Preis ganzjährig! Österreich 2'50 S, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2’50 Pengö, Tschechoslowakei 12 efi, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2'50 Franken, ____________________________übriges Ausland 2 Goldmark, Unser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhtrten von Brtxen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern. tieft 10 Oktober 1935 XXXVffl. Jahrgang Weltmissionssonntag. Aus dem Ausruf zum Weltmissionssonntag 1935. Von Erzbischof Karl Salotti, Sekretär der Propagandakongregation und Präsident des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung. Unaufhörlich beobachten wir in der Welt einen Auf- und Abstieg, Kampf um hohe Ideale und ungezügelte Genußsucht, hochgemutes Ringen um Lösung der schweren Lebensfragen und Anreiz zu schändlichen Leidenschaften, die sich der Lösung eben dieser Fragen entgegenstellen. Verehrung des Geistigen und Verherrlichung der Materie, starker Glaube an den einen Gott und befremdender Unglaube, erhabenes Helden-tuin und freche Ichsucht wechseln miteinander ab in der zeitgenössischen Gesellschaft, wecken Angst und Besorgnis um die Geschicke der Menschheit. Was wird die nächste Zukunft bringen? Werden die geistigen Kräfte der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit in der Welt siegen oder sollen sie unterdrückt werden vom Haß, vom Irrtum und von der Gewalt des Bösen? Wir Verehrer des Geistigen und des religiösen Glaubens bewahren ein tiefes und unerschütterliches Vertrauen in die Vorsehung, die über dem klaffenden Abgrund menschlicher Untreue eine neue Welt aufzubauen vermag, wo die Werte des Geistes in staunenerregender Weise wachsen, das Menschengeschlecht auf Ziele sitt- lichen und gesellschaftlichen Gedeihens hinweisend. Immer müssen uns die geoffenbarten Worte des Königs David gegenwärtig fein: „In deinen Händen, Herr, ist Kraft und Macht; in deiner Hand ist Größe und Herrschaft über alles." (I. Paralip. 29, 12.) In der sturmbewegten Zeit, die wir in aller Welt durchleben, fährt die Kirche fort in ihrer an die gesamte Menschheit gerichteten Sendung. Ihre Sorge wendet sie aber besonders jenen fernen Riesenkontinenten zu, wo ihre Missionäre in der Predigt der Erlösungsbotschaft mit Opfern und Blut den Triumph des Heilandes vorbereiten, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es ist Pflicht jedes Gläubü g e n, an diesem Erlösungswerk mitzuarbeiten. Gelegenheit dazu bietet der ko m-m e n d e W e I t m i s s i o n s s o n n t a g, an dem die katholische Welt immer inständiger beten und immer gebefreudiger opfern soll, um dem Werk der Weltmission zu helfen. Das will Gott. Er ist der Vater der ganzen Menschheit. Jedes Glied der großen Menschenfamilie gehört ihm an und zeigt den Abglanz seines Wesens. Wo ein verstandesbegabtes Geschöpf ist, da lebt eine unsterbliche Seele, die des Schöpfers Schönheit und Weisheit widerspiegelt. Wir Katholiken sehen in diesen Geschöpfen unsere teuersten Brüder. Deshalb müssen wir als Erben der ewigen Wahrheiten und Teilhaber der Erlösungsschätze jenen Millionen von Brüdern zur Kenntnis christlichen Glaubens und christlicher Gesittung verhelfen. Das will die Kirche. Sie erhielt einen göttlichen Auftrag, auf Erden das Gottesreich auszubreiten, den einzelnen Geschöpfen die Frohbotschaft zu verkünden, in der das Geheimnis der ewigen Rettung der Seelen sowie die sittliche und gesellschaftliche Wiedergeburt aller Völker liegt. Die Kirche hat diesen Auftrag treu erfüllt. Im Laufe von 19 Jahrhunderten sandte sie ihre Diener in alle Gegenden der Erde. Wenn man die Seelen zählen könnte, die seit den apostolischen Zeiten durch den Seeleneiser der Missionäre gerettet wurden, so ergäbe sich wahrhaftig eine eindrucksvolle Zahl. Die Aufgabe der EvangeliumsverkUndi-gung ist heute schwerer geworden. Während nicht wenige zivilisierte Nationen einem völkischen Niedergang entgegengehen, vermehren sich die Völker der fernen Erdteile in staunenerregender Fruchtbarkeit. Zu welcher Religion werden diese jetzt ins Licht des Tages tretenden Völker sich bekennen? Wenn wir nicht überall den Rhythmus unserer missionarischen Ausdehnung beschleunigen, werden diese Völker uns entgehen. Rufen wir uns ins Gedächtnis, daß die katholische Religion zwar die erste Stelle in der Welt einnimmt, aber doch nur wenig mehr als 18 Prozent der Gesamtheit der Weltreligionen umfaßt. Es ist also noch ein weiter Weg zurückzulegen, besonders in Asien, wo so viele menschliche Kräfte sich gegen die Kirche verschworen haben. Dürfen wir diesem großen Ringen der Kirche, in dem es sich wirklich um die Zukunft des Katholizismus handelt, gleichgültig gegenübe r st ehen? — Nein! Das verlangen die Opfer der Missionäre. Was ist das Leben des Missionärs anders als eine Summe ununterbrochener heroischer Karitasarbeit? Die Heimat hat er verlassen, um für ein Ideal zu leben und zu sterben. In ärmlicher Hütte widmet er sich seiner Berufsaufgabe vor einem primitiven Altare. In den Schulen unterrichtet er viele Stunden des Tages in unendlicher Geduld die Kinder in den Grundlehren des Glaubens. In den Waisenhäusern ist er Vater und Mutter der Kleinen, die vielleicht nie Vater- oder Mutterliebe verkosteten. Er ist der Freund der Kranken und Aussätzigen. Der Missionär erschöpft sich in Werken der Nächstenliebe. Möge das Opfer dieser Helden wenigstens zu uns Christen sprechen und uns zur Hilfeleistung in ihren vielen Karitaswerken anspornen. Das will die Gesittung. Alle christlichen Jahrhunderte wurden mehr oder weniger durchdrungen und erneuert durch die große Kraft der Kirche. Von allen Nationen, die die glanzvollen Annalen ihrer Zivilisierung schrieben, gibt es keine, die nicht irrt Schatten unserer Basiliken geformt worden wäre. Vergebens sucht man ein zivilisiertes Volk, das sich außerhalb der Eingebungen des Christentums entfaltet hätte. Unsere Missionäre sind Bannerträger dieser christlichen Zivilisation, ja wahre Schöpfer dieser Zivilisation: als Priester, Lehrer, Kolonisatoren. Die Mission schließt jenen Pakt brüderlichen Friedens unter den Eingebornen, der besiegelt wird im Schatten des Kreuzes und das Fundament jeden gesunden Fortschrittes ist. Das