lür Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordefch. ^5 25. Montag mn I5 . Mär) 2844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Bogen, und allmonatlich ein in Wien von Meisterhand in Kupfer gestochenes - kolorirtcs Costumebild, irische Voltstrachten in Doppelfigur enthaltend, in Großquart.- Der Preis des Blattes ist in Laibach ganz­jährig e, halbjahrig 3 fl. Durch die k. k. Post unter Couvcrt mit portofreier Zusendung ganzjährig 8, halbjährig 4 fi, C. M., und wird halbjährig vorausbezahlt. Alle k. k. Postämter nehmen Pränumeration »n. Glockentod. Deutsche Sage. 2>,uf ödem Felde dort, wo eine Etadt Ob ihres Frevels sank in Nacht und Oraus, D» wühlt ein Eber in des Todes Saat Und gräbt, statt Beute, eine Glocke aus. Die schöne Glocke reizt der Menschen Sinn, Man führt sie bald zur nächsten Stadt hinein, »Noch brachte jenes Feld uns nicht Gewinn, Du sollst nun Zierde uns'res Stadtchens sein,« Doch »ls man sie zum ersten Male schwang, D» dröhnte dumpf und schaurig ihr Geläut'; Der Strang zerriß, die Glocke selbst zersprang. Und umgegossen — ward ihr Riß erneut. Am öden Feld, wo sünd'gc Welt versank, Senkt man die Glocke wieder scheu hinab. »Nicht tönet solcher Klang mehr Gott zu Dank, Was Er begraben, bleibe stumm im Grab!« Carl Groder, Hochzeits-Gebräuche der Wallachen, '(Ma­ chen) in Kroatien. Ein Veitrag zur Geschichte der Slaven, von Jos. Vllchenhain. Ehret die Sitten, ehret die Gebräuche der Völker, Sie sind uns Zeugen alter und schönerer Zeiten. Desaix. m Jahre 1832 am 10. Juni (bei den Grie­chen am 29. Mai , oder am griechischen Pfingsttage) kamen wir in wallachisch Mo­ rauez, einem kleinen Oertchen in Kroatien, an. Unser Weg führte uns von dem Grenzorte Weinitz in Unterkrain, über ein steiles Gebirge dahin, wozu wir etwa drei Stunden ge­braucht haben mochten. Die Einwohner daselbst waren fest­lich geschmückt. Wir bemerkten eine besondere Sorgfalt in dem Anzüge der Jungfrauen. Ihre Gesichtszüge deuteten auf etwas Besonderes, Geheimes; auch sprachsich in mehreren Gesichtern ein gewisses Bangen und Zagen aus, und als wir darüber einen der Dorfbewohner befragten, ward uns I n Loibach pränumerirt man beim Verleger am R»»n, Nr. 190, im ersten Stocke. die Antwort, daß am heutigen Nachmittage alljährlich die hierorts übliche Brautschau abgehalten werde. Noch nie­ mals Zeugen eines solchen eigenthümlichen Gebrauches, be­ schlossen wir dieser Festivität beizuwohnen. Der Nachmittag war erschienen. — Wir standen un­ter einer zahllosen Menge Zuschauer am Platze vor dem Pfarrhofe, vor dem sich eine große Linde befand. I n dem Schatten ihrer weiten Aeste hüpften um den Stamm der­selben herum die lieblichsten, meist schwarzäugigen Dorfmäd­chen unter einem lauten, helltönenden Gesänge, und zwar ohne Begleitung irgend eines Instrumentes, und bildeten eine Art Rundtanz. Diese regellose Schwingung, bald links, bald rechts, nachdem der Gesang sich steigerte oder fiel, währte ziemlich lange. Plötzlich traten einige Jüng­linge, die, eine Zeit früher dem Gesänge zugehört und still­schweigend die Tänzerinen gemustert zu haben schienen, in den Kreis. Nachdem jeder derselbensich zwischen zwei Jung­frauen gestellt hatte, begann Gesang und Tanz von Neuem. Der erstere gewann an Volltönigkeit durch die sich beige­sellten Männerstimmen, der letztere aber verlor ungemein an seiner Leichtigkeit und schwebenden