durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit Fürstbischof oon Laoant, entbietet dem hochwürdigen (Ll'erus und allen chl'äuingen der Diärese Gruß, Segen und alles Gute von Gott dem Vater und Gott dem Sohne in Gemeinschaft des Heiligen Geistes! Siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, kam mir zu Hilfe. (van. lO, 13). Im Herrn geliebte Diöcesanen! chÄinr m wunderbares Gesicht schaute der große Pro- c)klch Phet Daniel am Flusse Tigris. Nachdem er drei Wochen lang strenge gefastet und Buße ' E ö^chcui hatte, erschien ihm ein Manu von hehrer Gestalt — nach allgemeiner Annahme Gabriel, der auch vorher zu Daniel gesandt worden war — und sprach zu ihm: „Daniel, du Mann des Verlangens, habe acht auf die Worte, die ich zu dir spreche, und richte dich auf; denn ich bin jetzt gesandt zu dir . . . Fürchte" dich nicht, Daniel. D e n n v o m e r st e n Tage an, da dein Herz nach Einsicht verlangte, und du dir wehe thatest vor dem Ange¬ sichte deiuesGottes, wurdendeineWorte erhört; und ich bin gekommen um deiner W o-r t e willen. Aber der Fürst des Reiches der Perser widerstand mir. . . und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, kam mir zu Hilfe." (vun. 10, 11—13). Der genannte Fürst des Perserreiches ist nach der Lehre des hl. Hieronymus, des hl. Gregor des Großen und anderer Kirchen-Väter und -Lehrer ein - guter Engel, welchen Gott der Herr dem Königreiche Persien als Schutzgeist gegeben hatte. Dieser wirkte ! nun dahin, dass die Israeliten im Lande der Perser blieben, damit durch sie die Erkenntnis des wahren Gottes verbreitet würde, während Gabriel wünschte, dass die Verbannten zur Wiederherstellung Jeru¬ salems und zum Wiederaufbau des Tempels ins Vaterland zurückkehrten, weshalb er sich bemühte, das Herz des Königs für die Verwiesenen zu stim¬ men. Hiebei kam ihm der hl. Erzengel Michael zu 2 ihrer Ordnung unter sich hinsichtlich der Leitung des Menschenheils höhere nnd niedere Dienste thun, liegt gleichfalls in der Natur der Sache, eben weil nnter ihnen eine Ordnung besteht. Wie nun Sanet Michael der Schutz- nnd Schirmgeist des Bnndesvolkes war, so gilt er als Hort und Hüter unserer hl. katholischen Kirche st die ihn zu allen Zeiten hoch verehrte, ihn um seinen mächtigen Schutz bat und anflehte. Zumal in unseren Tagen nahm die Verehrung des erhabenen Engel- fürsten in hohen: Maße zu, wie sich ja auch die Drang- und Triibsale der Kirche erhöhten und ver¬ mehrten. Unser glücklich und glorreich regierender Papst Leo Llll. selbst war es, der in seiner be¬ drängten Lage zu diesen: himmlischen Helden und Machthaber Zuflucht nahm, sowie nach dem Berichte des hl. Apostels Johannes in seiner geheimen Offen¬ barung die vom Satan verfolgte Gemeinde der Hei¬ ligen sich unter den Schutz des gewaltigen Besiegers des höllischen Feindes stellte. Wenige Jahre nach dem Antritte seines so schwieriger: Pontificates schrieb Papst Leo Xlll. drei tiefsinnige, nach jeder stillen hl. Messe zu verrichtende Gebete vor, deren letztes ausschließlich an den hl. Erzengel gerichtet ist. Durch diese am 26. August 1886 vorgeschriebeue Anrufung sollen die Christglänbigen der: Schutz des Fürsten der himmlischen Heerscharen gegen die Bos¬ heit und Nachstellungen des Teufels auf die ganze katholische Kirche herabflehen und -ziehen. Der Papst betet selbst nach Beendigung der hl. Messe diese Gebete, die er allen Priestern vorgeschrieben hat, und er betet sie mit besonderer Inbrunst, was ich schon zum wiederholten Male zu beobachten Ge¬ legenheit hatte. Zumal bei der Anrufung des hl. Michael gegen die Anschläge des Geistes der Fin¬ sternis liegt eine Art von Drohung und Festigkeit im Ton seiner Stimme. * Schon im Pastor deS Hermas lesen wir: HkweuuWm lex lllius I)ei sst praeäieatus . . . Loputi vero Staates sub umdra di sunt, (jm anäieruut praeäieationem eins et ero- (lickerunt. Nun ei ns aut em ille mag-nus et do- nestus Uiokael est, qui populi 6 ui us Nabet potestatem et g-ubernat eos. (Limilit. 8, 10. Imt. ecllt. NilAentelck. Illpsiae, 1873). Hilfe, von dem er noch weitershin versicherte: „Niemand steht mir in allem dem bei als Michael, euer Fürst", (vun. >0, 21). Und „zur selben Zeit wird Michael, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes einsteht, sich erheben", (van. 12, 1). Aus diesen Schriftworten erhellt deutlich, dass der hl. Erzengel Michael der Schntzgeist des auser¬ wählten Volkes war, der demselben in draugsals- vollen Zeiten: zu Hilfe kam. Wie die Synagoge Sanet Michael als ihren Schutzengel verehrte, so ehrt und preist ihn auch die katholische Kirche als ihren mächtigen Schntzgeist, wie er als solcher in der Apoealypse des neutestamentlichen Sehers Sanet Johannes erscheint, ällwo er für die Gemeinde Gottes wider den Satan auftritt. (XpoeulW. 12, 7—9). Die stolze Weisheit unserer Zeit, bemerkt Dr. Josef Franz Allioli in feiner trefflichen, vom aposto¬ lischen Stuhle gutgeheißenen Übersetzung und Er¬ klärung der ganzen Hl. Schrift st kann die Bestim¬ mung der hl. Engel zu höheren und niederen Diensten in der göttlichen Weltregierung nicht einsehen nnd begreifen, aber diese Bestimmung ist die Lehre der göttlichen Offenbarung der Natur der Sache gemäß. In der ganzen heiligen Geschichte erscheinen die Engel als schützende und schirmende Geister der Menschen, und als solche erklärt sie das göttliche Wort selbst. „Sind sie nicht Alle dienende Geister, a n s g e s a ndt z n m D i e n st e n n: d e r e n Wille n, welche die Seligkeit ererben sollen?" (Usbr. 1, 14). Dass unter ihnen eine Rangordnung nach verschiedenen Kräften und Gaben bestehe, folrch aus deu übrigen verschiedenen Wesen, welche alle"" eine höchst große Mannigfaltigkeit unter sich offen¬ baren, und die Offenbarung spricht diese Ordnung eigens aus mit deu Worteu: „Durch ihn ist Alles erschaffen, was im Himmel und was auf Erder: i st, d a s S i ch t b a re und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herr¬ schaften oder Oberherrschaften oder Mächte." (6ol. 1, 16). Dass sie aber vermöge i Die Hl. Schrift des alten und neuen Testamentes. Landshut, 1839. IV. Bud. 4. Aufl. S. 503 s^. uot. 24. 3 Im Herrn geliebte Diöcesanen! Unser Hl. Vater Papst Leo XIII, kennt wie kein Anderer die Hauptübel und Gruudgebrechen der Zeit. Er kennt aber auch die natürlichen wie die übernatürlichen Mittel und gibt uns an, wie wir den Zeitübeln mit Erfolg begegnen sollen. Eines von diesen übernatür¬ lichen Mitteln ist die eifrige Anrufung und Ver¬ ehrung des erhabenen und mächtigen Schntzgeistes der hl. katholischen Kirche — Sauet Michaels. Seine Heiligkeit bereicherte am 25. September des Jahres 1 888 mit dreihundert Tagen Ablass, täglich gewinnbar, ein herrliches Gebet zum hl. Erzengel Michael und ließ dasselbe in Sauet Peter zu Rom allen Anwesenden nach der hl. Messe Vertheilen, die er bei Gelegenheit der von ihm allgemein angevrdneten Gedächtnisfeier für die Verstorbenen am 30. September des eben genannten Jahres celebrierte Noch mehr. Am 18. Mai 1890 ordnete der Hl. Vater einen Eror- cismus ungewöhnlicher Art an, zu dessen Anwendung alle Bischöfe des Erdkreises eingeladen werden. Die vom Diöcesanbischofe hiezu ermächtigten Priester er¬ langen und gewinnen durch den täglichen Gebrauch dieses außerordentlichen Eporeismus gegen den Satan und die abtrünnigen Engel unter Anrufung des hl. Erzengels Michael jedesmal einen Ablass von dreihundert Tagen und monatlich einmal unter den gewöhnlichen Bedingungen einen vollkommenen Ab¬ lass, der auch den Seelen im Fegefeuer fürbittwcise zuwendbar ist. 2 Dies alles brachte in mir den schon lange ge¬ hegten Vorsatz zur Reife, in dem diesjährigen Fastcu- hirtenschreiben von den Engeln und insonderheit von ihrem glorreichen Ansührer zu handeln, 'vas so selten geschieht und doch öfters geschehen sollte, zumal in unseren Tagen, wo sich die Welt vom Geistigen und Übernatürlichen abwendet und der materialistischen Richtung und Anschauung zuwendet; in unseren Tagen, wo die Verführung so um sich greift, und * Franz Beringer, Die Ablässe, ihr Wesen und Ge¬ brauch. 10. Ausl. Paderborn, 1893. S. 190 und 191. 2 Franz Beringer, vp. eit. S. 788 tk. — Vergl. Kirchl. Vervrd.-Blatt für die Lavanter Diöcese. 1890. Nr. VH. num. I. S. 1—3. — Separat herausgegeben vom F.-B. Lav. Ordinariate am 7. April 1897, Nr. 1120. der Umgang und die Gesellschaft so voll des Ver¬ derbens sind. Mit diesem Send- und Lehrschreiben bezwecke ich nichts anderes, als dass Ihr, theuerste Bisthumskinder, Euer Vertrauen zu den Schutzengeln befestiget und in der Heilsauren Verehrung und An¬ dacht zu Sauet Michael zunehmet zürn Lobe und Ruhme Gottes, zur Ehre und Verherrlichung der Engel, zur Vereitelung und Abwehr der Ränke des Teufels und seiner Knechte, und so zum Wohle und Heile Euerer eigenen unsterblichen Seelen, wie zur Rettung anderer Ebenbilder Gottes in der hl. Kirche. Jesus Christus, unser Herr und Heiland, dem die Engel als ihren: Könige auf Erden dienten und den sie jetzt im Himmel immerdar Preisen und loben, segne auf die machtvolle Fürsprache des glorreichen Fürsten der getreuen Engel, Sauet Michaels, meine Worte, für deren rechte Wahl meine Zunge jener Seraph läutern möge, der mit glühender Kohle den Mund des Propheten Jsaias berührte, so dass der¬ selbe würdig von heiligen und himmlischen Dingen sprechen und schreiben konnte, (k. 6, 6. 7). Der liebe göttliche Heiland segne reichlich aber auch alle jene, die meine oberhirtlichen Worte in Liebe, Ge¬ horsam und Denruth aufnehmen und befolgen. „Selig, wer da liest und hört die Worte dieser Weissagung, und bewahrt, was darin geschrieben steht . . . Gnade euch und Friede von den:, der da ist und der da war und der da ko muren wird, nnd von d e n s i e b e n G e i st e r n, d i e v o r s e i n e m Throne sind! (Xpocmftp. 1, 3. 4). Heilige Maria, Königin der Engel, heiliger Michael und alle heiligen Engel und Erzengel und alle Chöre der seligen Geister, bittet für mich und für die Meinen! l. Wereftrung der Engel'. Geliebte im Herrn! *tl1ie berühmte vierte Kirchenversammlung im Lateran 1215 sprach gleich im ersten Canon ihrer hei¬ ligen Satzungen die Glaubenswahrheit aus: „Der 1* 4 Schöpfer aller sichtbaren und unsicht¬ baren, der geistigen und körperlichen Dinge, hat durch seiue allmächtige Kraft zugleich vor Anbeginu der Zeit beide Crea turen ans nichts hervorgebracht, die geistige und die körperliche, die englische nämlich und weltliche, nnddann die mensch¬ liche gleichsam als die gemeinschaftliche, aus Geist und Körper bestehend." 1. Dieser Glaubenssatz lehrt klipp und klar, dass es drei Arten von Geschöpfen gibt, welchen Gott der Herr durch seine unendliche Macht und Güte das Dasein gab: rein körperliche Geschöpfe ohne Leben und Bewegen, wie die Steine; Pflanzen, die leben, aber keine Bewegung haben, an die sich die Thiere reihen, welche lebendig und beweglich, aber vernunstlos sind; sodann Geschöpfe, die aus Geist und Körper zusammengesetzt sind, und Ge¬ schöpfe, die vernunftbegabt, aber ohne Körper, also reine, unsterbliche Geister sind. Die wundervolle Harmonie in der ganzen Schöpfung erscheint schon unserem Verstände so ein¬ leuchtend, dass, wenn die göttliche Offenbarung auch nicht ausdrücklich das Dasein der Engel lehrte, die menschliche Vernunft fast genöthigt wäre, die Körper¬ welt und die Menschen vorausgesetzt, auch eine Engel¬ welt anzunehmen. „Zur Vollkommenheit des Weltalls", bemerkt mit Recht der Engel der Schule Sanct Thomas von Agnin, „wird das Dasein geistiger Wesen erfordert".