Bezugspreise ^ür Österreich-Ungarn ganzjährig K 4- — halbjährig K 2 — £ür Amerika: ganzjährig D. l 25 jür dar übrige Ausland ganzjährig K 5'20 Briefe ohne Unterschrift werden nichtberückstchtigt, Manuskripte nicht zurück, gesendet. GstWeer Lote Erscheint mit einer illustrierten Beilage „Wandermappe" am 4. und 19. eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die Herwattung des (Sottfdjcer Moten in Gottschee 9tr. 121. Berichte find zu senden an die Schriftkeitung des Hottscheer Moten in Gottschee. Anzeigen (Imeraie) werden nach Tarif berechnet und von der Verwaltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage des Gottsched' Boten erhältlich. Postsparkassen-Konto 9ir. 842.285. Ar. 12. Kottschee, am 19. Juni 1915. Jahrgang XII. Die IjoiyoMacht. Im Kriege mit Italien bildet das Küstenland gewissermaßen den Schild, der Kram deckt. Daher beanspruchen die Kämpfe im Küstenlande und insbesondere am Jsonzo unser ganz besonderes Interesse. Im folgenden soll nun der Verlauf dieser Kämpfe, soweit er sich aus den Berichten unseres Generalstabes und aus zensurierten Zeitungsnachrichten entnehmen läßt, dargestelll werden. Was wir in den folgenden Zeilen bieten wollen, ist eine Art Kriegskalender über die^Kämpfe im Küstenlande nebst gelegentlichen Bemerkungen hiezu. Wenn wir uns die Mühe nehmen, unsere gesamte Grenze gegen Italien etwa ans einer Generalstabskarte abzuzirkeln, so finden wir, daß sie über 625 Kilometer laug ist. Zieht man dagegen vom Stilfserjoch über Trient an den Lido von Venedig eine ideelle Linie, jo ist die gesamte Breite des Einbruchsraumes aus Italien gegen Nordost, in der Luftlinie gemessen, nur mehr aus kaum 200 Kilometer eingeengt, wovon ein erheblicher Teil einerseits durch ungangbare Hochgebirgsstrecken (Ortler, Adamellogruppe) und anderseits durch einen militärisch nicht ins Kalkül fallenden Lagunenstretsen (östlich der Bahn Mestre-Cervignano) in Wegfall kommt. Aber auch von diesem Einbruchsraume ist wieder nur ein in der Linie Vieenza-Benedig ungefähr 50 bis 60 Kilometer breites Einfallstor als Operationsraum für größere Armeen anzusprechen, während der Rest als hochaufsteigendes, meist steiles und schroffes Kalkgebirge hiesür minder geeignet erscheint. An der kärntnerischen Linie kam es bisher außer einem abgewiesenen Einbruchsversuche am Plöckenpasse nur zu erfolglosen Beschießungen unserer Sperren. Umsomehr bemühten sich die Italiener gegen und über die Jsonzolinie im Küstenlande vorzudringen, weil hier die Aussichten für eine Offensive noch am günstigsten sind. Hier sind nämlich die Erhebungen nördlich Görz zwischen der italienischen Reichsgrenze und dem Jsonzotal relativ gering; südlich Görz ist das Gelände zwischen der Grenze bis zur Linie Gradiska-Monfaleone überhaupt eben Bis zur Erreichung des Jsonzos hatten die Italiener mithin verhältnismäßig leichtes Spiel. Erst an der Linie Flitsch, Karfreit, Tolmein, Görz, Gradiška, Monfaleone mußte sich der Angreifer aus einen starken Widerstand gefaßt machen. Auf der Straße, die von der Grenze nach Strassoldo und Monfaleone führt, wurde schon bald nach der Kriegserklärung der erste Einbruch versucht. Die Offensive der Italiener ,m Gebiete von Friaul soll nach einer Schweizer Meldung durch Hochwasser der Flüsse stark behindert worden sein. Schweizer Blätter meldeten, daß die österreichischen Stellungen am Jsonzo bei Gorz m tta temfchen Militärkreisen als sehr stark angesehen würden . . . Die italienischen Blätter brachten gleich zu Anfang die Nachricht, das Geschutzfeuer der österreichischen Artillerie sei in diesem Frontraum von größter Heftigkeit und größter Wirkung. 31. Mai. An der kärntnerischen Grenze fanden kleinere, für unsere Waffen erfolgreiche Kämpfe statt. Östlich von Karfreit versuchte der Feind die Hänge des Krn zu ersteigen. >zn den Geschützkampf im küstenländischen Grenzgebiete begann unsere schwere Artillerie einzugreifen. — Im Küstenlande griff der Feind auff den Robert nötblid) d o n (S ö t § nicht weitet ein. ubctgötig^uetluchc über den Jsonzo bei Monfaleone wurden von unseren Patrouillen mühelos abgewiesen. _ , 1. Juni. Kleinere Gefechte an der kärntnerischen Grenze und im Raume von Karfreit dauern fort. 2. Juni. Auf dem italienischen Kriegsschauplätze blieben alle bisherigen Unternehmungen des Feindes ohne Erfolg. v;m Kästen-lande wurden Angriffe des Feindes aus den Krn-Rücken unter schweren Verlusten der Italiener abgewiesen. _ 3. Juni. Die Italiener setzten die erfolglose Beschießung unserer Befestigungen an mehreren Punkten der Tiroler und Kärntner Grenze fort. Wo feindliche Abteilungen ins Feuer kamen, flüchteten sie; so ein italienisches Infanterie-Regiment auf dem Plateau von Folqaria (Tirol), mehrere Kompanien bei Misurina und die von einer Ofsizierspatrouiüe von uns in Gradiška überfallenen Kavallerie- und Ber,aglieri-Abteilungen. . 4. Juni. Im Küstenlande wird im Raume von Karfreit gekämpft Küstenlande blieben bei einem blutig abgewiesenen Angriffe von vier italienischen Bataillonen auf unsere Stellungen von Tolmein drei Offiziere und fünfzig Mann in unseren Händem Aus dieser Meldung ist zu entnehmen, daß die Italiener nach den Vorhutgeplänkeln und Artilleriekämpfen es nun mit emem langsamen Vordringen versuchten. Südlich von Karfreit im Gorz,scheu, wo die Italiener bisher am hartnäckigsten angriffen, dehnten sich die Kämpfe bis Tolmein aus, wo die Italiener blutig abgewiesen wurden Sobald die Italiener sich um ein kleines Stuck vorwärts gebracht haben, machen sie von dem Spaten Gebrauch und graben sich sofortt ein. ^ ^ Inländischen Front beginnt der Artilleriekampf heftiger zu werden. In den Gefechten am Krn hatten die Italiener erhebliche Verluste. Am Südabhange des Berges wurden 300 Feindesleichen gefunden. Auch ein Versuch des Gegners, Bet Saqrado den Jsonzo zu überschreiten, wurde blutig abgewiesen. Aus dem Kriegspressequarlier wird gemeldet: Auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze gelang es einem kleinen Detachement unserer Truppen, am 2. Juni in der Gegend von Flitsch dem Feinde unbemerkt in den Rücken zu fallen und beträchtlichen Schaden zuzufügen. Der feindliche Train, ein Feldlager und ein Blockhaus wahrscheinlich ein Proviantlager, wurden hiebei zerschossen Der Feind erlitt einen Verlust von 50 Toten und geriet in große Verwirrung. Wohl eilten von allen Seiten Verstärkungen herbei, doch unser Detachement konnte sich vor der vielfachen Übermacht rechtzeitig und in vollster Ordnung zurückziehen. Die italienischen Berichte über die Jsonzokämpfe, die früher großsprecherisch und prahlerisch gehalten waren, wurden nunmehr kleinlaut. Der italienische amtliche Kriegsbericht vom 6. Juni, der sich über den außerordentlich starken Widerstand der österreichisch-ungarischen Truppen an der Jsonzo-Linie beklagte, verursachte in neutralen Kreisen große Aufmerksamkeit, denn der italienische Generalstab erklärte, daß die österreichisch-ungarischen Truppen ihre Stellungen mit mächtigen Schanzen verstärkten und die Zahl ihrer Streiter noch fortgesetzt vermehren. Da der Feind auch noch über sehr viel Artillerie verfüge, könne der italienische Vormarsch nur sehr langsame Fortschritte machen. Das Kriegsglück wechsle noch und bisher hätten nur die Abhänge der Grenzgebiete erreicht werden können. 