hausalloden der frommen Gräfin Hemma von Friesach und Zeltschach her, wie: Salzquellen, Salzpfan-ncn und Waldungen zu Hall bei Admont, Unterthanen und Gehöfte zu Weng bei der Zeiring, Rohrbach, Burgen und ausgedehnte Territorien, Gehöfte, Hörige und Hoheitsrecht zu Windischlands-berg, Herberg, Montpreis, Peilenstein, Weitenstein und aller Grund und Boden mit Leuten, Stock und Stein, auf und mit welchem später die Karthause in Geyrach gegründet und öotirt worden ist ä). Bon seiner Gründung durch den Eöelherrn Adelram von Waldekk angcfangen, 1.1140, kam das Chorherrnstist zu Se-ckau in den Besitz vieler Güter, welche bereits genannt worden und ehedem kaiserliche Domänen, dann auch markgräflich-steiermär-kischrs oder auch hochstistisch-salzburgisches Eigenthum gewesen, theils von privaten Güterbesitzern dahin geopfert worden sind, so daß sich nach und nach öer große Bermögensstanö dieses Stiftes an Land, Leuten und Zehenten gebildet hatte: die Kirche St. Maria in Feistritz, die Pfarren Kobenß, Knittelfelö, Schönberg, Hofmarken und Hufen zu Feistriß, Altöorf, Plesch, Kumberg, Erben-dors, Hcinrichsdorf, Lever, Pausendorf, Hauzcnbüchel, Sachen- i) Ibid. II. 28. 27. -) Admontcrurkunde. 3) St. Lambrechtcr- und Admontvrsaalbücher. — Meichelb. I. 206. 4) Mon. Boic. XXIX. I. 94 — 95. — Saalbuch von Admont. Nr. IV. s) Saalbuch von Admont. — Dipl. Styr. II. 66.136, — Urkunden von Gcv-rach und Studenitz. öm'f, Prodiiidorf, Ncucndorf, an der Naab, die Kirche St. Jo-Oenit bei Stubenberg, Bruck, Eich, Judendorf, Mochel, Nußöorf, Mautern, Rabenöorf, Theifenbach, Flafach, Rotenberg, Förch, He-zendorf, Thalheim, Buch, Krotcnöorf, Jnhring in den ivinöifchen Büheln und die weite Berggcgenü der Gailcralpen mit Wald und Felsen, mit Weiden und Gestrüppen, das ganze Thal der Jnge-ring, Forwiß, Seethal, Tcufenthat, Gotsthal, Zeiring '). Aus den hochstiftisch-falzburgischen Eigengütern ist auch die ganze Dotation des Bisthuincs zu Seckau, I. 1218 —1219 an Land und Leuten ausgeschieden worden: Hufen, Zinsen und Zehente zu Bonftorf, Leibnitz, Bogau, zu St. Rnprecht an der Raab, dreißig Mausen am Gailerbache, Souah und Cedernitz, der uralte Schloßbau bei Leibnitz, Gehöfte, Baumpflanzung, Getrei-dekaflen und der ganze Berg von der Hauptstraße bis an die Sulm; die Zehenten in Passail (1245) * 2). Bon den landesthümlichen Stiften ist Göß das älteste. Die Grundfundation desselben gestaltete sich aus den Allodcn der traun-gauischcn Gaugrafen von Leoben, des alten Grafen Aribo von Leoben, und seines Sohnes Aribo, deren Besitz um Leoben, an der Mur und Liesing sich theils in das Dunkel der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts, theils auf die fürstliche Großmuth der deutschen Kaiser zurückführt 3). Das Nonnenstift Goß befaß demnach bis zum Schluffe des dreizehnten Jahrhunderts Land, Leute, Zehenten und Zinsen zu Göß, St. Nikolai in Michaeldorf, St. An-drä, St. Lambert, St. Maria am Wasen bei Leoben, St. Martin in Seiz, St. Beit, St. Martin zu Praunleb, St. Dionyfen an der Mur, St. Magdalena in Tragöß, in der Lobming, zu Stall-Hofen, Gonsach, Strvrgoidorf, Arbendorf, Kumptwitz, Banstorf, Schletniz, Prettach, Traboch, Doncwitz, Höfe bei Leoben, Juöen-dorf, Winkel, Mell, Waltersbachstaöt, Michelndorf, Krottendorf, Eich, Kallwang, in der Laming, Diemlach, Krieglach, in der Beitsch, an der Mürz, Bruck an der Mur, in der Utsch, Roternstein, St. Dionyfen, Praunleb, im Jnnernberg des Eisenberges, Seiersberg, Abtiffendorf, Gentze, Somstach, (Stiffing, Ramerschachen, Hart, *) Öipl. Styr. I. p. 139 — 190., II. 186. — Saalbuch von Admont. IV. ") Dipl. Styr. I. 197 - 198. 316. 3) Dipl. Styr. I. IGO Podigor an der Mur, Bachern, Wattersdorf, Hettensdorf, Deats-dorf und Baumgarten '). Ein großer Theil der eben bezeichneten Allode deö reichen Hanfes der Markgrafen von Mürzthal und Eppenstein, Herzoge in Kärnten, ist zum Fundationseigenthume des Stiftes St. Lambrecht an der Thaja (1060—1104) geworden, und zwar: Die Kirche Mariahof tin Thale Graßlupp mit bestimmtem Zugehöre, die ganze Umgebung des Stiftes selbst im Thale der Thaja, Margestal, Graoenstein, das Alpengebirge Wargust, und alles von den Quellen bis zur Mündung der Laßnitz in die Mur, das Gehöfte Bärendorf, die Zeiringalpe, Markt und Mauth zu Judenburg, die Kirche zu Weissenkirchcn mit allem Gute, und die Hofmark daselbst, die Kirche St. Martin zu Lind, die Kirche zu Afflenz und in demselben Thale hundert Königshusen mit Jagd- und Fischbann, mit Piber- und Marderfang, mit dem Regalrechte aus Eisen und Salz, im Mürzthale die St. Gcorgenkirche auf dem Gehöfte Lo-bing, die Kirche St. Maria und der Stadelhos zu Schalchdorf, Pfarre und Kirche St. Georg zu Adriach, die Hofmark im Pi-berthale, die Pfarre St. Andrä, die Kirche St. Margarethen mit allen Lehen, alle Forstgegenö an der Kainach bis an die Deigitsch, mit Forstrecht und Forstleuten, mit Piber- und Marücrjagö, öaS Gehöfte Söding mit allem Besitzthume bis an die Piberalpe, der Stadelhof zu Cedernitz "). Admont empfing sein fast fürstliches Befitzthum theils aus den reichen Alloden der Gräfin Hemma von Friesach und Zeltschach, theils aus hochstiftlich-salzburgischem Eigengute, ohne Beeinträchtigung jedoch weder der ursprünglichen Erzbisthumsgüter, noch jener des hochstiftischen Kapitels; und cs vergrößerte dasselbe bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts in Steiermark allein zu folgenden Hofmarken, Höfen, Hufen, Zinsen und Rechten: das ganze ungemein ausgedehnte Territorium des ganzen Admontthales und der Herrschaft Gallenstein von den Westgränzen des Zelztha-les bei Rotenmann und Strechau bis über die Wildalpe gegen Eisenerz und Maria-Zell hin, und von den Gebirgshöhen zwischen der Enns und Palte bis auf die Zinnen jener Felsenkette und Berge, welche noch heut zu Tage Oberösterreich und das Land 1) Dipl. Styr. I. 136 -127. 35. 74. 77. 93. 105. 111. 2) Dipl. Styr. II. 1>. 270 - 277. unter der Enns von Steiermark scheiden, bis an den Dürrenstein und gegen den Oetscher hin. Das Herrschaftsgut Zelzthal (Prae-dium in Zedeitz) umfaßte allen Grund und Boden von der Pal-tenbrücke bei Rotenmann bis zur Einmündung der Palte in die Enns. Der alloöiale Besitz tin Paltenthale zählte zahlreiche Güter von Strechau im Gaißerwalde und von den Quellen der Liesing und Palte bis Kalllvang hin (Praedium in valle Paltae). Ungemein ausgedehnt war der admontische Herrschaftsbesitz im ganzen Thale der Enns an Höfen, Zehenthöfen und Huben von dein Menölingbache bis zu den beiden Klaufen an der Enns im Ad-montthale herab, zu Ramsau, Haus, Weissenbach, Gleiming, Mit-terberg, Oeblarn, Sundermaning, Jrrnthal, Sölk, Eberharting, Jrdning, Hachenberg, Ennsbruck, Steinach, Mierscharn, Lunt-scharn, Hofmarn, Lietzen, Lassing u. s. ro. — Noch ausgedehnteren Grund und Boden mit zahlreicheren und größeren Höfen und Ansitzen umfaßte die Propstei an der Mur (Praepositura circa Mu-rum) von Teuffenbach im oberen Murthale bis in die Einöde unterhalb Knittelfeld, sammt dem ganzen Herrfchaftsbesitz im Thale der Wöls zu Mainharösdorf und Admontbüchl um Obdach, zu Pölau, Petersdorf, Winklarn, Preitenfurt, Hintereck, Perchach, Teuffenbach, Püchel, Wolfvlösöorf, Pöls, Gürzheim, Aichdorf, Wolmeröorf, Buch, Krotenöorf, Judenburg, Weißkirchen, Obdach, Pernthal, St. Benedikten, St. Lorenzen, Lobming, Bifcharn, Einöde und an der Jngering. Die Hofmark am Rotenmannertauern begriff allen Boden von der Höhe des Tauerns bis über St. Agatha zu Weng, oder dem heutigen Propsteischlosse auf der Zeiring. Ein großes Amt oder eine umfassende Propstei gestaltete die admontische Hofinark an der Liesing bis in das Mürzthal hin, vom Gaißerwalde an den Quellen der Liesing und von der Einöde bei Kuittelfelö herab, zu Kallwang, Mautern, Magöwiesen, Kainmern, Seitz, Mochel, Glasdorf, Pfaffenöorf, Liesing, Timersöorf, Matschendorf, Wolfgrub, Traboch, Feitscher, Rinne, Stadelhofen, Toll-nich, Oberdorf, Hessenberg, Trofaiach, Donewitz, Waltenbach, Rein, Hasning, Nendistorf, St. Michael, in Lobming, Kraubath, Ugen-thal und Selßnitz. Die Güter in der untern March bildete: die Propstei St. Martin bei Grätz und umfaßte Höfe und Ansitze zu St. Martin, in der Muckernau, Hard, Kulm, Maierhof, Latzlei-storf, Freiland, Olsnitz, Palöungsdorf, Dietrichsdorf, Stubenich, Feistritz, in der Stübing, Zettlarn, Ladeistorf, Werth, Radlach, Wagrain, Leutzlinstorf, Neufidel, Abstorf, Vorei, Jaring, Püchel, ». ©fcictmntf. - n. M. l 1 Grillau, Gaubatha, Leibnitz, Webling, Mirzeistorf, Velkeis, Furl, Dorfstadt, Saleck, Gleinz, Straßgang, Krotendorf, Wetzelsdorf, Maierschach, Tobel, Lonsentz, Laufentz, Hofstetten, Rudhardsdorf, St. Peter und Tepsau bei Marburg, zu Wielantfch, Reußnitz, von der Drau bis Feistritz an der Mur, von den Höhen und Abhängen der cetischen Gebirge bis an das rechte Murufer herab. — Die anderen, eben fo ansehnlichen Besitzungen dieses Stiftes in Baiern, Tyrol, Ober- und Unterösterreich und in Kärnten, gehören nicht hieher. Das Stift Rein erstand (imJ. 1128) auf den Eigengütern des Grafen Waldo von Ruen, wahrscheinlich nach dessen eigener letztwilliger Anordnung, insbesonders aber noch durch die fürstliche Großinuth des Landesmarkgrafen Leopold des Starken, so wie seiner hochgesinnten Gemahlin Sophie, und ihres Sohns und Enkels, der Markgrafen Ottokar VII. und Ottokar Vlil. Bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts bestand der Besitz des Stiftes Rein an Grund und Boden, an Leuten und Rechten, in folgenden Gegenden: im ganzen Ruenthale, in Lungwitz zwischen der Laffnitz und Saven, Stangersdorf, Werrndorf, zwei Salzpfannen zu Ahorn (Aussee) im Ennsthale, Mittelendorf und Hartberg, Höfe und Weingärten, drei Höfe zu Ratz, Straßengel und Ju-dendorf, Grund und Boden zwischen den Gebirgsbächen Feistriß und Söding bis zu deren Quellen an der cetischen Gebirgskette, Zehentbefreiung von allen Höfen und Hufen, drei Hofhufcn in einer Vorstadt von Grätz, zu Kaüstorf bei Grätz, eine Jahrcsab-gabe an Roheisen in Eisenerz von vier Blasebälgen oder Schmelzöfen, die Alpe Gottenfeld bei Hirscheck und das Gehöfte Brcnste--de, Eich, Schäufling in Obersteier, die Alpen Geisthal bis Bärenthal, Helfenstein bei Stübing l), so wie auch Güter bei Bruck an der Mur und im Mürzthale. Das Benediktiner-Stift Obernburg in der unteren Mark verdankt seine Gründung dem Aglayerpatriarchen Peregri-nus und dem Hocheölen Diebalö von Chagern und seiner Gemahlin Truta, um das Jahr 1140. Zu dem nach und nach einigermaßen vermehrten Funöationsgut gehörten mit Höfen, Ansitzen, Hörigen, Zehenten und Zinsen das ehemalige Schloß Obernburg mit dem Maierhofe, zehn Mansen, zwei Syntmanfen mit allein dazu gehörigen Grund und Boden an Weiden, Feld und Wald, *) Dipl. Styr. It. 3-28. eine Mühle, hundert Hörige beiderlei Geschlechts nach dem agla-jischen Dienstmannenrechte sammt ihren Hufen, endlich auch aller andere urbare und nicht urbare Boden mit ungefähr fünf hundert Hörigen, mit Fisch- und Jagdbanne, mit dem Rechte des Falkenfanges, der Ausrodung und dem Befugnisse neue Ansiedler einzufctzen, mit dem Rechte, Mühlen zu erbauen, mit zwei Zehentantheilen auf allem urbaren Boden, und aus den Neubrüchen in der Pfarre Obernburg, mit dem gleichen Rechte in der Pfarre St. Maria in Fraßlau, die ganze Gcbirgs- und Waldgegend Sulzbach bis an die Gränzen auf den Höhen der Berge Loseck und Erlau ’). Kirche und Stift der regulirten Chorherrn in Vorau ist von dem steiermärkischen Markgrafen und Landcsherrn Ottokar VII. und seiner Gemahlinn Kunigunde um das Jahr 1163 gegründet worden. Die Hauptfundation beruhte auf dem großen Gehöfte des Markgrafen, Vor owe genannt, welches allen Grund und Boden umfaßte, den Ottokar zwischen den Bächen und Wässern Vorowe, Laffnitz, kleine Deuche, Sulzbach, Zelteskefern und Lengerskefern als freieigenen Herrn-Grund besessen hatte, mit den Hauptgehöf-ten Laffnitz und Mülldorf, und alles Alpengebirge bis hin an den Zerewald 2). Das Chorherrnstift zu Stainz, in seiner Gründung von Luipolö von Wilöon um das Jahr 1229 begonnen, zählte bis zum Bestätigungsbriefe K. Rudolphs I-, (Wien, 17. Februar 1277) allen Grund und Boden um das Stift herum, die Katharinenkirche mit ihrer Dotation, den Markt zu Stainz, Güter zu Stallhofen, Wald, Herwcigsdorf, Schwarzenschachen, Patronat und Dotation der St. Stephanskirche in Lemsitz, Besitzungen zu Grafendorf, Grakorn und Neudorf, mit Fifchwassern, mit Gerichtsrecht, Mauth und freier Vogtei 3). Zu eben dieser Zeit gründete Markgraf Ottokar VII. auch ein Hospital im Zerewald am Semmering zur Einkehr und Verpflegung von Pilgern und Reifenden, welche durch das Mürzthal der Ostmark zuwanöerten, oder von dort herkamen. Er löste dazu denjenigen Antheil des Zereivaldes aus, welchen der Allodialherr desselben, Graf Ebbert von Neuburg, Formbach und Pütten dem Stifte Formbach gegeben hatte, und zwar in der ________ ll * *) Dipl. Styr. II. p. 286—285. 2) Ibidem. II. p. 307 — 312. 3) Saalbuch von Stainz. Umgränzung südlich vom Früschnitzbache mit der ganzen Alpe, nördlich von allen Quellen der in die Mürz abfließenden Bäche; westlich bis zum Gehöfte Birkenwang mit einem Hofe und drei Man-sen daselbst. Weiters besaß dies Hospital Grund und Boden zu Foezer, Pakte, Schergcndorf, die Kirche St. Stephan in Crc-bar? mit allein dazu gehörigen Herrngrunde und neun Mansus zu Voran; welche genannten Güter zugleich durch K. Friedrichi, von allem Marchdienste, Zuzuge und andern öffentlichen Leistungen für immer befreit waren l). Die beiden, von demselben Landesmarkgrafen Ottokar VII. im I. 1164, und von Heinrich, Bischof zu Gurk 1170 gestifteten Karthäuserklöfter Seitz und Geyrach waren die vorzüglichsten geistlichen Güterbesitze auf der unteren Mark. Gemäß seiner Stiftungsurkunde und den spätern Erwerbungen gehörten zu Seitz Land, Leute, Zinsen, Zehente und Regalrechte im ganzen, von sieben Hügel umgebenen Johannisthal, oder int Thale bei Seitz, mit der Kirche des h. Johannes von Sabina, mit allem urbaren Fcldboden und allen Weingärten in Rohrbach, im Orte Seitz, mit allen Hörigen beiderlei Geschlechts in den Hofmarken zu Rogatz und Oplottnitz; alle Jahre 12 Metzen Salz in Grauscharn (von Aussee), alle Jahre 12 Massen Eisen in Leoben, ebendaselbst und zu Judenburg alle Jahre eine Saumfuhr Oel, neunzehn Näpfe Honig in Differ, alle Häute und Felle vom Wild, dessen Fleisch in den drei markgräflichen Pfalzen und Aemtern zu Marchburg, Radkersburg und Differ alle Jahre verzehrt wird; ferner alle Jahre acht Marken Geldes aus den landesmarkgräflichen Aemtern zu Gratz, Radkersburg, Marchburg, Rogatz, Differ, Diernstein, Bescheneck, Judenburg, Leoben und Sachsenfclö; Fischbann in der Oplottnitz und Dran, Zehenten in den Orten Rachis, Rogatz, Dedoai, in Zucheöol, Roßbach, Britzlausüorf und Pre-öansöorf, so wie in Eanöin bei Pcttau, und jenseits der Pulsgau zu Rogatz, zu Nebou in Sachsenberg, Laßnitz, die Zehenten in den Pfarren Gonowitz, Chose (Kötsch), Slunz (Schluniz) und St. Leonhard in Oplottnitz, in Windischgrätz, drei Theile an der Mauth zu Pettau, Lintenbach, Strenewitz, Brettenbuch und Swertowitz. Endlich ist auch noch das Hospital im Zerewalde im Jahre 1259 mit der Karthause in Seitz vereinigt worden Dipl. Styr. II. p. 313-315. 2) Ibidem. II. p. 57-94. Die Karthause in Gey rach befaß das dem Bisthmne Gurk zugehörige Hauptgehöfte gleiches Namens mit allein dazu gehörigen Grund und Boden, die Weinvilla Planinich genannt; aus dem markgräflichen Hofamte zu Marchburg 5 Marken Geldes, erweitertes Territorium jenseits des Graschnitzbaches, die Gehöfte Chuetal und Chalop tm Gebiete von Tiffer, alle Jahre vier größere und zehn kleinere Massen Eisen in Leoben *). Die Commenöe der deutschen Ordensherren am Leechbachc zu Grätz ist eine Stiftung Friedrichs des Streitbaren tut Jahre 1233. Nach dem Stiftungsbriefe gehörten diesem Or-dcnshause in der Steiermark folgende Besitzungen: Die Kirche zur h. Kunigunde auf der Anhöhe am Leechbächlein bei Grätz, mit allen dazu gehörigen Hufen und Renten, am Predelberge vier Höfe: Schillingsdorf, Schessthal, Rohrbach und Neustift, andere Gehöfte zu Makau, Vlechingen, Wulfingsdorf und Messenüorf mit Weingärten, Bergrecht und mit allen Zinsen, mit dem Jagdbanne überall, mit acht und zwanzig Ackerflccken vor der Stadt Grätz, mit dem Rechte des sogenannten blutigen Pfennigs, mit vollkommener Gerichtscmunität und mit Mauth- und Zollfreiheit tut ganzen Lande, das Peringersdorf, die Kirche St. Johann bei Stu-benberg, mit dem Rechte einer freien Schule bei ihrem Hause zu Grätz * 2). Früher noch, als das deutsche Ordcnshaus in Grätz, ist die deutsche Ordenscommende in Großsonntag durch den Eöelherrn Friedrich von Pettau vor dem Jahre 1222 gegründet und begabt worden mit allem, den Ungarn entrissenen Grund und Boden um die Kirche zu Großsonntag, an der Peßnitz umher, mit dem Patronatsrccht auf diese Kirche selbst, mit allen damit verbundenen Gerechtsamen, mit dem Hofe Hermannsöorf und allen Renten desselben, mit Weingärten, Wäldern und Weiden, mit Gehöfte in Baumgarten, mit Weinberg in Schiernzberg, und mit einem Gehöfte, das hart an der Gränze gegen Ungarn gelegen war 3). Das Dominikaner-Nonnenkloster am Gnadenquell zu Studenitz im Dranthale ist tun das Jahr 1238 durch Sophia, die Witwe des Edclherrn Richers von Saaneck gestiftet wor- Dipl. Styr. II. p. 135 — 143. Ibidem p. 177 — 191. 3J Ibidem, p. 207 — 215. den auf allodialem Grund und Boden hart unter ihrer Burg Stu-dcnitz. Sie gab zugleich den Nonnen zum Eigcnthum das Haupt-gehöste Studenitz, 10 Mansus und Hufen in den Orten Crieszcn-öorf, Puocholacz, Pabresach, Losen;, Grede, Sdregonsöorf, Draö-gowesdorf, Ter, und zwei Wagen voll Weines als jährliches Bergrecht von ihren Verwandten, den Edelherrn auf Rohitsch und Wild-Haus '), zu leisten. Gisela, Witwe des Edelherrn Albert von Mährenberg, und ihr Sohn Siegfried, gründeten um das Jahr 1252 auf allodialem Grund und Boden unterhalb ihrer Veste Merenberg auf der sogenannten Perweinshube ein Nonnenkloster des Dominika-ner-Ordens nach St. Augustins Regel, und begabten es mit der Perweinshubc, mit einer dabei gelegenen Mühle und mit 30 Marken jährlicher Renten 1 2). Neben allen diesen einheimischen Stiften befassen auch ausländische geistliche Körperschaften Eigcnthum an Grund und Zinsen in Steiermark. Das Nonnenstift St. Georgen am Längsee in Kärnten besaß Salzantheilc zu Hall bei Admont, eine Hufe bei Jröning im Ennsthal und einen Stadelhof zu Gukon an der Mur (1259) 3); das Benediktiner-Stift St. Paul im Lavantthale viele Saalgründe am Raöelgebirge und Remsch-nik; — das Stift Steiergarsten Salzantheilc zu Hall bei Admont, Besitzungen im Ennsthale; so wie auch das Stift Gleink Güter und Renten zu Luntscharn im oberen Ennsthale (1284); und das Stift Reichersberg am Inn bedeutende Hufen und Zinse zu Kraubath 4). Dem Stifte Suben in Baiern gehörte Fundation und das Patronatsrecht der Kirche St. Magarethcn bei Lebring 5). Der Grund- und Bodenbesitz in der Steiermark in den Händen des Hähern und mittleren Adels vertheilt sich schon seit dem zehnten Jahrhundert in zahllose Parzellen, worüber die noch vorhandenen Urkunden, wenn gleich oft in großer Verwirrung von Alloden und Lehen, hinlänglichen Ausschluß geben. — Zwischen den 1) Dipl. Styr. p. 298 — 307. 2) Dipl. Styr. II. p. 321 - 327. 3) Dipl. Styr. p. 77. — Saalbuch von Admont. IV. Ä) Saalbuch von Admont. IV. et Mon. Boie. III. 399. s) Caes. Annal. II. 72. Jahren 923 und 934 waren begütert: Kernia in der Einöde bei Knittelfeld und bei der Lobming, zu Perchach und Mariahof in der Gegend von St. Lambrecht, Reginhart und seine Ge-mahlinn Sunnahilt imLeobenthale, und als salzburgischer Le-hensmann im Liesing und Mürzthale; — Reginhart zu Haus im Oberennsthale; — ein Edelh err March wart an der Jnge-ring bei Knittelfeld; — Sclprad zu Baumkirchen im oberen Mur-thale mit Kirche und 23 Gehöften; — zwischen den Jahren 963 und 976 der slavische Edelherr Laduka zu Langendorf bei Pet-tau; — zwischen den Jahren 1025 bis 1041 Pfalzgraf Hartwik an dem Laßnitz-Flusse und zu Straß in der untern Steiermark; — zwischen den Jahren 1041 und 1060 zwei Brüder Ruodker und Ernest, so auch Wolfold an der Laßnitz in der unteren, und an der Lobming in der oberen Mark; — ein karantanifcher Edclherr Waltfried zu Kapellen an der Sulm, zu Hcngista, zu Ruen und zu Kraubath; — ein Edelherr Eppo aus Kärnten zu Fresach, Pcckau und Algcrstcttcn, so wie zu Kapellen an der Sulm; — ein Edelmann W ezil zu Radilach am Raöelberge und zu Leoben; — ein salzburgischer Dienstmann Pabo zu Gunthartsöorf und Hezindorf im oberen Murthale '); — zwischen den Jahren 1006 und 1041 hat ein hochcdler Mann, Sigisharö, all' sein Eigenthum bei Lint und Schäufling dem Hochstifte Freisingen geschenkt l 2). Die letzten Enkel der traungauischen Leobnergaugra-fen waren reich begütert um Kraubath und am Radelgcbirge bis an die Drau hinab 1090 — 1125 3). In Jaring, in den windischen Büheln finden sich Allode der Edelherren und Brüder Rudolph und Weriand von Wittenswald 4), — Einem hocheölen Manne, Dietmar von Dörnberg, gehörten im Jahre 1074 alle Zehenten von der Brücke über den Pölsbach bei Götzenöorf bis Tcuffenbach und das Gehöfte Tcuffcnbach im ober» Murthale sammt der Kirche daselbst. Zu eben derselben Zeit (I. 1074) befassen die Eöelherren von Sunilburg die Zehenten bei Kammern im Liesingthale; — Sigishart von Hetzenöorf, Saalgüter zu Hauzenbüchel und Leistach; — der edle Ottokar pon Eich (vir no- l) Zuvavia. p. 136, 129 — 130, 166, 175 — 193, 333 — 334, 350, 351, 253, 254. ") I. p. 503. P. I. 3) Mon. Boic. HI. 399 — 403. Admontcrsaalbuch. bilis), Güter bei Schwarzenbach tin Paltenthale; — tun das I. 1095 war der edle Wernher von Meminghofen Besitzer eines Salzbergwerkes zu Hall bei Admont '). Der Stifter von Seckau, der auch in der Ostmark reichbegüterte Adelram von Waldeck, war es nicht minder in der Steiermark. Aus seinen väterlichen Alloden stammte alles Fundationsgut von Seckau, I. 1140 die Kirche St. Maria in Feistritz, Kumberg, Noröcnstätt, die Hofmark tm Feistritzthale mit allen Hufen und Zinsen zwischen dem Zerc-walö und Hartberg -). Die Edlen von Krumb ach (Thalberg) Rainberg und Hertenfeld waren reich begütert mit Alloden am Wechselgcbirge, an der Tauchen, Laffnitz, Pinka, zu Waldbach, Wenigzell, St. Jakob, Langenbach, Friedberg, Pillungsfried, Bischofhof, Weissenbach, Thalberg und am Massenberg; von denen viele Besitzungen theils durch Schenkung, theils kaussweise an das Stift Voran gekommen sind l * 3). Der Edelherr Liupold von Guttenbcrg und seine Gemahlinn Elisabeth befassen das ausgedehnteste Bcsitzthum in Steiermark: das Patronatsrecht der Kirche St. Dionysen bei Bruck mit 50 Hufen, Pircha an der Jlz, Emps-dorf, Ratensdorf, Pircha bei Gutenberg, Zuchedol, Oberdorf bei St. Dionysen, Varendorf im Paltenthale, Altenburg am Weides-bache, Hufen am Stübingbache, die Alpen von Geisthal bis Bärenthal (I. 1206), das Patronatsrecht der Kirche St. Veit in Praunleb sammt den dazu gehörigen Hauptgehöften und den Gütern Cocech (oder Coach) und Mell 4 *). Der reiche Kärntneredelherr, Gottfried von Wietingen (I. 1150) war begütert in der Mukirnau mitten im salzburgischen Sausale ->). So befassen Eigengüter Kolo V0N WillhertNgeN (nobilis homo et liber) zu Gürzheim im Pölsthale I. 1170 6); die Edlen von Rasia, Rase oder Rast, befassen neben Reifnitz in Kärnten auch Güter zu Rettenberg und Rettenbach in der Steiermark I. 1195 7). Dem Richer von Thurn gehörte 1. 1207 die Ville Rogaß bei Seitz 8). l) Juvavia. p. 261 - 262. 282. =) Dipl. Styr. I. 139— 147. 3) Caes. Annal. I. 1007. 4) Dipl. Styr. I. 18 - 19. 28 — 29. II. 18 - 19. 35. s) Admonterurkunde. 6) Admontersaalbuch. II. 140. 7) Stift Reinerurkunde. $) Dipl. Styr. II. 78. Pabo und Engelschalk von Plaien waren begütert bei Hauzen-büchel, I. 1200; Gottschalk von Stange zu Linogesdorf, 1255; Heinrich von Buchheim zu Furdnich, 1255; Ulrich von Winch el zu Rabau, 1255; Gebhard von Kuenringen zu Linoben-dorf, 1255, und Leutold von Kuenringen befassen aus derErb-theilung Güter und Hörige im Gebiete von Wildon, 1286 '); so finden wir endlich Konrad von Wolfeseck zu Schladming, 1180; Konrad, Ottokar und Otto von Hausbach zu Friesach, St. Martin und Wolkenstein im oberen Ennsthale, 1288, (nachher im Besitze des Ulrichs von Kapellen) und das Schloß Pickclbach am Pickelbache, 1206 * 2); Gisela von Kranichberg, Witwe des Reimberts von Mureck zu Leutschach, 1270; Otto, Truchseß von Emmerberg, Oberndorf und Buch bei Liboch; Ulrich Raspo zu Feistritz und in der Moßnich, I. 1243; Albert von Ramenstein und seine Mutter Judith zu Leista, 1. 1208; Hart-nid und Heinrich von Ort zu Alramsdorf, Wagcrin, Puch und Mogelnick, I. 1208; zu Gleisdorf, 1229; Heinrich von Na-zowe zu Wildon, an der Kainach und Laßnitz, 1190; Amalrich von Cholmünze und Otto von Lengenbach zu Ober- und Unterwinden am Rotenmannertauern, I. 1160; Gottfried von Dirnstein zu Pols, I. 1180; Suithart von Kulm zu Gog-genöorf bei St. Stephan bei Kraubath, 1170; Rudolph und Wal-chun von Mahland mit ihrer hocheölen Mutter Richilde zu Oeb-larn im Oberennsthale, I. 1180—1200; Willbirge von Vreu-üenberg zu Peringersdorf, I. 1236; Sophia von Leunbach zu Laßnitz, I. 1238; Meginhalm von Chraine zu Oberwels, I. 1190; Markwarö von Starkenberg zu Sundermaning im Ennsthale, I. 1190; Rudolph, Edelherr von Buzenberg zu Gunöachering, und Eberhard von Lambrechtshausen zu Oberhaus im Ennsthale, 1.1180; Wülfing und Ortholf von Traunstein zu Pergarn und Wichlarn bei Jrdning im Ennsthale und zu Vogau in der untern Mark, 1272; eine Edelfrau Gertrud und ihre Tochter Mathilde zu Witschein, Sulz und an der Pößnitz, I. 1208; die Edelherren von CHagern, reichbegütert zu Oberburg, zu Fraßlau und im Saanthale, I. H40 3). 1) Dipl. Styr. I. 342. ") Dipl. Styr. 1. 343. 3) Saalbuch von Admont Nr. IV. — Dipl. Styr. I. 80. 185. 188. 190. 211. 308. 331. 334, 11. 288 - 288. — Reichen Besitz an Alloden und Lehen hatten die Edelherren von Scherfenberg tut Drau- und Voglainathale, Pöltschach und Rohitsch ')• Auf ihren eigenen Schlössern und Burgen, auf den Haupt-Höfen ihrer allodialen Hofmarken, von welchen sie sich auch grüß-tentheils zubenannt hatten, fassen nun auch noch alle hochedlen und edlen, so wie gemeinfreien Männer im Lande selbss als unbeschränkte Herren ihrer Besitzungen, wie die auf Ankenstein, Arnfels, zu Aussee, Baierdorf (Paieröorf), Baumgarten, auf Berchtholdstein, zu Bruck an der Mur, Diernstein (Dürrnstein, Tiernstein), auf der Donnewitz bei Leoben, Drachcnburg, Ehrenfels (Erenfels), St. Dionyscn bei Bruck an der Mur, Eibiswald (vielleicht in der frühesten Zeit: Wittenswalde), zu Eich im Ennsthale, auf Eppen-stcin, zu Feistritz, Feldkirchen, Fladnitz, Freiberg, Freistein, Friedberg, Fürstenfeld, von der Gail (Geul, später: Wasserberg), Glci-chenberg, Glcistorf, auf der Graden (Grathen), Gonowitz, Gö-sting, Graben, zu Graücneck, Gröbming, Grössing, Grauscharn (Gruscharn, oder auf der Pürk, Burg im Ennsthale), Grätz, Graßlupp (Maria-Hof und Neumarkt), auf Greifeneck, Gurzhaim, Gutenberg, Hachenberg im Oberennsthale (Hagenberg), zu Halbenrain, auf Hannstein (Heunstcin, Haunstein), Hartbcrg, Haus im Oberennsthal, Hauzenbüchel, Herberg (Hörberg), Hengst (Hen-gcst, Hengist), Hcrbcrsdorf, Helfenstein (Helfenbcrg), Hoheneck, Hohenrain, Hohenburg, Holleneck, Jrdning, Jlz (Jllenz), Horneck, Judenburg, Kainach, Kammern, Kapfenberg, Kapfenstcin, Katsch, Katzcnstein, Kinberg (Kindberg), Kirchberg, Klamm, Krau-bath, Landsberg, Leibnitz, Leoben, Knittelfeld, Kobentz, Kolben, Königsberg, Krems, Krotendorf, Lemberg, Lewcnbcrg, Leutfchach, Liboch, Lichtenstein, Liesing, Lietzen, Liinbcrg, Lint (Lind), Lob-ming, Lueg, Luttenberg, Mährenberg, Manöling, Marburg (Marchburg — von der March, de Marchia), Massenberg, Lontscha, Monsbcrg, Montpreis, Mure (vielleicht Murstättcn bei Lebring?), Murberg, Mureck, Mürz, Ncitberg (Neutberg), Neuhaus, Obdach, Oeblarn, Offenberg (Offenburg), Oplottnitz, Ossa (Ossach itn obcrn Ennsthale — vielleicht Aussee?), Pack, Palte (Palten), Pas-sail, Paumkirchen (Baumkirchen), Peckau (Peggau), Pcilstein (Peilcnstein), Percha (Pcrchach, Perchau), Perneck (Bärneck), Pcßnitz (Pösnitz, Pösnitzhofen), St. Peter bei Leoben, Pettau, Urkunden von Geyrach und Studcnitz. Pfaffendorf bei Judenburg, Pfannberg, Piber, Pickelbach, Plankenstein, Plankeimart, Pols oder Pels, Ponickl, Pöppendorf, Prank, Püchel, Pulsgau, Purgstall, Pustris, Pux, Rabenstein (vielleicht auch Ramstein, Rammenstein?), Radkersburg (Ruckers-burg), Raimberg (oder Rainberg), Rafe (oder Rast), Rattmannsdorf, Reichenburg, Reichenstein, Reifenstein, Rohitfch, Ror (Rohr), Rottenfels (Rothenfels), Rottenmann, Run (Ruen, Rein), Rei-öenau, Saga (Sacka, Sackau), Salla (Salach, Schallach), Saurau, Sauer (oüer Saur), Schalleck, Schallon (Schallun, Chalon), Schäufling, Schmielenberg (Schmiernberg), Schvnberg, Schönstem, Selöenhofen (Saldenhofen), Sölk (Selk, Groß-Sölk), Spillberg, Spiegelfelö, Stadeck (Statteck), Stein (a Lapide), Steinach, Stiffen, (Stiffing, Stiefning), Strechau, Strettwich, Stübing (Stubenich), Stubenberg, Sturmberg, Sulm (Sulpe, Sulp), Süßenheim, von der Sune (Saune, Sann, Saan, Saneck, Souneck), Tan (Tann, Tanne), Tannhausen (Tonhausen), Teuffenbach, von dem Thal (Thal — de valle), Thurm (Thur» — a tuni), Tim-mersdorf, Tobel, Torseul, Trnutmannsdorf, Trofaiach (Trafaiach, Traviach), Utfch, Vonstorf (Fohnsdorf), Voitsberg, Bökenberg, (Schielleuten), Walüeck, Vestenburg, Wachseneck (Wechseneck), Walchesdorf (Walesöorf, Welsdorf?), Walüstein, Wartenberg, Wasen (Waasen), Weisseneck, Weitenstein, Wels (Wöls), Welsberg (Welsbergl), Wetschein (oder Witschein), Wildhaus, Wil-don, Willpach, Wiesell, Windischgrätz, Witenswalü (vielleicht Weitersfeld?), Wolkenstein, Zeltweg. Aber nicht nur zunächst an ihren Hofen und Burgen umher waren alle diese hochedlen und gemeinfreien Besitzer begütert, sondern sie hatten auch oft in sehr entfernten Gegenden des Landes manche Mode und allodiale Gerechtsame zu eigen. So besaß Otto von Lichtenstein, I. 1202, auch Marchwartsüorf an der Oplott- Nitz (directum dominium in villa Marchwartsdorf). Begütert waren: Heinrich von Prank in der Gegend von Strechwitz, 1207, und Otto von Prank, 1285 zu Pozzendorf; Ulrich von Pux am Seebache, 1284; Gundaker und Otto von Stein zu Dürrenbach und in Dorflein, 1260; Landfried und Albert von Eppenstein zu Gobernitz, zu Leopolüsdorf, Kapell, Kraubath und Landschacherbach, 1208, 1265; Pilgrin von Münzhofen zu Gomplarn im Lie-singthale, 1180; Cholo von Truchsen und Trixen mit Saalgütern im Orte Radelach am Nadelgebirge, und eben dort auch Siege-frieö von Libenau, 1160; Gerhard von Lamprechtshausen zu Haus; During von Waging mit Bulenbcrg, und der edle Rudolph von Buzemberg zu Gundachering im oberen Ennsthale, 1160; Amnl-rid) von Cholmün; zu Unterwinden am Rotenmannertauern; Adil-bert von Potenstein zu Gürzheim im Pölsthale. Gottfried von Dierenstcin besaß rin Gut zu Pols; Mcginhalm von Kram ein Saalgut zu Obcrwels; die österreichischen Edelherren Walchun von Machland Saalgründe zu Oeblarn, und Marchwart von Stahrem-bcrg zu Sunderinaning im Ennsthale; der Eöelherr Konrad von Wolfsech Güter zu Schladming, und Ulrich von Holzhausen zu Lengendorf im Ennsthale, 1150. Konrad von Kinberg zu Stre-chau, 1190; Wülfing von Kapfenberg zu Gstadt, Katsch und zu Baicrdorf, 1208, 1229, 1263, auch zu Wielitsch und Reifnitz; die Edlen von Hachenberg Salzpfannen in Hall bei Admont, 1140; die Herren von Stein oder Steinach zu Kallwang, 1200; die edle Gisela von Assach (Owsach) die Kirche zu Schönberg im Mur-thale mit ihrer Dotation zu Aich, Fischarn, Preitenfurt, Ratcn-berg, Flasach, Zeltweg und Weissendorf, so wie auch im Liesing-thale, zu Mautern, Grub im Ennsthale und zu Srlsnitz im Mürz-thale, 1172; Otto von Kammern zu Perchau, 1267; Wülfing von Erenfels zu Magcrsdorf und Lübechendorf in der untern March, zu Strechau und in Donnersdach, 1280, 1282; Marzellin von Tümmersöorf im oberen Ennsthale, 1190; Reginhart von der Donawitz bei Mautern, 1170; Heinrich und Adelbert von Masscn-bcrg bei Trofaiach und im Liesingthale, 1170, 1190; Otto von Leoben in Trofaiach, Traboch und im oberen Ennsthale, 1180; Otto von Perncck zu Hyntesdorf unter dem Schlosse Frauenburg bei Unzmarkt, 1260; Albert von Ekkcnfeld zu Kotsammesüorf, 1208; Herrand, Hartnid, Leopold und Ulrich von Wilüon zu Maistein im Liesingthale, zu Singstorf im Paltenthalc, zu Ramsau im Enns-thale, zu Auersbach, zu Seebach, Schivarzach und Weitersfeld, 1100, 1108, 1123, 1155, 1178; Ulrich von Kainach in der Lob-ming, 1190; Rcimbert von Murcck zu Mingollstall, Grazzlup, Hart, Gundersdorf und Thalheim, 1171, 1183; Hartnid und Richer von Radkersburg zu Sulz bei Kallsdorf, zu Singstorf im Paltenthale, in der Ramsau und zu Weissenbach im Ennsthale, 1170, 1200 ; Rudolph von Rase (Rast) zu Candin (wahrscheinlich Heidin) bei Pettau, 1202; Friedrich und Hermann vonPet-tau zu Hcrmannsdorf und Großsonntag, 1200, 1235; Ottokar von Gonawitz zu Oplottnitz, 1206; Liupold und Wilhelm von Hoheneck zu Lintcnbach, Strenewitz, Brettenburg und Swertoioih, 1207, 1241; Ekkart von Leibnitz zu Goggcndorf bei St. Stephan und Kraubath, Tollnick und Traboch im Licsingthale, 1190; Gottschalk von Vokkenberg zu Furth im Murthale, 1134; Ulrich von Hartberg zu St. Walburgen, Tollnick und Traboch im Licsingthale, 1180; Ottlin von Berchtoldstein zu Oberndorf, 1258; Bernhard von Haus zu Bucheu, 1255; Gottschalk von Reutberg zu Kaindorf, 1255; Wülfing von Freistein zu Püchlern und Mit-schesdorf bei Vonsdorf, 1255. Die Pfarre St. Beit zu Prauu-leb besaß 1293 — 1298 den Hof im Sperchcnwinkcl, und Gehöfte in Kletschach und in der Einöde '). Um nun alle, auch die noch so weit entlegenen Güter und Gehöfte gehörig zu bcwirthschaften, zu beaufsichtigen und die Renten einzutreiben, hatten sowohl geistliche als weltliche Saalherren überall nach bestimmten Abtheilungen oder Zusammenstellungen dieser Saalgüter eigene Oberaufseher, Verwalter, Amtleute, Pröpste, Hofmaier, Schaffer und Zehenter (Provisores, Praepositos, Of-llciales, Villicos, Decimatores), so daß unter diesen die rücksäs-sigen Zinsleute oder Hörigen eigene Propsteien, größere oder kleinere Hofmarken, nach gewissen Ha up thö'fen, und Aemter bildeten. — So hatten es die Markgrafen und Herzoge von Steier mit ihren Saatgütern, Hofmarken und Renten gepflogen, wie das steierische Rentcnbuch vom I. 1265 beweiset; so verwalteten die Bewirthschaftung und die Renten ihrer Saalgründe in Steiermark die Hochstiste Salzburg, Aquileja, Gurk, Bamberg, Freisingen; und so hatten auch die größeren Stifte des Landes große Prop-steirn und Hofmarken, welche sie von ihren eigenen Ordensmitglie-öern verwalten ließen, wie das Stift Admont, die Propsteien im Ennsthale, Liesing- und Mürzthale, zu St. Agatha in Weng auf der Zciring, zu Meinharösdorf im Thale der Wels, zu St. Martin bei Grätz, zu Jahring in den winöischen Büheln, zu Marburg *), und das Stift Lambrecht in Aflenz und in Piber. 1) Saalbücher von St. Lambrecht. — Dipl. Styr. I. 86. 87. 97. 101. 103. 107. 110. 111. 158. 159. 187. 191. 199. 205. 215. 228. 244. 340. H. 77. 84 — 85. 86. 92-93. 94-96. 184- 185. 207-208. 210. — Das Saalbuch von Admont Nr. IV. für alle obigen Andeutungen hier zusammen, p. 8. 13. 38. 39. 40. 42. 44. 50. 51. 57. 89. 127. 128. 139. 141. 145. 147. 148. 150. 184. 185. 186. 188. 200. 291. — Dann wieder: 7- 8. 9. 10. 128. 137. 141. 142. 150. 215. 223. 229. 242. 250. 256. 261. 263. 264. Das älteste Admontcrurbarbuch vom dreizehnten Jahrhundert C. 578. — Das Admontersaalbuch Nr. IV. und Urkunden: I. 1120 Chonradus mo- Neben diesen Hochgebornen, Hochedeln, Edeln, und neben den großen Körperschaften der ältesten Stifte gab tß aber in der Steier-luark stets noch und bis zum Schlüsse des dreizehnten Jahrhunderts zahlreiche geineinfreie Gutsbesitzer, persönlich frei auf väterlicher Feldmark und von diesem Erbgute Niemanden zinspftichtig. Sic erscheinen als Beisitzer in den offenen Gerichten und als Zeugen in Urkunden unmittelbar nach den Edelherren. Wir wollen aus verschiedenen Gegenden des Landes nur folgende in Urkunden Berührte anführen. Im Ennsthale: Wolfolö und Adelbert von Luntscharn; Jsingrin von Mitterbcrg; Dietmar und Eberhard von Tichenberg; Bernhard und Pabo von Weiffenbach; Pilgrim und Siegfried von Wald (Kleinsolk); Heinduck von Lengdorf; Adalbero von Winklarn; Luitpold und Wezilo von Pruckarn; Gunt-halm von Vischarn; Karl, Gerloch, Ortolf und Switharü von Lie-. tzen; Eckhart und Meginhart von Lassing (I. 1140 —1180); — im Palten- und Liesingthale: Konrad vonBärendors; Gebhard von Singstorf; Hartrath und Hartivick, Gotto, Kolmann, Engelbert und Pilgrin von Kammern; Eberhard von Traboch; Reginhart von Seiz; Wieland von Mochel; Adalbero und Friedrich von Liesing; Marquarö und Wernher von Zuchtol; Meginhard von Hesscnberg; Otto, Marquarö, Kollmann, Hartwick und Constantin von Leoben (1150 — 1230); — tm oberen Murthale: Wernher von Kraubath; Gutbrin und Hartwick von Gürzheim; Her-wick von Hezcndorf; Hugo von Getzcndorf; Pilgrim von Enzers-dvrf; Wilhelm von Bischofsdorf; Helmwerth von Wcißkirchen; Rudolph von Preitenfurt (1170 — 1200); Ulrich der freie Mann von Grätz (1150 —1164); — in der untern Steiermark: Wilhelm und Meginhalm von Straßgang (1170); Heinrich von Neu- nachiis et tunc praepositus noster ad Muorant, I. 1269 Alricus de Chnutelvelde, Admontcnsis praepositus ad IHuoram. I. 1227 Gunda-cherus praepositus de S. Martino. I. 1269 — 1283 Ditmarus praepositus Domini Abbatis Admontcnsis in M arc hi a. Ditmarus, previsov noster in Marchia. — In Seizerurkunden liest matt I. 1207*. Marquar-dus de Boscth, praepositus in Marchbruck. — Dipl. Styr. 11. 78. — Weiters in Admonterurkunden I. 1074 — 1100: Villicns Hartwicus. I. 1150 Hartuid Villicus. I. 1244 Walchun, Siboto, Bevchtoldus, De-cimatores. I. 1269 Walchun, Decimator in Camera — zu Kammern im Liesingthale. I. 1283 Decimator Walchun in Petersdorf. Gewöhnlich waren diese Zehner mit dem Zehente vom Hofe, auf welchem sie rücksässig waren, zum Ersätze für ihre Mühe beim Zehentheben besoldet. Daher in Urbarbüchern die Bezeichnung: »Der Zehente vom Hof bleibt im Hof!« I. 1294 Hartnid von Wildony, Marschalk in Steter; Seidmann, sein Schaffer zu Waldstein; Herbort, sein Schaffer zu Wildony. Dorf (1170); Megmhart von Wagram; Wolfker von Auerham; Gerung von Mooskirchen; Wolfkrim von der Laßnktz (1170); Ulrich von Sk. Margarethen an der Peßnitz (1186); Liutold von Melling (bei Marburg 1186); Konrad von Wolfseck; Timo und Egino von Bifchelsdorf (1170); Starkhand von Palüau (1170); Skarkhand von der Ratten (1180); Ulrich Perner; Eberhard und Eckhard Rufus; Heinrich Ignis und Andere in Vorauerurkunden '); I. 1136, Wezil von Marnlinsdorf, Ottokar von Rudhardsdorf; 1143, Uberk von Natzenimos, Eberhard von Chazent; 1195, Ar-merik von Tochcnöorf, Gerunk von Neifnitz; 1255, Gottfchalk von Stange, Ulrich von Winkel; 1272, Gunther von Kerschbach, Gottschalk von Lapporiach; 1256, Sigmar von Seldenberg, Welflo Raumschuzel; 1271, Gebhard von Veteriach, Otto von Aloundorf; 1281, Heinrich von Magcndorf, Bernger von Risingcn; 1296, Heinrich von Luchsberg, Werner von Lewenbach, Heinrich von Pre-rat und noch viele Andere, in den Urkunden von Seiz, Studenitz, Geyrach und Merenberg. Wie lange sich nun diese Familien im Stande selbstständiger Gutsbesitze frei erhalten haben, kann urkundlich nicht nachgeiviesen werden; man sieht aber aus diesem doch, daß das Prekarienwesen in Steiermark bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts noch keineswegs alle gemeinfreie Gutsunabhängigkeit abgethan habe * 2). Aus diesem Allen zeigt es sich klar, wie schon seit dem frühesten Mittelalter das ganze Land Steiermark in unzählige sehr große, größere und kleinere Theile als Grundeigenthum zerstückelt gewesen sey, und wie die rechtlichen Besitzer dieser Gründe nicht bloß innerhalb der ersten Feldmark, welche sie mit Burg, Hof und Gehöft tttnc gehabt, sich gehalten, sondern in allen Gegenden des Landes neues Grunöeigenthum und allodiale Rechte erworben und in ihren Geschlechtern durch Jahrhunderte behauptet haben; ivie endlich dies heute noch bestehende Verhältniß, und daß so viele Rücksässige mehreren geistlichen und weltlichen Grundherren zu- ») Admonlersaalbücher II. 134. 135. 138. 139. 140. 141. 143. 144. 146. 147. 148. 152. 162. 163. 165. 175. 176. 177. 178. 180. 181. 195, III 101. 187. 223. 225. 236 — 237, IV. 152 237. - Caes. Annal. II. 519. — Dipl. Styr. II. 4. 2) Im alten Admoittersaalbuch geschieht erst im Jahre 1197 Meldung in einzelnen Fällen einer Verwandlung von Eigenthumsgütern in Prekarien im Ennsthale (Hiltigrim von Grauscharn), in den windischen Büheln (Pernold von Leibnitz) und zu Würflach und Weimnich in der Ostmark. IV. 258, 299. — 232. 301. gleich dienstbar sind, auf diesem uralten faktischen Hergange und Verhältnisse beruhe, welches, — wenige Ausnahmen nur, — auf gesetzlichem Wege des römisch-deutschen Reiches und uralten Volks-rechtcs der einheimischen Markgenossenschaften so gebildet worden ist. Staatskosten und Leistungen der Bewohner der St eiermark, als Genossen des deutschen Reiches. Reallasten und Servituten der einzelnen Bewohner, der Vasallen, der Hörigen und der Eigenleute auf Allodialgütern. In der germanisch-eeltischen Urzeit genossen alle freien Männer gleiche Rechte. Die herrschenden Häupter erhielten von der Gesammthcit derselben höchstens nur freiwillige Geschenke; sie lebten eben so gut von ihren freien Moden, wie jeder andere freie Mann von seinem Saal- oder Wehrgute. Viele reiche Allodenbesitzer erhielten von den auf ihren kleineren Gehöften rücksässigen Feldbauern unter dem Titel eines Zinses (Census) einen Th eil des Ertrages derselben Gehöfte, und zwar nur als Privatrente, keineswegs als Staatsabgabe an den öffentlichen Fiskus. Bei der allgemeinen Unterjochung ist auch in der pannonisch-norischen Steiermark das römische System der Steuern, der Abgaben und Leistungen an den Fiskus oder an die Staatskasse von allen Landcsbewohnern ohne Ausnahme eingrführt und gegen fünfhundert Jahre im Gange gehalten worden '). Daß eö auch während der ostgothifchen Herrschaft cinigermassen fortgedauert habe, bezeugen die gerechten Anordnungen des K. Dietrich hinsichtlich der öffentlichen Tribute und Leistungen in Pannonien 1 2 3). Wie es gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts seit dem Beginne der au-strasisch-bajoarischen Herrschaft über Steiermark gehalten worden sey, liegt gänzlich im Dunkeln. Daß das Recht, Aussagen zu erheben und alle andern stskalischen Vorrechte und Renten an die austrasischen Frankcnkönige übergangen seyen, versteht sich von selbst, und ist durch das Beispiel anderer von den Franken unterjochten Völker bewährt a). Harter mögen in dieser Hinsicht die in der 1) Mein: Norikum. I. p. 192-202. 2) Cassiodor. Var. III. 2b. 26, V. 14. 15, VII. 45, 3) Gregor Turon. III. 24. IV. 14. — Procop. Bell. Goth. I. 13. - Flo-doarii. Hist. Rhemens. I. 13. — Fr. Kurz, Militcirverf. p. 63 - 65. Steiermark seßhaft verbliebenen Römer gehalten und alle, wenn gleich als Grundeigenthümer frei, jedoch zinspflichtig und nicht wie die übrigen celtifch-germanischrn Lanöcsbewohner frei von allen Grundabgaben an den Fiskus gemacht worden seyn '). Steuern oder Tribute in unserem Sinne des Wortes leistete man damals von den freien Wehrgütern durchaus nicht. Alles, was die freien Männer, als alloöiale Grundbesitzer, an Staatsdiensten zu leisten hatten, begreift Folgendes "). Die Heeresfolge und alle damit verbundenen Kriegsdienste zur Vertheiöigung des Landes und zur Bekämpfung der Feinde; die Pflicht, alle von Amtswegen abgeord-neten und im Lande umhcrreifenden königlichen Kammerbothcn oder Senögrafen (Missi Dominici, Nunlii Camcrac) nach eigens vor-gefchriebenen Beiträgen zu beherbergen, zu bewirthen (secundum Conjectum quemdam Mansiones, Albergarias, Paratus, Tra-ctatoria faceve) und zu deren Weiterbeförderung Vorspann zu leisten (Veredos, Paraveredos, currus, veliicula donent); — bei Kriegen und Heerzügen alles nöthige Fuhrwerk beizustellen (Anga-riae, Perangariae); bei Staatsbauten von Kirchen, Brücken, Straßen u. dgl. die erforderlichen Beiträge zu Spann- und Hanöfrohn-dicnsten (Scubiae publicae) zu geben 1 2 3). Nebenbei wurden aber auch die alten freiwilligen Geschenke bei Gelegenheit der März-unö Maifelds-Versammlungen (campus Martius, Majalis, Madius) zu einer Art von Verbindlichkeit und Schuldigkeit und zu wahren Lieferungen erhoben, wenn bei Bereisung der Provinzen die dort gelegenen königlichen Domänen und Kammergütrr zur Unterhaltung des Hofes nicht hinreichten 4). Alles dieses jedoch wußten die mächtigen und reichern Allodbesitzcr so wie die Kirche von sich weg und auf ihre Hörigen und unfreien Hintersassen zu wälzen, oder förmliche Befreiungen davon von den deutschen Kaisern und von Herzogen oder Markgrafen zu erhalten 5). Schon K. Ludwig der 1) Wie am Rheine, kommen in den Donaula'ndcrn und in den salzburgischen Gauen frühzeitig vor: Romani tributarii (vielleicht gänzlich unfrei?) und Romani possessores. — Juvavia, p. 21. 23. 28. 29. 32. 33. 2) Welche Empörungen die ersten Versuche einer förmlichen Nationalbcsteuerung unter den Franken veranlaßt haben, erzählt Greg. Turon. III 36. V. 29. Jedoch ließen sich die Könige^.dadurch nicht abschrecken. VI. 22. VII. 15. IX. 30. X. 21. 3) Marculf. Formul. I. 11. — Perz, Mon. Germ. III. 94. 111 1*1 • 313. 218. 230. 4) Perz, III. 121. — Annal. Saxo. ap. Eccard. I anno 891. 5) Boczeck, Cod. Dipl. p. 99. Gesch. v. Steiermark — n. SB». 12 Fromme befreite davon überall eine Manse vom Kirchcnallod, I. 817 ')• So befreite Herzog Ottokar von Steiermark im 1.1185 das Karthäuserkloster zu Seitz für alle Leute und Besitzungen von allen Landcsleistungen und Beiträgen zu allen öffentlichen Bauten von Bollwerken und Gräben, vom Kalkbrennen, Vorspannen und von Heerbannsleistungen Im Jahre 1255 vertheidigte Abt Permann von St. Lambrecht nachdrücklich gegen die Angriffe der Herren von Wildon die Rechte und Freiheiten seines Stiftes auf freies Landgericht, und auf Marchdienst und Voigtrecht 1 * 3). Die tributären Verhältnisse mancher Gehöfte und der darauf Rücksässigen in der Steiermark und ihre an die fränkisch-auftrasi-schen Könige, baioarischcn Herzoge und späteren Landcsregenten zu leistenden Tribute oder Steuern betreffend, bemerken wir hier noch Folgendes. Die später in die inncrösterreichischen Länder an der Mur, Save und Drave eingewanderten und seßhaft verbliebenen karantanischen Slovenen sind alle tributär und zinspsiichtig nach der altrömischen Grund- und Personensteuer (Census) gemacht worden; wie die ältesten Salzburger-Dokumente wörtlich versichern 4), Schon in der fränkisch-austrasischen Epoche müssen aber auch andere Bewohner der Steiermark, von welchen man freilich nicht mehr bestimmen kann, ob sie seßhaft gebliebene Römer oder von keltisch-germanischer Abstammung gewesen sind, in dies tributäre Verhältniß gefallen seyn. Denn nicht nur in den salzburgischen Gauen kommen neben den römischen Abkömmlingen tributäre, rück-sässigc und tributpflichtige Gehöfte zahlreich vor (Trib males mali entes in coloniis) ü), sondern auch in den spätern steirischen Ilr- 1) Perz, III. 307. 2) Dipl. iStjr. II. p. 71—73: -„Ne qnis hominum praesummat, vel ipsos fratrcs, vel homines eorum ad aliquas praestationes vel operas in mu-ris, fossatis, vel calce coqucnda, seu vecturis, in expeditionibns fa-cicndis, aut ad alia quaevis publica servitia compellerc.“ 3) Saalbuch von St. Lambrecht. 'i) „Nunc adjiciendum cst, qualiter Sclavi, qui dicuntur Quarantani, et confines eorum — Christiani cfFecti sunt — quoadusque Franci et Ba-joavii cum Carantanis continuis affligendo bellis superaverunt, eos autem, qui obcdiebant, fidei et baptism inn sunt sequuti, tributaries fecerunt regum et terra m quam possident resi d ui ad hue pro tribute retine nt regis usque in ho diernum diem, (ungefähr um düs Zähr 870). Juvaviä, p. 10. — Ein gleiches Verhältniß war auch bei den Slovene» in der Ostmark und an der Enns und Traun. Rettenpach. Amtal. Cremit’an. p. 34 — 37. 