fordert der gute Name der altchristlichen Nationen. Einst entfalteten die christlichen Nationeir einen edlen Wetteifer in der Unterstützung des zivilisatorischen Werkes der Missionäre. Wenn sich doch dieser alte Wettstreit erneuerte! Wenn die Söhne der christlichen Nationen aus den Überlieferungen der Vergangenheit Antrieb schöpften zu wirksamer Mitarbeit am Gesittungswerk der Mission! Soll er gelingen, müssen in jeder Nation, in Stadt und Land, in jeder Pfarrei alle Kräfte mobil gemacht werden, damit an diesem Tage alle Gottgläubigen ihr gutes Den- Stern der Neger 151 Heft 10 ften auf die heilige Mifsionssache lenken und sie besonders mit innigem Gebet sowie mit hochherzigen Gaben fördern. Denn die Almosen sind notwendig, um die vielgestaltigen Missionswerke aufrechtzuerhalten, ohne die eine Gewinnung der heidnischen Welt ausgeschlossen ist. Diese doppelte Gabe — Gebet und Opfer — wird sicheres Unterpfand jener Segnungen sein, die Gott großmütig allen spendet, die einen kleinen Baustein beitragen zur Errichtung des Reiches der Wahrheit in den Menschenherzen. Das Erbe der Mutter. Eine Missionserzählung. Na^ius o-rbonn. (Schluß.) Drei Tage später landete die kleine Reisegesellschaft im sonnigen Badenweiler. Es war eine schweigsame Fahrt gewesen. Herden fehlte, der Freund. Magda war sehr still. Es war, als ob statt Herden ein unsichtbarer Schattengeist zwischen die drei Menschen gekommen sei, der sie eins vom andern trennte. Nur Lucia hatte während der Fahrt durch die blühenden Sommerwunder ein eigentümlich stilles Freuen in den Augen, aber das kam nicht von außen. Da mußten andere, unsichtbare Sonnen leuchten, verborgene Quellen sprudeln, verschwiegene Feuer glühen. Karl und Magda saßen am zweiten Morgen im Speisesaal des Kurhotels schweigsam beim Frühstück. Karl las die Zeitung, Magda sah immer wieder unruhig auf Uhr und Tür. Wo Lueia nur blieb? Sie stand doch sonst mit der Sonne aus. Sie würde doch nicht krank sein. Sie war am vorigen Abend im Konzert merkwürdig blaß gewesen, ihre Augen hatten eigen geglänzt. Oder machte sie schon eine Frühwanderung? Es wurde elf Uhr. Da stand sie auf und ging nachzuschauen. Sie blieb wohl eine halbe Stunde aus. Veltor wurde unruhig und ging ihr schließlich nach. Er fand sie in Tränen aufgelöst auf Lucias unberührtem Bette sitzen, ein zerkrampf-tes Blatt in der Hand. „Jetzt begreife ich, warum sie sich gestern abend viel zärtlicher als sonst verabschiedete. Sie muß noch mit dem Nachtzuge gefahren sein." Sie reichte Veltor das Briefchen. „Zürnt mir nicht, meine Teuren, daß ich diesen Schritt wage. Ich sehe keine andere Möglichkeit mehr. Der Ruf meines Herrn wird immer dringlicher; ich muß ihm folgen. Karl, Du warst einmal ein tapferer Front- kämpfer. Was würdest Du zu einem Soldaten sagen, der den Ruf seines Feldherrn einfach überhörte und wohlig nach eigenem Sinne lebte? Mir tut es selbst am wehesten, daß ich Euch dies antun muh. Ihr werdet es einmal verstehen. Ich gehe nicht St. Josef nach chinesischer Art .dargestellt. Der italienische Maler Acrisio Luciani, der chinesische Kunst studiert, hat versucht, den hl. Josef so darzustellen, wie ihn chinesische Kunst und Technik erfaßt. Pygmäen tZwer-gneger) im Belgischen Kongo. Zwei Pygmäen des Belgischen Kongo mit einem der Väter vom Heiligen Geist im Vikariat von Nord-Katanga. Die kleinen Waldbewohner sind für einen Fischzug in Len Wassern des Kongos, ungefähr 2500 Kilometer vor seiner Mündung, ausgerüstet. Die Pygmäen waren von der Entsendung eines Katechisten in ihre Mitte anfangs nicht gerade begeistert; trotzdem sandten sie kürzlich, als die Väter vom Heiligen Geist eine neue Kirche in Kongolo bauten, eine Menge schönsten Schilfrohres für die Bedachung und sagten: „Auch wir wollen unseren Teil für die Errichtung des Gotteshauses beitragen." nach St. Xaver zurück. Darum forscht nicht nach mir, Ihr werdet mich nicht finden. Wenn ich unwiderruflich daheim bin im Heiligtum, werden wir uns wiedersehen. Habt Dank für alles Gute, das ich bei Euch genoß. In Gott bleiben wir immer verbunden. Eure Lueia." „Sie ist krank — wie ihre Mutter", knirschte Veltor ingrimmig. „Man hätte sie einsperren sollen." — „Du bist zu streng mit ihr gewesen", klagte Magda. „Die Feldens sind nun mal keine Sklavennaturen. Lucia ist nicht nur ihrer Mutter Kind." — „Eine Närrin ist sie, in einen unsinnigen Wahn verrannt. Die Kuttenleute haben ihr den Rest gegeben. Den armen Herden hat sie auch auf dem Gewissen. Aber so geht's, wenn Kindern der Zaum zu lang gelassen wird." — „Es kann kein Irrlicht sein, dem ein Menschenkind wie Lucia so bedingungslos folgt. Bedenk, was sie opfert. Hier das blühende Paradies, .da die öde Klosterzelle!" — „Abenteuerlust der Jugend!" grollte Veltor. „Sie mußte was Besonderes haben." Magda sah versonnen übers schwelgende Land. Die Luft war schwer von Blumenduft. „Karl, ich glaube doch bald an ein Ideal, das nicht alle fassen. Wäre der große Paulus hier, er stände auf Lucias Seite. Das Herzblut unserer Mutter ist doch wohl nicht an einem Wahn verronnen." — „Wäre sie nur zum Bekenntnis ihrer Mutter übergegangen, man hätte es ihr verzeihen können. Aber daß so frische Jugend sich in einen Kerker vergraben will, das ist Irrsinn. Für Versandete und Gestrandete mag das ein Unterschlupf sein, aber Lucia sähe ich lieber im wirklichen Grabe als in so einem lebendigen." — „Ach, Karl, ich fürchte, wir verdammen, was wir nicht kennen. Die Nonnen in der Kapelle zu St. Xaver, die ersten, die wir in unserem Leben sahen, schauten doch eigentlich nicht unglücklich aus." — „Plötzlich ziehst du an ihrer Leine!" grollte Veltor. „Dann laß ich alle Hoffnung fahren." Er warf den Brief hin und ging. Die Oberin von St. Lioba las zum zweiten Male das Telegramm, das soeben aus dem Badener Lande eingetroffen war und eine Postulation anmeldete. Der Name hatte ihr Herz rascher klopfen lassen, obschon sie ihn kannte wie wenige, seit vielen Jahren. Ein ganzes Menschenschicksal bedeutete er ihr. Den letzten, tröstlichen Akt dieses Schicksals hatte P. Winfried ihr am Tage vorher geschrieben. Felden! Lucia Felden! Sie kannte bisher nur eine Gertrud Felden, geborene Nortis. Und diese Lucia war