Karl Horst Schmidt Bonn CDU 801.52 : 809.198.1-554.3 ZUM TYPUS DES OSSETISCHEN KASUSSYSTEMS Altiranisch ist das altindogermanische Kasussystem weitgehend erhalten geblieben; im Singular (Sg.) der avestischen (av.) Nominaldeklination werden noch die acht Kasus Nominativ, Akkusativ, Genetiv, Dativ, Ablativ, Lokativ, Instrumental und Vokativ unterschieden; z.B. o-Stamm ahura- 'Gott': ahurö, ahurdm, ahurahyä, ahuräi usw.; im Altpersischen ist dieses System durch den Zusammenfall von Dativ und Genetiv um einen Kasus reduziert worden1. Auch in der typologischen Anordnung der Morpheme hat das Altiranische den aus dem Indogermanischen (idg.) ererbten Status einer flektierenden Sprache bewahrt. Es ist charakterisiert durch Merkmale wie die Differenzierung von monothematischer und heteroklitischer Deklination2 (vgl. o-Stamm vs. r/n-Stamm: av. ahura- vs. hvard 'Sonne', GenetivxvSng), Caland-Wacker-nagelschen Suffixwechsel (av. dsraz-ra- 'fest' : ddrdz-i-rada- 'festen Wagen habend')3, Ablaut (av. data 'Geber', Genetiv däßrö), Formvariation4 (aav. Genetiv Sg. ahura-hyä vs. däi}r-ö) oder Autonomie des Wortes5. Zu den Sprachwandelerscheinungen, die das ossetische Nomen von seiner altiranischen Vorstufe unterscheiden, gehören die Aufgabe der Genusdifferenzierung6, vor allen Dingen aber der Übergang von flektierender zu agglutinierender Nominaldeklination; im ossetischen Deklinationssystem sind die Funktionen von Numerus und Kasus, die altiranisch zusammen mit dem Genus in einem Morphem zusammenfallen, auf zwei monofunktionale Einheiten verteilt; in der formalen Anordnung folgt dabei das in Singular und Plural identische Kasusmorphem dem Pluralindikator: 2 1 Vgl. R.G. Kent, Old Persian: Grammar, Texts, Lexicon ( New Häven, Connecticut 1953) 57 2 Zur Terminologie - monothematisch entspricht V. Pisanis declinazione monotematiea - vgl. J. Knobloch, Sprachwiss. Wörterbuch, Lfg. 7 (Heidelberg 1974) 527. 3 Vgl. E. Risch, Wortbildung der homerischen Sprache (2BerIin-New York 1974) 218f. 4 Zum Terminus Formvariation vgl. E. Lewy, Die Heimatfrage. In: KZ 58(1931)7 = Kleine Schriften (Berlin 1961) 205: "Die Bezeichnung derselben [...] inneren Form durch verschiedene äußere Formen ist ein durchgehendes Kennzeichen des idg. Sprachbaus"; vgl. z.B. "Genitivbildungen wie vir-i, cui-us, stella-rum". 5 Zur Definition dieses Begriffes vgl. G. Deeters, Revue de Kardiologie Bedi Kartlisa 23 (1957) 14: "jedes Wort des Satzes ist selbststaendig und traegt an sich die Formantien, die seine Beziehung zu einem anderen Wort (Konkordanz) oder seine Funktion innerhalb des Satzes (Flexion) kennzeichnen." 6 Vgl. die Definition von Genus bei C.F. Hockett, A Course in Modern Linguistics (7New York 1964) 230: "Nouns belong to a gender; some adjectives are inßected for gender. For adjectives, then, gender is an inflectional category [...]. For nouns, the genders are rather what we shall call selective categories." 