31. s) Perz, III. 134. 314. barbüchern (und die Gegend von Birkfeld iin lanüesfürstlichcn Ren-tenbuche) erscheinen Gehöfte mit einer feststehende» Steuer (Suniva, Census regal is: Bus censualc et fiscale) »tbkN den Zinsen, da, wo von einer Steuer nach unferm Wortsbegriffe noch keine Rede war '). Zu diesen Tributpflichtigen gehörten weiters noch die Bewohner der Städte und geschlossenen Orte, die Freigelassenen ohne Eigengut, die Freigebornen, welche ihr Saatgut entweder wieder verloren oder nie eines besessen hatten, endlich auch noch die Juden (Albani, Peregvini), welche wegen des Kaisers Schirmrcchte über die Kirche desselben Kammcrkncchte geworden, und wegen des dadurch erlangten kaiserlichen Schutzes mehrere Arten jährlicher Abgaben, je nachdem sie ein Kaiser srstsetzte, bezahlen mußten. Nach einem Gesetz K. Ludwig des Frommen (vom I. 817) durfte einem tributpflichtigen Gute ohne königliche Erlaubniß der Tribut niemals, selbst nicht, wenn es der Kirche geopfert wurde, erlassen werden *). Von den kleineren Stiften und Klöstern erhob der Kaiser als Lehensherr die sogenannte Königssteuer (Sewitium, Subsklium regium), entstanden aus der herkömmlichen Beisteuer solcher kirchlichen Institute, welche ihre Lehen nicht zu verdienen brauchten. Zu den allgemeinen Landesgefällen des Fiskus gehörten auch die Erträgnisse von Mauth und Zoll, von Münze und Markt-rechten (res publicae), so wie von Kammergütern oder ssskalischen Saatgütern, welche Andern zur Bebauung auch nur theilwcisc waren überlassen worden, eben so für Wald, Weide, Vichmastung u. s. w. — Hierbei erscheint aber in Steiermark auch frühzeitig das Frohnrecht auf Salz und Metalle begriffen. Im steirischen Ncntenbuche ssnöet sich angemerkt, daß der Lanöesfürst gewisse Jahresrenten bezogen habe: am Erzberge (in Aertzt) Gericht- und Bergrecht jährlich 2600 Mark; an den Silbergruben in Zeiring (Mons Zeyrich); 1200 Mark von den Salinen in Aussee (Oe Salina in Aussee, de Salina in Enstal), Die Erneuerung der ______________________ 12 * *) Freisingische Güter im Lungau. — Meichclb. i. p. I. 500. 513. — Besch, Aetas Millen. t>8. — Admonterurbarbuch vom I. 1300 ungefähr. Im allgemeinem Begriffe erscheint das Wort Steura in einer Urkunde vom Jahre 1252: „quatenus in curiis et inansionibus Civitatum — siye sint in tirez, sive in nova Civitate, nullus nostrorum officialium tributum vel theloneum, quod vulgo dicitur Steura, exigere.“ — Lamdachel, Interregnum. Anhang, p. 21. 32, -) Pcrz. III. 214. Münze ist im landesfürstlichen Rcntenbuche angegeben im Ertragnisse zu Grätz mit 350 Mark, in Voitsbcrg 300 Mark, in Rad-kersburg 180 Mark, in Fürstcnfeld 100 Mark, in Pettau 30 Mark, in Tiffer 60 Mark und in Sachsenfeld 50 Mark. — Endlich stoffen auch noch vom ganzen Lande in die kaiserliche Kammer viele Gerichts- und Strafgelder, const'szirte Güter, und alle Erbschaften, zu welchen sich kein gesetzlicher Erbe vorgefunden hatte '). Dem steiermärkischen Landcsregenteu ertrugen jährlich Mauth, Münze und Stadtgericht in Grätz, Landgericht und Bergrecht (jus mentis) in Eisenerz (in Aemperck) über 2600 Mark; die Gerichte in Uebclbach 32 Mark; in Hartberg 50 Pfunde; Amt, Gericht und Mauth in Fürstcnfeld, in Fcldbach und die Gerichte zu beiden Seiten der Raab 130 Mark; Amt, Markt- und Landgericht in Radkersburg 130 Mark; Gericht und Mauth in Pettau 170 Mark; Stadtgericht und Mauth in Marburg 300 Mark; die Gerichte in Tiffer 80 Mark; Sachscnseld 40 Mark; Amt und Gericht in Eibiswald 150 Mark; Mauth in Hohenmautcn 120 Mark; Land- und Marktgericht in Wildon 50 Mark; Mauth und Landgericht in Wcitzberg 300 Mark; Landgericht und Mauth in Judenburg und das Gericht in Knittelfcld 350 Mark; Gericht und Mauth in Neumarkt (in Grazlup) 160 Mark; Gericht im Enns-thale 100 Mark; Marktgericht und Mauth in Rotenmann 1000 Mark; Gericht und Mauth in Leoben, Mauth in Bruck, mit den Aemtern in Kindberg, Krieglach und Mürzzuschlag 450 Mark. Unter die allgemeinen Landesabgaben mag in der frühesten Zeit bei Einführung und Wiedererhebung des Christenthums auch der Kirchenzins zur Unterstützung der Gemeindearme», zur Bestreitung von Kirchenbauten und der Unkosten des öffentlichen Gottesdienstes gehört haben (Census Ecclesiasticus. Pecunia Eccle-siastica); welcher jedoch frühe schon wieder aus den Urkunden verschwindet i 2). Gottfried von Kölln versichert, daß Oesterreich und Steier, als Kaiser Friedrich n. beide Provinzen unmittelbar an das Reich gezogen hatte, im Zerwürsniß mit dem bisherigen Länderherzoge, i j Lex ltajuvar. 254. 260. 264. 308, ") Sacros. Concil. Vili. p. 261. Brief des Papstes Zacharias an den germanischen Metropolite» Bonifazius. - Capit. Caroli M. ap. Georgisch, p. 541. Anno 779. Später wurden eigene Rüdksässige mit ihren Gehöften an Kirchen gespendet zu einer bestimmte» Zahresabgabe an Wachs. — Juvavia, Anhang. >>. 304 - 307. Friedrich dem Streitbaren von Babenberg, über 60,000 Marken Silbers dem Reichsfiskus jährlich eingetragen hätten l *). Nach dem unglücklichen Heerzuge gegen Ungarn im Jahre 1237 schrieb Herzog Friedrich von Oesterreich und Steier eine allgemeine Auflage auf beide Länder aus und befahl, von jedem Mansus sechzig Pfennige zu steuern. Diese Steuer schien jedoch allen geistlichen und weltlichen Grundherren so etwas ganz Ungewöhnliches und Tyrannisches, daß sie von den Stiften und geistlichen Körperschaften mit Gewalt geholt werden mußte, die meisten weltlichen Herren aber entweder gar nichts leisteten, oder offene Empörung dagegen erhoben haben -). — Im Kampfe mit dem Könige Ottokar von Böheim sah K. Rudolph voraus, daß der Streit mit den im I. 1276 geschlossenen Verträgen nicht abgcthan scy. In dieser Furcht konnte er seine Hcerbannsvölker nicht entlassen. Im drückenden Mangel schrieb er eine allgemeine Steuer aus, welches in den Chroniken als etwas ganz Neues bezeichnet wird. In Oesterreich wurden roit einem Pfluge 5 Schillinge, von einer Hofmark 60, von einem Gehöfte 12, von einem Joche Rebengrund 30, und von einem Mühlrade ebenfalls 30 Pfennige als Steuer gehoben 3). Auch die Bischöfe ließen sich zu dieser Abgabe herbei, sowohl von ihren eigenen Domänen, als von allen andern Stifts- und Kirchengütern ihrer Sprengel. Damit ihnen jedoch diese außerordentliche Leistung für die Zukunft nicht nachtheilig werden und nicht etwa ein Recht, gleiche Abgaben beliebig zu fordern, daraus erwachsen möchte: gab ihnen der Kaiser, Wien, 27. Mai 1277, einen beschwornen Revers, daß diese freiwillige Steuer weder von ihm, noch von einem seiner Rach- el Cliron. Godefr. Colon, anno 1237: „Ducatus etiam Anstriae et Styriac apud Wiennam Romano Imperio adjecit, qiioniam valcntia transcendit LX marcarum millia annuatim.“ Pernoldus Anno 1236: „Dux, suis maxis iratus, quam hosti, in utra-qnc provincia insolitum imperavit tributuin de singulis domibus. — Coe-nobia, quae tributuni negabant— per milites et satellites coegit ad sol-xendum. —Exasperati enim subditi ob tributi novitatcm — conjurarunt.“ — Cliron. Claustroneob. — Pez. I p. 457. Anno 1237: „Insuper in lato principalu suo recepit de unoquoquc nianso sexaginta Denarios. Initium doloruin fuerunt haec et causa dejeetionis suae.“ 3) Cliron. Colmar. Anno 1277. „Rex Rudolplius novam cxactionem adin-vcnit, et a quolibct aratro quinque solidos postulavit.“ — Cliron. Claustroneob. anno 1277: „Hoc anno imposuit rex Romanovum exaetiones gravissimas toti Austrian, cxigens de curia 60 denarios, de area 12 den., de jugero vincarum 30 den., de Vota inolendini etiam 30 den." 1852 folgcr im Reiche, noch bon dem künftigen Herrn dieser Länder zu ewigen Zeiten in eine Folge gezogen werden solle '). Als eine öffentliche Abgabe an den Landcsfürffcn erscheint in Steiermark seit den frühesten Zeiten schon das Pferdefutter, Marchfutter 2), welches in einem bestimmten Maße von Hafer bestanden hatte und einigen Höfen und Gehöften des Landes, sowohl geistlicher als weltlicher Besitzer, als jährliche Abgabe zuge-thcilt war. Gleichzeitig kömmt in Urkunden mehrfache Erwähnung bon der Verbindlichkeit zu Spann- und Zugdiensten, im Falle des allgemeinen Bedürfnisses, bor. Schon K. Friedrich I. befreite im Jahre 1166 das Hospital im Zerewalde non allein Voigtrcchte und March-dienfte; und das Stift St. Lambrecht genoß nicht nur die Befreiung von Marchsutter- und Voigtrcchtsleistungen schon um das I. 1202 für alle seine zwischen der Deigitsch und Kain ach gelegenen Besitzungen 3), sondern Herzog Leopold der Glorreiche schenkte diesem Stifte das landesherrliche Recht, diese Leistungen daselbst künftighin für sich selbst zu fordern, als prioatcs Eigenrecht, gänzlich. In Wien am 15. Mai 1279 schenkte K. Rudolph 1. dem Chor-herrnstiftc zu Seckau den Bezug des sonst dem Landesfürsten zugehörigen Marchfutters und des Voigtrechtes zu Knittclfcld für 10 Jahre, eine Rente bon jährlich 400 Metzen Hafer und 10 Marken Silbers 4). Das steierische Kammcrrcntenbuch enthält besonders verzeichnet, welche Güter vorzüglich dieses Marchfutter zu leisten hatten; welches dann nach Angabe dieses Rentenbuches alljährlich nach fünf verschiedenen Maßen, Vierling, Schüssel, große Mult, kleine Mult und Weitzenmetzcn im landesfürstlichen Kasten abgemessen werden mußte. In admontifchcn Urkunden des zwölften Jahrhunderts finden wir auch die bestimmte Angabe, daß die !) „Cumque nobis moram facientibus in eisdem parfibus sumptns militiae nostrae neeessarii penitus defuissent, nec possemus per viam, vel per moduin alium ejusmodi indigentiae nostrae providere, dioti principe* nostri moti prccum nostrarum instantia voluntarie censuerunt, ut tarn de bonis ipsorum dominicalibus, quam de praediis monasteriorum et ecclcsiarum eorum jurisdictione in partibus Austriae, Styriae, Carin-thiae et Marchiac sub.jectarum subsidium tolcrabile peteremus, per quod tantae necessitatis articulus, qui »08 et Imperium coarctabat, per eorum suffragia et digni recolenda subsidia tolleretur.“ Lambacher, Interregnum, p. 139. 195. 197. -) ition. Boic. XXX. p. 27. — Caes. Annal. II. p. 857. 3) Saalbuch von St. Lambrecht. — Dipl. Styr. I. 243, II. 29. 39. — Rational-. Styriae. 4) Dipl. Styr. I. 243. Bewohner des Ennsthales dem Lanöesmarkgrafen einen jährlichen Tribut, als Purgewerch, hatten leisten müssen; und daß Herzog Ottokar VIII. denselben allen admontischen Unterthanen für immer (aber nur denen im Ennsthale) nachgelassen habe (1185) -). Mit jedem allodialen Wehrgute war endlich auch noch die Pflicht der persönlichen Heerbannsfolge, oder die Stellung von Heerbannsmannen und Beiträgen dazu unmittelbar und unerläßlich verbunden. Hierüber werden wir weiter unten umständlicher sprechen. Zu diesen öffentlichen Staatsleistungen, welche aus jedem ger-manisch-fränkischen Wehrgute hafteten, kommen aber auch noch die Abgaben an die Grundherren von Seite der auf eigcnthümli-chen Saatgütern derselben rücksässigcn Eigenleute, Hörigen und Parschalken oder Freigebornen (diese letzteren vorzüglich auf kirchlichen Saalgründen) "). Diese Servituten wurzeln, nach Versicherung des getreuen und kundigen Tazitus, in der germanischen Urzeit und bestanden damals in Naturalabgaben, in Zehenten (De-cimae Seculares im Mittelalter), (m Gctrcideartcn, an eßbaren Bodenerzeugnissen, an Vieh (Alles nach gewisser Zahl, das Zehente, das Dreißigste, das beste Stück), an Kleidungsstoffen, fertigen Kleidern u. dgl. * * 3); wozu dann im Mittelalter noch Handarbeiten und Zugrobottcu, ja auch Gclddienste unter dem Titel eines Zinses vorzugsweise (Census) 4), und zwar bei vielen Gehöften neben der, Steuer (Stcura) genannten Abgabe in Geld, für bestimmte andere Benützungsarten des allodialen Herrengrundes und freier Erzeugnisse an Weide und Holzung, gekommen sind. Genau an Tazitus sich anschließend kennt schon das bajuvarische Gesetz alle Privatabgaben, Tribute, Zehenten, Naturalien für Ackerland, Weide Ulld Weinberg (Tributa. Agrarium. Pascuarium), Hand- und Zugrobottcn oder Scharrwerkc (Opera, Manopera und Carropora im neunten Jahrhunderte und Cultura, opera sei-villa, opera cottidiana, Tagwepkt, tin zehnten Jahrhunderte genannt, l) Saalbuch IV. 275; „annuum exactionis debitum, quod Purgewerch dicitur.“ ~) Kettenpacher, Annul. Crepiifan. 29 — 30. з) Tacit. Germ. cap. 25: „Suam quisque serves sedem, suosque p tili a t c s regit; frumenti modu m Dominus, »ut pecoria, »ut v es ti s injungit; et serves haetenus pa ret.“ и) Capit. Aquisgr. Anuis 803. 817. Archiv für Süddeutschland. II. 314 — 216: „Güter geschenkt“ (cum censibus. — Bon» censuaiia). Yineas plantare, cludere, fodere, pröpaginare, vindemiare. Pa-ravevedos donare. Angarias cum carro fa cere), uraltgcwöhn- liche und allgemein festgestcllte Verhältnisse; jedoch nicht mehr einer ungemessenen Willkühr der Allodialherren, sondern einer billigen Bemessung im Gaugerichte anheimgestcllt '). Alle von Eigenlcu-ten, Hörigen und Parschalken gegen ihre Saalhcrren eingegangenen Verbindlichkeiten und denselben zu leistende Dienste und Abgaben waren in dem Hofrechte jener Hauptsaalen und Herrschaften begriffen und festgesetzt, zu welchen die Gehöfte, auf welchen sie als Bebauer rücksässig waren, gehörten; und alle zu Haupthöfen und zu deren Hvsrechten gehörigen abgabenpflichtigen Bebauer hießen Rücksässige (Comanenles, Casaii), Dienende (Ser-vientes), ZinslkUtk (homines ccnsuales); oft nennt MllN stk Mich tributarii, tributalus; M aNsi 0 N arier (Mansionarii. Coloni), Eigenleute (Mancipia) * 2 *). Diese Verhältnisse erscheinen nun in den frühesten und in allen Urkunden des Mittelalters als die Grundlage alles gesellschaftlichen Lebens in allen Ländern von der Donau bis über die südliche Alpenkette, von dem Bodensee vis über die untere Save und Drave hinab; und hierin war zwischen rückgcbliebencn Römern, den celtisch-germanischen Urbewohnern und den ncueingc-wanderten Slovene» kein Unterschied a). Jedes Gehöfte, in welchem ein Eigenmann oder ein zinspflichtiger Bebauer eingesetzt wurde, ward ihm unter dessen genau umhegten und bezeichneten Gränz-marken 4), und zwar entweder auf einen zeitlichen, oder auf lebenslangen, endlich aber auch aus erblichen Besitz und Bau 5 6) eingeantwortet und meistens auch vor dem Gau- oder Ccntgerichtc *) Lex Bajuvar. p. 263 — 265: „Secundum acstimationem judicis.“ — Provident hoc judex.“ — „Secundum quod habet, donet.“ — Pens. Ill 92. 216. ') Im bajuvarischen Gesetze ist servire und tributa reddere gleichbedeutend. p. 262. 3) Iuvavia, Abhandlung, p. 556 — 557; Anhang, p. 29. 33 — 47. 63 — 65. (I. 815), 80- 82. (I. 831), 86-87. 94. (I. 860), 99 - 100. (Z. 865), 104 ) Dipl. 8tyr. II. 288: „Et liceat eisdem IHonachis, »00 nobis, nee nc-mini cujusdam aliorum, nisi solis IHonachis, malend »am crigere — et plenam facultatein habcant, molendinam aedificandi.“ — Nach Scizer-uvčunben ertrug I. 1289 eine Mühle an der Drau bei Marburg: Lapides inensurae veterin tritici XV, eademque siliginisj tempore paschali 12 Denar, Vcntacostes 12 pullos. 5) Saalbuch von St. Lambrecht. 6) Kurz, Beiträge zur Geschichte Oesterreichs. II. p. 526. I. 1233: „Vineas cum omni jure montane et servitiis, quod vulgo dicitur Marchdienest.“ — J. 1268: „Duo caratae vini, quod vulgo Perch recht In dem steiermärkischen Verzeichnisse der Güter und Renten eines jedesmaligen Lanöesherzogs, so wie in dem Urbarbuche der Hofmarken im Traungaue der Markgrafen von Steier und in vielen andern Urkunden und steirischen Saalbüchern liest man von privaten Saatgütern verzeichnet: Bausteuer, Werkpfennig, Zehent- und Zinspfennig, Dienstpfennig, Steuerpfennig, Kleinpfennig, Weinpfennig, Fischpfennig, Schnittpsen-nig, blutiger Pfennig, Mühlgeld, Badstubengeld, Stcrb-haupt oder Budtheil, Neuhausgeld, Weifoü (Weifath, Xe-nium) '), Anleit, Nothsclde, Richterrecht (auf Stuüenitzer-gründen, tota villa, II pernoctationes official!, I Denar. Scnten-tiatori), Staötrecht, Vogtrecht, Haferbcrgrecht u. s. w. "). Jagd- und Fischrccht war auf jedem Saalgute ohnehin haftend 3). Wie aber in unseren heimischen Urkunden dies fürstliche Regalrccht auf Metalle und Salze erscheint: so finden wir cs auch dicitur.“ — Im steierischen Rentenbuche kommt vielfach vor (I. 1265) das ,,jus montanum, jus montis, die jura montana vinearum.“ — Dipl. Styr. II. 143 — 178. 300. — Admonterurkunden, I. 1284: Admont ver-theidigct gegen die Brüder Hartnid und Leuthold von Stadeck seine Bergrechte über Weingärten in der Einöde bei Grätz: „Super quibusdam li-mitibus vinariis, qui vulgariter Uebervanch dicitur, et jure, quod Perch recht dicitur, circa Graetz in loco Ainocdc.“ — Caes. Anna!. I. 1015. i) Ein Ertrag für den Grundherrn floß auch daraus: Starb ein Hofbesitzer oder seine Frau, so durfte der Grundherr sich das beste Bich, in manchen Gegenden auch das ihm gefälligste Stück von der Hauseinrichtung auswählen, das dann Sterbhaupt oder Budtheil genannt ward. W.eisod oder Weisath war ursprünglich ein Geschenk, eine Gabe, welche Güterbesitzer zu gewissen heiligen Seiten ihrem Landesherrn bringen mußten, z. B. Weihnachten, Ostern; deswegen wurde sie auch Hochzeit-Weisung, Wisunge, Weisheit, Beweisung, Wisode, visitatio , praesentatio , xeniuin, servitiuin genannt. z) Saalbuch von St. Lambrecht: Ein Gut zu St. Beit bei Grätz „dient jährlich 32 Pfennige zu Anleit, und 8 Pfennige zu Bogtrecht!" — Dipl. Styr. II. 178: „Danius els minimum pro omenila sanguinis, quod vulgo vocatur pluotiger phenich, in omnibus bonis suis per nostras terras ordinatis.“ •— Rauch, Script. Austr. I. 391. Offenbar erscheinen diese Gelddicnste hier nur als Ersatz- oder als Ablösungsgeld für andere Rechte auf Hand- und Zugroboten, auf Naturalien u. s. w., so wie in den ältesten Urkunden auf den Saalyösen eigene Piscatores, Venatores, Fabri, Homines, qui apes provident u. s. w. — Retcnpucch. p, 38 — 30. J. 777 - erscheinen, und wie derlei Leistungen in uralten Ausschreibungen der Hofrechte angedeutet werden mit: „Colonus operatur, arat, secat, sc aram facit, nutrit, panem coquit, bracem conficit“ U. s. «j. — Perz, Moil. Germ. III. 177. •t) Selbst gegen den Landesherrn Herzog Friedrich den Streitbaren verfocht siegreich der Abt Permann von St. Lambrecht im I. 1242 feinen eigenthüm-lichen Jagdbann in Asien; und in der Beitsch. Saalbuch von St. Lambrecht. schon in manchen kirchlichen und adeligen Alloden als Privatge-rechtsame durch die deutschen Reichsregenten zugetheilt. — Der adeligen Matrone, Beatrix, aus dem Stamme der Grafen von Mürzthal und Eppenstcin, hatte K. Konrad der Salier (I. 1025) das Mctallrecht auf Eisen und das Salinenrecht auf den ihr geschenkten Gütern im Aflenzthale und in der Mark gegeben *). Im Jahre 1015 erhielten die hochedle Gräfin Hemma und ihr Sohn Wilhelm, Gaugraf an der Saan, von K. Heinrich II. ein Salzwerk im Admontthale, mit den Salz-, Metall-, Markt- und Mauthregalien auf allen ihren Allodialgütern * 2). Aus den Alloden dieses hochedlen Geschlechtes kamen Salzwerke und Salzrechte tut Jahre 1074 an das Stift Admont mit dem Rechte über alle Salzsieöer und aller Salzzehente an den Salzsiedereien zu Hall im Admontthale 3). Um die Mitte des zwölften Jahrhunderts ertheilte K. Friedrich der I. den Stiften Admont und St. Lambrecht das Salinen und Metallregal auf allen ihren Saalgütern. — Den Chorherren zu Seckau hatte der Landesherzog Ottokar, I 1168 — 1190, die Salz- und Metallrechte auf allen ihren Stiftssaalboden verliehen 4). Aus den ältesten Urkunden und Urbarbüchern ergeben sich folgende Gegenstände von Naturalabgaben und Leistungen an geistliche und weltliche Grundherren: Accipitres, Falken, Habichte zur Jagd 5); Schaf, Lamm, a gnus; gemästetes Geflügel, Hühner, Kapphähnc, Allilia; Anseres, Gänse ; Arietes, Widder; Avena, Hafer (in Steiermark vorzüglich der Marchfutterhafer); Brassica, Kohl, Kraut, auch Brazium nach Metzen gemessen, als Malz; Cannabis, Hanf; Bovem alere, einen Farren mästen und denselben gemästet dem Saalherrn stellen; Canes alere, Haltung und Wartung der Jagdhunde zum Gebrauche des Grundherrn; Canada saiis, Salzfuder (gewöhnlich ein Fuder zu 90 Pfunde); Caseus, *) St. Lambrechtersaalbuch. 2) Archiv für Süddeutschland. II. 225 - 226. ) Tkiemo Archiepiseopus dedit patellam unam et praeconium in Halle, totumc(ue jus salinae et ejus focariorum. Admontersaalbuch» Nr. IV. 4) Dipl. Styr. I. 181 — 182: „Ottokarus dux Styriae super salinis et mctallis in fundo Secovve quaerendis et invenicndis fruendisque con-ßilio suorum indulsit et privilegio testatus est." s) Das uralte admonkische Urbarbuch C. 578. enthält genaue Verzeichnisse jener Gegenden und Stellen seiner Herrschastsgründe, wo Falken, Sperber und Habichte zu finden sind. Käse, (größere und kleinere Käslaibe); Cicer, Erbse; Chenier, Schmeerfett, Schweinfett (und dafür im steirischen Rcntcnbuche eine Geldablüfung); Corium, bearbeitete Thierhaut, Leder; Culciia, Decken, Teppiche, Kosten; Culture, dimidia cultura oder Hand-und Zugrobotten beim Anbaucn der Getreidefelder und Weingärten leisten; Currendo servire in legationibus tempore necessitatis, Laufbothen stellen, um die landesherrlichen Briefe und Kundmachungen im Lande umher zu tragen; Filzschuhe oder Filzstiefel (das Stift Admont hatte mit der jährlichen Salzabgabe auch ein Paar Filzstiefel dem Bisthume zu Gurk zu liefern); Frixlinga, Frischling (Frisk, d. i. vervex oder einjähriges Schwein); Flu-drones lignorum, Fluderholz zum Mühlenbau u. dgl.; Frumenla, alle Arten Getreide, vorzüglich Weizen und Roggen, und zwar nach Saccis, Modiis, Metla, Metretta, Choufmetzen, Muta magna et parva, Gorz, Scafiia, Mensura, Vierling u. s. w. gewesten; Lagenas et Lynas et alia vasa necessaria curiae dare, hölzerne Krüge, Kübel und andere Holzgcsäße liefern (wofür in Steiermark einige Zimmerleute besondere landesfürstliche Lehcnsgüter besorgten); Kleider, Pelze, Strümpfe, Schuhe (das Stift zu Seckau mußte an die Herren von Stubenbcrg für ein Gut im Passail jährlich geben: einen Pelz und ein Paar Strümpfe); Gallina, Henne; Legumina, Hülfenfrüchte, Erbsen, Bohnen, Wicken, Linsen u. dgl.; Lentes, Lenticuli, Linsen; Ligna ducere et alia necessaria ad coquinam, Holz für die herrschaftliche Küche; Linum, Lini semen, Leinsamen, Flachs oder Haar, und zwar nach Zech-lingen oder nach Pfunden, Linum ad Pisam, d. i. ad Gynaeceum; Loden, grobes Tuch (nach Ellen gemessen); Lupulus, Hopsen für die Brauerei bei jedem Haupthofe des Allodialherrn; Lignarii, Holzfäller, welche den landesfürstlichen Holzbeöarf in den Forsten bereit stellen mußten; Marteronum pelles, Marücrbälge; Milium, Hirse, H irsko rn, Brein; Mel, Honig (Ydria, Urna, Redember mellis); Nissos, Habichte zur Falknerei; Ovis cum agno, Mutterschaf mit dem Jungen; Papaver, Mohn (vulgo, Magen); Ova, Eier; Panes, Hausbrote, Brotlaibe; Pisces, Fische, — so hatten die Bewohner im Hinterberge bei Aussee jährlich 10,000 Fische, Forellen und Salmlinge, in die landcssürstliche Küche zu liefern, im steirischen Rcntenbuche dafür Fischpfennige; Pisae, Erb-(ett; Pluma, plumarum modios, Federn; Porcos alere, nutrire Domini Ducis, mehrere grundherrliche Schweine mästen und nach vollendeter Mast dem Herrn zustellen; Porcus saginatus (Mast- schwein), im steirischen Rentenbuche Stechschwein oder Schlachtschwein genannt; Pullus, Huhn (gewöhnlich in der Fasching- und Fastenzeit, tun Ostern, Pfingsten und Weihnachten zu liefern); Pultus, Heidekorn; Purchochsen (im steirischen Kammerrcnten-buche eine Geldablösung dafür); Radices, Rüben, Rettige, Steckrüben ; Sal, Salz, nach Carrada, Staliuncula Salis, quae dicitur Voderl; Scita cannabis, Hanszechling, Hanfstren oder abgehaspcl-tcs Hanfgarn, cannabis, quae vulgo Haspe dicitur, auch Scota oder Manipulus; Seiga, Sicera, Bier (nach Carrada oder auch Dolium beuiesten); Siligo, Roggen; Triticum, Weizen; Vends, Eber, oder auch porcus masculus ; Vervex, Frischling; Vinuni, Wein als Bergrecht, nach Canada, Dolium, Eimer, Stecheimer, (Redemer, Redemper), daher: den Wein bestechen, Weintaz, Was-sereimer (Ydria, Uma, vas) und dgl. gemessen '). Nach sehr alten Salzburger-Urkunden gab ein ganzes Gehöfte (eine Curia plena) folgende jährliche Naturalien: Zwei größere und zwei kleinere Schweine, jedes zu 12 Pfennige in Werth, einen Metzen Hirse, einen Metzen Bohnen, 300 Eier, zwei Metzen Rüben, eine Haut oder 30 Pfennige, 20 Pfennige für Flachs, zwei Metzen Hubrecht, 12 Hennen, 2 Gänse, 2 Fuder Holz oder 30 Pfennige 1 2). Nach Angaben im steirischen Rentenbuche haftete auf mancher landesfürstlichen Hufe die Verbindlichkeit, das nöthige Holz und andere Dinge in die Küche des Herzogs zu führen (ligna ducere et alia ad coquinam necessaria. — Auf andern HöskN die Schuldigkeit, die Cilbothen bei landesfürstlichen Sendungen beizustellen (cujus praedii possessor in legationibus tempore necessitatis eueren do service debet 3). 1) Das älteste Saalbuch bcS Klosters St. Peter in Salzburg in der Juvavia. p. 288 — 311. — Hansiz. II. 127. - Mon. Boic. XXVIII. II. 158 — 192. 455 — 481. 2) Juvavia. p. 309 — 311. Im I. 1295 waren im Urbar des Herrn von Wildon verzeichnet die Hubendienste: Rassendorf mit 10 Huben, und gilt jegliche Hube jährlich 11 Pfennige, Vs Viertel Weizen, ein Viertel Hafer, eine Henne oder 3 Pfennige, zu Fasching 10 Eier und 3 Hennen; — zu Sating eine Hube 16 Pfennige, ein Viertel Hafer, 20 Eier, 2 Hennen, 1 Käs. — Siehe auch Lambacher, Interregnum. Anhang, p. 146 — 177, 3) Gerade so auch einige Parschalkm des Hochstiftes zu Freisingen: Itinera vicissim agant, Mon. Boic. I. 22. Nach Andeutungen in den fränkisch - germanischen Kapitularien ') wurden auch viele gar schwere Frohn- und Gelddienstc der härtesten Hörigkeit von Leib und Gut nach besonderen Hofrechten gefordert. Weil sie aber meistens, theils durch die Einflüsse der Kreuzzüge, theils durch die großen Ablässe, welche den Ilntcrthanen für außerordentliche Anstrengungen sind zuerthcitt worden, abgekoinmen oder in seltsame und oft lächerliche Dinge verwandelt wurden: so können sie bis zum Schlüsse des zwölften Jahrhunderts auch nicht mehr urkundlich nachgewiesen werden; sie leben nur noch in den leisesten Klängen uralter Sagen, oder in dem verborgenen Sinne allegorischer Gebilde in den Wappen der Allo-dialherren. Viele dergleichen sind aber auch späteren Ursprungs. Die Sage spricht noch von folgenden Diensten: Den Schloßtcich in gewissen Nächten mit Baumzweigen peitschen, um Frösche und Unken dadurch zum Schweigen zu bringen; — vor dem Lehenherrn tanzend singen; — die Backen gewaltig ausblasen und einen mächtigen Wind von sich lassen; — eine Lerche auf einen Ochscnwa-gen gebunden nebst 3 Eiern und einem weißen Handschuh mit 4 Pferden aus das Schloß führen; — alle Jahre einen Zaunkönig, einen Falken, einen Wilüfchweinskopf dem Grundherrn darbringen; — Wache halten zu Nacht in gewissen als nicht geheuer und gespenstisch verrufenen Zimmern und Räumen der lehensherrlichcn Veste; — einen Metzen Fliegen, Maikäfer u. dgl. als Grundzins liefern; — das Recht der ersten Nacht bei den Töchtern der Leibund Dienstcigenen (jus primae noctis, jus connagii, jus laxandae costae); — Abkaufcn der Jungsrauschast leibeigener Töchter um so viel Käse und Butter, als dick und schwer ihr Hintertheil; — das Verfallen vorübcrzichender Freidirnen in gewissen Burgfrieden an den Grundherrn um vier Pfennige, oder Abnahme des rechten Aermels, oder den Willen, mit ihr, jedoch nur einmal, zu schlafen; — vor dem anrückenöcn Köm'gsheere auf einem Schimmel dahcr- i) Pen:, Mon. Germ. III. 111. Freien Leuten wurden zur baulichen Pflege solche Saalgüter gewöhnlich nur auf Lebenszeit übergeben, auf Leidgedinge, wie man es zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts nannte. Der Baumann eines admonlischen Gutes im Stein im obern Ennsthale, Grim-linus i» lapidc, sagt im I. 1293: quod Hilcrim, proavus meus, pos-sessioncs ct bona infrascripta ab Abbatibus et monasterio Admontensi liabuit jure tantummodo, quod vulgariter dicitur Leibgedinge, quod jus in avi mei Hilcrimi persona recognosco et assero publice exspi-rasse. Admontcrsaalbuch. reiten und Häuser und Dörfer anzünden, wie bei der Karantaner-Herzogswahl, brennen, rauben und abmähen. Alles private Grundeigenthuin an Saal- oder Wehrgütern wurde schon sehr frühzeitig nicht mehr allein dein Gedächtnisse der mitlebenden Herren und Dienstpflichtigen überlassen, sondern, vorzüglich bei Hochstiften und Stiften, bei den Kammern der Landesherren und bei dem reicheren Adel, in eigene Hofrechtbücher (Codices Praediorum) eingeschrieben, jede bei den einzelnen Saatgütern vorgegangrne Bcsitzesveränöcrung beigemerkt (codices tradi-tionum, concambiorum, venditionum), und seit dem neunten Jahrhunderte schon alle auf den einzelnen Haupthöfen, Höfen und auf allen dazu nach Hofrecht begriffenen Vorwerken befindliche Rück-sässige, Eigenlcute, Hörige und Barschalken mit allen von ihnen jährlich zu leistenden Diensten und Abgaben genau bezeichnet. (Urbarbücher, Urb or, Polyptici) '). Alle Saatgüter reicher Grundbesitzer waren da in größern und kleinern Aemtern oder Propsteien (Officia, Praepositurae, Praedium) abgetheilt, so daß ein Amt oft mehrere, öfters auch nur eine einzige Hofmark, einen einzigen Hof mit besonderm Hofrecht umfaßte !Z). Auf jedem Amte übte Recht und Gericht, in allen in das Hofrecht einschlagenden Fällen und besorgte die Renten des Grundherrn ein eigener Beamtea), ein Amtmann (Officialis) mit einem oder mehreren nach Erforderniß der Verhältnisse der Hofmark und des Amtes ihm beigegebenen Männern (Schreibern, Burghauptleuten, Scriptor oflicialis, Claviger) und mit Hülfe der Gemeindevorsteher oder Gemeinderichter der kleineren Bezirke einer größeren Genossenschaft (Praecones, Judices, Schephones). Das sogenannte steiermärkische Rentcnbuch (Rationarium Styriae) vom l) Urb or hat die Begriffe! Einkommen, Renten, Gülten, Erträgniß, Zehente; Urbar ist aber auch so viel, als; Urbar, Rentenbuch, Liber censualis. Uralte Saal- und Urbarbücher in Salzburg. — Juvavia. p. 18 — 48. 122 186. 190- 210. 222 — 232. 247 — 254. — Pertz, Mon. Germ. III. 175 - 180. 181 - 187. *) 3m steierischen Rentenbuche heißt es: Ego Helwicus Notarius — diligenter omnibus terrae Styriae o fficiis principatui attinentibus. — 3) Auch in verschiedenen Gegenden auf den ihnen zugehörigen Hofmarken hatten die Markgrafen und Herzoge von Steiermark ihre besonder» Hofmarkenvermalter und Wirthschafter, oder Maier, bestellt. So kennen wir aus admon-tischen Urkunden, 3. 1190, den Wolfcrim de Camera economus Ducis apud Wizenkirchen. I. 1172 Hartwicus de Liuben economus Ducis. I. 1174 Procurator noster (Ottacheri Marchionis) Reginbertus de Mureckke. Dipl. Styr. I. 163. 13 Gcsch. d. Steiermark. — II. Bv. Jahre 1265 und der aömontifche Urbnn'oöcy aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts sind hierüber kostbare Sortimente. Im Rentenbuche waren alle dem Landesherzoge zugetheilten Saatgüter und Renten in folgenden Aeimern begriffen: Differ, Petto», Rad-kersburg, Marburg '), Wildon, Cibiswald, Grätz, Voitsberg, Raabthal, Hartberg, Veitsberg, Leoben, Bruck und Kindbcrg, Judenburg, Neumark oder Grazlup, Ennsthal. Die große Hofmark Differ scheint vier kleinere Hofmarken oder Schephonate unter eigenen Beamten, Schephonen genannt l) 2), ebenso Marburg kleinere Hofmarken ober und unter der Drau, und auch das Naabthal zwei besondere Aemter in sich begriffen zu haben. Neben dem Burg-hüther kommen noch dazu die Aemter bei den Salinen in Aussee (Salina in Aussee), die Aemter tun Eisenerzberge, am Silberberge zu Zeiring, das Forstamt, das Kastcnamt, das Bcrgrechtsamt (Of-jicium granarii, Officium mentis) und düs Marschalkamt ZU Grätz (Officium Marschalcatus) vor. — Eben dieselbe Abtheilung und Verwaltung nach Hosmarken und Aemtern hatte auch bei allen andern Saalgütern des steiermärkischen reicheren Adels, der Hochstifte und Stifte Salzburg, Aquileja, Freisingen, Bamberg, Goß, St. Lambrecht, Admont, Rein, Vorau, Seitz u. f. tu. Statt 3). Städte und geschlossene Orte des Landes waren zu eigenen landesfürstlichen Abgaben und zu Leistungen für ihr Gemeinwesen selbst verbunden. Vor allem war jeder Bewohner zum jährlichen Burgrechte, Burgrechtsgelde, verpflichtet (Burckrecht, jus forense, jus civile, jus fori) dessen Erträgniß für den Landesfürsten sich im Kammerrentenbuche von Steier von allen betreffenden Orten genau verzeichnet sindet. Im Jahre 1252 befreite K. Ottokar von Böhmen die Hofstätten des Stiftes Rein in Grätz und Neustadt von allen Steuern, Tributen und Mauthgebühren 4). Im Jahre l) Dipl. Styr. II. 68. Wie uralt diese Einrichtung sey, mag man daraus schließen, daß die landesfürstl. Praepositurae Marchpurch, Reekcvspurch, schon im Jahre 1182 Vorkommen. *) Auch in den windischen Büheln kommen Schephones vor im Codex Prae-diorum Admontensium. C. n. 578. 3) In einzelnen Landesgegenden und auf besondcrn Hofmarken waren noch besondere, dem Bergmeister in Grätz untergeordnete Bergrechtsverwalter oder Bergmcistcr bestellt, wie die Bergmeistcr zu Luttenbcrg. I. 1372 Wolfharl Stollenberger; I. 1343 Ritter Eberhard, Rcrgmeister und Burggraf; im I. 1401 Urig Schweinbock, und 1. 1438 Dietz von der Heide, Berg- und Kellermeister zu Luttenberg. Saalbüchex von Admont und St. Lambrecht. *) Dipl. Styr. II. x. 22. 1259 schenkte H. Friedrich von Oesterreich, Sohn des Markgrafen von Baden und der Gertrude, Schwester H. Friedrichs des Streitbaren, den Minoriten in Judenburg ein Haus daselbst mit der Befreiung von aller Burgrechtsabgabe und von andern den Bürgern obliegenden Leistungen und Lasten '). — Die Leistungen für das Gemeinwesen der geschlossenen Orte selbst bezogen sich auf das Gemeinwohl, auf gemeinsame Nothwendigkeit, auf Heerbann, auf feierlichen Empfang einer hochgeachteten Person u. dgl., wie dies eine Urkunde (I. 1284), worin das admontische Haus in Leoben von allen bürgerlichen Diensten und Leistungen befreit wird, bewährt 2). Im steirischen Rentenbuche werden in allen Gegenden des Landes Besitzungen nach allen üblichen Benennungen mit ihren Jahresleistungen an die landesfürstliche Kammer angeführt. Diesen Angaben zu Folge leisteten: Ein Gehöfte (Praedium) im Amte Differ 4 Maßt (Metretas) Weiz und 4 Maßl Hafer, ein Schwein oder 15 Denare, ein Schaf oder 16 Denare; — zu Kressendorf unterhalb der Drau 1 Metzen Weiz, 1 Metzen Hafer, 1 Schwein oder 12 Denare, 1 Weisat in 2 Brotlaiben und einem Huhn, in der Fasten und zu Ostern eine Henne, 20 Eier; dem Richter oder Amtmann (Official!) eine Maß Weizen, 5 Maß Hafer und 24 Denare; — im Zirknitzthale in den windifchen Büheln (in superior! Zirkentz) 1 Metzen Weiz, 1 Metzen Hafer, 1 Gorz Bohnen, 1 Gorz Mohn, 1 Gorz Brein (oder Heidekorn, Pultuum) oder 12 Denare, ein Lamm oder 5 Denare, für Burch och sen 4 Denare, 3 Haarzechling oder 3 Denare, ein Weisat oder 2 Brotlaibe und 1 Huhn zu Weihnachten, in der Fasten eine Henne, und zu Ostern 20 Eier; dem Amtmanne 1 Maß Weiz, 1 Maß Hafer, 1 Denar, und für Amtmannsrecht (jure judicial!) 2 Brotlaibe, 2 Hühner, 1 Gorz Hafer, und dem Richter (Praeco) i Gorz Weiz; — in den windifchen Büheln gaben beinahe 100 Rück-sässige jeder 1 Stechschwein; — um Wilöon zahlten 4 Gehöfte (Praedium) jedes ein halbes Talent Denare; — zu Tillmitsch bei Leibnitz 2 Vierling Weiz, 3 Vierling Korn, 4 '/2 Vierling Hafer, _________ 13 * *) Lambacher, Interregnum. Anhang, p. 44 — 46: „eximentes »1- omm jure civili, pensione sive Stcura qualibet, et aliis servitiis, quae cives am in Judenburg facere consueverunt.44 Admonter Saalbuch, III. p. 318 — 319: „ab omni exactione et requisition« Steurae vel Servitiorum, aut quorumcumque onevuin, qui vel in utilitatein vel neeessitatem.“ — l Schwein oder 40 Denare; — zu Zettlach in der Pfarre Weitz-6erg 3'/- Vierling Weiz, 2 Maßt Hülsenfrüchte, 1 Schwein oder 20 Denare, 1 Lamm oder 5 Denare, und 7 Denare als Werk-Pfennige und Dienstpfennige; — zu Unterbiet im Oberennsthale 1 Metzen Weiz, 2 Metzen Korn, 4 Metzen Hafer, 1 Schwein oder 40 Denare. — Zwei Höfe (Curiae) unterhalb des Schlosses Leoben zahlten 18 Marken; — ein Meierhof im Ennsthale (Curia villicalis) 2 Schweine oder 1 Mark; — ein Hof zu As-fach (Oussach) im Ennsthale (quidquid in curia ibidem est) 3 Metzen Roggen, 37 Metzen Hafer, 7 Schweine. Von den Gütern, welche nach Mansus genannt waren, leistete ein Mansus in Pickern 1 Metzen Weiz, 2 Metzen Roggen, 3 Metzen Hafer, 1 Schwein oder 20 Denare; — im Amte Marburg zu Goldarn 8 Maßt Weiz, 'U Metzen Hafer, 1 Schwein oder 12 Denare, 1 Lamm oder 5 Denare; — im Amte Grätz 2 '/-Metzen 4 Maßt Weiz, '/- Metzen Roggen, 1 Schwein oder 30 Denare, 1 Maßt Mohn, 1 Maßt Bohnen, 13 Krüge Bergrecht; — in der Söding '/- Metzen Korn, Metzen Weiz, 1 Schwein 40 Denare in Werth, 1 Metzen Hafer, '/- Gorz Bohnen; — im Geisfelde 60 Denare für Honig, einem kleinen Metzen Weiz, '/-Gorz Bohnen, 1 Lamm oder 5 Denare. — Eine Stifthube zu Stra-den gab 1 Metzen Weiz, 1 Metzen Hafer, 1 Schwein oder 20 Denare, 1 Gorz Bohnen, 1 Gorz Mohn; — zu Ceding '/»Metzen Weiz, 1 Metzen Korn, 1 Schwein oder 40 Denare, 1 Gorz Bohnen, 1 Metzen Hafer; — eine Waldhube (Praedium, quod dicitur Walthuba) zu Uebelbach 2 Vierling Weizen, 3 Vierling Roggen, 4*/2 Vierling Hafer, 1 Schwein oder 40 Denare, i/4 (Quartale) Bohnen. Eine Hofstätte (area) gab zwischen 25 — 36 Denarien, und ein Ncubruch (Noraie) 12 Denare. Eine Schwaige mußte über 1000 Käse liefern. Die Abgaben von landesherrlichen Mühlen waren verschieden: eine Mühle zu Feldbach gab 10 Vierling Korn und 12 Denare Stadtrecht; — zu Fehring 2 Mühlen jede 24 Denare und Eine 12 Denare, 3 Weisate, jedes ju 36 Denare, und ein anderes zu 18 Denare, und dann noch jede Mühle 12 Brotlaibe, 40 Eier, 6 Käse und 6 Hühner; — beim Schlosse Neuhaus im Oberennsthale 5 Metzen Korn, 2 Schweine oder V« Mark Denare. Umständlicher und zuverlässiger finden sich die jährlichen Leistungen verschiedener steirischer Ansitze und Gehöfte tin ältesten aö-montischen Urbarbuche folgender Maßen bezeichnet *). Von admontischen Gütern im Walde bei (zu) St. Gallen (Bona Admontensia in Sylva ad S. Gallum) gaben: die Wittwk am Ufer jenseits Laimbach (Vidua trans Leimpach ripam) 20 Denare Zins, 40 Denare Steuer, 100 Denare Weinpfcnnig; — der Kalkbrenner (calcifex) 5 Denare Zins, 5 Denare Steuer, 5 Denare Weinpfennig; — der Bäcker (Pistor) 20 Denare Zins, 30 Denare Steuer, 50 Denare Weinpfennig; — der Mayr (Vil-Jicus in Leimpach) eine Mark Steuer, 4 Pfunde (Solides) weniger 10 Denare Weinpfennig. — In Reifnich (in Reifling) der Schiff-mann oder der Flößmeister (nauta) ein Talent Zins, ein Talent Steuer, 50 Weinpfennige. — Der Schwaiger aus dem Berg (in Monte Swaiger) eine Mark Steuer, 5 Pfunde Weinpfennig, einen Widder (arietem), einen Bock (hircum), 1 Schaff Schmer (sagiminis) und 600 Käse. — Die Mühle in Weissenbach ein Talent Zins, 40 Denare Steuer; im Oberhof 40 Denare Steuer, 4 Wein-ochfen, 100 Käse. — Im Markte St. Gallen (in foro 8. Galli) jede Stätte gibt 24 Denare Zins; der Hammer (malleus) io De-, nare Zins, 5 Denare Steuer, 10 Denare Wcinpfcnnig. — Der Meier in Lcimbach 7 Metzen Roggen, 7 Metzen Hafer, 1 Metzen Dohnen und 2 Gorz Mohn (Papaveris). — Seidmann 90 Käse, 60 Denare Steuer, 50 Denare Weinpfennig. — Rührenschops 130 Käse, 40 Denare Steuer, 50 Denare Weinpfennig. — In Eisenerz (in catmia ferri) die Hube 1000 Käse und 10 Mark Denare. Das Gericht ertrug 8 Marken, die Brückcnmauth 32 Marken, und der Holzzehcnt 150 Stämme und 1500 Br eter. — Aus dem Jagdbanne mußten 42 Maröerbälge geliefert werden. — Von den Gütern im Aömontthale (Praedium in valle Admontensi) Liebhard von Johnsbach 50 Käse, 30 Denare. — Chaisekker 200 Käse, 2 Ochsen. — Der Hof (curia) 300 Käse, 3 Ochsen. Otto Vink, 8 Wägen Kohlen, 2 Ochsen, 30 Denare. — Ruöil, 3 Tagwerke in der Woche, 2 Ochsen. — Der Hof in der Krumpvwe 1200 Käse, 12 Ochsen, 1 Souma Schmeer, 2 Stiere, und ist verpflichtet, einen Hund zu ernähren (canem nulrire debet). Der Hof Codex Praediorum Admontcnsium. C. fl. 578. im Ekke (in Ekke curia) 1100 Käse, 6 Ochsen, 1 Krug Schweinjett, 1 Jahr 2 Stiere, das andere Jahr nur einen Stier, mit der Verpflichtung, einen Hund zu nähren. — In Tresen der Hof (Curia in Trewen) 1900 Käse, 6 Ochsen, einen Krug Schweinsfett. — Der Hof im Oberhof 1000 Käse, 6 Ochsen, 60 Schäper Wolle, einen Krug Schweinsfett. — Der Grabenhof (Graben curia) 1200 Käse, 12 Ochsen, eine Soume Schwcinsfett, 2 Stiere, Verpflichtung, 2 Hunde zu nähren. — Ekkart am Anger 50 Denare, 2 Ochsen. — Hermann am Aigen, 30 Denare; — Gottfried in der Puchau 200 Bretter, einen Ochsen. — Die Hofflade Wolframs 15 Denare. — Haimo, der Fischer, 8 Denare. — Konrad, der Weber, 20 Denare. — Ortil, der Schmid, 10 Denare. — Gottschalk, der Drechsler, 25 Denare. — Berthold, der Zimmermann, 40 Denare. — Otto, der Schneider, 12 Pfennige. — Elblin, der Kalkbrenner, 12 Denare. — Der Hutmacher 10 Denare. Mehrere Hörige hatten zu leisten 1 Pferd mit Lenker oder Führer zum Schiffe (unum vectorem navis), wahrscheinlich zur Stromauswärtsfahrt auf dem Ennsflusse. Die Mühlen zahlten Mark, 2 Ochsen, 10 Denare und 5 Denare. — Im obern Dorfe Arnich (in superior Ernich) Maierhoviel 3 Metzen Getreide, 10 Gor; Hafer und (Humuli) 45 Denare und 5 Ochsen. — Vom ganzen Admont-thale betrugen die jährlichen Renten 27800 Käse, 24 Mark 19 Denare Gelddienst, 24 Metzen Roggen, 12 Metzen (Gorz) Hafer, wozu dann noch die Zehenten kommen, welche man zu 150 Metzen vom Admontthale und zu 16 Metzen vom Johnsbachcrthale berechnete. Der Jagdbann hatte 19 Marderbälge zu liefern. AdmoNtische Güter UN Zelzthale (Praedium in Zedeltz). Die Schwaige neben dem Eblinus 300 große Käse, 12 Weisoü Käse und Schweinfett. In dem Reut, 120 Käse und 12 Wcijod-käse. — Heinrich von 9 Stücken Hornvieh (de IX pecoribus) 300 große Käse, 12 Weisoökäse und 2 Ochsen. — Die Mühle 60 Denare, zu Ostern einen Schafsmagen (Bauch, ventrem agninum) und zu Weihnachten 2 große Brotlaibe. AdmoNtische Güter im Paltenthale (Praedium in valle Paltal). Stadhof (Stad curia) 30 Metzen Korn, 30 Metzen Hafer, 2 Metzen Hirs und Bohnen, 1 Metzen Mohn, 5 Schweine, 6 Hühner, 2 Gänse, 100 Eier, 55 Zechling Flachs, 3 Ochsen, Steuer 100 Denaricn. — Grießhof (Griez Curia) 45 Metzen Korn, 45 Metzen Hafer, 2 Metzen Hirs, 3 Metzen Bohnen, V« Metzen Mohn, 6 Hühner, 3 Gänse, 100 Eier, 6 Schweine, 35 Zechling Flachs, 24 Schäper Wolle, 6 Ochsen, Steuer eine Mark. Von der Schwaige 700 Käse, 1 Widder, 1 Bock. — Von 2 Huben zu St. Lorenzen gibt jede 2 Kllfen Salz (duas cuppas satis), 3 Ochsen, '/-'Mark Steuer. — Die Mühlen tin Dietmarsdorf 40 Denare und 30 Denare. — Der Zehcnthof in Trieben (Curia decimalis in Trieben) zur Weinfuhr 18 Ochsen. Aömontische Güter im Ennsthale (Praedium Admonten-sium apud Ensthal). Peringolt 300 Käse, 14 Denare, 1 Mark Steuer. — Hofmann 200 Käse, 10 Denare, 40 Denare Steuer. — Mühlbach 100 Käse, 5 Denare, 40 Denare Steuer. — Strammer 28 Denare und 10 Denare Steuer. — Mühlen 20 Denare und 10 Denare Steuer, 40 Denare, und 40 Denare Steuer. — Von den Maierhöfen zu Haus (curiae villicales apud Hous): Konrad Hous 5 Metzen Weiz, 30 Metzen Korn, 25 Metzen Hafer, 10 Metzen Gerste (oder Malz), 10 Gorz Humulus, 1 Metzen Hirs, 1 Metzen Bohnen, 2 Gorz Mohn, 6 Schweine, 9 Hühner, 3 Gänse, 300 Eier, 2 Pfunde (pondera) Flachs, 4 Gorz Rüben, 6 Schafe (Lämmer), 40 Weinpfennige, 3 Mark Steuer. — Gottfried Sundermaninge 3 Metzen Weiz, 32 Metzen Korn, 25 Metzen Hafer, 10 Metzen Gerste (oder Malz), 10 Gorz Humulus, 1 Metzen Hirs, 1 Metzen Bohnen, 2 Gorz Mohn, 4 Gorz Rüben, 6 Schweine, 9 Hühner, 3 Gänse, 300 Eier, 6 Lämmer, 2 Pfunde Flachs, 40 Wcinpfennigc, 3 Mark Steuer. — Der Hof in Swedlinge 12 Pfund und 1 halbes Talent Steuer; — Huben in Oeblarn, Perwinus 3 Metzen Roggen, 2 Metzen Hafer, 1 Metzen Bohnen, 1 Schwein, 10 Zechling Flachs, 20 Denare Steuer. — Die Schwaige ob Oeblarn 120 Käse. — Zu Jrdning die Schwaige in Grub 300 große Käse (caseos grosses). — In Luntscharn sind zwei Huben; jede derselben gibt 18 Metreten Roggen, 18 Hafer, 2 Schweine, 20 Hühner, 2 Lämmer, 30 Weinpfcnnige, 1 Talent Steuer und Tagwerke. — Eine Mühle in Lietzcn 1 Metzen Weizen, 1 Schwein, 20 Denare Steuer, und von einem Acker 30 Denare. Die admontischen Güter der Propstei an der Mur (Bona praeposita circa Muram). Polail, der ZehkNthof 3 MttztN Weiz, 37 Metzen Korn, 88 Metzen Hafer, 10 Metzen Malz, 10 Gorz Humulus, 2 Metzen Gerste, 1 Metzen Hirs, 1 Metzen Bohnen, 2 Gorz Mohn, 15 Hühner, 3 Gänse, 200 Eier, 12 Lämmer, 4 Schweine, 2 Marken Steuer, 13 Denare Stiftpfennige. — Zm Hintereck bei Mainhardsdorf, Berthold Hausmann Zins 2 00 5 Pfund Denare, 4 Hühner, 50 Eier, 2 Schafe, 10 große Brotlaibe, 12 Maß Humulus, 40 Denare Steuer. — Heinrich von der Mühle 100 Denare, 3 Metzen Wer;, 4 Vierling Roggen, 16 Vierling Mal;, 4 Metzen Humulus, 6 Hühner, 100 Eier, 6 Schäper Wolle, 20 Brotlaibe, 5 Zechling Flachs, 15 Denare und 60 Denare Steuer. — Die Reuter in Teuffenbach (Reuta-rii in Tiefenpach): Wille, 50 Denare, 1 Metzen Weiz, 3 Metzen Roggen, 4 Metzen Hafer. — Heinrich am Asange 20 Denare, Metzen Wei;, 1 Metzen Roggen, 2 Metzen Hafer. — An Aichdors sind 21 Huben, jede derselben gibt 5 Metzen Mal;, 5 Gor; Humulus, '/>- Metzen Weiz, 32 Denarien zur Heumad in Weng (ad secandum foenum in Wenge), d. i. im Schlöffe zu Zeiring. — Hof zu Obdach auf dem Bühel (Obdaci anterior curia in colle) 8 Metzen Weizen, 30 Metzen Korn, 30 Metzen Hafer, 10 Metzen Malz, 10 Gorz Humulus, 1 Metzen Hirs, 1 Metzen Bohnen, 2 Gorz Mohn, 200 Eier, 12 Hühner, 3 Gänse, 4 Schweine, 12 Schafe, 2 Metzen Gerste, 1 Talent Steuer, 16 Stistpfennige. — Die Reuter in Obdach (Remain in Obda-co): Janfo Ratsche, 5 Metzen Roggen, 5 Metzen Hafer, 52 Denare dem Amtmann (Official!), 8 Denare, Weinpfennige 14 Denare, 4 Hühner, 40 Eier, für Futter (pro pabulo) eine Metrette Hafer und 1 Denar, für Heumad (Madpfennig) 2 Denare und eine Mark Steuer. — Ainöü, der Hof 20 Me-tzen Weiz, 8Ö Metzen Roggen, 100 Metzen Hafer, 9 Schweine, 3 Marken Steuer, 2 Weinfuhren und Nachtlager (Pernoctationcs), 500 Eier, 16 Gänse, 6 Schäper Wolle, 40 Schafe, 20 Hühner, 1 Mark Stiftpfennig. — Die Schwaige daselbst (Swaiga) gibt 100 Käse. — Güter in Undring (Rona in vndi'inga): Stiftaer, 600 Käse, 4 Hühner, 40 Eier, 1 Lamm. — Der Hof des Märlinus 1000 Käse, 6 Hühner, 40 Eier, 2 Lämmer. — Güter auf dem Rottenmannertauern (Bona posita in monte Turo-ne). Der Hof in Wenge 1400 Käse, 3 Böcke, 3 Widder, 1 Talent Steuer, 1 Schaff Schweinssett. — Eberlin 1 Talent Zins, 1 Schwein, 30 Eier, 2 Hühner, 2 Schaff Schweinssett, 1 Lamm, 1 Mark Steuer. — Rudlin in der Puls, 1 Mark und 40 Denare Steuer, 100 Käse, 2 Hühner, 1 Lamm. — Güterverwaltung an der Ließnich (Officium Admontensium circa Liesnich). Mautarn, der Maier (Villicus) 5 Metzen Weiz, 25 Metzen Roggen, 30 Metzen Hafer, 2 Metzen Hirs und Bohnen, 2 Gorz Mohn, 15 Hühner, 3 Gänse, 250 Eier, 6 Schweine, Struct eine Mark, 24 Denare Stiffening. — Hof in Kammern 20 Metzen Weiz, 35 Metzen Roggen, 35 Metzen Hafer, 20 Metzen Malz, 20 Gorz Humulus, 9 Gorz Hirs, 9 Gorz Bohnen, ‘/2 Metzen Mohn, 20 Hühner, 6 Gänse, 300 Eier, 8 Lämmer, 6 Schweine, 2 Mark Steuer, 1 Mark Stiftpfennig. — Zu Tümersdorf eine Hube 2 Gorz Weizen, 5 Metzen Malz, 5 Gor; Humulus, 6 Hühner, 1 Schwein, 6 Brotlaibe, % Mark Steuer, 3 Denare Stiftpfennig. — Hof im Mürzthal (Curia in Muertz) 4 Metzen Weiz altes Kinübcrgermaß, 6 Metzen Roggen, 9 Metzen Hafer, 3 Metreten Bohnen, 2 Metreten Mohn, 30 Hühner, 7 Gänse, 15 Lämmer, 5 Schweine, 2 Weinfuhren, 2 Nachtlager, 2 Marken Steuer. Admontische Güter in der Mark (Bona in Marchia). Zu Mukkcrnau (Sausal) sind bei der Kirche 4 Höfe, deren jeder gibt: 2 Metzen Weiz, 2 Metzen Roggen, 6 Metzen Hafer, 3 Gor; Haiden, 2 Gorz Bohnen, 1 Gorz Mohn, 9 Hühner, 100 Eier, 2 Schweine. — Daselbst sind 28 Huben, deren jede gibt: 8 Krü-ge (umas) Wein, zu Weihnachten 2 