Nro. 58. «»«« M Z..W«, Freytag den 22. Heum. 179^. Inländische Nachrichten. 'Wien hen 16. Kenm. Der von Sr. K- K. Maj. zum bevollmächtigten Minister in den Niederlanden ernannte, bisher zu Kölln, uNd Trier, wie auch am Nicderrheinischen, und Wesiphalischcn Kreise g?st.nldene K. K. Gesandte', Graf v. Mettcruich, ist am 4. Heum. Von Kölln aus zu seinen Bcsinnnnmgsott nach Brüssel abgereiset, unZ- unter Wegs, in der Provinz Limburg, mit den größten Ehrenbezeugungen aufgenommen worden. — Der K. K. Bothschafter am französischen Hofe, Graf v. Mercy , welcher bisher als K. K. Bevollmächtigter im Haag und zuletzt >u Brüssel war , hat diesen mit vielem Ruhme bekleideten Posten am 5. verlassen, und hat sich nach Spa beqe-ven, um dort von seinen bisherigen müh?« Vollen Arbeiten einige Zeit über auszuruhen. — Se. K. K. Maj. haben auf Ansuchen der Mahrischen Landstande, den- selben allergnadigst gestattet , den sUndi-schen Landesausschuß, als eine ordentliche, , besondere Stelle, wie solche vorhin bestand, wieder einzuführen. Diese allerhöchste Elit-schllessung hat das Mährisch -' Schlesische Landrsgubernium, einem Hofdekrete vom^ 29. April ;u Folge unter dem 6. Henm. Mtt dem Zusätze bekannt gemacht , daß demnach von nun an jederman , der bey den MHrischen Landstanden etwas anzusuchen hat, sich an den seit dem 2. Heum. in Wirksamkeit getrettenen standischen Ausschuß zu wenden habe. — Se. Maj. der Katscr haben den Herrn F. M. L. Q'ier-knde mit dem Genuß von 822 st. den Ellsabethorden verliehen. Auch haben Se. Maj. von zweyten Artillerieregiment der, Hrn. Hauptmann Hester in Rücksicht sei« ner 46jahligen Dienstleistung zum Major ernannt und mit dem Genuß von 820 ff. penstomret. — Die von der reduMen Pshlnischen Garde zum ersten Garnison-reMlcnt übersetzte llnterlieutenants Prus-k>>, Monawetzky, und Luniewesky haben Se° Majestät zu Oberlimtenauts ernannt. — Dem vor einiger Zeit in Ruhestand gesetzten Hrn. Hofrath v. Scharff haben S?. Maj. aus besonderer Gnade in Rücksicht ftiner lang geleisteten ersprießlichen Dienste den ganzen Genuß seines Quar-ner.'jslds gelassen; eben deism gemachte nachdrücklichste Vorstellung solk Se. Majestät bewogen haben, auch den übrigen pensio-lnrcen und quieszirenden Beamten, wie neulich gemeldet wurde , das Quartiergeld zn beiass?n. — D?r Bruder des unglück-Uchm Bcrghofers ist durch das traurige und unaufklarbare Lebensende seines Bruders so sehr gerührt, und seine Gesundheit hat von dem heftigen Schmerzn so sehr gelitten, daß er gan; seiner Sinne beraubt ist, und wirklich sich dermalen m Tollhause befindet. Graz den 18. Hsum. Gestern gegen Mitternacht sind Ihre Majestäten der Kai-. ser und die Kaiserin, Höchsiw.'sche Ihrem Durchlauchtigsten Gemchl bis Marourg enrgeczen gereiset sind, nebst Ihren königlichen Hoheiten den Ercher.ogcn Hranz, Karl, und Leopold zu unserm unaussprech» lichen Vergnügen in Graz angekommen, und nahmen Dero Absteigquartier zur goldenen Sonne in der Muhrvorstadk. ' Ihro Majestäten nebst den Erzherzogen D?. HH. wohnten heute um l i Uhr in der Kirche zu Mariahilf dem Gottesdienste mit größrer Andacht bey. Esterhacz den i^. Heum. Die In« siallirung des regierenden Fürsten Cster-tzaczy wird am 27. d. mit aller Feyerlich-keit vor sich gehen. Der höchste Hof, nebst einem zahlreichen Adel wird diese Festins, welche theils in Eisenstadt, theils in Esterhacz gehalten werden, mit seiner Gegenwart verherrlichen. Alles, was man durch Kunst, Pracht, und Uiberfiuß zu bewirken vermögend war, wird dabey zu sehen, zu hören, und zu gemessen seyn. Hr. Stuwer erhalt für das Feuerwerk 6QOO st., kurz die von Sr. Durchl. auf diese Feyerlichkeiten verwendeten Koste« sollen 