^ Die leblosen Dinge haben mit Gott eine Ähnlichkeit durch ihr Sein, die Pflanzen durch ihr Leben, die Thiere durch ihre Empfindung, die Menschen durch ihr theilweise geistiges Wesen, die Engel aber durch ihr ausschließlich geistiges Weseu. Ohue die Eugel gäbe es eine Kluft und eine Lücke in der Welt- schöpsung; es würde ein Mittelwesen zwischen Gott und den Menschen mangeln, es würde der Abschluss der Schöpfung nach oben hin fehlen. Kein Wunder deshalb, dass auch die heidnischen Völker solche Mittelwesen annahmen, welchen sie weit höhere 1 8urnw. tdeoIoA. ?. I. lj. 50. art. I. Lciit. cleoima. I'nrisim, 1877. Dom. I. MA. 407. Eigenschaften und Kräfte, als der Mensch sie besitzt, zuschrieben. ' 2. Die Hl. Schrift von der Genesis bis zur Apocalhpse spricht fast ans jedem Blatte und ans jeder Seite von den Engeln. Sie erscheinen als kör¬ perliche, persönliche Wesen, begabt mit übermenschlich hohen Kräften des Verstandes und Willens, aus¬ gestattet mit Macht und Herrlichkeit, gegliedert in hierarchische Ordnung als Engel, Erzengel und Kräfte; als Mächte, Herrschaften und Oberherr¬ schaften; als Throne, Cherubim und Seraphim. Nach der Ansicht des erleuchteten Papstes Gregor I. des Großen und Heiligen (590 — 604) werden die Engel zur Ankündigung minder bedeutender Dinge, die Erzengel zu den wichtigsten Sendungen verwen¬ det und die Kräfte wirken auf Gottes Geheiß Wun¬ der nnd außerordentliche Zeichen. Den Mächten sind die Geister der Finsternis unterworfen, den Herr¬ schaften ist die Macht gegeben, auch den guten Gei¬ stern niederen Ranges vorzustehen, die Oberherr¬ schaften heißen so, weil ihnen auch die Herrschaften untergeben sind. Die Throne sind vermöge ihrer Gnadenfülle gleichsam Gottes Beisitzer in seinen Ge¬ richten, die Cherubim zeichueu sich vornehmlich aus durch ihre wunderbare Weisheit und die Seraphim durch ihre flammende Liebe. Moses, der große Gesetzgeber und Führer Israels, gedenkt sehr oft der Engel und bezeugt dadurch, dass ihm ihr Dasein eine ausgemachte Thatsache war. So erzählt er gleich im erstem Buche, dass Gott eiuen Cherub mit flammeudem Schwerte vor dem Eingang des Paradieses stellte zur Verhinderung des Zutrittes zum Baume des Lebens (Osu. 3, 24), ferner dass 'ein Engel der Tröster und Helfer der verlassenen Magd Hagar war, der ihr in der Wüste zurief: „Was thust du? Fürchte dich nicht; denn i Siehe 4n8towl. I. 12. o. 8. (Vergl. Dr. M. Jos. Scheeben, Handbuch der kathol Dogmatik. Freiburg in Br., 1873. II. Baud. 1. Abth. S. 52 num. 139). — Joh. Ev. Schwingshackl, Priester der Gesellschaft Jesu, Die heiligen Schutzengel. Brixen, 1883. S. 1 ck. ? Iloinil. 34 in LvanAöl. Vergl. Otüoiuin votivum cie ss. 4nA6>i8. 4ck iHatutinmn II. Hoet. loot. IV., V. ot VI. 5 Gott hat die Stimme des Knaben gehört an dem Orte, wo er sich befindet". (den. 2t, 17). Dem glaubensstarken Patriarchen Abraham erschienen drei Engel, verhießen ihm einen Sohn und theilten ihm mit, dass Sodoma vertilgt werden sollte, ((ton. 18, 1—33). Zu Lot dem Frommen kamen Engel, die zu ihm sprachen: „Mache dich ans, nimm dein Weib und die zwei Töch¬ ter, die du hast, damit nicht auch du um¬ kommest iu deu Laster» der Stadt." (Osu. 19, 15). Der flüchtige Jakob sah im Traume eine Leiter, die auf der Erde stand und mit der Spitze deu Himmel berührte, und die Engel Gottes stiegen ans und ab auf derselben, (den. 28, 12). Zn Elias dem Fenermanne kam, als er voll Trauer und Er¬ müdung im Schatten der Wachholderstande lag, der Engel des Herrn, rührte ihn an und sprach: „Steh e auf und iß". (Hl. JeZZ. 19, 5). Und wer kennt nicht die wnnderliebliche Geschichte des jungen Tobias, welcher den Erzengel Rafael als Reisegefährten nach Medien und zurück iu die Heimat hatte? Und wie oft sprechen nicht die großen und die kleinen Pro¬ pheten von deu Engel», wie auch die iuspirierteu Verfasser vieler anderer hl. Bücher des alten Te¬ stamentes. Indes, nicht allein im alten, sondern auch im neuen Blinde geschieht der Engel überaus häufig Er¬ wähnung. Schor: gleich auf der Schwelle desselben treffen wir den Priester Zacharias, welchem der Engel Gabriel die Geburt eines Sohnes Johannes, des Vorläufers Christi, verkündet. Derselbe Engel brachte Mariä den Gruß und die frohe Botschaft vom Him¬ mel, dass sie den heißersehuten Erlöser der Welt gebären werde. Und dem gerechten Josef gab der Engel wiederholt in: Traume Weisungen beziehentlich seiner jungfräulichen Braut und ihres göttlichen Jesu- kindes. Auf deu Flure» Bethlehems erschieueu den fromme» Hirte» Eugel uud küudigteu denselben die Geburt des Messias au, während andere Engel in des Himmels Höhen den Lob- und Jubelgesang au- stimmten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen aus Erden, die eines guten Willen sind." (bum. 2, 14). Nach der Versuchung in der Wüste traten zu Jesus Engel hin und dienten ihm. (LMttk. 4, 11). Am Ölberge ward er in seiner Todesangst von einem derselben gestärkt (Ime. 22, 43) und bei der Gefangennahme erklärte er dem Petrus, der ihn urit dein Schwerte vertheidigeu wollte: „Meinst du, dass ich mei¬ nen Vater nicht bitten könnte, und er würde mir jetzt mehr als zwölf Legionen Engel zu schicken." (Nultir. 26, 53). Am Grabe tröstet die Frauen ein Engel, indem er sie anredet: „Fürchtet euch nicht . . . Er ist auferstau- den." (Nutllu 28, 5. 6). Den eils Aposteln er¬ schienen auf der» Ölberge zwei Engel, wie zwei Männer, im weißen Gewände uud sprachen: „Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr da und schauet g e g en H i m m el. Dieser Jes u s, der von euch weg in den Himmel aus¬ genommen worden, wird ebenso wieder kommen, wie ihr ihn sähet hingehen in den Himmel". (Jet. up. 1, 11). Den hl. Apostelfürsten Petrus befreite ein Engel wunder¬ bar aus der Kerkerhaft, und seinen apostolischen Collegcn Sauet Paulus ermuthigte ein Engel zum standhaften Ausharreu während der stürmischen Meeresfahrt. Überaus anziehend wäre es, dies alles näher zu erzählen, aber die Fülle des Stoffes drängt mich, mein Hirteuschreiben eilends fortzusetzen. Bei dieser Wolke von Beweisen aus der Hl. Schrift für das Dasein der Engel ist cs wohl über¬ flüssig, auch noch Belege aus der Hl. Tradition fiir deren Existenz anznführcn. Man kann ruhig sagen, dass fast jeder hl. Kirchen-Vater und -Lehrer diese Wahrheit bestätigt, die das vierte lateranensische Coueil feierlich verkündet hat. Bündig bemerkt der vielgefeierte Kirchenlehrer Sanet Augustinus zum Psalm 102: „Dass Engel existieren, wissen wir aus d e r G l a u b e n s l e h re.. . uud deshalb haben wir kein Recht, daran zu zweifeln?" Bloß die klare Antwort des berühmten römischen Katechis¬ mus sei noch angeführt, die also lautet: „Außer¬ dem erschuf Gott die geistige Natur uud unzählige Engel, damit sie ihm dienen i Bergt. lO-une. Xav. Koliouppo 8 1., klomonM ttwo- loA-ius äoAwMwkw. Wow. I. Läit. 13. LiuxoIIis, 1878. 353. num. 40. 2». 6 und zur Seite stehen, aus Nichts, die er sodann mit seiner wunderbaren Gnade und mit Macht erhöhte und schmückte."' 3. Die angezogenen Worte des Katechismus der Katechismen lehren zugleich, dass die Natur der Engel eine gute sei und ihr Wesen ein heiliges, weshalb sie geradezu Heilige genannt werden. (Deut. 33, 2). Diese Heiligkeit und Gerechtigkeit, ein freies Geschenk der göttlichen Gnade, hätten die Engel im Guten bethätigen sollen, wodurch sie sich die Seligkeit ver¬ dient hätten. Der große Weise von Hippo Sauet Augustinus schreibt deshalb: „Es gab uoch etwas, was zu ihrer Seligkeit hinzukommeu sollte, weuu sie mit ihrem freien Willeu in der Wahrheit bestünden, bis sie zu jener Fiille der höchsten Seligkeit gelangt wären, die gleichsam der Lohn für ihre Beharrlichkeit fein sollte.. . Diese Fülle der Seligkeit hatten sie nicht."? Die Engel sollten urit der ihnen verliehener: Gnade mitwirken, um dadurch nach bestandener Prü¬ fung zur ewigen Glückseligkeit zu gelangen. Ein Theil der Engel bestand die Freiheitsprobe und befestigte sich durch eigene gute Entscheidung in der Heiligkeit und Gerechtigkeit, irr der sie ihre Seligkeit finden. Ein anderer Theil bestand leider diese Probe und Prü¬ fung nicht. Lucifer, der Anführer der aufrührerischen Engel und darum das Haupt der Teufel genannt (Untlkr. 12, 24), wollte nicht gehorchen und unter- thänig sein. (I. Dm. 3,6). Er und sein Anhang wandte sich, wie der hl. Augustinus kurz bemerkt, vom höchsten Wesen ab und zu sich hin. Und der göttliche Heiland sagt vom Teufel, dass er in der Wahrheit nicht geblieben sei. Ilie . . . in veri- tute non stetil. (ckoun. 8, 44). Lucifer wollte in seinem Hochmuth wohl Gott nicht anbeten, wie er ja auf dem Berge zum Sohne Gottes sprach: „Dies Alles will ich dir geben, wenn du nieder¬ fällst und mich an bete st." (Nntlkr. 4, 9). i Catsobismus ox doorsto Coaoil. Oiid. ad paroobos, ?ii V. OoMit. Naxim. piimam dein Clement. XIII. M88u eclitus. Komas, ck/pis Camor. apostoli«. 1761. keousus Viennae, 1833. kaA. 23. — Os ooiieptione et A-rstia. ! Cap. 10. Odit. 3. ?. NiZne. Oom. 44. ool. 933. num. 27. Infolge der stolzen Erhebung und hoffärtigen Auflehnung Lucifers und seiner Dämonen entstand, wie der hl. Apostel und Evangelist Johannes schreibt, ein gewaltiger Kampf in: Himmel. „Michael und seine Engel, die ihm treu blieben, strit¬ ten mit dem Drachen, und der Drache stritt m it s a m ur t s e i n e n E n g e lrr; a ll e i n s ie sieg¬ ten nicht und i h r e S tä t t e ward nicht mehr gefunden i m H i m m c l. U n d es w a r d hi n a b- geworfen jener große Drache, die alte Schlange, welche genannt wird der Teu¬ fel und Satan, der die ganze Welt ver¬ führt. Er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm h i n a b g e s chl e n d e r t". (^pocnlvp. 12, 7 —9). Und der erste römische Papst Sanct Petrus schreibt über den Sündenfall der Engel: „G o t t hat d e r E n g el, die sich versündigten, nicht geschont, son¬ dern mit Ketten d e rHölle sie in den A b- gründ gezogen und d e r P e i n überliefert." (U. ?6tr. 2. 4). Und der hl. Apostel Judas Thaddäus bemerkt darüber: „ A u ch d i e E n g el, w e lch e i h r e Würde nicht bewahrten, sondern ihre Wohnung verlassen mussten, hat er¬ zürn großen Gerichtstage mit ewigen Banden in der Finsternis anfbehalten". (MU V608. 6). Ans dem schrecklichen Falle der bösen Engel erklärt sich auch ihr furchtbarer Neid und unversöhn¬ licher Hass gegen die Menschen, die berufen sind, ihre Stellen im Himmel einznnehuren ; erklärt sich ihre rastlose Mühe und Wirth, den Menschen zu ver¬ führen, ihn ewig unglücklich zu machen. 4. Die Aufgabe der guter: und getreuen Engel deutet schon ihr Name Engel d. i. Bote, Gesandte an, der nicht ihr Wesen, sondern ihre Tbätigkeit oder ihren Dienst ausdrückt. Und dieser Dierrst ergibt sich aus dem Verhältnisse, irr welchem sie zu Gott, zu einander und zu uns Menschen stehen. Gott gegen¬ über leben die Engel in inniger Gemeinschaft mit ihm, sie dienen ihn: in höchster Huldigung, irr fester Treue, in tiefster Verehrung und Anbetung, in un¬ aufhörlichem Lob, Dank und Preis, in heiligem Jubel uud Frohlocke!:. Gegeneiuauder bilden sie ein 7 großes Geisterreich, und stehen in Absicht ans Er¬ kenntnis und Willen in der schönsten geistigen Ge¬ meinschaft. Als gute, selige Geister nehmen die Engel regen Antheil an dem Wohle und Wehe des menschlichen Geschlechtes, dem sie seine wahre Bestimmung erreichen Helsen. Diese ihre Thätigkeit tritt bei allen Haupt¬ perioden der göttlichen Offenbarung hervor. Schon bei der Schöpfung erscheinen fnbelnde Engel, wie wir aus dem Buche Job erfahreu. chod. 38, 4. 7). Ein Engel tritt ans, nachdem das erste Menschenpaar von Gott abgefallen und des Paradieses verlustig geworden war. (6sn. 3, 24). Engel treten auf in der Periode der Patriarchen, des Moses, des Josue (äos. 5, 13.14), der Richter (.llul. 2, 1 — 4), der Könige (III. UeZZ. 13, 18; IV. UsZZ. 1, 15), der Propheten (k. 37, 36; Onu. 14, 33. 35. 38). Insbesondere greifen sie handelnd ein in der Fülle der Zeit, in der Bollführung des Erlösungswerkes. So verkünden sie in der heil. Nacht die Geburt des langersehnten Messias, weshalb die erste unter den drei Weihnachtsmessen, gefeiert um Mitternacht, das Eugelamt genauut wird. Des- gleicheu melden sie die glorreiche Auferstehung und die Himmelfahrt des göttlichen Erlösers. Sie ver¬ mitteln und befördern das apostolische Wirken in der ersten Kirche, wie uns der hl. Lukas in seiner Apostel¬ geschichte ausführlich berichtet. (Apostelgesch. 8, 26; 10, 1—8. II. 13; 12, 5 — 12; 27, 22—26). Endlich werden die Engel beim letzten allgemeinen Weltgerichte erscheinen und ihres Amtes walten. „Und dann wird das Zeichen des Menschen¬ sohnes am Himmel erscheinen und daun werden alle Geschlechter der Erde weh¬ klagen und sie werden den Menschensvhn kommen sehen in den Wolken des Him¬ mels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel mit der Posaune senden, mit g roß e m S ch a lle; und sie wer¬ den seine Auserwählten von den vier Win¬ den, von einem Eirde des Himmels bis zum andern zusammen bring en ... Und es werden alle Völker vor ihm versam¬ melt werden, und er wird sie von einan¬ der scheiden (durch seine Engel), wie ein Hirte d i e S ch a fe von d e n Böck e n scheidet". (Nntlli. 24, 30. 31; 25, 32). 5. Was die Engel im Großen für das Menschen¬ geschlecht sind und wirken, das ist und wirkt der ein¬ zelne Engel für den einzelnen Menschen als sein trener Schutzengel. (?s. 90, 11. 12; Uebr. 1, 14). Dass die Kleinen ihre Schutzengel haben, wird in der Hl. Schrift des alten Testamentes oft angedeutet (Ueu. 48, 16; ?s. 33, 8), und der göttliche Kinder- freund lehrt es selbst, indem er vor dem Ärgernisse der unschuldigen Kinder also warnt: „Sehet zu, dass ihr Keines aus diesen Kleinen ver¬ achtet; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist". (Llnttll. 18. 10.) Nach der eimnüthigen Ansicht der hl. Väter und Lehrer der Kirche steht auch der Erwachsene, zu¬ mal der Christgläubige (Apostelgesch. 