Hühner, zu Ostern 20 Eier, zur Weinlese 1 Gorz Hafer und ein Zehenthuhn. — Zu Hart (Harde): Hermann 14 Urnen Wein, 14 Hühner und 8 Denare zu Weihnachten, in der Fasten 2 Hühner, zu Ostern 20 Eier. — Zu Mirgeistorf: Heinrich 25 Denare, 1 Metzen Weiz, 1 Schwein, als Weifod 4 Brotlaibe und 2 Hühner, zu Weihnachten 2 Hühner, 1 Zechling Flachs, 8 Denare, in der Fasten 1 Huhn, V4 Roggen, */4 Hafer, 10 Eier, 3 Madpfcnnige. — Zu Völgitsch (Vel-keis); Heinrich 20 Denare, 1 Schwein, 1 Vierling Weiz, 5 Hühner, 2 Brotlaibe, 1 Zechling Flachs, 8 Denare, V4 Roggen, V* Hafer, 10 Eier, 3 Madpfcnnige. — Zu Furt: Albert am Orte 40 Denare, 2 Hühner um Weihnachten, 20 Eier um Ostern, 5 Käse, 1 FlachSzechling. — Zu Dorfstadt: Konrad 12 Denare, 3 Käse, 10 Eier, 2 Hühner, 1 Haarzechling. — Zu Glanitz: Georg 40 Denare, 1 Schwein, 5 Käse, 2 Hühner, 20 Eier, 1 Flachszechling. — Zu Lasselsdorf (Latzleistorf): Gerbot 40 Denare, 6 Käse, 2 Hühner, 20 Eier, 1 Haarzechling. — Zu Freilant: Ulrich auf der Eben (in plano) 50 Denare, 3 Käse, 20 Eier, 2 Hühner, 1 Haarzechling. — Zu Unterlengenbach: Friedrich 40 Denare, 4 Käse, zu Pfingsten und Weihnachten 3 Hühner, 2 Haarzechling. — Zu Unterolsnitz (Olsentz): Hirzman 40 Denare, 4 Brotlaibe, 4 Hühner, 30 Eier. — Zu Palöungs-dorf: Gerold von einem Hose 35 Denare, 20 Eier, 2 Brot- laibe, 3 Hühner. — Zu Dietrichsöorf: Dietmar von 2 Huben 5 Pfunde Denare, 1 Vierling Weiz, 40 Eier, 2 Hühner, 2 Fuder Heu. — Zu Großsulz: Christian, 1 Mark Denare, 1 Huhn, 20 Eier. — Zu Stübing: Hermann und Heinrich, vom Hofe 4 Metzen Weiz, 6 Metzen Roggen, 10 Metzen Hafer, 1 Metzen Haiden, 12 Hühner, 6 Schweine. — Zu Feistritz: Dietmar von einer Hube 3 Metzen Weiz, 3 Metzen Roggen, 4 Metzen Hafer, 7, Metzen Haiden, 5 Hühner, 1 Schwein. — In der Stübing auf dem Berge: Mainhardt von einer Hube Mark Denare, 3 Hühner, 30 Eier. — In Werd: Permann 1 Metzen Weiz, 4 Metzen Hafer, 1 Schwein, 4 Hühner, 6 Denare. — Zu Zetlarn: Petrus von einer Hube 75 Denare, 4 Brotlaibe, zu Martini 2 Hühner, zu Weihnachten 2 Hühner, in der Fasten 1 Huhn und 30 Eier. — Zu Ladeistorf: Kunzil von einer Hube 15 Denare, 3 Vierling Weiz, 2 Brotlaibe, 2 Hühner, zu Weihnachten 1 Huhn, 20 Eier und 1 Fuder Heu. — Zu Wcgrain (Wechrain): Friedrich von einer Hube 1 Mark Denare, 10 Hühner, 20 Eier. — Zu Leutzlinstorf: Romär von einer Hube 66 Denare, 1 Vierling Hafer. — Zu Abstorf, 10 Huben, jede gibt 40 Denare, 3 Hühner, 20 Eier, 3 Haarzechling, 4 Brotlaibe, 2 Käse. — Zu Unterjaring (Jaeringe inferior) sind 22 Huben, deren jede gibt 22 Urnen Wein und 2 Hühner. — In Puchel, sind 8 Huben; jede gibt 1 Metzen Weiz, 1 Metzen Hafer, 14 Denare, 1 Gorz Bohnen, 1 Gor; Mohn, 3 Zechling Flachs, 4 Brotlaibe, 2 Hühner, 10 Eier, 10 Urnen Wein. — Zu Leibnitz (Leibentz): Heinrich 30 Denare, 30 Eier, 2 Hühner. — Zu Webling: Leuthold beim Deiche (circa piscinam) von einer Hube 8 Urnen Wein, 1 Huhn, 1 Haarzechling. — Richer vom Hofe 2 Metzen Weiz, 6 Metzen Roggen, 5 Metzen Hafer, 3 Gorz Haiden, 3 Gorz Bohnen oder Erbsen, 1 Gorz Mohn, 3 Schweine, 9 Hühner, 1 Gaus, 150 Eier, 1 Zechling Flachs. — Straßgang in der Pfarre, ein Lehen gibt 40 Denare. — Zu Hard: Heinrich Buselär von einer Hube 7 Urnen Wein, 1 Huhn. — Zu Krotenöorf: Heinrich Gallus 8 Urnen Wein, 1 Huhn, 1 Haarzechling. — Zu Wetzclsdorf: Herrand, 8 Urnen Wein, 1 Huhn, 1 Flachszechling. — Zu Hofstetten: Ortil von einer Hube 30 Denare, 2 Hühner, 20 Eier. — Zu Rudersdorf (Rutharsdorf) sind 2 Huben, deren jede gibt 1 Metzen Weizen, 1 Metzen Roggen, 3 Hühner, 2 Brotlaibe, 20 Eier, 30 Denare. — Zu St. Peter in Tepsau: der Supan Malko von 3 Huben und einem Weingarten 17 Urnen (Redeimer) Wein, 5 Gorz Hafer, 5 ungesäuerte Brotlaibe (panes azymos), 5 Hühner, und Bergrecht 9 Urnen (Wassereimer) Wein. — Zuebe von 2 Huben und einem Weingarten 15 Urnen Redeirner, 4 Gorz Hafer, 4 Hühner, 8 ungesäuerte Brotlaibe. Jede dieser Huben zahlt jährlich dem Amtmann 4 Denare, weil er dort kein Essen nimmt (quod ibidem non recipit pastum). — Zu Wielitsch (in Wielantsch) der Supan daselbst gibt von 2 Huben, 1 Mark Denare. — In Rcufnitz der Supan von einer Hube gibt 75 Denare. Fast von allen Gegenden der Steiermark, wo das Stift Admont seine Hörigen besaß, sind hier einige derselben, auf Zchent-höfcn, größeren Gütern, kleineren Huben, und Ansitzen Rücksässige mit ihren Leistungen angeführt worden. Man ersieht daraus, daß bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts aus allen Gütern in Steiermark theils Geld-, theils Naturaldicnste, und selten nur er-stere allein hafteten; und daß der Gelddienst entweder Zins oder Steuer, oder Ablösung anderer Pssichtigkeiten betrossen habe. Endlich finden wir in diesem ältesten admontischen Urbarbuche von Gütern im Sausale die Andeutung, daß einige derselben den Gelddienst nach altem Zins, andere dagegen nach neuem Zins hatten entrichten müssen. (Heinricus de una huba de novo cen-s u novem urn as vini; — Li n tram de duabus hubis de v e-teri censu sex urnas vini.) — Wir denken NUN aus den spa-tern Urbarien des fünfzehnten Jahrhunderts gleiche Aushebung zu machen, um die seit dem dreizehnten Jahrhunderte allfällig bei denselben Gütern in Bezug auf ihre Herrenlcistungen vorgegangenen Veränderungen ersichtlich zu machen und dadurch auch einige Hindeutungen auf Erhöhung oder auf Verschlimmerung der Lanöwirth-schaft in Steiermark zu geben. — Eben dieses Alles läßt sich auch aus den Saalbüchern der Stifte Seckau und Rein Nachweisen. Die celtisch-germanischen Geleit- und Genossenschaften. — Ausbildung des mittelalterlichen Lehen- und Venefi-zienwescns zu Kriegs- und Hofdiensten. (Vasallen und Ministerialen). Der Heerbann. Wir haben schon im ersten Theile dieser Geschichte die Grundzüge der Wehrverfassung der celtisch - germanischen Völkerschaften angeöeutet. — Wenn einem oder mehreren zu einem Staate verbundenen celtisch-germanischen Volksstämmen Gefahr von Außen her drohte, so wurden nach Erforderniß der Umstände entweder die freien, allein nur waffenberechtigten Männer einiger Gegenden, oder alle freien Wehren des gefammten Landes unter Waffen zu gehen aufgemahnt. Dieses Aufrufen hieß bannen (mannire), der Aufruf hieß der Bann (Manitio), und er hatte allein nur das Wesen des freien Standes und der Saalenbesitzer und die damit unzertrennliche Mannesehre (Honor, Existimatio des Tazitus) zum Grunde. Bei geringen Veranlassungen ließ der Gaugraf, bei wichtigen jedoch ein Herzog oder ein königliches Haupt diesen Aufruf (Evocatio) ergehen; dessen Aufgebot dann vorzugsweise ein Heerbann (Heribannus) genannt worden ist. Zog eine solche bewaffnete Einigung, eine Wehrmannie oder Germannie (Germania, Armata pagorum societas) zu gemeinsamer Vertheiöl'gung oder Eroberung zu Felde, so mußte jeder freie Waffcngefährte oder Wehre für Waffen und Unterhalt selbst sorgen. Waren aber sehr oft, dem kräftigen Geiste eines Naturvolkes gemäß, solche bewaffnete Einigungen von selbst aus Abenteuer und zur Theilnahme an auswärtigen Fehden ausgezogen, so hatten sie sich an einen mäch^ tigen fürstlichen Führer (Dux) zu einer Genossenschaft (Comita tus, Clientela) als Theilnchmer (Comites, Solidurii) angeschlosscn. Dieser fürstliche Anführer sorgte dann für den Unterhalt Aller; die errungene Beute (selbst die eroberten Ländereien) wurde unter Alle gleichmäßig vertheilt, jedoch mit besonderer Bedachtnahme auf den Heerführer. Für alle solche Woffenverbrüderungen war strenger Gehorsam und eine, selbst bis zum Tode sich aufopfernde Anhänglichkeit an den Führer der alleinige Geist und das Hauptgesetz; Gewinn dafür waren Antheile an den eroberten Ländereien, stattliche Streitrosse, schöne Waffen, Theilnahme an der fröhlichen Tafelrunde des Heerführers u. dgl. Jedoch nur mit Dorwissen und Zustimmung eines ganzen Bolksstainmes oder Staates (einer Civitas) dursten von einzelnen Fürstenhäuptern und Mächtigen solche Germannien gebildet und zu Abenteuern geführt werden. Der nationale Kriegsgeist aber, der sonst bei dem vorherrschend land-wirthschaftlichen Leben der meisten gemeinfreien Männer zu bald erloschen wäre, machte, daß dergleichen Wehrmannien immer in Bewegung waren und nie aufhörten l). Das Wesen, die Verhältnisse und der stets nach Krieg und Beute rege Geist der celtisch-germanischen Wehrmannien enthielten schon für die ältesten Zeiten die Grundlage und den Anbeginn, ja selbst die ersten Fortschritte der Vasallen und Vasallenschaft, und der später vollendet ausgcbildeten Feuöal-Verfassung, des Lehen- und Benefizieniveseiis. In Frieöenszeit vermochten cs selbst die Fürsten und reichen Saalherren nicht, ihre Geleitschaften und Wehrmannien auf längere Zeit beisammen und um sich her durch gewöhnliche Geschenke festzuhalten. Und dennoch machten günstige Gelegenheiten des Augenblicks zu Thaten und Beute, die Blutrache, die Familiensehden und selbst eigene Vcrtheidigungcn wie der eingebvrne Durst nach Abenteuern und Beuteruhm die rüstige Bereitschaft derselben nothwendig. Dem gemeinfreien Wehren, auf väterlicher Feldmark dem landwirthlichen Leben gewidmet und durch zu viele und in zu entfernte Gegenden gehenden Heerzüge zu sehr und zu lange von den Geschäften seines Lebens, des Feldbaues, abgehaltcn, mußten solche Wehrmannien im Laufe der Zeit beschwerlich fallen. Ohnehin hatten die mächtigen Saalherren zahlreiche Allodialgehöfte anderen ärmeren und eigenthumslosen Freien zum lebenslänglichen Besitze und zur wirthlichen Pstege derselben gegen jährliche Zinse von den Boöenerträgnissen und gegen andere Leistungen übergeben. Es war demnach frühzeitig der natürliche Gang der Dinge, daß königliche und fürstliche Saalherren, adelige und gemeinfreie reiche Grund- und Bodenbesitzer, theils um dem eigenen Hang nach Kriegsthaten und Beute Raum zu geben, theils um stets treuanhängliche Wehrmannien bereit zu haben, von nun an einigen freien Wehren, die sich darum bewarben, eigcnthümliche Saalgehöfte (als Beneficia un6,Feuda) zum lebenslänglichen Rücksitze und Genüsse überließen, dieselben dagegen zu beständigen Kriegsdiensten nach Gefallen und Gebot verpflichteten. Uralt ist demnach auch schon dieser Fortschritt der Geleitschaften und Wehr-mannicn auf steten Kriegsdienst für den lebenslänglichen Besitz von allodialen Ländereien. Aus solchen Wehrmannien beruhten größtentheils alle Eroberungen der austrasischen Franken über Baioarien und bis an die Gränzen von Pannonien herein. Für die ersten drei Jahrhunderte des Mittelalters läßt sich im Einzelnen aus Urkunden freilich nicht mehr Nachweisen, wie es die austrasischen Franken hierin bei jenen Eroberungen gehalten hatten. Die Fortdauer von rel-tisch- germanischen Urbewohnern und von Römern, und zwar groß- tentheils in unbeirrtem Besitze ihrer altväterlichen Feldmarken dauerte unwidersprcchlich fort. Die austrasischen Frankenkönige erschienen aber, vorzüglich durch ihre baioarischen Herzoge, frühzeitig schon in ungemein reichem Besitze an Ländereien in allen Gegenden der Salza, Enns, Mur, Drave und Save. Mit Recht schließt man daraus, daß alle derlei Landtheile aus der römischen und vst-gothischen Zeit als Krondomänen an den fränkisch - austrasischen Fiskus gekommen sind und neben den, nach so vielen Wanderungen und Zerstörungen durch die germanisch-slovenischen Barbarenhor-den herrenlos gewordenen Landstreckcn, den reichen Schatz für unzählige Allode und Lehengehöfte an Adel und Kirche gestaltet haben. Im altbajuvarischen Gesetze erscheint daher das Lehen - und Benesizienwesen, sowohl bei den Laien als bei der Kirche, festgc-gründet und ausgebreitet (Vassi Regis, Ducis; Defensores Eccle-siae per benelida). Selbst schon Erblichkeit der Lehengüter in Familien ist in jenen Gesetzen verbürgt durch die Anordnung, daß Lehengüter eines Mannes, der im Dienste des Herrn sein Leben gelassen habe, seinen Erben gelassen werden sollen '). Dem Geiste eines barbarischen Bolkes gemäß haben die Slovenen bei ihrer Einwanderung und Ausbreitung in den Ländern zwischen der Mur und Save nicht nur alle herrenlosen und römisch-gothischen Do-mäncnlandstriche als Eigenthum in Besitz genommen, sondern auch noch durch die Vertilgung zahlreicher celtisch-germanischer Urbewohner deren Gehöfte sich zu eigen gemacht. Bei der eben erklärten celtisch-germanischen Urvcrjassung aber geschah es hinwiederum auch, daß die austrasischen Baioarier bei ihren Kämpfen mit den Slovenen an der Drave, Save, Mur und Raab, alles Land, so sie erobert und herrenlos getroffen haben, oder welches damals herrenlos geworden war, theils den freien Genossen ihrer Wehr-mannien und Geleitschaften zugetheilt, theils als Krondomänen und als Kammergut der baioarischen Herzoge und austrasischen Frankenkönige erklärt und behandelt haben. Auf gleiche Weise wurden alle Landtheile an der Save, Drave, Raab und Mur behandelt, welche bei der Eroberung und Verbreitung durch K. Karl den Großen die Hunnaoaren allfällig noch in Besitz gehabt haben mochten. So ward nun dann, wie überall rund umher, in der ganzen Steiermark das im Wesen der celtisch-germanischen Urbewohner schon l) Lex Bajuvar. J>. 255. 367 — 368. 371.e gegründete fränkisch - austrasische Allodial- und Lehenwescn, und mit diesem auch die Grundlage des Geburtsadels nach verschiedenen Abstufungen und Vorrechten mehr und mehr befestiget und, wie im übrigen germanischen Frankenreiche, zur vollsten Ausbildung gebracht. Die Ansiedelung so vieler fränkisch-austrasischcn Wehrmänner aus edeln und gemeinfreicn Familien auf steiermärkischem Boden, tue Gründung und Bereicherung der Kirche, der Hochstifte Salzburg, Aquileja, Bamberg und Freisingcn mit steiermärkischen Saatgütern lheils durch die baivarischcn Herzoge und, seit K. Karl dem Großen, durch alle germanischen Kaiser und Könige, sind, so wie die natürlichen Folgen gewesen, auch die unwiderleglichen Beweise für diesen Gang der Begebnisse in unzähligen Urkunden vom achten bis in das zwölfte Jahrhundert. Die umständlichere Ausbildung des Lehenwesens, sowohl für Dienste des Krieges als auch für Verpflichtungen im Frieden und im innern Staatslcbcn, hat im Allgemeinen folgenden Gang genommen. Am Hose der Könige hatte sich die altgermanische Wer-mannie oder Geleitschaft der Waffengefährten am vorzüglichsten und frühesten ausgebildet und befestigt. Der Hof der ältern me-rowingischen Könige, insonderheit der Hof K- Karls des Großen, wurde hierin Vorbild und Muster für alle andern fürstlichen und reichen Saalherren. Stets im Hoflager und um den König, gleich einer stehenden Leibwache oder Garde, war die Wehrmannie der Auserwählten (Comitatus; die Schar vorzugsweise genannt, Scara; Scaritae; Comites), ältere und jüngere Skariten, die Leib- und Pallast-Wache des Königs (Pueri Regis, Domestici, Vasalli vorzugsweise; in palatio militantes; intra casam ser-vientes 3 Palatini comites, Palatini, Ostiarii, Vassi regii, Vassi domestici). Sie erhielten vom Könige Alles, Kleidung, Waffen, Pferde, Unterhalt. Knaben schon wurden in diese königliche Geleitschaft aufgenommen und unter des Königs Augen im Waffendienste unterrichtet. Solchen Skariten ward die Huth königlicher Pfalzen und Schlösser anoertraut; die Bewährteren wurden als Verwalter, Markgrafen, als königliche Landcskommissarien (Missi regii) in die Provinzen gesendet und ihre treuen Dienste mit ansehnlichen Lehengütern belohnt. Dazu kamen auch noch Friedens-ämtcr, Ehren- und Hosdienste, welche die Skariten nach und nach auch mit anderen, an edler Abkunft und an Reichthum ausgezeichneten Männern theilten. Sie wurden Pfalzgrasen, Pfalzgrafen- sscllvertreter (Comites Palatii), königliche Hofrichter, Aufseher der königlichen Höfe, Hofmarken, Waldungen und Kammergcfälle von allen Domänen (welche alle einem besondern Vorsteher am Hofe selbst, Provisor, Domesticus, villarum regiarum, saltuum, untergeordnet waren), und um die Person des Königs unmittelbar als Marschälle, Kämmerer, Truchseße, Mundschenken, Jägermeister, Forstmeister, Falkenmeister u. s. w- (Mareschalli, Cubicularii, Ca-merarii, Comites Stabuli, Buticularii, Dapiferi, Pincernae, Ar-cbipincernarii, Mansionarii, Yenatores, Fores tarii, Falconarii, Bursarii, Vestiarii, Beverarii, Sacellarii, Scapoardi '); alle einem Oberhaupte, dem königlichen Hausmeier (Dux et Procurator, Major Domus, Seneschallcus domcsiicus) untergcstellt. Hierzu füllt aber auch noch, daß nach und nach der gesammte 'Adel (vorzüglich tun durch Vasallenschaft Würden, Ehren, polnischen Einfluß zu erlangen und zu erhöhen) in die Dienste des Königs (Viri Begis. Leudes) getreten war und hierdurch sowohl den engen Kreis der früheren Hofwehrmannien ungemein erweitert, sich selbst aber in den Genuß ungemein vieler Lehengüter gesetzt hatte. Dieses Vorbild und Beispiel ahmten bald auch die fürstlichen Saalherren, die edleren und reich begüterten Geschlechter der Freien, endlich auch die Erzbischöfe, Bischöfe und Aebte bei ihren Kirchen-domänen nach. So bildeten sich die baioarischen Herzoge, die Herzoge in Karantanien, die Markgrafen in der Ostmark, die Markgrafen an der EnnS und Raab, wie an der Drave, Saan und Save, oder in der untern und ober» Karantancrmark, viele Grafen und hervorragende Edelgcfchlechter, die Erzbischöfe von Salzburg, die Aglajerpatriarchen u. s. w. an ihren Höfen und um ihre Personen selbst Scharen von Hauskriegern und von Dienstleuten zu Heerbanns- und zu Haus- und Hofämtern verpflichtet. Saalgüter und Saalgefälle wurden anfänglich vorzüglich als Lohn und Sold für Kriegsdienste zu lebenslänglichem Baue und Genüsse gegeben (Beneficia dare beneficiario, usu fructuario, nach der Erblichkeit derselben gewöhnlich nur Feuda genannt). Der größte Theil solcher Vasallen oder Lrhensträger (Bene- ficiati, Infeodati, Vasalli, Vassi, Milites aliorum) hatte die Pflicht doppelten Kriegsdienstes, als treuer Staatsbürger für den Staat, und als Vasall seines Lehensherrn (Senior) in all dessen Privat- i) Capital. Caroli M. De Disciplina Palutii. Pez, III. 158 — 159. fehden. Dieses Vasallcnvcrhältniß drückte jedoch den freien Mann in seiner Standesehre nicht herab; wenn er nur Vasall eines Hähern, nicht Seinesgleichen geworden war und zugleich auch auf seinem eigenen Saalgute den Rücksitz behielt. Je hoher der Lehensherr, König, Herzog, Markgraf, desto angesehener war auch der Vasall. Durch K. Karl den Großen, durch den fortwährenden Kriegsgeist in so vielen innern und äußern Erschütterungen des fränkischen und germanischen Reiches wurde dieses Lehensverhältniß aus Kriegsdienst so ausgebildct und vollendet, daß jeder Herzog, Markgraf, Graf, reiche Saalherr, Erzbischof, Bischof, Abt u. s. w. die eigenen Vasallen oder lehcngebundenen Krieger, größtenthcils Reiter, hatte, welche sich nach und nach zu einem besondern Ehren-stanüe nach Rangordnung der Leitenden und Streitenden, der Herzoge, Grasen, Dynasten, der adeligen Reiter und ihrer Mitgenoffen, der ärmeren Edelgebornen und der Freigebornen (ingenui) emporgrbildet hatten. Bei der Pflicht, das Lehcngut treulich zu halten und redlich zu benützen '), war der Besitz desselben, ohne beliebige Aufkündigung oder Aufsendung, gewöhnlich lebenslänglich. Mit des Vasallen Tode stel das Lehengut dem Saalherrn (Proprietarius, Dominus beneficii) wieder heim; und es stand in dessen Belieben, dasselbe dem Sohne des vorigen Vasallen zu belassen oder nicht. Jedoch Gründe der Billigkeit, große und vieljährige Verdienste des Vasallen, treue Anhänglichkeit bewährter Familien, Ansehen derselben in Volksgenossenschasten des Gaues, redliche Bewirthschaf-tung der Lehengüter, ruhigeres Vertrauen der Saalhcrren auf Söhne erprobter Lehensträger u. dgl. in. bewirkten bald fortgehen-öen Besitz und die Erblichkeit der Lehengüter in denselben Familien. Die ersten Spuren davon haben wir schon im altbajuoari-schen Gesetze gefunden; die Lehenerblichkeit vollendete K. Konrad n. auf dem Reichstage zu Aachen I. 1028 als allgemeines Gesetz *). Von dieser frühzeitigen Erblichkeit der lanüesfürstlichen und der Reichslehen in Steiermark — selbst bei bloßen Prioatlehensträgern Perz. III. 144. in Capitulo Niumag. Nr. 7. 2) K. Richard ertheilte dem K. Ottokar von Böhmen die Länder Böhmen, Mähren, Oesterreich, Kram und Kärnten als Reichsfahnenlehen mt i^o-. Lambacher, Interregnum. Anhang, p. 42. Gesetz. d. Steiermark — n. Se. 14 — geben die einheimischen Urkunden zahlreiche Belege '). Die großen Reichsfahnenlehen jedoch durften niemals ohne Einwilligung der Churfürsten des Reiches vergeben werden, ebenso wie die hoch-stistlichen Lehengüter nur mit Einwilligung der Kapitel von den Erzbischöfen und Bischöfen vergeben werden durften 2). Kaiser Rudolph I. erließ aber auch noch, 19. November 1279, von Nürnberg die Anordnung, daß jeder Vasall, der sein Lehen binnen Jahr und Tag nicht muthet, desselben verlustig seyn solle. Neben diesem Kriegerstande der Vasallen (Ritter, Reiter, Millies) begründete sich aber auch noch, theils gleichzeitig theils später, ein anderer Stand von Dienstleuten oder Ministerialen. Man ertheilte Adeligen und Freien Saalgüter und Saalrenten als Lehen, gegen die Pflicht von Ehrenämtern und Hosdiensten (Mini-steria aulica) um die Person des Lehenherrn oder auf ihren Hofmarken. Ja selbst auch schon die Heerbannsmänner wurden oft in einem befondern Vertrage eidlich verpflichtet, dergleichen Ehren und Hofdienste zu leisten, wenn sie der Saalherr dazu auffordern sollte. Der Erste war dann ein Dienstmann, ein Ministerial im strengsten Sinne, der zweite blieb immer vorzugsweise ein Vasall, ein Heerbannslehenmann (Miles ministerialist Homo exercitalis). So erschienen denn auch frühzeitig schon an den Höfen, auf Hofmarken und Saatgütern der Herzoge, Markgrafen, Dynasten, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte u. s. w. in Hof- und Ehrenämtern Mundschenken, Truchsesse, Kämmerer, Marschälle, Stallmeister, Küchenmeister, Kellermeister, Jäger, Falkner, Vögte, Pröpste, Richter, Verwalter, Wirthschaster u. s. w. — Das altbajuvarische Gesetz 3) und unzählige einheimische Urkunden geben hinlängliche Beweise dafür. z) Eia Gut bei Hartbcrg spendete Markgraf Leopold der Stätte dem Stifte Rein I. 1129, dann aber erst von diesem in Besitz zu nehmen, wenn der Ministerial Rüdiger kinderlos würde abgestorben seytt. Rach dem plötzlicher! Ende Herzogs Friedrich des Streitbaren zog der Erzbischof Philipp von Salzburg, I. 1246, alle seine hochstistlichen Lehen heim, weil der Herzog kinderlos gestorben war: nullo ex eo legitimo berede superstite, qui Suc-cedere in feuduin debeat, remanente. Lambacher, Interregnum. Anhang» p. 18 — 19. — Die Herzogin Gertrud von Oesterreich ertheilt ihre Lehengüter dem Seifried von Mährenberg mit voller Gewalt, auch in Erbweift darüber zu verfügen. Dipl. Styr. II. 323. — Alle hochstiftisch Freisingi-schen Lehen gelangten an die Söhne K. Rudolphs I. mit dem wörtlichen Beisatze des Vererbungsrechtes auf alle männlichen Nachkommen. Lambacher, Interregnum. Anhang, p» 103. *) Lambacher, Interregnum, 122 und 194 - 196. Anhang. 3) Lex Bajuvar. p. 267 — 268. — Kurz, Militärverfassung, p. 65 — 71. Diese beiden Hauptoerhältnisse des Lehcnwescns erscheinen in der Steiermark auf allen Allodiälgätcrn des Landesregenten wie der weltlichen und geistlichen reicheren Saalherren vollständig aus-gebildet und festgcgrünöet. Ohne die Dienstleute, welche durch die Beerbung der Grafen von Lambach und Wels und jener nach dem Abgang der Grafen von Neuburg, Putten und Formbach in dies Verhältniß getreten waren, und ohne alle Andern im Lande ob- und unter der Enns zu erwähnen, fuhren wir hier die steiermärkischen Ministerialen der traungauischen Landesmarkgrafen und der babenbergifchen Herzoge von Steter an l). In admontischen Urkunden und Saalbüchern erscheinen zahlreiche Ministerialen der steiermärkischen Landesregenten, welche wir hier mit den von denselben getragenen Lehengütern namentlich ansühren, und zwar größtentheils aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts: Gerung von Winklarn mit Lehen zu Jrdning, — Pabo von Chinowe mit Lehen zu Mitterberg, — Bernhard von Stutarn mit Lehen am Zaz-zenberge im Ennsthale, — Leo, ein hocheölerMann (Nobilis homo), von Pächtern mit Lehen zu Pächtern ebendort, — Kuni-zar von Pfaffendorf zu Lobming, — Gottfried von Wolf-gerstorf zu Hofern an der Mur und an der Glein, — Wil-birge von Graz zu Hafning bei Trofaiach, — Gerold von Winklarn zu St. Benedikten im Liesingthale, — Herrand und Eberhard von Hagenberg zu Tichenberg im Ennsthale, — Rudolph von Toutich zu Stadel, — Otto von Leoben zu Niederndorf daselbst, — Otto von Trune zu Grieß imPal-tenthale, — Aüilram von Fischarn und Ortolph von Graz zu Palöungsöorf an der Raabniz, zu Dipoldsberg am Schocket, zu Gotilinsbcrg und Chinowe, — Schilbung von Heilisberg zu Straßgang, — Ludwig von Glanekk zu Padbrunn in der untern Mark, — Dietrich von Cholbarn und Gerard von Glizenseld zu Hitzendorf, — Ulrich von Lichtenstein, zugenannt Lichtbrenne, zu Dreschmitz bei Lasting im Ennsthale, — Ortlieb von Fischach zu Fifchach in Oesterreich, — Re-ginher von Stein* zu Geroltsdorf am Wartenberg in Oester- 14 * Die frühesten Kriegsvasallen der traungauischen Markgrafen finden sich >n Urkunden von den Jahren 1082, 1086, 1092, 1112 u. s. w. Kurz, -Lei-träge. II. 485. III. L97. — Caesar; Annal. I. 740. 747. 750. LIS reich, — Heinrich von Trosmarsdors zu Lava, — Me-ginhard zu Hutzendorf, — Balkold zu Hezmannsdorf und Hartniö von Rutkersburg zu Potschach in Oesterreich. — Weiters nennen admontische Urkunden des zwölften Jahrhunderts noch folgende Herren als lanöcssürstliche Ministerialen von Steier, ohne namentliche Bezeichnung ihrer Lehen: Arnhalm von Volkins-dorf Poppo von tira, Dietrich von Trun, Peringer von Kapella, Dietmar von Ebersberg, Richer von Everdingen, Hartwick von Ort, Marquard Bcinhengst, Ottokar Brotmund, Ulrich Hirz, Richer mit feinem Sohne Richer von Marburg, Herrand von Wil-don, Erhinger von Landefere, Ulrich von Stubenberg, Otto von Krems, Gundacher von Steier, Gottfried von Wolfkersöorf, Ulrich von Wolkenstein, Otto von Sibenekke, Marguard von Starkenberg, Perthold von Emmerberg, Ulrich von Jmzinesdorf, Otto von Wisinbach, Otto von Laufintal, Wülfing von Hettinberg, Hiltigrim von Grauscharn, Gunthalm von Fischarn, Siegbot von Lassing, Gebots von Palten, Dietmar von Tanne, Otto und Heinrich von Stein, Starkhard von Gezendorf, Sieghard und Gebhard von Freiberg ')• Folgende Ministerialen der Landesherren von Steiermark kommen vor in St. Lambrechterurkunden: I. 1172 Adalbert von Ep-pcnstein, 1182 Rembert von Murekk, 1214 Herranö von Mooskirchen, 1243 Ulrich und Dietmar Brüder von Lichtenstein, 1255 Herrand von Wildon; — in Urkunden des Stiftes Rein: 1.1138 Ulrich von Haselbach, Konrad von Kornbach, Rupert von Libo-cha, Berenger von Kappellen, Simbold von Kainach, 1146 Wülfing von Kapfenberg, During von Muttenstorf, 1211 Herrand von Wildon, Ulrich von Stubenberg, Otto von Graz, Ottokar von Graz, Efchwin von Gratz, Rüöinger von Plankenivart, Otto von i) Saalbuch. II. 141. Saalbuch. IV. p. 83. 139. 140. 141. 143. 144. 145. 149. 165. 183. 198. 203. 206. 219. 222. 237. 249. 255. 257. 260. 266. 276. 279. 293, 300. — Soli solchen Dirnstgefolgen und Ministerialen des Herzogs Friedrich des Streitbaren sagt Ulrich von Liechtenstein: „Die ritter diech hie Mn genant, die het der fürst uz Osterlant der höchgemuote Friederich ich meine den von Oesterrich ze gesinde alle an sich genomen. des sach man si dar schöne körnen gekleidet und georsset wol, als Fürsten gesind von rechte sol.“ — Frauendienst, x. 474. Rein, Diepold hon Leoben; — in Seckauerurkunden: I. 1156 Ekkbert von Moosbach, Gottschalk von Neitberg, Otto von Stubenberg, Albrecht von Eppenstein, Otto von Fürth; — in Sci-zerurkunden: I. 1217 Albert von Roots (Rohitsch), Ottokar von Gonowitz, Wernher von Marburg, Marguard von Boftth, 1263 Seifried von Märenberg '). Es zeigen aber noch viele andere Urkunden zahlreiche steiermärkische Eöelherren und ganze Geschlechter derselben als Ministerialen des Landesregentcn, als da sind: Die Edelherren von Aich, St. Dionysen, Feistritz, Freuenstein, von der Gail, von Glei-chenbcrg, Göfting, Grauscharn, Gumplach, -Hohenegg, Jahringen, Jrenthal, Katsch, Kraubath, Leibnitz, Liboch, Liebenau, Mcllnich, Mürz, Mürzhosen, Mur, Oelsnitz, Pels, Pfannberg, Perneck, Peßnitz, Prank, Püchel, Rase oder Rast, Ruen, Rukersburg, Saurau, Sallach, Schrattinberg, Spillbcrg, Stade oder Gstade, Straßgang, Strechau, Sundermaningen, Thal, Teuffenbach, Tro-faiach, Tuncwiz, Wasserberg, Weißkirchen, Weissenbach, Wolkenstein, Wurmberg, Zuchedol a). Sehr ansehnlich war die Zahl der gcsammten Ministerialen und Dienstleute des Hochstiftes zu Salzburg. Von ungefähr dem Jahre 1074 bis 1188 finden wir in admontischen Saalbüchern folgende Ministerialen des Hochstiftcs Salzburg mit Lehengütern desselben: Sighard von Hetzendorf tut obern Murthale, Dietmar von Dornberg, Eberhard Kastellan von Leibnitz, Suit-hard von Kulm, Johann von der Mark, Wezil von Bruckarn, Grim von Gröbming, Regilo von Hagenberg zu Ließen, Heinrich von Nazzow zu Wurzing, Vclvis, Puchl u. s. w.; in der obern Mark: Bruno von Pels zu Gurzheim, Siegfried zu Jröning, Heinrich zu Traboch, Reginhart zu Lambrechtstetten und Hart- 1) Dipl. styr. I. 156. II. 20-21. 7? — 79. - Salzburgerurkundcn vom I. 1190 Ottokar Castellanus in Grace, Ministerialis Ottokari ducis Styriae. — Stainzerurkunden I. 1233: Leopoldus de Wildonia, Ministerialis ducis Friderici. — Die Witwe Gertrude, Schwester H. Friedrichs des Streitbaren, hatte ihre eigenen steierischen Ministerialen, wie r Der-tholdus Miles de Sakkathal; Sigfridus de Mährenbcrg. I. 1263. Dipl. Styriae II. p. 323. Im Jahre 1278 nennt K. Rudolph I. als seine Ministerialen : Fridericus de Pettowe, Wullingus de Stubenberg, Hertni-dus de Wildonia. ") Wien, am 11. November 1280 und am 3. Mai 1281 erhielt Otto von Lichtenstein landesfürstliche Lehen, Weingärten zu Rotcnbuch bei Grätz und Güter zu Neuhaus im Ennsthale, nach dem Aussterbcn der Landesedeln Ekkart und Friedrich von Neuhaus. wigsdorf; in der untern Mark: Suithard und Otto von Chulin, Hartnid von Chulin in der Stanz im Mürzthale, Poppo von Pi-ber zu Geßendorf, Helmwert zu Perchau, Wikbotto von Katsch, Rudolph, Adalgoß und Hartmann von St. Michael in der Sölk, Albert von Lonsarn in der Sölk, Rudolph von Holeneck, Magenus zu Reit, Ulrich von Mukirnowe '). Auch alle Stifte des Landes hatten ihre eigenen Dicnst-mannen und Ministerialen, so wie wir vom Stifte Admont kennen: I. 1094 Ekkarts von Oeblarn, 1180 Hiltigrim von Grau-scharn (zugleich herzoglicher Küchenmeister, Magister coquinae duds styrensis), und von dem Stifte Göß den Werigand von Weitz (de Yitz) -). Wie groß die Zahl der Ministerialen von Aquileja in der untern Steiermark gewesen sey, mag man aus dem Stiftbriefe von Oberburg, I. 1140, entnehmen, wo beinahe hundert Dicnst-leute nach den Hofrechten der Aquilejer Hofmarken mit ihren Lehengütern demselben Stifte zugemittelt werden 1 * 3). Von hochedeln Laien kennen wir in der frühesten Zeit schon (I. 890 — 900, 1015 und 1028) die slovenischen Dynasten Zioctboch und Walthun als Vasallen des Kaisers Arnulph und des Liupold, Markgrafen in der Ostmark, so wie spater die karantanischen Grafen von Friesach und Zeltfchach, als reiche Saalherren an der Save und Saan, Sottla, Nirine, und im Ennsthale; deren überreiche Allode zuletzt in der Hand der frommen Witwe Hemma, Gräfin von Friesach und Zeltschach, sich vereinigt hatten und durch deren Großmuth zahlreiche Ministerialen und Dienstleute in Steier und Kärnten an die von ihr gegründeten Stifte zu Gurk und Admont unter besonderen in ihrem Testamentsroöicille bestimmten Vergünstigungen gekommen sind. Ungemein groß war daher die Zahl der Stift Gurkischen Vasallen und Ministerialen in den Gegenden um Marburg, Weitenstein, Winöisch-Lanööberg, und im weiten Hü-gellanöe zwischen der Saan, Save, Sottla und dem Wotschgebir- 1) Admontcrsaalbücher, III. 99 — 100. IV. 9. 11. 42. 138 — 139.141. 148. 149. 151. 153. 181. 186. 187. 188. 209. 212. 244, 248. 250. 253. 262. 269. 287. Juvavia, p. 23. 107. 110. 117. 120. 141. 142. 145. 117. 174. 176. 193. 231. 289. 2) Admontersaalbücher, IV. 11. 150. III, 189. Baldwinus de Mukirnowe, homo Gotfridi de Wietingen. 3) Dipl. Styr. II. 287. ge Viele Ministerialen der Karantanerherzoge aus dem Ge^-schlechte der Grafen von Mürzthal und Eppenstein kamen im Mürzthal, Aflenzthal und im Kainachthule an das Stift St. Lambrecht bei dessen Gründung * 2). Von andern in Steiermark begüterten Edelgefchlechtern kennen wir noch folgende Ministerialen: Adalbero von Eggcnfeld, Dienstmann des Markgrafen Günthers von Hochcnwart; Poppo mit Lehengütern tut Liesingthale, Dienst-inann Engilberts Grafen von Görz (Engilberti albi comitis de Gorz); Bernhard von Erlach, Dienstmann des Grafen Ekberts in. von Putten; Adalrich, Ministerial Luibolds Grafen von Plain, mit dessen Lehengütern zu Traboch, St. Benedikten, Auer und Ragnktz 3). Witmar von Hopfgarten, auch mit dem Beinamen Miles bezeichnet, war nach den Stainzerurkunden Truchseß und Schaffer des Liupolds von Wildon, I. 1233, und Gerung von St. Margarethen gleichfalls Truchseß und Schaffner Hartnids von Wil-don, I. 1233; beide hatten dafür Lehengüter zu Schwarzenscha-chen und zu Nendorf im Stainzerthale; und Liupold und Hartnid von Wildon (I. 1287) werden gegen diese ihre Ministerialen bezeichnet als Oberherr (Dominus suus Principalis). Nicht anders hielten es die edlen Geschlechter von Lichtenstein, Stubenberg, Pfannberg u. s. w., welche letzteren auch eigene Waffenschmiede oder Pfeilschifter hatten 4). — Ulrich von Lichtenstein gestaltete sich auf seinen abenteuerlichen Zügen als Königin Venus und König Artus von der Tafelrunde einen eigenen Hofstaat aus seinen Hausministe-rialen. Sein Kämmerer hieß Wolfker 5). Sogar Herzog Friedrich der Streitbare läßt sich scherzweise ihm als Dienstmann anbieten; worauf Ulrich, als König Artus, antworten ließ: »Ich sprach, nu sage dem Herren din, und wil er min Gesinde sin, swas er mit Gabe von mir gert, des wird er alles wol gewert. Ich lihe, ich gebe tut, swaz er wil, es fi lützel oder viel!" 6). Im Einzelnen und Besonderen sind von dem Hofe der steiermärkischen Markgrafen und Lanöesherzoge diesel- *) Archiv für Süddeutschland. II. 213 - 318. - Eichhorn, Beiträge. I 183 — 184. 194 — 200. 2) Dipl. Styr. II. 271 — 277. 3) Admontersaalbuch. IV. p. 145. 148. 228. ") Wie 1256 in Jfeinerurkundcn erscheint: quidarn Sagittarius Comitum de Phannenberch, Wolfram. s) Siehe Frauendienst, Edit. Lachman. 1843. 6) Frauendienst, p. 466. Li« beit Hof- und Hausämter und Hof-Ehrenstellcn) wie die damit betrauten Ministerialen aus Urkunden erweislich; und wir werden davon weiter unten umständlicher sprechen. Wie zahlreich vorzüglich seit dem Ende des zwölften Jahrhunderts in Steiermark die Ministerialen Waffenmänner '), die Vasallen, und selbst schon in höherem Ansehen körperlicher Standesgeltung (Ritter) erscheinen, mag man neben dem schon oben gegebenen, auch noch aus folgendem Verzeichnisse derselben entnehmen: I. 1140 Helmwick (miles); H89 Konrad, Waffenmann (miles) turn Püchl; Dietrich, Waffcnmann, fein Bruder; 1290 Heinrich, Waffenmann vom Thurn (miles de Tuni); 1269 Wal-chun von Timmersdorf (miles); 1245 u. 1259 Wülfing von St. Peter bei Leoben (miles); 1268 Heinrich von Trofaiach (miles); 1242 Hartwik von Leoben (miles); 1245 Otto von Utsch (miles); 1240 Ernst und Leo, Brüder von Lobming (milites); 1243, 1245 Dietmar und Otto von der Gail (milites); Ulrich und Heinrich (milites) von Knittelfeld, 1254 Rudiger (miles) von Perchach; 1245 Ulrich (miles) von Obdach; 1295 Ortolph (miles) von Katsch; 1293 Otto (miles) von Puchs; 1245 Heinrich (miles) von Schäuf-ling; 1295 Perenger (miles) von Prank; 1245 Dietmar und Ulrich (milites) von Reifenstein; 1295 Heinrich und Dietmar (milites) von Stretwich; 1188 Engelbert von Kapfenberg; 1203 Ulrich von Stubenberg, und 1247 Volvingus quidam miles de Stubenberch (?); 1249 Herr Meinhard von Zeizlinsdorf (miles); 1283 Konrad und Walther (milites) von Graben; 1277 Albert und Otto (milites) von Horneck, 1280 Konrad und Walther (milites) von Thal (de valle); 1298 Liupold (miles) von Wildon, Ortolph von Pergarn, Dietmar von Hopfgarten, Ulrich Babarus von Gribingen (milites) * 2); 1278 Markward von Herberstorf (miles de Herweinstorf); 1270 Niklas Und Hadmar (milites) von Leutschach; 1263 Bertholü (miles) von Sakkathalc; 1245 Albert (miles) von Purgstall, Reimbert von Murekk der edle und feste Ritter (nobilis ac strenuus miles) 3); 1269 Alhoch (miles) von Radkersburg; 1235 Hermann (miles) von Pettau; 1286 Hil- i) Der vielgeprüfte Salzburgcrerzbifchof Gebhard machte den edlen Dietmar von Dornberg, Saalherrn zu Teuffenbach im ober» Murthale, zu seinem Waffenmann oder Basalt, Admontersaalbuch. IV. p. 8. z) Stainzcrurkunden. 3) Reinerurkunden. brand und Ulrich (milites) oon Rohitsch; 1286 Gerhard von Altenburg (miles); 1245, 1269 Herrmann und Otto (milites) von Rattcnüorf; 1237 Herrmann von Goetenberg (miles) '). Alle diese scheinen als vollkommen freie Männer in dem Stande als Milites in höherer öffentlicher Geltung gestanden zu seyn. Manche hochcdlc und reichere Dynasten hatten aber selbst wieder ihre eigenen Vasallen oder Ministerialen Waffenmänncr, wie wir von den Dynasten von Eich, Schratenstein, Perchach, auf der Doncwitz, von den Landrichtern vom Ennsthale, von Leonrode, auf Wilöon, von Grätz, von Stutarn, auf Gösting, von Feiftritz, Pfannberg, Peckau und Stuhenberg urkundlich Nachweisen können. Gleicherweise hatten dte Stifte und Klöster Admont, St. Lambrecht u. s. w- ihre eigenen Ministerialen Hecrbannsmänner oder Vasallen “). Beim Turniere in Friesach (I. 1224) war Reim-precht von Murckk mit vielen seiner Ministerialen Ritter erschienen, so wie Hadmar von Kunring aus Oesterreich mit 60 solchen Rittern, sämmtlich berühmt durch Ritterschaft und Ritterthaten, wie Ulrich von Liechtenstein versichert. Aüelram von Walöeck hatte gleicherweise alle seine edleren und besseren Heerbannsmini- n Admontersaalbuch IV. p. 285, und St. Lambrechterurkunden und Dipl. Styr. I. 25. 87. 2.39. 248. 252. 340. II. 209. 303. 323. *) Dictrieus miles Otacheri nobilis hominis de Eich. — Ekkahart, En-gilram Maganus milites Bruonis de Perichach. — Heinricus et Herbart milites Reginhard! libcri hominis de Touniwize. — Eberhard miles Hcrrandi judicis de Enstal. — Mcinhardus miles proprins, Richcrus miles Hcrrandi de Wildonia. — Eberhard junior miles Ottonis de Graze. — Henricus et Richkerus villici de Strazkanch, Pertvinus, Ekkehardus servi — milites et servi Swikeri de Gest-nich. Charl de Haginberge miles Herrandi de Wildonia. — Malit-fried, Rudiger, Oulric — Ulric, Wi.tmar — milites Cadilhohi de Schrat-tenberg — milites Domini de Fiustrize, Chunradus armigcr ejus. .— Wicpoto, Wezilo — milites Admuntenses S. Blasii. — Admonr tersaalbuch IV. 9. 10. 204. 211. 278. 280. 281. 285. 287. 290. 293. 297. — Dipl. Styr. I. p. 211. Raspo — miles Popponis de Peccah. Urkunde von Stein, I. 1224: Conradus Lupus miles Ottonis de Le-wenrode. — Im Stainzersaalbuche erscheint: Otto de Walde miles Liu-toldi de Wildonia, I. 1247, von welchem er die villa Walde juxta flu-vium Steunz zu erblichen Lehen getragen hatte. Wulfingus de Wcffcn-stein, miles Luitoldi de Wildonia, und eben dort mit Lehen begütert I. 1245. — In Urkunden stehen die Milites als Zeugen den Clienten (clien-tes) vor, welche gewöhnlich als Viri honest! bezeichnet werden. — Bon den Dienstleuten der Edelhcrrren auf Pfannberg, Wildon und Stubenberg sagt Hoencck p. 482 (I. 1292): »den drein warn vndertan Ettleich, der chlain Dienstmann, die sich noch an den Sachen nicht torstcn herfür gemachen.« ftevmtcn bei seinem Eintritte in öen Orden der Chorherren zu Seckau dem Landesmarkgrafen Ottokar übergeben, I. 1140 >). Diese Hauptverhältnisse der Vasallenschast für Kriegsdienste und der Ministcrialität für Ehrenämter, Hof- und Gerichtsdienste begründeten im Laufe der Zeit einen wichtigen Unterschied in der Staatsbürgerschaft des Belehnten. Man unterschied den Heer-bannsministerial (den Miles, Ritter), den Ministerialen Ritter (Miles ministerialis) mit der Nebenverpflichtung zu Hof-öiensten, und den eigentlichen Ministerial oder Hofdienst-mann, ja auch noch den zu allfälligen Kriegsdiensten (wenn der Herr solche fordern würde) nebenbei verpflichteten Hofdienstmann. Der Erste (der Heerministerial, Ritter, Miles) ein Edel-geborner oder Gemeinfreier, war außer dem Kriegsdienste ein freier Mann, im Genüsse der Selbstständigkeit und des eigenen Rechtes (sui juris). Er lebte von seinem Eigengute, und wo dies nicht zureichte, auch von dem Lehen. Er hielt Waffen und Pferde aus seine Kosten; er diente in Fehden und Heerzügen mit so vielRei-sigen, als im Lehenscontracte bedungen waren; er hatte im reisigen Schaden von Rechtswegen vom Lehensherrn keinen Schadenersatz zu fordern; er konnte durch freie Aufsendung seines Lehens sich von jedem Kriegsdienste wieder ledig machen; und er stand in allen Zeugenschaften, vor dem Bolksgerichte und in Urkunden, in der Reihe vor allen andern Ministerialen. — Der auch zu Hofdiensten verpflichtete Vasall (Miles ministerialis) dagegen war, eben wegen dieser Nebenverpflichtung, schon nicht mehr ein so ganz selbstständiger und freier Mann. Er hatte sich dadurch zum Theile seiner Standesfreiheit schon begeben; und er stand, wenn auch von Geburt gleich edel, deswegen schon dem Ersteren nach. Ein solcher konnte, als zur Hofmark eines Lehensherrn gehörig (Familia Domini, Senioris), die Lehen ohne Bewilligung des Saalherrn nicht sogleich aufsenöen. Eben daher wollte jeder freie Mann lieber Kriegsministerial, Heerbannsmann, als Hofdienstmann werden und bleiben. In solchen gebundeneren Verhältnissen standen noch der Kriegsministerial des Poppo von Pe-ckau, Ulrich Raspo, im I. 1244, Güterbesitzer zu Feistritz und Mösnitz, welcher nur mit Bewilligung seines Saalherrn diese Güter an Seckau spenden durfte; und die Kriegsministerialen Niklas l) Dipl. Styr. 1.166. „Milites quoqun suos meliores, intrans clau-sti'um Seccoviense, patri nostro liberaliter contulit.“ und Hadinar von Leutschach (milites), welche Gisila von Kranichberg aus dem Erbe nach ihrem Vater erhalten und sammt ihren Lehengütern I. 1270 an Seckau geschenkt hatte '). Ein eigentlicher wahrer Dienstmann war demnach derjenige, welcher bloß in einem Hoföienste stand. Er verlor dadurch seine Standesfreiheit, war nicht mehr selbstständig (sui juris); er gehörte zur Hofmark als Dienender (serviens, gleichbedeutend mit Ministerialis tin strengen Begriffe), so wie ein Eigcnmann (Homo proprius). Dieser Dienstmann und eigentliche Ministerial trat mit Vertrag und Diensteid nach Hofrecht (Lege curiae, Curtis) in sein neues Ver-hältniß. Das Hofrecht umfaßte demnach alle durch Vertrag oder Gewohnheitsrecht zwischen Dienstherren und Dienstmann bestehenden Rechte und Verbindlichkeiten, sowohl in Hinsicht ihrer Dienstgrade und persönlichen Pflichten, als ihrer Rechte an Erbe, Amt und Hoflehen. Dies Hofrecht begründete auch ein eigenes Behandlungsrecht der Ministerialen. Ihre Geschäfte theilten sich in Ehrendienste und Verwaltungsämter; die der höheren und edleren Dienst-männer in Antheil an den Regicrungsgeschäften des Herrn. Diese Ministerialen (die Primores Ministerialium, Nobiles Ministerial les, und besonders die MareschalH, Pincernae, Dapifcri, Came-rarii u. s. id.) halfen Bischöfe und Aebte erwählen, und alle hoch-stiftischen Angelegenheiten wurden mit ihrem Rathe entschieden i) 2). Der Benefizialvertrag mußte vom Saalherrn strenge zugehalten, derselbe durste ohne Verschulden des Dienstmannes nicht geschmälert, der Dienstmann nicht willkürlich in schlechtere Dienste versetzt, und derselbe konnte in Klagesällcn allein nur nach Erkenntniß und Ausspruch der Mitgenossen zur Verantwortung gezogen und ab- i) Dipl Btyr. I. 331. ") Zahlreiche Beispiele und Belege kn der Juvavka, Anhang. 126. 130. 133. 141. 151. 190. 200. 223—231. 262. — Die höhere Geltung solcher edle, ren Ministerialen erkennen wir aus Ulrich's von Liechtenstein Frauendienst, p. 66. — Diese höheren und edleren Ministerialen sind wohl auch begriffen im Majestätsbriefe Kaisers Rudolph (I. 1277) mit dem Vorrechte persönlicher Sicherheit und Unantastbarkeit bis zur vollkommenen Ueberweisung oder dem Eingeständnisse eines Verbrechens: Ad hoc Ministerialibus dictae terrae salubritcr pruvidcre volentcs, pracsenti ordinamus edicto, ut nul-lus PrincipuRi, qui praedictae terrae (Stiriae) praesidebit, in qnemquo Ministerialium non convictuin de tali crimine, vcl sponte confessum, propter quod merite detineri debeat, in praetermisso juris ordine ca-ptivarc, vcl captum in carcerc, vel vinculis detinere praesumat, Land-handvest. Edit. l(i»7, p. 5. LLO geurtheitt werden. Die meisten Ministerialen aber durften dagegen nicht nur über ihre Lehengüter und Lehengefälle, sondern auch über ihre allfälligen Eigengüter nur mit Erlaubniß der Dienstherren verfügen, dieselben verschenken, verpfänden oder veräußern l), damit sie nicht so leicht außer Stand kämen, die übernommenen Dienste mit Ehren zu vollsühren. Nachdem Markgraf Ottokar VII. im I. 1152 allen seinen Ministerialen die Erlaubniß gegeben, frei und ungehindert bewegliches und unbewegliches Gut dem Stifte Sestau zu spenden 2); als der letzte Landesherzog Ottokar Vin. für das Kloster zu Seiz seinen Dienstleuten dieselbe Erlaubniß ertheilt hatte, I. 1182 3), setzte er in seinem großen Privilegienbriefe für die ganze Steiermark (August 1186) folgende, alle landesfürstlichen Ministerialen betreffende Bestimmungen fest: Alle landesfürstlichen Ministerialen in Steiermark sollen künftig in die Hände des Ba-benbergischen Landesherrn von Oesterreich und Steier übergehen 4). Im Besitze von Beneffzialgütern soll kein Ministerial durch die sogenannten Anfälle einige Beschwerde erleiden; auch kein Dienstmann soll gehindert werden, die Lehengüter, im Fall er keine Söhne hat, auf seine Töchter zu übertragen. Lehengüter fremder Herren, wenn sie gleich der österreichische Landesherr an sich kauft, sollen dem Besitzer lehenbar belassen werden. Alles, was wir von Saalgütern, welche wir zwar dem Herzog von Oesterreich vermeinen, bis zu unfern Tode noch unfern Getreuen und Ministerialen zu Lehen geben 5), soll ihnen als Lehen gesichert bleiben. Wer 1) Bernhard von Erlach, ein Ministerial des Grafe» Ekbert von Pötten (I. 1158), dessen Erbschaft zum Theile an Markgrafen Ottokar von Steier gekommen war, hatte Weingärten zu Poschach in Oesterreich I. 1160 dem Stifte Admont geschenkt. Markgraf Ottokar erklärte diese Schenkung für ungültig, weil sie ohne sein Wissen und seine Zustimmung war gemacht worden. Eine gleiche Spende, die sein Ministerial Herrand von Hachenberg mit dem Gute zu Hachenberg im Ennsthale an das Stift Admont gethan hatte, mußte Markgraf Ottokar nachträglich erst genehmigen und bestätigen. Admontersaalbuch. 2) Dipl. Styr. I. 166 — 167. 3} Dipl. styr. II. p. 69. — Bei der Wiedererhebung der Karthausc in Gay- J rach im Z. 1209 erlaubte Herzog Leopold der Glorreiche dasselbe. Ibidem. II. 137. '0 Dieser Anordnung zu Folge crtheilte Herzog Friedrich der Streitbare allen seinen Ministerialen im I. 1233 und 22. Febr. 1234 die Erlaubniß, den Stiften in Stainz und Seckau Lehengüter bis zu 10 Marken Friesachergel-dez ungehindert zu schenken. Stainzer-Saalbuch und Bcstätigungsurkunden der Kaiser Friedrich II., 2 4. Dec., und Rudolph I., 17. März 1277. 