7. Juni. Auf dem südlichen Kriegsschauplätze fanden kleinere erfolgreiche Kämpfe unserer Grenztruppen statt. Die Italiener scheinen sich mit starken Kräften gegen den Jsonzo heranzuschieben. Die Feindseligkeiten beschränkten sich, wie eine anderweitige Mitteilung besagt, noch immer auf Kanonaden und Zusammenstöße einzelner kleinerer Jnfanterieabteilungen, doch haben die Italiener bereits schwere Niederlagen erlitten, namentlich an den Hängen des Krn, wo die Alpini (ihre beste Truppe) wiederholt angreifen mußten, liegen viele italienische Leichen. Die steilen Hänge und Felsen haben selbst der Elitetruppe der Italiener unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet. — Die italienischen Truppen blieben seit einer Woche so ziemlich auf demselben Flecke. Der Bericht des italienischen Generalstabes ignoriert die erlittenen Schlappen vollständig oder umschreibt sie so, daß noch immer ein Vorteil herausblickt. „Am 3. Juni kämpften wir", heißt es da u. a., „mit wechselnden Erfolgen am Monte Nero (Krn), aber die Hänge sind noch immer in unserem Besitz." Die Italiener mußten aber auch die Ortschaft Krn räumen; sie sind also glücklich wieder im Tale angelangt. Nur dort, wo die Grenze eine offene ist, wie westlich des Jsonzo, abwärts Görz, dauert, wie der italienische Generalstabschef Cadorna berichtet, die Vorwärtsbewegung an, was unser Generalstab kurz und offen mit dem Satze meldet: An den Jsonzo schiebt sich der Gegner stellenweise heran. Aus der Gegenüberstellung der Berichte unseres und des italienischen Generalstabes gewinnt man den Eindruck, daß die italienischen Operationen sehr zähe vorwärts gehen, daß die italienische Berichterstattung beschönigenden Charakter besitzt und daß sie sich oft widerspricht, während in unseren Berichten gewissenhaft, kurz und bündig Vor- und Nachteile abgewogen werden. Das erhöht umsomehr das Vertrauen, das die Berichterstattung unseres Generalstabes ohnedies in hohem Maße und mit Recht genießt. 8. Juni. Im Küstenlande bereitet der Feind anscheinend einen allgemeinen Angriff auf un>ere Stellungen am Jsonzo vor. Seine bisherigen vereinzelten Vorstöße bei Gradiška und Sagrado wurden blutig abgewiesen. 9. Juni. Im Jsonzogebiete setzen die Italiener ihre Angrifss-vorbereitnngen fort, arbeiten sich in der Front an einigen Stellen allmählich gegen unsere Stellungen vor. An anderen Stellen versuchen sie lokale Vorstöße, die aber immer blutig abgewiesen wurden. 9. Juni, mittags. Der erste größere Angriff des Feindes, gestern nachmittags von Truppen in der beiläufigen Stärke einer Infanteriedivision (12.000 bis 15.000 Mann) gegen den Görzer Brückenkopf angesetzt, wurde unter schweren Verlusten der Italiener abgeschlagen. Diese fluteten im Artillerie-seuer zurück und mußten mehrere Geschütze stehen lassen. Das gleiche Geschick ereilte feindliche Angriffsversuche bei Gradiška und Mvnfalcone. Eine Londoner Meldung dänischer Blätter (Kopenhagen) sagt: Am Jsonzo hat sich bereits ein Gefecht entwickelt, das für die Österreicher günstig steht. Die Österreicher kämpfen in außerordentlich starken Stellungen und verfügen über vorzügliche Artillerie. Der Kriegsberichterstatter des „Budapesti Hirlap" gibt aus dem Kriegspressequartier einen umfassenden Bericht über den ersten Zusammenstoß mit den italienischen Truppen am Jsonzo und schreibt: Heute ist übrigens westlich von Görz der erste ernstliche Angriff der Italiener abgewiesen worden. Gegen unsere dortigen befestigten Jnfanteriestellungen folgte nach der vorbereitenden Arbeit der italienischen Artillerie, an welcher sämtliche Kaliber der italienischen Kanonen teilnahmen, ein Jnfanterieangriff. Unsere günstig aufgestellte Artillerie empfing die absichtlich in die Nähe gelassene italienische Infanterie mit einem lebhaften Frontal- und einem geradezu mörderischen Flankenfeuer, in welchem der feindliche Versuch vollständig und verlustreich zusammenbrach. In den Reihen des fliehenden Feindes rissen unsere Kanonen förmliche Gassen und machten eine feindliche Batterie vollständig kampfunfähig. Sechs Kanonen blieben ohne Bespannung und ohne Mannschaft und Bedeckung ganz verlassen und teilweise zerstört auf dem Platze. Die italienische Armee verlor bei den Kämpfen über 4000 Mann an Toten und Verwundeten. — Vergeblich wartete die Bevölkerung Italiens auf Berichte über die angekündiglen Siegestaten. Der italienische Generalstab hüllte sich in Schweigen. Ähnlich war es auch bei den Kämpfen am Krn. Obwohl Hunderte von Leichen von Alpinis die Abhänge des Krn bedecken, verschweigt die italienische Heeresleitung alle Verluste, die sie eben mit keinen nennenswerten Erfolgen rechtfertigen könnte. Berichterstatter Roda-Roda meldet unterm 9. Juni aus dem Kriegspressequartier: Der erste große Jnfanterieangriff der Italiener ist niedergebrochen. Die Italiener hatten unsere Front mit einem schweren Artilleriefeuer aus allen Kalibern bedeckt. Dann setzte der Jnfanterieangriff aus breiter Front ein. Unsere Artillerie griff auf Front und Flanke des Angreifers ein. Die Italiener flüchteten in unserem Feuer zurück und ließen Haufen von Toten vor unseren Linien zurück. Eine italienische Batterie blieb, durch Volltreffer zerstört, verlassen stehen. — „Daily Chronicle" meldet aus Lugano: Der Umstand, daß große österreichische Truppenmassen vorzügliche Stellungen in zum Teil in Fels gehauenen Laufgräben innehaben, verzögert den italienischen Angriff gegen Tolmein. 10. Juni. An der Jsonzv-Front wurden neuerliche Übergangsversuche des Feindes bei Plava, Gradiška und Sagrado abgewiesen und endeten mit dem Rückzug des Gegners, der bei Gradiška über 100 Mann Gefangene in unseren Händen ließ. In der Gegend von Flitsch und am Karnischen Kamm östlich des Plöcken-Passes wird weitergekämpft. 11. Juni. Vorgestern und gestern wurden sämtliche Angriffe der Italiener an allen Fronten abgewiesen. Ein neuerlicher gegen einen Teil des Görzer Brückenkopfes gerichteter Vorstoß brach im Feuer dalmatinischer Landwehr zusammen. Ebenso erfolglos blieb ein Angriff des Feindes nördlich Ronchi. Der Artillerwkampf an der Jsonzv-Front hält an. Bei dem neuerlichen Angriffe nordwestlich von Görz blieben Hunderte von Toten vor unseren Deckungen liegen. Der Rückzug der Italiener erfolgte in großer Unordnung, so daß nach dem Kampfe 80 weggeworfene Gewehre und 15.000 Patronen eingesammelt werden konnten. Es konnte festgestellt werden, daß in der großen Unordnung die italienischen Truppen aufeinander feuerten. — Die „M. N. N." melden aus Zürich: Die militärischen Kreise Italiens messen den Kämpfen am Jsonzo große Bedeutung bei. So ist es auch erklärlich, daß der König, der Generalstabschef Cadorna und der General Porro an dieser Front weilen. Die italienischen und französischen Darstellungen begründen die italienischen Mißerfolge am Jsonzo mit der Unwegsamkeit des Geländes und den ungünstigen Witterungsverhältnissen (I). Es gelte jetzt, weitere italienische Truppenzusammenziehungen abzuwarten, woraus die Italiener zu ernsten Aktionen schreiten würden. Gegenwärtig hätten die Italiener Stellungen bezogen, die ihnen ein langes, sorgfältiges Beobachten des Feindes ermöglichen. — Der italienische Kriegsbericht erweckt den Eindruck, daß die Stärke der österreichischen Stellungen und ihres Widerstandes Cadorna selber ivenig Vertrauen für die nächsten Entwicklungskämpfe cinflößt. Ein Versuch des Feindes, den Jsonzo bei Plava zu überschreiten, mißlang. Zwei Pontons der Italiener sind dabei gesunken. Ein gleichartiger Versuch des Feindes bei G r a d i s k a konnte ebenfalls vollständig vereitelt werden. Unser Gegenangriff brachte uns dort einen Offizier und 110 Mann an Gefangenen ein. Unsere eigenen Verluste waren nicht bedeutend. 