12, 15), unter der Obhut und Sorge eines Engels, wovon wir uns wohl auch durch die Erfahrung hinreichend überzeugen können. NnZnu äiZuitnZ nnirunruin, ruft darum der hl. Hieronymus aus, ut uuneiuu 6 que llubeut ub ortu nutivitg-tis in eustoäiurn sui unZelum äsIeZntum. Groß ist die Würde der Seelen, dass jede von ihrem Dasein an zu ihrem Schutze einen abgesandten Engel hat. Fürwahr, unbegreiflich und unaussprechlich groß und erhaben sind die Geheimnisse der Erbarmnngen Gottes gegen uns Menschen. Und unter diese tiefsten Mysterien göttlicher Erbarmnngen gehört die zwar unsichtbare, aber wirkliche Verbindung, welche wir arme Menschen ans Erden mit den Engeln im Him¬ mel haben, eine Verbindung, die nicht weniger von der Allmacht und Weisheit Gottes, als von seiner Liebe und Güte gegen das Menschengeschlecht ein überaus rühmendes, "nmuthsvotles Zeugnis gibt. „Was ist der Mensch", können wir da mit Da¬ vid fragen, „dass du seiner gedenkest? . . . Du hast ihn nur wenig unter die Engel erniedrigt, mit Herrlichkeit und Ehre ihn gekrönt." (?s. 8, 5. 6). Nichts wollte der ' I4K. 3. Ooillmsnt. in cap. 18. NMtü. Vergl. Veswm lloäioat. 8. älieliaelis aroliallg-. dio 29. 8spt. lecrt. IX. 8 allgütige und erbarmungsreiche Gott unterlassen, was mir immer zn unseren: Heile nützlich und dienlich ist, was uns die Erbschaft des ewigen Lebens sichern könnte. Und darum hat er auch seinen Engeln be¬ sohlen, dass sie uns auf allen Wegen und Stegen be¬ wahren sollen. O wundervolle Liebe, ruft in An¬ betracht dieser heilvollen Verbindung der honig- fließende Kirchenlehrer Sauet Bernardus aus, o wundervolle Liebe, in welche uns Gottes Vatersorge mit den Engeln gesetzt hat! — Ja, o unendliche Liebe des himmlischen Vaters, der zu uns, wie zu seinen Freunden, seine Engel als Diener ab ordnet. Worin besteht nun der Liebesdienst, den die Engel den Menschen erweisen? Vorab besteht der¬ selbe in der Leistung des Schutzes und Beistandes, im Einflößen des Trostes und Muthes. Znu: Volke Israel sprach Gott der Herr: „Siehe, ich sende meinen Engel, dass er vor dir herziehe und dich beschütze aus dem Wege und dich führe an den Ort, den ich dir bereitet habe. Gib acht auf ihn und höre seine Stimme. . .Denn w e n n d n s e i n e Stiin m e hörst, so will ich d e r F e i n d deiner Feinde sein und will schlagen diejenigen, die dich schlagen. Und mein Engel wird vor dir hergehen und dich hin führen." (Lxock 23, 20—2.3). Und es geschah so. Der Engel gieng Vör¬ den Israeliten her, des Tages in einer Wolkenfttnle, des Nachts in einer Fenersänle, und war ihr An¬ führer und Regierer, ihr Schützer und Schirmer auf der gefahrvollen Wanderung. Ein Schutzengel war es, der in der Wüste Bersabee bei einen: Wasser¬ brunnen der tiefbetrübten Hagar erschien, um durch Aufdeckung einer frischen Wasserqnelle ihren vor Durst verschmachtenden Sohn Ismael vor sicheren: Tode zn retten. (Lien. 16, 7; 21, 17 — 19). „Mache dich auf", bestürmten zwei Engel in Sodoma den schuld¬ losen Lot, „nimm dein Weib und die zwei Töchter, die du hast, damit nicht auch du mit der gottlosen Stadt z n Grunde gehest." Und als Lot darauf uicht achtete, ergriffe:: sie ihn, sein Weib und seine beiden Töchter bei der Hand und führten sie vor die Stadt hinaus mit dem Mahnrufe: „R e tte dein Lebe:: und schaue nicht um, stehe auch in der ganzen uinlie¬ genden Gegend nicht still, sondern fliehe ans den Berg, der vor dir liegt." (den. 19, 15-17). Herrlich und trostvoll ist die Schilderung, welche der gekrönte Psalmendichter David von dein Schutze der Engel entwirft. „Kein Unglück wird zn dir kommen und keine Plage nahen deinen: Zelte. Denn seinen Engeln hat er deinethalben befohlen, dich zu behüten auf allen d e i n e n W e g e n. A n f d e n H ä n d e n werden sie dichtragen, dass nicht etwa an einen Stein stoße dein Fuß. Auf Nattern und Basilisken wirst du wandeln und zertreten Löwen und Drachen." (?8. 90, 10 — 13). Diesen: heiligen Schriftworte zufolge gehen die Engel mit uns um, wie die liebende Mutter mit ihren: geliebten Kinde, das noch keinen festen Schritt und Tritt auf der Erde «rachen kann. Sobald die Mutter sieht, dass das schwache Kind zu wauken be- ginut, eilt sie ihn: entgegen, streckt die Hand darnach aus, nimmt es auf ihren Arn: und trägt es freudig und sanft fort. Nicht genug. Das alte Testament erzählt gar viele Beispiele vom thätigen, sichtbaren Eingreifen der hl. Engel zum Schutze der Guten und Gerechten. Sennacherib, der mächtige König Assyriens, be¬ lagerte mit einen: zahlreichen Kriegsheere die Stadt Jerusalem, deren frommer König Ezechias nur auf Gott feste Hoffnung setzte. Und Isaias der Prophet kau: zum Könige und sprach zn ihm im Auftrage Gottes: „Sennacherib soll nicht in die Stadt hi nab ko mm en, nicht ei nur al einen Pfeil wird er hinein schnellen . . . Den Weg wird er zurücknehm en, den er ge¬ kommen. Denn ich will diese Stadt be¬ schützen und ihr helfen." Und der Engel des Herrn kau: in der Nacht und erschlug in: Lager der Assyrier 185.000 Mann. Und als Sennacherib in der Frühe aufstand und die Leichname sah, zog er ab und floh. (IV. UsM. 19, 32—35). Die lieblichste Geschichte aber, die uns in: alten Bunde von den Schutzengeln erzählt wird, ist anerkanntermaßen der erhebende Bericht über den Engel, welcher unter der 9 Gestalt eines ansehnlichen Jünglings den jungen Tobias in fernes Land begleitet, ihm treu gedient und ihn wohlerhalten in das Haus der lieben Eltern hcimgefiihrt hat. „Vater", fragte nun der glückliche Sohn den noch glücklicheren Vater, „was sollen wir diesem hl. Manne zur Belohnung geben, oder womit können wir ihm seine Wohlthaten nach Gebür vergelten? Er hat mich gesund hin und her geführt; das Geld, welches dir Gabelns schuldig war, hat er selbst abgeholt. Er hat mir zur Braut verholfen, hat von ihr den bösen Geist vertrieben und dadurch i h r e E lt e ru erfreut. Er hat mich aus dem Rachen des Fisches errettet, hat dir das Augenlicht wieder gegeben, mit allem Guten sind wir von ihm überhäuft worden." (lob. 12, 2. 3). Ich könnte noch weiters den Engel erwähnen, der die Hand Abrahams hielt, dass er nicht Isaak als Opfer schlachtete, (den. 22, 11. 12). Ich könnte auch Hinweisen ans den Engel, der Judith in das Zelt des Holofernes und zurück schützend geleitete, wie dies die Heldin mit den Worten bethenert: „So wahr der Herr lebt, hat mich sein Engel behütet, da ich von hier weg- gieng und dort weilte und von dort hie- her zu rückkehrte; und der Herr ließ nicht zu, dass ich, seine Magd, befleckt würde, sondern ries mich ohne Befleckung der Sünde zurück zu euch iu der Freude, dass er gesiegt, dass ich entronnen u n d i h r er¬ rettetseid. Lobet ihn Alle; denn er ist gut, denn seine Barmherzigket währt ewig!" (ckucbtb 13, 20.21). Ich könnte ansühreu den Engel, der die Gluten des Feuerosens kühlte, dass die drei Jünglinge Anamas, Azaria und Misael unversehrt blieben; und jenen, der den Pro¬ pheten Habakuk zur Löwengrube führte, um den: Daniel daselbst Speist' zu briugen. (vmr. 3, 49. 50; 14, 33). Ich könnte ferner erzählen von dein Engel mit weißem Gewände und goldenem Harnische, unter dessen Anführung Judas der Machabäer den Feldherrn Lhsias in die Flucht geschlagen hat (U. Nne. 11, 8. 12); aber ich übergehe dies und vieles Andere ans denn alten Bunde, weil uns noch der neue Bund eine Fülle von unanfechtbaren Beweisen bietet für die Hilfe und den Schutz, für die Ermu- thiguug und den Trost, welchen die Engel den Men¬ schen gewähren. 6. Sei gegrüßt, du Gnadeuvolle, sprach der Erzengel Gabriel in Nazareth zu Maria, und fürchte dich nicht; denn du hast Gnade gesunden bei Gott. Siehe, du wirst einen Sohn gebären und du sollst seinen Namen Jesns heißen. Er wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden, (bue. 1, 28. 30—32). Und als sich diese Prophezeiung erfüllte, da überbrachten die frohe Kunde den Hirten aus Bethlehems Fluren Engel vom Himmel lind unterrichteteil sie genau über den Ort der Geburt des Weltheilandes. Uud wir sehen später dem Menschenerlöser Engel in der Wüste dienen, nachdem er den Versucher und Verführer Adams bezwungen hatte. Ein Engel war es, der den irr Gethsemani blutschwitzenden Heiland stärkte und labte. Ein Freudenbote von des Himmels lichten Höhen war es, der die frommen Frauen am Grabe tröstete und zuerst der erstaunten Welt das freudenreiche Ereignis der Auferstehung des Siegers über den Tod und Satan verkündete. Ein Trostengel Ivar es, der am Ölberge die dem zum Himmel auffahrenden Heilande betrübt nachblickenden Jünger mit der Hoffnung ans das abermalige Erscheinen desselben Jesus ermnthigte. Und als nach der Herabknnst des Hl. Geistes die Zwölf- boten ohne Unterlass predigten, dass Jesus Christus voll den Todten auserstanden, dass er der verheißene Messias sei, ergriff man sie und warf sie in den Kerker; aber ein Engel des Himmels öffnete in der Nacht die Kerkerthür, führte die Apostel ins Freie und sprach: „G e h e t hin, tretet ans n n d sp r e- chet im Tempel zn dem Volke die Worte dieses Lebens." (Apostelgesch. 5, 20). Bald darauf stieg abermals ein Engel vom Himmel und öffnete dem Apostelsürsten und Völker-Hirten Petrus den Kerker, als in wenigen Stunden schon das Todes- urtheil an ihm vollstreckt werden sollte. „Siehe, aus einmal st a ll d e i n E n g e l d e s H e r r n da, 2 10 — und Licht strahlte im Gemache; und er stieß Petrus an die Seite, weckte ihn auf und sprach: Stehe eilig auf! Und es fielen ihm die Ketten Vvn den Händen . . . Sie giengen nun durch die erste und zweite Wache n n d k a m en zu dem eisernen T h o r e, welches in die Stadt führt. Dieses öff¬ nete sich ihnen von selbst, und sie traten hinaus uud gieugeu eiue Gasse Vorau, uu d plötzl i ch s ch i e d d e r E n g e l v o n i h in. Da k ain Petrus z u s i ch s e l b st n n d s p r a ch: N u u weiß ich wahrhaftig, dass der H err sei nen Engel gesandt und mich entrissen hat der Hand des Her ödes und aller Erwartung des Volkes der Inden." (Apostelgesch. 12, 7. 10. 11). Als nun der befreite Apostel zum Hanse Mariä, der Mutter des Johannes Marcus kam, wo Viele versammelt waren und beteten, nnd als er an die Thüre des Borhofes klopfte und eine Magd urit Namen Rhode seine Stimme erkannte und hin- einlies mit der Meldung, dass Petrus vor der Thüre stehe, meinten die Versammelten: „Es ist sein Engel." (Apostelgesch 12, 15). Der große Weltapostel Panlus gerieth ans seiner Deportationsreise von Caesarea Stratonis nach Rom in die Gefahr, mitsammt seinen Schisss- genossen in der Meerestiefe begraben zu werden. Schon ivar alles Geräthe über den Bord geworfen. Man sah weder Sonne noch Sterne. Der Schiff¬ bruch schien unvermeidlich zu sein. Da war nachts zuvor ein Engel des Herrn dem hl. Paulus er¬ schienen mit der Tröstung: „Fürchte dich nicht, P a n l u s! Du m n s s t d e m K a i s e r v o r g e stellt werden; und siehe, Gott hat dir Alle ge¬ schenkt, die mit dir im Schiffe sind." (Apostelgesch. 27, 24). Und im Augenblicke der höchsten Bedrängnis trat Paulus unter seine Reise¬ gefährten mit der Mahnung: „Seid wohlgemut h, Mä u u e r; d e u u i ch g l a u b e G o tt, dass es so geschehe« w i rd, wie m i r v o m E u g e l g e s a g t wordeu ist." (Apostelgesch. 27, 25). Und so war es. Zweihundertsechsundsiebzig Seelen waren im Schiffe, nnd als dasselbe scheiterte, retteten sich alle aufs trockene Land. 7. Diese und noch andere ähnliche Ereignisse sind uns im Buche der Bücher ausbewahrt als un¬ widerlegliche Zeugnisse der engen Verbindung, die zwischen den Menschen und den Engeln besteht, und sind unbestritten geeignet, uns zu überzeugen, dass uns die himmlischen Freunde ans mannigfache Weise durch äußere Begegnisse nnd innere Ermahnungen und Warnungen ans der Wanderschaft ins himm¬ lische Vaterland schlitzend und schirmend, tröstend und ermuthigend zur Seite stehen. Ein weiterer Dienst der Engel besteht darin, dass sie unsere Gebete nnd Verdienste, überhaupt unsere guten Werke zum Throne Gottes tragen. „Als du b e t e t e st u u t e r T h r ä n e n", versicherte Rafael den Vater Tobias, „als du die Todt en begrubest und dein Essen stehen ließest und die Todt en bei Tag verbärgest in d e i n e m H a u s e n n d b e i N a ch t s i e b e g r u best, da brachte ich dein Gebet vor den Herrn." (lob. 12, 12). Und Sanet Johannes, der große Prophet des neuen Bundes, sah in seiner Verzückung einen Engel vor dem Altäre des Herrn stehen mit goldenem Nauchsasse. „Und es wurde ihm viel Nauchwerk gegeben, damit er von den Ge¬ beten aller Heiligen ans den goldenen Altar legen sollte, der vor dem Throne Gottes ist. Und es stieg der Rauch des Rauch werk es von den Gebeten der Hei¬ lig« n aus der Hand des Engels vor Gott." (IpoonIp. 8, 3. 