201 Singular Plural Nominativ/Akkusativ scer 'Kopf' scer-t-ce Genetiv/Inessiv scer-3 scer-1-3 Dativ scer-cen sasr-t-aen Allativ seer-mee saer-t-aem Ablativ/Instrumental scer-cej saer-t-aej Adessiv SCE-dl sasr-t-aZ Aequativ seer-au saer-t-au Komitativ seer-imee 7 saer-t-imae Syntaktisch wird die. Autonomie des Wortes durch Gruppenflexion mit der Basic Word Order Determinans vor Determinatum und dem Gebrauch von Postpositionen ersetzt8: Parataktisch: jce mad, jce fdd oemce jce xot-imce (Komitativ) 'mit seiner Mutter, seinem Vater und seiner Schwester'; hypotaktisch: Sg. mce zcerondfad 'mein alter Vater', Dat. mce zcerondfsdcen; PL nee zcerond fadceltce 'unsere alten Vater', Dat. nee zcerond fddceltcen9. Morphonematischer Wechsel zwischen Singular und Plural ist entweder in konservativen Restbeständen ererbt (vgl ,fsd:fsdcel in Fußnote 9) oder durch die Wirkung einzelsprachlicher Lautgesetze neu generiert worden: vgl.fars 'Seite, Land': PI.feers-tee: Ableitung auf -ag: feerss-ag 'fremd', bareeg 'Reiter': PI. bardza-tee10. Es bleibt festzuhalten, daß die in phonetischen Veränderungen dieser Art zum Ausdruck gebrachten symbolischen (fars: feers-) und fusionierenden (bareeg: bardz.9-) Techniken in der Regel nicht zu den Korrelationen des agglutinierenden Typus gehören11. Konfrontiert man das altiranische mit dem ossetischen Kasussystem unter dem Gesichtspunkt der semantischen Differenzierung der Glieder des Paradigmas, so lassen sich eine Reihe von Transformationen feststellen. Zu diesen gehören die fünf 7 Zu dem unterschiedlichen Verhalten der ossetischen Pronomina vgl.: L. Zgusta, Zu den Subsystemen des Sprachsystems: Eine scheinbare Unregelmäßigkeit der ossetischen Deklination. In: Symbolae Linguisticae in honorem Georgii Kurylowicz (Wroclaw-Warszawa-Krakow 1965) 379-382. 8 Zum Terminus Gruppenflexion vgl. F.N. Finck, Die Haupttypen des Sprachbaus (Leipzig 1910) 144; 154 (griechische Stammflexion vs. arabische Wurzelflexion vs. georgische Gruppenflexiori); "nicht selten sind es aber auch Gruppen von Elementen, die wie erst werdende Wörter verhältnismäßig lose miteinander verbunden erscheinen". 9 Das Element -ce 1- beim PI. von Verwandtschaftsnamen -/ad:/adelte 'Vater', mad: madceVue 'Mutter', cervad: cervadaltce 'Bruder, Verwandter' - reflektiert die alte Stammbildung -ar- (vgl. V.l. Abaev, Istoriko-etimologiceskij slovar' osetinskogojazykal (Moskva-Leningrad 1958) 489: II (1973) 62; 438. 10 Vgl. G.S. Achvlediani (Red.), Grammatika osetinskogo jazyka, Tom 1 (Ordzonikidze 1963) 8off. 11 Vgl. E. Sapir, Language (1921) Kapitel 6 und s. den introflexiven Typus von V. Skalicka, TLP 2 (1966) 162f. 202 Merkmale, die im folgenden durch die Konfrontation mit typologischen Parallelen anderer Sprachen genauer bestimmt werden sollen: I. Verstärkter Ausbau der Lokalkasus II. Zusammenfall des vom Komitativ differenzierten Instrumentals mit dem Ablativ IE. a. Differenzierung von Allativ und Akkusativ; b. Differenzierung des Akkusativs nach semantischen Merkmalen IV. Entwicklung eines Aequativs V. Entwicklung eines prädikativen Dativs Ad. I. Dem altiranischen Lokativ-Ablativ-Allativ/Akkusativ12 stehen im Ossetischen Ablativ-Allativ-Inessiv-Adessiv gegenüber. Die funktionale Aufspaltung des älteren einheitlichen Lokativs (auf die Frage wo?) in zwei voneinander differenzierte Essive, den Inessiv (auf die Frage worin?: kcesag dona qaz,ad 'the fish played in the water'13) und den Adessiv (auf die Frage worauf ?: bcexdl abadti 'he sat on the hor-se'14), könnte auf den Einfluß des Ostkaukasischen zurückgehen. In den Sprachen der Ostkaukasischen Gruppen begegnen uns allerdings noch viel stärker ausgebaute lokalistische Systeme von bis zu sieben oder acht Essiven, die außerdem zum Unterschied vom Ossetischen nach dem Prinzip der sog. Serienbildung angeordnet sind: von dem obliquen Stamm lassen sich Essive