Nro. 4l. LaAcher W^^ Zmung. ^ Dienstag den 24. May 1791. Inlandische Nachrichten. Wien ben 78. Mav. Die Depeschen, welche ein Englischer Kurrjer über Haag bieder gebracht, waren von so grosser Wtch-tlgkeit, daß der bisher hier anwt-s nde Lord Elging selbst nach Italien gereiset ist, um sie Sr. Maj. dem Kal-ser zu überbringen. Du Neuglerde auf den Inbalt derselben kann nicht anders als gespannt seyn. Die versammelten Mlmster zu S istow haben bereits deswegen neue Verhaltungsbefehle erhalten. Die Meynung derjenigen ist die wahrscheinlichste, welche glauben, daß ein allgemeiner Friede nah' sey. — Ihre Majestät die Kaiserm und II. M. HH' der Erzherzog Franz und dessen königl. Gemahlin haben sich gestern Nachmittags nach dem Lustschlosse m Laxenburg begeben, wohin auch ein Thell des hiesigen Adels geladen war, welcher I. Maj und II. M. HH. daselbst «mpfieng. — Nach Briefen aus Florenz vom 7. May befinden sich Se. faiserl. Maj. Haseldst in erwünschten'V3»hls<>,>»,^ und M' IZ.M^ HH- die Ercher oge Kart «MLeo^old/ Mche mit dem Erz« herzog,GMßMzog? und dessen königl. Ge» wahliWMRnse' nach Pisa und Llvorno unternMMN^'hattfN , am 2 May nach FloreH^lnückqekoMmen. — II. Si^il. MM. Wen Rom Hm 2s. April verlassen und^M^dm folgenden Tage wohlbehalten MWapej/eingetroffen. — Nach einer , ZÄ^öge^Hofdekrels vom 6. d. M. an die^Aegierunq gelangten Erinnerung, hat am^o. v. M. Aprils die Getreid-sperre von Seite.Vanerns aufgehört, und werden alle Gattungen GetNjdes , bey allen MciuthstaMHen , gegen alleinige Bezahlung der'' Malich Mid jedem Schesiel,' ohne Unterschied der ^etreid^attung , zo kr. Rsichsgeld, vder im Durchschnitle vom Stockerauer Me^en 6 ein'viertel Kreuzer Kaiserwahrling , Von Bayern frey eingelassen. Wien den ,4. May «791. — Von Seiten der böhmischen Hofkailzley solle das Kanzleyperfonale bereits bestimmt worden, senn, welches zur Krönung mit dem kais. Hof nach Prag abzugehen hat. — Von Nassau Kürassier lst der Herr Oberstlieutenant v. Kollard in Rücksicht seines Alters mit der normalmäßigen Pension in den Ruhestand übersetzet worden. — Die neue Marktordnung soll dieser Tagen wiederholt pudliuret werden / um sodann die Uibertretter, deren es leider noch mehrere giebt, in der Folge desiy empfindlicher strafen zu können. — Vorgestern Nachts ist in der Vorstadt Rossau eine Poli,;ey-wache mit ausgestochenen Augen und 2 tödt-lichen Stichen an der Brust todr gefunden worden. Auch hat sich in dem Stadtgraben bey dem Burgthor eine wohlgekleide-teMannsperson todt lieaend vorgefunden.— Die bisher in Mankmo aufgestellt gewesene Militär ^ Polizeiwache ist auf. höchsten Befehl aufgehoben, und die Mannschaft bey den Garnison « Regimentern eingetheilt worden, vielleicht dürfte auch dieses hier baid zu Grande kommen, und Mt dieser die vorhin bestandene Rmnorwache wieder eingeführt werden. — Man will aus sicheren Nachrichten wissen, daß die Poh-len sich an Chursachftn als ein Erbreich ergeben wollen, und daß nun auch der zweyte Sächsische Prinz nächstes mit einer grossen Prinzessin eine Mchiage machen werde. Graz den 19. Ma? Es ist schon Vor einiger Zeit gemeldet worden , daß durch die berufene"Kunst^and des Hrn. Veit Kauper; , Professors der ständischen Zeichnungsa-'kademie ollh^er (welcher aus besonderer Güte die für die Leser der Bauern Zeitung zum Geschenk bejnmmtt Generalposikarte der österreichisen Monarchie selbst zu stechen verheissen hat) die Portraits einiqcr Personen , welche der Gegenstand unsrer allgemeinen Verehrung und Hochschazullg sind, nemlich des Ständischen Herrn Deputir-ten, Herrn Grafen Ferdinand v. Attems, des Freyherrn Sigmund Volt Schwi ea k. k. Hofraths , dann