4). Und wir katholische Priester beten täglich am Altäre und stehen zu Gott: „Lass diese Opsergaben durch die Hände deines hl. Engels bis zu deinem erha¬ benen Altar bringen vor das Angesicht deiner göttlichen Majestät." Dazu bemerkt der seraphische Lehrer Bonaventura, dass die hl. Engel unsere Gebete Gott darbringeu, damit sie urit denselben zugleich ihre reinen heiligen Wünsche ver¬ einigen und so dieselben wirksamer machen können. Ein anderer Engelsdienst besteht darin, dass uns die hl. Schutzengel belehren, was der Wille Gottes ist, was wir thnn und was wir meiden sollen. So erinnerte ein Engel Hagar, die Magd Abrahams und Sarä, an ihre Pflicht, zur Gebieterin — 11 zurückzukehren und sich zu demüthigeu uuter ihre Hand. (Con. 16, 9). So unterrichtete ein Engel den hl. Joses, dass er ohne Bedenken Maria, die ihm angelobte Braut heimsühren solle, wie auch, dass er mit ihr uud mit ihrem göttlichen Jesukinde die Flucht nach Ägypten ergreifen, und wiederum, wanu er ius geliebte Baterlaud heimkehreu solle. So er¬ mahnte ein Engel den heidnischen Hauptmann Cor¬ nelius, dell Apostel Perrus aufzusuchen, um sich vou demselben im wahren Glauben unterrichten zu lassen. (Apostelgesch. 10, 3). In der Geschichte der Heiligen lesen wir, dass ein Engel der hl. Franeisea Romana beständig zur Seite stand, sie vor jeglicher Sunde warnte und strenge ahndete, so sie solche begieng. Aus dem bisher Vorgebrachten erhellt Wohl deutlich, dass die Engel große und wichtige Dienste den Menschen leisten, wenn es zu ihrem Seelenheile unbedingt nothwendig ist. Doch Liebe erfordert Gegenliebe. Darum fragt es sich jetzt, zu welchen Gegendiensten verpflichten uns die Liebesdienste der Engel? 8. Geliebte in: Herrn! Wir vernahmen zuvor, wie sich der greise Tobias mit seinem Sohne berieth, ans welche Weise sie dem himmlischen Reisebegleiter die erwiesenen Dienste entgelten sollten. „Was können wir d i e s e m h e ili g e n M a n n e g e ben, der mit dir gekommen ist", fragte der besorgte Vater den Sohn. „Vater", antwortete der junge Tobias, „welchen Lohn sollen wir ihm geben, oder womit können feine Wohl- th a t e n n a ch V e r d i e n st v e r g o l t e n w e r d e u?" (lob. 12, 1. 2). Auch wir, liebe Diöeesanen, müssen uns fragen, was wir den Schutzengeln, unseren Be¬ gleitern und Führern ans unserem fährnisvollen Lebenspfade, schulden. Nur durch die Dankbarkeit vermögen wir unseren Schutzgeistern die vielen und großen Wohlthaten theilweise zu vergelten, welche sie uns von der Wiege bis zum Grabe erweisen. Etwas Anderes können wir nicht thnn, da die Engel bereits r Vergl. Dr. Joseph Anton Keller, zweihundertzwanzig Engels-Geschichten zur Belebung des Vertrauens auf den Schutz und die Fürbitte der hl. Engel. Mainz, 1889. 2. Aufl. S. 30 ll. die Freuden der ewigen Glückseligkeit genießen und so unser nicht bedürfen. Diese Dankbarkeit nun, welche Nur unseren Schutzengeln schulden, kann sich mannigfaltigst änßern. Sie äußert sich, wenn wir den Engeln Ehre erweisen. Mit Ehrerbietung müssen wir gegen die Engel erfüllt sein bei dem Gedanken an ihre Heilig¬ keit und Reinheit, die sie würdig macht, immerdar das Angesicht Gottes zu schauen, wie dies das hl. Evangelium an: Eugelseste lehrt. (Lbcklli. 18, 10). Ehre» uud achten wir sie stets dadurch, dass wir uus mor¬ gens und abends mW tagsüber ihren: mächtigen Schutze driugeudst auempsehlen. Unsere Erkenntlichkeit gegen die Engel beweisen wir ferner dadnrch, dass wir ihnen unsere Liebe, unsere Herzen schenken. Die Engel lieben uns mit himmlischer Liebe, da sie besser wisset: und begreifen, als irgend ein Mensch, was Jesus Christus für uns gethan und gelitten hat. Und eben aus dieser Liebe zu uns tragen sie unsere guten Werke zum Throne des Allmächtigen. Auch als Süuder könnet: wir ihnen Liebesdienste erweisen, in¬ dem Nur uns bekehren und Buße thnn. Versichert uns doch Jesus Christus selbst, dass eiue größere Freude uuter den Engeln herrsche iiber die Bekehrung eines Sünders, als über neunundneunzig Gerechte, welche der Buße uicht bedürfet: (llue. 15, 7. 10). O, wem: alle Diöcesauen die hl. Fastenzeit im Ge¬ bete und in der Betrachtung, in Buße und Abtödtnng znbrächten, und sodann alle die hl. Osterbeicht ver¬ richteten und die hl. Communion empsieugen, welche Wonne würde walten unter ihren Schutzengel:: in: Himmel! Wie würden sie alle die Bußwcrke ihrer Schützlinge hiutragen vor dei: Thron des Aller¬ höchsten, und ihnen da neue Gnaden erbitten und erwirken! Wir zeige;: uns ferner dankbar gegen die Engel, wenn wir ihnen unser Vertrauen schenken. Dies ge¬ schieht, so wir sie in allen unseren Anliegen demü- thigst um ihren Beistand anrusen. „Lasset uns in aller: Gefahren", schreibt der hl. Bernardus, „in allen Versuchungen, in allen Zwei¬ feln, bei allen unseren Handlung ei: zu unseren Engeln Zuflucht uehmen, ihre Hilfe anrusen, sie bitten, dass sie uns 2* 12 — helfen und Muth einflößen!" Damit wir sie aber jederzeit au unserer Seite haben, hüten Nur uns vor schweren Sünden und Fehlern. Denn „wie der Rauch die Bienen verscheucht, so ver¬ treibt die Sünde d i e S ch n tz e n g el unseres Lebens", bemerkt treffend der hl. Basilius der Große. Wir werden immer sehr leicht unsere bösen Neigungen und Leidenschaften besiegen, wenn wir uns lebhaft den zur Seite unsichtbar stehenden Schntzgeist vergegenwärtigen, wenn wir die Abscheu des Engels vor dem Bösen, vor der Sünde be¬ denken. Den größten und besten Dank aber erweisen Nur unseren Schutzengeln durch eifrige Nachahmung ihres hehren Beispieles. Die Engel dienen uns Men¬ schen und schützen uns aus Liebe zu Gott. Dies soll uus antreibeu, auch Gott unsere Liebe zu beweise» durch die Liebe zu unserem Nächsten, indem wir für fein zeitliches und ewiges Wohl besorgt und thätig sind, indem wir uns besonders jener annehmen durch Wort und That, deren Obsorge uns anvertraut ist. Der berühmte Missionär ?. Matthias Faber Pflegte beim Eintreffen in eine Missionsstation die Engel der Ortsbewohner zu bitten, dass sie diesen williges Ohr und geneigtes Herz von Gott erflehen mögen. Faber war so selbst für die Bewohner ein wahrer Engel. Es ist ja ein englischer Dienst, aber auch ein englisches Verdienst, alles zum Wohle des Nächsten zu thnn, nur ihn ans der Heilsbahn zu erhalten. —- Die Engel sollen uns erhabene Vorbilder sein in der Anbetung und Erfüllung des göttlichen Willens. Mit Blitzesschnelle vollziehen und Vollstrecken sie die Be¬ fehle Gottes, was die christliche Kunst durch Abbil¬ dung der Engel mit Flügeln ausdrücken und versinn- bilden will. Der göttliche Heiland lehrt uns beten: Dein Wille geschehe, wie in: Himmel so auf Erden. Diesen Willen des himmlischen Vaters werden wir nach dem Beispiele der Engel erfüllen, wenn wir die Gebote Gottes und der Kirche halten, welche uns ja feinen heiligen Willen kundthun. Bollführen wir gerne den göttlichen Willen, dann bereiten wir > Ux 86IM0N6 12. 8UP6I' ?8k0mO8. 2 In ?8kämum 33. MIM. 5. (Vergl. Lrumtornm Zvltkmä. MA. 30. mn». 141). Wie dem Herrn der Heerscharen, so auch unseren lieben Engeln die größte Wonne. Da nun die Engel von ihren Schutzbefohlenen alles abwehren, was das leibliche und geistige Leben des Menschen zu schädigen vermag; da sie die Führer der Seelen sind durch heilsame Warnungen und Weckungen, durch Tröstungen und Stärkungen; da sie die Gebete der Menschen Gott darbringen und selbst bittend und fürsprechend für sie auftreten und einstehen; da sie heilige Freude empfinden über die Abkehr des Menschen vom Bösen und über den Fort¬ schritt im Guten, sich hingegen betrüben über die Verirrungen der Pflegebefohlenen und Strafe bringen den Bösen, wie ein Engel des Herrn den König Herodes schlug, weil er Gott die Ehre nicht gegeben hatte, so dass er von Würmern gefressen den Geist anfgab (Apostelgesch. 12, 23), so ist ans allem dein die große Verehrung und eifrige Anrufung gar leicht erklärlich, welche ihnen im alten und neuen Bunde zu theil ward. „Als Iosue auf dem Felde der Stadt Jericho war . . . sah er einen Mann g e g e n s i ch st e h en, der e i n g e z o g e n e s Schwert in seiner Hand hielt, und er gieng auf ihu zu nnd sprach: Bist du vou uus oder unseren Fe iudeu? Und er ant¬ wortete: Nein, sondern ich bin der Fürst vom Herrn des Herrn und komme nun." Dieser Fürst war nach der Allsicht gewiegter Bibel¬ erklärer Michael, der Beschützer des anserwählten Volkes. Als Iosue die Antwort vernahm, siel er auf sein Angesicht zur Erde und verehrte den Engel des Herrn, (los. 5, 13—15). Im neuen Testamente erwiesen voll allem Anfänge all die Gläubigen ihren Schutzengeln eine ausgezeichnete Verehrung. Alsbald, und zwar schon nn 2., 3. und 4. Jahrhunderte, zeigen sich Spuren von kirchlichen Festen, die zu ihrer Verherrlichung und Lobpreisung eingesetzt wurden. Das liebliche Fest aller Engel, vornehmlich der Schutzengel, ist altehrwürdig, wurde im 11. Jahr¬ hunderte auf die ganze Kirche ausgedehnt und im Jahre 1670 allgemein auf den 2. October festgesetzt; für die Länder des ehemaligen römischen Reiches ist aber dessen Feier mit einer Octav am 1. Sonntage — 13 — im September, dem Engelmonate, gestattet. Die Kirche hat ferner nnter den Votiv-Messen nnd Of- sieien in der Woche jenes über die Engel für den Montag angesetzt, so dass der zweite Wochentag den Engeln gewidmet erscheint und als der Engeltag gilt. Zu Ehren jener drei Engel, deren Namen die Hl. Schrift übermittelt, wurden eigene Feste eingesetzt: das Fest des hl. Erzengels Gabriel am 18. (24.) März, das Fest des hl. Erzengels Rafael am 24. Oetober, und insbesondere das Fest des hl. Erz¬ engels Michael, des Fürsten und Führers der getreuen Engel, des mächtigen Vorkämpfers für die Ehre Gottes, des gewaltigen Überwinders Lucifers und feines Anhanges, am 29. September, während am 8. Mai das Fest seiner wunderbaren Erscheinung ans dein Berge Garganns noch eigens kirchlich begangen wird. Mit vollein Rechte erfreut sich Sauet Michael ausnehmender Auszeichnung seitens der Kirche und ihrer Gläubigen. Darum ist es auch würdig und gerecht, billig nnd heilsam, so wir von diesem glor¬ reichen Engelfürsten und machtvollen Beschützer nnd Hüter unserer hl. Kirche besonders handeln. Werehrung des hl". Erzengels Wichael'. Geliebte im Herrn! Andacht zn Sanet Michael läßt sich hinauf bis zn den Anfängen des Christenthums verfolgen. 1. In der besten Beschreibung der Heiligen, im neuen Testamente, wird Sanet Michael öfters erwähnt. i Vorab nennt ihn der heil. Apostel Michael ist ein hebräischer Name, zusammengesetzt aus der Fragepartikel mi, wer; dem Oapb oompuia- tiorns, wie und dem Gottcsnamen al, Gott: also Werwic- gott. Gabriel bedeutet: Kraft Gottes; Rafael: Heilung Gottes. Wie Michael als Streiter Gottes den Engeln des Kampfes, so steht Rafael den hl. Schutzengeln und Gabriel als Engel Judas Thaddäus im nennten Verse seines schönen Briefes, wo der Hüter Israels nm den Leichnam Mosis urit Satan streitet, und dann den Todten be¬ gräbt, ohne dass die Israeliten tuns sten wohin, und dies deshalb, damit sie ihrem Führer und Gesetzgeber nicht göttliche Verehrung erweisen würden. Dies miss¬ fiel dem Satan; er wollte den Leichnam haben, um ihn zum Falle der Israeliten zn benützet:. Der Erz¬ engel wehrte es ihn: ohne Lästerwort nut dem Rufe: I m p e ret tibi I) o m 1 n n 8. D e r H err gebiete dir, er bezwinge dich. (4n6. v. 9). Da Sanet Michael den berühmten Führer Israels, Moses, auch nach dem Tode beschirmte, so beweist dies, dass er für das auserwählte Volk besonders sorgte, dass er wahrhaftig „d e r g r oß e Fürst war, w e lch e r ei n- stand für die Kinder des Volkes Israel." (I)nn. 12, 1). Mit Auszeichnung wird Sanet Michael in der geheimen Offenbarung des bl. Johannes erwähnt, wo er als der Besieger und Bezwinger des Satans und als Vertheidiger der Gemeinde der Heiligen d. i. der Kirche erscheint. „Und es erhob sich", schreibt Johannes so erhaben schön, „ein großer Streit im Himmel. Michael und seine Engel stritten mit de in D r a ch e n, und d e r D r a ch e stritt mitfammt seinen Engeln; aber sie siegten nicht, und ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward hinabgeworfen jener große Drache, die alte Schlange, welche genannt wird der Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt; er ward hinabgeworfen auf die Erde und seine Engel wurden urit ihn: hinabgeschleudert." (Jpoenl^p. 12, 7 — 9). Wie Michael in: alten Bunde der Sachwalter und Be¬ schützer des Volkes Gottes war, so erweist er sich hier als der mächtige Schutz- und Schirmvogt des wahren Israel — der Kirche. Wie er einst dem guten Geiste der Verkündigung den himmlischen Herolden vor. Übrigens wird Michael genannt urelmnAslus, Erzengel, nicht gerade als gehöre er zur Reihe und Ordnung der Erzengel, sondern weil er das Haupt und der Führer aller Engel ist. Die Griechen nennen ihn den Oberanführer der himmlischen Miliz. 