nun deren Kind. „Herrgott, wunderbar sind die Führungen deiner barmherzigen Liebe", ging es ihr durch die Seele. Es war ein Tag vor vielen Jahren, da hatte sie auch hier gesessen, mit einem Briefe in der Hand, in dem ein junges Menschenkind ihr glückselig von seiner Auserwählung geschrieben. Mit fliegenden Fahnen stürmte sie dem heiligen Berg zu. Wochen nur trennten sie noch von der Erfüllung. Aber — der Tag war gekommen, sie hatte gewartet, gebangt und wieder gewartet. Gertrud Nortis war nicht erschienen. Nach zwei Monaten hatte ihr Bruder, P. Winfried Nortis, ihr eine Knappe Notiz gesandte „Joachim Felben und Gertrud, geborene Nortis, zeigen ihre Vermählung an." Wäre es ein gefriedeter Hafen gewesen, dem das jäh aus der Bahn gerissene Lebensschisflein des jungen, leichtentflammten Mädchens unfaßbar stürmisch zugesteuert war, sie hätte ihr den göttlichen Lenker ans Steuer gebeten und sich beschieden. Aber Felden, der nordische Großkaufmann, dessen jäh und herrisch erwachte Leidenschaft wie ein lenzlicher Wirbelsturm über das junge Menschenkind gekommen war, sprach sein Credo an einem fremden Altar. Sein heißes Werben, seine männliche Schönheit, das glänzende Zukunftsland, das er in Gertruds schwärmerischer Phantasie aufriß, hatten sie blind in einen Taumel gestürzt, aus dem sie erst erwachte, als es zu spät war. Erst nach einem Jahre war nähere Kunde von ihr gekommen, ein Brief voll Heimweh und unsagbarer Ernüchterung. Dann war sie selber gekommen. Hier in ihrem Schoß hatte sie ihre bittere Reue ausgeweint. Aber die Bande, einmal geschlossen, ließen sich nicht mehr zerreißen. Sie hatte zurück müssen in die fremde, kalte Luft, in der kein Tabernakel, kein Wandlungsglöcklein, kein ewiges Licht ihre Verbannung tröstete. Aber aus Enttäuschung und herbem Leide, aus Zwiespalt, Verkennung und Vereinsamung hatte sich das hohe Ideal, das sie einstmals in Sturm und Versuchung vergessen hatte, ernst und unsagbar verklärt, wieder herausgehoben, und sie hatte es mit ihrem Herzblut erkauft für ihr liebstes Kind. Ihr Lämpchen war in herber Seelenstille weitergeglommen. Nun flammte es unter Lucias Händen wieder hoch auf. Die Tochter trat das Erbe der Mutter an. Und weil sie es sich im Kamps errang, würde es ihr kein Sturm entreißen. Schon ihr knappes Telegramn! sprach von einem festen Willen. „Ich komme und bleibe. Lucia Felden." Wenn sie nun nach ihrer Mutter frägt, die tot sein soll für sie? So hat es Joachim Felden beschlossen — als sie sich trotz jahrelangen Werdens nicht zu seinem Credo bekannt hatte —, um seine Kinder vor ihr zu schützen. Wird sie dann Lucia von der Eremitin im nahen „Nazareth" erzählen dürfen? Das Kloftergläcklein läutete Angelus, da wurde Mutter Raphaela ins Sprechzim- Eine Freiluft-Schule im Zululand.- Die kleinen Zulus der deutschen Benediktiner-Mission non Eshowe in Südafrika lernen ihr Alphabet in freier Luft. Die Zahl der kleinen Schüler aus dieser Gegend übersteigt 2000. Auf zum Seminar! Junge Afrikaner, die Priester werden wollen, haben bei den Missionsbenediktinern von St. Ottilien zu Jnkamana-Natal ihre Vorbereitungszeit durchgemacht. Jetzt geht es in das kleine Seminar der Mariannhiller Mission. In Ostafrika bereiten sich 1259 Studenten auf das Priestertum vor, in Südafrika 231. met gerufen. Ein junges, hochgewachsenes Mädchen in grauem Reisemantel Kam ihr in schwerbeherrschter Erregung entgegen. Ihr schönes schmales Gesicht glühte in heiliger Freude. „Da bin ich, ehrwürdige Mutter." — „D u bist Lueia Felden?" — „Ja. Und ich habe Keine Heimat mehr. Geben Sie mir das letzte Plätzchen in Ihrem Hause, aber behalten Sie mich hier." Die Nonne rotes auf einen Stuhl, setzte sich ihr gegenüber und sah sie lange an. „(Bang Gertrud", sagte sie leise. „Nur ein fremder Zug ist dagu gekommen, und der heißt dich, Herg und Nacken straffen, wenn es ums Ziel geht. Ist's nicht so?" — „Das ist mein Vater in mir; aber Sinn und Ziel sind so gang andere, als die seinen waren. Also, Sie schicken mich nicht wieder fort?" — „Kind, ich vermute, du hast alle Brücken hinter dir abgebrochen." — „Alle. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Wenn Sie mich noch nicht als Tochter hier behalten wollen, bann als Magd." — „Es ist dasselbe", sagte Mutter Raphaela schlicht. „Wir sind alle Mägde des Herrn und untereinander." — „O ja. Aber", Tränen stiegen Lueia heiß in die Augen, „ich möchte aber auch wieder das Kind meiner Mutter sein. Sagen Sie mir, wo ich sie finde. Sie wissen es." Die Oberin stand auf. „Noch eine kleine Weile. Du mußt nur warten können, solange der Herrgott wartet." Sie ging mit ihr gut Kapelle. Dort vor dem Gegelt ihres Herrn begannen all ihre Kinder den Weg ins neue Leben. Lueia sank überwältigt vor dem Altare nieder. Ein Laudamus ging durch ihre Seele. Endlich im Hasen. Und ging es auch wieder hinaus auf wogende Meere, in Kampf und Brandung, sie trug die Rüstung des Königs. Ihm verströmte ihre Krast, ihm stand und fiel sie. Er rief sie gum Fisch-, nein gum Seelensang, und ihm wollte sie einmal ein volles Netz an ewiges Land ziehen. Bereits nach acht Tagen besiegelte sie das Credo, das seit den Kindertagen schweigsam in ihrer Seele gelebt hatte, auch mit dem Munde. Nach dieser Stunde gog ihr die Mutter des Hauses das Kleid der Postulantinnen an und hüllte sie in den langen weißen Kommunionschleier. Und dann kam der Meister selbst und drückte ihr das Siegel der Ihmgehörigkeit auf. Lange nach der hohen Feier kniete sie noch gong allein in der Kapelle. Sie fühlte, in diesen Stunden waren Quellen in ihr aufgesprungen, die Hinüberströmen ins ewige Leben. Sie wollte dann ausstehen und durch die Klausurtür ins Kloster gehen, da kniete plötzlich eine Frau hart neben ihr nieder. Lueia sah sie verwundert wie von fern her an. Die Eremitin aus dem Findelhause „Nagareth". Sie hatte sie alle Morgen in erster Frühe in der Kapelle gesehen. Die ätherisch-garte Ein Hochzeitspaar aus dem Swaziland. (Photo P. B. Zorn.) Gestalt im schlichten schwarzen Kleid und Gesichtsschleier, mit betn schwermütigen Ernst in jeder Bewegung hatte sie allemal seltsam gebannt. „Wünschen Sie etwas von mir?" fragte sie leise. — „Ja, Lucia", kam es dunkel-vibrierend