5) Im steierischen Rentenbuche kommen mehrfache Hindcutungen auf Lehengüter aus den landesfürstlichen Fiskalgründcn vor, welche die höheren und qerin- immer non Ministerialen und Dienstleuten in einen geistlichen Orden treten, oder den Stiften Traunkirehen, Garsten, Gleunk, Admont, Seckau, Viktringen, St. Paul, Ossiach, Rein, Sei;, Voran, Lambach, Formbach, St. Lambreeht, und dem Hospitale im Cerewald am Semmering etwas von seinen Renten spenden will, der soll freie Gewalt dazu haben. — Gleicherweise ertheilten das Erzstist Salzburg I. 1197 und Bischof Ulrich von Gurk I. 1243 allen ihren Ministerialen das Recht, freie Spenden an die Stifte Admont, Seckau und Sei; zu machen '). Gleiches thaten auch einzelne reiche Edelherren und Dynasten. Im I. 1251 ertheilte Ulrich von Wildon alle» seinen Leuten, Rittern und Schutzhörigen freie Gewalt, das Chorherrenstift in Stainz mit Schenkungen zu bedenken "). Der Dienstherr aber konnte dagegen weiters feinen Dienstmann mit Lehengut und Familie, wie jedes andere Saalgut, an einen andern Dienstherrn verschenken, vertauschen, verkaufen. Der bedienstete und belehnte Ministerial dagegen durfte nicht nach Eigenwillen mit Hab und Gut von einem Grundherrn zu einem andern liberwandern, felbst nicht auf landesherrliche Besitzungen, ohne Einwilligung des ersten und eigentlichen Grundherrn * * 3). Der Ministerial sollte nur eine Tochter eines ihm gleichstehenöen Dienstmannes, vorzüglich desselben Saalherrn, und keine Auswärtige hei-rathen, damit Lehensstreitigkeiten vermindert, Einheit der Familien und Ministerialitätstreue (Familiae beneliciatae) kräftiger bewahrt würden. Heirathete nun ein Ministerial, ohne Zustimmung seines Saalherrn, eine Fremde, so verfielen gewöhnlich alle seine Lehenbesitzungen an den Lehenherrn zurück. So war es falzburgisches Hofrecht in Steiermark, so daß Karl von Guetach, der dawider gehandelt hatte, aller seiner salzburgischen Lehen verlustig geworden ist, welche dann I. 1239 dem Bisthum zu Seckau geschenkt worden sind 4). Heirathete ein Ministerial aber eine Fremde mit Wissen und Zustimmung seines Saalherrn, so war darüber entweder im Hofrechte, dem er unterstand, schon vorgesehen, oder die Bedingungen wurden jetzt erst festgesetzt. Gewöhnlich wurden die männ- <. ©tcicrnuirf. - li. Bd. 15 o trn- tarnen Ottokar, der Kastellan von Grätz, und sein Sohn Ulrich mit seinem Ueberantworter Rudolph von Kindberg zu unserem Hofe Strazgang und haben Alles, wie vorbestimmt und erklärt worden ist, vollzogen. Der Ueberantworter Rudolph nämlich hat, unter Berührung der geheiligten Rrliguien, daß er der gesetzliche Uebergeber des jungen Ulrichs in Folge der Bitte seines Vaters OttokarS selbst sey, den jungen Ulrich mit dem gebührenden Erbs-theile über den Reliquien des heil. Rupertus in unsere Hände als Ministerial mit Zustimmung anderer unserer Ministerialen übergeben. Damit aber besagter Ottokar, Kastellan von Grätz, treu und redlich mit uns verhandelt zu haben sich bewähre, so hat erfolgende Bedingung Bezugs des Vorbesagten festgestellt, daß, wenn sein nunmehr als Ministerial der Salzburgerkirche überantworteter Sohn ohne unserer oder unserer canvnisch erwählten Nachfolger Erlaubnis) eine Gemahlin aus einer fremden Familie heira-then würde, sowohl das Lehengut, was, wie vorgesagt worden, wir ihm gegeben haben, als auch der Erbesantheil, welcher ihn aus den Gütern seines Vaters trifft, in unser und unserer Nachfolger Eigen-thum übergehen solle, die Erbschaft aber, welche an Ulrich selbst an Gütern kam, zwar auch Eigenthum unserer Kirche verbleiben müsse und von ihr nicht weg kommen könne, dem Ottokar und seinen Söhnen zu Lehen gelassen werden möge. Weiters, wenn zufällig Ulrich ohne Erben abgestorben seyn würde, so kann das gethan werden (Statt haben), daß einer von den Söhnen Ottokars, welcher in den Besitz der Salzburgerkirche auf irgend eine Weise kömmt, dieser in aller Rechtsfülle in der Erbschaft und im Lehengute Ulrichs fort verbleibe. Nachdem nun dieses solch erg estalten vollbracht worden, hat Ottokar selbst das Erbtheil, welches aus seinen Sohn Ulrich kommen sollte, uns bezeichnet und benannt, und durch die Hand seines Bevollmächtigten, Rudolph, angewiesen, nämlich das neue Schloß, Glanekke genannt, und rund umher derselben Burg einige Güter, welche zwei und zwanzig Friesacher Marken ertragen; — Grazluppe und in der Nähe daselbst eine Rente von sechs und einer halben Mark; Stremesnitz mit Erträgniß von acht Marken. Ueber dies alles hat er, so wie vorhergesagt worden, ohne Rückhalt, frei und redlich die Entäußerung gethan. Zeugen dieser Ueber-einkunft und Uebergabe sind folgende: Rudolph von Kindberg, Bevollmächtigter, Hartwik von Hartekke, Wülfing von Kapfenberg, Richer von Marburk, Otto von Graze, Ortolf von Luibin, Ulrich Hebtbrenne, Albert von Wildome, Gebots von Schwarza, Frid- rich von Pettowe, Otto und Albert von Libniz, Richer von Lemps-niz, Ulrich von Kalheim, Wolfram von Herpfoldistein, Reimbert und Heinrich von Reichenburg." Wer immer nun einem Andern zur Treue nach Lehcnrecht, und zu Diensten nach Hofrecht verpflichtet war, hieß Vasall, Ministerial, Heerbannsmann, Dienstmann, Mann (Miles, liber miles, Herus, Yasallus, Vassus). Lehen- und Hofrecht sind demnach der Inbegriff von Rechten und Verbindlichkeiten, welche durch Rcichsgcfetze, durch den Lehenvertrag und gute Gewohnheiten aus der Verleihung eines Gutes zu lehcnbarem Eigenthuine entsprangen. Diesem zu Folge gelobte der Vasall oder Ministerial dem Lehensherrn (Dominus, Senior) für seine Person und eidlich (Sacramentum tidelitatis, Homagium, Vasalle-gium), demselben überhaupt treu und hold zu seyn, ihm die schuldige Ehrerbietung und die gesetzlichen, im Lchensrontracre und Hofrechte bedungenen Kriegsdienste, Ehrendienste, Hoföienste, Ver-waltungs- oder Gerichtsdienste, für welche das Lehen gegeben wird, zu leisten, so lange er diese Lehen vom Herrn tragen werde. Da dies Verhältniß durch freiwillige Uebcreinkunft des Herrn und Vasallen entstanden war und von Seiten der Erben des Letzteren fortgesetzt wurde, weil, seitdem die Lehen erblich geworden waren, jener diesem das Lehen zu leihen schuldig war; da ferner die Treue des Vasallen bloß dinglich, so lange er Lehen haben werde, war, dieser aber jederzeit das Lehen aufsenden und dadurch das ganze Verhältniß aufheben konnte: so war dadurch die Freiheit des Vasallen nicht mehr in sich und überhaupt, sondern nur in der Ausübung dahin eingeschränkt, daß er nicht gegen seine Lehenspflicht handeln konnte, ohne sich gewissen Nachtheilen auszusetzen; daher erniedrigte auch der Vasall dadurch, daß er seines Genossen Mann geworden, nicht mehr seinen Geburtsstanö, sondern nur seinen Heerschilö. — Jedoch durch die wieöerhohlten ungerechten Bedrückungen von Seite der königlichen Beamten, insbesondere in Fällen des Heerbannes gegen alle heerbannspflichtigen Saalherren, und durch viele andere Verhältnisse in den Markgenossenschaften sahen sich nach und nach die meisten unbemittelten gemeinfreien Saalenbesitzer gedrungen, um einen starken Schutzherrn für ihr Eigenthum und ihre Familie zu gewinnen, ihr kleines Saalgut einem benachbarten mächtigen Allodialherrn (dem Landesregenten, einem Herzoge, Markgrafen, einem Hochstifte oder einer Abtei) abzutreten, und dasselbe von ihm wieder als ein Le- hen (sub lege Ministcrialium nach Feudal- und Hofrecht) anfänglich als freier Mann, nachher aber größtentheils als Schutzhöriger und Eigenmann zurück zu empfangen. Solche Ansitze wurden dann Prekarien genannt (Preeavia, Praecarium, Praestaria). Daß derlei Vorgänge mit vielen minüerbegüterten freien Besitzern auch in der Steiermark Statt gehabt habe», ist wohl nicht zu bezweifeln; cs mangeln jedoch besondere urkundliche Beweise dafür. Die oben angedeutete Zahl freier Gütcrbesitzer ist indessen wenigstens ein Wink, daß derlei Fälle doch seltener im Lande gewesen seyen; wozu auch das kömmt, daß, wie wir oben schon gesagt haben, bis zum Ende des zivölften Jahrhunderts uns keine Urkunde vorliegt über Veränderung einer Allode in ein Pre-k ariengut. Nach der urältestcn eeltisch-germanischen Nationalverfassung war das Saalgut jedes freien Mannes oder Staatsbürgers ein Wehrgut, d. i.: auf jeder Allode haftete die Pflicht zum Kriegsdienste für das Vaterland. Schon im altbnjuvarischen Gesetze war daher auf die Verstümmlung eines freien Wehrmannes schwere Strafe gesetzt Auf dieser Urgrundlage, auf der, allen Saalgütern anhaftenden Bürgerpflicht zum Kriegsdienste für Vaterland und Reich, und auf dem innigst damit verflochtenen Bencfizien-wesen bildete sich in der fränkisch -austrasischen Monarchie und dadurch auch für das römisch-deutsche Reich und für alle dazu gehörigen Länder das Wehr- und Kriegssystem und die bewaffnete Nationalvertheidigung aus (Exercitus Auslrasiorum; Exercitus de Auster. Exercitus populorum Germaniae. Omnes Leudes Austrasiorum. Osterliudi) u). Der Aufruf zu den Waffen (Mu-nitio, Bannus, Evocatio) ging vom Könige trn die Herzoge und Markgrafen, durch diese an alle ihre Gaugrafen, und von diesen an alle unter ihrem Ambachte seßhaften edeln und gemeinfreien Saalherren, so wie an alle königlichen Vasallen oder Benefizien-bcsitzcr * * 3). Wer ein Saalgut von bestimmter Größe besaß, war persönlich verpflichteter Heerbannsmann. Wessen Eigengut dies 1) Lex Bajuvar. 274. 2) Fredegar. Capp. 38. 40. 68. 87. Aimoin IV. 1. Ganz ausgebildet finden wir diesen Heerbann schon im bajuvarischen Gesetze, p. 265—267. Mon. Boie. XXVIII. p. 17. I, 823. 889. p. 94: Heribannus Pagenslum. XXXI. p. 74. 76. I. 833. 3) Capitul. Aquisgran. Anno 807. — Perz, III. 144. — Annal. Bertinian. Anno 832. Maß bedeutend überstieg, mußte auch in eigener Bewaffnung und mit Lebensmittel auf drei Monate versehen erscheinen >). Mehrere Gemeinfreie, deren einzelne Wehrgüter für sich allein die erforderliche Große nicht hatten, mußten zusammen nach Weisung ihres Gaugrafen Einen Streiter ausrüsten und genüglich unterhalten. Die aufgebotenen Heerbannsmänner eines Gaues, nach ihren Rotten unter den Centmännern oder Hauptleuten, führte der Gaugraf alle Gauenbannalisten seiner Ambacht zusammen der Herzog oder der Markgraf; das gesammte Heer aber der König selbst oder dessen Stellvertreter. Für die ordentliche Bewaffnung der Heermänner (Heribannaiores) hatte jeder Gaugras zu sorgen, so wie für gute Straßen, Brücken, Schiffe oder Kähne in seinem Gaue, falls der Heerzug (Reisa. d. t. expeditio militaris) durch dasselbe gehen sollte * * 3). Beim Aufbicten des Heerbannes war jede Bedrückung der ärmeren kleineren Saalmänner schwer verpönt. Desertion (Heriliz, Herisliz genannt) ward mit dem Tode bestraft; Vernachlässigung der Heerbannspflicht unterlag dem Königsbann von 60 Schillingen zum königlichen Fiseus 4). Der Heerbann durfte nur zur Landwehre (Lantuweri), nie zu Privatfehden aufgeboten werden. Die Heerschau der aufgebotenen Ban-nesoölkcr geschah in der älter» Zeit auf dem sogenannten März-felöe, oder am Reichstage und Orte desselben in diesem Monde; später durch K. Pipin und Karl den Großen iin Maifelde; wodurch das kriegerische Uebergewicht des großen Franken- und Germanenreiches über alle benachbarten Völker gestaltet und befestigt worden ist. Rach jedem Heerbann sollte vierzig Tage und Nächte Waffenruhe (Scaftiegi) seyn ä). Von der Heerbannspflicht war Kirche und Klerus nicht befreit. Alles kirchliche Grundeigenthum war nationales Wehrgut der Gesammthcit mit dem uranfänglich darauf haftenden nationalen Wehrdienste, welche Pflicht bei der Spende an die Kirche von diesen Gütern nicht genommen, vielmehr durch die nachfolgenden Emunitätsprivilegien verstärkt und erhöht worden ist. Bischöfe, Hochstifte, Domeapitel, Abteien mußten es sich eben so, wie die *) Pcrz, III. 118 - 120. 145 — 146. Lex llajuvar. p. 266 — 268. 3) Peiz, III. 145. 184 - 188. — IN»». Boic. XXXI. p. 433. L> 1187. 1‘ciz, III. 148 - 150. — Lex Bajuvar. 266. b) Perz, HI. 353. L30 hochedeln Saalherren tin) alle andern Wehrgüterbesitzer eisrigst angelegen seyn lassen, nach Maßgabe der Saalgüter ihrer eigenthüm-lichen Hofmarken, wehrhafte Heerbannsmänner mit Waffen, Rüstwagen, Lebensmitteln u. dgl. m. stets in bereitem Stand zu haben '). Der Natur des Stanöesoerhältnisses gemäß mußte daher der Klerus frühzeitig schon sich durch Lehen aus seinen Saatgütern und Renten berittener (Milites) und gemeinfreier Vasallen (Milltcs gregarii) als Heerbannsmänner versichern, um bei jedem Aufrufe des Königs die ihn treffenden Heerbannsleute unter Anführung der eigenen Kirchenvögtc zu den Bannvölkern des Gaugrafen, und durch diesen zum gefammten Heere senden zu können. In den frühesten Zeiten des fränkisch-austrasifchen Reiches zogen Bischöfe und Aebte an der Spitze ihrer Hcerbannsmänner Persönlich zu Felde. Diese Sitte war so eingewurzelt, daß, ungeachtet K. Karl der Große dem Klerus allen persönlichen Kriegsdienst gänzlich erlassen hatte, erst nach und nach diese Gewohnheit aufhörte. Auch mußten die Bischöfe an der alten Sitte noch fest halten, um nicht öffentliches Ansehen, politische Wichtigkeit und ihre Regalien zu verlieren, oder der Verachtung und Unterdrückung des Adels anheim zu fallen. Daher lesen wir, daß im I. 907 in der blutigen Schlacht der Baioarier mit den Ungarn der Metropolit Dietmar I. von Salzburg, die Bischöfe von Passau, Freisingen und Seben, und sehr viele Aebte den Tod gefunden haben. Daher waren der Bischof Hildebald zu Gurk (I. 1130), die Erzbischöfe Philipp, Rudolph und Konrad IV. (I. 1260 — 1297) persönlich Anführer ihres Bannheeres in den Kriegen mit den Ka-rantanerherzogen und Herzog Albrecht von Oesterreich; und eben daher waren alle Bischöfe der österreichischen Länder, die Oberhirten von Salzburg und Aquileja persönlich mit ihrem Heerbanne im Heere K. Rudolphs I. erschienen zum Kampfe wider den böhmischen K. Ottokar (I. 1276 — 1279); daher war es auch nichts Außerordentliches, daß Abt Heinrich II. von Admont, als steiermärkischer Landeshauptmann, die Burg Perneck erstürmt, und den Heerzug gegen den ungarischen Grafen Iwan persönlich angeführt hat (I. 1280- 1290). Zur Anführung des Heerbannes in den östlichen Vorländern des fränkisch-austrasifchen Reiches waren durch mehr denn zwei Jahrhunderte die agilolfingischen Baioarierherzoge die natürlichen *) Lex Bajuvftf. 267 — 268. — Mon. Boic. XI. 100 - 105. 23 l Oberbefehlshaber. In der kurzen Epoche, als unter und nach K. Karl dem Großen keine selbstständigen Herzoge in Baioarien und in dessen Vorländern bestanden hatten, waren entweder die ostfränkischen Gcrmanenkönige in Baioarien die Heerführer, oder es sind eigene Befehlshaber bestellt worden. Nachher theiltcn sich die Herzoge in Karantanien, die Markgrafen in der Ostmark, die Markgrafen der oberen und unteren karantanifchen Marken in die Leitung der Heerbannsvölker Baivariens und aller Länder bis an die unterste Drave und Save hinab. Diese Markgrafen, wenn gleich nicht unter dieser Benennung, bestanden schon seit K. Karl dem Großen in jenen östlichen Ländern, und zwar in einer der herzoglichen beinahe glcichkommendcn Amtsgewalt. Jene Gränzprovin-ze» forderten unmittelbar, ihrer Lage wegen, einen stets wachsamen und wohlgeordneten Heerbann. Man darf daher annehmen, daß alle Ministerialen und königlichen Vasallen in den Ländern vom Jnslusse bis über die Mur, Drave und Save ihren betreffenden Markgrafen zu augenblicklichen Gehorsam unterworfen gewesen sind. In dieser bis zum Ende des zehnten Jahrhunderts durchge-führten Vollendung ging das deutsche Hcerbannwesen bis 51111t Anbeginn des vierzehnten Jahrhunderts seinen geregelten Gang. Alle Hocheölcn und Edlen (die Reichsstänöe! und alle geineinfreien Saalherren, so wie die dem Reiche unmittelbar unterworfenen Städte und die Landgemeinden blieben zum Reichsheerbanne strenge verpflichtet, und zwar nach Maßgabe, was jeder an Eigengute und Reichslehengute besaß, von je zehn Mansus ein Reiter und zwei Knechte, und von je fünf Mansus nach Hofrccht ein Reiter und ein Knecht. Wer ohne Reichslehen ist, folgt dem Herkommen, jedoch alles nach festgesetzter Reichsordnung und in eigener Anordnung des Rcichsheeres nach den Reichsheerschilöen und Abtheilun-gen aller Freien in sieben Classen, Heerschilöe oder Banner. Wer zur Heeresfahrt nicht erscheint, und sie nicht nach der Rcichsöienst-ordnung mitmacht, oder sich davon mit der im besonderen Dienstrecht bestimmten Summe ledig löst, verliert sein Lehen. Das jedesmal ausgebotenc Kriegsherr diente gewöhnlich nut-kurze Zeit; Kaiser und Könige erhielten gar oft zu besonderen Heeresfahrten die Einwilligung der Reichsstänöe nicht; aus diesen tlr= fachen kam es dann, daß sich dieselben gegen baren Sold, oder gegen Lehen mit Privatsaalcn nach und nach ein eigenes, stets be-rcitstehcndcs Bannheer (eine bewaffnete Hausmacht) bildeten. Nach- L32 dem aber auch zugleich in den einzelnen Reichsprovinzen die Landeshoheit an die Kirche, Herzoge, Markgrafen gediehen war, stand diesen nicht nur das Recht des Heerbannsaufgebotes zum Neichs-kriegsöienste über alle ihre Reichsvafallen und Ministerialen zu, sondern sie hatten zu eben diesem Zwecke auch alle anderen freien Landsassen zur Landwehre aufzubieten, die gemeinen Landeskricgs-frohnden zu fordern, ja weiters auch noch alle Lehens- und Dienstmannschaft mit den Gemeinfreien zur Vertheiöigung der landesherrlichen Rechte und zur Ausfechtung aller gerechten und von ihnen gebilligten Fehden zu verhalten; und zwar die Vasallen nach dem bestehenden Lehensvertrag und dem darauf geleisteten Cid (jure homagü oder hominii), den Ministerialen aber als einen Ledigmann (homo ligius) nach gemeinem Hof- oder Dienstrechte (Jure Curiae) zu jeder Zeit und gegen jeden Feind *). Gewöhnlich erhielten jetzt Vasallen und Dienstleute für allen Heeresdienst Lohn und Vergeltung, auch Schadenersatz. Dagegen erhob auch der Landesherr für geleisteten Reichsdienst und für die Landesvertheidigung mit feinen eigenen Dienstmannen von den sämmtlichen Lanöcsinfassen eine auf die Gemeinheiten, Gemeinden oder Genossenschaften, oder auf den Grundbesitz vertheilte Abgabe, welche unter der Benennung Heeressteuer oder Bede (Her-stiura, Praecaria) erscheint i) 2). Ein gleiches Verhältnis hatte sich nach und nach auch bei den Hochstiftcn, Abteien und reichen Hofmarkenbesitzern ausgebildet. So sagt daher schon zu Ende des zwölften Jahrhunderts das österreichische Landrecht 3): »Wer standes-»mäßig von einer Heeresfahrt zu Hause bleibt, der zahlt seinem »Herrn als Heersteuer den halben Jahreszins eines Gutes. Ein »Bürger und Bauer zahlt für Heerfahrtssteuer einen ganzen Jah-»reszins seines Gutes. Thut ein Herr gar keine Heerfahrt, so zahlt »ihm auch Niemand eine Heeressteuer." Da das Waffenhanöwerk, Gewandtheit in allen Waffenarten, persönlicher Muth, kühnes Wagen in Gefahren der Schlachten und Zweikämpfe der Hauptgeift und das vorzüglichste Geschäft i) Daher heißt es im §. 35 des altösterreichiichen Landrechtcs: »Wenn ein Landherr Heerfahrt gebeut, um des Landes Noth, so soll ein jeglicher Mann fahren mit seinem Herrn, dessen behauster Mann er ist.« -) Mon, Boic. XXIX. p. 402. I. 1171. 3) s, 35, uebet die Fortdauer des altgermanischen Kriegswesens und des Heerbannes in das Mittelalter herab. — Fr. Kurz, Militärverf. p. 59-62. des mittelalterlichen Adels, der Ritter und der Gcmeinfreien war, so unterließen diese nicht leicht, dem Heerbannsrufe persönlich mit ihren pflichtigen Kricgsdienstleuten zu folgen. Sind nun auch umständliche Urkunden über die Zuzüge der steierischen Landeöeln beim Heerbannsrufe der Landesfürften nicht vorhanden, so erscheinen doch die vordersten Alloden- und Lehenbesitzer des Landes bei gewissen Vorfällen mit ungemein starken Zuzügen, wie im Kriege König Rudolphs l. gegen den Böhmenkönig Ottokar: Graf Heinrich von Pfannberg mit 300, Friedrich von Pettau mit 200, Hart-nid von Wildon mit 100 Reisigen; mit erbarm Rotten die Edelherren von Stubenberg, Liechtenstein, Seldenhofen; Salzburg brachte aus seinen steierischen Alloden über 200, Seckau 60, Admont 100 Reisige und alle anderen Stifte nach Derhältniß ihres allodialen und lehenweisen Bcsitzthumes. Eben so bedeutende Zuzüge wurden den Landcsherzogen Albrecht I. und Rudolph IV. in den Kriegen gegen das Hochstift Salzburg, gegen Ungarn und Böhmen von dem Landesadel geleistet. Ottokar von Horneck gibt darüber genügende Andeutungen im Allgemeinen und im Einzelnen. Bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts beseelte auch den steierischen Heerbann der ritterliche Geist der Ehre, so daß es Ottokar von Horneck als einen beschimpfenden Mißgriff des Abtes Heinrich ll. von Admont bezeichnet, wie er als steierischer Landeshauptmann statt freier Edelknechte die Dauern des Enns-thales und aus Oppenburg bewaffnet und mit solchem Heerbanne den Zug wider den ungarischen Raubgrafen Iwan gethan hat: »Under manigen Schaden, den er tet, dem Lannd hie ze Steyr »öerselb Hutigeyr, so waz daz ain Schad groz, daz er machen wolt „gcnoz von Art Edlen-Knechten Gepaurn-Süne, die gerechten „vil pilleicher scholöen Ir Sawm-Sätel, wenn sie wolden Salcz »von Awsße furn: die selben auch woz suueren chunnen jr Salcz-"Sekh, dann si die Eyssnein-Flekh auf die Wembeis chunden tun. "— We! doz sie sein verwasßen, die da machent Eisenchappen aus „solchen Akher-Trappen, die da gehörnt zu dem Pflueg, da Edler „Knecht ist genug, die man pilleich Tewr macht Zur Uebersicht stellen wir hier alle den Heerbann betreffenden Anordnungen des alten österreichischen Landrechts zusammen: „Wenn der Landesfürst zur Dertheidigung des Vaterlandes ein „allgemeines Aufgebot ergehen läßt, so müssen sich alle edeln Guts- i) Horneck, p. 237. „bescher mit ihren Vasallen und Hintersassen aufmachen und ins „Feld ziehen. Wer nicht erscheint, der gibt seinem Herrn einen „halbjährigen Zins von seinem Lehen; Bürger und Bauern geben „zur Strafe so viel, als ihr Haus für einen ganzjährigen Zins ab-„werfen konnte. Versäumt der Gutsherr selbst die Heerfahrt, so „dürfen ihm seine Unterthanen keine Heersteuer oder kein Rüstgelü „bezahlen. — Der Landesfürst hat aber keineswegs das Recht, die „Hcrrschastsbesitzer zu zwingen, ihm auch außerhalb öerLandesgrän-„zcn Kriegsdienste zu leisten; wünscht er dieses, so soll er sie darum „ersuchen oder in seinen Sold nehmen. Ritter und Knappen, sie „mögen Vasallen oder Dienstmannen des Landes, der Bischöfe oder „Aebte seyn, so wie überhaupt alle Herrschaftsbesitzer müssen ein „geharnischtes Streitroß und eine vollständige Rüstung zum Schutz „und zur Ehre des Landes in Bereitschaft halten, wenn ihnen ihre „Güter 20 Pfunde jährlichen Einkommens abwcrfcn; hat einer nicht „so viel Einkünfte, so darf er nur mit einem unbedeckten Hengst „und mit gewöhnlichen gemeinen Waffen versehen seyn. Der Rit-„ter und der Knappe, welcher eines siechen Körpers halber zum „Kriegsdienste untauglich ist, muß dessen ungeachtet ein Streitroß „und einen Harnisch haben. Bedarf man seines Dienstes, so muß „sein Sohn oder ein Anverwandter von ihm seine Stelle vertreten. „Wer dieser Pflicht nicht Genüge leistet, der ist rechtlos; auf seine „Klage antwortet kein Richter, aber wider ihn darf Jedermann als „Kläger austreten; und überdies zahlt ein solcher psiichtvcrgcfsc-„ner Ritter oder Knappe demjenigen, welchem er seinen schuldigen „Beistand versagte, noch 20 Pfunde zur Strafe, zu deren Erlegung „man ihn zwingen soll, wenn er sie verweigern wollte. Ergeht das „Aufgebot zur Vertheidigung des Landes und ziehen die Wehr-„männer nach dem bestimmten Sammelplatz, so haben sie auf dem „Marsche nur das Recht, von den Hausbesitzern für sich selbst Speise „und Trank, wo dies vorhanden ist, und für ihre Pferde ein Fut-„ter zu verlangen. Reicht man dies gutwillig ab, so ist jede Ge-„waltthat strenge verboten. Täglich müssen auf dem Marsche 4 „Meilen zurückgelegt werden. Wer sich auf dem Marsche mehr, „als ihm das gegenwärtige Gesetz erlaubt, zueignet, über den soll „der Marschall wie über einen Räuber das Urtheil fällen. Würde „der Landesfürst einen seiner Hausgenossen aus bloßen Privatab-„sichtcn und ohne Recht mit Krieg überziehen, so hört bei Grafen, „Freien und Dienstmannen die Pflicht auf, ihn auf dem Feldzüge „zu begleiten. Wagt es aber ein Hausgenosse, seinen Lanüesfür- "sten ohne Recht anzufallen, so sind Alle im ganzen Lande verbunden, Letzterem nach ihrem vollen Vermögen beizuspringen *)•" Die Negierungsvcrfassung des fränkisch-austrasischen und des deutschen Reiches; die Könige tut fränki sch-austrasischeu und die Kaiser und Könige im deutschen Reiche, in Beziehung ans die Steiermark. Die altrömische Provinzenverfassung und Verwaltung wurde in der norisch-pannonischcn Steiermark während der kurzen ostgo-thischcn Periode größtentheils und sogar mit den römischen Beamten beibchalten 2). Was anfänglich hierin geschehen sey, wie die Landtheile an der Enns, Mur, Raab, Drave und Save an die austrasischen Franken gekommen sind? liegt noch in tiefem Dunkel. Wir vermuthen Folgendes. Die vielverzweigte und verwickelte Dio-klctianischc und Consiantinische Vcrwaltungswcise verlor sich von selbst, und die einfache Urverfassung der celtisch-germanischcu Völker trat in Verbindung init der innern Einrichtung unter den Franken und mit der fränkischen Reichsoerfassung und Regierungsform bis zum Ende des siebenten Jahrhunderts ganz ivicder hervor. Alle Rechte der Gesetzgebung, der richterlichen Gewalt in bürgerlichen und peinlichen Gegenständen, der Militärgewalt oder des Heerbannes über alle Völker in den austrasischen Vorländern, vvin Lech bis Pannonien hinab, waren in die Hände der austrasi-schcn Könige übcrgcgangen, so wie zugleich alle Ländereien und zinspflichtigen Landesbewohner, welche während der gothischen Herrschaft aus der Römerzeit her für Fiscaleigenthum angesehen und behandelt worden waren, ein Eigenthum der Frankenkönigc und ihres Aerariums, und alle andern römisch-fisealischen Rechte, die Conflseationen, Erbschaftsfälle, die Zölle, Marktrechtc u. s. w. von jetzt an Rechte der fränkisch-austrasischen Regierung geworden sind. Die Verfassung und Regierung des fränkisch-austrasischen Rei-ches war aber folgende. Die oberste Leitung aller Staatsgeschäste führte der König selbst mit dem Beistände mehrerer hochedler Män- ') Fr. Kurz, ostcrr. Militärverfaffung. p. 263 - 267. S) Cassiodor. Var. VI. VII. ren, welche um seine Person her, gleich dem Consistorium eines römischen Imperators, eine besondere Gesellschaft von Hof- und Staatsbeamten bildeten. Diese waren: Der Hausmeier, als Befehlshaber der königlichen Leute (Major Domus, Comes Domus regiae) bis zu den carolingischen Herrschern. Der Vorsteher der königlichen Kanzellei (Referendarius), mit mehreren untergeordneten Kanzellarien und Notarien. Dieser ward bei der engeren Verbindung zwischen Kirche und Staat zugleich geistlicher Minister und daher Apochrisiarius genannt. Der Pfalzgraf (Comes Palatii) Richter im Hofgerichte, später auch für alle Appellationen an das königliche Obergericht selbst, eigentlicher Minister in allen weltlichen Angelegenheiten. Der Kämmerer (Cubicula-rius, Cammerarius) oder oberster Einnehmer und Verwalter aller königlichen Einkünfte mit Besorgung der ganzen Hofhaltung. Zu diesen kamen später noch die königlichen Sendgrasen und Kammerboten (Miss! regii) zur unmittelbaren Untersuchung der Provinzialoerwaltung. Als bloße Hofbeamte erschienen neben diesen der Marschall (Comes Stabuli, Marescalcus), der Senneschall (Dapifer, Senescallus), der MllNdsch enk (Buticularius, Pincerna) mit vielen untergeordneten Bediensteten. Alle Völker des Frankenstaates und um das Hauptvolk der Franken her bildeten eine große Genossenschaft, eine theilbare Erbmonarchie '). Die frühesten Rechte der Frankenkönige waren folgende. Die herzogliche Kriegsgewalt, verbunden mit der Befugniß, von dem Adel und dessen Dienstgefolge, als von Ministerialen oder Dienstleuten, von den Freien, aber nach ihrer Bewilligung, den Heeresdienst zu fordern. Die Gerichtsbarkeit und der Vorsitz bei den freien Volksversammlungen, die jedoch tut ausgedehnten Reiche größ-tentheils durch Herzoge und Gaugrafen im königlichen Namen ausgeübt wurden. Anwartschaft und später förmliches Recht auf jährliche Geschenke bei Gelegenheit der März- und Maiversammlungen. Das Recht auf die königlichen Renten des Fiscus durch Hebung eines Zinses oder einer Grund- und Personensteuer, auch einiger Naturaldienste von gewissen Provinzbewohnern, auf die Erbschaften herrnloser Habe, aus die Consficationen, auf die Zölle und auf den Ertrag der königlichen Domänen oder Kammergüter (Res privatae regis), welche durch eigene königliche Beamten be- Perz, Monum. Germ. III. 198 — 300. wirthschaftet und verwaltet wurden (Majores. Villici. Actores). Das Münzregal, die jährlichen Gefälle vom Schlagschatze der Münze und gewisse Tribute von fremden Völkern. — Jedoch alle diese reichhaltigen Quellen königlicher Renten schwanden im Laufe der Zeit insbesondere durch die fromme Freigebigkeit mancher fränkisch-deutschen Könige und Kaiser, durch die der Kirche und weltlichen Großen ertheilten Emunitäten, Privilegien und Fiscalrechte, ungemein zusammen. Wir werden in der Reihenfolge der Begebenheiten Nachweisen, wie in der Steiermark tausende von fiskalischen Hufen, königliche Domänen von mehreren Stunden im Umfange und bewohnt von Hunderten rücksässiger Eigenleute an die Hochstifte Salzburg, Freisingen, Bamberg, Aguileja, an die Abteien Göß, St. Lambrecht, Admont, Rein, Seiz, Vorau, Seckau u. s. w. und an die hochcdeln Familien der Markgrafen an der Saan, der Traun-gauermarkgrasen, der Grasen von Mürzthal und Eppenstein u. s. w. geschenkt worden sind. Indessen erstarkten aber und erweiterten sich alle Vorrechte und die Macht des Königs durch die vollendete Feststellung der christkatholischen Religion im ganzen Reiche, da sie Staat und Kirche als Ein großes Ganze und als Eine Hierarchie unter Einem Oberhaupte (wenigstens faetisch) denken und an-schauen lehrte, und durch die Erhebung der römischen Kaiserwürde zu einer wahren Staatsgewalt. Rach den Heerbannsvorschriften wurde jetzt die ganze Nation zu Kriegen und zu unfreiwilligen Heeresdiensten aufgeboten; in königlicher Machtvollkommenheit handhabte jetzt der Monarch Recht und Frieden und bestellte Beamte, Herzoge, Markgrafen, Gaugrasen und mindere Richter, welche unter Königsbann ld. i. bei höchster Buße von 60 Schillingen) und beaufsichtet von königlichen Kammerboten, Recht sprachen, mit Leitung und Appellationen an das königliche Obergericht des Pfalzgrafen, und in vorbchaltenen Fällen an den König selbst; nicht mehr bloß Dienstmannstreue, sondern wirkliche Unterwürfigkeit mit Gehorsam gegen den König ward als Pfiicht bei allen Volksge-meinden festgcsteüt und darauf auch beim Eintritte eines jeden neuen Monarchen von allen Bewohnern des ganzen Reiches, Gau für Gau, feierlicher Eidschwur geleistet '). Dagegen schwor auch jedes neue Reichsoberhaupt, Reich und Kirche fest zu beschirmen und alle Reichsvölker nach Gesetz und nach ihren Rechten zu beherrschen. Perz7 III* 95. 543. 568. Alle Reichsangelegenheiten wurden auf öffentlichen Versammlungen mit den Reichsstänöen überlegt und verhandelt. Alle Reichsstände (Optimales, Majores, Seniores), nämlich: Bischöfe, Akbte und von königlichen Getreuen der hohe Adel oder die, welche mit Hof- und Staatsämtcrn betraut waren, sollten pflichtgemäß auf den allgemeinen Reichsversammlungen, welche zugleich als kirchliche Synoden im März und später im Mai gehalten wurden, erscheinen, um den Plan der Reichsgcschäftc für das ganze Jahr ordnen zu helfen. Der König übergab die Beurtheilungspuncte; die Reichsstände legten hinwiederum den Schluß ihrer Berathung vor, worauf der Gesctzesbeschluß (Capitulare) verfaßt wurde, welcher, wenn er Abänderung der Volksgesetze, oder Gegenstände, worin der König dem Volke nicht gebieten konnte, enthielt, auch von den Volksgemeinden gebilligt werden mußte. Besonders dringende Geschäfte, vorbereitende und minderwichtige Berathungen nahm der König mit seinen besonders Betrauten (Consiliarii) in anderen Versammlungen vor, welche bei Veranlassung der Feier hoher Festtage an bestimmten Orten gehalten wurden. So hatte sich das deutsche Reich mit seinen Nebenländern zum Einen, unzertrennlichen römischen Reich, und wegen Einigung mit der Kirche zum heiligen römischen Reiche deutscher Nation ausgebildet. Als Oberhaupt dieses Reiches wurde jetzt von den sieben Wahl- oder Churfürsten (Principcs eiectores) gewählt und in Aachen gekrönt der römische König, welcher jedoch erst durch die Krönung in Rom, die der Papst einem rechtmäßig erwählten Könige nicht versagen durfte, und wozu ihn alle Reichsvasallen begleiten mußten, Rechte und Titel eines römisch eil Kaisers erhielt. Der gewählte König schwor dem Reiche Huld (Homagium), das Recht zu schützen, Unrecht zu strafen, und nach Gesetz und Kräften zum Besten des Reiches zu herrschen. Als Oberhaupt mit der obersten weltlichen Gewalt über die ganze Christenheit war jetzt der römische Kaiser auch der Schirmvogt der christlichen Kirche überhaupt und der römischen Kirche insbesondere. Diese seine Gewalt (Dominium Mundi) wurde als von Gott durch den Papst erhalten betrachtet. Der römische Kaiser hatte daher auch den tinbestrittenen Rang vor allen weltlichen Fürsten. Er hatte das Recht, Titel und insbesonöers den Konigs-titel zu ertheilen, und von ihm ging dann auch ursprünglich aller Adel aus. Zur Besorgung der Rcichsregierung blieben fortwährend die Reichs- und Hoftage, der Rath und die Zustimmung der Reichsstände zu Beschlüssen über allgemeine Angelegenheiten nach Innen und Außen, über Reichskriege, neue Reichsgcsetze u- f. w. Dabei war die Reichsftnnöschast nur den geistlichen und weltlichen Fürsten, den Grafen und Herren allein eigen, und sie ward den Geistlichen nicht mehr durch die geistliche, sondern durch die weltliche Würde (als Fürsten, Grafen, Herren; und daher die Begriffe von Reichsprälaten, Reichsäbten) bestimmt. Der Kaiser übte aber diese seine Gewalt, Recht, Gesetz und Frieden handzuhaben, jetzt ordentlicher Weise und aller Orten weder selbst, auch nicht mehr durch Beamte au seiner Statt aus, sondern durch diejenigen, welche von ihm die Gewalt zu eigenem Recht, jedoch lehenweise und zwar durch Fahnenlehen, ein Herzogthum, Markgrafen a mb acht, und ein vom Herzogthum unabhängiges ursprüngliches Reichsamt und die Grafschaft erhalten hatten. Jeder mit Fahnenlehen Belehnte hieß Fürst des Reiches. Die Länder des Reiches, über welche weder ein Fürstenamt noch Grafschaft verliehen worden, verwalteten an des Kaisers Statt Reichsvögtc. Hinsichtlich der Handlungen des Rechtes und des Friedens bildete das deutsche Reich einen zusammengesetzten Staat, in welchem eine untergeordnete Staatsgewalt den einzelnen Landesherren, oder den mit Fürstenamt oder mit Grafschaft vom Reiche Belehnten zustanö. Es war aber bestimmtes Reichsgesctz, daß der Kaiser kein offenes Fahnenlehen über Jahr und Tag behalten solle. Es blieb jedoch neben dieser Landeshoheit dem Kaiser die vollste Besugniß, die Regierung selbst zu versehen. Denn alle Regierungsgcwalt im ganzen Reiche stand ursprünglich dem Kaiser allein zu; und alle Regierungsrechte in den einzelnen Ländern, die Freiheiten und Befugnisse aller Rcichsstände sind nur Ausfluß der kaiserlichen Gewalt und Gnade; wenn gleich Verträge und mit der Zeit besonders erwachsene Verhältnisse hier ein Erblich-kcitsbefugniß und Recht in gewissen Fürstenfamilien zur Nachfolge im Besitze hervorgebracht hatten O« Daher mochte man vor ihm und vor seinen Gerichten unmittelbar eben sowohl Recht suchen, als vor denen des Landesherrn; und wo der Kaiser selbst war, wurde dadurch von selbst die Gewalt der Landesherren suspendirt. Eben deßwegen mochte der Kaiser immerfort Einfluß nehmen in 1) Nach Mcichelb. II. p. II. P. 147 nennt sich im I. 1359 Erzherzog Rudolph IV. von Oesterreich: »ein Geliede des kaiserlichen Hauptes, von dem alle weltliche Recht, Freiheit, Gnade und Güte Gewohnheit flieffcnt.« die Regierung der Landesherren, den Untertanen derselben beliebig Rechte und Privilegien ertheilen oder dieselben bestätigen, von neuen Einrichtungen in den Provinzen Wissenschaft nehmen; und der Kaiser behielt die volle Freiheit, durch Reichslehen und Privilegien die Landeshoheit zu beschränken. Ganz in dieser kaiserlichen Machtvollkommenheit erschienen die deutschen Reichsbeherrscher stets auch in Beziehung auf die Steiermark. Ungeachtet der statthalterlichen, markgräflichen und herzoglichen Gewalt Karlmanns, Arnulphs, Luitolös, Arnulphs des Bösen, Bcrtholds, Heinrichs oder Hezelos (I. 855 — 955) und aller ihrer Nachfolger in Karantanien und in dessen unterer und oberer Mark schalteten die deutschen Regenten mit fiscalischen Ländereien und Leuten in der Steiermark in voller Freiheit: die deutschen Könige und Kaiser, K. Ludwig der Deutsche, I. 861 20. November '); K. Arnulph, 20. Nov. 890 "); K. Otto II. 1. Octob. 978, 7. Octob. 979 und 18. Mai 982 * * 3); K. Heinrich HI. 8. Februar 1051 4 * *) und K. Heinrich IV. 4. Februar 1057 n. s. w. s) bestätigten dem Erzstifte zu Salzburg alle Besitzungen in Steiermark, insbesondere jene der Stadt Pettau. K. Otto I. I. 940 u), K. Otto III. 25. Mai 996 7) und K. Heinrich IV. 23. August 1062 8), befreiten alles salzburgisch-steirische Saalgut von aller hohen und niedern Gerichtsbarkeit, unterwarfen dasselbe allein der Gewalt und Anordnung der Erzbischöfe und ihrer Vögte, und ertheilten den Erzbischöfen auf all' ihrem Stistgrund und Boden Münz-, Markt- und Zollfreiheit, so wie die Regalien auf Salze und Metalle. K. Otto I- 7. März 970 schenkte diesem Stifte von kaiserlichem Domänengute in der mittleren Steiermark an der Mur, Sulm und Laßnitz den Nidrinhof mit 50 Hufen, den Forst Sau-sal und alles, was in der Stadt Zuib am Zusammenflüsse der Sulm mit der Mur und zu Leibnitz des Kaisers war 9); K. Hein- Juvavia, Anhang, p. 96. Juvavia, Anhang, p. 113 — 115. 3) Juvavia, Anhang, p. 200 — 208. 4) Juvavia, Anhang, p. 235. s) Juvavia, Anhang, p. 243. e) Juvavia, Anhang, p. 177. Juvavia, Anhang, p. 212. 8) Juvavia, Anhang, p. 254. 9) Juvavia, Anhang, p- 186-188. rich IT. 4. December 1005 die Hof»,ark Admont im Admonttha-le '), Kaiser Heinrich IV. 7. Decemb. 1045 die Fiscalgüter Lui-toldsdorf und Waldreviere an der Laßniß, 6. März 1055 "), Straßgang bei St. Martin mit Saalboden bis an die Mur bei Grätz * * 3 4 5 *), den 3. Juli 1056 Gumbrechtstätten an der Laßnitz <*). Einem edlen Grafen Witagowa schenkte K. Ludwig der Deutsche l. October 860 zwölf Mansus Saalgut im Admontthale s), K. Arnulph 29. Juni 895 dem königlichen Getreuen, dem Karanta-ner Walthun, kaiserliche Domänengüter in der untersteirischen Mark an der Save zu Reichcnburg und zu Videm G), K. Heinrich II. 16. April 1015 dem hochedlen Kärntner, dem Grafen Wilhelm von der Soune oder Saan, 30 königliche Hufen im Orte Trachen-öorf und alles Rcichsdomänengut zwischen den Flüssen und Bächen Save, Saan, Zottla und Nirine im Saangaue mit allen Ho-hcitsrechten und mit dem Mauthregale; 18. April 1015 den dritten Th eil eines kaiserlichen Salzwerkes mit allem dazu gehörigen Saalboden mit Renten und Hörigen und mit dem Mauth-, Markt-, Metall- und Münzregale auf allen Eigengütern des Grafen Wilhelm 7 *); K. Konrad II. 11. Mat 1025 gab eben diesem Gaugrafen an der Saan dreißig königliche Mansus in ebendemselben Gaue, zwischen den Wässern Gurk, Saan, Kopriuinik, Choöing und Ogvanie gelegen s), und 12. Mai 1025 einer hochedlen Matrone , Beatrize, aus dem Geschlechte der Grafen von Eppenstein und Mürzthal, hundert Königsmansus mit dem Salz- und Münz-rcgale im Aflenzthale; nachdem schon 13. April I. 1000 K. Otto in. dem karantanifchen Markgrafen Adalbero von Mürzthal und Eppenstein hundert Mansus Reichsdomänengut in dem Ilmsange seiner Karantanermark auszuwählen gegeben hatte 9). Vom K. Heinrich Hi. erhielten 8. November 1042 sein getreuer Markgraf der oberen steierischen Mark zwei Mansus Königsöomäne im Orte Juvavia, Anhang, p. 213. ") Juvavia, Anhang, p. 232. 3) Juvavia, Anhang, p. 239. 4) Juvavia, Anhang, p. 242. 5) Juvavia, Anhang, p. 94. Archiv für Süddeutsch. II. 213 - 214. 7J Archiv für Süddeutsch. II. 224 — 226. e) Archiv für Süddeutsch. II. 226 — 227. Saalbuch von St. Lambrecht. Qjefd). 6. Steiermark — II. SB». ■ 16 Gösting bei Grätz mit Eigenleuten, und 3. October 1048 Bischof Hartwick von Bamberg ein Saatgut, Rotenmann, im Thale und Gaue an der obersteierischen Palte '). Die Besitzungen der Gaugrafen von Leoben aus dem Geschlechte der Traungauermark-grafen vermehrte Kaiser Ludwig tut Jahre 904 mit einer Spende an Aribo, Sohn des Gaugrafen Ottokar, im Leobcnthale von 20 Husen Königsgutes bei Leoben * 2). Die Stiftung des Nonnenklosters in Göß geschah unter ausdrücklicher Bestätigung der Kaiser Heinrich II. 1. Mai 1020, und Heinrich III., und zwar auch der einzelnen Güterspenden 3). Die Gründung des Bisthums zu Gurk und die Stiftungen von St. Lambrecht und Admont geschahen mit Vorwiffen, Zustimmung und Bestätigung K. Heinrichs IV. 4); ja die Bestätigung von St. Lambrecht erfolgte zweimal, I. 1096 und 1104, und von K. Heinrich V. mit der Zusicherung freier Abtenwahl für dir Stiftsbrüöer, der Schirmvogtei für die Karantanerherzoge und nach deren Absterben für die Wahl des Stissabten 5). Als K. Konrad II. zu Salzburg 1149 die gesammte Fundation des Stiftes St. Lambrecht bestätigte, erklärte er auch in seinem Hofgerichte (justo judicio curiae nostrae), auf die von diesem Stifte an ihn gebrachte Beschwerde, alle Ansprüche der Gräfin Sophie von Skalach und ihrer Söhne, Heinrich und Sie-gehard, auf lambrechtische Besitzungen zu Aflenz, im Mürzthale und im Piberthale für widerrechtlich 6 7). Eben so trug K. Friedrich I. I. 1158 den Streit der edeln Matrone Richenza gegen ihren Gemahl Adelram von Waldeck wegen Verkürzung ihres Hei-rathsgutes und Erbes durch übermäßige Spende bei der Gründung des Canonicatstiftes zu Seckau aus Daß alle Herzogthümcr und Markgrafschaften Fahnenlehrn des Reichs und nur durch die Gnade des Kaisers und vom Reiche lehenbar waren, galt von der Steiermark eben so, wie von allen >) Mon. Boic. XXIX. I. 46 - 77. 94 - 95. -) Dipl. Styr. I. 3 — 4. 3) Dipl. Styr. 10. *) Juvavia. p. 258 — 269. 5) Dipl. styr. II. 276. - Bestätigung K. Friedrichs I. Jahr 1170 p. 278. — Eaalbuch von St. Lambrecht. 6) Saalbuch von St. Lambrecht. 7) Dipl. Styr. I. 149 — 150. Diese Beschwerde hatte Richenza schon um das Jahr 1149 dem K. Konrad II., als er auf der Rückkehr von Palästina zu Friesach Hoflager hielt, vorgebracht. andern Ländern des deutschen Reichs. War gleich schon zu Ende des zwölften Jahrhunderts hierin die Erblichkeit vom Vater aufden Sohn üblich geworden, und trat auch Herzog Ottokar VIII. seine Steiermark (I. 1186—1192) an den Herzog der Ostmark, Leopold den Tugendhaften, zur Beherrschung ab: so war doch die ganze Vertragsurkunüe auf dem Grundsätze, daß die Steiermark ein Fahnenlchen des heil, röm. Reichs sey, sestgestellt; so wurde den Ständen dieses Landes das ausdrückliche und wieder auf diesem Grundsätze fundirte Recht Vorbehalten, in Fällen von Beschwerungen und ungesetzlicher Behandlung von Seite des neuen Landesregenten sich an Kaiser und Reich zu wenden, utn dort Recht und Hülfe zu suchen '); so mußte Herzog Leopold der Tugendhafte eben dieses Grundes wegen nach Ottokars Tode im I. 1192 am Hostage zu Worms feierlich die Belehnung mit diesem Herzogthume vom K. Lothar II. empfangen. Auf dem Hostage zu Nürnberg, I. 1218, bestätigte K. Friedrich ll. die im Werke stehende Errichtung des Bisthums Scckau in der Steiermark aus Bitten des Erzbischofs Eberhard II. von Salzburg * 2). Das alte Recht freier Abtenwahl ließ sich das Stift St. Lambrecht von eben diesem Kaiser im I. 1223 bestätigen 3); und im I. 1237 nahm K- Friedrich II. Gut und Hofmark Maria Hof in seinen besonder» Schutz 4). Im I. 1237 beharrte K. Friedrich II. auf dem alten Grundsätze, daß ein jeder Landcsfürst die Steiermark als Reichssahnenlehen nur allein vom Kaiser und Reiche zu empfangen habe 4). Aus dem Grunde eilten, in dem Zerwürfnisse zwischen dem eigenwilligen Landesregenten, Herzog Friedrich dem Streitbaren und dem Reichsoberhaupte, K. Friedrich II., I. 1237, sogleich die Landesstände und Ministerialen der Steiermark zu diesem Monarchen in die Stadt Enns, baten nachörück-lichst, sie und ihr Land unmittelbar in kaiftrlichen reichsoberhaupt-lichen Schuß zu nehmen, die Steiermark als Reichssahnenlehen Niemand weiter mehr zu verleihen und alle ihre wohlerworbenen 16 * *) Chron. Reichersberg: Anno 1192 mortuus est Dux Styrensis, Ottokar nomine, qui antea dicebatur Marchio Styrensis; et quia liercdein non habebat, Dux Austrian Leopoldus success» ei et accepit eundem Ducatum de manu Imperatoris valde sollempniter apud Wormatiam in proximo Pentecostes, quod evencrat tunc in IX. Kal. Junii. !) Dipl. Styr. I. 104. 3) Saalbuch von St. Lambrecht. '•) Saalbuch von St. Lambrecht. Urkunde in der Landhandfest. I. 1237 p. 10. Freiheiten und Rechte zu bestätigen. Und K. Friedrich II. säumte nicht, die dem Lande, den Ständen und Ministerialen der Steiermark von den früheren Landesherzogen Ottokar VIII. von Stcier und Herzog Leopold von Babenberg ertheilten Freiheitsdiplome anzuerkennen und aus kaiserlicher Gewalt zu bestätigen (Stadt Enns am Ennsflusse im April 1237) »)• Ungeachtet der Erbliche feit dieser Fahnenlehen im Falle männlicher Erben zog dann K. Friedrich II. nach dem Tode des letzten Landesherzogs, Friedrichs des Streitbaren von Oesterreich und Steier, die Steiermark als Reichslehen heim und ließ dieselbe im Namen des Reiches durch Otto von Eberftein verwalten -), Daher wurden die Schwestern Herzog Friedrichs H., Margarethe, und seine Nichte, Gertrud, nicht als rechtmäßige Machthaberinen erkannt, als sie 1247 in das Land gekommen waren. Auf die Landesregierung erkannten ihnen weder der Gegcnkaiser Heinrich von Thüringen, noch Wilhelm von Holland ein Allodialerbrecht zu (I. 1249). Selbst K. Ottokar von Böheim, Gemahl der Margaretha, fand es für nöthig, sich vom K. Richard im I. 1262 zu Aachen mit Steiermark feierlich belehnen zu lassen. Später jedoch wurde diese Belehnung für ungültig erklärt, weil sie nicht in des Reichs gesetzlicher Förmlichkeit, nämlich weil sic ohne Wissen und Zustimmung der Churfür-sten geschehen war * * 3). Dem König Ottokar gegenüber sahen sich die Stände und Edelherren als die Getreuen und Vasallen des heiligen römischen deutschen Reiches an, und in ihrer Verschwörung zu Rein erklärten sie feierlich und urkundlich ihre Erhebung wider den unrechtmäßigen Landesregentcn Ottokar als Pflicht gegen dasselbe deutsche Reich, als schuldige Anerkennung des rechtmäßigen Reichsoberhauptes K. Rudolphs I. und Unterwerfung gegen dasselbe 4), Eben wieder, auf dem alten Grundsätze beharrend, erklärte K. Rudolph I. von Habsburg im I. 1276 zuerst den Grafen Mainhard von Tyrol und Görz zum Reichsoogten der Steiermark, dann den Herzog Ludwig von Baiern, als Pfalzgrafen bei Rhein, gemäß des ihm zustehenden alten Vorrechtes, zum Verweser , und für die I. 1280 bis zu Ende 1282 seinen Sohn Al- Steierisches Landhandfest. 10 — 11. ') Daher nannte sich auch Otto von Eberstein in einer Admonterurkunde vom Jahre 1248 ausdrücklich: Sacri Homani imperii per Austriam et Sty-riam Capitaneum et Procuratorcm. — Lambacher, Anhang» p. 14 — 15. 3) Lambachcr, Interregnum, p. 14-16. 22. 23. 35. 77. 