14 — der Weltmacht beistand, diese für Israel günstig zn stimmen, so kommt zuletzt die Sache des christlichen Israel durch ihn zum Siege uud Triumphe. Dass Sauet Michael der Schutzgcist des christlichem Volkes sei, ist der Hl. Schrift gauz gemäß uud eine ganz natürliche Folgerung daraus. Dies war die Ursache frühester Verehrung des himmlischen Helden in der katholischen Kirche. Dar¬ aus erklärt sich die geschichtliche Thatsache, dass ihm baldigst Feste, Kirchen, Kapellen und Altäre im Morgen- und Abendlande geweiht und gewidmet wurden. In der altberühmten Stadt Phrygiens, Colossä, später Cchone, ward schon im 2. Jahrhun¬ derte nach Simon Metaphrastes und anderen Schrift¬ stellern ein eigenes Fest zu Ehren des hl. Michael gefeiert zur dankbaren Erinnerung an das wunder¬ bare Erscheinen des Erzengels einem Manne, dessen stumme Tochter augenblicklich die Sprache erhielt. Zugleich erbaute uran eine Kirche, welche Sauet Michael gegen alle Entweihungen seitens der Ungläu¬ bigen schützte und bewahrte. ' Die rühmlichst be¬ kannten Verfasser der Biographien von Heiligen, die Bollandisten, erzählen zum Michaelsseste am 29. Sep¬ tember von vielen Heilungen, welche im 5. Jahr¬ hunderte bei einer Quelle nahe der Stadt Colossä durch die Vermittlung des hl. Michael geschahen. Überdies berichten sie von einer prächtigen Kirche, die daselbst gebaut uud zu Ehreu des große» Engel- fürsten eiugeweiht ward. 2 Bekauut uud historisch verbürgt ist die außer¬ ordentliche Verehrung unseres heil. Erzengels in Cou- stantinopel, der Haupt- uud Residenzstadt des großen ostrvmischen Kaiserreiches. Durch kaiserliche Stiftungen r Die Griechen feiern noch heute am 6. September das Fest der Erinnerung an das Wunder, gewirkt durch den himmlischen Fürsten Michael in der Stadt Colossä, wodurch die Kirche vor Überschwemmung durch einen, von den Un¬ gläubigen gegen sie geleiteten Fluss gerettet wurde, indem Michael mit einem Stabe den nahen Fels spaltete und den Fluss durch denselben leitete. Vergl. Xisol. Miss 8. 4, Kalendarium manuals utriusquo ssslssias orisntalis st osei- dsntalis. Ddit. II. Osniponts, 1896. Dom. I. paß'. 271. ? Weta 8anstoruw Lollandiana. Darisiis apud Vistorem Uulms. Dom. VIII. 8sptsmbr. paK. 9 sqq. erhoben sich allmählich sünszehu Kirchen zu Ehren des mächtigen Streiters Gottes. Die allererste Kirche ließ Kaiser Constantin der Große banen nnd würdevoll aus¬ statten zum frommen Andenken an die wunderbare Er¬ scheinung, welche die Bekehrung des Kaisers und den großartigen Sieg über Mapeutius und die Erhebung der christlichen Religion zur Staatsreligion zur Folge hatte. Wie Firmiauus Qetantius, so schreiben auch andere christliche Schriftsteller der Fürbitte des hl. Erzengels Michael den großen Sieg über das Hciden- thum zu. Nach Erbauung der prachtvollen Kirche in Coustautiuvpel erschien Sauet Michael dem Kaiser Constantin und sprach zu ihm: „Ich bin Michael, der Oberste der Heerscharen des Herrn Sabaoth, der Beschützer des christlichen Glaubens, welcher dir, als du gegen gottlose Tyrannen kämpstest, die Waffen der Hilfe in die Hände gab." Hermias Sozomenns, Sachwalter in Constantinopel nnd Fortsetzer der Kirchengesckichte des Eusebius, spricht von der be¬ rühmten Michaels-Kirche ungefähr also: Diese Ba¬ silika trägt den Namen Nieünslium, weil man allgemein glaubt, der große Engel erscheine in derselben. Dass au diesem Orte große Wunder ge¬ schehen, davon bin ich selber Zeuge, weil mir in einer besonderen Bedrängnis und Noth eine unver¬ gängliche Wohlthat zu theil ward. Auch viele Andere haben daselbst Wohlthateu empfangen; denn iver sich im Unglück und in der Gefahr befindet oder von schweren Krankheiten geplagt wird nnd alldort betet, der erhält Befreiung von seinem Übel. So wurden dort zwei ausgezeichnete Männer, Aquilin nnd der Arzt Probian, wunderbar geheilt. 2 Kaiser Justinian l. (527—565) ließ zu Ehren des glorreichen Himmelsfürsten sechs Kirchen erbauen aus Dankbarkeit für den Schutz gegen die Einfälle der Feinde. Ferner stellten die griechischen Kaiser auch ihre Familien unter die Obhut des hl. Michael, wie 1 Xisspb. Oallisti, Ilistor. essles. 7, 50. Vergl. Oor- nslü a Dapids, Oommsntaria in 8sripturam 8aoram. Dxpos. in Danielom. Darisiw, 1874. Dom. XIII, Da^. 166 mim. 15. 2 Ilistorms ssslssiastisLS, quam Dripartitam vosant, libri XII. Xntvsrpias, UDXDVIII. Dom. II. 14b. II. Oap. XIX. Dol. 303 st 304. — 15 — bekanntlich acht griechische Herrscher selbst den Namen Michael trugen. Aus den griechischen Kaiserfahnen prangte das Bild des hl. Erzengels. Wie ehedem, so wird noch heute Sauet Michael in der orientalischen Kirche hoch verehrt und eisrigst angerusen. Seine Fest¬ tage werden urit vielem Gepränge gefeiert. Unter anderen begeht der Orden der Basilianer am 29. September das Fest „des hl. Fürsten der himm¬ lischen Miliz: Michael, des höchsten Vertheidigers des Ordens." Am 8. November wird die Syuapis oder das Zusammengehen des Archistrategen Michael und der übrigen nnkörperlichen Kräfte begangen. Nach dem Kalender des syrischen Ritus wird am gleichen Tage das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael und aller Engel gefeiert, während die Maroniten nur das Fest des hl. Erzengels Michael begehen. Die Kopten feiern an: 18. Juni das Fest des hl. Erz¬ engels Michael zugleich mit deut Bittage um das Austreteu des Nilflusses. 2 2. Indes blieb die abendländische Kirche in Be¬ zug ans die eisrige Verehrung des hl. Michael keines¬ wegs hinter dem Morgenlande zurück. Ju' Rom, dem Mittelpunkte des Christenthums, erhoben sich in ältester Zeit siinf Kirchen zu Ehren desselben. Die älteste stand aus der Bia Salaria, Die hohe Ver¬ ehrung des Mächtigsten der Engel steigerte sich in¬ folge der wunderbaren Erscheinung des Anwaltes der Christen anläßlich einer verheerenden Pest, von wel¬ cher Nom im Jahre 589 heimgesucht wurde. Der damalige Papst Gregor l. der Große und Heilige verordnete am 25. April einen solennen Bittgang. Als nun der Papst in feierlicher Proeession unter ' dlionl. tMIes 8. .1. XMomüu'ium mannalo utriu8gu6 ooolosias <>riollta,Ii8 ot oooiäsiUa>i8. I34it. II. Ooniponts, 1896. Nom. I. Nag-. 289. 319 8g. 463. et 486. 2 MIs8, op. eit. Läit. II. Oonip., 1897. Nom. II. NaZ-. 702. Übrigens findet sich in den „Niwti saori ooolosine ^loxnnäriuno von Monsignr. Cyrill Maear, apostol. Admi¬ nistrator des alexandrinischen Patriarchates der Kopten" eine Connneuwratio des hl. Erzengels Michael vor pro inmomonto Mi, pro eosli salnbritrrte, pro bensäiotionö tniAUm, die am 12. jedes Monates zu wiederholen ist. s Vergl. Anton Josef Biuterim, die vorzüglichsten Denkwürdigkeiten der christkatholischen Kirche. Mainz, 1838. Bnd. V. Thl. I. (das Fest des hl. Michael). S. 469. Gebet und Flehen gegen das altersgraue Grabmal Kaiser Hadriaus zog, da sah man liber dieser Nicsen- burg den hl. Michael schweben, Ivie er sein Flammen¬ schwert in die Scheide steckte. Darin erkannte Gregor ein vom Himmel gegebenes Zeichen, dass das Gebet des flehenden Volkes erhört worden fei. Zum immer¬ währenden Andenken an diese wunderbare Begeben¬ heit ließ Papst Gregor die Engelsbrücke erbauen und ans Dankbarkeit für die Errettung der bedrängten Stadt oben an der Stelle, wo er den Engel hatte stehen sehen, eine Kapelle zu Ehren Sauet Michaels errichten und dessen ans Erz gegossenes und vergol¬ detes Standbild darauf stellen, daher der Name Engelsbnrg, Castell sank' ünZslo. Hievon datiert auch die sogenannte Sauet Marens-Procession. Am meisten trug zur Verbreitung der Andacht zum Erzengel Michael in Italien und in der ganzen abendländischen Kirche bei die merkwürdige Erscheinung des hl. Erzengels auf dem Berge Garganns in Apu¬ lien. Unter Laurentius, dem heiligen Bischöfe von der nahe liegenden Stadt Sipontnm, erschien der hl. Michael ans der Anhöhe des genannten Berges, und zwar in einer Felfengrotte. Der apostolische Stuhl, über Alles durch den frommen Bischof unterrichtet, führte das Fest der Erscheinung des hl. Erzengels Michael ein, das seither in der Kirche stets am 8. Mai in der Kirche mit eigenem Meß- und Brevier-Osfi- eium gefeiert wird, i Bischof Laurentius baute vor¬ dem Eingauge der Grotte eiue Kirche und weihte dieses Heiligthum dem Erzeuget mit Bewilliguug des Papstes Gelasius l. (492—496) am 29. September des Jahres 493. Darum heißt noch heutzutage das Sauet Michaels-Fest am 29. September in der Kirchen¬ sprache : Ueclicntio s. Nic-ünslis nrellnngeli, die Kirch¬ weihe des Erzengels Michael. Der Berg Garganns mit der Grottenkirche Sauet Michaels blieb fortan der Zielpunkt großartiger Wallfahrten und Pilgerzüge. Alsbald entstand daselbst eine Stadt, die man einfach Sant' IlmZslo mannte und noch immer nennt. Bon den vielen heiligen Männern und Frauen, die zur * Wie N. Nikolaus Nilles berichtet, feiern auch die Jtalo-Griechen auf der Insel Sicilien am 8. Mai das Fest der Erscheinung des Erzengels Michael Lv -rö> op-,. (0p. eit. M. II. OompoMs, 1897. Nom. II. 548). — 16 — Wundergrotte des Erzengels Michael walteten, nenne ich bloß Sanct Bernardus von Clairvaux, den großen Lobredner Mariä und der Engel; ferner den gefeier¬ ten Aquinaten Sanct Thomas, der ob seiner engel¬ gleichen Unschuld der englische Lehrer heißt, und den hl. Franciseus von Assisi, der ein ausnehmend eifriger Verehrer des hl. Michael war und den Ehrennamen Seraphicns trägt. Biele Päpste wie unter Anderen Gelasius I., Agapctns I. der Heilige, Leo IX., Urban U., Jnnocenz U., Cölestin UI., Alexander UI., Gregor IX. und andere, besuchten diese Stätte nnd zeichneten sie mit reichlichen Privilegien aus. Auch Bischöfe uud Äbte, Kaiser und Könige pilgerten ans den Berg Garganus zum Heiligthume des hl. Michael und ehrten es mit kostbaren Weihgeschenken. So zog Kaiser Otto IU. (996—1002), begleitet von vielen Priestern nnd Rittern nach den: wilden Cap Garganus, das mau den Sporn Italiens, Io Zperons ä'Italm, zu nennen pflegt. In der hl. Grotte verrichtete er seine Andacht und legte viele Schätze dort nieder. Auch der fromme Kaiser Heinrich II. der Heilige (1014 bis 1024) stieg nach seinem siegreichen Zuge durch Apulien 1022 als Pilger ans den Garganus em¬ por. ' Im Jahre 1137 wallfahrtete Kaiser Lothar II. (1133—1137) von Sachsen dorthin. Zumal besuchten die Kreuzfahrer ans ihrer Hin- oder Rückfahrt den geheiligten Ort, weil derselbe ans der Straße des Orientes am adriatischen Meere liegt. Der Rus dieses wunderbaren Heiligthnmes er¬ losch nie. Vierzehn Jahrhunderte sind seit seiner Gründung verflossen. Reiche, Völker und Sprachen sind untergegangen, neue Welttheile sind entdeckt worden, tausend Kriege, tausend Schöpfungen und Erfindungen des Menschengeschlechtes haben Europa erschüttert, verwandelt, umgestaltet, aber die Verehrung des hl. Erzengels dauert auf dem Garganus unver¬ ändert fort, und wie irr den ersten Zeiten rufen auch noch heute Pilger in derselben Grotte den himmlischen Cherub um seinen Schutz und seine Fürbitte an. Es entstanden neue vielbesuchte Wallfahrtsorte Ivie Sanct Vcrgl. Ouissi Oatti, II U—13. 1 o - Io des Westens, und Sanct Michaels-Kirchen entstanden in den Westländern auf den Bergen nnd Höhen, in den Thälern und an Meeresusern. Rasch verbreitete sich der Cnlt des erhabenen Engelfürsten in Frank¬ reich, als unter der Regierung des Königs Childerich ll. der hl. Erzengel dem frommen Bischöfe Aubert zu Tuinba der Diöcese Anranches in der Normandie erschien und ihm befahl, ans der Felsenspitze, früher Schrecken des Oeeans nunmehr Michaelsberg genannt, eine Kirche zu erbaueu uud dieselbe unter seinen Schutz zu stellen. So geschah es 710, uud das Gottes¬ haus unter der Obhut der Benediktiner war stets eine von zahlreichen Pilgerzügen verehrte, mit großen Gnaden gesegnete und bevorzugte Wallfahrtsstätte. Es tvar und blieb und ist noch der Garganus der Normandie. Die Könige von Frankreich verehrten eifrig Sauet Michael und erkoren ihn zum Schutzgeist des gallischen Reiches. Der große Frankenkaiser Karl ordnete die Feier des Sanet Michaels-Festes in allen seinen Landen an. Karl VI. ließ das Bild des hl. Erzengels ans die Spitze der Kirche von Mtrs Dams cie (llmmps stellen. In außerordentlicher Weise stieg die Verehrung des Laudesschntzheiligen unter König Karl VII. (1422—1461), der selbst feine mächtige Hilfe im Kampfe gegen die Feinde erfuhr. Der König schrieb die Eroberung der Stadt Orleans und alle Ehre seiner Siege diesem Himmelshelden zu und ließ dessen Bild auf seiner Fahne anbringen mit dem Schriftspruche: „Michael, einer der vornehmsten Fürsten, kam mir zu Hilfe. Keiner half mir in diesen Sachen als Michael, euer F ü r st." Sanct Michael war nebst der hl. Katharina nnd Margarita auch der Schutzgeist der gefeierten Heldenjungfran Johanna d'Arc, deren Seligsprechnngsprocess in Nom gerade jetzt eifrigst betrieben wird, i Der hl. Erzengel munterte die fromme Heldin zum Kampfe gegen die Feinde des i Papst Lev XIII. hat die Einleitung des Seligspre- chungsprocesses angeordnet und der Johanna von Arc den damit zusammenhängenden Titel „Ehrwürdig" verliehen. Vergl. Johanna von Are, die ehrwürdige Jungfrau von Orleans. Von Heinrich Debvut, apostolischem Missionär. Auto¬ risierte Übersetzung. Mainz, 1897. Vaterlandes auf, schützte und unterstützte sie hiebei. Seit diesen glorreichen Tagen wurde die Verehrung des hl. Michael allgemein, so dass König Ludwig XI. (1461— 1483) den Anführer der himmlischen Heer¬ scharen zum unsichtbaren Feldherru seiner Truppen erkor und im Jahre 1469 einen Ritterorden, den Sanct Michaels-Orden, zu seiner Ehre entführte, dessen Versammlungen in der Michaelskirche am Sanct Michaelsberge stattfanden, bis der Orden im 17. Jahr¬ hunderte erlosch. 