Bewegung. Die Jünglinge hatten sich nun ihre Zukünftigen ge­wählt. „Sehen Sie," sprach einer der Dorfbewohner zu uns, „welches Mädchens Rechte nun in der Hand des Jünglings ruht, ist von nun an Braut," dabei wies er mit dem Zeigefinger auf jene Mädchen hin, welche jetzt plötzlich erblaßt waren und mit gesenkten Blicken und sprachlos vor freudiger Ueberraschung an der Seite ihres Nachbars im Kreise sich kaum noch mechanisch fortbewegen konnten. „Braut?" wiederholten wir, einer nach dem andern. Wir dachten eben an den Raub der Sabinerinen und warteten etwas bange auf den Ausgang. Nun trennte sich der Kreis und der Gesang verstummte. Die Jünglinge zogen ihres Weges, die Jungfrauen zu ihren elterlichen Wohnungen. Die Anwesenden aber begannen, nach Hause ziehend, den Reichthum der Wähler, welcher meistens in einer hölzernen Keusche, in einigen Rindern und Schafen zu bestehen pflegt, zu rühmen oder zu tadeln, und Glück oder Unglück, wie es 98 die Umstände mit sich brachten, dieser oder jener Verbin­dung zu weissagen. Dies sahen und hörten wir. Um unsere Neugierde, welche sich von Minute zu Minute steigerte, zu befriedigen, erfuhren wir nach genaueren Erkundigungen Nachstehendes: Hat der Jüngling sich nun seine Gefährtin bei dem heutigen Rundtanze gewählt, so schickt er noch am Abende des nämlichen Tages einen seiner Anverwandten zu den Eltern der Auserwählten mit der Frage, ob dieselbe noch zu vergeben sei, und ob man solche dem heutigen Tänzer zur Gattin geben wolle. I m Bejahungsfalle wird nun der Tag zur förmlichen Brautwerbung bestimmt. Die Braut wird jedoch nie um ihre Meinung gefragt. Am festgesetzten Tage bereiten die Eltern der Braut ein großes Mahl. Dasselbe besteht gewöhnlich in einem gebratenen Ochsen, einigen Schöpsen, Hühnern, in einer großen Menge weißen Brotes und einigen zwanzig Eimern Wein, denn der Bräutigam erscheint mit allen seinen An­verwandten, Freunden und Bekannten dazu. Unter großem Jubel werden nun die Punkte des Heirathsvertrages wech­selweise besprochen, und seit diesem Tage ist dann die Aus­erwählte eine erklärte Braut. Sie trägt von nun an des Sonntags, statt der gewöhnlichen Kopfbedeckung, über dem Kopftuche einen schwarzen Hut, dessen Rand um und um mit Zwanzigkreuzer-Stücken oder auch mit Golddukaten — nach dem Vermögen der Braut — behängt ist; den Gupf desselben schmücken Pfauenfedern nach aufwärts gerichtet. - Der Brautstand in dieser Kleidung währt dann bis zum Montage nach St. Martini, somit durch beinahe 5 Monate. Am St . Martinstage aber ist Jahrmarkt in Verbovsko. Jede Braut von der ganzen Umgegend geht dahin und zeigt zum letzten Male den Schimmer ihrer Pracht. Es ist kaum zu glauben, daß Menschen, sonst so einfach und schlicht, einen solchen Aufwand zu entfalten vermögen. — Die­ser Tag ist der letzte Glanzpunkt der irdischen Glückselig­keit der Braut, denn nach wenigen Tagen beginnt dann ihre beinahe sclavische Untertänigkeit. Wahrlich eine zu große Strafe für den kleinen Traum der weiblichen Eitelkeit! Am nächsten Montage nach St. Martini ist endlich der Zeitpunkt der feierlichen Vermählung. An diesem Tage werden alle Jene, welche in demselben Jahre ihren Stand zu verändern gesonnen sind, eingesegnet, denn der Pope kopulirt nicht einzelne Paare. (Fortsetzung folgt.) Treffende Abfertigung. Künstler-Novellctte von Leopold Kordesch. I m Lenzmonat des Jahres 1819 fuhr