4) Urkunde bei Rauch, Gesch. von Oesterreich Ul. 560 — 561. SŽ45 brecht L als Reichsoogten der offen stehenden Reichsfahnenlehcn Oesterreich und Steiermark, im Namen des Kaisers und Reichs '). Eben in dieser Ueberzrugung gebot und erließ K. Rudolph I. mit Brief und Siegel einen allgemeinen Landfrieden für die Steiermark und bekennt sich in seinen Majestätsbriefen für die ganze Steiermark, I. 1276 und 1277, von kaiserlicher Macht und von Reichs wegen zur Pflicht, dies Land zu beschirmen, von aller Bedrückung und Beschwerung durch irgend einen Landesfürsten frei zu halten, des Landes Rechte und gute Gewohnheiten aufrecht zu erhalten, alles Nachthcilige zu bessern und des Landes Wohl in Allem zu erhöhen -). Gleicherweise die kaiserliche Machtvollkommenheit und den gesetzmäßigen Einfluß aus die Steiermark übend, bestätigte K. Rudolph I. auf die persönliche Bitte der Stände und der Ministerialen im I. 1277 nicht nur alle älteren fürstlichen und kaiserlichen Privilegienbriefe des Landes und seiner Stände von den I. 1186 und 1237 3); sondern er erweiterte den Inhalt derselben nach Erforderniß der Zeitverhältnisse mit neuen Rechten, Freiheiten und Anordnungen, wie: daß Pfändungen und andere Aufgriffe ohne Beiziehung der betreffenden richterlichen Gewalt nicht geschehen; daß alle wider die alten Gewohnheiten errichteten Zölle, Mauthen, Umgelöer und Weggelöer zu Wasser und zu Lande wieder abgethan werden sollen; daß Niemand zur Gefährde eines Dritten Burgen und Vestungen innerhalb einer Meile Entfernung erbauen dürfe; daß alle vom Böhmenkönige Ottokar widerrechtlich gebrochenen Schlösser und Burgen wieder aufgebaut werden mögen; daß kein Landesregcnt einen steierischen Ministerial eines Ber-brechens wegen, das er nicht eingestanden hat oder dessen er nicht richterlich überwiesen worden ist, in gefängliche Haft zu nehmen befugt seyn solle; daß die Stände und Ministerialen des Landes nicht eher zum Gehorsam gegen den neuen Lanöesherrn gedrungen werden sollten, bis dieser nicht vorher die Aufrechthaltung und Beschirmung des kaiserlichen Freihcitsbricfs selbst mit körperlichem Eide gelobt haben wird 4). Des Kaisers Sohn, Herzog Albrecht i., heißt in den Urkunden bis zum I. 1283 immer nur kaiserlicher Generalstatthalter von Oesterreich und Steier, bis er dieje *) Lamb ach er, Anhang, p. 120 — 121. Landhandfest, p. 4 — 8. Landhandfest. Ausgabe von 1697 p. 3—8. Landhandfest. p. 5 — 6. Fahnenlehen vom Reiche wirklich erhalten hatte '). Kaum war Rudolph von Habsburg zum Oberhaupte des römischen Reiches erhoben, und kaum war er zum Kampfe gegen den widersetzlichen K. Ottokar von Böheim in Oesterreich angekommen, so eilte aus Steiermark AlleS, Stände und Aebte, nach Wien, um sich vom neuen Kaiser ihre He dvestcn und Stiftungen feierlichst bestätigen zu lassen 2). Auf seine Bitte erhielt der Abt Heinrich II. von Admont, I. 1277— 1288, die kaiserliche Erlaubniß, eine Brücke an der alten Ueberfahrt zu Weissenbach an der Enns zu errichten unü Mauthgeld dabei abzufordern, so wie auf stiftischem Saalgrunde die Felsenburg Gallenstein zu erbauen 3); und im I. 1283 ließ sich Admont seine Gerichtsemunität im ganzen Admontthale feierlichst von dem neuen Landesregentcn, Herzog Albrecht L, bestätigen. Kirchliche Angelegenheiten, außer in so ferne sie die Rechte des Staates im Berhältniß zur Kirche betrafen, waren später durch die veränderte Kirchenoerfassung von allen Reichsverhandlungen gänzlich ausgeschlossen. Die Gerichtsbarkeit über der Rcichsfürsten Leib, Ehre, Le, hen und Erbe übte der Kaiser immer selbst im Fürstcngcrichte (Curia, Judicium principum), wobei die Rcichsfürsten zugleich Schöffen waren 4). In Bezug auf die steiermärkischen Landesherren haben die deutschen Kaiser, Friedrich II. und K. Rudolph i-, dieses Richteramt gegen Herzog Friedrich den Streitbaren und den Böhmenkönig Ottokar H. aus eine durchgreifende Weise ausgrübt, wie wir in der Reihenfolge der Begebenheiten umständlich erzählen werden und oben schon angedeutct haben. In allen übrigen Fällen saß der vom K. Friedrich n., I. 1235, eingesetzte kaiserliche Hofrichter (Judex curiae) an des Kaisers Statt zu Gericht. Mit diesem concurrirten alle übrigen kai- *) Dom. Albertus de Habsburch et Kvburcli Comes, primogenitus Rudolfi et ejusdem per Austrian! et Styriam Yicarius Generalis. Am 1. August 1283 heißt er in einer Admonterurkunde schon: Albertus, Dei gratia Dux Austriae et Styriae. *) Wie die Archive und Saalbücher von Admont und St. Lambrecht annoch die ihnen ertheilten Diplome bewahren I. 1276, 1277. Die Bestätigung vom Stifte Stainz ist Wien 17. Februar 1277, jene von Oberburg Wien 28. Februar 1277 und eine besondere Güterbestätigung für das St, Klarakloster in Judenburg, Wien, 28. April 1277. 3) Dipl. Admont. T. n. 2. K. n. 2. Saalbuch III. p. 261 — 264. 6) Capit. Aquisgr. Anno 812. — Pcrz, III. 174. srrlichen Hof- und Landgerichte im Reiche, an welche alle Appellationen von den gemeinen Gau - und Landgerichten um unpartei-sche Justiz gehen kannten. Es hatte sich übrigens auch die Idee ausgebildet und festgesetzt, daß der Kaiser zugleich des Reiches Fürst sey oder seyn könnte; wornach sein Saalgut zum Reiche in gleichen Verhältnissen wie die Saalen aller andern Fürsten stand und daher regelmäßig vererbt wurde. Im zwölften Jahrhundert vollendete sich dann auch die Ausbildung des Regalienwesens für den kaiserlichen Reichsfisrus, das Bergregal auf edle und unedle Metalle, so wie auf Salzquellen und Salzlagcr und deren Benützung, welche als Eigrnthum und Domänenrechte des Kaisers oder Königs im Reiche erklärt und behandelt worden sind. Nicht von den karantanischen Landesherzo-gcn, nicht von den Markgrafen der obern und untern steierischen Mark, — vom Kaiser und Reich, von K. Heinrich II. im I. 1015 erhielten die Gräfin Hemma und ihr Sohn Wilhelm, Gaugraf an der Saan '), vom K. Konrad II. im I. 1025 die edle Matrone Beatrize aus dem Stamme der Grafen von Eppenstein und Mürzthal 2) (bestätiget von K. Heinrich IV. in den I. 1096 u. 1104) das Stift zu St. Lambrecht, und vom K. Friedrich I. das Stift Admont die Regalrcchte aus Salzbau und alle edlen und unedlen Metalle 3). Die Gesetznormen. Das bajuvarische Gesetz. Die fränkischdeutschen Reichscapitularien. Die schriftlichen Gesetze Herzogs Ottokar VIII-, I. 1186, und Herzogs Leopold Ves Glorreichen, oder das österreichische Landrecht, und alle übrigen gesetzlichen Gewohnheiten in der Steiermark. In der vorrömischen Zeit lebten die reltisch-germanischen Völkerschaften in der norisch-pannonischen Steiermark nach uraltbefestigten Sitten und nach einem aus Autonomie der großen Genossenschaften entstandenen Gewohnheitsrechte, welches damals wohl nicht l) Archiv für Süddcutschland. 3) Saalbuch von St. Lambrecht. J) Saalbuch von St. Lambrecht. — Admontcrurkunde. schriftlich abgefaßt ward, sondern allein dein naturstarken Gedächtnisse der Edlen und der bejahrten freien Männer anvertraut blieb. Die Römer führten für das öffentliche Leben ihre eigenen Staatsgesetze ein und hielten sie fast durch fünf hundert Jahre aufrecht. Sie beließen aber den steierischen Völkerschaften Sitten und herkömmliche Gewohnheiten, in so weit sie den Gang des öffentlichen Wesens und der Verwaltung nicht hinderten. Der theo-dosianische Gesetzroder enthält zahlreiche Beweise für die allgemeine Geltung römischer Gesetze in allen Ländern von der Donau bis über die Raab, Mur und Drave an die Save hin. Diese Gesetze erhielten sich noch einiger Maßen'in der ostgo-thischen Epoche; in welcher alle in der norisch-pannonischen Steiermark seßhaften Gothen nach ihren volksthümlichen Gesetzen und bloß von Grafen (comites) gerichtet wurden, die Provinzialen aber in Streitigkeiten mit Gothen von eigenen Landrichtern (welche der römischen Gesetze kundig waren) Recht nahmen '). Nachdem über alle Länder von Rhätien und Norikum bis Pannonien herein die fränkisch -austrasische Königsgewalt befestigt war und alle diese östlichen Vorländer des austrasischen Reichs von den Herzogen in Baioarien verwaltet wurden, verschwinden daselbst allmählig gänzlich die Spuren römischer Gesetze “). An deren Stelle taucht aber eben seit der Mitte des sechsten Jahrhunderts das altbajuoarische Gesetz auf. Gewohnheitsrechte aus uralter volksthümlicher Autonomie bestanden, wie wir gesagt haben, schon längst unter den celtisch- germanischen Völkerschaften in den austrasischen Vorländern. Das Recht der Gesetzgebung lag jetzt in der Hand der meroivingischen Frankenkönige. Sie übten es auch aus; beließen aber Me baioarischen Völker ihrer östlichen Vorländer bei ihren volksthümlichen Gewohnheiten und Rechten und vcr-anlaßten frühzeitig schon die schriftliche Aufzeichnung derselben, in so ferne sie nicht schon von den Genossenschaften selbst geschehen war. Ausmärzung alles Heidnischen, möglichste Verbesserung, Einklang und Verschmelzung dieser Geivohnheitsrechte mit dem Geiste des Christenthums und der fränkischen Monarchie war der Zweck dieser schriftlichen Abfassung, welche von den Königen Theodorich I. I. 511- 534, Childebert II. I. 574 — 596, Clothar II. I. 613 Cassiodor. Var. III. 5. IV. 12. 2) Perz, III. p. 2. - In Clothars I. Verordnung v. I. 560 die letzte Spur. 5249 — 628, und Dagobert I. J. 628 — 638 unternommen und vollendet worden ist '). Der Geist und die Hauptgrundlage dieses Gesetzbuchs in Feststellung des staatsrechtlichen Verhältnisses der Ba-juvarier mit ihren Vorländern zum großen merowingischen Frankenreiche im Allgemeinen, und zur austrasischen Herrschaft im Besonderen; Sicherheit der Person und des Eigenthums, das Ge-sammtwohl der Völkerschaften vor allein Frevel auf der Grundlage eines ackerbaulicheii, bürgerlichen, religiösen und zur Abtreibung aller Gefahren von Außen stets waffenrüstigen Gemeinwesens unter Einer ungetheilten schirmenden Staatsgewalt bewährt sich in allen Einzclnheiten der Hauptgegenstände dieser Gesetze: von der Stellung, von den Rechten und Verhältnissen der Kirche, der Kirchenpersonen, der Landesherzoge, der Freien, der Freigelassenen, der Leibeigenen, der Hausmütter, der Jungfrauen, der Mägde und Sklavinnen; vom Diebstahl, Brandlegung, Gewaltthat, verletzten Eigenthumsgränzen, Pfänden und Pfändern, von beschädigten Haus- und Wirthschaftsthieren, vom Geliehenen und Anvertrauten, von Käufen und Verkäufen, Zeugen vor Gericht, Zweikämpfen in Gottesgerichten, Todten, Leichnamen, von Jagd- und Haushunden, Habichten, Vögeln, Obstgärten, Wäldern, Gehölzen, Bienen; wobei überall strenge Gesetzlichkeit im öffentlichen sowohl als im Privatleben, Billigkeit, oft scharfsinnige Rechtsuuterscheidung, milde Menschlichkeit, Hochachtung edler Mütterlichkeit, hausmütterlicher Weiblichkeit und jungfräulicher Reinheit, hohe Ehrfurcht vor Staatsgewalt, Obrigkeit, Gesetzen und Religion ausgeprägt ist Dies bajuvarische Gesetz dringt endlich überall auf strenges Recht und Urtheil nach eben diesem heimischen Gesetzbuche (Liber legis), nach diesen prooinciellen und nationalen Gesetzen (Leges Baioariorum, Leges nostrae); und schwere VerpöNUNg wird gegen alle Verächter der vaterländischen Gesetze ausgesprochen (Con- tcmptores legis, qui legibus obtcmpcrare noluerint). Es ist sichtbar, daß bei der schriftlichen Abfassung und fortschreitenden Verbesserung dieses bajuvarischen Gesetzbuchs das römische Recht, welches in allen Ländern vom Leechflusse bis an die südlichen Alpen und an die unterste Donau, Drave und Save durch fünf hundert Jahre gegolten hatte, nicht ohne Einfluß geblieben ist; eben so, daß noch viele Gewohnheitsrechte der Völker und ihrer *) Lex Bajurar; apud Georgisch, Corp. jur. Germ, antiqu. p. 5 — 6. ") Lex Bajuvar. apud Georgisch, p. 255 — 324. Genossenschaften in den Vorländern bestanden hatten und beobachtet wurden, welche sich im bajuvarischen Gesetzbuche nicht schriftlich ausgezeichnet finden. Von allen austrasischen Königen, von K. Karl dem Großen bis in das zwölfte Jahrhundert herab, hat neben den fränkisch-deutschen Reichseapitularien dieS bajuvarische Gesetzbuch in allen austrasischen Vorländern deutscher Bewohnung bis über die Raab und Mur her gegolten und es ist unwidersprechlich zur Grundlage aller späteren Gesetzbücher, der sogenannten Landrechte, gemacht worden '). Alle in den ältesten Saalbüchern die Steiermark betreffende Aufzeichnungen und alle derlei Urkunden vom neunten bis zum Anbeginne des dreizehnten Jahrhunderts, wo immer Rechtsverhältnisse berührt werden, geben hiervon die zahlreichsten Beweise; und nicht nur allein von einem altbestehcnden schriftlichen Gesetzbuche, sondern auch von ungeschriebenen, bloß durch die Sitte festgchaltenen Gewohnheitsrechten (Ritus Noricus) »). In wie weit das altbajuvarische Gesetz auch bei den inneröster-reichischen, besonders bei den steierischen Slovenen in Ausübung gekommen sey, läßt sich nicht mehr mit einzelnen Belegen Nachweisen. Steiermärkische Urkunden, Rechtsverhältnisse sowohl von deutschen als slovenischen Landesbewohnern berührend, lauten von beiden gleich und lassen demnach in den Hauptgegenstänüen und Rechtsverhältnissen bei beiden die Geltung desselben Gesetzes vermuthen. Wie bei allen anderen Slaven werden aber auch bei den steierischen Slovenen nebenbei noch volksthümliche Gewohnheitsrechte bestanden haben und in Uebung gewesen scyn 1 * 3). Im Einzelnen jedoch mangeln uns darüber alle urkundlichen Belege. 1) Per*, IH. 2. 3. 21t. — Eginh. in Vit. Caroli IW. ap. Du Chesn. III, 103. Ueberall die Achtung und Auftechthaltung der alten Gesetze und Rechte der Völkerschaften — Cliron. Lunaelacense. p. 34. 50—56. 64 — 70. Ein Coder der baioarischen Gesetze in der hochstistischen Bibliothek zu Pas-sau I. 903. — Won. Boic. XXVIII. II. 201. — De Lang, Hegest». I. p. 88. K. Heinrich der Heilige sagt: Pucem eligendi potestatem ex lege tenent Bajtivarii ex antiquae constitutionis jure. — Bis an die wälschen Marken galt das bajuvarische Gesetz nach Juvavia, Anhang, p. 287. 2) Mon. Boic VI. 43. — Dipl. Styr. I. 10. Adula, die Mitstifterin von Göß, beginnt ihren Stistungsantheil; patre vero suo, Aribone, quamvis a paralysi ex lege tarnen, quantum potuit, consentiente et annuente incepit. 3) Annal. Fuldens. Francor. ap. Du Chesn. II. Anno 849. 1. Thakulfo, cui prae caetcris credebant, quasi scienti leges et consuetu dines Sclavicae gentis! 251 Seit ben Karlowingern galten nun ober, sowohl für öffentliche als auch für Privatverhältnisse, als die eigentlichen Rechtsnormen auch in allen bajuvarischen Vorländern, in der Ostmark und in den karantanifchen Marken das nach Verhältniß der Zeiten verbesserte altbajuvarische Gesetz (die leges Baju variorum), das kanonische oder geistliche Recht mit den Beschlüssen der allgemeinen und provinrietten Kirchenversammlungen, seit K. Karl dem Großen von Rom her vorzüglich verbreitet, und die nicht ohne Einfluß des römischen Rechtes mit Adel und Geistlichkeit (Con-sriuienlibus Procerilms regni. — Conscniiente populo) berathe- nen und festgesetzten Anordnungen, Vorschriften, Dekrete, Verträge oder llrberetnfünffe und Verlautbarungen der deutfchen Kaiser und Könige, Oder die Kapitularien (Lapitula, Capitularia, Capitula-tiones Begum F'rancorum), deren Gegenstände sowohl das öffentliche bürgerliche als auch das geistliche Recht waren, weil die Reichsversammlungen zugleich auch Synoden gewesen sind. Diese Eapitularien, auf den Reichstagen von König, Adel und Geistlichkeit beschlossen und veröffentlicht, wurden für alle Provinzen, Hochstiste und Gaugerichte der Grafen abschriftlich verbreitet. K. Karl ließ zwar die in heiliger Geltung stehenden älteren nationalen Gesetzbücher mit Auszügen aus allen Kapitularien bereichern: es fehlte jedoch an der Vermehrung und Verbreitung abschriftlicher Sammlungen aller Eapitularien selbst. Diesem Mangel wurde denn einigermaßen durch die von dem Abte Ansegisus (I. 827) begonnen: und von dem Mainzerdiakon Benedikt (Levita I. 845) fortgesetzte Gesetzsammlung abgeholfen. Mit der allmähligen Auslosung und mit dem Falle der Ganenversassung kamen hinsichtlich des Eivilrechts auch die Eapitularien und selbst die alten volks-thumlichen Gesetzbücher außer Gebrauch und Anwendung. Alles begann sich zuletzt in ein ungeschriebenes und durch Normen, welche in öffentlichen Gerichten von Richtern und Schöffen nach den jedesmaligen Zeiterfordernissen angepaßt worden sind, ansgebildetes Recht umzuschmelzen. Aussprüche der Richter, Schöffen, und der alten Gewohnheitsrechte kündiger Alten, Entscheidungen höherer Richter deS Kaisers, seiner Fürsten, Ministerialen und Schöf-fen, und schon feststehende RechtSsprüche oder sogenannte Weis-thümer (gewiesenes Recht) gestalteten jetzt die Richtschnur. Dazu kamen das auS autonomifcher vertragsweifer Uebereinkunft der dabei Betheiligten entstandene Dienstrecht, zwischen Lehensherren und Dienstleuten, und die Verträge dev Genosseiflchaften freier Saatbesitzer über Gemeinheitsrechte (vorzüglich seit der Ausbildung der Städteoerfassungen freier Communen), bis endlich alles Recht in Folge einer von Italien ausgegangenen Umstaltung des Rechtsstuüiüms seit dem dreizehnten Jahrhunderte die Gestalt erhalten hatte, in welcher es noch bis auf die spätesten Zeiten gekommen ist. In Bezug auf die Regierung des deutschen Reiches und des kaiserlichen Einflusses auf alle Provinzen desselben sind auch in diesem Gange der Dinge folgende Gesetznormen und Gestaltungen für das öffentliche Recht zu beachten. Die Verträge des Kaisers und der Reichsstände über ihre gegenseitigen Rechte; weil sich die Stände (die Fürsten, die Geistlichkeit und die Herren) durch die allmählig in ihren Verhältnissen als Landesherren erlangte Selbstständigkeit im Gegensätze des Kaisers zu einer eigenen autonomischen Körperschaft erhoben betrachteten. Jetzt wurden genau unterschieden die Rechte des Königs oder Kaisers im Reiche (Jura imperii) und die Rechte der Rcichsständc in ihren Herrschaften, Grafschaften, in ihren Markgrafschaften und Herzogthü-mern, als auf Herkommen und ausdrücklichen Privilegien beruhend. Daher erscheinen jetzt die Beschlüsse des Kaisers mit den Reichs-ftänöen nicht mehr als bloße Gesetze, sondern als Verträge; weil der Kaiser für sich ohne Einwilligung der Rcichsständc, als den Betheiligten, ohnehin nichts bestimmen konnte. In dieser Stellung und im Geiste des Verhältnisses ausgebildeter Selbstständigkeit, als deutscher Reichsstand und Fürst in der Steiermark, und daher auch mit Vorwissen und im vorläufigen Einverständnisse des Reichs-oberhauptrs K. Friedrich I. ertheilte Herzog Ottokar Vin. den steierischen Hofministerialen und Landständen, am 16. August auf dem Georgenberge bei Enns im Jahre 1186, jene wichtige Urkunde, welche die erste schriftliche Grundlage alles öffentlichen und privaten Rechtes in diesem Lande bildet. Ottokar wollte in dieser Urkunde allein nur auf Bitten der steiermärkischen Ministerialen und Landstänöe die Hauplverhältnisse ihrer uralten landesthümli-chen Rechte, vorzüglich als landesfürstlicher Vasallen und Ministerialen, kräftigst bewahren und dadurch für alle Zukunft das Heil und die Wohlfahrt der Steiermark sichern. Mit Berathung und nach dem Rathe seiner Landesedeln wollte er demnach, weil er keine männlichen Lribeserben als Erben seines Fahnenlehens zur selbstständigen Beherrschung der Steiermark und alles landessürstlichen Eigens daselbst hinterlasse (cum non haberemus, cui omnia nostra edlerent in hereditatem), daß fein Verwandter, Herzog Leopold der Tugendhafte von Oesterreich, ihm in Beherrschung des Stei-rerlandes Nachfolgen solle, weil die Nachbarprooinzen Steier und Oesterreich am sichersten unter Einem Regenten Frieden und Recht genießen könnten; und weil er von einem ihm stets freundlich gesinnten Fürsten für seine Untergebenen kein Unheil zu befürchten habe. Sollte jedoch einer der Nachfolger der väterlichen Handlungsweise uneingedenk seyn und hart und grausam gegen seine Ministerialen und Landstände verfahren wollen; so wolle er die Rechte derselben schriftlich für immer folgendermaßen feststellen. „Derjenige Herzog aus babenbcrgischem Stamme, welcher Oesterdeich regiert, soll auch zugleich, ohne Einsprache von Seite der „anderen Brüder, die Steiermark beherrschen. — Der steiermarki-„sche Herzog soll auch die Schirmvogtei über alle von den traun-„gauischcn Vorfahren gegründeten Stifte, ohne Unterschirmvö'gte zu „bestellen, mit eigener Hand führen. — Alle landcsfürftlichcn Saal-„güter, Befestigungen (Burgen und Schlösser), das Land, die Mi-„nisterialcn soll der neue Landesregent vollständig besitzen, außer es „füge sich größeren Dortheils halber auf Bitten der Aeltern einen „von mehreren Söhnen mit günstiger Zulassung des Herrn anders-„wohin zu übersetzen. — Wenn ein Steirer oder Oesterreicher eine „Ehe schließt, so soll er das Landesrecht jener Provinz genießen, in „welcher er seßhaft ist. — Stirbt ein Steirer ohne Hinterlassung „seines letzten Willens, so soll der nach dem Blute ihm am nächsten „Stehende sein Erbe seyn. In was immer für Streitfällen zwischen „Steirern soll die Sache nicht durch Zweikampf, sondern nach dem „Zeugnisse erprobter und glaubwürdiger Zeugen ausgctragen wer-„öen. Auf dieselbe Art sollen auch Streitigkeiten um Besitzungen „(super praediis) vor den Richtern abgethan werden. — In Le-„hcn sollen den Steirern aus dem Titel von Anfällen (Heim« „fällen?) keine Beschwerden widerfahren. — Haben Lehensträger „keine leiblichen Söhne, so sollen sie befugt seyn, die Lehen ihren „Töchtern erblich zu hinterlassen. — Wer von den Steirern Le-„hengüter von anderen Herren im Besitz hat, soll darin, wenn „gleich dieselben von dem Herzoge in Oesterreich an sich gekauft wer-„dcn, als der bisherige rechtmäßige Lehensträger derselben, verblei-„ben. — Jeder steierische Ministerial soll befugt seyn, seine Gü-„ter einem andern Steirer zu verkaufen oder auch zu schenken. — „Welcher Steirer immer sich in Klostcrstand begeben und Gott etwas „von seinen Renten zu opfern für angemessen finden wird, der kann "dieses unbeirrt hinsichtlich folgender Stifte: Traunkirchen, Steier-»garftcn, Gleink, Admont, Scckau, Viktringen, St. Paul, Ossiach, "Rein, Johannesthal zu Seiz, Norau, Lambach, Formbach, St. »Lambrecht und bas Hospital im Zerewald am Semmering thun, „von welchen einige Familienstiftungen der traungauischen Steicr-«markgrasen sind und welche alle bei vielen Gelegenheiten sich diesem "Landesregenten dienstbar bewährt haben. — Sämmtliche landesherrlich steierische Hosministerialen haben mit allen ihren Untergebenen „dem in Steiermark ankommenden Herzoge von Oesterreich nach der „bisher den Landesherren erwiesenen Dienstweise willfährig zu seyn. „Zieht der Steirerherzog in des deutschen Kaisers Hoflager, oder „geht er auf Heerzug, so haben diese steierischen Hofministerialen „eben so lange und aus gleiche Kosten, wie die österreichischen, ihre „Dienste zu leisten. — Von allen Bedrückungen der landesfürstlichen „Verwalter in der Ostmark soll die Steiermark stets verschont bleichen. — Jeder nachfolgende Landesregent in Steiermark soll diese „gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Stifte, der landesfürstli-„chen Ministerialen und der Landesstänüe gewissenhaft halten. Sollte er aber mit gnädiger Gerechtigkeit zu herrschen verschmähen und „sich als Tyrann gegen die Landesbewohner erheben, soll ihnen „unbenommen bleiben, Kraft dieses Gesetzesbriefes, an des Kaisers »Hofgericht selbst sich zu begeben, um vor den Fürsten des Reiches „das, was ihr Recht ist, zu erlangen« '). In landesherrlicher Selbstständigkeit hat auch Herzog Leopold der Glorreiche für seine Länder Oesterreich und Steiermark die uralten Landes- und Gewohnheitsrechte schriftlich festgesetzt, welche sowohl in den Majestätsbriefen K. Friedrichs II. I. 1237, als auch K. Rudolphs 1. I. 1277 neben der Ottokarischen Urkunde von Kaiser und Reichswegen bestätigt worden sind. In diesem österreichischen Lanörechte, der zweiten Haupturkunde der steiermärkischen Gcsetzesnormen für die freien Bewohner des Landes insgesammt, ohne ausschließende Rücksicht aus die Verhältnisse der Vasallenschaft und Ministerialität, wird Folgendes festgesetzt: „Die Stände des Landes, Gras, Freiherr oder Dienstmann, „haben Recht zu nehmen vor dem Landesherrn in offener Schranne, „es betreffe Leib, Ehre oder Eigenthum, binnen 6 Wochen und in „bestimmten Orten. — Wer auf Todschlag ergriffen wird, soll auch „auf den Tod gerichtet werden. Entkömmt er, so soll er vor dem 1) Landhandfcst. p. L —?. — Liinig, Reichsarchiv. Pars. Spec. II. p. 140. "Reiche belangt werden; Kaiser und Reich haben das letzte Urtheil. "— Niemand soll sonst persönlich ergriffen und ringczogen, sondern „vor die offene Schranne geladen werden. Kommt er bei der vier-„ten Forderung nicht, so soll er dessen, wessen man ihn gefordert, »für schuldig erklärt werden; erscheint er, so kann ihn der Richter "sich aus der Acht (contumacia) schwören lassen, daß er nämlich „drei Taidigungen dem Kläger zu Recht stehen wolle, wenn ihn „nicht unüberwindliche Roth hindern werde. Dann aber soll er in „nächster Taidigung binnen vierzehn Tagen erscheinen, wo nicht, so "ist er der Sache und der gesetzlichen Buße verfallen (Processus „in contumaciam). Wer sich binnen sechs Wochen aus der Acht "schwört, ist frei von allen Kosten; wcr's nicht kann, verfällt dem „Richter mit 10 Pfunden, den untern Gerichten aber mit sechs „Schillingen zur Buße. — Gegen Ehre und Leben sollen 21 Män-,.ner, Genoffen und Uebergcnossen des Beklagten, als Zeugen vor „Gericht gebraucht werden. Dann gilt Tod für Tod, Glied für „Glied, wenn dieser Spruch nicht mit Güte, Bitte und Buße an „den Richter abgethan wird '). — Rothzucht soll nach Landessitte „gebüßt werden, nach Recht und Urtheil, dann aber an Ehre wei-"tcrs kein Eintrag Statt haben. — Straßenraub und Mord werden „mit zwei Zeugen erwiesen und nach Lanöesgewohnheit gebüßt. — "Altersklassen unter zwanzig und über fünfzig Jahre sind vom Be-„rorifc durch Zweikampf befreit. Der Landesherr hat mit dem Rathe „der Stände des Landes zu handeln. Die Veräußerung und Hin-„dangebung von Saalgütern ist in Familien durch die in Gesetzen "festgestelltcn Erbrechte für Kinder und Verwandte beschränkt. — „Mit erkauften Gütern kann Jedermann nach Willkür verfü-"gen. — Ein leibeigenes Kind gehört dem zu, dem dessen leibeigene "Mutter gehört. — Ein Eigenmann und Unterthan soll seinem „wahren Herrn, wenn er bekannt geworden ist, wieöergrgebcn, „sonst aber dessen Vorenthalten dem Herrn mit zehn Pfunden, und „dem Richter mit fünf Pfunden gebüßt werden. — lieber Eigcn-„gut und Leibgcdinge sollen die Richter durch Umfrage bei benachbarten Rücksassen richten und nach Landesgcbrauch entscheiden. „Kindern der ersten Ehe gehört das mütterliche Vermögen; Kindern l) Die Straft» des Todes oder auch der Verstümmelung werden in einer Gey-racherurkundc 7. November 1212 als im Landrcchte der Steiermark gegründet angeführt: Mors corporalis. — lHembri mutilatio. — Quod si secundum jura terrae cmutilationcin suam polest pecunia redimere, — ipsa redemp'fiat. "der zweiten Ehe das dadurch gewonnene Gut. Von abgestorbe-"Nen Kindern erben die Geschwister. Nach des Vaters Tode gehö-„ren Eigengut und Lehen der Hausfrau. Verjährung des Besitzes „forderte in und dreißig Jahre, durch ebenbürtige Zeugen als Eigen "Mit Nutzen und Gewähr erwiesen. Wer mit seinen Mannlehen „rechten will, setzt binnen sechs Wochen im Lande und auf seinem „Eigengute nach Landes Recht und Gewohnheit den Tag dazu. »Nach Todfällen, und damit die Lehen erblich auf Kinder überge-„hen, soll in bestimmter Zeitfrist und am festgesetzten Orte neue Be-„lehnungshandlüng geschehen. Streitiger Lehcnbesi'tz wird von dem „Vasallen dem Herrn mit Eidschwur erhärtet. Will ein Saalherr „seinem Vasallen wohl, so soll er ihm Burglehen geben; gestraft ""jedoch soll ein Jeder werden, der gewöhnliche Lehen für Burg-„lehen verkauft. Jener Saalherr, welchem von einem Gute Dienst „geleistet ivorden ist, wird dcßhalb auch als der dadurch erwiesene '„Lehensherr betrachtet. Hintangabe von Lehen darf nur mit Zu-„stimmung des Herrn geschehen. Läugnet der Saalherr ein Leihen, so soll der Vasall dasselbe durch Eid oder nach Zcugenschaft „der Hausgenossen behalten. Lehensvcrjährung fordert einen durch ».zwei Hausgenossen erwiesenen Besitz von 12 Jahren. Jeder rechte „Lehenbesitzer ist sendmäßig und ein Erbbürger. Frauen sind von „Lehen ausgeschlossen, außer nach Beweis durch Zeugen und Hmiö-„vcsten. Eine Frau hat keine Lehenshand; mit ihrem Tode gehen „alle Lehen an den Herrn zurück; nur wahres Saalgut geht auf „ihre gesetzlichen Erben über. Treue und Huld werden bei Beleh-„nung angclobt, und Felonie unterliegt gesetzlicher Strafe. Ein zu „Heerbannsdienst verpflichteter Vasall, wenn er von der Heeres-„fahrt weg bleibt, gibt den halben Jahreszins der Hufe; ein Bauer „und Bürger aber den ganzen Hufenzins als Heersteuer. Der „Herr, welcher gar nicht Heerfahrt thut, hat auch keine Heer-„steuer zu fordern. Den Grafen, Freiherren und Ministerialen ist „auf ihren Saalgründcn Urbar und Vogtei gänzlich eigen, mitAus-„nahme von Todcsoerbrechern. Ihre Mvrgcngabe beschworen die „Frauen mit zwei Fingern auf ihren Brüsten. Gewaltthat auf Ei-„genthum büßt der Gcwaltthäter mit 10 Pfunden, und zum dritten „Male mit der Acht so lange, bis dem Kläger aller Schaden gut „gemacht und dem Richter der gesetzliche Wandel bezahlt ist. Der „Beklagte tritt mit dem Richter zuerst in die Schranne, und geht „mit ihm der Letzte hinaus. Niemand verläßt vor Beendigung des „Streitfalles die Schranne. Auch weibliche Individuen können vor "Gerichten erscheinen. In das väterliche Erbe können Söhne mit "14 und Töchter mit 12 Jahren folgen. Ob Jemand ein Haus-"genvffe fei), wird durch Zeugen,'chaft der benachbarten Rücksassen, "der übrigen Hausgenossen, oder mit Eidschwur öargethan. Die "Münze ist ein Regalrecht des Landesherr». Ohne desselben Er-„laubniß darf keine Mauth errichtet und abgenommen, und wer es "thut, soll für einen Straßenräuber angesehen werden. Rur der "Lanöesfürst allein hat das Recht, den Bau von Burgen, Schlössern „und Wehren zu erlauben. Auf seinem ebenen Saalgrund darf übri-„gens Jedermann Gaden bauen, zwei Stockwerke hoch und ohne Be-"festigung. Das Bogteirecht muß den anderen Erben gehörig mit »Geld ersetzt werden. Kirchenschirmvogteien sollen treu und ohne »Plackereien geführt, sonst ohne Schonung bestraft werden. Wer „als Bogt aus Rachegefühlen Bogteigüter beraubt und niederbrennt, „soll dreifacher Strafe verfallen seyn. Eben solche Strafe treffen „den Treue- und Schwurbrüchigen und den Verletzer des Land-"friedcus. Wer seinem Vater auf Gut, Gült, Burg u. s. w. greift, "brennt u. s. w. soll sein Erbrecht verlieren. Wer seinen Vater am „Leibe beschädigt, ihn freventlich angreift mit Wunden, Leid, Ge-"fängniß, Banden u. ögl., der soll verbannt und rechtlos seyn ewig-"lich. Burgen, aus welchen Burggrafen Raub und Plünderung „verüben, dessen der Herr schuldig ist, sollen mit Feuer und Zcr-"ftörung gebüßt und abgethan werden. Jeder Adelige ist im Lan-"de für Dinge seines Hausbedarfs mauthfrei. Der an des Lan-„desfürsten Statt eingesetzte Provinzlandrichter soll 300 Pfund jährlichen Ehrensold erhalten. Des Landesherrn Schreiber sitzt neben „ihm und schreibt in das Protokoll alle Strafen und Bußen ein, »welche verhängt worden sind ')"> Den gesammten Inhalt des Ottokarischen Schirmbriefs und dieses von Herzog Leopold dem Glorreichen schriftlich gesicherten Landrechts bestätigte K. Friedrich II. bei seinem Aufenthalte in der Stadt Enns im April 1237 in einem eigenen Majestätsbriefe; welcher, dem Landrechte entsprechend, noch folgende umständlichere Erklärungen und Beisätze enthält: „Alle jene Eigenleute und Höri-"gen der Landesstände und Ministerialen, welche von ihren Ge- Ob das Statutarrecht Herzogs Leopold des Glorreichen für Wien auch einigermaßen für die Steiermark gegolten habe, wagen wir nicht zu behaupten. Wiener Jahrbuch, der Liter. 39. SS. i>. lö. — I.udewig. Reliquiae Manuscript. — Schrötter, Gesch. von Oesterr. II. 339 — 368. 17 ©cfeti- d. Steiermark. — u. 33». „Höften und Lehengütern in die befreiten geschlossenen Ortschaften, „in Städte und Märkte des Landes sich geflüchtet, oder dahin, um „zur Unabhängigkeit zu gelangen, sich begeben haben, sollen an die „betreffenden Saalherren und Lehenseigenthümer ohne alle Rücksicht „wieder ausgeliefcrt werden. Alle Mauthen in der Steiermark, welche „über die altherkömmliche Gebühr beschwert worden sind, sollen auf „die alte Gebühr, in der sie zur Zeit Leopold des Glorreichen gc-„standen waren, wieder zurückgcsetzt und von keinem Landessürsten „mit höheren Forderungen beschwert werden. Die Münze, welche „bisher aus Habsucht und zum Nachtheile der Landesbcwvhncr fast „alle Jahre erneuert worden ist, darf künftighin nur mit gemein-„samen Rathe der höheren Ministerialen der Steiermark nach dem „alten Gewichte und Gehalte umgeschlagcn werden und soll dann „jedesmal fünf Jahre hindurch dauern" *)• — Diese ist die dritte Haupturkunde für das alte öffentliche Recht der Steiermark. Ungemein wichtig als Gesetzgeber für seine Länder war Herzog Friedrich der Streitbare von Oesterreich und Steicr. An diesen Fürsten schließt sich K. Rudolph i. als Gesetzgeber für die Steiermark vorzugsweise an. Sein Majestätsbrief für allgemeinen Landfrieden, vom 3. Der. zu Wien 1276, enthält die Anordnungen, welche durch die Zeitverhältnisse, während die Steiermark in der Hand der Ungarn und des Böhmenkönigs Ottokar II. vom I. 1246 — 1276 gewesen war, nothwendig gemacht wurden. Der große Schirmbrief vom 18. Februar, Wien 1277 bestätigt alle, dem Lande und dessen Ständen von Herzog Ottokar, Herzog Leopold dem Glorreichen und von K. Friedrich n. gesicherten Freiheiten und Rechte; verweiset einzelne gesetzliche Bestimmungen durchaus auf die altgewöhnliche Gerichtsordnung (ordo judiciarius), auf das alte Recht * 2) und auf die bewährten Gewohnheiten des Landes Steiermark hin; und krönt alle Anordnungen mit den neuen Weisungen: daß das alte Hofrccht steierischer Ministerialen und Dienstleute, welches dem Landessürsten entscheidende Stimme und !) Landhanbftst. p. 10 — 11. 2) Confirmamus eis omncs consuetudines approbatas et jura, quae quondam Ottokarus Styriae et Leopoldus Austriae et Styriae Duces ipsis libcraliter confirmarunt, prout in eorurn Privilcgiis continentur, secundum consuetudinem terrae liactenus approbatam. — Approbate con-suetudine ex antique. — Juris ordine observato. — Secundum jus et terrae consuetudinem. — Auf diese Rechte, auf die Gewohnheiten des Landes, auf das Landrecht wird sich in unzähligen Urkunden berufen. — Dipl. Styr, I. p. 118. Jahr 1317. Ko 9 Rechte bei Verheiralhungen der Töchter der Ministerialen einräumte, für immer adgcthan seyn solle; daß dann erst, wenn ein neuer Landesherr die gesetzlichen Bestimmungen dieses seines Majestäts-bricfes nach allen ihren Theilen getreulich zu erfüllen mit körperlichem Eide werde gelobt haben, von Seite des Landes der Eid der Treue und des Gehorsams gelobt werden solle. Einen gleichen Versicherungsbricf hat hierauf zu Friesach 1292 Herzog Albrecht I. als neuer Lanöesregcnt der Steiermark er-theilt '). Da cs sich nun überhaupt bis in das vierzehnte Jahrhundert nicht genau Nachweisen läßt, wie weit die Gränzen der vom Reiche erhaltenen Macht der Landesherren über die Landsassen auch hinsichtlich der Gesetzgebung, der Ausübung der Gerichtsbarkeit, des gerichtlichen Verfahrens, der Heeresfolge, der Zoll- und Münzgerechtsame und anderer ihnen überlassenen Regalien sich erstreckt haben; und da die Privatrcchte nicht berührt werden durften, wie sie durch die alten Rechte der Autonomie der Landsassen und die Rechte der Reichsregierung beschränkt gewesen sind; so sind hierüber der Ottokarische Schirmbrief vom I. 1186 und das österreichische Landrccht Herzogs Leopold des Glorreichen gewiß die ältesten und merkwürdigsten Beispiele. Unter den Bewilligungen und Vorschriften, welche von den Landesherren, im Sinne des eilften biö in das dreizehnte Jahrhundert, ihren Landsassen ertheilt worden sind, nimmt auch das Stadtrecht oder die schriftliche Verordnung über Verwaltung der Städte nach besonderer Justiz - und Polizcioerfassung und bürgerlicher Gesetzgebung (das Jus municipale, Jus civitatis, das Weichbild, Weichbildrecht) eine vorzügliche Stelle ein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die geschlossenen Ortschaften in der Steiermark, Städte und Märkte, frühzeitig schon von den Traungauer-markgrafen mit bcsonöern Freiheiten und Rechten ausgestattet und darin beschirmt worden sind. Manche dieser Städte mag sogar von Kaiser und Reich ihre Freihcitsbriefe erhalten haben, wie der Ma-jestätsbrief K. Rudolph I. bom I. 1277 ausdrücklich andeutet "). 17 * *) Landhandvest. p. 3 — 8. z) Landhandvest. p. 3. „Salvis jm-ibus, libertatlbus ct privileges Civita-tum, Municipiorum seu aliarum cominunitatum, eis compcieutibus ex imperial! munificentia et terrarum a Vvincipibus apprubala consuelu-8. — Kurz, Oesterr. unter Ottokar rc. II. Beilage 47. und Lehmrechts unter der Benennung Schwabenspiegel, bekannt aus dein Ende des dreizehnten Jahrhunderts, und die fernere Bearbeitung desselben oder das Kaiserrecht. Die christkatholische Kirche im fränkisch-germanischen Reiche war vom Oriente aus eingerichtet worden; sie beobachtete in kirchlichen Dingen die Gesetze, welche die orientalische Kirche befolgte. Auch in diesem Kaiserreiche richtete man sich nach der heil. Schrift, der Tradition, dem theodosianischen Gesetzcodey, nach der seit Ende des fünften Jahrhunderts im Occidente in Gebrauch gekommenen Ca-nonensammlung und nach den darin enthaltenen Beschlüssen der vier ersten allgemeinen Kirchenversammlungen, den Bestimmungen der Provinzialsynoden und nach einigen Decrctalen der Päpste. Diese Sammlung ward nach und nach durch neuere fränkische Sy-nodalbcschlüsse und neuere Decrctalen aus der Sammlung Dionysius des Kleinen vermehrt. Nebenbei und schon vor K. Karl dem Großen kam die vom Bischof Jsidorus von Sevilla (t 636) zugenannte spanische Canoncnsammlung zu Ansehen; ungeachtet K. Karl der Große im I. 774 die Sammlung Dionysius des Kleinen als allgemeines Kirchcngesetzbuch im fränkisch-deutschen Reiche erklärt und eingeführt hatte. Um die Mitte des neunten Jahrhunderts kam dann die planmäßig betrügerisch bearbeitete Sammlung von unechten Canonen und erdichteten Decrctalen (unter dem Titel der Pseudisidorianischen bekannt) zum Vorschein; in welcher schon den Päpsten des dritten Jahrhunderts Grundsätze in den Mund gelegt wurden, durch welche ein jeweiliger römischer Papst als Souverän der Kirche, alle Bischöfe als dessen bloße Beamte, jedoch unabhängig von aller weltlichen Macht, bezeichnet wurden. Diese Betrugsschrift fand zum Theile schon Ausnahme in der Kapitulariensammlung des Diakonus Benedikt und in anderen Sammlungen. Auf solche Weise und durch vielfältige Auszüge, welche die Bischöfe zum Gebrauche ihrer Kirchsprengel machen ließen (Gapitula Episcoporum), wurden die pseudisidorianischen Grundsätze weit verbreitet. Die besondere Lage von Kirche und Staat, das immer steigende Ansehen des römischen Papstes, der Schutz, den der falsche Isidor den Metropoliten gegen die Könige und den Bischöfen gegen Beide gewährte, die Anwendung päpstlicher Usurpationen nach isidorischem Geiste in an sich ohnehin gerechten Fällen, die durch Eifersucht der Machthaber so sehr getrennte und zum ernstlichen Widerstand gegen so falsche Lehren völlig kraftlose Macht der fränkischen Monarchie, die seit dem zehnten Jahrhundert ent- standene systematische Zusammenstellung des geistlichen Rechts, in dessen -Handbüchern die falschen pseudisidorischcn Stücke mit Ca-nonrn und Decretalcn gemischt völlig unkenntlich gemacht worden sind; endlich die Unwissenheit der Zeit, welche von wissenschaftlicher Kritik keine Ahnung hatte, begünstigten mit Kraft die Verbreitung und Befestigung der pseuüisiöorianischen Betrügerei, so daß deren Wirkungen und Folgen heut zu Tage noch fühlbar sind. Der Einfluß des römischen Rechtsstudiums zeigte sich ganz besonders durchgreifend beim Studium des canonischen Rechts. Dieses erhielt seit der Mitte des zwölften Jahrhunderts eine ganz neue Gestalt. Das Decretum oder Corpus Decretorum des Gratianus verdrängte alle älteren chronologischen Sammlungen und systematischen Handbücher (des Abtes Rhegino I. 915. — Bur-charös I. 1026, Ivos I. 1116 u. s. to.) gänzlich und schwang sich neben dem römischen Rechte zum alleinigen Gesetzbuch des geistlichen Rechts empor, bis dieses für das ältere, und die auf Befehl des Papsts Gregor ix. (f 1241) veranstaltete und im Jahre 1234 vollendete Sammlung für das neuere Kirchenrecht, zu den Pandekten des K. Justinianus ein Seitenstück bildeten, welches nun das alleinige, systematische, vom päpstlichen Stuhle gebilligte und in allen Schulen und Gerichten der katholischen Christenheit an-bcfohlcne Lehrbuch des canonischen Rechts, mit den späteren Ergänzungen der allgemeinen Concilien und päpstlichen Decrete geworden ist. Durch die Erzbischöfe von Salzburg und die Patriarchen von Aquileja ist diese große Sammlung canonischer Vorschriften und Weisungen auch in der Steiermark cingcsührt und durch die folgenden Jahrhunderte sestgehalten worden. Die Verhältnisse und die Verwaltung der Steiermark als einer Provinz des heiligen römischen Reichs deutscher Nation. Unter der Regierung des ostgothischen Königs Dietrich bestanden in Savicn und in den pannonifchen Antheilen, oder in der südlichen Steiermark, eigene Provinzenverwalter (Duces, Comites, Judices, Pracsides, Rectores Provinciarum), V0N denen wir den Grafen Colossäus als Verwalter von Pannonien und den Fridi lad als Präfect von Savien, des Landes zwischen der Drave und Save, namentlich kennen. Es muß demnach eine solche Verwaltung damals auch für das norische Bergland und in der obc- rtn Steiermark bestanden haben '). Nach K. Dietrichs Tode, bei dem schnellen Sinken und Verschwinden der ostgothischen Macht aus allen Ländern zwischen dem Rheine, der Donau und der langen Kette der südlichen Alpen, breiteten die austrasischen Franken in reißendem Fortschritte ihre Herrschergewalt bis über das altnorische Bergland und gegen Pannonien her aus. Im ungewissen und dunkeln Anbeginn erscheinen jetzt in Baioarien und in allen dessen östlichen Vorländern, auch über die nordwestliche Steiermark herein, gewaltig die agilolfingischen Baioarierherzoge Agi-tulf, Garibald L, I. 550-595, Thassilo I. I. 595 bis ungefähr 612, Garibald H., I. 612 — 649, Theoöo I., vom II 649—680, Theodo II., I. 680-717, Theudebert I., I. 717 —725, Hugbert, I. 725-737, Odilo, I. 737—748, Thassilo II-, I. 748-789 ,J). Diese Herzoge Baioariens und der östlichen Vorländer standen stets in Abhängigkeit, im ambachtlichcn Verhältnisse und, wie der andere fränkische Adel, in Dienstbarkeit der austrasisch-sränki-schen Könige, als Vasallen und Staatsbeamte des fränkischen Königreichs i) * 3). Auf ihr Herrscherwaltcn in Baroarien und den Vorländern haben daher die merowingischen Frankenkönige ununterbrochen Einfluß genommen. Ganz nach dem Vorbilde des fränkischen Königshofes hatten diese bajuvarischen Herzoge ihre eigene Residenzstadt, ihre eigene Hofburg und ihren eigenen Hofstaat, in höherer öffentlicher Würde, Hochachtung und Unverletzlichkeit4) stehend. Die Person des Herzogs zeichnete sich durch eigene Kleidung, durch Stab, Ring und besonders durch eigenes Sigill aus. Rach dem Könige des großen Frankenreichs war in den baioa-rischen Vorländern der Herzog die erste und eine unverletzliche Person, der strengste Gehorsam gegen seine Anordnungen zur heiligen Pflicht geboten, jeder Ungehorsam, jede Nachstellung gegen ihn und die Empörung innerhalb der Vorländer aus allen Vergehungen am schwersten verpönt s). Die Macht dieser Herzoge nä- i) Cassiod. Var. I. 11. III. 23. 24. IV. 13. 49. V. 14. 15. VII. 4. s) Wir halten uns hier ganz an die Andeutungen gediegener Geschichtsquelten und erprobter Forscher, und weisen die unkritischen Verzeichnisse altbajuvari-scher Herzoge aus Chroniken des dreizehnten Jahrhunderts zurück. - Ju-vavia, Abhandlung, p. 97. 3) Lex Bajuvar. p. 264. 268. 272. — Annal. Saxo. 995 und 1002. 4) Lex Bajuvar. 270. s) Lex Bajuvar. p. 364 — 373. hcrte sich schon einigermaßen der Landeshoheit und sse hießen, ihrer Abhängigkeit von den merowingischen Königen ungeachtet, regierende Fürsten und Herzoge (Duces et principes regnan-tes, eminentissimi). Sie hatten ihre herzoglichen Hofkanzlcicn, ihre Hofkanzler, ihre Hofkapelläne, und alle oben schon am Hofe und in unmittelbarem Dienstgefolge der Frankenkünigc bezeichncte Personen (intra casam servientes, Domestic!. Yassi Domestic!) gestalteten auch die Umgebung und den Glanz dieser erlauchten Fürsten. Nach dem Geiste und nach dem wörtlichen Sinne des bajuoarischen Gesetzes stand der Herzog an der Spitze aller Geschäfte der Verwaltung der bajuoarischen Länder; er war in allen der obere Richter, der Anführer (Dux) des provinziellen Heerbannes und zugleich Vertheidiger der Reichsgränzen an den sloveni-schen und avarischen Marken Ihm unterstehen Alle, der ge-sammte Clerus und der Adel, 'in Vergehungsfällen sowohl als in Streitsachen. An den Herzog gelangen die Entscheidungen über Hauptverbrechen zur Bestrafung mit Tod oder mit Vermügens-ronsisration 8). Der Herzog ist der vorzüglichste Beschützer der Witwen und Waisen; sein ist die Wahl und Einsetzung aller Gaugrafen; er ist der oberste Richter in dem von ihm aufgebotenen Bannheere * * 3). Als Zeichen seines Willens und Befehls sendet er oft nur seinen Ring, sein Sigill, welchem dann Gehorsam, bei schwerer Pön, nicht versagt werden darf. Er besitzt Reichsdomänen, zahlreiche Vasallen und Eigenleute 4). Er ist jedoch bei all' diesem strenge an die geschriebenen Landesgesetze und an die Gewohnheitsrechte der freien Volksgemeinden seiner Ambachtsländer gebunden. Nach germanischer Urverfassung haben die Mächtiger», die Hocheölen und die edlen Freien in Baioarien und in allen Vorländern stets mächtigen und unabweisbaren Einfluß auf die Beschlüsse und Handlungen dieser Daioarierherzoge genommen. Diese Hochedlen, Edlen und Freien der baioarischen Länder standen allen Andern ihres Standes im ganzen austrasischen Reiche an Rang, Würde und an staatsbürgerlicher Wichtigkeit und tin Rechtsgenusse ') Lex Bajuvar. p. 260. 261. 269. Daher heißt der Herzog auch geradezu Judex. 2) Lex Bajuvar. 267. 278. 287. 3) Lex Bajuvar. 265. 266. 271. 285. Lex Bajuvar. 270 — 271. gleich (Primi, Primarii, Maj ores, Optimales, Principe», Proceres, Primores Baioarii, Gen tis). So wie die Herzoge und die Hoch-edlen aus den baioarischen Ländern gehalten waren, bei der regel-mäßigen Königsversammlung zu erscheinen zur Mitberathung und Entscheidung aller wichtigeren Angelegenheiten des austrasischen Reiches, eben so war es auch, entsprechend dem volksthümlichen cet-tisch-germanischen Urwesen, in den baioarischen Vorländern. Der Herzog berieth herkömmlich und gesetzlich an bestimmten Tagen und in eigenen Prooinzialoersammlungen aller Vordersten und Hochedlen seiner baioarischen Völker die wichtigeren Angelegenheiten der Gesammtheit (Placita provincialia). Während der agilolfingischen Herzoge in Baioarien und dessen östlichen Vorländern treffen wir auf besondere Herzoge oder herzogliche Woiwoden unter den innerüsterreichischen Slovenen. Nach Andeutung eines historischen Documents aus der Mitte des neunten Jahrhunderts: ,-Ueber die Bekehrung der Baioa-rier und der Karantanerslovenen,« wäre Samo, ein fränkischer Kaufherr, der älteste Herzog, ja König der Karantanerslovenen gewesen '). Uns belehren aber viel ältere und gediegenere Quellen, daß dieser Samo in die Geschichte Karantaniens, also auch der ältcrn Steiermark, nicht gehöre, wie wir dies schon oben und anderweitig erwiesen zu haben glauben "). Bei dem Vordringen der Avarcn aus dem unteren Pannonien gegen Italien zu Anfang des achten Jahrhunderts waren auch die steiermärkischen Slovenen und jene im südlichen Kärnten in Bedrängniß gekommen. Seit dieser Epoche erscheinen unter den karantanischen Slovenen wieder in der obengenannten Geschichtsurkunde folgende, der baioarisch-austrasischen Oberherrschaft unterworfene Slovenenherzoge: Boruth, dessen Sohn Kakatius, der Bruderssohn Boruths, Ceithumar, endlich Waltunk: alle in dem Zeiträume von I. 728 ungefähr bis in die Jahre der Absetzung des Baioarierherzogs Thassilo n. I. 789. Daß diese Herzoge karantanischer Wenden unter fränkisch-baioarischer Herrschaft gestanden und von den austrasischen Königen mit Antheil und Berücksichtigung der Volkswünsche eingesetzt worden sind, ist nach der wörtlichen Versicherung des genannten Geschichtsdocuments selbst 1) Juvavia, Anhang, p. 11. 