3. Wie Italien und Frankreich, so verehrten auch andere Länder gar eifrig den erhabenen Fürsten nnd Führer der Engel. Die auf den Bergen stehenden Götzentempel, insbesondere am Rhein, verwandelte man in Kirchen, geweiht dem Anführer der himmlischen Heerscharen. Hiefür sprechen die vielen sogenannten Michaelsberge. Bourasse bemerkt diesbezüglich: „Die ans Bergen und Höhenzügen erbauten Gotteshäuser wurden mit Vorliebe dem hl. Michael geweiht. Dieser himmlische Held, der den Satan überwand, wurde ans die An¬ höhe hingestellt, damit seine Verehrung die Christen¬ heit schütze gegen die Angriffe der Mächte der Fin¬ sternis, welche die Luft erfüllen." Es herrschte der fromme Gedaitke vor, dass sich die Engel auf den Bergspitzen, die dein Himmel am nächste!: sind, niederlasscn mit Bezug auf den schönen Spruch des Propheten Nahum: „Siehe auf den Bergen die Füße eines F r e n d e n b o ten, eines F re n- d e nv er k ü nd er s." (Xaü. 1, 15). An die Stelle der Kriegsgötter setzte man Sanct Michael mit den: Schwerte und Schilde als Hort nnd Hüter der Gläubigen. In der alten Colonia Agrippina, deut heutigen Köln, ward der Tempel des Mars dein hl. Erzengel Michael geweiht. Sanct Michael war der Schntzgeist des abendländischen Kaiserreiches. Der Ausspruch Karl des Großen nach dem Siege über Wittekind ist weithin bekannt geworden: „Sehet, der hl. Erzengel Michael hat mir geholfen." Zum Danke für diesen glänzenden Sieg ließ der Sieger seinen r Dr. Heinrich Samson, Die Allerheiligen - Litanei, geschichtlich, liturgisch und ascetisch erklärt. Paderborn, 1894. S. 53 und 54. — 19 — Ausspruch liebst dem Bilduisse des hl. Erzengels auf seine Kriegssahue setzen, wie dasselbe Bild auch das Reichsbanner zierte. Das Fest des hl. Erzengels Michael wurde durch das Coneil zu Mainz im Jahre 813 in Deutschland als Feiertag allgemein Ange¬ führt. Den hehren Namen des hl. Erzengels rief uran an um Beistand und für einen guten Ausgang der Schlachten. Zumal hat das glaubcnsfreudige Mittelalter den siegreichen Gotteshelden eifrig an- gernfen in schweren, gefahrvollen, sturmbewegten Zeiten. ' Viele Klöster und Ordensgenossenschasten wähl¬ ten Sauet Michael zu ihrem besonderen Beschützer. Stets zollten ihm die Söhne des hl. Benediet den Tribut ihrer kindlichen Verehrung. Ein glühender Verehrer des großen Engels Ivar der hl. Franeisens Seraphieus, wie dies sein berühmter Biograph, der Der schöne alte Hymnus o Karos invinvikilis, äux Lliebaol, oder das alte Lied zum hl. Michael gegen Lucifer und seinen Anhang besingt den hl. Erzengel in der ersten der acht Strophen mit den Worten: O unbesiegter Gottesheld, Fürst Michael! Komm' uns zu Hilfe, zieh' Mit zu Feld! Hilf stark uns ringen, Den Feind bezwingen, Fürst Michael! Im herrlichen Hymnus zur ersten Vesper des Sauet Michaels-Festes lässt die Kirche ihre Diener singen: Tibi miilo äorwa iniliinm vueuw eorona wilitat: Lad sxplicat vietor oruvem Ltiebael salutis MAuiter. Dir (Jesu) folgen dicht und tausendfach Die Scharen aller Engel nach; Doch Michael schwebt hehr voran, Und schwingt des Kreuzes Siegesfahu'. Und im Hymnus zu den kmucws wird Sauet Michael also angerufen: Xn^elus paeis Uiobuel in aoües Ootzlitus nostras verdat, serenae ^.uotor ut po6i8 laorimosa in orcmm Löllu rel6K6t. Sende des Friedens Engel uns hernieder, Michael, bring' doch Lieb' und Eintracht wieder. Stürze die Kriege von der Christen Schwelle Tief in die Hölle! seraphische Kirchenlehrer Bonaventura bezeugt, i Als der hl. Franeisens von Assisi vierzig Tage zu Ehren seines Lieblings fastete, betete und betrachtete, erhielt er die Wundmale des göttlichen Heilandes, wie es im römischen Breviere am 17. September in der vierten Leetion heißt. Und darum waren und sind noch immer die geistigen Söhne des gefeierten Assisi- naten warme Verehrer des hl. Michael. Einer ganz vorzüglichen Verehrnng erfreute sich Sanct Michael in Baiern, wofür die vielen Kirchen, Kapellen, Oratorien und Altäre beredtes Zeugnis ablegen. Auch hier dürften die Gotteshäuser, deren Patron Sauet Michael ist, geschlossene Götzentempel gewesen sein. Der hl. Rupertus, Salzburgs Apostel, errichtete und weihte dem hl. Erzengel über den rö¬ mischen Fundamenten viele Heiligthümer, wofür die zahlreichen Sanet Michaels-Kirchen sprechen. 2 In: Jahre 1721 wurde in Baiern ein Sanet Michaels- Verdienst-Orden gestiftet, dessen Zeichen das Kreuz bildet mit vier goldenen Buchstaben ?. U. U. das ist pistas, kortituclo, tiäslitns, psrssvsrantm, und mit dazwischen eingelegten Flammen und Donner¬ keilen. Auf der Vorderseite ist der hl. Michael ab¬ gebildet, wne er den höllischen Drachen tödtet, mit der Inschrift: tzuis ut Usus! Auch in unserem geliebten Österreich wird Sanet Michael allenthalben fleißig verehrt. Er ist der Schutzgeist des kaiserlichen Hauses, wie er am Bilde unter den Patronen Österreichs im Vorder¬ gründe steht, das „zum bleibenden, dankbarsten Ge¬ dächtnis der Erhaltung des theuersten Lebens Seiner kais. und königl. Apostolischen Majestät Franz Joseph 1. am 18. Februar 1853 Matthias Novak, Mitglied des Central-Vereines vom hl. Severinus, herausgab." Die herrliche Sanet Michaelskirche am Michaeler- Platz nächst der Kaiserburg in Wien ist zugleich auch kais. königl. Hofkirche. Außerdem sind den: hl. Erzengel zahlreiche Kirchen, Kapellen, Altäre und Oratorien in der Wiener Erzdiöeese geweiht, wie auch in allen Kirchensprengeln Österreichs und Ungarns. 1 8. Lonav. Vita 8. Vrsneisei. esp. IX. 2 Vergl. Die Heiligen Patronate der Kirchen und Ka¬ pellen in der Erzdiöeese Salzburg. Von ?. 6i. II. Salzburg, 1895. S. 24 k. 3* — 20 — Überdies tragen fromme Vereine und kirchliche Bru¬ derschaften den Namen des hehren Himmelssürsten. Die katholischen Wiener gaben ihrem ehrfurchtsvollen Vertrauen auf die Macht und Kraft der Fürsprache dieses hl. Erzengels einen schonen Ausdruck durch die im Jahre 1860 erfolgte, vom Papst Pius IX. durch Breve vom 7. März desselben Jahres gut¬ geheißene Gründung der ablassreichen Sauet Michaels- Bruderschaft, deren Mitglieder ans den vornehmsten Kreisen sich zum Gebete und zu Liebesgaben für den schwer bedrängten Papst verpflichten und alljährlich eine feierliche Hauptversammlung veranstalten. Pins IX., der große Papst, sagte in einer Privat¬ audienz im Jahre 1872 die Worte: „Die Sanct Michaels-Bruderschaft ist meine Bruderschaft." Und sein Nachfolger Leo XIII. richtete in einer Privat¬ audienz 1895 folgende Worte an die anwesenden Mitglieder des Vorstandes: „Ich wünschte, dass die Erzbrnderschaft vom hl. Erzengel Michael zu wahr¬ haftem Glanze sich entfalte und sich weit ansbreite und dadurch in deu Stand gesetzt werde, für das Wohl der Kirche wirklich Großes zu leisten." Die Andacht zum hl. Michael steigerte sich in der Neichs- Haupt- und Residenzstadt Wien seit der Feier des hochbedeutsamen Wiener Provineial-Coneils im Jahre 1858, welches den Cult des glorreichen Gotteshelden allen Gläubigen mit den Worten empfahl: „E s i st eine allgemeine Angelegenheit aller Ka¬ tholiken, dass sie sich eines vorzüglichen Cultcs des hl. Erzengels Michael, des Fürsten der Engelscharen, des Fahnen¬ trägers des Heiles befleißigen, der den Kampf m i t d e m D raü) e n s i e g r e i ch b e st a nd, und der in jener letzten Zeit der En tschei- dnng als großer Helfer erstehen wird." 2 4. Ja, ganze Länder, Staaten und Reiche, Städte und Bisthümer haben Sauet Michael zu ihrem Schutzengel erkoren, wie das Königreich Eng¬ land, der Kirchenstaat, der Canton Zug, das Erz- bisthum Salzburg, Galizien, die Städte Rom, Sa¬ lerno, Brüssel, Amsterdam, Sebenico und mehrere r Franz Beringer, op. oit. S. 678 tk. num. 31. ^eta 6t äeorota Oonoilii provineiao Viennonsis anno Domini 1858. Vinckobonao, 1859. pa^. 125. andere. Sauet Michael ist der Name unzählbarer Ortschaften. Solvent die christliche Cultur vorgedrnn- gen ist und sich ausgebreitet hat, ist der Name dieses hl. Erzengels einzelnen Ortschaften beigelegt. In Steyl in den Niederlanden gründete man ein Mis¬ sionshaus der Priester der Gesellschaft des göttlichen Wortes zum hl. Erzengel Michael, während ein zlveites derartiges Missionshaus bei Wien zu Ehren des hl. Erzengels Gabriel errichtet wurde. Außer¬ ordentliche Verehrung zollten und zollen noch immer dem gewaltigen Obsieger über das Böse alle slavi- fchen Völker und Nationen, zumal aber die Süd- slaveu. Ich brauche es nicht eigens zu betonen, dass Sanct Michael auch in unserer Lavanter Diöcese angelegentlichst verehrt wird, lvo ihm nebst vielen Altären, Kapellen und Oratorien nenn Pfarrkirchen und fünf Filialen geweiht sind, die zumeist ans An¬ höhen stehen. i Der darunter liegende Abgrund er¬ innert an den Sieg des Erzengels über den Teufel, den er in den Abgrund stürzt. Auch die Sauet Michaels- Bruderschaft ist stark verbreitet, und ich wünschte es lebhaft, dass sie sich immer mehr und mehr ans- dehnen möchte nach außen und vertiefen nach innen. 2 Unsere allbesorgte Mutter, die hl. Kirche, wünscht sehnlichst die immer größere Verehrung ihres mäch¬ tigen Schutz- und Schirmgeistes, dessen Namen sie in die Allerheiligen-Litanei gleich nach Maria, der Königin der Engel, einfügte, wie sie ihn im Con- siteor zweimal sprechen und auch im Gebete, das der Poutificant während der Auflegung des Weihrauches verrichtet, anrufeu lässt, auf dass durch seine Ver¬ mittlung Gott der Herr das Opfer segne und an- nehme. Da unser Erzengel nach dem Briefe des hl. Judas Thaddäus die Leiche des Moses dem Satan abgerungen und ihr das Begräbnis gesichert hat, darnm gilt er auch als der Schutzgeist der Todten und als der Führer der abgeschiedenen Seelen. Es i St. Michael in Peilenstein, in Franz, in Wernsee, in Mahrenberg, ob Prassberg, in Schillern, bei Schönstem, in Pisec, in Kerschbach. Filialen: St. Michael in Rosswein bei Kötsch, in Süßenberg, in Fratinannsdorf bei Lweri, ob Tüffer, in Altendorf bei Videni. - Ossta st statuta 8/nocIi üioeoesanao anno Domini 1896 eelebnatae. LlarburAi, 1897. pag-. 313 lit. A. — 8voto opravilo. V Nariboru, 1887. paK-, 194. — 21 — kommt ihm zu, die Sterbenden vor den Nachstellun¬ gen des bösen Feindes zn Vertheidigen, ihnen im letzten Entscheidungskampfe hilfreich beiznstehen und die Seelen vor den Richterstuhl Gottes zu stellen, damit sie den verdienten Lohn empfangen. Dieses Amt des hl, Erzengels beruht nicht etwa bloß ans einer willkürlichen Annahme, sondern in dem bestimmt ausgesprochenen Glauben der Kirche; denn sie nennt Sanet Michael in ihren Tagzeiten „Boten Gottes zn den Seelen der Gerechten", bezeichnet ihn als „den Vorgesetzten des Paradieses, dem Gott der Herr die Seelen der Gerechten übergeben hat, auf dass er sie in das Pa¬ radies geleite," Auch in der Zeitbestimmung des Sanet Michaels-Festes liegt ein Hinweis aus das Gericht; denn der Michaelstag, 29. September, liegt nahezu in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche unter dein Himmelszeichen der Wage. Die Ernte ist vollendet, und der Landmann scheidet die Spreu von dem Weizen. Herbstzeit und Ernte sind Bilder des Todes und des Gerichtes. Weil Sanet Michael vielfach in Beziehung zn den Verstorbenen ' gedacht und gebracht wird, so wird er auch als Patron der Kirchhöfe angesehen. Die Friedhofkapellen werden ihm dedieiert, als dem Für¬ sprecher und Begleiter der Abgeschiedenen. Diesen Glauben spricht die Kirche ans am Sterbebette ihrer Kinder, indem sie den Priester beten lässt: „Hl. Michael, beschütze uns im Kampfe, damit wir im schrecklichen Gerichte nicht zn Grunde gehen." Sie spricht ihn aus im Offer¬ torium der Reguiemmesse, indem sie betet: „Der Fahnenträger Michael möge die Seelen der Verstorbenen hinbring en in das ewige Licht, welches Gott dem Abraham und seinen Nachkommen versprochen hat." Wahrlich, während der Teufel die Menschen anklagt, wie die hl. Schrift sagt (Fpoealpp. 