ableiten, die ihrerseits die Basis bilden für zugehörige Allative und Ablative, manchmal auch für Translative (auf die Frage wohin-durchl), z.B. tabassaranisch: Indefinitus ywan 'Stein', davon Obliquus (=Ergativ) ywan-Si, davon Essiv (der Bedeutung unter) ywan-3i-kk 'unter dem Stein', davon Allativ ywan-3i-kk-na 'unter den Stein' und Ablativ ywan-3i-kk-an 'von unter dem Stein her'. Für das Südtabassaranische unterscheidet A. Magometov15 Essive der Bedeutung in, auf hinter, unter neben, inmitten, auf vertikaler Fläche. Ad. II. Der komplexeste unter den ossetischen Lokalkasus ist der Ablativ; er begegnet auch in instrumentaler Funktion (fcercetcej amajsn 'to trim with an ax'16), eine semantische Kombination, wie sie auch dem Italischen bekannt ist17. Andererseits erklärt O. Tedeevi18 den Zusammenfall beider Funktionen synkretitisch durch 12 Zum Allativ vgl. av. kqm zq.m ayem 'in welches Land soll ich gehen?' Y. 46,1 bei H. Reichelt, Awestisches Elementarbuch (Heidelberg 1909) § 436; altpersisch asiyava BSbirum 'er ging nach Babylon' DB III 82 bei Kent, 1. c. 80. 13 Vgl. V.l. Abaev, AGrammatical Sketch ofOssetic (The Hague 1964) 19. 14 Vgl. Abaev, I.e. 15 Tabasaranskij jazyk (Tbilisi 1965) 117. 16 Vgl. Abaev, I.e. 17 Vgl. M. Leumann - J.B. Hofmann - A. Szantyr, Lateinische Grammatik, 2. Band Syntax und Stilistik, 1. Lieferung (München 1963) 101: "Im lateinischen Abi. sind in uritalischer Zeit zwei Kasus zusammengeflossen, der idg. Ablativ oder Separativ ('Woher'- Kasus, Kasus der Trennung und Absonderung) und der idg. Instrumentalis ('Mit'-Kasus, Kasus der Gemeinschaft)". 18 SeniSvnebi kartul-osuri enobrivi urtiertobidan. In: Jubilejnyj sbornik posvjascennyj G.S. Achvlediani v 203 Übertragung des instrumentalen Kasusmorphems auf den Ablativ nach altgeorgischem Modell. Grundsätzlich sollte jedoch beachtet werden, daß die Entscheidung über die Priorität von Ablativ oder Instrumental im Ossetischen die etymologische Identifizierung des Morphems -cej voraussetzt19. Unabhängig von der Klärung dieses Problems dürfte der Zusammenfall beider Kasus im Ossetischen von der Spaltung des im Altiranischen komplexen (d.h. den Komitativ einschließenden) Instrumentals begleitet sein: Auf komplexen, den Komitativ einschließenden, Instrumental weisen könnte noch die dialektisch unterschiedliche Wiedergabe des Komitativs im Ossetischen: das in seinen Merkmalen in der Regel archaischere Digorische bedient sich dafür des Genetivs in Verbindung mit der Postposition xceccce 'zusammen mit' (z.B. cenbali xceccce 'zusammen mit dem Genossen')20, während das Ironische ein eigenes Kasusformans -imce entwickelt hat. Eine typologische Parallele für die uneinheitliche Wiedergabe des Komitativs findet sich im Tocharischen, wo die Präposition A sla, B sie in Verbindung mit dem Obliquus als vermutlich ältere Variante anstelle des Komitativs auf A -assäl, B -mpa begegnet: A äkläslyesassäl syak metär = B aklaslyemmpa sesa maitare 'Sie gingen zusammen mit den Schülern'21. Ad. HI. Der Allativ, zu dessen Funktionen auch die eines Finalkasus gehört (c&idz donrruz acdd 'the daughter-in-law went for water'), fällt nicht mit dem Akkusativ als Objektkasus eines transitiven Verbums zusammen. Letzterer begegnet in zwei Varianten: in Verbindung mit 'indefinite or impersonal things' (Abaev 1964,17) bleibt svjazi s 80-letiem so dnja rozdenija (Tbilisi 1969) 369-374. 