2) In der steiermärkischen Aeitschrist metni Versuch über die Einwanderungen der Slovenen in Znnerösterreich. p. 51 - 66. außer allem Zweifel. Wie lange Waltunk den herzoglichen Am-bacht getragen habe, ist nicht bekannt. Ob ihm hierin derWoiwo-öe Ingo oder Jnguo (zwischen den Jahren 795 und 812) gefolgt sey, ist sehr zweifelhaft; im Gegentheile ist es viel wahrscheinlicher, nach dem eben in jener Zeit vom K. Karl den Großen feftgehaltenen Verwaltungssysteme, keine Herzoge mehr, am wenigsten in den Vorländern, einzusetzen, daß Jnguo ein gewöhnlicher gaugräflicher Woiwode gewesen sey. Hier kömmt aber noch eine andere und wichtigere Frage zu beantworten, nämlich: Wie weit sich der herzogliche Ambacht der obgenannten karantanischen Herzoge ausgedehnt, und ob er auch die steierischen Slovenen in sich begriffen habe? Alle bisher bekannten und für die Begebenheiten des achten Jahrhunderts be-währten Geschichtsquellen zusammengenommen, besonders das obgenannte Buch von der Bekehrung der Karantanerslooenen und Paul Warnesried, der von den innerösterreichischen Slaven am meisten geschrieben hat, erwähnen zur Entscheidung dieser Frage so viel wie nichts. Festhaltend jedoch an der römischen Länderabtheilung, welche ein halbes Jahrhundert aufrecht gestanden und weit in das Mittelalter herab noch kennbar geblieben ist; festhaltend daher an der cetischen Bergkette, bedenkend die große Zer-theilung der eingewandertcn Slovenen in mehrere Völkerschaften und Stammhorden, welche heut zu Tage noch an der Sprache der Slovenen in Steiermark, Krain und Kärnten sich bewährt, dürfte man wohl nicht irren, wenn man der obgenannten Slovenenfür-sten Macht nicht über die untere Steiermark herein ausdehnt, und dieselben daher auch von der Geschichte der Steiermark ausschließt. Herzog Thassilo N. büßte sein wiederholtes Streben nach unabhängiger Selbstständigkeit mit dem Verluste der Herzogswüröe und aller Allode und Lehen in den baioarischen Ländern, wo jetzt nur Gaugrafen, unmittelbar unter des Kaisers Gewalt, belassen worden sind; über welche Graf Gerold, des Kaisers Schwager, als Statthalter die Oberaufsicht führte (bis I. 799). Hierauf herrschten daselbst wieder mit königlicher Gewalt und Macht und abwechselnd mit herzoglicher Würde vom Leech bis an den Zusammenfluß der Drave und Save die karlowingischen Prinzen, K. Pipin bis J.810, K. Lothar I. bis 1.817, K. Ludwig der Deutsche bis J.!876, Karlmann I. 855 bis 879, K. Ludwig m. (der Jüngere) bis I. 882, K. Karl der Dicke bis I. 887, K. Arnulph biö J. 899 und K. Ludwig IV. bis ungefähr I. 911. Für die Epoche dieser Beherrscher Daioariens und all' seiner Vorländer bis an die unterste Drave und Save hinab kömmt aber insonderheit noch Folgendes zu bemerken. Hatte gleich K. Karl der Große alle Herzogsgewalt in den Provinzen abgeschafft; hatte er auch, seinem Grundsätze gemäß, je Einem Gaugrafen auch nur Einen Gaubezirk zur Verwaltung anvertrauet: so führte ihn doch die Lage der Dinge in den pannonisch-karantanischen Gränz-ländern Baioariens zu einer anderen Maßregel. In den karan-tanischen und pannonischen Markländern erhob er einige Gaugrn-fen zu Gränzmarkgrasen über größere Bezirke mehrerer Gaugrasen, und zwar die Grafen Goteram, Werinhar, Albrich, Gotfried und Gerold '). lieber alle diese scheint er zwei Statthalter, den einen über die karantanischen, den andern über die pannonischen Gränzländer bestellt zu haben als Gränzstatthaltcr (Praefecti limitum, pannonici et carantani). Den karantanischen Gränzländern gehörte zuverlässig die ehemals pannonische Steiermark, der südliche, östliche und nordöstliche Theil dieses Landes, so wie ihn der Lauf der ehedem sogenannten cetischen Bergkette von dem norischen Oberlande trennte. Welchem von den obengenannten Grafen diese steiermärkischen Lanöstrecken zu Theil geworden sind, läßt sich nicht mehr urkundlich Nachweisen. Von Oberbefehlshabern der karantanischen Gränzen kennen wir folgende: Erich oder Unroch, Cadolach (bis zum I. 819) und Baldrich bis zur Absetzung im Jahre 829, beide zugleich Herzoge im Friaul 1 2). Nach Balderich schien dessen Länöerbezirk zu ausgedehnt für Einen Statthalter, und in der Hand eines Einzigen zu gefährlich. Daher ward derselbe unter vier Grafen vertheilt. Daß dabei auch die östliche und südliche Steiermark getroffen worden sey, ist unbezweifelt; wie aber und wie weit? ist gänzlich unbekannt. Seit K. Karl der Große seine Eroberungen bis über die Raab und an die unterste Drave und Save ausgedehnt hatte, erschienen neben den eben gedachten Gränzstatthaltern und Gränzgrasen auch 1) Mon. S. Galli in Vit. Car. M. ap. Perz, II. 736. — Iuvavia, Anhang, p. 15. 2] Annal. Einharcti et Bertiniani Annis 819. 827. 828. — Vita I.udov. Pi! ap. Perz, II. 300. 622 - 624. 631. in den karantanischcn Markländern mehrere herzogliche Slovenen-woiwoden, welche man mit einiger Zuverlässigkeit für Slovenen-fürsten mit gaugräflichem Ambachte halten darf. Die Salzburger-. urkunden und die fränkischen Jahrbücher deuten auf mehrere zugleich neben einander in den karantanischen Markländern seßhafte Woiwodcn. Einer davon war der in der Christianisirung der Ka-rantanerslovenen besprochene Jnguo '). Andere Annalen gedenken eines, diesem Jnguo ganz gleichzeitigen Woiwoöen, Wono-mir, durch dessen mächtige Hülfe der kaiserliche Herzog Erich von Friaul im Jahre 796 die hunnischen Ringschanzen in Pannonien zerstört hatte -). Als diesen kaiserlichen pannonisch-karantanischen Gränzgrafcn untergeordnet bezeichnen Salzburgerurkundcn die Slo-venenfürsten Priwizlauga, Zemikas, Zcoimar und Etgar, und nach diesen die baioarischen Edlen Helm win, Alb gar und Pabo als wirkliche Gaugrasen und Nachfolger der Erstern in jenen Landtheilcn * 2 3). Nun ist es aber wieder und gänzlich unbekannt, welche von allen diesen der südlichen oder östlichen Steiermark, oder ob sie der steiermärkischen Geschichte gar nicht angehören? Als K. Ludwig des Deutschen Sohn, der herrschsüchtige Prinz Karlmann, sich der Herrschaft über Kärnten und dessen östliche Gränzlänöer unterwunden und sich endlich gar zur Staathalterschaft über Karantanien, die Ostmark und über die pannonisch-karantanischen Länder, also auch über die ganze Steiermark, aufgeschwungen hatte (855 — 876), vertrieb er alle bisherigen Gränz-grafen und setzte seine eigenen Getreuen dafür ein. Karlmanns königliche Herrschaft über Baiern und über alle eben genannten Länder dauerte vom Jahre 876 bis zum Jahre 880. Dann wurde Karlmanns natürlicher Sohn, Arnulph, der schon seit einiger Zeit in Karantanien und dessen Marklänöern als Herzog herrschte, von dem baioarischen Könige Ludwig dem Jüngeren feierlich in diesem Ambachte bestätigt 4); mit welchem er bald auch (seit 12. Jänner 888) die königliche Beherrschung Baioariens verband und diese bis zu seinem Lebensende (29. November 899) mit starker Hand *) Luvavia. p. 13. 2) Annal. Laurisham. — Tiliani. — Poet. Sax. Anno 796. 3) Juvavia, p. 15. — Chron. Sal/.b. ap. Pez, I. Anno 861. — Hansiz, II. 128. Annal. Metens. et Rhegino. Anno 880. geführt hat'). In tiefer Epoche (J.830 bis 900) kennen wir in den pannonisch-karantanischen Ländern einige Woiwoden, welche von Kaiser und Reich herzoglichen Ambacht getragen hatten: Liude-wit, Salaöio oder Salacho, Priwina, dessen Sohn Hezilo und den Enkel, wie es scheint Wratislao. Jedoch keiner derselben gehört in tie Geschichte der Steiermark. Liudewit und Salacho waren in den untersten Ländern an der Save und Drave gewaltig; und Priwina mit seinem Sohne und Enkel hatte Allode, Neichsdomänenlehen und ambachtlichen Landbezirk am Saalestusse, am Balaton- oder Plutensee, und seinen Hauptsitz zu Sa-lapuigis oder zu Salapad, und in der festen Moosburg daselbst"). Mit der Annäherung und den verheerenden Einfällen der Ungarn zu Ende des neunten und zu Anfang des zehnten Jahrhunderts tritt über die Verwaltung der Steiermark einiges Dunkel ein. Damals scheint der baioarische Heeresfürft Luitpold, seit dem Jahre 898 schon Markgraf in der Ostmark, zugleich mit der Ober, leitung der Geschäfte in Steiermark und Kärnten betraut gewesen zu seyn, bis zum Jahre 907 * * 3). Ob Graf Ratold von Sempt und Ebersberg, der tapfere Besieger der Ungarn (27. März 901) und, rote die Ebersbergerchronik versichert, von K. Arnulph zur Vertheidigung der Karantaner-Gränzen eingesetzt, unter diesem Markgrafen Luitpold oder neben ihm gestanden sei)? wissen wir eben so wenig, als wie lange und wie weit er in der südlichen und östlichen Steiermark gewaltig gewesen. Es ist nicht erweislich, daß schon damals die Ungarn auch nur einen Th eil der südlichen und östlichen Steiermark an sich gerissen hätten. Wahrscheinlich ssel, sogleich nach dem Tode Luitpolds, seinem Sohne, Herzog Arnulph dem Bösen, mit Baioarien auch Kärnten und Steiermark in die Gewalt. Durch seine Empörung gegen Kaiser und Reich jedoch verlor er alle diese Länder und wurde nur in Baioarien allein (I. 916—919) wieder eingesetzt; Kärnten und Steiermark erhielt sein Bruder, Herzog Berth old 4), welchem es dann nach Arnulphs Tode im Jahre 937 glückte, Baiern wieder mit diesen Ländern Annal. Fuldens. Berlin. Metens. Annis 887. 888. 899. i) Annal. Einhardi et Fuldens. Annis 818. 823. 892. 893. 894. — Ju-vavia, p. 15. 18. 3) Archiv für Süddeutschland II. 213. 216. Ueberall erscheinen die karantani-schen Landtheile im Mavchia, juxtaSouwam und im Nordwesten zu Gurk, Friesach und Zcltschach in eomitaiu Luitpold! illustris Marchionis! '*) Juvavia, Anhang, p. 136. vereinigt bis zum Jahre 945 zu verwalten. In gleich ausgedehnter Macht auch in der Steiermark folgte ihm dann Herzog Heinrich, auch H ezelo zugenannt, Sohn K. Heinrichs des Voglers und Bruder K. Otto deS Großen '). Hierauf im I. 955 folgte diesem sein Sohn Herzog Heinrich der Zänker im mächtigen Am-bachte, mit welchem seit dem I. 952 auch die Marken von Kram, Istrien, Aquileja, Friaul und Verona verbunden waren. Durch Empörung gegen K. Otto II. (I. 67—976) verlor Heinrich alle diese Länder. Karantanien und die Steiermark wurden jetzt (I. 976) für immer von Baioarien getrennt; den herzoglichen Ambacht über diese beiden Länder erhielt Herzog Heinrich der Jüngere (Minor), Sohn des ehemaligen Herzogs Berthold * 2). Schon im I. 978 verlor er jedoch diese Provinzen wieder, in welche Otto, Sohn des Herzogs Konrad von Lothringen, eingesetzt worden ist 3), bis zum I. 984, wo er freiwillig seiner Würde entsagte und die Steiermark nebst Karantanien dem wieder begnadigten Herzoge Heinrich dem Jüngeren überließ 4 * 6). Im I. 996 überkam Otto zum zweiten Male die Verwaltung öon Karantanien wie der Steiermark und überließ sie bei seinem Tode (1005) seinem Sohne Konrad I.s). Dieser starb am 12. December des Jahres 1012, worauf Graf Adalbero von Mürzthal und Cppenstein den herzoglichen Ambacht über die Steiermark, Kärnten und die Veronesermark bis zum I. 1035 getragen hat °). Adalbero wurde wegen Hochverraths des Herzogthums entsetzt und dasselbe Konrad H., dem Sohne des früheren Herzogs in Kärnten und der Steiermark, Konrad I., gegeben. Beide, Konrad H. und Adalbero, traten im Jahre 1039 aus dem Leben 7); worauf bis zum Jahre 1047 die Nachfolge in Kärnten und der Steiermark völlig ungewiß ist. Daß in dieser Zeit entweder Gottfried, Graf von Lambach und Wels, auch Markgraf von Pütten zugenannt, oder Herzog Aöalbero's Sohn, Liupolö, Steier *) Zuvavia. p. 179 - 181. — Dipl. Styr. I. S. — Caiinth. II. 50 - 56. 2) Ughelli, Ital. V. p. 46. 47. 3) Annal. Hildesheim. et Annal. Saxo. Anno 978. — Dipl. Styr. I. P- 6. 4) Uglielli, ibid. 746. — Hund, Metrop. I. p. 240. — Meichelb. I, P. I. 185. 186. 6) Rubels, Mon. Aquil. p. 491. — Annal. Sax. ap. Eccard. I. p. 388. 6) Annal. Sax. ibid. 433. — Rubels, p. 500. 505. — Heim. Contract. Anno 1012. 7) Annal. Hildesheim. et Saxo. — Hem. Conti-, Anno 1039. 1026, Gesch. D. Steiermark — II. 338. 18 und Kärnten herzoglich verwaltet habe, ist aus keiner bewährten Geschichtsc,uelle zu erhärten. Gewiß aber ist dagegen, daß im Jahre 1047 der schwäbische Graf Welf von K. Heinrich III. mit der Herzogswüröe über Steier, Kärnten und die Veronesermark belehnt worden sey und daß er dieselbe bis zu seinem Tode, Jahr 1055 bis 1057, vorzüglich in Kämpfen gegen die Ungarn, mit kräftiger Hand geführt habe >). Wir sind nun bis auf den hochwichtigen .Zeitpunkt gekommen, in welchem die Selbstständigkeit der steirischen Marken völlig aus-gebildet und die Landeshoheit über einen großen Theil dieses Landes in der Hand der Traungauermarkgrafen, der Grafen von Steier oder von der Steier, erscheint. Um dem Gange der Dinge die erforderliche Klarheit zu geben, müssen wir das bisher Gesagte nochmals überblicken und mit dem einstweilen Uebergangenen in Verbindung bringen. Es ist oben gesagt worden, daß K. Karl der Große nicht nur einzelne Gaugrafcn zu Gränzmarkgrafen über größere Bezirke in den Ländern der pannonischen und karantanischcn Grän-zen erhoben, sondern auch zwei Oberbefehlshaber, Statthalter, darüber bestellt habe (Praefecti, Marchiones limitis pannonici et ca-rantani). Der untere oder karantanische Gränzlänöerbezirk ist dann später (um das I. 830) in vier Districte oder Gränzmarken unter besonderen Markgrafen, ohne einen Oberbefehlshaber oder Statthalter weiters darüber zu bestellen, getheilt worden. Diese Einrichtung war die erste und nimmermehr verschwindende Grundlage zu den spätcrn karantanischcn Marken im engeren Sinne, aus welchen zuletzt die Steiermark als selbstständige Markgrafschaft und als eigenes Herzogthum hervorgegangen ist. Der karantanische Gränzländerbezirk erstreckte sich von Friaul und Istrien bis über die steirische 'Save, Drave und Mur herauf. Sowohl von den slovenischcn als von den deutschen Ländern zwischen der Save und Mur, bis tief in das heutige Ungarn hinab, überliefern die historischen Quellen mehrere Eigennamen von Grafen, Woiwoden, Kne-sen, herzoglichen Fürsten und Markgrafen, welche den Statthaltern, damals zugleich Herzogen von Friaul, untergeordnet gewesen sind, deutschen und stovenischen Stammes. Es ist jedoch aus gänzlichem Mangel von Urkunden und Doeumenten eben so un- l) Herrn. Contr. — Annal. Sax. Annis 1051 — 1055. — Ughelli, ibid. 762. möglich, die ambachtlichcn Bezirke dieser markgräflichen Gränzenhüter nachzuweiftn, als das Bestehen und die Umgränzung einer vorzugsweise damals schon so genannt worden seyn sollenden w indischen Mark (von deren Lage an der Save, Kulp und Drave man träumte), üarzuthun. Nicht einmal die vier Hauptüistricte vermag man anzudeuten, in welche die Länder der friaulisch - ka-rantanischen Statthalterschaft nach der Entfernung des Statthalters und Herzogs Balöerich (im I. 829) unter vier besondere Markgrafen getheilt worden sind '). Ungeachtet hierauf die Herrschermacht K. Ludwigs in Baiern und der königlichen Prinzen Karlmann und Arnulph in Karantanien und dessen Markländern unmittelbar hervortrat und eine lange Epoche hindurch (I. 830 —900) gewaltig sich bewährt hatte: so bestanden Marken und Markgrafen daselbst überall und in großer politischer Wichtigkeit fortwährend noch, wie alle fränkischen Jahrbücher bezeugen "). Das frühere Dunkel und dieselbe Ungewißheit über die Zahl und den Umfang jener pannonischen und karantanischen Marken dauert jedoch noch bis tief in das eilfte Jahrhundert fort. Natürlich machte das Vordringen der Ungarn zuerst die tiefer unten zwischen der Mur und Save gelegenen Markgrafenbezirke gänzlich aufhören. Eben aber die durch ein halbes Jahrhundert so sehr gefürchteten und zu fürchtenden ungarischen Raubzügc; die mit jedem Jahrzehente steigende Wichtigkeit der karantanischen Länder, als große 59!oit und Schutzwehre gegen die östlichen Barbaren in Ungarn und unterhalb der Save; die nachwachsende Bevölkerung und der unmittelbare Zusammenhang Karantaniens mit Italien; die unruhigen Bewegungen der Berengare in den Ländern unter den südlichen Alpen; die Vereinigung Italiens mit dem deutschen Reiche durch Otto I.; die Aufstellung einer eigenen Mark Verona, bald mit dem karantanischen Hcrzogthume vereinigt, bald wieder davon getrennt; die staatsgefährliche und stets wachsende Wichtigkeit der gewaltigen Karantanerhcrzogc, als Herzog Heinrich der Zänker und Herzog Adalbero von Eppenstein und Mürzthal Empörung und Fehde wider Kaiser und Reich erhoben und der Letztere so- 18 * i) Daß diese 4 Distrikte Friaul mit Istrien, Kram mit Liburnien, Unterpan-Ronien und Karantanien mit der Steiermark gewesen sepen, ist mehr kühne Wermuthung, als historisch erwiesenes geographisches Berhältniß. Beitrage zur Lösung der Preisfrage. I. Heft. P. 47. 8) Christ. Pessler in Ser. Duc. Carinth. p. 6 — 7. gar den mächtigen K. Heinrich HI. gezwungen hatte, die den Veronesern widerrechtlich abgedrungenen tausend Marken Silbers wieder herauszugebcn '), waren die mächtigen Ursachen, welche im Jahre 976 nicht nur die ewige Trennung Karantaniens und der östlichen Marken desselben von dem Herzogthuine Baioarien her-vorgebracht, sondern auch veranlaßt haben, daß nach dem Aufhören der Markgrafschaften im tieferen Pannonien oder Ungarn, die übrigen karantanischen Marklänöer zuerst in Eine einzige große Karantanermark zusammengezogen worden sind und daß aus dieser Mark, wahrscheinlich schon um die Mitte des zehnten Jahrhunderts, wieder zwei besondere Marken, die untere Markgrasschaft oder vorzugsweise die Mark (die untere Steiermark), und die obere Markgrasschast, die obere Mark (Marchia superior im Gegensätze der unteren, die obere Steiermark) ausgeschieden und von abgesonderten Markgrafen (Martino Carinthiae, Carcntinorum) -) so verwaltet worden sind, daß sie von den Kärnt-nerherzogen völlig unabhängig waren und aus der Wiedervereinigung beider das heutige Herzogthum Steiermark mit Landeshoheit erwachsen ist. Diesen Hergang der Länöergestaltung haben wir schon oben bei den geographischen Verhältnissen bewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß die genauesten geographischen Gränzen beider Marken nicht mehr urkundlich dargcthan werden können. Die untere Mark, die Mark, March vorzugsweise, (nach Einigen auch Marchia juxta Sou warn, Marchia trans iluvium Drava, Marchia transsylvana, transalpina, wahrscheinlich in Beziehung auf die Landstriche der winöischcn Büheln, des Bachers und des Wotsches?) nannte man auch bald die Mark von Cilli oder von der Sa an (von der Soune), bald die Mark von Marburg (Marchburg) und die Mark von Pettau, weil die ältesten Markgrafen gewöhnlich auf ihren Pfalzen oder Burgen in Cilli, Pettau und Marburg Haus und Hof gehalten hatten. Ueber die ältesten Markgrafen dieser Mark schwebt dichtes Dunkel. Zu Ende des neunten und zu Anfang des zehnten Jahrhunderts, schreibt man die Verwaltung derselben dem baioarischen Heeressürsten Luitpold zu, bis zum I. 907? Unter diesem und *) Chron. Weingart. ap. Leibniz. I. 784. 2) Lamb. Schaffenberg. Annis 1002. 1070. — Chron. Austral. Freheri. Anno 1128. nach ihm fallen zuerst Siegfried, der Vater (t I. 906—908), und Ratolö, der Sohn, die baiaarifchen Grafen von Sempt und Edersberg, in dieser Mark gewaltig gewesen fcyn. Ob auf diese die Grafen von Mürzthal und Eppenstcin gefolgt find? ist sehr zu bezweifeln, wahrscheinlicher aber, daß in der Epoche vom I. 970 —1035 die Grafen von Frifach und Zeltfchach, als weitbegüterte Gaugrafen an der Saan, Save, Gurk, Sottla, Nirina u. s. w. ') auch den markgräflichen Ambacht über diese Mark und zwar insonderheit Graf Wilhelm I. und Graf Wilhelm H. geführt haben. Nachdem dieser in den Nachstellungen des abgesetzten Kärntnerherzogs Adalbero von Mürzthal und Eppenstein, oder in offener Fehde mit ihm, feinen Tod gefunden hatte, ist die Reihenfolge der Markgrafen wieder unbekannt und für bestimmte Namen unerweislich. Bald jedoch tritt, urkundlich gewiß, ein fremder Heldenstamm aus Thüringen im markgräflichen Ambachte der untern Kärntnermark auf. In den Bürgerkriegen zwischen den königl. Prinzen Peter, Abo und Andreas leuchtete Graf Wilhelm von Weimar und Orlamündc dermassen hervor, daß er die genannte Markgrafenwürde an der Saan und König Belas Tochter Sophia zur Braut erhielt. Nach seinem Tode (im I. 1062) erhielt und verwaltete Ulrich I., der Sohn feines Bruders Poppo, die Mark bis zum Jahre 1070 * 2). Hierauf folgten die Brüder Ulrich II. und nach ihm Poppo, zugenannt der Starkhanö, bis zum Anbeginne des zwölften Jahrhunderts (1124?), welcher mit seinem anderen Bruder, Grafen Werigand oder Weriand von Windischgrätz (De Grez) im großen Kampfe zwischen Kaiser und Papst wüthige Gibellinen und grausame Verfolger der Erzbischöfe von Salzburg, Thiemo und Konrad I. gewesen 3), von dem welfisch gesinnten Sponhei-i»er Grafen Bernhard von Marburg aber von Land und Leuten gejagt worden find. Dadurch gedieh die untersteierifche Mark an die Grafen aus dem baioarifchen Haufe Andechs. Dem gewaltigen Poppo, genannt Starkhanö, folgten Pilgrim der Vater und dessen Sohn Günther, Grafen von Hohenwarth, Erbschenken der Aquilejcrpatriarchen. Nach dem Tode Günthers (I. 1138 — 1142) fiel die Verwaltung der unteren Steiermark sammt allen Alloden und den Lehen von Aquileja an den Zen- ') Archiv für Süddcutschland. I. »20 -230. II. 214 — 226. 2) Lamb. Annis 1062 und 1070. 3) Admontcrsaalbuch. Nov. IV. p. 115-117. 188. 127 — 128. gen und Vollstrecker seines Testaments, an OttokarVii., Markgrafen der oberen Mark von Steier. Diese obere Mark, oder die Mark von der Steier, Stire, Styr, finden wir um die Mitte des zehnten Jahrhunderts von den mächtigen Grafen von Mürzthal und Eppenstein verwaltet, welche fich später (I. 1012) sogar in den ambachtlichen Besitz des Karantanerherzogthums mit der Beronesermark gesetzt hatten. Das Edelgeschlecht der Mar-quaröe und Adalberone von Mürzthal und Eppenstein leiten die Geschichtsschreiber des Hochstifts Regensburg und der nordgaui-schcn Markgrafen von Hohenburg auf den gemeinsamen Stammvater der Scheyern und der traungauischen Ottokare, Markgrafen Ernest, Schwiegersohn K. Ludwig des Frommen und Heeresfürsten K. Ludwig II., zurück. Marquard I. scheint während des Zerwürfnisses der Scheyern mit K. Otto dem Großen von seinem tlfgaue in Baioarien, wo er Eigengüter und Lehen (als Nobilis Vasallus Berchtoldi Ducis) besaß, I. 940, nach Karantanien ausgewandert zu seyn. Er wird nun für denselben Marchward gehalten, welcher als Markgraf in den steierischen Gegenden der Laßnitz und Sulm in einem Schenkungsdiplome K. Otto I. zu Pavia, 7. März 970, an das Hochstift Salzburg vorkömmt 1). Von diesem hoch edlen Geschlechte ist die Gründung des vaterländischen Stiftes St. Lambrecht hervorgegangen; darum folgt hier die Stammtafel desselben s). Mar guard I., Gaugraf im Ufgaue, I. 940, Markgraf in der Karantanermark, I. 970. _______________________________i_____________________________ Marquard II., Richardis, Markgraf in d. Karantanermark, 1013. verehelicht an Ulrich, Grafen Gemahlin: Hadmuda, Tochter Adal- von Sempt und Ebersbcrg, beros, Grafen von Sempt u. Ebersberg. Sohn Adalberos. _______________I______________________________________________ Adalbero, erscheint als Herzog in Karantanien, I. 1012, 1013, 1027, 1028; wird des Herzogthums entsetzt, I. 1035; f 1039. Gemahlin: Brigitta, Tochter des Herzogs Herrmann von Schwaben. i i) Juvavia, Anhang, p. 186 — 187. In comitatn Marchwarii Marchionis nostri in plaga orientali. *) Unrichtige Stammtafel in Caesar, Annal. I. 501. Marquard III-, Adalbero IL, erscheint als Herzog in Kärnten I. VifchofvonVam-1073, nach Absetzung des Herzogs berg I. 1054; Berthold I. von Zähringen, welcher 114. Februar jedoch den Titel Herzog von Karan- 1057. tanien fortbehielt; 11077. Gemahlin: Luitbirge, Tochter K. Heinrichs IV. u. Schwester K. Heinrichs V. und der Agnes, der Stifterin von Klosterneuburg. I Richardis, muthmaßliche Gemahlin des Grafen Berthold I. von Zähringen. Liutold, Herz. v. Kärnten — vom I. 1077 bis zu seinem Tode im I.1090. Heinrich II., Ulrich, Hermann, Markgraf in Istrien 1.1077, Abt von St. Bischofz-Pas-Herzog in Kärnten vom I. Gallen, Pa- sau, 1.1085; 1090— 1122 '). Gemah- triarch von gestorben I. linnen: a) Luitgard is, Aquileja,J. 1087. 1») Beatrix?, v) Sophia, 1086; ge-Tochter des Markgrafen in sterben um der Ostmark, Leopold des die 1.1121 Schönen. od. 1122. Nach dem Tode Marquard n. und nach der Erhebung Adal-bero's, welcher schon neben dem Vater um das I. 1000 in der obcrn Karantanermark gewaltig gewesen war, zur Herzogswürüe über Karantanien, trat mit Arnold II. das edle Geschlecht der Grafen von Wels und Lambach, im J> 1013, in die Verwaltung der obern Kärntnermark ein und behauptete dieselbe bis zum Tode des Markgrafen Gottfried, im I. 1055. Wegen ihrer Verwandtschaft mit den Traungauermarkgrafen von Stcier folgt hier die Stammtafel. Arnold i., Graf von Lambach und Wels; geboren um das I. 945, gestorben um das I. 1020. I Arnold II., Graf von Lambach u. Wels, Markgraf in der obern Karantancr-mark; gestorben I. 1056. Gemahlin : R e g i l l a v. WeinSbcrg. i Aribo n. mehrere Geschwister beiderlei Geschlechts. N., Tochter und Gemahlin Ottokars II. (I V.), Gaugrafen im Traungau zu Steier. *) Nach neuerlichen Forschungen de« gelehrte» Gottwciherkapitulars Friedrich Blumberger starb Heinrich 11. schon im Jahre 1122, nicht 1127; woraus die Grafen von Sponheim und Ortcnburg das Herzoglhum Kärnten erhallen haben. L80 Gottfried, Adalbero, Graf und Markgraf in der obern Bischof zu Würzburg, Gründer Karantanermark schon bei Lebzeiten der Benediktiner im Stifte zu seines Vaters, Herr zu Pütten; ge- Lambach I. 1045; gestorben 6. storben im I. 1055. October 1090. ________________I_________________________ Mathilde, vermählt an Eckbert L, Grafen von Neuburg und Formbach; gestorben um das I. 1106. Nachdem Gottfried seinen Stamm mit dem Tode beschlossen hatte, war die Erbschaft reicher Hausallode, vorzüglich um Putten, mt der Piesting, Traisen und Schwarza in der Ostmark, so wie um Hartberg in der Steiermark größtcntheils an seine Tochter Mathilde, und durch diese an ihren Gemahl Grafen Eckbert I. von Neuburg und Formbach gediehen. Einige Saalgüter kamen an den Traungauermarkgrafen Ottokar (m.) V., welcher von einer Tante des Markgrafen Gottfried abstammte. Aber auch die Verwaltung der obern Karantanermark kam jetzt an diesen Traungauermarkgrafen Ottokar (m.) V., welcher nun seit dem Jahre 1056 als der Erste Markgraf mit dem Zunamen von Steter oder von der Steirr (de Styria) urkundlich erscheint. Bald versippschaftete sich das Geschlecht der Grafen von Neuburg und Formbach mit dem der Markgrafen von der Steier — nach folgender Stammtafel. Ulrich, der alte Graf. _____________l_____________________________________ Arnold, Thiemo I., Main- Pil- Bru- Konrad, (vielleicht Eine Vogtv-Form- hard. grim. no. Propst zu Person m. Arnold bach; gestorb. Salzburg. I. von Lambach.) imJ. 1040. Thiemo II., Vogt zu Regensburg; gestorben um das I. 1055. Eckbert I., Graf von Formbach, Neuburg und Pütten; gestorben um das I. 1109. Gemahlin: Mathilde, Tochter des Markgrafcns Gottfried und Ge-schwisters - Enkelin mit Markgrafen Ottokar V. von Steier. Eckbert II., Graf von Formbach, Neuburg und Pütten; gestorben Jahr 1144. Gemahlin: Willbirge, Tochter des steiermärkischen Markgrafen Ottokar VI. und Schwester Leopold des Starken, Markgrafen von Steier. Nonne zu Admont, i (S cf be rt III., vir nobilitate, divitiis ac virtute animi ct corporis insignis. — Nobilissimus comes et vir regalis sanguinis, stirbt kinderlos vor Mailand J. 1158, und wird beerbt von seinem Vetter, dem Markgrafen Ottokar VII. von Steier, und von seinem Schwager aus dem Hause Andechs. K u n e g u n d c, vermählt an Verthold von Andechs, nachher Herzog von Croatien, Dalmatien und Meran. Nachdem Eckbert in. mit 15. August 1158 vor Mailand kinderlos gefallen war, kam jetzt, in Folge dieser Verwandtschaft, derjenige Theil von Moden, Land und Leuten in der Steiermark und in der Ostmark '), welche aus der Erbschaft von Lambach und Wels an Eckbcrt I. gefallen war, an Markgrafen Ottokar V. (VN.) von Steier, welcher nicht nur die Verwaltung der untern und obcrn Karantanermark bereits an sich gebracht, sondern auch die reichen Allode des karantanischen Grafen von Marburg, Bernhard von Sponheim, Lavantthal und Ortenburg, welcher am 24. Mär; 1148 im heiligen Lande gestorben war, mit seinem Hause vereinigt hatte. So war nun endlich, hundert Jahre nachdem sich Ottokar (in.) V. (I. 1059) den ersten Markgrafen von der Steier genannt hatte * 2), durch die Bereinigung der untern und der obern Karantanermark die ganze Steiermark, welche sich jetzt von der Save und südlichen Alpenkette bis hinaus an die Schwarza und Piesting in der Ostmark erstreckt hatte, an die uralten Traungauermarkgrafen gediehen; und sie ist von nun an, weil diese Dynasten sich von ihrer Hauptpsalz, dem Schlosse Steier am Zu? sammenflusse der Steier (Styra, Styre, Styria) mit der Enns, Grafen von Styre, von Steier, von der Steier genannt hatten, auch die Mark von Stire, von der Steier, die Mark Steier, die Steiermark (Marchia de Styra, Styre, Styria, Sty-rensis) genannt worden. *) Markgraf Ottokar nennt selbst in einer Urkunde vom Jahre 1088 den Grafen Arnold: Magnificum Arnulplium Comltem de l.ambacha, consan-guineum patiis ct avi sui (Ottokarorum). Caesar. Annal. I. |>. 779. — Paffauerurkunde vom 19. Juli 1088 in Mon. Boic. XXIX. 11. p. 44 - 46. 2) Es ist ein, auf das unkritische Fragmentom genealogicum Voravicnse gebauter Grundirrthum der älteren Geschichtschreiber, Ottokar 1. um das I. 949 zum Markgrafen der Steiermark zu machen. Caesar, l. p. 69 — 70. Wir verweisen hier auf die Stammtafel der Traungauermark-grafcn und Herzoge von Steier mit Hindeutung auf ihre ausgedehnte und vielverzweigte Verwandtschaft mit den karlowingischen Kaisern, mit den Herzogen in Baiern von Scheyern-Wittelsbach und mit den hervorragendsten Fürsten- und Dynastengefchlechtern in Deutschland, in der Ostmark und in Karantanien zu damaliger Zeit, so wie sich dieses Stammregister, in einigen Zweigen zwar nur muth-maßlich, in den meisten jedoch urkundlich erweislich, neben den Ansichten und Behauptungen der Ment und neuern einheimischen und der altern baierischen Geschichtsforscher auch aus dem Ergebnisse unserer eigenen Forschungen gestaltet hat '). Die Herzoge von Baioaricn und Karantanien so wie die seit dem I. 976 in Kärnten und in der Steiermark selbstständigen Herzoge waren anfänglich bloße Reichsbeamte, die Vordersten der Pro-vinzialbeamten, so jedoch, daß ihnen die Markgrafen in ihren östlichen Markländern, deren Zahl lange Zeit gänzlich ungewiß ist, untergeordnet gewesen sind. Sic vereinigten in sich vorzüglich die Militärgcwalt des Heerbanns, das Recht, Landtage zu halten (Con-venlus publici Optimatum Provinciae), die oberste Gerichtsgewalt, die unter den Dynasten des Herzogthums und der Marken waltenden Streitigkeiten durch Bersuchsgerichte abzuthun, endlich auch die Pflicht, die allfälligen Fehden abzulehnen und den Landfrieden kräftigst aufrecht zu halten. All dieses schaffte natürlich allseitigen Einfluß auf den Adel und Gelegenheiten zu großem Gefolge an Hosministerialen, Vasallen, Rittern und Heerbannsmannen. Seit dem letzten Karolinger jedoch bis zu K. Otto ll. sind die Kammer-und Justizgeschäfte in den Händen von eigenen kaiserlichen Pfalzgrafen vereinigt gewesen. Verlor sich hiedurch gleich auch die Einheit der Geschäfte zu sehr aus den Händen der Könige; nahm dadurch auch der Oppositionsgeist der Großen gegen die Krone zu; und verwandelte sich auch durch die steigende Ausbildung der Landeshoheit das Recht, den Heerbann zum Rcichsüienste aufzubieten, fast in eine förmliche Lehensherrlichkeit gegen die kleineren Herren und Vasallen: so blieben die Land-, Pfalz- und Markgrafen doch fortwährend in engerer Verbindung und Berührung mit Kaiser und Reich, daß sie, wenn sie gleich auch im Rcichs- l) Beiträge zur Lösung der Preisfrage des durchlauchtigsten Erzherzogs Johann für Geographie und Geschichte Jnnerösterreichs im Mittelalter. I. Heft p. 138—221. 11. Heft p. 37—187 und die am Ende beigegebene Stammtafel. 5283 dienste dem Rufe des Herzogs folgen mußten, doch nicht in strengere Lehensherrlichkeit und Vasallenschaft gefallen sind. Eben aber durch solche Haltung rangen sich, als K. Heinrich in. die großen Herzoge entbehrlich machen wollte und in Vereinigung mit geistlichen und weltlichen Magnaten auf die Vernichtung der herzoglichen Gewalt hinarbeitete, die Markgrafen selbst zur vollendeten, nur von Kaiser und Reich allein abhängigen Landeshoheit empor. Während der steten Gefahr vor den Ungarn vom I. 900 — 956 und nachher in der unruhvollen Epoche seit Heinrich dem Zänker, I. 955 — 986, in Folge derselben bei der absichtlichen Trennung Karantaniens von Baiern und bei der Schwächung der Herzogen-macht in Karantanien, nachdem neuerdings der gewaltige Adalbero von Mürzthal und Eppenstein gegen Kaiser und Reich sich erhoben hatte, ward die Stellung der Markgrafen in der obcrn und untern Kärntnermark immer wichtiger und unabhängiger; sie mußte natürlichen Ganges frühzeitig schon bis zur vollständigen Landeshoheit steigen. Und dies war auch der Hergang und der Grund, warum die Markgrafen und der letzte Herzog von Steiermark weder den Herzogen von Kärnten aus dem Hause Mürzthal, Asten; und Eppenstein, oder jenen aus dem Geschlechte von Sponheim, Lavantthal und Ortenburg, noch weniger den baioarischen Herzogen unterworfen geblieben sind; und daß kein Beispiel einer Va-sallcnschaft der Traungauermarkgrafen, als Markgrafen von Strier, gegen irgend einen der bezeichneten Landesfürsten vorgefunden werden kann. Die Traungauermarkgrafen hielten ihren eigenen Hof und Hofstaat, gleich allen andern Fürsten und Dynasten des deutschen Reichs ‘); als Gaugrafen des Traungaues resiüir-ten sie uransänglich auf Wels und Steier, und nachher als selbstständige Markgrafen waren ihre Hauptburgen und Pfalzen zu Steier, Judenburg, Grätz, Marchburg, Pettau und Zilli. Ihre Haupt-münzstättcn hatten sie zu Enns und in Grätz. Alle Verordnungen dieser steiermärkischen Markgrafen und Herzoge ergingen an den Landeshauptmann, an alle Richter und an die Stellvertreter des Landrsherrn in der Steiermark zu strengem Gehorsam und ») Sogar bis auf die sogenannten Hofnarren, dergleichen Einer erwähnt wird in einer Sr. üambrechterurkunde vom Jahre 1148: Hcnricus joculator. — Caesar, p. 787. 2} Indifferenter ab omnibus pro tempore fuerint instituti Capitanei, Judi-ces vel Provisores in Styria inviolabiliter custodiri. Dipl. Styr. II. p. 71. ihr Hauptregierungsgrundsatz war, allen Bewohnern des Landes mit väterlichem Rache und mit thätlicher Hülfe zum Schutze und zur Wohlfahrt bereit und rüstig zu seyn '). Bis in das Jahr 1164 erscheint Ottokar VII. in allen Diplomen nur als Markgraf von Stcier; allein nur in einem Diplome vom Jahre 1150 heißt er von Gottes Gnade steierischer Herzog (largiente Divina dementia Dux Siyrensis) was wir jedoch mehr einem Jrrthume urkundlicher Abschrift zufchreiben, als für Wahrheit halten. Indessen trug doch schon seit dem I. 1165 Ottokar VIII., wiewohl mit mancher Unterbrechung, den Titel eines Herzogs von Steiermark, welchen er erst im Jahr 1180 in der hochwichtigen Epoche seiner Wehrhaftmachung von dem K. Friedrich I., zu welchem er mütterlicherseits aus guelfischem Stamme blutsverwandt ivar a), bei der feierlichen Erhebung zu dieser Würde erhalten hat 1 2 * 4). Seit dem Jahre 1180 trägt also das Land Steiermark im Verbände mit dem heiligen deutschen Rci che Rang und Namen eines Herzogthums. Frühzeitige Schwächlichkeit seines Körpers (propter nimiam corporis infirmitatem) und tin schleichendes Siechthum des Aussatzes (Elephantiaca aegritudo, sagen die Chroniken) benahm dem neuen Herzog Ottokar Vin. die Hoffnung, männliche Leibeserben zu erzielen. Oesterreich und Steier gränzten unmittelbar an einander. Beide waren Provinzen des Einen hetligen deutschen Reichs. Beide hatten zum großen Theile dieselbe celtisch-germa-Nische Bevölkerung und dieselben Sitten und Einrichtungen. Seit Heinrich Jasomirgott, dem ersten Herzoge in Oesterreich (I. 1156 r- 1177), scheint eine Erboerbrüderung und Anwartschaft auf wechselseitige Nachfolge in den Marken im Werke gewesen zu scyn; um so mehr, da auch, und zwar mit Vorwissen und Zustimmung des Kaisers und Reichs, die Erblichkeit der Reichssahnenlehen lange schon fcstgestellt war, und da, bei den obigen Grunöverhältnissen, 1) Die Markgraf,'» Sophia sagt in einer Urkunde des Jahres 1166: Debit! nostri jus videlur materno affectu eonsulendo et auxiliando Ins sub-vcnire, quos constat, in provincia nostrac ditionis sub tutela defensio-nis mariti et filii nostri venisse et in posterum veile vivere. Dipl. Styr. 1. 155. 2) Ludew. Dipl. IV. 196. 3) Dipl. Admont.: consanguine! nostri A. n. 74. 1184. Cln'on. Admont. 1180. — Chron. Austral. — Noric. Anno 1180. — Chron. Zwetl. Anno 1179. beide Geschlechter, die Babenberger und Traungauer, seit lange schon Blutsverwandte waren, nämlich: Leopold der Schöne, ________ _ ___________l_ Elisabeth, Gemahlin Ottokars IV., Markgrafen zu Steier. ____________i______________ Markgraf Leopold der Starke. Markgraf Ottokar VII. ______________i___________ Ottokar VIII., erster Herzog von Steier und der letzte Traungauer. Markgraf in Oesterreich. Leopold der Heilige. ________________i______________ Heinrich Jasomirgott, erster Herzog in Oesterreich. i S - - ‘ * N Leopold der Tugendhafte, Jahr 1186 Erbe der Steiermark durch Ottokar VIII. _______________i_______________ Leopold der Glorreiche. _____!______________ Friedrich der Streitbare, der letzte Babenberger. Diele Urkunden bezeugen die ununterbrochene Verbindung und den engeren Verkehr zwischen Herzog Ottokar VIII. und Herzog Leopold dem Tugendhaften. Die Ottokare genossen schon seit einiger Zeit eine völlig ausgebilöete Landeshoheit auf der oberen und unteren Steiermark; und, wenn gleich nur als Fahncnlehen von Kaiser und Reich, so war die Erblichkeit und das Vererbungsrecht dieser hohen Rcichslehen von dem Vater auf den Sohn in dem Fürstengeschlechte der Traungauermarkgrafcn lange schon anerkannt, gegen die Bedingung der Einwilligung und neuen Belehnung von Seite des Kaisers, ohne welche jede derlei Vererbung ohnehin nach altdeutschen Reichsgesetzen und Rechten gänzlich ungiftig gewesen wäre. Zugleich waren die Traungauermarkgrafen die reichsten Besitzer an Saalboden und Patrimonialgütern im Lande Steier. In der Trostlosigkeit, je Kinder und Leibeserben zu erzielen, hatte Ottokar schon einmal daran gedacht, alle seine Saalgüter dem Herzog Leopold dem Tugendhaften kaufsweise zu übergeben, so daß ein damit belehnter Mann, Vasall oder Ministerial, um 3 Helblinge, und jeder hörige, darauf rücksässige Bauer um noch geringeren Kauf hintangegcben werden sollte, wie er selbst in einer Vorauerurkunde, und wie neben anderen Chroniken auch Ennenkel im Fürstenbnche von Oesterreich und Steier versichert '). Rach späteren Chroni- Cogitavimus, terrain Styriae dilecto consanguineo nostro Liupoldo, Du-ci Austriae? ex nimia no stri corporis infirmitate vcnundarc cum om- ken sollen ihm jedoch seine Ministerialen gegen dieses Vorhaben eingewendet haben: „Wenn er sie verkaufte, so möchte sie der neue »'Herr, welcher sie erstände, gegen ihre Vorrechte und Gewohnhei-„ten altgcrmanischer Genossenschaft wohl gar in jeder Hinsicht für „sein Eigen achten mit Hals und Haupt, nicht allein mit Zuzug „und Dienst. Seiner Wurde und seinem Lande sey es anständi-„gcr, Letzteres zu vererben, als zu verkaufen, eben an seinen Vetter "Herzog Leopold, dessen Land ihm benachbart, mit dem ihrigen von "gleicher Sprache und Sitte sey, dessen Macht sie lieber ehren und „nutzen möchten, als furchten.« Und bald war auch Ottokars Entschluß dahin festgesetzt, den früheren Gedanken einer Erbverbrüde-rung und eines Erbvertrages mit den Babenbergerhcrzogen zu verwirklichen. Zweifels ohne ist dieser Erbvertrag auch im Voraus schon dem K. Friedrich I- auf dem großen Reichstage zu Verona (I. 1185) vorgclegt und durch seine nothwendige und unerläßliche Genehmigung bekräftigt worden '), weil er sonst vor Kaiser und Reich als gesetzwidrig niemals hätte verwirklicht werden können. Schon als Herzog Ottokar Vin., nach seines Vaters Beispiele, mit Herzog Leopold dem Tugendhaften einen Zug in das heilige Land unternehmen wollte, durch Kränklichkeit jedoch gehindert in seiner Stadt Enns weilte (I. 1181), sprach er es wörtlich in einer Urkunde von Salzburg aus, daß er für den Fall, keine eigenen Leibeserben zu erzielen, den Herzog Leopold von Oesterreich zum Erben all seines Familieneigenthums eingesetzt habe2); Indus suis pertinentibus. — Sn einer Seckauerkunde erklärte Ottokar VIIl. I. 1191 seinen Sinn: Cognitum esse volumus, quod cum hereditales successores ad gubcrnandum Principatum nostrum abesse nobis vide-remus, heredem saluti nostrae congruum, beatissimam videlicet ma-trem nostri redemptoris ad partem nostri patrimonii, prout gratia in— spiravit divina, notis duciinus eligendam. — Dipl. Styr. I. 169. 11. 311. — Ennenkel im Fürstenbuche sagt: Wann es wardt mir von Ihm bc-khandt: — er der war von Steierland chaufft von einem Fürsten kranch der müest vill gar ohne seinem Damch daß Land da verkhauffcn, umb Silberne Haussen, derselbe Fürst aussetzig was, als ich an dem Buech laß, gab er cs vill Ringe Umb Lützel Psennigge, die Ritter wurden da gezalt, — und auch die Bauern mannigsaldt, da ward geacht als Ich vernommen han, daß leßlich Ritter wohlgcthan, Cham da vill Ringe vmb drei Helblinge, der Hauer um ein eigens Ordth, — So vernam Ich hie und dorth. — Eben-dorfer, Chron. Austr. Pez, II. 113. i) Gmciners Geschichte Baierns unter K. Friedrich I. 2} „In procinctu Jerosolymitani itineris in villam nostram celebrem Ennse venientes una cum dilecto consanguineo nostro Liupoldo Duce Austriac, quem verum nostrarum heredem constitueramus, si sine so-bolc decederemus.“ Archiv für Süddeutsch. II. 253. — Archiv für Geogr. so daß auch von nun an Herzog Leopold, als eventueller Nachfolger in Steier, mehrere Stistsbriefe und Schenkungen gemeinschaftlich mit Ottokar VIII. unterfertigte und siegelte. Im Jahre 1186 am 17. August ward hieraus auf dem Georgcnberge bei der Stadt Enns die Haupturkunde über die Vererbung und Uebergabe ') vom Lande und Herzogthume Steier an Herzog Leopold den Tugendhaften von Oesterreich und seinen Sohn Friedrich in dem Sinne aufgcrichtet und von beiden Herzogen unterzeichnet und besiegelt, wie sie der bereits vorausgegangenen kaiserlichen Genehmigung angemessen und den Wünschen des Landcsadels, der Ministerialen und Stände gemäß gewesen war -). Diese Urkunde bildet, wie wir schon oben bemerkt haben, den Grundstein des steierischen Provin-zial-Staatrechts; und, den Geist der Regierung betreffend 3), finden sich darin folgende Grundsätze ausgesprochen : »Für die Gegenwart »und Zukunft durch schriftliche Sicherstellung der Rechte der Mi-„nisterialen, der freien Landcsbewohncr, der Stände ein gesetzliches »Derhältniß zum Wähle des Landes unö seiner Bewohner festzu-„gründcn, damit kein künftiger Landesregent gegen Ministerialen »und Stände ungesetzlich und hart verfahren könne. Oesterreich unö »Steier sollen hinfüran nur Einem Regenten unterthan seyn, weil »dadurch die beiden Nachbarprovinzcn am leichtesten Frieden und »Gerechtigkeit genießen können. Religion unö Stifte sollen in Ch-„ren gehalten, die besonderen Rechte im Lande aufrecht bewahrt »werden, Sicherheit der Person und des Cigenthums nach Erb-»rcchten gesichert bleiben, Niemand soll über die alte Dienstverbind-»lichkeit beschwert werden und von allen Bedrückungen und Forde-»rungen soll das Land, wie bisher, verschont bleiben. Sollten je »einmal die Bewohner tyrannisch behandelt werden, so sollen sic Histor. u. s. w. 1812, April 180. So sagt auch eine Salzburgerurkunde vom I. 1190: quem (Leopoldum Ducem Austiiae) idem Dux Styren-sis (Ottokar) hcredem totius patrimonii s ui instituerat. Chron. Zwettlense Anno 1186: Dux Styrensis omnem hcreditatem testatus est Liupoldo. — Anonym. Leobiensis anno 1188. Leopoldo Du-ci Austriae consanguineo suo Ottokarus terrain tradiderat. Die Urkunde sagt ausdrücklich: Communicatd meliorum nostrorum consi-lio. — Und: Circa nostros videlicet Claustrales, Ministeriales et Com-provinciales liane formam petitiono eorum conscriptain modeste con-servabit. Daher sagte auch schon Ortilo bei Hanthaler I. 1192: ex pa-ctis a tota Provincia probatis. 3) Divini« et humanis legibus doccmur et proprio naturae disciplina com-monemur, nostrorum saluti consulcre et eorum utilitati tarn modo, quam in postcrum providerc. L88 »durch die Appellation an Kaiser und Reich und durch diese Urkunde selbst zum alten rechtmäßigen und gesetzlichen Verhältniß im »Fürstengerichte wieder gelangen". Mit diesem, über die künftige Regierung der Steiermark, einer deutschen Provinz, entscheidenden Erbvertrage, eilte hierauf Herzog Leopold der Tugendhafte zum K. Friedrich I. und zu dessen Sohn K. Heinrich VI., und erhielt darüber die gesetzliche Bestätigung von Kaiser und Reich, welche jetzt um so entscheidender war, als der Ungarnkönig Bela, welcher bei dem Hintritte des kinderlosen Herzogs Ottokar für sich selbst einige Gebietserweiterungen zu erringen gedachte, bereits Händel anzettelte, welche Herzog Leopold mit Ottokar unterhandeln und beruhigen mußte '). Diese Bestätigung wiederholte dann der K. Friedrich I. noch einmal bei Gelegenheit, als er durch Oesterreich nach Palästina fortzog, wie aus seinen Briefen an Herzog Leopold erhellt -). Nachdem Ottokar VIII. am 9. Mai 1192 seinen uralten und hochcdlen Stamm mit dem Tode beschlossen hatte * * 3), erfolgte die Belehnung des Herzogs Leopold mit dem Lande Steier ungemein schnell, schon am 24. Mai 1192, und sehr feierlich zu Worms durch K. Heinrich IV. Bon Worms eilte sodann Herzog Leopold nach der Steiermark, hielt zu Grätz Lanöesversammlung, Mallstaöt (Placltum generale) und feierliche Huldigung 4). Bon jetzt an waren Steier und Oesterreich thatsächlich unter Einem Regenten vereinigt; sie sollten es, nach dem Sinne des Ottokarischen Erbvertrags, auch für immer bleiben. Bon den Traungauern war also die Steiermark an die Babenberger Herzoge in Oesterreich gediehen, au ein Fürstengeschlecht, eben so alt und edel wie die Traungauermarkgrafen und durch die Urabstam- *) Chron. Austral. Pez, I. 567: „Gravis disscnsio de terra, quam Otto-karus, elephantiaca aegritudine percussus, assignaverat et coram Im-peratore sibi fLeopoldo Duci) tradidcraf, inter ipsum et regem Hungarian versabatur. *) Pcrz, Codex Epistolar. II, 47. 3) Necrolog. Seccov. et Traunkirch: Anno Domini 1192 septimo Idus Maji Otaclierus Dux Styriae. 4) Chron. Admont. — Zwettl. — Vatzon. Anno 1192. — Bern. Noric. Anno 1190. — Dipl. Styriae. I. p. 171. Uebernahme der Schirmvogtei von Seckau noch in diesem Jahre. Die Reichersbergerchronik sagt: Anno 1192 mortuus fuit Dux Styrensis Otokar nomine, qui antea dicebatur Marchio Styrensis; et quia heredem non habebat, Dux Austriae Liu-poldus succcssit ei et acccpit eundem Ducatum de manu Imperatoris valde solempniter apud Wormatiam in proximo Pentecostes, quod eve-ncrat tunc in IX. Kal. Junii. mung von Otto, Herzogen in Sachsen aus dem Anbeginne des neunten Jahrhunderts blutsverwandt mit dem sächsischen, fränkischen und schwäbischen Kaiserhause. Die Stammtafel dieses erlauchten Fürstengeschlechts, seit dem Uebergange der Steiermark in ihre Hand, fügen wir diesem Buche bei '). Ungeachtet der gewaltigen Herrschaft Herzogs Leopold des Glorreichen und Friedrich des Streitbaren wie ihrer wahrhaften Landeshoheit in Oesterreich und Steier blieb das Verhältniß des letzteren Landes zum deutschen Reiche immerfort dasselbe. In kaiserlicher Machtvollkommenheit gestattete und bestätigte K. Friedrich II. die Gründung des Bisthums Seckau s). Als im Jahre 1236 Herzog Friedrich der Streitbare mit seinem Herrn und Kaiser Friedrich II. zerfallen und in offene Fehde gerathen war, erklärte der Kaiser auch die Steiermark für ein dem Reiche anheim gefallenes Lehen. Die Ministerialen und Stände des Landes, mit der gewaltigen Herrschaft des Herzogs Friedrich unzufrieden, benützten diese Gelegenheit, baten den Kaiser, ihre althergebrachten guten Gewohnheiten, Rechte und die Privilegien-briefe der früheren Landesfürsten Ottokar und Leopold zu bestätigen, des Landes Verwaltung wieder unmittelbar an das Reich zu ziehen und, wenn er doch je wieder auf ihre Bitten dieses Land verlehnen wolle, nicht einen jeweiligen Herzog von Oesterreich, sondern einen selbstständigen Fürsten damit zu belehnen und beide Länder nicht wieder zu vereinigen * 2 3). Der Kaiser gewährte Beides in einem Majestätsbriefe zu Enns im April 1237 und ließ die Steiermark bis zur Wiederversöhnung mit Herzog Friedrich im Namen des Reichs verwalten 4). Siehe die hieherge hörige Stammtafel am Ende. 2) Dipl. Styr. I. 194. ,,Honestae petition! tuae aurem benevolam inclina-vimus, de Majestatis regiae tibi munificentia conceden-tes, ut etc. 3) Celsitudini nostrae humiliter supplicarunt, nt eos in nostram et Imperii ditionem perpetuo recipere ac tenere, nullique alii concedere — si autem praedictovum Ministerialium Styriae favorabilis instantia nostram providentiam pulsaverit, ut eundem Ducatum de manibus nostris et imperii alicui Principum, quem nostra vi deri t dignuin ad hoc sub-limitas, porrigamus, non Principi Austriae, ut hactenus fuit consue-tum, qui pro tempore fuit, sed specialiter special» Principi eundem Ducatum Styriae porrigi promittimus. Landhandvest, Ausgabe 1697. p. 10 — 12. fflffch. !». (Sitcicrmorf. — n. Bt>. 