12, 10), ver- theidigt Michael dieselben. Von seinem Eifer für das wahre Wohl der Menschen erzählt der große Apoealyptiker Sanet Johannes in seiner geheimen Offenbarung. Auch das Wort seiner Fürbitte gibt ' Vcrgl. Die Heiligen-Patronate von k. 0. II. in der Theolog. prakt. Onartalschrift. Linz, 1893. Heft IV. S. 814 tk. uns die Kirche an, indem sie ihre Priester in der erstell Vesper des Sanet Michaels-Festes in der Antiphon zum Magnisieat beten lässr: „Während Johannes das hl. Geheimnis betrachtete, ließ der Erzengel Michael die Posaune erschallen: Verzeihe, Herr, unser Gott, der du das Buch öffnest und seine Siegel lösest." Um die Verzeihung also, die der Sohn Gottes am Kreuze verdiente, betet und bittet der große Engel Gottes. Die Kirche feiert am 8. Mai die Apparitio oder Erscheinung des hl. Michael und am 29. Sep¬ tember begeht sie sein Hanptsest, welches ehevor ein lsLtum opori sl kori war, weshalb noch heute die Seelsorger an diesem Tage die hl. Messe für die Psarrsinsassen zn applieieren haben. Zudem führte die Kirche verschiedene Andachten zn Ehren ihres Schutz¬ engels ein. Papst Pius VIl. versah durch Ncseript der hl. Ablasscongregation vom 6. Mai 1817 mit unvollkommenen und vollkommenen Ablässen den Lob¬ gesang le Lplenclor et virlus mit Antiphon, Vers und Gebet. ' Papst Pins IX. bereicherte durch Ne- seript, datiert Gaeta 5. Jänner 1849, die Nvvenne zn Ehren des hl. Erzengels Michael unter den üb¬ lichen Bedingungen mit Ablässen. 2 Derselbe Papst ertheilte durch Decret der hl. Nitencongregation vom 8. August 1851 unter bestimmten Bedingungen reichliche Ablässe allen Gläubigen, welche die „eng¬ lische Corone oder fromme Übung zu Ehren des hl. Erzengels Michael und der englischen Chöre" andächtig und reumüthig beten. Von dem Eporcis- mus und den Gebeten, welche Papst Leo XIII. zur Hebung der Verehrung des hl. Erzengels einsührte, Ivar schon oben die Rede. * Franz Beringer, op. oit. S. 188 sg. nuin. 115. — 2 lelom, S. 236 sg. nnm. 3. — ° Idem, S. 347 8gg. nnm. 12. Behelfe zur Verehrung des hl. Erzengels: Andachts- Übungen für die Mitglieder der Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael. Von einem kathol Priester. Kempten, 1892. — St. Michacls-Officium zum Gebrauche bei der ewigen An¬ betung. Feldkirch-Vorarlberg, 1896. Die englische Corone zu Ehren des hl. Erzengels Michael oder der Engels-Rosenkranz befindet sich daselbst auf Seite 44 bis 48. — Der heilige Erzengel Michael. Von k. Hermann Koneberg. 0. 8. II. Religionslehrer. Augsburg. 16°. S. 83. — 22 — Nicht übergehen kann ich die Bemerkung, wie gerne die christlichen Künstler Sanet Michael dar¬ stellten. Gewöhnlich veranschaulichen sie ihn als Be¬ sieger des Teufels, wie er denselben nut der Lanze durchbohrt, mit dem Fuße ans ihn tritt, oder ihn fesselt und in den Abgrund wirft. Berühmt sind zwei Bilder dieser Art von: Meister, der sich nach dem Erzengel Rafael nannte: Raffael. Anf dein einen tritt Michael dem Satan anf den Hals, auf dein zweiten stößt er ihn mit der Lanze in den Feuer- fchlnnd. Mit der himmlischen Ruhe in Sauet Mi¬ chaels Antlitz, die sich auch in der stärksten Äußerung der Kraft und des gewachsenen Zornes nicht ver¬ leugnet, eontrastiert auf diesen Bildern die hässliche Leidenschaft des Teufels. Auf dem Hauptplatze der Stadt Laut' -Viipelo am Gargauus erhebt sich auf einer Säule die marmorne Statue des Erzengels Michael, welche als ein Werk der Pietät des ge¬ feierten Künstlers ansgegebeu wird, der seinen Namen sich beigelegt hat: McNelnnZelo. Hohen Ruhm ge¬ nießen die großen Bilder des Engelsturzes Rubens in München. Auf den Bildern des Weltgerichtes ist Michael gewöhnlich dargestellt als Held mit gol¬ denem Harnisch und langem Schwert, dem Sinn- bilde der Macht, und mit der Wage, dem Symbole des Gerichtes und der Gerechtigkeit. Berühmt sind ferner: das Bild des hl. Michael mit den: Schwerte von Guido Reni in der Kapuziuerkirche zu Nom, von clal Larlo zu Florenz, von Siguorelli in der Sixtinischen Kapelle, Sauet Michael den Teufel überwindend, von M. Schongauer im Dom zu Ulm, Sauet Michael mit der Wage von Albert Ouwater (Auwäter) auf dem großen Bilde des jüngsten Gerichtes in Danzig, der Erzengel Michael vom Altmeister Führich gemalt für die Sanet Michaels-Bruderschaft in Wien. 5. Aus dem bisher Vorgebrachten könnet Ihr, Theuerste in: Herrn, zur Genüge ersehen, wie sehr sich unser hl. Erzengel einer außergewöhnlichen Ver¬ ehrung auf dem ganzen katholischen Erdkreise erfreut. Und dies mit Fug und Recht, wie ich es nun näher beleuchten und darthun will. Vergl. Dr. Heinrich Samson, Die Schutzheiligen. Paderborn, 1889. S. 63 k. Wer soll nicht bewundern Sanet Michaels feste Treue, um sich in der Guade zu bewahren; wer soll nicht austauueu seinen glühenden Eifer, um die Mit- engel im Gehorsam zu befestigen; seine Demnth, sich Gott nicht gleich zu halten; sein entschiedenes Eintreten sür die heilige Sache Gottes; seine unbe¬ siegbare Festigkeit in der Bekämpfung Lucifers und feiner Dämonen? Sobald er die verbrecherische Ab¬ sicht der Empörer sah, die sich Gott gleich machen wollten, widerstand er ihnen mit dem Rufe: tzuis ul l)eu8? Wer ist wie Gott? Dieser Fragernf be¬ deutet auch seinen hehren Namen. Dadurch bestärkte er alle guten Engel in ihrer Pflicht und beschämte den Stolz und die Hoffart der Abtrünnigen. Unter dem mächtigen Fragernfe: Wer ist Gott gleich, stürzte er auf die Rebellen, überwand und warf sie in den Abgrund der Hölle. Fürwahr, groß ist die Macht und Kraft des Gedankens: Wer ist wie Gott? Er war fähig, die hl. Engel in ihrer Pflicht aufrecht zn erhalten. Er ist auch mächtig und kräftig genug, um uns alle, liebe Diöeesanen, im Guten beharrlich und ausdanern zn machen, so wir uns nur seine Bedeutung stets lebendig vor Augen halten. Wer ist wie Gott? Es gibt nichts, was Gott gleich wäre in seiner unendlichen Gerechtigkeit. Die Engel waren die vortrefflichsten aller Geschöpfe, welche Gott erschuf, waren ganz reine Geister, strahlend in wunderbarer Schönheit, glänzend in Weisheit und Gnade, die sie Gott überaus angenehm machten. Aber sie begiengen nur eine Sünde, eine einzige Sünde, und Gott der Allgerechte stürzte sie in die Hölle hinab, verstieß sie in den Schlund aller Art von Übeln und für immer und ewig. „Wie bist du vom Him¬ mel gefallen, du Morgenstern, der du früh au fstrahlte st . . . der du sprachest: Zum Himmel werde ich aufsteigen, über die Sterne Gottes setzen meinen Thron... Ich steige auf der Wolken Höhen, dem Höchsten will ich gleich sein. Ja, zur Hölle fahrest dn hinab, zur tiefsten Grube." (18. 14, 12—15). ()ui8 ul Usu8? Wer ist wie Gott? Wer gleicht ihm in seiner Strenge? Kein Gedanke kann wirksamer sein, nm uns die Sünde — 23 — meiden zu machen, als dieser. Denn wenn so gehan¬ delt ward mit den Engeln, bemerkt der große Clara- vallenser Sanet Bernardus ', was wird urit mir und dir, lieber Christ, geschehen, die Nur Staub und Asche sind? Und wenn Gott der Herr, wie der hl. Apostel Petrus schreibt, der sündigen Engel nicht schonte, son¬ dern sie mit den Ketten der Hölle gefesselt in den Abgrund schlenderte, damit sie gepeinigt werden (U- Ustr. 2, 4), mit welcher Strenge wird er nicht die Missethat des Menschen bestrafen, und welche Züch¬ tigungen wurden fähig sein können, sie zu sühnen? tzuis ut Ueu8? Nichts ist mächtiger und geeigneter als dieser Gedanke, nm uns von der Sünde abzu¬ halten. Oms ut Ueu8? Wer bestraft so die Sünde, wer rächt so das Böse? Wer ist Gott gleich in seiner Güte? Welche Belohnungen gewährt er seinen treuen, verlässlichen Dienern? Er gibt ihnen seine Hilfe, seinen Beistand, seine Gnade und seineil Segen hinieden; verleiht ihnen drüben ewige Freuden, Tröstungen und alle Herrlichkeit. Ja, er gibt sich selbst zur Belohnung hin, wie er Abrain versprach: »UZo proteolor luu8 8UM 6t M6l'668 tun MNZNN uiuÜ8.« (Een. 15, 1). Und diesen ewig dauernden Lohn gibt er für einige Augenblicke Arbeit, Treue, Gehorsam, Deinnth. Das Augenblickliche und Leichte der Trüb- und Drangsal wirkt in uns das einige Pfand der Glorie. (U Cor. 4, 17). Gibt es Jemanden, der Gott gleich wäre in seinen Erbarmilngen? ()ui8 ut I)6U8? Mu 68t siinilw tui iu cliw, Uomiuu (?8. 85, 8). Wer ist wie Gott? Keiner ist dir gleich unter Göttern, Herr, und nichts ist gleich deinen Werken. Beherzigen wir diese Wahrheit, vergleichen wir die ewige Glorie urit den gegenwärtigem Mühen, Leiden und Anstrengun¬ gen, und wir müssen gestehen, dass es nicht leicht einen stärkeren Gedanken gibt, nm uns in der gedul¬ digen Ertragung der Widerwärtigkeiten zu stählen und uns in der Übung der Tugenden treu zu er¬ weisen. ()ui8 ut I)6U8? Wer belohnt so das Gute? ()ui8 ut »6U8? Wie so gehaltvoll sind doch diese drei Worte! Wer ist Gott gleich in seinen Vollkommenheiten? Nur er ist wesentlich gut und ' 54 in Oantie. Oantie. mim. 8. heilig, ist absolut vollkommen. Nur er besitzt alle guten Eigenschaften ohne Grenze und ohne Beimischung. Nur er schließt in sich alles, was Nur wünschen können. Nur er allein kann alle unsere Wünsche vollends befriedigen. Alles andere ist eitel und trü¬ gerisch. Dies allein schon bewegt uns, uns einzig Gott hinzugeben. Das ist die Wirkung des Gedankens: Wer ist wie Gott? Nichts ist fähiger, uns zum Ver¬ lassen der Sünde zu bewegen, als der Hinblick auf die unendliche Strenge, womit die göttliche Gerechtig¬ keit sie bestraft. Nichts ist dringender, uns für die Tugend zu entscheiden, als die Hoffnung auf die un¬ vergängliche Belohnung, welche Gott derselben be¬ stimmt. Nichts ist gewaltiger, nur uns von den Ge¬ schöpfen abzuwenden und dem Schöpfer zuzuwcnden, als der Hinblick auf seiue unendlichen Vollkommen¬ heiten wie Liebe, Güte, Schönheit, i Ja, legen wir stets in die eine Schale der Wage Sanet Michaels die unermeßliche Größe Gottes, seine unendliche Macht, feine Weisheit, seine Heiligkeit, kurz alle feine Vollkommenheiten hinein, und in die andere unsere Schwäche, unsere Ohnmacht, unser Un¬ iv issen, unser Nichts, und dann rufen wir aus: Oms utl)eu8! Wer konnte Gott das Gleichgewicht halten? Ach, was sind Nur im Vergleiche zu Gott? Dürfen wir uns gegen ihn auflehnen und empören? Und darum, liebe Bisthnmskinder, merket Euch die hohe Bedeutung des Fragerufes: tzuw ut Ueu8 ? Schreibet ihn in Euere Herzen, verzeichnet ihn an irgend einen Ort, wo Ihr denselben oft sehen, lesen und erwägen könnet. Heget aber auch eine recht in¬ nige Andacht zum hl. Michael, der mit dieser Losung im Schilde die hoffärtigen Engel bekriegte und be¬ siegte. Und wenn Euch irgend ein Geschöpf zur Sünde verleiten wollte, stellet einen Vergleich an zwischen Gott und der Creatnr, die euch versucht nnd saget: Ist diese so viel wert, als Gott der Schöpfer? Ist dieses Vermögen vergleichbar den: Glücke und Gute, das Gott verheißen nnd verleiht? Ist die weltliche Freude gleich der himmlischen? tzui8 ut Ueu8? Wer 1 ^.dbö Olienart, Betrachtungen über die vorzüglichsten Pflichten des christlichen und priesterlichen Lebens. Ins Deutsche übertragen von Joh. Petry. Mainz, 1887. 2. Bud. S. 242 ck. — 24 — verdient mehr Ehre, Lob und Preis, Dank, Anbetung und Huldigung, wer mehr Liebe und Hingebung als Gott, der dreimal Heilige? Bon Gott lassen wir nicht, er verlässt auch uns nicht! tznis ul Deus! Welch' mächtiger Name ist der Name Michael! Wie er einst den Satan urit seinen: Ailhange in die Holle stürzte, so wird er in den letzter: Zeitei: der Kirche in den Kamps nut den: Anti¬ christ eingreisen und den Widersacher für immer zu schauder: macheu. Am jüngsten der Tage wird Sauet Michael die Gerichtsposaune erschallen lassen und wird die Todten zum Weltgerichte rnsen (l. Illess. 