2OO,OOO st. betragen. Gleich nach geendeten Festen in Esterhacz werden sich beyde Majestäten mit dem Erzherzoge Pa-latinus nach Pest und Ofen begeben. Man sagt, der Erzherzog werde seine Stelle resigniren, welche durch z Jahre unbesetzt bleiben wird. Nach einen ertheil« ten Reichslehen in der Residenz, wird der Monarch nach den Niederlanden verreisen, um den Erzherzog Karl persönlich in die Würde eines Gouverneurs der österreichischen Niederlande einzusetzen. Der Hofstaat des Erzherzoges ist bereits angenommen , und besteht meistens aus der Dienerschaft der Erzherzogin Christina. Foksan den 27. Vrachm. Das Lager unserer Truppen b?y Bukarest gleichet einem Lustlagcr, so unz stört , so ruhig ist alles , und selbst die Aussichten für die Folge sind ganz friedlich. Vorgestern ist der Kurrier von Wien eingetroffen, dett Baron Herbert hier erwartet hat. (Nach andern Nachrichten wartet er auf einen Kmrier von Konstantinopel) Dieser war schon vor einiger Zeit von den übrlgen Gesandten, besonders von dem englischen, der weniger parteiisch zu werden beginnt, aufgefodert, nach Szistow zurück zu kehren , und allgemein war bereits hier das Gerücht von seiner erfolgten Abreift verbreitet ; nun aber da auch der erwähnte Kur-rier angekommen ist, so zweifelt man nicht, er werde nächstens abgehen. Uiberhaupt ' läßt es sich auch aus den feindlichen Vorkehrungen schließen, daß der Friede zwischen uns und der Pforte^ nächstens zu Stande kommen werde. Auf unserer Seite ist die Anzahl der Türken sehr gering, selbst in Giugievy sollen sich nicht mehr als 9OO Mann befinden. Der Großvater hat auch seinen Truppen verkünden laffen, der Friede mit den Deutschen werde in kurzer Zeit hergestellt seyn, sie sollen sich also nur in sein Lager zwischen Braila und Schiumla versammeln? um mit verewigten Kräften wider die Russen ausziehen zu können. Bukarest den zo. Brachm. Wie ein ziemlich zuverlaßiges Schreiben von der untern Grenze mit sich bringt, so hat die ganze rußische Armee bereits die Donau passiret, und geht straks dem Groß-vezier entgegen. Man erwartet daher bald wichtige Nachrichten aus Bulgarien über Siege > deren die Russen und Oesterreicher und Ungarn schon gewohnt sind. — Eben heißt es, daß unsere Truppen ungefähr den i. Hcum. weiter vorrücken werden. Qb dieses b!os um den Ort des ^agzrs wegm der Gesundheit zu veran-dcrn, od?r in einer andern Absicht geschieht , steht dahin. Den 23. dieses ist der Kapntatipascha mit 50 Schiffen und den nöchigm Truppen von Silistria nach Brajla abgefahren. Dreyßig Tschaiken sind zur Bedeckung der Brücke zurück geblieben , und d'.ese soll heut oder Morgen auch abfahren. Sobald dies geschieht, so wird dem Großvater durch einen Eilboten , der schon daraufwartet, davon Nach-Ncht gegeben. Die Türken sollen bereits einige Menen zu Stande gebracht haben, und fangen in der Nacht Kristen zusammen, UM sie, bey dieser Arbeit zu gebrauchen. Semlm den ?. Heum. Die hier ge« siandene Attillene ist am 28. Brachm. nach Belgrad gebracht worden, und zu gleicher Znt sind auch einige Schiffe mit Kugeln daselbst angekommen. Heute ist das Re« giment Iordis, nachdem es auf 6 Schiffen hier vorbey gefahren war, in besagter Festung eingerückt. Eben heute geht das Regiment Karoli von Belgrad nach Orsova ab, > und am 23» Brachm. sind 3 große Schiffe mit Mehl, und un andres mit Eßig beladen, eben dahin abgefahren. Die K. K. Armee in der Wal-lachey besteht dermalen aus wehr als 3O,OOO Mann. LemberZ den 4. Heum. In allem sind 40 Kanonen von hier weggeführt worden. Die Schmide und Wagner sind so sehr beschäftiget, daß sie auch an Festtagen nicht ruhen können. Die Feldschmieden , von denen sich 6 allhier bchnden, müssen