19 Vgl. dazu V. Miller, Jazyk osetin (Moslcva-Leningrad 1962) 78f. 20 Vgl. M.I. Isaev, Digorskij dialekt osetinskogo jazyka: Fonetika, morfologija (Moskva 1966) 108. 21 Vgl. W. Krause-W. Thomas, Tocharisches Elementarbuch. Bd. 1. Grammatik (Heidelberg 1960) 86, wo auf die Möglichkeit hybrider Bildungen bei Gruppenflexion hingewiesen wird: A sla nispal yätluneyassäl 'mit Besitz (und) mit Fähigkeit'. 204 er (wie der Nominativ) unmarkiert; in Verbindung mit 'definite and personal beings' (Abaev 1. c. 18) wird ihm dagegen das Suffix -a angefügt, das unabhängig davon auch den Inessiv charakterisiert. Für beide Merkmale - (a) Differenzierung von Allativ und Akkusativ, (b) Markierung des akkusativischen Zielkasus in Abhängigkeit von den semantischen Merkmalen des Nomens-liegen typologische Parallelen vor. Ad. a. Eine Parallele für die Spaltung des idg. Akkusativs/Allativs bietet das Tocharische. Zum Unterschied von dem auf den Akkusativ zurückgehenden Obliquus, der gewissermaßen po principu dvuch osnov22 als Order 1 (= Position l)23 die Basis bildet für die sekundären Kasus, gehört der Allativ auf A -ac, B -s(c) der Gruppe ebendieser durch Affixe markierten sekundären Kasus an. Nach den Feststellungen von W. Thomas24 begegnet der unmarkierte Obliquus der Richtung noch bei Verben der Bewegung, "wenn eine allgemeine Richtungsangabe gemeint ist" oder bei festen Verbindungen (1. c. 42), während der Allativ - z.T. in Konkurrenz zu Lokativ und Perlativ - stärkere Präzisierung und Bedeutungsdifferenzierung ermöglicht (I.e. 44), z.b. (1. c. 25) Obliquus: A oske, B oskai 'nach Hause' (allgemein) gegenüber Allativ: B äjivikemts cemts akalslyepi masa ostas 'Er ging zum Hause eines Schülers dieser Ajivikas' (präzise Ortsangabe). Die kontextbedingte Zurückdrängung des auf den idg. Aklcusativ/Allativ zurückgehenden tocharischen Obliquus25 durch markierte Richtungskasus, darunter besonders durch den Allativ als Neubildung, entspricht der in idg. Sprachen weit verbreiteten Tendenz zur zusätzlichen Markierung des ererbten Allativs auf Iml durch Präpositionen/Postpositionen: Im Griechischen wird der als Archaismus für das Epos und die attische Tragödie nachgewiesene bloße Allativ/Ak-kusativ schon früh durch Zusätze verdeutlicht: vgl. einerseits ep%ecrik)v M^icrfr|V ITr|A,r|i&Secö 'A%iXfjoq A 332 "Gehet beide zum Zelte des Peleiaden Achilleus", andererseits Verbindungen mit -5e (%ohy8e, 'Aihiva^s), ev mit Neubildung ev<; (&;, d<;), 7cpöc, usw. Die Wendungen i malam crucem (neben i in malam crucem) und proficisci exilium sind auf das Altlateinische beschränkt usw.26 Ad.b. Die Markierung des Zielkasus von Personen entspricht einer weit verbreiteten Tendenz, die für das Protoidg. mit seiner Differenzierung von genus commune (masculinum und femininum) vs. genus neutrum bereits von A. Meillet27 auf eine 22 Vgl. die Definition bei Magometov, I.e. 97: "ot imenitel'nogo padeza (padeza samogo po sebe neoformlennogo, [...]) obrazuetsja ergativ, a ergativ lezit v osnove kosvennych padezej". 23 Vgl. Verf., Agglutination und Postposition im Tocharischen: MSS 25 (1969) 105-112. 24 W. Thomas, Der tocharische Obliquus im Sinne eines Akkusativs der Richtung: AAWL 1983 Nr. 6 (Wiesbaden 1983) 9. 25 Allerdings war im Protoidg. als einer Aktivsprache zunächst nur der Allativ als Richtungskasus durch die Postposition Iml markiert; die Übernahme dieses Morphems durch den unmarkierten Zielkasus war ein späterer Prozess (s. auch im folgenden unter Elb). 