spät an einem regnen,chen Abende über High-Street, die längste und schönste Straße in Portsmouth, schwerfällig eine Postchaise und blleb vor dem ansehnlichen Hütel .zu den zwei Matrosen« stehen. Auf das Läuten des Hausknechtes, der gerade vor dem Hausthore stand, eilten schnell zwei Aufwärter herbei, wohl vielleicht auch durch das plötzliche Stillestehen des rasselnden Wagens belehrt, daß noch Fremde ankommen. Der Schlag öffnete sich. Ein flinker Bursche sprang behend heraus und half ehrerbietig einem stämmigen, blassen Manne vom Wagen, über dessen Antlitz eine eigene, gebie­terische Hoheit ausgegossen war. Des unfreundlichen Wet­ters halber hatte der Fremde wahrscheinlich über seine übri­gen Kleider den großen, langen, rehfarbenen Oberrock an­gezogen, dessen aufgeschlagener Kragen ihm bis über die Ohren ging, und worin er sich mit seiner etwas strappazir­ten Reisemütze von blauem Sammt, die mit Gold gestickt war und' auf dem ziemlich großen Kopfe schief saß, etwas sonderbar ausnahm. — Der Reisende schien nicht bei Laune zu sein. Er blitzte mit seinen brennenden Augen unter den buschigen Augen­brauen so unheimlich und befehlend hervor, daß die Gast­hausbedienung unwillkürlich Respekt bekam und sich mit einiger Scheu nach seinen Befehlen erkundigte, denn ein gewisses Beherrschen der Umgebung, etwas unaussprechlich Ausdrucksvolles spiegelte sich in der Miene des Fremden. „Zwei Zimmer auf die Straße heraus!" befahl er und folgte dem Zimmerwärter, der ihm mit einem zweiarmigen Leuchter respektvoll voranschritt. Nachdem der Fremde sich seines Oberkleides entledigt und in ein Fauteuil geworfen hatte, während der Aufwär­ter geschäftig aufräumte, machte er seinem Unwillen über das Wetter und die schlechte Straße durch einige kräftige, englische Seemannsssüche Luft, schimpfte besonders über den grundlosen Weg von der letzten Station Chichester her und bedauerte, die Reise nicht lieber auf dem Canal zur See gemacht zu haben. Während dieses derben Monologes war James , der Aufwärter, fertig geworden und stand schwei­gend an der Thüre, Befehle erwartend. „Sagt Hüll , meinem Diener, daß er komme," sprach der Reisende, und in demselben Augenblicke trat jener mit dem Hausknechte ein, welcher ihm das ziemlich große und volumnöse Gepäcke herauftragen geholfen. Die Dienerschaft des Gasthofes entfernte sich nun, und der Herr trug dem Bedienten auf, ein Nachtessen zu bestellen, hatte aus dem rothen Mantelsacke seinen Schlafrock alsbald hervorgeholt, angezogen und sich bequem gemacht. „Eine Neuigkeit, meine Herren, eine süperbe Neuig­keit!« rief freudig und Alle überkreischend Willia m Ieckinson, der dickleibige Gastgeber der großen Auberge »zur Europa,« in den Eßsaal der ersten Etage stürzend, wo eben eine große Anzahl seiner täglichen, besseren Gäste versammelt war. „Nun , was gibt's, was gibt's?" riefen neugierig Mehrere. „Was es gibt? Kunstgenüsse gibt es!