4, 15), bei dein er als besonderer Helser und Beistand der Gerechten auftreten wird. Welch' ein mächtiger und hocherhabener Engel ist sonach der hl Erzengel Michael, ruft der honigfließende Kirchenlehrer Sauet Bernar¬ dus aus! Nur: ist es fassbar, wie ihn die Kirche iu der Vesper seines Gedenktages Verehrer: läßt mit der Apostrophe- „O g l o rr e ich st e r Für st, heiliger Erzengel Michael, sei unser eingedenk hier und überall, und bitte iminer für uns den Sohn Gottes! Alleluja, Alle- l u j a." P O O , Im Herrn geliebte Möeesnnen! (u'HU .chn Schlüsse meines Send- und Lehrschreibens SoM ermahne ich Euch in aller Liebe, dass Ihr der: Mächtigsteil der Engel mit der ganzen Innig- leit, derer Ihr fähig seid, verehret. Fasset großes Zutrauen zu der Hilfe, großes Vertrauen auf die Macht uud Kraft der Fürbitte des großen Himmels- sürsten, zollet ihn: gerne den Tribut kindlicher Vereh¬ rung, indem ihr seine Würde und Hoheit lobet und Preiset, Euch seinem Schutze anempfehlet. Ahmet ihn nach ill der Liebe und im Lobe Gottes, in: Kampfe für Gott und sein Reich. Bekämpfet den Satan, die Welt und das sündige Fleisch. Jetzt ii: der hl. Fastenzeit er¬ greifet das Schwert der Abtödtnng und den Schild des Gebetes, die beiden Hauptwehren und -Waffen gegen dell dreifachen Feind. Wenn Ihr Euch abtvdtet und ver¬ leugnet und geduldig Euer Kreuz traget, wenn Ihr Euere Sinile züchtiget und die Gelliste durch Fasten bändiget, dann werdet Ihr ersticken die bösen Neigungen und die rebellischen Begierden. Wenn Ihr die täg¬ lichen Gebete mit Eifer und Andacht verrichtet, zumal das heilige Nosenkranzgebet, dann wird es Euch nie an der Gnade fehlen, mit welcher Ihr allen Ber- snchnngen und Anfechtungen widerstehen, alle Netze der Hölle zerreißen könnet. Dies wird Euch nm so gewisser gelingen, wenn Ihr Euch fleißig stärket mit dein Brote der Engel, wenn Ihr das hochheilige Altarssaerament oft und würdig empfanget, vor¬ nehmlich aber jetzt ill der geheiligten Osterzeit. Verehret Sauet Michael, den himmlischen Boten lind Gesandten, vorab Ihr, Priester lind Diener des Herrn, die Ihr ja selbst Engel heißet und seid! Spricht doch der Prophet Malachias: „Die Lippen des Priesters sollen die Wissenschaft be¬ wahren, und das Gesetz soll man holen ans seinem Munde; denn ein Engel des Herrn der Heerscharen ist er." (Nnl. 2, 7). Und der große Seher des neuen Blindes, Sanet Johannes, nennt die Kirchenvorsteher Engel, denen er verschiedene Botschaften Gottes mitzutheilen be¬ auftragt wird. Seid also nach dem Beispiele des hl. Erzengels und seiner getreuen Genossen sichtbare Schutzengel der Eilerer Obhut Anvertranten, und wehret ab von Eueren Seelenherden den Satan, der wie ein brüllender Löwe nmhergeht und sucht, wen er verschlingen könne! (l. Delr. 5. 8). Und die Gläu¬ bigen „habe:i nicht bloß zu kämpfen Wider- Fleisch :l n d Blllt, sondern wider die Ober¬ herrschaften lind Mächte, wider die Be¬ herrscher der Welt in dieser Finsternis, wider die Geister der Bosheit in der Luft." (bchllss. 6, 12). Betet den vom Papst Pius Vll. mit Ablässen versehenen Hymnus le splenckor et virtus Unlris mit Antiphon, Vers und Gebet reumüthig und andächtig! Gebrauchet ferner das Schwert des Eporcismns gegen Satan und die abtrünnigen Engel, wie ihn Papst Leo XIU. an¬ geordnet hat und ich denselben habe besonders ab- drucken und Euch zukommen lassen! „Wider¬ stehet den: Teufel, so wird er vor: euch fliehe::." (Ine. 4, 7). — 25 — Verehret und verherrlichet Sanct Michael und seine treuen Anhänger die guten Engel, Ihr, gott¬ geweihte Klosterbewohner, Mönche und Nonnen, und eisert ihnen nach in: pünktlichen Gehorsam, in der heiligen Tugend der Keuschheit, die geradezu eiue englische Tugend genannt wird, weil sie aus dem Menschen gleichsam einen Engel zu machen vermag, und ahmet Euere Schutzengel nach im beständigen Lobe und in der unablässigen Anbetung Gottes! Seid Engel durch Frömmigkeit, Reinheit, Folgsam¬ keit, Heiligkeit! Zudem bestrebe sich eine jede Familie, die Schutz¬ engel innig zu verehren und eisrig anzurufen. Sie wird sicherlich durch sie, zumal durch Rafael, den Schutzengel frommer Familien, von Unglück bewahrt. Ja, ihr christlichen Eltern, Lehrer und Erzieher, ver¬ ehret demüthig und inniglich den glorreichen Führer der getreuen Engel und seid Lenker und Leiter der Kleinen, damit sie den Engeln gleicher: in ihrem sitt¬ lichen Verhalten. Segnet die Kinder, wie der Patri¬ arch Jakob die Kinder seines geliebten Joseph segnete: „Der Engel, der mich von allen Übeln er¬ löst hat, segne diese Kinder." ((len. 48, 16). Euer Lohn hiefür wird der göttliche Kinderfrennd einstens selbst sein, den, so wie den Hl. Geist, be¬ ständig zu schauen es die Engel im Himmel gelüstet. (I. ?etr. 1, 12). Und Ihr, liebe Kinder, ehret und achtet Euere Schutzengel, die das Antlitz Gottes schauen! (Nnttll. 18, 10). Meidet das Böse und thnet das Gute, damit die Schutzengel von Euerer Seite niemals weichen! Liebet und ehret die Engel und deren Chorführer, Ihr, christliche Jünglinge und Jungfrauen! Die Engel sind Freunde und Liebhaber der jungfräulichen Seelen; sie bewundern jene, die als schwache Ge¬ schöpfe auf Erden ähnlich leben, wie sie im Himmel. Benehmet Euch, christliche Jüngliuge, recht sittsam und auferbaulich; seid zumal demüthig. Ohne die Tugend der Demuth seid ihr selbst im Himmel nicht sicher. Lucifer liefert den Beweis hiefür. Und ihr christliche Jungfrauen, betraget Euch überall gott¬ gefällig und dem Nächsten zum Heile, wie schon der hl. Apostel Paulus den Frauen den Auftrag gab, die Häupter zu verhüllen in der Kirche wegen der Engel. (I. Lor. 11, 10). Verehret Sanct Michael, den unsterblichen Helden und Vorkämpfer einer jeden guten Sache, folget seiner Fahne und seinem Rufe Ihr, christliche Männer, durch unentwegtes Gottvertrauen, durch überzeugnngstreues, durch entschiedenes und ent¬ schlossenes Eintreten sür die hehre und heilige Sache Gottes, die immer sieghaft bleibt, für das ewige Heil Euerer und aller Euch zur Obsorge zugewiesenen un¬ sterblichen Seelen! Liebet Sanct Michael und seine standhaften Engel Ihr, Gerechten! Diese sind Euere immer¬ währenden Begleiter, Wärter und Wächter auf dem Pfade der Tugend und des Heiles. Die Frommen sind mit Engeln umgeben, wie mit einem Lager, so dass die Feinde ihnen nichts anhaben können. So beschützte ein Lager von Engeln den Patriarchen Jakob, als er aus Mesopotamien heimkehrte, (den. 32, 1. 2). Und im Buche der Psalmen spricht der hl. Geist: „Der Engel des Herrn wird sich lagern um die, welche ihn fürchten, und wird sie erretten." (?s. 33, 8). Rufet die guten Engel um Hilfe au, Ihr Sünder! Die Engel sind Euere einflussreichsten Anwälte und mächtigsten Hel¬ fer. Sie überwanden die Teufel, als diese noch im Himmel waren, und überwältigen sie jetzt auf Erden um so leichter. Zudem freuen sich die guten Engel über die Bekehrung eines Sünders mehr, als iiber neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Nehmet Zuflucht zu den heiligen Engeln Ihr, Arme und Betrübte! Sie find Euere Tröster und Patrone. Desgleichen verehret die Engel Ihr, Reiche und Große der Welt! Sie erwirken Euch die weise Einsicht, dass alles Irdische eitel ist und vergeht, dass aber das Gute und Gerechte, das Heilige und Wahre ewig dauert. Im vorigen Jahre weilte ich in Rom und nahm theil an der glänzenden Feier der Heiligsprechung des seligen Maria Antonius Zaccaria und des seli¬ gen Petrus Fourier, die im Sanct Peters-Dom am Christi Himmelfahrts-Feste den 27. Mai erfolgte. Am 13. Mai hatte ich das hohe Glück, zur Privat- 4 — 26 audienz beim Papste Leo XIII. zugelassen zu werden. Als ich dem greisen Hl. Vater, der Heuer am 1. Jänner sein diamantenes oder sechzigjähriges Priesterjubiläum gefeiert hat, die Liebesgaben der Priester wie der übrigen Diöeesanen überreichte, er- theilte Er allen in seiner väterlichen Liebe den hl. apostolischen Segen. Sauet Michael nun, der kampf¬ gerüstete Schützer der streitenden Kirche, möge ihr sichtbares Oberhaupt, unseren weisen Hl. Vater Papst Leo XIII., der unter den Männern, welche gegenwärtig in die Geschicke der Welt eingreifen, der Erste ist, beschirmen, ihn gegen alle Anschläge seiner Gegner vertheidigen und ihn nicht in ihre Hände gerathen lassen. Wir Lavantiner aber wollen recht thätige Mitglieder sein der Bruderschaft des hl. Michael, welche der verewigte Fürstbischof Anton Martin mit Hirtenschreiben vom Quatember-Mitt¬ woche des Adventes 1860 einführte, Papst Pins IX. durch ein fpeeielles Breve vom II. März 1869 mit Ablässen bereicherte und der gottselige Fürstbischof Jacob Maximilian init Sendschreiben vom Kirch¬ weihfeste 1869 neuerlich den Gläubigen anempfahl. Flehet ferner, liebe Diöeesanen, zu Sanet Mi¬ chael, dass er auch mich, Eueren Oberhirten, stütze und stärke, damit ich die ganze mir anvertraute Seelenherde rette und ewig selig mache. Ich selbst will wie Jakob in den hehren Gotteskämpfer als meinen Namenspatron um die Segensspendung drin¬ gen: „Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich." (Ctzn. 32, 26). Ja, wie ich durch mein gegenwärtiges Sendschreiben die fromme Andacht zu dir und deinen getreuen Engeln beleben und er¬ höhen wollte, so erbitte mir du, heiliger Michael, von Gott die Kraft, auf dass ich alle Trüb- und Drangsale mit christlichem Gleichmuthe ertrage nach dem Beispiele des Engels der Gemeinde zu Phila¬ delphia, dem der Herr durch seinen Apostel schreiben ließ: „Weil du das Wort meiner Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung . . . Siehe, ich komme bald; halte an dem, was du hast, damit Niemand deine Krone empfange. Wer überwindet, den mache ich zu einem Pfeiler im Tempel meines Gottes und er wird nicht mehr hi naus ko mm en, und ich will auf ihn schreiben den Namen mei¬ nes Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, die vom Himmel von meinem Gott herab¬ kommt, und meinen Namen, den neuen (Christ)." (XpoealW. 3, 10—12). Das lausende Jahr ist für uns Österreicher ein Jubel- oder Freudenjahr. Es begeht nämlich unser vielgeliebter Landesvater am 2. December sein fünfzigjähriges Regierungs-Jubiläum. Wir Lavan¬ tiner wollen dieses denkwürdige Fest feiern mit in¬ niger Dankbarkeit gegen Gott den Herrn für alle Gnaden und Wohlthaten, die er unserem lieben und Heueren Kaiser erwiesen, und für alles Gute, das er uns unter seiner halbhundertjährigen Regierung in reichlichem Maße hat zutheil werden lassen. Schon jetzt aber wollen wir Sanct Michael, den großen Himmelsfürsten und Schutzgeist Österreichs, bestür¬ men, auf dass er unseren Landesfürsten hüte und für ihn beim Herrn der Heerscharen fürspreche, da¬ mit er ihn erhalte in seiner Gnade und seinen Segen über ihn ausströmen lasse für und für! Weiters möge Sanct Michael, der Engel des Fegefeuers, jenen armen Seelen helfen und beistehen, die Gottes Gerechtigkeit zurückhält im Reinigungs¬ orte, wo die Leiden peinlicher sind als alles Schmerz¬ liche, was auf Erden erdacht oder empfunden werden kann. Ja, mächtiger Schutzengel der leidenden Kirche, bitte für alle verstorbenen Lavantiner, auf dass sie gewürdigt werden, in das Reich der reinen Geister, in die triumphierende Kirche ausgenommen zu werden und wie die Engel Gottes im Himmel zu sein. (Nnttll. 22, 30). Schließlich lenke ich Euere Aufmerksamkeit, ge¬ liebte Diöeesanen, noch auf den allerletzten Liebes¬ dienst, den uns die Engel nach dem Zeugnisse der ewigen Wahrheit erweisen. Bekannt ist die evangelische Erzählung vom armen Lazarus und reichen Prasser. Lazarus war so hungrig, dass er sich nur von den Brosamen, die vom Tische des Neichen fielen, zu sättigen wünschte; aber Niemand hatte mit ihm Mit¬ leid und Erbarmen. Er starb. Und kaum war er — 27 — gestorben, siehe, da kamen die Engel und tragen seine Seele sanft ans ihren Händen in den Schoß Abra¬ hams, in die himmlische Ruhe hinüber. (llue. 16, 19—22). Welch ein Trost, in jenem Augenblicke, wo sick- alle Kräfte vereinigen, um die scheidende Seele zu beunruhigen, wo tausenderlei Erinnerungen an die sündhaft verlebten Tage den Geist irre und wirre machen, wo der höllische Geist den letzten und des¬ halb gewaltigsten Sturm wagt, um die Seele für sich zu gewinnen — welch ein Trost, sage ich, in dem Augenblicke, von dem die Ewigkeit abhängt, einen Engel zum kräftigen Beschirmer, zum Sterbe- Patron zu haben. Unsere hl. Kirche kennt die Kraft dieses Beistandes in diesem so wichtigen Zeitpunkte, darum betet sie bei dem Sterbenden: „Kommet zu Hilfe, ihr Engel! Übernehmet seine Seele und traget sie hinüber vor das An¬ gesicht des Allerhöchsten!" Im Herrn geliebte Diöcesanen! Machen wir uns die Schutzengel durch Verehrung und Liebe, durch Gehorsam uud Vertrauen gegen sie, durch Nach¬ ahmung ihres Beispieles zu treuen Lebensgefährten, auf dass sie uns Beistand leisten im Leben und im Tode, auf dass sie uns zumal am jüngsten Tage, wenn die Gerichtsposaune erschallen (Mattll. 24, .31: l. Lor. 15, 52) und der Menschensohn in der Herr¬ lichkeit seines Vaters mit seinen heiligen Engeln kommen wird (Nure. 8, 38), Hilfe leisten, damit wir nicht im furchtbaren Gerichte untergehen, nicht ins ewige Feuer, das dem Teufel und seinem An¬ hänge bereitet ist, verstoßen werden, sondern von den Engeln auf die rechte Seite gestellt und von ihnen als die Erwählten Gottes bezeichnet, im Triumphe Jesu Christi in den Himmel ziehen und dann mit ihnen: den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Herrschaften, den Cherubim und Seraphim singen ohne Ende: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Mein Schlusswort aber sei der Segenswunsch des hl. Apostels Paulus im Briefe an die Römer: „Der Gott des Friedens zertrete den Satan schnell unter eueren Füßen. Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit euch. Amen." (kom. 16, 20). Marburg, am hochheiligen Namen-Iesu-Feste, den 16. Jänner 1898. 1- Wichael, Fürstbischof. kW//,