26 Vgl. K. Brugmann/B. Delbrück, Grundriß der vergleichenden Grammatik der idg. Sprachen II 2/1 und 2 (2Straßsurg 1911; Nachdruck Berlin 1967) 627ff.; E. Schwyzer, Griech. Gramm. II (München 1950) 67f.; E. Leumann/J.B. Hofmann/A. Szantyr, Lat. Gramm. II (München 1965) 49f. u.a. 205 Formel gebracht worden war: "Le trait essentiel de la distinction de l'animé et de l'inanimé en indo-européen consiste dans la charactéristique de l'accusatif animé, au singulier et au pluriel." Das durch spätere Entwicklungen im Romanischen, Tochari-schen, Slavischen und Neuarmenischen wiederholte Phänomen28 wurde von F. Vil-lar29 auf der Basis einer Belebtheitshierarchie systematisch behandelt; es hat seine Parallelen auch in nichtidg. Sprachen, für die man das Prinzip aufgestellt hat "that separate accusative marking and verb object agreement are more likely with noun phrases that are high in animacy or definiteness"30. Auf Ergativsprachen angewandt, impliziert dieser Grundsatz die These von M. Silverstein31: "If an ergative system splits simply into two two-way case-marking schemes, then minimally either the [+ ego] or the [+ tu] forms are nominative-accusative, the rest ergative-absolutive."32 Ad. IV. Der von É. Benveniste33 similatif genannte Aequativ geht auf den prädikativen Gebrauch von Bildungen auf laul zurück: fatau ataxti 'he flew like an arrow'; cazgœn jœ cœsgom xurau ruxs uddi 'the girl's face shone like the sun' (Abaev 1964, 19). An Adjektive gefügt, dient das Morphem laul der Ableitung von Adverbia: xorz 'gut' (Adj. + Adverb): xorzau (Adverb), iron 'ossetisch': ironau (Abaev 1964, 31; Benveniste, 1. c.). Die Kategorie des Aequativs ist auch aus den keltischen Sprachen bekannt34. Ihre mit dem Suffix -ithir, -idir gebildete altirische Variante kann jedoch nur von Adjektiven abgeleitet werden35 und fungiert neben Komparativ und Superlativ als Kömparationsgrad: dian 'schnell', Kompar. déniu, Aequativ dénithir 'so schnell wie', trén 'stark', Kompar. tressa, Superl. tressam, Aequat. tresithir36. Das von dem 27 Besprechung von 'Avxiôcopov Festschrift J. Wackernagel. In: BSL 25 (1925) 46-49 (Anzeiger), 49. 28 Im Ostarmenischen ist der Akkusativ dem Dativ gleich "bei Substantiven, die ein vernünftiges Wesen bezeichnen und zugleich auch bestimmt sind" (vgl. A. Abeghian, Neuarmenische Grammatik, Berlin und Leipzig 1936, 63). 29 F.V., Ergatividad, acusatividad y genero en la familia lingüistica indoeuropea (Salamanca 1983) 191 ff.; vgl. dazu die Besprechungen von R. Ködderitzsch, Kratylos 30 (1985) 78ff. und Verf., IF 91 (1986) 344ff.; vgl. auch F.V., Ergativity and animate/inanimate gender in Indo-European: KZ 97 (1984) 167-196. 30 B. Comrie, Language Universals and Linguistic Typology (Oxford 1981) 212. 31 Hierarchy of Features and Ergativity. In: R.M.W. Dixon (ed.), Grammatical Categories in Australian Languages (Canberra 1976) 112-171, 122 32 Vgl. auch die Sprachen Eastern Pomo und Guarani: S. McLendon, Ergativity, Case and Transitivity in Eastern Pomo. In: IJAL 44 (1978) 1-9, 6 "that the system splits common nouns and personal nouns for which agent function must be marked, from pronouns, kinship terms and proper names for which patient function must be marked"; G. Bossong, Syntax und Semantik der Fundamentalrelation. Das Guarani als Sprache des aktiven Typs. In: Lingua 50 (1980) 359-379: bei belebten Wesen wird der Zielkasus durch die Postposition -pe markiert; G. Mallinson/B.J. Blake, Language Typology. Cross-linguistic Studies in Syntax (Amsterdam-New York-Oxford 1981) 52. 