auf das eilfertigste hergestellt wer« den. Von Seite des schweren Fuhrwesens werden aller Orte Pferde ausgekauft, und gut bezahlt; allein, bey allen diesen Vorkehrungen glauben wir doch, daß man nichts weiter zur Absicht habe, als das: Rüste dich, wenn du Frieden willst. Mailand den 22. Brachm. Am ver-fiossenen Sonntage, den 19 dieses, wurde endlich vom Fedele Carmine die Auffahrt seines Luftballons versucht. Alles war in voller Erwartung. Die ganze Gegend, wo der Versuch vor sich gehen sollte, war mit einer unzählbaren Menge Menschen erfüllt, und die Platze in,ffetlweise nach den Kosten verschieden, indem man auf dem ersten Platze einen Dukaten, auf dem zweyten einen Thaler', und auf dem dritten einen halben Thaler bemahlte. Die Zuschauer unterhielten sich mit Gesprechen, da indessen mit der Fülmng des Ballons, unter BcystandleistunH einiger Naturkündi-ger und des Qbervorstehers Casielli, der von der Regjermlg da;u bestellt war, der Anfang gemacht wurde. Aber aller genommenen Vorsicht und aller möglichen Thätigkeit der Arbeiter ungeachtet, brachte man es doch nicht so weit, ihn steigend zu machen; sondern er blieb zum Verdrusse und zur Beschämung aller Theil» Nehmer, und zum Gelächter des versammelten Volks, stets an der Erde. Nach der Meynung der Physiker konnte man das Steigen des Ballons auch gar nicht erwarten, weil er kleiner war, als- er seyn sollte, um so viel verdünnte Luft zu fassen / als zum Verhaltnisse mit der äußern schweren Luft erfoderlich war. Dieses hatte unser Monarch wohl vorans gesehen , indem Se. Majestät mit der Erzherzogin eine Wette eingiengm, wobey Sie sagten; es sey nach allen Um« fianden unmöglich, daß der Ballon stei» gen könne. Qhne den Versuch zu wiederholen / soll das Geld wieder zurückgegeben Werden , und ma?l wird weiter nichts mehr von Wallonen reden, sondern den Besitz des Luftkreises den Vögeln überlassen. Ausländische Nachrichten. Deutschland. Närenberg den 6. Heum. Die Be-tathschlagungm über die in der Elsasser Angelegenheit M nehmenden Maßregeln, haben am Reichstage zu Regensburg den 4. d. M. den Anfang genominen. Ulm den 7. Heum. Der Kurfürst Von Kölln isi den 4. d. M. in Aachen angekommen , und hat am folgenden Tage mit einer zahlreichen Gesellschaft bey dem König Von Schweden das Mittaginal eingenommen. Des Abends kehrten Sc. K. Hoheit nach Bonn zurück, wo am 6. die beyden Brüder des Königs von Frankreich , Monsieur und der Graf v. Artois, mit Madame, die Gemahlin des ersteren, ankamen. Bveslau den s. Heum. Der Prinz Heinrich von Preussen, hat üincn zwey" ten Bruder , Prinzen August Wilhelm ( Vater des jetzigen Königs von Preussen) wie auch verschiedenen tapferen Anführern der preußischen Armee, in dem Garten seines Lustschlosses zu Nheinsberg, unter Aufsicht des Artillerie Majors Voumann ein prachtiges Denkmahl errichten lassen, welches den 4. Heum. unter einem glanzenden Freudenfeste aufgedeckt lind feierlich eingeweihet wurde. — General Möl« lendorf hat in Preussen bey allen Regi< mencern die Beurlaubten nach Haus und mehrere Regimenter in ihr? vorige Stands quartiere zurückgeschickt. Nächstens isi ein allgenuner Friede zu erwarten. Spanien. Madrit dcn 1. Hcum. Der an der Gränze Frankreichs gezogene Kordon wild noch täglich verstärket, und alle Gemeinschaft mit Frankreich ist fast gänzlich geschlossen. Auch die Briefposten, welche allwöchentlich sonst durch Frankreich nach Italien gingen, sollen künftig nicht mehr diesen Weg nehmen, sondern sich in Var-cellona nach Genua einschiffen , und so wieder zurückkommen. Wird alle Dienst - und Freytaye nachmittags um 4. Uhr auf dem Platze Nor. l8§. in 0er von Klemmayerschen Buchhandlung ausgegeben.