« sprach der Exal­tirte;' „Kean, der große, berühmte Kean, England's größ­ter Mime, der unerreichte Künstler ist in Portsmouth angekommen." — „Ah ! das ist herrlich!" riefen die Gäste. „Angekommen-, ja meine Herren, und leider nicht bei mir abgestiegen. Bei den drei Hexen von Wight, das be­trübt mich tief; allein er ist schuldlos; der Tölpel von Po­ 99 stillon, der alte, mürrische Lumley, fuhr den genialen Schau­spieler „zu den zwei Matrosen" — ich bitte Sie, zu den zwei Matrosen, wo man oft den ganzen Tag kaum Gäste über diese Zahl antrifft, und wo außer der bequemen Aussicht fast nichts zu haben ist, als schlechter Porter und stinkende Roastbeefs; ja — ich will mich nicht loben, aber — „zu den zwei Matrosen," als ob es keine »Europa" gäbe! Doch ich verzage nicht, ich habe ein Plänchen, ein herrliches; aber — nichts ausgeschwatzt, nichts ausge­schnattert vor der Hand ! — Die freudige Anregung war allgemein. Man dankte dem Wirthe für die wirklich interessante Neuigkeit. Meh­rere junge Marineoffiziere und Kaufieute erhoben ein Freu­dengeschrei und ließen den Künstler hoch leben. „Kea n ist ein Mime , dergleichen England noch nicht besaß" nahm John Maltravers, der Direktor des königlichen Ge­schützmagazins, ein alter, leidenschaftlicher Theaterfreund, der sich auf seine Erfahrungen etwas zu Gute that, das Wort. „Ich habe ihn mehr denn zwanzig Mal in Lon­don gesehen, das will was heißen. Ja , ihr Herren, der Ausdruck, die Kraft ist bei diesem außerordentlichen Schau­spieler vorherrschender, als tiefes, inneres Gefühl; starke, polternde Leidenschaften sind sein Element; darin ist und bleibt er unerreicht; das weiche, feinere Spiel , das Näselnde, Ueberzuckernde freilich, das fehlt ihm; allein eben darum ist er ein geborner König, und wer ist in tragischen Rollen ihm gleich? Sein Blick als Tyrann, als Verbrecher — wie zermalmend, — sein Schweigen, wie furchtbar! Ach, meine Herren! wollen Sie Große, Männlichkeit, Stolz und Würd e dargestellt sehen — Kea n ist der Repräsentant, Kean , — Niemand sonst!" — „ Seine besten Rollen sind „Macbeth" und „ Iago " im „Mohr von Venedig" — unterbrach Iohnstone, ein reicher Baronet, der theils zu London, theils zu Ports­ mouth lebte und den Künstler oft gesehen zu haben vorgab, den Direktor. „Was Macbeth, was Iago?" wandte der Erstere hitzig ein — „sehen Sie ihn als „Richard III., " beob­ achten Si e sein Lächeln im Wahnsinn als „Lear " und Si e werden sagen, der alte Direktor hat Recht, es kann keine bessere Parthie für Kea n geben. Kurz, meine Herren, Si e werden sich vielleicht alle selbst überzeugen können, denn er ist hier und ich möchte unsern Wirth für diese Nachricht vor Wonne erdrücken." Der Wirth lächelte selig über die Lobsprüche, die man seinem Lieblinge ertheilte, rieb sich immer geheimnißvoll di,e Hände und that, wie ein Mensch, der etwas Besonderes im Schilde führt, aber damit nur mit Mühe noch hinter dem Berge hält. Die Gesellschaft ging endlich auseinander, und trug die Nachricht in alle Theile der Stadt. (Fortsetzung folgt.) Blicke in die Vorzeit. (Der große Unterschied.) Ganganelli, nachheriger Papst Clemens XIV., war der Sohn eines armen Dorfbarbiers. Als im Jahre 1758 Papst Clemens XIII. seinen Einzug in die lateranische Kirche hielt, befand sich Ganganell i als Francis-kaner-Mönch unter den Zuschauern. Er bestieg das Postament einer Säule in der Kirche, um dle Prozession desto besser zu sehen. wurde aber von diesem Posten durch einen Schweizer verjagt, der ihm mit der Hellebarde noch obendrein einige Stöße in den Kauf gab. Wie wenig konnte sich damals der arme Mönch einbilden, daß er bei der nächsten Feierlichkeit der Art die Hauptrolle spie­len und daß er der unmittelbare Nachfolger desjenigen sein würde, vor dem er jetzt mit dem ganzen Volke in tiefster Demuth auf den Knieen lag! — Die Erinnerung an diesen Vorfall