auch des Herrn Be-nedikt Hcssel, Inspektors bey titl. Herrn Grafen v. Hoios, in Kupfer gestochen, und, wie von so einer Hand leicht zu erwarten war, zum Leben getroffen worden sind. Von diesen Parrralts, wovo« man bereits in jedes Iunerösterreichischen Patrioten Bildersammlungen Exemplare sindet, sind wieder Abdrücke gemacht worden , welche die Liebhaber in der löbl. ständischen Zeichnungsakademie bey belobtem Hrn. Professor Kauper,; nebst andern Kupferstiche»/ in geschabter Art in Groß Folio das Stük für 2 ff. 30 kr. erhalten können. Bvünn den 14. Mav. Außer dem bekannten Widerwillen der Englischen Na« zion gegen die Kriegserklärung wider Rußland < wird ferner gemeldet, daß die Kaiserin bey dieser Forderung der erwähnten Unabhängigkeit , übrigens ihrer jüngsten Erklärung , nach welcher sie nur Okzakow samt den Steppen bis zum Dniester für sich behalten will, getreu verbleiben werde , und daß sie dieses Verlangen um so leichter durchsetzen könne, da es der türkischen Armee nach dem Falle von Brai-low platterdings unmöglich ist, den lliber« gang über die Donau zu unternelMen; denn weiter oben stehen die k. k. Truppen, deren Stellung die Qsmanen bey dem dermaligen Waffenstillstände nicht beunruhigen dürfen. — Aus Warschau vernehmen wir, daß die Grafen v. Mala-chowsky, Potoky, Qginsk" und mehr andere Große bey dem Magistrate dieser Hauptstadt erschienen sind, um sich als Bürger einschreiben zu lassen, und daß bereits der Antrag geschehen sey, die beyden Mächte, Oesterreich und Rußland um die Gewehrleistung der neuen Konstltuzion zu ersuchen. Von Preußen soll noch zur Zeit keine Rede gewesen seyn. Eine Staats-Veränderung, die sehr wichtige politische Folgen nach sich ziehen kann. kembcrg den 6. May. Der rühmlich bekannte Herr Major von Szarwajsi,, von Erdödy Hussaren , befindet sich seit einigen Tagen hier in Lemberg. Dieses Regiment steht in der Wallachey, und Von da kömmt er eben, weil er Willens ist einige Mittel zur Linderung der Schmerzen von seinen starken Blessuren zu versuchen , die er bey seiner Gefangennehmung von den Türken erhielt. Der Hr. Major hatte anfanglich um Erlaubniß angesucht , die Bader bey Ofen brauchen zu dürfen ; allein es wurden ihm die zu Baden in Oesterreich angerathen. Aus seinen Erzählungen haben wir übrigens folgendes vernohmen: " In Konstantinopel hatte er die Ehre, mit dem Kaym-Makam, und Mustl zu sprechen, die er als Männer von der ftlnsten Poliresse rühmt; indem ihr Benehmen auch gegen ihn sehr menschenfreundlich war. Sie lleßen in ihren Fragen und Reoen nicht undeutlich merken, Vaß die Pforte eS sehr hart empfand , da sie die Fehde wir Oesterreich nicht vermeiden konnte. Seit der Audienz bey diesen vornehmen Staatsmännern würbe der Herr Major / dem von ihnen ertheilten Befehle gemäß , während der gan-zen übrigen Zeit seiner Gefangenschaft sehr glimpflich behandelt, so daß er frey in "er Uniform herumgehen durfte; allein er ^enützte diese Freyheit nicht, da er sich keiner Gefahr von Seiten des Pöbels aus- setzen wollte, welcher sich durch keinm Befehl zurückhalten laßt. Anfanglich hatte er in Konstanrinopel sehr viel auszustehen, bis er in die sieben Thürme gebracht wurde. Zweymal schwebte der Herr v. S,ar-wassy in der Gefahr des Todes. Einmal da er mit dem Pferde stürzte, und eine« Von den Türken, die über ihn hergefallen waren, ihm den Kopf abhauen wollte, der sich aber wieder anders besann, indem seine Kameraden lärmten, daß sie für den Kopf nur einen einzigen Dukaten , und hingegen für einen Basse der Gauers/ wenn sie ihn lebendig brachten, eine viel größere Summe erhalten könn« ten. Das Zweytemal war's bey dem Bass« in