zurück. Lucia zuckte zusammen, von einem heißen Schauer durchströmt. Gott im Himmel, diese Stimme! Standen versunkene Welten wieder auf? Wer hatte sie je wieder mit diesem von schmerzlicher Liebe durchzitterten Tonfall „Lucia" genannt? Mit einem Ruck fuhr sie herum. Ein paar tiefe, unsagbar traurige Augen tauchten durch den schwarzen Schleier in die ihren. Und noch einmal schluchzte sie versagend: „Lucia!" Lucia fühlte sich in das Licht einer jähen Offenbarung gerissen. „Mutter?! Mutter!" Die Frau riß mit bebender Hand den Schleier hoch, und Lucia sah erschauernd in ein bleiches, gefurchtes, tränen-überströmtes Gesicht. „Ja, Lucia, deine Mutter." Sie zog sie an der Hand näher zum Altare: „Hier wollte ich dich wiederfinden, mein Kind. Hier habe ich dich dem Herrgott geopfert, noch ehe du geboren warst — und darnach unzähligemal." Vor dem Zelte dessen, der die Herzen und Geschicke der Menschen wie Wasserbäche lenkt, knieten Mutter und Tochter lange eng umschlungen. Lucia glaubte sich in einen unfaßbaren Traum gerissen. Aber immer deutlicher tauchten Erinnerungen wie ferne Gesichte aus: Eine traurige Frau, die ihr ein Kreuz auf die Stirne machte, die mit ihr das Ave Maria betete . . . „Sag ein Wort, Lucia", flüsterte Frau Felden. „Zürnst du mir sehr, daß ich dich zum Lösepreis machte an meiner Statt?" — „O Mutter, ich bin ja gar kein Lösepreis", weinte Lucia aus überströmender Freude. „Erwählt und unverdient begnadet bin ich, und das verdanke ich dir." Vom Gesicht und von der Seele und vom Leben der geprüften Frau sanken die Schatten, die ihr durch Jahrzehnte Sonne und Licht verdüstert hatten. Helles Abendrot zog herauf nach einem langen grauen Wolkentage. „Selbst Schuld und Irren wandelt der gute Gott zu überschwenglicher Gnade", sagte sie erlöst. „Er hat längst Vergebung und Frieden über mich gesprochen. Nun tu du es auch, mein Kind." Lucia war erschüttert von der tiefen Demut, mit der die Mutter das „Con-fiteor" ihres Lebens vor dem eigenen Kinde sprach. Ein Wart P. Winfrieds durchzuckte sie: daß Buße und Selbstvernichtung unendlich über kampflose Unschuld hinausragen könne. „Mutter, laß uns nur mehr dankbar zurück- und strebend vorausschauen", sagte sie erstickt von Liebe und Weh. Und so dankten sie in schweigender Anbetung dem Himmel für diese kostbare Stunde. Und das ganze Kloster dankte und freute sich mit ihnen. Ein halbes Jahr ging in ernster Selbsterziehung und Heiligung hin. Und dann, im ersten verheißenden Lenzsprossen, kam Lucias Brauttag. Kurz vorher schrieb sie Heft 10 156 Stern der Neger zum ersten Male wieder an Schwester und Schwager. Sie war mittlerweile großjährig geworden und keine irdische Macht hatte noch Einsluß aus ihr freies Entschließen. Von ihrem tiefen Glücke und Genügen schrieb sie: „ . . . Wir sind doch alle Brüder und Schwestern in dem Einen, von dem das heilige Buch erzählt, daß er Menschenkinder für sich zeichnet, daß er sie. mit seinem Pfingstgeist erfüllt und zu Feuerbränden macht für seine Sache, so daß ihnen alles andere nichts mehr gilt. Wer es fassen kann, der fasse es. Ich möchte, daß auch Ihr es erfaßtet. Wenn schon Menschen einander beglücken können, wie muh es fein, von Gott ersaßt und erfüllt und in seinen Bereich gezogen zu werden! Und — genügt es Euch nicht, zu wissen, daß ich glücklich bin, daß ich den Frieden der Seele habe, der alle Begriffe übersteigt. Weniges habe ich verlassen, Hundertfältiges winkt mir, schon in diesem Leben, ich erahne es bereits . . . Ihr seht freilich nur Armut- und Bande in unserem Leben. Aber wir dürfen mit dem Völkerapostel Paulus vertrauensvoll sprechen: Wir leiden Trübsal, aber wir werden nicht beengt. Wir geraten in Not, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden verfolgt, aber nicht preisgegeben. Wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zugrunde. Immer tragen wir das Sterben Christi an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an uns offenbar werde. Darum werden wir nicht mutlos: wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn was an unserer Trübsal zurzeit kurz und leicht ist, bewirkt über die Maßen überschwenglich eine ewige Fülle von Herrlichkeit in uns, die wir nicht das Sichtbare im Auge haben, sondern das Unsichtbare. Eure Schwester Dolores." Von der Eremitin von „Nazareth" schrieb sie nichts. Die wollte es nicht, nicht eher, bis sie selbst den Weg zu ihr finden würden. Kurz sind Lenzblüten und bräutliche Wonne. In Glut und Sturm geht es. in Reife und geduldiges Fruchtbringen. Kurz nach dem Tage, da Lucia in der blühenden Myrte am Altare stand, sprach ihre Mutter ihr „Nunc dimittis..„Nun entlüftest du, o Herr, deine Dienerin in Frieden." Er tat es. Er entließ sie aus ihrer einsamen Buße in den ewigen Frieden. Drei Tage nach der Brautfeier sank sie nach der Morgenkommunion entseelt nieder. Ein unsagbarer Friede war auf ihrem Gesicht. Sie flüsterte Schwester Dolores noch sterbend ein Lebewohl und einen Segenswunsch für Magda zu und gab lächelnd ihre geläuterte Seele in die Hände Gottes zurück. Schwester Dolores' Indisches Fest. Einzelheit aus einem großen Fest int Reiche eines indischen Fürsten. Der Elefant spielt bei solchen Paraden stets eine große Rolle. Schmerz war groß, aber voll tiefer Ergebung. Wer wehrt einem müden Pilger das Tor zur Heimat, dem Schiffer aus Brandung und Gefahr die Einfahrt in den Hasen? Und sie fühlte, näher war ihr nun die Seele der Mutter als im Haufe „Nazareth". Ehe sie den Ihren noch die Kunde geben konnte vom Wiederfinden und Heimgehen der Mutter, kam ein Brief von Magda. Lucia muhte staunen und lächeln über die Anrede: „Mein ehrwürdiges Schwesterchen! Das war eine Stunde ernsten Glük-kes, als endlich das erste Lebenszeichen von Dir anlangte. Beim Lesen Deines Briefes fühlte ich mich mächtiger als je von dem Ideal angerührt, das zwar nicht alle fassen, das aber doch wirklich fein muß. Mich durchzuckte es: was mich aus den Zeilen wie reine herbe Luft anwehte, das mußte der Friede fein, den die Welt nicht geben kann. Auch ich bin ja glücklich und ausgefüllt, du weißt es. Aber mein Glück wurzelt tief im Diesseitigen, wenn auch der Wipfel nach oben strebt. Ein Sturmstoß, ein Griff des