erregte bei Ganganell i ein leises Lächeln, als er eilf Jahre später (1769) als Papst im größten Pomp bei jener Stelle uorübergetragen wurde- Nach gecndigter Ceremonie erzählte er selbst diese Be­gebenheit. — (Die Warnung.) Graf Georg Adolph von Leiningen hatte einen Hund, der ihm sehr lieb war. Als dieser einmal vor der Tafel sehr ungestüm zu bellen anfing, schrie der Graf im un­bedachtsamen Zorn seinem Edelknaben, Wilhelm de la Tour, zu, er solle die Bestie zum Fenster hinaus werfen. Der Edel­knabe ergriff sogleich den Hund und warf ihn zum Fenster hinaus auf's Pflaster, wo er auf der Stelle todt liegen blieb. Als er nun deswegen von einem andern Diener sehr ausgescholten wurde, sagte Graf Georg Adolph: »Laß ihn mit Frieden; ich hab's befohlen.« Zum Edelknaben aber sagte er: »Du hast zwar ge­than, was ich dir geheißen habe, und der Hund ist todt; nimm dich aber in Acht, daß du meinen Befehlen in allen andern Sachen auch so nachkommst, sonst möchte der Hund wieder bei mir leben­dig werden und dich schmählich beißen.« (Der zerbrochene Spiegel.) Czaar Peter der Große, bekanntlich sehr aufbrausend, zerbrach einst im Streite mit seiner Gemahlin Katharin a einen großen- venetianischen Spiegel: »Siehst du,« sagte er, »aus Staub ist dieses Glas hervorgegan­gen und es kostet mich auch nur einen Faustschlag, es wieder zu Staub zu zermalmen«. — Katharina , welche diese Anspielung sehr gut verstand, erwiederte sogleich sehr sanft und demütbig: »Nun ja, du hast die schönste Zierde deines Pallastes vernichtet, findest du wohl, daß er dadurch glänzender geworden ist?« — Diese glücklich angebrachte Antwort that ihre Wirkung und be­sänftigte den Czaar augenblicklich. — (Die Unprotegirten.) Der Fürst von Montbarry legte Ludwig XVI. von Frankreich eine Liste von jungen Leuten zur Besetzung erledigter Stellen in der Militärschule vor. Dar­unter befanden sich Viele, bei denen bemerkt stand, daß sie von Personen des höchsten Ranges empfohlen wurden. Der König deutete auf Diejenigen, bei denen diese Bemerkung fehlte und sprach: Alle jene, welchen es an Beschützern fehlt, sollen in mir ihn finden. Diese allein sollen den Vorzu g haben. (Treffende Bemerkung.) Der Marschall von E h o i se u l erhielt den Oberbefehl über die französischen Heere in Deutschland. Man stellte dem Könige Ludwig XIV. vor, daß dieser Feldherr zu kurzsichtig sei. »Desto besser,« antwortete der Monarch, »er wird eben darum dem Feinde um so viel näher gehen!« Die Schutzgeister. Zwei Mal im Leben gibt der Himmel Dem Menschen einen Echutzgcist mit; Früh, wenn das Kind mit Gefahren scherzt, Spat, wenn der Greis nach den Krücken langet; Der Mann aber in der Mittagssonne, Der frcigcwählte Pfade tritt. Der muß in sich den Genius tragen, Z»m Willen »des VoUbringens Kraft.» R. Rialer, Feuilleton des Mannigfaltigen. (I n den Annale« der englischen Ganner) spielt ein Herr Hyte , Advokat in Barnstaple, wie der »Pilger « erzählt, eine nicht unbedeutende Rolle. Wir wollen sein letztes Gauner­stückchen erzählen: Eines Tages kam er zufälliger Weise zu einem begüterten Gentlemen, welcher in den letzten Zügen lag. Hat er Testament gemacht? fragte er die trauernde Gemahlin des Ster­benden. — Leider nicht, und ich befürchte, daß seine Güter nun den Verwandten zufallen werden, erwiederte sie. — Ich will Ihnen zu den Gütern verhelfen und verlasse mich auf Ihre