Widdin, wohin man den Gefangene» abgeliefert hatte : denn kaum war er eine Stunde da, als ein von den k. k. Soldaten sehr übel zugerichteter Ianitschar, der sich ebenfalls duselbst befand, ihn er-blikte. Er zog sein Schwerdt, und rannte wild gegen unsern Major. Ein Re« negat rief ihm zu : "Halt, es ist ein Vornehmer , den wir nach Konstantinopel schicken müssen. Herr von S^arwassy lobt den erst gedachten Bassa als eme» Mann voll Leutseligkeit, und Güte. Bukarest den 6. N7av. Alle Kriegsschiffe , welche auf der Rhede von Kronstadt liegen, werden auf das schleunigste ausgerüstet, und l s Linienschiffe aus diesem Hafen sind schon in Mem von Reval angekommen , wo bereits andere 23 Linienschiffe im fertigenSrande sich befanden, so, daß nun die dortige Flotte aus ZK Linienschiffen be< sieht / worunter man 6 Dreidecker zahlt. Ausländische Nachrichten. Italien. Florenz den zo. April. Nachdem der Kaiser mit den 2 Erzherzogen, dann unsere Großherzoge in der stillen Woche allen heiligen Zeremonien beygewohnt hatten / geruheten Höchstdieselbe am Qster-sonntaqe si h in die Domkirche zu begeben, woselbst das Hochamt abgesungen, .und so-hin von dem Erzbischof der pabstliche Se« gen dem versammelten Volk ertheilt wurde , worauf die königl. Hoheiten in dero Pallast den spanischen Minister, und den Bischof von Pisioja, und Prato, zur Audienz liessen. Aivorno den 22. April. Gestern frühe war die königl. neapolitanische Korvette Fortuna, nachdem fie das Gepäck der königl. Smlianischen Majestäten eingenommen hatte, von hier abgeseegelt/ ist aber mit dem noch erwartenden Kriegsschiff von 74 Kanonen Tancedi wege-z widrigen Wind allhier wieder angekommen. Dännemark. Koppenhagen den 23. April. Cs war am 16. d. als der englische ^ar^ ä'^Fairez, Herr Drack, dem hiesigen k. Ministerio in einer Note die Danksagung für die beyden Noten abstattete, welche des Hrn. Grafen v. Venistorf Erzell. den Ministen der alliirten Mächt.' in Betreff der Mediazion ;ur Paafika,ion Zwischen Rußland mid der Pforte überreichen lassen, und hinzufügte, d"ß der König , sein Herr, es sehr bedaure, daß selbe u spät an^ekoms men wären. Zu gleicher Zeit erklärte er, daß sein Hof willens sey,"cine Flotte von Z5 Linien'chi?en in A^f'nq? des May« Monats in die Qst'ee zu sh!^,n, und daß selber <1h lchiieichl?, daß di?i? Flotte in den dänischen Hafen werde aufgenommen werden, wenn sie sich genöthlget sehen sollte, in selbe einzulaufen. Dem Vernehmen nach hat gedachter (^Kar^ ä'^ssaires bereits die Autwort hierauf erhalten, die im Wesentlichen dahin geht: " Daß Se. dänische Maj. nichts von Ihnen verlangen würden, was Höchstdieselben mit Rußland kompromittiren könnte. /, — Es kömmt nun doch noch in diesem Jahre zu einer Ausrüstung. Die Regierung hat sich durch die gegenwärtigen Umstände ver« anlaßt gesehen, B^ehle zu geben, daß unverzüglich die Linienschiffe : Erbprinz Friedrich, Odin und Seeland, jedes von 74 Kanonen in Stand zum Auslaufen ge> setzt werden. — Man sagt; daß diesen Somer am Strande der Insel Seeland ein Kordon vom Militare gezogen werden soll. Deutschland. Nöln den 72. Ntav. Wir können vermöge zuverläßiger Briefe aus dem Haag, vom 16. dieses versichern, daß bis itzt bey den Herren Generalstaateu von den Höfen nl London und Berlin noch kein Ansuchen geschehen ist , an den Maaßregeln ?,um Krieg? Antheil zu nehmen , und die Parthey besaqter Höfe gegen Rußland zu ergreifen. Es ist überhaupt gar keine Wahrscheinlichkeit vorhanden , daß man die Republik in einen Krieg zu verwickeln suche. Wird alle Dienet-und Hrn)l-N6 nachmittags um 4. Uhr aus dem Platze Nro. l83< in d«ir von Klemmaycrschetl Buchhandlung ausgegeben.