Schicksals, und es kann plötzlich zerschlagen fein. Euch Blumen des Herrgotts brauchen solche Stürme nicht zu kümmern. Was Ihr liebt, ist unerreichbar für menschliche Zufälligkeiten und die Tücken des Schicksals." Schwester Dolores ließ den Brief einen Augenblick sinken und sann in unsichtbare Ferne. Das schrieb Magda, die sie noch vor sieben Monden vor dem „Wahn zum Unwirklichen" hatte bewahren wollen? Was war da geschehen? Sie las weiter: „Du hast uns damals mit Deiner seltsamen Flucht in Leid und Sorge versetzt. Aber schließlich bekam sogar Karl Respekt vor Deinem kühnen Durchhalten. Und es mag sein, daß Dir kein anderer Ausweg blieb. Wir find schon bald heimgefahren. Aber daheim fehltest Du uns noch mehr. Und Herden dazu. Unsere Ilse hat tagelang nach ihrer Tante Luz geweint. Karl wollte erst in ratlosem Zorn nach Dir forschen, aber langsam wurde er stiller. Bis dann nach fünf Monaten der beiliegende Brief von Ernst Herden kam. Der hat Fundamente erschüttert. Tagelang hat Karl nicht gesprochen. Und dann ertappte ich ihn über Büchern, die er früher nicht einmal im Hause geduldet haben würde: eines über die Orden der katholischen Kirche. Er ist ein Grübler geworden. Ein wenig ich auch. Als ich gestern meinte, für die nächsten großen Ferien wollten wir doch wieder Deine Reiseroute nehmen, brummte er nur unverständlich in sich, aber es war kein Nein. Ich möchte meine kleine Luz auch zu gern mal als Nönnchen sehen, wenn mir auch vor dem Augenblicke banat. Mich durch- Seegebiet von Tongking. Hinterindische Dschunken, die man bei Dosen in Tongking auf den Sand gezogen hat. So hat sich der Golf von Tongking das gleiche Gesicht feit dem t7. Jahrhundert und länger bewahrt, da die ersten Jesuitenmissionäre und Priester der Auswärtigen Missionen von Paris sich dieser gleichen Fahrzeuge für ihre Mifsionsarbsit bedienten. 158 Stern der Neger Heft 10 Auf dem Weg nach Mandalay. Ein birmanisches Paddelboot mit seinem geschnitzten Vorderbng: Am Golf von Maratabii und auf dem Jrrawady ein gewöhnlicher Anblick. Gewiß haben schon die Dominikaner-, Franziskaner- und Jesuitenmisstonäre des 16. Jahrhunderts diese Reisetransport-kähne benutzt. Das Bild kommt von -Rangoon, dem Mittelpunkt einer blühenden Mission. Es gibt dort 75.000 Katholiken. schauert es; ein Vorhang ist gefallen zwischen Dir und uns. Du bist uns in eine Welt der Geheimnisse entrückt. Du nennst gänzlich Blutsfremde Deine Schwestern, und die Fremde ist Dir Heimat geworden. Aber, gelt, ein wenig behältst Du doch Deine vielirdische Schwester lieb. Was Du wohl über Ernst Herden sagen wirst? Ich habe immer den hohen Geistesschwung und die lautere Seele in ihm geschätzt, Menschenkind, was hast Du verscherzt! Aber still, ich weiß, was Du sagen willst. Du hättest statt eines Menschen Gott gesunden. Aber welch ein herrliches Ideal hättet Ihr zusammen verwirklichen können! Doch ich beginne zu ahnen, daß wirklich Gott zwischen Euch stand, und daß er nun vielleicht der Dritte im Bunde sein wird . . . Singt die Nachtigall noch in Eurem Garten? Oh, ich verstände sie heute schon ein wenig. Du wirst doch nicht schon bald fremdem Land und Volk zustreben. Du schreibst von fernen Ernteseldern. Sollte es ober doch sein, so schreib es zeitig. Wir müssen doch unsere ehrwürdige Luz erst noch sehen. Wir grüßen Dich in unveränderter Liebe, immer Deine Magda. Lucia, was weißt Du von Deiner und meiner Mutter? Ein Traum sagte mir, daß sie nicht mehr auf dieser Erde ist. D. O." Schwester Dolores saß eine Weile in Dank verloren, die Hände im Schoß gefaltet. Sterne grüßten durch das kleine Fenster der Zelle zu ihr herein, wie verklärte Mutteraugen. Dann griff sie nach dem zweiten Blatte. Große, kraftvolle Schriftzüge: „Meine Freunde, aus fernstem Erdteile sende ich Euch meinen Gruß. Verzeiht, daß ich es nicht eher tat. Aber ein Weltfahrer, der auf stürmischer See mit den Wogen kämpft, hat für nichts Sinn und Zeit, als für Durchhalten und glückliches Landen. So weit bin ich nun, ich habe Anker geworfen an einem Land, von dem ich noch vor einem Jahre keine Ahnung hatte. Aber ich will nicht vorgreifen. Als ich damals am Rhein von Euch floh, war ich wie ein Wanderer, der jahrelang einem hellen Licht zustrebte, und da er meint, am Ziele zu fein, wird es ausgelöscht und er steht einsam in der Nacht, am Höchsten und Tiefsten bis in die Seele enttäuscht. Ich habe ruhelos die Welt durchfahren, mein Glaube an die Menschen war tot. Wie hatte ein edles Geschöpf, Lucia Felben, ein wesenloses Iugendfchwärmen meiner Liebe vorziehen können! Aber gerade dieser Gedanke ließ mir keine Ruhe. Ich fing an zu erforschen, was es sein könnte, das sie allem, was andere junge Menschen als höchste Erfüllung erstrebten, so hochgemut entsagte und ein Leben des Verzichts, des Opfers, der Selbstvernichtung wählte. Ich bin nach dem wilden Südwest gegangen und habe erst Heft 10 159 Stern der Neger als Forscher, dann als Arzt mit katholischen Missionären in Blockhütten gelebt; ich habe ihr und der Schwestern opferool-les Wirken bis in die tiefsten Untergründe erforscht. Ich bin mit ihnen durch den psadlosen Busch in die dumpfen Höhlen der Kranken gegangen, ich habe sie zusammenbrechen sehen unter überlasten, von Fieber und Hingabe aufgerieben. Und lächelnd, wie zu einem Feste, sah ich sie von der Erde scheiden. Da, teure Freunde, habe ich erkannt, welch unendliche Welten jenseits der Grenzen unserer Erde und unseres kleinen Verstandes liegen, Welten voll ragenden Heldentums, voll strömender Kraft und ewig satten Glückes. Den lebendigen Mittelpunkt dieser Welten fand ich dann eines Tages im armen Altare des kleinen Holzkirchleins, und ich habe ihm ohne Zögern das Credo jener heroischen Männer und Frauen gesprochen. Vielmehr sein Geist sprach es in mir, und der muh wahr sein. Da fühlte ich's; ich war zeitlebens ein Suchender gewesen wie Lucia. Sie hat mir den Weg aufgerissen, und ich habe wie sie zum Ziele gefunden. Ob zeitlebens uns Länder und Meere trennen, wir gehen nun doch unfern Weg zusammen. Oh, es sind steinige, aber verheißende Ernten, zu dem wir die erste Saat gestreut haben. Wie wird es sein, wenn wir einmal die Garben in die ewige Scheuer tragen! Euch, meinen lieben Freunden, möchte ich als letzten Gruß das Wort eines größeren Gottsuchers als ich sagen: ,Für dich, o Gott, hast du uns erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir . . .‘ Über den ewigen Sternen finden wir uns alle wieder. Immer noch Euer Ernst Herden." Schwester Dolores faltete, überwältigt, die Hände über dem Briefe. Gott! Das Glück der Ewigkeit gibst du deinen Menschenkindern schon hienieden. Dein Flurgötzen. Vor allem im südlichen Indien sind diese Götzen am Wegrand zu finden. Mit Waffen und Wehr aller Art ausgestattet, haben sie die Ausgabe, böse Geister von Straßen und Feldern fernzuhalten. Z-u gewissen Zeiten werden ihnen auch grobe Mengen Nahrungsmittel vorgelegt, damit sie stark genug für den Kampf erscheinen. Der Missionär auf dem Bilde gehört zu den Frwnziskaner-Missionsbrüdern von Mount Poinfur, die sich in Südindien ausschließlich der Bekehrung der Heiden widmen. ist die Erde und selbst in fremden Gärten sprießen deine Blumen! Wie ein lichtes Meer der Gnade zogen die Sterne über dem Dunkel der Erde herauf; im Kloster-garten fang die Nachtigall ihr Laudamus. Bruder August Dördelmann f* Am Feste Mariä Himmelfahrt verschied in Iosefstal einer unserer ersten und ältesten Laienbrüder, August Dördelmann, geboren am 4. August 1861 zu Werden an der Ruhr. In seiner Jugend hatte er das Schreinerhandwerk erlernt. Nach Ableistung der Militärpflicht arbeitete er in verschiedenen Orten, zuletzt in München, von wo aus er sich 1890 in Verona der Kongregation der Söhne vom heiligsten Herzen Br. August Dördelmann. Jesu anschloß. Von 1892 bis 1912, also durch volle 20 Jahre, wirkte er als Schreinermeister und Werkstattleiter in der Mission, anfänglich in Ägypten und später im Sudan. Die Missionsmittelpunkte Khartum und Wau waren die wichtigsten Stätten seiner Tätigkeit. Als ihn 1912 die Obern zur Kräftigung seiner im Tropenklima geschwächten Gesundheit in die deutsche Heimat entsandten, hoffte er, bald wieder zu seinen geliebten Negern zurückkehren zu können. Allein eine schwere Malaria-Erkrankung und der Beginn des Weltkrieges hielten ihn in Europa fest. Fortan gehörte sein Schaffen den Niederlassungen der Kongregation in Brescia und Verona, Brixen und Io-f es stal. Bruder August war von Haus aus eine frohe Natur. Fragte man ihn, wie es ihm gehe, so lautete seine stete Antwort: „Immer besser." Sein ungezwungener Frohsinn unb sein sonniger Humor gewannen ihm die Zuneigung seiner Umgebung in hohem Grade. Namentlich die Negerjungen, deren er zeitweilig bis zu 20 in seinem Handwerk zu unterrichten hatte, hingen mit großer Liebe an ihm. Die schönen Gaben des Herzens waren gepaart mit starker Willenskraft und tiefreligiöser Lebensauffassung. Rastlos stand er Tag für Tag in der Werkstatt, bis ihm die Todeskrankheit Hobel und Säge aus der Hand nahm. Oft summte er dabei religiöse Melodien. Eine bloß äußere Pflichterfüllung war ihm fremd. Was er tat, floß aus dem Innern seiner gottnahen Seele. Der Gedanke an die ewige Heimat beschäftigte häufig seinen Geist, so daß ihm der Tod nicht schreckhaft erschien. Im Andenken feiner Bekannten wird er als guter, lieber Mensch fortleben. Im Kreise der Brüder aber mag sein schlichtes, in Arbeit und Gebet sich verzehrendes Leben noch lange als schönes Vorbild wirken! R. I. P. Im Banne der 9tgiL* Ein Roman ans Kamerun von Hermann ©Master. (Fortsetzung.) Brown summte ein langes „Hm" durch die Nase. „Sehen Sie, Kamerad! Wenn wir nach sechsmonatiger Reise mit leeren Händen zurückkehren, wird der Empfang ein wenig peinlich fein. Wir alle haben darum nur den einen Wunsch, wenigstens noch vor Schluß der Gastrolle, die wir hier in Afrika geben, einen Sklavenjäger zu kapern. Ehrlich gejagt, sind uns die Neger, die wir dabei befreien, Nebensache. Wir suchen Erfolg, weil unsere Ehre in Frage kommt." * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Lerder & So. in Freiburg (Breisgau), Baden. „Leider mischt sich die Selbstsucht in die edelsten Taten." „Und die befreiten Neger würden uns die Absicht nicht verargen. Sie wären froh, ihre Freiheit wieder erlangt zu haben. Doch wir werden wohl auf die Ehre verzichten müssen. Johnson meinte, der .Alte" habe die Absicht, in den nächsten Tagen die Heimreise anzutreten." „Das täte mir leid; denn noch habe ich die Hoffnung nicht ganz aufgegeben." „Uns kann's schließlich einerlei fein; aber der ,9IIte‘ dauert mich." „Zum Kriegführen gehört nicht bloß Ver- stand — den hat er —, sondern auch Glück — und das hat er leider nicht." „Weiß Gott, da haben Sie recht", stimmte Brown bei. „Es wird ihm nun nichts anderes übrig bleiben, als abzutakeln und zu Muttern hinter den Ofen zu Kriechen. Daß er den ollen Leichter wieder ins Schlepptau nehmen muß, ist wohl auch an seiner schlechten Laune schuld." „Wie merkwürdig", philosophierte Williams vor sich hin, „daß die Töchter meist liebenswürdiger sind als die Mütter." „Weil sie fast immer dem Vater ähneln", sagte Brown in belehrendem Ton. „Aber" —er erhob drohend den Zeigefinger — „Sie verraten sich. Kommen Sie mir nur nicht ins Gehege!" „Keine Sorge, Kamerad. Ich weiß Bescheid. Ihnen gefiel die junonische Gestalt; auf mich machte das Nachtigallenstimmchen und der madonnenhafte Augenaufschlag den größeren Eindruck." Kräftiger Männertritt schallte vom Zwischendeck herein. Im nächsten Augenblick erschien Kapitänleutnant Johnson unter der Tür. Die beiden erhoben sich. „Bitte, sitzen bleiben!" rief der „Erste" freundlich. „Wer recht hat, setze sich einen hinauf. Aber um eines, Kinder, muß ich sehr bitten." Er trat nahe an den Tisch heran und sagte im Flüstertons „Wenn ihr vom .Alten' redet, mäßigt eure Stimmen. Durch die offenen Fenster hört man alles." „Donnerwetter!" riefen die beiden Offiziere überrascht. „Eine Mahnung für die Zukunft, die freilich nicht mehr lange dauern wird. Wir fahren heim." „Also doch!" seufzte Williams enttäuscht. „Kind, freuen sollen Sie sich. Sie sehen aus wie eine Leiche. Haben Sie noch nicht genug von Afrika? Ich bin's leid. Oberbootsmannsmaat Tailor ist krank, zwei Matrosen liegen im Fieber, vier Heizer sind arbeitsunfähig . . . Schöne Bescherung! Vorhin war ich unten im Heizraum. Mir ist rätselhaft, wie