12. Juni. Die Einzelgefechte und Artilleriekämpfe am Jsonzo dauern fort. Bisher haben die Italiener auf dem östlichen Flußufer nur bei Monfalcone und Karfreit, an Punkten, die vor unserer Kampffront liegen, Fuß gefaßt. Gestern erstiegen gegnerische Abteilungen im Morgengrauen bei Plava die östlichen Uferhöhen, wurden aber wieder herabgeworfen. Aus dem Umstande, daß bei Monfalcone und Karfreit von den Italienern das östliche Jsonzoufer gewonnen wurde, folgt noch nicht, daß sich für sie daraus wesentliche Vorteile ergeben müssen. Auf kleine Lokalerfolge des Gegners müssen wir einmal geeicht sein, und wenn solche dann und wann einlreten, muß man sich an die Kämpfe in den Karpathen erinnern, wo die russischen Angriffe zuweilen sehr drohende Gestalt annahmen, und die Sache, obgleich sie sich viel verwickelter gestaltete, doch den besten Ausgang nahm. Die zwei italienischen Lvkalcrfolge werden übrigens durch die Schlappen der Italiener am Monte Paralba und Monte Piano von selbst wieder ausgeglichen. Wegen der harten Nuß, die die Italiener am Jsonzo zu knacken haben, können sie augenblicklich auch nicht daran denken, Truppen nach Frankreich zu "schicken. In Piemont war bereits Infanterie und Artillerie zum Abtransport nach Frankreich bereitgestellt, als sodann der Befehl kam. diese Truppen gegen Österreich zu werfen. Cadvrna und Joffre mußten in den letzten Tagen ihren bereits sestgestellten Feldzugsplan ändern, und zwar wegen der Schwierigkeiten, die Cadorna an der österreichischen Front vorfand. Das italienisch-französische Zusammenarbeiten wurde also durch die Tapferkeit unserer Truppen am Jsonzo und an der ganzen italienischen Front vorläufig zum Scheitern gebracht. Die Italiener wagten, es noch nicht, Verlustlisten zu veröffentlichen, da sie von einem Eingeständnis der schweren Verluste, die ihnen schon die einleitenden' Kämpfe gebracht haben, einen niederschmetternden Eindruck auf die Bevölkerung befürchten, die man mit der Vorspiegelung, der Krieg gegen Österreich werbe zu einem angenehmen Sommerspaziergang der italienischen Soldaten nach Wien werden, zur Duldung des schändlichen Verrates an dem bisherigen Bundesgenossen bestochen hatte. 13. Juni. Am Jsonzo fanden in den beiden letzten Tagen ernstere Gefechte statt, namentlich bei Plava. Der dort am 11, Juni von der Brigade Ravenna unternommene Versuch, den Jsonzo zu überschreiten und die östlichen Uferhöhen zu gewinnen, endete mit dem Rückzug des Feindes. Gestern früh überschritten Italiener erneuert den Fluß. Nach heftigen Kämpfen gelang es unseren Truppen, den sich fortwährend verstärkenden Feind zurückzuwerfen und die eigenen Stellungen, vor denen über 400 tote Italiener liegen, fest in der Hand zu behalten. Wir schließen' hier am 15. Juni vorläufig ab und verweisen bezüglich der weiteren Tage auf den Nachtrag. Zusammensaffend kann gesagt werden: Weder an der Jsonzofront (Küstenland), noch an den drei übrigen Abschnitten des österreichischitalienischen Grenzgebietes (südwestliches Tirol vom Stilsserjoch bis zum Gardasee, südöstliches Tirol vom Gardasee bis zum Kreuzbergpaß, kärntnerisch-italienischer Grenzabschnitt vom Kreuzbergsattel bis zum Wischberg bei Raibl) haben die Italiener das angestrebte Ziel erreicht, überall wurden sie unter nicht selten bedeutenden Verlusten abgewiesen. Es ist ihnen in der Zeit der Grenzkämpse nirgends geglückt, einen für die kommenden Operationen irgendwie in Betracht kommenden Vorteil zu erzielen. Sowie die Italiener in die Nähe unserer Stellungen kamen, wurden sie nicdergeknallt und aeriet ihr Vorgehen ins Stocken. Nunmehr ist auch der erste feindliche Angriff der Italiener am Jsonzo blutig gescheitert. Die eigentliche Entscheidung der Einleitungskämpfe wird erst in den kommenden Tagen reifen. „Eine Tatsache" aber schreibt die „Reichspost", „haben die bisherigen Kämpfe doch schon erwiesen: Das, was die Italiener bisher in Verwendung brachten, waren Alpini und Bersaglieri, also Truppen, die als Elite angesehen werden und die sich im Vergleich zur übrigen Infanterie in Italien einer ganz besonderen Wertschätzung erfreuen. Wenn nun diese Elitetruppen im Verlaufe der bisherigen Kämpfe gegen unsere Grenzschutzabteilungen in keiner Weise günstig abgeschnitten haben, so sind wir voll berechtigt, den nunmehr zu gewärtigenden weiteren Entscheidungen am südwestlichen Kriegsschauplatz in kühler Ruhe entgegenzublicken." Im Küstenlande ist die Zivilbevölkerung mit fester Zuversicht erfüllt und verfolgt die Kriegsbegebenheiten mit ruhig zuwartendem Interesse. Die kriegerische Überlegenheit unserer Truppen ist es, die der Bevölkerung diese vertrauensvolle Zuversicht einflößt. * Nachtrag: 14. Juni. In den Kämpfen bei Plava am 12. Juni ließ der Feind über 1000 Tote und sehr viele Verwundete vor unseren Stellungen liegen. Gestern spät abends wiesen hier unsere Truppen einen abermaligen Angriff gleich allen früheren ab. Die Italiener vermochten somit an der Js onz o-Fro nt nirgends durchzudringen. 15. Juni. Neuerliche Versuche der Italiener, an unsere Stellungen bei To Im ein undPIava heranzukommen, blieben wieder ohne Erfolg. Gestern herrschte an einzelnen Abschnitten der Jsonzo-frvnt Ruhe. Die durch einen italienischen Parlamentär überbrachte Bitte, wegen Beerdigung der Toten das Feuer einzustellen, wurde aus militärischen Gründen abgewicsen. 16. Juni. Die Italiener versuchten neue vereinzelte Vorstöße, wurden aber allenthalben abgewiesen. Sv am Jsonzo, bei Monfalcone, Sagrado und Plava. 17. Juni. Mehrere Angriffe bei P l a v a wurden unter schweren Verlusten für die Italiener abgeschlagen. „Az Est" meldet, daß der Kampf beim Jsonzo aus außerordentlich heftigen aber kleinen Gefechten bestehe. Die italienische Armee ist auf festungsarlig ausgebaute Schutzwerke gestoßen. Außerdem werden an der'österreichischen Grenze verschiedene neue, außerordentlich wirksame Kampfmittel der Verteidigung angewendet, die für die italienische Heeresleitung unangenehme Überraschungen brachten. Der Kommandant einer unserer gegen Italien operierenden Armeen äußerte sich einem Kriegsberichterstatter gegenüber: „Was ich von der gegenwärtigen Lage schon setzt sagen kann, ist, daß ich mit der Entwicklung der Verhältniffe außerordentlich zufrieden bin. Sie übertrifft alle meine Erwartungen. Wenn wir nicht schon_ jetzt angreifen, so liegt der Grund nicht daran, daß wir es nicht schon tun könnten, sondern bloß, daß der richtige Augenblick noch nicht gekommen ist . . . Ich sehe den kommenden Ereignissen mit der allergrößten Zuversicht entgegen und wünsche nur, daß die ganze Bevölkerung es ebenso tue." Heil und Dank unserer tapferen Jsonzo-Armee! Aus Stabt und Land. Hottschee. (K r i e g s t r a u u n g.) Am 10. Juni wurde in der hiesigen Stadtpfarrkirche der k. u. k. Oberleutnant i. d. Res. der Reitenden Art.-Dion. Nr. 10 Herr Otto Herrmann. Forstverwalter in Hohenberg (Niederösterreich), mit Fräulein Luise Loy, Tochter des Bürgermeisters und kais. Rates Herrn Alois Loy, getraut. Trauungszeugcn waren für den Bräutigam Herr Landesgerichtsrat und Rechtsanwalt Dr. Viktor Achazhizh, für die Braut deren Vater Herr kais. Rat und Bürgermeister A. Loy. Beim Einzuge in die Kirche ertönte eine weihevolle Weise der Örgel. Das Presbyterium erstrahlte im Glanze der elektrischen Lichter. Hochw. Herr Dechant und Sladipfarrer Ferd. Erker, der den Trauungsakl vollzog, richtete eine erhebende, zu Herzen gehende Ansprache an das Brautpaar. Beim Festmahle beglückwünschte Herr Landesgerichtsrat und Rechtsanwalt Dr. Achazhizh das Neuvermählte Paar in einer herzlichen, schwungvollen Ansprache. — Unseren herzlichsten Glückwunsch ! — Herr Oberleutnant Herrmann rückt nach kurzem Urlaube wieder zur Front in Galizien ein. -— (Graf Kuno Coudenhove f.) Am 7. Juni ist in Wien in Sanatorium Löw der k. u. k. Oberst i. R. bei Honved-husaren Kuno (Josef Maria) Graf Coudenhove, Ehrenritter des Souveränen Malteserritterordens, k. u. k. Kämmerer, im 58. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war mit Ernestine Gräsin Brenner-Enkevoirth vermählt und war ein Schwager des Fürsten Karl Auersperg. — (Kriegsauszeichnung.) Das Verordnungsblatt Nr. 80 für das !. u. k. Heer meldet, daß dem Hauptmann Herrn Alois Wolf des JR. 70 für tapferes Verhalten vor dem Feinde die kaiserliche belobenbe Anerkennung bekanntgegeben wurde. Herr Hauptmann Wolf ist, wie wir bereits milgeteilt, mittlerweile einer Krankheit erlegen, die er sich auf dem südlichen Kriegsschauplätze zugezogen hatte. Er hatte schon früher das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration erhalten. — (D i e B r o n z e n e T a p s e r k e i t s m e daille) wurde dem Gefreiten Josef Schober, LstJR 4, und dem Infanteristen Mich. Kramer, LstJR 4, verliehen. — (33 o in k. k. Staatsgymnasium in Gottschee.) Die Schüleraufnahme in die 1. Gy mn asi a lk l asse und in die Vorbereitungsklasse findet am 24. und 25. Juni d. I. in der Direktionskanzlei statt. Die Aufnahmsprüfungen für die 1. Gymnasialklasse werden am 26. Juni d. I. von 9 Uhr vormittags an abgehalten. Die SchüleraufnahmedesHerbst-termiues in alle Gymnasialklassen und in die Vorbereitungsklasse ist am 15., 16. und 17. September d. I. Die Aufnahmsprüfungen für die 1. Gymnasialklasse sind im Herbsttermin am 18. September. — (Der Landesausschuß) hat an die Gemeindeämter aller Gemeinden in Krain ein Rundschreiben mit Vorschlägen, betreffend die Haltung der Bevölkerung in der gegenwärtigen Kriegszeit, versendet. — (Heldentod.) Herr Paul Ritter R i z z e t t i von Monte Trbuk, k. u. k. Oberstleutnant des 3. Bataillons im 46. Infanterieregimente, Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse, Besitzer des Militärverdienstkrenzes, beide Auszeichnungen mit der Kriegsdekoration, hat bei einem Gefechte gegen Italien den Heldentod auf dem Felde der Ehre gefunden. Die Leiche wurde am 6. Juni auf dem Laibacher Friedhöfe zum Heil. Kreuz in dem in unmittelbarer Nähe des Kruzifixes neu angelegten Ehrengrabe für vor dem Feinde gefallene Offiziere als erster Leichnam beigesetzt. Zum letzten Abschiede von dem hingegangenen heldenmütigen Vaterlandsverteidiger waren auf dem Hauptbahnhofe in Laibach neben starken Abordnungen sämtlicher dortiger Militärstellen u. a. die Herren Exzellenz Landespräsident Baron Schwarz, Hofrat Graf Cho-rinsky, Bürgermeister Dr. Tavcar und Präsident des Landesund Frauenhilfsvereines vom Roten Kreuze für Krain, Bezirkshauptmann D e l C o t erschienen. — Der Gefallene war ein Schwager des Herrn Josef Sch au 1a, Forstmeisters in Hammerstiel. — (In das Kriegs Ministerium) wurde zur Dienstleistung einberufen der k. u. k. Regimentsarzt Herr Dr. Wolfgang W o l f e g g e r. Vor kurzem machte derselbe eine Dienstreise nach Berlin. — (Przemysl wiedererobert.) Die Nachricht von der Wiedereroberung der Festung Przemysl traf hier am 3. Juni um 6 Uhr abends ein und wurde von der freudigst erregten Bevölkerung mit großem Jubel aufgenommen. Sofort ertönte das Siegesgeläute sämtlicher Glocken unserer Stadlvfarrkirche und im Nu war die ganze Stadt reich beflaggt. Um 7 Uhr abends wurde in der Stadlpfarrkirche ein festlicher Gottesdienst mit Tedenm abgehalten, an dem die ganze Bevölkerung teilnahm. Am Schluffe wurde in froher Begeisterung die österreichische Volkshymne gesungen. — Der Fall von Przemysl ist sozusagen der erste Posaunenstoß im russischen Enddrama. Die seither fortgesetzten schweren Niederlagen der Russen machen den Eindruck, daß die militärische Kraft Rußlands nahe daran ist, unter den wuchtigen Schlägen der beiden -verbündeten Armeen zusammenzndrechen. Die russische Armee weist heute einen Zustand aus, der für jedes westeuropäische Heer längst den gänzlichen Niederbruch bedeuten müßte. Für die Russen ist der Zeitpunkt wohl nur deshalb noch nicht gekommen, weil die Unempfindlichkeit der russischen Truppen eben eine beispiellos große ist. In den Maischlachten wurden von den verbündeten Armeen in Galizien allein nicht weniger als 268.869 Russen gefangen genommen, bis 16. Juni erhöhte sich diese Ziffer auf sämtlichen russischen Kriegsschauplätzen aus 450.000 Mann. Samt den Gefangenen und Verwundeten verloren die Russen binnen beiläufig fünf Wochen weit über eine halbe Million. — Was die russische Heeresleitung am meisten beunruhigt, sind Hindenburgs unbekannte Pläne. Groß ist die Angst vor einem Vordringen Hindenburgs in das „Herz Rußlands". — (Gewitter.) Am 14. Juni ging abends über Gottschee ein heftiges Gewitter nieder. Es schlug mindestens siebenmal in die Drähte der Leitung des Elektrizitätswerkes ein, ohne jedoch einen nennenswerten Schaden zu verursachen. Der Blitz fuhr zumeist durch die Schutzvorrichtung in der Zentrale des Werkes in die Erde. Mehrere Sicherungen in der Stadt schmolzen und mußten erneuert werden. — Auch in die starke Linde an der Laibacherstraße in der Nähe des Brauhauses schlug der Blitz ein und riß Stücke der Rinde vom Stamm. — (Flüchtlinge aus dem Süden.) In Gottschee befinden sich gegenwärtig mehr als 200 Personen, die sich wegen des Krieges aus Triest, Pola, Cervignano, Monfalcone usw. hieher geflüchtet haben. Sämtliche in der Stadt freistehenden Wohnungen sind besetzt. Den italienischen Familien wird von der Bevölkerung alles Entgegenkommen erwiesen und die Flüchtlinge sprechen sich über Lage und Klima von Gottschee, über die gute Luft sowie über die schönen Spaziergänge in den schattigen Wäldern sehr lobend aus. Manche dieser Familien dürfte» Gottschee auch in Hinkuust als Sommerfrische auffuchen, zumal sich jetzt die Bewohner von Gottschee mehr als früher dazu verstehen, Zimmer zu vermieten. — (Spenden.) Für das Rekonvaleszenteuheim spendeten: Frau Magdalena Sdrawitsch geb. Braune aus Budapest 20 K und Frau Fr. T s ch e r n e geb. Braune aus Budapest 50 K. Bei der Kriegsprozesston in Schalkendors wurden gesammelt 8 K. Bergelt's Gott! — (Kriegsfürsorgespende.) Der Lehrkörper des hiesigen Staatsgymnasiums übermittelte dein Kriegshilssbureau in Wien weitere K 20 55 als Kriegsspende. Im ganzen wurden bereits K 312 97 eingesendet. — (Reifeprüfungen am Staatsgymnafium in Gottschee.) Diese wurden an verschiedenen Terminen unter der Leitung des Anstaltsdirektors Herrn Dr. Franz Riedl abgehalten. Den Schülern Josef Kraul and d. I., Johann Kump und Johann Rom wurde das Zeugnis der Reise mit Auszeichnung, den übrigen Schülern Gottfried Dürfe ld, Karl Högler, Josef Krauland d.Ä., Johann Petfche, Richard Rom, Lothar Schadinger, Ferdinand Siegmund, Adalbert Tautseher und Otto Tlchinkel wurde das Zeugnis der Reife mit Stimmeneinhelligkeit zuerkannt. — (Postkarte aus russischer Gefangenschaft.) Tischlermeister Herr Adolf Fornbach er, der beim Falle von Przemysl in russische Gefangenschaft geraten war, schrieb unterm 25. (russisch 12.) April aus Samarkand an seine Frau in Gottschee eine Postkarle folgenden Inhaltes: Am 20. d. M. (April) schrieb ich Dir eine Karle mit der Mitteilung, daß ich hier unverwundet als Gefangener bin. Ich hoffe, daß Du diese Karte erhalten hast. Wir sind am 26. März von Przemysl abgegangen. Nach dreitägigem Marsch kamen wir über Jaroslau nach Przeworski, wo wir um 11 Uhr nachts einwaggoniert wurden, zu 50 Mann per Waggon. Dann ging es per Bahn Über (die nächsten Ortsnamen sind von der Zensur schwarz überstrichen, zum Teil jedoch zu entziffern, nämlich Brest-Lilowsk, Minsk, Smolensk, Moskau, .... Orenbnrg [?]) Taschkent), Samarkand, wo wir am 15. April ankamen. Über 6000 Kilometer Bahnfahrt in 18 Tagen! Vom Bahnhofe in Samarkand marschierten wir noch ungefähr drei Kilometer ins Kosakenlager, wo wir in dessen Kaserne untergebracht sind, gegen 10.000 Kriegsgefangene. Die russischen Soldaten sind freundlich und gut. Die Gegend ziemlich eben, jedoch alles grün; die Bäume (meistens Akazien) stehen in Blüte. Weiter weg sieht man Berge, die noch mit Schnee bedeckt sind. (Hierauf kommen wieder ein paar von der Zensur schwarz überstrichene Wörter, die besagen, daß das Wasser schlecht ist.) Die Hitze ist groß. Weißbrot kaufen wir uns bei den Leuten (Kirgisen), solange die paar Groschen noch reichen. Das Gute ist, das wir uns in den Anlagen frei bewegen dürfen. Sonst bin ich gesund. Etwas Kopfweh macht mir die Hitze. Mit der Wäsche schaul's bei mir auch schon schlecht aus. Vielleicht dauert's nicht allzulange! Herzliche Grüße! — (Von der italienischen Front) schreibt ein Feldwebel (Landsmann) an seine Frau in Gottschee: Viel habe ich hier durchgemacht. Erlebnisse, an die ich mich Zeit meines Lebens erinnern werde. Die Italiener werden unter schrecklichen Verlusten hintereinander zurückgewiesen. Unsere verhältnismäßig geringen Verluste stehen zu denen der Italiener in gar keinem Verhältnisse. Bei den Italienern folgt die Strafe auf dem Fuße, sie wird für Italien furchtbar werden! Ich glaube, das Ringen mit diesen Verrätern wird früher aus sein, als man glaubt. — Fest steht und treu die Wacht am Jsonzo und an der Adria! — (Impfung gegen die Blattern.) Unter all den vielen Nachteilen des gewaltigen Kampfes, den die Monarchie zu führen gezwungen wurde, spielt die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten keine geringe Rolle. Wenn auch von Militär- und Zivilbehörden alles, und bisher mit großem Erfolge geschieht, um ein stärkeres Umsichgreifen von Krankheiten zu verhindern, so muß doch die Bevölkerung die Bestrebungen der Behörden lebhaft unterstützen, soll der Erfolg ein voller und dauernder sein. Besonders zur Bekämpfung der Blattern ist diese Mithilfe unentbehrlich. Die Impfung gewährt gegen diese Krankheit einen fast vollkommenen Schutz. Da dieser Schutz aber nur durch sechs Jahre nach erfolgter Impfung anhält, ist es notwendig, sich alle sechs Jahre diesem leichten Eingriff zu unterziehen. Unwiderlegbar wurde der Nutzen der Impfung durch die Erfahrungen des deutsch-französischen Krieges im Jahre 1870/71 bewiesen. Damals starben in der deutschen Armee unter 1,500.000 Soldaten, die alle geimpft und zum größten Teile auch wiedergeimpft waren, nur 261 Mann an Blattern, während von den nicht geimpften französischen Soldaten 23.469 von dieser Krankheit hingerafft wurden. Daß unter den geimpften Deutschen überhaupt Todesfälle vorkamen, daran ist wohl der Umstand schuld, daß bei Erwachsenen die Impfung nicht immer greift. Wie sicher die Impfung wirkt, geht auch daraus hervor, daß seit dem ^ahre 1872, in welchem Jahre die Impfung in der französischen Armee eingeführt wurde, nur ein Soldat durchschnittlich jährlich dieser Krankheit erliegt. — Es muß also dringend empfohlen werden, daß sich bei der Vornahme der Impfung jedermann impfen lasse, der nicht erst vor kurzem geimpft oder wiedergeimpft worden ist. ^n den Slerbemalriken der Stadlpsarre Gottschee waren in früherer Zeit, wo die Impfung noch unbekannt war (vor etwa 120 Zähren), in Blatternjahren ganze Seiten angefüüt mit Todesfällen an Blattern. Seit der Einführung der Impfung bilden die Todesfälle an Blattern nur ganz vereinzelte,, seltene Ausnahmen in den Sterberegistern ein sprechender Beweis der großen Wohltat der Impfung. — (Aus g e z e i ch n e t e Ern t e a n s s i ch ten.) Die ausgiebigen Niederschläge der letzten Tage in fast allen Gebieten des Reiches haben eine wesentliche Besserung des Erniestandes bewirkt, weshalb die Erwartung berechtigt erscheint, daß die Ernte 1915 eine gute Vollernte sein wird. In Ungarn werden die Fechlungsarbeiten schon in zwei bis drei Wochen beginnen mich da es an Arbeits-Personal wohl nirgends fehlen wird, voraussichtlich einen glatten Verlauf nehmen. Auch aus den Kronländern Zisleithaniens liegen durchaus befriedigende Erntestandsberichte vor. l§me erfreuliche Überraschung bedeutet die Tatsache, daß der größte ^e,l Galiziens, auch die bis zu unseren letzten glänzenden Siegen von den Rüsten besetzten Gebiete Mittel- und Ostgaliziens, für die heurige Ernte sehr in Betracht kommen. Die dortige landwirtschaftliche Bevölkerung hat auch während der russischen Okkupation fleißig gearbeitet und die Ernte gewissenhaft vorbereitet. Nach der Schätzung von Fachleuten darf erwartet werden, daß Galizien im Jahre 1915 etwa 50 Prozent der durchschnittlichen Jahresernte abzuliefern in der Lage sein wird, was eine sehr wertvolle Erleichterung für die Reichs-approvisiouierung bedeutet. — (Italiens Ländergier und seine „Ansprüche" auf krninische Gebietsteile.) Die Sturmflut des Weltkrieges hat Italiens Ehre mit fortgeschwemmt und seine Ländergier ins Ungeheuerliche entfesselt. Das alt- und liebgewonnene „Trieste e Trento“ genügte nicht mehr, es wurde von dem soviel mehr versprechenden „Dallo Brenner alla Narenta“ („Vom Brenner bis zur Narenta") abgelöst, was zum frenetisch bejubelten Schlachtruf wurde. Die „Brenner-Narenta"-Parole bildete auch in zahllosen opuscoli (Flugschriften und Broschüren), von denen Italien in den letzten Monaten überschwemmt worden war, vielfach als Leitmotiv für den Sang vom „größeren Italien". Mit nicht mehr zu überbietender Rabulistik, mit einer verblüffenden Technik in der Beugung und Umstülpung historischer und sonstiger Tatsachen, schreibt Konteradmiral d. R. Sta. Schanz er in der „Reichspost", wird da Haarscharf „bewiesen", daß sich eben nur nach dieser Parole und nicht anders die Neueingrenzung Italiens vollziehen müsse und werde. In der „Trieste e'l’Italia“ betitelten Broschüre von Giulio Caprin wird sogar auf krainisch e Landesteile Anspruch erhoben. Die Italiener sollten sich hienach sogar auf dem Triglav-Massiv, auf dem Nanos bei Adelsberg, auf dem krainischen Schneeberg (also in der Nachbarschaft Gottschees) und in Bittoraj in Kroatien (oder ist das Butoraj bei Tschernembl gemeint?) festnisten. Das sind die Träume glühender Jrredentisten. Unser tapferes Heer wird dafür sorgen, daß diese Träume Schäume bleiben werden und daß Italien für seinen schmählichen Treubruch die verdiente Züchtigung bekommen wird. — (Die Nachmusterung) jener in den Jahren 1878 bis 1890, 1892 bis 1894, 1897 und 1865 bis 1872 geborenen Landsturmpflichtigen, die bei der in Krain Ende Mai und Anfang Jum 1915 durchgeführten Musterung aus welchem Grund immer nicht erschienen waren, fand am 16. und 17. Juni in Laibach für die politischen Bezirke Laibach Stadt, Laibach Umgebung, Littai, Gottschee und Stein statt; am 20. Juni findet sie in Rudolfswert für die politischen Bezirke Rudolfswert, Gurkfeld und Tschernembl statt. Mit den in den Jahren 1865 bis 1872 Geborenen hatten, bezw. haben auch die später Geborenen, die nach den früheren gesetzlichen Bestimmungen vor dem 42. Lebensjahre aus der Landsturmpflicht getreten, nunmehr aber zufolge der Landsturmnovelle wieder in die Landsturmpflicht getreten sind, bei der Nachmusterung zu erscheinen, wenn sie bei der eben durchgeführten Musterung ausgeblieben sind. Alle bei dieser Nachmusterung geeignet Befundenen haben sofort einzurücken. — (Papst Benedikt XV. und der Krieg.) Bon kirchenfeindlicher Seite wird die Nachricht verbreitet, Papst Benedikt XV. habe 100.000 Lire für das italienische Rote Kreuz gespendet. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß den Privalmeldungen, die über die Haltung des Papstes auf dem Umwege über die Schweiz zu uns kommen, das größte Mißtrauen entgegengebracht werden muß. Wie sich jetzt herausstellt, ist die obige Nachricht nichts anderes als eine böswillige Erfindung, die leider auch von guten Katholiken ernst genommen wird. Der päpstliche Friedensfreund hat es doch oft genug bewiesen, daß er es nicht mit den Kriegshetzern hält; das wäre ja auch die törichteste Selbstmordpolitik, denn besonders schlimm wird der Vatikan von dem unseligen Kriege berührt. Wahr ist nur, daß der Papst eine Summe für Feldaltäre, also für einen rein religiösen Zweck, widmete, wodurch er sich keines Neutraliläts-bruches schuldig machte. Übrigens sei daran erinnert, daß der Heilige Vater seinerzeit auch größere Summen zur Unterstützung der Bewohner in den verwüsteten Gebieten Galiziens gespendet hat. — (Das russische Militärorgan über die bevorstehende Niederlage Italiens.) Das russische Militärblatt „Rußki Invalid" urteilt, daß Italien einer katastrophalen Niederlage entgegengehe. Die Zentralmächte hätten es stets verstanden, die schwächste Seite des Gegners herauszufinden. Das