33 Études sur la langue ossète (Paris 1959) 104. 34 Vgl. W. Meid, Zum Aequativ der keltischen Sprachen, besonders des Irischen. In: W. Meid (Hrsg.): Beiträge zur Indogermanistik und Keltologie, J. Pokorny zum 80. Geburtstag gewidmet (Innsbruck 1967) 223-242. 35 Das gilt nicht für die britannischen Formen mit Präfix *kom-, die auch mit Substantiva komponiert werden: kymrisch cyf-liw 'von gleicher Farbe', cyf-led 'von gleicher Breite' (Meid, 1. c. 224). 206 Aequativ abhängige Nomen steht entweder (a) im Akkusativ oder wird (b) durch einen konjunktionslosen Satz angeschlossen: (a) sonartaidir siebe 'as strong as mountains' (Thurneysen, 1. c. 157), (b) is firithir ad.fiadar 'it is as trae (as) is reported' (Thurneysen, 1. c.). Ad. V. Der Terminus datel'nyj predikativnyj 'prädikativer Dativ' wurde in die ossetische Syntax eingeführt von G. Achvlediani37, der die damit benannte Konstruktion sowohl vom dativus finalis als auch vom prädikativen Nominativ (bzw. Akkusativ) abgrenzt und mit dem prädikativen Instrumental des Baltischen und Slavischen vergleicht: Der prädikative Nominativ (resp. Akkusativ) macht eine essentielle, der prädikative Dativ eine akzidentielle Aussage: Asana fodgcenceg (Nom.) usdi = 'Asana byl pritesnitel'vs. usj nee roncen (Dat.) kusuaid= 'tobyloby nam pojasom (Instr.) (1. c. 28)38. Im Ossetischen haben (a) die mit dem Adjektiv im Instrumental/Ablativ verbundenen Verben volle semantische Eigenbedeutung - Achvlediani bezeichnet sie als polnoznamenatel'nye glagoly -, während (b) die mit dem Substantiv im prädikativen Dativ konstruierten Verben, den russischen Wendungen mit prädikativem Instrumental vergleichbar, über weniger autosemantische Merkmale verfügen und deshalb von Achvlediani poluznamenatel'nye glagoly genannt werden. Wie Achvlediani 1. c. 33 weiter ausführt, verstärkt in der Gruppe (a) das Adjektiv im Instrumental die lexikalische Bedeutung des Verbums, während in der Gruppe (b) das Substantiv im Dativ semantisch weitgehend unabhängig bleibt: (a) feesteemee nart cenk'ardcej (Instr.) razdeextdsta = nazad narty ogorcennye (pecal'no) vorotilis' vs. (b) ccemcen raz&ia aj fsrtcen (Dat.) ruxsdcemce bmdurcen (Dat,)fcesdagon (= cenuson) xcersds = daby javits-ja synom (Instr.) sveta i naslednikom (Instr.) vecnych blag. Wenn man die Entwicklung des prädikativen Dativs zur Bezeichnung eines akzidentellen Zustandes als Neuerang des Ossetischen wertet, so bietet sich die in der späteren irischen Sprachentwicklung aufgekommene Konstruktion des Typus tä se 'n-a righ 'er ist König', wörtlich 'er ist in seinem König', als typologische Parallele an39. In altirischer Zeit verfügte die Sprache lediglich über den appositiven Dativ, der infolge von Kasussynkretismus älterem Instrumental entsprach: a triur 'all three', wörtlich: 'in their three-men', isnini firiönaib 'we being righteous'. Die Konstruktion des Typus tä se 'n-a righ mit Possessivpronomen und Präposition in begegnet im 36 Vgl. R. Thurneysen, A Grammar of Old Irish. Revised and Enlarged Edition (Dublin 1946) 232ff. 37 G. Achvlediani, Datel'nyj predikativnyj v osetinskom jazyke. In: Vestnik Tbilisskogo gosudarstvennogo universiteta III (1923) 129-140 = Sbornik izbrannych rabot po osetinskomu jazyku I (Tbilisi 1960) 26-42. 