19 Nach dem Tode Herzogs Friedrich des Streitbaren in der Hungarnschlacht bei Neustadt (15. Juni 1246) war die Steiermark mit Oesterreich abermals eröffnetes und frei heimgefallenes Reichs-lehcn geworden. Und wenn gleich auch Friedrichs Schwester Margarethe und seine Enkelin Gertrude, gedrungen theils durch die allgemeine Noth der beiden Länder, theils durch das Zureden der Landesstänöe, endlich auch durch andere Berhättnisse und Einflüsse (vorzüglich von Seite des römischen Hofes) gleichsam erbrechtliche Ansprüche auf beide Länder erhoben (I. 1247); so stand die Kraft des deutschen Lehenrechts so fest dagegen, daß ein Erbrecht auf diese Reichslehen in diesem Falle niemals anerkannt worden ist. Weder K. Friedrich H., noch die Gegcnkaiser Heinrich von Thüringen (I. 1247) und Wilhelm von Holland (I. 1249) erkannten den Herzoginnen Margarethe und Gertrude ein solches Allo-dialerbrecht auf die Steiermark zu. K. Friedrich II. sendete sogleich den Pfalzgrafen bei Rhein, Otto von Eberstein, nach Wien, ließ von dort aus beide Länder, Steier und Oesterreich, als erledigte Reichslehen im Namen des Reichs in Besitz nehmen und von dort aus verwalten wie sich dann auch Otto von Eberstein in öffentlichen Diplomen „Hauptmann und Verwalter des heil, deutschen Reichs in Oesterreich und Steiermark" ") nannte. Auch in beiden Provinzen erkannte man beide Fürstinnen Margarethe und Gertrude zwar wohl als Erbinnen der Saalgüter und Allodc des Herzogs Friedrich, keineswegs aber als Erbinnen der Fürstenthümer und der Reichslehen * 2 3). Es trat demnach im 1.1248 nach Otto von Eberstein Graf Meinhard von Tyrol als Reichsoerweser in der Steiermark ein4). In der großen und allgemeinen Verwirrung nach dem Tode K. Friedrichs H. (13. Dec. 1250) suchte zwar Ottokar von Vö-heim, nach Verehelichung mit der königlichen Witwe Margarethe, Ansprüche auf Oesterreich und Steier durch deren vermeintlichen Erbrechte zu begründen (und man stand damals auch im Wahne von Erbschaft und Erbrechten); mochte er aber auch schon seit dem 1) Pernoldus, Anno 1246. 2) Nos Otto D. 6. Comes de Eberstein saeri imperii per Austrian! et Styriam Capitaneus et Procurator. — Urkunden bei Lambacher, Anhang. N. 3-4. 3) Pernoldus, Annis 1246. 1247 —1248. *) Pernoldus, Anno 1248. J. 1252 in Urkunden den Titel »Herzog von Oesterreich und Steiermark" gebrauchen '), so mußte er doch bald selbst die Nichtigkeit desselben anerkennen und von dem K. Richard die förmliche Belehnung mit beiden Ländern neben Böheim und Mähren am 9. August 1262 zu Aachen empfangen * 2). Weil jedoch diese Belehnung in Geheim und ohne Wissen und Zustimmung der Chur, fürsten des Reichs vorgegangen war, so ist sie später, am 9. Aug. 1281 auf dem Reichstage zu Nürnberg, — gleich allem Andern, was von K. Richard und seinen Vorgängern, seit der Bannung und Absetzung Friedrichs II., von Reichslehen und Gütern ohne Bewilligung der Chursürstcn, oder wenigstens des mehrern Theils derselben vergeben oder veräußert worden war, — einstimmig für ungiftig und als nicht geschehen erklärt worden 3). Als König Ottokar sich gegen den ncuerwähltrn römischen König und Kaiser Rudolph I. von dem Augenblicke seiner Erhebung an (I. 1273) feindselig bezeigte, ging dieser ganz nach den Regeln des deutschen Reichs-rcchts gegen ihn vor und zwang ihn endlich, bei fortgesetzter Weigerung, die von ihm verlangten Reichsländer als Reichslehen herauszugeben 4), in dem, im Lager vor Wien am 21. und 25. November 1276 geschlossenen Frieden, das deutsche Kaiser- und Reichs-rccht anzuerkenncn, auf Oesterreich, die Steiermark, Kärnten, Krain und auch die winöische Mark, wie auch auf Eger und Portenau feierlichst Verzicht zu thun, und dagegen erst aus der Hand des 19 * *) Urkunden bei Lainbacher, Interregnum. Anhang, p. 30 — 71. -) Lehenbrief bei Lambacher, Anhang, p. 41—42. Die Steiermark betreffend, lautet diese Urkunde also: Richardus D. G. Rom. Rex. 8. A. Mustri Ottokaro R. Bohemiae cliarissimo principi suo gratiam et orane Bonum. — Nos te pro tuae devotionis meritis plenius et insignius lio-norare volentes, tibi et tuis legitimis haeredibus, qui tibi in bonis feu-dalibus, secundum jus et consuetudinein sncri Imperii de jure pote-runt et habebunt succedere, pro nobis et succcssoribus nostris Impc-ratoribus et Regibus Romanis illos duos nobiles principatus, Ducatuin videlicet Austriac et Alarchionatum Styriae ad manum Imperii et nostrum de jure Iibere devolutos, cum omnibus feudis ad dictos duos Principatus pertinentibus ab Imperio debitis et consuetum teneri inte-graliter et simpliciter in feuduni concedimus et donamus, tibiquc et legitimis tuis haeredibus. 3) Urkunde bei Lambacher, Interregnum, p. 103 — 104. ") Chron. Leobiens. Anno 1274. Exacta curia Rex Ulmam venit et Hen-ncum Fridericum Purgravium de Nurenberch dirigit ad Ottakarum, poscentem suo nomine et Regni, Austrian), Styriani, Carinthiam et Gar-niolam, quas injustae usurpationis titulo possidcbat. Und Ottokar von Horneck sagt ap. 1086: und ließ ym sagen, das er mit Frag und Urtail verloren hictt alle die Rechte, die er von ym zu Lehen hett von dem Reiche» Kaisers Sie Investitur auf Böheim, Mähren, und auf Alles, was er und seine Borfahren sonst noch von Kaiser und Reich zu Lehen getragen hatten, mit allen Förmlichkeiten zu empfangen '). Von nun an schaltete K. Rudolph I. auch in der Steiermark, gleichwie in jeder andern Reichsprovinz, als Oberhaupt des heiligen deutschen Reichs. Zur Wiederberuhigung und Ordnung von Oesterreich und Stcier ließ er nach dem Rathe seiner geistlichen und weltlichen Fürsten, Grafen, Freien und Ministerialen einen fünfjährigen Landfrieden (3. Deo. 1276) kund machen und von Jedermann, der sich dessen theilhast machen wollte, beschwören * 2). Damit im Falle eines unvermutheten Todes des Kaisers wegen der Rcichsverwesung dieser Länder nicht neue Beanstänöigungcn und Streitigkeiten geschehen könnten, erklärte er sodann in einem andern Majestätsbriese noch zu Ende des I. 1276, daß die Verwesung dieser Reiche, so wie aller andern Reichsprovinzen, dem Pfalzgrafen Ludwig, Kraft des Vorrechts seiner Länder, gebühre; und er ließ ihm von den Ständen der Herzogthümcr Oesterreich und der Steiermark auch wirklich für den sich ergebenden Fall huldigen 3). Zu Wien am 18. April 1277 ertheilte hierauf K. Rudolph I. auf Bitten der steiermärkischen Landstände und Dienstherren einen großen Bestätigungsbrief für die früheren Privilegien-bricfe des Landes von Herzog Ottokar Vin., I. 1168, und dessen Nachfolger Herzog Leopold dem Glorreichen, und von K. Friedrich II., 1. 1237, und dessen wiederholte Bestätigung im 1.1247, und er verbürgt dem Lande und dessen Ständen neuerdings, daß sie zu ewigen Zeiten nicht wieder aus den unmittelbaren Händen der Kaiser und des Reichs gegeben werden sollen4) und daß, wenn *) Urkunden bei Lambachcr, Interregnum. Anhang, p. 111. Arbitramur, quod dominus Kex Bohemiae cedat simpliciter et praecise omni juri, quod habebat vel habere videbatur, in tern's et hominibus cujuscumque conditions existant, Austria videlicet, Styria, Carinthia, Carniolia, Martina, Egra et Portus Naonis etc. 2) Urkunde bei Sanibacher, Anhang, p. 117 — 120. — Landhandv. p. 3 — 4. 3) Urkunde bei Lambacher, Anhang, p. 120. 122. „Nobiles et,am et Mini-stcrialcs et alii homines dictarum terrarum Austriae et Styriae ju-raverunt, quod fldeliter et totis viribus exhibebunt supradicto generi nostro, juxta modum superius jam expressum, Consilium, auxilium et favorem, innitentes ei tanquam Rectori et Gubernator! Sacri Imperii usque ad tempera praefinita. 4) Ut non nisi a nobis Imperatoribus et Regibus, successoribus nostris, perpetuo tencantur. — Si autem praedictorum Ministerialium Styriae favorabilis instantia nostram providential», pulsaverit, ut eundem Du-catum de manibus nostris et imperii alicui Principum, quem nostra iric Stände und Dienstherren in Stcier je wieder die Bitte um einen besondcrn und eigenen Lanöesregenten an des Kaisers Majestät bringen würden, nur derjenige zu dieser Würde erhoben werden solle, auf welchen der Rath des größern und bessern Theils der Stände hindeuten würde, »indem er nicht wolle, daß gegen ihren vernünftig begründeten Wunsch das Joch einer neuen und ihren Verhältnissen nicht anpassenden Herrschaft ihnen aufgebürdet werde;« endlich, daß ein jeder künftige Landcsregent verbunden scyn solle, die Privilegienbriefe, die Rechte und guten Gewohnheiten des Steirer-landes und seiner Stände zu bestätigen und zu beschwören '). Ungeachtet nun aber kein Reichsfahnenlehen länger denn ein Jahr offen stehen sollte, konnte K. Rudolph I., nun schon im dritten Jahre im Besitz der Steiermark, neben den andern Ländern Ottokars, dennoch nicht zur neuen Verlehnung dieses Landes kommen. Auch mußte sich der Kaiser erst um die Gunst der Churfürsten bewerben, um dieses Land nach seinem Wunsche verlehnen zu können, weil er bereits einen körperlichen Eid geleistet hatte, keine Rcichs-lchen und Güter ohne Einwilligung der Churfürsten zu verleihen "). — K. Rudolph I. hatte im Sinne, mit den innerösterreichi-schen Ländern seine eigenen Söhne zu belehnen; ungeachtet sich auch seine vorzüglich getreuen Fürsten und mächtigen Gehülfen, der Pfalzgraf Ludwig bei Rhein, Herzog Heinrich aus Baiern, dessen Bruder, und Graf Mainhard von Tyrol zu gleicher Zeit darum be- viderit digiium ad hoc sublimitas, porrigamus, ilium ad lmjusmodi Principatus honorem curabimus exaltare, de quo pars major et melior Ministerialium terrae duxerit consulendum. Nolentes, ut eis ex causa rationabili renitentibus et invitis jugum novi domin», quod eoruin stalni non convenit, imponatur. Landhandvest. p. 4 — 5. *) Schon kurz ehcvor bei der Erklärung des Pfalzgrafcn Ludwig als Reichsverweser in der Steiermark im Falle eines unvorhergesehenen Todesfalles des Kaisers hatte K. Rudolph I. seine Anordnung gemacht: „deliberation« pro-visa de nostrorum Procerum consilio et aliorum Imperii Romani fide-lium ct Nobiliuin Austriae et Styriae irrefragabilitcr duximus ordinandi»»." Lambacherurkunde. p. 121. — Ut autem tenor hujus pi-ivi-legii a futuris dictae terrae Principibus ratus et stabilster teneatur, praesenti praecipinius sanctione, ut dum Princeps, qui pro tempore fucrit, a Ministerialibus Styriae fidelitatis exigit, juramentum, ipsi ad praestationem hujusmodi Sacrament! minime constringantur, donee Princeps ac Dominus corporal! suo juramento promittat, sc praesens privilegium in omnibus ac singulis suis articulis servaturum. p. 5—6. -) Urkunde bei Lambacher, Anhang, p. 90 — 91. Nos enim jurejurando fir-mavimus, quod Imperialia bona sine consilio Principum prorsus alic-nare non possumus. warben '). — Die endliche Entscheidung verschob der Kaiser ordnungsmäßig auf den nächsten Reichstag. Bis dahin bestellte er im Mai des Jahres 1281 auf Ansuchen sowohl des Adels als auch der Städte, seinen erstgebornen Sohn, Albrecht I., zum Reichsver-lvescr über Oesterreich und Steiermark; welcher sich dann in Urkunden „gewaltiger und gemeiner Verweser über Oesterreich und über Steier" nannte * 2). Erst bis gegen das Ende dcö Jahres 1282 hatte K. Rudolph I. die schriftlichen Zustimmungen der sämmtlichen Churfürsten, im I. 1280 des Herzogs Albrecht von Sachsen, Markgrafen Ottos von Brandenburg, und I. 1282 des Pfalzgrafen Ludwig bei Rhein, des Herzogs Johann von Sachsen und der Erzbischöfe Werner von Mainz, Heinrich von Trier und Seifried von Kölln 3) erhalten, worauf er auf dem feierlichen Hoftage zu Augsburg am 27. Dec. 1282 vor der zahlreichsten Fürsten- und Adels-versammlung seinen beiden Söhnen, Albrecht und Rudolph, Oesterreich, ©teter, Kram und die windische Mark mit allen Rechten und Zugehörigen, so wie die frühern Herzoge, Leopold und Friedrich, dies besessen hatten, nebst allem, was K. Ottokar in diesen Ländern rechtmäßiger Weise an sich gebracht hatte, zu Lehen ertheilte 4). Es ivar zwar auch Kärnten bei der Belehnung mitbegriffcn. Jedoch vor Ausfertigung der Lehensurkunöc und sogleich mußten die beiden Prinzen die Fahne Kärntens wieder an Kaiser und Reich, und zwar zu Gunsten des Grafen Mainhard von Tyrol zurülk-stellen, welchem sie sodann und zwar erst im 1.1286 mit der üb- !) Chron. Lcobiens. Anno 1277. 2) Urkunde bei Lambachcr, Anhang, p. 180— 190. — In einer anderen Urkunde vom I. 1282 heißt es! „Dom. Albertus de Habsburch et Kyburch comes, primogenitus Rudolfi et ejusdem per Austriam et Styriain Vicarius generalis. — Chron. Austral, plen. Anno 1281 Rudolphus ad partes Rheni procedens — filium suum Albertum Austriae et Styriae constituit Provisorem.“ 3) Schrötter, Abhandl. des öfter. Staatsrechtes V. p. 104. *) Urkunde bei Lambacher, Anhang, p. 196—198. D e libero ac express» consensu Imperii Principom, jus in elections Regis Romani ex longa consuetudine tenentium, Principatus, sive Ducatus Austriae, Styriae, Carnioliae et Marchiae cum universis suis honoribus, juribus, libertati— bus et pertinentiis, sicut eos clarae memoriae Leopoldus et Frideri-cus Duces Austriae et Styriae tenuerunt ac possederunt, et aliis, quae in terris eisdem quondam Ottokarus Rex Bohemiae qüocunque legi— tirno titulo conquisierat, illustribus Alberto et Rudolph», filiis nostris carissimis, apud Augustam solemniter cum vexillis et solemnitate de-bita dedimus in feodum. — Chron. Zvvettlense. Anno 1282. lichen Feierlichkeit übergeben worben ist >). In öen Majestäts-briefcn K. Friedrichs II., I. 1237 und 1247, und K. Rudolphs i. selbst, I. 1277, hatten die Steiermärker das Verhältniß zugesichert, das; ihr Land mit dem Lande Oesterreich nie wieder vereinigt lind unter Einen Regenten gestellt, sondern unmittelbar mit dem Reiche vereinigt und von dort aus verwaltet werden solle “), den Fall ausgenommen, daß die Stände und die Dienstherren selbst des Kaisers Majestät wieder um einen eigenen Lanöesregenten bitten und auf eine bestimmte Person hindeuten würden. Weil nun gegen den Vorgang K. Rudolphs I. und gegen die wirklich vorgenommene Belehnung seiner Söhne Albrecht und Rudolph, von Seite der Steiermark, fußend auf ihr eben erst neuerdings, I. 1277, von kaiserlicher Majestät bestätigtes Privilegium, keine rechtliche Einsprache gethan worden ist: so kann es nicht bezweifelt werden, daß die Steiermärker selbst wieder öen Kaiser um einen selbstständigen Lanöesregenten gebeten hatten. Rach der Belehnung gelangte daher sogleich die kaiserliche Eröffnung an die Stände der Steiermark (Augsburg 29. Dec. 1282, oder 29. Jänner 1283), daß sie seinen Sühnen Albrecht und Rudolph als ihren rechtmäßigen Herrn und Herzogen mit schuldiger Ehrerbietung, mit Gehorsam und Treue gewärtig seyn sollten * 2 3), nachdem er ihnen bereits Oesterreich und Steier, als Ihm und dem Reiche heinigefallene eräffnete Reichslehen zu immerwährendem Besitze mit aller gesetzlichen Feierlichkeit übergeben habe 4 *). Durch diese Vorgänge sind zugleich natürlich alle darauf Bezug habenden und in den steierischen Prioilegienbriefen, I. 1237, 1247, 1277 enthaltenen besonder» Artikel für abgethan und aufgehoben erklärt worden, nämlich: die unmittelbare Verwaltung der Steiermark vom Reiche selbst 6); und daß künftighin die Steiermark mit Oesterreich nie wieder vereinigt werden solle; endlich, daß den Steiermärkern nur Derjenige, um öen sie selbst des Kaifcrs Arajestät bitten, ■) Urkunde in der köiügi. Bcantiv. der kurbaicrischen Ansprüche p. 385. Not. a. 2) Landhandvest. p. 10—11 und 4 — 5. 3) Urkunde bei Lambachcr, Anhang, p. 198— 199. 4) Vbcantes notis el Import» terras, seu ducatus Austriac et Styriae, — illustribus Alberto et Rudolph» filiis nostris et eoruin heredibus con-lulerimus, a nobis et saoro Romano Imperio perpetuo possidendas, et cos investiverinius soeptro regio de eisdem. Lambacher, Anh. p. 198. ‘) Von de» Worten Nos attentes iminensam lidein etc. bis succcssoi um nostrorum nianibus teneantur. L96 und für welchen sich auch der größere und bessere Theil der Ministerialen erklären werde, zum neuen Landesregenten gegeben werden möge!)• Weil aber doch auch die Steiermark beiden Prinzen, Albrecht und Rudolph, verliehen worden war, so besorgten die Landesstande von der Herrschaft zweier Herren zugleich Bedrückung und böse Folgen. Mit den Ständen von Oesterreich begaben sich daher auch die Eöelherren, die Stände und selbst die Städte der Steiermark nach Rheinfelden zu K. Rudolph I. und baten ihn “), nur den Herzog Albrecht allein zum Regenten beider Länder zu bestellen. Der Monarch erfüllte ihre Bitte, und so wohl als Herr und Vater, wie in der bei der Belehnung selbst schon mit Einwilligung der beiden Herzoge vorbehaltenen kaiserlichen Machtvollkommenheit * * 3) gab er 1. Juni 1283 einen Majestätsbrief mit folgender Hausordnung: «daß Herzog Albrecht und dessen männliche Rach-«kommen die, ihm und seinem Bruder zwar gemeinsam verliehenen «Länder ganz allein besitzen und beherrschen, dagegen aber, wenn «Rudolph binnen vier Jahren nicht als selbstständiger Beherrscher «in ein Königreich oder Fürstenthum eingesetzt seyn werde, von die-«ser Zeit an demselben und seinen Erben eine bestimmte Summe «Geldes alle Jahre gegeben werden solle; ja daß, wenn desHer-«zogs Albrecht Mannesstamm ausgestorben seyn wurde, alle genann-«ten Länder und Fürstenthümer den ehelichen Erben des Herzogs «Rudolph zufallen sollten" 4). — Bei dieser Gelegenheit hatten die Abgeordneten von Oesterreich und Steier dem K. Rudolph i. eine zweite Bitte, nämlich um Bestätigung aller ihrer früheren Handvesten und Freiheiten vorgetragen. Der hierüber den Ständen von Oesterreich ertheilte kaiserliche Bestätigungsbrief ist noch vorhanden, Rheinfelden 11. Juni 1283 5); wir zweifeln daher nicht, daß auch für die Steiermark zu gleicher Zeit ein solcher Majestätsbries ge- *) Non obstantibus quibuscumque juramentis nobis et Imperio per vos praestitis, quae praesentibus rclaxamus, et literis hinc inde datis et privilegiis omnibus concessarum vobis per nos quarumlibet libertatum. Lambacher, Anhang, p. 198. 199. 2) Et quia postmodum Nobiles, mediocres et minores ac communitates ipsavum terrarum, instantius et devotius, per solennes nuncios nostrae Celsitudini supplicarunt. Lambachcr, Anhang, p. 200. 3) Ipsis (filiis et Ducibus) in hoc expresse consentientibns nobis reser-vavimus plenariam potestatem. 4) Urkunde bei Lambacher, Anhang, p. 199. 203. 5) Lambachcr, Anhang, p. 203 — 20C. geben worden sey. - Indessen ist den Steirern bei der Versammlung zu Frisach im 1.1292 das rudolphinische Privilcgiumsdiplom mit Weglassung der durch die eben vorgegangenen Anordnungen nicht mehr geltenden Artikel von Herzog Albrecht I. feierlich bestätigt worden '). Die Gauenverwaltung. Das Gaugericht während der Gauenverfassung mit seinen untergeordneten Gerichten. Der Staat celtisch-germanischer Völkerschaften entstand aus der Fainilie. Grundbesitz und Blutrache waren die Urbande der Familienglieder und der Familien Eines Volks. Aus der Verbindung solcher Familien sind die Staaten der Celten und Germanen, wegen der darin liegenden größeren Bürgschaft eines friedlichen Zusammenlebens, entstanden. Die Familie bestand aus Sippschaft (Geschlecht, Genealogie) und Gesinde. Die Sippschaft ist im gemeinschaftlichen Grundbesitze. Ihr stand nach Graden der waffenfähigen und waffentragenden Mitglieder die Blutrache (Faida, Fehde) zu, welche als offener Krieg gegen außergeschlechtliche Individuen ging. Die Faide wurde gesühnt durch Sühn-gelöer in Vieh, Getreide, oder selbst Geld, und alle waffenfäyi-gen Glieder oder dieSchwertmagen2) der Sippschaft hatten daran Theil; weil sie auch zusammen Bürgschaft geben mußten. Alle Schwächeren der Familie, Weiber, Greise, Kinder standen unter dem Munt, (Schutz) dieser Schwertmagen; und diese ist also die älteste Magenbürgschast des Familienbandes. Das Freisagcn von Erbschaft und Blutrache geschah daher in urältcster Zeit schon mit gewissen Feierlichkeiten, immer öffentlich, vor Gericht und mit symbolischem Zerbrechen von vier Ellerstäben über dem Haupte. — Das Gesinde war unfrei, unter beschränkter Herrschaft des Herrn, ohne uninittelbarem Anthcil an den Vortheilen der Sippschaft, am Gesammtbcsitze und an der Magenbürgschast. Es be- ') Landhandvest. i>. 6 — 8. ') Mag, ist Blutbfreund, Verwandter, cognatus, consanguineus. Magae sunt tarn patevni, quam materni generis ; lili ad differential« Schwert« magen, hi Spilmagen dicuntur. Schwertmagen cognati a militia, cui omiies olim adsueti, Spilmagen cognati a Spill vcl Spindel, fu-so, cui sexus foemininus deditns: alias etiam Nagelmagcn. koi!, im Glossar zu Horneck. Wort: Mag. stand nehen wenigen gänzlich Leibeigenen meist aus hörigen, nuf Gütern ihres Herrn als Lanübauern gegen Naturalabgaben mit Familien lebenden Hintersassen. Immer zwar von dem Willen und von der Gnade des Herrn abhängig, konnte dies Verhältniß ein fast ewiges seyn. Der Herr vertrat dabei die Hintersassen nach verschiedener Abstufung in allen Fällen von Beeinträchtigungen, von Angriffen auf den Besitz und in den Fällen der Blutrache (und zwar unter den Hörigen selbst oder auch gegen Freie). — Das Besitzthum einer reltisch-germanischen Familie war selbstständiges Gemeingut, ein Freihof, durch die allgemeine Wechselbürgschaft der Verwandten, der Magen, welche Pflicht und Recht zugleich war, ein kleiner selbstständiger Staat. Sehr viele solcher Freihöfe dehnten sich nach und nach durch das Zuwachsen von Vorwerken und hörigen Hintersassen zu wahren Herrenhöfen aus. Zur größeren Sicherheit unter einander und nach Außen schlossen sich in der Urzeit schon alle näher an einander gelegenen Freihöfe und Herrenhöfe zusammen und gestalteten eine größere Gemeinde, eine Volksgemeinöe, eine Genossenschaft, einen Fried borg; Alle durch wechselseitigen Schwur gegen einander verbunden, daß von dem Vermögen jedes ihrer Markgenossen, wenn er Uebclthäter ist, das Wehrgelö geleistet werde, und daß kein Ue-belthater innerhalb ihres Frieödorgs Schutz und Hülfe für seine Missethat finden solle! — Zehn solche Höfe nun zu Einer kleinen Genossenschaft zusammengethan, also zehn Häuptlinge von zehn solchen Höfen bildeten eine Zehente (Decania, Homines X), und zehn solche Dekanien eine Genossenschaft von einer Hunderte (Centenaria). In der Volksgenüssenschaft, in der Einigung von zehn Höfen wurde nun jeder Hof von dem Haupte des Hofes vertreten, so wie jedes Zehnerhaupt seine Zehente im Zusammentritt der Hunderte oder zehn Zehnerhäupter vertrat. Dieser Fried-bvrg ist bei Selten und Germanen uralt, älter als alles Königs-thum; der Grundgedanke und Geist desselben erhielt sich, selbst nach Auflösung aller Formen desselben, im ganzen mittelalterlichen Leben der reltisch-germanischen Völker. Dieser Frieöborg ging nach und nach auf gewisse Personen, Wehrlose und heiligem Leben Ergebene, auf Oerter, Zeiten, Festtage, auf die öffentlichen Gerichte, auf den König über. Der König that dann nichts, als was in der Vorzeit die Versammlung des Friedborgs gethan hatte; der Friede ging dann nur nicht mehr von dieser Versammlung, sondern von dem Könige oder von den von ihm bestellten Gerichten aus, welchen der König selbst wieder oft Frieden schaffen mußte. Der Friedborg ging endlich in Stäöte-gilden, Hausgenossenschaften, Ritterinnungen, Bauerngenossenschaften oder Heingeroden, beim Adel in Landfrieden und Gottesfrieden, in Hansestädte und Stände und Landstände in allen Ländern des fränkisch-germanischen Reiches auf. Von dieser Friedborgsoerfassung nun sind die fränkisch-ger-mansichen Gerichte im Ganzen und selbst im Einzelnen hervorge-gangen. Denn Friede war der gemeinsame Zweck aller jener Verbindungen der Sippschaft, der Hintersassen, der Volksgemeinde u. s. w., wobei jedoch der Sieg des Königthums über die Volkssrei-heit, die christlichkirchliche Hierarchie und die Vernichtung der nach und nach verdunkelten alten Grundlagen den größten Einfluß gehabt haben. In den Familien selbst befand sich das Familiengericht. Das Mundium über die nicht waffenfähigen Familienglieder und über das Gesinde legte dem Inhaber desselben die Pflicht auf, für Vergehen seiner Schützlinge einzustchen, so weit er im Stande war, sie zu hindern. Dies beruhte offenbar auf Gewalt über die Schützlinge. Bei Kindern ging sie bis zu einem gewissen Alter und bis an den Tod, so wie bei Leibeigenen. Nachher war aber hier alles durch Gesetze geregelt. Das Volksgericht war schon in dem uralten Friedborg und in dessen Verfassung gegründet. Schuldige hielt man für un-werth, der Volksgemeinde anzugehören. Man stieß sie aus, verfolgte sie, als Feinde, selbst bis zum Tode. Im Kriege bestand förmliches Strafrecht, jedoch in die Hände des Priesters gelegt; weil man nur der Gottheit die Herrschaft über einen freien Mann einräumte. Bald kam es auch im Innern der Volksgemeinde zum Strafrecht und inquisitorischen Verfahren, auch ohne bestimmten Kläger, bei Gräberverletzung, Raub, Dieberei, Mordbrennerei u. s. w., um den Friedborg aufrecht zu erhalten und wieder herzustellen. Handelte es sich um Fälle, wo nur Wehrgeld und Buße gefordert werden konnte, so waren Fehden erlaubt, zu deren Sühnung aber auch die Gerichte angerufen werden konnten, welche bann nur den Charakter des Vergleichs um Sühngeld hatten. Von den Gerichten der Zehenten, wo die Familienhäupter, und jenen der Hunderte, wo die Häupter der Zehenten den engeren Rath der Versammlungen bildeten, stieg das Volksgericht in der Versammlung des ganzen Volkes mit dem engeren Rathe der Hundcrthäupter empor, so daß Streitfälle zwischen ganzen untern Kreisen, wie der Zehenttheile, an das Gericht der Hundert-theile, und Fälle zwischen Hunderttheilen an die Entscheidung des gesammten Stammvolkes gingen. Die Richter in ihnen wurden frei aus der Mitte des Volks gewählt. Versammlungen des ganzen Volks wurden dreimal des ganzen Jahrs ordentlicher Weise und zu bestimmten gebotenen Zeiten gehalten, wo alle freien Gemeindeglieder bei Strafe anwesend seyn mußten (Gebotenes Ding, Ehaftding, Echteding). Gerichtsversammlungen (Ding, Mahl, Mallum, Placitum) ') hatten regelmäßig alle vierzehn Tage Statt, für die Vorgcladenen und für die dabei Betheiligten, nämlich Zeugen und solche Männer (Priester, Adcliche und Freie), welche dem Gerichte beisassen, oder dasselbe umgaben, Rath erthcilten und das Urtheil finden halfen. All' dieses erscheint nun umständlicher und urkundlich bewährt in dem Gaugerichte (Gowding, Gewding— Judicium provinciate. Commune terrae placitum. Comecia. Ministerium). — Die Abtheilung der celtisch-germanischen Länder in Gaue (Comita-tus, Gow, Gowe, Gew, Gewe, Gaw, Gawe) hat sich aus den ältesten Zeiten in die fränkisch-deutsche Monarchie herabgeerbt und in derselben zur größten politischen Wichtigkeit in der Gauenvcr-waltung (Comecia, Ministerium) erhoben. Darauf gründete sich die ganze mittelalterliche Länderverwaltung. Hier vereinigten sich alle öffentlichen Geschäfte einer größeren Volksgcmeinde von vielen Zehenttheilen und mehreren Hunderttheilen in einem bestimmten Bezirke des öffentlichen Rechts Eines großen Friedborgs: der richterlichen Gewalt und ihrer Vollstreckung, des Urtheils über Freiheit und Rechtsfähigkeit in diesem Friedborge, der Erwerbungen von Grunöeigcnthum und Familienbesitz t'm Frieöborge, aller anderen, die ganze große Volksgemeinöe betreffenden Fälle dcsFricd-borgs, der Streitigkeiten der Zehentabtheilungen und der Hundert-theile unter sich und gegen einander, oder eines dieser Beiden gegen einen reichen und mächtigen Adeligen und Saalherrn, der, so zu sagen, einen besonderen Friedborg gegen einen Zehenttheil sich gebildet und geschlossen hatte. Die Verwaltung eines Gaues für Geschäfte des Friedens und Krieges führte Ein Gaugraf (Gre- ») Mon. Boic. XXVIII. p. 179. I. 943. XXXI. p. 338. I. 980. PC, Gogrcvk, Comes, Grafio, Senior, Judex, Judex fiscalis, Ordinarius, Comes provincialis, Judex provincialis, Praeses) und neben ihm der Beigraf, sein Stellvertreter (Vicarius, vicecomes, Vicejudex) mit den Vorstehern des unteren Bezirkes, der Zehen-und der Hunüerttheile. Seit den frühesten mittelalterlichen Urkunden erscheinen Gaue und Gaugrasen (wahrscheinlich von der Ursitte, wo bejahrte und an Alter und Erfahrung ausgezeichnete Männer, größtentheils aus edlen Geschlechtern, m den Bolks- und Gerichtsversaminlungen vorsassen, die Grauen, Graven, Senex, Senior, Seigneur, und im Angelsächsischen: „Ealdorman," genannt) in allen baioarischen Ländern, vom Lech bis tief nach Pannonien hinab, von den fränkisch-austrasischen Königen, und zunächst von den baioarischen Herzogen, von den Karantanerherzogen und von den Markgrafen der oberen und unteren Karantanermark, nach dem besonderen Geiste der altgermanischen Volksverfassung gewählt und eingesetzt. Das Gangrafenamt war nur ein persönlicher und zeitweiliger Ambacht, keine erbliche Würde, die Einsetzung und Absetzung ganz von dem königlichen und des Herzog oder Markgrafen Willen abhängig. Weil aber der Gaugraf, nach dem Geiste der reltisch-germanischen Völker, gewöhnlich einer der begütertesten Edeln und aus den ältesten und angesehensten Adelsgeschlechtern im Gaue war, so ging durch die Gnade und Politik der Könige und Herzoge der gaugräfliche Ambacht auch vom Vater auf den Sohn über. Es gab ausgedehntere Gaubezirke mit Untergauen (Subpagi, Comitatus fortiores et minores) •), Nach K. Karls des Großen Grundsatz und eingeführter Regel bekam kein Graf mehrere Gaue zugleich zur Verwaltung. Diese Ambacht umfaßte, wie schon oben bezeichnet worden, alle Geschäfte des Heerbanns, des königlichen, herzoglichen und markgräflichen Fisrus, des Ober-gerichts und der Polizei i) 2) im ganzen großen Gaubezirke eines alten Friedborgs und seiner Bewohner und rechtlichen Theilneh-mer, aller freien Männer, der Hochedeln, Edeln, der reichen Saal-herren und der minderbegüterten gemeinfreien Männer (Pagenses, Principes Pagenses, Pagenses viri nobiles, Jiberi homines) 3). Bei seinem Amtsantritte leistete der Gaugraf einen feierlichen Eid i) Capital. Anno 77». Pertz, III. 40. Besonders, daß stets gute Handwerker im Gaue seyen. Capit. Carol! M. Pertz, 111. p. 184. 3) Chron. Lunaelac. 57 — 78. — Juvavia, Anhang, p. 43. des Gehorsams und der Treue gegen öaö Reichsoberhaupt, und unverbrüchlicher Gerechtigkeit in der Versammlung aller freien Gaugenossen. Ungerechtes Urtheil und Bessechlichkeit verpönt schon das baioarische Gesetz sehr strenge '). Irrige Urtheile aus Unkunde der Gesetze wurden für nichtig erklärt, die Gaugrafen jedoch darum nicht gestraft. Jeder Gaugraf hielt in seinem Gaue regelmäßig alle Monate zwei ungebotene Gerichtsversammlungen, Gerichte (Concilium, Assisa, Assise, Ding, Gowding; von Dingen, ö. i. Beschließen)bei welchen, neben den ordentlichen Ge-richtspersonen, dem Grafen, den Schöffen und den Zeugen, allein nur die durch Anklage Betroffenen und zur Vertheidigung berufenen Personen zu erscheinen hatten * * 3). Der Platz des Gaugerichts hieß Mallstätte (Mallus, Mallus publicus, Mallberg, Mallopergum, Malloberg, Malleber; daher von Klage, Gerichts-handlung und Urtheil gebraucht Mallare) 4), gewöhnlich unter freiem Himmel, unter einem altbejahrten Baume (Eiche, Ahorn), auf dem Platze vor der Ortskirche, oder im eigenen Gerichtshause5). Im Gaugerichte hörte und richtete der Gaugraf alle Sachen, welche nach reltischgermanischen Sitten und Volksrrchten zu beurtheilen waren. Ueber alle wichtigern Streitigkeiten und solche Fälle, welche bei den untern Gerichten nicht zu Ende gebracht wurden, vorzüglich über peinliche Fälle und Frevel (Causae capitales, criminales) über Stand der Personen, Freiheit und Leibeigenschaft, Recht und Antheil am Friedborge des Gaues, über Eigenthum an unbeweglichen Dingen, Leibeigenen und allen damit vorfallendcn Veränderungen, Käufe, Verkäufe, Vererbungen, Spenden an die Kirche u. s. w., für Sicherheit der Personen und des Eigenthums aller freien Wehren des Gaufriedborgs enthält das altbajuvarische Gesetz umständliche Vorschriften für strenges Gaugrafengericht6). — Den zu Gericht sitzenden Gaugrafen waren geschworne Helfer, gewöhnlich sieben an der Zahl, Schöffen, Skabinen genannt (Judices jurati, Assessores Comitis, Schabini; bei den Fran- 1} Cayit. Car. Iff. anno 789. Pert*, III. 68. — Lex Bajuvar. p. 271 — 272. Eigenschaften eines Gaugraftn. s) Lex Bajuvar. 270 — 271. 3) Capitul. Anno 811. ap. Pertz, III. 216. 4} Lex Bajuvar. 301. — Juvavia, Anhang, p. -13. — Mon. Boic. IX. 15 —17. 5) Pertz, III. 213. Capitul. anni 817. ft) Lex Bajuvar. p. 283. feit (Ulcf) Raebimburgii, Scrlcntcs OÖCV Ailslantcs) und jedesmal aus dem Stande des zu Richtenden (Judices proprii, Pares, . 121: In eadem valle (AdmontcnsiJ praeconium totum et onine jus, quod Salzburgensis ecclcsia primitus ibi habuit a tempo-ribus Hcmac comitissac, quae vallis ejusdem maximam partem . .. tradi-dit, et nos (Archiep, Eberliardus I.) potenti manu et plena jurisdictio-ne stabilimus, et nullus advocatorum vel judicum quidquam sibi juris praeter voluntatem et petitionis abbatis et fratrum ibidem vendicet. Mit dem Gerichte über alle Salzsiedereien und Salzleute zu Hall ,,praeconium totum in Halle cum jure Salinarum“ war dann der Emunitätsbezirk des Admontthalcs geschlossen. ") Daher bestimmt auch schon das österreichische Landrecht tm §. 36 ausdrücklich, daß das Civilgericht den Grafen, Freiherren und Ministerialen auf ihren Saalgründen, Gütern und Bogteien ganz allein zu eigen sey, und daß nur Todcsverbrechcr ausgcliefert werden müsse»! burger. Es war etn wesentliches, auS dem Stande der Freien selbst fließendes Recht, sich freiwillig für die prioatrechtlichen Verhältnisse ihres Bürgerlebens in gemeinen Markgenossenschaften au-tonomischen Rechtsnormen, welche sie selbst in gemeinsamer Bera-thung entworfen und festgestellt hatten, zu unterwerfen. So waren die Landesrechte, die guten Gewohnheiten einzelner Markgrafschaften, einzelner Gemeinden, Orte, Gerichtsbezirke, selbst die Observanzen einzelner Classen von Personen und Gilden oder Einigungen entstanden, und weit durch das Mittelalter herab geltend geblieben. Dies ist der Ursprung des altbajuvarischen, vom Lech bis an die Save ehemals geltenden Gesetzes, von dem oben schon gesprochen worden ist und welches allen freien Wehren ihre ange-borne Freiheit und die Unverletzlichkeit der damit verbundenen Rechte unter schwerer Berpönung und mit fühlbarer Sorgfalt bewahrt '). Selbst alle späteren auftrasischen und germanischen Reichögesetze und Capitularien sind mit Berathung und einwilligender Zustimmung der Repräsentanten aller Rationen fränkisch-germanischer Herrschaft zur allgemeinen Verkündung und Mittheilung gebracht worden. Auf diesem Wege haben wir zu Ende des zwölften Jahrhunderts das in Oesterreich und Steter eingeführte Landrecht erhalten. Rach dem Geiste dieser Gesetze und nach dem Wesen des Standes war nun jedes freien Wehren natürlicher und alleiniger Richter der König (das austrasisch-germanische, das heilige, römisch-deutsche Reichsoberhaupt), oder der in dessen Namen bestellte Gaugraf; und dessen Gau und Richterstuhl war der Gerichtssprengel und der Gerichtsort desftlben in ungebotenen oder in gebotenen Gerichten, nach der schon oben geschilderten Weise. Alle, der Adel, die hohe Geistlichkeit und die Gemeinfreien mußten anfänglich in Allem, auch in persönlichen, später auch ohne Ausnahme in ding, lichen Sachen, vor diesem Gaugerichte freier Wehren selbst, oder durch ihre Vögte (wie vorzüglich die Geistlichkeit), erscheinen. Für alle freien Wehren war aber hierbei das Hauptrecht, in diesen Gerichten nicht von Niederen (hinsichtlich des Standes), sondern allein nur von Gleichen (Judicium Parium, Companum) gerichtet zu werden. Von daher schreiben sich alle Partikulargerichts-höfe (Forum proprium, Rechts- und Gerichtsweise), das Für- x) Lex Bajuvar. p. 283. 289. 293 — 311. ftengericht (Judicium principum),|ÖQ) So hatte die Stadt Grätz schon lange vor dem Jahre 1281 auch den Blut-bann neben dem gewöhnlichen Gerichte. Wartinger, Privil, p. 1 2) Dipl. Styr. I. p. 340—243. 3) Urkundlich bekannt I. 1170: Herrandus Judex de Bnstal, zugleich auch Ministerialis Marchionis de 8tira. Saalbuch von Admont IV. p. 201. I. 1140: Herrandus Judex tune Provinciae, im Ennsthale nämlich. 4) Dipl. Styr. I 210. Judex in Knulelvelde et Pcrmannus Subjudex), ©Vfljjiupp oder Neumarkt, Roteninann cJ. 1296 Heimicus Judex de Rotenmann) und Leoben: schon I. 1172 Otto (Judex de Liu-ben, 1284 Wernhardus Judex et XII. Jurati ac Universitas civium in Liuben '). Urkundlich bekannt sind dann auch noch folgende Gerichte: zu Admont im Admontthale, mit den Richtern I. 1245 Heinrich, 1259 Wernher, 1269 Poppo, 1293 Heinrich (Ju-dices de Admunda); in Eisenerz im I. 1296 der Richter Wul-sing Hellprack (judex de Eisenartzt dictus Hellprakh); in Ass-lenz der Richter Ulrich, I. 1278 (Judex de Affelenz); zu Pfann-berg (Otto Judex de Phannenberg I. 1250) in Voitsberg der Richter Rudolph, I. 1224 (Judex de Voitsperch), I. 1273, 1277, 1290 die Richter Friedrich, Petrus, Michael, Hermann (Nos Petrus et Michael judices constituti et Universitas civium civitatis in Voitsperch; Fridericus dictus Chnouter tunc Judex civilis civitatis Voitsperch; Hermann, Judex de Voitsperch); zu Stainz (I. 1233, 1240, 1249 Forum et judicium in Steunz); in Tobl; in Leibnitz (I. 1172 Rudolfus nobis praefectus); das Gericht in Sei; l) * 3). Zahlreich sind auch die urkundlichen Beweise für die vielen untergeordneten Gerichte in einzelnen kleinen Bezirken, in Gemeinden und Dorfschaften, als die letzten Spuren der uralten kleineren Markgenossenschaften, der Zehnt- und Hundertgerichte, deren Vor-sieher Dorfmeisier (Magister villae) und bei den Slovenen Sup-pane heißen. Das Gemeindegericht zu Oeblarn im oberen Ennsthale; das Gemeindegericht zu St. Michel an der Liesing oder zu Liesing (1269, 1287, Geroldus Judex de Liessnich); die Gemeindegerichte mit Richtern (Judices, Praecones, Judicia) in Stibull, Algerstorf, Ungerdorf, Ekkersdorf, Urschau, Jägerberg 4); das Gericht der Gemeinde zu Hermannsöorf bei Pettau I. 1277 (Stinko, Supanus in Hermansdorf; Helph-ricli, cum esset senior et judex regionis et dispensator Chalonis de Truchsen s); die unteren Gerichte oder Schephonate im Ge- l) Zn Heilwicks Rationariam Styriae, z) Koch-Sternfeld. Beiträge III. 82. 3) Admontersaalbuch. III. 121 und Urkunden von St. Lambrecht und Rein. - Dipl. Styr. II. 71 - 72. 4) in Rationario Styriae. — Admontersaalbuch. III. 181. — Dipl. Styr. II. 140. 5) Admontersaalbuch. III. 305. IV. 129. — Dipl. Styr. II 212. richtsbezirke Tuffer mit vier besonderen Richtern, Schephonen genannt '); die sechs Supanien, Gemcindegerichte im landesfürst-lichen Ainte Luttenberg, und gleiche Gemeinöegerichte in allen Gegenden der unteren Steiermark, jedes mit einem eigenen Süpane, so, daß das steierische Kammcrrentenbuch bei sechzehn Dörfern (Villa c) auch sechzehn Supane oder Dorfmeister zählt. Diese Landgerichte und jedes bedeutendere Gericht hatte neben dem Richter auch noch andere Helfer oder Beamte (Scribac, officiates), welche sämmtlich, theils aus dem Erträgnisse der Gerichte selbst (Jus judiciale, officiate, Praeconis, Judicis), theils aus den Erträgnissen der Hofmarken ihrer Saal- und Gerichtsherren besoldet waren i) 2). Die Saalbücher von St. Lambrecht geben um das Jahr 1287 das erste Beispiel von Pensionirung eines Privatbeamten, indem dem damaligen Hofrichter daselbst, Henricus Senior de Traten, bei seiner Dienstksenthebung der lebenslange Unterhalt mit täglicher Präbende, gleich jedem Stiftsprofessen, mit Speise und Trank jedoch, wie jedem Priester des Stiftes selbst, zugesichert worden ist. Die Hochstifte und Stifte hatten auf ihren großen Hofmarken im Lande ihre eigenen Gütervermalter, welche, wenn sie weltlichen Standes waren, auch das Civilgericht führten; wenn sie aber dem geistlichen Stande angehörten, so standen ihnen für alle in ihren P ro p-steien (Praepositmae) oder Hofmarken und geschlossenen Gerichtsbezirken Rücksässige eigene weltliche Richter zur Seite. So hatte das Hochstift Salzburg seine eigenen Hofrichter, Gastalüionen und Nicedome im Ennsthale, im Obern Murthale und zu Leibnitz in der untern Steiermark. Um das I. 1140 kennen admontische Saalbücher den salzburgifchen Hofrichter, Engelbert, Gastaldio vom Ennsthale, „nd um das I. 1235 den Meister Heinrich von Vogau, Bieedom zu Leibnitz 3). Auch das Hochstift Gurk hatte seinen Vicedom in der i) Lambacher, Anhang, p. 177: „De officio quatuor Schephonum,— in officio Schephonum Gerdei, in officio Schephonum Leutoldo, in officio Schephonum Zurizla, in officio Scheplionum Zaschiz.“ z) So heißt cs im Ilationario Styriae: Summa poroorum (Dienstschweine) XHl. De bis autem porcis — tollit offioialis de Marohpurch VI mcliores, Urbanus Schepho I, quatuor praecones tollunt IV, Scriptor officia-Jis I, Claviger 11, omnes de melioribus (seil, porcis). Und : De tali jure , quad Nothselde et Richterrecht dicjtur! Und; Super muntern Ja-gcrsperch habet judex in jure suo unam marcam praeter VI denarios. Pechlinus de Tiver offioialis, Dipl. Styr. II. HO. 3) Saalb. IV. 57. - Urkunde: „Magister Heinricus de Vogan, Vicedominus. untern Mark J. 1288 '). Nicht anders können und werden es die Patriarchen zu Aquileja mit ihren zahlreichen Hofmarken im Unterlande zwischen der Save und Drave gepflogen haben "). Auf der Hofmark im Zerewald am Semmering richtete und waltete der Spitalmeister desselben Hospitals * * 3). Hieher gehören auch noch die Heimgärten und die geschlossenen Gebiete vieler Schlösser und geschlossener Orte, größtenthcils um uralte Burgen her, der Städte und Märkte (Urbes, Civitates, Oppida, Municipia, Fora, Villae forenses). Die Bewohner derselben genossen ihre eigene Gerichtsbarkeit und alle persönliche Freiheit und Sicherheit innerhalb des Burgfriedens oder der Heimgartgränzen 4 5 6), wofür jedoch von Allen die Burgsteuer, der Burgzins oder das Burgrecht bezahlt werden mußte3), wenn man nicht durch besondere lanöesfürst-liche Privilegien davon befreit war; wie K. Ottokar von Böheiin im Jahre 1252 dem Orden der Cisterzienscr diese Abgabe bei allen Häusern derselben in Grätz und Neustadt erlassen und diesen Wohnungen noch überdies die Civilgerichtsemunität ertheilt hat G). Die Hut und Verwaltung der Burgen und der Burgfrieden war eigenen Burggrafen, Kastellanen oder Präfecten anvertraut. Sie unterstanden ehedem den Gaugrafen und Markgrafen; jetzt waren sie Gaugrafen gleich. Die wichtigeren lanöesfürstlichen Burgen, wie das Schloß zu Grätz, hatten stets einen eigenen Burggrafen (Comes) und einen besonderen Schloßhauptmann oder Kastellan (Castellanus). Sie hatten vorzüglich das Burggericht zu üben und weit umher den Landfrieden zu wahren; und nach Bestimmung im österreichischen Lanörechte §. 54 sollen Burgen, von welchen Raub und Plünderung mit Schuld der Burgherren ausgegan-gen ist, mit Feuer und mit Niederbrechen zerstört werden. Burgen mit besonderer Burghut im Lande Steier kennen wir aus Urkunden bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts folgenüe: P ct-tau, in der Hand der Deutschoröensbrüöer, Mutenberg oder Ho-henmauten, in der Hand des Truchsesses von Fulwenstein, die grv- *) Admontersaalbuch. Dominus Iringus Vicedominus inferioris Marchiae. s) Aus Mangel aller Urkunden können keine Belege beigrbracht werden. 3) 1289. Dominus Ortolfus Hospitalarius de Cerewalde. Admonterurkunde. '*) Urkunden des Landhgndvestes. p. 3 - 8, 5) Fundum siva aream cum domo et curia jure civili, quod vulgo dicitur Burgrecht, quod possidebat, resignavit. Urkunde vom Jahre 1259 bei Lambacher. 6) Reinerurkunde. — Dipl. Styr. II. 33, Here Wild o n erburg (Castrum m a jus), die Burgen zu Grätz summt einem Thurm in der Mitte der Stadt (Custodia castrorum in Graetz, Turris in medio Graetz) in der Hund des Landeshaupt-mamiš, itn Enns- und Paltenthale die Burgen Pflinsberg, Neu-h uu s (Novum castrum) in Rotenmann und der Thurm auf dem Pyrn, das Schluß in Judenburg, die Burg zu Bruck an der Mur, die Schlösser zu Grazzlupp oder Neumarkt und die Burg Offenberg, die obere und untere Burg Witsberg, Waldstein, Gösting und Raökersburg. Die Burggrafen und die Kastellane der wichtigeren Burgen bezogen Gehalte theils aus den landesfürstlichen Kammergefällen '), theils und in der älteren Zeit vorzüglich, genossen sie als Ministerialen Lehengüter und Lehengefälle. Namentlich kennen mir noch andere Burgen und zum Theile Kastellane der schon genannten Schlösser: 1136, 1164 Ulrich und dessen Sohn Ulrich, Burggrafen (Praefectus), 1190 Ottokar und dessen Sohn Ulrich und 1287 Alochus, Kastellane von Grätz "); 1277 Walchun von Timmersdorf, Kastellan von Bruck; 1190, 1199 Rudolph, Kastellan des edeln Herrn Rudolph von Kindberg; 1309 Friedrich von Wels, Kastellan zu Murau; 1286 Konrad vom Thal (De Valle), Kastellan zu Offenberg; 1265 Hermann, Burggraf (Claviger) von Boitsberg; 1144, 1170, 1180 und 1229 Eberhard , Rudolph und Friedrich, Kastellane von Leibnitz; 1274 Al-hoch, Hauptmann auf Raökersburg; 1259 Dionysius Magnus, Truchseß, Gras von Szalawar (Comes Zeladiensis) und Hauptmann (des Königs Stephan von Ungarn) auf Pettau; 1219 Wi-kard und Grisso, Kastellane von Wildon (nämlich der dortigen zwei Burgen); I. 1252 Konrad, Kastellan zu Friedberg * * 3). Mit diesen Gerichten hatte der Landesregent, Herzog oder Markgraf, vermöge der bereits in der Ausbildung rasch fortschreitenden Landeshoheit, concurrirende Gerichtsbarkeit; und bei ihm blieb auch die höchste, die oberste Gerichtsbarkeit über alle weltlichen und geistlichen, von den genannten, ordentlichen Gerichten befreiten Personen und Sachen, zu deren Ausübung der Landesherr z) Rationarium Styriac. ") Dipl. Styr. II. p. 15. Ottokar der Markgraf sagt 1164: »Tria curtifera in Suburbano c astri Grez — feci traditionell! ipsain manu mea in ur~ be Graze — Udalricus Praefectus de Grez, et filius ejus Udalricus, 3) Urkunden und Saalbücher von St. Lambrecht, Admont, Rein und Geyrach. — pipi. Styr. I. 547. 564, II, 15, 54. 