Groß­muth, Mylady. — Während dieser Unterhandlung starb der Gutsbesitzer. Hyt e eilte darauf in seine Wohnung zurück, sehte ein zu Gunsten der Lady lautendes Testament auf, und kehrte mit seinen ihm blindlings ergebenen Zeugen in das Gemach des Tob­ten zurück. Da angelangt, fing er eine lebende Fliege, die er dem Tobten in den Mund gab und dann de»en erstarrte Hand zur Unterzeichnung seines Namens führte. — Die Zeugen legten vor Gericht den Eid ab, daß er seinen letzten Willen gemacht hätte, so lange noch Leben in ihm war. — Die Witwe gelangte in den Besitz der Güter. Den Verwandten des Ver­storbenen, welche sich so verkürzt sahen, gelang es theils durch ROtt Drohungen, theils durch Bestechung die Zeugen zum Geständniß zu bringen. Dem Advokaten Hyt e wurde der Prozeß gemacht und er wurde im Jahre 1767 durch den Strang hingerichtet. — (Ein Adoptivkind wider Willen.) Am 20. Februar ging in Paris eine wohlgekleidete Dame über die Straße, als sie von einer Frau, welche die Kleidung einer Bäuerin trug und ein liebliches kleines Mädchen von zwei Jahren an der Hand führte, mit dem Ausdruck der sichtlichsten Angst angeredet wurde. Sie sagte, ihr Mann sitze betrunken in einer nahen Taverne, die sie bezeichnete, und sie wolle ihn herausholen, ehe sein Rausch noch ärger würde, aber sie getraue sich nicht, das arme Kind in den Lärm hineinzunehmen, weil es darüber leicht zu weinen an­fangen mochte, was ihren Mann stets in Wuth versetzte. Sie bat deshalb die gute Dame, das Kind nur einen Augenblick an die Hand zu nehmen, sie würde längstens in fünf Minuten zurück sein. Aber aus den fünf Minuten wurde eine halbe Stunde und die gutmüthige Dame, welche in jener Schenke vergebens nach der Bäuerin fragte, mußte sich endlich überzeugen, daß sie ange­führt sei. Einige Tage darauf waren noch alle Nachforschungen der Polizei fruchtlos geblieben. Das arme Kind aber konnte sich darüber leicht trösten, denn die Adoptivmutter, der die Kleine aufgeschmuggelt worden war, erklärte, dieselbe behalten und wie ihr eigenes Kind erziehen zu wollen, wenn denen Eltern nicht wieder aufgefunden würden. (Mittel, frische Butter in kürzester Zeit ohne But­terfaß zu erhalten.) Man nimmt frische, süße Milch, gießt sie in eine Flasche, stopft diese mit einem Stöpsel fest zu, so daß keine Luft Zugang findet, und schüttelt die Flasche eine geraume Zeit. Die fertig gewordene Butter schüttet man aus der Flasche in eine Schüssel, nimmt die Buttertheile, die man fest zusammen­drückt, heraus, und wäscht sie in einer andern Schüssel in reinem Wasser aus, worauf man sie mäßig salzt. Der Rückstand ist süße Buttermilch, die man gekocht auch zum Kaffeh benutzen kann. (Gin gräßlicher Fall.) In Zollikon, meldet die »Schwei­zer Zeitung,« klemmte sich ein Mann, der im Walde allein Holz spaltete, die Hand in einem wiederzuklappenden Baumstrunk so sehr ein, daß der Arme, um sich frei zu machen, zu dem verzwei­felten Entschlüsse seine Zuflucht nehmen mußte, sich die Hand mit dem Beile selbst abzuhauen. Heimkehrend fiel er vor seiner Woh­nung todt nieder. (Gin weiblicher Witz!) Im verflossenen Carneval erschien ein unbemitteltes Mädchen auf einem Balle in demselben Ballkleide, worin es am vorhergehenden Balle erschienen war. Da flüsterte eine huldreiche Frau, ihrer Nachbarin bei Tische hohnlächelnd zu: »Dieses Mädchen sitzt noch vom letzten Balle hier!