sei durch zahllose Beispiele erwiesen. Dieselbe Taktik, wie gegen uns, bekundet der Feind jetzt auch Italien gegenüber. Die österreichisch-ungarischen Kräfte lassen sich mit den Italienern dermalen in gar keinen Kampf ein, sondern ziehen sich aus für sie günstige Gebiete zurück. Dadurch sind die Italiener zum Vorrücken gezwungen; ihrer harrt aber im geeigneten Augenblick der feindliche Angriff, der der italienischen Armee eine völlige Niederlage bereiten würde. Wo diese Zusammenstöße statlfinden, läßt sich schwer Vorhersagen, sicher ist jedoch, daß diese Zusammenstöße die vorerwähnten Folgen zeitigen werden. Die Berichte des italienischen Generalstabes, daß die Italiener bereits einige Grenzpunkte besetzt halten, sind nicht ernst zu nehmen. Die Zentralmächte verstanden es, die Aktion Italiens schon bisher klug hinauszuziehen, um dadurch den für sie günstigen Zeitpunkt zu gewinnen. — (Berichtigung zu Verlustlisten.) Verlustliste 116: Kosmerlj statt Kosmerl Johann, Inst., Gottschee (Bezirk?), IR 17, kriegsgefangen in Morfchansk, Rußland; Nagu Josef, Jnft., IR 17, Gotlschee (Bezirk?), kriegsgefangen in Tjumen, Rußland; Rus Alois, Jnft., IR 17, Gottschee (Land?), kriegsgesangen in Mor-fchansk, Rußland. ■— (Ist ein Einbruch der Italiener über Fiume nach Krain wahrscheinlich?) Der Krieg mit Italien hat das Bild von Fiume kaum verändert. Die Militär- und Zivilverwaltung hält es für ausgeschlossen, daß ein fremdes Schiff in den Quaruero eindringen könnte. Das Tor nach Fiume ist durch den Quaruero ähnlich so verrammelt, wie das Tor nach Konstantinopel durch die Dardanellen. Ein Eindringen des Feindes über Fiume nach Krm'p ist also wohl ausgeschlossen. — (Vie h preise aus dem Jahrmarkte a m 15. I u n i.) Am 15. Juni wurden auf dem Markte in Gottschee Ochsen um den Preis von K 2'10 bis K 2'24 (beste Qualität) per Kilogramm Lebendgewicht verknust. ■— (Vom serbischen Kriegsschauplätze.) Das in Österreich überall verbreitete Gerücht, es sei ein Sonderfrieden mit Serbien geschlossen worden, bewahrheitet sich nicht. König Peter und Kronprinz Alexander sind an die Front abgereist— ein Zeichen der Wiederaufnahme der kriegerischen Tätigkeit in Serbien. — (Stand der Feldfrüchte.) Schon lange nicht hat es ein Jahr gegeben, in welchem um diese Zeit Wiesen, Äcker und Gärten so frohe Hoffnung auf eine reiche Ernte geboten hätten, wie dies heuer der'Fall ist. Ein Doppelfegen ist es gewissermaßen, den uns der liebe Gott beschert, nämlich der unserer siegreichen Waffen in Nord und Süd und der des üppigen Wachstums auf Feld und Flur. An Arbeitskräften freilich mangelt es. Meist nur Weiber, Greise und Kinder zur Heumahd und zur Ernte! Russische Gefangene kommen hieher nicht. Vielleicht wird es manche Gemeinde mit den Feldarbeitern aus dem Küstenlande versuchen, auf welche der Landesausschuß verweist. — (Jagdverpachtung.) Am 8. Juli 1915 werden die Jagdbarkeiten der Ortsgemeinden Ebental, Hinterberg, Mitterdorf, R i e g und S ch w a r z e n b a ch um 9 Uhr vormittags bei der Bezirkshaiiplmannschasl in Gottschee für die Lauer von 5 Jahren, b. i. vom 1. August 1915 bis 31. Juli 1920, im Wege der öffentlichen Versteigerung verpachtet. Der zweijährige Pachtbetrag ist sofort zu erlegen. — (Raiffeisenkasse in Gotlschee.) Es wird hiemit daran erinnert, daß Anfang Juli die halbjährigen Darlehenszinsen zu entrichten sind. — (Todessall.) Am 13. Juni starb hier infolge eines Unfalles (Sturz über die Stiege) der Hausbesitzer Herr Josef Hiris unerwartet in seinem 64. Lebensjahre. Der Verstorbene hatte in früheren Jahren in Gotlschee ein Hutmachergeschäst betrieben und halte sich sodann mehrere Jahre in Amerika ausgehalten. Er ruhe in Frieden. — (EiueMahnungandieZivilbevölkerung.) Die Kärntner Blätter bringen folgende Notiz: Falls es dem Feinde wider alles Erwarten gelingen sollte, da oder dort eines unserer Dörfer zu besetzen, mögen sich die Landbewohner ja nicht einfallen lassen, mit Sensen, Gabeln, alten Gewehren und dergleichen wie anno Neun, gegen den Feind zu kämpfen; denn mit solchen Instrumenten ist gegen die neuzeitlichen Kriegswaffen unmöglich aufzu-kommeu. Überhaupt soll niemand, der nicht einem militärischen Verbände angehört und militärisch ausgerüstet ist, sich am Kampfe beteiligen, weil er keinen Beruf dazu hat und sich, seine Familie und allenfalls auch den Heimatsort den größten Gefahren aussetzen würde. Es könnten Zustände eintreten wie in Belgien, daß nicht nur einzelne Häuser, sondern ganze Dörfer, die sich unberufener-weise in den Krieg einmischen, nach dem strengsten Kriegsrecht behandelt werden. Überlaßt das Kämpfen nuferen tapferen, erprobten Truppen! — (Militärisches.) Herr Bezirksschuliufpektor Matthias P r i in o f ch, der im Felde steht, wurde in Anerkennung vorzüglicher Verwendbarkeit und Dienstleistung zum Feldwebel befördert. Herr Professor Dr. Joses Ecker, JR. 17, wurde zum Zugsführer befördert, Herr Reinhold Golf avancierte zum wirtlichen Zugsführer, Herr Prof. Dr. Ettl zum Korporal. — (Maiausflug des Gymnasiums.) Am 7. d. M. wurde der diesjährige Majalis des Gymnasiums abgehalten. Von den mehr als 50 Pfadfinder-Schülern der Anstalt begaben sich etwa 35 unter der Führung des Herrn Professors Berner nach Nesseltal, wo im Freien abgekochl wurde. Die Pfadfinder erhalten bekanntlich Unterweisung im Sinne des Psadfinderfystems (Pionierarbeiten, Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Kochen im Freien, Spureiüesen, Signalisieren, Kartenlesen usw.). Es gab ein frohes Treiben und die Übungen wurden mit allem Eifer betrieben. — Eine kleinere Truppe Schüler wählte unter Führung des Herrn Professors Naser den Friedrichstein als Ausflugsziel. — (Liebesgaben für unsere Südarmee.) Für unsere Soldaten, die gegen Italien im Felde stehen, ist besonders die Zuwendung folgender Spenden erwünscht: Nauchrequisüen, echte Frucht« fäfte, Marmeladen und Mineralwässer, leichte Sommerwäfche. — (Der Schul] chluß an den Mittelschulen) findet heuer statt am 6. Juli bereits Samstag den 26. Juni statt. Es wird also am 26. Juni am hiesigen Gymnasium der Schlußgottesdienst abgehalten und die Zeugnisverteilung vorgenommen. — (Die Zuversicht des Mar in ek o in nt au t> anten.) Abgeordneter Schlegel, Marinereferent der österreichischen Delegation, erhielt auf feinen Glückwunsch zu den ersten Erfolgen der österreichischen Flotte vom Marinekommandanten Admiral Haus folgendes Telegramm: „Herzlichsten Dank für den lieben Glückwunsch. Der Anfang war gut, das Ende wird noch besser sein. Admiral Hans." — (Mäher und Schnitterinnen für Landwirte.) Der frainifche Laudesausfchuß hat durch Vermittlung des Görzer Landesausschusses erwirkt, daß Görzer Mäher und Schnitterinnen für die Heumahd und Getreideernte den Landwirten in Krain zur Verfügung gestellt werden, und zwar unter folgenden Bedingungen: Die Mäher bekommen nebst Unterkunft einen Taglohn von 4 K, falls sie sich verpflegen. Bei Verabreichung der Kost durch den Arbeitgeber beträgt der Taglohn K 2 50. Schnitterinnen, die auch für andere entsprechende Feldarbeiten Verwendung finden können, erhalten bei eigener Veipflegnng K 2'50, bei Verpflegung durch den Arbeitgeber K 1 50. Überdies haben die Arbeitgeber in jedem Falle die Kosten der Reise in den Arbeitsort sowie die Kosten der Rückreise rücksichllich der übernommenen Arbeitskräfte zu tragen. Falls eine entsprechende Anzahl von Arbeitskräften seitens der hämischen Landwirte beansprucht werden wird, so wird der Landesausschuß einen Separatzug für die Arbeiter veranstalten, damit sich die Reisekosten vermindern weiden. Jene Landwirte Krams, die aus Mäher, bezw. Schnitterinnen ■FT unter den angeführten Bedingungen reflektieren, wollen dem Landes-ausschusse ehebaldigst bekannt geben, wieviele Mäher, bezw. Schnitterinnen sie zu übernehmen sich verpflichten. — (Der Papst im Völker kriege.) Die