38 Vgl. Brugmann/Delbrück, Grundriß II 2/1 u. 2 (2Straßburg 1911) 537ff., die von einem prädikativen Instrumental sprechen, der 'im Baltisch-Slavischen' auch 'als prädikative Apposition zu beliebigen Substantiva des Satzes' verwendet wird. 39 Vgl. dazu H. Pedersen, Tä se 'n-a righ: ZCP 2 (1899) 377-381; J. Baudis, Nominalsätze und Nominalprädikate im Irischen: ZCP 9 (1913) 309-335; M. Dillon, Nominal Predicates in Irish: ZCP 16 (1927) 313-356, ZCP 17 (1928) 307-346; H. Lewis/H. Pedersen, A Concise Comparative Celtic Grammar (3Göttingen 1974) 163f. 207 Mittelirischen zunächst als Apposition: is bes düibsi in-far-n-ultaib LL 112 b 47 'es ist Sitte für Euch Ulsterleute' (Aedersen 1899, 379), wörtlich 'es ist Sitte für Euch in Eurem Ulsterleute'. Die nicht vor 1100 nachweisbaren prädikativen Konstruktionen des Typus tä se 'na righ, tä se i n-a fhear 'er ist ein Mann' mit dem Verbum tä als Prädikat unterscheiden sich von dem Typus isfer-som, später isfear e 'er ist ein Mann' mit Kopula is und Prädikatsnomen im Nominativ als Prädikat semantisch dadurch "that the former describes a condition or State while the latter is a mere definition" (Dillon 1927, 316). Wenn auch die diachronen Entwicklungen im Ossetischen und Irischen ganz unterschiedlich verlaufen sind, so bleiben doch die Ergebnisse vergleichbar: jüngere, auf Substantive begrenzte, Substitute zur Bezeichnimg eines akzi-dentiellen Zustandes (der prädikative Dativ des Ossetischen, die tä se 'n-a righ-Konstruktion des Irischen) führen zur Begrenzung bzw. Verdrängung des ererbten prädikativen Instrumentals. Povzetek OSETSKI SESTAV SKLONOV TEPOLOŠKO A. Staroiranske in osetske sklonske oblike protistavno. Staroiranske poteze: fleksijskost, razlikovanje med enotematsko in heteroklitično sklanjatvijo, menjava pripon po Calandu in Wackernaglu, oblikovne dvojnice, samostojnost besede. Osetske poteze: aglutinativnost, opust vplivajočega spola, sklanjanje cele besedne zveze hkrati, osnovni besedni red je določujoče pred določenim, postpozicije. Aglutinativnosti nasprotne morfonematske menjave so bodisi podedovane v ostankih bodisi nastale na novo zaradi delovanja poznejših glasovnih zakonov. B. Tipološka vzporeditev petih nadaljnjih potez osetskega sklonskega sestava z drugimi jeziki: I. Obilnejši razvoj prostorskih sklonov: tipološka vzporeditev s t.i. serijsko tvorbo v vzhodnokavkaškem jeziku tabasaranščini. II. Sovpad ablativa z orodnikom, ki je nastal iz komitativa: tipološka vzporeditev s staro gruzinščino (kjer pa se ablativ in orodnik ne razlikujeta); neenako vedenje ligurskih in ironskih narečij ima vzporednosti v to-harščini. III. a. Razlikovanje med alativom in tožilnikom: vzporednosti v toharščini, grščini, latinščini itd. b. Delitev tožilnika po pomenskih potezah: vzporednosti v praindoevropščini in v neindoevropskih jezikih. IV. Ekvativ: vzporeditev z razmerami v stari irščini. V. Predikativni (= povedkovodoločilni) dajalnik rabi — primerljivo predikativnemu orodniku v baltščini in slovanščini — kot izjava o nebistveni (priložnostni) lastnosti; v tem je nasproten predikativnemu imenovalniku (oz. tožilniku) kot izjavi o bistveni lastnosti; take razmere se dajo primerjati z irskimi zgradbami. V irščini je dalje tako, da rabi verbum substantivum ob priložnostni lastnosti, kopula (= vez) pa ob bistveni. 208