« -^ (Sonderbare Ar t des Selbstmordes.) Ein Einwoh­ner des Marktfleckens Baroth in Siebenbürgen hat sich auf eine originelle Art aus der Welt hinausbefördert- I m Verdruß über das Mißlingen seiner Absicht, sein Eheweib, mit welchem er nicht im besten Frieden lebte, zu erschießen, befestigt er sich eine Quan­tität Schießpulver an den Körper, wickelt sich in eine Wollendecke, zündet das Pulver an und ward durch die Explosion ganz zerrifjen. (Kloster.) Das größte Frauenkloster wird wohl Ajudo in Rio-Janeiro sein. Es sind gegen 600 Nonnen und Kostgän­gerinen daselbst und jedes Mädchen muß 100 Crusaden (1133 fl. 20 kr. C. M.) mitbringen, wenn es aufgenommen werden will. Arger Druckfehler. I n einer Abhandlung, welche jungst in einem Wiener Tageblatte, unter dem Titel' »Gray in Steiermark,' eine Colonic der Slavcn« erschien, heißt es-. Die schädlichen, von ie her mit throkischen und epirotischen Völkern vermischten slowenischen Stämme, statt: die südlichen u. s. w. Kritische Annoncen. Klagenfurt am 2«. März 18«. Die Leitung derständischen Buhne ward in jüngster Zeit Herrn Rosen» schon auf 3Jahre übergeben, wahrscheinlich wird auch Laibach ihn als Entre» preneur begrüßen. Da derselbe bloß ein recitirendcs Schauspiel, Vaudeville und Posse zustellen hat, so wird e« seiner^ Einsicht und Energie möglich sein, alle unsere Wünsche und Erwartungen zu befriedigen. Zwei Fächer möge der Direktor bei den Engagements in unserem und seinem Interesse besonders bc» rücksichtigen, Fächer, die seit Jahren wirklich erbärmlich cu'lti»irt wurden: das eines ersten Komikers und das eines Intriguants. — Die Wiener Posse verliert ohnehin bedeutend durch die Versetzung auf einen ihrem Elemente fremden Boden; fällt die Repräsentation nun vollends einem Komiker anHeim, der das schon vorhandene Gemeine bis in's Schmutzige und Ekelerregende her» abzieht, so muß das Institut de« Typus der Unsittlichkeit und einer das Nied­rige fordernden Absicht erhalte«; dasselbe gilt u°« dem letzterwähnten Genre, dem wir den höchsten, den ersten Rang in der dramatischen Kunst zusprechen, Nu» zu den einzelnen, gelungenen Vorführungen — Mtagswarc, Lückenbüßer werden wir Nets übergehen. — Am 24, Fcbr»»«: »Der Zauberschlcier,« lokales Zaubcrspie! in 4 Akten von Told, Diesem Stücke liegt ein zartes, Inftiges Mährchen, eine schöne, poetische Idee zu Grunde. Hr. Told flickte drei local seinsollcnde Episoden hinein, und das Zauber bild ward zu», Zauber spiel. Einer hätte es verstanden, den Duft der zarten Blume zu verkörpern, er, der geniale Raimund; außer ihm im weiten Deutschland keiner. — (Wenn Löwe je mehr eines Beweises seines hohen Berufes als Mime, wie Dichter bedurft hätte, sein Eifer, seine Pietät in der Insccncsctzung des Verschwenders hätte ihn geliefert). So wie die Fabel jetzt bearbeitet wurde, ist Albert ein Hirn» loser Narr, Zelia eine interesselose Dirne, der Farbcnrcibcr eine gemeine Figur, der Gutsbesitzer vielleicht nur da, um unser Ohr, das unter Rosen» schön's Regie von den Zoten so mancher Possen sich befreit sah, durch sein Idioni zu mißhandeln. Die Wirthin überantworten wir einer Besserungsan­stalt. Das Resultat der Vorführung: Ein Bravo dem Schneider, ein Bravo dem umsichtigen Arrangeur, unfern Beifall dem Dekorateur! Einige Gruv­pirungen waren mit vielem Geschmack erfunden, vortrefflich ausgeführt die Dekorationen Maria Saal, der See und Osterwitz von Ihrem