Berliner „Germania" schreibt: Es geschehen seit Monaten Zeichen und Wunder. Und eines der größten ist ein Artikel im Plutus (Plutus-Verlag, Berlin), dem Organ der Berliner Hochfinanz (nicht etwa einem katholischen Blatte) über die Rolle des Papsttums in dem entsetzlichen Völkerringen, dessen Zeugen wir sind. Nach einer Einleitung über die frühere politische Macht des Papsttums fährt der Verfasser, der unter dem Namen Myson schreibt, fort: „Und trotzdem nimmt dieser Priester (der Papst) nach wenigen Monaten seines Regiments, dessen Antritt in die Zeit des furchtbarsten Krieges fiel, den jemals die Menschheit gesehen hat, eine so hervorragende politische Stellung ein, wie seit Jahrhunderten keiner seiner Vorgänger, auch Leo XIII. nicht; denn was will die Anerkennung besagen, die Bismarck ihm dadurch zuteil werden ließ, daß er ihm die Entscheidung zwischen Deutschland und Spanien in dem Streit um die Karolinen übertrug. Was will aber eine solche Entscheidung neben der heißen, an der Benedikt XV. ganz zweifellos mitzuarbeiten berufen sein wird. Hätte die Vorsehung gewollt, daß Pius X. länger noch als Statthalter Christi auf Erden das Haupt der katholischen Kirche gewesen wäre, so würde dieser tief fromme Mann wohl für den Frieden gebetet haben; aber der nicht minder fromme Benedikt XV. hat es nicht beim Gebet allein beruhen lassen, er handelt auch für den Frieden, zunächst für die Erleichterung des Kampfes. Er handelt, und gerade das verschafft ihm auch eine politische, gewaltige Macht, freilich nicht als Politiker, sondern nur als Priester. Doch die Stimme dieses Priesters, die bittflehend ertönt, hat den dröhnenden Donner der Kanonen überschallt, und die Welt, nicht nur die katholische, nicht nur die christliche, hört verwunderten und gerührten Ohres auf sie und folgt ihr williger als den Noten und Reden der leitenden Staatsmänner der großen Mächte. Der P a p st, der nicht politisch gehandelt hat, ist plötzlich eine politische Potenz ersten Ranges geworden! Es geschehen noch Zeichen und Wunder in unserer skeptischen Zeit, oder vielmehr in einer Zeit, die noch vor kurzem glaubte, jedes metaphysischen Denkens für immer enthoben zu sein. Ein anderer Mann hätte sich ähnlich in unseren Tagen zur Geltung bringen können wie Benedickt XV., auch auf ihn hätte die Welt dankbaren Blicks gesehen, wie sie es heute nach dem Vatikan hin tut. Dieser andere aber hat es vorgezogen, jeder höheren Idee als Grundsatz des Handelns zu entsagen und das Handeln von den gewöhnlichsten materialistischen Instinkten leiten zu lassen. Es ist dies natürlich Präsident Wilson, von dem ich rede ... Es ist schmerzlich zu sagen, aber man muß es sagen, der Präsident der größten und freiesten Republik der Erde hat in dieser Schicksalsstunde vollständig versagt, wo er der Welt zeigen konnte, ob er seine Stellung während des Krieges in der Weise nützen wollte, die die würdigste und schönste für ihn war, oder ob er lieber als smarter Geschäftsmann zu handeln gedachte. Er und seine Minister haben sich leichten Herzens für das letztere entschieden und sind dadurch in den Augen der Menschen ebenso gesunken, wie in ihnen Papst Benedikt XV. gestiegen ist 1 Der Papst hat nicht nur für den Frieden Gebete angeordnet, er arbeitet auch unablässig für ihn und für die Versöhnung der Geister. Als vor dem Christtag seine herzliche Bitte erfolgte, daß man das Weihnachts-sest, an dem den Menschen die frohe Botschaft einst ward: „Friede auf Erden", nicht durch blutige Taten entweihen möchte, zog ein weiches Kindergefühl in die Herzen der Kämpfenden ein, sie meinten, fernen Glockenklang zu hören; der schlichte, doch so erhabene Text des Matthäusevangeliums von der Geburt des Gottessohnes hallte plötzlich in ihrer Seele wieder. Die Bitte blieb erfolglos, denn 6er Oberbeherrscher der orthodoxen Kirche widersetzte sich ihrer Erfüllung. Die Bitte war erfolglos, aber sie verschaffte Benedikt die Sympathien aller, selbst auch jener Kreise, die sonst der katholischen Kirche nicht nur fremd, sondern, nach ihrer Weltanschauung, feindlich gegenüberstehen. Ein zweiter Schritt des Papstes zeitigt bekanntlich jetzt schon gute Früchte, die Auswechslung der schwerkranken und invaliden Kriegsgefangenen. Den Dank von Millionen hat der Priester im weißen Gewände sich dadurch erworben. Seine Bitte hat in einer Zeit, in der man sonst tagtäglich zehnmal das Völkerrecht mit Füßen tritt, eine praktische Erweiterung seiner Bestimmungen durchgesetzt. Was Staatsmänner nicht vermochten, das konnte die Stimme eines von Mitleid erfüllten Mannes erreichen. Noch viel wirkungsvoller ist aber das Handeln Benedikts in anderer Beziehung: Frieden kann er der Welt nicht geben, aber er kann sie unablässig aus den Frieden Hinweisen, er kann versuchen, den furchtbaren Haß der Nationen untereinander abzumildern. Er unternimmt diesen Versuch in jeder Weise. Typisch ist sein Verhalten Belgien gegenüber: er versichert den Belgiern seinen tiefen Schmerz über ihr Leid, aber er schreibt den belgischen Katholiken in ernsten Worten vor, in jeder Weise der neuen Obrigkeit untertan zu sein. Er will, und darin liegt ein Teil seiner Stärke, über den Parteien stehen, das Oberhaupt einer Weltkirche darf nicht Partei sein. Wenn einmal die Zeit kommt, in der es heißt, den Frieden unter den Völkern Europas abzuschließen, dann wird zweifellos Benedikt XV. auch in ihr eine segensreiche Wirksamkeit entfalten können, eine ausgleichende und versöhnende. Dieser nichtpolitische Papst, der nur als Hoher-priester seiner Kirche sich hat betätigen wollen, ist zur politischen Macht in dem Krieg geworden, und zwar dadurch, daß er eine große idealistische Weltanschauung mitten im Waffenlärm vertritt I" — (Was sollen wir heute kochen?) Diese Frage ist jetzt mitunter nicht gar so einfach. In den Zeitungen erscheinen zwar Kriegskochrezepte in Menge, auch eine Reihe von kleinen Kriegskochbroschüren ist bereits erschienen. Aber eben diese Kochrezepte! Da heißt es: „Nimm fünf Eier, nimm so und so viel Butler". Aber woher nehmen? Auf eine so feine Kocherei, wie sie diese sogenannten Kriegskochrezepte darstellen, durfte sich so mancher mit Glücksgütern weniger Gesegnete selbst in der goldenen Friedenszeit nicht einlassen. Manche Kochrezepte erwecken also nur ein wehmütiges Lächeln. Die hohen Preise der Lebensmittel sorgen dafür, daß der Verbrauch auf das Allernötigste eingeschränkt wird. Ein Glück ist es, daß man im Süden mit dem Maissterz, der jetzt eine so große Rolle spielt, schon früher gut vertraut war, weiter im Norden muß man sich an die Maisgerichte erst gewöhnen. Witterdorf. (Kriegsflüchtlinge.) In den letzten Wochen sind hier aus Pola, Triest Und Görz 37 Personen angekommen und haben in Mitterdorf, Windischdorf und Koflern Wohnung ausgenommen. Unser Bestreben soll es sein, diesen Flüchtlingen gegenüber in tunlichster Weise entgegenkommend und hilfsbereit uns zu erweisen. — (Zur Przemysler Besatzung) gehörten auch Händler Josef aus Koflern; die Brüder Josef und Johann Verderber aus Kerndorf und Karl Kaucky. Lange Zeit erfuhr man nichts über ihr Schicksal. Zur großen Freude ihrer Familien langte in voriger Woche von allen aus Sibirien Nachricht ein. — (Abgehärtete Leute) denen Hitze und Kälte wenig anhaben kann, sind unsere Zigeuner. Hiefür ein Beispiel aus den letzten Tagen. Am 8. Juni nachmittags kam Michael Hudorovitsch, der Zigeunerbub, zur Welt. Gleich nächsten Morgen ging die eigene Mutter mit ihm auf die Suche nach Paten. Als diese gefunden waren, hielten Mutter und Kind längere Zeit im Freien Rast bei heftigem Regen. Dann erst ging's zur Taufe. Pflege und Ruhe scheint ihnen in solchen Fällen überflüssig zu sein. Klindorf. (Gestorben) ist laut Privatnachricht in der russischen Gefangenschaft infolge Tuberkulose der in Klindors Nr. 18 am 6. März 1892 geborene Johann