die Kerls das aushalten. Kein Lüftchen durch den Windfang. Wir fahren die Brise tot. Die Leute müssen zweistündlich abgelöst werden, sonst werden sie verrückt... So", setzte er hinzu, indem er eine Schwenkung nach der Tür machte, „nun will ich mir mal die Arche ansehen, die soeben gesichtet wurde." „Der Pirat?" fragte Williams schüchtern. „Ter wird sich hüten!" rief Johnson im Fortgehen. Brown trommelte mit den Fingern aus der Tischplatte. „Unsere Fahrt ist das reinste Trauerspiel", begann er nach längerem Schweigen. „Im letzten Akt der Erfolg greifbar nahe, dann reißt ihn eine höhere Macht uns aus den Händen. Hätten wir dem Kerl nur wenigstens einige Granaten aufs Fell setzen dürfen, er hätte schon beigedreht." „Oder auch nicht. Wenn er sah, daß alles verloren war, hätte er das Schiff verlassen. Ehe wir nahe genug herankamen, war sein Boot längst an der Küste." „Bei dem Sturm war das Ausbooten eine gewagte Sache. Und wenn auch! Ging die Kiste zum Teufel, war ihm wenigstens das Handwerk gelegt." „Und wenn Schwarze an Bord waren, was wir voraussetzten?" „Im Kriege darf man nicht zu weichherzig sein. James Raffles hat sich durch feine edle Rücksichtnahme auf die Neger den Erfolg aus der Hand winden lassen." „Das ist richtig. Aber in diesem Punkt halte ich es mit dem Kommandanten. Besser, ein halbes Dutzend Schurken laufen lassen, als ein halbes Hundert Unschuldige mit ihnen zugrunde richten." „Wissen Sie, Williams. Sie hätten Pfarrer werden sollen!" Auf der Kommandobrücke standen die beiden wachthabenden Offiziere und beäugten mit ihren Fernrohren das näher kommende Schiff. „Welche Flagge?" fragte Johnson, als er die Brücke betrat. „Spanier!" antwortete der Offizier, der ihm zunächst stand. „Hält gerade auf uns zu. Scheint also reine Wäsche zu tragen." „Wollen wir ihm auch geraten haben. Mir war's allerdings viel lieber, wir könnten noch vor Torschluß einen großen Halunken begrüßen. Ein Donnerwetter unserer Schießrohre wäre das beste Mittel, dem .Alterü das Trübsalblasen auszutreiben." Er trat an die Reling, um sein Glas einzustellen. Ein kurzer Blick auf den fremden Dampfer ließ ihn davon abstehen. Erstaunt wandte er sich den andern zu. „Kinder, ist euch da nichts aufgefallen? Die Masten? Der Abstand? Die Stellung?" „Wie meinen . . .? Allerdings eine gewisse Ähnlichkeit . . „Ähnlichkeit? Jawohl, wie ein Ei dem andern . . Nun sah er durchs Fernrohr. „Kinder, Kinder! Ganz der schlanke Kahn unseres Freundes von vorgestern . . . Sagten Sie was?" „Hat weder Rahen noch Gaffel, während der Pirat mit voller Betakelung davonging." „Hm, ja ja . . . und doch verd . . . Ähnlichkeit." „Der Pirat hatte übrigens roten Bug." „Der läßt sich leicht bepinseln", meinte Johnson, das Fernrohr absehend. „Je nun, was man wünscht, glaubt man gern. Wäre ja auch zu merkwürdig, wenn der Kerl sich so nahe an unsere Batterien heranwagte." „Hallo, Kapitänleutnant! Flaggensignal drüben!" Johnson spähte durchs Glas. „Wünscht Unterredung . . . Lassen Sie .Verstanden" zurückgeben." Während die Signalgasten den Befehl ausführten, ging das Kommando .Halbe Fahrt" zum Maschinenraum. Langsam näherten sich die Schisse auf Rufweite. Johnson hatte das Sprachrohr mit weitem Schalltrichter auf die Reling gelegt und erwartete den Anruf. Doch von drüben meldete sich niemand. Matrosen liefen über Deck. Ein Boot wurde klargemacht. Johnson stellte das Sprachrohr beiseite. „Es kommt jemand herüber", sagte er. „Lassen Sie die Maschine stoppen! Ich will dem Kommandanten Aufschluß geben." Der „Erste" verließ die Brücke. Die Maschine stand still. Die „Möwe" begann zu schaukeln. Die Wachthabenden musterten das fremde Schiff. „Kamerad, schauen Sie sich mal das Achterdeck an. Eine Menge Neger fitzt da herum. Der Lümmel hat wahrhaftig Sklaven an Bord." „Ach was, Unsinn! . . . Wie heißt der Kahn eigentlich? Ich kann den Namen beim besten Willen nicht lesen." Großstadt des Fernen Ostens. Man hat berechnet/daß Schanghai, dessen Hafenseite hier sichtbar ist, bn-1944 den dritten Platz unter den volksreichsten Städten der Welt innehat, während London auf den sechsten Platz herabgesunken sein wird. Bis 1955 wird Tokio mit über zehn Millionen Einwohnern New Pork überflügelt haben. „Ber—Bar—ce—Io—na", buchstabierte der andere . . . „Kamerad!" — „Ja?" „Es geschehen Zeichen und Wunder. Ich behaupte, das ist ein Sklavenhändler!" — „Unsinn, sag' ich!" — „Wollen mir wetten?" . . . James Raffles saß vor seinem Schreibtisch, als Johnson eintrat. Ein eckig geschnittenes Engländergesicht, glatt rasiert, verwettert, aber nicht ohne freundliche Züge; lange Sorgenfalten quer über die hohe Stirn. Wer Töchter hat, hat Sorgen. Die Erwartungen, die er als junger Leutnant zur See ans Leben gestellt, hatten sich nicht erfüllt. Seine Wünsche waren aus ein geringes Maß zusammengeschrumpft. Aber das Leben war hart und schien nicht einmal das Wenige gewähren zu wollen. Die Asrikareise hatte ihn noch einmal an die Möglichkeit glauben lassen, das Glück an seine Fersen zu heften. Er hatte eine Fata Morgana gesehen, die sich täglich mehr und mehr in Dunst auflöste. Wie schön hatte er sich alles gedacht! Ein paar Piraten sangen, eine Kleinigkeit für einen britischen Kreuzer! Festlicher Empfang zu Hause, Auszeichnung, Beförderung, großes Diner, Offiziere eingeladen . . . Das andere kam von selbst, mußte kommen. Mit offenem Vaterauge hatte er bemerkt, welchen Eindruck seine beiden Töchter Harriet und Louisa aus Brown und Williams gemacht hatten. Wer konnte wissen? Stieg der Vater im Rang, dann stiegen die Töchter mit. Wie gern hätte er ihnen das gegönnt! Aber er war von jeher ein Pechvogel. Der Anschluß ans Glück war verpaßt. In der Ferne winkte eine bescheidene Pension und ... an das andere mochte er nicht denken. Ja, wer Töchter hat, hat Sorgen, übrigens hatten Brown und Williams keinen schlechten Geschmack. Wer die kleinen, in Öl gemalten Bilder über dem Schreibtisch des Kapitäns sah, mußte das zugeben. Als Raffles seines „Ersten" ansichtig wurde, versuchte er, eine freundliche Miene auszusetzen, was ihm auch ziemlich gelang. Sogar die Sorgensalten verschwanden für einen Augenblick. „Was bringen Sie, mein lieber Johnson?" fragte