akadcmi» schen Maler Kurz von Goldenste in. Am 28, Februar: »Christine von Schweden« Drama in 3 Aufzügen von Vogel. Christine, die Tochter des großen Gustav Adolf, der Zög­ling Oxenssierna's, die mit seltenen Reizen und Geistcsgabcn begabte, groß in der Tugend wie in, Laster, stark in der Liebe wie im Hasse, selbst in ihren Fehltritten der ongcborne Adel nicht zu verkennen, — M»d, Rosen schön ward die Lösuug des schwierigen Vroblem's, die Auffassung dieses Charakters ' anvertraut. Herrlich war die Repräsentation. Drei Momente trugen hervor« ragend das Gepräge der Virtuosität. Die unbewußte Entwickelung der Liebe zu dem Grafen Steinberg — wie viel des Reizes, der Lockung, der schmel­zendsten Hingebung lag da in jeder Nuance — die Entdeckung des Vcrraths Santino's — getäuschte, betrogene Liebe artet in Wahnsinn, in Naserei aus ; mit welcher Rachelust, mit welcher bis in die letzte Fiber gedrungenen Rachgier das Mannweib den Blutbcfehl ihrem zerschmetterten Günstling hinwarf — die Abdication - welcher Adel, welche Seelengröße, welche Majestät und Erhaben» heit in jeder Pointe, in jedem Zuge! — Nach dieser Rolle können wir nur wünschen, daß Mad, Rosenschön Nets diesem Fache treu bleibe und nie diese schönen Eindrücke durch den Ucbertritt in das naive Fach verwische, und uns, bald die noch genialer gezeichnete Christine des Laube'schcn Monaldeschi vorführe, — Dies als Beweis, daß wir wahres Verdienst, wo und »uf wel» cher Bahn es uns immer begegnen möge, stets anerkennen, ohne deshalb uns zu dem gemeinen Gewerbe eines Lobhudlers herabzuwürdigen. Am 4. März: »Der Mulatte«. Lustspiel nach dem Französischen von Th. Hell, Eines der besseren Produkte der überrheinischen Hyperromantik, Es ist doch ein Stück Arbeit, dem man die Firm» nicht so leicht ansieht, da« doch Kopf und Fuß hat. Mit echter Weihe «ab Herr Engclbrecht die Titel­rolle. Zuerst der feine, süßliche, galante Roui, des verflossenen Jahrhunderts, — durch einen Schlag des Schicksals' die Tünche verwischt — Mann in der verwegensten Deutung des Wortes. Wie nun in dem armen, bedrückten Sclaven plötzlich die Kraft, die Mannhcit, das Selbstgefühl erwachen, er entgegentritt der Laune, dem Vorurtheilc, dem Drucke der Verhältnisse, er aufdeckt dem Rabenvater all' die Schmach, die er, ler geistig Reife, mußte er­dulden ob seiner Schändlichkeit: mit welch' jugendlicher Gluth, mit welch' innigem Gefühl schwang er sich da in den höchsten Acther des Gedankens, Diesen einzigen Moment stellen wir denen gegenüber, die d» noch immer dem Verdienste dieses Schauspielers die billige Anerkennung verweigern. Den Herren, die sich in dem Costnm » I» racoeu nicht zurecht finden konnte», bemerken wir ganz einfach, daß Eckhof den »Kanut von Dänemark« in einer Lockenperücke und modernem Sammtkleide dem erssen Publikum Deutschlands vorführte, und dadurch nur ein neues Blatt seinem wohlverdienten Lorbeer» kränze hinzufügte! Es beweist eben den Takt unserer Direktion, dassie Gl' schmück in den Costumes vorwalten läßt, ohne deshalb in das Extrem eines Antiquitätcn-Kram's, einer Musterkarte der verschiedensten Nationen aller Jahrhunderte auszuarten, — (Beschluß folgt,) Nathsel. Der Löser dieses leichten Räthsels hat. Was seltsam, mit der schönsten Edelthat Zugleich das allirschwärzeste Verbreche» I n einem einz'ge» Worte auszusprechen. K, Laibach. Druck und Verlag des Iysef Vlasnik.