93. — Caesar. Anna!, I. 591. oft selbst die gebotenen und ungebotenen Gerichte hielt'), gewöhnlich aber einen besonderen Land- und Hofrichter bestellte. Aus der Periode der Traungauerinarkgrafen in der Steiermark haben wir darüber bereits in der Urkunde des letzten Herzogs Ottokar VIII. für die Karthause in Sei;, I. 1185 eine bestimmte Andeutung, indem er als seine Stellvertreter im Lande Steier Landeshauptmann und Lanüesrichter ausdrücklich bezeichnet z). Wir werden über dieses Geschäft und Amt eines steiermärkischen Landeshauptmannes weiter unten umständlicher sprechen. Als Generallandesrichter, Provinzialrichter, Oberrichter in des Landesfürsten Namen in Steiermark werden in bewährten Documenten namentlich bezeichnet: I. 1243 Ulrich von Pfannberg; 1245 Ulrich von Liechtenstein * * 3) und Witigo, Landschreiber, zugleich als stellvertretender Landrichter in Steier; 1254—1256 Gottfried von Marburg, Provinzialrichter der Steiermark; 1259 Wülfing von Stubenberg (Judex pvovincialis Styriae); 1260 Heinrich von Liechtenstein (in Austria, Judex pvovincialis Styriae); 1268—1269 Hcrbord von Fullnstein, Truchseß und Ge-ueralrichter in Steier (Judex generalis Styriae); 1272 Ulrich von Liechtenstein, Marschall und Richter in Steier; 1272 Otto von Liechtenstein, der (Juniori, apud Gretz judicio piaesi- dentibus); 1276 Ekkard von Dobreng; 1277 Graf Heinrich von Pfannberg; 1280 — 1284 Otto von Liechtenstein; 1288 Dietmar von Offenberg, Provinzialrichter in Steier. Gewöhnlich hatte der Gcnerallandrichter in Steier bei allgemeinen Gerichten viele von den Landesedeln (von den Ständen) an seiner Seite, durch deren Rath und Hülfe er das Urtheil suchte und aussprach (De communi Nobilium sententia, praesentibus et consentientibus Nobilibus terrae) 4). Zuverlässig wurden mehrere Gerichtsoersaininlungen im Jahre zu bestimmten Zeiten (ungebotene Gerichte), und von dem Gene- i) Im Jahre 1189 entschied auf der allgemeinen Gerichtstyidigung in Mgr-J burg H. Ottokar VIII. einen Streit um das Gut Eibisfetd für das Stift Admont« Sgalduch III. 225 — 226. s) Dipl. Styr, II. 71. „Indifferenter ab omnibus, qui vice postri pro tempore fuerint instituti Capitanei, Judiccs vel Provisores in Styria inviolabiliter custodiri!« 3) Admonterurkunde. A. A- A. 5. -.) pipi. styr. I. 331 - 335. - Reinerurkundc. ralrichter besonders ausgeschriebene (gebotene) Gerichtstage in allen vorzüglichcrn Orten des Landes gehalten. Urkunden bezeichnen folgende solche allgemeine Gerichtstaidigungen im Lande: I. 1243 in Kraubath, 10. September; 1254 zu Feldkirchen bei Grätz und in Grätz selbst, 1255 in Grätz, 1259 in Pettau, in Grätz (in ju-dicio provinciali apud Gractz) ; 1261 in Marburg (Placitum generale in Älaichpurch); 1272 in Grätz (Judicium provinciale apud Gretz); 1298 in Feldkirchen bei Grätz >). Das Amtssigill in dlesen Gerichten und in allen von demselben ausgefcrtigtcn Urkunden und Anordnungen war daher das lan-üesfärstliche, das uralte Wappen der Traungauermarkgrafen, ein Panther tin grasgrünen Felde ,J). Nach dem österreichischen Land-rechte genoß dieser Oberrichter im Lande 300 Pfund Geldes als Jahrcsgehalt, und ihm zur Seite saß des Landesherrn Schreiber, welcher Urtheil, Wandel und Bußen protvkollirte Die Oeffrnk-lichkeit, als die uralte Hauptform dieser Gerichte, scheint aus der Gauenzeit noch bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts so ziemlich beibehalten worden zu seyn. Die Mallstätten oder Schrannen waren auf offenen Plätzen, gewöhnlich vor den Pfarrkirchen l * 3 4), und der steierische Generallandrichter mochte überall tut Lande seine Schranne aufschlagen 5). Die Ansprüche seines Kämmerers, Wul-ffng, auf das stiftadmontische Gut Aboldisfeld oder Cibisfeld entschied H. Ottokar VIII. auf dem großen Gerichtstag zu Marburg 1189 mit den Urtheilshelfern: Hcrrand von Wilüon, Richer von l) Größtenthclls aus Urkunden des Stiftes Rein. -) So brauchte dies Sigill der Landschreiber Wittigo in der GerichtstaidigUng zu Kraubath, I. 1245, und der Landrichter Gottfried von Marburg, I. 1254. In Urkunden der Stifte Admont A. A. A. 1. und Rein» 3) Landrecht §. 57. So wie er noch mehrere andere Notarien und Gcrichts-beamte um sich hatte» 1259, Scripta sunt haec per manum Eustachii notarji. In einer Urkunde des Generalrichters Herbord von Fullenstein. — Saalbuch von Admont. 111. 304. <•) Admontersaalbuch IV. 230. I. 1160t „Hartnidus de ftoutkerspurch ab-ilicavit litem pro Garsowe ultra Wizenpach „ahte ec des i am“ Louzen (Liehen); 1268 (Circa) HerborduS de Fullenstein judex Styriae generalis — sedens pro tribunali in LiUben ante ecclesiam parochia-lcm. — Admontersaalbuch 111. 303 — 304» Ego Ekkehardus de Dobreng cum apud Graetz in coCmcterio 8. Egidii judicio praesideremus! — Dipl. Styr. I. 237. — In einer Urkunde des Stiftes Rein vom Z. 1254: Actum apud Graez in parochial! Ecclesia. s) Admonterurkunde A. A. A. 5. Ego Ulricas de Llechtensteinc qttod cum ego fungens auctoritate Domini Dücis in festo bcati Egidii de causa, quac vertitur, pro tribunali sederem cognosciturus. Marburg, Ortolf von Gonowitz, Ottacher von Grez, Erchinger von Landesere, Otto von Leibnitz und Dietmar von Liechtenstein '). So hielt im I. 1243 Ulrich von Pfannberg allgemeine Gerichts-taidigung in Kraubath, im I. 1265 Herborü von Fullenstein in der Minoritenkirche zu Grätz, I. 1269 offenes Gericht in Leoben, I. 1265 offenes Gericht auf dem Friedhöfe vor der St. Egidcnkirche in Grätz, I. 1271 Burgharö von Klingcnbcrg Gericht und Rechts-spruch in der St. Thomaskapelle auf dem Schlosse zu Grätz, I. 1276 Ekkard von Dobreng in dem Friedhöfe von St. Egiöen in Grätz. Vor der offenen Schranne des Oberlandrichtcrs hatte, nach dem österreichischen Landrechte, Jedermann persönlich innerhalb 6 Wochen auf erhaltene Mahnung zu erscheinen '-), es sey Graf, Freiherr, oder Ministerial, und zwar in allen Sachen auf Leib, Ehre und Eigenthum. In die Schranne treten der Richter und der Beklagte zuerst ein und verlassen sie auch zuletzt. Auch Frauenzimmer erscheinen vor der Schranne. Niemand darf vor dem Ur-theilsfpruch die Schranne verlassen. Urkunden, Eidschwur und Zeugen beweisen vor Gericht i) * 3). Die Zeugen müssen die vom Gesetze vorgcfchriebenen Eigenschaften haben. Die Zeugen beim Ohre zu berühren oder herzu zu führen war noch im zwölften Jahrhunderte Sitte 4). In Fällen auf Leben und Ehre sollen ein und zwanzig Männer, Genossen und Uebergenossen des Beklagten, als Zeugen vor Gericht angewendet werden. Dann gilt Tod gegen Tod, Glied für Glied, wenn es nicht durch Gut, Bitte und Buße an den Richter und Beschädigten abgethan wird. Rothzucht soll nach Lan-desgewohnheit gebüßt und dem, der die Buße nach Recht und Ur-theil gethan hat, soll dann an seinen Ehren weiters kein Eintrag geschehen. Straßenraub und Mord mußte mit zwei Zeugen erwiesen seyn und nach Landesgewohnheit gebüßt werden. Straßenraub, Mord und Diebstahl und alle diese, die böse Ding heißen, sind vorbehaltene Fälle. Offenbarer Angriff auf Eigenthum wird i) Admontersaalbuch III. 225 — 226. z) I. 1246 sagt der Provinzialrichter Ulrich von Liechtenstein in bet Admon-terurkunde > „temino peremptorie praefixo.“ 3) Admontersaalbuch HI. p. 225 — 226, I. 1188 — 1189 im Gerichte des Herzogs Ottokar VIII. um das Gut Eibisfcld zwischen seinem Kämmerer Wülfing. <) Admontersaalbuch IV. 79. 3* 1169: Testes per aurem tracti, mit 10 Pfunden gebüßt, und zum dritten Male mit der Acht so lange, bis aller Schaden dein Kläger gut gemacht und dem Richter der Wandel bezahlt ist. Niemand soll persönlich ergriffen und eingezogen, sondern vor die Schranne geladen werden. Kommt er bei der vierten Taidigung nicht, so soll er dessen, wessen man ihn gefordert hat, für schuldig erklärt werden. Kömmt er, so kann ihn der Richter sich aus der Acht (contumacia) schwören lassen: daß er nämlich drei Taidigungcn dem Kläger zu Recht stehen wolle, außer es hindert ihn ehaste (unüberwindliche) Noth. Dann soll er aber in der nächsten Taidigung über vierzehn Tage kommen. Erscheint er nicht, so ist er der Sache und der Buße verfallen (Processus in contumaciam). Wer sich binnen 6 Wochen aus der Acht schwört, ist frei; wo nicht, so ist er dem Richter unt 10 Pfunde, dem untern Gerichte aber um 6 Schillinge Buße verfallen. Wer ergriffen wird auf Todtschlag (an der Handschaft), soll auch auf den Tod gerichtet werden. Entwischt der Thätcr, so soll er vor dem Reiche belangt werden. Kaiser und Reich haben das letzte Urtheil. Appellationen von den gewöhnlichen Gerichten standen frei bis zu bestimmten Termmen. In den Urtheilen wurden die Sachsälligen auch oft zu den Gerichtskosten verurtheilt ')• Die Fälle, wo Zweikampf als Gottesgericht entscheiden soll, bestimmt das Gesetz und befreit davon zugleich jedes Alter unter zwanzig und über sechzig Jahre. Dürfen wir aus einer Angabe in admontischen Saalbüchern mit Grund schließen, so haben die steierischen Markgrafen zur Entscheidung und zur Vollstreckung des Urtheils in gewissen Fällen eigene Kanunerboten (Nundos) abgesenöet 2). Befreit von diesen Gerichten, theils in Hinsicht der Zehntgerichtsbarkeit, theils auch des vbern Gerichts, waren jetzt alle Hintersassen und Eigenleute der Stifte und Kapitel (diese wurden von den Vögten derselben gerichtet), vielfach auch die rittermäßigen Herren, alle städtischen Bürger und Schützlinge, welche theils prioilegirten Gerichten und Personen, gewöhnlich aber landesherrlichen Vögten und Schultheißen unterstanden; alle geistlichen Personen und Güter, so weit x) Dipl. Styr. 1. 335 — 336. -) Saalbuch IV. 138. In der Streitsache um Saalgüter am Radclberge heißt es: Eosdem tres mansus Sigfridus de Liubenowe sibi usurpavit per milites sues, quos nancius Marchionis Otokari de Styra, Meinhardus tie Chorbe, jussu Domini eui exp ulit etprae-diunveoenobio restituit. sie allein der geistlichen Gerichtsbarkeit angehörten, endlich auch alle Dinge, für welche besondere Gerichte bestanden, wie alle Geineindesachen, bloße Geineinderechte, Erhaltung der Ruhe und Ordnung in Gemeinden u. s. w. betreffend, wie die Holzgerichte in den Gemeindealincnden, die Salzgerichte, die Berggerichte beim Bergbau auf edle und unedle Metalle, die Deichgerichte und die Zunft- oder Gilöcngerichte, welche alle von eigens erwählten Holzgrafen, Salzgrafen, Bergrichtern, Deichgrafen und Zunftgrafen verwaltet worden sind. Von Salzgerichten (Jurlicium, Praeconiuni Salis) bestanden in Steiermark das admontische Gericht über alle Salzleute und Salzsiedereien zu Hall im Admontthale, über welche der eigene Salzgraf gestellt war ') und das landesfürstliche Salzgcricht an den Hallstättcn zu Aussee über die dort rücksässigcn Hallinger oder Besitzer und Bearbeiter der Salzquellen am Ahorn- oder Sandlingberge * 2), und alle daselbst arbeitenden Berg- und Hüttcnleute. Von Berggerichten bestand in unvordenklichen Zeiten schon das landesfürstliche Berggericht am Erz berge für Eisenerz und Voröernberg, dessen jährliches Erträgniß das steierische Renten-buch gleicherweise mit 2600 Mark Pfennige bezeichnet 3). Zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts bestand schon als altherkömmliche Sache das Berggericht an dem Silberbaue auf der Zeiring mit einem Richter und zwölf Geschworenen 4). Ausgenommen endlich von den gewöhnlichen Gerichten waren auch noch alle Sachen, welche aus den bestehenden Verträgen zwi- 1) Saalbuch IV. p. ist —122. Dafür bestanden das eigene Salzrccht und besondere Leistungen der Salzleute an das Stift Admont, nämlich! „Quod in libro traditionum jus Salinae a Tiemone archiepiscopo traditum nobis dicitur, hoc est: Servi administrates ignem patcllis, et omnes boum minatores in festivitatibns ova cellcrario dare debcnt, et unusquisque eorum Saccum unum (Salis) per annum, carnes et,am cervoruin ca-ptorum ad coquinam deferrc. Omnes et in ipsa villa Salinae (zu Hall) positi praeconi nostro debcnt esse subject!, quia tarn Spirituale quam Seculars judicium per ornneiu nostrum vallem ab ipso Tiemone ac-ecptam habemus.“ 2) Das Rationarium Styriae sagt: „Item Salina in Aussee pro mille et ducentis Marcis denariorum. 3) Judicium in Aertzperch cum omni jure mentis ejusdem pro duobus millibus Marcarum et sexcentis marcis denariorum. 4) Admonterurkunde. I. 1294. 0. 26. »mit der Richter Hant Pernhartes des Trabergäres vnd Bleiches in dem Breithohof, ze Gegenwart der zwelf Ge-swornen vf der Ceyrich«. Gleichfalls enthält auch das Steierische Renteii-buch: „Rons Zyrich!“ scheu Saalherren und Hintersassen zu beurtheilen und zu entscheiden waren; dann alle Lehensgegenstände, welche der Lehensherr mit seinen Mannen, als Schössen (Parcs curiae), nach Hofrecht aus-zutragen hatte. Die Auflösung der Gaucnverfassung und der Gaugerichte, wie die Ausbildung und Vollendung der Landeshoheit vernichtete endlich auch die, eines gemeinsamen Friedborgs wegen geschlossenen Gaugenossenschaften und Markgemeinöen, welche nur noch in wenigen Verhältnissen, die das Gemeingut betrafen, sichtbar blieben. Auf den Markgrafen und Landesherrn der Steiermark hatte sich jetzt jeder uralte Friedborg in einen Gesammtfriedborg des Landes zurückgezogen. Dadurch wurden auch jetzt die gesamin-ten Standesverhältnisse der alten freien Gaugenossen verändert. Sie waren früher alle auch Reichsgenossen des heiligen germanischen Kaiserreichs. Durch die neuen Verhältnisse war aber die Reichsgenossenschaft nach und nach gänzlich auf den Adel allein übergegangen, weil die alten Gaugenossen größtentheils dessen Landsassen geworden oder durch Dienstverhältnisse und Schutzhörigkeit dem Landesherrn unterworfen waren. Zuletzt hatten sich auch noch die Städte und Märkte durch Absonderung in Stadtgemcinden und Gesellschaften innerhalb eines genau uingränzten Hcimgartens oder Burgfriedens, durch das Weichbilörecht, die rittermäßigen Adeligen endlich durch völlige Trennung vom Stande der Gemeinfreicu aus den alten Genossenschaften selbstständiger hervorgebilöet und in ihren Ständen vollendet. So hatte die Stadt Grätz frühzeitig und wohl schon vor dem Ende des zwölften Jahrhunderts in nerhalb ihres Weichbildes ein uraltes Eigengericht behauptet, welches K. Rudolph I. 27, Februar 1281 mit der Erklärung bestätigt hatte, daß nämlich nur der eigene (selbstgewählte) Richter, und keineswegs ein jeweiliger Landeshauptmann über die Stadtbürger zu richten haben solle i) Wartinger, Privil, der Stadt Grätz, ,>. 1. „Quod ncc Capitancus Styriac, nec quisquam of/icialium nostrorum de praedictis judiearc praesum-mat civibus, pro quibuscuinquc causis, licet graves fucrint et enor-n.es, cxccpto judiee corum deputato.“ Gesch. t. ©Ictetttiarf. — II 2)8- 22 Römische Alterthümer in -er Steiermark Archäologische Ausgrabung in Gleichcnberg. Der ungemeine Zudrang zu der Gleichenberger Heilquelle im Zähre 1844 war gegen die früheren Jahre in steigendem Verhältnisse. Da in diesem, von der Natur mit Anmuth und Lieblichkeit ausgestatteten Orte eben nur Gesundheit oder Erholung schwindender Körperkräfte und nicht rauschende Vergnügungen oder prunkendes Wohlleben gesucht werden können: so bewährt dies neuerdings den hohen diätetischen Werth dieser seltenen, in ihrer Art einzigen Heilquelle. Ein neuerliches Ve-gebniß aber erhöht noch bedeutend Das allseitige Interesse für eine Quelle und einen Badeort, welche nun unwidersprechlich erwiesen im hohen Alterthume, in der römischen Epoche, schon bekannt und in diätetischem Gebrauche gestanden sind. Bekanntschaft und Bewohnung des Glei-chenbergerthales in der Römerepoche hat die neueste Geschichte der Steiermark *) vermuthet und nachgewiesen durch so viele inschriftliche Steine und Antiken, welche rund um Gleichenberg her, zu Hain-felden, Feldbach, Riegersburg, Pöppendorf, Puchenstein, Straß, Rad-kersburg vorlängst schon sind aufgefunden worden. Noch unwiderleglicher spricht der inschriftliche Römerstein auf dem Schlosse Gleichenberg selbst. Dieser befindet sich als Baustein eingefügt in einer Hauptmauer der Burg; die Buchstaben auf demselben sind bereits so verwittert und verlöscht, daß man daraus mit Recht auf dessen ungemein hohes Alter schließen kann, um so mehr, als er seit Erbauung des dermaligen Schlosses von den unmittelbaren Einwirkungen der Wit- l) Erster Thcil, r> iss terung eine schützende Stelle behauptet. Nun ist in der zweiten Hälfte des Februars dieses Jahres im Lhalgrunde und unmittelbar bei de» Mineralquellen selbst folgende Entdeckung gemacht worden. Für die Mineralbäder wurde bisher das benöthigte Wasser aus der sogenannten Werlequelle genommen, welche jedoch für den alle Jahre sich mehrenden Zudrang der Gäste und den Bedarf der Bäder nicht reichhaltig genug floß. Man machte sich daher daran, eine nur ungefähr 5 Klafter davon entfernte Quelle, welche in kleinen Blasen vom Boden auf-trieb, in die Tiefe zu verfolgen, und sie je nach dem zu gebenden Was-serreichthume zu sichern und zu benützen. Bei der Ausgrabung rund umher gab die erste Klafter Tiefe schlammige Erde; die zweite Klafter Boden bestand aus einer festen Thonschicht; in der dritten Klafter Liefe kam man auf einen aus behauenen Steinen gestalteten Brunnenkranz, dessen regelrechter Rundbau drei Fuß im Durchmesser zeigte, und noch zwei Klafter in die Tiefe hinabreichte. Diese Umfassung war noch durchaus fest und hatte nur einige Lurch den äußern Erdevruck etwas aus ihrer Richtung verschobene Quadern. Am Boden dieses Brun-nenkranzes quoll die Mineralquelle rein und reichlich empor. Schon in der die obere Ummauerung umgebenden Erdschicht hatte man drei Römermünzen gefunden. Weil jedoch diese aufgedeckte uralte Brunnenfassung zum Zwecke der Gegenwart nicht weit und hoch genug war, so wurden alle behauenen Steine derselben sorgfältig herausgehoben und zur Entdeckung allfälliger Schriftzeichen oder anderer Gebilde mit Wasser gewaschen und gereinigt. Wie man nun bei dieser Arbeit endlich die unterste und tiefste Kranzlage aufhob, fanden sich noch einige sechzig derlei antike, größtentheils kupferne, einige auch bronzene Münzen, und dabei auch zwölf wohlerhaltene Haselnüsse. Die besondere Art dieser Brunneneinfassung mit so vielen römischen Münzen bewährt sich daher von selbst schon als einen antiken, römischen Bau. Diese Münzen, einige von trefflich erhaltenem Gepräge, in so ferne der Charakter des Gepräges und der Legenden noch entziffert werden kann (denn an einigen ist weder Gepräge noch Legende mehr zu erkennen), gehören folgenden Kaisern an: 1 Tiberius? (I. 14 — 37); 2 Titus? (I. 79 — 81); 3 Domitianus (I. 81 — 96), mit geschlossenem JanuS-tempel und der Devise: Saluti Augusti, — mit gerüstetem Krieger und der Legende: Virtuti Augusti; 1 Nerva (I. 96 — 98); 5 Tra-janus (I. 98 —117) mit der Trajanssäule, auch mit einer aufgerichteten Trophäe und der Devise: Optimo Principi; 18 Hadrianus (I. 117—138) mit Devisen: Salus Augusti; 4 Antoninus Pius (I. 138 — 160); 2 Lucius Verus (I. 160— 165); 10 M. Aurelius (I. 166—180) mit einer Devise: Juventus; 1 Sept. Severus — besonders merkwürdige Städtemünze mit griechischer Inschrift (I. 193 — 211); 1 Alex. Severus (I. 222 — 235); 1 Gordia-nus III. (I. 238—240) '); 2 Philippus Pater, Städtemünzen aus Viminacium im ober» Mösien (I. 244 —); 2 Claudius (I. 268—275); 1 Aurelianus (I. 268—275); 1 Numerianus (I. 1) Bei dem nahe bei Gleichenberg gelegenen Schlosse Heinfeld ist auch eine Silbermünze, Gordianu» ill., gefunden worden. — Gesch- d. Sterermark. S- 38:* 282 — 284); 1 Faustina Junior. Eine und die andere dieser Münzen scheint ehedem versilbert gewesen zu sehn. Die meisten Devisen an der Kehrseite sind bereits unlesbar geworden. Da in der Brunnentiefe weiters keine andern Münzen aufgefunden worden sind: so darf man aus den vorbezeichneten Stücken urtheilen, daß die aufgegrabene Brun-ncnumfassung aus Quadersteinen ungefähr um das Jahr 286 nach Christus gebaut worden sey, daß sie demnach ein Alter von 1559 Jahren habe. Die unter den Münzen befindlichen Haselnüsse wurden von dem Naturforscher und Professor der Botanik und Zoologie am ständischen Joanneum in Grätz, Dr. Franz linger, genau untersucht und verglichen. Seiner Ansicht nach sind sie ganz gleich mit den Nüssen des in Steiermark häufig verkommenden Haselstrauchs (Corylus Avella na, Lin.). Jedoch ist die oberste Schicht der harten Schale so weit abgcschliffen oder weggericben, daß auf allen Seiten die von der Basis bogenförmig nach der Spitze zu laufenden Gefäßbündel in feinen oft unterbrochenen Ritzen oder Furchen in die Augen fallen. Auf einer dieser Haselnüsse ist die Areola oder Basis noch sichtbar, auf der andern aber ist sie gänzlich abgeschliffen oder weggerieben. Das Gewicht dieser Haselnüsse ist geringer, als im normalen Zustande; Farbe aber und Substanz sind wenig verändert. Daraus scheint wahrscheinlich, daß Liese Nüsse längere Zeit, bevor sie an den bezeichneten Fundort kamen, gerollt seyn müssen, und daß dabei Wasser einwirkend gewesen sey, welches zugleich die feineren, parcnchymatischen (oder neben cin-gcfugten, gegossenen) Thcile aufgelöst und abgespült hat. Nicht daher aus ihrem dermaligen Zustande, wohl aber aus der obigen Bemerkung läßt sich schließen, wann diese Nüsse an ihren Fundort gekommen sind und seit wie lange sie sich erhalten haben. Es ist nun eine bekannte Wahrheit, Laß die Römer gewisse weibliche Gottheiten, Semnones, Nymphen, als Vorsteherinnen über alle Theile der Erde, über Berge (Oreades), über Wälder (Dryades, Hamadryades, Napaeae), über Flüsse und Quellen (Najades), über das Meer (Nereides, Oceani-lides ctc.) verehrt haben. Flüsse und Quellen, vorzüglich an ihrem Ursprünge (Caput) und Vorn, waren gewissen Gottheiten, einzelnen Najaden, geweiht und mit heiligen Gebräuchen ausgezeichnet '). In den Born einer Quelle wurden kleine Geldmünzen geworfen, um die beschützende Najade gnädig zu machen und zu erhalten. Wie sprechend ist daher die Gleichenbergerguelle durch so viele im Borne selbst auf-gcfundcnen Münzen als in Kenntniß, in Verehrung und im Gebrauche der Römer bewährt! Was sollen aber die unter die Münzen gemengten Haselnüsse in der Tiefe des Brunnens? Daß sie, vorgcfunden an solcher Stelle und in solcher Umgebung, mit dem römischen religiösen Glauben, dessen Verehrungsweisen und Ansichten in unmittelbarer Verbindung gestanden sind, dürfte schwerlich in Abrede gestellt werden; ungeachtet das Wahre hierbei zu treffen ungemein schwer fällt, und 8) J. Ann. Senecae Epist. §1.: ,,Magnorurii fluminutri capita veneramur; Subita et ex ahilito vasti nmnjs, evuptio aras habet; coluntur aquarum calentium fontesj et stagna quaedam yel opaeUas vel immensa altitudo sacravit.“ daher nur Vermuthungen gewagt werden dürfen. Man opferte den Najaden der Quellen, wie HoraliuS der Quelle Vandusia, aus welcher das Bächlein Digentia entsprang, auf seinem sabinischen Landgütchen geopfert hat *). Daß Nüsse im römischen Jugendleben, bei den Hochzeitsgebräuchen (vorzüglich die Wallnuß oder die wälsche Nuß, Juglans statt Jovis glans) und auf den Nachtischen eine bedeutende Rolle gespielt haben, ist allbekannt s). War es Sitte, neben blutigen Opfern (wie der von Horatius an der Quelle Vandusia so geschlachtete Widder, daß das Blut des Thieres unmittelbar in das Quellwasser floß) auch Speiseopfer, und darunter auch Haselnüsse, außenher sorgfältig abgerieben und zubereitet, darzubringen: so dürften die Haselnüsse in der Gleichenbergerquelle aus diesem Gebrauche ihre Erklärung finden! Ist dies nicht der Fall: so dürften sie wegen ähnlicher Wirkung mit den von den Römern schon anerkannten Wirkungen jener Mineralquelle in Gleichenberg im Zusammenhänge stehen. Der große Ency-clopädist der Alten, der geistvolle Naturforscher Plinius, schreibt über die Wirkungen des Genusses von Haselnüssen auf den menschlichen Körper Folgendes: „Die Haselnüsse erzeugen Kopfschmerzen, Magenent-„zündung, und sie befördern das Fettwerden mehr als glaub-„lich ist (oder: sie befördern die, — tragen bei zur Fetkig-„keit, mehr als wahrscheinlich ist). Geröstet heilen sie Ka-„tharrflüsse und Schnupfen, gemahlen (zerrieben) und „in Honigwasser getrunken auch hartnäckigen (veralteten) „Husten 3)." Nun gewährt gerade die Gleichenberger-Mineralquelle das specifische Heilmittel in allen Brust- und Lungenkrankheiten, Und in besondern Fällen bis zum Wunderbaren. Dürfte man daher nicht auch hierin einen Wink vermuthen, warum Haselnüsse und Quelle fo nahe zusammengegeben worden sind? — Jedenfalls aber liegt es durch diese neueste Ausgrabung unwidersprechlich erwiesen vor, daß diese Gleichenbergerquelle schon im dritten Jahrhunderte nach Christus von den Römern gekannt, ihrer edlen Wirkungen wegen verehrt und durch einen eigenen festen Bau für die Nachwelt gesichert worden sey, und daß daher diese Quelle mit vollstem Rechte den Namen „der Römrrbrunn in Gleichend erg" verdiene. Durch die aufmerksamste Fürsorge Sr. Excellenz des Herrn Landesgouverneurs, Grafen von Wickenburg» wird der aus den Tiefen des Erdbodens wieder erhobene Brunnenktanz sorgfältig gereinigt, an einer besondern Stelle in Gleichenberg und mit einer seinem ehrwürdigen Alter entsprechenden Ausstattung aufgestellt und für die Nachwelt erhalten werden. Die Ausgrabung wurde noch drei Fuß tief unter dem uralten Brunnenkranze fortgesetzt, wo die Mineralquelle unmittelbar aus hartem Gesteine emporsprudelt; und von diesem festen 1) Unrat. III. Oda. IS UNv I. Ejiist. XVtl 1Č4. 8) Plin. Mist. Natur. XV. Servius in Vil'g. Eclög. VIII. SO. Petrih». Satyr. I. 10. Sue. ton ih Aug. 33. S) Plin. Hist. Nat. XXII. Z.: „Nuccs avellanao capitis dolorem faciunt, inflammatioiiem stomachi ,-et pinguadini corporis conferunt p 1 h s quam sit verisi-m i I e. T ostae e t dcst illation! me d e n tur; Tussi quoque veter i t vi ta e« e t In iitju-i mu Is« petne,“ Grunde aus wird sie in mächtiger, vier und eine halbe Klafter hoher Steinfaffung umbaut und nach römischem Beispiele möglichst für Jahrhunderte gesichert. Gradwein. Zwischen Gradwein und Kleinstübing sind bei Gelegenheit des Staatseisenbahnbaues im Jahre 1843 aus dem Abhange des Berges zwei Römersteine mit folgenden Inschriften ausgegraben worden. SATVRNVS A. T . I . F . VIBIA . CO F ELVIMA FA FT SVRIO V F IANVABIVS . ANO L - * • PTO - ATTI . . ORIS . AN.. T . MOGIAE.. CEFTI - FIL . AN . L EABRO . FIL . PARENTIBVS . FEG . Greuth. Im Dorfe Greuth, im Bezirke Neumarkt und im Dekanate St. Lambrecht, befinden sich an der Pfarrkirche St. Martin im Greuth, innen und außen, und am Schulhause mehrere antike Trümmer, aus der bei römischen Monumenten gewöhnlichen Steinart, Brustbilder, eine Gestalt im Kriegskleide mit einer Papierrolle in der Hand, woran sich die Buchstaben der alten Inschrift zeigen: SICIANI - L . LIO - NI - TIANO - VLONIA - ANDINA. Am Schulhause sind Trümmer alter Denksteine mit folgenden, größtentheils verstümmelten Resten: VITORIAE . PRIMIN AE . . RISSIMI . LVCTRA . CVMO- VA . . VIA TYR . . MORIAMI . . . ACC... ECCI. . FOVI . S - V - I - NE - BA - MIDEVS . O . F . VIXI. — G. Göth., Topographie des H. Steiermark. III. Band 537. Kerschbach. An der Mauer des Kirchhofes zu Kerschbach bei Windisch-FeistriH sieht man einen Römerstein mit den gelungenen plastischen Gebilden eines Tritons, dessen unterer Theil sich in einen Delphinsschweif endet, und eines gefiügelten Genius neben ihm. Maria Rast. Im Drauwalde nächst dem Friedhofe zu Maria Rast ist eine mächtige Steinplatte ausgegraben worden mit folgenden plastischen Gestalten: links ein behelmter Mann mit einer Fackel in der Linken, rechts ein Anderer mit unbedecktem Haupte und mit gesenkter Fackel in seiner Rechten. Zwischen Beiden ein behelmter Mann mit Schwert in weitem Oberkleide, mit dem linken Fuße auf einem zu Boden geworfenen Stiere knieend, dessen Kopf er niederhält, ihn bei den Hörnern fassend und auf den rechten Fuß sich stemmend. Zn der Liefe der Nische rechts von dieser Gestalt steht die Schrift: M . PORCJVS . VERVS . PROČ . AVG links sind die Wörter: ME . POSVIT. Man hat in der Nähe umher in den Schotterlagen der Drau Trümmer ähnlicher uralter Steine aufgefunden. Pischk. Bei dem Baue der Staatseisenbahn wurde zu Pischk am Kaltenbach bei Bruck an der Mur ein Piedestal ausgegraben, auf dem ehemals ein Standbild gestanden zu haben scheint, mit folgender Inschrift: I . O . M . DEBVLSOR GIVLLVS PROBVS M . L . X . C.SEV.S . L . L . M MAXIMO p T? AGRICOLAE OS . Teinach. An der Kirche in Teinach bei Windisch-Feistritz, nahe beim Thur-me, befindet sich ein Römerstein mit dem gelungenen plastischen Gebilde einer weiblichen Gestalt mit Krug und Fächer. Tresternitz. Am linken Ufer der Drau oberhalb Marburg, in der Gegend bei Tresternitz, hat man in jüngster Zeit Fragmente von Römersteinen, Waffen, Schnallen, Urnentrümmer und dgl. ausgegraben. Tüffer. Im RLmerbade zu Tüffer ist in neuester Zeit ein dritter, den Nymphis Augustis geweihter Römercyppus mit ähnlicher Inschrift, wie die im ersten Theile dieses Werkes angeführten, aufgefunden worden. - K'| •■■'"■'"ju, i*. ■ • 1 ^ '........................ ' ” .r;>v - '-.v iviyih^A :...ü ;U, - ? : ::. : . • M -° -- -v*;x'-: '7 ■ • ' - . '•>'fr''"’ 4 . , , . ■ .. : ' hi M ' .... , - ...................................- • " Heinrich Jaso mirgott, seit 7. September 1156 erster Herzog in Oesterreich, gestorben 13. Jänner 1177. Zweite Gemahlin: Theodora Comnena, Tochter des byzantin. Kaisers Manuel. Gestorben 2. Jänner 1184. _________________________________________i_______________________________________________ Neben Anderen: Sohn Heinrich HI. von Leopold VI. der Tugendhafte, Mödling, und Tochter Agnes. geboren Jahr 1157, Erbe der Steiermark Jahr 1192. Gestorben 31. December 1194. Gemahlin: Helena, Tochter des Königs Geysa II. von Ungarn. Gest. 25. Dec. 1199. _________________________________________________________________________________________________________I__________ Leopold VII. der Glorreiche, Friedrich I. der Katholische, geb. 15.Oct. 1176. Vater des Vaterlandes, Erweiterer Wiens, Gesetzgeber, Schöpfer seines Munizipalstandes, Stifter von Lilien- geboren 26. December 1194, gestorben auf selb, ein Held der Kreuzfahrten in Spanien, Palästina, Aegypten. Gest. 28. Juli 1230 zu St. Germans. Begraben zu Lilienfeld. der Kreuzfahrt in Palästina 16. April 1198; Gemahlin: Theodora Comnena, Tochter Kaisers Manuel. Vermählt I. 1203; gestorben 22. Juni 1246. begraben zu Heiligenkreuz. _________________________________________ I ____________________________ Margarethe, geboren 10. April 1205, gestorben zu Krems 29. October 1267, begraben in Lilienfeld. Hatte am 28. März 1227 die Krone als römische Königin empfangen; vermählt: 1. ) am 1. Nov. 1225 an Heinrich VII, Erstgebornen K. Friedrichs II. (geb. 18. Mai 1208, abgesetzt 1236, gest. 20. September 1242), als Witwe Nonne zu Trier; dann im Interregnum nach ihres Bruders Tode als Herrin Oesterreichs betrachtet. 2. ) An Ottokar, König von Böhmen, vermählt zu Hainburg 8. April 1252, verstoßen 1264. Ottokar ward durch sie Erbe der Babenberger; fiel in der Marchfeldschlacht 26. August 1278. _______________I_____________ Friedrich, Heinrich, starben beide sehr jung. Gertrud, geboren 1226, gestorben im Kloster zu Meißen 24. April 1289. Gemahle: 1.) Wladislaus, Markgraf in Mähren, Bruder Ottokars, vermählt 1246, gest. 3. Jänner 1247. 2.) Hermann, Markgraf von Baden, vermählt 1248, gestorben 4. October 1250. 3.) Rowanow, Fürst in Halicz und Neuffen, vermählt 1252 — verläßt sie 1253. _________________________________________________________________________l________________________________________________________________________. Friedrich von Baden-Oesterreich, Agnes, Maria, geb. 1249, hingerichtet 29. October 1269 zu Nea- geb. 1251, gest. 2. Jänner 1295. Gemahle: 1.) Ulrich, letzter geb. zu Judenburg 1254, Gemahlin Stephans IV., pel mit seinem Freunde Conradin. Ortenburg'sche Herzog in Kärnten 1263, gest. 1269. 2.) Ulrich, Herzogs in Slavonicn. Graf von Heunburg. Agnes, geb. 19. Juni 1206, gestorb. 29.Aug.1247. Gemahl; der Sachsenherzog Albrecht,vermählt Jahr 1223. Leopold, geb. 25. März 1207, gest. 13. August 1216 zu Klosterneuburg durch Sturz von einem Baume. Heinrich der Grausame, geb. 18. Mai 1208. gestorb. geächtet 26. Sept. 1228. Gemahlin: Agnes Richardis, Landgräfin von Thüringen, vermählt 1. November 1225, gest. 24. Febr. 1240. Friedrich II. der Streitbare, geb. zu Neustadt 15. Juni 1211, Herzog 1230; soll den Königstitel erhalten 1239; fällt vor Neustadt im Siege über K. Bela IV. 15. Juni 1246. Gemahlinnen: 1. ) Gertrud von Braunschweig, gestorben 18. April 1226. 2. ) Sophia Laskaris, Tochter des Kaisers Theodor zu Nicäa, vermählt 1226, verstoßen 1229. 3. ) Agnes, Tochter Otto des Großen, Herzogs von Dalmatien, Kroatien und Meran» vermählt 1230,als kinderlos verstoßen 1243; sie vermählte sich mit dem Kärntneryerzog Ulrich, dem sie Söhne und Töchter gebar. 4. ) Braut 1243 Elisabeth, des Baiern-herzogs Otto Tochter. Mißhelligkeiten hinderten die Heirath. Sie heirathetc dann Con-radin IV., und wurde Mutter des unglücklichen Conradin. Constantia, gebor. 6. Mai 1212, gest. 7. Juli 1262, verm. 1. Mai 1234 mit Heinrich, Markgrafen v. Meißen. Gertrud, geb. 7. Jänner 1214, verm. 1240 mit HeinrichRa-sp o, Landgraf, in Thüringen, Gegenkaiser, gest. 1248. Ernest oder Ernst I. Markgraf im Nordgau, Herzog. Entsetzt Jahr 861. Gestorben Jahr 865. Gemahlin: Friedehurg, muthmaßlich Schwester K. Ludwigs des Deutschen. Rcgenswinde. Ernst II., Herzog wider die Böhmen, I. 855. Gemahlin: Adelheid oder Go des diu. Luitpold, Heercsfürst der Baier», Markgraf in Karantanien und in der Ostmark, fiel in einer Schlacht gegen die Ungarn, I. 907. Im 1.895 vom K. Arnulph genannt: fidelis nepos noster, und 898: carissimus propinqutts et illustris marchio noster. Mon.Boic.XXXI. I. 154.175. ______________________________1_______________ Berthvld, I. 925 Herz, in Kämt., Arnulph d. Böse, Herz, in Kärn-938 zugleich in Baioarien. j- 1.948. ten, dann in Baiern allein, f 937. Richni, Gemahlin Herolds, Bogts von Riederalteich. I Rafolt. Gem.Su- sanna. Alb rich, Besitzer eines Salzwerkcs b. Admont, 1.931. I Arnulph, Ahnherr des jetzigen bairischen Königshauses von Scheyern-Wittelsbach. Hermann. Eberhard. Graf W i t a g o w a, im Ennsthale bei Admont begütert. Herold, Erzbischof v. Salzb. Aribo, Graf im Traungau I. 876, Markgraf in der Ostmark I. 880, mehrmahls vertrieben, f um das J. 906. Stammherr der Ottokare, Markgrafen von @teter. Aribo termmalis cnines der Ostmark. Juvavia 118. I, 898. P a m o s u s Erbo , quem in venatu a Vesonta bcstia confcssum vulgares adhuc cantilenae resonant. Annal. Saxo. Anno 1104. Er residirte wahrscheinlich auf der Burg Wels an der Traun. Mon. Boic. XXXI. I. 120.12C. — Sn den Jahrbüchern von Altaich und Fulda: Primates Ba- joarii, Luitpoldus et Aribo, fratres, Marehioncs. ___________ Wien. Jahrb. d. Literat. B. XLVIII. Anhang p. 48—51. __________________ I Suite! re in be, Gemahlin oder Geliebte K. KarlmannS. f um 890. I König Arnulph, gest. 29. November 899. Früher in Karantanien und dort auf der Moosburg gewaltig. Gemahlin: a) Otha. — b) Ellinrath, Beischläferin. I K. Ludwig das Kind, der letzte deutsche Karlowinge. 91-, Tochter, entführt von dem Gränzgrasen in der Ostmark, Engilschalk, I. 893. Annal. Fuld. — Herrn. Contr. Jsangrim, I. 898 — 910. Bom K. Arnulph in Mautern an der Donau belagert. Ottokar I., Graf im Traungau, Graf von Leoben, Saalherr im Enns- und thal, + um das I. 925. — Hauptburg u. Pfalz Wels an der Traun. Mur- Sighard, Graf in Kärnten, im Salzburggau. Ahnherr der Grafen von Peilstein. Aribo I., Graf zu Leoben, I. 904 908. 909, erhält Traunkirchen: Orthacori dilecti comitis nostri filius Arpo. Dipl. Styr. I. 3. — Mon. Boic. XXXI. I. 266. ______________________I________________________________________ Aribo II., Herr um Leoben und Kraubalh, I. 955 — 973. I Diotbald, Kämmerer von Salzburg, I. 927. Dttokar II., Graf im Traungau, I. 930-965. Gemahlin: Atha. Juvavia. 162 — 163. Residirt noch auf der Burg zu Wels. Sig h ard. I Engilbert. Aribo III., Graf zu Leoben, Dynast im Chiemgau, auf dem Schlöffe Burgili oder Bürgel gesessen. Im Bestätigungsbriefe von Seon sagt K. Otto III. 15. April 999: Ex proprietate Aribonis , comitis, nobili gcncalogia pro-creati et Sibi coagulatione sanguinis pro-ximi. Mon. Boic. IV. Pfalzgraf in Baiern, I. 999 Stifter von Seon, Mitwirker bei der Stiftung von Göß durch seine Kinder. Gest. I. 1010. — Gemahlin: Adala. Necrolog. Scon, in Mon. Boic. II. 162— 163. I Eberhard, Graf zu Leoben, I. 1023. Egilolf, Priester. Hartwick, Graf zu Leoben und im Chicm- und Salzburggau, I. 950 -980. Ottokar III. (nach der üblichen Zählart Ottokar l.) I. 970, 991 993. Graf im Traungau, der alten Sage nach (I. 980) Erbauer der iBurq'styrc am Zusammenflüsse der Steier und der Enns. Er überkommt um das I. 991 von Arnold I-, Grafen von Wels, passauische Güter, mit welchen ihn auch der Passauerbischos ordentlich belehnt. Nach der Genealogie des sogenannten Bvrauer-fragments: Otaclicr Marchio Styrensis (nämlich der folgende Ottokar IV.) filius Otachyr Marcltionis (nämlich des gegenwärtigen Ottokar III.). Hier werden beide schon fälschlich Marchiones genannt, ein halbes Jahrhundert früher als ihr Geschlecht zu dieser Würde gelangte. Mit diesem beginnen die altern Verzeichnisse die Reihenfolge der Ottokare. — Schrötter, Geschichte v. Oesterreich II. 107 — 108. — Ebenso Aquilin Caesar, Annal. Styr. I. 105, welcher die Genealogie der Ottokare auf das sogenannte Fragmentum genculogieum Voravicnse aus dem dreizehnten Jahrhundert baut (linic arborem Genealo-gicam inaedificabo); welches jedoch den urkundlichen Beweisen weit nachsteht. Engilbert, Gemahlin: Tutta. Hemma, Consanguinca, Propinqua Henrici II. Imperatoris. Nobilissima foemina. Gemahl: Wilhelm, Graf von Friesach und Zeltschach, Gaugraf an der Saan. __________________I___________________ Ihre beiden Söhne Wilhelm u. Hartwick wurden von den Zeltschacher-Berg-knappen erschlagen. Hartwick, Graf im W i ch b u r g, Salzachgaue, Pfalzgraf. muthmaßlich Gestorben um das 1.1030. Hilti- Gemahlin: Frideruna. durch. Kuni- Chadolach, Aribo, Erzbischof von Mainz, g u n d, Graf im Stifter v. Göß, Kaplan u. Con-erste Chiemgau. sanguin. Henrici II. Imperat. Aebtissin f III. Id. April. 1031. Annal. von Göß. Salzb. Pertz, Dipl. Styr. I. 9. Sigh ard, Ahnherr der Grafen von Schala und Burghausen 1.1040. A t ala von Styre: Gemahlin Chadolds von Helfenstein, Mutter des Salzbur-gererzbischofs G c b c h a r d. Aribo IV., Pfalzgraf, Dynast in Kärnten beiMillstadt; stirbt sehr alt. I. 1102, mit dem Bruder Botho im Aufruhr des Baierherzogs Konrad (Ciino) geächtet, und nur theilweise wieder eingesetzt» Mon. Boic. XXXI. I. 319. Botho der Starke, Stifter von Tharis im Bambcrgi-schen. Stirbt kinderlos im I. 1104. Gemahlin: Judith. (Bothonem, sicut corpore proceriorem et clegantiorem, ita bellicis rebus praestantiorem totius fcrc Germaniao atque Italiae populus tcstatur, Pannonia vero talem atque tan tum fatctur aliquando sensissc, ut is vere de gigantibus antiquis apud illos credalur. Mon. Boic. XXXI. I. 372.) Ottokar IV. (nach üblicher Zählart Ottokar II., auch Ozy und Ozinus genannt), im Voraucrfragmente: Otachyr Marchio Styrensis, filius Otachyr Marchionis, Graf im Traun- und Salzburggau, erhält von K. Konrad II. um das Jahr 1030 Privilegien für seine von den Passauerbischöfen zu Lehen erhaltene Stadt Enns, — zu Folge des vom Herzog Friedrich dem Streitbaren a» den Passauerbischof Rüdiger im Jahre 1241 ausgestellten Lehensreverses. Von diesem Ottokar IV. versichert die Paffauerur-kunde vom 19. Juli 1088, daß die Paffauerlehen von Arnold Grafen von Lambach und Wels an ihn gediehen seyn. Mon. Boic. XXIX. II. 44 — 46. Gestorben angeblich zu Rom 5. März 10381 was aber keineswegs erwiese» ist. Gemahlin: N., Tochter Arnolds I., Grafen von Lambach, Wels und Pütten. I Atha, Abtissin von Traunkirchen. Gest, um das I. 1110. Necrolog. Trannkirch: V. Kal. Marti! : Otacherus comes,Pater Atha c,epri-mae Abbatissae luijus loci. Frowiza, geboren um das 1.1013; gestorben um das 1.1059. Gemahlin Leopold des starken Ritters von Babenberg, eines Sohns des Markgrafen in Oesterreich, Albrechts des Sieghaften. Gestorben I. 1043. Ottokar V. (nach gewöhnlicher Zählart Ottokar III., auch Ozo, Oezo, Ozy, Oezy, Ozyus, Ozinus, Oczo Marchio de Styra genannt, wie im ältesten Mölkerdiplome zwischen I. 1056 und 1074: Oczo Marchio de Styra). Nach der Vorauergenealogie: Otachyr Marchio Styrensis, filius Otachyr Marchionis, gcnuit Ozy Marchioncm, qui tcmporibus Henrici III. Imperatoris pollebat. — Graf im Traungau. — Er erhält nach dem Tode seines Vetters, des Grafen Gottfried von Lambach, Wels und Pütten, wahrscheinlich zwischen den I. 1045 und 1050 (dieser erscheint im I. 1045 urkundlich zum letzten Male als Marchio, und in den I. 1056 und 1061 urkundlich als schon gestorben), die Verwaltung der ober» Karantancrmark, nunmehr die Mark Steier, die Mark von Styre, von der Steyer genannt, und heißt von nun an (in Urkunden vom 20. Febr. 1056, 1058 und 1. Juni 1059), der Erste seines Geschlechts, Marchio de Styre, Stire, Stir. Er war der erste Stifter von Garsten, Schirmvogt von Lambach und Krcmsmünster, von Admont und Gurk. Er erscheint im I. 1074 als Zeuge im Stiftungsbriefe von Admont, bei dessen Einweihung er persönlich anwesend gewesen Da man nicht bezweifeln kann, daß die Pas-saucrurkunde, 19. Juli 1088, von seinem Sohne und Nachfolger Ottokar VI. herrühre; so starb Ottokar V. zwischen den I. 1080 — 1084, und zwar in Rom, wie jene Urkunde selbst und andere sagen: qui Romae obiit; qui Ilomae situs est; qui Romae defunctus dormit. Kurz, Beitr. II. 473. — Gemahlin: Willbirge. Einige meinen, Ottokars V. Gemahlin sey eine Tochter Grafen Arnolds II. von Lambach und Wels, — und eine Schwester des Markgrafen Gottfried von Lambach, Wels und Pütten gewesen. (Beiträge zur Kunde des Landes ob der Enns und Salzburg. I. 42 — 62; II 473: Traditio patrata est per manum Marchionissac Willbirgae.) — — Hier soll nach den Forschungen des gelehrten Göttwcibcrarchivars, Friedrich Blumbirger, eingeschaltet werden Ottokar III., Sohn des O ezo oder Ozy, erster Gründer des Stiftes Steiergarsten; welcher jedoch schon im I. 1055, oder zu Anfang des I. 1056 auf der Hccresfahrt mit K. Heinrich III. gegen Gottfried, den Gemahl der toskanischen Markgräfin Beatrix, und zwar in Rom gestorben seyn soll, ohne daß er seinem Vater Ozy in der Regierung habe Nachfolgen können; der folgende Ottokar sey daher ein Enkel des Ozy und urkundlich der eigentlich erste Markgraf von Steier?? Ottokar VI. (gewöhnlich IV.), in der Vorauergenealogie: Hic Ozii genickt Otachyr Marchioncm, u; tcmporibus Henrici IV. et V. inelytus fickt, et Šalzburgensibus Archiepiscopis, Gcbhardo, I’vmoni, nec non et Chunrado jam Senex viriliter assistens eos in pcrsecutionibus fovebat. — Hacc riiinia per manus me as et filii mei Leopoldi sollcmniter cclebrata — rata maneant. — Caes. Annal. I. 741. Garstn. Urk. Er heißt in Urkunden von 1074, 1082, 1083 schon Marchio. Er war zwci-cr Stifter von Garsten und Gründer von Gleink (Elisabeta [uxorc] coopcrante cenobium Garstcnse rundavit — sagt das Vorauerfragment). Auch Er könnte im I. 1074 bei der Gründung und im Stiftbriefe »on Admont als Zeuge statt seines Vaters verstanden werden. Er ward gelobtet von einem wüthenden Eber ruf der Jagd 22. Nov. 1122. (Obiit autem Otachyr Marchio Senex et plcnus dicrum anno 1122 — saat dagegen die Vorauerchronik.) — Gemahlin: Elisabeth, Tochter Leopold des Schönen und Schwester Leopold des Heiligen, Markgrafen in der Ostmark. Mit ihr erwarb Ottokar VI. alle Saalgüter Leopolds, von Wilhelmsburg bis an die Piesting. Gestorben 10. October 1114. Adalbero der Rauhe, Graf im Enns- und Gaiserwald, in Urkunden Elisabeth, Sophia, I. 1073 — 1088 Marchio neben dem Vater genannt, und Adilbcro, Gemahlin bekannt um das Adilbcrto, frater Otacheri Marchionis de Styra. — Adalbero Marchio Rudolphs, I. 1106 als 0N-et frater ejus Otokar. — Adalbero Marchio praesente fratre c,[us Markgrafens wesend bei der Otachcro Marchione. Kurz, Beiträge II. 474. — Mit dem Salzbur- von Dietmar- Vermählungsfeier gererzbischof Gebhard lange vor dem I. 1074 schon in Feindschaft und sen. Gestorb. des Markgrafens Fehde (villas ad Arnich, quas Adilbcro frater Otacheri Marchionis um das Jahr in der Ostmark, de Styra eidem Archicpiscopo Gcbchardo pro absolutione banni con- 1145, Leopold des Hei-tradidit); daher im Kirchcnbannc. 1083 — 1087 zerstört Adalbero das ligen. Stift Admont. Er geräth mit feinem Bruder in Krieg, und wird um das I 1088 bei Leoben von seinen eigenen Ministerialen ermordet: Qui (Otachyr) etiam cum germano suo Adylbcrone guerram habuit; donee idem Albero a ministerialibus suis occisus est juxta Luibcn. Leopold der Starke (Cognomcnto fortis. — Urk. von Rein 1189, und das Chran. Admontense Anno 1122: Liupoldus iste Fortis Marchio dictus est) Praedictus Marchio genickt ex ea (Elisabetha) filiuin Liupolduin. — Liupoldus fortis patri successit — sagt das Vorauerfragment; und in Garstnerurkunden: Otacliar Marchio filiusque ejus Liupoldus. — Unacum filio suo Liupoldo), Markgraf zu Steier Stifter von Rein, Erbe der ältern kärntnerischen Herzogsdynastic der Mürzthaler. Gestorben 26. October 1129. Heros cx testamento ossessionum et Ministerialium Henrici Ducis de Eppenstein. — Gemahlin: Sophie, Tochter Heinrichs des Schwarzen, Herzogs von achsen und Baiern, Witwe Bertholds von Zähringen (19. Febr. 1122 bei Molsheim erschlagen); vermählt I. 1122; Vormünderin des Sohnes 1129: cum Marchionissa Sophia et filio ejus Otakero de Styra. Salzb. ttrf. Marchiam strcnuc ac viriliter rexit, filioquo servavit. _______________________ Administrante Marchiam Sophia Marchionissa cum filio Otakaro. Reincrurkunde. Kunegund, Gemahlin des Grafen Bernard von Marburg, aus dem Stamme der Grafen von Sponheim, Lavantthal und Ortenburg, welcher in Palästina gestorben ist, im I. 1148. (15. März. Nccrol. Mosacensc.) Willibirg, Gemahlin Eckb ertS II., Grafen v. Neuburg, Formbach und Pütten; starb als Nonne zu Admont im I. 1144. Ottokar VII. (sonst der V.), in einer Garstnerurkunde sagt er: avus meus Marchio Otackar, et pare ns mens Leopoldus Marchio! Datum in eastro Styrac anno 1163. Erbe von Pordenon (Nayn.), Erbe Eckberts III. von Pütten, des Markgrafen zu Cylli, Günther von Hohenwarth und des Grafen Bernards von Marburg. Praeter alia plura triam principum praedia, munitioncs ac Ministcriales ei per testamentum accre-verunt, scilicet Ottonis Comitis de Nayn, (als Aglaierlehen) et Bernardi Comitis Carinthiae, qui amitam ipsius Chunegundam in conjugio habebat. Vogt von Seckau, Stifter der Carthause Seitz, des Hosspitals im Ccrewald am Semmering und des Chorherrenstiftes zu Voran. Er starb auf der Heeresfahrt nach Jerusalem zu Fnnfkirchen in Ungarn, 31. December 1164, (daher int Todtcnbuche zu Seckau Jerosolymita genannt). — Gemablin: Kuniqund, Tochter Diepolds, Markgrafens zu Vohburg, Vormünderin des Sohns. Verehelicht mit ihm schon vor 1164. Gestorben ; 21. November 1184 als Nonne zu Admont. Otto. Margareth. Elisabeth. Neinerurkunde v. 1.1138: Luitpoldus Marchio, — Sophia Marchionissa, Otacher filius par-vulus, junior Otakar, — filiao Elisabeth et Margaretha. Dipl. Styr. II. 6. Ottokar VIII. (sonst der VI.), (in einer Urkunde für Rein, I. 1189, sagt er: Pater incus felicis memoriae Otacher Marchio de Styra, monasterium Runense, quod pater suus Marchio Leupoldus, cognomento fortis, avus meus, a fundo construxit, — assensu con-jugis suac, matris meac Chunegundis Marchionissac.) der Letzte seines Stammes, geboren 19. August 1163, der erste Herzog von Steier, I. 1180, übergibt 17. August 1186 zu Enns all sein Land und Eigen seinem Wetter (dilectissimum consanguineum meum) eopolb dem Tugendhaften, Herzog in Oesterreich (propter nimiam corporis infirmitatem, — cum hereditales successores ad gubernan-um nostrum principalom, proh dolor! abcsse videmus. Vorauerurkunde.), und stirbt 8. Mai 1192 unvermählt im 29. Jahre seines Alters. (Liupoldum Ducem Austrian constitueramus heredem, si sine sobole decedercmus. Salzburgerurkunde.) Elisabeth, In dem Stiftbriefe des Hosspitals im Cerewalde am Gemahlin Semmering irscheint als testis investiturae: Leu-Heinrichs poldus Marchio filius mens. Ebenso wird in einem IV., Herzog Garstnerdiplome (1163 Datum in Castro Styre) in Kärnten, ch ausdrücklich gelesen: Investiturae testes sunt: 3,1161. Leopoldus Marchio filius meus! — Dieser muß jedoch schon vor I. 1163 gestorben seyn; weil im Stiftbriefe von Worau nur der am 19. Aug. 1163 gcborne Sohn Ottokar VIII. vorkömmt.