er. Der Kapitänleutnant machte seine Meldung, kurz und gemessen. „Wenn der Kapitän selber kommt", sagte Raffles, „lassen Sie ihn hie-her führen. Im übrigen handeln Sie nach eigenem Ermessen! . . . Sonst noch etwas?" „Zu Befehl, Herr Kommandant. Der Arzt rät, einige Matrosen zum Kohlentrimmen zu bestimmen. Bei der Hitze ist der Dienst für die Feuerungsmannschast zu anstrengend. Es wäre gut, sie alle zwei Stunden abzulösen. Vier Heizer sind heute arbeitsunfähig." „All right, mein Lieber, veranlassen Sie das Nötige!" Ein gnädiges Kopfnicken. Der „Erste" ist entlassen. An Bord der „Barcelona" herrschte reges Treiben. Teerjacken eilten geschäftig hin und her. Einige Matrosen machten sich an der Luke zu schaffen, die dem Fockmast zunächst lag. Zusammengerollte Taue und Segel waren da verstaut. Zwei Leute kletterten über die Steuerbordreling an Deck. Ihre Jacken waren mit frischer Farbe stark verklext. Ein Farbeimer, in dem " zwei Quasten steckten, wurde heraufgezogen und dann der Bootsmannsstuhl eingeholt. In breitbeinigem Seemannsschritt gingen die beiden Anstreicher zur Kapitänskajüte. Der eine klopfte. „Was gibt's?" kam es aus dem Innern. „Kapitän, wir find fertig geworden. Alles ist blitzblank gestrichen." „Ist gut! . . . Halt, wartet noch!" Die Tür öffnete sich. Eine Flasche Brandy wurde herausgereicht. „Da nehmt; ihr habt's verdient. Verdammte Arbeit, was? Trinkt, unb dann legt euch in die Koje und schlaft; müde werdet ihr sein." „Schönen Dank, Kapitän! Müde sind wir . . ., ja, und schlafen werden wir auch." Damit gingen sie, und die Tür der Kabine fiel ins Schloß. Auf Achterdeck faßen und lagen an zwei Dutzend Neger; Männer, Greise, Kinder durcheinander. Die meisten brüteten stumpfsinnig vor sich hin. Einige waren seekrank und lagen stöhnend an der Reling. Ein alter Graukopf saß nahe am Heck mit untergeschlagenen Beinen, wiegte sich hin und her und summte eine traurige Melodie. Zwei Knaben schauten neugierig nach dem andern Schiss hinüber. Einige Männer hatten sich in die Wasserrinne gekauert, die an der Reling entlang lief, und versuchten im Schlafe Hunger und Elend zu vergessen. Zwei Matrosen traten aus der Kombüse und gingen nach achtern, um den Hungernden das Essen ZU reichen. Es ist knapp Zugemessen. Ein Eimer Reis, einer mit Wasser und ein Korb Zwieback. Jeder erhält eine Handvoll Reis, die er sofort in den Mund stopft und verschlingt, dazu einen Zwieback, den er im Wasser aufiveichen kann. Die meisten greifen gierig nach dem Dargereichten und schauen sehnsüchtigen Blickes nach Korb und Eimer, ob nicht vielleicht noch etwas für sie abfällt. Aber die Matrosen geben nicht niehr, als geboten ist. Die Schlafenden wer-den durch einen Fußtritt geweckt. Sie las-sen es sich gern gefallen; es gibt ja zu essen. Der Greis am Heck achtet nicht auf das, was um ihn vorgeht. Fort und fort wiegt er sich nach rechts und links und summt seine traurige Weise. Er streckt die Hand nicht aus, um seine Zehrung in Empfang zu nehmen. Der Matrose wirft ihm den Reis mit einem derben Fluch ins Gesicht. Die zunächst Sitzenden greifen hastig zu und sammeln jedes Körnchen, das aus Deck gefallen ist. Das „Mahl" ist zu Ende, kaum daß es begonnen. Wieder breitet Hunger und Elend seine dunklen Flügel über die braunen Leute, und weiter brüten sie vor sich hin, wie Menschen, hinter denen alle Brücken abgebrochen sind, die ihre Zukunft dem Schicksal überlassen . . . Der Kapitän verließ die Kajüte. Sein gebräuntes Gesicht, umrahmt von einem rabenschwarzen Vollbart, kennzeichnete den Südländer. Die breiten Schultern fanden kaum Platz in der goldbetreßten Uniform. Im übrigen stand ihm der Anzug tadellos. Unter der breiten Krempe des grauen Filzhutes schimmerte eine weiße Mullbinde hervor, die um den Kopf gebunden war. über dem linken Auge war sie rötlich angelaufen. Wuchtigen Schrittes begab er sich nach Backbord, wo unter dem Fallreep das Boot schaukelte. Dort stand der Erste Offizier der „Barcelona", ein langer, dürrer Mensch mit dem Gesicht eines Raubvogels. „So, Kapitän, nun mutig in den Rachen des Löwen hinein." „War schon oft drin, ohne Schaden zu nehmen. Doch ich gestehe, ganz einerlei ist mir die Sache heute nicht. Wär' mir schon lieber, die Kerls säßen auf dem Mond." „Vergeßt nur Euer Sprüchlein nicht!" mahnte der „Erste". „Werde nicht. Aber halt du auch die Augen offen. Du weißt ja für alle Fälle Bescheid." „Keine Angst, Kapitän. Ich bin auf dem Posten . . . Der schwarze Bart steht Euch aber gut." „Will ich meinen", gab der andere geschmeichelt zurück, indem er langsam die Treppe hinabstieg. „Nehmt die Farbe von der Bordwand nicht mit!" rief der „Erste" ihm nach. „Sie ist da nötiger als auf Euren: Rockärmel." Der Kapitän lachte. Mit einem flinken Satz sprang er ins Boot. Er setzte sich, entrollte die Kapitänsflagge und befestigte sie am Heck. Dann ergriff er das Steuer und gab das Zeichen zur Abfahrt. Fünf Paar kräftige Arme legten sich in die Riemen, daß sie in den Dollen knarrten, und das kleine Fahrzeug wandte sich, hüpfte von Welle zu Welle und strebte eilig dem Kreuzer zu, dessen Geschützrohre drohend über die See hinausblickten. Am Fallreep der „Mew" stand die Backbordwache und der Obermatrose vom Dienst. Als Johnson die Kajüte des Kommandanten verließ, stürzte ihm der Wachthabende hastig entgegen und meldete in abgerissenen Worten, daß sie ein Sklavenschiff vor sich hätten; man könne die Reger deutlich sehen. „Boot kommt längsseits!" rief der Posten aus der Back. Johnson stand schon mit einem Fuß aus der Treppe. Nun schwenkte er nach Backbord hinüber. Er mußte dem Obermatrosen erst Bescheid geben. „Den Kapitän der ,Barcelona1 werden Sie zum Herrn Kommandanten führen." (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Kongregation der Misstonäre Söhne des heiligsten Herzens.Jesu. Verwaltung: Missionshaus „Maria Fatima", Post Unterpremstätten b. Graz, Stml. Verantwortlicher Redatteur für Österreich: P. Alois Wils-ling, F. 8. C., Generalasststent, Missionshaus „Maria Fatima", Post Unterpremstätten bei Graz; für Deutschland: P. Heinrich Wohnhaas,?. 8. C., Misstonsseminar St. Josef, Ellwangen-Jagst, Württemberg. — Universttäts-Buchdruckerei „Startet . Graz.