Wittreich. Er war ein sehr braver, hoffnungsvoller, von allen Dorfinsassen geschätzter Jüngling. Gott tröste seine tieftrauernden Eltern. — (Schadenfeuer.) Am 17. Juni brach hier nach halb 12 Uhr nachts ein Feuer aus, dem die beiden Häuser der Besitzer Oswald und Witlreich nebst zwei Scheuern zum Opfer fielen. Der Brand war in einer der Scheuern entstanden. (Umfall einer Laterne? Wegwerfen einer Zigarette?) Den Feuerwehren von Gottschee, Schalkendors, Mitterdorf und Grafenfeld gelang es, nach mehr als zweistündiger Arbeit den Brand zu löschen. Zum Glück herrschte Windstilles das Feuer brannte kerzengerade in die Höhe. Ein stärkerer Wind hätte einem großen Teile der Ortschaft Verderben ge- 6rnCt%«afmt. (Für das Rekonvaleszenten heim) in Golt-schee spendeten die ljieftgen Psarrinsassen 17 K und Herr Psarrer Gliebe aus Gölteuitz 3 K. Mosel. (DieGeneralversammlung) der Raiffeisenkasse wurde am 9. Mai abgehalten. Der Vorstand und der Aussichtsrat wurden wiedergewählt. Der Geldumsatz für das Geschäftsjahr 1914 war K 33.708-80. Am Schlüsse des Jahres 1914 betrugen die Darlehen zusammen K 18.079'84, die Spareinlagen K 24.411'09 und der Reservefond K 742‘58. _ (Sterbefälle.) Es starben am 13. Mai x$o|ef ©tdar, Aüszüglcr in Unterfkrill Nr. 3, 77 Jahre eilt, und am 24. Mai Matthias Putre, Auszügler in Unterfliegendorf Nr. 3, 81 Jahre alt. Ilejseltak. (Kriegswallfahrt.) Am 13. Juni fand von hier aus eine Kriegswallfahrt zum Gnadenorte auf den Groditzberg statt, an der sich "eine ungeheuere Menschenmenge beteiligte. Der gewaltige Zug bewegte sich singend und betend zum allehrwürdigen und Mielbesuchten Marienkirchlein, wo die ganze Bevölkerung, um ihren Pfarrer geschart, in rührender Weise ihr Vertrauen auf Gott und den Sieg unserer Waffen ausdrückte. — .(AuS dem Brie.se eines Marinesoldaten.) ^osef Schauer, k. u. f. Marsgast und Turmgeschützvormeister auf S. M. S. ,Viribus Unitis" in Pola, schreibt an seinen Bruder, den Pfarrer von Nesseltal: „Am Pfingstmontag den 24. Mmjrüh morgens, als Du noch im tiessten Schlummer lagst, hat eine größere Anzahl von unseren Kriegsschiffen die italienische Stadt Ancona beschossen. Wir unterhielten ein lebhaftes Feuer gegen die befestigte Stadt. Dieses Krachen, Dounern und Blitzen hättest Du hören sollen, es ist nicht zu beschreiben! Die Beschießung von Ancona dauerte zwei Stunden. Eme Kaserne wurde geradezu in einen Schutthaufen verwandelt, ein Hafen-maaazin in Brand geschossen, das städtische Gaswerk und das Petroleumlager wurden arg beschädigt. Auch einige Privathäuier und mehrere Zivilpersonen waren der Beschießung zum Opfer gefallen. Nachdem wir so den feigen Katzelmachern unseren „Morgen-aruß" entboten hatten, dampften wir wieder ab. Die österreichischen .,MÜWckn werden mit Gottes Hilfe ihrem treulosen „Bundesgenossen" manches Stücklein ausspielen. In Bälde wieder was! (In russische Kriegsgefangenschaft) sind laut einer Feldpostkarte gcqeu Mitte Mai geraten die Infanteristen des Jnf.-Reg. Nr. 17: .Johann Kump von Nesseltal Nr. 23 und Karl Stalzer von Untersteinwand Nr. 12. , Wittergras. (An einer Kriegskrankheit gestorben.) Der herzogliche Forsthüter in Mittergras Herr Alois M i ch itf ch, Hnassührer im Landwehr-Jnsanterieregimente Nr. 27, der den Feldzug in den Karpathen mitgemacht hatte, ist am 30. Mai in einem Spitale in Ungarn gestorben. Anterdentschan. (Unwetter.) In der Nacht vom 8. auf den 9 Juni ging hier ein Unwetter nieder, das großen Schaden verursachte. Gegen 3 Uhr früh entlud sich ein Gewitter, ein wolken-bruchartiaer Regenguß, mit Hagel gemischt, prasselte nieder, unauf-hörlich zuckten grelle Blitze durch die nächtliche Dunkelheit, denen krachendes Donnerrollen folgte. Infolge des wolkenbrucharttgen Regengusses füllte sich der Hohlweg oberhalb der Ortschaft ganz mit Wasser und das fhömntde Element riß Sand und Erde mit sich, die es auf den Äckern und Feldern in der Niederung wälzte und so durch deren Vermnhruug empfindlichen Schaden verursachte. Steil,wand. (Volksschule.) Der k. k. Bezirksschulrat m Rudolfswert hat die gewesene Snpplemin in Unter-Kartchevo Fräulein Hedwig Schweiger zur Supplentin au Stelle des zur aktiven Militärdienstleistung eiugerückten Lehrers Herrn ^o,es Adolf an der Volksschule in Steinwand bestellt. Manjakoka. (Kukuruzstroh für fünfzehn Betten) lieferten unsere Psarrinsassen für das Rekonvaleszentenhetm in Gottschee. Waröurg. (Heldentod.) Die Familie des Ersten Staatsanwaltes Herrn Viktor V erd erb er erhielt eine schmerzliche Trauerbotschaft. Am 19. Mai fiel bei Nowosielica ihr im 25. Lebensjahre gestandener Sohn Othmar Verderber, Kadett-Oberjäger im 2 Tiroler Kaiferregimente. Einige Tage vorher kam ein vom 15. Mai datierter Brief an, in dem er seinen Eltern mitteilte, daß er zwar eine Reihe von blutigen Schlachten mitgemacht habe, aber gesund und heil sei. Den schönsten Nachruf bildet der Inhalt jener Feldpostkarte, mit der der Zugskommandant des Gefallenen den Eltern den Tod ihres Sohnes mitteilte. Sie lautet: „Tief erschüttert muß ich Ihnen die traurige Nachricht von dem Heldentod Ihres Sohnes mitteilen. Er fiel an der Spitze seines Zuges beim Sturm im Walde nordöstlich Nowosielica am 19. Mai um 4 Uhr früh. Er war ein Mann von seltener Tapserkeit und Pflichterfüllung. Die Auszeichnung wird nicht ansbleiben. Uns war er der liebste Kamerad, der Mannschaft aber war er ein guter Vater, dem das Wohl seiner Kinder über alles geht. Jeder von uns, die wir im Felde stehen und ihn kannten, hat ihn immer geliebt und wird feiner nie vergessen. In Ihrem Übergroßen Schmerze seien Sie meiner Anteilnahme gewiß." Graz. (Das drittemal ausgezeichnet.) Der Reserve-Fähnrich Herr Richard Kraulaud, LSchR 1, ist vom nördlichen Kriegsschauplätze infolge Oberschenkeldurchschusses aus kurze Zeit wieder nach Graz zurückgekehrt. Es wurde ihm in Anerkennung der mit eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung eines Landesschützea vom Tode' des Ertrinkens das Goldene Verdienstkreuz verliehen. Herr Fähnrich Richard Kranland ist nun schon das drittemal schwer verwundet worden und hat bereits drei Auszeichnungen erhalten. Das Gr. Tagbl. meldet: Der Reservefähnrich des Landesschützenregimentes Nr. 1 Richard Krauland, Geometer in Graz, zeichnete sich besonders bei dem Sturm der Tiroler Landesfchützen auf die Magiemhöhen aus. Als einer der ersten VorbringettDeu würbe er durch einen Bajonettstich in den linken Oberschenkel verwundet. Noch hinkend, eilte er nach 16 Tagen wieder zur Front und würbe bei oer siegreichen Offensive an der Pilica durch einen Brustschutz schwer verwundet. Für seine außerordentliche Tapferkeit würbe ihm die Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse verliehen. Nach vollständiger Genesung wieder in den Karpathen käwpsend, zeichnete er sich erneu^ durch Tapserkeit unb wertvolle nächtliche Streifgäuge berart aus, baß er bie Silberne Tapferkeitsmebaille 1. Klasse errang. Im März sprang er einem bereits bewußtlos geworbenen Solbaten in hoch» gehenben Fluten unter Gefährbung feines eigenen Lebens nach und rettete ihn mit schwerer üDtühe vor dem Tode. Hiesür erhielt er das> Goldene Verdienstkreuz am Banbe der Tapserkeitsmedaille. Für andauernd tapferes und erfolgreiches Verhalten vor dem Feinde fofl er nunmehr auch für die Goldene Tapferkeitsmedaille eingegeben sein. Gegenwärtig geht er der Genesung von feiner dritten Verwundung (Schrapnellschuß am rechten Oberschenkel) entgegen. Umin der Deutschen a. Gottschee = in Wien. — Zitz: i., Himmeipfortgasse Nr. 3 wohn, alle Zuschriften zu richten sind und Landsleute ihren Beitritt anmelden können. Susammenknnft: Jeden Donnerstag im Wereinskokale „Zum roten Igel", I., Alörechtspkatz Mr. 2.______________ üerantroortlidier Schriftleiter 6. Erker. — Herausgeber und Verleger Josef Eppich. — Buchdruckerei ;)oief Pavlicek in Gottschee.